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Tilos von Kulm Gedicht von
siben ingesigeln
Tilo (von Kulm)
TAYLOR
INSTITUTION
LIBRARY
ST G1LES- OXFORD
BS.4-/3 fa'lo)
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Deutsche Texte des Mittelalters
herausgegeben
von der
Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften.
Band IX.
Tilos von Kulm Gedicht von siben Ingesigeln.
BERLIN
Weidmannsche Buchhandlung
1907.
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Dichtungen des Deutschen Ordens 11.
Tilos von Kulm
Gedicht
Von siben Ingesigeln
aus der Königsberger Handschrift
herausgegeben
von
Karl Kochendörffer.
Mit einer Tafel in Lichtdruck.
BERLIN
Weidmannsche Buchhandlung
1907.
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UNfVFR«UTY \
1 - DEC. 1934
OF OXFOHD c
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Einleitung.
Als Verfasser des Gedichtes ‘Von siben ingesigeln’, wie es Vers 93 genannt
wird, bezeichnet sich in der lateinischen Schlufsschrift magister Tylo de Culmine.
Beendet ist es in vigilia ascensionis, also am 8. Mai, 1331. Gedichtet hat Tilo von
Kulm zu Ehren des deutschen Ordens, insbesondere des Hochmeisters Luder von
Braunschteeig , dem am 17. Februar 1331 als Nachfolger des um 19. November 1330
ermordeten Werner von Orseln die Hochmeistenciirde übertragen war. Da die
Widmung an den Fürsten nicht nur in der Schlufsschrift steht, sondern auch in dem
Geilichte selbst Vers 77 ff. ausgesprochen ist, so ist die uns vorliegende Niederschrift
zwischen dem 17. Februar utul dem 8. Mai 1331 angefertigt worden. Ob auch das
ganze Gedicht in diesem Zeitraum entstanden, oder ob es schoti vor der Wahl Luders
zum gröfseren Teil fertig gewesen oder wenigstens begonnen ist, wissen wir nicht.
Die Vermutung, die man aus dem Inhalt und aus den lateinischen Überschriften und
Beischriften schöpft, und in der man bestärkt wird durch des Dichters Worte V. 45
durch daz muz ich her vnd dar
nemen vremder Spruche war,
dafs nämlich das Gedicht kein Originalwerk sei, wird bestätigt durch den Umstand,
dafs das Original noch existiert. Die lateinische Vorlage ist der Libellus septem
sigilloruui, eines unbekannten Verfassers. Er ist uns erhalten in einer Königsberger
Papierhandschrift und steht in 31s. 1767 hinter dem Tractatus de tribus sanctissimis
regibus Bl. 48 — 165. Diese Handschrift gehörte früher dem Kloster Pelplin, wie
aus dem zum Teil zerstörten Besitzrermerk auf dem vorderen Vorsatz und dem auf
dem hinteren Vorsatz geschriebenen Verzeichnis der Klosterinsassen hervorgeht, an
deren Spitze der Abt Petrus de Honigfeld (1402 — 1436) genannt ist, und ist um die
Wende des 14. Jahrhunderts geschrieben. Während der Dichter in der Auswahl
seiner Vorlage völlig frei gegenüber sieht, lehnt er sieh in der Wiedergabe zum Teil
wörtlich an sie an.
Literarisch ist Tilo von Kulm nicht weiter bekannt. Urkundlich erscheint er
als Tylo von dem Colmen, Domherr des Bistums Samland, am 1. Dezember 1352,
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VI
als frater Tylo de Culmiue, canonicus ecclesie Sambiensis, am 21. Dezember 1352
und am 17. Mai 1353 (vgl. Neues Preufs. Urkundenbuch. Ostpr. Teil. II. Abt. Bd. 2.
Urkunden des Bistums Sa ml and, hrsg. von C. P. Wodka und K. Mendtlud Nr. 404.
407. 415).
Ob dieser Kanonikus der samlä'ndischen Kirche mit dem Kanonikus Tylo
von Ermland identisch ist, der 1324 und 1328 urkundlich auftritt, und den Franz
Hipler, Literaturgeschichte des Bistums Ermland 1873 S. 18 f., für den Dichter hält,
ist nicht gewifs, doch schon wegen der Beziehungen dieses Tilo zu dem Kloster
Pelplin, dem er nach Aussage des Nekrologiums eine Bibel geschenkt hat (Hipler
a. a. 0. S. 27. Anm. 29), immerhin nicht unwahrscheinlich, wenn wir bedenken, dafs ja
der Dichter Tilo von Kulm nach einer lateinischen Vorlage dichtete, die in einer
Pelpliner Abschrift auf uns gekommen ist. Vielleicht ist auch der in der Urkunde
des Samlä'ndischen Domkapitels vom Jahre 1351 (Nr. 396) genannte Domherr Tilo
von Papov (Papau, zwischen Kulm und Kulmsee gelegen) die gleiche Persönlichkeit,
da er mit einer Beihe derselben Domherren als Zeuge fungiert, wie Tilo von Kulm
in den andern Urkunden.
Das Gedicht Von siben ingesigeln ist uns überliefert in der Pergametühand-
schrift Ms. 906 (8°) der Königlichen und Universitäts-Bibliothek zu Königsberg i. Pr.
(ältere Signatur LII. 23). Beschrieben ist sie von Emil Steffenhagen in den Neuen
Preufsischen Provinzial - Blättern 3. Folge, Bd. 8. S. 214 — 219 und in dem Verzeichnis
der Königsberger altdeutschen Handschriften, Zeitschrift für deutsches Altertum
13 (1867) S. 516 — 518. Bis zu ihrer Überführung in die Schlofsbibliothek am
8. Oktober 1541 gehörte sie zu der Bibliothek des deutschen Ordens in Tapiau.
Polyphemus, der erste Bibliothekar des Herzogs Albreckt I. von Prcufsen, hat sie in
seinem Verzeichnis dieser Bibliothek unter II, 246 eingetragen als „libellus septem
sigillorum deutsche reimen auff pergamen gesebribenn“. Die Handschrift umfafst
einschliefslich des Vorsatzes 156 Blätter moderner Bleistiftzählung und besteht aus
20 Lagen, bezeichnet I — V, vi — xx, von denen 19 Quaternionen sind, während die
letzte lAige aus 4 Blättern besteht, deren erstes weygeschnitten ist. Höhe des Blattes
ist 17cm, Breite ll’ji an; Höhe des beschriebenen Baumes 10‘h — ll’l» cm, Breite
ungefähr 7 cm. Das Gedicht ist einspaltig in abgesetzten Zeilen geschrieben.
Der Einband ist alt, Holzdeckel mit rotem Schaf leder überzogen, mit 2 Leder-
schliefsen, die auf dem ll'ückendeckel durch 2 messingene Knöpfe befestigt waren.
Schliefsen und Stifte fehlen heute. Die Vorder- mul Bückseite des Vorsatzblattes
enthält je ein lateinisches OediclU auf den Herzog Luder von Braunschweig, die
offenbar auch von Tilo von Kulm verfafst sind. Das Gedicht auf der Vorderseite
besteht aus 6 Zeilen zu je 6 Worten, die von links nach rechts und von oben nach
unten gelesen die gleichen Hexameter bilden. Geschrieben ist das Gedicht ursprünglich
3 mal. Die erste Niederschrift ist ausradiert. In der zweiten stehen die den Vers
bildenden Worte nicht genau untereinander, ihre Zusammengehörigkeit ist erst durch
nachträglich angebrachte Linien bezeichnet, ln der dritten Niederschrift sind die
einzelnen Worte durch senkrechte Striche genau abgeteilt.
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VII
Das Gedicht lautet:
Elyzabeth ,
! carus
Dux
vivat
germine
clarus
Carus
de Brunswig
redolens
Dux
frontis
honore
Dux
redolens
fratrum
lustrator
sub cruce
patrum
Vivat
Dux
lustrator
amans
fontis
pietatem
Germine
frontis
sub cruce
fontis
celica
prendat
Clarus
honore
patrum
pietatem
prendat
opimam
Das zweite Gedicht auf der Rückseite besteht aus drei Strophen:
Stirpe soporatur nux. sic clarus de Brunswig
dux. cuins amenosa lux. ex prosapia illustri
Ut madens profluxit ros omnium hoc clamat os.
quod idem decorus flos preter maculam ligustri
Partem habet, que non tabet in afflnitate.
Cum egregioribtis. mundi melioribus. regum
ducum floribus refertus in ubertate.
ij Sanguis stirpis veteris. nobilis plus ceteris
quod est donum etheris. intellectuale lumen
Ducem extulernnt hunc. qui cum clarus esset tune
clarior est factus nunc, dignitatis per cacumen
C’onstitutus ut sit tutus ordinis magister
De domo teuthonica. militum dos unica mo
rum ipse tunica. dux luderus iuro bis ter
iij In eo non ulla fraus. hinc in rama sua laus
resonat et in emaus. laudum pregnans probitate
Ipse nichilominus. dux magister dominus
in radice cominus. est elyzabeth beate
Non abs causa, sine pausa. ipsum digne promo
Quia castus stabilis. eloquens affabilis. princeps
dux laudabilis. per virtutes omnis homo.
Diese Gedichte, die in Kursire geschrieben sind, werden wohl von der Hund
des Dichters selbst als Widmung eingeschrieben sein.
Rot sind die Überschriften, Beischriften und die Schlufsschrift, ebenso die
gröfseren Initialen der Abschnitte. Wo dafür einmal der Raum vergessen wurde,
z. B. beim Beginn des ersten Ingesigels, ist an der Seite ein rotes H gemacht, welches
Zeichen auch sonst noch einigemale zur Andeutung eittes Absatzes dient, zuweilen
atwh, schwarz, den Leser auf irgend etwas im Satze aufmerksam machen soll.
Die Anfangsbuchstaben der Zeilen sind bis auf a v w überwiegend grofs,
vereinzelt kommen auch bedehimnsz vor.
Für die Herstellung der Handschrift ist offenbar das Bestreben des Dichters
von Einflufs gewesen, sein M 'erk dem Hochmeister möglichst bald abliefern zu können.
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VIII
Insbesondere zeigt sich das natürlich in der Schrift. Diese, im allgemeinen Idar and
leserlich, (Schwierigkeiten macht nur manchmal die Unterscheidung zwischen c und t,
c und I, T und 1, t und d) wird nach häufigen guten Ansätzen im Laufe der Arbeit
leicht wieder flüchtig und plumper, so dafs man öfters an verschiedene Hände denken
könnte, wenn nicht dieselben Schwächen, ebenso wie die Buchstabenverschiedenheiten in
allen Teilen gleichmäfsig wiederkehrten.
Die Absicht war es, die Seite mit 20 Linien zu versehen, sowie vorn mit
zwei senkrechten, zwischen denen die Anfangsbuchstaben jeder Zeile, ausgerückt und
rot durchstrichen, Aufnahme finden sollten. Das Einzige, was davon durchgeführt
ist, sind die Stichpunkte für die Horizontallinien, alles übrige tritt sporadisch auf.
Die beabsichtigte Einrichtung zeigt blofs die zweite Lage, während die erste nur
Ansätze enthält und die dritte Lage zwar noch die Horizontallinien hat, aber die
Anfangsbuchstaben nicht ausrückt. Auch im ferneren Verlauf geschieht das Aus-
rücken ohne feste Hegel , und die rote Strichelung der einzelnen Anfangsbuchstaben,
statt deren auf vielen Seiten ein von oben nach unten durchgehender roter Strich
gemacht wird, hört nach Bl. 83a ganz auf.
Bis 114a sind 20 Linien beibehalten, dann mufs wohl ein Überschlag über
das zur Verfügung stehende Pergament eine stärkere Baumausnutzung wünschenswert
gemacht haben; denn die Seiten 114b bis 137a mit Ausnahme von 121b bis 122a,
und 129b bis 130a und ebenso 149b bis 151a, enthalten je 22 bis 2t Zeilen.
Die Handschrift enthält zahlreiche Korrekturen teils orthographischer, teils
etnendierender Natur. Emil Steffenhagen (N. Pr. Provbl. 3. F. 8, S. 219) schrieb sie
derselben Hand, die den Text geschrieben hat, zu und schlofs daraus, dafs die Hand-
schrift das Autograph des Verfassers sei. Auch Zacher in seinen Vorbemerkungen
zu Sleffcnhagens Verzeichnis (ZfdA. 13, 507) neigt dieser Ansicht zu, die auch Franz
Hipler ( a . a. 0. S. 20) zu der seinen machte. Dieser Annahme widerspricht aber der
Umstand, dafs in den Korrekturen selbst sieh verschiedene Hände unterscheiden lassen.
Die eine, die sich hauptsächlich, aber nield ausschliefslich, auf Verbesserung von
Schreibfehlern mul Flüchtigkeiten beschränkt, ist die des Schreibers, von der sich eine
aiulere Hand, die stärkere Änderungen im Texte des Gedichtes vornimmt, wesentlich
unterscheidet.
Wenn auch in vielen Fällen eine Korrektur sich nicht mit Sicherheit der
einen oder der anderen Hand wird zuweisen lassen, zumal ja noch andere Hände
dabei nicht ausgeschlossen sind, so ist doch in den wichtigeren die Entscheidung
nicht zweifelhaft. Während die versehentlich ausgelasseiwn Verse 113 — 17 und
1505 — 08 von der Hund des Schreibers am unteren Rande nachgetragen sind, ist an
anderen Stellen (890, 3906, 5904) je eine Zeile gestrichen und dafür eine Umdichtung
ebenfalls am unteren, bezw. oberen Bande, geschrieben. Die Verschiedenheit der
Schrift tritt hier deutlich zutage. Die Nachträge des Schreibers zeigen dieselbe Buch-
schrift wie der sotistige Text, die Neuverse dagegen nähern sich mehr der Kursive
(vgl. die Tafel). In ihnen darf man die Hand des Dichters erblicken. Es kommt
dafür noch ein anderes Kriterium in Betracht, allerdings nur für den ersten Teil
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IX
der Handschrift, da es mit der nur bis Vers 3260 (Bi. 33a) rorhandenen roten
Strichelung der Anfangsbuchstaben jeder Zeile zusammenhängt. Die Änderungen
iles Schreibers müssen aller Erwartung nach vor dieser Arbeit des Rubrikators
geschehen sein. Deshalb hat der Rubrikator die nachgetragenen Zeilen ebenso be-
handelt wie den anderen Text, also die Anfangsbuchstaben rot gestrichelt, ebenso
auch zur Erhöhung der Deutlichkeit oder des schöneren Aussehens wegen die Aus-
lassungszeichen. Deshalb ist auch da, wo der Schreiber ein erstes Zeiheort ändern
mufs, in den neuen vor die Zeile gesetzten Worten der Anfangsbuchstabe rot durch-
strichen: 1663 An für Mit, 1750 Beide für Eine. Der Dichter selbst dagegen feilt
noch an seinem Werke, nachdem es fertig geschrieben und rubriziert ist. Infolge
desseti findet sich Vers 890 keine rote Farbe und auch in den von ihm nachträglich
geänderten Anfangsworten oder Buchstaben der Zeilen 79, 278, 650, 797, 881, 1043,
1837 nicht. Wenn nun aber in den Versen 1184, 1469, 1834 die Korrekturen, die
das erste Zeitwort betreffen, zweifellos der Schreiberhand gehören und dabei doch der
roten Strichelung entbehren, so kann man nur annehmen, dafs der Dichter den
Schreiber veranlafst hat, diese Änderungen zu bewerkstelligen, nachdem dieser schon
rubriziert hatte. Denn der Rubrikator wird mit dem Schreiber eine Person gewesen
sein: die roten Überschriften sind der Textschrift sehr ähnlich, und einmal, Vers 686,
ist auch mit der roten Farbe des Rubrikators der Text erheblich geändert worden:
stete gancz mit sichirlieit für Entete gancz mit zirheit, was gewifs nicht ohne
direkte Anweisung des Dichters selbst geschehen ist.
Die Annahme eines solchen engeren Zusammenarbeitens von Autor und
Schreiber, wie es die Korrekturen vor und nach dem Rubrizieren zur Voraussetzung
haben, bietet nichts auffälliges, wenn das Gedicht nicht Abschrift, sondern nach
Diktat niedergeschrieben ist. Dafs dies wirklich der Fall ist, dafür sehe ich den
Beweis in der Tatsache, dafs unter den zahlreichen Korrekturen solche von Verlesungen
gänzlich fehlen, während andererseits eine gröfscrc Anzahl von Irrtümcrn Vorkommen,
die offenbar auf einem Verhören seitens des Schreibers beruhen. In der folgetiden
Zusammenstellung steht links, tcas der Schreiber gehört und verstanden hat, rechts
die Korrektur, die bei Vers 2234, 4432, 5080, jedoch nur von mir vermutet ist.
1137 daz Got wurde mensch vnd sayt . . . vns sayt
1209 den gelonben vwer e . . . den gelouben nver e
1304 sprach bina daz sacli ich dir . . . sag ich dir
1485 durch sache daz wirt tovgen . . . wir tovgen
1639 dor inne vnd v'drozen . . . vnv’drozen
1995 si ist daz in ir ouge . . . inner ouge
2211 als si vor Elyseus . . . als hi . . .
2230 mit dem uz des herczen grünt . . . mitten . . .
2234 du salt vor di svnde lan ... vort di . . .
3331 der worheit al si wer ein rouch . . . als si . . .
3380 vm mir arbeit wol schone ... vm ir arbeit . . .
3452 vngeliorsam sunder bau . . . vnd gehorsam . . .
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X
3460 bi wilen in tode slv ... todes Iv
3534 liden io des todes tral . . . todes stral
4066 vnd swlich sint benvmet . . . vns werlich
4384 secz czv machen richtern svs . . . sed czv
4432 do schon vor gotes sweben . . . vor gote sweben
4507 als sin lyp vnd ouch sin houbt . . . al sin
4534 des muz d' ewicliche . . . must er
5080 do nimt alcznhant daz sin . . . daz in
5126 ob alliz schaczes Orden . . . schaczes horden
5375 alles sprach in vvres vlani . . . alle sprach
5383 daz di worheit valsche sam . . . valsches an
5386 daz der heilge geistes got . . . geist ist got
5418 geistes got an allen schrancz . . . geist ist got
5790 ein vnd dry in ein' bot . . . ein' wot
Zu (len Verhörungen wird man auch die Fälle rechnen dürfen, in denen e
statt ei geschrieben ist. Der Dichter sprach den Diphthong als e mit nachkl tagendem i,
und das für östliche Laute ungeschulte Ohr des Schreibers hörte nur das e, das er
schrieb, dann aber meistens in ei verbesserte. Vgl. bewenten (beweinten) 295, emer
(eimer) 1634, beden (beiden) 1957, steg (steig) 2863, geneget (geneiget) 3276, ken
(kein) 4838, geseln 4996, czeegt (czeigt) 5107, warhet (warheit) 5216, mestern 5391.
Eine weitere Stütze für die Annahme des Diktats bieten die Fälle, in denen
der Schreiber den Anfang des nächsten Verses schon am Ende des vorhergehenden
schreibt:
1657 wen er die genade ist vor aller
vor aller vns' svnde mist.
2512 durch Esechielis mnt di vnvlat
dl vnvlat vnmenschlich ist
2541 dorvine di vil reine vor
vorczoch die demut eine.
3637 ds tot antwvrte gliche du vichst
du vichst in myme riche.
3971 ettelichen svnd'lich io er gab
io er gab gemeinlich sich.
5049 sin' wid'uerte schin p
piz hin uf di hoe sin.
5377 sine czunge svnd'lich d' werl
d' w' ld was daz wvnd'lich.
6159 daz fver ouch so mud' dort
dort iclich werk besund'.
Bei dieser Herübernahme des folgenden Versanfangs an den Schlufs der
vorhergehenden Zeile hat das fortlaufende Diktat dieselbe, die Aufmerksamkeit des
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XI
Schreibers von Rhythmus und Reim ablcnkcnde, Wirkung wie hei Abschrift eine
Vorlage, in der die Versteifen nicht abgesetzt, sondern fortlaufend geschrieben sind.
Das bei den Korrekturen beobachtete Verfahren ist verschieden. Die falschen
Wörter werden entweder ausradiert oder wagerecht durchstrichen, wobei der Schreiber
oft noch unterpunktiert, während der Korrektor sich die Punkte spart. Die Tilgung
einzelner Buchstaben geschieht meistens durch durunter gesetzte Punkte. Eingeschoben
werden Buchstaben, indem sie über der Linie nachgetragen werden: die orthographische
Änderung geschieht bald durch Uberschreiben oder Danebensetzen, bald durch Hinein-
schreiben in den zu korrigierenden Buchstaben.
Durch die sorgfältige Niederschrift unter den Augen des Verfassers, wie durch
die fleifsige Korrektur, zum Teil von der Hand des Verfassers, ist ein fast fehlerloser
Text entstanden, der auch hochgespannten Ansprüchen der damaligen Zeit gerecht
werden konnte und den man als typisches Beispiel dafür anselten darf, was tum den
gesellschaftlich und literarisch hochstehenden Kreisen des Mittelalters verlangt wurde.
Daraus würde sich auch für eine kritische Ausgabe die Forderung eines möglichst
konservativen Verfahrens ergeben. Ich gebe die Schreibung der Handschrift genau
wieder, und nur die wenigen offenbaren Fehler sind gebessert, diese selbst in den
Apparat vertriesen. Die orthographischen Verschiedenheiten, der Wechsel zwischen cz,
z und c, k und c, z und s, i und y u. a. m., sind beibehalten worden. Geregelt ist
nur durchgängig nach dem Lautwerte die Schreibung von i und j und u und v, und
die Abkürzungen sind aufgelöst.
Für i und j steht in der Handschrift stets i mit oder ohne Strich darüber;
der Strich ist ziemlich regelnuifsig in den Verbindungen des i mit u, n oder m. Über
dem mit dem i häufig wechselnden y steht Punkt, Strich oder keins von beiden.
Zwischen v und u wird weder im Anlaut noch im Inlaut ein Unterschied gemacht,
nur scheint der Dichter eine gewisse Vorliebe für V gehabt zu haben, das öfters aus
einem vom Schreiber gesetzten u korrigiert ist.
Häufig vorkommendes ft, v und ue ist nicht blofs Zeichen des Umlauts; es
vertritt ü (trftt : bruet 3015, tüben 3042, hues 4127), iu (kvscliheit 1582, lute 6104,
bedvt 2178), uo (sich 652, rft 653, run : getün 1585), ü (vftr 106, mftr : vftr 1681),
üe (sfize 1256). Der Wechsel in der Schreibung ft und ue ist willkürlich, es kommt
daneben auch ü vor, in welchem das e durch ein Auslassungszeichen als nachträglich
eingeschoben kenntlich gemacht wird. Ich bin in der Wiedergabe auch uicht konsequent
gewesen und habe manchmal ue für handschriftliches ft gesetzt.
Der Umlaut von o und ö wird durch das nordische o wiedergegeben. Dieser
Buchstabe findet sich auf deutschem Gebiet nur noch in einer gleichzeitigen Hand-
schrift des Wismarschcn Stadtschreibers Hinrik i’. Embccke 1317 — 1338 (vgl. F. Grull,
Die Buchstaben e utul in in Wismarschcn Stadtbüchern usw. des 14. Jahrhunderts,
im Jahrbuch d. Ver. f. mUi. Sprachforsch. III, 1877, S. 1 — 7).
Die Vermutung spricht dafür, dafs das gleichzeitige Auftauchen des sonst
in deutschen Handschriften unbekannten Buchstaben trotz der räumlichen Entfernung
einen näheren Zusammenhang haben müsse; vielleicht waren Tilos Schreiber und
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XII
Ilinrik r. Embecke Landsleute. Jener, der das von einem Deutschordenspriester zu
Ehren des Herzogs von Braunsehtveig verfaßte Gedieht niederschrieb und in der
Umgebung dieses Hochmeisters zu suchen ist, mag ettenfulls ein Einbecker gewesen
sein, wie der Wismarsehe Stadtschreiber.
An Stelle des 0 findet sieh einmal 6 (brödekeit 601) und mehrmals 0 oder
oe(noete: toete 53.9, 2303, irloset 2723).
Von Abkürzungszeichen ist das häufigste der wagerechte Strich über der Linie
für n : mä 3, küne 68; weniger oft für tn : vreder 46, qua 1311; kvt 2872. Einmal
dient der Strich auch als allgemeines Zeichen in vfl für vnd 23.
Sehr gewöhnlich ist auch das Zeichen s für er (für re nur in caturen 4943)
und für ir (d' 519, ws 1385, wt 704, h'ne 4496) und or (v' 577, 882, 2155, 4185).
Gatiz vereinzelt findet sich das Zeichen 7 für et : gevirrj 1922, sj 2186
irkvrn; 3030 und p, p, p in Lehnworten: psone 2582, padys 526, platen 3823,
ppket 1360.
Die übliche Kürzung durch Kontraktion zeigen die Kamen Jh's, Xps, Jok's.
Hochgestellt kommen die Vokale a, 0 und u vor für ra (aber auch &), ro
und ru: beht 419, saement 3805, gben 3277, ewngelio 2398, gden 4759; gz 692, 1816,
2174, ebnen 988; cce 4565.
Interpunktion fehlt im allgemeinen in der Handschrift; doch Ansätze finden
sieh, es werden Punkt utul Strich verwendet. Die Striche dienen häufig zur Trennung
zweier aneinander geschriebener Wörter, z. IS. al / der 224, genczlich / noch 350, wi / er
422. do/ vor 503, menschen / der 510. Im Abdruck habe ich an solchen Stellen die
Worttrennung durchgeführt, im Apparat aber den Trennungsstrich ebenso wenig
angegeben wie die zur Verbindung zweier getrennt geschriebener Wortteile nachträglich
angebrachten Haarstriche.
Daß einsilbige nur aus einem Vokal bestehende Worte gewöhnlich zwischen
zwei Punkte oder Striche gesetzt werden (z. IS. .e. 63, 2191, 2657, /e/ 1646, 3261, .y.
2081, 2082, statt dessen auch einigemal .ie. 4799, 5390), ist als Interpunktion nicht
anzusehen, sondern fällt noch in die Kategorie der Trennungszeichen. Den Übergang
zur Interpunktion bilden die Fälle, in denen dieselben Worte wiederholt und durch
Punkte getrennt werden: keilic. heilic. heilic. got 1115, hely. hely. vater myn 4618.
Ganz unserer modernen Verwendung des Kommas gleich kommen Punkt oder Strich
zwischen mehreren gleichartigen Wörtern: luden, morden. Stelen, brunst 4095, phaffen/
richter / ritter. di 4489, sin uzvart. sin louf. sin gang 5047, cristen. ivden. noch
beiden 6180. Auch zur Satztrennung werden Punkt uiul Strich, meist richtig,
gebraucht, vgl 197, 1679, 2208, 2852, 2916, 2958, 4994, 5116, 5948.
Bei der Korrektur, die zugleich Kritik und Exegese umfaßte, hat mich
lloethes guter llat und sein scharfer, nie ermüdender Blick auf das wertvollste unterstützt.
Ihm und meiner Frau, der treuen Helferin, sei an dieser Stelle herzlich gedankt.
Marburg, im Februar 1907.
Karl Kochendörffer.
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Von siben Ingesigeln.
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[■®°] Prologus libelli feptem figil-
1 o r u m.
Erft uf ein gut gelinge
Den fcheppher allir dinge
Sal man denclich rufen an!
An fin hülfe niman kan
5 Redelich czu keiner ftunt
Legen einen vullemunt.
Durch daz fi nicht enbrochen,
Di clugen, di fo fprochen:
‘Wer ichtes wil beginnen,
10 Der hab in finen finnen
Daz er von erft Got mane!’
Zo loufet wol fin kane
Hie nf dirre werlde fe;
Let her climmen fine vle
15 Ken berge nf mit rate
Zu Gote vru und fpate,
Zo wirt gut fin anevanc
Und des mitteles anehanc,
Lobelich daz ende wirt,
20 Gut wirt alliz daz er birt
\2b\ Waud von Gote vluzet ebu
Beide wefen und daz lehn
Allen dingen fuft und fo.
Wen fin geift der geiftet jo
25 Wo er wil und wen her wil,
Waz er wil; der gab ift vil:
Difem tut her den getunt,
Jeme gibt er fuzen munt,
Andern gibt her kunften kort-
30 Heilig geift und lebendez wort,
Mir ein luczel mite teil
Diner kunfte, berndez heil!
Darzu bit ich mir helfen
Difo gar vil dir gelfen
35 Glanczer blume varwe treit:
Eia, fuzez liimel cleit,
Mait Maria, fte mir by,
Und zu fture mir verly
Beide materje und fin!
40 Der gip mir ein anbegin,
[3a] Ein mittel und ein ende;
Wand ich vil tummer vende
Habe nicht der alden rat
Weder lieber kunften phat:
45 Durch daz muz ich her und dar
Nemen vremder fpruche war.
Dar zu wil ich beforgen
Mir etteliche morgen
Ackers uz der alden e,
50 Fiol, roten, bernden cle
5. kein’ auf Rasur.
34.
dir = der.
6. wllemnnt.
38.
r'ly auf Rasur.
15. Ken «tue Kein.
39.
TU.
20. birt aus pirt.
42.
vil aus wil. v5dc aus wede.
23. vfi.
45.
vB.
20. ande'n.
49.
,e. (so meistens).
33. Daren aus Dazu.
Deutsch« Text« d* MltuUlur». IX.
1
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2
Wil ich Tuchen indem hac
Mit vernunften, ab ich mac,
Di ich von Gote habe.
Ich dauke firne ftabe
55 Und der gerten Tiner zuckt.
Mait Maria, edele vrucht,
Gotlieher Gotes Tchenke,
Mir mine Tinne lenke
Uf di rechte ftraze dan,
60 Daz ich kume uf den plan
[36] Da ich di blumen vinde
Vol craft der Tuzen winde,
Di fick czu der nwen e
Schrenken uz dem alden le,
65 Dir zu lobe, reine brtit,
Und oucli dime kinde tritt,
Daz du zeitlich befpunne
Gar ane menfchlich kunne!
Wen ich wil iz, vrowe gut,
70 Scheuken dinem orden vrut,
Ich mein den rittern, dinen kint,
Di von dem duTchen hufe Tint
Genennet und gemezzen,
InPrufenlant gelezzen,
75 Oder wo Ti indert wonen
Und in der werlde donen;
Zu vorderft doch dem vurTten
Von Brunfwic, der Ticli durften
Let nach ern, daz im ie zam
80 Von dem alden edlem ftam:
D«] Wen her ift wol gefchide
Indem virden gelide
Sente Elzebet verwar,
Und treit daz vrone cruce bar
85 Üzen an dem mantel wiz,
Inninclich mit grozem vliz,
Und treit iz in dem herczen
Binnen an allez merczen,
Den der orden hat gekorn
90 Zn homeifter ane zorn.
Diz puchel Tal oucli weTen,
Ab Got mich let genefen,
Von fiben ingefigeln,
Zo wi fich di entrigeln.
95 Daz erfte ingefigel ift
Von der menfehheit di Got Crift
In der maget an fich fneit
Durch der werlde felekeit;
Daz ander von Griftes toufe
100 Nach criftenlichem loufe;
[46] Daz dritte von der marter pin
Di Crift leit, der funnen fchin;
Daz virde gar behende
Von Criftez uf erftende j
105 Daz fumfte von der himelvart;
Daz fechfte, daz erwider wart
Der vrone heilge geilt gefant,
Der di junger gar entprant;
Daz fibende und daz lefte,
HO Gar creftic und gar vefte,
Ift von dem jungeften tage;
Dor über nimant vrage!
Crift, durch din uferftende
Hilf mir daz ich volende
115 Dir zu lobe, ftarker Goth,
Ely, heilig Sabaoth,
54. a in ftabe auf Rasur.
55. zwischen gerten und Tiner Rasur.
71. ritte'n.
77. doch Korrektur am Rande. dein
aus deine. wrften.
78. fich Korrektur am Hände.
79. let Korrektur am Hände. ern aus
eren. wol zwischen ie und z& ausradiert.
80. alden aus aden.
81. hinter gefchide Punkt.
84. bar aus baz.
85. hinter mantel Hasur.
100. criftenliche aus criftemliche.
114. ich aus ichz.
116. heilig Korrektur am Hände für hilf.
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3
Vnd zu lob den balzem fchrin,
Der zarten, reinen muter din,
Durch dez homeifters ere —
120 Got fine felde mere! — ,
[5a] Durch find Elizabet vurgolt,
Dy er hat von herczen holt!
13o Got von erft gerichte,
Gar endelich von nichte
125 Schuf himel und di erde,
Dar nach fneit her di werde
Engelifche wunne breit,
An materjen waz ir cleit.
Doch dez edelen lichtez mer
150 Lucifer, der engil her,
Nam ob allir engil fchar.
Dez erhub er fich aldar
Alz ummezlich daz er wart
Zo czu hant in wider hart
135 Turrin dar mit kundekeit
In daz vrone licht gemeit;
Wen er was fo wunder dar
Daz er glenczen offenbar
In dem claren fpigel fach
uo Dry perfonen gar gevach
[5fr] Sunderlichen immer wem;
Licht von lichte facli, er bern:
Von dem vater den fun trut;
Er fach fprizen ein gut crut
145 Von in czweieu unde bren,
Alz von eim gefpringe dren;
Ouch fach er di dry verfpart
Einlich und in einer art
117. den = deiu; u im Auslaut öfter
statt tu.
121. Und aus Tente. Vor vur ist di getilgt.
122. er au* her.
neben 123 um Hände De cafu Lnciferi.
127. utlne, vor dem noch ein Grundstrich
ausradiert ist.
134. stoischen wid' und hart .Rasur.
137. was aus waz.
142. Aus bern hat der Schreiber fälschlich
bren gemacht.
Inder gotheit eben gliech
150 Under fchriben ewiclich
Mit drin perfonen fchone
Czu oberft indem throne,
Vater, fun und heilgen geift.
Do neit er den dritten meift
155 Und wold an allem orte
Allein dem lebndew worte
Des vater von himelrich
Wefen ebenmezic glich.
Do bleip er ein kurczer gaft
160 Aldort in der himel glaft:
[6 a] Wen kein lefterliches dinc
Boben in des himels rinc
Enmochte nicht erliden;
Hochvart begonde riden
165 En da felbe in fin fper:
Wen zuhant do Lucifer
Waz entfproffen unde wart,
Aida viel her, und gekart
Wart im fin vruer morgen
170 In den abent vol forgen.
Gute quam im zu arge,
Di hoe in di zarge.
Im di heilekeit ouch quam
Inden tuvelifcAen vlam.
175 Suft in kurczer ftunde halt
Was er zweir var geftalt:
Clar und vinfter, gut und arc,
Hoch und uider her fich bare,
Engil und ein tuvel ouch,
180 Swarcz und furer wen ein rouch.
145 f. hrea = brehen ; dren = dru'jen.
153. vii.
155. orte aus Worte.
156. lebnde.
164. Hoffart liefe ihn sich gegen seinen
eignen Speer wenden.
165. Gu aus In.
171. im aus in.
174. tvnelifchfchen
176. was aus waz.
180. und aus vn. fvrer aus fwrer.
1*
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4
re&] Seht, do fo der laftergief
Viel in daz abgrande tief,
Uz ichlichem köre hoeli
Hin zu gründe er ie czoch
185 Mit im den zenden engel.
Dar nach der falden fprengel
An dem fecliften tage fchuf
Adam und czu firn gehuf,
Im gliche czu gefippe,
190 Got touge eine rippe
Adam uz der fiten brach
Sünder allen wider fchach,
Do er in des twalmes fmac
Under eime boume lac:
195 Do gab im zu rechter e
Got vür alles fendes we
Evam, di Gotes minne
Benante ein menninne.
Di czwei in daz paradys
200 Saczte Got in fulcher wis
[foj Daz fi iz folden bewarn,
Ob fi wol jo wolden varn.
Er fprach: ‘nizet aller vrucht
Der ir vur uch fet di trucht,
205 Bi gehorfam doch entfam!’
Got gebot und fprach bi nam
Uber lut und offenbar:
‘Daz liolcz der bekentnis czwar
Dez guten und dez bozen,
210 Daz fuld ir nicht ver ofen,
Dez fult ir nicht vergeffen;
Ir fult fin ouch nicht effen!’
Und fait en di fache gancz:
‘Wiffet daz gar funder fchrancz:
215 Ob ir den boum jo kerbet,
Ir fundet unde fterbet!’
I>o diz Lucifer vernam
Daz di beide gliech alfam
Gotes gunft in fulcher wis
220 Hatte in daz paradis
t7*] Gefchicket unde gefchaffen,
Daz fi da wider raffen
Uf der hoen liimel wal
Sölden al der engil zal
225 Di dannen was gevallen,
Und folden immer fchallen
Dort mit Gote ewiclich
In den vrouden wunniclicb,
Di fi hatten gar vorlorn
230 Und ir bittirlich enporn
Immer in der helle glut
Durch hoch vart, durch obermut,
Der tuvel alfo fwache
Durch di benante fache
235 Gar ande wart gedenken
Wi er den menfchen verrenken
Mochte und verriete
Der vrouden und verfchriete
Im dez paradifes ftul
240 Und en drunge in den pfui
[•S «] In den er waz gefturczet
Und ewiclich gefchurczet;
Wen der tuvelifche kol
Waz des nides alfo vol
245 Das im waz von herczen leit
Um des menfchen wirdekeit
Und um di groze wunne
Dar zu di wäre funne
197. hinter Enam Punkt.
213. £n aus im.
215. kerbet am Pande für brechet.
219. Neben das z in wiz ist s geschrieben.
220. Neben das z »>i paradiz ist b ge-
schrieben.
225. Über das z in waz ist f geschrieben.
233. zwischen tuvel und alfo Kasur.
237. hinter mochte Punkt.
210. en au« in.
243. vor kol Punkt.
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5
Tn hatte fchon gebildet.
250 Der tuvel, arc verwildet,
Snel mit finen litten fcharf
Sich in eine flange warf,
Gerichte uf gerichtet
Er hatte lieh verpflichtet
255 Daz er nicht Adam fpreche,
Wen her vil liechter breche
Daz wiep, wen fi krenker was.
Mit gerune, mit geblas
Senfte er verEven zu
260 Sprach und faite: ‘hora du,
[8t>] Durch waz ist verboten dir
Dirre boum, daz faga mir!’
Yer Eve fach: ‘wir funden,
Ift fache daz wir ftunden
265 An difem boum, und fterben,
Ob wir fin obz ouch kerben.’
‘Nicht alfo!’ der leide jach,
‘Einen veften raut nur vach
Und iz difen appel zart!
270 Sich, fo wirftu mit der vart
Aller dinge kunften riech
Und den grozen goten glich
Ob alle fchepfennnge.’
Di ietel hoffenunge
275 Des gelubdes alfo groz,
Daz den tuvel nicht verdroz,
Twanc ir gedanc ingirde,
Dar nach des appels czirde
VerEven, di vil geile,
280 Schir brachte zu unheile:
[9o] Der gehorfam fi vorgaz
Und den roten appel az
Den ir reichte Lucifer.
Durch ir liebe, durch ir ger
285 Adam az mit ir alfam,
Daz fi im icht wurde gram,
Alleine her vorneme
Daz iz nicht wol bequeme,
Wen er tet do wider Got
290 Und verkos ouch fin gebot:
Daz waz di erfte werre.
Di ander fchult waz verre
Bofer wen di erfte fchnlt:
Daz fi zuhant mit gedult
295 Beweinten nicht ir funde,
Noch zu der himel unde
Gotes wanten ir gebet,
Sünder Adam nicht me tet,
Do Got zornlich 6n betrat,
300 Daz er fchob di miffetat
[95] Hinuf dez wiebes gäbe.
Vort fchob di geile babe
Di fchult und di miffetat
Uf den valfchen lofen rat,
305 So gar vol gift, der Bangen,
Da mite fi gevangen
Hatte daz gelobde los.
Als fi dar nach felber kos,
249. batte aus hat. fchen aus fchone.
250. arc aus art.
258. gervne am Rand für gerwe.
259. Senfte ata Senfter.
260. vü.
261. Vor verboten ist dir ausradiert.
265. bovin aus bovine. vn.
270. wirftu ata wiftu.
272. Vnd aus Ynde.
276. den ata de.
278. Dar am Rande.
281. vorgaz aus vorgas.
282. az aus as.
285. az aus as.
286. icht aus ich.
290. v'kos aus v'koz.
295. beweinten aus bewenten.
299. in aus in.
305. So aus Jo.
307. doppeltes daz, einmal gestrichen.
los aus loz.
308. kos aus koz.
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6
Der benanten fchult befchirm
310 Leczte brachte ungehirm
Grozern wan der erfte vil.
Suz fi der gehörtem zil
Beide brachen alzu balt,
Durch daz wurden fi verzalt
315 Und ouch vilen hin zu tal
Uz des paradyfes fal
In trupnis und in knmmer.
Daz fchuf an in ein tummer
Und ein itelicher wan.
320 Secht, ein engelifcher man
[10 a] Des paradifes phorte
Verhielt von Gotes worte
Und beide fi gewerte
Mit einem burnden fwerte,
325 Daz fi vort icht ewiclich
Sundten fo gar vrevelich.
Sus fi beide verturben
Und waz fi fint erwürben
Der vruehte und der kinder,
330 Di giengen alz ein finder
Von der erbe funden flam
Mit einander allentfam
Leider nach difem leben
An alles wider ftreben
335 In di helle als ein fnur;
Ach, der jhemerliclien vur!
Seht, da wider, daz ist flecht,
Mochte keinerhande recht,
Noch keinerhande tugent
340 Half in nach irre mugent,
310. Keezte.
313. bait aus hant.
324. burnde.
328. Vn.
336. wr.
343. flunt aut clnnt.
344. waf aus waz.
neben 345 am Hände Miserieordia
interpellat pro homine.
[JO b] Niwen rechte als ein her
Alle feien funder wer
Vuren in des fwalges flunt,
Daz was ein vil herter bunt.
345 ISu feht, da vil tufent jar
Sich verliefen in der var
Und in dem abe fchache
Des czornes und der rache,
Und daz «ungewiter doch
350 Sych gelegte genczlich noch.
Nach des erften menfchen val,
Von der funden uberfwal
Wart al di werlt beclemmet
Und in den tot gefchremmet
355 Von der erbe funden flac.
Do di fache alfo lac
Daz fich niman underwant
Noch uf wette, nach nf pfant
Um des armen menfchen brunft,
360 Der hin in des fandes runft
[JJ «] Was gedrungen jemerlich,
In dem her fmerzen bitterlich
Leit von des raottes clamme
Vil verre von dem tamme,
365 Seht, do wart in himelrich
Nuczlich unde hulfenrich
Irclingen eine ftimme
Gar fenfte, nicht in grimme,
Di waz fuzer mildekeit
370 Vol, di durch barmherczekeit
Sprach des armen menschen wort.
Als ir muget hören vort:
350. fych uut fy. gelegt.
353. vielleicht beflemmet?
357. ander aus ivnder.
361. was aus waz.
363. vielleicht flamme?
368. fenfte aus femfte.
neften 373 am Hände Item muericordie
oratio.
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7
‘O fchepper aller beite,
In ymmerwernder gleite
375 Vlüzet, guzet invlute
Setige craft der gute.
Sich, ahnechtic, echtic Got,
Wi tif liet in lunden mot
Der menlch, dir glich gebildet,
380 Gar jemerlich gewildet,
[lib] Vernichtet und vertorben
Und bitterlich irltorben,
Leider von verretnis groz,
Des gelubdes trwen bloz!
385 Ware gute, mutes vrut,
An di nicht mac welen gut,
Von der alle gäbe dneft
Und doch nimmerme verhielt,
Du urlprinc aller gäbe
390 Der üzerwelten habe,
Von diner gäbe eben
Entlpruzet berndes leben
Allen dingen nach ir art:
Got, von himelriche wart
395 Der menlch, den du getirmet
Dir hattes und gefirmet,
Herre Got, in lulcher wis
Daz er indem paradis
Solde welen hoveman;
400 Sich, nu hat gedrungen dan,
1 12 a) Schepper gut, din hantgetat
Arger, Inoder, vallcher rat,
Daz er liet in vinlternis
Leider mit der tulternis
405 Bekümmert und beworren,
Mit unvlat gar belchorren.
Do du hattes Ichon bereit
Zu des menl'chen vreude breit
Di czirde und di wunne
410 Des liimels und der lunne,
Got, mit ewiclicher hant,
Welch ein wunder: Io zuhant
Uber hant untrwe nam,
Do heimelich zu lamne quam
415 Di Hange mit den wiebe.
Wol eben lief ir Ichiebe
Der gar vervluchten Hangen,
Di luz hat über gangen
Den menlch und zu valle bracht,
420 Als er hatte e gedacht,
[wi] Der leide vient gar ande,
Wi er jo zug in Ichande
Den menlch und in vernichte.
Wen du kumlt zu gerichte,
425 Zo vertume den menlch nicht,
Got, durch die benante Ichicht!’
Do Iprach die Gerechtekeit
Ken der luzen Mildekeit:
‘Wi nu, vil luze Milde,
430 Wi biltu allo wilde?
Kanltu der almechtekeit
Nicht irbiten wirdekeit?
Nu la dir doch gewenken,
Du falt dich baz bedenken!
435 Mit wigetanen fchieben
Wiltu zurucke trieben
Beide urteil und daz recht
Des vortumten menlchen? lecht,
373. Über Schepper ist von dem Rubrikator
über geschrieben 0 fchepp'. Vor hefte ist dinge
getilgt.
375. gvzet aus gufet.
385. gute aus gutes.
387. 88. z über dueft und v'lueft wieder
ausradiert.
390. vzerwelten aus fzirwelten.
395. Der aus Den.
410. der aus de.
413. vntrwe aus di trwe.
419. hinter menlch Punkt.
424. kvml't am Rande für käme.
neben 427 am Rande Justicia.
427. rotes C.
428. Ken aus Kein.
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8
Wen fi nu fint verrigelt
440 Mit briven und verfigelt,
[*3<j] Di recht an miffe wende
Sint kuraen uf ein ende.
Milde, la di teidinc sin
Ken dem hoen fchepper din!
445 Von dem trone vlizen recht
Gar an alle crumme flecht,
Di lieh jo glieche handeln
Und nimmer lieh vorwandeln,
Di keine wis gevegen
450 Kan nyman noch irwegen
Uf umbequeme ecken;
Si kan nimant bedecken,
Weder gäbe, nach di dreu,
Noch kein ander underftreu.
455 Durch daz, fuze Milde, lieh
Daz gar wol bedunket mich
Daz dir gar unkundec fy
Daz recht und fin louf da by,
Sint du wider trieben wilt
460 Daz recht und des rechtes fchilt,
[W6] Den der himelifche hof
Hat beweret funder Hof.
Suze Milde, din gedult
Habe um des menfehen fehult!
465 Din rede la nu ligen,
Der fi vort me gefwigen!’
Set, di fnze Mi Me nicht
Gab kein antwert uf di fcbicht
Der fteten Gerechtekeit,
470 Alliz durch befcheidenheit,
Noch wolde difputiren,
Noch fich ken ir hantiren,
Sünder in warer minne
Uz der vernunften rinne
475 Durch ir ougen fi da liz
Gizen gar einheifez vliz
Alles dar an underlaz
Uf zu Gote baz und baz,
Und den zorn ir geben bat,
480 Daz des menfehen wurde rat.
[Ua] Als fi inninclich bevom
Um den armen menfeh verlorn
Gebeten hatte fere
An alle widerkere,
485 Sus fi noch zu Gote tet
Luterlichen ir gebet
Tief uz des herczen gründe
Mit clageberem munde.
Daz durch barmeherczekeit
490 Tet di fuze Mildekeit
Uz alfo hoer wirde
Mit fenfter bernder girde
Alliz mit befcheidenheit
Durch des menfehen felekeit.
495 Si fprach: ‘O gut richter cluc,
Uber fich den ungevue,
Durch daz icht der fchuldfege
Und der ungeduldege
Menfeh fuft vertumet bliebe!
500 Dry, gancz in eine fchiebe
I Hb] Gevelczet gar an ende,
Got, difen kummer wende
Den menfehen do vor benant,
Lofe, herre, fine bant!
505 Syne krancheit alzubalt
Nicht gefachet noch gezalt
444.
Ken aus Kein.
467.'
rotes G. minne.
ncien 445 am Rande Item justicia.
469.
ge in gerechtekeit auf andern Buch-
445.
rotes C.
staben.
449.
wif aus wiz.
472.
ten aus kein.
451.
vmbeqneme au« vmbequemen.
476.
heifez au« helfe«.
461.
Ämter bof ist b ausradiert.
492.
bernde.
465.
rede am Rande nachgetragen.
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9
Werde zu der alden fchult!
Starker richter, mit gedult
Temper dynen langen czorn,
510 Und den menfchen, der vorlorn
Was, den nim czu genaden,
Las in nicht lenger baden
In der vulen funden mift !
Wilman merken, als is ift,
515 Der Hangen arkliltekeit,
Syn einvalt, fin alberkeit,
Des menfchen: von den fchulden
La kumen en zu hulden
Und laz in vort dir dinen
520 Gar genczlich funder pinen
[15a] Und ouch funder lofen wan!
Wen er ift din under tan,
Din hantgetat, din bilde,
Dem du daz fchon gevilde
525 Und ouch al di grünen rys
In dem fuzen paradys
Bevolen hatteft eine.
0 richter Got, in leyne
LTnd rieh in uz der afche,
530 Daz 6n der fwarcze laiche
Und der grimmecliche ber
Noch finer gyczlichen ger
En immer me icht noete
Und en zu jungeft toete! ’
535 ‘Ubervluz der fuzekeit’,
Aber dar di Mildekeit
Rief mit betelicher vle
Uf zu Gote aber als e:
‘La, fchepper, dich irbarmen
540 Des menfchen dyn, vil armen!
[15b] Wen durch finen willen czwar
Alliz myn gederme gar
Ift betrübet inninclich.
Herre Got, irbarme dich,
545 Wen dir, fchepper, ift wol kunt
Syn krancheit, fyn ungefunt,
Des menfchen, fo gevangen
Und leider über gangen
Mit verretnis und mit trugn,
550 Der gefchanten Hangen lugn.
Sint ouch durch di felbe fchult
Andacht zu dir mit gedult
Treit di feie, ftarker Got,
Ely, heylic Sabaoth,
555 Brich enezwei der feien ftrik,
Got almechtic und ewik,
Als dir wiflich ift bekant
Daz di fache vor benant
Um fo luczcels dinges fchicht
560 Allir ding ift fchuld ic nicht!
[16 a] Den unwizegen czwar
Mochte man wol ane var
Dy funde han verlazen,
Wen leider di verwazen
565 Slange erft betroc daz wiep,
Und den mau troc wiebes liep:
Alfuft fi wurden beide
In grozem herczeleide
Und in kumerlichen bau
570 Bracht mit valfchem lofen wan.
Durch waz uf todes velden
Sal man pinlich vergelden
511. Was aus Waz.
556.
vnde wik.
515. (langen aus (langten.
557.
d'.
519. d\
561.
rotes ü. vnwiczcegen.
520. pinen] ursprünglich finen. Am f ist
564.
wazen aus wafen.
oben ein Haken angebracht, der vermutlich ein
568.
groze?
p daraus machen soll.
569.
kvmerlichen aus kumerlichen.
535. Vvb’yluz.
570.
brach. lofen aus lozen.
537. betelich' am Sande für bitt'licher.
l r
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10
Mit dem bitterm tode daz
Daz Eva den appl az,
575 Und den biz den fi do tet
Ruchelos mit ungeret
Durch geile vorwiczcekeit
Czwar und nicht durch gyrekeit?
Aller falden hoch gewin,
580 Ein gefprinc an anbegin
[i65] Und ouch gar funder ende,
Almechtic Got genende,
Schepper riech, du bift der rinc
Der do libet alle dinc
585 In vehterlicher libe:
Darzu du nicht 6nhibe
Uz diner almechtekeit
Ymmer wernder ewekeit
Den menfch nach dinem bilde,
590 Daz er von dem gevilde
Der vreuden und der wutine
Mit alle finem kunne
Scheiden fulde jemerlich
Und verterben ewiclich
595 Von der alden lunde wegn.
Herre, gip im dinen legn
Und la 6n mit gnaden
Nu kamen von dem fchaden
Vnd nim 6n von den fchulden,
600 Herre, zu dinen hulden!
[77n] Sich, des flammes brfldekeit
Und des ubels fnödekeit
Lyt dem menfchen alfo na
In dem vleifche leider da
605 Daz di funde funder wanc
573. bitte'm.
574. appl'. az aus as.
576. Rucheluf aus Kuchcloz.
577. v'wiczcekeit.
579. roten C.
586. en m enhibe am Bande für v'.
593. Sbeiden.
595. fende aus frnden. wegn aus wegen.
An des armen menfchen danc
Slinget in di feie fin
Und fi fulget als ein fwin.
Ouch die funde alfo vicht
610 Mit dem menfchen daz er nicht
Vulet noch entfebet fleg,
Doch der kranke und der treg
Wirt verwundet in den tot.
Herre Got, durch dife not
615 Dinen langen czom verbrich,
Und fo eiflich dich nicht rieh
An dem armen menfchen kranc,
Des dii bift ein anevanc!
Durch daz laz in nicht fterben
620 Nach ewiclich verterben
[775] Durch alder fuude tadel,
Wen du halt fchon fin adel
Gemolt nach dinem bilde,
Irner in mit dem fcliilde
625 Diner hoen majeftat,
W'en er ift din hantgetat!
Sich, ftarker Got, wi fwinde
Mit fo vil manchem vinde
Der menfch ummevallen lyt
630 Gar an allen wider ftriet!
Im daz ungewiter groz
Hat verbunden fine fchoz,
Daz er von der fweren laft
Wefen mus der helle maft;
635 Di vinde fi do eften
Mit vure unde meften
Leider gar nach difem leben
An alles wider ftreben,
596. fegn aus fegen.
597. en am Rande. Hinter 1» 2 Buch-
staben ausradiert.
601. rotes C.
612. t m treg auf Rasur.
621. alder aus alden. frnde aus fvnden.
627. rotes C.
636. rn.
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11
Den dn halt gefchaffen fyn.
640 Herre, fich, di afche dyn
[/Sa] Cza ftrowet liet gar wyte
Hin alles nach der liete
Di fich zu der helle vur
Czuech gliech nider als eyn fnur:
645 Durch daz nu, herre, yle,
Als du wol kanft, uf viele
Beiden kethen und di bant
Aller funder mit der hant
Diner ewiclichen macht;
650 Iz is ziet, vertrieb di nacht,
Des endes ouch gedenke
Und fuech ein gut gelenke,
Daz der arme menfcb zu rü
Kume uz der funden dru!’
655 Set, do di Milde gute
Uz der barmunge viute
Ire rede, ire wort
Nuen volendet hatte vort,
Got almechtic fich beriet
660 Und uz finer gotheit l'chriet
Heimelich eynen tyfen rat
Wi er den gevangen drat
Yry machte alder funde,
Und wi er ouch verwunde
665 Den vil argen ronber toup
Und im beneme finen roup,
Den er vil manch tufent jar
Zu getriben hatte dar
In daz vinfterniffe breit,
670 Do nicht ift wen herzeleit.
Daz gebet an wider ftoz
Der genadin brun uz goz
Alliz durch des menfchen heil,
Den verleibet hat der meil.
675 J >o jach Got almechtic,
In dry perfonen echtic,
Gütlich und gar redelich:
‘Sicherlich du manes mich
Vil genemer, tochter myn,
680 Vur di ander tochter fyn.
ft.9n] Darzu hat dich erwecket
Dez menfchen bild bedecket.,
Gar vorfchaffen und vorftalt
Von der funden ane walt.
685 Allein di Gerechtekeit
Stete gancz mit fichirheit
Gar unver wandelt heldet
Und ouch mit nichte fpeldet
Ir wage, ir gewichte,
690 Mit den fi gliech gerichte
Gewegen hat der pine cloz
Durch des menfchen funde groz.
Nicht anders ift zu tune
Vort, wen daz man uf fune
695 Offenbare mit der tat
Den vil gar heimlichen rat
Mit dem di Gerechtekeit
Temper mit befcheidenheit
Eben gliech ir ftrenges recht;
700 Wen ouch daz, fet, daz ift flecht.
639. rotes C.
644. Czvech aus (’zvch.
646. viele aus vielen.
650. Iz am Bande für Ift.
652. fvech aus fvch. gut am Bande,
neben 655 am Bande Conrilium trini-
654. fvnd® aus fvnd'.
658. Nucn aus Kume. batte aus bäte.
672. vz am Bande für vnd.
674. v’ in v'felbet au* vz.
681. bat aus kan. erwecket aus er-
wecken.
686. ftete — fichirbeit rum Bubrikator
aus Entcte — zirheit.
687. beldet aus bette.
691. der pine cloz (hier l)at.) ist das
Gewicht der Strafe in der einen Wagschale. Mit
diesem ins Gleichgewicht gebracht hat die Ge-
rechtigkeit die andere Scfnile, worin die Sunde ist.
693. rotes C.
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12
[J9fc] Inder tyfen trinitat,
Dy begyn noch ende hat,
Der rat alfuft vorbedacht
Wirt wol genzlich vollenbracht.
705 Den ane miffe wende
Enpfet eyu vrolich ende
Des menfchen gevencniffe
Dort in der vinfter niffe,
Und wirt ouch los der funde
710 Von über vluz der unde
Grozer bannherczekeit,
Di do ift zo michil breit,
Breiter wen daz ertriech vil ;
Ire tiife hat kein czil.
715 So ift daz der tyfe rat
Der begriffen alfo gat,
Und von fachen muz daz fyn
Daz di clare gotheit fyn
Sich in di menfchheit vlech te
720 Und vor den menfchen vechte.
1^0«) Wen, weld ich von miner tugent
Und von mines felbes mugent
Krigen ken dem vinde myn,
Secht, mit einem wortelyn
725 Mocht ich en uberkumen
Wol zu der werlde vrumen:
Suft gefche dem vind gewalt,
Daz recht wurde ouch verfchalt.
Und durch daz an allen zorn
730 Minen fon trut eingeborn
Wil ich zu falden fenden,
Der fal di Bange phenden.
Alfuft der bekorer wirt,
Der dem menfche fchande birt,
735 Getreten uf den nacken;
Suft fal er al der backen
Gezoumen und betwingen
Di zu im nicht enfwingen;
Suft wirt ouch der ronber toub
740 Sines roubes gar beroubt.
[aob] Vride und Gerechtekeit
Minninclich an allez leit
Sich üblich denne meynen
Und vruntlich fich voreynen
745 Mit helfin und mit kuffin,
Und dor mac niman czwfchen.’
GJotes fun mit im do jach:
‘Sint daz Lucifer gevach
Ken mir fich wolde feczczen,
750 Durch über mut mich leczczen,
Suft bin ich von verrens her
Eyn urhab des valles fwer.
Von den fchulden wil ich wefn
Eyn na urfprinc uzirlefn
755 Des heiles und der falden.
Dorczu wil ich mich valden
Daz ich di werld irloze,
Dy wurden ift fo boze
Von der funden uberfwal,
760 Di ich ein vortilgen fal.’
[2ia] Wen der genaden fprengil
Nicht folde fin eyn engil,
Sint er nicht enfchatte
Noch an im menfcheit hatte.
702.
begv aus bege.
737.
gezoumen aus gefcoumen.
704.
wt
betwingen
auf Basur.
700.
miffe aus niffe.
739.
w*t.
709.
los aus loz.
740.
Gar.
710.
vnde aus fwnde.
742.
allez aus alles.
721.
C.
745.
krffin aus kuffin.
722.
Ynd aus Wnd.
746.
czwfchen aus czwifchen.
724.
Secht aus Recht?
752.
def aus dez.
728.
v'fchalt aus v'fcalt.
753.
wefu aus wefen.
731.
fenden am Bande für brengen.
754.
lefn aus lefen.
734.
de. birt aus pirt.
762.
nicht aus nicb.
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13
"65 Der menfch dar zu nicht tochte
Vor krancheit, noch enmochte
Mit nichte daz volbringen.
Seht, durch daz mufte Hingen
Got und menfch czu houfe.
770 Alfuft zoch an eyn Houfe
VleyfcÄez und en knechlich cleit
Worer Gotes fun gemeit
Noch gütlicher lüfte
In eyner meide brufte.
775 Zu der hochcziet wunnenclicli
Quamen von dem himelrich
Engel der jerarcliien
Gar funder fymonien;
Ouch kung David oberluet
780 Gruzte fclion di reyne bruet
\2ib] Mit fuzer feiten dingen,
Ir lobes lob vro fingen;
Ouch des vridels ere fayt
Ifayas unverdayt;
785 Iclich wiffag befunder
Ouch fayte michil wunder
Von dem brutegum fo zart
Und von finer hoen art.
Do di reine mait vernam
790 Daz der degn von fulchem ftam
Und fo hoes adels was,
Ouch vil luter wen eyn glas
Beid fin riechtum und fin riech,
Und daz niman im wer gliech
795 An tugend und an eien,
Ir mut der wart fi leren
Daz fi volgte alzu hant
Den boten di ir gefant
Woren von dem kunge hoch,
800 Dor zu fi ir demut zoch.
[22a] Si gelobte truwe gancz
Mit der libe funder ftranez.
Do fach man fwandeliren,
Uz cellin dar riviren
805 Schoner juncvrowen manche fchar
Mit antliczcen rofenvar,
Di mit den kuniginnen
Den wieten falfiz innen
Mit mancherleye czirde
810 Nach wunfche und nach gyrde
Schone priften über al.
Do clanc engelicher fclial
Von mancher fuzen zunge.
Di ftete Hoffenunge
815 Mit iren freeftern beide
Do woren ane leide,
Gancz Gelowbc und Demut,
Alles wandeis wol behüt;
Ir muter vor Karitas
820 Do inburnder libe was,
[22 b\ Dy mit ganczem willen fchnf
Czu der hochczit den behuf.
IIo gar ob allem rande
Dem kung uz Oberlande
825 Wart eyn betthe wunder dar
Riechlich und uz riecher war
Gemacht von blunden czwigen,
Di keyn fyn uberftigen
771. vleycsez.
780. Gruzte aus Grüfte.
783. ere auf Basur.
787. egrm in brvteg-vm auf Basur.
789- rotes C.
790. lulche auf Basur.
791. adelt auf Basur. was aus waz.
792. glaf aus glaz.
797. Daz aus Saz.
798. ir auf Basur.
800. t in demut auf Basur.
801. trvwe aus trwe.
801. dar aus claz.
808. fal G zinnen.
815. fvefte'n.
817. gelowbe aus gelowb.
818. Allef aus Allez.
820. waf aus waz.
824. über DB ist ein m geschrieben.
827 und 828 umgestellt.
827. blvnden aus blunden.
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14
Noch durch Tinnen nicht enmak.
830 Lichter wen eyn Turner tac
Was des purpers ummehanc.
Manche Tuze Itymme clanc
Ho von mancher kande Tpil.
Kunge, vrowen, juncvrowen vil
835 Sich czertlich do bewiTten
Und wol daz bette priTten.
Des bettes Salomonis,
So riech ho Twebendes lonis,
Di vir unczwentik alden
840 Schon pflegen unde walden.
[ 23 a] Riehlich gecronet alle
Mit cronen Tunder valle
Alle ordenunge gar
Mit der engeliTchen Tchar
845 Cherubin und Seraphin
Algemeine iren Tin
Mit lobe Tich dar wanten
Und vor dem bette branten
Mit dinTte algemeine.
850 Zu der hoch cziet vil reine
Vloz der himeliTclie tou,
Do er vant in TuTer Icliou
Von Jericho di roTe,
Di Tich liz uz ir cloTe
855 Als ein vrolich morgenrot,
Daz was al der werlde not.
Als ein Tuzer regen naz
Quam Got in daz reine vaz,
Mit ave, Tuzem worte,
860 In di guldine pforte,
[33 5] Di beTlozzen was und i£t
Und iTt aller Tunder vriTt.
Des tTowten Tich mit Tchalle
Inhimelriche alle
865 Burger und erczengil fyn
Und di hoben den liimeln Tyn.
Den dritten uz der drye
Gebar di mait Marie
Sünder alliz ach und we
870 Und an alliz cunterfe.
Des in himel uy gebraTt,
In der werlde wart eyn galt
Und was doch gancz verligelt,
Ouch velte gar verrigelt
875 Mit czween vuerieTen,
f In immer wernden welen,
In einer gotheit ewic gliech,
Creftic, mechtic unde riech,
Der ie was und immer iTt
880 Got Tun gar an arge liTt.
[24 aj Waren Got und menlclien dar
Bar di reine bruet vorwar,
Allein dowider Ttreben
Di ho inkunlten Iwebeu
885 Mit mancherhande Ipruche,
Vol ydoch mancher bruche,
Dy nicht zu der worheit horn
Uud mit kyfe wolden Ttorn
831. Waf aus War.. pupera, i las p in
der Milte auf Hasur. Ebenso das e in vtneLlc.
834. diwg am Ramie fiir von.
839. »unczwentik.
840. Schon aus Schone. vfi.
842. funder valle uol = ‘ohne Täuschung,
echt'. R. dachte an funder v&le ‘ohne Fehl'.
845. Echerubin.
847. lieh parallel zu iren fin.
854. Di aus Si.
855. Alf aus Alz.
859. fvzem aus fvzen.
861. beflozzen waf aus bell offen waz.
863. wrewten.
873. waf aus waz.
875. czween aus ezwen. vue' iefen auf
Rasur. Der Reim ist nicht in Ordnung.
878. vfi.
879. hinter ie Punkt. waf aus waz.
880. gar eingeflickt.
881. waren aus Wurde.
882. v'war.
883. Allein aus Alleine.
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15
Di wirtfchaft und di hochczyt
890 An der unter falde lyet.
"Weder di gebürt began
Difputiren Arrian,
Der in der kecczerye
Eyn meifter was von crye:
895 Er jach: ‘czwor ir muget tobn
Daz ir alfo turret lobn
Sulche hochziet zo zu houf
Wider der naturen louf,
Daz eine mait ein kint geber,
900 Di doch reine maget wer,
[~’J 5] Und unbewollen blibe.
Ir fcheppet mit dem fibe
Wazzer, zwar daz dunket mich,
Wen iz ilt nicht fitelich
905 Daz ir ouch gar ane fpot
Turt in dryen einen Got
An rufen und an beten:
Des £yt ir uz gejeteu
Als uncruet uz crude fyn.
910 Wi mak einer dry gefyn,
Und wi mugn dry einer wefu?
Zwar daz haftu ny gelefn.'
Syuez zu ein ander gab,
Er fpraeh: ‘ fwiget, lazet ab!
915 An im fulche dink nicht birt
Der ny wart noch nymmer wirt,
889. aft vnd di auf Rasur.
890. r om Dichter unten am Hantle für
tr wort doch nicht fin eben ly t.
894. waf aus wax. crye auf Rasur.
896. tvrret auf Iiasur. lobn aus loben.
899. geber auf Rasur.
900. maget aus mait. wer aus were.
901. d in Vnd auf Rasur. blibe aus
bljeben.
902. de. fibe aus lieben, dahinter
Rasur.
906. Tvrt aus Tnrret.
908. Vor fyt ist ift ausgestrichen.
909. rncrnet aus vncrut.
911. mugn au« mugeu. wefn aus weTen.
Daz er an czug di burde
Do von er totlich wurde.
Wen er ift almechtic, riech
920 Und unvorwandelt eben gliech:
[25 a] Nindert ift fin wernder rinc:
Welch ein wunderliches dinc
Daz idoch fin center ift
Allenthalben mit der wift?
925 Daz der fich alfo vrifche
Und zu der werld fich mifclie,
In der nicht ift wenue not,
Der geloube nicht 6n lot
Wigit gar nach glicher fnur
930 Und ift gar ein koukel vur.’
Alfuft di wider fachen,
Di fuoden und di fwachen,
Unfen gelouben krenken,
Uz rechter ftat verrenken
935 Mit mancher rede wolden
Und in gar honlich fcholden
Mit mancher leyge ftucke
Der valfchen keczczer tucke,
Di glich den greten fniden.
940 Des mochte nicht geliden
[25 6] Der Geloube vorbaz me,
Wen daz unrecht tet im we.
Dorumnie der Geloube fcharf
Dor zu fin antworte warf:
912. geleln aus gelefen.
913. Synez aus Synes.
915. birt aus pirt.
917. czpvg.
921. iln aus ßue.
927. w5ne aus wen.
929. t in Wigit auf Rasur.
930. gar war durchstrichen und dafür am
Rande nicht gesetzt; dann wieder das Ursprüng-
liche hergestellt.
932. fwachchen.
937. leyge aus levte. ftvcke aus ftvcken.
938. tvcke auf Rasur.
941. vorbaz au« vorbas.
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16
945 ‘Keczczerye, du bift linc,
Und di himelifche dinc
Dyn Vernunft nicht kan verftan,
Durch daz kund ich dir den ban,
Wen du bift ein nerröfch gouch.
950 Durch daz Tal t u wefen ouch
Gevirret dan uf mynen eyt
Gar von unter heimelicheyt.
Gote, des befcheid ich dich,
Ift kein wort unmogelich
955 Daz fich zuet zu dingen icht,
An di funde, di man nicht
In fchrift, in geloten nennet:
Di worheit des bekennet.
< jrot.es Got tun ein geborn,
960 Er ny wemde hat enporn
[56 a] Der gotheit, mit Got in eyn
Ift ein got an valfche meyn,
Der vernunften fchepper meift,
Vater, tun und heilic geift,
965 Nuer ein got, fin und ein wefn,
Under fchriben, under lefn
In dry perfonen ymmer
Ho hoben der hirnel czimmer;
Eyn got, riech, gliech, creftic, ebn
970 Swebt in ymmer werndem lehn
In einer gotheit munder;
Got ift ob alle wunder
Inder gotheit ein got vry
Und in den perfonen dry,
975 Sul't Got vater, Got fun czwar,
Got ouch heilic geift vor war,
Nicht dry gote, nur eyn got,
Den durch unfer funden mot
Wir an rufen hi mit lehre
980 Und uf lazen unfer vle
[26 6] Czu im ken berge climmen
Und ab uz ougen fwimmen
Trene heiz, di fich enzunt
Haben in des herzen grünt.
9S5 So zuliant irbarmet fich
Got über di f under endelich.
Eyn Got in dry perfonen
Vil mancher hande chronen
Gibt aldort zu lone riech
990 In dem vronen himel gliech
Iclichem nach den werken fyn:
Suft ftet der geloube myn.
Wizzet daz der felbe Got,
Der fich ny verwandelot
995 (Weder kein miflich handeln
Noch keinerhand verwandeln
In di clare gotheit nicht
Vellet, nach hat mit ym pflicht).
Seht, der felbe Got gemeit
1000 Im des funs perfone fneit
[27 n] Und an fich fchone prifte,
Daz er dar nach bewirte,
Ein menfchlich cleit geformet
glancz,
Gar an aller funden fprancz,
1005 Daz vorfehroteu wart an im.
949. ein ein gonch; das zweite ein ge-
strichen und dafür am Hande nerresch.
950. orch aus och.
953. C.
955. zvet aus zvt.
957. geloten aus gelozen.
960. ny wernde Part, oder, wie R. will,
— nie werlde ‘nie auf der Welt ' ?
965. Nuer aus Nur.
969. n in ebn auf Rasur.
973. vry aus vro.
976. v'war.
979. Wir aus W.
981. ken aus kein.
983. heiz aus heis
993. Wizzet aus WiXfet.
995 und 996 um gestellt.
1000. Indes. pfone aus pfouen.
1001. prifte auf Rasur.
1006. waf aus war. fehl.
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17
Czwar fin licham was kein fchim,
Sam doch manche kecczer jen,
Di man ofte hat gefehn
Baden in der fchanden fweiz :
1010 Wen di valfckheit goteweiz
Czu jungeft wirt jo offenbar.
Daz ift fickerlichen war
Daz di gotheit nicht enleit,
Do der bitter tot verfneit
1015 Den vil claren licham zart,
Der durch unfe fände wart
Genegelt an daz cruce vron :
Do fang er fo fuzen don,
Glicher wis recht als der fwan
1020 Singen an dem ende kan,
[27 b] Alleine er doch lide not
Und der bitterliche tot
Vorfnyte fin gevider.
Idoch der felbe fider
1025 Als ein lew, der eren haft,
Uf von fines felbes craft
Erftunt an dem dritten tag
Ane we und ane clag,
Und fin menfch heit, di e was
1030 Totlick, luter wen ein glas
' Wart und oucli vntotlich gar:
Daz ift genczelichen war.
Ir keczer, daz vornemet
Und immer me uch fckemet
1035 Des kranken ungelouben
Dem ir nach geht, ir touben,
Ir mugt merken und hören
Daz ir mögt nicht vorftoren
Den unfern gelouben fin!
1040 Wold ir Gotes kinder fin,
[28 a] So rat ich, lazet abe,
Oder ein fwarczer rabe
Uwer engil wirt zu left,
Wen der lichnam wirt engeft
1045 Hi der armen feie fin.
Volge nach der lere min!
Wiltu weiden nicht betört,
La die hochczit unvorftort!
Diz gar funder arge lift
1050 Der criftenlick geloube ift,
Mit dem du wirft behalden,
Ab er blibet unzufpalden.
Ouch ift czwar kein ander wec,
Nach kein ander richte ftec
1055 Der dich werlich tu gerecht.
Da mite wyzze, daz ift flecht,
Und ab tu vil lichte ouch,
Als vil mancher tummer gouch,
An den gelouben ftirbes,
1060 Du ewichlicli vortirbes.’
[ssi] Czu der kunclichen hochczyt,
An der unter falde lyt,
Mit riecher gäbe quomen
Drykunge, di vernomen
1065 Dy hochczyt gar funder ftrancz
Bi dem nwen fterne glancz.
Dy dry kunge brachten dry
Oppher: golt von Araby,
Wirouch, da mite mirre.
1070 Ouch quomen von der virre
Boten uz Egipteulant,
1007. yen.
1009. Iweiz aus [weis.
1010. goteweiz aus goteweis.
1011. wt.
1016. vnse aus vns.
1019. wir aus wiz. all' aus alz.
1030. lvter aus luter.
1032. genczelichen aus genczlichen.
Deutsch« Text« de« Mittelalter«. IX.
1033. keczer aus keyzer.
1037. mvgt aus mögt.
1043. Vw’ aus w1. Vor zv ist vil ge-
stricltcn. vor left Rasur.
1044. wirt aus wir.
1045. Tele aus feien.
1056. wyzze aus wyze.
1061. C.
3
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18
Der aptgote gar gefchant
Wurden und czu flagen gar,
So zu hant do Got gebar.
1075 Seht, daz was der reine Rein,
Dem kein golt ny glich irfchein,
An alle miffewende
Gefnyden ane liende
Uz dem berge: gar czu Tluc
1080 Der daz bilde mit gevuc,
[29 a] Daz Nabuchodonofor
In dem troume facli hi vor.
TJbervlnz, der eren haft,
Der hocliczyt und der wirtfchaft
1085 Dinte mit der engil fchar
Zu dem tifche wunder dar
Nach hevelicher wife
Mit heil trolt bernder fpife,
Der was v£l und ane czal,
1090 Als wol czam eins kunges fal;
Idoch daz aller lierfte
Gerichte und daz erftc
Was manna funder fchimel,
Daz lebende brot von himel
1095 Aller dinge an unkuft.
Riehes fmackes gerade luft
Hatte vor des hungers not
Daz benante lebnde brot.
Do hub fich ein michel fclial
1100 In dem palas über al
[295] In aller himel koren,
Dy nymant mak czuftoren:
Di fungen alle glieche
In der wirtfchaft fo rieche :
1105 ‘Heilic, heilic, heilic Got,
Hely, heilic Sabaoth,
Heilic fun und heilic geift,
Ein got aller gote meift,
Du fift gebenediet!
1110 Vleifch under brot gewiet
Der werlde czu genaden,
Du haft den grozen fchaden
Und ouch den ftrik czu brocken.
Wol haftu dich gerochen
1115 Au dem ftarken vinde dyen:
Du haft en geflozen yn
Und haft en alfo verfchalt
Daz er nimme tut gewalt
Dir an diner hantgetat.
1120 Lob fi diner trinitat!'
Incipit primum figillum
de incarnacione domini.
Kunften fchacz und kunften
hört,
Hilf, almechtik fcheppher, vort
[30a] Diz buchel mir Volbringen!
Zo muz din lob irclingen
1125 Und der üben muter din
Immer iu dem munde min.
Daz ymand je, ich rafe
Und umme fuft verblafe
1073. Wden.
1075. waf atu waz.
1083. rotes C.
1081. wirtfchaft aus wirdetchaft.
1087. Über das verwischte o in bauelicU'
ist o geschrieben.
1089. D' aus Daz. wai aus waz.
1090. eint aus ein.
1093. waf aus waz.
1105. hinter jedem heilic ein Punkt.
1111. genaden aus gnaden.
1113. 1111 rom Schreiber ausgelassen und
unten am Rande nachgetragen.
1113. ftrik aus ftriet
1115- vfnde aus vfnden.
Überschrift am Rande nachgetragen, da
der Schreiber den AbsaU gar nicht beachtet und
deshalb auch ohne Initiale fortgeschrieben hatte,
wofür nun der Rubrikator ein C setste.
1123. Volbringen aut volbrengen.
1127. ie am Rande für er.
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19
Beid den ödem und di luft,
1130 Durch daz uz der grofen guft
Wil ich nu daz beczeigen
Daz Got fich wolde neigen
Von himel, daz er vluge
Und an fich touge czuge
1135 In des funs perfon gemeit
Wol geftalt ein menfchlich cleit.
Daz Got wurde menfeh, uns fayt
Der geloube unverdayt
Sicherlich der nwen e.
1140 Ab ich rechte wege ge,
Vel 1yd der geloube hat,
Di wil ich bewifen drat:
[30b] Wil man, als uns fayt di fchrift,
An felin dido hau geftift
1145 Den gelouben, fo iz der lied
Di man fal lialden bi der wied,
Nwer czwelve gar über al
Nach der czwelf apoftel czal.
Und wil man aber merken
1150 Di uns czu vorderft fterken
Den gelouben, und der mau
Sal gelouben funder wan,
So ift virczen der gelid:
Der gelieren gar gefchid
1155 Sibne czu der gotheit ein,
Und der Kriftes menfehheit rein
Ouch gehören fibne czu.
Di fiu bedutet, wyzze du,
Bi fiben fterneu fchone
1160 Und ouch gar funder hone
Bi fibn luchtem von golde,
Do czwifchen der vil holde
1129. ödem aus ode.
1130. grofen aus grozen. gruft.
1137. nu aus ynd.
1141. lyd am Kunde aus ly t.
1158. wyzze aus wyze.
1164. n V ändert aus md v' ändert.
1165. ich um Kunde nuchgetragen.
1170. gelonbn aus gelouben. in aut an.
[3/a] Got fun, der menfehe, wandert
Von Gote un ver ändert.
1165 Nu wil ich uch vort czelen
Di fibn gelyd uz welen
Alleine di uf minen eyt
Gehören czu der gotheit:
Daz erfte ift an allen fpot
1170 Gancz geloubn in einen Got;
Daz ander daz der vater ift
Got; daz dritte funder phnift
Daz der fun ift Got alfarn;
So ift daz virde daz der vlam
1175 Und der lieilge geift ift Got;
Daz fumfte: gar czu hercze »rot
Der funden ablaz funder wint
Den di in der kirchen fint;
Daz fechfte ift behende
1180 Der toten uferftende;
Daz fibnde ift der guten lohn
Mit der ewiclichen cron ;
[3Jb] Bi dem felben funder fchim
Ouch der bofen pin vornim!
1185 Di ander fibn fal nimant ftorn,
Di czu Griftes menfehheit horn:
Daz erfte is das man jo fal
Gancz gelouben funder val
Daz Gotes fun enpfangen wart
1190 Von des heilegen geiftes art;
Daz ander ift daz er gebar
Von mait Marien, der vil dar,
Unfer heil; daz dritte warb
Daz er an dem cruce ftarb;
1195 Daz virde daz er als ein fnur
Nyder czu der helle vur
1176. vot.
1181. lohn aus Ion.
1183. ben funder fchim auf Kasur.
1184. ouch am Kande nachgetragen. in
Toruim auf Kasur.
1185. C.
1195. er nachgetragen.
2*
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20
Inder feien forme halt;
Zo ift daz fumfte fo geczalt
Daz er von des todes bant
1200 Erftnnt von fins felbes hant;
Daz fechfte ift di himel vart,
Do er glich des vater art
[32 a] siezet czu der cefmen fyn
Sander aller leige pin;
1205 Daz fibnde ift daz über al
Gotes trat fon richten fal
Beid di guten und di bofn.
Nimant mak nach tar verofn
Den gelouben nuer e,
1210 Den von grandelofem fe
Di apoftel han befacht
Und gar eigentlich gemacht.
Ab ich uu rechte wander,
Daz erfte und daz ander
1215 Di czu horn der gotheit war,
Saczte fente Peter dar;
Sint Andreas daz dritte;
Daz virde dar zu fmitte
Sinte Bartholomeus;
1220 Symon gab daz fumfte fus;
Daz fechfte Tadeus treib;
Mathias daz fibnde fchreib.
[325] Abir das erft faezte dar
Und daz ander offenbar
1225 Von der menfchlieit Criftes reyn
Sinte Jacob, nicht der dein;
Daz dritte Johannes las;
Daz virde gab find Thomas;
Matheus das fumfte fprach,
1230 Und daz fechfte gar gevach
Jacobus der minfte fneit;
Sind Philip daz fibnde feit.
Dibenanten virczen lid,
Wil man merken gar gefchid,
1235 Cziit man uz dem gelouben:
Wer der wil einz berauben,
Der wirt ewiclich verlorn.
Ouch di rofe funder dorn
Den gelouben machte ftark,
1240 Wen fi was der rieche fark
Und daz guldin balfem vaz
Do Got felbe ynne faz
[33 «] Mit der gnaden ubervluz
Von des heilgen geiftes gnz.
1245 r>ie reine maget vrie
Den dritten uz der drie
Ane we menfchlich gebar.
Des hatten wol tufent jar
Di propheten vor begert
1250 Ouch kung Salomon vermert
Hatte mit gefange luet
Di vil fuze reine bruet.
Er jach: ‘du czu mole bift
Schone, reiner tilgende kift,
1255 Aller libftes vrundel myn.
Wen die fitze ftimme dyn
In minen oren dinget,
Gar touge in mich dinget
Dine fchone, din geftalt,
1260 Erentrich gar manicvalt,
Aller tugende bernder fchryn,
Glenczer wen der funnen fchyn.’
[336] Do jach di vridelinne,
Di czarte kuniginne:
1265 ‘Min trat vridel, kuffe mich
Mit dem kuffe, des ger ich,
Dines fuzen mundes rein!
Inganczen trwen ich daz mein.’
1209.
nver Korrektur am Bande au* vwer.
1240.
waf au« waz.
1220.
luf aut für.
1253.
Cant. 2, 14.
1222.
daz aus faz.
1263.
vridelinne aus vrilinne.
1236.
einz aus eins.
1265.
Cant. 1, 2.
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21
Der kafeher Got vater meift,
1270 Der kufch ift der heilge geilt,
Gotes trfit fun ift der munt,
Aller fuze uberwunt.
Er jach: ‘lyp, di bruftel din
Sin vil tuzer wen der win.’
1275 Dor in, wen er waf fo clug,
Sich verbark er mit gevug.
Durch daz lange vor e fait
Jfayas unverdait:
‘Sich, ein juncvrou fal enphan
1280 Und gebirt gar funder wan
Einen fun der heizen fal
Von dem hoen himel gral
[34 a] Got mit uns, Emanuel!’
Suft yn nante Gabriel.
1285 Befloffen bliebt di pforte
Und wirt an keinem orte
Geoffent und entzloffen,
Idach gar unverdroffen
Eyn man nach dem willen fyn
1290 Kumet durch di pforte fyn,
Daz di pforte bliebet gancz
Und der meide rofencrancz
Blibet unverreret gar,
Nach und vor wol gliche dar.
1295 Got alleine daz vermac
Gar an allen wider flac,
Wen er ift daz groze mer,
Grundelos an alle ver.
Do by ouch vernim al hy,
1800 Wi man fchriebt in Genefi,
Daz di vippernater halt
Ire craft und ir gewalt
[34 6] Gar verlos do Got zu ir
Sprach: ‘bi nam daz fag ich dir,
1305 Du falt mit aller unluft
Slingen vort uf diner bruft
Und ouch, du vd nnwerde,
Salt niten dich der erde
Alle dine tage vort!’
1310 Suft daz lebnde mynnen wort
Mit der reinen quam czu houf
Wider der naturen louf,
Der daz felbe wort benam
Gar an allen wider dram
1315 Gar ir gewalt czu vuze.
Mit ave, fuzem gruze,
Glicher wis natur entgalt,
Als di nater ir gewalt
Verlos von Gotes worte;
1320 Suft di guldine phorte
Gar vefte bleip verrigelt,
Mit tugenden fchon verfigelt.
[3.5a] Maria, reiner magetum,
Dyn lob aller engil gum
1325 In himelrieche finget,
Ir ftimme hei irclinget
Inallir himel crone,
Got felbe daz gedone
Irclinget in den oren.
1330 Des haftu eyn den thoren
1209. 70. kufcher und kn Ich = knffer
und kos.
1271. Tan ift am Rande für fm.
1273. Cant. 4, 10.
1275. waf aus waz.
127A Jet. 7, 14.
1285. bliebt aus bliebet
1280. keine"1 aus keinE.
1293. tot* reret am vfib' reret.
1298 Grundelof aus ßrnndeloz.
1300. fchriebt aus fchriebet.
1302. Ire aus Ir. vnd aus vnde.
1300. vlof aus v'loz.
1304. I. Mos. 3, 14. daz i<6er der Zeile.
Tag aus fach.
1307. vnw'de aus vnw'd®. das v aus
andern Buchstaben.
1308. erde aus erden.
1315. vuze an» vufe.
1316. gruze aus gmfe.
1317. wif a us wiz.
1319. v'lof ans v'loz.
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22
Nabal von großen Tchulden
Wol wider bracht zu hulden
Ken dem kunge David her,
Der in grimme hatte fer
1335 Nabals Iwindin tot gefworn.
Hin gelegt haitu den zorn,
Abygayl vil fuze:
Des niget uf di vuze
Ken dir waz uf erden lebt
1340 Und waz in den himeln Iwebt,
Du cluge funerinne,
Vil reine mitlerinne
1355] Czwilchen menfche nnde Got,
Der dich uz erwelet hot,
1345 Daz du filt di muter fin
Und filt doch ein maget fyn.
Von fines lelbes genaden
Got von dir wolde laden
Di menfchkeit: wol dich eine,
1350 Du wunder bernde reine!
Daz dir daz wol bequeme
Und Gotes Tun wol czeme,
Daz er an funden burde
Von dir ein menfche wurde,
1355 Wir daz vinden ungezalt
In figuren manicvalt
Und inprophecien clug,
Der uns hat bedaket gnug
ln alder e gar unverdait
1360 Der propheten munt gefait.
Sagen wil ich der ein teil.
Got mir dorczu gebe heil!
1335. Nabals aus Nabas.
1339. dir am Ramie für de.
1347. genaden aus gnaden.
1348. dir aus d‘.
1358. bedaket aus bedakt.
1368. waf aus waz.
1372. der aus den. In pilgrym ist r
in e korrigiert und e übergeschrieben.
1373. fo über der Zeile nachgetragen.
din aus min.
[36 a] Verrein Egipten lant
Czoch und waz gar unbekant
1365 Abraham, der vater gris,
Daz er pilgerimes wis
Da fin eilende trüge.
Doch was er fo gevuge
Und alfo gar bederbe
1370 Daz er ircreik fin erbe.
Wen heimlich czu verSaram
Sprach der pilgerym Abram:
‘Gich fo uf di trwe din
Daz du fift di fwefter min,
1375 Daz mir wol durch dich gefche!’
Si was fo fchone und fo whe,
Do der kung £i an gefach,
Daz fin mut fich nach ir brach.
Idoch di wol gemute
1380 Gar tugentlich fich hüte
Wol vor aller miffetat
Nach des alden clugen rat.
[366] By Saram beczeichent ift
Di uns brachte Jefum Crift,
1385 Ouch di wir fwefter nennen,
Alleine wir erkennen
Und wizzen das fi eine fy
Muter alles wandeis vry.
Aller wolluft uz der [tat
1390 Der luft nimmer me vorgat,
Lufteclich fich nider liz:
Ein unmozen vrifches vliz,
Des vluz funder allez ies
Machte naz daz paradiz.
1374. min aus pin.
1376. waf aus waz. fo hinter was am
Sande zugesetzt.
1377. Do aus D.
1384. ihffi.
1385. w'.
1386. W.
1389. rotes CI.
1393. vlnz am Sande für tIos. z in
allez auf Rasur.
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23
1395 Daz paradiz, di owe
Was al der werlde vrowe;
Daz vliz daz von himel vloz
In der kufchen meide fchoz,
Was der vrone geilt b£nam,
1400 Mit des hülfe, als iz czam,
Durch der meide oren braft
Ein gar minniclicher galt,
[37 a] Daz goteliche lebnde wort,
Alles hordes über hört.
1405 In dem rolen garten czart
Got almechtic menfche wart.
Suft in daz eilende quam,
Als ich faite, Abraham
Und geduldeklichen trug
1410 Daz eilende mit gevug
Durch fines vater willen
Und daz er mochte ftillen
Sinen alden langen czorn.
Vreu dich, rofe fnnder dorn
1415 In dornheit uf gedrungen,
Clar lilge fchen enlpningen,
Von dem himeltowe naz,
Suzer wen ein honecvaz!
Daz hues biftu daz leibe
1420 Gebuwet funder velbe
Hot di wyfbeit grundelos,
Do fi daz fuft uz erkos
[37b] Info lioer wirdekeit,
Siben fuele dor uz fneit
1425 Uf gefchozen filbervar,
Gimmen golt di fimze clar,
Pnrper was ir ummehanc,
Der fich binnen ummefwanc
In dem pallas, in dem tron,
1480 Den im liz bereiten fchon
Kung Salomon der wife
Gar lobelich czu prife,
Wiet und groz von helfenbein,
Daz fo lichtes ny irfchein
1485 Als der uz irwelte fal
Indem tougentlich der gral
Der gebenedyten vrucht
Brachte alder werlde czucht.
Der dort di engel fpifte,
1440 Alhi fich ouch bewifte,
Daz alle fcheppenunge
Nach finerhande czunge
[•JSa] Jach: ‘er hat gemachet uns
In der wyfheit fines funs,
1445 Und wir uns han felbe nicht
Suft von keinerhande fchicht
Geformet und gefchiket.'
Wo hin fin gotheit blicket
Mit gotlichen ougen,
14,50 Do wirket er fo tougen
Werk di unbegrichlich fint:
Alfuft bar er fich ein kint
In der reinen meide tron,
Des ift fi der juncvrowen cron
1455 Genant von aller czunge,
Der werlde hoffenunge,
Ein urfprinc aller falden
Uf dife cziet behalden.
Durch di mait an allen wanc
1460 Got durch alle chore fwanc,
Der naturen wider fach,
Als der Heilant felbe jach:
1399.
waf aus w&z.
1427.
waf aus waz.
1403.
getelicbe aus geteilte.
1429.
pallal aus pallaz.
1416.
lilge aus tilgen.
1432.
czv aus cz.
1419.
az in Daz auf Rasur.
1435.
TZ dU9 TS.
1421.
gnwdelof aus grnndeloz.
1443.
l’s. lOO, 3.
1422.
erkoa aus erkoz.
1445.
w'.
1424.
fwele.
1454.
cron aus krön.
1426.
fimze aus fimfe.
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24
[384] ‘Durch libe der vil czarten
Steig ich in den nuz garten,
1465 Daz ich befchowte in dem tal
Wol di epphel über al,
Und ouch befeh mit guten
Ab di wingarten bluten,
Und ab di paris epphelin
1470 Vol fmachafter kornelin
Czitik weren in ir blut.
Mit gefchre ich czu mir lut
Di Tele gar begangen,
Bevallen und gevangen:
1475 Kere, kere, feie, halt,
Kere wider, kere halt!
Erft, kere von der blintheit
Di din hercze innen treit!
Wend ker dich czu mir her
1480 Und laz alle bofe ger!
Ker an alle kunterpheit
Und halt dich czu der worheit!
[39 a] Ker dich czu Gotes blute
Und vlieze dich an gute!’
1485 Durch fache daz wir tougen
Dich an fehn mit den ongen
Grozer barmeherczekeit,
VerSele, daz fy uch gefeit
Daz Got, aller falden fchryn,
1490 Und ouch der vorloufer fyn
Virftunt fcliryen: ‘wider ker!’
Durch virleie funden fer.
Erft ker an allez wanken
Von funden befer gedanken!
1463 f.
Cant. 6, 10—12.
1464.
nuz «M5 nn*.
1469.
vnd am Rande narhgetragen.
1475.
hinter jedem kere ein Punkt.
1479.
wend kann, wie R. i oiü, Imper. von
wenden sein ,
; auffällig freilich , da hier überall
nur keren gebraucht ist. Möglich ist aber auch
wend als Adv. = wan 'nur' aufzufassen.
1484.
vlieze aus vliez.
1485.
wir aus wirt.
1495.
bnfer aus bofe.
1495 Ker von funden befer red,
Di ietel ift und nngetwed!
Kere, du vil dein getwerk,
Auch von funden befer werk!
Nn ker, laz dich irbiten,
1500 Von funden befer fiten!
Ouch wider ker mit truwe
Von ganczes herczen rawe!
[394] Ker wider gar gediechte
Ouch mit des mundes biechte!
1505 Kere wider, buze drat
Mit den werken, mit der tat!
Wider ker an wider ftrebn
Ouch mit ftetem guten lebn,
Daz wir alfo dich an fehn
1510 Und ouch egentlichen fpehn
In der hoe von himelriech
Gotes czertlich bilde gliech!
Suft in den nus garten quam
Gotes trat fun, als is czam,
1515 Durch aller funder wille
Gar touge und gar ftille,
Alfo daz di felbe ftunt
Manchen engein was unkunt
Durch di fache engil gnuc
1520 Sit her vrogten mit gevuc,
l)o er czu lande wider zoch
In daz himelrieche hoch,
Glich fi fprochen: ‘wer ift der
Kung und ouch der werlde ger,
1525 Der gewaldiclichen czogt
Als gar ein erwegen vogt
1497. dein aus klein.
1503—1504 und 1509—1526 stehn auf
Rasur. Ihr Schreiber halle versehentlich die Zeilen
1463 — 1482 Blatt 384 noch einmal geschrieben.
1505 — 1508 ausgelassen und vom Schreiber
unten nachgetragen.
1505. drat au« dat.
1518. waf aus waz.
1520. Das h in her ist nachgetragen.
1523. des. 03, 1—3.
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25
[40 a] Uz der Egipten lande
Mit fo rotem gewande,
Betreutet gar mit blute?’
1530 ‘Ja’ fprach der wol gemute
Und der werde degen rein
‘Di winpreffe liab ich ein
Getreten indem garten
Durch willen der vil czarten:
1535 Von der erbeit fulcher not
Myn gewant mit blute rot
Ift befprenget über al
Von der fcheiteln hin czu tal.’
Ouch den ni vleifchlich ouge
1540 Gefach in finer touge
Und in finer heimlichkeit,
Czug an mit befcheidenheit
Di menfckheit an arge lift.
Wir bevinden daz iz ift
1545 Wol befiguriret jo.
Do man fchribt in Exodo:
\4o b] “Moyfi, dem manne reyn,
Got invlammes vnr erfchein
In eines pufehes mittel,
1550 Dem ni gebrach ein tittel.
Er fach, als er bekante,
Daz der pufch lichte brante
Und der pufch doch ni verbräm’
Bi dem pufche man verftan
1555 Sal Mariam di vrie!
Den dritten uz der drie
Bi dem vlamme du vemim,
Gar an aller funden fchim
Gotes fun, der mitten faz
1.560 Indem uz er weiten vaz.
Der prophete unverdait
Uns daz fchrybet, do er fait:
‘Got hat gemacht nach werden
Ein nuwe dinc uf erden:
1565 Wibes nam gar valfches an
Ummegriefet einen man.’
o] Mitten in irs herczen fchrien,
In ir magetum fo fien,
In ir fchos al umme greif
1570 Den aldort der himel reif
Ny befloz noch umme ginc.
Den alum und ummevinc
Der pufch an allez valben,
Des center allenthalben
1575 Ift und doch fin umme fweif
Nindert ift, den umme greif
Der vil kufchen meide fclioz.
Den des leben ny verdroz
Dort in himelrieche hoch,
1580 Hi di menfchheit an fich czoch.
Wen der pufch, w'underfune,
In küfchheit alfo grüne,
Gab dem fcheppher fulche luft
Daz er in der kufchen bruft
1585 Wolde raften unde rün,
Got wol mochte daz getiin.
[47 5] 1 )az Maria juncbetait,
Di gebenedyte mait,
Got und menfchen bere
1590 Und doch eyn maget were
Nach der gebürt recht als e,
Ane fmerczen, ane we,
Daz ift befiguriret,
Wol lufteclich geziret
1595 Mit eime glichnis fchone
In Salomonis crone
1535.
vfi aus vnd.
1562.
Jerem. 31, 22.
vns aus md.
1544.
w1.
1567.
in aus im.
1545.
Vor io ist wol gestrichen.
1569.
C.
1546.
2. Mos. 3, 2.
1573.
Der ans I>em.
allez aus aller.
1550.
gebrach aus gebrac.
1576.
Nindert aus Hinder.
1550.
faz aus fas.
1578.
De oiui Des.
1560.
vaz ans ras.
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26
Czu vorderft in dem tempil
Wol funder al exempil:
Set, bi Aronis gerte,
1600 Allein fi were herte,
Idacli fy den prys ervacht,
Wen fi bracht in einer nacht
Louber, blnt und mandilkern.
Bi der gerten wil ich wem
1605 Uch di raaget reyne;
Bi den loubern gemeyne
[42 a] Ir nmmaze groze tugnt,
Der vil reinen blunde jiignt;
Vernemet bi der blute
1610 Be uzen ire gute
Und ir reine fchones lebn
Ho ob aller engil webn;
Bi dem fuzen mandelkern
Wol vernemt den nuwen ftern,
1615 Gotea trat fuu eingeborn,
Der von der maget uz erkorn
In der inenfch heit hi gebar.
Czwar fi ift di fchale dar
Di der wife Salomon
1620 Und der wore Gedeon
Hat vollen vol geladen
Des towes der genaden,
Den er uz der wolle drang.
Gedeon, der ander, twang
1625 Bi dem czeichen figeber
Sine vinde dar und her.
h] Ouch Griftes inenfchheit munder
Nach wunfche ift befunder
Befiguriret ftarke
1630 Bi der gelubdis arke
Clar guldin uz nnd inne
Von gotelicher minne,
Binnen der mit gutem rat
Der guldine eimer ftat,
1635 I» dem gar unzu fpalden
Liet tougentlich behalden
Manna, lebndes himel brot,
Mit der e di Got gebot.
Dor inne unverdrozen
1640 Ouch lyt v61 wol befloffen
Di blunde gert Aronis
Vol nuczes unde lonis.
Bobn der archen funder val
Swebet der gnaden gral.
1645 Bi der archen, als ich las,
Di gemacht von holcze was,
[4.?a] Gotes muter ift benumt,
Uz und inne gar durch blumt,
Liecht in bumder libe groz.
1650 Wol der reinen! gar durch goz
Ir lippen di genade.
Und do by gar gerade
Bi dem fwebnden gral vornym
Got in vleifche funder fchym,
1655 In der menfchheit ane dorn
Und ouch gar an allen zom.
Wen er di genade ift
Vor aller unfer funden mift
Und ift der genaden jar,
1660 Der fich uz der arken clar
Der werlde bar czu trofte,
Di er dar nach irlofte
An der czarten menfchheit fyn
Mit v61 grozer marter pyn.
1001. Idaeh aut t Idac.
1607. vmraaze aus vmraafe.
1614. vernemt au« vernemet. Hinter
den ist d£ gestrichen.
1623. drang atu trang.
1634. eim' atu em'.
1635. Imdem.
1636. tougentlich aus tougentlic.
1639. vnVdroaen atu vnd V dreien.
1642. vH.
1649. Liecht atu Liech.
1657. Hinter ift ist Vor aller der nächsten
Zeile geschrieben und ausradiert.
1662. nach atu nac.
1663. an für mit
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27
1665 Und von der m&rter orden
Ift ficherlichen worden
6] Di arche al zu nuczce
Dor zu daz fi befchuczce
Daz volc vor den vinden ftark;
1670 Und zu allen wunden ark
Ift fy eyn erczetie,
Di reine maget vrie.
Heil und troft ift umbetrogn
Den di uz der werlde czogn,
1675 Und ouch aller funder vrift
Ja di blunde gerte ift,
Di hy treit di bernde vrncht,
Czu der alle funder vlucht
Neraen, di vorvluclitic fin
1680 Durch der leiden funden pin.
Wen ir wille ift fo mür
Daz fi fchaches buzet vür,
Wen betrübt der funder ftat
Und im nahin lyt der mat.
1685 Wer ift dem daz nicht behait
Von der fuzen milden mait?
[Wo] Merket von der reinen baz:
Si ift unfer zuverlaz,
Do von daz fi went fich fo
1690 Daz fi fich erbarmet jo
Uber di funder fo zuhant.
Set, do von ift fi genant
Eine muter wol gemeit
Aller barmeherczekeit
1695 Von den fchulden di hi ftrebn
Und hi in den funden lebn
Und doch fich do by nyten
Daz fi ein dinft irbyten
In andacht der vil milden:
1700 Als fumeliche wilden
Mit einer deinen vafte,
Oder laden heim czu gälte
Imand in irme namen;
Onch etteliche ramen
1705 Der reinen mait befunder
Mit eim gebete munder;
(A4 5] Etteliche fuft und fo
Ir irbyten andacht jo.
Sed, in den verholen gar,
1710 Daz doch ungewiz ift czwar,
Gancze hoffenunge liet
Daz fi uf di leite eiet
Von der fuzen hülfe fchyn
Selic werden unde fyn.
1715 Des fich di maget rumet
Und al der werlde numet
Daz fi fy an ungemach
Di leiter di Jacob fach,
An di nimant kumen kan
1720 Czu dem tugentriche» man
Den Jacob dort leinen fach
Bobn der leiter gar gevach:
‘Ouch nicht ich uch verfwige
Daz ich hab myne czwige
1725 Zu lazen und czu breitet
Und hab fi wiet geleitet
[A5aJ Als eine grüne linde,
Daz man dor under vinde
1673.
vmbetrogn aus vmbe trogen.
1707.
etteliche atM ettelich. vnd
1678.
der aus des.
aus rnde.
1679.
hinter nemen Punkt.
1709.
den aus dem.
1681.
r in mtr aus e.
1719.
kil aus fach.
1683.
betrvbt aus betrvbet.
1720.
tugentriche.
1685.
dem aus de.
1723.
Freie Auslegung) von Jes. Sirach 21,
1690.
erbarmet «im nbarmet.
17—30 mit Kinfkchlung eitler Stellen lies Hohen
1695.
der?
Liedes u. a.
1696.
bi aus hin.
1727.
Alf «im Ali.
1701.
Tafte ai« vaften.
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28
Knie vor der hiczczen glut:
1730 Ja, ich bins ein fchaten hut,
Der ficherlich irquicket
Di funder nnde fchicket
Daz fi werden wol gefunt
Von der funden uberflunt.
1735 Des kamt alle di min gern!
Mine vrucht, der mandilkem,
Wil uch in hoer wife
Mit ymmer wernder Ipife
Spifen ewiclichen wol
1740 Vor der heizen helle kol.
Dor zu uz dem keller fyn
Wil her fchenken kulen wyn,
Der gar famfte tut der burft
Und verlefchet allen dürft;
1745 Wen gepreffet ift der win
Uz der lebnden trubein myn,
Suzer wen ein balfemfmak.
Got und menfche in mir lak,
Do von bin ich ein betait
1750 Beide muter unde mait.
Wen do er fach min clofen
Mit lilgen und mit rofen,
Mit blnmen glancz beftrowet,
Der degen wart irvrowet,
1755 Do er min blunde bette fach,
Daz im wart czu mir fo gacli
Und alfo nach mir brante
Das er mich fwefter nante
Und ouch fin libea vrundel,
1760 Des bot er mir fin mundel
Lyplich in ganczen truwen.
Der fenix fich vernuwen
In mir wolde, als er tet,
Ich tet gerne fine bet.
1765 Sed, do von der funnen fpil
Mir, der finen muter, wil
t Mn] ('zwar eins noch keins verfagen.
Kein funder fal verczagen,
Wen ich kan 6n di hulde
1770 Von funden aller fchulde
Ken minem fun Erwerben,
Ich la nimand verterben.
Wen ich milde wol getan
Alle funder uz dem ban
1775 Enpfa und fi behulle.
Vrag nymand ab ich fülle:
Ich fal! er mich gewerte
Mit Simeonis fwerte
Dort durch al der werlde Ion
1780 Under deme cruce vron,
Do er mich nante muter,
Min reiner fun vil guter,
Dem ich eine ftunt benebn.
Set, al da wart mir gegebn
1785 Daz ich heiz der funder troft.
Ei, waz hab ich der irloft!
[4Gb] Di iczunt worn verteilet,
Dem tuvel czu gefeilet,
Di ich habe mit gewalt
1790 Irnert und hab fi geftalt
Zu rechter teidinc wider,
Daz fi czu hulden fider
Quamen mit der hülfe myn
Und ab mit der buze pyn
1795 Worten der funden finder
Und bliben Gotes kinder.’
Ouch di touge heimlichkeit
Der reinen Criftes menfchheit
1740.
heizen aus heilen.
1771.
Ken aus Kem.
1743.
burft am Rande für brnft.
1776.
falle aus enfalle.
1745.
ift aus ie.
1777.
er aus der.
1750.
Beide aus Eine.
1784.
gegebn aus gegebne.
1767.
Czwar aus Czwaz.
1785.
heiz aus heis.
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29
Glich al der werld zu Ituer
1800 Dy wölken ful und vuer
Uns bezeichen eigentlich.
Merke wol und ane fich
Daz man fchribt inExodo
Von der wölken ful alfo:
1805 Der engil der do czoch mit nit
Vor der Ifrahelen dit,
Der felbe vrone engil,
Wol der genaden fprengil,
[47 a] Czoch dem volke gar gevach
1810 Allis uf der verlen nach,
Mit im ouch czoch daz wölken,
Ab ich kan rechte tolken.
Und daz wölken, als ich las,
An dem tage vinfter was
1815 Und irluchte fckon di nacht.
Daz was groze Gotes macht,
Daz bedutet daz Got Crift
Sinem vater minner ift
An der menfchheit alleine.
1820 Ich bi dem felben meine
Di blindekeit der Juden,
Di fich mit wucher fuden.
Ouch mein ich bercheiden
UrluchtnilTe der beiden,
1825 Wen Got Crift czu in karte,
Do er di Juden larte
Und fi nicht volgen wolden
Und fine 1er befcholden.
[476] Der benante engil dar,
1830 Des vil tifen rates czwar
1799. ftuer aus ftuzer.
1800. Dy aus Dt. vnd vuer aus tu TTrer.
1805. ä. Mos. 63, 21— 22.
1810. nach aus fach.
1813. La* aus las.
1818. Symb. Athan.: minor patre se-
cundnm hnmanitatem.
1831. trwt
1834. wol am Rande nachgetragen.
1835. 4n au« in.
Ein trat fun und ein bote,
Heimlich gefant von Gote,
Dem vater gar almechtic,
Wol mit dem fun eintrechtic,
1835 Mit 6n der geift ein immer,
Durch funnen ny, noch nimmer
Nymant fi durch linnen kau :
Wol des felben fun getan,
Der in gotelichem ftam
1840 Ewiclichen czwar alfam
Allem himelifchem her
Und ouch dem erdifchen mer
Vorginc an allez tufternis,
Alf daz liecht der vinfternis,
1845 Sam der fchepplier vor der fchaft
Ginc von fines felbes craft,
Und als di almechtekeit
Ginc ouch vor allir krankheit,
[4«a] Als ein vurfte der fin lant
1850 Wol mit fines felbes hant
Gliech ordent unde fchichtet
Und ouch fin volk vervichtet,
Der reib, in im der erfte
Und ouch der aller lierfte
1855 Czwar und der aller befte,
Ift in uns doch der lefte.
Nach den Ifrahelen, fecht,
Ginc er recht als al er knecht,
Das er fi lofte alle
1860 Von ewiclichem valle
Und von Pharaone ouch,
Von dem tuvelifchen gouch,
1837. Nymat aus ymilt. kan aus m&k.
1843. an am Rande nachgetragen. z
in allez auf Rasur.
1844. hinter alf Rasur. liecht aus liech.
1849. vurfte aus uvrfte.
1851. fchichtet aus fchicket.
1858. alf aus alz. er aus ir. al als? R.
1860. ewiclichem aus ewiclicher.
1862. tvuelifchen aus tnuelifchen.
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30
Und ouch von firne here,
Von dem gefpenfte fwere.
1865 Suft mit dinftes nngemach
Dem Volke hatte gangen nach
Daz wölken daz mit im ging
Was daz vleifch daz er enpliing
[4äb] Von der reinen meide dar.
1870 Gar au alle funde czwar
Czoch er an der menfchheit rok,
Der im vor des cruces ftok
Grimmeklich wart ab geczogn
Von dem volke gar vertrogn.
1875 Da von in Yfaya,
Daz ich kurczlich über fla,
Git er gar ungelenget:
‘Ir blut daz ift gefprenget
Uber al uf min gewant.’
1880 Alfo tu ich daz bekant:
Ir blut fi felbe guzzen
Und jemerlich vervluffen.
Do von fprach di reine mait
In dem geifte unverdait:
1885 ‘ Er hat entfaczzet von dem ftul
Und gedrungen in den pfui.’
Ich mein di lioen Juden,
Mit unvlot di fich cruden.
[*9 a] Di mit Gotes dinlte vor
1890 Gingen als der tag enpor,
Di fin hin verdrungen gar;
Und fin uf erhaben czwar,
Ho geezucket uf da widr
Di einveldgeu, di gar nider
1895 Sozen und deine trachten
Der hochvart nach ir achten:
Ich mein di beiden, ken den jach
Der apoftel unde fprach:
‘Ir woret ettefwenne,
1900 Daz ich vil wol irkenne,
Rechte vinfter als di nacht:
Wurden fit ir nu mit macht
Ein volles licht in Gote.’
Der engil und der bote,
1905 Den uz Got vater fante,
Sich von den Juden wante,
Durch daz vil von dem trone
Ir fceptir und ir crone:
[J95) Wen durch keiner hande fchicht
1910 Wolden fi gelouben nicht
Das Got von der reinen mait
Were in di werld betait.
Wen di verblinten wenen
Und fich nach alles fenen
1915 Nach Meffiam, daz der kume
En czu trofte und czn vrome,
Do von daz fi ling vorftan
Di fchrift nnd nicht tife gan
Hinnen in der glofen fin,
1920 In des geiftes hoch gewin.
Alfuft hat fi vererret
Talmoth und hin gevirret
Von der rechten ftraze dan,
Wen er vurt der keczer van.
1925 Mit fiuer valfchen glofe
Von Jericho di rofe
1804. Unter von ist von nusradiert, veil
die Zeile zu tief angefangen war.
1867. das erste Daz aus Daz.
1808. war aui waz.
1871. rok aus roc.
1873. geczogn au« geczogen.
1878. Jet. 63, 3.
1874. vertrogn aus vertrügen.
1881. gazzen auz griffen.
1885. Luc. 1, 62.
1893. vtt.
1899. Kphes. 5, 8.
1906. de.
1915. knmn.
1916. vromn.
1922. gevirrj.
1925. glofe au« glofen.
1920. Jericho au» Jerichon. rofe aus rofen.
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31
Si ouch vertumen wolden:
Mit Jofeph den vil holden
[Ma] Si wart beczign, wen er pflag
1930 Der vil reinen nacht und tag.
Dnrch daz quomen fi in not,
Daz fi daz brende morgen rot
Nicht irkennen mochten recht;
Wen fi woren, daz is flecht,
1 93-r> Mit gefehnden ougen blint,
Do von fi des nienfchen kint
Ouch irkennen mochten nicht;
Des fint fy von Gote gefchicht.
Wen Got, aller wiefheit vunt,
1940 Sprach durch der propheten rannt:
‘Set und merket funder fpot
Das ich bin alleine Got,
Des bin ich gebryfet ho"
Von dem Volke funder dro";
1945 Ouch ich irhoet werde
Von minen uf der erde.’
Daz wort fi nicht vernomen.
Do von fi wurden romen
[Mb] Syn und goben im des fchult
1950 Daz er durch fyn ungedult
Gar czu ftoren weld ir e,
Di en wart von Moyfe,
Di im Got jo felbe fchreib,
Do er uf dem berge bleib
1955 Mit im wol virczik tage,
Czwu tafeln, als ich fage,
Steinen, czu beiden fyten vol
Mit guldinen buchftabn wol
Gefchribn mit Gotes vinger.
i960 Durch daz fy ouch geringer
Wugen di fyne lere,
Daz al der werlde herre
Zo gar ermlich fich erczoch
Und ouch alle hoch vart vlocb.
1965 Do von hilt er fich von in.
Daz was der heiden hoch gewin,
Di durch in fich bekarten
Und den gelouben larten
[si o] Den er mit den jungem (in
1970 Wol tet al der werlde fchin.
Alfuft durch der wiffagn munt
Wol ift uns nn worden kunt
Wi gar touge fich irginc,
Zo daz Got den mut enpfinc
1975 Daz er an di menfchheit czocli:
Durch v6r Demut, di fo hoch
Stiget in daz himel riech,
Wen der tugent ift nicht glich.
Durch daz di fuze reine
1980 Di demut vor czoch eine,
Do fi ken dem engil fprach:
(In ir celle daz gefchach):
‘Got hat uz fim geftirne
Di demut finer dirne
1985 An gefehn mit ougen brehn,
Di daz lierce binnen fpelm
Mit der fuzen milde breit
Siner barmeherczekeit ’
[516] Wen ver Demut an ir hot
1990 Daz fi eine twinget Got,
Wen in irera fchrynelyn
Alle tugnt beflozzen fyu:
Demut ift der kufchheit bunt
Und der hoen wifheit vunt,
1929.
beczign aus becigen.
1969.
iügem aus iügen.
1938.
gote aus got.
1971.
wilT&gn aus wiff&g.
1947.
nicht aus nich.
1976.
v6r aus vir.
1951.
weld aus wel .
1983.
Luc. J, 48.
1957.
beiden aus beden.
1985.
brehn aus bren.
1966.
wef aus waz.
1989.
hot aus hat.
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32
1995 Si ift daz inner ouge
Des herezen, mit dem touge
Di vil fuze, reyne brut
An fit ereil vridel trat,
Und in herczelicher gehr
2000 Der vridil czart an alle fwer
Mit wandel unvorladeu
Sich vuget mit genaden
Czu der czarten bruet gemeit
Mit geiftlicher fuzekeit.
2005 Demut das alles bringet
Daz Got her nider flinget,
Wen in grozem wider hart
Got wider ftet der hoehvart
[52a] Und ftet gancz der deinut by.
2010 Merket nu waz demut fy:
Demut ift eyn kunigin,
Aller tagende an begin,
Ein morderin der funden,
Als ans di wifen künden,
2015 Ein houbt der gerechtekeit,
Daz der eren crone treit;
Von himelifchem vlamme
Ift fi ein werde amme
Aller hubfchheit und der czucht;
2020 Si ift aller fchanden vlucht.
Ein wurcil fchon entfprofren,
Mit heilekeit durch goffen,
Aller orden macht und craft
Ift ver Demut figehaft;
2025 Ouch ift fi funder fmerczen
Ein czeichen cluges herezen,
Si ift ein geczugnis dar
Des vil heilgen geiftes bar,
[526] Der fieten wechterinne
2030 Beid uz erhalb und inne,
Eigens wefens ho vernupht,
Richer eren werde kumpht,
Ein hus gotlicher übe
Gar funder alle diebe,
2035 Yryet in ungelucke
Uni vorchte ingelucke;
Demut ift genemer fyn,
Moze aller wortelin,
Wi fi wol recht bekamen,
2040 Ein meifterin des vramen,
Eine ftille lererin
Mit bibilden di gut fin
(Groze dinc fin ir ummer),
Gutes lebens luter ger.
2045 Do bi fal man vorchten jo
Got gebenedyet ho!
Er ift gebenedyet
Dorumme daz er lyet
rsaa] Sin gut unde felbe fich
20.50 Allen dingen mildeclich,
Gute und genaden vil:
Sine gaben han kein czil.
Wi er fi fo über riech
Und fich allen dingen güech
2055 Oppher und irbyte bar,
Doch ein iclich dink en gar
Erreichen nach begriefen kan.
Er ift den ny fin durch fau,
Wen er ift ob alle ding
2060 Ho und bobn des himels ring
Uf alfo ho irhaben
Das en nach fine gaben
Nyinand aller dinge mak
Brengen gancz in fynen fak;
2065 Nach in fynes herezen creiz
Mac er brengen gote weiz
1995.
inner aus in ir.
2041.
Eine aus Ein.
2002.
vvget aut vvgeget.
2049.
vfl.
2011.
rotes C.
2050.
mildeclich auf Rasur.
2015.
Eine aut Ein.
2051.
Orte aus Uute.
2033.
hol aus hnz.
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33
Daz goteliche wefen
Und gancz fin lebn vol leien.
[53 b] Set, alle fchepphenunge
2070 Nach rechter ordenunge
Got, der rechten wifheit phat,
Inlulcher wis geordent hat
Und alle ding getachet,
Geichaffen und gemachet
2075 Iclichz nach finer werdekeif,
Minner und ouch mer gecleit
Mit tugnden und mit eren,
Als nns di meilter leren,
Nach nehe und nach virre:
2080 Dor an lieh nimand irre!
Im y neher ein ding ilt,
Y mer iz in fine kilt
Enphet der linen gute,
Richer wirt lin gemute
2085 Von kunlten, von genaden.
Abir di von linen graden
Gevirret fin dan virre,
Mit ires herczen Ichirre
[5<o] Gar ein luczil di enphan
2090 Siner gäbe wol getan.
Daz luld ir vornemen Io,
Als ich lag von Gote jo:
Verre von des himels ring,
Merke, etteliche ding
2095 Han nicht mer wen daz fi fin —
Daz nim in di linne din! —
Als erde, holcz und Iteyne
Und lulches algemeine.
Ouch lint etteliche ding
2100 Bedact von des himelz ring,
Di ouch fin und leben hyr,
Als uuvernunfticliche tyr.
So lint aber ander ding
Oben und under des himels ring,
2105 Di fin, leben und vernemn,
Der lieh nymand czwar darf
Ichemn,
Als menfebe und di engil.
Von der genaden Itengil,
[5ib] Von dem erlten urlpninge,
2110 Von Gotes ordenunge
Ettelich minnir und me
Vernemen, als ich layte e,
Und als fi ouch von Gote
Verdinen vtu und Ipote
2115 Alles dar an under laz.
Set, di leiben in ir vaz
Me vazzen unde laden
Von Gote finer genaden
Vor di andern gar virre;
2120 Daz mae.hit vil manch wirre.
Allult hat erarnet me,
Als man Ichribt in niwer e,
Maria, der bernde grünt,
Czweir blumen vullemunt:
2125 Demut und der magetum.
Durch daz fi der engil gum
Prylet lobelichen ho
2069.
fchppbenüge.
2105.
fin auf Rasur. hinter
2072.
wir aus wii.
leben Punkt.
2075-
wenlekeiet.
2107.
menlcbe aus men Ich.
2081.
Im .y. neher aus
Ein .y. mer.
2114.
fpote aus fpate.
2082.
2116.
S in Set ans D.
2086.
abir aus abr.
2117.
vazzen aus vaiTen.
2087.
Vre.
2118.
genaden aus gnaden.
2088.
fch're.
2119.
Vre.
2097.
erde aus erd.
2120.
w‘re.
2101.
oveh atu och.
vnd aus rm.
2121.
eranet.
2102.
vnVnvftlicliche.
2126.
Durch aus Dar.
auch« Tiro de« MitUlaller«.
IX.
3
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34
Und ouch al di werld alfo:
[55 a] Wen Ti hat di werld bedacht
2130 lind hat uns den lofer bracht,
Woren Got und menfchen fam:
Wol di menfchheit Gote czam.
Ir fuld ouch daz bewachen
Daz gar vil fint der fachen,
2135 Als di fchrift uns hat gelart,
Daz Got quam und menfche wart.
Nu hört, der fachen eine
Ift daz Got der vil reine
Den armen menfch bedechte
21-40 Und in im wider brechte
Gotes bilde, daz verftalt
Was von funden manicvalt;
Wen der menfch was fich und
cranc
Von der bofheit anehanc:
2145 Er waz krank an aller macht,
Unwife und ungeflaclit
Von dem willen der gereit
Was zu aller fnodekeit.
[55 b] Mit den drien lac verwunt
2150 Der dan ging czu einer ftunt
Von Jherufalem alfo,
Ich wen hin ken Jericho,
Und quam niordern in di hant,
Di en flugen uf daz laut,
2155 Daz er vor en lac vor tot
Uber al von blute rot.
Set, do quam, dem wras nicht glich,
Ein arczt, der was kunften rieh
Und legte czu gerade
2160 Der fuchen di genade;
Der unwifheit ginc er nu
Mit lere der warheit czu;
Er den willen czoch czu im
Mit gnttete, daz vernim,
2165 Czu vorderft mit der gute fin,
Siner grozen marterpin.
Di vorbenanten flege,
Bitter und ungehege,
[56 a] Mac man wol bi den verften
2170 Von den, als ich hab gefen,
Spricht Yfayas heiter:
‘Di wunde und daz eiter
Und der flac, geloufen uf
Von vil manchen grozen puf,
2175 Ift biz czu difen ftunden
Gewiket noch gebunden.’
Set, als ich ouch fayte e,
Daz bedüt di wunde me,
Tif gefunken in daz mark,
2180 Wen bofheit des willen ark;
Daz eiter alfo fnode
Bedut den menfchen ode
Allir guten dinge gar;
So ift di unwifheit czwar
2185 Bedut bi dem fw'elnden flage.
Set, di wunden, als ich fage,
Keinerhande erüde kraft
Nach der erezte meifterfchaft
[56 5] Mochte nicht geheilen flecht,
2190 Weder keinerhande recht
Der gebot inirer e.
Czu den flegen, czu dem we
Nicht mochten ouch geraten,
Waz fy gelubdis taten,
2142.
War aus Waz.
2158.
wal' «us waz.
2143.
waf aus waz.
2160.
di aus G.
2148.
WaT aus Waz.
2169.
v’rten bi den.
2152.
wen aus wene.
hin am Sande.
2172.
Jes. 1, G.
2153.
Hinter quam ist
den gestrichen.
217a
Die H unde bedeutet (nicht mehr als)
2155.
£n am Sande.
vor] V.
Boslteit.
2157.
wal' aus waz.
2186.
Set] Sy.
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35
2195 Di lofen glizenere,
Gar aller tugnde lere.
Di mochten fy geheilen nicht
Ouch mit keinerhande fchicht,
Wen fy woren felbe liech
2200 Beid an feien und an diech.
Ouch mit Elyfei ftab
Si mochten en gehelfen ab,
Daz ift mit der hertekeit
Und mit der befcheidenheit
2205 Der gebot in alder e.
Waz fal ich do von lagen me?
Von eu wart dem toten wider
Weder wort «och finne; fider
[57 a] Quam von himl daz lebnde wort,
2210 Daz half allen dingen vort.
Als hi vor Elyfeus
Uf den toten ftracte, fus
Sich an dem cruce dente,
Do nach in fere fente,
2215 Uf den toten der munder
Uf iclich lid befunder.
Alfuft mit finen wunden
Heil czu den felben ftunden
Worden alle unfe fleg
2220 Von der funden ungeheg.
Durch das von des todes dru
Der irquicte niefe nu
Siben ftunt! daz is fo vil,
Als ich dich befcheiden wil,
2225 Daz er mit vlieze danke
Gote und nicht enwanke
Und ouch mit nichte breche
Er alle tage fpreche
[57 6] Gotes lob jo fyben ftunt
2230 Mitten uz des herczen grünt!
Erhöre und gedage
Waz im der artzt ouch Tage:
‘Sich, du bift gefund getan,
Du falt vor t di funde lau,
2235 Daz dir vort waz bofers icht
Gef che von der funden fchicht!’
Ouch der gefunt ift worden
Von dem benanten orden,
Der halde Gotes hulde!
2240 Er lyde und ouch dulde,
Daz er aber icht als e
Valle in der funden fe
Und icht werde fiech und crank!
Ken der bofheit anehank
2245 Er trachte und gedenke
Und fine finne lenke
Beide tag und nacht vort me
Inninclich uf Gotes e!
[48 o] Er bedenke di gebot
2250 Di Got felbe fuuder fpot
Hat gehalden und gegebn!
Üben fal er di vil ebn,
Daz er wyfe fy und clug
Czu aller gute mit gevug!
2255 Ouch eben er bedenke
Waz im der milde fchenke
Gotes Tun gefchanket hat
Beid mit werken und mit rat,
Und dank im alles gutes
2260 Von willen fines rnutes,
2201. 11. Reg. 4, 31.
2227.
breche aus brachte.
2208. moch. hinter finne Funkt.
2230.
Mitten aus Mit dem.
2211. hi aus fi.
2233.
Joh. 5, 14.
2212. hinter ftracte (== sich streckte)
2234.
vor.
Punkt; rgl. II. Reg. 4, 35.
2235.
vort aus wort.
2223. ucischen Siben und ftüt ein Buch-
2246.
finne fiffie.
stabe uueradiert. vil uus rill.
2247.
Beide aus Bor.
2226. e'nwanke.
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36
Daz er in der werlde liab
Beide vride und di gab
Mit luten gutes willen,
Di fich wol felbe füllen!
22C5 Wen der ift genant eyn man
Der im felb gefiget an.
Wen manche bürge veilen
Und michel wunder ftellen,
[58 6] Abr der ift gar luczil jo
2270 Di in dirre werlde ro
Sich felbe überwinden,
Als wir gefchriben viuden. .
Set, ouch durch di fache quam
Gotes fun und an fich nam
2275 Di menfeheit uf gelinge
Daz er gar aller dinge
Und ouch an alle fwere
Gohorfam dem vater were,
Daz mit finer gehorfam
2280 Er bewyfte da by nam
Wi alle fchepphenunge
Nach rechter ordenunge
Gehorfam finem fcheppher fai
Wefen gar nach rechter czal:
2285 Wen in finen handen wiet
Und an finem willen liet
Daz leben und daz wefen,
Als ich do hab gelefen.
[59 a] Aber der vil bitter tot
2290 Und ouch alles jamers uot
An dem eigen willen ftat,
Ab er ungebunden gat
Daz beczuget uns vorwar
Lucifer mit finer fchar,
2295 Der hin dan geftozen wart
Uz der himel vroude czart,
Ab di fchrift nicht fenfuget.
Daz felbe ouch beczuget
Der menfeh der durch finen gyl
2300 Uz dem paradife vil.
Waz ift eigen willen me
Wen ein flange voller we?
Me eigen wille noete
Yer Even, wen er toete
2305 Si binnen in dem herczen
Mit bitterlichen fmerczen,
Me wen der tnvel, der fy trog
Und um fi beuzen vlog.
[59 6] Sed di natern, waz ir ift
2310 In dem menfehen, tote Crift
Sam di erine flange
Hi vor über eine ftange
Ho uf gerichtet fchone
Ift an dem cruce vrone
2315 (Von mancher bitterlichen not
Gehorfam waz er in den tot).
Suft werlich an underlaz
Di nater Moyfi ouch vraz
Di natern der Egyptier;
2320 Kung Pharaonis czouberer
Nicht mochten ouch do wider.
Des vur der kung ouch fider
Und fin volk gar umbewart
Ein ummafe bofe vart.
2325 Wen ouch mit fteter tugent
Di feie und ir mugent
Den Hangen gar verterbet
Und in ir felbe fterbet,
2276. Daz aus Das. er über der Zeile
nachgetragen.
2290. allef aus aller.
2297. gnbrget.
2304. hinter eng Punkt.
2305. hinter Si Punkt.
2308. bevzen aus bevfen.
2309. waz aus was.
2310. Crift gehört ani xoivoC tu täte und
tu ift uf gerichtet.
2322. wr.
2325. oveh aus och.
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37
[60 a] So mugn ir di helle phorten
2330 Mit werken noch mit Worten
Gefchaden noch verwinden.
Ja fi wirt allen vinden
Gar czu Itark und figehaft,
Ab ir Got verliet craft.
2335 Doch di [lange ich nicht dag
Eigens willen, als ich Tag:
Wi vil fi wirt geflachtet,
Nicht man gar liechtlich achtet
Und irkennet in der not
2340 Ab fi werlich liege tot,
Niben fi der flachter czwar
Werfe beide er und dar
Und fi fich nicht 6n wege
Nach um ein har icht rege,
2345 Daz fich czu dem leben czy.
Nu ouch rechte merke wy
Di flange man verterbe
Und eigen willen fterbe!
[60b] Wen Got, allir wifheit phat,
2350 Oder wer 6n hy vorftat,
Im den menfch gehorfam nu
Her und dar wirft ane ru
Und im nu ane muze
Nu feczet fwere buze
2355 Und tut im nu geringer
Buze, in Gotes vinger
Alreft den gehorfam fich,
Tot den fanden endelick
Irkenne und doch leben
2360 Und ficherlichen fweben
Werlich in Gotes hulden,
Los gar von allen fchulden,
Wen er an wider claffen
Tut allez waz di pfaffen
2365 Im mit rechtem urteile
Uf legen czu firne heile
Nach des bilde der daz fprach:
‘Ich fteig von des himels dach,
[64 a] Nicht daz ich den willen myn
2370 Tu, funder den willen fyn,
Des vaters, der mich gefant
Hat in der Egypten lant. ’
Griftes gehorfam, daz wol vach,
Der wir lullen volgen nach,
2375 Willik was und ouch gereit,
Si was vrolich ane leit,
Ouch was fi halt und entfproz
Uz lybe der in ni vordroz.
Von dem erften unvordait
2380 David fprichet unde fait:
* In des buches an begin
Is gefchribn in hockgewin
Von mir daz ich jo tete
Den willen din wol drete, ,
2385 Got, myn ich wolde und me,
Ich bewarte ouch din e.’
Von dem andern Yfayas
In Griftes perfone las :
[676] ‘Herre, fich, bereit bin ich,
2390 Wor du wilt, nu fende mich!’
In vrolicher ftimme galm
Von dem dritten fpriclit der pfalm:
‘Er vrout fich ane maze
Czu loufen hin di ftraze
2340.
liege aus lige. tot aus tote.
2359.
hinter Irkenne Punkt.
2342.
werfe aus werfen.
2366.
heile aus teile.
2344.
Nach aus Nac.
2368.
Joh. 5, 30.
2353.
moze aus muse.
2374.
wir aus wil.
2356.
gehorlam in Gotes vinger = gc-
2381.
Ps. 40, 8—9.
n gegen Gottes Willen.
2389.
Jes. 6, 8.
2357.
hinter gehorfam Punkt.
2393.
Ps. 19, 6—7.
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38
2395 Rechte als ein r6fe groz,
En des loufes nicht verdroz.'
Von dem virden fpricht er fo
Indem ewangelio:
‘Ich hab zunphan di toufe
2400 Noch nues Ordens loufe.’
Von dem vunften fprach er nu,
Do im ginc di martir czu:
‘Daz di werld irkenne fyn,
Wen ich lib den vater myn
2405 Und irvulle fyn gebot,
Als er mir geboten hot’
Stet uf ! go wir von hinnen!
Nach minen beften f innen
[62 a] Czu der marter funder wan
2410 Und czu dem tode ful wir gan,
Nicht czu werltlichen eren.
Wir füllen ouch nicht keren
Czu wolluft und czu vrouden,
Als manche di nur geuden,
2415 Den gar über vol ir bruft
Ift werltlicher cren luft.
Ouch Griftes gehorfam halt
Und der getrwen anewalt
Uns beczeiget ein ritter vrut
2420 Kung Davidis wol gemut,
Der mit fines felbes haut
Cwene lewen über want
Und czu tode fi irfluc,
Als uns fait di glofe cluc.
2425 Bi den czweien lewen man
Wol mac nemen und vorftan
Di beger vleifchlicher luft,
Ja di in unkufcher bruft
[626] sich jo hecket und gereit
5430 Al der werlde fuzekeit,
Di fam der Siremen don
Locket und gibt valfchen Ion.
Ouch der benante ritter,
Von rechter manheit bitter,
2435 Beid in vrofte und in fne
Sünder alle wider fchre
Czu dem dritten lewen veig
In eine cifterne fteig
Und flug in mit der verte
2440 Ouch mit des cruces gerte.
Bi dem dritten lewen balt
Eigen wille ift gezalt;
So ift di cifterne tief
Wol des herczen mittel brief:
2445 Vernim bi dem kalden fne
Ungelucke unde we:
Wen daz walt nicht grozer tugnt
Und endarf nicht grozer mugnt
[63 a] Den gehorfam behalden
2450 Und in mit nichte fpaldeu
An fo getanen dingen
Di luft dem menfchen bringen.
Czwar aber der gehorfam fich
Wol bewifet endelich
2455 In herten fcharfen dingen
Di ungelucke bringen
Und ungemach jo machen
Mit widerczemen fachen.
Set, daz ift mit der verte
2460 Hin mit des cruces gerte
2395.
vgl. 4704.
2411.
nicht aus nich.
2396.
En aus In.
2418.
vnd aus vn.
2399.
Luc. 12, 50.
2419.
II. Sam. 23, 20.
2401.
vunften an* vnmften.
2425.
hinter lewen Punkt.
2403.
Joh. 14, 31.
2426.
hinter nemS Punkt.
2404.
wen aus Den. den aus dem.
2431.
— Sirenen.
2405.
ir wlle.
2437.
dem aus den.
2410.
vnciv.
2447.
nicht aus nich.
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39
Stiegen czu dem lewen halt
In tagen von fnehe kalt.
Der felbe Bananyas vrut,
Kung Davidis ritter gut,
2465 Wart durch di benante tat
Des leiben kunges inner rat.
Daz ift werlich anders nicht
Wen daz Got in Bücher fchicht
[636] Den di genczlich gehorfam
2470 Halden, daz er den by nam
Als finen lyben vrunden
Ho von der himelunden
Alle fine heimlichkeit
Offenbaret funder leit.
2475 Ouch ein andir fache was
Gotes menfchheit, als ich las,
Daz Got in der menfchheit vrut.
So einveldik und fo gut,
Den menfchen brachte wider
2480 Daz er fwunge fin gevider
An dem weg der demutkeit,
Mit der man vertriebet leit,
Und kert von dem tuvel dan
Endelich uf Gotes plan.
2485 Wen Criftes demutekeit,
Alfo ho und alfo breit,
Troftelich und hulferiech
Ift al der werlde volleclich.
[64 n] Do von Taget in der fchrift
2490 Pabift Leo der nwen Trift:
‘Als der toter Got benam
Der funden und des totes fam
Nymand ane funden vaut,
Alfuft wart er uz gefant
2495 Daz er gliche machte wie
Ton der fweren funden blie
Gar aldi werld gemeine.’
Ouch Criftes demut reine
Ift den uz erwelten czwar
2500 Ein by büde offenbar,
Do von in ewangelio
Got fprach di uz irwelten fo:
‘Wendet czu mir uwern fyn
Und lert von mir, wen ich bin
2505 Gar femfte ane fmerczen
Und demutges herczen.’
Den verwürfen als der mift
Ouch Got Criftes demut ift
[64 6] Ein engiftlich gerichte
2510 Mit firne angefichte.
Do von fpricht der wifheit vunt
Durch Efechielis munt:
‘Din unvlat unmenfchlich ift:
Ich wolt dich reinen, und du bift
2515 Nach ungereinet bliben;
Din unvlat nicht vertriben
Wirt von dir biz an di czyt
Daz myn czorn uf dir gelyt.’
Ouch fulche eifet fere
2520 Vor rechter demut lere,
Und di felben wollen nicht
Mit der demut haben pflicht,
Daz fi wonten ewiclieh
Mit Crifto in himelrich.
2525 Von den durch Ofee munt
Tut uns unfe herre kuut:
‘Di Taten hi in vollen
Myn nicht gedenken wollen.
2461.
Stiegen au« Stigens.
2512.
Durch aus Dur. hinter mut ist
2471.
vrvnden aus vrunden.
der Anfang
der folgenden Zeile dl vnvlat aus-
2474.
fund' am Rande für ausgestrichencs
radiert.
fine.
2513.
Hesek. 24, 13.
2475.
waf aus waz.
2527.
Hot. 13, e.
2476.
lat au« Inz.
2503.
Matth. 11, 28—29. vwern au*
vwer.
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40
[85 a] 'Wen Ti han ir hercze fo
2530 Ho irhabn und weTen vro.’
Vil felic ift ver Demut czwar,
Der vor alle tuende gar
Was gar vol daz reine vaz,
Gotes muter ane haz,
2535 Di Gutes angefichte
Hin wante gar gerichte
Mit finer barmherczeheit,
Di dem viende abe ftreit
Menfehlich kuune, daz do was
2540 Vorlorn, und half daz is genas.
Dorumme di vil reine
Vorczoch di deniut eine,
Do fi von ir felbe jach:
‘Ton der hoen liiniel dach,
2545 Des iuuz ich von fchulden jen,
Got almechtic hot gefen
Siner maget demut an,
Des mich felik funder wan
[coi] Alle geflechte numen
2550 Und mich mit lobe blumen.’
Ouch alle di genade
Czu allir falden grade
Ken Gote wir ir werben
Mit demut, e wir fterbeu.
2555 Wen lazet uch beduten:
Den hochvertigen luten
Wider ftet in wider hart
Got und nidert ire vart;
Aber di genade f in
2560 Gibt er guten luten fin,
2536. hin auf Rasur.
2537. das zweite h in barmh'cieheit auf
Rasur.
2541. Hinter reine ist der Anfang der
folgenden Zeile vor getilgt.
2544. Luc. J, 48.
2546. almechtic auf Rasur.
2554. W.
2558. nid't aus nid'.
Di demut inherczen tragn
Und di hochvart von en jagn,
Ouch mit der demut eine
Der menfch von herczen reine
2565 Entwirt gar allen ftricken
Di im di vinde fchicken.
Do von lifet man alfo
Von Tente Antonio,
[66«] Daz der in fym gebete lac,
2570 Als der felege dicke pflac,
Und fach in tougem blicke
Gar al di werld vol ftricke.
Do fchrey er czu Gote ho
Wer entwerden mocht der dro.
2575 Do horte der vil reine:
‘Vir Demut czwar alleine.’
H>urch daz Gotes Tun ouch
quam
Und di menfchhet an fich nam,
Daz Got al der werlde lieh
2580 Offenbarte fchynberlich
Und bewifte menfehen wys
Sich in Tuns perfone rys.
Allein, als di fchrift uns feit,
Di werk der drivaldekeit
2585 Ungefcheiden fint alfo —
Wen waz ficherlichen jo
Der perfonen eine tut,
Daz tut ouch di andir vrut — ,
[665] Doch der Tun alleine nam
2590 Di menTchheit, als im geczam,
Und nicht der vater, nach der geift.
2560. e'.
2562. hochu&rt ans hochuar.
2565. Entwirt am Intwirt.
2569. in aus im.
2582. pfone aus pfonen. rys neben
Rasur.
2588. onch cinge flickt.
2591. nicht aus nich.
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41
Ich mein inperfonen meift.
Des bab wir ein gliechniz czwar
By drin reinen meiden dar,
2595 Di nach irem beften Tin
Der drier eine under en
Gewant anlegn, von dem wol
Man mac Tagen daz in vol:
Waz der meide eine tut,
2600 Daz tut ouch di ander gut;
Idoch der drier eine
ITt di man cleit alleine.
Suft daz werk der menfchheit nu
Man fchribt underwileu czu
2605 Den vater: ‘als da funder nit
Nu quam czu der vulle cziet,
Do Tante her uf erden
Got Tinen Tun, den werden.’
[6<a] Ouch bi wilen man uf Teilt
2610 Und daz werk dem Tone teilt,
Als alda geTchriben Ttat
Yornemlich noch rechter phat:
'Von dem vater ich uz gy
Und mich czu der werlde ly.’
2615 Ouch man daz by wylen nu
Schribet dem heilgen geiTte czu,
Daz in dem gelouben tait,
Do man offenbare Tait:
‘Der troTtlich entphangen ift
2620 Von des heilgen geiTtes riTt,
Der Tun in der gotheit was
Und des di reine mait genas.’
Daz dort und hi jo blibe
Der name und Tich Tchribe
2625 Sun Gotes und der mejide
Der werlde czu behegde,
Do von muTte an di vart
Di perTon des Tones czart,
[S76| Und daz umbeworren blibn
2630 Di perTonen under Tchriben.
Ouch iXt nach der Tacken vil,
Der ich nu geTwigen wil,
Durch di des Tuns perTone
An czoch di menTchheit Tchone,
2635 Daz dem vater nicht anczam
Nach dem vronen geilte Tarn.
AJTuTt iTt nu entTlozzen
Bedutlich unverdrozzen
Und ab geczogn der rigel
2640 Von den erTten ingeTigel
Mit der menfcheit wunderber,
Di durch Tines vaters ger
Gotes Tun Tclion an Tich Tneit,
Des wart al di werld gemeit,
2645 Ouch von dem uf entflizen
Wyt Tich irTcheynen liTen
Etteliche vunken heiz
Burnder libe, gote weiz,
[6Sd] Di alda gar Tunder won
2650 An dem kind Jelu geTchon:
Set, als daz ummeTnyden,
Daz Got CriTt wolde liden;
Und ouch daz man legte in
Dem trut czarten kindelin
2655 JeTus, den vil Tuzen nam ;
2593. w’. hinter czwar Punkt. czwar
aus cwar.
2596. einer?
2597. wol aus bol.
2605. Gal. 4, 4.
2606. d' vulle aus di volle.
2616. heilgen aus heigen.
2613. Joh. 16, 28.
2620. ritt? Vielleicht kift?
2621. wai' aus waz.
2622.
de! am Rande für d'. gcnaf
aus genaz.
2623.
dort aus dor.
2625.
Uber eg in megde ist y geschrieben.
2644.
Def aus Daz.
2646.
irfcheyne aus irfcbynS.
2647.
wnken.
2649.
won aus von.
2652.
liden aus lidem.
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42
Und daz di mait meitlicher Ich am
Daz kindlin nach alder e
Gar an aller funden we
Offenbar in dem tempil
2660 Oppherte czu eim exempil;
Und ouch daz dem kindil vry
Brachten riecher kunge dry
Ir gäbe von der virre,
Golt, wirouch unde mirre.
2665 'Von erft ummelnetin wart
Noch der e daz kindlin czart,
Daz is griffe an di werk
Durch der iz von himel berk
[686] Her nider was bekuraen
2670 Czu fchaffen Tinen vromen
Als ein cluger koufman wert,
Der den kouf des er begert
Erft begrift mit deiner hab,
Daz in nimant trieb dorab,
2675 So den er den beczale gar,
Daz er den kouffchacz ane var
Behalde und beficzce:
Daz sint der clugen wiczce.
Suft Jefus, daz kindil bloz,
26«0 Gar ein luczil blutes goz
Von erft in dem befnyden,
Daz Crift nicht wold vormyden
Durch daz, wen er gar und gancz
An dem cruce funder Tchrancz
2685 Sin turez blut verguzze,
Daz des der menfch genuzze
Und 6n vor den viendeu gar
Vort befeze offenbar.
[63 «] Ouch Jefus, der falden ftani,
2690 An fich daz befnyden nam,
Daz er von der fmerczen pin
Lefte alle knechte fyn —
Wen is tet gar pinlich we
Daz befnyden noch der e — ,
2695 Di mit andern bürden fwer
Noch der e der Juden her
Trug glich durch ein urkunde
Vor aide erbefunde.
Do von uns wolde vrien
2700 Und femfter hülfe lien
Vur der erbefunden flac
Crift, der eren prizbejac.
Do von czu den felben fprach
Di da trugn daz ungemach
2705 Und al di pin in herczen
Der uns quam lofn von fmerczen:
‘Ift daz fache daz uch tut
Los und vry der fun vil gut,
[63 6] So wert ir benamen vry
2710 Von der not di als ein bly
Di feie gar befweret
Und ouch den liep verczeret.’
Alfuft di leiden thoren
Di nach mit durkeln oren
2715 Den felben dineft lyben,
Durch di di werter ftyben
Allir dinge ane vrucht,
Di und alle ire trucht
Mit alle irra geflechte
2720 Blibn ewiclichen knechte.
Aber czwar daz fag ich dir:
Von des geiftes vriget wir
Irlofet von den funden,
Von himel bernden unden
2725 Vry wir idoch czu rechte
Getan fin Gotes knechte,
Und unfe vrucht wir haben
2668. vgl. 5 738.
2675. das erste den aus wen.
2701. vngemaeh aus vngmach.
2707. Joh. 8, 36.
2708. vil an» bil.
2725. 27. w1.
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43
In helikeit begraben,
[70a] Und ouch an miffewende
2730 Czu jungeft unfer ende
Ift ein ewicliches lebn
Und ein engelifches webn.
Ouch Crift liz fich befinden
Und wold daz nicht vermiden
2735 Daz er enphinge di gebot
Nach der e an allen fpot.
Sine menfchbeit, daz wol wig,
An dem crucz behilt den fig
Und mit der marter note
2740 Di aide fchrift da tote.
Durch daz Got gemeinlich jach
Czu allem volke gar gevacli :
‘Welch menfch mit ganczen finnen
Sich nicht befnidet innen,
2745 Das wirt czu angefichte
In dem leiten gerichte
Uz gefundert und verczalt
Von dem Volke wol geftalt.’
[70 5] Der wife nicht verlazzet
2750 Di unfe herre hazzet.
Sechfe fint der laftermol
Di verfniden fal der ftol:
Ougen di hoe vligen,
Und czungen di jo ligen,
2755 Und hende di verterben
Unfchuldic blut und fterben,
Und di vuze di gar fnel
Sint czu bofen dingen hei,
Und hercze di da planken
2760 Vil bofheit mit gedanken,
Und di geczuc mit lugen
Vol valfchheit und mit trugen,
Und der under bruder feht
Czweitracht, crik und ungeret.
2765 Wer mit burnder übe ftol
Di benanten laftermol
Verfnidet und verhowet,
Sich innerhalb ervrowet
[7/a] Und vrelich wirt befchowen
2770 Got in der himel owen.
Do nach der Juden fiten
Daz kint wart ummefniten,
Do wart im geleget yn
Der nam Jefus luter fyn,
2775 Ein nam der barmherczekeit,
Des di engil fin gemeit,
Ein nam vol bernder blute,
Heil troftes unde gute,
Unfers heiles an begin
2780 Und der faldin hoch gewin.
Jefum, dem namen fuze,
Nygen biz uf di vuze
Alle himelifche ding;
Allez waz der werlde ring
2785 Hot gancz alumme flozzen,
Daz hot der nam durch vlozzen
Gar mit der genaden vliz,
Den der hoe vater hiz
[7/fc] Springen von dem himel wJt
2790 In voller genaden cziet.
Ouch Jefus, der fuze nam,
Mit des vronen geiftes vlain
Ift ein vil nuczer bote
Uf czu dem hoen Gote
2795 In daz clare himelricb.
Do von alle prifter glich
Jefus des namen nizen
Und ir gebet beflizen
Mit dem fuzen namen tyf,
2734.
nicht aus nicb.
2757.
wie aus wie.
2743.
Köm. 2, 20.
2760.
vil aus vol.
2745.
Wt.
2772.
wart aus w&z.
2748.
mol.
2782.
nygeu aus nygesn.
2756.
vnd fterben au» enfterben.
2797.
nizen aus lizen.
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44
2800 Als man hinden an den brif
Hengit daz ingefigel
Czn einem velten rigel.
Suft bindnach jo fprechen
Di brifter di nicht brechen,
2805 Gar an alle arge lift
Bi unfern herren Jefum Grift,
Wen fi enden ir gebet
Inninclichen mit geret,
l?i>n] Ouch des namen fuzekeit
2810 Ift ein hört vor alles leit
Und ein erczedie ftark,
Di hin dringet durch daz mark
Und alle Tuche tut gefunt,
Er ift des todes uberwunt
2815 Jefus, der nam, durch fuzet,
Irquicket unde buzet
Den feien aller fwere,
Daz fint vil liebe mere.
Durch daz di apoftel glich
2820 Irwelt von dem vater riech,
Und ouch alle heilgen gut
Wecken uf von to des lut
Di irfturben woren gar,
In dem namen Jefu dar;
2825 Di liehen fi ouch heilen,
Waz man der uf gefeilen
En mac, ei welch ein wunder!
Jefus, der name munder,
[72 6j Von im felbe werlich git:
2830 ‘Wes ir mynen vater bit
In minem namen inninelick.
Daz gibt er uch gar velliclich.’
Ouch von finer fuzen art
Spricht ein lerer wol gekart:
2835 ‘Du lefes oder fchribes,
Oder waz du anders trieb es,
Daz ift czwar nicht fmachaft mir
Werlich gancz, daz fag ich dir,
Niwn fchon al dar irclinge
2840 Vro al der werlt gelinge,
Jefus, der vil fuze nam.’
Ouch des felben Jefu vlam
Ift ein fuzer honec feim
In dem munde funder leim,
2845 In den orn en fuzer clanc
Und ein immer wernder fanc,
Und binnen in dem herczen
Vreud über vreud an fmerczen:
[73 «] Aller fuze fuzes kift
2850 Befluft der nam Jefu Grift.
IIo ift der name Jefus:
Der in wil irkennen fus,
Sait di fchrift an alle dro:
‘Wer nu wil befchowen jo
2855 Jefum Got, daz lebnde brot,
Daz der ftige, daz ift not’
Suft Jefum, der funnen bren,
Zackens begerte fen,
Wer er were offenbar,
2860 Und enmochte vor der fchar;
Wen er was ein deiner man.
Durch daz lief er fnelle dan
Und fteig uf einen boum mit ger
2818. Da* aus Des.
2823 und 2824 umgestellt ; die richtige Folge
am Rande durch b a bezeichnet.
2830. Joh. 16,23.
2834. Spricht ata Sprich.
2835. Col. 3, 17.
2837 f. m': d'.
2839. Niwn aus Jiiwa. irclinge aus ir-
clingen.
2840. w in w'lt auf Rasur.
2849. alle-.
2851. Zwischen o und die rote Initiale S
ist H eingeschoben.
2852. Der an» Den. hinter irkennC
Punkt.
2861. wal’ aua war.
2863. fteig aus fteg.
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45
Daz er fe wer Jefus wehr.
2865 Sich czwei hindernis: di fchar
Und des menfchen kurcze czwar
Hindirn manche daz Ti nicht,
Als di rechte glofe fpricht,
[73 6] Wol befehn wer Jefus fy.
2870 Redelich vornim do by
Der fich czu der werlde tut
Und kiimt felden uz der lut,
Ouch di under wegen lan
Gute werk, gar wol getan,
2875 Und fich mengen alzu vil
Czu der werlde koukil fpil.
Di czwey vil manche hindern
Und fi fo verre fchindern
Daz fi nicht befchowen mugn
2880 Got Jefnm infinen vlugn;
Aber wer an alle crye
Wil befen wer Jefus fye
Wider di czwei hindernis,
Gar an alle cluternis
2885 Mit dem wiffagen er ficze
Einfam in guter wicze
Und czy fich von den luten
Und von der werlde traten!
[74 a] Suft er felbe ficherlich
2890 Sich irhebet über fich
Und wechfet in der owe
Gar hoch in fuzer fchowe,
Und alfo ftende funder troum
Uf der blanden libe boum
2895 Sit er Jefum under im
Inder demut, daz vernim,
Und en hoben im fit dar
Ir haben ob der engil fchar.
Snel er fwinge fin gevidr
2900 Und ftige von dem boume nidr
Und neme in fin hus gereit
Di wäre demutekeit
Und enplia ane fmerce
Da mitten in fien hercze
2905 Den hochgelobten werden gaft:
So hilft im der funnen glaft
Daz er ftiget lobelich
Czu dem vater vrouden riech.
[74 6] Aida werlich funder fchim
2910 Den nam vindet er in im
Ob allir luft gerade,
Den namen der genade.
T>o irvullet was di cziet
Daz man in fechs wochen liet,
2915 Der reinunge czyt ich mein,
Daz fi wurd gereinget — nein!
(Wen di kufche maget was
Reine luter als en glas),
Sünder daz ir magetum
2920 Hoch ob aller meide blum
Gelobt wurde von irer vrucht,
Und ir erentriche czucht
Der werlde gebe lere:
Durch daz di fuze here
2925 Lieplich noch der alden e,
2865.
hinter hind'nis Komma.
2911.
gerade aus geradn.
2877.
czwey aut czwe.
2913.
Die Initiale D ist aus 0
ab-
2879.
nicht aut nich.
geändert.
irwllet
2886.
[am tu 6101? auf Rasur.
2915.
mein aus meine.
2887.
d in vud auf Rasur.
2916.
wurd gereinget auf Rasur,
da -
2891.
vnd aus vnde.
hinter Punkt.
2894.
bl vnde.
2917.
was aus w&z.
2897.
TD.
2921.
irre'.
2901.
neme aus nem. huf aus buz.
2922.
cxuch.
2907.
Daz aus Da.
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4G
Di uz ginc von Moyfe,
Daz kint czu dem tempil trug.
Di getrwe was Io clug
[r5a] Daz fich di aller befte
2930 Des kindes muter weite
Und doch weite lieh kein wyp.
Als der andern muter lyp
Beworren und bewollen.
Des iit ir lob irichollen
2935 Und wirt von menichen czungen
Gancz nimmerme vol iungen.
Wen di vil kuiche itarke
Iit Gotes nwe arke,
Uz der Jeius Got gebar,
2940 Der genaden mildes jar.
Di reine czu dem tempil
Brachte czu ein exempil
Got Jeium, daz lebnde brot:
Wen iclichem iz daz not,
2945 Der von Got, dem iunnen fpil,
Jo geezwiget werden wil,
Daz er dar über eine
Kum czu dem tempil reine,
[75 b] Doch ein iclich meniche lat
2950 Beten mac an aller itat
Und bewiien Gote lieh
Und irheben luterlich
Sine hende iunder laz,
Ane czorn und ane haz.
2955 Czu dem der nicht verretet
Und inninclichen betet,
Sprichet Got, der iunder vriit,
In dem buch der übe, C'riit:
‘Din antlicz mir bewiie
2960 Mit luter bichte lile,
Und inninclich di Itimme din
Schelle in den oren myn!
So wirt iuze din getane
Und ouch diner itimmen clanc,
2965 Din antlicz wirt ouch Iclione,
Daz ich alleine crone.’
Wiffet, vor Got inhimelrich
Keins gebet was volleclich
[reo] Anneme alio lange,
2970 Biz daz mit dem kirchgange
In den tempil towes nas
Daz dar guldine rouchvas,
Got Jeium gar unverdait.
Brachte di vil reine mait.
2975 Als ich in der gloien laz:
Gott Jeius daz rouchvas waz.
Daz telbe kint gar liefe
Her Simeon, der griefe,
Mit den armen ummeving
2980 Und daz recht mit im beging
In dem tempil nach der e.
Aber wiffet vorbaz me
Daz von der tugnde brunne
Und von der waren funne,
2985 Di der aide mit gevug
Genczlich in den armen trug,
Er Symeon, der griefe,
Wart alzuhant io wiefe,
[70b] Set, daz er czu der Bunde
2990 Denclich wiffagn begunde.
Er fpraek czu der reinen mait
2929. Daz aus Da*, fich übergeschrieben.
2958.
hinter übe Punkt. Erift.
2933. Beworren aus Boworren.
2959.
Cant, Ü, 14. 3,11?
2939. Jh’f aus ihT.
2960.
hinter bichte Punkt.
2942. vgl. 3113.
2971.
den aus dem. nas aus naz.
2946. 1 gezwtdet? oder bedeutet zvrigen
2980.
daz aus das.
hier ‘pfropfen’? vgl. Rom. 11, 11.
2987.
griefo.
2949. Die Zeilen auf 7öb stehen gröfsten-
2988.
t in wart auf Rasur.
teils auf Rasur.
2989.
ftunde aus ftnnden.
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47
Offenbar und unverdait:
‘Dines felbes feie wert
Wirt verfniden ein fcharf fwert.’
2995 Daz di erfte pine was
Unfer vrowen, als ich las,
Wen der rede fi irfchrak,
Und di vorcht ir ane lak.
Di felbe prophecie wart
3000 Yolbracht under dem cruce czart
Des fi di muter reine
Gebenediet eine,
Di daz guldine rouchvaz
Hat geopphert ane haz.
3005 Do mit befiguriret ift
Daz lebnde brot an arge lift
Gar alder werld czn trofte,
Do von mit vrouden kofte
[77 a] Der alte griefe. daz geschach
3010 Daz er czu den ftunden fprach:
‘Nu leftu, her, gefchide
Den dinen knecht mit vride.’
Wen die feie nicht hat ru’
Hy in dirre werlde dru”,
3015 Nywn uf iren vridel tröt
Di fei fich leine, di ein bruet
Nennet Got, der czarte Crift,
Als is do gefchriben ift,
So hot fi vrid noch rafte.
3020 Daz wol der wife tafte,
Do er von dem vride fait
Ken dem kinde unverczait.
Ouch fprach der felbe wife,
Er Symeon der grife:
3025 ‘ Alreft han ich mit ougen myn
Gefehn din heil, o fcheppher fyn,
Daz du noch dinem worte
Haft vor des elters orte
[~7 b\ Durch alder werlde felekeit
3030 Uz irkurnet und bereit'
Hic incipit fecundum figillum
fcilicet de baptifmo Crifti.
Daz ander ingefigel ift
Von der toufe di Got Crift
Enphinc fchon in dem vlize,
Ab ich daz wol entflize,
3035 In dem Jordan daz gefchach.
Sich entliz der hirael dach,
So daz in der toufe rein
Di drivaldekeit irfchein:
Der vater in der ftfmme hei,
3040 Der fun in dem vlize fnel;
Ouch fchein an alliz ftrüben
Ingefteltnis einer tfiben
Der geift, ir czweir czunder.
Do czwifchen und dor under
3045 Mac nymant icht gedenken,
Nach mac di dry vorrenken,
[~8a] Nibn iz fi ein immer lebn,
Do fi einlich inne fwebn,
Di dry perfonen ho gelart,
3050 Ewiclich in einer art,
Di ny menfchen fin durch fan
2993. Luc. 2, 35.
2995. waf aus waz.
2996. laf aus lax.
3000. Tolbracht aus volkrach.
3004. haz aus has.
3009. Hinter aide ist al gestrichen.
3011. Luc. 2,29.
3014. H an* J.
3015. Nywn aus Nebn.
3016. fei aus feie.
3020. d' über der Zeile.
3022. hinter kinde verwischtes y.
3025. Luc. 2,31— 32.
8028. def aus d'. hinter elterf Rasur.
3030. irkvrnet aus irkvrnj.
3036. entliz aus entlif auf Rasur.
3039. ftnrae.
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48
Mit vornupht, wi vil fi kan;
Ouck kein engelifche fnur
Ny gemaz noch gancz durch vur
3055 Der drier grundelofen grünt.
So behende ift ir bunt
Und ir ewiclicher ftrik
Daz da nimand einen ftik
Kan irvinden nach irfehn
3060 In der drier funnen bren,
Wi er den ftrik uf binde
Und wi er dor inne vinde
Ein an begin, ein ende
Gancz innerhalb der wende.
3065 Iz ift nur ein flechte want
Und ein luter under ftant,
[7 si] Ein vil clares formen cleit
Sünder der materjen weit,
Aller dinge anevanc
3070 Gar an allen anehanc.
Was daz nicht ein wunder groz
Daz di dry perfonen bloz
Czu der toufe wirdekeit
Sunderlick an allez leit
3075 Irfcheinen alfo fchone?
In uberfuzem done
Gehört des vaters ftimme wart:
‘Al hi ift myn lyp fon czart,
Der mir immer wol behaitl’
3080 (Ir fult hören waz er fait)
‘Wen über ein gar loufen
An alle crurame floufen
Genczlich unfer czweir dink.
Unfer ewiclicher l ink
3085 Hat weder ende nach begin,
Von unz vluzet hoch gewin,
[7.0 o] Des vil heilgen geftes blas,
Wir dry nur ein einec glas
In einer gotheit munder.'
3090 Ey welch ein michil wunder
Und ein troftlich czu verficht!
Aida in der felben fchicht
Der lun unfer dink fo fchuf
Daz des vater fuzer ruf
3095 Durch veterliche gute
Liz allis ungemute.
E der fintvlut daz gefehach
Daz Got vater czornlich fprach:
‘Mich rwet daz ich gefchuf
3100 Menfchlich kunne.’ fet, der wuf
In der toufe wart vertan,
Di wir nemen und enphan
In Crifto von genaden,
Mit der wir ab uns baden
3105 Gar der erbe funden flam,
Di von erft uns abe nam
[796] Daz befniden noch der e,
Als ich han gefaget me.
Ouch di toufe mancher wis,
3110 Di uns han propheten gris
Befiguriret fchone,
Erft Grift der degen vrone
Nam von finer junger ein.
3054. wvr aus wr.
3056. Vieser V'ers wurde ausgelassen und
als leiste Heile der Seite mit Verweisungskremen
nachgetragen.
3071. waf aus waz.
3075. Irfcbeifl ; ist der Sing, irfchein
gemeint?
3077. def aus der.
3078. Matth. 3, 17. 17, 5.
3087. Mal' aus blaz.
3088. über dry ist nochmals r geschrieben.
3094. fuzer aus fuze.
3099. 1. Mos. 6, 6.
3100. am Hände vuf für wvf aus wlf.
3101. hinter toufe Punkt.
3102. wir aus w.
3103. xpö, so öfter.
3109. wif aus wi«.
3110. grif aus griz.
3113. ein Ekthlipse für einen (== einem).
Die beiden Johannes sind anscheinend verwechselt.
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49
Da di trinitat irlchein
3115 Befunder offenbare,
In dem drifigften jare
An Got CriTto daz gefchach,
Durch di lache, daz wol vach,
Wen menlich muz er wefen wol
3120 Und ein man der vechten fol
Wider den tuvel und fin her
Und wider fin gefpenfte fwer.
Wer iz wol czu herczen nimt,
Ouch daz felbe alder czimt
3125 Der tugnt, der kunft, der lere
Nach criftenlicher ere,
[soa] Wen in des alders ftunde
Got Crift alreft begunde
In andacht tun und leren,
3130 Troft, heil und falde meren.
Wen iz ift kein kinde fpil
Vechten wider des tuvels fil,
Ouch fich czu Gote hengen
An underfcheit, nicht lengen,
3135 Und ouch ander an den weg
Wifen und den richtefteg
Si berndes heiles leren,
Alfo daz fi nicht keren
Von dem rechten wege dan
3140 Mit den werken ungetan.
Wen von dem der kintlich vicht
Wider den tuvel, her Saul fpricht
Czu David gar uberluet:
‘Min fon und min kindel truet,
3145 Heb dich ken Golyam ichtl
Du macht widr in ftriden nicht;
[80b] Laz dir wefen nicht czu goch,
Wen du bift ein kindil noch;
Aber der Golyas ift
3150 Vol ein tuvel arger lift
Und ein kemphe als ein ber
Von kintlichen tagen her.’
Czu den di ouch iren fchrit
Seczen in den rechten trit,
3155 In der biworter wife
Spricht Salomon der grife:
‘Myn fon, kereftu czu Got
Dich mit dinfte funder fpot,
Ste in der gerechtekeit
8160 Und in vorchte fte gereit!
Ouch gereite als ein heit
Ken den vienden ungeczelt
Dine feie, dinen mut,
So wirt jo din ende gut!’
3165 Ouch er Jofeph, als ich las,
Wol von drifec jaren was
[sia] Do gewaldik wart fin hant
Uber al Egypten lant
Efechieli czware
3170 In dem drifigften jare
Wol wurden unvordroffen
Vil heimlichkeit 6ntfloffen.
Alfuft hub ouch Jefus an ,
Alreft do er wart ein man,
3175 In dem alder vor gezalt
Wol von drifec joren alt
Pf ach ficherlichem loufe
Ift drier ley di toufe:
Des heilgen geiftes vlammes bren,
3180 Und des eigens blutes fpren,
Und des reinen waffers guz
3114. t'nit&t
3125. tugnt aus tagt.
3130. falde aus falden.
3136. Ämter wifen Punkt. den am
Rande nachgetragen.
3143. C in Czv auf Rasur.
3144. I. Sam. 17, 33. Miin fon.
D«uUch« Text« de« MituU1t«rs. IX.
3150. v in vol auf Rasur.
3157. frei nach Proterb. 1 — 3.
3160. hinter fte Rasur.
3172. 4 in 4ntfloffen aus i.
3178 — 3187. Von jeder Zeile steht ein
grüfsere» Stück auf Rasur.
4
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50
Von der gnaden ubervluz.
Set, di dry an wider ftrebn
Geczugnis uf der erden gebn,
3185 Und di felben Dry fint ein,
Set, do czwifehen mae kein czein.
[sit] In dem heilgen geilte, fecht,
Wurden vil der felgen fleckt
Getouft von funden rofte.
3190 Di wile er noch kofte,
Sinte Peter, inninclich
Mit der diet, czu falden, Geh,
Do vil uf das volk da meift
Der vil vrone heilge geift.
3195 Allein fi nicht weren noch
Getwain mit dem wazzer, doch,
Als di rechte glofe lief,
Ab den felben bin der cziet
Benumen het di toufe,
3200 Des reinen brunnes troufe,
Lichte ein vil fneller tot
Oder ouch kein ander not,
Si wem der himel kinder
An aller funden finder.
3205 Der morder an dem cruce, jen
Di wifen, und alle den
[&?«] Di uf des gelouben plan
Durch Got ir blut vorgoffen kan,
Di des waffers element,
8210 Daz vil heilge facrament
Der toufe, czu den ftunden
Gereichen nicht enkunden,
Doch fint fi getoufet fat
In irs felbes blutes bat,
3215 Vfl mer in Gotes blute,
Daz Got Crift der vil gute
Durch di werld gemeinlich goz
An dem vronen cruce bloz.
Sed, aber di andern alle
3220 Horen an under valle
Daz urteil mit Nichodemo
Griftes, do er fpricht alfo:
‘Ir fiet alle gar vorlorn,
Im wert anderweit gebom
8225 In wazzir uf daz meifte
Und in dem heilgen geifte,
[S26] So mugt ir nicht kumen gliech
In des hoen Gotes riech!’
Set, des waffers element
3230 Daz vil heilge facrament
Binnen befluzet touge,
Daz kein natürlich ouge
Mag begrifen nach gefehn:
Daz tut des heilgen geiftes bren.
3235 Daz waffer uzen wefchet
Den lichnam und verlefchet
Binnen gar der funden glut,
Di vil heiz der feie tut.
Allein ouch in den linden,
3240 In ungetouften kinden,
Di dein bekentnis haben,
Lig di vernunpht begraben,
Durch daz der kinder unvernumpht
Sal der paten underkumpht
3245 Vorftan mit dem gelouben.
So we in wart den touben
[&3a] Di nicht den gelouben han
Und fich ouch nicht toufen lan.
Wen fi di toufe mugen
3250 Iriangen mit den vlugen!
Ouch der toufer crucewis
3185.
DryJ so!
3221.
vor nichodemo llasur.
3192.
hinter falden Komma.
3223.
Joh. 3, 5.
3193.
rulk am Bande nachgetragen.
3231.
BimnS.
3205.
hinter ervee A'omma.
3235.
nzen aus ulen.
3206.
den anakolnthisch; Tilo wollte i col
3244.
paten aus pate.
schreiben: * denen wird die Taufe angerechnet'.
3245.
v'ftan.
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51
Daz kint in di toufe drys
Und in den brnn jo lenket
Und im den er e fern fchenket
3255 Durch criftenlichen Tarnen.
Jo in der drye namen,
Di du Telbe vil wol weilt,
Vater, Tun und heilic geift
(Nimant di dry verrenket),
3260 Daz kint man dries lenket,
Als ich Tprach e gevache,
Durch drierhande fache,
Daz iz fterbe drier wis
Glich dem tode Criftes ris,
3265 Do von uns gar unverdait
Ein vil fuz czwelfbote fait:
[&36J ‘Allez daz in der werlde ift,
Is drier leie funden mift:
Di beger des vleifches czwar,
3270 Und di beger der ougen dar,
Und des lebens kundekeit
Ift ouch ein vil funtlich cleit.’
Daz Tuld ir ouch bedenken:
ln di heilge toufe lenken
3275 Ein glichnis uns erczeiget:
Dar czu fich hat gene/get
Criftes tot und ouch fin graben,
Uz dem weg fal nymand fnabn!
Aber fet, mit dem irhebn
3280 Uz der toufe wir entfebn
Ein glichnis, ein urkunde,
Das wir enften von funde
Und daz wir von todes lut
Wider czu dem leben vrut
3285 Irftan czu den genaden
Czu den wir fin geladen.
[84a] Hic incipit tercium figillum
videlicet
De paffione domini noftri
Jefu Crifti.
Daz dritte ingefigel,
Ab ich czy ab den rigel,
Von der bittern martern ift
3290 Di der czarte fuze Crift
An der claren menfehheit leit
Durch der werlde felekeit.
Der marter in eilende
Beid anbegin und ende
8295 Wom di heften manicvalt,
Di ho fozen in gewalt,
Und di creter wol gelart,
Rathern fuft und fo gekart,
Di di recht künden fchaffen,
3300 Und ouch der vurften pfaffen,
Di alle weg virhilden
Und valfche rete vilden
Wider di vil reine werk
Di er fchuf von himelberk.
[046] Si ftraften fine fpruche,
3306 Di doch nicht hatten bruche,
Valfch geczug fi vurten
Und in gar velfchlich rurten
Mit lügenhaften czungen,
3310 Daz recht fi gar verdrungen;
Uz fime tode fpot und fchimph
3255. crifteulichen um criftenlichen].
fame aus tarnen.
3260.
drier aus drier.
3263.
wif aus wis.
3264.
rif aus riz.
3267.
1. Joh. Jl, IG.
allez au* alle*.
3276.
geneget.
3279.
aber au« abir.
irhebu aus heben.
3283. 3286. w'.
3286. den au* dem.
3290. Di au* tri.
3300. wrften.
3301. alle weg am* al weg. virhilden
aus wirhilden.
3307. wrten.
3309. ivgeuhaften aus logenhaften.
4*
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52
Triben fi mit ungelimpk.
Set, alfuft Got menfeli und Crift,
Der al der werlde heilant ift,
3315 Von Cayn ift genotet,
Irflagen und getötet,
Von Yfmahel vordrungen,
Vor Efau dan gefwungen
Und verre verelendit,
3320 Von brudern fin gephendet
Und verkoufet mit der hant,
Jofep in Egypten lant,
Nu fet di ungerueten,
Di fo noten di guten,
[85 a] Oder der demut vorten
3326 Und heilicheit verkorten;
Oder der gehorfam breit,
Di ein fon fonlichen treit,
Oder dem femften mute
3330 Si vorten mit der hüte;
Der workeit, als fi wer ein rouch,
Vorten ouch di bofen goucli.
Aber jene toten Crift,
Der urfprinc und ende ift,
3335 Aller dinge rechte foz.
Alfus erer vater moz
Si irvulten volleclich
Und irflugen jemerlich
Di benanten al in im
3340 Und en in allen, daz vornim
Wi fere hochvart blendet
Und wi ummeflich phendet
Gute lute unvorfehult
Di gewalt mit ungedult!
[85 5] Wi lyp Crifto halt da by
3346 Daz menfchliche kunne fy,
Werldlicher eren girde,
Vol itelicher czirde,
Und czu vluz rieches gutes
3350 Ammen kundeges mutes,
Di vorften groz der pfaffen
Machten fo gar czu affen
Und verblenten fi fo gar
Daz fi ny erkanten dar
3355 Daz Got in Crifto were
(Des worn fie im gevere),
Daz di albern alda widr
Erkanten di ir gevidr
Nicht czu dem fchacze fwungen,
3360 Noch fich mit nymant drangen
Um werldlicher eren phat,
Dar nach di meifte menge ftat.
Alfuft Criftum fi vertribn
Durch di fache daz fi blibn
[86 a] Siezen uf der eren ftul
3366 Und icht gedrungen in den phul
Wurden liecht von vremder diet,
Do von ir untnve riet
Wi fi brechten von den horn
3370 Jefum, des fi fich befworn.
Jhefus mit den jungem fyn
Ginc uz über daz wefferlyn,
Wo ein luftik garte was
Beid von cedem unde gras.
3375 Hi mit der marter lieden
Recht als mit einer criden
Wol entwürfen is der wec
3317.
yor am Bande, vor drungen Rasur.
3366.
iebt aus uicli.
3324.
das zweite di aus in.
3370.
det am Rande.
3331.
al.
3371.
iügern aus iOgenrn.
3337.
irwlten.
3372.
tz am Rande.
3348.
czirde aus czide.
3373.
was aus waz.
3356.
fie Korrektur am Rande für ter-
3374.
gras aus graz.
wischtes fi.
3375.
der aus den. lieden
3363.
v'tribn aus vlriben.
3376.
Kecht aus Bech.
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53
Der heilgen und der richte ftek
Czu dem vil felgen lone
3380 Um ir arbeit wol fchone.
Wen daz vliz, daz fich irguzt
Und gar endelich vervluzt,
Duet daz jemerliche ftrebn
Daz wir han in difem lebn.
[866] Wer ouch uberftrebet daz,
3386 Der wirt fat an under laz
Des gefichtes unfers hern.
Suft di finen wolde lern
Criftes kunften rieche bruft
3390 Sich czien. von der werlde luft,
Do in ewangelio
Got Crift felbe fpricht alfo:
‘ Wer nach mir wolle kamen
Durch fines felbes vrumen,
3395 Der verlouken felbe fich
Mit ganczim herczen inninclich,
Und nem uf finen racke
Vor allez ungelucke
Sin crace und volge mir
3400 Alle cziet!’ daz fag ich dir
Daz fi ficherlichen czin
Di der werlde vroude vlyn
Und kamen in den garten
Czu Jefum den vil czarten.
[87 n] ln dem felben garten Crift
3406 Ob allen heilgen ftende ift
Als ein uz erwelet maft.
Der in den walde lichten glaft
Verre gibt ob alliz holcz
3410 Und treit grüne bleter fmolcz,
Ho fchon und wyt geleitet,
Czulazen und czu breitet
Inheifer libe glute
Von himelbernder blute,
3415 Gar vol fuzer reiner vrucht
Und mit erentricher czuclit.
Er rufet czu den erbeitern:
‘Kumt her czu mir, di myn gern!
Ich wil uch wol irquicken
3420 Und wil uch vroude fchicken
Nach der erbeit und der laft
Di ir in der werlde vaft
Hat geubet und getragn,
Nymand fol dor an verczagn!’
[87 6] Ouch Crift begonde liden
3426 Und in dem garten fniden
Erft und fich fere üben
Mit erbeit, mit betrüben
Ken der marter alfo groz.
3430 Set, di fache ift gar bloz,
Daz jener der den menfcken vant
Und in dem garten uberwant,
Daz ouch der felbe wurde
Suft in des garten burde
3435 Gevellet und verwunden
Und ewiclich gebunden.
Ken der engiftlichen pin
Crift Jefus, der funnen fchin,
Sich wart trizen und irquam
3440 Trüben truren, als is czam:
Dis der feien quelnis fint
Di erft leit des menfchen kint
Durch libe, nicht durch notekeit:
3380. ir aus mir.
3381. irgrzt aus irgvft.
3382. vVlyzt aus y'vlvft.
3383. Dvet aus Dvt. ftrebn aus ftcbn.
3385. ftrebet aus ftebet.
3389—3399. das Ende der Verse auf
Rasur.
3393. Matth. 16, Ul.
3395. y'louken aus v'leugen.
3398. allez aus alles.
3401. czin aus czien.
3409 - 3424 rum Teil auf Rasur.
3409. alliz aus allia.
3418. Matth. 11, 28.
3441. quelnis aus quelniz.
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54
Wen di vrou uf minen eit
[88 «J Di mait libte ane creifch —
3446 Ich mein di feie, di daz vleifch
Hatte liep gar inninclich,
Durch di fache daz iz fich
Ny ken der feie faczte
3450 Nach fi ouch ny befchaczte,
Sünder was ir undertan
Und gehorfam funder ban.
Wen er getet ny funde,
Ny wart er ouch, der wunde,
3455 Czu keinen ftunden um ein har
Trugn in finem munde dar,
Nicht als Agar, unfe mait,
Di ir vrowe dicke jait
Beid in jamer und in dru,
3460 Bi wilen in todes lu;
Do von het er wol vermidn
Und di marter nicht gelidn,
Nur durch des vater wille,
Dorczu in baut gar ftille
[88 5] Der heilge geift, ir beider glut.
3466 Ey wer ift, alfo gemut
Daz er wolle fterben gern?
Nymand! czwar daz wil ich wern.
Wen ungerne fulchen kouf
3470 Libet der naturen louf;
Di nature ift fo wert
Daz fi jo des beften gert.
Do von ftirbt nymand gerne.
Czwar Diterich von Berne
3475 Wer durch keiner hande not
3444. Anspielung auf Sara und Ungar,
die 3457 ff. enciihnt werden.
3448. Durch aut Daurch.
3451. waf aus war.
3452. vnd gchorfam aus vngehorfam.
3457. nicht aus nich.
3460. todes Iv aus tode 11t.
3461. v'midn aus y'miden.
3462. gelidn aus geliden.
3470. naturen aus natura.
Vor Tiner vrunde keinen tot,
Wi menlich und wi kun er was.
Wer er fy, ich ny gelas,
Der williclich verturbe
3480 Vor fine vrunt und fturbe,
An czwar Got Grift alleine;
Di fache ift gemeine.
Wen erft des menfchen wunde
Sich fanden halb begunde
[89 a] in Adamn feie um bedacht,
3486 Mit den vleifcbe vollenbracht;
Von den felben fchulden doch
Als der gute Job fpricht noch:
‘Von innen, uz der feie fchoz,
3490 Kumt daz ungewiter groz’.
Suft Crift vor den menfchen erft
Sinem vater aller herft
Gute bezzerunge, fet,
Mit der feien tiuelnis tet,
3495 Daz er dar nach irwurbe,
So wen fin vleifch irfturbe,
Dem armen menfchen hulde
Und in von alder fchulde
Machte alczumal gefunt:
3500 Daz was ein vil troftlich vunt.
Ouch mit den felben pinen
Crift wolde lan irfchinen
Des menfchen ummechtekeit
Werlich von des vleifches leit,
[89 5] Do mit er ift begangen,
3506 Daz Crift ouch hat enphangen,
Wen 6n durfte unde vros,
3476.
Tor aus von.
3477.
was aus war.
3478.
gelas aus gelaz.
3485.
In adamn Korrektur aus Ina di.
feie aus fei.
3488.
Job] so!
3494.
d‘ am Rande.
3495.
er am Rande.
3496.
fi.
3500.
waf aus war.
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55
Idoch was er fanden los.
Von der felben crancheit fit
3510 David in dem pfalme git:
‘Cranc ift in ermmute
Der mynen crefte blute’.
Diz ift der wore David,
Dem di crancheit ouch was mit,
3515 Der fam mit einem mandel
Gar czwar an alles wandel
Mit bedactem honbte gink
Der gotkeit, di in umme vink,
Und finen fan beweinte:
3520 Den armen menfch er meinte,
Der von dem tuvel was enterbt
Und der feie fin vorfterbt.
Er jach und fprach mit ougen naz:
‘Trat fun myn, wer gibt mir daz
[.Wn] Daz ich vur dich lege tot?’
3526 Daz felbe ken der marter not
Ouch fprach der vil czarte Crift:
‘ Mine feie truric ift
Und betrübet in den tot’;
3530 (Als er fpreche ken der not)
‘Sint daz kamen ift di cziet,
Und di fache alfo liet
Daz ich vor den menfchen fal
Liden jo des todes ftral
3535 Mit munis, mit trurekeit,
Ich des beite, and gereit
Ift di feie und der geift,
Aber daz vleifch doch kranket
meift.’
Do czu camphe gar irwegn
3540 Williclichen quam der degn,
Lengir vil der prysbejac
Do an fim gebet« lac.
Wen wider allez widernis
Und der feien hindernis
poft] Ift ein inninclich gebet
3546 Starke erczetie ftet.
Do von der czwelf boten ein
Git und fpricht: ‘ift uwer kein
Betrübet von ungerete,
3550 Gar inninclich er bete
Mit glichem mute nnd fi vro
In andacht mit Gote jo!’
Suft Got Crift, der vil czarte,
Den menfchen beten larte
3555 Und ftilte ouch den vater vrut
Und di engil czu im lut.
Er verwant ouch fine not
Und den bitterlichen tot.
Er lart uns, wen wir beten,
3560 Daz wir uz herczen jeten
Alle uzerliche dink.
Uns ouch füllen wefen link
Der werlde lob, ir pryfen,
So mug wir uns bewifen
[oi a] Wol des vater funne dar
3566 Glicherwis recht als der ar,
Der di finen kuchel tut
Sen in der brenden funnen glut.
Wen daz gebet reine pirt
3570 Nur himelvrunden unde wirt
3508.
waf aus waz
3534.
Ttral aus trat.
3511.
Ps. 30, 11.
3535.
das streite mit aus nit.
3512.
crefte aus trifte.
3541.
der aus den.
3514.
was aus waz.
3548.
Jae. 5, 13.
35 ta
Der gotheit abhängig ron mandel
3552.
andacht aus amlach.
3555.
ftilte aus l'tilt.
3521.
w&f aus waz.
3561.
vzerliche aus vferliche.
3523.
U. Sam. IS, 33.
3564.
w\ vus aus vnd.
3525.
vor aus wr.
3566.
wif aus wiz.
3528.
Matth. 26, 38. 11. miue aus minre.
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56
Dem tuvel ungehner
Ein pinlich grozes vuer
Und ift dem menfchen hülfen rieh
Und ein oppher lobelich
3575 Czu Got vater funder wan.
Ir fult werlich daz verftan
Daz dem vater nicht fo wol
Entfemftet czwar fam riwen vol
Daz gebet uz herczen grünt,
3580 Wo iz vluft durch fuzen munt.
Idoch Got den vater baz
Nymand entfemften (wifz daz
Und do czwivel nymand an!)
Als der groze prifter kan,
[9ü] Der, als ein czwelfbote git,
3586 Vor lieh und die fine lit
Got vor finem tode bat,
Do er vacht in creizes phat.
So we abr der werlde, we!
3590 Daz iz den (alfo verfte!)
Di Itete lip di werld habn
Und alles noch ir fuze drabn!
Di befloz Grift uzerhalb
Recht als ein verwürfen kalb,
3595 Do er vor di finen bat.
Er fprach czu des vater rat:
‘ Ich bit vor li mit ganczer phlicht,
Vor di werld ich bite nicht.’
Set, ouch bin des camphes cziet
3600 Einen wunderlichen ftriet
Der tot und daz lebn irhubn,
Nicht um einen fak vol rubn,
Sünder um di gancze huet,
Wen der tot jach uberluet:
lft2 a] 1 Du bift kumen in myn riech,
3606 Gilt mir als di andern glich
Myn gefchoz und mynen czins!
Is muz fin, wers du ein vlins.
Wen mir ift ummazen not
3610 Daz ich geb din vleifch vor brot
Mynem gefind, den wurmen,
Daz fi da mite fturmen.
Ouch wiffe daz di helle,
Myn kumpan, myn gefelle,
3615 An des gefuch ich werbe
Und ftolcze houbt czukerbe,
Giret noch der feie din
Inder heilen glunden pin.’
Gar lionlich daz leben jach
3620 Ken dem tode unde fprach:
‘O du tot, ich werd din tot,
Uf dich acht ich nicht ein lot.
Ouch du, helle, wiffe diz,
Daz ich werde ouch din biz.
[»ab] Wen daz ir uch vorfuechet
3626 Und fchaden den geruechet
Czu den ir habet doch kein recht,
Do mit ir fuechet, daz ift flecht,
L'res Telbes wernde not
3630 Und den ewiclichen tot
Di czu rechte nicht entften
Und mit funden über gen
Reine werk und di gebot,
Di fint uwer funder fpot.
3635 Aber ich tu den willen fyn,
Als mir gebot der vater myn.’
3571. vngchvrer aus vngehvre.
3572. wrer aus wre.
3532. wif* aus wiff.
3587. finem aus finE.
3538. rächt aus rach, creizes aus ereile*.
3590. i* = ist
3591. lip am Ratule für zweites di hinter
ftete.
3593. vzer aus vfer.
3595. v' aus von.
3597.* Job. 17, 9.
3601. lebn aus leben, irhubn aus hüben.
3606. m\
3616. houbt au» honb.
3626. gervechet aus gerechet
3634. Di aus Si.
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57
Der tot antworte gliche:
‘Du vichft in myme riche,
Und do von czu dirre vrift
3640 Gib mir daz du fchuldic bift!’
Do daz das leben, Crift, vornam,
Ser erfchrac er und er quam,
Und gar inniclich lieb czoch
Czuhant czu dem richter hoch,
(93 aj Got dem vater, unde fprach:
3646 1 Herre myn du himel dach,
Du bift her der manichvald
Lebns und todes halt gewalt,
Vater niyn, ich bit mit vle
3650 Daz dirre kelch hin vor mich ge!
Idoch’, jach er gar Hille,
‘An mir gef che din wille!’
Merket, in des kamphes creiz
Von not wart des kemphen fweiz
3655 Recht als tropphen blutes var,
Di uf di erde loufen bar;
Virftunt in der marter pin
Crifto uz dem lichnam fin
Vloz und trof daz reine blut
3660 Czu eime glichniffe gut
Der vir wazzer di da vl uzzen
Und fich von erft erguffen
Schon uz dem paradyfe
In heiltroft bernder wyfe
[93 6] Durch ablaz unfer funde
3666 Von der genaden unde.
Mite helen bofe werk,
Gewonheit und czwivel berk
Di löte gar bedecken
3670 Und in di helle lecken.
Durch di von mite helen fint
Binnen in der feie blint,
Grift vergoz blutigen fweiz,
Daz di feie gote weiz
3675 Innirhalb fchon wurde rein
Und gerichte als ein cein,
Und ouch mit den ougen naz
Uzerhalb bewifte daz.
Crefticlicher Crift vorgoz
3680 Sin blut an der fule bloz,
Do fin czarter liep gerurt
Wart mit gerten und czuvnrt,
Als der acker mit dem phlug,
Von der marter ungevng,
[94 n] Von dem wirbel uf den vuz
3686 (Der verfin was im nindert buz):
Daz leit der von himelberk
Durch unfe funtliche werk.
Aber goz creftlicher vil
3090 Sin blut Crift, daz veder fpil,
Von der fcharfen nagel wegn
Mit den verwundet wart der degn
Anhanden und an vufen,
Daz er uns mochte bufen
3695 Di funde der gewonheit,
Di 6n fchicket manchez leit
3637.
Hinter gliche ist der Anfang der
3673.
Grift.
folgenden Zeile du vichft gestrichen.
3674.
weiz aus weis.
3641.
nur ein daz.
3675.
vv'de auf Rasur.
3643.
innicliclich.
3678.
i in vzer auf Rasur.
3644.
rieht' aus rieh tu.
3679.
C. Crefticliche'.
3648.
Lehna aus Lebens.
3680.
hinter Sin Rasur.
3649.
Matth. 26, 42.
3683.
alf aus al. phlug aus phluge.
3650.
mich aus mch.
3686.
hinter v'fin Punkt. was aus waz.
3653.
def am Rande für daz.
3689.
Aber aus Er. greftlicher.
3655.
Tar aus fwarcz.
3692.
dem.
3860.
eime aus eme.
3696.
manchez aus manches.
3665.
fvnde aus fvnden.
3667.
mite aus mitte. hinter helen
Komma.
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58
An den fi verbacken ift
Recht als ein verharfchet mift.
Von den der prophete fpricht:
8700 ‘ Si han verharfchet und verpicht
Ire antlicz bobn di ftein,
Wider keren wold ir kein.’
Nicht allein mit Lazaro
Stinkin di virtegek jof
[94/>] Di ouch virczikjeric fint,
3706 Und von fechczic jaren kint,
Gar fere itzunt ftinken
Von funden di fi trinken;
Den idoch abfi loufen
3710 Czu der barmunge troufen
Mit ruwe und mit buze
Und vallen Crirt czu vufe.
Er nimt fi czu genaden
Und hilft en abe laden
8715 Der verharfchten funden mift,
Als er kan der czarte Crift,
Uber crefteclicher groz
Sin blut aber Crift vorgoz
An dem crnce, do nu was
3720 Tot daz clare fpigel glas,
Do durch fine fite rein
Der herren und der ritter ein
Stach mit einem fcharfen fper.
Durch di toten czwiveler
|flju] Mildiclich goz er di bach,
3726 An den tot is, leider ach,
Trott aller hoffenunge!
3699. den aus dem.
3700. Jer. 5, 3. v'lmrfcheit.
3706. fechczic aus fechcic.
3707. itznnt aus itfunt.
3717. C. v in vb' auf Rasur, crefteclich'
aus crefticlich'.
3722. De h'ren.
3728. czunge aus cunge.
3729. Arnos 8, 9.
3731. genczilich waf aus gencfilich waz.
tac aus tag.
Den fait des wyffagn czunge:
‘Di funne di gink under.’
3730 Daz was ein micliil wunder,
Do iz genczilich was noch tac.
Nymatid ouch verczwiveln mac,
Wil er fich czu Gote lan.
Suft fpricht Job der gute man:
3735 ‘Ab er mich czu tode flet,
Dennoch myn hoffen czu ym ftet’
Das ful wir wol bewachen
Und lazen von den fvachen
Sunden, di uns czin in glut,
3740 Daz Criftes fweiz und ouch fin
blut
Vorlorn icht an uns werde;
Ja, daz er uf di erde,
Beffer wer iz, ni geborn,
An dem di marter wirt vorlorn.
[956] I >er valfchen lift ein fcherge,
3746 Judas, vol gyft und erge,
Gar vil duet der kirchen kint,
Di vertumet leider fint,
Do von das er was ein dieb
3750 Und hatte vil winkel lieb
Und trug und anewante
Di dink di man in fante.
Hi mit er duet di allentfament
Di fich der gemeinen ament
3755 Vur di ander czucken an .
Und 6n czu eigen wollen han.
Der ift leider ane czil
3732.
Nymad. mac aus mag.
3735.
Job 19, 25. flet aus flit.
3736.
cz ym aus cxv in.
3738.
faachen.
3740.
fweiz aus fweis.
3741.
icht aus ich.
3742.
man ergäme werde aus 3741.
3745.
Der aus De.
3747.
kirclien aus kinchen.
3749.
waf aus waz.
3757.
1 in leid' aus b.
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59
Under den begebnen vil.
Daz er onch in niede gram
3760 Was dem guten wibefnam,
Di durch ein urkunde goz
Ture falbe, daz fi doz
Crifto uf fin czartes houbt,
Set, do mite gar vertoubt
[96 a] Judas bedutet alle dy
3766 Di durch gyrekeit nach hy
Unwirklichen hazzen
Und ir ouch niet gevazzen
Di in nicht waz gäbe gebn.
3770 Wi ouch fte der felbe lehn,
Is fy heilic unde gut
Und vor wandel wol behüt.
Nicht fi beficzen guten tac,
Yuln fi nicht der gyrer fac.
3775 Set, den felben unverdait
Gar ein clug prophete fait:
*We uch di der crumme phlegn
Und daz recht lat under wegn
Beid durch gäbe und durch gunft,
3780 Oder durch des hazzes dunft!
fr tötet di da fulden lebu,
Durch luczil habe di fi gebn.
Und di da fuldin fterbin,
Di lat ir huld irwerben.’
[se 6J Iz ift alliz um di gab
3786 Und um di verwozen hab;
Und fint di felben vor der cziet
Durch liebe richten und durch niet,
3760. war au« waz.
3761. goz au* groz.
3763. f in fin auf Rasur.
3764. v'tovbt aus v'tovbet.
3774. vuln aus vulln. gyrer aus gyren.
3775 und 3776 vertauscht und durch b a
richtig gestellt.
3777. Je s. 5, 23 und Uesek. 13, 19. pblegn
«tu« phlen.
3778. wegn aus wein.
3780. bazzes aus haffes.
37%. alliz aus alliz. gab aus hab.
Dorumme fie mit nichte
3790 Enphlien Gots gerichte.
Durch di fache Jefus fo
Spricht in ewangelio:
1 We uch gewaldegeren
Und ouch uch glizeneren!
3795 Wen ir vurezzet goteweiz
Der vil armen witwen fweiz.’
Do mit ging Judas drate
Hin czu der Juden rate
Und jach: ‘waz wold ir mir gebn?
3800 Ich wil verrate« uch fin lebn.’
Daz bedut fimonier.
In der kirchen vel ift der
Di fo oft verraten Crift
So dik und czu welcher vrift
[97a] Si facrament und Gotes gab
3806 Durch bet, durch Ion, oder durch
hab,
Durch vorcht, durch gunft den
luten gebn,
Gar unrecht fi dor an webn.
Daz er ouch fo gar rifche
3810 Was hin czu Gotes tifche
Mit unreinem herczen gar,
Do mit dutet er di fchar
Di unwerdiclichen gehn
Und czu Gotes lichnam ften,
3815 Almeiftik doch di phaffen,
Di fnoder fint wen allen.
Set, als Judam den gefehlt,
3787. V in Vnd auf Rasur.
3789. fie am Ramie nachgetragen.
3793. Matth. 23, 13.
3794. glixcenercn.
3795. wrezzet.
3799. Matth. 26, 13.
3800. 1 in wil auf Rasur. v'rotem.
3802. ift am Rande für if aus iz.
3809. gar am Rande nachgetragen.
3810. was aus waz.
3817. Set aus Sent.
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60
Der den czarten Critt vorriet:
Als ich in der glofen las
3820 Daz Judas ein leiter was
Der di da vingen Jefum Crift,
In dem man ny vant arge lift:
Daz dnt bifchof und prelaten,
Di vor di Criften raten.
[97 i] Von den fpricht des menfchen kint:
3826 ‘Blinde blinder leiter fint,
Di witwin fi wol neilen
Und richten nicht den weifen.’
Hute volgt den michil fchar
3830 Mit fcheften, mit fwerten bar.
Daz hen ouch ein czeichen gab
Judas, der czwivelere hab,
Er jach: ‘wen ich kuffe balt,
Der ift iz, in vefte halt
3835 Und vurt in gewarfam lieh !
Daz bedutet endelich,
Als ich vinde in der glof,
Dife werld gar trwen lof.
Wen di fi von erft begrifen,
3840 Di felben fi beriefen
Und gelobn in langes lebn
Und ouch ringer buze ftrebn,
Si gelobn in ouch bereit
Gotes barmeherczekeit.
[98a] Alfuft mit tufent liften
3846 Betrigen fi di Criften.
Daz er czu der felbeu ftunt
Kufte Jefum an den rnunt,
Dut er valfche heimlicher,
3850 Di man heizet czublefer,
Und di fwachen prifter ark,
Di gar pinek fint und kark.
Sed, der erfte, als uns fait
Der prophete unverdait,
3855 Mit finem vrunde kofet
Und im gar lyplich lofet
Und im heimlich leget lag
Mit der valfchen rete vlag;
Aber der andir verretet Crift
3860 Und der werld verleiter ift
Und loukent des gelouben
Glich den vervluchten touben,
Ouch verterbet er di fchrift
Mit trwelofes kuffes gift.
[985] Der prifter kuffet vire
3866 Schon ob dem alter czire:
Den altar, daz fet den alterftein,
Und daz ewangelie rein,
Den diner, di patene,
3870 Gar eben czu verftene
Di e benantem vire,
Ab ich daz recht glofire.
Dar nach ginc er czu unheil
Und irliing fich an ein feil:
3875 Allen finen volgern fit
Enpoten hat er al da mit
Immer werndes dammes ftrik.
O we! welch ein aneblik!
I >i Juden ungenende
3880 In Jefum ire hende
Dar würfen und in bunden.
Set, dor an ift irwunden
Griftes mildecliche ruch
Und der criftenheit gefuch,
[99 a] Den durch Jeremia munt
3819.
las aus lax.
3850.
v in ezvblefer auf Rasur.
3823.
Daz aus Da.
3854.
Jerem. 9, 8.
3825.
de! aus daz.
3857.
lag aus läge.
3826.
Matth. 15, 14 und Jei. 1, 23.
3867.
daz fet den? aus daz d'.
3831.
hen = he in.
3869.
hinter diner 1‘unkt.
3839.
3847.
di um Bande nachgetragen.
Daz aus Da.
3885.
dnreh aus dnrh. Jerem:
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61
3886 Lutpert Crift, der wifheit vunt:
‘Ich han myn hus gelazen’,
Di Juden gar verwazen.
Sed, von dem hus verlemdet,
3890 Des er lieh gar enphremdet
Hatte nu, fet, daz gefchach
Daz er czu den felben fprach:
‘Uwer hus wirt uch gelan
Allir dinge wulte Itan;
3895 Ich liz ouch daz erbe myn.’
Daz find di cz weif boten fyn,
Di alda vlohen alle
Und lizn in yn der valle.
Sicher was er der felben doch
3900 Daz fi wider kerten noch:
Durch daz in dem ungemach
Crift czu finem vater fprach:
‘Herre, du bift der bederbe,
Der mir wider gibt myn erbe.
[996] Ich hab di libe feie myn,
3906 Sich, menfeh, durch di falde din,
Durch dine miffe wende
In myner vinde hende
Gar williclich gegeben.
3910 Daz merke mir vil eben!
Daz is grozer libe tat:
Nymand fo groze libe hat
Daz er vor di vrunde fin
Seczte finer feien fchryn.’
3915 Der wife heizt gedenken
Der libe fuuder wenken
3886. Lutpert aus Lnpert.
3887. Jerem. 12, 7. hvf aus hvz.
3889. Sed aus Sen. hat aus huz.
3891. hinter nu Punkt.
3893. Matth. 23, 38. huf aus huz.
3895. Jerem. 12, 7.
3893. 6n aus ln.
3903. bift aus hift.
3905. Paraphrase über Joh. 15, 13
(— 3012—14).
3911 und 3912 vertauscht und durch b a
richtig gestellt.
Den menfeh, do er git alfo
In Ecclefiaftico:
‘Der gunft nu dines bürgen,
3920 Di man fiet dicke würgen,
Der faltu nicht vorgeffin,
Du falt fin lob jo melfin!
Wen er hat vor dine fchult
Gefaczt fin feie mit gedult.’
[100 a] Difer pine herbekeit
3926 Got Crilt in im felbe leit,
Aber in den jungem fyn
Leit er ander leye pyn:
Als trubnis und flafernis,
3930 Di 6n lagen agewis.
Wen ir ougen worn beiwert
Slafes wegn, ir fein irvert
Von betrubnis, daz was groz,
Des von trokheit fi vordroz.
3935 Daz wol genczelich nach hut
Der verfumer menge dut:
Wen den di fich jo vlizen
An ding di werldlich glizen,
Daz 6n trege wirt der vuz,
3940 Ir beger ouch kalden muz
Ken dem ewiclichen lebn;
Wen ouch kumt ein wider ftrebn
Den felben nf den rucke,
Oder fcliad und ungelucke,
[loob] Daz mugn fi nicht getragen
3946 Und fo czu hant verczagen
Und vlin von unfern herren
3915. r in Der auf Rasur, beizt aus helft.
3919. Sirach 29, 19—23.
3924. Oefalczt.
3927. iugern.
3930. en aus in. agewif aus agewiz.
3933. waf aus waz.
3938. dlg aus dlk.
3939. ia aus vnd?
3941. ewiclichen aus ewiclicbem.
3947. vlin aus vlien.
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62
Gar fchentlich mit uneren.
Allez kunit von trocheit daz
3950 Und von flafen, daz fo laz
Wirt der menfcli und alfo toub
Daz er valwet als ein loub.
Alfuft in flafes twalme
Samfon verfchoz di palme
3955 Und hertlich wart gebunden,
Bi aller craft verwunden;
Ouch bin des flafes pborten
Morde»- mortlich irmorten
Ybofeth, den tregen man.
3960 Di vrou Judit wol getan
Bin des flafes ungevuc
Holofernem ouch irfluc.
Di und ir nach volger ouch
Von der grozen trokheit rouch
[ioia] Slaferte alle unde flifn,
3966 Suft fie jemerlich verlifn.
Durch di, fet, und ouch in den
Crift leit pin und, als wir fpen,
Er was nicht alleine kumn
3970 Beid czu hülfe und czu vromn
Ettelichen funderlich,
« Jo er gab gemeinlich fich
Durch al di werld gemeine.
Di grozen und di deine
3975 Hat gefehaffen Got, der riech,
Und hat aller ruche glich.
Und dorumme anevar
Wider alle krankheit czwar,
Durch kraft und durch fterke
hart
3980 Ken der bekorunge vart,
Uns als jenen unverdait
Jefus ficherlichen fait:
‘ Siczit hi in difem lebn
Und in Gote rut vil ebn,
[J016] Biz ich mich dort hin irge
3986 Und Got, mynen vater, viel’
Wen er in daz himelriech
Ginc czu finem vater glich
Und vlet und bit mit wiczen
3990 Durch di alfo hi ficzen;
Und wen fulchen ane czil
Enften bekorunge vil
(Wen vil fint der gerechten
quäl),
Durch daz git der edele gral:
3995 ‘Enthalt uch hi, fet, wo gedult
Wefen muz, von rechter fchult!
Set, daz ir tut den willen fin,
Des herren und des vater myn,
Daz ir wert von im gewert
4000 Sins gelubdis, des ir gert!
Und ouch wen ir wiffet nicht
Den tac noch der ftunden fchicht
M en er uch vor fuchen wTil,
Und wanne daz vederfpil
[103a] viig und wor iz hin bekumn.
3958. Morden.
3960. g in getan aus anderm Buchstaben.
3962. Vor Oloferncm ist h geschrieben.
3963. ir aus ichr.
3965 und 3966 ursprünglich.'
Als wir rinden in den brifn
Slaferte alle vnde flifn.
Die erste Zeile hat der Korrektor durchgestrichen
urul über als va und über brifn cat (— vacat)
geschrieben; die am oberen Bande geschriebene
Ersatzteile Snft fie iem'lich v'lifu ist durch
Zeichen hinter 3965 verwiesen.
3969. waf aus war.
3971. hinter fund'lieb ausradiert der An-
fang der folgenden Zeile io er gab.
3976. aller aus alle.
3978. krankbeit aus kankheit.
3980. hinter vart Punkt.
3983. Matth. 36, 36.
3990. Durch aus Dur.
3995 — 4012. Paraphrase über Matth. 36,41.
4001. Matth. 35, 13.
4005. ia aus is. bekumn aus beqnom.
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63
4006 Wacht mit mir czu uren vrumn!
Ouch wen ir von uch felbe
Der bekorunge velbe
Nicht moget über winden,
4010 Lat uch nicht muzic vinden,
Betit und uch felbe vrumt,
Daz ir inbekor icht kumt!’
Daz nymant getrowen fol
Sines felbes crefte wol,
4015 An den jungem daz irfchein:
Allein li fprechen algemein
Dort czu der felben ftunde
Uz herczen und uz munde:
‘Wir wollen alle glich beiten
4020 Und fin gereit mit dir czu gen
Inden kerker, in den tot',
Doch do an her trat di not,
Di vlucht fi fnelle goben
Und lizn en in dem cloben.
[io? b] \Vi fal nu uf der herte
4026 Beften des wiltnif gerte,
Do di ftarken cedirboum
Nider vilen als ein troum?
Wir gemanet fin mit den
4030 Daz nymant im felbe jen
Siges fal von finer craft,
Sünder, wil er figehaft
Werden nnd wil fich herren
Und fine falde meren,
4035 Der herre fich in Gote
Jo beide vru und fpote!
4006. wacht aus wach.
4007. felbe aus felben.
4009. moget aus mget.
4010. mvzic aus mvlic.
4012. Daz aus Dez.
4017. ftunde aus ftanden.
4019. Luc. 22,38.
4023. 1 tu vlucht und fi auf Rasur.
goben aus gaben.
4024. lizn auf Rasur. in am Rande
ßr in.
4026. wiltnif aus wiltnix.
Sich, czwei fwert di fint alhy,
Als der text uns faget wy:
Ab Crift den vater hette
4040 Gebeten, ane wette
Im het der hülfen hengil
Gefant czwelf vinfter engil
Sicherlich czu fim befchirm
Vor aller var und ungehirm.
[jftj a] Sed, do von der degen wert
4046 Nicht bedorfte czweir fwert.
Wen der guldine borte
Mit einem femphten worte,
Do er jach ‘ich bin iz jo’,
4050 Nider warf er als ein ftro
Di en do wolden vahen.
Jdoch liz er czu gahen
Wol di czwei fwert durch foze
Czu ettelicher moze
4055 Des vrides und der finen,
Di man fach fider pinen.
Einz der fwert und nicht durch
quant
Tet er Petro in di hant,
Daz andir fwert daz tet er fo
4060 Czu der hant dem keifer jo.
Wer ouch von den czween nicht
Enpliet daz fwert, fwerlich
gericht;
Der von Gotes f werte wirt
Irflagen und fin enpirt.
[103b] Di czwei fwert wol geblumet
4037, fw't am Rande nachgetragen.
4042. czwelf aus czwei? vinfter?
Matth. 26, 63: legioues.
4049. Joh.18,6.
4053. fw't am Rande nachgetragen.
foze aus fozen.
4057. Einz aus Eins. fwert aus fwer.
4058. Tet aus Det.
4059. Im zweiten daz ist ursprüngliches
z aus f wieder hergesteüt.
4065. e in czwei übergeschrieben.
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64
4066 Uns werlich fint benumet
Bi czwein [werten in der e:
Er Saulus und er Jonate.
Glich di czwei [wert folden ften
4070 Und wol über eine gen.
Wen welch bruder hilft dem
bruder
An allez yalfchez luder,
Di beften inerem phat
Recht als eine vefte ftat.
4075 Nu ift kumn di hochvart geil,
Di wil habn daz befte teil
Leider mit der gyrekeit,
Di gar michil ift und breit,
Durch iteliche ere czwar,
4080 Di dem vrede vind ift gar,
Und hat die fwert irreizet
Daz iclich fich irbeizet
Ken dem andern grimmiclich.
Von den fchulden, merke mich,
[jWa] siut fi beide wurden crumph,
4086 Di fwert, und ouch alfo ftumph
Daz fi nicht mugn verhowen
Nu in der werlde owen
Di difteln und di bremen,
4090 Di alfo fere fernen
Daz fi beide körn und weiz
Verdempkin in der erden creiz.
Ouch ab ich daz fprechen fol,
Mau fiet di lant der rouber vol;
4095 Luden, morden, ftelen, brunft
Daz ift nu der beften kunft.
Von den fchulden ift ouch wol
Fet der fimonien kol.
Di pfaffen, munche, nunnen
4100 Ouch itelicher wunnen
Seldin mugen werdin fat;
Ire kappen, ire wat
Di lian wol hundert valden;
Der tuvel muze walden
[km 6] Der hochvart di fi trieben!
4106 Wer kan fi gancz befchrieben?
Alfuft von dem heften nider
Und uf von dem minften w'ider
Alle fi fich gyrekeit
4110 Vlizen, di daz wncher treit
Ettelicher bifchof louf,
Nicht glich finte Petir, ouch
Nu nemn daz fwert czu handen,
Verherthen not fi anden,
4115 Daz fi wol billich lizen;
Unfchuldic blut fi gizen,
Czu roube fi fich ledgen
Und vil feldin predgen;
Si verterben Gotes hus
4120 Wo fi varn in fulcher grus.
Czu buwen kirchen fint fi laz
Und czu meffen; wo von daz?
Si fwelgen unde trinken,
Daz fi des morgens ftinken;
[los a] Si flan vefpern an daz gras
4126 Und lefn metten durch ein glas;
Di prime fi vorflafen:
0 we den armen fchafen,
Wo ein wolf ir herte ift,
4130 Di vol fint der vuchfe lift!
Set, daz were allez nicht,
Hetten czu en ander phlicht
4066. vus werlich «im vud fw'lich.
4067. czwei aus czwe. I. Sam. 13, XX.
4069. i in czwei übergeschrieben.
4071. welch aus wech.
4072. v&lfchez aus valfches.
4073. = treu.
40S0. vrede aus vede.
4081. die am Rande für ich.
4095. hinter Luden morden ftelen je ein
Punkt.
4113. nemn am Rande für nt.
4119. huf aus huz.
4120. gruf aiM gruz.
4121. Über i in bi wen ist u gesetzt
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65
Di czwei fwert getruwelich;
Set, To bluten vridelich
4135 Beide kirchen und di fchof,
Alfo ftunde wol ir hof!
II en fi vurten Crift mit prus
In des vurften pliaffen hus,
Do lieh gefamnet batten
4140 Di alle Jefum fchatten,
Di creter und di alden
Mit allen anewalden.
Diz ift daf hues in dem man
fucht
Gelt, und der feie nicht enruckt
[100 b] Suft di cretber fint gekart,
4146 Gelt czercrigen wol gelart,
Als ich in dem buche las.
Von den git Yfayas:
‘We en di recht vertrieben
4150 Und daz unrecht befchrieben!’
In dem hufe Kayphas
Inder e ein bifchof was.
Do ful wir vernemen by
Wer ouch fulches amtes fy
4155 Und finer bofheit nachvolger.
Der gar vil ift hin und her,
Di mit gewalt verdringen
Und fi in kummer bringen,
Di albern und di guten,
4160 Di femften wol gemuten.
Wen fet, der tuvel ficzet
Und mit den riehen fpiczet
In den vinftern fine fchohz
Durch finen gyl, durch finen
vrohz,
[iu6 a] Wi er di unfchuldegen
4166 Erfla und di geduldegen.
So we 6n di bedonen
Und im hufe wonen!
Wer dor inne, daz iz flecht,
4170 Ift gar alber und gerecht,
Dem flet man mit ungelimph
Vlecke und triebt uz im fchimpk;
Sin antlicz man bedecket
Mit after red bedecket,
4175 Und wirt als Crift czuriffen,
Von lefterern czu biffen
Mit valfcher munde czene.
Sag an, wer fint di jene
Di in der vurften hufer breit
4180 Bliben in gerechtekeit?
Do fich Petrus als ein dyp
Smog, der doch von herczen lyp
Crift hatte unde kante
Und in der worheit brante,
[106 b] Und doch fin vor mitter nacht
4186 Lokente mit aller craft
(Und het in nicht angefehn
Mit bermlicher ougen bren
Crift herre, er were blibn
4190 Und in der toten buch be-
fchribn),
Set, Petro gefchach daz leit
Von czweir meide uppefcheit,
Di da ftunden bi der glut:
Daz ift befer kumpan lut.
4195 Di erfte mait ift vleifches ger,
Wol ift mit gelufte der:
Wen di beger enphehet,
So pirt fie unde fehet
Sunde uz der herczen grünt,
4137.
prüf aus pruz.
41G0.
femften aus fempten.
4138.
wrften. huf aus huz.
4163.
vinftern aus vinften.
4143.
Diz aus Di.
4166.
gedulgegen.
4146.
Gelt aus Get.
4185.
v'mitt'nacht.
4147.
las aus l&z.
4197.
enphehet aus inphehet.
4149.
Jes. 5, 23. aus io.
4198.
Ile am Hände nachgetragen.
Deutsch« Text« da« Mittelalters. IX. 5
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66
4200 Do von di feie wirt vorwunt.
Der torwertelinne hant
Oft den menfchen nnbekant
Sluzet nf der helle tnr.
Wen di funde kumt nu vur
[jo7 a] Und ouch mit den werken wirt
4206 Volbracht, wernden tot fi pirt.
Gote vind, di ander mait,
Genczlicli als diglofe fait,
Is der werelde wifheit gnar.
4210 Wen di Petrum, daz ift czwar
Einen iclicken, an gefit,
Als mir ouch di glofe rit,
Aldort czu dem lichte ften,
Daz ift: in fulchem finnen gen
4215 Wi er mit erbeit ungerut
Ircrige groz irdifch gut.
Den fpricht an di mait unrein:
‘Und du bift ouch jener ein
Dem fere queln di finne
4220 Wi er daz gut gewinne,
Und in des mark ouch Hinget
Di vorchte, di in twinget,
Wi er daz gut beficze
Vor ungeluckes glicze.’
[107 b] Petir, vluch di meide glancz!
4226 Daz ift ein iclich funder fchrancz,
Der di worheit irkennet
Und herczelib fi nennet,
Der vrie fich der helle
4280 Und ouch uz ungevelle
Gar touge fich irlofe!
Wen wip und ir gekofe
Und ir gerun untuer
Ift in dem bufin ein vuer
4235 Und ein mnes in der tafchen,
Di her und dar lauft nafchen,
Und ist in der blozen fchoz
Eine Hange, daz ift bloz:
Got almechtic daz verhing
4240 Daz an Petro daz irging
Daz er alfo lichtlich vil
Von der czweir meide gyl,
Der doch fider hoch gelart
Und der kirchen vurftewart.
[708 a] Wen er fich uf gerichte
4246 Und onch den val vernichte,
Daz er vefter ftunde czwer
Wen von erft, daz fag ich dir.
f*4i gingen alle drate
4250 Des morgens vru czu rate
Ken Jefum in wider ftrebn,
Wi fi im benenm fin lebn.
Alreft Crift von nuens vacht,
Daz fi mit im aldi nacht
4255 TrGbeu ungelimphes vil
Grimmeclichen ane czil,
Daz bedutet alle di
Glicherwis di als ein vi
Von der erbefunden her
4260 Han mit fcharfer funden fper
Got gepint biz an di ftunt
Daz fich daz wore licht enczunt
In di werld gemeinlick gar.
Von den fait di wifheit dar:
[iosfc] En was uf geleit mit macht
4266 Ein nmmozen fwere nacht,
So daz di nacht gar tunkel
Di fterne, licht karvunkel,
Der fchyn luter wol nach prys,
4210.
hinter petrQ Punkt.
4236.
h' aus e.
4214.
n in gen auf Rasur.
4240.
hinter petro Punkt.
421&
Lue. 22, 58. du aus di.
4247.
czwer aus cxwir.
4221.
des aus dez.
4251.
ken aus wen.
4233.
rntver aus vntyr.
4258.
wif aus wiz.
4234.
dem aus de. rv.
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07
4270 (Daz fint Patriarchen grys
Beid eiempil unde wort,
Der propheten alfo vort)
Di vinfter nacht durch luchten
Nicht mochten nach durch vuchten.
4275 Suft von anegeng der werld
Ift irflagn daz lam geberld.
Abr daz fi uf Criftes tot
Sich befamten vru von not,
Als ich wol rechte wene,
4280 Bedutet al di jene
Di jo vallen anderweid
In der fanden herczeleid.
Dörnach daz di funne dar
Wart der werlde fchinen bar,
[loo a] Sed, di felben alfo blint
4286 Cruczgen aber Gotes kint.
Des fpricht in dem pfalme
Jefus mit luetem ga/ine:
‘Uf wunden miner fmerczen
4290 Vil me gelegt czu herczen
Di mich cruczgen anderweit
Und vornwen mir myn leit
Mit tätlicher fanden ftral,
Di fi durch mins herczen gral
4295 So bitterlichen fcliizen
Und lan fichs nicht verdrizen.’
Selbe ouch an im verhing
Jefus Grift daz man in ving
Und liz fich vru gebunden
4300 Hin vuren von den hunden
Di im totlick worn gehaz,
Vur den richter, fet, durch daz,
Als ich in den glofen kos,
Daz wir alle wurden los
[ioob] Der funde di uns hat verwunt
4306 Biz hin durch der feie grünt.
Uns ouch funderlich czu vrumn
Wold er vur den richter kumn
Trurec und betrübet fer;
4310 Daz dorumme tet der her
Daz wir Grift, den richter, glich
Vrolich felin in himelrich.
lAvlatus, der lafterber,
So vil als ein kemerer
4315 Dutet von dem namen fyn,
Vor den di judifchen fwin
Jefum brachten gebunden,
Der ni was fchuldic ctmden,
l'nd wurden uf en hemeren
4320 Grulicli unde temeren.
Daz meint richter di jo fmidn
Valfche rete und czulidn
Velfchlich gerechte lute,
Der ane czal nach hüte
[llOa] Her und dar inkirchen fint
4326 Mit gefenden ougen blint.
Daz ift von oben en gegebn
Daz fi bobn dem volke fwebn
Und mancher wis fi quelen.
4330 Suft kan di fienen welen
Got denklich uz den andern,
Ab ich nu recht kan wandern.
Do Pylatus horte daz
Daz di Jüdin im durch haz
4335 Brachten Jefum gevangen,
4270. pat'archen.
4274. weht?.
4278. vö au* nO.
4288. lnetem am Rande für lütme.
gume.
4289. wurden? H.
4300. wreu.
4302. Set
4308. 4r aus ir. wr.
4311. den au* dem.
4318. wilden.
4321. di auf Rasur.
4327. oben au* obn.
4329. wiT aus wii.
4332. recht aus rechte, kan am Rande.
4334. ivdin aus rodin.
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G8
Do was er fer begangen
Und was in fulchem willen,
Moclit her di Juden ftillen,
Daz er Jefum wolde lan;
4340 Barrabam do wold er han.
Sed, do wider bitterlich
Schrign die Juden alle glich:
‘Leftu Crift, den valfchen man,
Tu tuft wöder den keifer dran.’
[liob] Do Pylatus horte daz,
4346 Er wart fich bedenken baz
Und fant in czu Herode,
Wen er was von Galylee.
Do mit ift di werlt gemeint,
4350 Di fo gar nu ift entreint
Daz er gar ein hemerer ift
Der albern czu aller vrift.
Herodes, der trwen 1er,
So vil als ein trugener
4355 Bedut von dem nameu fin.
Der von Crift, dem funnen fchin,
Eines czeichens was begern,
Des Crift in nicht wolde wern,
Noch kund mit allen finnen
4360 Ein wort im an gewinnen.
Er czoch im an ein wiz gewant
Und fant in wider alczuhant.
Des wurden fi vil gute vrunt,
Di gar vintlich warn encznnt
l ui“ ] Uf enander. waz ift daz?
4366 Dicke czwene tragen haz
Und ved, di fich berichten
Und vruntlich fich verflichten
Um daz fi dem dritten vient
4370 Werden rechte um den wint,
Als der tuvel und di werld,
Di mit mancher luft durch berlt
Und oucli mit argen liften
Uf Crift und fine criften
4375 Blifen manchen bofen rat.
Ton der felben bofen tat
Vrunt fi en ander worden,
Di feien vil irmorden
Der tuvel und di werld alfam:
4380 Alfuft oucli czufamne quam
Di vruntfchaft under beiden
(Ich wen fi weren heiden)
Herodes und Pylatus.
Sed, czu manchen richtern fus
[uib] Genczlich der geduldege
4386 Jhefus, der unfchuldege,
Sich liz vuren und verhing
Durch di fache daz er ging,
So daz der funder fchuldik
4390 Der fundin fy geduldik,
Daz er nicht do wider ftreb,
Sünder er fich dor czu geb
Daz man in gar fere rur
Und vor manchen richter vur,
4395 Daz er werd der funden los.
An dem clugen ich daz kos,
Der do fpracb an allen wan
Czu finem heren Naaman:
‘Vater myn,’ gar unverdait,
4336.
waf fi ns waz.
4381.
vruti'chaft.
4337.
waf aus waz.
4384.
Sed aus Sez.
4338.
irden aut ivden.
4385.
geduldege aus geduldegen.
4340.
do aus d*.
4387.
wren.
4342.
die am Rande nachgetragen.
4390.
Ämter fvndin Punkt.
4343.
Job. 19, 12.
4394.
wr.
4344.
Tn = Du.
4395.
los aus loz.
4369.
dem aus den.
4396.
kos aus koz.
4371-
73 auf Rasur.
4399.
II. Reg. 5, 13.
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69
4400 ‘Het ein groz dink dir gefait
Der prophete, funder wan
Du foldft is werlich han getan
Billicher me, daz er dich hiz
Stigen in des Jordans vliz,
[Uäa] Und dich irwufcheft, als er fait,
4406 Siben Itunt gar unverczait,
Daz du wurdeft reine fo
Und gefundes libes vro,’
Als er fprech czu Xaaman:
4410 Beffer were daz getan
Daz man lide deine ftunt
Luczil fmerczin, daz getunt
Der felbe dar nach wurde
Und legte ab di burde
4415 Grozer fuche, di er trayn
Lange mutte und verdayn.
Genczlich ift daz himelricli
So dar und fo wunnenclich
Als wir wol geloubende fin,
4420 Und der helle bitter pin
So grulich und fo eiflich
Als wir vurehten alle glich.
Suld wir liden alle tag
Den tot und des todes vlag,
[112b] Biz daz di werld eiu ende nem,
4426 Ein wint daz were, ab is quem
Daz wir den ewiclichen tot
Vermiden und fin bitter not
Und in dem himel vunden
4430 Von der genaden undeu
Ein immer ewic leben,
Do fchon vor Gote fwebn
Seiger feien manche fchar,
Di Got mit de» engein dar
4435 Vro mit gelange loben,
Daz fi der helle cloben
Sint feliclich entwurden
Und in den koren horden
Aldort immer ewiclich
4440 Mit Gote in himelrich.
Daz Pylatus fer fich vleiz
Daz er Jefum gote weiz
Aller dinge wolde lan
(Wen Crift hatte nicht getan)
[113 a\ Doch durch vorchte er entfaz
4446 De» keifer und des Volkes haz
Und rieht über der funuen fchin
Wider di gewizzen fin,
Daz bedutet alle di,
4450 Der vil hüte fint alhi,
Di durch vorchte irer hern
Und dem volke ouch czu ern
Underwegn da worheit lan
Und wol wiffen und verftan
4455 Daz fi gar crummes richten
Und di warheit vernichten.
Von den fpricht Johannes fo
In dem ewangelio:
‘ Vil der vurften alda was
4460 Di in Jefum, das funnenglas,
Gelobten und doch nicht czwar
An in joen offeubar,
Sünder heimlich; daz gefchach
Daz fi icht quemn in ungemach;
[113 b] Wen fi über hatten vil
4400. Het au» Eet.
4420. bitt' am Rande für aus pin
korrigiertes pitt'.
4422. w' wrehten.
4423. tag aus tage.
4425. ein übergeschrieben.
4429. wilden.
4432. gote».
4434. den] d'.
4433. loben au» lobn.
4446. De' (D aus E). Volkes au» volkez.
4448. gewizzen aus gewilTen.
4451. irer aus drer.
4453. vnd'wegn aus vud'wein. di?
4459. Job. 12, 42—43. wrften.
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70
4466 Hi der Inte koukil fpil
Und onch werldliche ere
Wen Jefu Gotes lere.’
Von den spricht Helyas
4470 In der kunge puch ich las:
‘Biz wor ir, Unrechtes geil,
Hinket hin in beide teil?
Ift Got ein herre eine,
Dem dinet wol und reine!’
4475 We dem czweir hercze ift!
We dem lunder alle vrift
Der do veret in di lant
Czweir wege fo gefchant
Und der mit dem mute fyn
4480 Sult czwivertic uz und yn
Und hat czweirleige mut!
Set, gar leiden der gerut
Und ift jo unftete czwar
In alle finen wegn gar.
[774 n] Di ritter Crift enphingen
4486 Und mit im czu rate gingen
Und rifen di gemeine dar.
Wen ken Crifto worn dry fchar:
Phaffen, richter, ritter di
4490 Czu der czweir bofheit wi
Dinten und en worn gereit
Helfen czu der marter breit
Grimmiclich in grozem czorn.
Eine cron von Icharfem dorn
4495 Im fi drungen in daz liwubt
4469. dem.
4470. laf «ms laz.
4471. I. Keg. IS, 21.
4480. K. möchte Stift als Adv. auffassen
und aus zwivertic das Verbum vert auch für
diesen Sats erschliefsen.
4486. im aus 4m.
4489. hinter Pbaffen und rieht' Komma,
hinter ritt' Punkt.
4491. 4n aus im.
4495. (i aus di.
4496. h'ne. def aus daz.
Bis in das hirne, des geleubt!
Si czugn im an ein rot gewant,
Und in fine rechte hant
Vor ein feepter ein fcharf ror
4500 Sy gobn, als er wer ein tor,
Und als einen gumpelman
En fi alle huezten an.
Er trug uf finem rucke
Sin cruce; von gelncke
[7746] Simon quam und half im train,
4506 Wen im was fo gar durch flain
Al fin lyp und ouch fin houbt
Daz er was der craft beroubt.
Czwifchen czwene merder hart
4510 An daz crucz geneglt er wart
Im czn eime laftermohl,
Als di flange nf dem phol
Mitten uf gerichtet ho
In der wuftenunge wo
4515 Undr der Ifrahelen diet,
Von er di Bange, di fie fchiet
Von leid und nngemache.
Gar wol vernym di fache:
Der gecruczten woren dry,
4520 Dryerhande volk hi by
In der werld ful wir verftan,
Nvrnand czwiveln fal dar an.
(Trift nns bedut di reinen
Di fich un fchuldic meinen ;
4525 Der
morder czu der rechter hant
4499.
schaf au« Schaft.
4500.
Sy aus So.
4502.
En aus In.
4504.
hinter crTce Komma.
4507.
&1 aus als.
4510.
an aus als.
4516.
He aus lieh.
er] Strich Uber e ist durchgestrichen.
4517.
leid aus led.
4521.
w\
4523.
Eri ft. tos aus vnd
4524.
rn fchnldik aus vnd fcholdik.
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71
Uns di buzer tut bekant;
[iv>a] Der morder czu der linken
ßedutet di dan hinken
Allez uz dem rechten weg
4530 Beid czu kirchen und czu fteg:
Wen der leibe Inode gouch
Jelum an dem cruce ouch
Strafte lefterliche,
Des mutt er gar ewicliche
4585 Darben der genadin fin
Und vur in der helle pin.
Der morder vir dink beging
Der Crilt czu der cefmen hing,
Den czwar gar unverbolgen
4540 Sol iclich buzer volgen:
Er ftrafte linen ebencrilt
Vlizeclich in guter lilt,
Do er czu dem cumpan fprach,
Der Crilt Itrafte, da er jach:
4545 ‘ Du 6n vurchtes Gote nicht
Und bilt der vertumten Ichicht.’
Ouch er bichte line Ichult,
Do er jach lo mit gedult:
[ll jb] ‘Abir billich lyde wir
4550 Dilen tot, daz lag ich dir.'
Allo di unlchult reine
Crilto gab er alleine,
Do er Iprach an allen wan:
‘Dirre hat nichs nicht getan.’
4555 Mit dem glouben er luchte
Und inniclich geruchte
Manen Got der gnade lyn,
Do er jach: ‘gedenke myn,
4526. bvzer aus bvfer. tat aus tan.
4584. mal't er gar aus muz d’ maz d‘.
4536. wr.
4537. O.
4540. Sol aus Yol. iclich aus ichch.
bzzer aus befer.
4542. Ylizeclich aus vlizelich.
4543. fpracb aus fpach.
4545. Luc. 23, 4U—43. wrehtes.
Wen du kumelt, herre, glich
4560 In din vrolich himelrich!’
Set, wo tcas der geloube groz
Und di truwe lin genoz,
Di der morder da enphinc,
Daz er an dem der da hinc
4565 An dem cruce, bevlozzen
Mit blute gar begozzen,
Geloubte allo licherlich
Daz er wer in himelrich
Kung vol genaden unden
4570 Durch ablaz allir lunden.
Des er lieh czu im verlach
Und nach dilem ungemach
[116 a] Der ewiclichen ere.
Durch daz Got Crilt der here
4575 Jach czu dem morder lyle:
‘Ja, in dem paradyle
Saltu hüte mit mir wein
Und lalt ewiclich genein!’
J3az ich kurczlich uberJla
4580 Crilt es marter ummega
Von Hunden czu Itunden haz,
Sicherlich lo willet daz:
Des vater wäre wilheit,
Ja, des menlchen kint gemeit,
4585 Got trut lun lib unde czart,
Crilt und menlch gevangen wart
Czu metten czyt, der degen fin,
Begeben von den jungem lin,
Verkouft den Juden ilt der her,
4590 Verraten und gellagen 1er.
Czu prime ilt der wol getan
4561. was fehlt.
4562. truwe au« trive.
4567. Geloubte au» Goloubte.
4569. vol au« vor. genaden au« gnaden.
4570. Durch aus Dur.
4573. D’ ewiclichen aus De wiclichen.
4585. trut aus drut. fvu au« fon.
4591. rotes C.
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72
Gevurt vor Pylatum dan,
Velfchlich uberczuget gar,
Uf den hals geflagen bar,
4595 Gebunden und befchriet,
Sin dar antlicz verfpiet
[j/6 6] Von der argen Juden milt,
Als iz geprophetiret ift.
Czu terde mit fchalle
4600 Rifen di Juden alle:
‘Slach en an ein cruce!’ dan,
Recht als er wer ein gumpelman,
lm fi legten an ein cleit
Und dructen mit bitterkeit
4605 Im ein dornine crone
In fin czart houbet vrone;
Uf dem ruck daz holcz er truc
Czu der marter ungevuk.
Jefu Crilt czu Texte wart
4610 An daz crucz genegelt hart,
Von bitterlichen fmerczen
In durfte do von herczen;
Schir wart er der gallin Tat,
Gehangen an der morder ftat
4615 Mit den fchechern uz geczalt;
Der linke morder des entgalt.
Czu none fclirei der herre fvn :
‘Hely, hely, vater myn,
[in o] Mynen geilt ich dir bevel!’
4620 Uf gab er di Tele fnel;
Mit eime Iper ein ritter
Stach eine wunde bitter
Crifto in di fiete rein;
Beid daz ertrich unde ftein
4625 Irbibte von der marter ftark.
Iren fchin di funne bark.
Czu vefper den lichnam fchon
Nam man von dem cruce vron;
Di craft bleib mit fichirheit
4630 In der gotheit wol gemeit
Duft di erczety des lebn
Inden tot fich wolde gebn.
Czu conplet begraben ift
Troft czu kumfteges lebns Crift,
4635 Der edle lieh nam turer trift.
Gancz irvullet ift di fchrift.
Menfch! difen tot gevache
Beforge und bewache,
Oder du wirft in dem ban
4640 Uz der lebn puch getan!
[U7 b\ Von dem ufirftende fyn
Wel ich her nach brengn yn,
Wen ich ab czi den rigel
Von dem virden ingefigeL
Hic incipit quartum figillum
fcilicet
De refurrectione domini noftri
Jefu ChriftL
4645 Des virden entflizen lert
lngefigels fo gehert
Crift uf von todes banden
4592. Gewrt.
4598. ii über der Zeile.
4599. 4609. 17. 27. 33. rotes C.
4608. vngewk.
4613. Schir aus Sehr.
4618. Luc. 23, 46. hinter jedem hely
Punkt.
4619. dir aus di.
4622. Sftach.
4623. Crifto aus Crifti.
4624. vn.
4630. in der gotheit ist änö xonoC -u
bleib und duft. ln der Gottheit quillt die Arsenei
dessen, der sein Leben in deti Tod gab (für uns).
4631. Duft aus Säst.
4635. lieh aus lib.
4636. irwllet.
4640. puch aui buch.
4645. Def aus De«.
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73
Und uns in im enftanden.
Der apoftel daz beczuget,
4650 Do er git und nicht enlugt:
‘Und ift nf erfunden Grift,
Wir entften an arge lift,’
Daz gedechnis alfo liet
Dirre efterlichen cziet
4655 Do von daz mit pblagen gnuc
Got di in Egypten fluc
Und tet doch kein ungemach
Ifraheien ; daz gefchach,
Do er vant ir ubertur,
4660 Als ich in der glofen fpur,
Nach der e mit lammes blut
Wol beczeichent und behüt.
[it«n] Daz pafclia wir benennen
Und unfe fchnlt bekennen
4665 Dem prifter an Gotes ftat.
So fte wir uf von todes grat
Czu dem leben ane ftrit.
Daz pirt efterliche czit,
Wen uns efterlemmel Crift
4670 Dem vater nu geopphert ift.
Pafcha ift ein criches wort,
In latine phafe, vort
So vil dutet als ein gank,
Do von daz an allen wank
4675 Crift uf von des todes lu
Ift gegangen recht als nu
Und erfunden czu dem lebn
Recht an alles wider ftrebn.
Wen er quam uns Briefen
4680 Und enfeczen di befen.
Do von was der funnen fchin
Sach, der finen feien fchryn
Gerötet uns czu gute
Mit fines felbes blute.
4685 Daz beczugt er fclbe czwar,
Do er git gar offenbar:
(iiS6] ‘Der vurfte dirre werld ift kumn.
Mien er nimt doch keinen vrumn,
Wen wi fuer ift fin quant,
4690 An mir des finen er nicht vant.’
Ouch hat er des finen nicht,
Wi vel er ouch fi ane vicht,
Di uz difem leben vam
Und fich fichirlichen warn
4695 Beide uzerhalb und inne
Liep, feie und di finne
Mit des ofterlammes blut
Und mit des gelouben hut
Und mit ganczer libe fam.
4700 Suft wirt wol daz öfter lam
Genuczet ane funde;
Des Got ift ein urkunde,
Der durch alle himel hoch
Als ein refe lif und czocli
4705 Und di marter nicht vermeit
Nach des todes bitterkeit.
Recht als ouch hi vor mit nit
Di ifrahelifche dit
Mit wol einem ftarken her
4710 Czoch hin durch daz rote mer
[Ji9a] Und quam in grofe minne
Von craft der woren finne,
Alfuft, do mit mancher not
4648. vos am Rande für Matur.
4649. da* am Rande nachgeiragen.
4651. I. Cor. 15, 20.
4658. dar aus das.
4663 — 66. Die Hs. hat die Reihenfolge
4666, 4663 — 65. Die richtige Folge ist links durch
d a b c, rechts durch iiij i’ ii’ iii' bezeichnet.
4681. waf aus war.
4683.
4684.
4687.
4688.
nachgetragen.
4695.
4704.
4707.
gvte aus gute,
hlvte aus blute.
Joh. 14, 30. wrfte.
mien aus min. doch am Rande
vzerhalb aus vferhalb.
rgl. 2395. vnd am Rande ßr vf.
mit am Rande nachgetragen.
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74
Den vil bitterlichen tot
4715 Got Crift 6n creftlich uberftreit,
Dar nacli ein untetlich cleit
Czoch er an und vur fo vort
Und brach uf der helle phort
Und irlofte di finen
4720 Uz den grozen pinen,
So daz di erloften doch
Von unfern herren hiuden noch
Mit lieb und feie kumen
Czu falde und czu vromen
4725 Gar an ungewiters phlag
Hin nach czu dem grozem tag
Czu kumphtiger hochcziet gancz
Und ouch kumn in Syon glancz,
Ewiclich in vrouden vro
4730 I» dem der da f webet ho
Hoben en in himelrich.
Waz mak wefn den vrouden glich
Und do von daz felgen nu
Varn in der genaden ru?
[U9b] Von Gotes czorn mit finnen
4736 Di czin und varn von hinnen
Genczlich durch der toufe mer
Mit des roten blutes wer
Daz im uz der fiten ran
4740 Chrifto alles wandeis an.
Di funder recht ich wene,
Set, durch daz mer der trene
Mit der hülfe C’hriftes blut
Varen uz der funden ftut
4745 Czu Gotes barmherczekeit,
Di iclichem ift gereit
Der czu dem brunne loufet
Und fich do mit betronfet.
Alfo fet, aller dinge
4750 Uns allen czu gelinge
Nu daz ofterlemmel Crift
Gar troftlicli geopphert ift.
Durch daz Crift, der eren haft,
Gotes wifheit und fin craft,
4755 Uf dem über ho gemeit
Stet, geherret und gecleit
In ein cleit czwar daz nicht me
Stirbet nach enlidet we,
[/20 a] Und ledt czu finem gaden
4760 Und rufet von genaden:
‘Kumt alle czu mir di myn gern.
Wen ich bins der ofterkern,
Des lange was vergeffen,
Her wider nu gemezzen,
4765 Von nwens aber uz gefant
Her und dar in allelant’,
Das fi kumen gar gefchid
Beid durch fune und durch vrid
Czu der helgen kirchen fnel.
4770 Wiffet, diz ift nicht ein fpel:
Wer daz gebot verficzet,
Ein groz pfant er verfwiczet.
Blibt er in funden flamme
Nach flafen uf dem tamme
4775 Und verfleft durch haz, durch nit
Dife ofterliche cziet
Und czu dem ofterlamme
Mit innincliche vlamme
Nicht get, o menfch, wizze der
4780 Wirt als di Egyptier
Geleczet von dem engel
4715.
en aus in.
4736.
czin aut czien.
4719.
Tinen aus (innen.
4742.
daz aus das.
4723.
(eie aus fe.
4747.
brflne aus böne.
4730.
Im.
4756.
Stet aus Seet.
4731.
Loben.
4764.
Her aus Eer.
4732.
Was kann dieser Freude gleichen
4767.
gar am Hände nachgetragen.
r Freude darüber, daß die Seligen w. s. w.
4775.
haz aus bas.
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75
Und als ein fneder (lengel
[uo 6] Gerodet uz dem volke,
Ab ich wol rechte tolke.
4785 Wen verftu nicht wol bereit
Durch daz mer der bitterkeit,
Du ertrinkeft in dem mer
Mit den vinden ane wer;
Nach in der wuftenunge
4790 Gefmecket dine czunge
Keine wis daz lebnde brot.
Alfuft blibeftu in not
Und berures nimer vort
Beid daz über noch den hört
4795 Ewiclicher felekeit:
Menfch, daz la dir fin gefeit!
Grift, wiffet, ift der erfte
Und ouch der aller herfte
Der ie von dem tod irftnnt,
4800 Bar di wifen uns daz tunt.
Ja in drierhande wies
Kt Got Crift, das blunde ris,
Der erfte under allen
(Kan ich wol rechte wallen)
[121a] Ordens, kraft und werdekeit,
4806 Di der hochgelobte treit
Ordens: wen nymand vor im,
Er der erfte, nicht ein fchim,
Ja der wäre lichnam czart,
4810 Der durch uns gecrucet wart,
l'f erftunt an alle qwel.
Dor nach di fune Ifrahel
Würfen ab der erde tur
Und nf ftunden, als ich fpur,
4815 lTz den grebern, in der fchrift,
Alfuft ftet di nwe ftift.
Nymand wol daz begrifen
Kan mit vernunphten phifen,
An mit dem gelouben ftark,
4820 Der da flinget in daz mark
Gar heimlich unde touge,
Iz mak kein vleifchlich ouge
Nicht begrifen nach gefehn.
Laze wir des walden den
4825 Der di winkelmaze hat
Aller ding uf rechte phat,
[mb] Und lialden uns czu Gote,
Der ift der hefte knote.
Ouch was Crift der eren haft,
4830 Der von fines felbes craft
Von dem tode erft irftunt:
Waz nach im di andern tunt,
Daz tun fi in finer mugnt
Und in finer krefte tugut,
4835 Ouch von grozer wirdekeit
Erft erftunt er wol gecleit.
Wen Crift, der falden hengil,
Daz nymand noch kein engil
Sprechen mochte, er daz fpracli,
4840 Nach dem uf 6rftend er jach:
‘Mir ift gegeben reine
Alle gewalt alleine
Inhimel und in erden.
Nymand czwar mac entwerden
4845 Myner macht nach myner hant.
4785.
nicht aus nich.
4824.
waldS aus walden.
4786.
mer aus mir.
4825.
winkelmaze aus winkelm&Te. bat
4791.
wir aus wir. daz aus des.
aus gat
4792.
blibeftu aus blibilta.
4836.
erftnnt aus irftnnt.
4796.
d*.
4838.
kein aus ken.
4801.
wies aus wis.
4839.
Sprechen aus Spechen.
4805.
4807. hinter Ordens Funkt.
4840.
erftend aus irftend.
4814.
fpvr aus fpyT.
4841.
Matth. 28, 13 und Joh. 10, 28.
4822.
Iz aus 1s.
ift auf Rasur.
4823.
begrifen aus begifen.
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76
Daz hab ich mit fchildes rant
[122a] Erworben an dem crucze.
Nymand ouch ift fo hucze
Der den icht gefcbaden mug
4850 Di fich czin under mine vlug.’
Ouch nach dem ufirftende
Wart Grift alfo behende,
So gar heiter und fo fyn
Daz er czu den jungem fin
4855 By beflozzen turn yn qwam,
Als ich in der fchrift vernam.
Durch den criftellinen himel
Swant er funder allen fimel
Und an alles hindernis.
4860 Daz er wer kein tufternis,
Er bewifte daz er faz
Und mit finen jungem az
An alle miffewende
Nach finem uf erftende
4865 Aber nach des todes flac.
Set, der ofterliche tac
[122 b] Czoch an alfo vremde wat,
Di czwar nimmerme vergat
Und nach dem erften fiten
4870 Wirt nimmerme verfniten.
Do von ken dem vater rein
Spricht er vur uns algemein:
‘Du haft, vil über oftertac,
Umme fniten minen fac
4875 Und halt mich fchon geprifet
Mit vreud di nicht verrifet.’
Set do wider aber doch,
Di mit Mardoclieo noch
Tragen an den alden fac,
4880 Hi in dirre werlde hac
Wir nicht kumen von dem val
In des hoen kunges faL
Iz kumt aber noch di cziet,
Wen wir ken den vinden ftriet
4885 Halten und fi über flau
Und dn gancz gefigen an,
Daz der ofterliche tac,
Crift, verwandelt unfen fac
[123 a] In ere und in czirde;
4890 So wirt erft unfer girde
Irluchtet gar mit wunne
Von Crift, der claren funne.
Und ift Got Crift irftanden
Uf von des todes banden,
4895 Und wir czwar ouch uf erften,
Daz mak anders nicht ergen.
Der czwu nacht und einen tag
Tot in deme grabe lag,
Mit einem uf erftende
4900 Der felbe fo behende
Hat uns gehn czwei uferften,
Das ift ein vil grozes len.
Ouch mit eime tode fin,
Des nacht was ein mittac fchin,
4905 Uns er hat czu grozen vrumn
Czwene tode ab genumn
Und hat fi in luter tag
Verwandelt gar an alle vlag.
Daz erfte uf erftende
4910 Ift von der miffewende
[123 b] Di uns an lit von funden
Und von des tuvels fchunden,
Durch daz czu der feien tot
4855.
By aus Bn.
4884.
Ctriet aus ftrit.
4860.
kel aus ken.
4885.
hinter Halten Punkt.
4864.
erftende aus irftende.
4886.
£n aus in.
4871.
ken au« kein. iT.
4887.
Duz aus Du.
4872.
wr.
4896.
ergen au« irgen.
4873.
Ps. 30, 12.
4901.
r or uferften Rasur.
4878.
Esther Kap. 1 und G.
4912.
fclinnden aus tchindcn.
4883.
Iz au« I«.
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77
Di in Tunden flafe Tot,
4915 Der wiffag jach: ‘irwache
Und us dem flaf dich mache!
Sthe uf von dem tode! fich,
Crift czu hant irluchtit dich!’
Alfuft wizzet, To czuhant
4920 In dem erften uferltant
Wir widr des menfchen Ichibe
An feie nnd an libe
Ettelicher moze lebn.
Ab er fi erftanden ebn,
4925 Er hat czeichen, di er treit,
Czu kumphtiger felekeit:
Er fal haben kufchen mut,
Ein rein leben wol behüt,
Er fal genczlich geruchen
4930 Der worheit unde fuchen
Snel an guten werken fyn,
Stetes mutes fal er fyn.
ll~4 «] Wer guter werk beginnet
Und das ouch wol befinnet,
4935 Daz er jo ftete tribe
Di reine werk nnd blibe
Dor an biz uf fin ende,
An alle miffewende
Wirt er felik endelich
4940 Aldort in dem himelrich.
J">az ander uf erftende
Bewert di fchrift behende
Und di creaturen czwar,
Di fich vernwen alle jar
4945 Und uns das felbe künden
Mit des gelouben bunden;
Di funne das bewifet,
Di nwens fich jo prifet
Alle tag und under get,
4950 Und der menfch, der uf ouch ftet
Uz dem flafe tegelich.
Doch vil manche dünken fich
So clug und fo behende
Daz fi das uf irftende
[124 b] Des vleifches wider triben
4956 Und in dem czwivel bliben,
Wen di felben doch irften
Und vor das gerichte gen
Mit leide und mit fchanden;
4960 Wen Crift beginnet anden
An 6n di fine wunden.
Wen fi dort ften gebunden
Und fich der funden fchemen,
Do gutez Ion wol nemen
4965 Di gerechten, di dort fin
Licht dar als der funnen fchin.
Von dannen abr gelenget
Sten jene gar befenget,
Under den ougen gar verbrant,
4970 So alreft wirt en bekant
Wen fi hi gecrucet han!
Als man knmt dort uf den plan
Do nymand fich verbergen mac,
Sünder, denke an den tac
4975 Und fte uf von den funden!
Wen nymant mac durch gründen
[I2öa] Der grulichen helle glut,
In der immer ungerut
Di fei fudet unde quilt.
4980 Abir in den lüften fpilt
Der gerechten feie dar,
Wen fi aller funde bar
Endelicher den ein wint
Got Crifto, des menfchen kint,
4985 Begeint, wen er dort her vert
4915.
F.ph. 5, 14. irwache au* irwachen.
4931.
fyn aus fym.
4916.
Vor dich ist irw durchstachen.
4932.
zweites mute* gestrichen.
4919.
wizzet au* wirren.
4961.
4n aus on.
4921.
im Gegensatz zu dem frühem
4964.
gutez au* gute*.
Lebensgang des Menschen.
4976.
hinter durch ein Grundstrich getilgt.
4928.
£ in Ein au* N?
4979.
quilt aus quelt
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78
Czu gerichte un irwert.
Dor umme nymant fchende
Daz erfte uferftende
Uud daz ander ouch alfam.
4990 Wen Crift in di werld fo quam
Daz er den menfclien trofte
Und en ouch wol irlefte
Von dem tuvel, dem er mat
Gab (ein wifer daz verftat),
4995 Und fich durch unfen willen
Ouch gefeln.unde villen
Liz der herre unde ftarb
Und fin erbe fo irwarb.
[125 b] Von im felbe ftunt er uf
5000 Und gab einen grozen puf
Der helle und einen flak
Vor dem der helle vogt irfchrak,
Luzifer, der helle flunt,
Do im di mere wurden kirnt.
5005 Alfuft an miffewende
Der eren kung behende
Uz der helle hat irloft
Di finen und wol getroft
Mit dem ufirftende fin.
5010 Dem der üb apoftel min
Thomas in di wunden tief
Greif, fuft fait der glofen brief,
Durch di fache, daz vernim,
Daz imant wente daz ein fchim
5015 Und ein glichnis Criftes wer
Erftauden uz der toten her.
Durch daz er fich taften hiz
Und en mit dem vinger liz
In fine wunden ruren,
5020 Daz er werlich vol vuren
[126 a] Mochte daz er wer als e
Ein wor menfche, daz verfte!
Hic incipit quintum f i -
gillum
videlicet de afcenfione do-
mini noftrL
Daz furafte ingefigel czart
Ift von Criftes himel vart,
5025 Mit der Got Crift hat gecleit
Ho des menfchen werdekeit
Und gefaczt ob alle ding
Boben uf der himel ring
Und ob aller himel dach.
5030 Wen er was menfch der fo jach:
‘Mir ift gehn alle gewalt
Inhiml, in erde manicvalt.’
Er ift menfch an allen fchach,
Den der pfalm gecronet fach
5035 Mit eren und mit czirde,
Und finer hoen wirde
Er geczuget undertan
Alle ding di wefen han;
Er ift menfch in dem ouch fehn
5040 Engil alür vrouden bren;
[126 b] Di heilgen vinden ere
4987.
Dor aus Do.
5011.
tief au* tif.
4988.
Daz aus Das.
5012.
brief aus brif.
4990.
werld aus w'lde.
fo am Rande
5014.
imant aus im&n.
nachgetragen.
5018.
en aus in.
4994.
hinter Gab Punkt.
daz aus da*.
5020.
wren.
4997.
vnd'.
5024.
jft
5001.
helle au« hell.
voit mit über-
5027.
ding aus dink.
geschriebenem
e-
5031.
Matth. 28, 18.
5004.
werden au« worden.
5037.
Er auf Rasur.
5005.
miffewende au* mizfewende.
5039.
dem aus de.
5008.
wol aus wolt.
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79
In im an wider kere,
Di gerechtin hulde,
Di liinder vor ir fchulde
5045 In im genade vinden.
Do von au wider winden
Sin uzvart, fin louf, fin gang
Ift von hoen hirneln blanc
Siner widerverte fchin
5050 Piz hin uf di hoe lin.
Er fwang von dem vater nidr
Czu der werlde lin gevidr,
Als ein loufer und ein bote,
Der gar vil czu werben hot;
5055 Ouch der felbe als ein fnur
Czu dem vater wider vur
Und warb des menfchen lache
Czu falden, czu gemache,
Wen er ift ein mittilman
5060 Czwifchen Got und menfchen
[tan.
Sint wir nicht mugn beduten
Gar volliclieh den luten
Allez daz Crift menfch beging
In menfchheit di er enphing,
[127a] Inder mit uns der eren haft
5066 Hatte waz gemeinefchaft:
Wi mug wir den vol vlizen
Und genczelich entflizen
Sine himelifche werk
5070 Boben aller himelberk?
Do von muz wir hüben ften,
Sint er loufen noch irgen
Daz mugen unfe finne
Beid uferhalb und inne,
5075 Di vernumphten venfter fint,
Durch di jo von erft ein wint
Mancher hande bildel wet
Und fi durch ir venfter fpret
Hin in der vernumften fchrin:
5080 Do nimt alzuhant daz in
Di vernumpht und fchribet daz
In ir flechtez tafelvaz.
Do von, als ich hab gefait,
Got Crift, der in himel tait,
5085 Uns aller ding un kundik ift,
Nach unfer vernumften kift
Mac fich nicht dar gerecken,
Nach keiner hande ecken
[127 6] Kan fi fo fcharf geflifen
5090 Daz fi da icht begrifen
Waz mugen ader inphaen,
Sint fich di finne nahen
Czu im nicht mugn gemachen,
Di doch mit vlieze wachen
5095 Der vernumften, als is czimt.
Wol ein wifer daz vernimt:
Durch daz ful wir loben czart
Got und Criftes himelvart
Uz den glofen, uz der fchrift,
5100 Di fchon ften in nwer ftift.
Dor uz ful wir nemen waz
Der himelvart czu lobe baz.
Wen di edle himelvart
Adelt ho menfchiiefie art
5042.
auf Rasur.
5060.
waz aus was.
5045.
Sein Auszug von den straldenden
5067.
w*.
Himmeln ist das Bild seiner Rückkehr: beidemal
5071.
muz aus muz.
hatte er das Amt des Werbers.
5072.
er aus ir.
5047.
Punkt hinter vzuart uml louf.
5080.
in] fin.
5049.
Hinter fchin ist P (der Anfang
5092.
naben aus naen.
der nächsten Zeile) getilgt.
5093.
nicht aus nich.
5059.
man aus mam.
5098.
vnd aus ns.
5060.
Czwifchen aw$ Czwifchin.
5104.
adelt aus adlt.
5061.
wir aus w.
menfehllichche.
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80
5105 Und tilgt der funden fchimel
Und fluzet uf den liimel
Und czeigt ouch den menlchen
glich
Den weg czu dem himelrich.
Daz in puch dez leben
5110 Wol ftet gefchriben eben.
‘Ich var czu dem vater myn,’
Sprach Crift czu den jungem fin,
[128a] ‘Und czu uwern vater Tarn.’
Ey der grozen libe vlam
5115 Und der wirde di al hi
Crift den menfchen gibt! ja wi?
Er finen vater nennet
Und offenbar bekennet
In ouch unfen vater wefn.
5120 So wer mag di gunft durch lefn
Und im der lib gedanken
Di Got Crift an uns kranken
Geleget hat an luder,
Daz der nu unfer bruder
5125 Is feliclichen worden,
Ob alliz fchaczes horden
Edelt ho menfchliche» fam
Mit dem ho geadelten ftam,
Ob alle creature
5130 Menfchlich natur geliure.
Dirre vater, daz gefchach,
Liblich czu dem fune jach:
‘Liber fon, daz fag ich dir,
Alle cziet biftu mit mir,
5135 Und daz mine daz ift din
Und daz dine daz ift min.’
[128 6] Der vater mit dem fune lib
Hat den fueren tougen dib
Gebunden und gevangen
5140 Und hat vruntlich inphangen
In fchon czu finer wunne;
Gar alles menfchlich kunne,
Daz mit funden was verftalt,
Als ein echter ouch verczalt,
5145 Daz czu dingen der fon hat
Bracht mit fines vater rat.
Set, do von in dem pfalme
Der fun, di edle palme,
Sünder allez nngemach
5150 Lieblich czu dem vater fprach:
‘Du halt mine rechte hant
Wol gehalden umbewant
Und haft nach dem willen din
Mich bracht in der werlde rin
5155 Und haft nu mit eren mich
Wol enphangen lebelich.’
Wider czu dem fone truet
Sprach der vater uberluet:
‘ In dir gefeinet werden
5160 Alle gebürt der erden.’
[129 a] Da was ein vruntlich lofen
Und gar ein liblich kofen.
Set, der fon der rumte fich
Daz im was geluckelich
5165 Irgangen in eilende
An alle miffewende
Sin erbeit und fin ringen,
Daz nimant 6n verdringen
Mochte von dem erbe fin
5107.
czeigt aut czcegt.
5137.
fvne au« fon.
5109.
dez] der? rgl. r. 4640.
5138.
fuerS aus Iure.
5111.
Luc. 15, 32.
5143.
was aus w&z.
5126.
borden aus orden.
5151.
Fs. 73, 23.
5127.
meufchlichem.
5159.
I. Mus. 12, 3.
6132.
fvne au« Tone.
5160.
alle au« all.
5133.
ff.
5164.
im auf Basur.
5134. Der Vier» tom Schreiber am
Bande nachgetragen.
5165.
in.
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81
5170 Wedr mit drowe noch mit pin.
Durch den menfchen, daz ge-
fchach,
Ken dem vater der fun jach:
‘Ich hab mit minem Itabe
In erbeit ane habe
5175 Den Jordan ubervaren:
Nu lieh, mit czweien feharen
Ich widr czu hufe kere
In tugent richer ere.'
Set, bi den feharen beiden
5180 Di Juden und di heiden
Vernimt man nicht unczimelick,
Oder bi den feharen, fich,
Czwei ander volk wir meinen:
Di unfchuldigen, reinen
[Vi9 b) Und di buzer, di wol han
5186 Ire bichte recht getan.
Di felbeu bi czen mannen
Beczeiget fint, der fpaunen
Taften an Got Griftes foum,
5190 Do er heim vur funder troum.
Wen wer fich mit innekeit
Heit an finer menfehheit cleit,
Set, den czut er mit im ho
In daz himelriche vro.
5195 Von des menfehen adl in Crift
Git eins wifen mannes lift:
4 Criften menfeh, irkenne
Din hoes adil, wenne
Daz ift nu gefellet czart
5200 Gotlicher naturen art.’
Nu fich daz du fo walles
Daz du icht wider valles
Inder fnoden funde flam,
5173. T. Mot. 32, 10.
5177. wid'r.
5187. Sach. 8, 23.
5190. wr.
5198. adil aut adll.
5210. den auf Matur.
5212. fo uns czt.
Deutsche Texte dee MltteUltui. IX.
Der di feie machet lam!
[130 o] Merke wes du dich verczift
5206 Und welches hebtes lit du fieft!
Ouch bedenke wer irloft
Dich hat von der helle roft
Und hat ho irbaben dich
5210 In den hirnel ficherlich,
Und gib lob der himelvart
Di dich hat fo recht gekart!’
Clrot vur uf funder geuden
Mit iuninclichen vreuden
5215 Der engele und der lute,
Und wer die warheit trwte,
Der hald fich an den hengil
Dez fich ho vroun di engil
Und tun daz in mancher wis.
5220 Erft des uwen kunges ris
Si fich vrowten, daz fi den
Immerme fuln ane felin,
Do von Jesus felbe fo
[130b] Spricht in ewangelio:
5225 ‘Ein richman wol gefezzen
Hat ein groz abent ezzen
Schon gemachet und bereit
Gar in hoer wirdekeit.’
Des nyniand fol verdrizen,
5230 Set, wen der gotlieit nizen,
Daz der fcheppher Sabaoth,
Aller fchepphenunge Goth,
Den hat ewiclich bereit
Di an train vernunften cleit.
5235 Des lebnden brotes nizen
Kan Got menfeh fo beflizen
Daz er def honges fuzekeit,
Ja der gotheit wol gemeit,
5215. eugele aut engel.
5216. warheit aus warhet.
5219. mäfcli.
5223. nvez aus nwez. hinter fo Rasur .
5225. Luc. 14, 16.
5226. Haut.
5230 — 46 zum Teil auf Matur.
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Hat czu gar unverdrozzen
5240 Der menfchheit milch gegozzen.
Alfus der menfch fo werde
Wol hat der lebnden erde
Gemachet halt durch nizen
Milch unde honek vlizen.
5245 Got daz felbe fuze lant
Hot gelobet mit der hant
[131a] Al den jenen di irloft
Nu fint von der helle roft
Und ouch di willen haben
5250 Czu himelriche draben.
Ouch fich vroun der himelvart
Alle lute wol gekart,
AVen er hat ein nuez fpor
Czu den himelphorten vor
5255 Getreten, daz e mit gras
Uber al verwachten was.
Do von was der weg unkunt
Der werld piz an dife ftunt
Daz der reine ummehanc
5260 Wart des weges anevanc
Der czu der himel phorte
Ging von dis fees borte.
Criftes vleifch an allen wanc
AA'as der luter ummehanc,
5265 Der an fime tode reiz,
Do in durch des herczen creiz
Stach ein ritter mit dem fper,
Ich enweiz in welcher ger.
[1311] Der felbe weg, mir merket daz,
5270 Daz man 6n irkente baz
Und daz man in dem weg ge
Semfticlichen als uf cle
Und fich ouch nicht verirre,
Nach von dem weg fich virre:
5275 Do von gar unverdrozzen
Der felbe weg begozzen
Ift gar in hoera mute
Mit Criftes rotem blute.
Den weg irkennen wolde
5280 Der wol jach, als er folde:
‘Herre, czeig mir dine weg,
In den ich kranc man und treg
Alle cziet gar ficherlich
Dir nach volge in din rieh!’
5285 In dem weg er ringlich get,
Do er fprichet unde vlet:
‘In dinem weg, almechtic Got,
Herre myn, der dinen gebot
Bin ich fo luftig worden
5290 Als in aller fchecze horden.’
[132 a] Ouch daz rote Criftes blut
Geftrout in dem wege vrnt
Betet an alles virren
Daz fi fich icht verirren
5295 Di in dem wege wandern
A’or einem und den andern.
Der fich verirret fere
Dan von dem weges lere,
Als Salomon der wife
5800 Git offenbar, nicht life,
Der muz under hunen won,
Daz ift under tuveln don;
5242. d’r.
5244. houek aus honk.
5245. G «n Got aus anderm Buchstaben.
5250. draben — droben.
5253. nrex aus nwei.
5262. r gl. r. 13 hie nf dirre werlde fe.
5266. in aus en.
5267. fper aus fpere.
5274. weg fich auf Basur.
5276. begeozxen.
5281. Ps. 86, 11. 88.
5285. rlglich ans rlclich.
5287. Ps. 119, *5.
5288. gebot aus gobob
5293. B6tet aus Bitet.
5298. es 1 tn wege* lere auf Basur.
5301 — 2. w5n : dSu. Das übergeschrie-
bene e hat wohl keinen Lautwert, sondern soll
blofs die Kürzung erklären. Vgl. bot* 5053.
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Daz fint di, als Amos fait,
Der hochvart gar unverczait
5305 Aller demut gar beroubt,
Di der armen lute houbt
Als einen ftoub czuriben
Und kundiclich vertriben.
Der benante weg czu dank
5310 Ift von purpur, ein ufgank
Clar von golde czu dem fimz
Salomonis, wol vernimz,
[132 b\ Do Crift gar unverriczet
Czu Gotes czefme ficzet,
5315 Der mit finer bimelvart
Nwe himel vroude czart
Engil und di lute Tarn
Larte, als im wol anczam.
Hic incipit fextum figillum
fcilicet
de fancti fpiritus raiffione.
Als ich di fchrift bevrage,
5320 Set, an dem fechften tage
Schuf der hochgelobte Got
Den menfch uz der erden mot
Und blis im yn czu fture
Mit fines geiftes vure
5325 Eine feie, di daz lebn
Gibt dem lichnam und daz webn
Und gibt funderliche ampt
Den geliden allentfampt:
Den oren liorn, den ougen fen,
5330 Kan ich eigentlichen fpen,
Der nafen ruch, der czungen
fmak,
Sprechen ouch di czunge m&k,
[133 a] Den henden grif, de» vuzen gang,
Czwar des herczen fint gedank.
5335 Nu fich, wo czu valle qwam,
Und wir in im, der erfte ftam,
Mit fechs werken, fich, den val
Widertet der eren gral:
Mit der menfchheit, di er bar
5340 Enphiug von der meide clar,
Mit der reinen toufe fin
Und mit finer marter pin,
Mit fim ufirftende czart
Und mit finer himelvart
5345 Und mit fines geiftes kumpht.
Mit den fechfen, fait vernumpht,
Recht als mit fechs tagen clar,
Di al di werld irvrowen gar,
Hat Got den menfch irluchtet
5350 Und fine fei durch vuchtet
Mit des heilgen geiftes regn,
Der di finen under wegn
Nicht lezet, ern durch vlize
Und luterlich durch gize
[133b] Beide feie und den lieb.
5356 Wen er heizet leit vertrieb
Und ein trofter in der not,
Wer fin darbet, der ift tot.
5303. di aus fi auf Rasur. Amos 2, 7.
5304 auf Rasur.
5306. vd krndiclich.
5310. v in vfgank aus ändert n Buch-
staben. k aus c.
5311. fimz aus Ums.
5312. rtümz aus v'nims.
5318. alf aus alfo. im über der Zeile
nachgetragen.
5320. fechften aus rechten.
5325. daz au« da.
5331. cznmgeu.
5333. de. wzen aus wfen.
5335. vor w in wo (aus wol) ein Grund-
strich ausradiert. Als der erste Stamm tu
Ralle kam und wir in ihm, da machte der eren
gril den Fall wieder gut.
5336. W.
5350. wehtet.
5351. regn aus regen.
5356. heizet aus heizeit
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Der nam ift im gegeben:
5360 Ein leben allir leben.
Do von wold ich luczil fain,
Wolde mir genade tain,
Indem fechften ingefigel,
Daz fo vefte heit den rigel
5365 Daz 6n nicht reget myn ver-
numplit,
Von des heilgen geiftes kumpht
Czu den jungem bobn ir lioubt:
Wen fi woren gar beroubt
Genczlich al ir uzer luft,
5370 Durch daz fo czuhant irbruft,
Ir feien, ire geifter
Der meifter aller meifter
Enczunte und enprante
Und 6u von himel fante
5375 Alle fprach in vures vlam:
Iclich menfch alda vernam
[134a] Sine czunge funderlich;
Der werld was daz wunderlich.
Gotes geift irvullet fat
5380 Des ertriches fchibe hat.
Wizzet daz der heilge geift
Hat der fuzen namen meift,
Daz di worheit valfches an
Werlich wol beczugen kan.
5385 In ewangelio man hot
Daz der heilge geift ift Got
Und, als find Johannes giclit,
Lebn der werlde unde licht.
Er ift der allir befte
5390 Den imant ie gewefte;
Under meftem kunften rieh
Nymawd im mak wefen glich;
Vingir Gotes cefmen hant,
Trofter und der falden phant,
5395 Der genaden erczetie
Sünder alle fimonie.
Wo er in der werlde czoit,
Do ilt er der armen voit;
[«4 6J Ja der funnen wider glaft,
5400 Ift der feien fuzer gaft,
Aller gäbe milder mut,
Der wol al der werlde tut,
Der femphtlich uberfuzet
Und allen kummer buzet,
5405 Ein troftheilbernder trefera
Und ein trat himel befem,
Der ab ftricliet allen ftoub
Und tut grünen als ein loub
Von des fuzen meien tou
5410 Di feien fclion in fuzer fchou;
Waz gute und waz felekeit
Himel und di erde treit,
Daz ift er aller dinge.
Man lefe oder finge,
5415 Man tichte oder fchribe,
So kan nimand fin fchibe
Triben uf ein ende gancz.
5365. en aus in. reget aus rege.
v'nnpht.
5369. vier aus vier.
5374. fn aus in.
5375. alle aus alles. wre«.
5377. Hinter Ivnd'lich ist der werld
(Anfang der nächsten Zeile) getilgt.
5378. waf aus w&z.
5379. irwllet.
5383. vallchel an aus valfche Tarn.
5386. Joh. 4, 24. geilt aus geilte«,
ilt am Rande nachgetragen.
5388. Joh. 1,4.
5392. Nymad au» Hymad.
5395. erczetie au« erezdie.
5397. über czoit g getilgt!
5403. lemphtlich aus lemphtliche. v
in vb' auf Rasur. Ivzet aus Ivzen.
5405. oder crelem?
5411. e stoischen v und t in gvt über-
geschrieben.
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Geift ift Got an allen fchrancz!
Set, wen do daz ertricli was,
5420 Als ich in der glofen las,
[135 o] Beid itel unde lere
Und aller ding uramere
(Den menfch ich meine, der do
was
Dürre worden als ein gras
5425 Und ouch itel und ummer,
Allir guten vruchte 1er
Durch fine groze funde
Von der genaden unde),
Set, di vulte er fo vol
5430 Mit nicht anders, ab ich fol
Sprechen, den mit im felbe.
Der fuze galt nicht velbe
Hat an alle Tiner vrucht;
Nicht der feien brengit czucht
5435 Und fi vullet wenne Got,
Daz er wol bewiTet hot.
Beide itel unde 1er
Ift di feie und ummer,
Di jo ift Gotes mangel;
.5440 Ouch ein vil gretik angel
Si verfnidet in den tot,
Ir en helfe den uz not
1/35 5] Mit genaden allir meift
Der vil vrone heilge geift.
5445 Wer nu des wil geruchen,
Der darf nicht verre fuchen
Des heilgen geiftes vuer;
Wen werlich wol czu ftner
5418. Geift aus Geilte*. ift am Rande
nachgetragen.
5419. was aus waz.
5423. meine aus mein.
5429. wlte.
5435. wllet.
5439. i in Di nachträglich eingesetzt ; Der?
5447. vuer ans wer.
5448. ftrvrer.
Hat genczlich fin genade
5450 Irvullet gar gerade
Daz ertrich und ir fchibe;
Ouch nimant ift der blibe
Und behalde fich bi nam
Vor der grozen hicze vlam.
5455 Do irvullet fumczic tag
Worn von oftern, als ich fag,
Di junger funder galle
Blibn bi en ander alle.
Merket daz di aide e
5460 Gar verw’urfen ift nu me
Und verfmeet als ein gift.
Abr di andir nwe ftift
In des gelubdis arche
Recht als in einem farke
[136 a] Sten ewiclichen hübet,
5466 Daz si nimand vertriebet.
Ja mein ich der kirchen kift,
Di gebuwet felbe Crift
Hat mit finem blute rot,
5470 Inder man daz lebnde brot
Und das ofterliche lam
Gibt czu nizen in dem nam
Jefu Crift der werld czu troft,
Daz fi uf der helle roft
5475 In jamer icht enkumen;
Daz lebnde brot kan vrumen
Czu dem ewiclichen lebn.
Merket, do irvullet ebn
Nu worn di fumfczic tage,
5480 Di junger, als ich Tage,
5450. Irwüet.
5455. irwllet.
5457. tunder.
5469. in in fine auf Rasur.
5473. d' über der Zeile nachgetragen.
5477. en lebn auf Rasur.
5478. ir wllet.
5479. Nu am Rande.
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86
Bi en ander woren, wan
Nimand miffen fal doran.
Do fi vlon und Grift begolm
Und en lizen in dem clobn,
5485 Der junger algemeine
Geloube was do deine.
[J36 6] Abir do en Crift erfchein
Nach dem uf erftende rein,
Gar vefte fi da worden
5490 Indes gelouben orden.
Mit handen fi fich nomen
Und czu Jerufalem q women;
Vrolich von der himelvart,
Als fi hatte Crift gelart,
5495 Si des gelubdes beiten
Und fich dor czu gereiten
Mit vle und mit gebete,
Dor an fi bliben ftete
Durch des heilgen geiftes kumpht,
5500 Daz der ervulte ir vernumpht
Mit libe, mit genaden
Dort von der hiuiel graden.
Beide niutes und der ftat
Vereint fi worn an valfchen grat
5505 Bi en ander funder phnift,
Recht als jenen den da ift
Ein hercze vru und fpote
Und eine fei in Gote.
[137 a\ Wen noch den gedunken myn
5510 Daz lute bi en ander fyn
An einer ftat und wanken
Czweitragnde mit gedanken,
Daz ift andirs nicht wen wo
5481. hinter woren Strich und l'unkt.
vor dem w in wan ein Grundstrich ausradiert.
wan — man.
5483. Über das o in vlon ist v ge-
schrieben. doppelt gesetztes Crift gestrichen.
5500. erwlta.
5507. hercze aus hecze.
5509. den aus dem.
5513. ift am Rande nachyetragen.
An einer ftat fich famnen jo
5515 Hund und wolve um ein os
Oder um ein todes ros,
Di an der ftat fich laben,
Ouch giere mit den raben,
Di fich dorumme biezen,
5520 Czu czerren und czu riezen,
Welcher daz grozer ftucke
Behalde czu gelucke.
Alfuft tun ouch di affen,
Di munche und di phaffen,
5525 Hazzes und ouch nides vol,
Di fich durch den fetten kol
Ouch um di ampmet denen;
Vil deine fi fich fenen
Nach des heilgen geiftes vlam.
5530 Di junger nich in fulchen dram
[137 b] Qwomen von der himelvart,
Vrolich fi der vrouden czart
Wol warten mit gerete;
Mit vle und mit gebete
5535 Nicht fi fuchten me wen Got,
Der allein czu fendin hot
Den heilgen geift czu fture
Den di da fint gehure.
.Als alle wazzer duzzen
5540 Und fnelle fich irguzzen,
Suft von dem himel fnelle
Der heilge geift gar helle
Quam mit eim geludme dar
Und daz hus ervulte gar
5545 Do fine junger fozen
In andacht wol czu mozen
5515. Hand aus Hunt.
5518. giere aus gire. den aus dem.
5519. biezen am Rande für biizen.
5528. hinter vil Punkt .
5530. fulcher aus faleh.
5537. heilgen.
5539—50 zum gröfseren Teile auf Rasur.
5543. d in der aus anderm Buchstaben.
5544. hnf aus hnz. wlte.
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87
Von des heilgen geiftes kumpht,
Als nns fait der lerer; numpht
So vil hab wir daz er quam
5550 Snelle und von himel lam,
[WS«] Und mit eim geludme groz
Quam er in des liufes fchoz.
Snelle quam er ficherlich
Durch di fache, merke mich,
5555 Daz funder und di touben
Gancz betten den gelouben,
Wi verre fi verirret
Sich hetten und gevirret
Von himel bernden unden
5560 Mit iren grozen f unden,
Daz fin vinger, fine hant
Wer alumme bi der want
Und clophte alfo ftille,
Ab im ein guter wille
5565 Wolde ein fpeldel offen.
Der funder fal des hoffen
Daz er czu hant guzze drin
Der genadin wider fchin,
Der gar alle vinfternis
5570 Und aller fände cluternis
[138 b] Dan uz der feie triebet
Und fi mit tugnt durch fchribet.
Ouch er von dem himel fwanc
Uz der ftat fyn luter blank,
5575 Der meifter kunften riche,
Daz er di weld wol gliche
Lerte ein rein leben train
Und den funden wider fain.
Ouch mit eim geludme qwam
5580 Der heilge geilt und fin vlam,
Daz er in den jungem fin
Czu der predigote fyn
Irhube ein gefckelle
Ken allem ungevelle.
5585 Wen fet, alfuft fait der pfalm:
‘Ir geludme und ir galm
Wart al umme wiet bekant
Und ging uz in alle lant.’
Ouch dem galme volgte nach
5590 Luter bichte, daz gefchach,
[i39a] Wen ir rede iczunt was
Von des heilgen geiftes blas
Werlich ein yn euer ftark,
Daz iz hiezte durch daz mark
5595 Mit grozer libe ruer,
Daz en Got Grift czu ftuer
Sante an alle wette,
Als er gelobet hette.
Wen der heilge geilt ift der
5600 Von dem Crift fait fnlche mer:
‘Wen der geift der worheit kumt,
Alle worheit uch der vrumt’
Und lert uch an allen ftriet
Alle worheit di czwar liet
5605 An eime guten leben,
An guter lere eben
Und an worem gerichte
An aller crumme fchichte.
Set, mit burnder libe goz
5610 Got Crift in der junger fchoz
[139 b] Mit der worheit, als du weift,
Williclich den heilgen geift,
5548.
Lucas in Act. Apost. X, 1.
5582.
e in pdigote aus o.
5549.
wt
5586.
Ps. 19, 4.
5550.
hinter Snelle Punkt
5593.
wver aus wer.
5560.
i m iren auf Rasur.
5594.
iz am Rande nachgetragen.
5563.
ftille auf Rasur.
5595.
wver.
5565.
ein fpeldel aus eine fpalde.
5596.
in aus in.
5566.
def am Rande für daz.
5601.
Joh. 16, 13. kvflit.
5667.
5571.
das erste % in gvzzt aus f.
f in feie au» anderm Buchstaben.
5605.
eime aus eine.
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88
Von dem fi fo enpranten
Daz fi alleine wanten
5615 Hin czu Gote al ir ge r,
Und in Got, dem wunderer,
Lieb fi hatten alle ding;
Aber Got ob allen ring
Si hatten üep von herczen
5620 An allerleie merczen
Mit gar getrwen liften,
Liep ouch ir eben criften
Si hatten als fich felbe
An alles meiles velbe.
5625 X>er meifter heizet meifter
Der finer junger geifter
In eim ougen blicke glich
Machte alfo kunften rieh
Daz fi aller kunften hört
5630 Hatten und doch in kein wort
[140 a] Benzen horten fprechen.
Alfus kan heimlich brechen
Und in di hercze flingen
Des heilgen geiftes ringen.
5635 Was daz nicht ein groze gunft
Daz fi künden alle kunft,
Di vifcher und di leien,
Do von fi wurden meien
Und uz lazen kunften hört?
5640 Soft fi euren allez vort
Und taten waz Got wolde,
Und fchulden waz der holde
Got von himelrich befchalt,
Von der gäbe manicvalt
5645 Wen von allir uzer luft
Was beroubet ire bruft,
Und do von als ein czunder
Si woren alle munder,
Wol gefchicket ebne glich
5650 Czu enphane redelich
[740 6] Des heilgen geiftes vunken,
Di alfo gar durch funken
Ir feien und ir finne
Beid uzen und ouch inne
5655 Mit der fuzen fuzekeit,
Daz fi wedr lieb noch leit
Nu und czu keiner ftunde
Von Got gefcheiden künde.
Got fi jo üblich meinten
5660 Und vruntlich fich vereinten
Mit im und in finem nam
Mit irn ebencriften fam.
Merket, vor der marter grat
Di einunge Crift erbat,
5665 Do Crift jach: ‘myn vater, fich,
Vor fi ich nu oppher mich,
Daz fi alle hüben ein
Und an alle funde rein,
Als du vater ein in mer
5670 Und ich fun ouch ein in der,
[441 a] Daz fi in uns beiden ein
Alfo hüben algemein
Vereinet in der laden
Alleine der genaden
5675 Und nicht in naturen ein,
Als ye werlde ein erfchein
Vater, fon und heiüc geift,
Ein in der naturen meift.’
Wer daz einen wil verften,
5680 Der muz wol ftudiren gen:
Ich wil mich des nicht fchemen,
Er muz di fchrift vernemen.
5616.
dem aus den.
5661.
im auf Rasur.
5621.
gar aus gan.
5665.
Joh. 17, 1. 21. 23.
5622.
Liep oech auf Rasur.
5676.
ye am Rande für
5640.
waren. allez aus alles.
aus irfchein.
5646.
waf aus waz.
5679.
daz aus di.
5654.
vxen aus vfen.
5682.
muz aus mus.
irfchein
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89
Ilort, fibenleie gäbe
Ob alles goldes habe
5685 Gotes vinger und fin hant
Al der werlde tet bekant.
Di gaben vernumphten hac
Suzen baz wen ballern fmac;
Mit der falbe di fi train
5690 Und glich al der werlde tain,
[liib] Si den menfchen tun gefunt.
Von des heilgen geftes munt
Der falbe wiet irgozzen
Vil mancher hat genozzen.
5695 Wer fi numet, der wirt heil.
Wol der werlde_ ift fi veil,
Daz gelobt di kirche meift;
Si git daz der heilge geift
Ift ablaz allir funde.
5*00 Dem funder ich daz künde
Daz er an dem arczte nicht
Czwivel durch di keine fchicht.
Wen ein lerer wol gefit
Von dem arczte alfo git:
5705 ' Wen ich von fuche quele,
Ich ficherlich bevele
Dem der mich an allen flac
Heilen wil, kan unde mac.’
Er wil iczunt, ab du wilt;
5710 Ab er din es willen fchilt
[U2a\ Verharfcht ken im nicht vindet,
Sin kuuft fich underwindet
Diner wunden, als er kan.
Und fi heilet funder wan.
5715 Ouch find Auguftinus fpricht,
Von des meirters macht bericht:
‘Dem arczte, alfo echtic
Und alfo gar almechtic,
Keine fuche wider vert
5720 Nibn ern heil fi uninvert.
Nu merket von den fchulden
Wi gar ingrozen hulden
Hatte er di werlt gemein,
Der ir einen arczt fo rein
5725 Ho ubr ein vremdez alben
Mit fibenleie falben
Sante alfo hulfenrich,
Der alfo gar volliclich
Heilte beide fei und liep
5730 Gar an aller liande kiep.
f«4 6] Der fiben falben gäbe
Sint czwar, ab ich nicht fnabe,
Geift der vorchte Gotes, fich!
Nicht vintlich noch grimmeelich,
5735 Sam vinde vor den vinden
Vor vorchte wollen fwinden,
Sünder als wo behibe
Durch rechter czucht in libe
Ein vater fin fonil czart,
5740 Suft fal wefen wol bewart
Ken Gote unfer vorchte.
Di ander gäbe worchte
Salbe den geift der gute
In mildiclicher blute;
5745 Di dritte geift der kunften
Durch vlozzen gar mit gunften;
Di virde geift der fterke,
Ab ich wol rechte merke;
5686.
bekant aus behkant.
5711.
ken ira aus kein in.
5687.
hac aus hat.
5720.
vnirwcrt aus vnd irwert.
5692.
heilgen aus hilgen.
5725.
vremdez aus vremdiz.
5693.
wiet aus wit.
5728.
gar aus ga.
5696.
ift aus iz.
5731.
Jes. 11, 2.
5699.
Tande aus fanden.
5741.
Ken aus Kein.
5705.
über u in fuche ein v?
5707.
mich vor dem ist ausgestrichen,
nach d'
am Rande nachgetragen.
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90
Di fumfte geift des rat es,
5750 Der nicht in im hat grates;
[usa] Di fechfte geilt der numphte,
Vil kan der felben kumphte;
Di fibnde geift der wifheit,
Smackes vol in fuzekeit.
5755 Nu wiffet wi di falben
Wol heilen allenthalben:
Di vorchte Gotes leczet
Di hochvart und entfeczet;
Gute, di in milde tait,
5760 Beide nit und haz verjait;
Abr daz wizzen, daz ift kunft,
Gar vervlouget czornes dunft;
Abr der geift der fterke
Trogheit vertriebt, daz merke!
5765 Rat verjait mit ficherheit
Allen dürft der girekeit;
Di vernumpht czu rechter foz
Twinget beide gicz und vroz;
Di wifhet, daz ift fo vil,
5770 Wer daz rechte pruven wil,
[143 b] Inner fmak an allez leit
Ewiclicher fuzekeit,
Di gar alle uzer ding
Triebet uz des herczen ring.
5775 Des bnanten arcztes haut,
Vaters und des Tonis bant,
Heilig geift, ir beider glut,
Alle cziet gibt wollen gut.
Gotes fun gar figehaft,
5780 Beide wifheit und craft,
Tut wiffen waz fie gute
In bernder rurchte blute.
5743. def au d‘.
5760. haz aus haz.
5771. allez aus allis.
5773. rzer aus vfer.
5775. arcztes aus ancztes.
5778. wellen aus willen.
5779. fvn aus fon.
Der vater almechtic czwar
Gibt macht czu vol brengen gar
5785 Daz er wil und ouch weiz gut:
Stift den menfch er felig tut.
Snzer vrunt, der werde gaft,
Der rather, der wifheit glaft,
Starker helfer, hely Got,
5790 Ein und dry in einer wot,
[144 a] Immer me gelobet fi
Alle finer gaben vri!
Hic incipit feptimnm fi-
gillum fcilicet
De die iudicii.
Daz fibnde ingefigel bloz
Sait uns von dem tage groz
5795 In dem fich hebt ein ofen
Den guten und den bofen.
Daz gelobet alle fchrift,
Di nu ftet uf nwer ftift,
Geiftlich an alliz rofen
5800 Von Gote in geblofen,
Daz di czu fchanden werden
Di hi uf dirre erden
Czu wege brengen ane czil
Irrens unde wirrens vil,
5805 Als jene di jo wonten
Und fo doran bedonten
Daz fi ouch daz befchriben
Und dor an ftete bliben,
[144 b] So daz di werld ewic fie;
5810 Ouch fi claften al da bie
Daz di feien liden nicht
5782. wurcbte aus wrchte.
5790. wot für bot
5803. wege aus weg.
5804. w’rens.
5810. al aus alle. da am Rande nach-
getragen.
5811. Daz aus De*, liden aus Uten.
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91
Durch di keinerhande fchicht;
Ouch fi hatten den gedank
Daz ir bofheit groz und lank
5815 Hin ginge mit dem ryne
An allerleie pyne.
Set, do ken ein wifer fpricht:
‘Keine bofheit blibet nicht
Ungepinet endelich.’
.5820 Do bi wiffet ficherlich:
Di guttete ouch ir Ion
Enphet und irwirbet fchon.
Nicht me ich gefagen mag.
Grimmeclich kumt Gotes tag
5825 Yol czornes und unwerde.
Czwar nymand lebt uf erde
Er muze funder gecken
Des tages fer irfchrecken.
[i«n] Wer ift ouch fo vervlizzen
5830 Der den tac kunne wizzen?
Czwar nymand wen Got, der
jach:
‘Waz ho bobn der himel dach
Der vater mit tifem rat
Hat in finer majeftat
5835 Geordent und gefchicket,
Mit ewekeit verczwicket
Von cziet und von den ftnnden,
Daz bat nach nimand vunden
Und ouch nimand vinden mak.’
5840 Suft fag ich, der leite tak,
Wen gemeinlieh der fal wefn,
Lnczil hab ich des gelefn;
Idoch dife werld czurgat,
Als unfer geloube ftat.
5814. Daz aus D&T.
5815. ginge aus gingen, ryne aus rime.
5817. hinter ken ein durchstrichener
Punkt.
5830.
5832.
5834
5840.
5845 Wizzet, als di lerer jen.
Vor dem jungften tag gefchen
Etteliche czeichen groz
Gar an allen wider ftoz.
[1Mb] Der ich wil gefwigen nu,
5850 Idoch fo vil wizze du
Daz der lefte Gotes tac
Einem dieb fich glichen mac
Durch ungewiffe ftun den.
Daz ift in glofen vunden
5855 Und ouch in dem texte, fit
Do von der apoftil git:
* Gotes tac in fulcher acht
Als ein dieb kumt bi der nacht.’
Des fal man ken im wachen
5860 Und regen hi di bachen
Mit erbeit an underlaz
Und mit beten, wizze daz:
Unfe herre fprichet fo
In dem ewangelio.
5865 Der dieb, ab ich nicht vele,
Nicht kumt wen daz er ftele,
Ouch morden und verlifen
Wir an dem dibe kifen;
[U6a] Den ungewarnten ftilt der dieb
5870 Allez daz man nu hat lieb.
Do von git Jefus alfo
Abr in ewangelio:
‘Set, als bi Noe jaren
E vor der fintvlut waren
5875 Beid ezzer unde trenker,
Biflefer und ouch czenker
Recht bis zu dem tag bi nam
Daz Noe in di arke quam,
5853. vngewiffe aus vngewitze.
5856. I. Thessal. 5, 2.
5859. Des aus Daz. ken aus kem.
5868. wir aus w\
5873. Matth. 24, 37—39.
5877. Recht am Hände. tag aus tage,
nam aus bi namen.
kufie aus kvne.
Matth. 24, 36.
— 48 eum Teil auf Rasur. bi
ich am Rande nachgetrajen.
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92
Dennoch czwar di toren nicht
5880 Irkanten di keine fchicht,
Biz daz nu di fintvlut quam
Und fi alle hinnen nam.
Suft kumt ouch des menfchen
kint
Uf di noch fint alfo blint
5885 Und ouch hloz der felekeit
Daz fi lian kein ander cleit
An allein der funden liadr,
Hart verwimmert als ein vladr.’
[146 b] Ouch di blozen man irflet,
5890 Wen der ftriet al imune get,
Als von den bofen unverdait
Got czu Jeremiam fait :
‘Samne fi als eine hert
Czu erflahne in unwert!’
5895 ‘Di irflagn verlnft der tag’
In Job ich daz nemen mag,
‘Wo i£t der bloze menfch verhert
Und fo endelich verczert?’
‘En ich fuchte,’ git der pfalm,
5900 ‘Und um einen deinen halm
Vand ich uindert fine ftat.’
Suft verftubet, als ein blat
Von fcharfem norden winde,
Hochvart und ir gefinde.
5905 Ouch in der fchrift gar dicke
Der tag fich eime ftricke
Glichet, fich do von alfo
Abr in ewangelio:
[147a] ‘Merket und di feie nert,
5910 Uwer hercze nicht befwert
Mit trunkenheit, mit vraze
Czu vel in ubermaze,
Ab ir nicht wolt irworgen!
Ouch mit der werlde forgen
5915 Uch bekümmert nicht czu vil,
Daz uch icht ein bofe fpil
Snelle kume uf den nak,
Daz uch vugt der lefte tag!
Wol in dime kerczen wig
5920 Daz der tag kumt als ein ftrik!’
Uf alle di an wiczen
Hi in ertriche ficzen,
Sich dirre ftrik verczwicket
Und al di werld beftricket.
5925 Nymand im mak enphlien
Noch mac 6n nicht czuczien;
Den ftric fi mufen dulden
Di funder groz von fchulden
[147 5] An ende in der helle
5930 In jamers nngevelle.
Gotes kinder abir alfo
Sprechen und mit yreuden jo:
‘Der ftricli ift gar czuriben;
Des fi wir über bliben
5935 Und fin ficherlich irloft
Von der bittern helle roft.’
Ouch fuld ir daz beforgen
Daz ding di nu verborgen
Sint hi uf difer erden,
5940 Aldort gar offen werden.
Durch daz fich der lefte tag
5888.
Hart aus Har.
5889.
blozen aus bloz.
5893.
Jerem. 12, 3.
5897.
ift über Rasur. bloze atu bloz.
5899.
l’s. 37, 36. E m En aus anderm
Buchstaben.
5907.
hinter Glichet Komma.
5909.
Luc. 21, 34 — 35.
5911.
trunkenbeit aus trunkeit
5912. Tel ata vil.
5913. wolt am Hände nachgetragen.
5916. o in befe auf Rasur.
5918. wgt.
5931. abir am Rande für ausgestrichenes
nicht.
5932. Vor fprechen ist Di gestrichen.
vnd am Rande.
5933. l’s. 124, 7.
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93
Einem lichte glichen mag,
Als ich di fchrift bekiccze.
Ouch einem mittags bliccze
5945 Glichet lieh der leibe tac.
Daz di ferift beweren mac,
Wen aldort in Genefi
Ift befchriben daz. ja wi?
[ a] Ern Josephs brnder dachten
5950 Czu höre nnde brachten
Mit im mancherleie gab
Von der allerbeften hab
Di fi mochten gewinnen.
Bi dem fal man befinnen
5955 Di uz erwelten alle,
Di reine werk an galle
Oppheren den vil waren
Jofeph und Got, dem claren.
Do der eren prizbejac
5960 Ging hin yn um mitten tac
Mit finen brudem vrifche
Czu ewiclichem tifche,
Sich, in dem mittags blicczen
Gar funder allez nicczen
5965 Werden feil fin ougen dar
Alle ding gar offenbar;
An dem tage wirt fulch licht,
Als der wizfag uns vergicht,
[J48 6] Sich, daz ken des lichtes acht
5970 Kt diz leben als ein nacht.
Hi des andern fambitzkeit
Nymand weiz uf rainen eit,
Ouch czwar nymand is fo gries
Der do muge keine wies
5975 Des andern hercze wizzen.
Der wieffag git vervlizzen:
‘Menfchen hercze ift fo tief
Daz is weder fpriz noch brif
Ervorfchet noch durch gründet.
5980 Wer ift der iz irkundet
An Got eine, der weiz wol
Alle hercze?’ ab ich fol
Daz sprechen als ich vinde
Und in der fchrift enpliinde,
5985 So fal nymant vernichten
Den andern weder richten.
In dem benanten lichte dar
Di gerechten anevar
[149 a] Got in der himel owen
5990 Irkeunen und befchowen,
Abr di ungerechten fich
Werden betrüben bitterlich,
Wen fi Got dort ane fehn,
So beginnen fi ouch jen
5995 Von vorchte und vor grimme
Mit clegelicher ftimme:
‘We uns, wir han gefundetl’
So werden fi verfpundet,
Und verbunden wirt ir fchoz
5942. mag aus mac.
5969.
ken aus kein. des] daz.
5943. bekicke : blicke? Ebenso 59(13
5974.
hinter keine Hasur.
blicken : nicken (li.). Oder sind bekickzen,
5975.
h’cze auf Hasur.
njekzen Intensirbildungen zu kicken, nicken?
5946. ferift am Hände nachgetragen.
für iz.
5977.
Jerem. 17, 9 — 10. ift am Hände
5947. Genefij so!
5978.
fpriz?
5949. I Mos. 43, 15.
5955. erwelten aus irwelten.
staben.
5979.
E in Eruorfcbet ausaiuierm Buch-
5957. oppberen aus opphern.
5980.
iz aus is.
5963. blicczen aus bliccze.
5985.
Luc. 6, 37.
5964. In heiler brend’ hiccze ausgestrichen
5989.
owe aus owen.
und dafür am untern Hände vom Korrektor der
5992.
w'den aus w’dn.
neue Vers geschrieben.
5967. Apocal. 22, 55.
5997.
Van. 9, 5.
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94
6000 Dort mit ungewiter groz.
"Von verrens kumt Gotes wort
Mit czwein f werten, fich, der ort
Von grozern zorne brinnet.
Ir funder, daz belinnet!
6005 Wen iz fint vil berte mer
Und czu tragen alczu fwer,
Nach fwerer vil czu liden:
Wen vreiflich die fwert fniden
[H9 6] Gar fcharf czu beiden ecken.
6010 Nimand fich mac bedecken
Vur im czu keiner ftunde,
Wen fi gen uz des munde
Der ho liczet uf dem tron
Mit gewaldiclicher cron.
6015 Vur dem ungewitere
Ich vil fere eitere.
Wil manz nennen einen regen,
Als uns fait der pfalm irwegn:
‘Regn beginnet dicke
6020 Hi uf den funder ftricke.’
In Job fo gefchriben liet:
*Uf fi regnen wirt ftark ft riet.’
Efechiel der fchriebet
Daz er mit regne triebet
6025 Uf di funder gemeine
Unmozen groze fteine.
Der erfte regn verczwicket
Di funder und beftricket,
Daz fi nindert mugn geczin,
6030 Si och dem weter nicht enphlin;
[150 a] Der ander regn fich vlizet
Daz er fchentlich verwizet
Den fundern al ir funde;
Der dritte ift urkunde
6035 Daz fi funtlich irfterben
Und immerme vorterben
Und verwifchen als ein wint,
Wen fi genaden einic fint.
Oucli daz ungewiter me
6040 Oft man nennet einen fne.
Job: ‘wer hi vorcht den riefen,
Ein fne wirt 6n begrifen.’
Al di ungewiter czwar
Befluft Yfaias gar:
6045 ‘Uf vertumte corpir jait
Ein groz donir unverdait
Wen mit den bofunen fchrect
Und di toten uf irwect
Uz der tifen erden gruft
6050 Mit den donirflegen luft,
Di erde mit dem flotem,
Mit biben und mit fchottern,
[150 6] Winde mit den fturmen ftark
Und daz mer mit vlagen ark,
6055 Daz vner mit der fpicze
Un lidelicher hicze.’
Alle di ich han genant
Rechte mit gemeiner hant
Vreiflich di funder raren
6060 Und jemerlich czu vuren.
Idoch e der vlagen roft
Han di funder einen traft
Daz er kumt von verrens her.
Wol, daz wir nach unfer ger
6065 Bin des um vride denken
6005. Til aus wil.
6000. Gar am Rande.
6010. N in Nim&d auf Rasur.
6011. in?
6013. tron aus trone.
6014. cron an« crone.
6020. der aus den. Ps. 10, 7: plnet
6022. Hiob SO, 23.
6024. lltstk. 38, 22.
6037 — 88. wint : fint auf Rasur.
6041. Hiob 38, 22.
6045. frei nach Jes. 24 — 30.
6055. TTrer.
6056. vn lidelicher aus vud lidelicher.
super peccatores laqueos.
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95
Und uns czu Gote lenken!
Wen gToze not uns anet,
Do von Amos uns manet.
Er git: ‘lampet uch in ein
6070 ln einen gelouben rein
Und czu houfe kumt czu kant
In heizer fuzer libe braut,
E daz gebot czu bringe
Den tac der uch verdringe
[ui a] Und czu riebe als ein loub,
6076 Daz irltibet als ein ftoub
Vor der Türen winde vlag,
Der do bleft uz Tiner lag.’
"Wen Got czut czu gerichte,
6080 Vor Tinem angeTichte,
Al um ein vwer burnet,
Daz Tine vind irczurnet.
Der erden eTtrick glichet
Daz fuer und beTtrichet;
6085 Gar ouch daz fuer munder
Icliches werk beTuuder
VorTuchet uf daz leite;
Des Telben fures gleite
Irluchtit alle winkel,
6090 Wo weile oder tinkel
Liet under Tpru behalden
In hundert tuTent valden,
Daz wirt allis offenbar,
Daz ilt Tichirlichen war.
6095 Di guten und di boTen
Sich Tcheiden und czu loten
[J5J 6] Und muzen gemeinlich kumn
Czu Tchine, als ir hat vernumn.
Set, als ich han gelprochen,
6100 Daz fuer unverrochen
Berg und tal macht gliche,
SuTt git der lerer riche.
Nicht alleine Tilber, golt,
Dem di luete weTeu holt,
6105 Dor an ouch in wider Ttrit
Al ir hoffenunge lit;
Nicht allein die hufer ho,
Der Ti Tint von herczen vro,
Hit allen dingen di do Tint
6110 Gar lieb al der werlde kint;
Sünder ouch de» vullemunt,
Di gebirge, uf den grünt
Daz fuer gar verbrinnet.
Ein wifer man befinnet
6115 Daz der riehen eren haft,
Gotes wifheit und Tin craft,
[H2a] An alle wandelrue
Daz ertrich gar vernue
Und noch dem gerichte halt
6120 Im gibt ein vil Tchon geTtalt.
Uns durch Ylayas munt
Daz tut unTe herre kunt:
‘Sich, ich Tchepphe nue liiml
Und nue ertrich ane Tchiml,
6125 Di ich heize vor mir Iten,
Und Tuln nimmerme czu gen.’
Der erTten wirt vergezzen.
Di nue Ttat gemezzen
ln ApocalipTi hat
6070. einen aus einnen.
6071 — 6072 umgestellt und durch b
richtig gestellt.
6071. kamt aus kam.
608t.
6096.
6098.
beftrichet aus beftichet.
Sich aus Si.
ich im; aus fchin.
Vnomen.
vnuma aus
6073.
nachgetragen.
gebot auf Rasur.
ein am Rande
6108.
6111.
hinter y6 Rasur.
(1 wllemflt.
6074.
Den aus D’.
6123.
Jes. 66, 22.
6079.
Uven.
6125.
vor aus von.
6081.
slaben.
b in bsrnet aus
andern i Buch-
6129-
-6132 stehen auf Rasur.
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96
6130 Johannes mit wifem rat,
Mit reinekeit, mit «irde.
Er git nach wunFches girde:
‘Di ftat ubermezic riech
Wirt dem reinen glafe glich
6135 Und glich dem claren golde,
Als er Ti haben wolde
[152 b] Der fi uz geczirkelt hat
Inder hoen trinitat.’
Ey wi wirt iz denne gen,
6U0 Und wi wirt der funder Iten,
Wen er den rieht er bobn im fit,
Czornic werlich daz gefchit,
Und fit under im den flunt
Offen in der helle grünt,
6145 Und fit czu der rechten hant
Sine Funde wol bekant,
Dien lefterlich beclagu
Und von Fchuldiu en beFagn;
Czu der linken hant mit quäl
6150 Tuvel fit er ane czal,
Di en in di helle czin,
Und den mac er nicht enphlin;
Er fit oucli fin Famwic.zekeit,
Di geczugnis ken em treit,
6155 Daz er recht und redelich
Si vortumet endelich;
053 a] Ouch fit er ken im czuroen,
Di werld czu male burnen
Daz fuer ouch Fo munder
6160 Dort iclich werk beFunder
Verfocht, als man in der glut
Ouch verrucht welch golt Fi gut.
Und wer uf den vullemunt,
6131. crirde.
6135. Apocal. 21, 18 — 21.
6139. wi am Rande nachgetragen.
6154. ken aus kem.
6157. ken aus kein.
6159. Hinter mild' ist dort, der Anfang
der nächsten Zeile, getilgt. Duz fuer gehört dni
xotroC als Accus, su er fit, als Nom. ru verfnclit.
Daz iFt des gelouben grünt,
6165 Bwet holcz, heu, Ftnppel, Ftro
(Daz Fint ringe Funde jo),
Di muzen kummer dolen
(Daz is gar unverholen,)
Idoch von des fures joch,
6170 Abr Fi werden Felic doch.
Abr wer uf den grünt fo holt
Buwet Filber unde golt
(Daz fint werk der libe groz
Rechter 1er au wider Ftoz)
6175 Und edel tur gerteine
(Daz Fint di tugnt gemeine),
[153 6] Dem wirt dort geneme Ion.
Werlich vor ir dineft fchon
Man darf do nymand eiden,
6180 Criften, Juden, noch beiden,
Iclicher wirt da vunden
Und ouch wol uberwunden
Allein mit den werken fin.
Wen daz fuer wirt fo fyn
6185 Und alfo gar durch fichtec,
So vreiflich und fo gichtec
Von Gotes licht karvunkel
Daz vinfter noch fo tunkel
Ni kein ding uf erden wart,
6190 Nibn des Felben fures art
Iz gemeiulich offenbar
Al der werlde, daz ift war.
Abr di allir dinge Fint
Selic und gar felge kint
6195 Und gar heilic ficherlicb,
Den di libe volliclich
Dort alle Funde decket
6161. v'fucht all" aus v'fach al.
6163. I. Cor. 3, 12 — 15. wlleuiüt.
6169. 70 umgestellt.
6180. hinter Criften und irden PunH.
6191. Iz au* Ift.
6193. C.
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97
Und feliclich beftecket
Da binnen in dem herczen
G200 Oancz mit der bichte fmerczen
Und uzen mit der buze
Si bezzert ane muze,
So daz Got li vort nicht me
Sit czu keiner räche we,
6205 Nach li fit czu beclagen
Me von des tyvels lagen.
Dor umme ift daz fache
Daz innen fich bewache
Der funder und fich richte,
6210 So wirt er czwar mit nichte
Immerme gerichtet vort
Dort vor des gerichtes ort;
Und beclait er felbe fich
Mit der bichte inninclich,
6215 So wirt er nicht beclaget
Wen iz czu jungeft taget.
[mb] Bezzert er ouch, als er fol,
Gote und der kirchen wol
Und fpricht Gotes lob mit vle,
6220 Er wirt felic immerme.
Di leider daz verrumen
Und nicht uz herczen rumen
Sunde, bofheit, miffetat
Nach der clugen lerer rat,
6225 Di werden gar czu fchanden;
Wen daz beginnet anden
Got aln czu angefichte
In dem leften gerächte,
Wen er fprechen wirt alfo
6230 Von erft czu den felgen jo:
‘Kumet in mins vater rieh,
Ir gebenedieten glich,
Wen ir hat mich ni betrübt
Und hat volliclich geübt
6235 Werk der barmeherczekeit;
Ir hat mich vor vroft gecleit,
[155 a] Gefpifet und getrenket,
Ouch hat ir mir gefehenket
Und hat mich czu hus geladn;
6240 Nu kumt vrolich czu genaden
Mines vater und enphat
Vroude di nicht me czurgat!’
Aber czu der linken fchar
Wirt der richter fprechen czwar:
6245 ‘Get, vervluchten, ungehuer
In daz ewicliche vuer!
Ir wolt mich ni begruzen,
Noch keines kummers buzen,
Des get durch di gefchichte
6250 Von minem angefichte
Dort hin indes tnvels haft
Von der heilgen gefellefchaft,
Get ouch von der heimlichkeit
Allir engil wol gemeit,
6255 Get in immer wernder not
Von dem leben in den tot!’
[155 6] ni hat diz puchel ende.
Almechtig Got genende,
In einekeit gedriet,
0260 Gelobt, gebenediet
Si in hoer trinitat
Glich in einer majeftat!
Gelobt fi des vater macht!
Gelobt fi der uns irvacht
6265 Au dem crucz mit turem Ion!
6198.
beftecket am vTtecket.
6245. Matth. 25, 41—43. 46.
G220.
wirt am wir.
6249. gefchichte aus gefchichten.
6221.
C.
6253. Get aus Got.
6227.
tot und hinter aln Punkt.
6256. w'nde'.
6230.
den atu dem.
6258. almechtig au* almechtic.
6231.
Matth. 25, 34—36.
6259 — 6260 eersteUt und durch
6239.
hnf aus hnz.
richtig gestellt.
DcuUcbe Text* de« Mittelalter«. IX. 7
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98
Gelobt li des geiftes don,
Der fnellen wazzer duzet
Glich, wor er lieh irguzet!
Gelobt fi di unverczait
6270 Gotes muter ift betait
Inbernder fuzer fchowe!
Mait, allir himel vrowe,
Hilf daz der von himelberk
Alle finer Wunderwerk
6275 Der fechs tage alfo vort
Czu dem fibnde» tage dort
[löGa] Helfe von der vinde dru
Uns in ewicliche ru!
Sechs tag fint fechs ingefigl
6280 Dort hin czu dem fibnden rigl
Geordent und gemezzen.
Got, czu dem obent ezzen
Uns hilf uz difm eilende!
Hi hat diz buchel ende.
Explicit libellus feptem figillo
rum finitus anno domini IkfÖÖÖ
xxx] in vigilia afeenfionis ad
laudem dei et matris eius gloriofe
virginis Marie et ad honorem
fratrum de domo Theutunica et precipue
magiftri generalis eiufdem ordinis
videlicet domini principis de Brunf
wig per magiftrum Tylonem de Culmine
conpilatus.
6266. don aus ton. aus der Teufel Gewalt zum ewigen Frieden
6272. urowc aus wrowe. verhelfe !
6273. Hilf, dafs Gott die Wunderwerke 6270. fibnde.
der G Tage zum siebenden fort führe und uns
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Namenverzeichnis.
Abigail 1337.
Abraham, Abrain 1365. 1372.
1406.
Adam 188. 191. 255. 285. 298.
3485.
Agar 3457.
Ainos 5303. 6068.
Andreas, Apostel 1217.
AntoniuB, sente 2568.
Apocalipsis 6129.
Araby 1068.
Aron 1599. 1641.
Aman, der Presbyter Arius 892.
Augustinus 5715.
Bananias, inner rat, geheimer
Hai des Königs David 2463.
Harra baa 4340.
Bartholomeus, Apostel 1219.
Berne, Dieterich von 3474.
Brimswlc, der vurst« von 78.
David 779. 1333. 2380. 2420.
2404. 3143. 3510. 3513.
Dieterich von Berne 3474.
Ecclesiasticus 3918.
Egipten 4656; Kgipten laut
1071. 1363. 1527. 2372. 3168.
3322.
Egiptier 2319. 4780.
Eliseus ‘2201. 2211.
Elizabet, Elzebet, die heilige I
83. 121.
Emanuel 1283.
Esaa 3318.
Eva 197. 259. 263. 279. 574.
2304.
Exodus 1546. 1803.
Ezechiel 2512. 3169. 6023.
Gabriel 1284.
Galilea 4348.
Gedeon 1620. 1624.
Genesis 1300. 5947.
Golias 3145. 3149.
Heilant 1462.
Helias 4469.
Herodes 4347. 4353. 4383.
Holofernes 3962.
Jacob, Erzrater 1718. 1721.
Jacob, Jacobus, Apostel : niht
der kleine (= Zebeilaei) 1226 :
der minste (= Alphaei) 1231 .
Jeremias 3885. 5892.
Jericho 853. 1926. 2152.
Jerusalem 2151. 5492.
Jesus, Jliesus 2650. 2655. 2679.
2689. 2774. 2781. 2791. 2797.
2815. 2824. 2828. 2841. 2842.
2851. 2857. 2864. 2869. 2882.
2895. 3173. 3370. 3371. 3404.
3791. 3848. 3880. 3982 4140.
4251. 4288. 4317. 4335. 4339.
4386. 4442. 4460. 4532. 5223.
5871.
Jesus Crist 1384. 2806. 2850.
3438. (Crist Jesus) 3821. 4298.
4609. 5473.
Jesus Got 2855. 2880. 2939.
2943. 2973. 2976. 4468.
Job 3488. 3734. 5896. 6021.
6041.
Johannes, Apostel 1227. 4457.
5387. 6130.
Jonatan 4068.
Jordan 3035. 4404. 5175.
Joseph, der heilige 1928.
Joseph, Sohn Jacobs 3165. 3322.
5949. 5958.
Isaias 784. 1278. 1875. 2171.
2387. 4148. 6044. 6121.
Isboseth (Yboseth) 3959.
Ismahel 3317.
Israhel: die sune Israhel 4812;
di Israhelen 1857. 4658; Isra-
hele diet 1806. 4515.
Judas, Judas Ischariot 3746.
3765. 3797. 8817. 3820. 38112.
Juden 1821. 1826. 1887. 1906.
2696. 2771. 3798. 3879. 3888.
4334. 4338. 4342. 4589. 4597.
4600. 5180. 6180.
Judit 3960.
C'aiu 3315.
Kaiphas 4151.
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100
N ameuverzeichnis.
Cherubin 845.
Crist, Kriat, Cristns 99. 102.
104. 113. 1156. 1186. 1225.
1627. 1798. 2310. 2373. 2388.
2417. 2485. 2498. 2524. 2682.
2702. 2733. 2958. 3017. 3103.
3112. 3222. 3264. 3277. 3290.
3313. 3333. 3345. 3355. 3363.
3389. 3405. 3425. 3491. 3502.
3506. 3527. 3593. 3641. 3658.
3673. 3679. 3690. 3712. 3716.
3718. 3740. 3763. 3803. 38ia
3859. 3883. 3886. 3902. 3968.
4039. 4137. 4175. 4183. 4189.
4253. 4277. 4311. 4343. 4356.
4358. 4374. 4444. 4485. 4488.
4523. 4538. 4544. 4552. 4580.
4586. 4623. 4634. 4647. 4651.
4669. 4675. 4740. 4743. 4751.
4753. 4797. 4829. 4837. 4852.
4888. 4892. 4918. 4960. 4990.
5015. 5024. 5063. 5098. 5112.
5116. 5195. 5263. 5278. 5291.
5313. 5468. 5483. 5487. 5494.
5600. 5664. 5665; — Got Crist
96. 1817. 1825. 2508. 2652.
3032. 3117. 3128. 321G. 3392.
3481. 3553. 3926. 4574. 4715.
4802. 4893. 4984. 5025. 5084.
5122. 5189. 5596. 5610.
Lazarus 3703.
Leo, Paptt 2490.
Lncifer 130. 166. 217. 283. 748.
2294. 5003.
M&rdocheus 4878.
Maria, Jungfrau 37. 56. 868.
1192. 1323. 1555. 1587. 2123.
Matheus, Apostel 1229.
Mathias, Apostel 1222.
Messias 1915.
Mojses 1547. 1952. 2318. 2926.
Naaman 4398. 4409.
Nabal 1331. 1335.
Nabnchodonossor 1081.
Nichodemus 3221.
Jioe 5873. 5878.
Osea 2525.
Peter, Petrus, Apostel 1216.
3191. 4058. 4112. 4181. 4191.
4210. 4225. 4240.
Pharao 1861. 2320.
Philip, Apostel 1232
Pilatus 4313. 4333. 4345. 4383.
4441. 4592.
Prustenlaut 74.
| Sabaotli 116. 554. 1106. 5231.
Salomon 837. 1250. 1431* 1596.
1619. 8156. 5299. 5312.
Samson 3954.
Sara 1371. 1383.
Saul 3142. 4068.
Seraphin 845.
Simeon, der grise 177a 2978.
2987. 3024.
Simon, Apostel 1220.
Simon, ron Cgrene 4505.
Siremen = Sirenen 2431.
Syon 4728.
Tadeus, Apostel 1221.
Talrooth, Talmud 1922.
Thomas, Apostel 1228. 5011.
Zachen*, der Zöllner 2858.
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W ortverzeichnis.*)
alie I,i7. stm. 3665.
äbentezzen »In. 5226. 6282.
’abeaehache »Im. Abgrund 347.
afterrede swf. 4174.
agewis s. egewls.
aht stf. Art und Weise 5969.
ahtec adj. hochangesehen , hehr
3XL 676. 5717.
»hier »Im. der Geächtete 5144.
alben stn. 5725 = Gebirge? ( oder
= albe weißet Chorhemd ?
rein hö Aber ein vremilez
alben = rein, weit über die
weißeste Albe hinaus ? H.)
aleine cunj. obgleich ‘2K7 . 1021.
1386. 1600. 3239; aber 685.
allen Uament adv. 5328.
allez, alles adv. immerfort
3592. 5640.
almeistec adj. 3815.
alwsere (alber) adj. 3357. 4159.
4170. 4352.
alzebant adv. 293.
ament »In. (= ambaht) 3754.
amme swf. 2018.
ammen »Im. (=amman) Beamter
3350.
ampmet »In. (— ambaht) 5527.
ande adj. 235. 421.
anderweit adr. tum zweiten
male 4281. 4291.
anehanc stm. 18. 2144. 2244. I
3070.
anen um. ahnen 6067 ( oder
anen tron Präp. ane = an-
kommen, nahe kommen?).
anewalt slm. 2418. 4142; der
snnden a. = der Teufel 684.
anewenden swv. zu seinem
Nutzen verwenden? 3751.
anezemen swv. geziemen 2635.
5318.
anczilckcn swv. : sichanez. e gen.
Anspruch auf etwas machen
3755.
anna-me adj. 2969.
arke, arebe stswf. 1660. 2938;
gelubdis a. (= arca foederis
L Mos. 10, XI) 1660. 5463.
b4be stf. altes Weib 302.
backe, bache swm. Backe: die
bachen regen mit erbeit und
beten 5860; die backen ge-
zonmen und betwingen die
Backen, Kinnladen der Pferde
zäumet i und zwingen 736.
balsamsmac stm. 1747. 5088.
balsamvaz stn. 1241.
halt adj. furchtlos, kühn 1197.
ban slm. Bann 569. 948. 1774.
4639; snnder ban ohne Zwang
4352.
bar adr. offenbar 2055. 4284.
4800. 5339.
♦bedintlich adr. (= bediuteclich)
2638.
bedonen sujv. leben 4167. 5806
(Hiob).
befigurieren swv. 1545. 1593.
1629. 3005. 3111.
begangen pari. adj. betroffen,
in Verlegenheit 1473. 4336.
begeben stv. in Stich lassen
5483; die begebenen Kloster-
leute 3758.
behende adj. 4942. 4953.
behouwen sie. 5737.
hchullen swv. 1775.
*bekicczen swv. ( Intens . zu
bekicken oder Fehler des
Schreibers dafür?) 5943.
♦bekicken swv. 5943?
beklecken swv. 682. 3669. 4174.
beklemmen mm. 3.53.
bekor stf. Versuchung 4012.
bekormre (bekorcr) stm. 733.
bekornnge stf. 3980. 3992. 4008.
benam adr., r gl. binam.
beuant pari. adj. 234. 309 426.
503. 558. 1088. 1233. 2238.
2433. 2766. 5775. 5987.
*) Ein * vor dem Wort zeigt an, daß es bei Lewer fehlt. „(Hiob)u bezieht sich auf das
Wortrerzeiehnis in W. Müllers Vits, über die md. poet. Paraphrase des Buches Hiob 1882.
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102
Wortverzeichnis.
bemiomen sirr. nennen 1647.
4066.
berifen gwv. mit Keif überziehen,
bildl. betören, betrügen 8840.
berihten, sich, »irr. sich ver-
tragen 4367.
bcrlcn »irr. schmücken, zieren
4276.
bern »fr. mir. entstehen, kom-
men 142.
besagen stev. anklagen 6148.
besameneu »irr. 4278.
beschatzcn »irr. berauben 3450.
bearbeiten sie. verwerfen, für
schlecht erklären 5643.
bescherreu ste. vollscharren 406.
beschirm stm. Bemäntelung 300.
Schutz 4043.
beschrlben slr. aufzeichnen 4150.
4190.
beschützen sirr. 1668.
besengen sirr. 4968.
besinnen st r. erkennen 5954.
6004. 6114.
besnideu slr. 2733. 2744.
besnlden «in. 2681. 2690. 2604.
3107.
besorgen sirr. bedenken 4638.
5937.
bespinnen ste. umfassen, ein-
schliefsen 61 (Hiob).
bestecken »irr. 6198.
bestrichen stc. gleichmachen
6084.
bestricken »irr. umstricken,
fesseln 6028.
beswieren »irr. 5910.
beswern, Bich, ste. sich ver-
schwüren 3370.
Iietagen «irr. gebären, werden
lassen 1749. 1912. 6270.
be taget, betait pari, adj.: junc
b. 1587.
betreten stc. ( auf der Tat) be-
treten ‘200.
betnon sie. beicirkm 5293.
beüzen, bfizen ade. 1610. 2308.
5631 (Hiob).
bevallen sie. inir. 1474.
bevom adv. zuvor 481.
bewachen s irr. vernehmen, wissen
2133. 3737. 4638; sich b. 6208.
beweeren stev. 462. 4942. 5946.
bewellen sie. beflecken 2933.
bewerren sir. verwirren 405.
2933.
bezlhen ste. zeihen, beschuldigen
1929.
bezzern »irr.: einem b. spenden
6217.
bezzerunge stf. Bufse, J. Ösegeld ;
b. tnon Lösegeld geben 3493.
♦bibilde »in. 2042. 2500.
bildet »in. 5077.
binaro, benam, beuamen adv.
206. 1304. 1399. 2280. 2470.
2491. 2709. 5453. 5877.
biwort sin. Spruch 3155.
blanc adj. 5048.
blaue «In. Glanz-, sin lflter blnnc
5574.
blas sin. Fachei (oder bl äs stm. ?)
3087. 5592.
»blüete stf. Blüte 1609. 2777.
3414 (in diesen d Fällen kann
auch bluot stf. gemeint sein);
der krefte blote 3512.
hoben adv. 968. 1643. 1722.
3701. 5028. 5070. 5367. 5832.
bort stm. Hand, Ufer 5262.
horte »irm. Gürtel 4047.
brechen sir. inir. irren L 2227;
abfaUen : priester die niht
brechen gläubige l’riester2SM;
Irans, verführen 200. 5632;
sich br. sich worauf richten
1378.
brehen (brin) sir. 145, 1932.
311». 3234. .3568.
brehen »In. 2857. 3179. 3234.
4188. 5040.
*breme Sief. Hornstrauch 4089
(Fischer-Benzon altd. Garten-
llora 199: brema =- rntras
Brombeergesträuch; Schiller-
Liibben 1, 420 ; H. Sachs 22.
488, 28 (Müller, Hiob, setzt
br&me an).
brennen stev. 4184; mit dienstc
br. 848.
brirdekeit stf. 601.
bruch stm. 3306; Untreue 886.
brfls stm. 4137.
brttstel stn. 1273.
büezen »irr. 3694; m. Hat. d.
Vers. u. Gen. d. Sache den
Btlen aller swrere b. 2816;
schiebe» b. 1682.
bnoz stm. 3686.
burde stf.: des garten b. die
Arbeit im Garten 3434.
buruen sirr. 6158.
dam stm. Verdammnis?: dnmmcs
stric 3877.
danc stm. 5309.
degen stm. 4587.
deucliche adv. 3. 2990. 4331.
denen, sich, sirr. sich bceifem,
streben 5527.
diecb stn. 2200.
diezen slr. rauschen 5539 ; seinen
Ursprung nehmen 387. 4631.
diemrre (diner) stm. Ministrant
3869.
dingen stn. Hoffnung 5145.
dinsternisse rgl. tüsternisse.
Mwrnheit stf. Horngestrüpp 1415.
draben »irr. traben 3592.
draben rgl. droben,
dram stm. Drangsal 5530 (Hiob).
dreu s. dronwe.
drie stf. Dreiheit 287. 1246. 1556.
dries (drys) odr. 3252. 3260.
dringen slr. Ir. drängen 1623.
droben adv. (= dar oben) 5250.
dronwe stf. Drohung (dro) 2547.
2853; (dren) 453.
drfl stf. Fessel 654. 2221. 3459.
6277 (Hiob).
durch c. gen. durch der (werk)
2668; durch rehter znht 5738.
dnrchberlen »irr. ausschmucken.
erfüllen 4372.
durchgiezen slr. 5354.
durchgrilnden »irr. 4976. 5979.
durchlescn sir. 5120.
durchschriben sir. 5572.
dnrehsinken slr. 5652.
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I
dnrchsinnen »fr. 1836. 1837.
2058. 3061.
durchsiahen sic. 4506.
durchrliezen slr. 5353.
dhrkel adj-: d. 6reu 2714.
düsteruisse r gl. tftsternisse.
ebenkristen, ebenkrist stm. 4541.
5622. 5662.
•ecken sirr. schärfen 5088.
edelen »irr. 5127.
ege »vis ad r. schrecklich, furchtbar:
einem egewls ligen schreck-
lich auf ihm lasten 3930.
ehtic adj. s. ahtec.
eigen wille, eigen willen sirm.
(stets als zwei Worte ge-
schrieben) 2291. 2301. 2303.
2348. 2442. eigens willen 2336.
einic adj. frei ton: gen&den
einic 6038.
einunge stf. Einheit 5664.
eisen sirr. 2519.
eiten (eiden) »irr. brennen 6179.
elter stn. Alter 3028.
enbern stv. 230. 960.
endelich adj. eilig, vergänglich
4983.
endelich ade. schliefslich 986.
2358. 3382. 3836. 4939. 5819;
durchaus 5898.
engelllch (engelich) adj. 812.
engesten »irr. entkleiden 1044.
rnphinden stv. 5984.
ensam adv. zusammen 205.
entbrennen »irr. 108. 5613.
entläzen stv. 3036.
entreinen swv. 4350.
entseben stv. 611. 3280.
•entsenften »irr. besänftigen ( mit
verstärkendem ent-, vgl. ent-
laden) 3578. 3582.
entsliezen stn. 4695.
entstfn stv. auferstehen 3282.
4648. 4652; feststehen, stehen
bleiben 3631.
•entswingen sfr. 738.
entwerten str. entkommen 2565.
2574. 4437. 4844.
Wortverzeichnis.
103
er adr. (= her) 2342.
er stm. (— herre) 2987. 3165.
4068. 5949.
fr stn. Erz 4516.
erheizen «irr. 4082.
erge stf. 3746.
ergtn stv. gehend erreichen 5072.
frin adj. 2311.
erkomen sfr. erschrecken 3439.
3642.
erkrigen stv. 1370. 4146. 4216.
erkürnen »irr. 3030.
erllden »fr. mfr. 163.
crlonfen stv. taufend erreichen
5072.
errcizen »irr. aufreizen, zücken
4081.
erstin stv. 3285.
erstieben sfr. 6076.
ervteren swv. überfallen, er-
greifen 3932.
erwegen part. adj. 3539. 6018.
erwinden stv. intr.: e. an ge-
langen zu 3882.
erworgen swv. intr. 5913.
erzetie stf. 1671.2811.3546.5395.
esten stcr. (= asten eolere,
atzen Lerer L 102) 635.
f r gl. v
gebern »fr. intr. = geboren
werden 1074. 1141. 1617.2939
(lliob).
•geblft» sfn. 258.
•gecken sfn. Torheit 5827.
gedehtnisse stn. 4653.
gedanken «irr. danken 5121.
gedihte adv. dicht, rasch 1503.
gednnc stm. Bedünken 5509.
gehbrsam stf. 2279. 2373. 3327;
»fm. 2449. 2453.
•gehuof stm. Nutzen, Vorteil 188.
geisein »irr. 4996.
geisten swv. 24=
gelenke stn. Lenkung, Leitung
652.
gelf adj. 34=
gelinge stn. 1= 2275. 4750.
gelonbe swm. das Credo 2617.
geludme stn. 5543. 5551. 5579.
5886.
genende adj. 6258.
gerade adv. 2911.
geriete (gerete) sfn. Überlegung
2808. 5533.
gerecken »irr. ausdehnen 5087.
gereiten »irr. 2429. 3161. 5496.
gerillte adj. gerade 3676; adv.
253
gerihte stf. Riehtigmachung, ge-
rade Richtung 690.
gerinne »fn. Gellüster, Ge-
schwätz ‘258. 4233.
geriuwen »irr. intr. Reue emp-
finden 4482.
geschelle stn. 5583.
geschide, gesell bl part. (von
schiden »irr.) getrennt, einzeln
1154. 1234. 3011. 4767; ab-
gezweigt HL
gcschöz sfn. Abgabe 3607.
gesezzen part. adj ■ 5225.
gesit part. adj. (—■ gesitet) 5703.
geslifen sfr. 5089.
. gespaust stf. 3122.
gesprinc stmn. 146.
gesteltuisse stfn. Gestatt 3042.
gesunt »tm. 22.
I gcsuoch stm. Gewinn 3884.
| getwahen (getwain) »fr. 3196.
gcvach, gevache adr. oft 140.
I 1230. 1722. 1809. 2742. 3261.
4637 (Hiob).
geväcb adj. (— gevfeh) feind-
lich 748.
gevsre adj. feindselig 3356.
gevazzen stri\: nit g. 3768.
gevegen »irr. 449.
♦gewaltigere stm. 3793.
gewarsamlich adv. 3835.
1 gewenken »irr. c. dnt. 433.
gewillte stuf. 689.
gezinc sfm. Zeugnis 2761. 3307.
geringen swv. 5037.
geziugnis stfn. 6154.
•gezonmen »irr. 737 (Hiob).
giel stm. Schlund, Gefräfsigkeit
4164.
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104
Wortverzeichnis.
gihtic adj. 6186.
gil slm. Übermut? 4242.
♦giramengolt sfn. 1426.
*girer stm. 3774.
ginden swv. prahlen, großtun
2414.
gimlen stn. 5213 (Hiob).
giz stm. (— git) 5768.
•gizlic adj. 532.
glanz adj. 35. 1753. 4225.
gleste stf. 6088.
glitze stf. Speer 4224 (Hiob).
glösieren «irr. 3872.
•gnar = nar? stf. 4209 ( oder
stm. = Nahrungsgenosse,
commensulis , wie gemazze ?
auch an lat. gnarus könnte
m«n denken. 11.)
•gotsun stm. 959.
gouch stm. 949. 1058. 1862. 3332.
gonkelspil (konkilspil) stn. 2876.
4466.
goukelvnore (konkelvnr) stf. 930.
gräl stm. 1644. 1653. 3994. 4294.
5338.
grät stm. Stufe 2086. 5502.
grät stm. Spitze, Schärfe 4666.
5504. 5663. 5750.
•grietec adj. 5440.
gris adj. grau, weise 1365. 4270.
5973.
griia stf. 4120.
gnft stf. Freude, Herrlichkeit
1130.
gumpelm&n stm. 4501. 4602.
guome swstm. Kehle 1324. 2126.
guottsetc stf. 5821.
habe stf. Anhalt, Stutze: der
zwivelsere h. 3832; Besitz,
Eigentum 3782. 3786. 3806.
5174. 5684. 5952.
hac stmn. 51; veruumphten hac
(= vernumpht) 5687.
bader stsicm. Lumpen 5887.
haft stm. Band, Halter: der
fren haft 1025. 1083. 4753.
4829. 5065.
bähen stv. 4340.
halt ade. 1301. 1476. 3345.5243.
hantgetät stf. 401.
hantieren sice. 478.
hecken sic», fortpflanzen 2429.
•heiltröst stm. 1088. 2778. 3664.
heiniiiciiEere stm. adulator 3849.
hei adj. schtcaeh 2758.
hellepliorte swf. 2329.
bemeren surv. 4319.
•hemerer stm. 4314. 4351.
•hengel stm. Henkel, Angel
4041. -4837. 5217.
hengen sirr. : ze Gote hengen
zu Gott eilen (eigentlich: dem
Ilosse die Zugel hängen lassen)
3133.
hfrrcn sic». 4033. 4075.
herte stf Kampf 4025.
hertelieh adv. 3955.
herzeliep stn. 4228.
♦hiinelberc stm. 2668. 3304.3667.
5070. 6273 (Hiob).
•himelberndc part. adj. 2723.
3414. 5559.
♦bimelbeseni stm. 5406.
himeldach stn. 3696.
•himelgräl stm. 1282 (Hiob).
himelkleit stn. 3iL
himelphorte swf 5254. 5261.
•bimelunde stswf. himmlische
(Gnaden-) Flut 296. 2472
(vgl. von himel bernden linden
2724).
•himelvrinnt stm. 3570.
•hindnäch adv. 2803.
hinne sicm. Biese 5301.
hiuze (hncze) adj. arg 4848.
hiuzen (hnczen) swv. schlagen,
schelten (Frischbier Pr. Wb.
L 308) 4502.
•höchgewin stm. 579. 1920. 1966.
2382. 2708 (Hiob).
honecvaz stn. 1418.
hönliche ade. 936. 3619.
horden sic», sich sammeln, ge-
deihen 4438.
horn stn. Sgmbolder Stärke: von
den h. bringen einen seiner
Macht berauben, ihn in seine
Gewalt bringen 3369 (Hiob).
hört stm.: schätze« hört 5126;
kunaten h. 5629. 5639; plur.
5290.
honwen st», sculpere 586.
iemerleben stn. ewiges Leben
8047.
tu legen sie». : den namen in-
legen, beilegen 2653. 2773.
in ligen stv. einliegen (imWochen-
bett) 2914.
inner adj. vertraut 2466. 5771.
invinr stn. starkes Feuer 5593.
itellich adj. 4079. 4100.
jfir stn. : der genaden j. (Jcs.61,2,
Luc. 4j lffj. 1659. 2940.
jerarchie swf. 777.
jeten stv. 908. 3560.
kaue sinn. 12.
kerben swv. 215.
kip, kif stm. Eifer, Trotz, Wider-
setzlichkeit 888. 5730.
kist stf. Gefäß 2082; Inbegriff,
dient zur Umschreibung des
einfachen Begriffs: Maria,
reiner tngende k. 1244; aller
süeze siiezes k. 2849; ver-
liunften k. 5086; der kirchen
k. 5467; des heiligen geistes
k.? 2620.
kinchel stn. Junges des Adlers
3567.
klaffen swv. schwätzen 5810.
klimmen st c. li 981.
klobe sicm. 4436. 5484.
klöse stswf. 854. 1751.
klöz stm. Gewichtstück: der plne
klöz das Gewicht der Strafe
691.
•kluternis, dasselbe wie klute-
rie ? stf. Gaukelei, Täuschung
2884 5570. (oder hängt es mit
klftter Schmutz zusammen ?
vgl. laaters klftter Heinr. u.
Kun. 1428).
knehtlich adj. 771.
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Wortverzeichnis.
105
knote «cm. 4828.
kol sicm . Kohle 1740; m über-
tragener Bedeutung 943.
kol Um. 4098. 5526.
kosen «er. 3190. 3855.
kosen sin. 5162.
kreftlich adv. 4715.
kreisch stm. Angitruf 3444
(Hiob).
kreiz stm. Kampfplatz3ö&t. 3653.
kresem stm. 3254. 5405?
kreter stm. procurator, jurista.
Ratsherr 3297. 4141. 4145.
krie stf. 34. 894. 2881.
kriech adj. griechisch 4671.
kristellin adj. 4857.
kristenmensche sich. 5197.
krnden, sich, stcr. (= krüten)
sich abgeben mit 1888.
krumjih adj. (— krnrnp) 4085.
knmp&n stm. 3614. 4194. 4543.
kfindec adj. listig 3350.
kilndeebeit stf. 3271.
k&ndeclich adj. 5308.
knnst : gen. dat. plur. knnsten 2SL
4L 2IL 1121. 562a 5629. 5639.
knnterff stn. Verunreinigung,
Trug 870.
kunterpheit stf. 1481.
kusch stm. (= kus) 1270.
'koscher stm. (= küsser) 1269.
lade stef. 5673.
läge stf Hinterhalt 6078. 6206.
lasche sw in. 530.
lasterbaere adj. 4313.
’lastergief stm. der lasterhafte
Tor 181.
lastennäl stn. 2751. 2766. 4511.
laz stm. Trägheit 2953.
14 stm. (Ü.
leinen sht. 528. 1721. 3016.
leiten sirr. : als eine linde L 1726.
leitvertrlp stm. 5356.
lengen sicv. zögern 3134; ent-
fernen 4967.
*14r stn. (r gl. DWB 0 , 552)
ModeU, Hichtmafs 5298.
letzen «er. cerletzen 750. 5757.
letzte ade. zuletzt 310.
lit (lid, lied, 1yd, gelid) stn. 1141.
1145. 1153. 1233. 5206.
•liehtkarvunkel stm. 6187.
linc (ling) adj. falsch 945. 1917.
3562.
lekenen rgl. lougenen.
losen stn. 5161.
louf stm. Lauf des Schicksals,
Bestimmung 100, 898. 2400.
3177. 3470. 4111.
longeneu (loukenen , lokenen)
stcr. 3861. 4186.
löden sirr. rauben 4095.
*lno stf. Kot 3460. 4675 (Hiob).
luoder stn.: än Inoder ohne
Hinterhalt 4072. 5123.
luot stf. Last, Menge 2822.
2872. 3283. 4194.
lfitbieren sirr. 3886.
man stm., von Gott gesagt 1720.
mat stm. Matt im Schachspiel
1684. 4993.
m&z stn. 3336.
meien sirr. fröhlich sein 5638.
•meuscheiiBtan stm. 5060.
menschenwise stf. 2581.
*merzeu stn. handeln, schachern
88. 5620.
'minuenwort stn. 1310.
•mitehclen str. in Gemeinschaft
mit aiulerii hehlen 3667. 3671.
‘mittacschin stm. 4904.
mittel stn. 18, 9L
I ’mittelhrief stm. 2444.
'mittelman stm. 5059.
mot stn. 363. 378. 978. 5327
(Hiob).
•mllenis stf. 3535.
mugent stf. 2326. 2448. 4833.
milndel stn. 1760.
munder ade. 971. 1627. 1706.
2215. 2828. 3089. 5648. 6159.
miir adj. (= miirwe) 1681.
müs stf. 4235.
nebu rgl. niuwan.
neizen «rr. bedrängen 3827.
nibn rgl. niuwan.
nicken «rr. connirere 5964?
nickzen swv. (Intensiv zu nicken?
oder fehlerhaft statt nicken ?)
5964.
niener (nindert) adr. 3686.
niesen stc. stemutare (vgl.
2. Kön. i 35) 2222.
niezen str. 2792.
niezen stn. Genufs 5230. 5235.
5243.
niuwan adr. u. conj. : niwn 2839;
niwen 341; nibn 3047. 5720.
6190; niben 2341; nebn 3015.
nordenwint stm. 5903.
nötecheit stf. 3443.
nnmft stf. 554a 5751.
nnomen sicr. nominare 1716.
2549. 5695 (Hiob).
nilr adr. (= newrere) 2414.
3065. 3088. 3463. 3570; nwer
1147.
nüwens adv. : 4765. von nuwens
4253. 4948.
orden stm. 2231. 2400; Reihen-
folge 4805. 4807 ; umschreibend
der marter o. 1G65. 5490.
oesen stn. Befreiung, Lösung
5795.
*6sterkern stm. 4761.
österlam stn. 4697. 4700. 4777.
österlemmel stn. 4669. 4751.
östertac stm. (— - Christus ) 4873
(auch österliche tac 4866.
4887).
ougenbrehen stn. 1985.
palme stf. 3954. 5148.
parisephelin stn. 1469.
pascha stn. 4663. 4671.
pfnist stm. (= pftrast) 1172.
5505.
phaht (phat) stf. Recht, Gesetz
4L 2071. 2349. 2612. 3361.
3588. 4073. 4826 (Hiob).
pbase stn. (= paseba) 4672.
phife stf. 48ia
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100
W ortTerzeichnis.
plilage vgl. vlage.
piuec adj. 3852.
planken stcv. (= plangen, »kW.
plengcn) 2759.
prisbejac stm. 2702. 3541. 5959.
prisen swe. (= brtsen) schnüren
1001. 4875. 4948.
prisen (brisen) sw. loben 1943.
2127.
prisen sin. 3563.
prophecie sicf. 1357. 2999.
prophetieren stm. 4598.
puf stm. 2174. 5000.
•quant stm. tcas nur rum
Scheine etwas ist, Betrug (rgl.
Nieder d. Korrespbl. 5j 23)
4057. 4689 {lI,ob).
quel stf. 4811.
queln str. sich quälen 4979.
5705.
*qnclnis stn. 3441. 3494.
rämen sie v. 1704. 1948.
rasen swe. 1127. 5799.
rätlierre swm. 3298. 5788.
rccben stv. raffen, scharren, cu-
sammenkraUen 529.
reine stf. 3569.
riehman stm. 5225.
riden stv. 164.
rihteftec stm. 1054. 3136. 3378.
*rin stm. ( mhd . *rim) Reif 5154.
5815.
rincliche adv. auf leichte Weise
5285.
rise (rese) swm. Riese, Held im
Streit (Gott) 2396. 4704.
rist* 2620.
•rivieren sw. 804.
riz (ris, rys) stm. Rifs, Bild
(dient zur Umschreibung) 2582.
3264. 5220.
rösenkranz stm. 1292.
röst stm. Glut: der sunden röst
3189 (rgl. der snnden glut
3237); der vligen röst (= der
belle röst) 6061.
rouchvaz stn. 2972. 2976. 3003.
mnst stfm. 360.
rnoch stm. Sorge, Sorgfalt
3883.
raoche stf. 3976.
sac stm. 2064. 3602. 3774. 4874.
4879. 4888.
sacbe stef. 264. 717. 1485. 1519.
2134. 2137. 2631. 2707. 3118.
3262. 3791. 6207.
sacbe swm. 4682.
Sachen swe. schaffen 2073.
SEPmcu stcv. sämen, Samen
streuen 4090.
samewizzecheit (sambitzkeit) stf.
eonscientia 5972. 6153.
säze (soz, soze) stf. Rast, Ruhe
4053; Verhältnis, 31a fs 3335.
schach stn. der vernichtende
Schacheug 1682.
schach stm. Raub 5033.
schatenhnot stm. 1730.
schcpfenunge stf. 1141.
schilie stf. 416. 435. 500. 4921.
5416. 5451.
schiht stf. 426. 468. 3092. 4546.
5608. 5702.
schihten stcv. abteilen, trennen
1938.
schim stm. Schatten, Täuschung
1006. 1183. 1558. 1654. 2909.
4808. 5014 ; Hiob).
schimel stm. 1094. 5105. 6124.
achln stm.: ze schinc kamen
offenbar werden 6098.
Schindern sm\ 2878.
schirre stn. Geschirr, Gefäfs
2088.
schottern swe. 6052.
schranz stm.: sunder schranz
ohne Kin sch rtiiikuitg'llA. 2684.
| 4226. 5418.
•schremmen swe. drucken, stofsen
3äi
schrenken sw. verschränken,
flechten 64.
schunden stn.Anreieung,Lockung
4912.
schürzen sicr. eichen, schlingen
242.
seckcn sw. 3670.
•sölenschriu stm. 4682.
setec adj. (== sitec) 376.
sicherlich adj. 3177.
sigebsere adj. 1625.
sil stm. Geschirr 1 32. 3132.
simonier stm. 3801.
simz stm. 1426. 5311.
sinder stm. 330. 1795- 3204.
site swm. : näch dem frsten siten
wie das erste Mal 4869.
*sl&fernis stn. somnolentia 3929.
slahtmre stm. Schlächter 2341.
slange swm. 2327. stf. 2335.
2345.
sliugen stv. intr. 607. 768. 1258.
1306. 5633.
slotern stn. 6051.
slonfe stf. 770. 3082.
♦smolz adj. lieblich, angenehm?
3410 (Hiob).
snaben swv. 3278. 5732 (Hiob).
smedekeit stf 602-
snuor stf. 335. 644. 929. 1195.
3053. 5055.
spanne swf. 5188.
spei stn. 4770.
speldel stn. 5565.
spitzen sw. bereit halten 4162.
sprsejen (spren) sw. sjmt.-en
5078.
spripjen stn. 3180.
spranz stm. Rifs 1004.
Sprengel 8tm.(Weihicasser-)\Vedd
186. 761. 1808 (Hiob).
spriz ? 5978.
stec stm. der schmale Pfad ( des
Gereehten) 4530 (rgl. ribtestec
berndes heiles 3136).
stengel stm. 2108.
stic stm. Stich (ndd. stek),
Befestigungsart eines Tau-
endes, Art der Verknotung.
Knoten 3058.
stift stf.: diu ninwe Stift das
neue Testament 5100. 5462.
. 5798.
’stranz stm. lbraMerei, Hochmut
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Wortverzeichnis.
107
802. 1065 ( rgl. «tranzen, ge-
strenze).
streben stn. : ringer Inioze strebn
umschreibend für ringe bnoze
3842.
studieren skt. 5680.
stuot stf. Gestüt: der snnden
stuot 4744.
•stuppel stf 6165.
•suden swv. (= sndelen) be-
schmutzen 1822.
sulgen skt. beschmutzen 608.
silnel stm. 5739.
snnnenglas st». 4460.
snnncnglast stm. 2906.
snnnenschin stm. 4681. 4966.
'snnnenspil stn. 2945 (rgl. der
sannen epil 1765).
sfir adj. m 4689. 5138.
sftsen skt. 4480.
swalc stm. 343 (Hiob).
* swandelieren skt. ( tcohl
Mischung aus swenzelieren
und wandeliereu?) 803 (Hiob).
tagen skt. 5362. 5690. 5759.
tarn stm. 364 4774.
•tavelvaz stn. Schrcibtafd 5082
temeren swv. 4320.
termen swv. 395.
tinkcl stm. (= dinkel) 6090.
tolken skt. dolmetschen, erklären
1812. 4784 (Hiob).
•torwertelinne stf. 4201.
tonge adj. (= tongen) 19a 1134.
1258. 1516. 1797. 1973. 1996.
3231. 4231. 5138.
tonge stf. 1590 (Hiob).
tricbeit stf. 3934. 3949. 5764.
tresom sfr». Schatz 5405 (oder
cresem irie 3254?).
tritt stf. Art 4635.
*trö«theilbemde pari. adj. 5405.
’trizen sicr. tritzen, eig. auf-
winden, quälen (Frischbier
Pr. »71. 2, 412.) 3439.
triiebenis stn. 317. 3929.
truht stf. Frucht, Nachkommen-
schaft 2718.
*t Kitzart adj. 2654.
tiife stf. (— tiefe) 714.
tflsternis stf. Finsternis 408.
4860.
tiltel (tittel) sin. 1550.
twalm stm. 193. 3953.
Ubergdn stv. überfliefsen, be-
decken 3632.
überhört stm. köstlichster Schatz
1404.
überkrefteclich adv. 3717.
ttberlüt (oberluet) adj. ver-
nehmlich, öffentlich 207. 1779.
3143. 3604. 5158.
überslahen stv. überwältigen
4885; in Kürze sagen 1876.
4579.
♦iiberslunt stm. 1734.
tiberstigen stv. 828.
Uberstreben skt. 3385.
überstriten stv. 4715.
ilbersüezen skt. 5403.
Uberswal stm. 352.
tibertiir stn. 4659.
ttbcrvluz stm. : ü. der nnde grözer
barmherzekeit 710.
überwnnt stm. 1272. 2814.
ilberzingen swv. mit Zeugen
überführen 4593.
•ftfentaliczen stn. 2645.
nferstant stm. 4920.
tiferstiii st». 4901.
nferstende stn. 113. 1180. 4641.
4840. 4851. 4899. 4909. 4941.
5009. 5343. 5988 (Hiob).
ftfgeseilen skt. 2826.
nfaeilen swv. aufbürden 2600
(Hiob).
nfwinden st». 4289.
umbegän stv. 4580.
umbehanc stm. 831. 1427. 5259.
5263.
nmbesniden stv. 2665. 2772. 4874.
nmbesniden stn. 2651.
umbeswingen stv. refl. 1428.
umhewant pari. adj. (— nn-
bewant) unverwaiult 5152.
nnbedäht part. adj. 3485.
‘nnbegrichlich adj. (aus tinbe-
griftiieh) 1451.
unbeqntrme adj. 451.
unbeworren part. adj. unrerwirrt,
unvenccchsclt 2629.
unde stswf. : der genaden u. 366.
4430. 4569. 5428; himeibernde
nnden 5559. (rgl. himelnnde).
nnderknnft stf. Vermittelung
3244 (Hiob).
underscheit stm.; än anderscheit
ununterbrochen 3134.
nnderschriben stv. 1 50. 2630.
understant stm. 3066.
nnderstrbn stf. 454.
uudervalie stn. (= intervallum)
Unterschied 3220.
unerwert part. adj. unrerwelirt
4986. 5720.
nugebnnden part. adj. 2292.
ungehege adj. unangenehm 2168.
ungehege stf. Widrigkeit 2220.
ungehirm stm. 310. 4044 (Hiob).
ungelenget pari. adj. 1877.
ungeuende adj. unfügsam 3879.
ungerade stn. 3549.
ungeriuwet (nngcrut) pari. adj.
ohne Heue 3323. 4215. 4978.
♦ungetwede adj. störrisch, un-
verständig? 1496. (Hiob).
ungevellc stn. Unglück 4230.
5584. 5930.
nnkllndec adj. unbekannt 5085.
unmehtekeit stf 3503.
nntiure adj. geringwertig, über-
flüssig 4233.
untirtlieh adj. unsterblich 4716.
nnverbolgen part. ailj. ohne
Hafs 4539 (Hiob).
uuverdait part. adj. öffentlich
784. 1108. 1278. 1359. 1561.
1884. 2379. 2973. 2992. 3265.
3775. 3854. 3981. 4399. 5891.
6046 (Hiob).
unverladen pari. adj. unbehelligt
2001.
♦nnverrfret part. atlj. 1293.
*unverritzet part. adj. unverletzt
5313.
’unverrochen part. aflj. 6100.
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108
Wortverzeichnis.
unwerde stf. Schmach 5825.
5894.
unwitzic adj. 501.
unzimelich adv. 5181.
uover (über) sfn. 4755. 4794.
’urlt'ihtnisse sin. 1824.
vAhen sfr. begreifen, verstehen
2373. 3118.
väl, viele stf. Fehl 1188. 1643,
vnlben sfn. 1573.
valden sfr. : sich v. sich beugen
756; rate v. 3302.
vielen strr. irren 5865.
valle stf. Täuschung 842; Falle
3898.
vär stf. Nachstellung, Falschheit,
Gefahr 3977. 4044. 5988.
vAren sicr. nachstellen 3325.
3330. 3332. 4120.
vaste stf. 1701.
vederspil sfn. 3690. 4004.
velbe stf. fahles Aussehen,
Krankheit, Fehler 1420. 5432.
5624 (Hiob).
velbe stf. Geflecht, Netz? 4008.
venster sfn.; der vemumften v.
5075. 5078.
vor (vere) stf. Fähre 1298.
ver = vronwe 1989 u. ö.
verbacken sfr. mfr. kleben 3697.
verbichen sinn 3700.
verbinden sfr. bezaubern (durch
Nestelknüpfen ; vgl. Ndd.
Korrespbl. 26, 78) 632. 5999.
verbläsen sfr. 1128.
verbrechen sfr. fr. aufgeben 615.
verdempfen sier. 4092.
verdringen sfr. 3317. 4157. 6074.
verellenden sicr. 3319.
verhalten sfr. 3302.
verharschen sicr. 3698. 3700.
3715. 5711.
verhern sicr. besiegen, berauben
5897; vertierten not die Not
der Armen ( oder - - verherteten
n5t?) 4114.
verholen part. adj. 1709.
verkören stet1. (— vertieren) ver-
kehren , abteendig machen
3326.
verlazzen sfr. (= verläsen) zu-
lasscn 2749.
verleiter sfm. 3860.
♦verlcmden strr. 3889 (Hiob).
Verliesen sfr. töten 5867; mir.
sich verlieren, aufhören 388.
verloufen sfr. 3966.
venmeren strr. 1250.
venmnft stef. 52. 947. 2031.
! 5075. 5079. 5081. 5086. 5095.
5234. 5346. 5365. 5500. 5687.
5767.
verlesen sicr. 210. 1208 (Hiob).
verrenken strr. 236. 934. 3046.
3259.
verrens adv. 751. 6001. 6063.
verrisen sfr. vergehen 4876.
verschaffen sfr. 683.
verschellen sicr. 728.
verselwen strr. 674.
verspunden sirr. 5998.
verstellen sicr. entstellen 2141.
5143.
versterben sirr. durch den Tod
berauben f 3522 (Hiob).
verstieben sfr. mfr. zerstieben
5902.
versütner sfm. der Gleichgültige
3936.
verswitzen sirr. 4772.
vertonben sicr. 3763.
vertriegen sfr. 1874.
vertüemen sirr. 499.
vervehten sfr. 1852.
vervliczcn sfc. fr. dahinströmen
lassen 1882.
vervlizzen part. adj. 5809. 5976.
•vervlougen sirr. verscheuchen
5762.
vervlühtic adj. 1679.
verwär adv. (= vlir wär) 83.
verwäzen sfr. 3786. 3888.
verwimmern sirr. rcncadvsen
5888.
verwinden sfr. überwinden 2331.
3435. 3557. 3956.
verwischen sirr. intr. vergehen
6037.
verwlzen sfr. 6032.
verseilen sirr. verdammen 2747.
6144.
verzerren strr. 5898.
verzihen sfr. 5205.
verzwicken strr. befestigen,
fesseln 5836. 5923. 6027.
vet adj. 4098.
figtire stswf. Gleichnis 1356.
villen strr. 4996.
vimel stm. Schwanken ? 4858
(cgi. vimmeln suchend herum-
tasten Lübben, Mudd, li’b.)
vippernAter stf. 1301.
vir = vronwe 2576.
•viurgolt sfn. 121.
viurisen sin. 875.
vlader sfn. Eibe 5888.
vlAge, vlAg (= vlAge imif plage)
stf. 3858. 4424. 4655. 4725.
4908. 6054. 6061; vlAg sfm.?
4424. 6077.
vlatn sfm. 124. 1174. 1548. 2017.
2792. 2842. 3179. 477a 5114.
5454. 5529. 5580.
vlins sfm. 3608.
vlizen sfr. sich beflei feigen 5067.
vlnc sfm. Fittich 2880. 3250.
4850; mit den vlugen = flugs?
3250.
volvtleren strr. beweisen 5020.
vor = vronwe 819.
forme stf. 1197.
•formenkleit sfn. 3067.
vornemellche adv. 2612.
vorziehen sfr. 1980. 2542.
vräz (vroz, vrohz) sfm. 4167.
5768. 5911.
vriAt (vryet, vriget) stf. 2035.
2722.
vriedel sfm. 783. 1265. 199a
2000.
vriedelinne stf. 1263.
vrischen sicr. erneum 925.
vrist stf. Fettung 862. 1675.
2957.
•vrinntlel sfn. (= vriedel) 1255.
1759.
vilegen sie r. intr. sich fügen 5918.
vulle stf. Erfüllung 2606.
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Wortverzeichnis.
109
vnnt »tm. 8500; der wisheit vunt
1939. 1994. 2511.
wallen »irr. wandern: rehte w.
auf dem rechten Wege sein,
nicht irren 4804.
walten stv. tan 1700.
wan adv. conj. bi» (— wante)
4957.
wan, wen conj. denn (= wände)
721. 4900 m. ö.
wan (= man) 5481.
win «tm. 319. 521. 570; sundcr
w. gewislich 1152. 2409. 3575.
4397. 4401. 4553.
wanc stm. 1459.
•wandelrinwe (wandelrne) stf.
wankelmütiges Mitleid 0117.
wandern strr.: rebte w. auf dem
richtige): Wege sein 1213.
4332 (r gl. ab ich rehte wege
gt 1140).
warp sin. 1193.
war (= etewaz) 3769. 5066.
5091.
•weben »<«. 2732- 5326.
wegen stv. schützen, beachten
2737. 5919.
weise stm. (= weiae) 6090.
wer stf. Waffe, Schutz 4738.
wem »irr. verbürgen 3468.
wesen stn. 876. 965. 2287. 5038.
wt (= etewi oder stf. = wf /)
4490.
wtbesnam »irm. Weih 3760.
wicken »irr. mit Charpie aus-
stopfen 2176.
wide (wied) stf.: bl der wide
( beteuernd) wahrhaftig 1146.
•widerdram stm. Gegenwehr 13H.
widerglast stm. 5399.
•widerhart stm. Widerstand 134.
2007. 2557 (Hiob).
widerktre stf. 484. 5042.
Widerklagen stn. 2363.
widemis stn. 3543 (Hiob).
•widerschäch stm. 192 (Hiob).
•widerschrf stm. 2436.
widerslac stm. 1296.
widerstöz stm. Trotz 671. 5848.
6174.
widertuon onr. 5338.
widervart stf. 5049.
widerwinden »tu. 5046.
widerzs'me adj. 2458-
wiltnis stn. 4026.
wirre stf. Verwirrung 2120.
wist stf. Leben, Wdt, Mensch-
heit 924.
•wolkensül stf. 1800. 1804.
wollust stm.: w. üz der stat der
Inst 1389 (vgl. locus rolup-
tatis I. Mos. ä, 10).
wonen »irr. gewohnt sein 5805.
wunderbernde part. adj. 1350.
•wunderkl&r adj. 137. 825.
1086.
•wnndersinne stf. 1581.
zarge stf. niedrige Umwallung
(wm den Turm), bildlich für
etwas Niedriges im Gegensatz
zu hirhe 172.
•zenker stm. 5876.
zentcr stn. 923. 1574.
zerbreiten »irr. 1725.
zerkerben »irr. 3616.
zerlizen «Ir. 1725. 3412.
zerliden »irr. zerlegen 4322.
zerriben stc. 5307. 5933. 6075.
zerziehen stv. 5926.
zilcken »irr. wegnehmen, forl-
reifsen 3755 ; emporheben 1893.
znnder stm. 3043. 5647.
zuobleeser stm. 3850.
zuohieren «irr. angehören 1186.
1215.
•znoseilen »irr. 1788.
znorerläz stm. 1688.
•zweitragende part. adj. 5512.
zwigen swr. pfropfen, (oder
= zwiden erhören ?j 2946.
•zwirelbere stm. 3668.
•zwivertic adj. 4480.
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Berichtigungen.
V. 142 l. bem statt bern.
„ 368 1. grimme, im App. grimne.
„ 2075 I. iclichz, im App. Iiclichz.
„ 2166 I. marter pin statt rnarter pin.
„ 358G l. di statt die.
„ 4384 App. I. Sccz statt Sez.
8.80 im App. I. 5116. hinter gibt Komma.
„ 93 im App. I. 5948. hinter daz Komma.
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Druck von Ehrhardt Karras, Halle a S.
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Deutsche Texte des Mittelalters. IX. Bd.
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Bl. 24 » (V. 881— 900)
Weidmann»che Buchhandlung, Berlin.
Handschrift der Universität
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Bl. 29»> (V. 1101— 1122)
iek zu Königsberg Nr. 906.
Lichtdruck von Albert Fritch. Berlin W. 35.
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Deutsche Texte des Mittelalters
herausgegeben
von der
Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften.
Band X.
Der sog. St. Georgener Prediger.
BERLIN
Weidmannsche Buchhandlung
1905.
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Inhalt.
Stite
Einleitung XI — XXIV
1. Fon den zehen gebotten ünsers Herren 1
Der almahtig Oot nimt ein michel znl alle tag von dirr weit.
2. Von vierhand stukin eristans glöben 4
Orediderunt quotqvot erant praeordinati ad vitam aetemam.
3. Von der hailikait und bezaiehnung der messe 8
In omnibus honorificetur Deus.
4. Von m Anger hande regel 10
Stephanus plenus spiritu saneto intendens in celum vidit gloriam dei etc.
5. Fon mSnger hand vrode die in dem hymelrieh ist 16
Oaudium et laetitia invenietur in Sion.
t
6. Von manger hande tagend gaischliches lebens IS
Providentes bona non tantum coram deo etc.
7. Von des gebettes nutz ze Oot 22
Petite et accipietis etc.
8. Von der sei verzukunge 25
Induxit eos in montem sanctificationis suae.
9. Von der armitt ünsers Herren Jhesu Christi .26
Renovamini spiritu mentis vestrae et induite novum hominem etc.
10. Von dem frönlichamen ünsers Herren 28
Ego sum panis vitrus, qui de coelo descendi.
11. Von der sei Haftung in Got 31
Adhaesit anitna mea post te, me suscepit dextera tua.
12. Von der armut ünsers Herren Jhesu Christi 34
Propier vos Christus egenus f actus est, cum esset dives.
13. Von der sele minne ze Oot 36
Anima mea liquefacta est, ut loeutus est.
14. Von der gütlichen minne zu der sele 41
Fortis est ut mors dilectio.
15. Von masse und von andren tagenden d4
Modestia vestra nota eit omnibus hnminibus.
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VI
SW/#
^16. Von unser vrowen saut Maria 46
Hort us conclusus, fons signatus.
17. Von simlichen aller höhnten lugenden . 50
*S uf fici t tibi gratia mea, nam virtus in infirmitate perficitur.
18. Von des lebens ordenung
Dominus dives in omnes, gui invocant eum.
19. Von rainkait und von girde 55
din gut mentsch bedarf wol ztcaiger ding.
^20. Von Unser vrowen 5g
Qui creavit me, requienl i» tabemaculo meo.
21. Von dem hailgen gaist .... 58
Der hailig gaist ist in der sele in (tri 1 cis.
22. Von des lebens Ordnung 5.9
Non corruptibilibus auro vel arg ent 0 redempti estis, »cd pretioso sanguinc.
23. Von der früntschafl zu Got 60
Vulnerasti cor me um in uno oculorum tuorum.
24. Von den hymelschen (roden 67
F.siü fidelis usque ad mortem et dabo tibi corcmam vitae.
25. Von vier hande gebürt 62
.lntfn, amen dico tibi, nisi quis renatus fuerit denuo etc.
26. Von zwain hymelrichen 64
Got unser herre der hat ain hymelrich da er inne rüwen ml.
27. Von ünsers herren gnaden 66
Sicut aecepit gratiam, in altervtrum i Ham administrantes.
28. Von Gottes gaben 67
Cantabo Domino, gui bona tribuit mihi.
29. Von der volgung nach Got 69
Qui sequitur me, habebit turnen vitae.
30. Von » tanger Zukunft ünsers herren 71
Uns ist gegeben von Syon ain bilde der gezierde etc.
31. Von der beraitung der sei 72
Vos simile» hnminibu » exspedantibus dominum suum etc.
32. Von unser vrowen saut Mariun 75
Rorate celi desuper et nubes pluant iustum etc.
33. Aber von unser vrowen 77
Mutier amida Sole etc.
34. Von Gottes lychamen und von der fruht Gottes 83
Pinguescent specinsa deserti et valles habundabunt frumento etc.
35. Von Gottes fride . 89
Der udssag sprichst alsuss: hüt ist der frid her nider kamen etc.
36. Von der sterki in Gottes dienst 92
Confortamini in Domino et in potentia virtutis eins.
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VII
Seite
37. Von der sele beraitung 96
Et vos simile* hominibus exsfieclantibu* dominum euum etc
38. Von unser vrowen und ünserm hem 103
Erunt signa in tote et luna et steUis.
*
39. Von manger hand regele 109
Stephanie* autem plenu s gratia et fortitudine facxebat signn magna etc
40. Von der erwellung du mentschen 119
Elegit eam den* et preelegit eam et in tabemnculo min habitnre eam facit.
41. Von der gaischlirhen verzukung des mentschen 128
Scio hnminem in Christo ante anno* etc.
42. Dis sprichit s. Anshein 135
Sant Anshelm spriht etc.
43. Wie und war umb der mentsch bihten sol 135
Rehtü biht sol hon fünfzehen ding etc.
44 Vo» der sele beraitunge 138
Dicitc filie Syon, ecce rex tuu* erniet tibi.
45. Von der waren minne 140
Dü minne ist, sprichet Prosper etc.
46. Von des mentschen glichung 143
l'nser lierre geschuf den mentschen dar eil etc.
47. Von unser vrowen und von hailgem leben 146
Et in habitatione soncta coram ipso ministrari.
48. Von unser vrowen 153
Transite ad me omnes qui concupiscitis me etc.
49. Von unser vrowen 156
Plantaverat autem den* paradgsnm voluptatis a principio.
50. Von der gütlichen minne 163
Hoc est prcceptvm me um etc.
51. Von der hymelschen Wirtschaft 177
VuK angelum s/antem in sole ct clamacit voce magna etc.
52. Von dem unrehten und von dem rehten weg 186
Justum deduxit dominus per vias recta* et ostendit illi regnum dei.
53. Von des mentschen hailikait 200
Her est volunta» Dei, mnctiftcatin vestra.
54. Von gaischlichem leben 207
lila autem que sursum est Jherusalem etc.
55. Von unser vrowen 221
Missus est angclus Gabriel ad Maritim virginem desponsatam Joseph.
56. Von ünsers herren iiffart 229
Videntibwi illi» elevatus est et nubes susrepit eum ab oculi* rorum.
57. Von dem wort Gottes 240
Verbum Christi habitet in vobis habundanler etc.
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VIII
Stitl
58. Von manger hande Schrift der mentschait 248
Dominus narrabit in scripturis populorum.
59. Von der erkennung ü nsers Herren 254
Petre, anuis mef
60. Von des balmbomes bezaichnung 260
Dixi: ascendam in palmam.
61. Von sanl Paulus bekerde 276
Bcniamin: amantissimus domini habilabit confiienler in eo etc.
62. Von drier hand closterlüt 282
Man vint in allen landen under vrowen dehain sch&ni etc.
63. Von drier hande uffari 287
Viel Oalylei.
64. Fon tfnser vrowen 293
Ego quasi vitis fructifiacvi.
65. Fon der bezaichnung Oottez namen 296
Unser herre hat »langen namen die beeaichenlich eint.
66. Von drier hande ficken der sele 298
Domine quis haliitabit in tabemaculo tuo etc.
67. Fon den schaden täglicher Sünde 299
Nun sunderlirh schaden emphahet du sele etc.
68. Wie Oot in den mentschen sige 299
Manetc in me et ego in vobis.
69. Von linser vrowen 302
Ego quasi vitis fructificavi.
70. Von der gothait und der mentschait Unser s herren 304
Hcfloruit caro nt ca.
71. Von vier hand vroden 306
Letare Jhcrusalem et conventum facite etc.
72. ITie man ünsem herren suchen sol 310
Querite Dominum et vivet anima vestra.
73. Von zwaiger hand lute in den clostern 314
Quam pulchra tabcmacula tua Jacob!
74. Fon gaischlichen löten . 31 5
Die gaischlichen lüt sont glich sin ainem blümen etc.
75. Fon drier hand minne 317
Nos ergo diligamtis deum, quia prior dilexit nos.
76. Von dem ewangelio 319
Pharisei Consilium inierunt etc.
77. Von sant Stephan 322
Testis fidelis non mentitur.
78. Von der sele haftunge an Gotte 324
Innocentes et recti adheserunt miAi.
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IX
Stile
79. Von unser vrowen 338
Judaeis nova lux oriri risa est, gaudiuni, honor et tripudium.
80. Fo« des mentschen wolgevallung 330
Drv ding maehent den mentscJien Oot wol gevatlende etc.
81. Von dem weg zu der waren minne 331
Dü wäre minne und du liebe etc.
82. Fob dez gaischlichen mentschei) ordnunge 333
Der gaischlich mm Ische der sol etc.
83. Von der volkomenhait dez lebens 336
Estote perfeeti sicut et pater vester coelestis perfectus est.
84. Von dem nutze unsers herren behügde 338
Do sant Bernhart an sim «i de lag etc.
85. Von der sele closter 339
In der sele closter sol Oot unser herre prior sin etc.
86. War umb Oot mentsch wart ' 340
Ir sont daz wissen daz nah der hailgen lere etc.
Lesarten der Hs. S. . . 343
Namenverzeichnis 344
Wortverzeichnis 347
Ergänzungen und Berichtigungen 383
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Einleitung.
Der St. Georgener Prediger , seither so genannt weil die älteste uns
bekannte Handschrift aus dem früheren Benediktinerkloster St. Georgen im
Schwarzicald stammt, läßt sich seiner handschriftlichen Überlieferung nach in
zwei Gruppen scheiden. Nach den Hauptrepräsentanten nennen wir dieselben die
A- und G- Gruppe.
I. Zur A- Gruppe gehören:
1. A: Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. Hs. Nr. 464, ein Quartband
aus dem Jahre 1387, die Originalholzdecke mit rotem Leder überzogen, mit je 5
Messingbuckeln und 2 Schließen versehen, welche abgerissen sind. Das auf der
Innenseite des Vorderdeckels aufgeklebte Pergamentblatt ist mit Brevierlektionen
der feria III und IV beschrieben. Auf dem freien Raum finden sich die
untengenannten Notizen über die verschiedenen Besitzverhältnisse der Handschrift
Darauf folgt ein leeres Vorsatzblatt a und darauf ohne Titel sofort die Predigten
auf Bl. 1 — 154 (keine Lücke) 156 — 209. Die einzelnen Blätter sind samt den
Quatemionen, deren die Hs. 26 umfaßt, vom Schreiber selbst gezählt. Die
Blätter, 15'lix22lji cm, sind zweispaltig beschrieben, die Linien deutlich erkennbar.
Auf Bl. 20& und 209 steht unten am Rande: Last uns alle miteinander das
ende der rede hören: furcht Gott und halt seyne gebott, den das ist das ain
Jeglicher mensch thun sol. Dein Gott wird alle werk für gericht pringen und
alles, darin man sich vergriffen hat, es seye gut oder böse, allzeits (?) pleibt.
Anno 1576 die 12 octobris. Oth. Widnamer [Widmaner?) Dieselbe Hand schrieb
auch auf Bl. 1 oben die Bemerkung: Bibi. Embt ( oder Ems?). Auf Bl. 209
steht unten mit Blei: istum librum perlegi 21. März 1828. Denis (?). Auf
diese wichtige Hs. hat zuerst Wackemagel (Die Verdienste der Schweizer um die
deutsche Literatur, Basel 1833, S. 16 und 39, und Die altdeutschen Hand-
schriften der Basler Universitätsbibliothek , Programm Basel 1835 , S. 59) auf-
merksam gemacht. Sie befand sich im Besitze des Schulvorstehers Wilhelm
Alexander Blenz in Berlin, von dem sie Franz Pfeiffer im Jahre 1844
ersteigerte. Im Jahre 1852 schenkte sie Pfeiffer als Neujahrsgeschenk seinem
Freunde Grieshaber in Rastatt , der sie testamentarisch der Freiburger
Universitätsbibliothek vermachte. Über diese Besitzverhältnisse gibt folgender
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XII
Einleitung.
Eintrag auf der Innenseite des Vorderdeckels näheren Aufschluß: Aus der
Bibliothek des verst. Schulvorstehers Willi. Alex. Blenz in Berlin versteigert am
7. october 1844, angekauft; erhalten am 3. december desselben jahres. Stuttgart
am 8. dec. 1844. Franz Pfeiffer aus Solothurn; darunter: Rastatt am 4. Jänner 1852
Fr. Karl Grieshaber, Geist], Rat und Prof. Die ersten frohen aus der Hand-
schrift teilte Wackemagel in seinen Altdeutschen Predigten und Gebete (Basel 1876)
mit , teils in vollständigem Abdruck (S. 77 — 110), teils in den Lesarten (S. 69,
119 — 164; vgl. auch S. 262 und 384). Er nennt die Handschrift anziehend
„durch den Reichtum ihres Inhaltes, die Eigentümlichkeit der Sprache und besonders
auch durch die liebende Sorgfalt, welche sichtlich auf die Anfertigung verwendet
worden“ (ebenda S. 262). Die Hs. ist in der Tat ein Prachtstück kalligraphischer
Kunst des Mittelalters, was um so mehr sagen will, da sie nicht von einem
berufsmäßigen Schreiber, sondern von einem einfachen Kirchherm, Albrecht dem
Kolben, Kirchherm zu Gävis geschrieben ist, der bereits in seinem 66. Lebensjahre
stand und sich beim Schreiben einer Brille bedienen mußte. Im Aufträge einer
Laiensperson, der Frau des Stadtammans Johann Stöcklin zu Feldkirch (Vorarl-
berg) wurde sie geschrieben (vgl. unten S. 341, Z. 6 ff'.). An St. Jakobsabend dh.
am 24. Juli 1387 war sie vollendet; sie setzt jedoch eine Vorlage voraus, die im
Jahre 1303 (vgl. unten S. 239, Z. 5) angefertigt wurde und heute verloren oder
verschollen ist. Auf dieselbe Vrvorlage geht zurück:
2. 8: Stadtbibliothek zu Straasburg Hs. 810 b, auf welche Martin in der
Zeitschrift für deutsches Altertum Bd. 40 (1896), S. 220 — 223 hinwies, ohne
daß es jedoch mir möglich gewesen wäre aus dem daselbst angegebenen Inhalts-
verzeichnis die Identität mit den in A enthaltenen Predigten festzustellen. Erst
beim Abschluß des Druckes hat mich Dr. Spanier in Gießen, von dem wir eine
Untersuchung über Eckharts deutsche Schriften zu erwarten haben, auf die Über-
einstimmung beider Hss. aufmerksam gemacht. (Die Hs. wurde auch benützt von
Simon, Überlieferung und Handschriftenverhältnis des Traktates rSchwester
Katrei “ [Dissertation Halle 1906] S. 48 anm. 2 und Pahnke, Untersuchungen
zu den deutschen Predigten Meister Eckharts, ebenfalls eine Hallenser Dissertation,
der sich ein näheres Eingehen auf die in diese r Hs. enthaltenen Eckharts Stücke
Vorbehalten hat). Die Handschrift stammt aus dem 18. Jahrh., umfaßt 94 Bl. 8°
und ist eine Abschrift aus einer zu Beginn des 14. Jahrh. angefertigten Sammel-
handschrift aus der früheren Johanniterbibliothek tum Grünenwörth in Straßburg,
wo sie die Bezeichnung A 100 trug (vgl. J. Witter, Catalogus codicum manu-
scriptorum in bibl. S. Ord. Hierosol. Argentorati asservatorum S. 4). Die für uns
in Betracht kommenden Predigten standen im 6. Teil dieser Sammelhandschrift
unter dem Titel: Sermones sacri oder: Von den gebotten vnd von götlicher lere,
und zwar auf fol. 159 — 188 und 208 ff. Daraus sind in die Straßburger
Hs. 810 b folgende Predigten über gegangen: A Nr. 75, 1 — 10; statt der 11.
Predigt ist ein dem hl. Anshelm zugeschriebener Traktat über das Leiden unseres
Herrn eingefügt, dann folgt Predigt 12 und der Anfang von 13, mitten unter
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Einleitung.
XIII
den Eckhartsstücken Nr. 17 und als Schluß ein Stück aus Nr. 81. Die Hs.
A 100 der Johanniterbibliothek enthielt außerdem im 4. Teil das Stück Von den
schaden tegelicher sünde (=- A Nr. 67), das in die moderne Hs. 835 Bl. 53 ' der
Straßburger Stadtbibliothek übergegangen ist. In der alten Sammelhandschrift
A 100 der Straßburger Johanniterbibliothek standen demnach folgende Stücke
aus A: Nr. 1 — 10. 12. 13. 17. 67. 75. 81, daraus dürfen wir wohl schließen,
daß dem Schreiber des Johanniterkonvents unsere Predigthandsehrift mit demselben
Predigtumfang Vorgelegen hat, aus der er jedoch nur 16 Stück auswählte. Die
Übereinstimmung dieser Vorlage mit A ergibt sich auch aus der Textvergleichung.
Die hauptsächlichen Lesarten von S sind im Anhang (S. 342) wiedergegeben ; aus
ihnen dürfte zur Genüge hen'orgehen, daß S mit A auf dieselbe Urvorlage
zurückgehen muß.
II. Die G- Gruppe der Handschriften setzt mit Nr. 35 der hier veröffent-
lichten Predigtsammlung ein und folgt A fast bis zum Schlüsse. Die älteste
Handschrift ist
1. G: Hof- und Landesbibliothek zu Karlsruhe, St. Georg 36 ( eingehende
Beschreibung bei Th. Längin, Deutsche Handschriften der Großh. Badischen Hof-
und Landesbibliothek Karlsruhe 1894 S. 3 — 6; vgl. auch Wackemagel, Predigten
und Gebete S. 384 ff., 517 ff.). Die Hs. stammt aus dem ehemaligen Benediktiner-
kloster St. Georgen auf dem Schwarzwald, ist jedoch schwerlich dort geschrieben
worden, da der ganze Inhalt für ein Frauenkloster berechnet ist, sondern wohl
mit Sicherheit erst unter Abt Georg (II oder III?) im 17. Jahrh. für das Kloster
erworben worden. Darauf weist der Eintrag auf dem 1. Blatt der Handschrift
hin: Coenobii S. Georgii. Georgius abbas. .4ms dieser Handschrift teilte zuerst
Mone, Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters III 183 das altfränkische
Bruchstück mit, das die Vorlage zur 59. Predigt (unten S. 254) bildet (vgl. auch
die Denksprüche und Sittenregeln Anzeiger IV, 364 ff. und das Glossar zu den
Homilien Anzeiger VIII, 503 ff.). Drei vollständige Predigten aus G (hier
Nr. 39, 40, 67) sind gedruckt bei Wackernagel S. 522 — 541. Der Schrift nach
(vgl. die beigegebene Schriftprobe) ist die Hs. um das Jahr 1300 entstanden.
Sie enthält die Predigten Nr. 35 — 71 und zwar in derselben Reihenfolge wie
A. Mitten in der 71. Predigt (S. 306, Z. 11) bricht die Handschrift am Ende einer
Lage plötzlich ab. Es fehlt wenigstens 1 Lage, auf der wohl dieselben Predigten
standen wie in der mit G durchweg parallel laufenden, gleich zu nennenden Hs. Z.
2. Z: Stadtbibliothek zu Zürich Hs. C 76[290. Ein Quartband, dessen
Holzdeckel mit weißem Leder überzogen sind und noch Spuren zweier Metall-
schließen aufweisen. Sie ist um die Mitte des 14. Jahrh. geschrieben und stammt
aus dem Dominikanerinnenkloster Adelhausen bei Freiburg, wohin sie wohl aus
dem Predigerkloster zu Basel gekommen ist. Sie enthält 2 Vorsatzblätter und 194
Pergamentblätter, 18x25 cm, zweispaltig beschrieben. Auf dem vom Vorderdeckel
losgelösten Blatt steht eine Urkunde aus dem Jahre 1412. Aussteller: Jacob
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XIV
Einleitung.
v. Wiswilr und Gerdrud Schultheissin seine Frau; auf dem 2. Blatt: Diss büch
ist des closters adlenhusen. 3. Blatt rückseits von derselben Hand wie oben: Diss
büch ist des closters ze adlenhusen. Das auf dem Rückdeckel losgelöste Blatt
bringt aus dem Ende des 14. Jahrhunderts folgenden Eintrag: Scrutiniü qvstg
basiln ord. frrii. pdicatorS; anderseits : Retinetes sup’or Huler matel (?) absoluentes
lechor (?) Nieolaus de Laudonia; Cunradus Roseg; Heinricus Esser; Cünradus
Roseg; Johannes Meder; Johannes Rotenberg; Johannes de Waltikoven; Steffanus
Seratorura magister studentium ; Johannes vitztum; Nicolaus de Boheinya ; Michael
Rogenbach; Fridericus Gipser; Johannes Löscher; Johannes Goltschmit.
Die Handschrift besteht jetzt aus drei verschiedenen Teilen, welche erst
anfangs des 15. Jahrh. zusammengefiigt wurden.
I. Teil. Bl. 1 — 165. Die eigentliche hier in Betracht kommende Predigtsamm-
lung, von einer Hand geschrieben, bricht Bl. 165 ab, da zwischen Bl. 165 und 166
ein Blatt herausgeschnitten ist. Es stehen hier zunächst auf Bl. 1—138* die Predigten
Nr. 35 — 75 und zwar in derselben Reihenfolge wie in A und G. Von Nr. 76
an geht Z und A auseinander. Es folgen in Z und zwar in schlechtem, sehr
verderbten Texte folgende Predigten bezw. Traktate:
a) Bl. 138 “ : See paulg (rot). Nostra conuersatio in celis est. Santus
Paulus sprichit vnsir wonunge sol sin in dem himelriche, gedruckt nach Cod. 95
der Franziskanerbibi, zu Freiburg i. Schweiz von Jostes, Meister Eckhart und
seine Jünger ( Freiburg i. Schweiz, 1895, S. XIII und I. Anhang Nr. 1). Weder
in dieser noch der Züricher Hs. ist der Text korrekt überliefert. Die Predigt ist
mit anderm Schluß auch erhalten in Berlin, kgl. Bibi, cod. germ. 8°. 65. f. 71r
— 4«. 125. f. 114 "
b) Bl. 139d : In apocalipsi (rot). Esto fidelis usque ad morte = A Nr. 24,
unten S. 61, Z. 16 ff., woselbst die Lesarten angegeben sind; vgl. auch Schönbach,
Studien zur Geschichte der altdeutschen Predigt. VI. Stück, S. 123. Hier wird
dasselbe Stück aus einer Innsbrucker Hs. mitgeteilt,
c) Bl. 140* : Dis sp'chit ysaias (rot). Surge illuminare ierusalem etc. Ysaias
der wissage sprichit stant vf ierusalem — vn merkent der svnde vntugende vnd
hassent si. vgl. Phill. Bl. 126b Up der heilger dry köynicge dach. Ist diese
Predigt mit vorstehender identisch? Disposition : Sechs Dinge sollen wir ansehen;
den Himmel, die Welt, die Hölle, unsem Herrn, die Tugenden, die Sünden.
d) Bl, 14 2h : Von scs paulus (rot). Sanctus Paulus sprichit. Gaudete in
domiuo iterum dico Gaudete. Das sprichet fro’went vch in gotte steteclich — alse
vil alse von sins selbis vro’ide. des helfe vns got. Disposition: zweifache Freude;
an diesem und dem ewigen Leben. Jedes dieser Leben bietet eine vierfache
Freude: inwendig, uzwendig, oben us, under us.
e) Bl. 143 ° : Stabunt iusti in magna constantia etc. Die rehten lüte werdet
stende ze dem iügisten vrteilde. Gedruckt bei Wackemagel S. 154.
f) lsl. 144b : von eirne güten menschen (rot). Ein reht güt mensche. sol han
zwo vorhte in dem liercen. zwei wort in dem mvnde — owe selige sele wis alleine
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Einleitung. XV
wol behvt. den dv dicke ze eime liebe hast erwelt vzzer aller liebi. Eine
Sammlung von Sprüchen.
g) Bl 145e : von gotte (rot). Er ist schöne des schöne gottis svn — mit ir
sehen sol ane ende. Disposition : Drei Jungfrauen sollen die Pfalz d. i. die Seele
behüten, in der Gott ruhen will: Hoffart, Minne, Zuversicht. Die Punkte sind
kurz angegeben. In der Ausführung ist dann von vier Jungfrauen die Bede,
deren Namen nicht genannt sind.
h) Bl. 145ä: von den zwelf sprossen (rot). Ez sint zwelf sprosen der sich
der mensche vlizzen sol vf ertriche. nim dich niht an wan das dir bevolhen si
— Der zweifle ist vlize dich aller tugenden.
i) Bl. 146a : Ez sint£nvn svnderliche' Sache = A Nr. 67.
k) Bl. 146c : von tvgede (rot). Ez sint vier tugende die heizent mvtir
aller tugende, de ist gelo’ube. minne. diemütikeit vnd bescheidenheit. — Dis
ist vnsir herre. an dem alle tugent vn selde vnd ruwe ist Die vier Tugenden
tun dasselbe, was eine Mutter ihrem Kinde tut: si gibirt ez unde spisit ez und
behütit es und lert ez. Der Anfang des Traktates ist als Spnich in Basel
B. 1X."15. fol. 231 ’ — Basel 0. 1. 19 f. 31v — 32” übergegangen.
l) Bl. 147° : Eea karissima nu vernim den rat min — div vil kleine erbeit
div dir da von ist geseit. gedruckt Altdeutsche Blätter I, 343.
m) Bl. 149a : Ein güt mensche swiget gerne — ein beslozzen herce mit
der heiligen drivaltikeit. vgl. Haupt, Zeitschrift für deutsches Altertum II, 541.
n) Bl. 14 9C : Got ist ein ewigis anegenge vnd ist ein vollebrahtes ende
allis giitis — da wir iemer mit ime wonen svlen. amen. Dieser Traktat ist
zum großen Teil in die Mosaiktraktate der Karlsruher Hs. St. Peter 85 über-
gegangen. (Mitteilung von Spanier, Gießen, der in der Einleitung zu seiner
Dissertation näher darüber handelt).
o) Bl. 16 fr : An den alt« büchen ze rome da liset man das vnser herre
Jhesus cristus — er was schöne an der gescliepphede v'ber alle menschen kint.
amen. Pseudo-Lentulus. Von der Gestalt Christi, gedruckt nach Z in Zeitschrift
für deutsches Altertum IV, 574. Nach Mitteilung von Spanier findet sich der
Traktat außerdem in Wien Hs. 3160 fol. 23fr (lat.) ; 618 fol. 22r (lat.); 960
fol. 5 ' (lat); 4119 fol. 17fr ; 4453 fol. 383 (lat.); 4576 fol. 104 (lat.); 4899
fol. 3681' (lat.). — Kolmar, Stadtbibliothek Hs. 22 fol. 192 (lat.). — Basel,
Universitätsbibi. A. V. 33 fol. 29 (lat.); B. IX. 15. fol. 284 (deutsch) — 0. 1.
19, Bl. 57.”
p) Bl 16 la : Dv' gotheit ist beslossen in dem vatt’ natv'rliche — an ir
hohsten craft vn wirfet / bricht ab. Dieser Traktat besteht aus Stücken der
Pfeiffer' sehen Traktate II. XIII und II. XI. 3.
II. Teil. Bl. 166 — 187. Traktate und Gebete-.
a) Bl. 166a : Dis sint die bezeichenunge der heilgen messe gedruckt bei
Wackemagel S. 69, vgl. Schönbach, Studien zur Altdeutschen Predigt, VI. Stück.
S. 124, und unten Predigt Nr. 3, S. 8.
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XVI
Einleitung.
b) Bl. 172c : Pater noster vater vnser dv bist indü himeln. Auslegung
des Vater unser; vgl. Zs. f. deutsche Phil. XIV, 89 und Zs. (. deutsches Altertum 19, 71.
c) Bl. 181d : Herre ich bitte dich durch des smerzen ere den du enphienge
in diner kintheit. Ein Gebet zu den Leiden des Herrn.
d) Bl. 184a : Swer dise ses ding an im hat das ist Zeichen der minne.
Davon handelt auch ein längerer lat. Traktat in Basel B. IX. 10. fol 265—267
und A. X. 130.
e) Bl. ISP : In monte oliueti orauit ad patrem pater si fieri potest.
f) Bl. 185° : Dis lerte brüd' ekkehart. Der mensche ds dis pater noster
mit andach sprichet — vnde allen mensche amen. Pater noster.
g) Bl 186" : Herre lieber herre got ich bitte dich de dv mir gebest ernest
zv reliteme lebenne. Gebet.
h) Bl. 186b : Das dir vusers herre marter desto bas zv herzen ge sa schribe
ich hie etewie menge martyr die er leit als die meistre schribet ane die vier
ewangelisten / bricht ab, da zwischen Bl. 187 und 188 zwei Blätter weggeschnitten sind.
111. Teil. Bl. 188 — 194: Von hern selphartes regel (rot). Gelobet si der
süsse got in allen sin tugenden. — Bl. 194b Darumbe bedürfen wir wol gütes
rates darzü dz vns der tüfel niht verzucke — H Nr. 43 (Wackemagel , S. 543),
hsg. in Wackemagels Altd. Lesebuch, Sp. 811—816, nach der lat. Hs. 407 der
Erlanger Universitätsbibliothek Bl. 226'' , welche unter andern die Sermones
fratris Bertholdi ad religiosos enthält; vgl. auch Wackemagel S. 609 und Schön-
bach, Studien zur Geschichte der altdeutschen Predigt , VI. Stück, S. 125.
Dis büch ist swest1 eilzen tröschin ze adelnhusen. vf sol niem' hinnä kome.
3. W: K. K. Hoßilliothek zu Wien Hs. Nr. 2702 olim Salisb. 130 (vgl.
Hoffmann, Verzeichnis der altdeutschen Handschriften der k. k. Hofbibliothek zu
W\en S. 303 — 305; und Altdeutsche Blätter II, 172) aus dem Jahre 1363, nach
dem Sammler der Predigten seither „Br. Peters v. Trebensee Predigten“ benannt.
Ein Quartband von 125 Bl. von einer einheitlichen Hand, der Hand des
Johannes Haller, geschrieben, worauf ein Eintrag am Schluß hinweist: ‘Anno
domini 1363 in vigilia sancti Viti finitus est über iste per manus Johannis dicti
Haller; conpilatus autem per fratrem Petrum magistrum curie in Wienna ven.
dominorum de Gaminco (Gamingerhof zu Wien, Freihof der Karthäuser). Von
derselben Hand stammen nach Vollendung der Hs. die Korrekturen und die
Überschriften. Die Predigten folgen in einer anderen Reihenfolge als iw A,
G und Z. Die einzelnen Stücke, deren Nummern bei Hoffmann und schon iw
der Handschrift nicht richtig gezählt sind, sind nach A geordnet folgende: Nr. 36.
37. 38. 48. 45. 46. 72. 50. 42. 40. 51. 71. 56. 57. 60. 44. 68. 59. 62. 63. 64.
65. 66. 69. 70. 73. 74. 54. 58. 61. 75, also 31 Stücke, welche mit Nr. 36
unserer Sammlung einsetzen und mit Nr. 75 enden, d. i. mit demselben Stücke ,
bei dem (G) Z von A abiceicht. Die Handschrift gehört zur G-Gruppe, ist jedoch
keine direkte Ableitung aus G oder Z. Sie weist vielfach einen besseren,
manchesmal auch einen schlechteren Text auf als G Z.
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Einleitung.
XVII
4. N: Kloster Neuburg Hs. Nr. 864, aus dem Jahre 1372, 12? Bl. in 4 ®.
( vgl. Altdeutsche Blätter 11, 173) folgt durchweg W, von dem sie eine
Abschrift ist. Der Eintrag am Schlüsse der Handschrift lautet: Daz püch hat
geschrieben Petras von Trebense zü den Zeiten Chappellan datz Zelking. Finitus
est über iste a°. d. 1372 in die sancti Willibaldi confessoris. Oedruckt aus
dieser Sammlung ist die erste Predigt — A Nr. 36 in Altdeutsche Blätter 11, 174 — 178.
5. Arnndel 214 (vgl. Priebsch, Deutsche Hss. in England II, 43 Nr. 64).
Die Handschrift besteht aus 6 ursprünglich selbständigen Teilen. Der für uns
in Betracht kommende 5. Teil stammt aus dem Carthäuserkloster zu Mainz,
enthält 20 Bl., zweispaltig geschrieben aus dem 14. Jahrhundert. In die Sammlung
sind 10 Predigten aus A aufgenommen in folgender Reihe: Nr. 36. 38. 37. 57.
58. 59. 61. 63. 39. 40. Die Reihenfolge scheint durch das Kirchenjahr bedingt
zu sein, da die ziveite die Überschrift trägt: Dominica in adventu domini; die
4.: de nativitate; die 5.: in passione; die 8.: De ascensione. Predigt 1. 3. 10
sind ohne Überschrift; 6.: De s. Petro; ?.: de conversione s. Pauli; 9.: de s. Stephano.
Während OZ Arundel in alemannischem, WN in österreichischem Dialekt
geschrieben sind, besitzen wir in niederdeutscher Sprachform folgende zwei Sammel-
handschriften unserer Predigten:
6. H = Hs. Nr. 377 zu Haag (vgl. Haupt, Zeitschrift für deutsches
Altertum II, 302 ff. und Wackemagel, Predigten und Gebete S. 517 und 541 f.)
Sie stammt aus dem Slawantenkloster bei Mastricht und ist wahrscheinlich Eiule
des 14. Jahrhunderts geschrieben. Sie besteht aus 247 Folioblätter und enthält
auf Bl. 3C — 232v 47 Predigten, welche für uns in Betracht kommen. Mit
Bl. 232d , dem Ende der 20. Lage, bricht die letzte Predigt in der Mitte eines
Wortes ab. Aus der Sammlung sind zwei Predigten gedruckt in Zeitschrift für
deutsches Altertum II, 350. 356 und ztcar Nr. 37 und Nr. 70 unserer Ausgabe.
Da mir die Hs. nicht Vorgelegen, vermute ich, daß die Numerierung der Stücke
bei Wackemagel nicht ganz korrekt ist, da die kleineren Stücke wohl nicht be-
sonders gezählt wurden. Nach Wackemagel setzt die Sammlung ein mit A Nr. 37,
(A Nr. 36 — H Nr. 46) und folgt in der Reihenfolge bis Nr. 17 A, geht dann
jedoch eigene Wege. Mit dem ersten Teil von A hat H zwei Predigtvorsprüche
gemein: H 44 — A 13; H 45 ■= A 16; die Ausführung scheint jedoch nach
den Proben von Wackemagel S. 543 f. verschieden zu sein. Außerdem steht in
H Nr. 43 die regula Selphardi (Wackemagel S. 543), die sich auch im 3. Teil
von Z wiederfindet (vgl. oben S. XVI). Hie aus den 2 gedruckten Predigtproben
hervorgeht, gehört H zur G-Gruppe, von der sie im allgemeinen eine ganz gute
Überlieferung bietet.
7. Phill. 643 = Bibliotheca Phillippica A Sammlung van Ess zu Chelten-
ham, (vgl. Priebsch, Deutsche Hss. in England I, 61, Nr. 59), eine Papier-
handschrift des 15. Jahrhunderts mit 231 Bl., vielleicht aus einem Manns-Kloster
Deuteclio Texte de« Mittelster» X b
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xvni
Einleitung.
zu Köln. Die Reihe unserer Predigten beginnt in dieser Hs. mit Bl. 8?a und
trägt zum Unterschied aller übrigen Sammlungen eine Überschrift, welche über
die Zweckbestimmung der Predigten keinen Zweifel läßt: ‘Dit is de rechte maneir
vä uartgange eys geistliche mysche ey eicklich mach prue I wat grade hei up
gecloinen sy want na desem wege mähma (!) wairlyche uorit gay va d* eyre
doicht tzer sder. Als Predigten von A sind aufgenommen: Nr. 38. 65. 39. 41.
46. 54. 55. 60. 62. 70. 58. 63. 56. 59. 69. 48. 51. 50. 52. 37. 40. Die Hs.
schöpft demnach ihre 21 Predigten Nr. 37 — 70 aus einer einheitlichen Sammlung.
Die einzelnen Predigten sind durch die Überschriften durchweg in das Kirchen-
jahr eingereiht. Oedruckt am dieser Sammlung ist Nr. 46 bei Priebsch a. a. 0.
S. 227. Der Vergleich mit dem Text von A und O zeigt, daß die Handschrift
zur O-Oruppe gehört und die Überlieferung gut wiedergibt.
8. Zu den Handschriften, in welche zersprengte Stücke aus unserer Predigt-
sammlung übergingen, gehören vor allem die kurzen Skizzen in der Berthold-
handschrift Cod. Pal. germ 24 (Bartsch Nr. 18) der Heidelberger Universitäts-
bibi. — Cod. 955 der St. Oallener Bibliothek (vgl. Pfeiffer- Strobel Predigten
Bertholds v. Regensburg 11, 664), welche ebenfalls Berthold zugeschriebenes enthält. —
Cod. St. Georg 37 der Hof- und Landesbibliothek zu Karlsruhe. — B XI 10
(vgl. Wackernagel S. 272) und B IX 15 fWackemagel S. 277) der Universitäts-
bibliothek zu Basel. — B 223(730 der Stadtbibliothek (Wasserkirche) zu Zürich
(Wackemagel S. 259). Eine Papierhandschrift aus dem Ende des lö.Jahrh. aus dem
Franziskanerkloster zu Ingolstadt (vgl. Zeitschr. f. d. Philol. 14 [1882], 64 ff.) —
-4«$ den Handschriften anderer Bibliotheken ließe sich sicherlich noch ein oder das
andere identische Stück auffinden, wenn unsere gedruckten Handschriftenkataloge bei
der Nachprüfung nicht versagen toürden. Um die Identität ziveier Predigten erkennen
zu können, wäre es unbedingt notwendig, nicht bloß Überschrift, Vorspruch aus
der hl. Schrift und den Anfang der Predigt in die Kataloge aufzunehmen, sondern
vor allem die Disposition, die allein einen Vergleich zwischen anscheinend
gleichen Texten ermöglicht.
Die Beschreibung der handschriftlichen Überlieferung zeigt .schon, daß wir
es mit einer weitverbreiteten und hochgeschätzten Predigtsammlung zu tun haben.
Ihre Verbreitung erstreckte sich nicht nur auf das westliche Süddeutschland,
sondern auch auf die Niederlande und Österreich. Die Pi-edigten berücksichtigen
vortciegend die Verhältnisse klösterlichen Lebens und waren darum in erster Linie
für Klosterleute bestimmt, zuerst dort voigetragen als lebendiges Wort, nachher als
Predigtsammlung dazu ausersehen, als geistliche Lesung i?i dem Reventer vor-
gelesen zu werden (vgl. Priebsch, Deutsche Hss. in England, I, 64). Die auf-
gezählten Predigthandschriften wareti in Frauen- und Mannsklöstem verbreitet
und zwar der verschiedensten Orden: der Dominikaner, Benediktiner und Kar-
thäuser. Je nachdem die Sammlung für das eine oder andere Kloster bestimmt
war, unirden auch die in der Handschrift berührten Anspielungen auf klöster-
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Einleitung.
XIX
liehe Einrichtungen zweckentsprechend gelindert: aus brüder wurde swester, aus priol
wurde maister bezw. amptman (S. 226, Z. 19), oder diese Ausdrücke wurden um-
gangen und durch allgemeine Ausdrücke wie sälge sele oder gaistlich lüte ersetzt.
Will man deswegen diese Bemerkungen dazu benützen, um den Verfasser der Pre-
digten zu eruieren, so ist dabei große Vorsicht notwendig. Jedenfalls darf man
nie aus dem Auge verlieren, daß solche Ausdrücke im Laufe der Zeit unter der
Hand der Abschreiber oft eine große Wandlung durchgemacht haben.
Zu den Predigten, welche ganz allgemeine Themata behandeln und daher für
Welt- ivie Ordensleute berechnet sein können, gehören z. B. Nr. 1. 2. 3. 10. 12.
30. 32. 38.
Vorwiegend oder ausschließlich für Frauenklöster bestimmt waren die
Predigten Nr. 6. 13. 14. 1Ö— 17. 22. 23. 29. 37 usw.
Andere wieder können sowohl in Männer- vne Frauenklöstem gehalten,
worden sein: z. B. Nr. 4. 5. 7. 9. 12. 18. 19. 20. 21. 24—28. 33. 31. 36 usw.
Die Überlieferung der Predigten zeigt ferner, daß die Predigtsammlung
einen durchaus einheitlichen Charakter trägt. Cruel (Geschichte der deutschen
Predigt im Mittelalter. Detmold 1879, S. 355), Linsenmayer (Geschichte der
Predigt in Deutschland von Karl dem Großen bis zum Ausgang des 14. Jahrh.
München 1886, S. 365), Preger (Geschichte der deutschen Mystik II, 32) nehmen
darum folgerichtig auch nur einen einzigen Verfasser der Predigten an. Da-
gegen glaubte Albert (Die Geschichte der Predigt in Deutschland bis Luther.
3. Theil. Gütersloh 1896, S. 94, 97) für mehrere Verfasser eintreten tu müssen.
Als Maßstab für die Scheidung der einzelnen Stücke, die er nur aus den
wenigen bei Wackernagel mitgeteilten Proben kannte, diente ihm die Art und
Weise der Schriftanwendung, eine Grundlage die für solche Untersuchungen doch
zu subjektiv ist, um darauf sichere Schlüsse zu bauen. Nachdem nunmehr die
ganze Sammlung gedruckt vorliegt, wird deren einheitlicher Charakter auch nicht
mehr in Zweifel gezogen werden können. Der schlagendste Beweis für die Einheit
ist der stets gleiche Aufbau der Predigten, die gleiche Art und Weise das Thema
anzukündigen und durchzuführen, die öftere Verwendung derselben Schriftstellen
in dem gleichen Sinne und mit denselben Schlußfolgerungen, sowie die Wiederkehr
derselben biblischen Beispiele, wovon die in den Anmerkungen gegebenen Verweise
den Beleg erbringen. Um jedoch die einzelnen Stücke richtig beurteilen zu können,
sind zwei Dinge wohl zu beachten: einmal der Unterschied zwischen den eigent-
lichen Predigten und den sog. Collationen. Zu dieser Gattung gehören die lehr-
haften Stücke. Die einzelnen Punkte werden hierin nach Art einer theologischen
Abhandlung kurz aufgezählt, wobei auf oratorisches Beiwerk grundsätzlich ver-
zichtet wird. Als collacio ist ausdrücklich bezeichnet Nr. 19. Dahin gehören noch
Nr. 21. 27. 43. 45. 67. 81 — 86. Ein ganz eigenartiges Gepräge trägt Nr. 35.
Die Überschrift von Gottes fride ist der ersten Sentenz entnommen und rein
willkürlich über das Ganze gesetzt. Das Stück besteht aus einer losen Zusammen-
stellung verschiedener Schrift- und Väterstellen und zwar solcher, welche in den
b*
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XX
/Anleitung.
vorliegetiden Predigten größtenteils verwendet wurden. Ähnliche Stäche sind
Nr. 42. 43 (S. 136, Z. 28 ff.). 46 (S. 144, Z. 22 ff.). Auf der anderen Seite ist
wohl zu beachten , daß die jetzt ganz kurz scheinenden Stücke in A, in welchen
auf eine reichlichere Benützung der hl. Schrift und der Väter verzichtet wurde
und welche darum das Äußere einer Predigt gleichsam verloren haben, ganz gut
eine wohl disponierte und reich ausgeführte Predigt voraussetzen können, wie dies
die Paralleltexte der Stücke Nr. 70ff. zur Genüge dartun.
Um den Verfasser der Predigten bestimmen zu können, ist es von Wichtigkeit
zunächst die Zeit, in der die Predigtsammlung entstanden ist, ins Auge zu fassen
Den einzigen Anhaltspunkt gibt uns die Stelle S. 239, Z. 5, in der es nach G
heißt, daß die Engel ‘wol drivzehin hundirt jar' die Menschheit unseres Herrn
ansehen, eine Zeitbestimmung die in der Vorlage von A ungeschickt in das Jahr 1303
verwandelt wurde. Hält man beide Zeitbestimmungen zusammen, so geht daraus
mit aller Sicherheit hervor, daß A auf eine Vorlage X vom Jahr 1303 zurückgeht,
während X G Z W eine Vorlage zur Voraussetzung haben, die auf alle Fälle vor
1303 entstanden sein muß. Mit vollem Recht setzt daher Michael (Geschichte des
deutschen Volkes II, 139) die Predigtsammlung noch in das Ende des 13. Jahr-
hunderts, wie es schon vor ihm Rieger ( bei Wackemagel S. 387), Cruel (S. 355)
und Linsenmayer (S. 365) getan haben. Damit stimmt auch die Entstehungszeit
von G, das der Schrift nach nicht viel später als 1300 entstanden sein kann,
während das auf dem Vorderblatt von G aufgeklebte hochallemannische Bruchstück
zu Predigt 59 (S. 254, Z. 17 ff.) in eine frühere Zeit zurückgehen muß. (Die
Ausführungen Pregers, Geschichte der deutschen Mystik II, 9—11 sind nicht in
allen Punkten zutreffend). Wie vorsichtig man jedoch in den Schlüssen aus so
allgemein gehaltenen Zeitbestimmungen wie 'wohl 1300 Jahre' sein muß, dafür
können als Belege einige Stellen aus Bertholds Predigten dienen: ln einer
lateinischen heißt es: Dyabolus sibi servientibus adeo est crudelis: per exemplum
Antiochum pro servicio suo exhibito iam plus quam per mille annos et CCO
durissime cruciavit nec sibi adhuc sufficit ... die plures (was in anderen Hand-
schriften erläutert ist : similiter Neronem, Herodem etc.). Sodann die beiden
Paralleltexte aus der Heidelberger und Brüsseler Handschrift (Pfeiffer I, 389
Z. 6 u. II, 416).
Heidelberger Hs. Brüsseler Hs.
In [Got] habent die engel wol sehzig Die engel haben in mere wan sibent
hundert jar an gesehen unde sehent in tusent jär an gesehen . . . [Gregorius
hüte als gerne als des ersten tages . . . spricht das und andern lerer in iren
Sprüchen und 1er]
Von 1200 Jahren dagegen ist die Rede bei Schönbach, Studien zur Geschichte
der altdeutschen Predigten, 111. Stück, S. 20/21 : mirum si ante mille ducentos
annos publice predicarunt apostoli, ubi postea latuerunt? in hoc potes videre
manifeste, te esse deceptum. iam sunt mille ducenti anni, quod publicissime est
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Einleitung.
XXI
predicata (fides catholica). Aus der Tatsache, daß sämtliche Predigten um das
Jahr 1300 bereits als Sammlung vorliegen, dürfen wir mit Sicherheit schließen,
daß dieselben einen Verfasser haben, der vor 1300 gepredigt hat. Auf die
2. Hälfte des 13. Jahrh. führt uns das älteste Bruchstück der Predigt Nr. 4 zu
Schlettstadt (allemannisch, in der Gegend Frankens), das der Schrift nach um
1230 entstanden sein muß.
In Unkenntnis über den Verfasser hat man die Sammlung seither als
„St. Georgener Prediger“ benannt. Allein diese Bezeichnung nach der Her-
kunft der ältesten Handschrift ist doch zu oberflächlich und rein äußerlich, als
daß man an ihr festhalten könnte. Michael II, 139 benannte darum die Sammlung
als den „Oberrheinischen Prediger“ mit Rücksicht auf die Lesart S. 193,
Z. 24 Anm., wiewohl auch diese Bezeichnung durch die Lesart in A Zeile 24 wieder
aufgehoben wird.
Der Verfasser der Prediger ist sicher ein Ordensmann (ach brüder, waz bant
ir gesprochen! owe, sAlger brüder sprechent es aber! S. 71, Z. 5f), der in
Klöstern öfters predigte ( 8 . 41, Z. 15; S. 36, Z. 36). Aus der Wendung S. 84,
Z. 35 der hailig vatter — Benediktus, ließe sich auf einen Benediktiner schließen,
die Ausdrücke priol und priolin deuten vor allem auf den Dominikaner-, weniger
auf den Augustinereremiteti- oder Karmelitenorden, maisterschaft (S. 51, Z. 11; S. 65,
Z. 12; S. 85, Z. 1; S. 112, Z. 5; S. 121, Z.2) eher auf den Dominikaner- als den
Franziskanerorden, kann aber auch ganz allgemein für jeden Ordensobem gebraucht
werden: aus diesen inneren Gründen wird man darum keine sicheren Anhalts-
punkte für den Verfasser gewinnen, weil, wie schon oben hervorgehoben wurde, diese
Ausdrücke nach den jetoeiligen Ordensverhältnissen vom Schreiber oder Sammler
der Predigten, der in vorliegendem Falle wohl ein Dominikaner war, leicht
geändert und den Ordensverhältnissen angepaßt werden konnten. Zur Bestimmung
des Verfassers müssen wir darum auf äußere Gründe zurückgreifen, die uns
allein die A-Gruppe der Hss. in die Hand gibt. Die A-Gruppe beginnt mit
vier Predigten, welche sicher auf Berthold von Reg ensburg zurückgehen
(vgl. die Anmerkungen S. 1. 4. 8. 10). Predigt Nr. 4 weist von selbst auf Nr. 39,
welche ein ähnliches Thema mit derselben Sicherheit und Gercandtheit im Aus-
druck behandelt, wodurch gleichzeitig die Einheit des I. und II. Teiles in A
gewährleistet ist. Als Bertholdisches Gut ist kürzlich Predigt Nr. 24 durch
Schimbach bezeugt worden (gedruckt aus einer Innsbrucker Hs. bei Schönbach,
Studien zur Geschichte der altdeutschen Predigt VI, 123). Diese Predigt aus
dem I. Teil von A findet sich auch in Z, so daß die Einheit des 1. und II. Teiles
in A auch hierdurch verbürgt ist. Denselben Geist und dieselbe Art der Ausführung
verraten aber auch Predigt Nr. 17. 25. 26. 28. 52. 56. Bertholdisch ist Predigt
Nr. 75: „Von dreierlei Minne“ (vgl. S. 317 Anm.). Auf Berthold von Regensburg
weisen sodann die kurzen Skizzen, welche sich in der großen Bertholdhandschrift
Cod. Pal. germ. 24 der Heidelberger Universitätsbibliothek finden, in unserer
Sammlung dagegen ausführlicher mederkehren (vgl. die Anmerkungen zu Nr. 55,
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XXII
Einleitung.
8 121; Nr. 66, 8. 298; Nr. 68, 8 299; Nr. 75, 8 315). Auf Berthold von
Regensburg weist ferner Nr. 67: „Von dem Schaden der läßlichen Sünden“ (vgl,
Pfeiffer-Strobl 11, 258)9). Erwähnt sei schließlich, daß sich die ‘Regula Selphardi’
sowohl in den Berthold von Regensburg zugeschriebenen 'Sermones ad religiosos’
findet, wie in unserer Sammlung (vgl. S. X VI). Der Ausdruck ‘ach brüder’ etc.
in der 29. Predigt (S. 71, Z. 5) ist ganz Bertholdisch. (Die Predigt findet sich auch
in einer Papierhandschrift aus dem Ende des 15. Jahrh. aus dem Franziskaner-
kloster Ingolstadt Bl. 90” — 91v : Von drien tagwaiden, die wir unserm herren nach
volgen suln; vgl. Zeitschr. f. d. Phil. 14 [1882], 64 ff.). Ebenso echt Bertholdisch
ist der Ausdruck in der 18. Predigt (S. 53, Z. 33 ff) : du solt es wider gen oder din
wirt niemer rät! (vgl. dazu Nr. 39, S. 110, Z. 12; S. 111, Z. 16). Der Verfasser der
18. Predigt ist aber auch der Verfasser der 37. Predigt; der Verfasser von Nr. 33
auch derjenige von Nr. 38, der Verfasser von Nr. 2 auch derjenige von Nr. 57 usw.,
wodurch die Zusammengehörigkeit beider Teile in A aufs neue bestätigt wird.
Faßt man die Zeit der Entstehung, die Einheit und die große Verbreitung der
Sammlung sowie die eben angeführten äußeren Gründe, welche für Berthold von
Regensburg sprechen, ins Auge, so glaube ich berechtigt zu sein, die große Mehrzahl
als einen Niederschlag Bertholds deutscher Klosterpredigten bezeichnen
zu dürfen. Die Wichtigkeit der vorliegenden Predigtsammlung dürfte darum von
selbst gegeben sein und zwar sowohl mit Rücksicht auf die bisher bekannten deutschen
wie auch im Vergleich zu den lateinischen Predigtsammlungen Bertholds von
Regensburg. Von den lateinischen Sammlungen der unter dem Namen ‘Sermones
ad religiosos’ bekannten Bertholdspredigten hat Jacob (Die lat. Reden des sei.
Berthold von Regensburg' S. 86, § 5) eine kurze Übersicht und Inhaltsangabe
gegeben, von denen zwanzig durch Hpetzl (Beati fr. Bertholdi sermones ad
religiosos Monachii 1882) herausgegeben wurden. Allein diese Ausgabe entspricht
auch nicht den geringsten Anforderungen, die man an Editionen solcher Texte
stellen muß.1) Aber auch in anderer Hinsicht bedürfen gerade die Sermones ad
religiosos noch einer besonderen Untersuchung (vgl. Schönbach, Studien zur Ge-
schichte der Altd. Predigten, V. Stück, S. 55 ff.). Zum großen Teil finden sich
nämlich diese Predigten in anderen Bertholdschen Sammlungen und viele derselben
sind überhaupt nicht für Religiösen berechnet. Dagegen ist unsere Sammlung fast
ausschließlich für Religiösen bestimmt. Als deutsche Predigten sind sie in diesem
Umfang die einzige Sammlung, welche wir auf Berthold von Regensburg zurück-
führen können. Sechs deutsche „Klosterpredigten“ hat Strobl (Pfeiffer-Strobl II,
1) So urteilt auch Schönbach, Studien zur Oeschichte der altdeutschen Predigten V. Stück S. 60.
IV’i« ich mich durch Einsicht in die sehr fehlerhafte Handschrift überzeugt habe, hat Hoetzel
wenigstens den Text der Hs. genau wiedergeben, was man ton den lat. Texten Schönbachs nicht
sagen kann. Als Beispiele führe ich einstweilen nur an III. Stück S. 8 Z. 3 ff.: item de penitcnda
dicunt, quod non cat saccrdotibna eonfitcndum. nec confinnationem ab eis accipi debere: In der
Hdschr. heiflt es aber: nec ponitentie ab eis accipiende, was allein einen Sinn hat. S. 6 Z. 17 ff. :
ecce. quanta cecitas, cum tota scriptura dicat creationem! (in der Hs. jedoch contrarinm, was wieder
allein richtig ist).
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Einleitung.
XXIII
258 — 274) bereits veröffentlicht. Sie sind sehr individualistisch gehalten in
lebendigem Verkehr mit dm Zuhörern. Unsere Predigten dagegen tragen der
Mehrzahl nach mehr doktrinären Charakter, was sich leicht am der Art und Weise
der Aufzeichnung erklären läßt , die nach dem gehörten lebendigen Vortrag nur
den Gedankengang niederschrieb, ohne sich an die rhetorische Form zu haltm, oder
auf die Behandlung der Predigten durch den Sammler derselben.
Daß Berthold neben seiner Tätigkeit als Missionsprediger auch in Klöstern
gepredigt hat, darf man von vornherein als selbstverständlich betrachten; und daß
sich bei seiner Berühmtheit diese Predigttätigkeit nicht auf seine Ordensangehörigen
allein beschränkte, ist ebenso anzunehmen. Auch Schönbach hält es für sicher
(VII, 19) erwiesen, daß Berthold Predigten an Frauen einer geistlichen Kon-
gregation gehalten hat und zwar in seiner Eigenschaft als Spiritual (vgl, Schön-
bach VI, 70, 75. VIII, 82. „Jedenfalls betrachte ich die Aufnahme von Nieder-
schriften Bertholdscher Predigten an geistliche Frauen als ein Zeugnis dafür, daß
er eine Wirksamkeit als Spiritual oder Hausprediger tatsächlich ausgeübt hat“). Unsere
Sammlung fügt sich darum der bisherigen Überlieferung an die Seite.
ln den deutschen Texten der Klosterpredigten finden wir auch alle Vorteile,
die Schönbach (VI. Stück) an den deutschen Missionspredigten vermißt: genaue
Bibelzitate, ausgiebigen Gebrauch der Kirchenväter, als deren Meister Augustin,
Gregor und Bernhard zitiert werden (vgl, Schönbach VIII, 9), Verwendung des
Breviers und die frühe Entstehung der Sammelhandschriften.
Auf Berthold von Regensburg passen schließlich die Urteile, welche die
Predigten seither von den Fachkennern gefunden haben. So urteilt Albert
(Geschichte der Predigt in Deutschland, 3. T., S. 98j9) über die 57. Predigt,
daß eie eine ganz hervorragende Stelle unter den schriftgemäßen Predigten ein-
nehme, schon um deswillen, weil sie nach Coloss. 3. 16 ‘Von dem worte Gottes’
selbst handelt, „Der Verfasser stellt eitle ganz vortreffliche Theorie der Predigt-
kunst auf, wenn er fordert, daß zu allererst 'bei dem Prediger im Herzen das
Wort Gottes geboren werde', daß also Meditation und Gebet, persönliches Christen-
tum des Predigers eine Vorbedingung zu gesegneter Arbeit sei. Er hat selbst
gewiß treidich nach dieser Vorschrift gehandelt. Das ganze 3. Kapitel des Briefes
an die Colosser ist offenbar vor Abfassung der Predigt im Zusammenhang durch-
gearbeitet worden, ein Zeugnis von einem seltenen eingehenden Schriftstudium.“
Ähnlich urteilt Michael: „Der oberrheinische Prediger, wie man der Kürze halber
den Verfasser der Sammlung nennen darf, offenbart sich als ein Mann von
theologischer toie rhetorischer Schulung, von lebendiger Phantasie und von milder
Gemütsart“ (II, 139). Diese günstigen Urteile werden jetzt erst recht in ihrem
Werte gewürdigt werden können, da die ganze Sammlung gedruckt vorliegt.
Der Ausgabe der Predigten ist A zu Grunde gelegt, weil sie die einzige
Hs. ist, in welcher die Predigten vollständig überliefert sind. Die Lesarten zu
Nr. 1 — 10. 12. 13. 17 aus der Hs. S, auf die ich erst am Abschluß des Druckes
aufmerksam wurde, sind im Anhang S. 342)3 mitgeteilt. Von Nr. 35 an ist G bei-
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XXIV
Einleitung.
gezogen, dessen abweichende Lesarten in dem Apparat vollständig vermerkt tcurden.
Dabei wurden jedoch Wortumstellungen, die den Sinn nicht veränderten, nicht
berücksichtigt. Da O mit Nr. 71 abbricht (S. 306, Z. 11), trat für die An-
merkungen an dessen Stelle Z, auf das schon früher wie auch auf 1F bei allen
schwierigen oder unsicheren Stellen zur Feststellung des richtigen Textes zurück-
gegriffen wurde.
Als Grundsätze für die Textbehandlung waren die von der Deutschen
Kommission festgelegten maßgebend. Die Abkürzungen, die in AG spärlich, aber
durchaus regelmäßig sind: Striche über den Buchstaben für n und m (im Zweifel-
fall gibt der Apparat Aufschluß), wurden sachgemäß aufgelöst: wz in waz; dz
in daz; jedoch wurde ausgeschriebenes das und was in Abelassen; ebenso de und
wc in G nicht aufgelöst, vn wurde durchgehend in und aufgelöst, die Form vnde
dagegen in G belassen. Ferner wurde:
mhd. anlautendes u, in A geschrieben v: gedruckt u,
Ji ft Jl ff ft fr 1 • fr J*
Die Schlußsilbe g z. B. in gebg wurde mit geben aufgelöst, obwohl daneben häufig
doppel-n vorkommt: gebenn (vgl. S. 1, Z. 3). Am Ende einer Zeile steht für s
öfters 5, das im Druck mit z wiedergegeben wurde.
Die Titel der Predigten in A sind durchweg rot geschrieben. Absätze durch
rot durchstrichene Buchstaben gekennzeichnet. Die lh Spatien wurden im Druck
nach den von der Kommission geforderten Grundsätzen angewandt. Der Text
von A leidet vor allem an vielfachen Auslassungen, die meist durch Überspringen
auf gleichlautende Worte hervorgerufen wurden. Beispiele gibt der II. Teil von A,
die Predigten Nr. 35 ff., zur Genüge; sie sind auch für den ersten Teil von A
anzunehmen, wodurch sich manche jetzt unklaren Stellen werden berichtigen lassen.
An Zuverlässigkeit der Textwiedergabe glaube ich das Möglichste geleistet zu
haben, da ich die Korrekturen stets nach den Handschriften las. Daß mir dies
möglich war, verdanke ich dem Entgegmkommen der Freiburger Universitätsbibi., der
Karlsruher Hof- und Landesbibi., der Züricher Stadtbibl-, der Wiener k. k. Hof-
bibl., der Straßburger Stadtbibliothek und nicht zuletzt der Gastfreundschaft des
Stadtarchivs zu Freiburg, wo ich durch die Freundlichkeit von Herrn Archivrat
Professor Dr. Albert, alle Hss. in Muße benützen konnte.
Es sind jetzt zehn Jahre her, daß ich die Handschrift A in der Universitätsbibi,
zu Freiburg auffand und abschrieb. Herr Professor Dr. Pfaff, Bibliothekar zu
Freiburg, hat mir damals mit manchetn Bat zur Seite gestanden, so daß ich auch
an dieser Stelle ihm meinen Dank aussprechen möchte. Gleichen Dank schulde ich
der Liebenswürdigkeit von Herrn Prof. Panzer in Frankfurt, der die Korrekturen
mitlas, und dem Entgegenkommen von Herrn Prof. Boethe in Berlin, der die Auf-
nahme der Predigten in die „Deutschen Texte“ ermöglichte und sich ebenfalls an
der Korrektur beteiligte.
Scherzingen bei Freiburg i, Br., im September 1908.
Karl Rieder.
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Der sogenannte St. Georgener Prediger,
eine Überlieferung
von deutschen Klosterpredigten
Bertholds von Regensburg.
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11.) Von den zehen gebotten unser« herren.
Der almähtig Got nimt ein michel zal alle tag von dirr weit, der ieklichs
ist schuldig zehen helbling ze geben, und swer si nit hat ze gebenn, der müss
eweklich verlorn sin. swer ir siben oder nun git, der hat nit gewert, won ir
sont zehen sin. der arm mag nit minder geben denn der rieh, dis zehen helb- 5
ling sint du zehen gebot, zü den ain ieglich mentsch gebunden ist, er si arm
oder rieh.
Der erst helbling ist daz erst gebot: du solt kainen frömden Got haben für
mich, dirr helbling hat zwai gebräch. daz erst: du solt an kainen Got geloben
wan an mich, weder in dem hymel noch uff der erde, die von Babylony 10
bettaten die sunnen an, den man und die steinen; die Kryechen die lüte und
daz vih und du tier; die von [V] Egypten land ain merwunder, daz hiess Apym.
daz solt du alles nit tfin. daz ander gebräche ist daz du ane valschhait und
an hinderlist mit guten trüwen an Got gelobest, daz du von reht geloben solt
und als dir din cristener gelob seit, daz tönt die juden nit noch die kätzer. 15
da von wirt vil lüt verlorn daz sü nit disen helbling laistent.
Der ander helbling ist daz ander gebot: du solt dines Gottes namen nüt un-
nützklich nemen. der helbling hat öch zwai gebräch. das erst ist: du solt nit
durch lait noch dur lieb noch durch kain ding maiuaid swerren noch umbsuss
Iihteklich bi Got swerren, won mainaid sin gröz sünde; und wer vil swerren wil, 20
der wirt dik mainait, daz ander gebräche ist: du solt Oot niht schelten noch
fluchen, won daz ist ain vil grössü sünde; und solt öch nit grözlich Got [1‘]
erzürnen , won er schlüg ze ainem male von aines mentschen schulde der Got
schalkt, hundert tusent und fünf und ahtzig tusent mentschen ze tode in ainer
naht, umb disen helbling wirt ser gerihtet. 25
1. Die Überschrift um/ das Anftings-I) des Textes ist rot geschrieben. 12. morwnd'.
13. ilz *olt] lies dez solt? 21. Oot fehlt.
1. Zu dem Stück über die zehn Gebote vgl. Pfeiffer- Strobl, JSerthold von Regensburg I 264
-288; II 198-200 und die Lesarten. — Ebenso handschriftlich in Cod. Pal. germ. 527 fol. 117‘
(Bartsch Nr. 268): DaB ist ain bredig von zechen beten. Der alitiechtig got nimt alle tag ain
michel taii im«., und in Cod. 966 S. 121-129 der Stiftsbibl. zu St. Gallen. 8. Zu dem Wort-
laut der 10 Gebote vgl. Exod. 20, 1-17. In der Ausführung der Handschrift ist das 9. und 10. Ge-
bot gegenüber Pfeiffer -Strobl I 285; II 200 vertauscht. — Vgl. auch Jacob, Die lat. Beden des
sei. Berthold t*on Regensburg S. 54 Nr. 48, 49, und Schönbach , Die Überlieferung Bertholds von
Regensburg I 39 ff. 24. Isai. 37, 36.
Denteche Teite de« Mittelaller*. X 1
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2
l. Von den zehen gebotten ünaers herrcn.
Der drit helbling ist daz drit gebot: du solt den tag der rüwe hailgen,
daz ist den virtag eren und behalten, dirr helbling hat Och zwai gebräche,
daz erst ist: du solt den virtag nit versmähenn mit werche noch brechen als
die kätzer, die an dem sunnentag gerner werchant denn an dem mäntag. daz
5 ander ist daz dines hertzen rüwe an kainer creatür sol sin wan an Got, der
ällü ding geschaffen hat der mentsch zerstöret sines hertzen rüwe der kain
ander rüwe gert und fröde denn an Got, es si güt, ere, wib oder kint. ey
lieber Got, was lüt umb disen helbling wirt verlorn!
Der vierd helbling ist daz vierd [1*! gebot: du solt eren vatter und müter,
10 daz du dester lenger lebest, dirr helbling hat Och zwai gebräch, daz erst ist:
du solt eren vatter und müter mit dem hertzen, daz ist du solt sü nit dar umb
versmahen daz sü alt sint und arm, siech oder ungestalt; wan ist daz an inen,
daz sint si von den schulden din. du solt si eren mit dem übe, daz du inen
dienest und inen ir notdurft gebest, ob du sin statt mäht han. daz ander
15 gebräch ist: du solt dinen gaischlichen vatter, daz ist der priester, und dine
gaischlich müter, die hailgen cristenhait, eren; wan Got hat den priester über
all mentschen geeret, da von sol in der mentsch löblichen eren.
Der fünft helbling ist daz fünft gebot: du solt nieman töten, dirr helbling
hat Och zwai gebräch, daz erst ist: du solt mit diner liant nieman töten noch
20 haissen töten, den hast du getötet dem du mohtest gehelfen und sin nit entäte;
[2*] won dü schrift spricht also: ‘gib dem hungrigen ze essenn’; wan stirbet er
von hunger, du bist schuldig an im. du solt niemans todes geren mit rät, mit
helf, mit trost noch mit gunst daz ander ist: du solt dinen eben cristen nit
hassen ; won swer sin eben cristen hasset, der ist manschleg.
25 Der sehst helbling ist daz sehst gebot: du solt nit uukünsch sin. dirr helb-
ling bät Och zwai gebräch, daz erst ist: du solt niemannes wip ze unkünsch
geren, daz ist ze un e. umb disen helbliug wirt vil lütes all tag verdampnet.
daz ander ist ain sogtanü sach unkünsch da von nit ze sagenn ist. vor der be-
schirm üns ünser herr Jliesus Christus.
so Der sibend helbling ist daz sibend gebot: du solt nit Stelen, din- helbling
hat och zwai gebräch, daz erst ist: du solt niemans güt ze unreht geren, weder
mit rob noch mit wucher noch mit kainer unrehter /£*/ wise. daz ander ist: du
solt niht sorklich din güt behalten, du solt es armen lüten mit tailen. umb
disen helbling wirt man fragend an dem jüngsten tag.
35 Der ahtend helbling ist daz ahtend gebot: du solt nit valscher gezüg sin.
dirr helbling hat och zwai gebräch, daz erst ist: daz du weder durch miet noch
durch bett, durch liep noch dur lait valscher gezüg gegen ieman sigest
das ander ist: du solt nit liegen, hie merket man fünf hant lüg die tötlich sint,
24. In manschtet? stand zunächst nianaclileh, das dann in mansch log korr. wurde. 26. wipl
Pfeiffer-Strobl I 278, 8 uni II 199, 29 hat lip. 28. »ach ist u-ohl ru tilgen (Panter). 31. daz
erst lat fehlt.
21. Anspielung auf Isai. 58, 7; Prov. 25, 21; Rom. 12, 20.
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1. Von den zehen gebotten ünsors herren.
s
und dri die ablässig sint. du erst ist so man redet wider den globen; als ob
man spräche: Got si nit mentsch worden oder er wurdi nie gemartrot oder ünsrü
vrowe si nit ain rehtü magt oder ain säralichs das wider den globen ist. dü
ander ist dü etwem schadet und niemann nütz ist; daz ist so du ainem ment-
schen mit lügen sin er nimest oder benemen wilt oder sinen lip. dü drit [2"] ist 5
daz ainem fmmet nnd dem andern schadet; daz ist so da mit lügenn und mit
valscher gezügnust ieman sin gilt nimest dü vierd ist so du mit Hisse lügest
oder trügest durch daz daz du dinen neben cristen betrügest und überkuraest
daz er sin grossen schaden hat; daz tüst du än Sache, won er dir wol getrüwet.
dü fünfte ist so du lugest daz du dester bas gevallest, als der lotter und der io
spilman, der umb gäbe lobet den der da ze scheltenn ist, und schiltet den der
da ze lobenn ist. die fünf lugi sint tätlich. die andern dri sint ablässig, ob si
nxt sint in der gewonhait. dü ain und och dü sechste daz ist daz nieman schadet
noch nieman frumt: als du gegen iemann der etwem sin güt wölti stein, nemen
oder roben, sprichest du du wissest sin güt nit, ob man dich sin vrage. dü ander 15
und dü sibend ist so du ainen mentschen wol [2*] waist den sin vigint süchent und
in töten went, und du seist du wissist sin nüt. dü drit und dü ahtend ist ob
ainer wölti ainer mägd iren magtüm nemen, daz du ir den behieltist mit lügenn.
dis sint ahtband lugi die sant Augustinus schribet; und dü erst ist dü maist und
nimet als ab, wan dü jungst ist dü minst. 20
Der nünd helbling ist daz nünd gebot: du solt dines nebent cristen gemabeln
nit begeren. dirr helbling hat och zwai gebräche, daz erst ist: swer ain vrowen
in dem willen an siht daz er gern bi ir schlief!, ob er sin statt möhti han, der
hat dü werch vollebraht. das ander ist: du solt nit begeren daz man din beger
an dem ain werdent die man verlorn, an dem andern die vrowen, die sich dar zü 25
ziehent und sich beraitent dem tüvel ze aim strik. und ist daz nieman dar in
vallet, doch müssent [3°] si daz egschlich geriht und daz urtail Gottes tragen, sü ist
der schlänge der daz mägtlich höbt hat, und si treit daz verborgen aiter. si
hat berait die vergift da mit si die sei töten wil, daz sint ir spilden ögen und
ir valschen geng und ir trugenliches smieren. hie mit so benimt si der rainen so
sei ir künschi. in der alten e geschriben stat: bat ain man ain cysternen, der
sol st bedeken; tüt er des nit, vallet sines nachgeburen rint dar in oder sin
schäf, er sol es gelten’, won er sinen brunnen nit wol bedakte. ey, waz in des
vihes ze geltenn geschäht!
Der zehend helbling ist daz zehend gebot: du solt dins nebent cristens ding ss
ze unreht nit begeren. dir helbling hat och zwai gebräch, das erst ist ...joch gar
10. lugest ohne ä Zeichen. IS. nit fehlt; doch vgl. Pfeiffer-Strobl II 200, 10. 14. noch
nieman] und etewem : Pfeiffer-Strobl II 200, 11, vxu allein richtig ist. neben. 15. du du)
U du. 19. du fehlt. SO. In valschen ist das l nachträglich eingeschoben. 32. si fehlt.
36. Die Punkte sind von mir eingefügt; es fehlt ettca: daz du des begerst ze unreht.
19. Vgl. Pfeiffer-Strobl II 641. 31. Exod. 21, 33.
1*
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4
1. Von den zehen gebotten finRcrs herreu.
an grossen vliss, und dar umb an fliss, won du trüwest nit mit den werchen voll
riehen, daz ander ist daz du dar zü leist allen dinen fliss, [3‘] also die öch tunt
die da gänd Stelen oder röben (geschiht es nit, daz belibet an inen niht), und
daz du do noch alles stäst wie du mit untrüwen überkomest.
5 Dis sint die wir Got müssint widergeben an dem jüngsten tag, baidü arm
und rieh, und wie wir si hie gebent, so werdent uns da wider von im zehen
phenning gegeben, der erst phenning ist daz wir erlidget werdent von der
ewigen verdampnust. der ander ist daz wir mit grossen vröden von hinnen
werdent gelaitet. der drit ist daz wir schone werdent enphangen. der vierd ist
io daz wir mit grossen eren uff dem hymelstül werdent gesetzet. der fünft ist das
uns gantzer gewaZt in dem kymel geben wirt. der sehst ist daz wir habent
gantz erkantnüst, als es uns denn wol erkant wirt der sibend ist daz uns von
dem vatter, von dem sun und von dem hailgen gaist unsäglich süssi wirt gegeben.
13'] der ahtend ist daz wir allen engein und allen hailgen ieklichem werdent ze
15 minnenn. der nünd ist daz wir mit grosser vröde und mit gezierde von Got
werdent gezieret. der zehend ist daz uns der Ion wirt geben den ögen nie ge-
sahent und oren nie gehortent und kaines mentschen hertze nie gedaht. dazü
werdent uns zwai gewant geben, daz ist daz wir an der sei und an dem lip
die ewigen wunne enphahent.
20 Daz verlih uns der süss Jhesus Crist,
der aller vrüd ain übergüld ist. amen.
12.] Von vierhand stukin crlstans glöben.
fCrediderunt quotquot erant praeordinati ad vitam aetemam]
Sant Lucas schribet also: 'alle die geordnet sint zü dem ewigen lebenn, die
25 hant alle cristan geloben’.
Cristaner gelobe hat vier stuki. daz erst ist daz er sol ungemischet sin,
daz ist an ungeloben. wan du solt niht geloben an zober noch an luppe noch
an hess noch an lachnye noch an [3‘] fürsehen noch an messen noch an die naht-
1 . nit fehlt ; es liegt Textverderbnis vor, die lateinischen Predigtsammlungen Berthohls verhelfen zu
dem richtigen Text: una superecriptio: ut si libenter habere« rein proximi tni, etiani iniuste sed sine
conatn auferendi, et idco sine conatu, quia non habe« spem, quod conatug tnus haberct effectum. . . .
Alia superecriptio cum conatu sed sine cflectu : ut qui vadunt furari vel rapere noc inveniunt vcl
nequeunt; similitor qui volunt alios circumvenirc etc. Der von Schönbach S. 51 mitgeteilte latei-
nische Text ist unbrauchbar. Bei Pfeiffer- Strobl II 200, 22 25 steht statt won ... riehen : wan
du truwest sin mit den werken niht vollebringen. 4. do noch| doch noch. 11. gewart.
15. 18. und an dem lip fehlt. 23. Der lat. Text fehlt.
16. I. Cor. 2, 9. 22. Vgl zu dieser Predigt Pfeiffer -Strobl II 81 ff., und die lateinische
Fassung bei Jakob S. 53 Kr. 47, die. nach meinen Abschriften in ihrem ganzen Aufbau mit vorlie-
gendem Stücke übereinstimmt. Die Einteilung lautet: Ad hoc autem , quod fides nostra deo pla-
ceat, quatuor sunt ei nccessaria: sdlicet ut Bit impermixta, ut sit operans, ut sit integra, ut sit
firma. — Gedruckt bei Wackemagcl S. 77 mit den Lesarten aus z. 23. Acf. 13, 48.
28. Vgl. Schönbach, Zeugnisse Bertholds eon Reg. zur Volkskunde S. 28.
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2. Von vierhand etukin criatana glöben.
ö
frowen noh an der agelstrun schrien noh an die brawen und die wangen juken
noch an die batUuien noch an kainer hand ding daz ungelöb si; wan unser
herre hasset also sör den gemisten geloben, als ain man der güt trahte vor
im hat mit süsser spise und der denn dar uf flüga sät: als unmäre denn dem
man du traht wäre, als unmär ist öch unsrem herren der gemist geloube; won 5
er verdarbt ze ainer zit drissig küngrich da von daz sü hattent gemisten
geloben.
Daz ander ist daz er sol güter werch sin, won gütü werch hörent dar zu.
und swer es nit tüt, wie reht der gelobet mit den Worten, so ist er doh
ungelöbig vor Got. io
Daz dritte ist daz er sol gantz sin an ünsers herreu gothait und och an
siner mentschait und öch an cristanlichen dingen die Got hat gesetzt uff
erf/J'/rich. du solt also geloben an sin gothait daz er ist gewaltig und wis und
ewig, du solt also geloben an sin mentschait daz er lip hatte als ain ander
mentsch und im we und wol tet als ainem mentschen und in hungert und 15
durst als ainen mentschen und uff ertrich waz als ain mentsch, won daz er nie
sünd begieng; und daz im du marter also we tet als ainem andern mentschen
und daz er an dem crütz erstarb an der mentzhait, nit an der gothait und
reht ze gelicher wis als ain man mit ainer axs in ainen böm howet, da du
sunne an schinnet — der mag die sunnen doch nit verhowen, si schinne doch 20
au den böm, daz si sich niemer verwandelt dar umb — also ist es öcb umb die
gothait: swie vast und wie vil die mentschait verhowen wart und starb an
dem crütze, doch belaib du gothait gantz und schöne und stark und waz und
ist an angeng und ist iemer [4h] an ende.
Dü cristanlichü ding dit Got hat gesetzet uf ertrich, daz du geloben solt, 25
daz sint siben süle da dü cristenhait uff stät.
Dü erst sul ist der töf. dar an solt du geloben daz kain mentsch so reht
mobt getün uff ertrich, und wär es nit getoft, daz es Gottes antlüt niemer
besehowet obnen im himelrich. es ward öch nie mentsch so sündig, wenn
es getüffet wirt in dem namen dez vatters und des sunes und des hailgen so
gaistes, im sigent all sin sünd ab gewäschen; hat er si joch nie gebihtet noch
gebützet, so ist er doch luter und rain worden in dem hailgen töf. und sturbi
er nach dem töf e daz er in sünd vieli, so wurdi sin sei zehant üf gefüret in
daz himelrich, da er Gottes antlüt iemer sehen sol an ende.
Dü ander sul ist dü virmtnig. dü ist also hailig daz es nieman mag getün 55
won ain bi/4'/schof. und soltent die lüt verr dar nach gan e daz sü ungevirmat
wärent, won es höret zü dem töf.
Dü dritte sul ist bihte, rüw und büsse; won es ward nie mentsch so sündig,
und hetti er rüwe, biht und büsse vor sim end, Got vergeh im all sin sünde
und werde behalten in dem himelriche. *>
tt. ain. IS. er/rich am Ende und Anfang der Zeile. 18. mentz/hait am Ende und
Anfang einer Zeile. 25. dü] du. 33. nach zehant ist gefüret rot durchetrichen und tlatt
denen üf gefüret geschrieben worden. SS. ao am Bande.
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2. Von vierhand stukiu cristana glöbcn.
Dü vierde sul ist der vil hailig Gottes licham. daz solt du geloben daz er
gewürer Got und mentsch ist und daz er ist in ainer ieglicher messe, da in
der priester segnot und handelt und ze glicher wis also da ain man sprichet
‘Jhesus', und daz wort mäng mentsch höret und ist doch nit won ain wort, und
s daz wort hat ain ieglich mentsch enphangen gar und gantzlich in sin ore
und in sin hertze und treit es mit im haime, und sprichet der man noch dan-
noht 'Jhesus“, also ist es öch unb unsere herren lichamen. der priester hat in
hie in der kirchen, [ 4 *] der ander hat in dört in der kirchen, so wit als du
kristenhait ist; so hat in ain priester in der hant, ainer in dem rnund, ainer
jo behaltet in uff dem alt&r, ainer treit in uff dem weg zü den siechan, ainer git
in den siechan in den munt, da hat in der siech in dem munt: also git unser
herr sinen lichamen swem er wil und wa er wil und wie dik er wil, und ist
doch ain gantzer Got, der ie waz und iemer ist an end. du solt öch geloben:
so der priester die oflaten gesegnet in der messe, so ist unser herr in der
15 klainnen oflaten also gross und also gantz gewaltig als er ist in himelrich.
und merk ze glicher wis: nime ain klaines spiegellin in die hand und geng zü
dem aller grösten münster daz in der weit ist, und nim daz klain spiegellin
und hab es gegen dem münster, so sihest du daz gross münster in dem klainnen
spiegellin alles sament, [5‘] wie es geschaffen ist: also ist es öch umb ünsern herren.
20 der ist in der klainnen oflaten also gar als in dem himelriche. du solt och daz
gelouben: so der priester die oflaten gesegnet in der messe, daz dü oflat, dü
e waz bröt, dü wirt verwandelt ze ünsers herren flaisch, und wirt der win
verwandelt ze ünsers herren blüt. und merk da bi: swaz der mentsche isset
oder trinket, daz machet er in im selben ze flaisch und ze blüte, und den
25 gewalt hat er von Got. du solt wärlich gelouben daz der almähtig Got, der
also mähtig ist daz er ällu ding wol mag tün und im nüt unmuglich ist ze
tünd, der machet och wol brot zü sinem flaisch und win ze sinem blüte. du
solt och daz geloben: weles mentsch an sinem ende ünsers herren vrön lichamen
wirdeklich enphahet mit rehter rüw und mit rehtem geloben, daz der niemer
so von Got wirt ge/ö'/schaiden.
Dü fünft sul ist daz hailig öl. daz ist gut dar zü daz des vegfüres dester
minder wirt, und ist öch güt dem siehtagen des libes und der sei. sol der
mentsch nit sterben, so ist er dester e genesen so er geölt wirt mit dem hailgen
öl. und also lang so er siech ist, so ist da mit genüg geölt; und geniset
36 er aber und wirt er dar nach aber siech, so sol man in aber ölen.
Dü sehst sul ist dü e. daz solt du geloben daz die lüte die ir e reht
haltent als si Got geordnet hat, die werdent all behalten bi ünserm herren in
himelrich.
Dü sibend sul ist der priester orden. du solt daz geloben daz an dem
40 priester zwai ding sint: sin ampt und daz ist hailig, daz sont wir von im
enphahen; sin leben hat er von im selben, swie bös und wie sündig er si an
7. unb am Ende der Zeile.
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2. Von vierband atukin cristans glftbcn.
7
sim lebenn, untz daz im sin amt unverbotten ist, so mag er messe singen und
biht hören und [Ö‘] aplas geben und enbinden von sünden. und swie vast der
priester mit den Sünden ist gebunden, sin ampt ist doch ungebunden und ist
hailig und enbindet uns wol von sünden. und relit ze glicher wis also da ain
mentsclie in ain lachun vallet und gar unsuber wirt, und kämi denn ain mor 5
und wüschi in schöne und hulfi im us, also daz er gar schöne wurdi: so wäre
der mentsch als schön worden von dem moren als ob in ain güter und ain
suber mentsch gewaschen hetti. also ist es öch umb den priester: swie unsuber
er ist mit den sünden an sinem leben, so ist aber sin ampt schön und luter
und raine und hat den gewalt von Got. swenn ain mentsch im gebihtat sin io
Sünde mit rüwigem hertzen, und denn e der priester sin hand üf hat über
den mentschen und sprichet ‘indulgentiam’ und dü wort dü er denn sprichet und
sprechen sol, so tüt sich der himel üf. und als der priester apblas git und in
enbindet von födJ sinen sünden, also git ünser lierr Got dem mentschen applaz
und enpindet in von allen sinen sünden. und merk ze glicher wis: also da ain 15
küng sinem sun santi zehen mark goldes bi ainem botten der ainög wäre oder
hofroht und dü nas krumb und gar unsuber wäre, so enphieng doch der sun die
zehen mark goldez von dem botten und spräch: ‘hab dir din krumb nasen und
dinen unsubem lip, min golt ist schön und luter und rain, daz mir min vatter
der künig hat gesaut', also ist es ouch umb den priester: swie blind, swie 20
hofroht und swie krumb er si an sinem leben mit den sünden, so ist doch sin
ampt schön und luter und raine. daz sont wir von im enphahen, daz hat üns
Got ünser vatter von himelrich gesent, aber sin leben hab er im selber, und
daz wisse ain ieglich mentsch, daz ain priester bi ainer gewihten nunnen wär
gelegen oder [6‘] bi siner swester oder bi siner müter, der mentsch sol den priester 25
nit bitten ze singenn; singt aber der priester des tages messe, so solt du daz
geloben daz er rüw habe, und solt sin messe als gern hören als ob sant Peter
da sungi, und solt geloben daz sin mess als hailig si und dir als grössü gnäd
wider vert als in sant Peters messe.
Daz vierd stuki des geloben ist daz er vest si ze glicher wis als ain stain, der so
niemer gewichet; won gold lät sich biegen, isen lät sich biegen, aber ain stain
lät sich aller zerbrechen e er sich lasse biegen, also sol öch der cristan mentsch
tün: der sol sich e lassen martren e daz er iemer entwiche von cristam globen
mit gedänken, mit Worten oder mit werchen. die lüt die dis behaltent, die sint
all geordnet zfi dem himelrich und zü dem ewigen leben obnan uf in daz himel- 35
rieh für den almähtigen Got. und swer iemer disen globen widerbre/6‘7diget,
daz sont ir wissen das der ungelöbig ist, und sont im nit geloben, won er wolt
üch schaiden von dem almähtigen Got, da vor behüte üns der vatter und der
sun und der hailig gaist, amen.
6. wschi. 11. denn ?) denne? (Roethe). 13. ap/blas am Ende und Anfang der Zeile.
30. ist fehlt. 32 u. 33. 'C (io meist) . 33. cnstam so.
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8
3. Von der hailikait und bezaicbnung der messe.
13J Yon der hai/ikalt und bezalchnung der messe.
[In omnibus honorificetur Deus.]
Sant Peter sprichet daz Got von allen dingen und von allen mentschen sol
geerat werden.
5 Vier ding eint die man eren sol ob allen dingen, daz erst siht man und
höret es, daz sint die priester. daz ander ensihet noch enhöret man, daz ist
unser vrowe sant Maria, daz dritte höret man und siht es nit, daz ist Gottes
wort, daz vierde siht man und hört es nit, daz ist unsere herren licham; den
sol man eren ob allen dingen.
io Es sint öch fünf hand lute die der mess nit antailig sint die ersten sint
die da üs gänt so man daz ewangeli geliset; den wirt nit tailes [6] an der messe
oder vil wenig, die andern sint die da runent und klaffent; denan wirt öch der
messe nit. die dritten sint die den Gottes dienst verbotten ist oder in dem banne
sint und doch ze messe gant; den wirt öch der messe nit. die vierden sint die
15 die mess veremahent und der nit went; den wirt öch der messe nit. die füften
sint die da linsern herren unwirdeklich enphahent.
Der mentsch der andähtklich zu der messe ist, der enphahet zehen gnad.
du erst ist daz im Got all sin sünd vergit. du ander ist daz er den hailgen
gaist enphahet. daz dritte ist daz Got des mentschen gebet dester gerner er-
a) höret, du vierd ist daz Got den priester dester gerner über in erhöret, dü fünft
ist daz der mentsch sicher wirt an sinem ende, dü sechst ist daz sin begir
dester merer wirt. dü sibend ist [6*] daz die engel dester gerner bi dem mentschen
sint dü ahtend ist daz der mentsch an fügenden wachset, dü nünde ist daz
der mentsch von sinen sündeu enpunden wirt. dü zehend ist daz sich der
25 mentsch Gott haimlichet und Got sich gegen im vröwet.
Dü mess ist also vol des hailgen gaistes als daz mer wassers und als dü
sunn liehtes und daz ertrich des stobes.
Daz gewant daz der priester an leit so er singen wil, und swas er singet
und liset und anders tiit in der messe, daz hat alles bezaichnunge. daz erst ist
so der umbler, den er uff daz hobt leit; der bezaichent daz Got die rainen meut-
schait an sich nam, da mit er die hailgen gothait bedakte. dü albe bezaichet
daz luter hertze und daz rain leben daz ünser herr uff ertrich hatte, der gürtel
der sol sydin sin oder von wissem garn lynim, und sol zwivalt sin, daz iewedert
1. haikait. 2. Der lateinische Text fehlt. S. ist fehlt. 21. Als 6. Punkt hat T Vacker-
nagel 8. 70 Z. 35: diu vi das sin fogfiur dest roiner wirt. Ebenso findet sich eine andere Fassung
des 9. Punktes. 26. m(>r so. 31. nam] naz mit Schlu/l-z am Ende der Zeile. bezaichet so
und im folgenden.
1. Vgl. die lat. Predigten Bertholds von Regensburg bei Jakob S. 49 Nr. 21 u. S. 82 Nr. 53;
ein Drxwk bei Franz, Die Messe mi deutschen Mittelalter S. 745. — Pfeiffer - Strobl I 488. —
Wackemagel 8. 69. — Das gleiche Stück erhalten in Cod. Nr. 2677 u. 2993 ( Hoffmann , Verzeichnis
der Hss. S. 85 u. S. 328) der Wiener Hofbibliothek. 2. 1. Petr. 4, 11.
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3. Von der hailikait und bezaichnung der meeee.
9
[7“J halb ain ort nider hangen; daz bezaichet die künschikait die unser herre an
sinem leben und an siner lieben müter hatte, der hantvan bezaichet siue demüt-
kait. du stöl bezaichet die lang arbaite und die inarter die er uff ertrich laid.
der messachel bezaichet die grossen und die gantzen minne unsere herren.
Der anvang der messe bezaichet daz rüfen daz die altvätter und die wis- 5
sagen tatent nach ünserm herren, daz er käme, daz kyryeleyson und das crist-
eleyson bezaichent daz rüffen: ‘herr, erbarm dich über uns.’ daz gloria in excelsis
daz vahet der priester an und stät enmitten ob dem altär: du mitli bezaichet
daz unser herre glich durch all die weit geborn wart; daz ers ainig anvahet,
daz bezaichet daz der engel den hirten kunte daz unser herre geboren was. so l»
helfent sü im denn all singen, daz bezaichent daz lob daz die en/7*/gel tatent do.
du zwai lieht die da sont sin, bezaichent die zwen Sternen: ainen der den juden
ob der kripp erschein, der ander der den haiden erschain, daz waz der Stern der
die küng wiset für ünsern herren. dü collect bezaichent. daz gebet daz ünser
herr tet do er uff ertrich waz, und den dienst den er siner lieben müter tet: so 15
sont wir ällü vast betten, dü lecce bezaichent die bredige sant Johansen bap-
tisten, daz er kunte daz ünser herre käm. daz gradal bezaichent daz er ünsern
herren zaigte mit dem vinger und er sprach: ‘er ist ietz under üch, und ir er-
kennent sin nit’, und vragtent in die lüte ob er Orist wäre, do sprach er: ‘nain,
ich bin ain stim’; daz ist also vil gesprochen als ob er spräche: als klein ain »
stim ist gegen aller weit, also klein bin ich wider im der da komen sol; ir wer-
dent mich lasseut und im nach volgend. daz [7*] ewangelium bezaichet die süssen
predi die ünser herr selber tet mit sim hailgen gütlichen munde; won es wart nie
kain brediger der ie so süsseklich gebredgeti als ünser herr selber tet daz credo
in unum bezaichent daz die lüt gelobig wurdent und sich bekertent, hie und da. 25
daz offertorium daz man der nach singet, bezaichent dü grossen zaichen dü ünser
herr tet an den siechen, die er gesunt machet — er machet die blinden gesehent»
die lamen gereht, die miselsühtigen raiu — und ander mänig gross zaichen, daz
ünser herr tet. daz swigen daz er dar nach tut, bezaichent daz die juden ze rät
giengent, do ünser herr so grössü zaichen tet, wie sü im getäten — do sprach 30
Caypkas : ‘wir sont in töten, wan es ist besser daz er allain sterbi, denn ällü dü
weit verderbi' — und bezaichent öch daz ünser herre in die [7*] wüsti gie und er
den juden entwaich. so beraitet man denn den tisch zu der Wirtschaft dü da sol
sin. dar nach gät: per omnia secula seculorum; daz bezaichent daz ünser herr
Lazarum hiess uf stän, und er zehant uf sprang mit den banden da mit er ge- ss
bunden waz. dar nach gät: sanctus, sanctus, sanctus; daz bezaichent daz ünser
herr ze Jherusalem inrait und er vrölich enphaugen wart mit lobe und mit
ge sang, da nach naiget er sich für den altär; daz bezaichent daz gebet daz ei-
tet do er bliit switzte. dü crütz ällü die dar nach beschehent, e daz er ünsern
herren uf habe, die bezaichent die marter ünsers herren: dü kurtzen crütz be- <o
zaichent kurtz marter; und swas er denn tüt, daz bezaichent alle sin marter.
IS. Joan. 1, 36. 19. Joan. 1, 33. 31. Joan. 11, 50.
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3. Von der hailikait und bezaichnung der messe.
dar nach hebt er ünsern herren uf; daz bezaichent daz unser herr jümerlichen
uf an das erütz erhaben wart und dar an genagelt und geschlagen wart, dar
nach streket er (S’J die arm von im; daz bezaichent daz unser herr so sere
und so vast gezogen und zertent wart an dem erütz. du stim die er hat so er
5 sprichet: nobis quoque, daz bezaichent daz in der schächer anrüfte an dem erütze
und er im sin sünd vergab; so sont wir öch denn ünsern herren an rüffen. dar
nach gat: per omnia secula seculorum und daz pater noster; daz bezaichent daz
unser herr lüt erschre und lang an dem erütze, und daz im der stim gebrast, so
helfent im die gelerten und sprechent: sed libera nos a malo; daz bezaichent
10 daz jamer daz all creaturen do hattent mit irem schepher. daz swigen daz er
denn tüt, daz bezaichent daz er üns nach sim töd blüt und wasser gab von
sinem hertzen. daz agnus dei bezaichent die urstendi ünsers herren, daz er sin
müter erfrowte und Marien Magdalenun und sin junger, dar nach bewaret er
sich der priester; daz bezaichent daz ünser herr äss und trank mit sinen jungem.
15 dar nach singet man den [8‘] conmunionem; daz bezaichent ünsers herren hymel-
vart. dar nach gat dü complende; daz bezaichent daz gebet ünsers herren daz
er tüt zu sinem vatter für üns in hymelriche. dar nach keret er sich umb und
sprichet: dominus vobiscum; daz bezaichent daz ünser herre an dem jüngsten
tag her wider kirnt und sich aller weit öget. dar nach git er den segen; daz
20 bezaichent daz ünser herr sinen vatterlichen segen an dem jüngsten tag sinen
lieben kinden gebent wirt,
14.] Von manger hande regel.
Stephanus plenus spiritu sancto intendens in celum vidit gloriam dei etc.
Stephanus daz sprichet ain regel, und sint bi im bezaichent alle gaistlich
25 lüt in clöstern. er waz vol des hailgen gaistes, der da hatt schnellekait
und wisshait.
Text des Schlettstädter Fragments.
S^phano pleno spu sco itödes I colfl uid’ glam di z o!
Stephano kit ain regil vn sit bi ime beza'chtt alle gastliche l'vte in clost'n e' wc
30 uol des halige ga'stes . d! hat gnellicha't vn wissha't . snellecha't zelofine i all’e go'tc w‘ke
8. herr fehlt. 9. statt gelerten steht bei Wackemagel S. 74 Z. 195 wohl richtiger: korherren.
16. Wackernagel S. 76 Z. 249 hat collecte statt complende. bezaiehz am Ende der Zeile.
22. Vgl. zu diesem Stücke Cod. Pal. germ. 24 Nr. 45 der Heidelberger Universitätsbibliothek.
— Die lat. Predigt Bertholds t'on Regensburg bei Jakob S. 87 Nr. 11, gedruckt bei Hötzl, Sermone»
ad religiosos S. 58 ff. — Ein sehr altes, dem 13. Jahrh. angehöriges deutsches Bruchstück der Pre-
digt findet sich in der Schlettstädter Stadtbibliothek Cod. 1192 „Vitae sanctorum“ Bl. 33-34 ‘ in
außerordentlich kleiner und sehr seltsam abgekürzter Schrift; gedruckt bei Haupt, Zeitschr. f. deutsches
Altertum 5, 421, jedoch unvollständig und mit Fehlem; daher hier oben als zweite Rubrik in genauem
Abdruck tciederholt, der nur die übcrgeschricbenen Vokale des Originals rechts (in l'vte, d'v u. ä. links )
oben von dem Vokal bringt, zu dem sie gehören. — Wackemagel S. 268 Iningt den Schluß der
Predigt aus A. zur Ergänzung des Schlettstädter Bruchstückes. 23. Act. 7, 55.
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4. Von mknger hantle regel.
11
Scbnellekait ze löffenn in allen güten werchen. war umb man aber
schnelleklichen loffen sol in allen güten werchen, daz sint dri sache. [&] du erst
ist daz man sieb lang versumet bat; daz ander ist daz daz leben kortz ist; du
dritt ist daz nach disem leben nieman lön verdienen mag. her umb sol man
louffen än underläss mit begerung, mit Worten, mit geddnken und mit allen 6
güten werchen, daz man vrölich kom in daz lant der gaiste. und won wir
gaistlichen namen habent, so werchent wir och nach dem gaiste. won wir
gaischlich haissent und wir des gaistes nit hänt, daz ist ain spot vor Got und
vor allen sinen engein, rebt als des gespottet wäre dem man hiessi ain künig
und er ain betler wäre, war umb aber in disen ziten gaischlich leben so ser io
ab neme, daz kumet da von aller maist daz die jungen lüte böses bildes vil vin-
dent an den alten und lützel gütes bildes. da von hütent sich die eitern! wellent
si nit gütes bildes tragen, so bergint doch ir krankait [8*]\ wan in der altun
e ist geschriben: ‘swer grabet ain grübe und die nit verdeket und sich ain vih
dar in erstürtzet, der ist es schuldig ze geltenn dem herren des es ist’, du 15
unbedakt grüb daz ist offen bös bild; dar in vallet der eseloht ochse, daz ist der
weltlich oder der gaischlich mentsch; die sich dar in ergerent, der muss die
gelten, daz spricht: du müst ir red geben an dem jüngsten tag dem herren der
die marter dur sü laid. nu sprichet Got: 'swer den allerminsten ergeret der an
mich gelobet, dem wäre vil besser daz im ain mülstain an die kelun gebunden 20
wär und an dez mers grünt versenket’, war umb haisset er den minsten? won
er des hailgen gaistes lützel hat; won wäre er vol des hailgen gaistes, so wurd
war umbe man ab1 snellecliche loffin sol T alle go’ti w'ch’i . vu d'n sache . d'v e'sti de
mä sich läge v’sumet hat . div and’i de de leb! kvrz ist . div d'tj de nah disem lebene
n'emä l o v‘di*ne mag . har vmbe sol mii loffin ain vnd' la's . mit beg’unge mit gedeke 25
mit go'te Worte . vfi go'te w'ke . de wir fliehe come indc lant d1 ga'ste vn wan wir gast-
liche name ban . so w'che och nah deme ga’stj . wö ga stliche’ h'ce vn di’ des ga'stis nihit
hat . de ist ain spot vor got vn vor alle sine engilin . vn also des gespottot w'e d1 hi’s
ku nic vn bettil' w'e . war vmbe ab' idise rite ga'stlich lebe so s'e abe n!t . de cumet
alre me'st da uö de di* iüge livte bosis bildes vil uindet Sdene alte . da vö hvten sich 30
di* alte welle si niht go'tis bildes t’gen . so b’ge doch ir c’nket . wö I d' altun e ist ge-
sc'be . sw' g*bit aine g’be vn di’ niht bedekit vn ktit ain rint vfi vellet d'n . d' ist sculdig
de zegeltinne . D'v vmbedabte g’be de ist offe bo'se bilde dar in vellit de rint . de ist d'
weltliche vn d' gastliche meche di’ sich d’n e’geröt di’ mvs du geltl . de kit dv mvst ir
rede e'gen an deme iQgestl tage deme h'r! d' di’ mart' durh si’ lait . Nu Bp'ch; got 8 35
deme ewgl’o | sw* de minesti gebösot d‘ an mich gelobet deme w'e bess' daz ime ain mvl-
stain an di* kelü w'e gebenchit vn ides m'ris g’nt w' gesenchit . war umbe kit e' den
mineste . wö e' sa haligc ga'stis luzel hat wö w* e’ uol des halige gastis so wde e'
16. escl od ochse? (Panzer). 31. t’gon oder t*gen? e fehlt. 32. ist fehlt.
36. hinter sa rechts oben Heiner i -artiger Strich.
14. Vgl. oben S. 3 Z. 31. 19. Matt. 18, 6.
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12
4. Von mlngcr hande rege!.
er nit geergret. nu sprechent die eite teil zü den jüngsten: man sol ällü ding in
güt verstau. so denkent sü: ist es üch gilt, so ist es öch uns gut, und git inen
da mit ain balthait dar/#“/zü. kurtzlich gesprochen: als die sint die in den
clöstern sint, als werdent öch die die si zü inen enphahent: sint si engel, si
5 werdent öcli engel; sint sü mentschen, si werdent öch mentschen; sint si flaisch-
lich, si werdent öch fleischlich.
Als nu der heilig gaist schnei machet, also machet er öch wise. wishait
ist daz er siner weg war nimet, wie si sint und war si in tragen t. nu sint in
gaischlichem leben zwen weg. der ain weg ist wit und gar verr umb: dirr weg
io haisset der wagen weg. der ander weg ist eng, er ist aber kurtz und schleht:
dirr weg haisset ain stig.
Nu gant sumlich den witen weg, und ist aber der maiste tail die sich
hfitent vor tötlichen sünden und sich doch in gaischlich leben niemer geben
went sü hütent sich vor der maintätigen höhfart, und swaz aber inen erlichs
15 und lobes wirt. daz ziehent si an sich, si hütent sich vor tätlichem zorne, si
flissent sich aber nit rehter senft/.'tymntkait; wou swaz si zornes und unfrides
began mugent daz höbet sünd nit Ist, des haut si kain aht. si vermident
trunkenhait, won daz ain bösü sünd ist; swa aber inen üt werden mag des
besten ze essenn und ze trinkenn, daz fügeut si in selben zü an vohrt und an
schäm, si gunnent iren vigenden Übels an hobt sünde, alles daz inen widervaren
mag. si versagent inen iren mund und ei-zaigent inen umvertlich gebärd,
bekoment si inen underwilent, si werdent blaich von zorne irs hertzen. und
als si sich hütent vor hobt sünden, also hütent sü sich, öch niemer übent in
nihit g'g'ot . Nu sp'chit di' altö zv den iüge . wo sol elliT dig I gvte v'stan . so dechit
25 siv ist es in gvt so ist es och dir gvt . vn git in de ain baltha't dar zfi . kurcliehc ge-
sp*che . also di* sint die indc cloat'n sint also w'de och di* si inphahet . slt siv engel siv
w’det egil . sit siv mißlich si w’det och alsame.
also machot d' halig ga’st snel . e' machot och wise den . ds sin' wege war nimet
war siv in wiset vn war siv in t'gft . Nu sint t ga'stliche leb! zwene wege . d! aine weg
30 d1 ist wit vn lag vn gar v’re . d' selbe wseg ha'ssit d’ wage weg . dl and' weg d1 ist enge
e’ ist ab1 kurz vn slehte . d' selbe weg ha'ssit ain stig . Nu gant sumiliche den witten
weg vn ist ab' d’ de me'ste ta'l . de sint di* sich hvtet vor hob sünden vn sich doch
nim' wellet gvbe i gestliche tvgendf . wö wes siv zornes vn vnfdes ge beg.1 mvge de
hobsunde niht sint des enhät siv enhaine ahte . siv v'midüt t’nkenhait wö de ain böse
35 sunde ist . swa ab' in iht goTtes mag w'dü de wögTt siv in selb' zv ane vorhte vn ane
schäme . Iren vigendö gönne siv vbilses ane hobsunde alles des in wid' uar mag . wö
alse siv sich h'utöt vor hobsunde alse hütent siv sih och vor tvgendü . wö siv gnvget ir
lebins da siv sich ingezege hant . zv deme himelriche . vn vil liht1 w'e ain Bund' zebech'in
2. statt öch staiul zunächst in, das durchstrichen wurde, während öch am Rande steht.
21. unw'tlich! unwertlieh * verächtlich ' oder unwnrtlich ' ohne Worte’? 22. und zweimal.
25. balch&t oder balthfit? 33. g>be? 33. ingezegö oder ingezogc?
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4. Von rn&nger hande rege).
13
tagenden; won sü sich in ain leben gesetzt hant, daz ist in ain gnügen zfi dem
htfmelrich. und lihter wäre ain sunder ze bekeren denn dis fürbas zebringenn.
swas si tünt, daz tünt si mit murmeln und mit trägi; wan inen ist swär iillü
arbait. wie si doch gesunden und vrischen lip habent. dise die gant in den
wagen/.9r/weg und müssent lang umb gan und manglent in disem libe des göt- 5
liehen trostes den die durn&htigen hant. nach disem libe so lident si die langen
und die strengen wisse, doch koment si ze jungst zü dem himelriche und en-
phahent kleinen lön. si sitzeut in den winkeiern und enbissent doch niemer
des wines; daz sprichet: si sint in dem gaischlichen leben und gesmekeut doch
niemer gaistliches trostes iht. io
Es sint öch sumlich die gant den engen weg; ir ist aber der minst ta.il.
daz sint die durnähtigen, die sich sere hütent vor allen sünden und mit flisse
dar nach stant wie si koment ze volkomenhait der tugent die vliehent lob und
ere und allen üppigen rüm. si versmahent sich selber und gerent daz man si
versmahe. si hütent sich vor zorne und vlissent sich senftraütkait ; widervert es ts
aber inen etwenn, so illent si daz si sin ab koment mit bihte und mit gebet. [9*]
die in übel tünt und si beswärent, den tünt si wol und erzaigent in mit Worten
und werchen daz si mit den werchen der minne überwindent die nntugent des
hasses. si vliehent güt essen und trinken und alles liplich ken und alles liplich
gemach also verre so si ir krankait enberen mag, wan nieman sich selber 20
verderben sol. doch bedurfent wir dirr manung in disen ziten nit, won wir sint
alle gnüg beschaiden. dirr weg ist schiebt und kurtz; won die in mit flisse
gänt, die koment Got in ainem jär näher denn die in dem witen weg gant in
fünfzehen jaren; öch enphahet ir ainer me lönes denn jener fünfhundert, und
denne d' wrbc ceb'nge . wi5 wc siv tvnt de tvnt siv mit mm vn mit t*ge wtf I ist sw'e 25
alliv arbet swie siv doch gesunde lip hant . dise gät i deme wage wiege vn messen läge
vmbe gan . vn magel’o in disem libe des gotliche t"stes des di* d'nehtige hat naht disem
libe . So lidet siv die lägü vn die stregü wize Doch comet siv ceiiigest zv deme himil-
riche vn ephahet ab1 claine Ion . siv sizzet indeme winkel vn enbizzet nlm5 des wines .
De sp'chet : si sit I ga'stliche lebenj vH gesmeckint doch n!ms gastliches t"stes . Och sint 30
och sumilicbe die gät de enge stig ir ist ab* lad1 d‘ minesti ta'l de sint di' durnehtige
die sich s'e hvtet vor sunde vn mit flisse dar nah strittet de siv comii d zv d! volle-
comehait d’ tvgende . Dise die vliehet lob vn e'e vn allen vpbige rvm . si v'smahet sich
selb'e vn g’ont de man siv v'sma-he . wid' vH ab* etwenne ain sunde d’ tvt siv sich abe
mit bihte vn mit gebette . d' weg ist sieht vn kurz wü die in mit flisse gant die comet 35
gotte nah5 i ainc iar denne di* de witte weg gat I w fvnhundH iare . och ephahet a'ne
me lones dene erj | funhundret .
2. liht in. 4. den in der Handschrift ausgeschrieben ; t. dem? vielleicht icollte der Schreiber
die gant den wagen weg schreiben. 8. wikeln' am Ende der Zeile. 12. sich fehlt. 19. ken
unverständlich: ftoethe dachte an ken (vgl. S. 14 Z. 23) — cognoscero der Vulgata , icvfiir freilich eher
erken oder bekt-n eu erwarten wäre (vgl. S. 49 Z24f.). 25. wrbc könnte auch in wrbc, als zwei
nebengeschriebene v aufgelöst werden. 37. erj ist nicht deutlich zu lesen ; irj? In funhundret
ist korrigiert, deswegen undeutlich, ursprünglich stand wohl funhundern, funhundt'ft oder ähnlich.
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14 4. Von minder hande regel.
dis ist uns bewürt in der künig büch bi Kuzi und Achymas, die da lüffent zü
David.
Nu sint drü ding du ierrent uns des engen weges. daz erst ist gebrest an
der begerung. daz kumet von zwain dingen: wir dunkent uns selben gnü güt
& [10°] und habent lützel aht umb gaischlig gäbe, sant Gregorius spricht: ’dü
sunne schinnet uff den blinden und entlüAtet sin doch nit’. also werdent öch dise
lüt entlühtet nit von den gaischlichen dingen die si die güten sehent han, wan
es ist ir spot, daz ander daz üns da ierret, daz ist daz wir uns bekümberent
mit ussren dingen und niemer unser hertze wellent beschowen da von beschiht
to üs als den spil luten, die allweg in frömder herberg sint und selten da haim. da
von ist schad daz man nüw lüt so schier wider setzet ze ussren dingen, da von
si körnen sint: sint si böz, si werdent noch böser, man solt si joch ain jar län
ir sünde wainen, daz si doch befundent den schaden der an den Sünden lit, und
wie widerzAme si der sele und Got sint. daz dritte daz uns ierret daz ist daz
15 wir ünsern lip ze lieb hant und wir in zu kainen dingen wellent twingen daz
im wider ist.
Als üns nu disü [IO11] drü ding ierrent, Als sint öch drü ding die üns fürder-
rent. daz erst ist daz wir begerung sont han. mäht du aber begerung nit han,
so beger doch daz du begerend werdest, aber zwai ding sint die üns die begerung
20 enzündent: daz ist Gottes wort, daz süget die begerung; daz gebet sterket si, an
gebet schaffet nieman nüt oder lützel. daz ander ist daz der mentsch alweg
Nu sint .t1. ding div irret vns des ege weges de ist gebrest an d' g'unge de kunt
uü zwain dinge wir dünken vns selbin gnv gvt vn habin luzil abte uf ge'stlich gäbe .
Bei g’gorio . sp'chet div süne schinet uf den blinde vn entlvhtit sin doch nihit also
25 w’det och dise niht etluhtit uü d' gastliche gnade die si gvte ses sehint han wö es ist
ir spot De and* ist de uns irret de wir vns bekumb’en mit vss’en dinge . yfl nim’ vns*
h'ce wellen bescowö da uö beseiht vns alse de spill’uten . di* alle wege in f”mid* h'b'ge
sint vn seltin da ha'mo da uö ist scade de m,ö nvwe l'vte so schire wid* sezzet zfi den
uss'en dinge won sit siv e s böse siv w’det dennoch bos* wö solt siv ain iar lassi ir
30 sunde wenö . de siv ioh befunde de scade d* and* sunde lit . De d'tte de uns irret de
ist de wir vns'n üb cel'eb han . vn wir in zv chane dinge wellet twinge de wid’ ime ist.
alse uns nu dr'v ding irret . da wid’ sit dr'v ding div vns wrd’ngt . Dz aine ist
de wir bcg’unge sun han mäht ab’ div beg’unge niht han so g* doch de du beg’onde
w’des . ab’ zwaj ding Bit div vns die beg’ungo enzvndet de ist gottes wort . de svget die
SS bcg’unge . ab’ daz gebet de st’chet . wö aine gebet so scaffet ni'mmä net ald’ab’ luzel .
6. entliitet, ebenso Z. 7, wo jedoch nachträglich ein kleines b eingefugt wurde. 12. I>5z
am Ende der Zeile. län fehlt. 19. zwai ding] swie die. 23. oder zvvan f 32. Wie oben
S. 13 Z. 25 könnte auch vvrd'ngt gelesen werden. 35. In ald’ab' ist d' später eingeschoben.
1. II. Reg. 17.
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4. Von m&nger hande regel.
15
strite also daz er alweg gesige an dem tüfel und an sim vlaisch, und daz er all-
weg under gelige an der durnühtung der mentschen. daz dritte ist daz du minne
ziehest von allem dem daz under Got ist. wan du solt enkain ding minnen won
so vil so verre es dich zü Got gefürderren mag oder ziehen; wan du sele ist also
geschaffen daz si nit mag sin an minne. swer nu sin minne an Got gesamnen 5
sol, der sol tün als man ainem böm tät den man wil daz er uf wachse, der
böm wirfet uf daz saffe [10‘J in die Schössling; der denne den böm über triben
wil, der miiss daz saff in den böm twingen also daz er die este alle umbe ab
scklahe. daz saff in dem börae ist du minne du in der sei ist. du güsset sich
zü den ögen us. also daz si minnen wil swaz schön ist ze sehenn; zü den oren io
us, daz si minnen wil waz lustig ist ze hörenn; zu dem munde us, daz si
niessen wil swaz süss ist ze essenn oder ze trinkenn ; zü der zungen us, weltlichü
märe und üppig kose ze tribenn; zü der nasen us, süssü ding ze smekenn; zü
den henden us, liudü und senftü ding ze grifenn; zü den füssen us, üppig weg
ze gände. swer dise este mit vlisse ab schleht und sich zühet von allen den 15
dingen die wider Got sint, der twinget minne in sich, daz si müss uf wachsen in
Got, daz si werdent sehend Got mit eren. da werdent sü bevindent Gottes
süssikait; da werdent sü erkennent Gottes wishait [10*] \ si werdent innen
braht aller der vrüden so von Got in die sei flüsset, so si und er mit rehter
haimlichi ain ding mit enander werdent und si in ime rüwet. dis ahtent nit vil 20
ainen engel ze sehenn. Balames esel sach öch ain engel und waz dar nach doch
ain eseL dis erdrüset denn des lebens, und wäre in denn aller nützest ze
lebenne; wan si Got hie ie höher minnent und bekennent, so si in och her nach
in den ewigen vröden ie me minnend und bekennend werdent. nu sprächet sant
Bernhart daz den unvolkomnen tugenden gesperret wirt dü vröde des hymel- 25
riches, aber den volkomnen tugenden wirt volleklich geschenket die vröd des
hymelriches.
Dar nach wirt gesprochen von sant Stephan: 'obdormivit in domino’, daz
sprichet: ‘er entschlief in Got’. in Got entschlafen, daz ist an wisse ze hymelrich
varen. daz sint die alle ir minne von allen dingen gezogen hant. die [ll'j aber so
minnent zerganklich ding me denn Got liep si, die varent schlehtklich in die
wisse, die aber minnent dü ding dü wider Gottes gebot sint, die varent schlehtes
in die helle, da vor üns Got behüten müssi. amen.
De and' ist de d1 mansche allewege stte also de e’ allewege gesige an dome t’vfil *n
an sine flesche . De d’tte ist de dv dine mlne zehest uö allem dem vnd' got ist uor ime 35
solt dv kain ding mlne wi> alse v're so es dich got gewrd'n mag . od’ dv ez . wa div
sele ist alse gesch'phe de si ane mine niht mag sin .
23. bekend. 34. dome oder deme? 36. gewrdn oder gewrd'n.
21. Aum. 22, 31. 2S. Act. 7, 60.
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16
5. Von minder ha ml vrAde die in dem himelrich ist.
[5.] Von mänger hand vröde die in dem hymelrich ist.
[Gaudium et laetitia invenietur in Sion.]
Ysayas sprichet daz man in dem hymelrich vindet vröde über vröde an der
drivaltkait der personen, vröde an der ainkait ir nature, vröde an Gottes
s mentschait, vröde an der sele, vröde an dem übe. da spricht dü glose daz die
lüt mit den engein sont eweklich in hymelrich wonen. da sont wir staeteklich
üf trahten und sont des beginnen uff ertrich: wan swaz man hie beginnet, daz
wirt da volbraht ; und in swelen kör der engel der mentsch sol körnen, der engel
leben und iren Sitten sol er öch haben und lernen uff ertrich.
io Ain stuki hymelsches lebens ist da so die hailgen dar koment da sü niemer
sünd mugent tün, [IV] gross noch klein. Got verrat sich von den Sünden, als
her David spricht: 'es ist ain grössü gab uff ertrich ainer sei dü da sünde hasset,
der ir schepher so gram ist’, also sont wir üns uff ertrich flisseklichen hüten
vor grossen und vor klainen sünden.
t» Ein ander stuki hymelschliches lebens ist daz ir iegliches da Got und allen
sinen fründen wol gevallet an allen Sachen, inwendig und uswendig, als in dem
salter ist geschriben: 'es wAre ain grössü gäbe ainer sele hie die da gern an
allen dingen wol geviel’. also sont wir hie flissig sin daz ällü ünsrü werch Got
wol gevalle.
2« Ain ander stuki hymelsches lebens ist daz sich Got da in die sei senket mit
aller siner gütlicher kraft, als ob er ir aller vergessen hab die in hymelrich sint.
und sant Augustinus sprichet: ‘und dü sele sich wider in Got senket mit allen
iren kreften und verbirget sich in Got, daz nieman wissen mag ir zwaiger hain-
lichi, 1 11 7 si w'elli es denn künden ainer anderr sei’, also sollen wir ofnen ünser
25 hertze und ünser sele dem güten Got daz wir enphindent daz er da inne wAre.
und soltent üns wider senken in Got.
Ein ander stuki hymelschliches lebens ist: swaz da Got gütes hat und all
sin hailgen, daz ist aines ieklichen hailgen sunderlich aigen; und swaz ain iek-
lich hailig da sunderlich hat, daz ist in allen gemaine, spricht sant Augustinus,
»n also soltent öch wir üns halten: swaz wir gütes hettint oder möhtint gehaben,
gemain machen Got und sinen hailgen, so möhtint wir es hie enphinden in
ünserm hertzen.
Ain ander stuki hymelschliches lebens ist daz in allen offen ist waz Got
getan hat und gewürket und geurtailet in hymelrich und in ertrich und in der
85 helle, das si es nit anders wültint won also als es geschehen ist. also [IV] sol
es üns allen wol gevallen; won dü schrift sprichet daz er Allü ding tüt uff daz
best und in der besten wise, als im wol gezimet.
2. Der lateinische Text fehlt. 24. and'r.
2. Itai. 51, 3. 12 u. 17. in Anlehnung an Ps.l. 86. Anspielung an Gen. 1, 31; Seel.
31,11; Marc. 7, 37.
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5. Von minder band vr Ade die in dem bymelricb ist.
17
Ain ander stuki hymelschliches lebens ist daz man da minnet nit won haili-
kait; swa si der allermaist vindet, da keret si ir minne aller maist hin. also
soltent wir öch hie minnen ain ieglichen nach siner hailkait, die wir an im wis-
sent, er wir uns nach oder verre, er tAte uns lieb oder lait; und soltent nieman
minnen durch sinü lösen wort noch durch sin jugent noch durch sin schonhait 5
noch durch sin klainet, du er us git, noch durch ander hainlichkait: wan daz
ist alles zerganklich, aber du hailikait ist ewig.
Ain ander stuki hymelsches lebens ist daz si alle zit Got gegenwürtig sint
und er in. da von enphahent sü gross kraft und klarhait, als Moyses von Gottes
gegenwürtkait enphieng, do [12°] er in sah in dem nebel; er bedorfte in vierzig io
tagen weder essen noch trinken, er wart so klär und so schön an dem antlüt daz
in die Juden niht mohtent an gesehen, er must bedeken sin antlüt also solt öch
lins Got alle zit gegenwürtig sin, daz wir iemer trahtent uff etlichü stuki siner
gütlichen nature, es wAre sin gewalt oder sin wishait oder sin güti; da von
enphiengent wir gross gnade, wir sint im Allü zit vor sinen ögen: swaz wir tünt 15
hainlich oder offenlich, daz solt lins billich wol gezogen machen, inwendig und
uswendig.
Ain ander stuki hymelschliches lebens ist daz si iren willen gantzlich ver-
ainent mit Gottes willen; won si niemer nit getünt daz im wider si, und niemer
versnment daz im lait si. also soltent öch wir gaintzlich verainen ünsern willen 20
mit Gottes willen an den selben zwain dingen, etswenn ist [12*] dü zit daz Got
kündet in dem hertzen des mentschen sei sinen liebsten willen, da von sprichet
David: 'ich wil hören waz Got in mir spreche’, dü zit ist denne swenn der
mentsch ist in grosser innekait und gern gedenket den grösten götlichen willen
und verainet sich mit Got, so kündet Got dem mentschen inwendig alles daz im 25
missevallet an im an sinen gedAnken, an gerung, an willen, an bewegung, und
swaz im missevallet uswendig an Worten, an werchen und an Sitten; und kündet
im dar nach wie er sülli sin ged Anke, sin gerung, sinen willen, sinü wort, sinü
werch und sin sitten gantzlich rihten nach dem bilde ünsers herren. dis kün-
dung solte der mentsche flisseklich merken und schriben und sich dar rihten. so so
abtent wir ir laider wenig! swenn sich aber denn der mentsch verainet ze
ainem andren male an sim gebet mit Got, so kündet er [12c] im aber daz selb.
Ain ander stuki hymelsches lebens ist daz si Got glich sint, als sant Johans
ewangelist sprichet. daz ist: sin gewalt, sin wishait, sin güti und Allü sin götlichi
natur in in schinet, als der büchstab und daz antlütz des insigels schinet in dem 35
wahs, swenn es wol dar in wirt gedruket. gütlich bilde und sitt ünsers herren
2. aller/ maist das zweitemal am Schlüsse und Anfang einer Zeile. 6. Ist us verschrieben
für us*» tina? oder ist üzgeben gemeint? 22. I. selb statt sei; vgl. Z. 32 (Panzer). 31. ir
nachträglich durch s Abkürzungszeichen über wir eingeschoben.
2. Zu dem unbestimmten si ist etwa die heilige Seele zu ergänzen (vgl. 16, 20. 22. 17, 37. 18, 3);
wenn darunter wie Z. 8.18. 33 die Heiligen zu verstehen sind, dann mü/Jte vindent und kerent
gelesen werden. 10. Exod. 24, 18,' 34, 28 ff. 23. Ps. 84, 9. 33. I. Joan. 3, 2.
Deutsche Texte de« Mittel alter». X. 2
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18
5. Von minder hand vr5de die in dem bymelrich ist.
Jliesu Christi ziert öch groslich wol die sei. also soltint öch wir uns geliehen
gütlichen sitten und dem bilde unsere herren.
Ain ander stuki hymelschliches lebens ist daz si an anderlasse Got niessent
aigenlich. wenn sich du vernuftekait und die begerung verainet bi Gotte und
5 mit Got nnd in Gotte, du wunne denne flüsset uss Got uff die sei, die mag denn
kain sei enphahen, sunder si sol wonen in im als der visch iu dem wasser und
der vogel in dem lüfte, also soltent wir öch hie wunne sichen an [12*] Gotte,
nit an der creature
Ain ander stuki hymelschliches lebens ist daz si nihtes nibt engerent us-
to wendig Gottes, sid si nit andere vindent in Gotte in ainer volkomenhait. also
solt uns öch benügen, an Gotte und soltent in im sichen swaz wir gern hettint
an dekainer creature: es wäre schonhait, edelkait, früntschaft, klaineder und
haimlichkait, daz vindent wir alles an im. aber daz mugent wir nit all zit und
an allen enden vinden an kainem mentschen und vindentz an Got.
15 Ain ander stuki hymelschliches lebens ist, als sant Augustinus sprichet, daz
uns wirt ze hymelrich von Gottes angesiht lustlichen in gedruket in unser sei
baidü satt und duret: wir durstigen werdent da gesaftet, und wir die gesatteten
werdent durstig.
Ain ander stuki hymelschliches lebens ist daz si Got lobent än underlasse,
20 [ 13“ ] ain ieklich stuk gütlicher nature an im selben, daz ist: gütlicher gewalt ist
gewaltig, sin wisshait ist wise, sin güte ist güt. öch lobent si ain ieklich stuki
an ainandern: gütlicher gewalt an gütlicher wisshait, sin gewalt ist wise, sin
miltekait ist gilt, sin güti ist milt, sin barmhertzkait ist reht. öch lobent si
aigenlich ieglich stuki sunderbar an in allen: Gottes gewalt ist unmässig, wise,
25 ewig, güt, milt, reht und erbärmhertzig; also ist öch Gottes wishait gewaltig,
gut, milt. öch lobent si ällü ding gütlicher nature an aim iegklichen sunderlich:
gütlichen gewalt, ewekait, unmessekait, wisshait, güti, miltekait, erbarmhertz-
kait und reht. in dirre selben wise soltent wir hie loben gütlich nature.
[6J Von manger hantle tilgend galsclillelies lebens.
9« Providentes bona non tantum coram [13*] deo etc.
Sant Paulus sprichet: 'wir süllent ersam sin vor den lüten und wol ge-
ordnet vor Got’. Salomon sprichet in der minnen büch: 'ünser herre hat sin
minne in mir geordenet’.
Hie bi git er lins ze merkenn wie dü minne sol geordnet sin in ünserm
10. Man sollte ent arten sid si alles vindent in Gotte (t eie Z. 11. 12); 1‘anzer vermutet mit G. tin
derselben Vollkommenheit i eie Gott) oder wan in G. 14. vindetz am Ende der Zeile. 15. Schon
nach stuki steht fälschlich ist, deswegen von mir umgestcllt. 22. I. gütlichen ? 26. ieg/klichen
am Ende und Anfang einer Zeile.
29. Vgl. zu diesem Stück den von mir in der Zeitschr. für hochdeutsche Mundarten I S. SO ff.
herausgegebenen Traktat aus dem Kloster Vnterlinden tu Kolmar und die ron Strauch ebenda S. 189
beigefügten Bemerkungen ; — Wackrmagel S. 81 und den S. 168 gedruckten Traktat au« der Hs.
B. IX 15 der Basler Universitätsbibliothek. 30. Born. 12, 17. 32. Cant. 2, 4.
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6. Von m&nger hande tilgend g&Uchliches leben».
19
hertzen. reht alz daz closter geordnet ist, als sol öch du minne geordnet sin.
nu miiss ain ieklich closter vier ding han, daz wol geordnet ist.
Daz erst ist ain gasthüs. des phlegent dri jungfrowe, daz ist gut wille,
vrölichkait und rainü minne. du erst jungfrowe ist güt wille. du lät die geste
in, wan swer güten willen hat, der hat erbärmde über alle lüte und aller maist 5
über siech lüt; won die siechen bedurfent bas des siech huses denne die
gesunden; ain blinde bedarf bas daz man in laite denn ain gesehender. ze
glicher wis ist es umb der seien siech tagen; wan die lüte die an der sele siech
sint, die bedurfent bas [13'J helfe denn die in Gottes willen sint; won die hat
ünser herre erlühtet mit sinen gnaden, daz si in selber und andren lüten nütz io
mugent sin in irem gebet, und dar umb sont sü sich erbarmen über sündig lüt
und sont für sü bitten, doch sol der mentsche nieman sin hertz uf tün won Got
mit gütem willen, und la dich erbarmen, sälger mentsch, daz der güt Got so
demütklich vor dinem hertzen stat und dich bittet daz du in in din hertz
lassest, daz er mit dir rüwe, als man liset in der minne büch, da spricht ünser 15
herre: ‘tü mir üf, min swester, wan ich bin din brüder; tü mir uf, min fründin,
won ich bin din gemahel; tü mir üf, min tube, won ich dir min hailgen gaist
sante in diner betrübde und ze ainem laiter in dem eilende', nn höre wie güt-
lich der grosse Gottes dich grüsset und bittet der herberg die er geschüf und
erlöste mit sinem tode! die [13d] ander jungfrowe ist frölichkait: dü sol ünsern 2<>
herren enphahen. so der güt wille ünsern herren in lät, so enphahet in vrölich-
kait; wan swa ain gast wäre, dem täti bas ain vrölicli antlüt von dem wirt
dann dü best trabt die er ime möhte geben mit unwirdeschem hertzen. ze
glicher wis ist es umb ünsern herren und den mentschen: ünserm herren ist
lieber ain klainer dienst mit vröden denn ain gross arbait mit murmelen. etlich 25
lüt hänt aber nit ünsern herren in gastes wise; wan er ist alles bi in, daz er
da wonung hat, und ir hertze gebent si im aigenlich, daz er da herre und wirt
ist, und hat da ain stät rüwe mit der sei. also spricht ünser herre: ‘ich und
dü sele sont ain stät wonung han mit enander’. dü dritte jungfrowe ist dü edel
minne. dü setzet ünsern herren nider und sprichet: ‘herre, wir sont sitzen, wir »i
mugent üns gähes von enander nit schaiden; won [14‘] du waist wol, lieber
herre min, daz wir vil mit enander hant ze redenne. sitz herre, la mich mit
dir kosen’, ‘o lieber herre’, spricht dü minne, ‘wir süllent ain wonung
entzwüschent üns machen; du waist doch wol daz ich dü minne bin, mit der du
din wonung hast, als sant Johannes spricht: ‘deus caritas est’. o herre, du müst 35
bi mir bliben, wan ich bin dü minne, und bist öch du dü minne’. so sitzet denn
ünser herre und rüwet in der sele minne und koset gütlich mit ir und spricht:
'mir ist vil sanft daz ich bi der sele bin, und tut mir gar wol daz ich bi ir
rüwen sol’.
19. Ist grtssc oder Got zu schreiben f 3-1. cntzwachcnt. 37. gütlich , t'on Waclcer-
nagrl in gütlich verändert.
16. Cant. 5, 2. 2S. Ps. 131, 14. 35. I. Joan. 4, 16.
2*
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20
6. Von minger hande tagend gnischliches lebens.
Daz ander daz an dem closter ist, daz ist ain re venter, da dü sele ünsern
herren spiset mit ir tilgenden, des phlegent öch dri jungfrowen. du erste rihtet
den tisch und setzet ünsern herren nider. du haisset fro Miltekait, und git
miltes hertze und miltü wort ir swestren. so si betrübet sint oder so si siech
5 sint oder swaz in wirret [14b] , daz benimet si in mit ir miltekait und hilfet in
alle ir arbait tragen mit hertzen und mit übe. da von spricht unser lierre:
‘swaz ir dem minsten tünt in minem namen. daz hant ir mir getan’, du ander
jungfrow haisset Contempüeren. du setzet trahta für die si contemplieret, und
gedenket wie si mit den tugenden würken wil und wie si ain ieglich tagend
io bringe ze tugentlichen werchen. man liset von her Job daz er zehen kind hatte,
die täglich hattent ain nüwe Wirtschaft si warent hü bi aim, morn bi dem
andern und tatent daz täglich, und also hattent si täglichen Wirtschaft ze
gücher wis sol dü sei tün: si sol tAglich Wirtschaft han mit tugenden und sol
hüt ain tagend üben, morn ain ander, won die tugent mag nieman mit enander
15 gewürken. dü drit jungfrowe haisset Andaht. dü schenket die süssen minn trähen
und schenket [14‘] von dem jämerlichen hertzen den minneklichen win und
sprichet zü ünserm herren: ‘owe süsser Got von hymelriche, wenn sol ich
enpunden werden von disem übe, daz ich dich mit sicherhait umb vahen muge,
und du dich denn in min sele giessest mit vröden und mit süssekait!* von der
20 andaht entspringet ain brunne und flüsset ze den ogen us.
Daz dritte daz an dem closter ist, daz ist ain dormiter; des plegent öch
dri jungfrowen. der dormiter ist ain gütlich hertze. dü erst jungfrowe ist ain
lutrü conscienci. dü beraitet daz bette da ünser herre und dü sele an rüwen
sont. won swa der mentsch ist den sin hertz nit bekrenket umb dehain
25 untugent, der hat ain luter conscienci und ain geblümetes hertze. dü sele mag
wol sprechen: ‘kum her, lieber gemahel min, ünser bette ist geblümet. kum her,
süsser Got, rüw uff disen blümen!’ aber der mentsch den [14*] sin conscienci
bisset umb Untugend und sich doch der vor nit hütet, des betün ist bedürnet;
wais Got, da läge ünser herre ungerne und wäre im öch harte widerzäme. dü
so ander jungfrowe haisset ‘fride mit tugenden’, daz si die untugende alle über-
wunden hat die wider den tugenden stritent, und nit allain überwunden die
Untugend, si hat ir öch gar vergessen, dü sele hat frid mit den tugenden, und
dü phüget ünsers herren und der sele, so si rüwet. man vindet der lüte vil die
vehtent tugend hant, die ze allen ziten mit den tugenden vehtent; aber der lüt
85 vindet man lützel die mit riiwe tugent habent die sint reht als dü tier in der
arch, die hattent frid all mit enander. dü dritte jungfrow haisset 'schlauf mit
dem schönnen Got’. daz sol man nit verstan an dem släf des übes, es ist ain
schlauf mit Got. daz ist so dü sele und der lip us wendiger ding gar ver [15‘/
gessent und si denne inwendig Got sehent und in mit im wol ist: daz ist schlaf
der sele; daz mag jubilieren sin, als spricht dü sele in canticis: ‘o herre, ich släf
21 ». 22. dormit' oder dormitor aufzulösen ?
7. Matth. 25, 40. 10. Job 1, 4. 17. Rom. 7, 24. 26. Cant. 1, 15. SS. Cant 5, 2.
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6. Von m&nger hantle tilgend gaischliches iebens.
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und min hertz wachet doch mit dir’, also spricht ain hailg: 'herr, si joch daz
ich schlafe mit den ogen, so gib mir doch daz min hertze wache mit dir’.
Daz vierde daz an dem closter ist, daz ist ain capittelhus. daz bezaichent
ain demütig hertz. da ist ain priolin inne, du haisset frow Mässekait. da sint
ander jungfrowen inne, die rügent die untugent hant in dem capittel, und die 5
tngent rügent enauder; won die Untugend sol man billich rügen, aber daz
beschiht dik daz ain brüder oder ain swöster au ander rügent, daz doch vil
besser ist. ze glicher wise ist es umb die lügend: da laidet ainü die andrun,
die doch vil höher ist denn si. ain tugend ist in der sele, die haisset Ersamkait;
dü rüget frow Demütkait: ‘ir sint also [15*] gar unsuber mit (ich selber, und io
üwer demüt ist also vil daz ir unlustig sint an ze sehenne’. so spricht min vrow
dü priolin: ‘swester Demüt, ir sont müssig sin und sont üch also demütigen daz
üch die lüt erliden mugent’. so rüget denn vrow Demüt vrow Ersamkait und
sprichet: ‘ir sprechent ich si ze unsuber; wan aber ir als ersam sint und tragent
gern gutes gewand und vlissent üch daz ez wol stände, dunket es üch ain 15
erbare sin, so dunket es aber mich ain höfart', so sprichet aber Masse: ‘ir sont
beide üch temperen mit müsse', dar nab rüget Reht und Erbärmde euander.
Erbärmde dü spricht: ‘plus est'. si rüget die swöster, daz ist reht; doch möhti
si es wol mit miltren Worten tün. si stellet ir antlüt als übellich daz es gar ze
vil ist. so rüget denn Reht Erbärmde und spricht: ‘plus est; ir wend als 20
erbarmhertzig sin daz ir ain ieglich ding [15‘] went hin lan gän, daz doch
wol ze rügenn wäre’, so sprichet aber min vro Masse, dü priolin: ‘ir jung-
frowan, ir sont üch mit müsse zü enander fügen, daz ir mit fride ze samen
gehellent und doch mit der gnade belibent’. dar nach rügent Beschaidenhait
und Minne enander, und sprichet vro Beschaidenhait: ‘vro Minne, üwer minne 25
ist also vil daz ich es nit erliden mag: so ir au die minne koment, so bettent
ir also vil und wainent und dienent und arbaitent also vil daz ir dar nach lang
müssent ligen und mugent denn kain gut getün; ir sont beschaidenlichen varen
und sont ainest werchen daz ir öch andrest mugent werchen'. so spricht denn
vro Minne: ‘vro Beschaidenhait, üwer beschaidenhait ist also vil daz ir als träge so
sint an ünsers herren werchen daz es wider Got ist: so ir betten [15a] sont, so
wend ir schlafen und sprechent alles: “wir sont gefuklich varen, daz wir lang
Got mugent gedienen”; und machent üwer beschaidenhait also vil daz mich
dunket es si ain trakait’. so sprichet denn vro Müsse, dü priolin: ‘ey lieben
jungfrowen, temperent üch ze samen, ir sint als unfridsam mit enander daz es 35
übel stät vro Minne, ir sont nit als ungefüklich varen, sint mässiger; aber ir,
vro Beschaidenhait, arbaitent üch me und fügent üch baz ze fridbari mit en-
ander und sint mässig, doch also daz ir die gnade mit den tagenden behaltent'.
1. liailg so. 5. and die tngent und rügent enand . 16. erb'a 26. mag. so ir
an si komPt so bettont ir also vil. dz ich es nit orliden mag. so ir . . .
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7. Von de« gebettes nutz ze Got.
flj Von <les gebettes nutz ze Got
Petit« et accipietis etc.
Ünser herre spricht in dem ewangelio: 'bittent, so werdent ir gewert’. er
spricbet öch anderswa in dem ewangelio: 'bäte ain kind sinen v&tter brotes,
5 so gäb er im nit ain ander ding [16“] der für’, sider denn ain man uff ertrich
des nit täte sinem kinde, so entftt es öch der getrüw vatter von hymelrich
sinen kinden nit; won er wil nit erhören der mentschen gebet die in bittent
unrehter ding, won allain rehter und guter ding, wan sinen tugenden und
sim gewalt gezimet nit daz er bös und klain gäb geb, er ist ain rickliger
io geber und wil nit geben won grosse gäbe, da von sprichet unser herre in
dem ewangelio: ‘bittent, so werdent ir gewert: üch werdent alle üwer sünd
vergeben; sückent, so werdent ir vindent: die gnade; klophent, so wirt üch daz
hymelrich uf getan. Got wil der mentschen gebet erhören die in mit warhait
an rüffent, die des gerent mit dem hertzen daz si bittent mit dem munde, der
15 mentsche sol gerne dester minder gebetten mit dem munde, daz och sin hertze
bi dem gebet si und öch die girde des hertzen. ain hailge [16l] sprichet: ‘vil
gebettes mit dem munde erschreket daz hertze’. enkan joch der mentsch der
worte nit verstan, so sol ez doch sin gedenke und die girde sines hertzen an Got
setzen und in bitten siner gnaden, der mentsch hat zwo sprach in dem gebet:
20 mentschliche sprach, so der mentsch bettet mit dem munde; engelsche, so er
bettat mit dem hertzen. des engels spräche ist: so er zü aim andern reden wil,
so lät er ain lieht von im schinnen engegen ime und schephet in dem lieht allen
sinen willen, also sol der mentsche daz lieht sines herzen Got under sin antlüt
lassen schinnen und sinen willen zaigen, won die sprach vernimet Got wol. won
25 er sprichet in der minne büch: ‘la din stim schellen in min oren, wan din stim
ist süsse und din antlüt ist schöne’.
Daz hertze ist ainer hande kevi, in der singen sont vier vögellü [16‘], der
stim ünser herre gern erhöret, der erst vogel haisset aine amselle; der ander
haisset ain nahtegal; der dritte haisset ain lerche; der vierde haisset ain tube.
30 Dü amselle ist swartz und hat ainen schönnen Schnabel gelwen. dü swerzi
bezaichent daz daz gebet sol sin demütig, daz der mentsch sol erkennen in dem
gebet sinen gebresten und sin krankait, als man liset von dem offnen sünder
und von dem glichsner. die zwön giengen betten in den tempel: der offen sünder
waz ungereht und sündig, der glichsner schain aber güt vor den Iüten und was
35 aber nit güt, won er waz hoffertig, und erkante das Got wol an im und wolte
sin gebet nit erhören, aber der offen sünder erkante sine sünd wol, und dünkte
in siner Sünden also vil daz er nit getorste sinü ögen gegen dem hymel üf ge-
heben, und sprach: ‘o grosser Got von hymelriclie, erbar/16'7me dich über
mich armen sünder!’ und do er zü dem gebet gie, do waz er ungereht und sün-
ss. -o-
2. Matt. 7, 7. 4. Matt. 7, 9. 25. Cant. 2, 14. 33. Luc. 18, 10.
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7. Von des gebettos nutz zc Got
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dig, und e daz er von dannan k4m, do waz er gerekt worden von dem hailgen
gaist, und vergab im Got alle sin sünde. so bezaicbent der schone schwabel daz
daz gebet sol sin schon geziert mit tugentlichen und mit schönen gedenken, in
dem gebet sint drier hande fröde, an den waidet unser herre drier hand seien,
die ersten waident sich in dem riet, die andern in dem bongarten, die dritten 5
an den bömen. daz riet ist lang und herte: also ist der mentschen gebet die
vil gebettent mit den Worten, und aber ir gebet nit lind machent mit guten ge-
denken und mit der süssekait des hailigen gaistes. so die herren wend ireu lip
wol füren und kreftig machen, so haissent si die trahten faist machen, also sont
wir tön: wellent wir daz unser gebet si fruhtber [ 17 ’J und nütze, so sont wir io
es faist machen mit gaistlicher faisti des hailgen gaistes. die andren seien wai-
dent sich in dem schönnen böngarten under dien schönnen blümen die dar inne
wachsent: daz sint der sülgen mentschen tugend. etlich lüte die nement war des
besten so si sehent an iren eben cristen und gehaltent daz; aber die tugentsamen
mentschen die sont usser allen dingen daz beste lesen und daz behalten, in 15
disera böngarten mag dü sei dik missvarn; wan es ist kain mentsch es si etwaz
gebresten an im. aber in dem hymelschen böngarten und an den wuunenklichen
blümen die da sint der hailgen tugent, mag die sei niemer missvarn; wan swaz
si da vindet und erkennet, daz ist alles gilt, und da sol sich dü sülig sele gern
waiden. die dritten waident sich an den hohen bömen. Ysayas der wissag 20
spricht: ‘nement fruht ab dem höhsten [17* ] böme und ab dem schönsten der ie
wart, und werdent gespiset’. ist ez nu der aller höhste böm der ie gewüchs in
himelrich, so ist es Got ünser herre; ist es aber der aller höhste und der
schönste böm der ie ge wuchs uff ertrich, so ist es ünser vrowe. so ist aber dü
fruht dü dar uff stüt , ünser herre, ab dem schönsten und höhsten böm der ie 25
gewuchs in hymelriche, daz ist ünser herre. wir sont drier hand fruht lesen:
ge walt, wisshait und güti. dis drie tugend die wir an ünserm herren sollent
lesen, den antwurtent dri ander tugent die an der sele sont sin. dü erst ist dü
vehterin; dü ander ist dü erkennerin; dü drit ist dü minnerin. dü vehterin hat
gewalt ze tünne übel und güt und ain ieglich ding an ze griffen: dü antwortet so
ünsers herren gewalt. dü erkennerin hat gewalt ze erkennen übel und güt, und dü
antwortet ünsers herren wisshait. dü minnerin minnet gütü ding: dü antwortet
ünsers [17’] herren güti; won dü sei hat von nature daz si minnet gütü ding und
süchet an aim ieklichen ding güti und nutz, und da von sont wir minnen Got,
wan er ist daz obrest güt und über 411ü ding, won 411ü güti flüsset von im, und 35
ist öck aller maist der dinge dü die sei raizent zu der minne. da von spricht
sant Bernhart: 'süigü sei, wek dich selber und riht uf din sinne alle, die dir
Got ie gegab, und gedenk an daz ding in dem beschlossen sint 4M ding und
411ü tugend und aller fride’.
2. schabet 17. dem. 22. 24. 26. gew°cba. 23. es fehlt. 2S. antwrtent ebenso 30. 32.
28. ist fehlt. 31. erkennen] tünne. Der Schreiber ist <cohl bei der ganzen Zeile in Zeile 30 geraten.
21. Isai. 37, 30 in Verbindung mit Lev. 23, 40.
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7. Von de« gebettes nutz ze Got.
Der ander vogel der in dem rainen hertzen singen sol, haisset ain nahtegal,
du singet in dem tag und in der naht, also sol öch du sälig sei Got loben tages
und nahtes, won er ist vil gut ze lobenn in der naht: won so sint dem mentschen
sin ussren sinne beschlossen und enhöret noch ensihet nit daz in müge, und
5 mag denne Got wol loben mit aim frien hertzen. bi der naht ist bezaichent
beswärde : so der mentsch fl? '/ ist in betrübde, daz er denne erkennen sol daz
uns unser herr ze güte tüt, wan sant Paulus spricht: ‘swaz dem mentschen
widervert der Got minnet, daz kumet im alles ze güt’; wan unser herre entut
kain ding enkainem mentschen wan ie daz best, enkan joch der mentsch nit er-
io kennen daz es wol kunt und güt si, won unser herre gevaret niemer des ment-
schen übel, wan allwegent des daz im güt ist. da von sol der mentsch erkennen
in siner beswärde ünsern herren und sin gnade und sol im dank sagen, sant
Augustinus sprichet: 'mentsche, wilt du wissen war umbe du Got nit minnest,
daz ist da von won du nit erkenst waz er dir ze güt hat getan; wan erkandest
15 du es, du minnetist in von allem dinem hertzen und seitist im dank siner gnaden’,
als man liset von den drin kinden die man in den oven warf: do lobtent si Got
nit allaine, si mantent [18°] öch all creatur zu sinem lobe, wan si machtent den
cantig psalmen 'Benedicite omnia’, und mantent da mit all creatur ze ünserm
herren in ze lobenne; und tet in öeh daz für nit anders, won dü band da mit si
2« gebunden warent, dü verbrunnent in ab, und tet inen kain schaden anders an ge-
wande noch an übe. also geschihl den sälgen mentschen die gedulteklich tragent
alles daz si an gat, den werdent alle iro sünde da mit ab genomen. bi dem tag
ist bezaichent franstmütkait. daz ist also daz der mentsch Gottes nit sol ver-
gessen in dem tag siner vröde, und sol erkennen daz es von Got flüsset.
25 Der drit vogel der in dem rainnen hertzen singen sol, der haisset ain lerche.
die ensinget niemer uff dem ertrieh, si hebet sich üf von der erde, und so si ie
höher kumet, so si ie vrölicher singet, also sol öch der sälig mentsch tün: so
er Got loben wil, so sol er sin her/iS'/ze entlidgen von allem dem so uff er-
trich ist; und so du ie höher din hertze hast, so du Gottes tugend ie bas mäht
so erkennen und in geloben.
Der vierd vogel der in dem rainnen hertzen singen sol, haisset ain
tube. die tuben hört man als vil süfzen als singen, also mag der sälig mentsch
öch wol tün, swenn er gedenket daz er wider dem güten Got, der im also vil
gütes lmt getan, etswenn tüt, und als reht klain erkennet daz er etswenne also
35 verre von im waz, und daz er dem sin hertze als reht dike vor beschlossen hat
der in also türe geköfet hat. sant Augustinus sprichet: ‘owe sele, wie ist es so
rehte schäm lieh das du dem herberg versagest der nieman sins hertzen herberg
verseit; won swer klophet, den lat er in’, dis vogel sont öch singen in der bihte.
won da sol der mentsch sine sünde sagen ernschlich und kläglich, die vogel der
io vröden sont nit alweg singen, der vogel des laides sol öch etwenne fl&] singen,
won der mentsche sol mit Got haben lieb und laid.
7. Rom. 8, 28. 10. kunt — kamt. 16. Dan. 3.
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8. Von der sei venukunge.
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[8.J Von der sei verzukange.
flnduxit eos in montem sanctificationis suae.]
David spricht: 'er hat si gefüret uff den berg der hailikait und hat si umb-
vangen mit siner zeswen hand’.
Das er sprichet: ‘er hat si gefüret’, da mit git er ze erkennend daz er 5
nit ainen us schaidet von den andren; won swer in minnet, den füret er uff den
berg der hailikait. nu sint dri berg. der erst ist gaistlich leben; der ander ist
rainnes hertze; der dritte ist ünsers herren marter.
Gaistlich leben gelichet sich wol dem berge, won als der berg schön ist
und dar uff wachsent schön blumen und böme, als ist öch gaischlich leben, und io
spricht öch saut Bernhart daz daz gaischlich closter si als ain bongarte: won
mAngerschlahte blumen und böm in dem bongarten wachsent, als ist in dem
closter m Anger schlahte tugent; und als ain ieglich bliime sin sunderlich fruhte
bringet, also hett ain ieglich« swöster sunderlich tugend. und sol die [18 *] sei
sich zieren mit disen blumen und sol ain schappel mit tugenden uff ir höbet 15
setzen und von aim ieglichen mentschen tugend lernen, man liset von hem
Moyses daz er sind schüf waidet in der wilsti dri tagwaide, und do er in die
wtisti gieng, do sah er ainen rosböschen brinnen, und wart der rosbösch nie
dester minder swaz er ie gebran, und wundert in sere waz ez w<lre , und gieng
hin zu. und do er nahen begunde, do sah er ünsern herren in dem rosböschen 2«
brinnen, und sprach unser herre zü im: ‘du solt nit naher körnen, du erde dar uff
du stäst, du ist hailig!’ und waidet sind schäf untz er kam zü dem berg Oreb.
swer nu zu gaischlichem leben körnen wil, der sol haLssen Moyses. der nam
sprichet als vil als ‘ain mentsch der usser dem wasser gezogen ist’: der mag wol
baissen Moyses. won als daz wasser unstAt ist, also ist öch du weit, nu sol der 25
mentsche denn dri tagwaid gan [19°] in dem gaischlichen leben, du erst tagwaid
ist künschkait; du ander ist An aigenschaft; du drit ist gehorsami. so wirt denn
der mentsch ain ros bösch in dem unser herre brinnet, daz sint tugenthaftü
hertzen und gut lüt. so müss denn die lüt wundren, so si sehent daz gaischlich
lüt so vil arbaiten mugent und geliden an dem übe, wie si daz erenden mugent; so
so wissen! sü niht daz Got ze aller zit in ir hertzen brinnet und in alle ir arbait
hilfet tragen, ‘dar nach kam er zü dem berg Oreb', daz sprichet als vil als
‘ain knig’ oder als ‘ain tisch’, daz ist als vil gesprochen: zwah din hende und
gange zü dem tische! daz ist also daz ain mentsch sin hertze luter und rain
mache von allen Untugenden, won daz ist billich: swer zü dem tisch sol gan S5
ünsers herren gnade, daz der sin herze beraitet mit allem flisse, und gang
denn dar und enphah hvmelschen trost und vröde. [19'’]
Der auder berg ist ain rain hertz. wan als der berg hoh ist und schöne
und all unsuberkait ab dem berge in daz tal flösset, also beschihet dem rainen
2. Der lat. Text fehlt. 5. h»t fehlt. 17. w'sti «. ff.
2. Ps. 77, 54. 17 ff.Exod.3.
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8. Von der sei verzukunge.
hertzen daz sich erhöhet hat von allen unnützen dingen und allen sinen sin an
Got keret. von dem schaidet Allü bes würde und Allü Untugend, wan swer dik
mit sim hertzen unsrem herren haimlich ist, der müss all Untugend fliehen; der
aber dik in sinem hertzen mit Untugenden und unnützen Worten umb gät, dem
5 geschiht als dem tal, in daz flüsset münig unsAld. dü sunne lühtet och e uff den
berg denn in daz tal. also geschiht dem tugenthaften hertzen: dem lühtet dü
ewig sunne ünsers herren mit sinen gnaden me denn dem hertzen daz sich be-
kümbert mit unnützen dingen, dar umbe sol ain tugenthafter inentsche allen
den kumber den es uff ertrich umb dekain ding haben solte, ünserm herren be-
10 velhen und sol alle sin sorg an Got legen und lan; won ünser herre [ 19’] wil
alle ünser arbait mit üns tragen und wil des rainnen mentschen geselle sin in
allen sinen arbaiten. und spricht öch herr David: 'ünser herre wil mit dem
mentschen sin in allen sinen arbaiten’. und sprächet sant Bernhart: ‘herre, sit
daz du mit mir sin wilt in allen minen arbaiten und beswürden, so hilf mir
15 daz mir laides und arbait niemer gebreste durch daz daz du mit mir sägest’.
Der drit berg ist ünsers herren marter. uffe den berg kan nieman mit sinen
gedenken komen won der ain raines hertze hat. uff disem berg sint zwen brunnen
entsprungen, ünser herre goss usser sinem hertzen wasser und blüt: wasser dar
umbe daz er erögti daz sin blüt dester völliger wurde, und öch dar umbe daz er
io erögti daz sin blüt und sin marter als unwerd ist als daz wasser. won als daz
wasser wüschet und man öch dar uf trittet, also wenig nhtet man öch ietz uff
ünsers herren marter. sin [19] blüt göss er öch dar umbe daz er die seien
klaidete. edel herren spulgent ir vrowen ze klaidenn, so si öch klaident sich
selber, also hat öch ünser herre getan: der hat die sei geklaidet mit sinem
25 schönnen rosvarwera blute, sid daz nu ünser herre sin hertze uf hat getan, so ist
es och billich daz wir öch ünser hertze gegen im uf tügent, und daz gedenken
daz ünser herre alles sin blüt us göss durch ünser liebi. so ist öch billich daz
wir ünser trähenn durch sinen willen giessent.
[9J Ton der armüt ünsers herren Jhesu Christi.
30 /Renovamini spiritu mentis vestrae et induite novum hominem etc.]
Sant Paulus sprächet in ainer epistel: ‘wir sont wider nüw werden an dem
gaiste und sont ain nüwen mentschen an üns nemen’.
An disen Worten sont wir drü ding merken, daz erste daz wir nüw
warent; daz ander daz wir alt sint worden von den Sünden; daz dritte wie wir
35 wider nüw sont werden.
Von dem ersten wie wir [20‘] nüw warent, des git der priester urkünde
dem kinde in dem töfe, so er im den wester hüt uf leit. won so spricht er:
'nim hin dis klaid wiss und behüt es also als du es ünserm herren an dem
12. I'a. 123, 8; 88, 22 im Anschlup an Par. 18, 6. 30. Der lat. Text fehlt, er steht Ephes.
4, 23. 38. So noch heute im Rituale bei der Spendung der hl. Taufe: ‘accipe vcstcm candidain,
quam immaculatam perfcras ante tribunal dotnini nostri Jesu Christi, ut habcas vitam actemam’.
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9. Von der arniöt unsere herren Jhesu Christi.
27
jüngsten tag antworten wellist’, dis hat er nit gesprochen von dem wissen
klaide daz er im da an leit, er spricht es von dem klaide der tngend daz du
sele da enphahet in dem töfe.
Daz ander ist daz wir alt sint worden von den Sünden, drier hand gedenk
sint da von wir alt sint worden, so der mentsch bös gedenk hat und du 5
beschaidenhait da bi nit enist, so sint si täglich sünde. die ander gedenk sint so
der mentsche boschlich und übellich gedenket unbeschaidenklich, und denn du
beschaidenhait dar zü kumet und den gedank an siht, und lät si denn den
gedank beliben und ist im denne wol da mit: die gedenk werdent schiere [20*]
höbet sünde. der drit gedank ist so der mentsch mit bösen gedenken umbe gät io
lange, und denn dü beschaidenhait daz an siht daz der gedank übel ist, und si
in denn da lät beliben, und denn der wille dar zü kumet, und denn dü
beschaidenhait und der wille den gedank an sehent daz er übel ist, und doch
dem mentschen wol ist mit den gedenken und es gerne die gedenke volbräht mit
den werchen, ob es möhte: so ist der gedank höbet sünde. won also spricht sant 15
Paulus daz wir also alt sint worden von den Sünden.
Nu sont wir wider nüwe werden an dem gaiste mit der beschaidenhait, als
wir öch alt sint worden; wan dü beschaidenhait hat daz klaid von der nature
daz si erkennet übel und güt. nu mähti man sprechen daz der beschaidenhait
vil wäre in der weit die wol erkantent übel und güt. der beschaidenhait main 20
ich nit. ich sprich von der beschaidenhait dü da erkennet waz güt ist und daz
besser ist (20'] und daz aller best ist, daz ist ünser herre. sit daz ünser herre
der beschaidenhait daz lieht wider hat gegeben daz si verlorn hatte, so sont
wir aber nüw werden mit dem willen, als wir alt sint worden; won des
mentschen wille ist der obrost priol in der sele. wan swenn der mentsche 25
den Sünden volget mit dem willen, so ist si vil bi alz si geschehen si. sit
wir nu mit willen die sünd hant getane und mit willen alt worden sint von
den Sünden, so sont wir öch wider nüw werden mit dem willen, won sant
Paulus spricht ain tröstlich wort, daz dü schoss der gedenke der sele nit
mugent geschaden alle die wil untz si im lait sint und es den gedenken mit so
flisse widerstat. so wirt dem mentschen sin kröne vor Got gehöhert, und wirt
sin lön dester grösser, und der tüvel wirt da von geschendet, wan swenn er
dem mentschen daz schoss der üblen gedenke zü dem hertzen schüsset dar
unb [20“] daz er den mentschen ierre und daz er im sin tilgend verliere,
und denn sich der mentsche bessret und sin tugent gemeret und bestätet wirt, ss
des müss er sich denn schämen, wan swenn der mentsch den willen hat: e daz
er die sünde täte die in von Got schaiden mohte, daz er e wolt liden den töd,
so ist denn dem willen sin kraft und sin sterki wider worden, die er verlorn
1. antwrtcn. 9. w'dent um unteren Hände nachgetragen. 17. wir am Bande nachge-
tragen. 19. der — 'eorura’; Panzer mochte beschaidenhait streichen. 34. vnb am Ende der
Zeile. 37. er fehlt.
29. freies Zitat aus Ephes. fi, 15 ff.
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9. Von der armüt unsere herren Jhesu Christi.
hatt mit sinen Sünden, alsuss sint wir nüw worden mit der beschaidenhait und
mit dem willen, mit dem wir alt warent worden.
Nu sprichet sant Paulus daz wir ain nüwen mentschen an uns sont nemen,
daz ist unser herre Jesus Christus, sprichest du nu, herre saut Paule, daz
5 unser herre si ain klaid der sele? ja, er ist daz aller schönste klait der sele
daz ie wart; wan swenn der mentsch gedenket nach ünsers herren tugenden und
sich dar nah [21*] bildet so vil es mag, und alle siu sinne dar an leit wie es
sin leben nach im rihte, so ist unser herre der sele klaid worden: an iinsers
herren willen, an sim leben und an sinen tugenden ist der sei gezierde. der
io alle die schrift liset du ie geschriben wart , so vindet man nit daz ie unmilter
lüt wurdent denn die mit ünserm herren unb giengent, oder daz ie kein mentsch
so gröz arbait erlitte so Got. alsus sont wir wider nüw werden mit ünserm
willen und sont ain nüwen mentschen an üns nemen, daz ist ünser herre.
[10.] Von dem frön lichamen iinsers herren.
is [Ego sum patiis vivus, qui de coelo descendi.]
Unser herr sprichet in dem ewangelio: ‘ich bin daz lebend brot daz da
kam von hymelrich uff ertrich’.
Daz waissin körn dar us daz brot gemachet wart, daz kam von hymel-
riche, von der guldinen schüre, und wart gesAget uf daz gesegnet ertrich in
20 den [2V] rainen lip miner vrowen sant Marien, daz waz getunget mit dur-
näh tiger demüt; wan si waz der aller demütigest mentsch der ie geboren wart
an ünsem herren. won swa man von tugenden redet, da ist Got ain Ursprung
und ain übergülde aller tugent; und dar umb sol man Got zü kainen hailgen
zellen, wan sin tugend sint reht als daz mer wider ain trophen. ünser vrowe
25 waz volkomen an durnähtiger demut. und als der mist verworfen ist für ällü
ding, also waz ünsrü vrow verworfen und versmäht für alle lüte. und won si
mit ir demütkait der nidrost mentsche waz, da von so wart si erhöhet über alle
mentschen. man liset daz von ir daz si sich alwegent namte ain dirne ünsers
herren: zü ainer müter nam si da von ünser herre; und iemer also vil si sich
so nidert, also vil erhöhte si ünser herre. si wart och geeret mit durnähtiger
künschkait, wan es wart nie mentsche [2V] ane Got daz ie so volkomen künschi
hetti als si. si waz rain an lib und an hertzen, und hatte die tugende der
künschi volkomenlicher denn ie kain mentsche. man liset wol von mängem hailgen
der künsche waz und ain luter magt, und waz doch sin hertze nit volkomen an
So gedenken, aber ünser vrowe waz volkomen an übe und an hertzen. alsus waz
dis ertrich gebuwen mit tugenden. der würi an tumber man der sinen samen
wurfi uff ain ungebuwen ertrich, uff stain oder uff dorn; also ist etlicher lüte
3. sprichet fehlt. 15. Der lat. Text fehlt. 21. demvtig. 23. kainO aufzulösm
kainem? 30. dürn&btig' mit ü-Zeichen. 32. der fehlt. 30. an so.
14. Das Stück gedruckt bei Wackemagcl S. SS. 15. Joan. 41, 51. 28. Luc. 1, 38.
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10. Von dem frön lichamen Unsere herren.
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hertze als herte und als hohvertig: swaz gätes uff ir hertze geworfen wirt, daz
daz nit fruhtbar werden mag. aber dis ertrich waz gebuwen wol mit allen
tugenden und brähte die ewigen fruht, linsern herren.
Nu müssent aim jeglichen körn sechs ding e geschehen e es zü brot werde,
daz erst daz man es snidet; daz ander daz man es bindet; daz [21“ } dritte 5
daz man es dröschet; das vierd daz man es melt; daz fünfte daz man es knit-
tet; daz sehste daz man es bachet. du sehs ding beschahent ünserm herren.
Zfi dem ersten wart er beschnitten an dem ahtenden tag; won do wolt er
sin blüt durch den mentscben giessen, und spricht ain hailig: ‘swie unser herre
dar umb uff ertrich kam daz er die alten e zerstörren wolte, do wolt er doch nit io
lösen’; er wolte daz strenge leben an sich neraen und also erfüllen, swie er siu
doch nit bedorfte, won er waz gar an sünde. und daz waz gar ain grössü minne
daz er also zitlich und in sinen kintlichen tagen arbait und not für ünser sünde
wolt liden.
Dar nah ze dem andern mal wart er gebunden an die sul. man liset daz 15
dü gebende als scharf warent, da mit er ge[22a]b unden wart: swa im dü band
hin giengent, ,daz da schnatte wurdent, und daz er reht wart als ob er ver-
wundet wäre mit 8 werten, won mit im so giengent wol die unmiltesten lüt umbe
die ie geboren wurdent. won sü bundent im hend und füsse ze samen und strik-
tent im ain sail umb die kelen, daz er kum den atem halt, und bundent in reht 20
als ob er aller dieb maister wäre. dis waz ain zaichen grosser minne daz er
Got, himelriches und ertrichs gewaltig, daz der durch uns vil armen aller
siner lider ungewaltig waz und wolt werden, und daz er sinen minneklichen libe
wolt lassen binden dar umbe daz er üns lösti von den Sünden.
Zü dem dritten mal wart er an der sul gedröschen mit mängem bitterlichen 25
schlag, und sprichet sant Anshelm daz der minneklich lip der e waz wiss, wart
als [ 22 */ ob er miselsühtig wäre, swa die knöphe der gaislen hin giengent, da
zuktent sü im daz flaisch von dem ruggen, und wüte im daz blüt nach der gaislen,
daz sin minneklicher lip gar mit blüt begossen wart, da aber dü gaisel hin
kam und im nit die hut brach, da wart er gel und öch etswa wart er reht tot so
blutig und waz etswa swartz und reht röt von blüt alsus jämerlich und angslich
wart ünser herre gehandelt, in dem do ünser herre alsus jämerlich an der sul
gebunden waz und si ietz uff in schlügent, da kam ünser vrowe. und do si hin
zü im kam, do waz sin minnekliches antlüt also zerbluwen und zerknistet daz si
si« nit erkante. owe, den si me denn tusent mal gütlich an sinen mund geküsset 35
hatte, der ist also jamerlich getan daz si sin nit erkande noch erkennen künde!
den si dik gütlich au ir hertze und au ir brust gedruket hatte, den vand si [22']
under den unmiltosten lüten die ie wurdent! do si in lang an gesach, do
sprach si zü im: ‘owe, bist du ez rainer Jhesus?’ und do si in in so grosser
not sach, do wart ir von inneklichem laid also we daz si lag än sprechen und 40
an sehen.
22. gewaltig wz. 24. er fehlt. 25. bitterlich?. 35. sin fehlt. 39. cz fehlt.
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30
10. Von dem rrfmlicbamen iinsers herren.
Zu dem vierden mal do wart er gemalen entzwischent. zwain mülstain, daz
waz Pylatus und Herodes, die zwen rihter; wan si warent übel mit enander, und
wolte sieh Pylatus sünen mit Herodes und sante im ünsern herren, wan in hatte
lang gelüstet in ze sehenn. und do er do zü im kam, do batt er in daz er vor
5 im zaiehen täti. do wiste unser herre wol daz er siner zaichen nit wirdig war
an ze sehenn, und wolt kain zaichen vor im tün. do sprach er: 'waz göches hat
er mir gesant!’ und hiess im ain wisses hemde an legen in spottes wise und
sprach: ‘man seit mir vil von disem, wie wis er wäre und waz er künde, nu
sih ich [22*] wol daz er ain göcli ist’, und sante in aber wider zü Pylato. und
io do in der naht wart, do kam der tüfel zü siner vrowen und seite daz der man
den Pylatus hetti gevangen, unschuldig wäre, und sante si des morgens zü im
und hiess in bitten daz er ünserm herren nit entäte. do hetti er in gerne ge-
lassen und hiesse in sine knehte schlahen vil übele und bevalch in do den juden,
do si im nit volgen woltent daz sti in gelassen kettint. alsus wart er gemalen
15 mit mängen hertan Worten und stössen.
Zu dem fünften mal wart er geknetten mit den spaicheln der unrainen juden,
und leitent ime ainen roten pheller an und satztent im ain kröne üf mit dornen
und gabent im ain ror in sin hand für aines künges zepter und knüwotent für
in und spuwent in an und griitztent in in spottes wis und sprachent [23°]: 'Got
20 halte üch, her Juden küng!’ si namptent den der juden künig des kneht si nit
woltent sin, und zuktent im daz ror uss der hant und scklügent im uff daz liopt
und uff die krön als übel daz im die dorne wider grisgetent an dem höbet und
daz sin minnekliches antlüt mit blute gar begossen waz; und nament do ain tüch
und hieugent im es für sinü ougen und schlügent in uff sin nak und sprachent :
25 'nu rät, wer hat dich geschlagen?' und sprachent mänig smäch wort zü im: daz
laid er alles tugentlich. da von spricht sant Anshelm daz in sin höbet tusent
scharpher -wunden giengent. owe, dis laid er alles durch üns vil armen ane alle
schulde! und spricht öch sant Anshelm: ‘herre, du hattest nie verschuldet daz
du so gröz arbait liden sollest, aber ich bin dü schulde diner arbait,’ in aller der
so nöt und aller der marter so ünser herr lait, so \in[ 23 */det man nit gesckriben
daz er ie ungedultig wmrt gespräche oder ungedultig antlüt erögti, swie im doch
dü arbait wirs tet denn ie kaim mentschen.
Zü dem sehsten male wart er gebaclien an dem criitze, do in die Übeln juden
vil ungütlich an daz crütze nageltent do schlügent si im ain nagel durch ain
35 hand. nu gedenkent wie we aim swären manne daz täti, der aller sament hiengi
an ainer hand, als er tet; won er hieng öch aller an ainer hant da ain nagel
durch geschlagen wart und im die hant ietwederlmlb hin zarte, und hieng ent-
zwüscheut zwain dieben, als ob er aller dieb ain maister wäre, man spulget gros-
sen herren brot ze bachenn in zwivaltigera füre: also wart ünser herre öch ge-
40 bachen an dem crütze in zwivaltiger not, und mit den ängsten daz er wol wiste
29. bin fehlt, 39. cntaWschrt.
2. Luc. 23, 8 ff. 19. Joan. 19, 2; Matt. 27, 27 ff. ; Luc. 22, 63 ff.
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10. Von dem fron lichamen linaers herreu.
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daz sin not und sin arbait an mängera mentschen so unnütz waz, und öch [23'J
mit dem jamer so er an siner miiter sach. und spricbet sant Bernhart: ‘herre,
dir tet din not und din arbait vil innekliclien we, aber daz lait und daz jamer
daz du din müter säht han, daz tet dir an dinem herzen vil wirs, won och ir
herze betrübet waz. won swa ain müter wäre du ir kint vor ir ögen sähe so 5
jämerlichen tüten, daz müsti ir we tün an irem herzen, es wart aber nie müter
du ie ir kint so sere minneti so unser liebü vrowe ir liebes kint minnet in ir
herzen Von gütlicher minne, me denn ie sei oder herze, o aller miltostü müter,
sag uns wie dinem herzen wäre in der stunde do du din herzblüt vor dinen
ögen saht hangen als reht jämerliche! daz gegiht innekliches laides daz durch io
gieng ir herze und iren lib. si mohte wol sprechen mit dem wissagen: ‘miu
hertz ist betrübet und dü kraft mines libes hat mich verlassen, wan daz lieht
miner ogen ist von mir geschaiden’. sant [23*] Augustinus sprächet daz si ain
gegiht an gie von hertzlaid, daz ir ällü irü lider erkrachetent. do ünser herre
von ir schaiden wolte, do bevalch er si sant Johansen; reht als er spräche: 15
'müter, ich mag nit me din kint gesin, nu wil ich Johannesen dir ze ainem
kind geben’, und sprach: 'müter, sich wa din kint stat’, und sprach zü sant Jo-
hansen: 'sich wa din müter stat’. owe, wie innekliclien we dir daz schaiden tet!
Alsuss wart dis lebend brot gemachet mit mängen arbaiten, won der als
daz leben ünsers herren dur gät, so vindet man nit daz er ie güten tag ge- 20
wunne von sinen kintlichen tagen untz an daz erütz. daz laid er alles durch
uns vil armen dar umbe daz er ünser sele spis wolte sin und daz ünser sele mit
dem lebenden brot gespiset wurde, als ünser herre zü sant Augustinus sprach:
'isse mich also daz ich nit werde in dich verwandelt, du solt in mich verwandelt
[24‘J werden’, daz ist also daz wir von ünsrem herren, dem lebenden brote, 23
gesterket werdent an tugenden: won swer ünsern herren mit rehtem globen
enphahet zü dem altar von dem priester, dem werdent sin tugend gemeret und
gesterket. sit daz nu ünser herre so mänig arbait und not dar umb liden wolte-
daz er ünser sele spis und tröst wär, so ist öch daz billich daz wir ünserm
herren ünser sei mit allem Hisse gegen siner gnad beraitent durch daz daz wir so
siner erbarmd wirdig werdent.
[11.] Yon der sei haftnng ln Got.
[Adhaesit anima mea post tc, me suseepit dextera tua.
Her David sprichet: 'herre, haftet min sele an dir, so um vahet mich din
zeswe’. daz ist über all die schrift reht: swenne wir tünt daz wir tün sont 35
ünserm herren, daz er den niemer verlät, er tilge öch daz er tün sülle. swenn
wir dekainen gebresten hänt an tugenden, daz belibet niemer an ünserm herren,
won alweg an üns. und kumt daz da von daz wTir ünsern herren [24b] nit
2. an am Bande. 33. Der lateinitche Text fehlt. 34. vm am Ende der Zeile.
11. Pt. 37, 11 17. Joan. 19, 37. 83. Pt. 63, 9.
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11. Von der sei haftung in (iot
als stAteklichen minnent als wir soltent. nu sont wir mit drier hand minne zu
unserm lierren gebunden sin. du erst ist starkü minne: dü gelichet sich aim
sidin saile; dü ander ist süssü minne: dü gelichet sich aim geblümten saile;
dü drit ist ain volkomnü minne: dü gelichet sich aim guldin saile.
5 Durch zwaier ding willen gelichet sich dü stark minne aim sidin saile. daz
ain ist daz si starke ist; daz ander daz si lind ist. also sont wir stark sin an
ünsers herren minne: wan als dü side starker ist und lenger wert, also sint die
lüt starker und st Ater die güt sint und die stark minne hant, denn die' lüt die
gilt sint und die minne hant und aber der starken minne nit enhant. als dü
io side lind ist, also sol der mentsch lind sin mit sinen Worten und mit einen ge*
bürden, und sol sich flissen daz nieman von sinen Worten und von sinen gebürden
betrübet werdi. nn sprichet her Salomon daz daz sail stark ist daz mit drin
/24’] strängen gemachet ist. also ist daz sydin sail gemachet mit drin strängen,
der erst sträng ist daz der mentsch stark sol sin ze allen liplichen arbaiten:
15 vasten, wachen, gehorsam sin, künsclielich, zü allen den arbaiten so ain gaischlich
mentsch han sol; hat es sin joch an dem lib nit, so sol er es doch an dem willen
han, daz es gern tAti ob es möhti. und spricht sant Paulus: 'wer mag üns ge-
schaiden von ünsers herren minne Jhesu Christi? weder durst noch hunger, noch
frost noch swert, noch tod noch enkain ding mag üns geschaiden von Gotte’.
20 alsus stark sont wir sin an ünsers herren minne daz enkain arbait dü üns an
gang, so gross si daz si üns iemer von Got geschaide. wan swer ünsern herren
nit minnet in sinen arbaiten und so im sin ding übel gät, der enwart öch sin
getrüwer fründ nie in sinen vröden und do im sin ding wol gie. man spricht ain
Sprichwort, daz öch war ist, daz man getrüwen frünt aller [24*] best küset in
25 den arbaiten. der etwenn dü glich tut daz er din frünt si vil güter, güt den
etwen arbait an, so tüt er als ob er nie din frünt wurde, und daz enist nit
früntlich. in der aller grösten arbait sont wir die aller grösten minne ögen, daz
ist früntlich. der ander sträng ist des herzen arbait. swenn der tüvel dem
mentschen bekorung git, oder in betrübde an gat von der weite, oder in sin
so selbes Untugend an vehtent, so sol er stark sin und vast striten, won in süchent
denn sin vigint. daz leret üns Ysayas daz wir ünser hertze sont uf haben ze
Gotte und sont üns nit her wider krümben uff daz ertrich durch daz daz üns
die tüvel nit erstigen mugent weder von ze vil vorhte noch von unrehter trur-
kait; won swenne der tüvel den mentschen in aine unreht vorht oder trurkait
35 bringet, da mit verlaitet. er in. da von bedurfent wir wol daz wir ünser hertze
uf rihtent zü Got. der drit sträng ist swenn [25’] den mentschen daz lieht der
fransmütkait lühtet, aintweder das zerganklich lieht oder daz lieht ünsers
herren gnaden, daz denne der mentsch sin hertze demüte; won als dürft es dem
mentschen ist daz es sin hertz uf rihti in siner vröde zü rehter demütkait dur
2. sich fehlt. 8. die güt sint fehlt. 15. vast. 26. etwc.
12. Eccle. 4, 12. 17. Rom. 8, 35. 31. dem Sinn nach hat. 1 und an verschiedenen
Stellen.
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11. Von der sei haftung in Got.
33
daz daz er nit valle, und daz erkenne daz er die gnade von Gotte habe, und
dem dank sage. mit disem sydin saile sont die lüt zü ünserm herren gebunden
sin die die starken minne hant.
Daz ander sail ist geblümet, daz Ist gemachet von zwain strängen, der ain
sträng ist contemplieren. daz ist also daz der mentsche sol nach Gotte kriegend 5
gedenken, daz ist reht contemplieren. swer dis dik tüt, daz mag kum sin. unser
herre geb im sin gnade, der ander sträng ist girde nach hymelscher vröde
und haimlichi mit Got. es sprichet sant Bernhart: 'mentsch, wilt du haimlich
mit Got sin, so solt du gern mit dim herzen aine sin, daz rät ich dir; und soit
[25*] ällü ding von dinem herzen schaiden untz an Got allaine. won wistest io
du wie reht nütze das ist daz der mentsche mit sinem hertzen ain ist, daz hat
min hertze, spriht er, wol befunden’, mit disem sail sont die lüte zü ünserm
herren gebunden sin die die süssen minne hant
Daz dritte sail ist guldin, daz ist von drin strängen gemachet. der erst
sträng ist daz der mentsch sich sol keren von allen zerganklichen dingen, und 15
sol sin hertz fri machen von aller üppiger günliche und vröde und vor losenhait
und sol es entlidgen von aller unnützer unmüsse. der ander sträng ist: swaz der
mentsch tüt, daz er daz alles tun sol in ünsers herren minne stäteklich ; won ain
hailig spricht: ‘swer stäte ist untz an daz ende, der enphahet die kröne der
hymelschen vröde, dü da iemer stät ist än ende’, der drit stränge ist daz der 20
mentsch beschaiden sol sin mit allen den diensten so es ünserm herren tüt, und
an der minne so es zü sinem neben cristen sol han; wan [25'} der mentsch sol
sich also ögen gegen ieglicbem mentschen, er si weltlich oder gaischlich, daz er
mit sinem gebet und mit sinen Worten nah im ze hymelrich ziehi als vil er ver-
mag. es sprichet sant Paulus: 'ich han mich engegen aim ieglichem mentschen 25
also gefüget daz ich es nach mir ze h.vmelriche ziehi’. mit dem guldin saile so
sont die lüte zü ünserm herren gebunden sin die die volkomnen minne hant
Man liset von dem künig Aswero: do er sine vrowen haim laiten wolt, do
hiess er ain gezelt uf schlahen von drin sailen. daz erst hiess er an die erd
spannen; daz ander hiess er hoher spannen; daz drit hiess er alder höhest span- so
nen. daz erst sail bezaichent die lüt die die starken minne hant und noch in
dem strite sint und in den arbaiten. daz ander bezaichent die lüte die die süssen
minne hant, daz ist daz geblümet sail. nu sint zwai ding an dem blümen: daz
aine daz er schön ist; daz ander daz er nnwerhaft ist; so er [25*] hüt schön ist,
so ist er morn verdorben, also ist dü süsse minne öch un stäte als daz geblümte 35
sail: der daz rüret mit aim vinger, es zerbrichet zehant. also beschiht den luten
die die süssen minne hant: der die rüret mit aim worte, so ist ir süskait und ir
vröde erzuket; won inen beschiht als den armen lüten die ain grosser herre
etwenn grützet und si der grüss nnverwänt an kumet, so enphahent sü in et-
15. dingen zweimal. 32. and' ist bezaichent.
19. im Anschluß an Matt. 10, 12; 24, 13. 25. I. Cor. 9, 22. 28. im Anschluß an Est. 1, 6?
Deutsche Texte de« Mittelelter*. X. 3
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11. Von der sei Haftung in Got.
wenne ane dank; aber dar nach gedenke nt si wer der waz der si da grüste, so
ist in denn der grüsse verzuket. dis ist bezaichent bi den luten die unser herre
grützet mit sinen gnaden: du vröde wirt inen etwenu enzuket. daz drit sail,
daz er da hiesse aller höhest uf spannen, daz ist bezaichent bi dem guldin sail:
5 daz höret die löte an die die volkomnen minne haut.
Salomon hatte gemachet an den tempel ain umbhang und hatte dar uf ge-
machet spit/56'7zig nagel guldin und hatte dar an gehenket guldin öpphel an
guldin kettenne. dis tet er durch dri sache: du erst sach: daz die vogel den
terapel nit entraintent und daz si von der spitze der nagel niht dar uf sitzen .
io möhtent; du ander: daz es schön und lustig ist an ze sehenne; du dritte: so der
wind wati, daz denn die öpphel schone klingletint. daz die nagel spitzig warent,
daz die vogel nit mohtent dar uf sitzen die den tempel entrainet hettint, daz
bezaichent daz wir die übelen gedenk niemer sont lan gerüwen uff unsrem
hertzen, die unser sei entrainent; wan als schiere so der übele gedank kumet,
1» so solt du im widerstan mit tugentlicben gedänken und dem tufel und den bösen
gedänken enkain rüwe uff dinem hertzen lan. daz er schön und lustig waz an
ze sehen, so du sunne dar an schein, daz bezaichent: so der mentsch an der sele
erlüh/,?67tet wirf von den gnaden önsers herren, so sol er sich druken mit der
demütkait. won so der mentsch ie höher an tugenden kumet, so er sich selben
20 ie me druken sol. aber sAmlich löte went daz man si ere mit tugenden und es
in dester bas erbiete, man sol tugend und tugentlichü werke haben dar umb
daz es unsrem herren kome ze lobe und den eben cristen ze bessrung. daz die
öpphel klingeltent, so der wind dar an wate, daz bezaichent: so der wind der ge-
dultsami uns an wöget oder der gehorsami wider 8 tat, oder suss der mentsch ain
25 üblen willen hat, so sol man denn erst hören wie wol er klinget und wie gütlich
er daz enphahet und wie minneklich sin antlüt gestehet si gegen der gehorsami
und gegen ander arbait. wan etlich löte wannend daz si vil tugenthaft sigint
etswenn und vil stark zö den arbaiten, untz daz si nieman an rüret wider iren
willen, man vindet vil der löte die wol gedultig sint so [26c] in ieman ibt tüt;
so man vindet aber der löte wenig die an ir schulde arbait und not von den löten
vrölich und gedulteklich lident.
[12.] Von der armut unser« herren .Jhesu Christi.
[Procter vos Christus egenus fadus esf, cum esset dives.]
Sant Paulus spricht: ‘wir sont üns fröwen mit ünserm herren an siner
35 armüt, won er durch ünser liebi als gar arm werden wolte’. won swa ain
kneht wäre der sinem herren als lieb wäre daz er durch sine liebi alle sin
herschaft und sin rihtiim wolte lassen und gar arm werden, und alle sin
fründ liessi und gar eilend wurde, des müsti sich der kneht fröwen daz im sin
20. »5m lieh — »flmlich 33. Der lateinische Text fehlt
6. III. Reg. 7, 17 ff.. 42. 33. II. Cor. 8, 9.
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12. Von der armüt ün»ere herren Jhesu Christi. 35
herre so gross liebi und minne ögti. ze glicher wis hat unser herre getan :
der lie durch unser liebi alle sin herschaft und alle sin fründe und die über-
mässigen fröde ze hymelriche die er hatte, und kam uff ertrich durch unsren
willen und wart gar arm und eilend durch unser liebi, und dar umb sol unser
fröde sin an dem crütze. 5
Nu wilj ich üch sagen von dem [26*] aller ernsten mentschen der ie wart,
wan swa ain mentsch wäre des libes und des gutes unfri und arm wäre, der
hiess wol ain arm mentsch: alsuss reht arm waz unser herre baidü libes und
gutes und fründe. wan ällü dü mentschen dü im ie nach volgetent und im dike
gütlich tatent und nach giengent und sinü wort und sin lere gütlich hattent ge- 10
höret, die liessent in do in sinen nöten und in sinen grossen arbaiten. und och
sin junger, die dik trost von sinen Worten hattent enphangen, die liessent in do,
daz er aller siner frünt halb allaine wart stände an dem crütz, won allain sin
werdü müter und sant Johans ewangelist. er waz och gar arm an dem güte,
der Got der hymelriches und ertriches gewaltig ist, der wolt als arm werden an 15
dem güte das er weder undersich noch in sich noch an sich enhatte. er en-
hatte an dem crüze nit so vii daz er sin höbet genaigen möhte. [2?'] 'die füchse
bant ir hol, die vogel hant ir nest, des mentschen kint hat nit daz er sin höbet
genaigen möhte’. er waz öch als arm an dem crütze daz er nit hatte daz er
getrunke, do in sere turste. do gabent im die üblen juden essich mit gallen ge- 20
mischet ze trinkenn. doch enturste in nach win noch nah wasser, in durste
nach diner sele und nach der minne dines herzen, er waz öch gar arm an
sinem libe, won er waz aller siner lid ungewaltig an dem crütz; won daz blüt
daz von sinem herzen floss, daz floss im über sinü ogen. owe, der minneklich,
der der engel Spiegel ist in hymelriche, und der die sunnen und den mane ge- 25
schaffen hat und mit siner schöni entlühtet hat, daz dem daz lieht siner ogen
enzogen wart an dem crütze! er wolt och sines mundes ungewaltig sin: won
swaz in die juden an gerüftent und zü im gesprächent in spottes wis, do wolt
er in nie geantwürten. [27*] er wolt öch von dem spot liden der zü siner
winstren hant hieng von rehten schulden; won er wand sin höbet unwirdeklich »0
von im, do er horte daz der ander, der zü siner zeswen hieng, der batt in daz er
sin gedähte, so er in sins vatter rieh käme, do antwürt im der ander schahman
vil unmärlich und sprach: ‘er mag im selber doch nit gehelfen, waz sol er dir
denn helfen?’ alsuss ungewaltig wolt ünser herre sines mundes sin daz er disen
Worten nit antwurt. aber in allen sinen nöten antwurt er dem vil gütlich der 35
in batt daz er sich über in erbarmeti, und sprach zü im: ‘gwärlich, du solt noch
hüt mit mir sin in dem paradyse’. er waz öch siner hende ungewaltig, wan im
giengent zwen scharph nagel der durch, owe, es wart nie mentsche so arm an
sinem libe, es möhte im selber etwas gehelfen! aber ünser herre der waz aller
7. nnfri und arm wire] und fründe arm ? vgl. Z. 9 und S. 36 Z. 5, 26 (Panzer). 9. Xach
fründe hat die Handschrift zur Ausfüllung der Zeile ein rotes f. IS. Xach crütz steht wie oben
Z. 9 ein f. ebenso Z. 17. SO. vinntren.
17. Matt. 8, 20; Luc. 9. 58. 83. Luc. 23, 39. 36. Luc. 23, 43.
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12. Von der armät unsere herren Jheeu Christi.
siner lider als ungewaltig daz er im selber ze kainen statten körnen mohte. sin
marter und sin ar/2~f/bait waz mänigvaltig und gröz an sinem übe und an
sinem herzen, sin oren hortent mängü bösü wort, und durch sin hertze gie
mänig lästerlich wort, daz er horte, alsuss arm waz unser herre libes und gutes
5 und friind und alles des ie wart uff ertrich.
Er hatte öch mänig angest und bitterkait an sinem hertzen do er gedahte
an den jämerlichen tod den er liden wolte, won er sprach: 'min sei ist betrübet
untz an den tode'. sin angest waz also gross daz er von rehter angest blütigen
swaiss switzte, do er gedahte an die marter die er da liden wolte. er hatt och
io mänigvaltig not und marter an sim libe, do sin vil hailger lip an daz erütz ge-
nagelt wart nu merkent wie we ainem s wären manne wäre, do im ain sebarpher
nagel durch sine hende geschlagen wart und er do an ainer haut sament hieng!
do meretont si im do aber sine marter und nament im do aber die andern [27*]
hant und schlügent im öch ainen nagel der durch und zertantent im ällü sinn
15 lider und alle sin adren und schlügent im ainen nagel durch beid fiisse. nu
merkent wie we im waz und müste werden, e im der nagel dur den undren füss
kämi und im der nagel den obren füss ietwederhalp hin schlänget! alsuss wart
Unser herre an dem erüz zertennet: reht als da man ain bermit an aine ram
spannet, also stünt er an dem erütze gespannen, und waz sin liailig lip mit blüte
20 gar begossen, und sprichet sant Bernhart: ‘owi, herre min, wTan wär ich da
gesin da du als gross not und arbait litte, daz ich dir mit minen sündigen ogen
und trähennen din wunden gewäschen hetti !’ er hatte öch grosse not und jamer
an siner lieben müter, wan ir Iaid und ir jamer gie im durch sin hailigen sei.
owe, mentsch, wie mag dir iemer armüt oder dekain not oder arbait libes oder
25 hertzen swüre sin, swenne [28° ] du gedenkest daz din schepher durch din liebi
als reht arm waz libes und gutes und fründ, und daz er als grosse arbait an
libe und an hertzen gehebt hat durch daz daz er dich losti von allen arbaiten!
[13.] Ton der sele minne ze (Hot.
[Anima mea liquefacia est, ut locutus est.]
so 'Min sei ist gesmoltzen, sit der liebe mit mir rette’.
Dis ist gesprochen von ainer ieglicher sele du getrnwe ist. doch wart nie
sele du es ie mit warhet so volleklich mölit gesprechen so Unser vrowe; wan
ir sele und ir herze wart erfüllet mit übermässiger vröde an der stunde do
si genemet wart ain müter Gottes, won Unser herre do minneklich zii ir sele
85 retde do er von irem mägtlichem libe mentsch wolt werden, wie ir sele und
ir hertze von vröden und von süskait smultze, da von hant ir dike vil gehört,
dis selbe wort mag öch ain ieglichü getrüwe sele wol sprechen, swenne Unser
herre [28*] mit siner gnade zü ir redet, nu sont ir merken wie Unser herre
20. Der lateinische Text fehlt.
7. Matt. 26, 38. 11. vgl. S. 30 Z. 35. 29. Cant. 5, 6.
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13. Von der sele minne ze Got.
37
mit der sei redet, sin wort und sin red daz ist nit auders won sin gnade; da
mit entlühtet er die sele und machet daz hertze linde und smeltzent. reht als
das wachs von der haissen sunnen smeltzent wirt und zerfliessent, also wirt du
sele smeltzende von der waren sunnen, unserm herren Jhesu Christo, es wrart
nie hertz so herte, ist es Got haimlich, es werde linde, nu sont ir hören wie 3
unser herre mit der sele redet, er spriht dur her Moyses munt: 'hörent, ir
hymel, waz ich mit üch rede! ertrich, vernim minü wort!’ an disen Worten git
er uns ze merkenn wer die lüt sint mit den unser herre reden wil.
Da gelichet er gaischlichen luten den hymel , won er luter ist und schöne
und hohe: also sol des tugenthaften mentschen hertz sin luter und raine und io
sol gezieret sin mit tugeuden und mit tugentlichen [28c] gedenken, der hymel
ist öch hohe: also sol des tugenthaften mentschen hertz erhöhet sin mit tugenden
und erhaben von allem kumber und unnützer unmüsse und es bi ünserrn herren
han in hymelriche, da sol sin wonung sin. alsuss sprichet sant Paulus: ‘unser
Wandlung sol in dem hymel sin bi unserm herren. du sunne lühtet öch an dem i&
hymel: also sol och du wunneklich sunne, du mit ir schonhait hymelrich und
ertriche erlühtet hat, der grosse Got, ze allen ziten in des tugenthaften
mentschen hertzen lullten und schinnen und sol sin Spiegel sin. sin götlichü
tugent sol sin sele entlühten und ir spiegel sin. alsuss sont wir dem himel
gelich sin als man singet an dem winnalit tag: ‘die himel fliessent von honge, 211
von vröden und von süssekait’.
So sprichet er denne: ‘ertrich, höre minü wort!' nu sont ir merken war
unbe gaischlich lüte dem ertrich sont gelich sin. daz ertrich [28*] Ist ver-
worfen und versmähet von allem dem so under dem hymel ist: also sont öch
gaischlich lüt verworfen und versmähet sin vor allem dem so uff ertrich ist, und a
sol sich Hissen demütkait vor den lüten und vor Gotte, da von sprichet sant
Bernhart: ‘der reht demütig wil sin, der sol han ain demütig herze und ver-
smahen alles daz uff ertrich ist und öch sich selber, und sol denn nit geren daz
daz ieman wisse; und swa man im zartet, dannan sol er Hieben’, dis sint dü
rehten zaichen der rehten demüt man trittet uff daz ertrich und versmähet es so
mit allen dingen; daz lidet es alles gedulteklich : also sol der sälig mentsch ge-
dulteklich und demütklich liden alles daz in an gät durch ünsers herren minne.
swie aber nu es doch daz verworfnest ding si und daz versmähtost, so ist es
doch daz nützost; won wäre es nit fruhtber, so möhte nieman genesen, ze
glicher wis sont gaischlich lüt sin: si [29*] sont verworfen sin und versmähet sj
und doch fruhbar und nütze sin, wan ir gebet und ir gut bilde sol allen lüten
ze tröste komen; won si sont für alle lüt bitten, und ir gebet sol für ünsern
herren gan, als öch der wissag spricht: ‘herre, min gebet sol für din antlüt gan
als ainer süsser röch’.
b. werde haimlich linde. 10. Nach hohe folgt fälschlich: dü sunne lühtet och an
dem hymel; der Schreiber geriet in Zeile 15. h'tzen. IS. schinnen sol und. 24. vonl
vor ? vgl. Z. 25.
6. Deut 32,1. 14. Phil. 3, 20. 38. Ps. 140 , 2.
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38
13. Von der sele minne ze Got.
Nu hant ir gehöret wer die lüt sint mit den üser herre reden wil, wie sü
sich gelichent dem hymel und dem ertrich; nu sont ir hören waz Got mit der
sele redet, alsuss redet unser herre mit der sele in der minne büch und spri-
chet: ‘tü mir üf, min swöster nnd min fründin und min tube!’ sich wie guetlich
5 der demütig Got mit diner sele redet', er sprichet du sigest sin swöster; und bist
dn denn sin swöster, so ist reht daz du mit dinem brüder Jhesu Christo ze
rehtem erbe sitzest, 'nu tü mir uf, min swöster, und la mich geniessen daz ich
von hymelrich uff ertriche kam und din bilde an mich nam uff die rede daz du
dester [29*] bas min swöster wärest und ich din brüder! nu tü mir üf hüte mit
io diner minne din herze und la mich rüwe dar inne han!’ swenn du tugenthaft
swöster disü wort höret, so müss din sei und din hertze durch not von gütlicher
minne sraelzen. so sprichet er fürbas mit dir und sprichet: ‘tu mir uf, min
fründin! wellest du vergessen daz ich dich han gehaissen min swöster, und daz
ich mentsch worden bin durch dich, so la geniessen mich daz ich früntschaft
15 umb dich han geköfet mit minem tode, und daz ich dir din erbe ze hymelriche
wider gewunnen han; daz du mit den Sünden verlorn hattest, daz han ich dir
erlöset mit minem rosvarwem blüte. tü mir uf, min fründin! gedenk daz ich
dir dienet uff ertrich drü und drissig jar mit jamer und mit mängen üblen tagen,
daz ich güten tag uff ertrich nie gewan und ze jungst den bitren töd durch dich
20 laid. des genügte mich noch do nit, do ich stünde an dem criitze und töd was,
[29‘ ] do Hess ich min hertze uf tün durch dine minne mit aim scharphen sper.
nu tü och hüt din hertze mit diner minne üf mir, fründin min!’ owe, tugent-
hafter mentsch, von disen so minneklichen werten sol wol din sele smeltzen; tü
din hertze hüt uf engegen dinem fründe, la hütint din stime süsseklich in sin
25 oren schellen und antwürte dem gütlich der dich mit so grosser flehe bittet dins
hertzen! so redet er aber denn fürbaz und sprichet: ‘tü mir uf, min tube!’ höre
wie reht gütlich er mit dir redet! er hat dich gehaissen ain turteltuben. dü
turteltube ist rain und senfte und an gallen, ir spis ist vil raine, der si lebet, si
hüt öch ir nest in der kirchen, si begat sich nit als ander vogel. säliger
so mentsch, also solt du der turteltuben gelich sin: du solt ain rain hertze han und
solt öch senft sin an dinen Worten und solt an dinen gebärden an gallen sin,
also daz du wider nieman dehain übel tragen solt in dim hertzen; du solt och
din sei füren [29*] mit rainner spise, daz sint die rainen gedänke und die
tugentlichen, da mit du din sele spisen solt; du solt öch din nest und din wonuug
35 bi ünserm herren han in sinen rainen wunden, und solt dich behüten vor dem
tüvel, der din ze allen eiten varet. alsus solt du der tuben geliche sin, so mag
ünser herre von reht sprechen: 'min tube’. ‘nu tü mir uf, min tube!’ spricht er
aber denne, ‘wellest du vergessen daz ich dich genemet han mine swöster and
min fründin, so gedenke daz ich dir min hailigen gaist sante und dich tröst, und
1. vs' am Ende der Zeile. 5. rodet fehlt. 10. Ist vielleicht zu lesen: wenn du, tugent-
haftfi swiister, disü wort hftrest? vgl. S. 3!) Z. 9. 35. sinen am Rand mit Yertreisungszeichen
nachgetragen. 36. ziten fehlt.
4 Cant. 4, 2; vgl. S. 19 Z. 14 ff.
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13. Von der sele minne ze Got
39
]& mich zü dim hertzen. la dich erbarmen daz ich von ainem mentschen zü dem
andern gan, von herzen ze hertzen, und ich der lüte wenig vinde die sich über
mich erbarment und mir ir hertze uf tügent! wellest du nu vergessen daz du
min swöster, min fründin und min tube sigest, so gedenk dar an daz ich dir ze
allen ziten nach gän und dir rufe, und tft hüt din herz [30“] uf gegen miner 5
minne, la mich geniessen daz mir bas in dinem herzen ist denn in dem hymel-
riche bi den engein, und daz min fröde grösser wirt von der rainkait diner sele,
von der luterkait dines herzen denn von der schonhait des hymelriches!’ nu
höre, tugenthaftü sele, wie gütlich unser herre mit dir redet, und erhöre hüt sine
bette und la din sele von disen minneklichen Worten smeltzen! druke hüt daz io
guldin insigel siner gütlichen minne in din sele, la den güten Got nit lange vor
dim hertzen stan, la dich von herzen rüwen, ob du dich ie gesumdest, daz du
im zehant din herze nit uf tüt, und sprich: 'gang hüt in min hertze, lieber herre
min, ich wil dir hüt uf tün min hertze, din wonung und din rüw sol in minem
hertzen sin!’ owe, sele, du mäht dich wol schämen swenn du den minneklichen 15
Got zü dinem herzen geladest, und du in denne mit Untugenden vertribest und
din hertz nach siner [30“] wirdekait nit bereitest, daz er von diner Untugend
von dir fliehen müss. ünsern herren vertribet kain ding von der sele won dü
sünde und Untugend: da von solt du, tugenthafter mentsch, dins hertzen hüten
mit aller hüt, durh daz ünser herre ze allen ziten dar inne si. 20
Waz tüt ünser herre denne so er zü dim herzen kunt? er tüt reht als da
ain frünt von sim lieben fründe lange wär gesin, der vil liht über mer oder
gen sant Jacob wäre gevaren. so der wider kumet, so klegt er sinem lieben
fründe alle die arbait und betrübde die im in dem eilend widervaren ist: ze
glicher wis tüt ünser herre siner lieber fründe seien, nu höre, tugenthaftü sei, 25
wie er dir sin arbait klegt. er sprichet: ‘o sülgü sei, la dich erbarmen daz der
lüt so wenig ist die sich über minen tot erbarmeut!’ es wart nie mentsche so
arm, gieng es in ain statt von hus ze hus, etwer erbarmeti sich über in und
gäbe im ain stuki brotes; aber ünser herre ßO 7 gät von hertzen ze hertzen,
von mentschen zü mentschen, und vindet der lüte wenig die sich über sinen tot so
erbarmagent. 'owe, säligü sei, la dich erbarmen daz min tot und min blüt als
unwerd ist als daz wasser, und der lüte ietz vil ist uff ertrich die uff minen tot
und uff min blüt also wenig ahtent als uff daz wasser, und erbarme du dich
über minen tot und gib mir din hertze und die minne dines hertzen!’ owe,
tugenthafter mentsch, höre wie gütlich dich der minneklich Got bittet der minne 35
dines herzen! minne den der dich von der erbärmde sins gütlichen hertzen nie
geschied! und spricht sant Augustinus: 'mentsch, du mäht ane minne nit sin; nu
minne daz ding daz du mit eren geminnen mugest!’ leist du din minne an daz
daz zerganklich ist, so daz ding denne stirbet, so ist öch din minne tot. nu leg
din minne an den güten Got, der dich so gütlich geminnet hat. erhörest du sine «
bette nu und tttst du im din hertze uf und ßOä] haltest dich uff ertrich also
6. den. 18. Wortfolge in der Sa.: ding won d(i Bünde von der sele. 32. vgl.
8. 26 Z. 20.
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1.1. Von der sele minne ze Got.
daz du mit rehte siu swester haissist, so solt du 6ch hyraelrich mit im besitzen,
din erbe, daz er dir geköfet hat mit sim minneklichen blüte.
Nu merke waz er dir vrüden ze hymelrich geben wil mit im selben und
mit sinen kinden, die ietz daz erbe da besessen hant. nu sint fünf ding die man
5 spulget den brüdern ze tünde, so si von dem wege koment. daz erst: daz man
sü füret in den kor für den alter und git in den segen und nimt inen ab swas
si uff dem wege verschuldet hant; daz ander ist daz si die brüder gütlich
grützent und küssent an iren mund; daz dritte ist daz man si füret in daz
gast hus rüwen; daz vierde ist daz man in git ze trinkenne; daz fünfte ist daz
io man in git zessen. ze glicher wis tut unser herre der sele. so si von dem libe
schaidet, so git ir unser herre den segen und nimt ir abe swa mit si sich uff
dem wege und in dem eilende verschuldet hat, und git [31’] ir gantz frihait, daz
si niemer me getün sol dekain ding daz si von Got geschaiden muge. da ge-
winnest du niemer me dehainen strit mit dinem hertzen noch mit dim libe; da
15 wirt din sele, din hertz, din lip gerainnet von allen sünden und von allen Un-
tugenden. dar nach grützet er si minneklicher denn ie kain muter ir kint. dis
sol man gaischlich verstau, als ain brüder sin swöster mit tugentliclier minne.
dis küssen ist nit anders won ain zaichen des gütlichen frides, daz du mit dim
hertzen mit dim Got iemer me solt frid han; won er schaidet von dinem
20 hertzen, von diner sele alle trurkait und alle beswürde und wüschet dir mit
siner gütlichen hand din trähen von dinen ügen; dar nach solt du niemer trurig
werden, dar nach füret er si in daz hymelriche in die ewig ruwe und sprichet:
‘gang in die vrüde dins herren, und hab iemer me stät vrüde!’ der ist vil und
ist als übermässig daz si nit gar in [3V] die sei komen mag. und dar umbe
25 sprichet üuser herre daz dü sele in die vrüde gange, in der vrüde solt du,
tugenthaftü sele, rüwe han; da solt du dinen Got und dinen herren iemer me
an sehen, da von sprichet sant Augustinus: ‘sitzend ünsern herren an sehend
sont in werden an ende lobende’, dar nach git er der sele ze trinkenne die
ewig vrüde ze hymelriche. man liset in den alten büchen von ainer vrowen. dü
so hiess Judith, do dü ain hohzit wolte han mit dem herren Holoferne, do gab er
ir ze trinkenne und sprach: ‘nim hin und trink, es ist hüt ain tag diner vrüde!’
do antwurt si und sprach: ‘wais Got, ich waiss wol daz es hüt ain tag ist aller
rniner vrüde, und alles mines laides vergessen sol’. also wirt linser herre zu dir
sprechent: ‘tugenthaftü sei, nim hin. sele, und trink und wirt trunken und ver-
35 gisse alles dines laides!' so wirt denn dü sele sprechende: ‘ich waiss wol daz
es hüt ain tag ist aller vrüde’. da solt du, tugent/5f'7haftü sele, iemer me
trinken von dem lebenden brunneu. dar nach git man daz naht essen; daz ist
daz er dir denne alle dine vrüde bestätet und setzet dich über den tisch aller
1. fich daz h.mclrich oder öch ze b^melrich.* vgl. 8. 38 Z 15. 24. di. 2". In der
Wiedergabe der Stelle des hl. Augustinus liegt Textverderbnis vor. Der Sinn ist: Diejenigen, welche
auf dem Throne der Herrlichkeit sitzen und «Mfrn Herrn ansehen , werden ihn ohne Ende loben.
32. aotwrt
28 Matt. 25, 23. 31. Judith 12, 17.
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IS. Von der sele minnc zc Got.
41
vn'xle und über die da vol ist aller genuht. da sprichet unser herre: essent
mich und trinkent und werdent trunken, aller liebsten fründe!’ da sol die sele
mit sim gütlichen antlütz gespiset werden, er wil iemer me der sele spise sin.
nu merke, sälgü sei, wol edel spise! er ist alles: daz du wilt, daz hast du an
im und noch tusentstund me denne din begirde begrifen mug. her an gedenke 0
ain ieglich meutsche und lege allen sinen fliss dar an, daz er zu diser Wirt-
schaft kome!
[14.] Von der gütlichen mlnne zu der sele.
[Fortis est ut mors dilectio.]
Man liset in der minne bäcli daz du niinne stark ist alz der tod. wie stark 10
du minne ist, daz niugent wir dar an sehen daz si den grossen Got, der hymel-
ricli und ertrich geschaffeu hatte, des twang daz er mentsch wart und [31*]
mentschlich natur an sich nam. si tote den nach mentschliclier nature in dem
alles unser leben ist. wie grössü ding du minne an ünserm herren hab getan,
da von hant ir dik gehöret, öch hat si den liailgen grössü ding getan, die ir ts
blüt durch ünsern herren vergussent. si liät öch grösü ding getan an der
hailgen jungfrowen sant Agnesun. die twang si dar zu daz si ir blüt durch
ünsern herren vergöss. dü minne dü schied si von aller der vröde dirre weit,
si tut öch noch grössü ding an müngem mentschen. uu spricht sant Bernhart:
‘swa dü minne ünsers herren Jhesu Christi gewurzet hat, da wahsent aht schön 1»
blumen’. der erst blünte ist manhait der getät; der ander ist luterkait des
willen; der drit ist rainkait der weich; der vierd ist richait der sinne; der
fünft ist hailikait der girde; der sehste ist münigvaltikait der tugend ; der sibend
ist werdekait des dienstes; der ahtend ist müuig/5^*yvaltikait des lones.
Der erst blum der utf diser wisen wachset, daz ist manhait der getät, daz 25
ist ain schönes hertze an ünsers herren dienst, disen blumen hatt wol dü hailig
jungfrow sant Agnes, si hatt ain künes herze, dü minne hatt si stark gemachet,
daz si sich grosser dinge nit erkam durch ünsers herren minne ze tünne und ze
lidenne. dirre selb blum wachset noch in müngem hertzen, daz von der minne
ünsers herren also stark wirt und also kreftig daz in enhain ding ze gross ist so
ze tünne dur Got, und si enkain ding mag an gan daz sü von Got schaide; als
der gut sant Paulus spriht: ‘wer mag üns geschaideu von ünsers herren minne?
daz mag weder frost noch hunger noch tot, noch dehain ander ding mag üns von
Got geschaiden’.
Dar nach wachset des willen luterkait. daz ist [ 32 V luter wille: swer sinen 35
willen in ünsers herren willen setzet, daz er enkain ding geret ze tünd won daz
ünsers herren wille ist. disen blümen hatte öch sant Agnes wol, won si hatt ain
1. Vor die da vol utf wohl ausgefallen dio tavel (Boethe). 6. Der lateinische Text fehlt.
16. grA/sü am Ende und Anfang der Zeile. 25. blum ist der.
9. Cant. 8, 6. 32. Rom. 8, 35.
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14. Von der gütlichen minnc zA der solo.
so luter herze und als lutern willen daz si den tot wolt liden e daz si wider
Gottes willen tät. wäre unser wille in unsers herren willen also daz uns alles
das wol geviel daz er usser ünserm libe und usser linserm güte und usser unser
sele täte, so hettent wir dik frid und fridsames herze, swa nu du minne unsere
5 herren Jhesu Christi hat gewurzet, da wachset och dirre blame. wan sweles
raentsche mit getrüwem hertzen minnet ünsern herren, der engert nit anders
wan daz sin wille ist alles daz er öch usser im tttt, daz gevallet im alles wol ;
won er getrüwet Got also wol daz er wol waiss: swaz im Got tftt, daz im daz
das best ist.
io Dar nach wachset der werch rainkait; wan du [3i?J minne leret niht. tün
wan daz mit tagenden ist gezieret, als schön gebet, rainne andaht. alles daz du
titst, daz solt du mit tugenden zieren also daz ällü dinü werch tugentlich sigent.
Dar nach der sinne richait oder wisshait; daz ist also daz ain mentsche wis-
lich kan von Got gedenken und reden, disen blumen hatte och sant Agnes;
15 won si künde wislich von Gotte reden und den mentschen wislich antwürten,
die si twingen woltent daz si sich von Gotte schiede, si sprach öch von linserm
herren tugenthaftü wort, die wir nie sölich von kainer jungfrowen gehortent.
es waz ain wislichü rede von aim kind von drizehen jaren daz si so wislich
sprach: 'mins herren, mines brutgömes, den ich minne, des muter ist rainü magt,
20 sin vatter erkande nie wip; so er mich minnet, so bin ich küusche; so er mich
beniret, so bin ich raine; so er mih umbvahet, so bin ich erst ain luter magt’.
wer hatt si geleret als wislich reden wan du min/5^7ne unsere herren, die in
ir herzen gewurtzet hatte? du minne leret dik ain mentschen daz nüt vil ge-
leret ist von der schrift, daz es in sim hertzen me von Got kan gedenken denn
25 etlich gilt maister der von der schrift wol geleret ist.
Dar nach wachset der girde hailikait. daz ist ain hailigü gernng der nit
engeret wan unsere herren minne. disen blumen hatte dii hailig jungfrowe sant
Agnes, won si hatte alle ir begerung gekeret an Got. daz ist ain hailgü be-
gerung der allen sinen sin dar an leit wie er tugend gewinne, der sälige
so mentsch sol alle sine sinne an Got keren, als her David sprichet: ‘herre Got,
alln min begirde ist an dich bekeret’. swer dehaines lobes oder dehainer zer-
ganklicher ere gert, des girde ist nit hailig.
Dar nach wachset der tugent mänigvaltikait. swa dn minne gewurzet hat,
da wachsent alle tugend. da von spricht sant Gregorius (33“] daz du minne
35 niemer massige kan werden, si leret alle zit den mentschen tugend und tugent-
liches leben, ich engesach noch vernam nie, da man rosen phlantzat, daz da
8. er fehlt.
19. Die Stelle ixt ilem Brevier der hl. Agnes entnommen (21. Januar) und steht im Mcs pon-
sort um der ersten Xokturn : imo Christum , in cuius tlialamum introibo, enius mater virgo est,
cui us pater feminam nescit ... quem cum amavero, casta sum; cum tetigero, munda sum ; cum
aecepero, virgo sum. 30. dem Sinne naeh Ps. US, 59; 84, 1.
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14. Von der gütlichen minne zu der eele.
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lylien wüchsent. aber uff dirre wurze der minne da wahsent alle edel blümen.
uff der minne wachsent demütkait, gedultekait, gehorsami, vröde in Gotte, kurtz-
lich alle tugende wachsent dar uff. minnest du Got, alles daz du denn tün solt
oder liden, daz machet dir din minne alles liht und senfte. disen blümen hät
öch min jungfrow sant Agnes, du minne hatte in ir herzen gewurzet, wan si 5
hatte mänig tagend.
Dar nach wahset des dienstes werdekait dü gröste werdekait die ie wart
oder iemer werden mag, die gewinnet der mentsche ze hvmelriche der mit
tugentlichem flisse Got dienet uff ertrich. man sprichet und ist och war: 'des
kaisers dien/5,?7ste man ist grösser denne ein graf’, sit denn ain mentsch wölt io
geerot sin ob es aim edeln herren uff ertrich dienoti, so ist billich daz der
mentsch vil gröslicher geerot werde der dem grossen Got mit tugentlichem vlisse
dienet dis erkante wol sant Agnes daz so vil wirdekait an ünsers herren dienste
lit, won si wolte gern in ünsers herren dienst den tod liden denn si uff ertrich
ain grössü vrowe wäre, waz mag den mentschen edeler gemachen und werder 15
denn ünsers herren dienst? es ist dü gröste wirdekait dü ie wart, der Got mit
tugentlichem lebenn dienet.
Dar nach wahset des lones manigvaltikait. wie mänigvaltig der lone ze
hymelriche si, da von spricht sant Paulus daz die vröd nie 6g gesach, nie ore
gehörte, nie hertz gedahte, die da ünser herre beraitet hat denan die in hie 20
minnent
Nu hant ir gehöret von den blümen die uff der minne wachsent; nu sont ir
hören von der fruht dü uff den blümen wah/55'/set der tugend fruht ist niht
anders won ünser herre. der hat ainen namen, der ist also reht löblich daz ich
under allen den namen so er hatte, namen han nie so sere geminnet disen 25
namen gab im der wissag David und sprach: ‘ain herre und ain Got der
tugende’; won er ist ain Ursprung und ain brunne aller tugend von dem eint
aller hailigen tugend geflossen, hetti ich ainen rosen in der hant so wurdi si
mir nach dem rosen smeken. spräche ich denn zü miner hant: ‘von wem
hast du disen smake so guten?’, so möhti dü hant sprechen: 'daz han ich von so
dem rosen’; sprich ich aber zü dem rosen: ‘von wem hast du den gesmak?’,
so möhti er sprechen: 'daz han ich von mir selben, es ist mir an geborn’. ze
glicher wis ist es umb die tugend und umbe die hailgen. fragetint wir die hail-
gen und ander güt lüt von wem si ir tugend hettint, so mnstent sü sprechen:
’daz bänt wir von Gotte'; sprAchent wir aber zü ünserm herren: 'herre, von 85
wem [33*] hast dn din tugend?’ so sprAchi er: ‘daz han ich von mir selben’,
alle tugend sint von im geflossen und fliessend öch wider zü im. er ist dü fruht
dii uff allen tagenden wachset
Habent wir dis würzen der minne, so wachsent der tugent blümen in
23. wahsrot. 25. namen lian fehlt. 27. von . . . tagend fehlen; zur Ergänzung vgl.
Z. 33. 37.
19. I. Cor. 2, 9. 2fi. P». 23, JO; 58, 6.
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44
1 -I. Von (1er gütlichen miune zo der sclc.
unsrem hertzen. da von so flissent uns der minne und ander aller tugend daz
wir zu der edlen fruht koment, daz ist unser kerre, der da kaisset und ist 'ain
Got und ain kerre der tugende’.
[15J Von »lasse »»<1 voll andren tilgenden.
5 [Modestia vestra nota sit Omnibus hominibus.]
Sanctus Paulus spricket: ‘ üwer rnasse und üwer tugend sol allen luten
offen sin’.
Disü Worte liset man an dem jüngsten sunnentag vor winnäkten, vnd köret
wol zil dem tage, won so naket uns ain kokzit, daz mr ünsern keiTen enpkaken
io sont. und leret uns mit diseu wollen der gilt kerr saut Paulus wie wir uns
keraiten mit tilgenden sont gegen ünserm kerreu, daz [34* ] wir in wirdeklich
enpkakent.
Man liset von der küngin Hester: do si zu dem künig Aswero solte, do be-
rait si sich ain jar da vor. si wusch sich sehs manod mit myrren und salbet
ts sich sehs manot mit öle und hatte siben jungfrowen die si beraitent, daz si mit
eren zu dem künig möhti körnen, bi diser künginuen ist bezaickent ain ieglichü
sälgü sei. bi dem kunig Aswero ist bezaickent unser kerre. Aswerus daz sprichet
‘der sälig’. Got der ist reht sälig und kaisset von rekt Aswerus. und gegen siner
zükunft sol sich ain ieglich sälig mentsck beraiten, daz er in wirdeklich enpka-
20 heu mug. dü erst jungfrowe zoh ir du alten klaider ab; du ander lait ir schuhe
an; dü dritte lait ir ainen langen rok an; dü vierde lait ir ain guldin horten
urabe; dü fünfte lait ir ainen vehen mantel umb; dü sehte stakte ir ain guldin
vingerlin an und ain Spiegel [34*] für sich; dü sibeud salzte ir uf ain kröne.
Vro Hester dü wusch sich vor hin sechs manode mit myrren: dü mirre dü
25 ist bitter und bezaichent die rüwe die ain mentsch sol kau umb sine sünde. und
salbet sich die andern sehs manot mit öle: daz öl machet die hut lind und
senfte; der in ainen kamph wil gan, der salbet sich und sin gewäfen mit öle,
daz in sin vigend nit begrifen mugent. ze glicker wis sol der sälig mentsche
tun: der sol sin hertze linde machen mit andähtigem gebette und sol sin sele
so mit ünsers kerren gnaden salben, daz in der tüfel, sin tötlich vigent, nit begrifen
muge. won ir sont daz wissen daz daz andähtig gebet vil nütze ist für die be-
korung die der tüfel etswenn git. won swer sich uunnissig machet mit gebet
und mit güten gedänken, den mag der tüfel niemer mit also mängem ding ge-
valien als den mentscken der sine zit unnützeklich vertribet. alsus sol der
35 mentsck sin sei vor hin be/.M'/raiten.
Dar nach sont ir denne siben jungfrowa werden die si klaident und be-
raitent, daz sint siben tugent.
1. flifwcnt = vltzen. 5. Der lateinische Text [Mt. 9. dz vneem. 18. ist fehlt.
36. jungfrowa so.
4. Die Predigt ist gedruckt bei Wnckemagel S. 89. 5. Phil. 4, 5. 13. Est 2, 12.
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15. Von masee und von andren tilgenden.
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Dü erst jungfrowe ist. rüwe; dü zühet du alten klaider abe und lait nüwü
an, daz sint die Sünde und die alten gewonhait der Untugend: die sol der
mentsche von siner sele und von sinem herzen werfen, wie gezAnie ainer jung-
frowen daz si gienge für ainen künig mit alten klaidern bösen, daz si also
käme mit gevetzotem gewand? daz zürne harte übel küngennen daz si also 5
böschlich küme für iren herren. noch tusentstunt wirs gezüme der sele dü
ünsers herren gemahel haisset, daz si für den grossen Got küme mit alten klai-
dern und mit Untugenden, man liset ain märe von ainem herren, der hatte ain
hof gesprochen, und hatte vil lüte dar geladet. do dü Wirtschaft berait wart, do
gieng der künig umbe und sach wie es alles berait würe und wie die lüt be- io
klaidet wärent. do ersah er ain der waz nit [34* J wol beklaidet. zü dem
sprach er: ‘waz woltest du her mit dinen bösen klaidern?’ und hiess sin
kneht dar gan und hiess im hend und füss ze samen binden und werfen in
ain für. ze glicher wis beschiht der sele an dem jüngsten tag dü für Got
kumet ane tugend und äne gütü werch. der haisset ünser herre hende und 15
füss zesamen binden und haisset si denne in ain für werfen der ewigen ver-
dampnung.
Dü ander jungfrowe ist demütkait; dü schuhet die sele. swer ain lierten
oder ain stainigen weg sol gan, der bedarf wol daz er geschähet si mit der
demütkait, daz er sich behüten muge vor den Untugenden und vor der wider- 20
wärtikait dü den mentschen uff ertrich ane güt; won der tüfel leit dem ment-
schen mänig läge, da mit er den mentschen gevahen muge. den langen weg
mag der höffertig mentsch niemer gan. man liset in der alt vütter büch von aim
guten [35‘J man, dem wart dü weit gezaiget, do sah er si volle strik ligen. do
sprach er zü ünserm herren: ‘wer sol sich vor disen münigvaltigen striken be- 25
hüten?’ do antwürt im ain stimme und sprach: 'daz sol der demütig mentsche .
D11 dritte jungfrowe ist gehorsami, die der sülig mentsch sol han. si sol
lang sin nntz an den tot etlicher lüt gehorsami ist also kurtz daz si nit went
tün won daz si gern tünt. sint si joch gehorsam, daz ist als kurtzliche und
mit als üblem willen daz in dü gehorsami nit vil ze tröste kumet und die lüt so
nit gebessert werdent. die lüt die also kurtzlich gehorsam sint, die klaident
nit ir sele mit ainem langen roke. si machent ir sei klaid also kurtz daz si
nit mit eren für ünsern herren körnen mugent. wie gezümi ainer jungfrowen
daz si ainen rok an hetti der ir untz an den gürtel schlügi? des würe
es harte unerberklieh. also [35" ] kurtz ist etlicher lüt gehorsami. man liset 35
von ainer schlahte lüte in der altun e, den wolte man lasier bieten und in daz
klaide bi dem gürtel ab sniden, die giengent hart, unerberklieh. ich wil sin
sprechen nit, gedenkent selb wie si giengent! aber der sülig mentsch der sin
gehorsami lang machet und gütlichen tut alles daz man es haisset, der leit siner
sele ain langen rok an.
5. kftngenncn so. 15. der) dem. 25. er später eingefügt. 30. in] im. 33. nit fehlt.
12. Matt. 22, 12. 23. Vita? Putrum : Migne, Patrol. Lat. Bd. 73, 953 (3). 36. II. Reg. 10, 4.
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15. Von rnasse und von andren fugenden.
Dü vierde jungfrow ist künschkait; du leit ir den guldin porten umb. sant
Johans sach ainen man, der waz begürtet mit zwain gürtlen. bi dem ainen
gürtel ist bezaichent künschkait des libes. er waz och begürtet mit ainem
guldin raife zü den brüsten, da bi ist bezaichent künschkait des hertzen.
6 hübsche jungfrowen spulgent sich ze gürtenn mit zwain gürtlen. also sol der
sälig mentsch begürtet sin mit zwain gürtlen, daz ist künschkait des libes und
künschkait des herzen. [35']
Dü fünfte jungfrowe leit ir ain vehen mantel an, daz ist erbärmde. bi
dem mantel ist bezaichent erbärmde, die man sol han über ain ieglichen ment-
10 sehen, als man liset von sant Martin: der waz als erbärmhertzig daz er sinen
vehen mantel mit sim swert tailte und in aim dürftigen gab halben; won es
waz uff ainem velde, da er nit anders hatte, dis waz ain grossü erbärmde. do
liess in ünser herre in den hymel sehen, und sach daz ünser herre den halben
mantel umb hatte und sprach: 'sehent wie mich Martin geklaidet hat!’
15 Dü sehste jungfrowe ist stütkait; dü stakt ir ain guldin vingerlin an. daz
vingerlin bezaichent daz der mentsch stät sol sin an sim güten lebenn untz an
sin tot sant Johans mit dem guldin munde sprichet: ‘mau sol den ritter loben
so er kunt von dem strit, und den schifman so er an daz stad kumet: man sol
den mentschen loben so er von dem strite kumet und sine \i[35*]ginä überwin-
20 det und so si an daz stad koment dirre weite’, swie vil der mentsche guter
ding an vahet, volbringet er ir nit, so ist es nit löblich.
Dü sibende jungfrowe ist dü minne; dü krönnet die sele. und hilfet ir ain
jungfrowe, dü haisset beschaidenhait. dü minne ist ain gezierde aller tugend;
und swaz der mentsch tfit, hat er der minne nit, so ist alles unnütz, daz du
25 tüst, daz solt du tun in ünsers herren minne mit beschaidenhait; won swaz
der mentsche güter dinge tüt, ist beschaidenhait der bi nit, so ist es nüt ain
tugend.
Alsus solt du din sele zieren mit fügenden und solt dich beraiten engegen
ünsers herren zü kunft, daz du in wirdeklich enphahest.
a« [16.] Von unser vrowen sant Maria.
[Hortus conelusus, fons signatus.]
‘Du bist ain beschlossen! garte und ain gezaichenter brunne, min gemahel’.
sus sprach her Salomon zü siner vrowen, dü im gemähelt waz. Salomon [36‘J
daz sprichet also vil: ‘ain herre der gern frid hette in sim lande’, in ünsers
35 herren lande ist enhain unfrid.
Mit disen Worten lobet ünser herre ain ieglich sele die sülgeu nameu hat,
und ze vordrost sin lieben müter, dü beschlossen mit vier schlossen waz. swie
tl. vehel. 31. Der lateinische Text fehlt. 32. beschlossen! «= bcschlossenr.
2. Apoc. 1, 13. 14. au» der Legende de» hl. Martin, im Brevier vom 11. A ovember in der
4. Lectio. 31. Cant. 4, 12
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16. Von fmaer vrowcn sant Maria.
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wol nu ain garte beschlossen ist, so mag man in doch nit besliessen vor vier
dingen: vor der sunnen, vor den vögeln, vor dem towe und vor güten fründen.
Dü sunne lühtet in den garten, wan nieman besliessen mag sinen garten vor
der sunnen: ze glicher wis lühtet dü ewig sunne in ünser vröwen hertze,
engegen dem hatt si ir hertz uf getan, ze glicher wis als der schön sunnen 5
glantz dü ögen vröwet und daz bertze, also tüt den mentschen der ewig sunnen
glantz ünsers herren. also beschach öch unser vrowen, do er in ir hertz flösse
sülgen. engegen disem sunnen glantz solt du din hertz [36*] uf tun, daz der
ewig sunnen glanz din hertze erfröwe. also sprach Salomon: ‘dü schöni der
sunnen fröwet dü Intern ögen’. wäre nu ain man der die sunnen in zwainzig io
jaren nie gesehen hetti, und wurdent dem sin ögen uf getan, der wurdi vil vro,
so er sühi der schönnen sunnen glantz. do her Thobyas erblindet, do waz er vil
trurig. do kan der engel zu im und tröste in und sprach: 'frid si mit dir!’ do
sprah er: 'wie mag daz sin, mir ist doch daz lieht des hymels verzigen?’ wie
mag frid oder vrüde mit dem mentschen gesin den der ewig sunnen glantz nit 15
erlühtet hat mit siner wunneklichen gnade? engegen disem wunneklichen
sunnen glantz sol ain ieglich mentsch sin hertze gerne und willeklich uf tun,
won disü sunne ist also schön daz ällü sehönliait ain vinstri ist engegen siner
schonhait. von siner schonhait sprichet sant Agnes: 'dü sunnen und den man
wundret von siner schöni’. 2»
Daz ander [36*] da vor sinen garten nieman beschliessen mag, daz sint die
vogel. bi den sint bezaichent die hailgen engel. vor disen vögeln hat ünser
vrowe ir hertz nit beschlossen, won si tet ir hertz uf engegen der grossen bot-
schaft die ir der engel Gabriel brahte, daz si müter solte sin des grossen Gottes,
sälger mentsche, engegen disen vögeln solt du din herze ze allen ziten uf tun! 25
wan es ist dir ain grössü ere und ain werdekait: der engel der ze allen ziten
Gottes antlüt schowend ist, daz dir der zü aim hüter ist geben und zu aim
ph leger; wan er ist dir nahe bi und leret dich alweg götlich minne und tugent-
lich leben und rainkait libes und bertzen, und swenne du unreht wilt tüu, daz
widerratet er dir. also liset man von ainem güten man in der alt vätter büch : so
der waz in ainem walde und gieng ains tages mit andren sinen brüdern ze
kilclien. [36*] und kam öch ain ander güt man dar und nam der brüder war.
und tet im Got die gnade daz er sach in sin hertz, daz er mit ainer sünde von
Got geschaiden waz; und sach daz sin phleger, sin engel, von im geschaiden
verre waz, und daz in der tüfel zü im gebunden hatte mit sinen banden und 35
niht tet won als er wolte. und do er ze kilchen kam, do hört er aiu güt wort
lesen in der letzgen. und da von gewan er güten willen und bekerte sich, und
6. der) dü; am Rande ist ein kleines x , das auf das Versehen aufmerksam machen sollte.
8. Bilgen — > silgliclien. 17. sin licrtze fehlt: vgl. Z. 25, oder ist einfach sieh tu ergänzen?
18. enge/gegen. 30. vö ainem güten man zireimal.
9. Eccle. 11, 7. 13. Tob. 5, 12. 19. aus dem Brevier der hl. Agnes, dem Responsorium
der 6. I^esung: ipsi smn desponsata, cui angeli servinnt, cuius pulchritudinem sol et luna mirantur.
30. Vitae Patrum: Mignc, Patrol. Lat. Bd. 73, 985(20).
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16. Von finser vrowen sant Maria.
schiet der tüfel von im zehant, und kam sin engel wider zü im und umbvieng
in vrölich und sin sele und trukte in zii im. also solt du wissen daz din engel
sich fröwet dines tugentlichen lebens und dines herzen rainnekait.
Das dritte da vor sinen garten nieman beschliessen mag, daz ist daz tow.
5 daz tow bezaichent ünsers herren gnade, reht ze glicher wis als [37‘] du hitze
der sunnen derret die blumen in dem haissen sumer, ze glicher wis derret du
hitze dirre weit des mentschen hertze an guten werchen und an gütlicher minne;
und als daz towe die schünnen blftmen wider bringet und kület, also kület die
gnade nnsers herren des mentschen hertze von der hitze der bösen weit und die
io tugent dü verdorret waz und enkain fruht brahte, so denne ünsers herren gnade
kumet in daz hertze, so wirt denne die tugent fruhtbar und grünet an gütlicher
minne gegen ünsers herren gnaden, dem himelschen towe waz ünser vrowen
hertze ze allen ziten offen, won ir güten gedänke verdorretent nie von der
weite hitze. vor disem towe ünsers herren gnaden solt du nit din hertze be-
15 schliessen. daz wdre ain edel bom der winter und summer grün wäre und ze
allen ziten in blümen stünde und schünü löber hette und edel [37*] fruht bäre!
also ist daz wol ain edel hertze daz alweg grün ist an gütlicher minne und
bh'iget mit tugentlichen gedänken und lobet an süssen Worten und fruht bringet
an güten werchen.
20 Daz vierde da vor sinen garten nieman beschliessen mag, daz ist vor güten
fründen. swa ain vrowe wäre dü ainen garten hetti mit gütan krütem wol
smekende, und si ain fründ hetti der si umb dü krüter bäte, daz si im denn
verseti und iren garten vor im beschlusse: ze glicher wis stünde es übele der
künginnen von hymelriche swenne si ain arm mentsch bäte ir gnaden, daz si
25 dem verseiti. won si ist vol aller gnaden, und ir herz ist geblümet mit der ge-
zierde der tagend; wan also wart si gelobet von dem engel Gabriel, do er
sprach: ‘gegrützet sigest du völlü gnaden!' sit si danne ist völlü gnaden und
tagend, so wir kain gebresten hant an tilgenden und an gnaden, so sont wir si
bitten daz si ir gnade [37'] mit üns taille, wan si ist ain brnnne der ze allen
so ziten über flösset von gnaden und von miltekait. und swer si bittet ir gnaden,
dem mag si nit versagen von ir miltekait.
Dirre garte, ünser vrowen hertze, waz verschlossen mit vier schlossen, daz
erst ist vohrte; das ander ist mägtlich schäm; daz dritte ist gütlichü minne; daz
vierde ist stätekait gutes lebens.
35 Daz erste schloss waz ünsers herren vorhte; wan dü behütet den mentschen
vor mängen sünden, als da stat geschriben daz dü vohrte ünsers herren die sünde
alle us tribet. wan swer die vorhte ünsers herren hat, der fürhtet im nit
allaine an sinen werchen und an sinen Worten, er fürhtet im och au sinen ge-
dänken und behütet sin herze, also sprichet her Salomon: ‘mentsche, du solt di-
to nes hertzen hüten mit aller hüte’, reht als du vohrtest ainen schlangen so er dir
15. wäre. 25. mir.
27. Luc. /, 28. 36. I. Joh. 4, 18. 3». Prov. 4 , 23.
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16. Von i'msor vrowen eant Maria.
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daz höbet bütet: ze glicher wis solt du fürhten daz angeng des Übeln gedankes,
als da stat ge/’.?7‘'/schriben daz der sälig ist der sin Übeln gedenke an dem an-
geng vertribet.
Daz ander schloss da mit ünser vrowen hertze beschlossen waz, daz waz
mägtlich schäm; won si waz also schämig daz si von des engels Worten er- 5
schrak, do er si grützte, und vohrte daz mit dem grosse etwas anders ver-
borgen wäre, und wart betrübet von sinen Worten, als in dem ewangelio ge-
schriben stat. do sprach der engel zft ir: ‘Maria, nit fürhte dir! dü gnade ünsers
herren kumet über dich und beschetwet dich, und solt erfüllet werden mit der
gnade des hailgen gaistes’. won es ist etlich mentsch als tugentlicher schäm io
daz es etlich sünde dar umb lät daz es gedenket: nn müst du ze schäme körnen
in der bihte dar umbe. ain künig hatte ainen sun, der waz ab ainer statt ge-
gangen da er gesündet hatte, dar umbe der künig, sin vatter, trurig waz. do
sprach ain herre zü im: ’herre künig, sagent mir ob er sich üt [ 38 "] schemti
do er die sünde getet?’ do sprach er: ‘ja, er sach kum die lüt an vor schäme'. 15
nnd do sprach er: ‘herre der künig, gehabent üch wol! so tüt er es niemer me’,
‘höre ain güt wort’, spricht ain haiden, hiesse Seneca, ‘wäre joch daz daz mir
die götte min sünde vergäbint und si die lüte öch niemer befundent, so wölt ich
doch die sünde iemer miden, won si so unrain ist".
Daz dritte schlos da mit ünser vrowen herze beschlossen waz, daz waz 20
götlich minne; won si hatte ir als vil daz si alle die fröde dirre weit versmahet,
als da stat geschriben: ‘daz riclie der weite und alle ir gezierde hab ich ver-
smahct durch minen herren Jhesum Christum’, alsus liset man von sant
Agnesun: *mins herren und mines brütgomes, den ich minne, des vatter bekand
nie wip, des müter erkande nie man; so ich minnen in, so bin ich küsche; so er 25
mich berüret, so bin ich raine; so er mich umbvahet, [38* ] so bin ich luter
maget’. also beschiht dem mentschen: so er Got beginnet minnen und erkennen,
so versmahet er alles daz uff ertrich ist.
Daz vierde schloss da mit der edlen künginnen hertz beschlossen waz, daz
waz stätekait gfttes lebens untz an iren tot; won si gebrach nie trüwe an irem so
lieben herren. also solt du, säliger mentsche, stäte und getrüwe sin ünserm
herren an gutem lebenn unz an dinen tut; wan hilfet nit, der gilt leben an
vahet, volbringet er es nit untz an daz ende, als man liset in Apocalypsi das
ünser herre sprichet: ‘bist du mir getrüwe, säliger mentsche, untz an dinen tot,
so wil ich dir geben ain kröne des ewigen lebens’. 35
10. Fehlt vor won etwa« ? Der Übergang ist sehr hart. 20. »chlos am Ende der Zeile.
26. ich fehlt. 32. tftt in gilt korr.
&. Luc. 1, 30. 22. Phil. 3, 8. 24. Vgl. oben S. 42 Z. 19. »4. Apoc. 2, 10.
Deutsche leite des Mitteln! t er?. X. 4
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IT. Von simlichen aller h Misten tilgenden.
117.] Von 8lmlicben aller hohsten tugenden.
[Suf ficit tibi gratia mea, nam virtus in infirmitate perficitur./
Sant Paulus hatte grosse anvehtung und bat ünsern herren dristunt daz er
im si ab mime, do antwurt im unser herre und sprach: ‘la dich benügen miner
5 gnade, wan die tugent wirt bewirt [38‘] in der not', do antwurt er im und
sprach: ‘ich wil mich gerne vröwen in arbaiten und in beswärd durch daz die
tugend und du gnade ünsers herren in mir wone’. daz waz ain grössü tugent
und ain groz zaichen vollekomenhait, daz er sich frowte in beswirde und in
arbaiten. nu sint sehs tugend: swer die hat, daz ist daz obrest zaichen volle-
10 komenhait. du erste tugend ist vr6de in beswirde; du ander ist gehorsami
wider den willen; du dritte ist demütkait in eren; du vierde ist brest in vol-
lung; dü fünfte ist miltekait in armüt; daz sehste ist künschi in jugent
Von der ersten spricht sant Paulus daz alle tugend vollekomen werdent in
beswärde und in arbaiten. man vindet in allen den Schriften daz daz ain groz
15 tugent si der arbait und not gedulteklichen lidet und nit dar zu redet und sich
nit rechen wil. sit daz denne ain grössü tugend ist, so ist daz ain vil merü
und vollekomen tugent der sich des vröwet daz er wirdig ist arbait und not
durch Got [ 38 "] ze lidenne. nu möhtint ir sprechen: 'wer vindet die lute uff
ertriche die sich des fröwent?* swie man ir nu laider lützel vindet, doch warent
20 sü etwenne die sich frowten und mit grosser fröde dar giengent da si soltent,
arbait dur Got ze lidenne, als man von den zwelf botten liset. man ILset och
von sant Agnesen daz si mit grosser vröde in den kärker gie. und so mau si
sere martret und ir daz flaisch ab zoll mit krölen, des fröwet si sich, daz si des
wirdig waz daz si daz durch Got solt liden. als man 6c h liset von sant Andres,
25 der reht spilend und mit grossen fröde n zü dem erütze gie und sprach: ‘Got
grütze dich, hailges erütze! enphahe mich hütent als gütlich als ich dich, durch
den der mich erlöste an dir. si littent es nit allaine frölich, si frowtent sich
och des daz si des wirdig warent daz si durch Got arbait und not liden soltent
si sugent uss ir grossen bitterkait die [39"] süssen milch und usser den herten
so stainen daz süsse honige, als man liset von sant Steffan daz im die herten staine
als süsse warent daz es wunder waz. alsus wurdent die hailigen vollekomen in
grosser arbait und in not.
Dü ander tugend daz ist gehorsami wider den willen, wer sol mir des
danken daz ich gehorsam bin der dinge der ich gerne t&ti, der mich es joch nit
35 hiessi? daz ist aber vil grössers lones wert daz ich gütlich gehorsam bin der
dinge die wider minen willen sint. da von spricht sant Gregorius: 'ir sont ge-
horsam sin des ewigen vatters sun von hymelriche’. da sprächet sant Paulus
2. Der lat. Text fehlt. 17. ist am Rande nachgetragen. 26. nach erütze rin rotes f.
2. II. Cor. 12, 9. 25. aus dem Brevier, de m Rrsponsorium der 3. Lesung: ‘Salve ernx,
suscipc diftcipulum eius, qui pependit in tc magister meua Christus', und dem Responsorium der
6. Lesung: ‘Salva me, bona ernx, ut per to me recipiat, qui per te me redemit’. 37. Phil. 2, 8.
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17. Von sim liehen aller hShsten tilgenden.
61
daz unser herre Jhesus Christus sinem vatter gehorsam waz untz an den tot.
nu sprechent ir vil lihte: 'er waz Got, und all sin tugent warent volkomen.’ daz
sont ir wissen daz er sinre beschaidenhait und sinen tugenden nie we getet, aber
dem willen den er hatte [39*] von menschlicher nature, und sinre mentschait
tet der tot und du marter also we so ie kaim mentschen. won daz sprichet 5
sant Johans daz er von rehter angest switzte blütigen swais, und bat er sinen
vatter: *si es din wille, so erla mich dirr marter, also daz din wille an mir
werde erfüllet’, alsus sont wir lernen gehorsam sin untz an den tot, als an der
regel geschriben stat. so man gehorsami lobet, so sprichet man: 'ich tün anthais
und gelob gehorsami untz an minen tot’, disen anthaisse sont Tvir ünserm herren io
stät lan untz an unser ende, und sont unser maisterschaft gehorsam sin an unsere
herren stette. doch sont wir uns selben nit töten in gehorsami; wir mugent aber
ünsem lip wol wagen, doch also daz wir uns bas vereehent ze genesenn denn
ze sterbenne.
Dü drit tilgend daz ist demütkait in eren. demütkait ist ain grössü tugent 15
an allen lüten, doch ist [39“] es vil löblicher an edlen lüten und an den lüten
die wol ere möhtint han und daz länt durch Got, denn an den lüten die nit so
gross warent an der weit, swie nieman reht edel ist vor Gotte won der tugent
hat, so ist es eht also her komen von der weite daz ain mentsche edler ist von
geschlähte denn daz ander; und daz sich der demütiget, daz ist vil löblicher 20
denne von aim andern daz nit als edel ist. won aim ieglichen mentschen ge-
zimet nit so wol so daz er tügi dar nach als es denne sol. aim gaischlichen
mentschen gezimet wol ain böser rok und bösü klaider, und ist vil erlicher daz
er sich deraütege in allen sinen sitten denn daz er hohfertig würe; won des hat
er gröser laster denn daz er sich selber verwurfi. doch geschiht es dike an 25
den tugenden daz ainü fürbas ist denn dü ander, und an kunst und an andren
dingen: daz sich der mentsch demütget, daz ist aber denn grösser denn [39“]
von aim andern.
Dü vierde tugent ist gebrest in völli. wer sol aim danken daz er ge-
bresten hat, der nit andere haben mag? aber in trüwen, dem sol man wol 30
danken daz wol haben mag waz es lüstet, und daz denne willeklich und güt-
lich durch Got lät
Daz fünfte ist miltekait in armüt. und daz daz ain gröz tugent ist, des
hant wir urkünde in dem ewangelio: do die juden ainest opher brahtent zü
Jerusalem, do waz ünser herre öch da mit sinen jungem, und waz daz groz 35
oppher: ainer ophert zehen mark, ainer aht mark, und ieglicher als er denn
wolte. ze jungest kam ain ärmü witwe und ophert zwen helbling. do sprach
unser herre: ‘sehent, dü frowe hat me geophret denn alle die hüt her kament’.
4. den. 22. es am Rande nachgetragen. 25. seber.
7. Die Stelle entstammt nicht dem Evangelisten Johannes, sondern Luc. 32, 44.
SS. Luc. 21, 3; Marc. 12, 41.
4*
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17. Von simliclien aller hAhsten tagenden.
do sprach unser herre: 'ir ieklicher gab des er ze vil hatte, aber disü vrowe gab
alles daz si hatte’, und da von ist / 40 a] es grösser von ir denn von inen, dis
höret weltlich lüt an, doch so ist es ainer hande gaischlich armüt. und die
sont öch milt sin, won da stät geschriben daz die hailig sint die armes gaistes
5 sint, wan daz hymelrich ist ir. daz sint die an in selben erkennent grossen ge-
bresten an tugenden, und doch des si hant, daz si daz enander taillent und für
sü bittent und sprechent: 'herre Got, swie arm ich nu bin an sälden und an
tugenden, und swie wol ich bedörfti daz ich für mich selben bäti, herre, so wil
ich dich doch bitten daz du im die gnfid gebest', und sol also sin gebet mit im
io taillen: daz ist milti in gaischlicher armüt
Dü sehste tugent ist künschi in jugent weiter kaibe solte aim alten man
und ainer alten baben geben dank daz sü künsch sint? sü enmugent doch nit
mere. doh ist es gilt an allen den lüten. doch ist es vil löblicher an jungen
lüten denn an den alten [40*] lüten, dis lobet öch ünser herre und sprichet:
15 ‘min tohter ist als der lyli under den dornen’, es ist vil löblicher swa ain
schönne lylie stat unversert under den dornen: ze glicher wis ist es umb die
tugent waz sint die dorne? daz ist nit wan der strit den ain junger mentsch
han müss in dirr weite, daz es sinen üb und sin hertze rainneklich behüte; won
von nature so ist naiswas in dem mentschen, so joch daz hertze vil rain ist und
20 nit der mit hat ze tünne, daz doch alleweg raitzet den mentschen zü den
Sünden, swie vil aber des der mentsch hat an libe und an hertzen, daz kan im
alles nit geschaden alle die wile untz daz sin wille dar zü nit kumet, won so
wirt sin lön und sin kröne da von alle weg gemeret.
[18.] Ton des lebens ordenung.
25 [Dominus dives in omnes, qui invocant eum.]
In dem ewangelio stat geschriben daz ünser herre rieh isf an ende, im ge-
bristet endes an zwain dingen, an güti und an lengi. im gebristet endes an güti,
won er ist güt äne [4(f] ende und an masse, und hat nit endes an ewekait. des
mag der sälig mentsch sich wol vröwen, der tugentlich uff ertrich lebet, daz sin
so vröde iemer sol ewig sin. wan üser herre git dem säligen mentschen zwo gna-
den: tugentlich leben und dar nach daz ewig rieh; won daz muss iemer vor gan:
güt leben und reht leben, und dar nach die ewige vröde. nu taillent dis leben
uff ertrich in drü! sant Bernhart hat üns dis leben uff ertrich wol geordnet, er
spricht: ‘ich wAne des wol, swer alsus lebet, daz der rehte lebet: ordenlich an
35 sinem lebenn und gaischlich mit den lüten und deraütküch vor Got’.
1. Da« zweite do sprach vnsor herre ist vielleicht zu streichen, entsprechend der Vulg.; dock
lielte sich die Wiederholung auch dadurch erklären, dafl nach kament eine Frage der Veneundrrung
von «eiten der Jünger folgte, auf die der Herr wiederum antwortete. 8. «eben. 11. weiter.
25. Der lat. Text fehlt. 29. sich fehlt. 35. sinem lebenn] im selben ? vgl. S. 53 Z. 1 und
8. 5.5 Z. 34.
4. Matt. 5, 3. 15. Cant. 2, 2. 25. Rom. 10, 12.
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18. Von des leben» ordenung.
53
Ordenlich an im selben; den orden rilltet der mentscli swa der knmber ist
du solt ordenlich sin an dinen gedenken, daz du an Got und an tugentlichü
ding gedenkest und mit ordenlichen und güten gedänken umb gangest. die lüt
sint unordenlich an iren gedänken [4 CP] die üppig ged Anke haut und ir hertze
f&rent mit üppigen gedänken; die waident ir herze an ainer bösen waide. die 5
lüt die sich aber waident an Got und an tagenden und an nützen gedenken, die
fürent ir hertze an ainer güten waide. der mentschen hertzen sint unordenlich
die vigentschaft tragent wider ieman. etlich mentschen sint als übel und als
Übels willen, und blägent sich umb ain klain ding, swie vil ain mentsch dem
andern Übels tüt, so sol es im doch holt sin und sol im wol tün. es ist aber io
ain stärkü regel daz du dem solt holt sin der dir übel tüt. mag öch dü minne
nit so süsse sin als engegen dem der dir wol tüt, so müz si doch also sin
daz du im nit Übels gunnest. dar nach solt du ordenlich sin an dinen Worten.
der ist ordenlich an einen warten der alweg gütes redet, da von man ge-
bessret wirt und nit gebösret, und der da redet da er m[41mJim sol und 15
da sin rede nütze ist, und an der statt swiget da er swigen sol. aber
etlich lüte kerent daz hinder her für und redent da si swigen soltent, und
swigent da si reden soltent und da es nütz wäre; daz ist nit ordenlich. man sol
da reden da man reden sol und da es güt ist, und sol da swigen da man swigen
sol und da din red unnütz si. die lüt sint öch unordenlich an irn Worten die 20
ains redent mit den Worten und ain anders hant in dem hertzen. ünser herre
sprichet in dem ewangelio: ‘Allü üwrü wort sont sin ja ja, nüt nüt’. daz ist als
vil gesprochen: so du ja sprichcst mit dem munde, daz dir öch daz in dem her-
zen ja si; und so du nit gehest mit den Worten, daz dir öch denn nüt si in dem
hertzen. daz ist wider den lüten gesprochen die anders redent denn inen in dem 25
hertzen si. etlich lüte gent die schönsten rede [41l] und die besten rede von
der weite, und ist in aber gar enanders in dem hertzen, und gent den lüten
mit bedahten Worten ze erkennenn daz es doch nit also ist, und went dar an nit
unreht lian geseit die lüte hant ain böse kündkait, es ist aber den lüten sünde.
si gelichent sich den lüchsen, die hant öch vil kündekait. die lüt sint öch un- so
ordenlich an iren Worten die übellichü wort sprechent, da von man betrübet wirt.
hetti ain man aim andern manne ain phunt oder fünf Schilling genomen oder als
es denn wäre, und käme der ze bihte, so sprichet der bihter: ‘du solt es wider
gen oder din wirt niemer rät’, sit denne enwenig phenning und zerganklich güt
1. den orden ... ist scheint verderbt ; Boethe mutmaßt, da/1 etwa dagestanden hat: dri ordeu-
licheit hat der mentsch swa der himelber ist, oder etwas Ähnliches. 2. Nach gedenken hat die
Hs.: dv solt ordPlich leben an dinen werchen, was erst unten S. 54 Z. 7 ausgeführt wird.
Die Worte Hellen sich hier höchstens so erklären , daß in der Vorlage zunächst die kurze Aufzählung
der drei Punkte folgte.: ordentlich an Oedanken , Worten, Werken, und dann der erste Punkt aufge-
nommen wurde; dann wäre aber ein den Worten gewidmetes Sätzchen ausgefallen, und hinter werchen
der Übergang zu den gedenken. 8. vigeuthaft. 14. Vor der ist durch Homöoteleuton aus-
gefallen: der ist ordenlich an sinen worten. 20. din] diu f 23 ja fehlt.
22. Matt. 5, 37.
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18. Von de« leben« ordcnung.
der mentsch sol wider gen, so ist es vil billicher, der dem andern ünsern herren
usser sim hertzen nimet mit üblen und mit übellichen Worten, daz in der wider
gebe, won es kumet dik also, so ain mentsche ünsern herren hat in sim herzen,
daz in im ain anders usser si[41']nem hertzen nimet mit üblen Worten, nu
5 mugent wir ünsern herren nit wider geben wTon mit zwain dingen : daz wir och
Got bittent daz er im sin gnad wider geb, ob es si von ünsren schulden ver-
lorn habe, dar nach sont wir ordenlich leben an ünsren werchen, daz wir üns
also haltent in allen ünsren werchen daz nieman von üns gebösret werde und
allweg gebessert.
io Da nach sont wir gaischlichen leben mit den lüten. daz ist als vil: swaz du
wissest daz dim eben cristen lait si, daz du daz nit tügist. Thobyas git üns ain
regel und sprichet: 'swaz dir lait wäre daz man dir täti, daz ensolt du nieman
tün’. so sprichet ünser herre ain anders da wider in dem ewangelio: 'swaz du
wellist daz man dir tüge, daz tü öch dim eben mentschen'.
15 Dar nach sont wir demfttklich leben vor Gotte; won es enhulfe anders nüt
allessament, wir enlebetint denne demütklich vor Gotte, won als daz für wirt
behalten in der Aschen, also werdent [41*] alle tugent behalten in der demütkait;
und als daz für gerne erlöschet an die Aschen, also verlüret der mentsche sin
tugend äne demüt. sant Bernhart sprichet: 'ich bin des wol gewar worden daz
2« nit so güt ist ze gewinnenn die gnade der ir niht hat, so zegehaltenn der si
hat, und ze vindenn der si verlorn hat, so daz der mentsch allweg in vohrte si
und in demütkait vor Got wandle, won nach disem lebenn gat daz ewig leben’.
Bi der ewekait merket man daz der mentsch nit me Sünden mag so er ze
hymelriche kumet won wäre daz der mentsche da sünde täte, daz vertrüge
25 ünser herre niemer, er stiessi den mentschen usser dem hymelriche. und daz ist
ain vrage under den maistern wa von daz si daz der mentsche hie uff ertriche
sich von Gotte mag geschaiden mit ainer höbt sünde, und so aber der mentsch
erstirbet und ze hymelriche kumet, daz er denn enhain sünde mag getün dü es
von [42*] Got mug geschaiden. es ist von drin Sachen daz dü sei niemer von
so Got geschaiden mag: es ist öch von nature und von gnaden und von fröden.
Dü erst ist von nature; won swa sich daz gaischlich dinge zü ainem male
hin keret, da ist es iemer hin keret. daz mag man wol merken an den engein.
die da nit vielent, die kertent sich als gäntzlich zü Gotte daz nit an in was
won daz sich an in kerte; und kertent sich als gar von allen dingen daz si mit
S5 enkaim ding enkain geschäft hant won mit Gotte, und also si Got kerte do
er si geschüf, also sint si iemer me gekeret. und aber die engel die da vielent,
die kertent sich als gäntzlich von Gotte das nit an inen waz won das sich von
im kerte; und kertent sich als gäntzlich von im daz si ankain geselulfte mit im
hant. gaischlichü nature ist also: swa si bi dem [42*] ersten hin wirt bekeret,
40 da ist sie iemer hin bekeret. won si keret sich als gäntzlich sw'a si sich
5. In der Ausführung der zwei dinge fehlt die Behandlung einet Punkte». 35. enkaim.
11 .Tob. 4, 16. 13 .Matt. 7, 12.
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18. Von de» leben» ordennng.
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hin kert, daz nit an ir belibet wan daz sieb denne keret. und da von won uns
Got von zwain naturen hat ze samen gefüget, von gaischlicher nature und von
flaischlicher nature — won der üb ist von flaischücher nature — und da von sint
wir unstAte. so wir hüt gut sint, so sint wir morn böse; und so wir hüt bös sint,
so sint wir morn giit. hüt minnent wir Got vil, morn minnent wir in klein. 5
und so du sele und daz bertze sich kert zü Got, so ist noch me an uns daz sich
von im keret, daz ist der üb; won dü sele wil allweg zü Got, so zühet aber der
- lib allweg her wider, und da von mugent wir nit stAte sin. und so aber dü sele
zft Gotte kumet in hymelriche, wan si denn gar gaischüch ist, so kert si sich zü
Got als gantzlich daz si sich niemer von im geschaiden mag. [421] io
Daz ander ist von gnaden, wie ain phal wAr ewig, und der denn ain kettenn
dar an bunde dü och ewig wAre, und denne ain ding an die kettennen bunde
daz och ewig wAre: daz geschiede sich niemer von enander. ze glicher wis ist
es umb Got und umb die sele. Got der ist ewig, und sin minne dü ist öch ewig,
und dü sei ist öch ewig, so wirt Got und dü sele ze samen gebunden mit dem 15
ewigen bande der minne, won sant Paulus sprichet: ‘dü minne zergat niemer’,
so wirt dü sei von gnaden zü Got gebunden, won sin minne ist nit anders won
sin gnade, und da von won Got ewig ist und öch dü sei ewig ist und öch daz
band ewig ist — sin gnade und sin minne da mit Got und dü sele zesamen
werdent gebunden — , da werdent si niemer geschaiden ; won dü sei ist von ünsers 20
herren gnaden zü Got gebunden, daz si niemer von Gotte mag geschaiden.
Daz dritte ist von vröden. daz [42d] sich dü sei nit geschaiden mag von
Gotte, daz mugent ir wol merken da bi: gat der mentsche abe ainer statt an die
andren, daz tut es dar umbe daz es da wAnnet me rüwen vnd vröde vinden dar
es wil, denne dannen es gangen ist sint die lüte in aim bongarten der schön 25
ist, so sprechent si: 'wir sont aber fürbas gan in ain der noch schöner ist’, gat
ain knehte von sim herren zü aim andern, daz tüt er dar umbe daz er im baz
kumet; kürtzüch die lüte verwandlent niemer ir statt won daz si da me vröden
und rüwe wAnent vinden dar sü kerent, denne dannen sü sint komen. und so
aber dü sele ze hymelriche kumet und Got under sin antlütz sihet, so waiss si so
wol daz si niena so vil ganzer vröde und ganzer rüwe vindet so an Got, und
waiss wol, swa si hin kerte, daz si da nit so vil vröden funde so an Gotte, und da
von verwandelt si ünsern herren niemer und geschaidet sich niemer von im. [43°]
Nu helf üns Got daz wir uf ertrich als ordenlich gelebent an üns selben und
als gaischüch mit den luten und als demütklich vor Gottes antlüt daz wir en- 35
phahent daz ewig riebe ünsers herren.
[19. ] Von ralnkait und von girde.
Ain güt mentsch bedarf wol zwaiger ding, daz erst ist rainkait des hertzen,
daz ander girde güter ding.
7. im] fing.
16. 1. Cor. 13, 8.
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19. Von rainkait und von girde.
ln zwo wise sol man daz hertze rain machen, ob es unrain ist worden: mit
ünsers herren helfe und mit des mentschen arbaite. mit ünsers herren helfe: mit
dem applas in der bihte. daz ist dem mentschen ain klaiuü wisse und hat die
kraft doch daz es dem mentschen sin sünde ab nimet mit sin selbes arbait, won
5 ain wisse vertribet die ander, aber daz hertze daz rain ist, daz daz in siner
lutri belibe und lutrer werde, daz beschit mit zwain dingen: mit vermiden und
mit tünne. wan untugent sol man rügen mit vermidenn 14.TJ in zwo wis: bi dem
ersten du ding du der mentsch Got entbaissen hat; dar nach du ding die dem
mentschen Got gebotten hat. mit tünne Och in zwo wise: von des mentschen
io Hisse und von gdter bischaft. von sim Hisse und von siner beschaidenhait: swaz
er giites mag getan, daz er daz tügi; von guter bischaft also: swaz es an aim
andern sehe gutes, daz es sich dar nach bilde und sich ordne, nach den süligen
die ietzont lebent, und Och nach den hailgen die liinnan sint geschaiden.
Daz ander des ain gut mentsch wol bedarf, daz ist girde. vier begerung
15 sint in der sele, daz ist: girde, vohrt, liep und lait. die sont allüsament be-
wegenlich sin gegen Got. unser herre gelobet und tröwet und git und tut er
gelobet uns die ewigen vröde; er trOwet uns zü der ewigen wisse; er git
uns täglich mit siner güti; er tut uns täglich mit den üblen ziten die wir müs-
sent liden [43‘] in dirre weite, unser girde sol geraitzef sin von den dingen
20 die er uns gelobet hat; wir sont forhte han zü den dingen zü den er uns ge-
ordnet hat; liebi gegen den dingen die er üs geben hat; lait engegen den
dingen die er uns tut. hie von sprichet sant Bernhart: 'daz herze ist ze herte
daz nit gelindret wirt von ünsers herren güti noch nit erklupphet von der ewigen
wisse noch nit berihtet wirt von den üblen ziten noch nit gelihtret wirt von den
25 künftigen dingen oder frOden '.
Lob und ere und dank si dem an dirre collacione der vol ist güti und wiss-
hait und aller süssekait; der helfi üns daz wir ünser hertze also rain machent
und also luter behütent daz wir in werdent sehend in siner überflüssiger süsse-
kait. amen.
so [20. ] Ton unser vrowen.
Qui creavit me, requievit in tabernaculo meo et dixit mihi: in Jacob in-
habita.
Dü höh küngin von hy/'-^.?d/melriche , Gottes rnüter, dü sprichet disü wort
und lobet sich da mit und sprichet: ‘der mich geschüf, der riiwet in mim gezelt
S5 und leret mich daz ich woneti in Jacobes gezelt, und min erb sol sin in Israhel
und min wurze sol ich zerlan under min erwelten’.
Nu sont ir merken an dem ersten wort daz si sprach: 'der mich geschüf’,
da mit rümet si sich daz er si so reht wol geschaffen hatte und als wirdeklicli,
und rümet sich ir schöni und ir minneklichL
1. zwo] vier, tcas ein Vergehen sein mu/i. 19. geraitzen. 2S. sehend am Bande.
31. Eccli. 34, 13.
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20. Von unser vrowen.
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An dem andern Worte daz si sprächet : 'er rüwet in mim gezelte’, dar an
rüraet si sich daz si daz gezelt waz. nu sont ir merken daz drier hand lüte
rüwent in gezelten. daz erste sint zart lüte und vehtend lüt und hirten. in die
selben dri wis rüwet unser herre bi siner lieben müter. daz mugent ir wol
merken an andren hailgen selan, bi den [44°) unser herre als reht gütlichen 5
rüwet und mit den als lieplich wonte: ‘daz ist mir ain rehtü wunne und ain
völlü rüwe da ich und du sülig sei rüwe und vröde bi enander habent’. dar an
mugent ir merken daz unser herr zärtlich und gütlich wonet bi siner rainnen
müter sant Marien, er rüwet bi ir och als ain striter; won er wolt an ainen
starken strit. da wolt er als tegenlich striten daz er sere äne masse wunt wart, io
dirr stark strit waz der bitterlich tot. mit sim tot gewan er wider an dem
crütze alles menschliches künne, daz waz im benomen vil bi sehs tusent jar;
daz gewan er wider an dem strite. es waz ain herter, grosser strit, da Jhesns
Christus verlor sinen künklichen lip. er tote an uns den ewigen tode mit sim
tode. do Gottes sun an disen strit wolt gan, do rüwet er in dem edlen gezelt, is
in siner rainnen müter [44° J lip, und wüffent sich in dem gezelt mit der rainnen
mentschait, die er an sich nam von ir. er rüwet öch in disera gezelt als ain
hyrte. daz ünser herre Got si ain hyrte, daz sprichet er selber in dem ewan-
gelio: ‘ich bin ain hyrte güt nnd hüte miner schüfe und han min sele gesetzet
für minü sch&f’. 20
Nu sont ir merken daz dritte wort daz si sprichet: 'er leite mich daz ich
wonte in Jacobes gezelt’. dar an sont ir merken daz er hiess und leite daz si
wäre ain ringerin uff ertriche. Jacob daz sprichet ‘ain ringer’, und daz er
si hiess daz si wonte in Jacobes gezelt, da mit ist es gemainnet daz er si hiess
daz si ain ringerin wäre, und daz si ringen solti mit der weite und daz hymel- 25
rieh mit arbaiten gewinnen.
Nu sont ir merken daz si sprach: ‘min erbe sol sin in Israhel’, daz sprichet
‘die Got sehent’. daz sol ir erbe sin daz si Got ewklich sol an sehen; won
ünser herre Got der wil selber ir lön sin und [44‘] ir rehtes erbe in hy-
melriche. so
Dar nach merkent daz fünfte wort daz si sprichet: ‘min wurtze sol sich
zerlassen under min erwelten’. an dem worte sont wir merken: ir miltkait und
ir gnade dü sol sich zerlassen under die die ir dienent. ir miltekait und ir
gnade ist also gross daz si öch erbürmed hat über die lüte die si nit gnaden
und erbärmd bittent; won also liset mau von ir daz si ist milt und ain 35
müter der erb&rmd. si hat nit allaiue erbürmde über die die ir dienent, si
erbarmet sich öch über die die an gnade sint, und bittet für sü iren lieben
gun, ünsern lieben herren Jhesum Christum.
21). ffi. 2S. und zweimal.
6. Vor duz scheint der Text etwas ausgelassen zu haben; zu ergänzen ist etwa : daz er
pricbet. 19. Joan. 10, 11.
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21. Von dem hailgen gaist.
[21 J Von dem hallgen gaist.
Der hailig gaist ist in der sele in dri wis. er kumt als ain für. reht ze
glicher wis als daz für lind ding ücrtir machet und hertü ding linde, also tüt
dü gnade des hailigen gaistes. si machet daz hertze herte daz e linde waz zu
5 bewe/’-fJ'Vgenne und zü hohfart und daz lihte möht beweget werden von des
libes wolnust. daz herze daz da linde waz, daz wirt denn herte von der
gnade des hailgen gaistes under allem dem gütlichen geschüfte und den dingen
dü daz mentsch mugent bewegen, daz wirt denn herte. daz hertze daz e herte
waz zü Gottes dienste und zu allen guten dingen, daz wirt och linde von dem
io füre des hailgen gaistes, daz es gern Gotte dienet mit güten werchen nnd mit
allen tugenden. daz für hat die tugend das es nieman beschliessen mag; won
swa für ist, da ist es unverborgen, also ist och dü gnade des hailgen gaistes;
swa dü ist, da enmag man si nit verbergen, in swelem hertzen daz für des
hailgen gaistes ist enbrunnen, da enmag man daz für nit beschliessen. man mag
is es wol merken an des mentschen werchen uswendig daz daz für [45 ‘J der
gnaden ist enbrunnen in dem hertzen.
Der hailig gaiste ist öch in der sele als ain schünes lieht, daz lieht ent-
lühtet die vinstri und zaiget den weg, daz sich der mentsche erkennet, und
erfröwet öch den mentschen. ze glicher wis tüt öch der hailig gaist in der
20 sele. er entlühtet daz hertze und die sele. dü vinstri der Sünden dü wirt ent-
lühtet von dem lieht des hailgen gaistes, und wirt dü sünde verstossen. und dü
sele entlühtet daz lieht des hailgen gaistes, und zaiget öch der sei den rehten
weg zü der hymelschen Jerusalem und wiset si üllü gütü ding, und git ir daz
lieht ze erkennen, wie si wider ir schepher gelept het und wie si daz nu wider
25 leben sol mit tugentlichem lebenne. daz lieht des hailgen gaistes fröwet och die
sele. reht ze glicher wis als daz vögelli von dem morgen, so der tag uf gät,
also wirt dü sele erfröwet von dem tage des hailgen gai/’Joystes. so der tag
uf brichet in der sele, so wirt si entlühtet und gewinnet ain minneklich fröde
mit dem hailgen gaist
so Der hailig gaist ist öch in der sele als ain brunne. der küle brunne der
löschet den durstigen; der mentsch besiht sich och in dem brunnen; der mentsch
wüschet sich in dem brunnen. ze glicher wis tüt öch dü sele, so der edel gaist
in si geflüsset der hailig brunne, der süsse brunne der löschet den durst daz
ist also: die hitze und den durst dirr brennenden weit den löschet der hailig
35 gaist an den mentschen. dü sele besiht sich öch in dem lutren brunnen des
hailgen gaistes. si ersiht ir antlüt, wie oder wa si daz hat verwiert mit den
Sünden, und erkennet sich des ze rüwe, ze bihte und ze büsse. si sitzet öch
über den brunnen und versiht den schaden der ir geschaden mag von ir vienden,
3. ding bertir] martir. 5. Nach bewegene ist tcohl rin anderes Substantiv ausgefallen
und etwa zu ergänzen zü nid oder ähnliches. 7. und] gein f (Panzer) oder wider? (Roethe).
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21. Von dem hailgen gaist. 59
daz ist du weit, der tüfel und ir selbes lip. dirr drier vigind läge versiht si
und hütet sich da vor. dü [45‘] sele wischet sich in dem brunnen des hailgen
gaistes. du luter gnade des hailgen gaistes du entlühtet die sele, und wirt sich
du sele erkennend alles des si ie wider Got getet, und wüschet sich och
denne du sele mit dem brunnen des hailgen gaistes in der gnade. s
[22.] Von des leben s Ordnung.
[Non corruptibilibus auro vel aryento redempti es/is, sed pretioso sanguine .]
Disü wort sprichet sant Paulus: 'o edlü sele und sälgü sei, du bist nit
geköffet mit gold noch mit silber noch mit edelem gestain, du bist geköffet
mit der mentschait ünsers herren Jhesu Christi, der von hymelrich uff ertrich io
wart gegeben’, merke, sülgü tohter, wie tür du bist geköffet mit sim tode
und mit sim rosvarwem blute, daz zü den fünf rosen uf brach! nu sich,
tohter, du bist geköffet, als sant Paulus sprichet: ‘edlü sei, du bist geköffet mit
grossem schätze, erent Got und tragent Got!’
Wie sont wir ünsern herren eren? in dri wis sont wir in eren. ttrir sont 15
in loben mit dem munde und [45*] sont in gern loben, won er ist gar löb-
lich. lobent in mit singenn und mit lesenn! sprich allweg gern sin lob und sin
ere, daz zimet dir wol. rainer munt, rainü wort; süsser munt, süssü wort,
daz ist ain wol hellendes lob. wir sont öch Got eren mit dem hertzen, mit
süssen und mit tugentlichen gedünken. rainnen hertzen gezimet wol rain ge- 20
dünke, wir sont öch Got eren mit güten werchen. also sont wir Got eren mit
rainnen gedenken und süssen Worten und werchen.
Wir sont öch ünsern herren tragen als ain bild in ünserem hertzen. nu
merk, sälgü sele, disen bilder, ünsern herren Jhesum Christum, daz ist ain
minnekliches bilde, nach dem solt du din leben bilden, dn solt lernen bilden 25
an dem edlen bilder, üserm herren Got, an siner rainen mentschait. nu merk,
tohter, dni bilde: armüt, arbait und versmähte. armüt der hatte er also vil: von
dem tage daz er ge/-f6‘*/boren wart, untz an die zit daz er von dirre weit
schied, do gebrast im nie armüt. er was arm do er wart geborn von siner
müter, daz si nit hatte da si ir raines kind in gewunde. er waz öch als arm so
do er an dem erüze stünd, daz er nit so vil hatte daz er sin höbet möhte ge-
naigen. also sprichet ünser herre: ‘der vogel hat sin nest, der visch hat sin
genuht in dem wage, daz tier in dem walde hat sin hol, aber des mentschen
kint hat nit so vil daz es sin höbet genaigen möhte’. nu merk öch grosse
arbait. do er siben tägig waz, do wart er besnitten nach der alten e. nu sich 35
wie zitlich er ane vieng arbaiten in ünserm dienst, und la dir dester lihter sin
enklain arbait in sinem dienste. nu sich an daz dritte bilde, an sin versmähte.
7. Der lat. Text fehlt. 15. eren ... ln fehlt. 29. er ror wart sjiäter eingeschoben.
7. I. Petr. 1, 18. 13. I. Cor. 6, 20. 15. r gl. S. 63 Z. 1 ff. 17. Anklänge an Ps. 160.
32. Matt. 8,20; vgl. S. 35 Z. 17.
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60
22. Von des lebens Ordnung.
des höhsten Gottes sun von hymelriche der waz als versmäbt daz man in schlüg
an erbännede, und spottetent sin und schultent in und spuwtent im [46*] under
sinü ogen und under sin küngklichs antlüt. nu sich wie sich der hoh Got und
meutsch gab ze versmühende und ze spotte sinen vienden! säliger mentsche,
5 trag disen bilder in dim hertzen und bilde dich nach sinem minneklichen bilde,
so du maist mugest. sich an daz mentschlich leben daz Jhesus Christus uff
ertrich hatt, und bilde din leben nach sim tugentlichen lebenn: daz sol dir ain
bilder und ain Spiegel sin. nim ab im demütkait, armüt, arbait. diu tugend solt
du erkennen in siner tugend, und alles din leben solt du tempern mit sim rnin-
to neklichen lebenne.
Nu merke: du bist geköffet mit grossem schätze, dar umb solt du Got
eren und tragen in dim hertzen als ainen bilder.
[23.] Von der frrintsehaft zu Got.
[Vulnerasti cor meum in imo oculorum tuorum.J
ls Disü wort sprichet unser herre zü der sele: 'du hast min hertze verwundet,
fründin minü, mit den ogen din’. min swöster, liebü gemahel min, tub minü, du
da ist [46c] ane fleken, du hast min hertz verwundet, din antlüt sol zü mir sin
bekeret. sich, liebü fründin min, hie mit hast du mir min hertze verwundet, nu
merke, liebü gemahel, wie dih Got genemet hat sin liebü swöster. du solt im
20 glich sin an drin dingen, so bist du sin swöster. bist du im glich an rehter
künschkait, so bis künsch in dim hertzen mit künschen und mit rainnen ge-
denken und mit süssen, alle die süntliche gedänke die du ie gehattest, die solt
du wider gelten mit rainnen gedänken und mit süssen, swaz du ie gedahtest
nach der weite boshait, daz solt du alles bessren. und solt künsch sin an dinen
25 worten. swaz du böser und unkünscher worte ie gespräch, dü solt du unsrem
herren gelten und solt von gütlichen tugendeu reden, du solt öch ünsrem herren
glich sin an starken werchen. swaz du böser und süntlicher werch ie getät wi-
der Gotte, dü [46d] solt du im nu gelten mit rainen und mit künschen werchen,
und solt dich alles an tugendeu flissen und güter werche. hast disü drü ding an
so dir, so bist du ünsers herren fründin mit rehter minne. und merk waz daz
ewangelium sprichet: 'du solt ininnen dinen herren und din Got von allem dim
hertzen’. du solt öch ünsern herren loben mit dim munde und solt gerne singen
und lesen Got ze lobe und pe dienste. und swenn du daz last, so du es getün
mäht, daz vordret dir Got zü. du solt och han gütü zaichen an dinen werchen,
35 daz du andren lüten gut bild gebest und daz sü sich an dir müssint besseren,
als tugentlich solt du sin an dim lebenn. hast du disü drü ding an dir, so bist
ünsers herren fründin.
3. kling/ kl ich» am Ende und Anfang der Zeile; vgl. auch S. 62 Z. 17. wie sieh nrei-
mal. 9 mit zweimal, einmal rot durchstrichen. 14. Der lat Text fehlt. 22 f. solt dv
zweimal. 28. dv zweimal.
14. Cant 4, 9. 31. Matt. 22, 37.
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33. Voo der früntschaft zA Got.
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Du solt öch der tuben glich sin an drin dingen, du turteltube ist ane
gallen; si hat öch nit won ainen gesellen; wenn si den verlöret, so ist si dar
nach gern / 47 *] allaine. dar an solt du gerne der turteltuben glich sin. du solt
sin ane gallun alles Übels und solt doch zürnen wider den Sünden, du solt öch
nit han won ain gesellen, daz ist ünser herre Jhesus Christus; der sol allaine 5
din höbestes sin und din liebstes lob sin. du solt öch gerne an der aine sin.
daz solt du also merken daz du gern solt bi dir selben in dim hertzen sin und
din sinne und din ged Anke bi dir han, und solt din selbes tugentlich und flissek-
lich phiegen, und solt in dim hertzen sehen an dinü werch und an dinü wort,
und solt an sehen dinü Übeln werch und din krankait, und dinen gebresten diner io
tagend und diner sele dem erbarmhertzigen Gotte klagen an sin götlich er-
bArmde. und solt im din sele und dinen gebresten ergeben an sin vAtterlich
trüwe in der aini dins hertzen frides und diner sele rüwe mit dem süssen Gotte,
da solt du gerne sin und solt getröstet werden in der aini mit Got, dinem
ainem [47*] libe und diner sele höhstü fröde. 15
[24.] Von den hy'melsclien froden.
[Esto fidelis usque ad mortem et dabo tibi coroiiam vitae.J
Disü wort sprichet ünser herre in Apocalypsi und sprichet also: ‘esto fidelis
usque ad mortem’, ‘bist du mir getrüwe sAliger mentsch untz an den tod, so
wil ich dir geben ain kröne des ewigen lebens’. 20
Nu sont ir merken wie wir ünserem herren getrüw sont sin. wir sont im
getrüw sin an vier dingen, wir sont getrülich behalten ünser sele und ünser
fünf sinne und sont ünser leben tugentlich verzerren und sont öch dar an stAt
bliben untz an daz ende ünsers lebens. wir sont öch ünser sele behalten raink-
lich und künschklich, daz wir si ünserm herren wider antwürtent als schön und 25
als unverwiert als öch er üs si gab. wir sont öch ünser fünf sinne getrülich
behüten als raineklich daz ze disen fünf venstern nieman in sehe, des sich dü
sele schäme und da von si werde entrainet an ir edelkait. wir sont öch ünser
leben verzerren tugent/*i?yiich in Gottes dienst mit tugentlichen werchen und
mit hohem durnähtigem lebenn. also sont wir ünser zit vertriben. wir sülent 30
öch dar an stAt beliben untz an ünser ende, es ensol nit weren zehen jar
noch zwainzig jar, es sol sin untz an den tot.
5 f. der bis lob sin] der sol allaine din liAhcstos und din liebstes lieb sin? 14. dinO.
15. libe — liebe. 17 f. In Apocalipsi (rot): Esto fidelis usque ad mortem et d. t. e. v.
Disv wort sprichit in Apoealipsi. vfl spriebit also, bistu mir getrüwe seliger menscho vnz an den
tot so wil ich dir geben eine crone des ewigen lebonnis Z. 22. wir svn imc Z. 24. öch
fehlt Z. küschcclicho vü reinecliche Z. 27. behüten] behalten Z. sehe] lese Z.
28. entrainet] enteret Z. 30. zit tugentlichc vertriben Z.
1. vgl. 8.38 Z. ZS ff. 16. Das Stück findet sich auch in Z. Bl. 139* im wesentlichen
gleichlautend ; besondere Lesarten sind im Apparat angegeben. 17. Apoc. 2, 10.
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24. Von den hymelechen frAden.
Behaltent wir dis trüwe an unsrem herren, so git er uns ain kröne, da
ligent fünf edelstaine inne. der erst stain der in der kröne lit, daz ist iemer
wunneklich leben ane tod. nu merk, sAlger mentscb, wie gar frölich daz leben
ist ane tot und ane allerschlahte arbait. o siisser minneklicber Got, wenn sont
5 wir komen zü der vröde da iemer wunnekliches leben ist ane betrübde?
Der ander stain ist daz uns iemer mere alle die fröde zü flüsset der wir
gerent, und me frölicher vröde denn Allü hertzen kunnent erdenken und alle
zungen mugent vol reden, o hoher werder richer Got, bis iemer ewklich gelobt,
daz wir mit kurtzem lebenn mugent verdienen so unmäs/-f?7sig fröde die ällü
io hertzen nit kunnent erdenken!
Der drit stain daz ist daz wir enkain ding da hant daz wir ungern habent.
da enbristet uns öch enkains dinges daz man gern da hat. alles daz wir gern
habent, daz habent wir mit ganzen fröden allesament ane gebresten.
Der vierd stain ist minneklich lachen des minneklichen Gottes und du un-
15 betrübde lutri der ganzen gothait. owe, nu gedenk, sälger mentscb, wie gar
wunneklich daz ist diner sele so dich der minneklich Got an silit mit sinen
minneklichen gütlichen ogen und er dich an lachet mit sim küngklichem
munde! owe, waz süsser fröde in die edlen sei flüsset von dem minneklichen
an lachen!
20 Der fünft stain ist gewisshait und sicherhait daz du von dem minneklichen
Got und von dem himelschen gesinde niemer solt geschaiden werden.
Nu merk ain ieglicli mentsch wie gar wnn/'4S*/neklich daz ist bi dem vrö-
lichen Got sin und bi der hohen küniginne, siner werden müter, und bi den
schönnen engein und bi den löblichen hailgen, und mit den wunnenklichen
25 m.lgden und mit allem hymelschlichem hör, und ist sich ze vröwenn ewklich
in gütlicher rninne, da dü sicherhait mit ist daz kain ende sü niemer me ge-
schähet und kain betrübde. ir vröde meret sich ällü zit, und ist dü vröde
iemer sicher än end.
[25.] Von vier hantle gebürt.
so [Amen, amen dico tibi, nisi quis renatus fuerit dermo, non potest videre reg-
num dei.]
Disü wort sprichet ünser herre in dem ewangelio: ‘ich sage dir gewärlich
daz du niemer behalten mäht werden, du werdest denn andrest geborn’.
1 f. kröne ilcs ewigen lebenine vfl in der kröne ligent Z. 2. ist de iemir ist wunnedich Z.
8. vol redenl volle recken Z. bis . . . ewklich] wie iewiger vn ewecllchere. 9. so
kvrzera Z. 10. kunnent] ravgen Z. 11—13. Der dritte stein, da ist enhain dink an de wir
vngerne bau. da brietet o'eh enbeinis dingis das man gerne bat. de haben wir mit ganzen
vru’den. ane bresten Z. 14. de minneclichO Z. 21. ingesinde Z. 23. sin fehlt Z.
25. her ist sich Z. und ist zu streichen? (Panzer). 26. tninnc] wnnne Z. mit fehlt Z.
de dv enbein ende Z. 27. betrubedo. siv niernir botribit Z. ist fehlt. vnd ist div
vro’ide iemer me an ende Z. 30. Der lat . Text fehlt.
2 f. vgl. S. 16. Predigt Nr. 5. 30. Joan. 3, 5.
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25. Von vier liandc gebürt.
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Nu merk, von vier hand gebürt liset man in der Schrift.
Dti erst gebürt ist ain lieplichü gebürt, als wir all geboren werdent usser
unser müter lip; du gebürt ist arbaitsam. nn sont ir merken drü ding an der
gebürt, daz erst daz ist arbait. wir werdent mit ar/'-fö'ybait und mit grosser
not geborn an dis weit, daz ander daz sont ir wissen daz wir mit Sünden 5
enphangen werdent und öch geborn. da von spricht der wissag David: 'ich
waiss wol und erkenn es wol daz mich min müter mit Sünden hat enphangen
und daz ich mit sünden bin geborn1. und mussent öch jamerlich von dirre weite
schaiden; wan daz manet man den mentschen, so man im uff daz höbet äschen
git, so sprichet der priester: 'mentsch, gedenke daz du Asche bist und öch ze io
Aschen werden must’, da bi mag ain ieglich mentsch wol merken daz wir
kranker nature geschaffen sint.
Dü ander gebürt daz ist der töf. der löschet ain wütendes für in des
mentschen nature, daz der getofte mentsch niemer so unrainklich gesündet als
der jude und der haiden. der mentsch wirt öch entlühtet von der kraft 15
des ewigen töfes, und wirt reht dü sele und Got zesamen gefüget, also daz
Got in der sele wonet und bi der sele [ 48‘ ] blibet die wil der mentsche ane
höbet sünde ist.
Dü dritte gebürt ist rüwe. so der mentsch nah dem töf in höbet sünde
vallet und da mit Gottes huldi verlöret und die fügend die im Got gab in dem 20
töfe, und die grossen schöni verlüset siner edlen sele mit der höbet sünde, so es
denne wider keret zü Gottes huldi und es rüwet daz es wider Got ie getet
oder Got ie erzürnte, sinen süssen schepher: daz ist dritte gebürt, dü hat dri ge-
sellen. daz erst ist lutrü biht. won ir sont daz wissen, sol der mentsch nah der
höbet sünde iemer wider zü Got komen, daz müss von rüwe und von biht be- 25
schehen. der ander geselle daz ist schäme, daz der mentsche mit grosser schäme
bihten sol alles daz er ie getet mit kleinen dingen oder mit grossen wider den
minneklichen Got, und sol sich inneklichen schämen daz er Got so schamlich
und so groslich erzürnte, der dritte geselle ist daz der mentsch in stäter büss
[48*] schinnen sol untz an sin ende, und sol rihten und büssen daz er ie so so
verre übersach ünsers berren Gottes minneklichen güti und siner sei wirdekait,
daz es ie so grosklich gesündet.
Dü vierde gebürt daz ist des sAligen mentschen tot. dü gebürt ist wumnek-
lich und vrölich und gar sicherlich, dü gebürt hat öch dri wunnenklich gesellen,
der erst geselle daz ist schonhait der sülgen sele ane unflätikait. owe, wer kündi sö
gesagen von der unmässigen schonhait der sülgen sele! si ist schöner uud schöne
und ist schöne an masse. nieman kan ir schöni volle rechnan, won ain ieglichü
sele wirt denne sehend wie gar schön si ist. der ander geselle ist ewigü rüwe
7. im Pergament 3 Löcher, rot eingefaßt. 23. diu dritte? 2t. ist am Bande nachge-
tragen. 36. schincr denn schAne ? (Iioethe).
6. Pi. 50, 7. 10. Am Aschermittwoch spricht der Priester beim Atuteilen der Asclic: Me-
mento homo, quia pulvis es et in pulvercm reverteris’.
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25. Von vier hamle gebürt.
an arbait. da solt du ewklich rüwen ane arbait. denne sprichet unser herre: 'o
säligü sele, du solt nu rüwen und solt niemer kain arbait gewinnen; du solt niemer
me üf ge[49“]st&ii ze metti; du solt niemer me gerasten noch swigen gehalten,
und solt niemer me ze capittel körnen, und solt iemer me benedicite han ane
s vorhte, und solt dir niemer me gefürhten umb kain ding: du solt fri und sicher
sin und solt gebieten, ällü creature sol dir undertänig sin. nu rüwe, säligü sei,
gemahel min, iemer me an endes zil!’ der drit geselle daz ist iemer wunneklichn
vröde än trurkait. nu vröwe dich iemer me ane endes zil! sälgü sei, du solt dich
vröwen daz du niemer me gesorgen solt daz dir dinen lierren und dinen Got ie-
to man mug genemen. du bist sicher daz du niemer me von dim schepher, von dim
süssen tröster, von dim aingen übe, von diner sele leben niemer geschaiden solt
werden, nu vrfiwe dich, edlü sele, daz du wider bist komen zü dem von dem du
geflossen bist! owe, edlü sele und süssü, du solt dich vröwen [491] iemer me,
won dir ist wol ze fröwenn geschehen daz du zü Got dim herren bist ge wäget
15 und er in dich, und du vröde die du in Got hast und an dir selben und an
allem hymelschlichem her, die ensol dir niemer me benomen werden.
o süssü sei, nu vröwe dich,
du bist sicher eweklich!
[26.] Von zwaln liymel riehen.
20 Got ünser herre der hat ain statt in hymelrich da er inne rüwren wil. in
der hymelschen statt sint drü hartü gütü ding: daz ist hymelschü zuht ane un-
zuht und götlicher frid an unfrid; da ist öch gantzü fröde in dem hailgen
gaiste än trurkait. nu sont ir merken zwai hymelriche da ünser Got inn rüwen
wil. ain hymelrich ist da er gaischlich ist in siner hailgen drivaltekait bi siner
25 hohen werden müter und sinen engein und den wissagen und den hailgen botten
und den martrern und allem hymelschlichem her und allen [49’J die minnekliches
antlütes wirdig sint. daz ander hymelrich ist ain ieglichen säligen mentscben
sei daz noch uff ertlich ist und mit hertzen und mit übe ällü zit dar nach
stellet und ringet wie es kome zü den andren ze hymelrich, da ünser herre daz
30 tüch von den ögen nimet und sich die sälgen sela lät sehen als er ist. dü sei
ist öch Gottes rüwe und sin hymelrich. swa nu dis sälig mentsch ist, daz sol
han drü ding: minneklich zuht än unzuht, gütlichen frid än unfrid, gantz vröde
in dem hailgen gaiste äne trurkait.
Nu wissent ir wol: da ain herre ain statt hat, der setzet ainen schulthaisen
35 in die statt daz er der statt phlege und da berihte und bessregi swaz unzuht
da geschiht. also ist ains ieglichen sälgen mentschen sei ain statt des hymel-
schen Gottes, in die statt hat ünser herre ainen schulthaissen gesetzet, der die
stat beriht. [49*] der schulthaiss ist der sele beschaidenhait : dü sol die sinne
alle berihten uswendig und inwendig, swaz der mentsch tüt daz er nit tun
22. än unfrid fehlt. 26. ein Loch im Pergament, rot eingefaßt.
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26. Von zwain hyraelrichen.
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sölti, so sol du beschaidenhait sprechen: ‘daz solt du nüme tun, es stät dir nit
wol, und ist öch unzuht'. und so die ussren sinne den inren sinnen kain ding
bringent daz miswende si, so sol beschaidenhait sprechen: “es ensol nit sin, daz
wider zäme minern herren; länt da uss üwrü nüwen märe, bringent ir nüt her
in für die hohen küngginne!’ und so daz hertze und die inren sinne dehains 5
dinges gedenkent daz nit gar luter und rain ist, so sol du beschaidenhait
sprechen: 'wol us balde! so getan ingesinde zimet übel dem geblümten Gotte
vor sinen lutren ögen; ich wil es nit vertragen', und swaz missw’endig uswrendig
inwendig ist, daz so l dü beschaidenhait alles berihten. [50‘ ]
Disü sälgü sei sol och han frid an unfrid. daz ist also daz du din hertze io
und diner sei sinne keren solt daz du frid habest mit aim ieglichen mentschen
und allermaist mit diner maisterschaft willen, also, swaz si wellent,‘daz du daz
wellest, nnd solt din herze dar zü tun daz du gehorsam sigist mit lihtem und
mit vrölichem hertzen. da von sprichet sant Augustinus: ‘der mentsche der sinen
willen git in siner maisterschaft willen und ainvaltklich gehorsam ist, der wirt 15
andähtig gen Got nnd wirt milte und undertänig sinen maistern und wirt nit
riche gegen der weit, also daz der mentsche von zergangklichen dingen nit
nimet won reht nodurft . und der selb gehorsam mentsch wirt ain getrüwer
Gottes kneht und wirt ain herre aller creature. der selb gehorsam mentsch
enphahet von sinen tugenden den vatter und den sun und den [SO*] hailgen 20
gaist in sin sele, und hänt da ain wonnng und werdent also ze samen ge-
füget: swaz Got wil, daz wil och der mentsch; und swaz der mentsch wil,
daz wil och Got. von der gehorsami sprichet sant Gregorius, er sprichet:
'den engein ist enkain ding so löblich, ünsrem herren nüt so enphünklich, dem
mentschen nüt so nutzberlich, so daz der mentsch sinen willen gebe in ains 25
andren willen und ainvalteklich gehorsam si'.
Nu hant ir zuht und frid gehöret nu sont ir hören und merken in dem
hailgen gaist vröde an trurkait. dü vröd ist also: so der mentsch sin hertze
und sin leben und alle sin sinne besiht nnd an den kain misswenden vindet, und
sinü werch vindet demütig und in zuht, und alles sin leben vindet in minnek- so
lichem finde und mit gehorsami, so der mentsch sich also vindet, so gewinnet er
ain vvunneklich vröde in dem hailgen gaiste, und wirt der mentsch denn dankend
ünserm herren [50'] Gotte aller siner tugend und siner sälden. so der mentsch
vindet ällü sinü werch mit minneklicher tugend geordeniert, so wirt er vro in
dem hailgen gaiste äne trurkait, won es envindet an sim hertzen noch an sinen ss
werchen noch an dehaim ding daz sin sele betrüben muge. dü vröd mag wol
gantz sin und sicher, so der mentsch sich selben als tugetlichen vindet.
b f. vswendig und inwendig f vgl. S. 64 Z. 39. 9. sol] so. 22. dz wil nceimal, ein-
mal rot durchstrichai.
Deutsche Text« det HitteUüters. X.
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27. Von (lnsers herrcn gnaden.
[21.] Ton unser» lierren gnaden.
I Sicut accepit gratiam, in alterutrum ülam administrantes.]
Disü wort spricht saut Peter, und spricht also: ‘ich baisse uud geböte daz
ir die gnade gemainsamint enandren, reht als och ir die gnade enphangen hant’.
5 Nu sont ir merken wie unser herre die gnäd hat und git. er git si in dri
wis. er git si vergeben, daz sont ir wissen: Allü disü weit möhti nit verdienen
daz unser herre sin gnade gäbi aim mentschen uff ertrich. er git sin gnad gar
vergeben von siner miltekait, von siner ganzen güti, daz er des lo [50d]net daz
er selb tüt. daz ist also daz er dem mentschen dar umb hymelrich git und sich
io selben daz er dem mentschen tugentliches leben gab uff ertrich. daz merkent
daz er dem mentschen tugentlich leben gab und gnade git und im öch des
selben lonet des er im gegeben hat: dar an mugent ir wol merken daz er die
gnade gar vergeben git. er git öch die gnade gerne, daz in nieman dar zü
twinget won sin rehtü güti, die er hat von gütlicher nature, und durch die
15 grossen güti und liebi die er zü der sele hat. er git och die gnade volleklich
än gebresten. ünser herre ist ain offen brunne und git sich allen den die sin
gerüchent, den git er volleklich sin gnade; won er ist allaine der da über
flösset voller gnaden und von dem Allü süsskait flösset.
Nu hant ir gehöret wie ünser herre die gnade [51"] git nu sont ir merken
» wie ir die gnade enphahent von Gotte, ir enphahent die gnade in dri wis. in
demütkait. daz mag ain ieklich mentsch an im selber merken daz er gütlich
gnade enphahet in der demütekait: won swa dü demütkait ist, da erwirbet si
die gnade; da aber gnade ist än demütkait da bringet dü gnade demütkait, oder
si verlüset si und die gnade; won swa dü demütkait ist än gnade, da ist si un-
25 stAte. da von sprichet sant Augustinus: ‘der mentsch der vil tugent samnot ane
demütkait, der tüt reht als der ain hant volle stobes nimet und in den wint
wirfet’. reht ze glicher wise als schier der wint den stob hät zerworfen, als
schiere hät der mentsch sin tugend verlorn äne demütkait. da demütkait ist,
da ist öch dü gnade und dü tugend stAte, wan demütkait ist ain sch [51%]v\n
so aller tugend. ir sont och die gnade enphahen in hitze der minne. din hertze
sol reht brinnen von gütlicher tugend, und in der brunst solt du die gnad
enphahen. ir sont och die gnade enphahen in stüngen der dankbAri. nn
merkent wie daz ist. der mentsch der gnäd und tngent hät, den twinget und
raitzet sin tugent daz er Got danket aller der gnaden die er im ie getet, und
85 sol Got danken aller siner gantzen güti, und in der dankbAri git ünser herre
dem mentschen me gnaden.
Nu hant ir gehöret wie ünser herre die gnade git, und wie öch ir die
gnade sont enphahen. nu sont ir merken wie ir die gnade enandren sont ge-
meinsamen. nu merkent daz erst wort daz sprichet sant Peter: ‘ich haisse und
2. Der lat. Text fehlt. 9. dar umb daz hymelrich t vgl. S. 40 Z. 1. 39. sprichent.
2. I. Petr. 4, 10.
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27. Von unsere horrcn gnaden.
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gebüte daz ir die gnade gemainsament die ir enpkangen liant von Gotte’, wir
hant die gnade enpkangen in demütkait und ist vergeben geben: also [51‘] sont
wir öch die gnade gemainsamen, vergebne ainem ieglichen mentschen geben also
verre so es notdürftig ist und öch im mäht getün, das soll du im luterlick
durch Got tun und nüt dar umb daz er dir dester hölder si oder er dir üt dar 5
umb gebe oder dich lobe; du solt es reht durch Got tun, so tüst du es im ver-
geben. du solt öch in demütkait tün waz du tüst gütes, und nüt dar umbe daz
man dich lobe, du solt aim ieglichen mentschen tün waz du kanst oder mäht
und öch notdürftig ist dem du es tüst, und solt daz tün in demütkait. daz
ander als dir die gnad geben ist, daz ist gerne, also solt du die gnade gemain- io
samen: du solt gern aim ieglichen mentschen wol tün, so du aller best mäht
oder kanst und öch notdürftig ist. und malit du aim ieglichen mentschen nüt
gebützen das im wirret, so solt du aber den willen han daz du es gerne [51*]
tätist ob du möhtist, und solt daz tün in hitze der minne. du solt ünsern
herren als hitzeklich minnen das du aim ieglichen mentschen tilgest durch sin 15
minne swaz du kanst oder mäht mit herzen und mit libe, und solt din hertz
geben aim ieglichen mentschen. du solt zü dem dritten male gemainsamen die
gnad volleklich, als och dir dü gnade geben ist von ünserm herren. swaz du
gnad oder tugent hast an wishait, an erbürmde, an kunst oder an dekainen
dingen, daz solt du aim ieglichen andern gemainsamen volleklich. swa du baz 20
mäht denn ain anders, da solt du us giessen alles daz du im mäht getün. du
solt nit behan vor dim neben cristan swa du im ze statten mäht körnen, also
solt du die gnade volleklich gemainsamen. und [52‘] die selben gnade die solt
du och gemainsamen in dankberi und in stungi. daz ist also: swaz gnaden du
von Gotte hast, wishait und erbürmde oder güten rät, oder swaz tugend Got dir 25
hat gegeben, daz solt du aim andern gemainsamen, und des selben solt du Gotte
danken, von dem och dir dü gnade und dü tugent geflossen ist und swaz
du ainem ieglichen mentschen ze güte tüst, dü tugend kumet dir von Gotte
und flösset von siner giiti. da von solt du och alle zit Got danken siner
gantzen güti. so
Also solt du die gnade gemainsamen: vergeben demütklich, und gerne in
hitzender minne, und solt si gemainsamen volleklich in stungender dankberi.
[28. ] Von Gottes gaben.
[Cantabo Domino, qui bona tribuit mihi.]
Disü wort sprichet der wissag Davit, er sprichet: ‘ich wil singen mim 35
herren und mim Got, er hat mir güt gäbe geben’.
Nu merkent waz gaben üns Got hat ge/o.2*/geben. er hat üns sechs güt
gaba geben, er hat üns geben sin rain gebürt, und hat mit der gerainnet ünser
3. ut wohl zu lesen: gemainsamen. wir sont si vgl. Z. 10. 28. teged. 34. Der lat. Text fehlt.
»4. Ps. 12, 6.
5*
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2S. Von Gottes gaben.
süntlich gebart ; wan du waz als süntlich daz nie kain mentsch so wol moht
geleben daz es für sin antlüt möht komen vor siner gebürt, er hat uns geben
sin minnekliches leben ze ainer lere wie wir unser leben nach sim leben ribten
sont. owe, sälger mentsch, gedenke an daz tugentlich leben des rainnen Gottes!
5 owe, sälger Got, wie waz din leben so gar tugentlich! da von spricht sant Bern-
hart: 'owTe, süsser Jhesus, wie waz din leben so minneklich geordenieret uf
ertrich, wir mugent grosse tugent nemen ab dim leben!' er hat üns och geben
sin jämerlichen töd, daz er mit sim tode ünser seien lebendig hat gemacliet; mit
sim tode tot er ünsern tod und gerte aines schamlicken und ains jämerlichen
10 todes durch ünsern willen und loste üns mit [52"] siner marter von der ewigen
verdampnung. er hat üns öch geben sin vrolichen urstendi, und hat da mit
urkünd geben allen den die an im blibent mit rehter minne und in im lebent
und an im sterbent, daz die mit im sont erstan an dem jüngsten tag mit grosser
vröde und mit signuft. er hat üns och geben sin wunneklich uffart: vor im
15 wart daz hymelrich nie uf getan dehainem mentschen ; won wie reht dehain
mentsch lebte, dem waz doch daz hymelrich vor beschlossen, nu hät er es nf
getan und hat es entschlossen allen den die dar went. er hät üns och geben
sinen hailgen gaist ze ainem tröster und zü aim laiter. er sol üns trösten in
der betrübde und in arbeiten dirr weit und sol üns laiten in dem eilend dirr
20 weit zü ünsrem erbe, dem hymelschen Gotte.
'Nu wil ich singen minem herren und mim Got, der mir güt gäbe hat ge-
geben’. merke, säl/ö^/ger mentsche, waz ich mim herren singe. zwreu säng wil
ich singen: daz ist erbarmd und reht. dü wil ich dir singen, lieber min herre
und Got.
25 Ir sont daz wissen wer die sint den ünser herre wil ögen sin erbärmde.
daz merkent drier hand lüte. die ersten daz sint alle die die die weit uf gent
und sich enzihent weltlicher dinge, weltliches gütes, weltlicher vröde durch die
minne des minnenden Gottes von hymelriche. die andern daz sint die künschen
lüte, die ir lip, ir hertz, ir sei behütent und belialtent in rehter künschait nnd
so in rainner zuht. die dritten daz sint alle die die uf gent iren aigen willen und
ir selben ungewaltig werdent durch den rainnen Got von hymelrich. disen
lüten wil ünser herre ögen drier hand erbärmd. dü erst ist daz in ünser herre
ir notdurft füget uf ertrich [53° ] zü dem libe und sele, ainem ieglichen
mentschen nach siner notdurft, dü ander erbärmde daz ist an dem ende, da sei
so und lip von enander schaident, da oget er grosse erbärmde und sendet der
sälgen sele ze helfe und ze trost sin hailgen engel, daz si nit erschrike von den
heischen tüfeln, die öch dar koment zü des mentschen schidunge. dü dritte er-
bärmde daz ist daz er si behalten wil, und die hailgen engel die fürent si mit
schalle in Abrahames schösse, da si iemer ewig vröde hat
40 Ünser herre wil och sin reht behalten an drier hand lüt. die ersten daz
sint rieh lüte än miltekait; die andern daz sint gewaltig lüt ane demütkait; die
26. dz; /. da?
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28. Von Gottes gaben.
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dritten lüte daz sint schön lüt an künschkait, disen luten wil unser herre ogen
drier hand reht. daz erst reht ist: er git in er und gilt und grossen rich/55*/
tüm, da mit meret och ir unsälde und ir wisse, unser herre tüt in reht als
ain rieh man sim kälblin: daz lat er gan spileud und mit grosser vröde uf der
haide, und swenn er wil, so schleht er es an daz höbet daz es tod lit. also tüt 5
unser herre den richan luten: den git er ere und gftt und lat in spiln und lat
sich vröwen wie si went in der weit; und so si minnest wissent, so schleht er
si an daz höbet ze tode, und müssent varen in die helle, dannan koraent sü
niemer me. daz ander reht daz unser herre den riehen litten tüt, daz ist daz er
sü ersteket an dem ende mit sim rehte und mit sim gewalt; und koment dar io
die vaigen tüvel und zukent die armen sei mit krapfen und mit krölen. daz
drit reht ist daz er den tüveln gehütet daz si die sele zukent und si werfent in
den helleschen grünt und si begrabent in daz abgründe und si iemer mere
quele ane zil. [53‘] dü sei dü ist Got vigint und ir selben und allem hymel-
schen her und allem dem daz ie geschaffen wart, daz hasset alles dü arm sei, 15
dü da eweklich verlorn ist.
[29.] Von der volgung nach Got.
[ Qui sequitur me, habebit lumm vitae.j
Disü wort sprichet ünser herre in dem ewangelio, und ist also gesprochen:
‘der mir nach volget, dem gib ich daz ewig rieh’. 20
Nu sont ir merken wie wir ünserm herren nach volgen sont. wir sont dri
tagwaide ünserm herren nach volgen.
Dü erst tagwaide daz ist aignen willen und kranken sinnen widerstan. daz
ist also daz du gar und gantzlich din willen solt geben in ünsers herren willen,
swaz Got welle, daz solt öch du wellen; waz sin wille nit si, daz solt och du a
nit wellen, swie liep oder wie lait dir dekain ding si, da solt du enkainen
willen zu han won nach Gottes willen, und daz du allen kränklichen dingen
widerstandest an diin kranken libe und an liplicher nature. die [53*] tagwaid
laitet ain jungfrowe, dü haisset ainvaltig gehorsami.
Dü ander tagwaid daz ist gedultkait: daz du arbait willeklich und güt- so
lieh tragest durch Gottes willen, daz du ie die tagwaide dester glicher
gangest, so wil ich dir zaigen ainen harten güten gesellen, der dir die arbait liht
und süss machet, daz ist Jhesus Christus, sich an in wie er sin erütz trüg, und
sich wie er uff dem erütz stünt! da von spriht sant Anshelm: ‘cristanü sei,
hab uf dinü ögen und sich wie din schepher stat durch dinen willen; er stat 35
nakent und bloss und totblütig! der gewaltig hanget an dem erütze an den
scharphen nageln, der unschuldig Got hanget under den schuldigen schachern.
6 f. lat si »ich? 14. qaelent? IS. Der lat. Text fehlt.
1 8. Joan. S, 12.
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29. Von der volgung nach Got.
von sim minneklichen libe runnent vier rosvarwen büchlü , und der minneklich
munt wart getrenket mit essich und mit gallen, und nach sim [ö4‘ ] tode enpliieng
er die fünften wunden, du im in sin hertz gie’. nu merk, sülger mentsch, war
umb er die fünften wunden enpliieng dar nach do sin sei von sim lib geschiede.
5 daz tet er dar umb daz du, sülger mentsch, wol sehest daz er dir mit trüwen
diente, won er diente dir tot und lebend, in benügte nit daz er dir lebend hat
gedienet drissig jar ; er wolte dir och dienen do er tot was; won, sülger
mentsch, daz sol din gelob sin daz im sin hertze uf wart getan mit aim sper
dar nach do sin sei von sim lip geschiet. nu sih, tohter, dis ist din geselle in
io der andren tagwaide. dis tapwaid laitet ain jungfrowe, haisset vrow Ge-
dultkait.
Dü dritte tagwaid daz ist jamer nach dem schönnen minneklichen Gotte,
nu gedenk, sülger mentsch, wTie gar minneklich er ist! da von sprichet sant
Bernhart: ‘owe, [54*] besoftü sälikait, owe, senfter und ewiger frid, owe, grössü i
15 und unmüssigü süskait, wie bin ich dir so verre! owe, lieber herre min! ich han
ainen strit: min gaist mag mim lib nit volgen an vohrte; min lip mag mim
gaist nit volgen an bes würde; des min lip gert, daz ist wider mim gaist owe,
herr, hilf mir disen strit schaiden!’ der wissag sprichet : co süsser minneklicher
scheplier, min sei dürstet nach dim brunnen als den hirzen nah der küli in der
20 hitz’. ow'e, schöner Got, min sei wril ietz verderben von dem jamer den ich nach
dir han! nu spricht aber sant Bernhart: ‘Jesus, miuneklicher Got künig, du bist
ain signuft der gütlichen sülkait und edelkait und bist unzallich völlü süskait,
und alles daz an dir ist, daz ist alles girlich und lustlieh’, daz ist du dritte
tagwaide die wir dem schönnen Got nach volgen sont: [54'] jamren nach siner
25 süssekait und nach siner angesiht. dis tagwaide laitet ain jungfrowe, dü haisset
schonhait der minne. also sont wir ünserm herren nach volgen, so git er uns
daz ewig leben.
Drier hande lieht wil üns unser herre geben denen die im nach volgent.
Er wil in geben ain ewigs lieht, bi dem ewigen lieht ist bezaichent dü ewig
so gothait, dü waz ie an angenge und ist öch an ende, daz ünsers herren gothait
si ain lieht, da von spriht sant Anshelm: ‘o glanz der obrosten schonhait dü ie
wart, du bist ain lieht des ewigen lielites und bist ain leben daz alles leben
lebend machet’.
Er wil üns och geben ain schönnes lieht, da bi ist bezaichent sin lieber
95 sun Jhesus Christus, daz er si ain lieht, daz spricht er selb in dem ewan-
gelio. er sprichet: ‘ich bin ain schönes lieht, daz alle die weit erfülltet hat’.
Er wil üns geben ain süsses lieht da bi ist üns bezaichent [54 “] der hailig
gaist. daz der hailig gaist si ain lieht, daz vindet man in münger wis in der
schrift. disü drü liehter wil ünser herre allen den geben die im nach volgent
90 die dri tagwaide.
4. wnden. 10. taigwaid. 25. nac.
18. Pt. 41, 2. 36. Joan. 1, 9.
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29. Von der volgung nach Got.
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Nu merk, saiger mentsch, war urab dir der schön Got hab gehaissen drü
lieht, daz solt du wissen: er wil dir geben vröde an der hailgen drivaltkait,
daz du in den götlichen Spiegel sihst din sele und alles daz du wilt, und wirst
alles Got sehent in im selben, und unser herre stät in diner sele als du sunne
in dem hymel. ach brüder, waz hant ir gesprochen! owe, sälger brüder, 5
sprechent es aber! ich sprich, mentsche, daz der schön Got in diner sele stät
als du sunne in dem hymel. owe, sälgü sei, gedenk reht wie Got und Gottes
sun in dir stände wirt!
[30.] Ton nianger Zukunft unser s herren.
Uns ist gegeben von Syon ain bil/55*/de der gezierde, daz ist Gottes sun io
von hymelrich, der kam in dis weit.
Nu sont ir wissen daz ünsers herren gebürt ist viervaltig. du erste du ist
minneklich; du ander du ist nützlich; dü drit du ist sunderlich; du vierde du ist
herteklich.
An der ersten Zukunft gelichet sich unser herre aim arzat. ze glicher wis ts
als der arzat den siechen mentschen hailet, also tet unser herre. der hailet uns
mit sim leben; won daz sont ir wissen: alles daz au Got waz, daz waz hailsam.
sin gewant daz waz hailsam. daz liset man von im: do unser herre uff ertrich
waz, do kam ain vrow zü im, du hatte grossen siechtagen; do si ünsers herren
gewant berürte, do wart si gesunt an lib und an sei. daz sont ir wissen daz 20
unser herre nie kain mentsche an dem libe hailte, er hailti in öch an der sele;
won alles daz an im waz, daz waz alles hailsam: sinü [53’] wort und sind
werch und alles sin leben daz waz hailsam. aber sin minneklicher tot der lost
uns von dem ewigen tode, won er waz der arzat der da selb trank daz trank
der arbait. owe, nu ist vil mAnig mentsch dem unser herre mit im git ze 25
trinkenn uss dem koph da er selber us trank, der trank versmäht! daz ist also:
so im unser herre mit im git ze trinkenn us dem köpf da er selb us trank, daz
versmahent si und werfent in umbe und gerent sin nit daz ist also: so unser
herre dem mentschen arbait git und kumber und widermüt, so wirt es unge-
dultig und versmahet daz trank daz Got selber getrunken hat, von disem trank so
sprichet unser herre: ‘ich han getrunken und han daz trank versüchet, nu wil
ich niemer me getrinken'.
Dü ander zükunft dü gelichet sich aim süssen totve. ze glicher wis als daz
tow erfröwet den lylien so er ervalwet von der hitze der sunnen, also tilt ünser
herr [55c] der sele so si verdorret ist von der hitze dirr armun weit; won ünser S5
herre Got ist daz hymelsch tow von dem dü sei fruhtbar wirt. da von sprichet
der wissag Ysayas: ‘herre, wir sint von dinem antlüt tragend worden ainen
g&ist der ewigen sAlikait’.
S. den) dem Y 26. der daz trank Y (Panzer). SS. towe] gölte.
19. Matt. 9, 31. 31. zuzammengtzogen auz Matt. 27, 34 und 26, 29. 87. Isai. 26, 17.
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30. Von milngcr zökunft ünners herren.
Dü dritte zukunft da glichet sich unser herre aim diebe, daz ist an dem
tode. ze glicher wis als der dieb togenlich kumet, also tut unser herre. er kunt
och dem sälgen mentschen alz ain vatter der sin kint uss dem eilend füren wil,
und wil ain end machen aller der arbait und des laides so er ie gewan. er
5 kumet aber dem sünder daz er in schaide von aller der vröde die er ie uff ert-
rich gewan; des wil er da ain ende machen und wil im die vröde verwandeln
in die ewigen trurkait. da von spricht du schrift: ' Allü bertzen und all zungen
mugent nit voll rechnen die not der ewigen trurkait*. [ 5 ö*]
Dü vierde zükunft da ist ünser herre gelich aim starken rihter, daz ist
io an dem jüngsten tag. da wil er sin reht us ziehen und sin erbärmd wil er
underziehen. er wil da gewaltklichen rede n und öch selb klager und rihter sin.
und ain swert hat er in sim munde, daz schnidet ze baiden orten, daz ist als
herte daz es nieman erliden mag; es ist als stark daz nieman da wider nüt
mag; es ist als lang daz im nieman entrinnen mag. da werdent die verlornen
15 grisgrammend und werdent schriend: ‘owe und owe und iemer an ende owe!
bühel und berge vallent uf üns und verbergend üns vor dem zorn des grossen
rihters! und werdent denn sprechent: 'herre Got, du bist reht, din gerillt ist
öch reht, du bist stark in dim zorne, und in dim urtaillen bist du gewaltig!’
[31] Von der beraitnng der sei.
JO /Vos similes hominibus exspeetantibus dominum suum, quando revertatur a
nuptiis.f
Alsus sprichet ünser [56“ ] herre in dem ewangelio: 'ir sont glich sin den
mentschen die da baitent irs herren wenn er kom von dem brutlöf*.
Nu sont ir merken daz er spricht: 'ir sont geliehen den mentschen die da
25 baitent'. wes baitent die lüte? daz tönt si des des si nit hant, und es in aber
künftig ist ze komen. der also baitet, haltet rehte. wir sont ünsers herren
baiten, won er ist üns genomen. er wart den zwelf botten dristunt genomen.
Daz erst waz do si fürent uff dem mer, do gie ünser herre uff dem ertrich;
do waz sant Peter also not zii ünsrem herren daz er nach waz ertrunken, nu
90 sont ir wissen daz bi dem mer ist bezaichent disü weit; und bi dem schiffe daz
uf dem mer gat, ist bezaichent daz closter; und bi dem rüder daz daz schiffe
laitet, da bi ist üns bezaichent dü regel dü daz closter laitet und ordiniert
[56b] also daz rüder daz schif. die alsus uff dem mer varent, den wirt etweun
ünser herre genomen. daz merkent: bi sant Peter sint bezaichent die awibaht
86 hant in dem closter, als der priol und der keiner und der schafner und die
2. also tat Unser licrre fehlt. 9. da] dt. 20. Der lat. Text fehlt. 2ß. baitet fehlt
34. andaht.
7. frei nach Ps. 111, 10; Sap. 5,1 ff.; Matt. 13,41 «sie. 12. Apoc. 1,16. 16. Luc.
33,30. 20. Luc. 13, 36. 29. Matt. 14, 33 ff.
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31, Von der beraituog der sei.
73
andern die ämpter liant. den wirt unser herre genomen also daz si ze vil ge-
redent dik und von ir ampt dik verlassen sint und ir selbes nit gepflegen
rnugent, als die die an ampt sint disen wirt unser herre genomen daz si im
nit mugent also hainlich sin als si gern wärent.
Zü dem andern male wart er in genomen in der naht do er gevangen 5
wart, daz sont ir wissen daz er noch mängem mentschen wirt genomen in der
naht, bi der naht ist bezaichent die höpt sünde. und alle die die in hopt
Sünden sint, den wirt unser herre genomen.
Zü dem dritten male do wart er genomen den jungem, wenn waz daz?
daz waz entrüwen do er [56'J ze hymelrich für, daz waz ze mitten) tag. da bi io
sint bezaichent die sälgen löte die mit gantzen tugenden ir leben hainlichent
mit siner gnade, den wirt ünser herre öch etwenn genomen, also daz si in nüt
mugent behan nach ir willen, alz ünser herre gewonet hat mit in und bi in ze
wandeln.
Nu sont ir merken hie daz erst wort, waz die sont tüu die irs herren 15
baitent. drü ding sont si tun.
Daz erst ist: si sont sich ziehen von allem geschalle und sont losen irs
herren stimme, wenn er kome, daz si in hörent und in in lassent. hie von
sprichet der wissag Osee: 'ünser herre wil sin fründe füren an ain aini und wil
da reden mit iu'. hie bi sont wir merken daz er üns leret daz wir gern sont 20
sin an der aini, daz wir mugent hören wenn ünser herre mit üns rede, da von
liset man in der altun e daz ünser herre hiess herr Moyses daz er im ain hus
macht i in [56"] der aini, da er mit dem volk redeti. hie bi ist üns bezaichent
daz ünser herre alles ain wil sin in der aini; da fride und senfti ist, da wil
ünser herre reden mit der sele. nu sont ir wissen daz ünser herre in zwo wis 25
redet mit dem mentschen: uswendig, da bosset er vil herteklich; und inwendig,
da redet er vil süsseklich. wie ünser herre uswendig bosset an daz tor, en-
trüwen, daz mugent wir wol merken au hern Job. an den klophet er vil
herteklich, do er im lib und gut und kint nam. entrüwen, do sprach her Job:
owe herre Got, daz der troph diner stimme als unverträglich ist, wie sol ich so
daz vertragen daz da an dem jüngsten tage donrent wirt mit diner stimme!’, hie
bi sont ir merken: swenne ünser herre dem mentschen arbait git, so klopfet
er uswendig an daz tor; und der sin bossen gütlich enphahet und gedulteklich
vertreit, entrüwen, mit den [57°] wirt ünser herre vil gütlich inwendig redend
mit der sele. da von so sont ir vil gütlich und vil tugentlich enphahen so ünser 35
herre üch arbait git; won nach dem sturm wetter kumet gern dü haisse sunne.
daz ist also vil gesprochen: nach der betrübsalli und nach der arbait kunt gern
ünsers herren gnade, nu sont ir wissen, swa ir den wissagen hörent, daz ünser
herre denne redet, als der wissag sprichet: ‘ich wil hören waz ünser herre in
mir rede, er redet frid mit sim volke’. da bi daz er sprichet: ‘ich wil hören 40
5. Man. 26, 56 ff. 9. Luc. 24 , 50. 19. Oste 2, 14. 22. Ecod. 25,8.
30. Job 26, 14. 39. Pt. 84, 9.
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3t. Von der beraituug der sei.
waz Got in mir redet’, da mit git er uns ze verstände daz er vil süssekliche
redet inwendig, waz aber du red si, daz waiss du sei michels bas denn si
gesagen kunne. da von spriht sant Augustinus: ‘mir ist erschinen ain lieht«
lieht ob miner sele, und ich waz gefüret in ain unverträglich süskait. da ward
5 ich min selbes ungewaltig, [57*] und waz dü süskait als unerkant daz ich mit
mim hertzen dar an nit kan gedenken, min munt kan da von nit gesprochen
und ich kan da von nieman nüt gesagen’. nu sont ir merken daz erst wort: ‘si
sont sich ziehen von allem schalle!’
Was sont si me tun? si sont daz hus beraiten, so der herre kome, daz er
io es schön vinde und wol berait. dis hus ist unser hertze; daz sont wir beraiten.
swenn unser herre kome, daz er es schön vinde. daz unser hertze si ünsers
herren hus, daz sprichet er selbe: ‘min vatter hat mir dis hus geben ze ainem
rehten erbe', dis hus sont wir beraiten. iutrüwen, wir sont die sünde us furben
und die Untugend der sünden. und denne sont wir es zieren mit tugentlichen
15 werchen und sont unser hertze reht blümen mit tugentlichen gedünken.
Daz dritte daz die tiin sont die irs herren baitent, daz ist daz si den
schätz getrülich gehaltint den er in bevolhen hat. intrüwen, unser herre [57]
hat uns drü ding bevolhen und gelassen in dem hus: daz ist ain vetzli und ain
lieht und ain band, bi dem vetzlin ist bezaichent die gehügde der sele. in dem
20 vetzlin gehaltet man die spise und richtiim. also sol der mentsche tün: in siner
gehügde sol er tragen und haben ünsern herren, won er ist dü ewig spise. und
da von sprichet ain hailig man: ‘dis körne ist üns gesant von hymelrich uff
ertrich und wart enphangen in der mägde übe und wart gebom und erstarb
und wfart begraben’, dis körn daz waz unser herre Jhesus Christus, von dem
25 körn sint wir öl lü körnen, hie gelichet er üns aim simel brot. von dem liset man
in der alten e, daz wTaz mit öl gesprenget. wie sont wir disem brot glich sin?
intrüwen, wir sont gemalen werden enzwüschent zwain mülstain: der ober stain
daz ist züversiht; der under ist ünsers herren vohrte. mit disen zwain [57]
stainnen sont Allü ünsrü weich getempert werden und als klain gemalen daz
so wir den simlen glich werdent. daz simlin brot waz besprenget mit öle, daz ist
mit ünsers herren blute, daz ist der selan gezierde; und ain ieglich tilgend in
der sei daz ist ain troph ünsers herren blütes. in dem v Assi in hat er üns ge-
lassen ain lieht, da bi ist bezaichent der sele Vernunft, daz ist daz wir ünsern
herren kunnent erkennen in alr creatur, und wie er in alr creatur ist. daz
85 dritt daz ist ain minnenbant. daz baut haisset dü minne und ist öch dü minne.
dis band bindet ünsern herren und die sele ze samen. und dannan von sprichet
ain hailig man: ‘ünser herre wil nit daz man gold oder silber oder kain gut zu
im binde; er wil allain mit der minne zu der minnerin gebunden sin und wer-
den’. [58“ ] in trüwen, da bindet die minne die minnerin zü dem geminten,
1. ze zweimal. 18. vetzli — ■ väsalin Z.B2. 29. sontj zuerst sint mit übergeschriebenem o-
89. d£l dem oder den ?
12. Anklänge an Ps. 2 , 8; 15, 5. 2«. Exod. 29, 2. 35. vgl. S. 55 Z. 15 ff-
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31. Von der beraitung der sei.
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lind dannan von liset man daz der bailig gaist die sei nimt uff sin vedrun
und swenket si uf den geminten, daz ist des lebendigen Gottes sun. für den
füret der bailig gaist die sele mit dem süssen andabt der rainnun sei und
ist da mit Gotte.
[32.] Von unser vroweu sant Mariun. 5
Rorate celi desuper et nubes pluant iustum, aperiatur terra et germinet
salvatorem et iusticia oriatur.
Disü wort sprichet der wissag Ysayas: 'die himel gebent üns daz tow und
die wölken regnant üns den regen, daz ertrich tüg sich uf und geb üns ainen
behalter’. io
Mit den Worten daz er sprichet: ‘die hymel gebent üns daz towf>, dar an
sont ir merken zwai ding, bi dem hymel ist bezaichent ünser herre Got; und
bi dem [58I'J tow ist bezaichent die gnad die ünser heiTe tet an ünser vrowen
e daz si ünsern herren enphieng. won daz sont ir wissen daz er si hatt erwelt
von angeng der weit, e daz er ie mentsch oder engel gesell üf, do batt er ir 15
leben geordnet und batt si erwelt im selber ze ainer rüwe.
Daz ander wort da sprichet er: 'die wölken lassent üns deu regen’, da bi
ist üns bezaichent ünsers herren zükunft; won dü ist glich dem regen, und reht
als klain daz tow ist wider dem regen, also waz dü gnade die ünser vrowe
hatte e daz si ünsern herren enphiengi, wider der gnade die si hatte do si 20
ünsern herren enphieng: dü waz als klaine als daz tow ist wider dem grossen
regen, do si aber ünsern herren enphieng, do wart si erst volkomen an der
gütlichen gnade; wan si wart erfüllet mit Gotte und mit aller der gnade die
Got hatte, do der engel Gabriel zu ir kam und ir brahte dü hohen werden
[5&] märe daz si solte müter sin des künges von hymelrieh und der engel und 25
hymels und erde gewaltig waz und ist, da sprach er zu ir: 'Got grütze dich vol
der gnaden, du bist erfüllet mit dem obrosten Gotte', er mokte wol sprechen
daz si vol gnaden wäre; won si waz ain gestüle und ain gezelt des obrosten
Gottes, da von sprichet sant Bernhart: ‘0 süssü edlü vrowe, du hast beschlossen
in dim kranken übe den grossen Got; der als gross ist daz in hymel und erde so
nit mag begriffen, den umb vieng du in dim mägtlichen libe*. dis gnad mag wol
ain regen sin wider der gnade die si e hatte, si wart och gehailget und ge-
segnet in ir libe, und alles ir leben daz waz reht ain blüme und ain Spiegel;
wan si ist ain lyli under den dornen, man liset von ir: do si ünsers herren
swanger wart und Joseph des ge war wart, do dünkte si in als rain in allem S5
irem leben [58*] daz in daz möglicher duhte daz si ain kint gewunne wider der
nature denn daz si mühti gesünden. daz dis war si, daz schribet Orienes. der
25. hlmelrich, der engel f 32. geliailgz am Ende der Zeile.
6. h. 45, 8. 13. vgl S. 48 Z. 5. 26. Luc. 1, 28.
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82. Von unser vrowen Bant Mariun.
spricht daz Joseph zwen gedänk hatte uff unser vrowen; der ain der waz daz
er sich wunderte daz si ain kint solte tragen maget wesend; der ander waz daz
er si als unmäsklich rain erkande daz in mugücher duhte daz si ain kint ge-
wänne wider der nature denn si iemer gesündeti. und doch in disem strite
s gehal er dem gedank daz si wider der nature ain kint gewunne. und do er in
disem strite waz, do kam ain engel und sprach zü im: ‘gehab dich wol, daz si
enphangen hat, daz ist von dem hailgen gaist, und si ist erfüllet mit der güt-
lich gnade’.
Daz drit wort daz er sprach: ‘daz ertrich tu sich uf, da mit mainte er daz
10 si sich uf tet und sich dar zü genaigte daz si Gottes [ 59'] müter wurde, dis
ertrich tet sich uf do si dem engel antwurte und sprach: 'ich bin ünsers herren
dirn, sin wille werde an mir’, do ward alles mentschlich könne an ir gnade
komen. da von spricht sant Bernhart : ‘o vrowe, genaig din ore und enphahe
Gottes wort, din botschaft! Got von hymelriche und die hohen engel baitent
15 din. vrowe, alles mentschlich könne ist gehangen; nu antwürt, vrowe, und löse!’
Daz vierd wort daz er sprach: 'und gebe uns ainen behailter’, an den
Worten gelichet er ünser vrowen ainer reben. reht ze glicher wis als du reb
fruhtber ist, also waz ünser vrowe. si ist der rebuu glich durch drü ding, daz
erst ist daz si schatten git: als tüt ünser vrowe; dü gab üns ainen schatte, daz
jo waz dü mentschait die Jhesus Christus von ir nam. der wart üns ze aim
schatten geben; [59 *] won ünser herre Got der vatter waz so hoher schöni daz
mentschlich ög sin nit gesehen molit, uud moht sin nit erkennen, do gab er
üns sinen sun zü aim schatten, ze glicher wis als man die sunnen nit mag an
gesehen mit vollen ogen, also mohtent wir nit gesehen ünsern herren e daz er
25 den schatten genam von ünser vrowen. der schatte daz waz dü mentschait,
Gottes sun, Jhesus Christus, den gab er üns ze aim schatten uff ertrich, daz er
üns lerti und üns dü weich vor titti, daz wir die sunnen wurdent erkennend,
daz ander daz an der rebun ist, daz ist: guter smak kunt von ir. swenn si
blüget, so müssent die schlangen alle fliehen, won si sterbent von dem smak.
so also tet ünser herre Jhesus Christus, do er an dem erüze stünt, do waz sin
smak also süsse daz er die tüfel alle vertraib. man liset daz von ünserm herren:
do er an dem erüze stünd und wolte verschaiden, do sass der tüfel ainhalb
uff dem erütze [59*] und wolte sehen waz im da wurdi. do waz des gütlichen
smakes also vil da daz der tüfel da niht moht hüben und für dannan. ir sont
35 daz wissen daz ünsers herren marter noch hüt die kraft hat: swer dekain an-
vehtung hat von des tüvels räten, nimt er ünsers herren marter in sin hertze,
si müssen all fliehen und enmugent im nit geschaden. man liset in der altun e:
do her Moyses daz volk fürte usser Egypten land, do liess ünser herre fürin
schlangen werden; und wer von den schlangen geheket wart, der müste sterben.
15 gehangen; l. gevangen ? vgl. S. 77 Z. 34 (Soethe). 21. des.
6. Matt. 2, 19. 11. Luc. 1, 38. 87. ,Vum. 21, 6.
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32. Vou Unser vrowen sant Mariun.
77
do batt her Moyses ünsern herren daz er im etlichen rät gäbe daz daz volk
nit verdürbe, do hiess in unser herre daz er ain erin schlangen gussi und den
uf hiengi an ainen phäl. und so ain mentsch geheket wurdi von den fürinen
schlangen, so solt er den an sehen, so enwürre im nit bi dem erin schlangen
ist bezaichent unser herre als er an dem crütz stünd. und reht als [59*] die 5
lute von dem erin schlangen gesund wurdent so si in an sahent, ze glicher wis
geschiht dem mentschen daz geheket wirt von dem tüfel mit den Sünden: so
sol er ünsern herren an sehen als er uff dem crütz stünt, und sol daz in sin
hertze vesteklich setzen, so werdent die sünde all ertötet, won ir sont wissen:
swer mit gantzem hertzen und mit süsser andaht gedenket an ünsers herren to
marter, des sei enphahet ünsern herren gaistlichen inwendig reht als so si
ünsers herren licham enphahent. daz drit so an der rebun ist, daz ist daz
si fruht treit. daz tet och ünser vrowe. waz fruht brahte dü hymelschlich
küngin? daz tet si: den süssen Jhesum Christum, daz waz dü lebend fruht;
von der fruht ist ällü dü weit lebend worden. is
[33. ] Aber von ünser vrowen.
Mulier amicta sole ecetera.
Sant Johannes sprichet in Apocalj'p/t»0°/si: ‘ich sach ain vrowen, dü waz
beklaidet mit der sunnen und hatte den man nnder iren füssen und hatte uff
irem höbet ain kröne mit zwelf Sternen'. *>
Mit disen Worten ist ünser vrowe gelobt an drin dingen.
Daz erst daz si gar göttin ist worden, daz merket man an dem ersten
worte daz er spriht: ‘ich sach ain vrowen, dü waz beklaidet mit der sunnen’.
dannan von sprichet sant Bernhart: ‘vrowe, du hast wol gewehselt! du hast
die sunnen klait mit den wölken, und er hat dich klait mit der sunnen: du hast 2S
in klait mit den wölken diner mentschait, und er hat dich klait mit der sunnen
siner gothait’.
Nu sint an der sunnen vier ding, daz erst daz dü sunne gemain ist; daz
ander daz si hob ist; daz dritte daz si haiss ist; daz vierde daz si lieht ist. an
disen vier dingen glichet ünser vrowe der sunnen.
An dem [60*] ersten daz si gemain ist. dar an glichet sich ünser vrowe der
snnnen, won si ist gemain worden allen den lüten. da von spricht sant Bern-
hart: ‘Maria hat uf getan den büsem der erbärmde an allen dingen, dar umb
daz wir von ir volle gnade nement; won von ir hat enphangen der gevangen
losung, der siech gesunthait, der trurig trost, der sünder abläss aller siner sünde, ss
der reht gnade, der engel vröde’.
7. den. 8. herren fehlt. 24. dv.
16. Vgl. zu diesem Stücke die Predigt des hl. Bernhard über denselben Text: iligne, Opera
S. Bernhardt II *29 ff. 17. Apoc. 12, 1.
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78
3». Aber von ünser vrowen.
Daz ander da/ du sunne hoh ist: also ist öch ünser vi'Owe hohe, won si ist
erhöhet über alle creature. daz daz war si, daz bewArt man wol als die maister
sprechent. so die under zwain dingen bewArren went weders daz besser si, so
bewArrent sü es also und sprechent: daz best ross ist besser denne der best
5 esel, also ist och der engel dü höhst und dü edlost creature dü ie wart über
die ist ünser vrowe erhöhet, als man singet von ir: 'Gottes müter, du bist er-
höhet über die köre der engele’. [GO1] hie mit Ist es wol bewAret. sant Dyo-
nisius sprichet und seit waz der engel si. er sprichet daz der engel si ain bilde
Gottes und ein luter glanzer spiegel ane fleken und ain offenunge des tögnen
io Spiegels und liehtes. an disem selben dinge ist ünser vrowe höher denn der
engel, won si waz ain bilde Gottes e ie kain mentsche wurde, hie an ist öch
der mentscb aim engel gelich, won er ist ain bilde Gottes, daz ander ist daz der
engel ist ain luter und ain glanzer spiegel An allen fleken. dar an ist ünser
vrowe höher denn der engel, won si ist dü rainste und dü schönste creatür die
15 ünser herre ie geschüf. her an mag der mentsch dem engel niht gelich sin daz
er ane fleken mug gesin der sünden, als der engel ist. der engel ist also ge-
schaffen daz er nit sünden mag. der engel ist öch ain offnung des tögnen
liehtes, [60* ] won si offnent unsere herren togni. ünser vrowe dü öffnet unsere
herren togni nie, won si ir och me waiss. dar an mag och der mentsche dem
20 engel nit glich sin, won im ist verborgen dü togni unsere herren.
Daz dritte daz an der sunnen ist, daz ist hitze. dar an gelichet sich ünsrü
vrowe der sunnen, won si ist in dem füre der hohen drivaltkait, und ist daz für
in ir, und hat si daz für als umbvangen und beschlossen daz si niemer dar us
komen mag. hie von spricht sant Bernhart: 'mich wundert wie so ain klainnü
25 creatur geleben muge in so grossem füre’. ünser vrowe ist ain klainnü creature
wider der gothait ünsers herren und ist doch alz verre und als hoh komen in
ünsers herreu gothait. da sprichet sant Bernhart daz in wundre wie si die
[61"] grossen hitze der gothait erliden muge. Got der groz wunder hat getan
daz er ain so klain creature in sich selben so hoh gezogen hat, der git ir och
30 wol die kraft daz si die hitze siner gothait erliden mag. die hohen engel Sera-
phyn brinnent och in disem füre, aber doch brinnent si so vast nit in disem
füre als ünser vrowe, won si och dem füre nit so nahe sint. nie engel noch
mentsche bran von disem füre so vaste als ünser vrowe, won och nie creature so
hoh in daz für kam der gothait als ünser vrowe, noch niemer me kunt. daz für
35 mag üns wol enwenig an rüren, alz man liset von Ysaya. do den ünser herre
hiess bredien, do antwurt er im und sprach: 'herre, min lefzen sint unraine’.
(daz waz nit von siner rede schulde, er waz bi den lüten die unrain lefzen hat-
tent [6P] und unrainuü wort sprachent, und da von warent sin leftzen unrain
4. best; I. bost? (Panzer). 15. I. hier an? 27. da> dz. 28. dl Got groz. I. so groz?
6. ist einem Vermkel aus dem Brevier auf Mariä Himmelfahrt (15. August) entnommen: ex-
altata est saurta dei genitrix super cboros angelorum ad coelestia regna.’ 35. Isai. 6, 5.
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33. Aber von unser vrowen.
79
worden), do kam der engel zü im und brahte ain brinnenden koln und traff sin
lefzen da mit und sprach do zü im: 'nu sint gerainnet din lefzen und sint dir
alle din sünd belassen’, alz mag uns daz für wol enwenig treffen, daz wir ge-
raint werdent und lins all unser sünd belassen werdent: aber nieman umbvahet
daz für der gothait als es ünser vrowe umbvangen hat es hitt si allenthalben 5
umbvangen und umb gossen, und ist in der gothait als in ainer cluse. Lucifer
waz ain lieht träger und waz noch in daz für nit komen; war er aber noch da
ain wile in dem lieht gesin, so war er in daz für komen. do viel er, do er noch
do in dem lieht an für waz; da von ist er in dem für an lieht da von spricht
sant Bernhart: 'Lucifer, lieht träger, wärist du ain für träger gesin, so wärist io
[61‘] du nie gevallen!’ er waz in dem lieht und in der gnade, er waz aber nit
in daz für komen, daz er dar inne bes tütet wäre, also sint noch etlich lüt; die
flissent sich me daz si lühtent, denn daz si brennent, also daz si iren fliss ge-
setzet hänt uff wishait und uff kunst denn uff tugend und uff dü ding da von
ir hertz enbrunne an gütlicher minne. die sont vorhte han daz si vallint, 15
won si nit in daz für komen sint, in die minne und in die rehten tugend. aber
ünser vrowe ist alz beschlossen und alz bestätet in dem gütlichen füre daz si
niemer dar uz komen mag.
Daz vierde daz an der sunneu ist, daz ist lieht, dar an gelichet sich öch
ünser vrowe der sunnen; won daz ewig lieht ünsers herren hat si als gar durch 20
lühtet daz si üllüsament ain lieht ist worden, von disem lieht spricht sant
Dyonysius: 'daz lieht ünsers herren rainnet, entlühtet und vol bringet’, ‘es raint
üns', spri/W/chet er, ‘von aller der misshellung dis lasters’. mit zwain dingen
wirt dü sei entrainnet: so si sich füget zü unrainnen dingen, und so sich un-
rainü ding zü ir fügent. denn füget sich dü sele ze unrainnen dingen, so si bös 25
gedenke und gelüste von ir selbe nimet und da mit umb gat. so sich aber un-
rainnü ding zü der sele fügent, daz ist so der tüvel ratet bösü und üblü ding,
von disem laster rainet üns daz lieht, daz wir lidig da von werdent. aber ünser
vrowe waz vrilich lidig von aller misshellung denn ie kain mentsch wurd oder
iemer werde; won von natur ist aim ieglichen mentschen ain kraukait die in so
wiset zü den Sünden, des waz ünser vrowe gar äne; won ünser herre hat ir
natnr also gerainnet daz si nit mohte sünden, und enhatt enkain ding daz si ze
Sünden / 62 "] wisti. daz ander: daz daz lieht ünsers herren entlühtet mit der
gütlichen kunst. mit dem lieht waz ünser vrowe volklich entlühtet; won ünser
herre hat siner hohen wisshait und siner gütlichen kunst in si me gegossen denn 33
in ie kain mentsch oder engel. nu spriht sant Gregorius daz der sunnen lieht
niemer reht in dem Spiegel geschinnen mag won so er allersament gegen der
sunnen keret ist. also mag och daz lieht des ewigen sunnen niemer reht in daz
hertz geschinnen, noch mag daz hertz des lielites enphahen nit so es von Got
sich keret und zü zerganklichen dingen keret ist so es aber reht kert ist, also <o
13. /. fliss me f 14. hät 23. dis] l. des ? 27. fvget. 29. vrilicher t vgl. S. 80 Z. 4.
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80
SS. Aber von finser vrowen.
daz es sin sinne, sin girde und sinen willen gegen Got keret hat, so mag öch
der sunuen lieht dar in geschinnen und mag öch daz hertze volleklich enphaben.
und da von won unser vrowe den spiegel irs hertzen [62*] reht gegen Got kert
hatte — und ir gelnigde, ir wille und alle ir sinne warent frilicher gen Got keret
5 und gerihtet denn ie kain mentsch wurde — , da von enphieng si öch me liehtes
denn ie mentsche. ain lerer sprichet: ‘unser herr Got ist ain so getan lieht daz
nieman vinden mag won redlich und rainmi werch und lutri ir hertzen’. daz daz
hertze redlich si, dar zü hörent zwai ding, daz erst ist: du lere unsere herren
enphahen; daz ander: daz es du vollebringe mit den werehen; won es hilfet nit
io daz der mentsche die lere höret und enphahet, er volbringi si och mit den
werehen. unser herre wil sament daz ör und die hant. daz ist also: so daz ör
die lere höret, daz öch denn du hand da zü griffe und es mit den werehen vol-
bringe. hie von spriht der wissag: ‘also schier sü gehortent, do warent sü
berait zü gehoreami’. also sol och der mentsche der lere gehorsam sin die [62']
15 es gehöret von dem lerer, und ze vordrost der lere die der hailig gaist tüt; won
swaz der hailig gaist dem hertzen grünet, dez sol es willeklich gehorsam sin.
daz daz hertze rain und luter si, dar zü hörent vier ding: daz daz mentsch fri
si schulden und witze und üppiger gedönke und unsälger girde. swenn denn daz
herze redlich ist, also daz es die lere enphahet und och behaltet, und rain und
20 luter ist, und fri ist schulden und nutze und aller üppiger gedänk und unsölger
begirde, so mag er wol daz lieht vinden linsers herren. sant Paulus spricht öch
von disem lieht: ‘du sunne sol niemer erlöschen von üwrem zorn’. daz betütet
man in dri wis. dü schrift betütet es alleklich also daz der zorn in des ment-
schen herzen niemer übernahten sol, daz dü sunne under kome. in enander wis
25 betütet man es och, also verstat mans aigenlicher daz der mentsch den zorn
nie/6\S?7mer in dem herzen sol gehan, daz er ünsers herren gnade iemer geierre.
daz dritte, als sant Dyonisius sprichet, daz daz lieht ünsers herren volkomen
machet, daz der mentsch reht wirt ain spiegel der götlichen tögni. also ist öch
ünser vrowe ain speherin der götlichen tögni; won si spehet in der hailigen got-
so hait, und hat me erspehet und ervaren der götlichen tögni denn ie engel oder
mentsch. si hat reht die gothait durch lusset und durch sehen, si siht verr in
die gothait und in die götlichen tögni denn ie mentsch; der also wol gesähe daz
er von aim end der weit gesehem möhte untz an daz ander, sihet si die got-
hait luterlicher und erkennet si baz denn jener möht getün, da von won si öch
S5 dü rainsten und dü lntresten ogen hat
Daz ander wort dar an si gelopt [63 “] ist, daz ist daz si erhöhet ist über
all creatnr. daz merkt man an den Worten daz er sprach: ‘und hatte den man
under den fiissen', won ällü creatur ist nnder ir, und die engel sint ze schämelen
worden under iren füssen; won ir stül ist genomen von den engein und ist ge-
5. mc zweimal. S. ist] erst. 16. dez] dz. 21. er — der Mensch. 31. verr — = verrer.
13. Anklänge an Ps. US, 60; 17, 45. 22. Ephes. 4,26.
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33. Aber von unser vrowcn.
81
setzet zü des obrosten künges stül, der ain herre und ain Got über all creatur
gewaltig ist. da von spriht sant Augustinus: ‘Maria, dir ist gesetzt von den
engein ain künklicher stül in des ewigen künges pfallentz, und Got, der künig
ist über alle künig, der minnet dich als ain müter für alles daz der ist, und hat
dich gefüeget. zü im mit der halsung der minne; won es waz nit ain wunder 5
daz unser herre, der da richset in dem hymel, mit dir sunderlichen vröde hat
und du mit im, der von dir mentsch uff der erde geboren [63*] wart, und dem
du da so dike gütlich tüte do er klain waz’. ze glicher wis alz der man lieht
enphahet von der sunnen. also enphahent öch die engel und die hailgen von ir
vröde und lieht. io
An dem dritten wort ist si gelopt an ir sunderlichen gnade, daz merket
man an den Worten die er sprach: ‘uff ir hopt ain kröne mit zwelf Sternen’,
sant Bernhart zellet die zwelf Sternen da mit Unser vrowen krön geziert waz.
aber aht Sternen sint reht sunderlich ir aigen und sint ir sunderlich ere, da mit
si Got sunderlich geeret hat und erhöhet über all creature. 15
Der erst Sterne ist daz si hoher gebürt waz; won si wart gehailget und
gesegnot in ir müter üb. si waz och hoher gebürte von geschlähte; won ir kint
solt byschof und künig sin worden, also hoher gebürte ist mänig mentsche;
aber daz ie kain mentsch an sünde wurd geborn, als [63‘] hoher gebürt wart
nie mentsch weder Ysayas noch Jeremyas, weder hailge noch mentsche, der Got 20
ie als lieb wart als User vrowe allaine. mit disem Sternen ist Unser vrowe ge-
zieret für all mentschen.
Der ander Sterne ist daz si wart gegrützet von dem engel. der grützte si
und sprach: 'Got grütze dich, völlü gnaden, Got ist mit dir’, dirr gross wart
da vor nie gehöret, noch wirt niemer me daz iemer me kain mentsch also volle 25
gnaden werde als si waz, und daz Unser herre als volleklich mit im si als mit
ir. er hiez si vol gnaden, wou si mit im erfüllet waz von dem itllü gnade und
alles güt flüsset und der selber dü gnad ist. er sprach och daz Got mit ir
wäre; won er wonte mit ir mit siner liplichen gegen würti und mit siner güt-
lichen gnade: won ir lip wart erfüllet mit siner mentschait und ir sei mit siner 30
gothait. dirr Stern schinnet und lühtet allaine in Unser [63*] vrowen kröne
und niena anderswa.
Der dritt Sterne ist daz der haiüg gaist über si kam; won do ir der engel
kante daz si Got solt enpfahen und öch geberen, do antwurt si im und sprach:
‘wie mag daz beschehen, ich han doch willen daz ich iemer künsche welle be- 35
liben?" do antwurt ir der engel und sprach: 'der haiüg gaist sol über dich
komen und dü tugend des obrosten sol dich beschätwen’. dis getet Got an nie
kaim mentschen, noch getüt es och an niemer mentschen me.
Der vierd Stern ist daz si Got wunderlich und unsäglich enphieng. und als
si ünsern berren enphieng, also enphieng nie vrowe kain kint noch öch niemer «>
21. disen. 2“. waz fehlt. 3S. Die Wortstellung an ... me fällt auf.
35. Luc. 1, 34.
Deutsche Texte de« Mittelalters. X. 6
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82
33. Aber von Unser vrowen.
enpfahet. swer disen Sternen sehen welli, der sehe in in hymelriche in unser
vrowen kröne, da ist er und niender anderswa.
Der [64“] fünft. Stern ist daz si du erst waz du Got iren magtüm opherte. si
tet och ain wunderlich und ain vrömd ding, daz nie beschach noch niemer me
5 beschiht. unser herre hatte die e gebotteu in der alten e, aber in dem ewau-
gdio riet er den magtüm; und den baiden volget si nach und behielt daz gebot
der e und den rat des magtümeR. des mag sich enkain maget gerümen daz si
die e und den magtüm mit enander hab behalten won si allaine.
Der sehste Sterne ist daz si in gentzi waz berhaft. der Sterne wart nie
10 gesehen in hyinelrich noch uff ertrich, noch enwirt och niemer me gesehen won
in unser vrowen kröne; won es wart nie noch wirt och niemer me daz iemer
vrowe muge sin müter und magt mit enander won si allain: es ist ir aigen, wir
müssent irs lan.
Der sibend Sterne [64*] ist daz si ünsern herren trüg ane swäre. si waz
15 swär an swäre; won si trug den den hymel und erde nit mugent enthalten und
der mit siner kraft müss uf han ällü ding, daz waz wider der natur daz si
ane swäre waz do si ünsern herren trüg, won von nature ist, so ain vrowe
swanger wirt, daz si denn swäre müss sin; dar an wart ir och vrowe nie gelich
noh niemer me wirt.
20 Der ahteud Stern ist daz si an klag unser herren gebar, dar an mag sich
ir öch nieman geliehen, also ist ällü dü weit von ünser vrowen geschaiden
und si von ir, won si ist an disen dingen sunderlich geeret von Gotte, daz
niemer me noch do, noch sid, noch da vor e von Got also gross hailkait nie
mentsehen lib wart bereit.
25 Der nünd stern daz ist schäm, won do der engel zü ir kam und si grützte,
do [64'] erschrak si und swaig, und dü liebi die si zü künsehait hatte, gab ir
baltkait, daz si dem engel antwürt und sprach: ‘wie mag ich müter werden, nu
han ich doch Got minen magtüm geophert?’ do antwurt er ir mit den Worten
als ich da vor han gesprochen: ‘sanctus Spiritus etc.’, dis zimet wol allen den
80 lüten daz si schäm habent, und sunderlich an vrowen und allen gaisclilichen
luten, ain hailig sprichet: ‘daz ist reht schäm daz der mentsch vorht habe
daz er misse valle
Der zehend stern ist audihtig demütkait. ünser vrowe glichet sich zwain
Sternen: der ain ist der obrost und der ander der undrost. won do ir der engel
85 die botschaft brahte daz si müter solt sin ünsers herren und si und Got ain
kint gemaine soltent han, do hüb er si uf zü dem obrosten Sternen, do warf si
sich her ab zü dem nidrosten und sprach: ‘ich bin ain dime Gottes, nach
di/'6‘i‘,/nen worten geschehe mir’, und da von, won si ünser herre vand an der
nidrosten statt der deraüt, da von nam er si ze ainer müter und hat si öch er-
20. finsem ? 23. nu han fehlt. 3S. unser herre) vnsem.
37. Luc. 1, 38.
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33. Aber von unser vrowen. 83
höhet an der obrosten statt in hymelrich von ir demütkait. und sprichet och
sant Augustinus: 'o gewürü und sälgü demütkait, dü Got allen mentschen gebar;
du hat fürbraht den tödmigen und hat den hj’mel erfüllet, die weit gerainnet.
daz paradis uf getan und aller mentschen selan sint erlöst von der hell’.
Der ainlfte steme ist daz si hob waz an dem geloben; won si gelobte dü 5
ding dü über mentschlich künne warent, alz ir der engel saite daz Got die
mentschait von ir wolt nemen und si in solt maget wesent geberen. dis waz
harte hoch über mentschlich kirnst, dar an sont wir ir nach volgen daz wir
hohen geloben ha/6‘5aybent; won daz ist des geloben Ion und sin lob daz wir
gelöbent dü ding dü wir nit begriffen mugent mit mentsehlichen sinnen, sant io
Augustinus sprichet: 'wir sont ünsrem herren etwas vor lan, daz er mit siner
gütlicher kraft und mit siner gütlicher kunst me mug getiin und kunne denn
wir mit mentschlicAer kunst begriffen mugent’.
Der zweifle steme da mit ünser vrowen kröne geziert ist, daz ist dü
marter irs herzen, also sont och wir marter und bitterkalt han an ünserm 15
hertzen umü die sünde die wir wider Got hant getan, und ünsers herren
marter sol uns och ain marter sin und ain bitterkait an dem hertzen.
An disen vier tugenden mugent wir wol ünser vrowen nach bilden in et-
licher masse; aber daz wir si als durnühtklich gewinnent und also hoh dar an
koment als si komen ist, daz mag [65*] nit sin. wir sont aber ir nach volgen, 20
so wir best mugent iren tugenden, so mugent wir nit ierre werden, da von
spriht sant Bernhart: 'der ir nach volget, der wirt nit ierre in dem wege; der si
bittet, der bedarf zwiflen nit; der an si gedenket, der mag verierran nit; den si
hebet, der envallet nit; den si beschirmet, der darf im führten nit; den si füret,
der wird müde nit; dem si gnädig ist, der kumet zü der ewigen vrüde’. 25
Daz wir ir nu also nach volgegint mit tugenden daz wir och zü ir koment
in hymelriche, des helfe üns der vatter, der sun und der hailig gaist.
[34.1 Von Gottes lychamen und von der fruht Gottes.
Pinguescent speciosa deserti et valles habundabunt frumento etc.
‘Dü scliöni der wüsti sol wiss werden und die berg sont entlühtet werden’: so
wiss mit ünsers herren lyebamen und entlühtet mit sinen Worten.
Dü wüsti ist [65'] daz hertze, daz sol sin wüst und itel aller laster und
aller sünden. weles hertze also luter ist und wüste, daz hertze wil ünser herre
wiss machen mit sim lyehamen: won swer sich beraittet zü ünsers herren
zü kunft und in wirdeklich enphahet, der wirt wis der gaischlichen w itze ünsers 35
1. da k 1 in hvmclrich nachträglich cingetchoben. 7. maget solt wesent. 13. m8tseh\
16. vmd. 23. vrierTan. 33. luter] itel? 34. beraitjtct.
29. Ps. 64, 13.
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84
34. Von Gottes lychamen und von der fruht Gottes.
herren gnade und wirt zü legend an tagenden und an sälden und wirt stark
und gesunt, daz es wol lofen mag an dem weg ünsers herren, der da treit zü
der hymelschen Jherusalem. won der mentsch muss aintweder fürsich gan an
tugenden, oder aber hindersich an Untugenden, swel mentsch ünsern herren un-
5 wirdeklich enphahet in sin hertze, daz vol ist alasters und Untugend, daz wirt
me gekrenket denn gesterket, und ladet dester me sünd uff sich selben, unser
herre wil nit sin in aim unsubern und in aim unrainnen hertzen. er wil sin
in aim sch Annen hus, won [65*] sin herschaft gezimet wol in schöni und in
wunneklichi ze wandlenn.
l« Xu sont wir ünsern herren ain tempel und ain hus machen, da sin Wand-
lung und sin wesen inne si. dis tempel sol sin unser her«, dis tempel, unser
her«, sont wir im alles geben, won gebent wir im ain tail und dem tüvel ain
tail, daz nimt Got nit vergüt; er wirt als erzürnet daz er sinen tail lat und
schaidet von dem hertzen. swer den grossen Got also gehalten wil, der also
15 gross ist daz in hymelriche und ertrich nit bevahen mag, der bedarf wol daz er
sin hertz beraite und wit mache; won dem daz hertze klain und eng ist, der
denn dem tüvel dekain tail lät und git, so enmag ünser herre da nit beliben, er
lat es dem tüvel allessament. won also kum daz lieht und dü vinstri in ainer
kemmaten mugent sin, also mag Ach daz ewig lieht ünsers [66° ] herren und der
» tüvel sament nit in aim hertzen gesin. won ir sehent wol, so der tag nf gat,
daz denn dü vinstri under gat; und so dü vinstri kunt, daz denn daz lieht ent-
wichet: also entwichet der liehte tag, ünser herre, so er den tüvel vindet in dem
herzen; won ünser herre wil aintweder enkain tail an dem hertzen han oder
aber daz hertze gar. ünser herre gert an den mentschen nit won dez hertzen,
25 als er selb sprichet: 'kint mins, gib mir din hertze’. swer ünsrem herren daz
hertze nimet und es dem tüvel git, der robet ünsern herren, won er nimet im
sin reht aigen, won er geschiif es und ist ünser nit, als öch her David spricht:
er geschüf üns, wir geschüffent üns selber nit’.
Ünser herre wil och nit sin in aim tempel daz genaigt ist ze vallend, da
so von sprichet ain hailge: ‘daz ewig [66*] leben wil nit gän in ain tempel daz
genaiget ist ze vallenn’. daz sint dü hertzen dü da nit gerihtet sint gegen
hymelschen dingen, won daz si genaiget sint ze sünden. er wil sin in aim
tempel daz vestklich gemachet ist und uff ain güt fundmiet gesetzt ist. daz
fundmiet sol sin demütkait nu hörent zwelf ding zü rehter demütkait. der
35 hailig vatter seit von zehnen und ain ander hailig von zwain, also sint ir
zwelfü. daz erst daz der mentsch allen vülschlichen willen an im selben töte,
daz ander daz der mentsch sin hertz und sin gedänke offne sinem bihter. daz
10. vnsern. 11/12. unser herze] v'ns's Irren beidemal. 15. nit fehlt. 20. nit fehlt
21. kflt] kunt oder knmt?
25. Prot'. 23, 26. 28. P*. 99, 3. 35. Gemeint ist der hl. Benedikt im 7. Kapitel »einer
Regel (Wölfilin, Benedicti regula monachorum S. IT), wo jedoch von 12 Graden der Demut dir Rede
i»t ; r gl. auch den Traktat de» hl. Bernhard de gradibu» humilitati» (Mignt, Opera I 941).
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34. Von Gottes lychamcn und von der fruht Gottes.
86
dritte daz der mentsch sin beschaidenhait lassi und si bevelhi siner maister-
schaft. daz vierde daz der mentsche manung gern sol hören und öch der
manung gerend sin. daz fünft daz der mentsch in allen dingen sol han ge-
dultig gehorsami und stät gedultekait. daz sehste daz der mentsch nit tüge
won [66’] daz du gemain regel oder bild siner Vordren seit, daz sibend, 5
waz der mentsche enphahe gutes, daz es sich des unwert sage, daz ahtod
daz der mentsch sich mit warhait und mit Worten nidre dunki denn ieman
bi im si. daz nünde daz der mentsche sich also halte und mit also getanem
frid wandle daz nieman von im betrübet muge werden, daz zehend, werde
aber der mentsch betrübet, daz er daz also gedulteklich habe daz nieman io
enhain betrüb de noch ungebabde an im mug gesehen, daz ainlfte daz der
mentsch uit sol han brüht end stimme noch schrigend. daz zwelfte daz der
mentsch nit lihteklich lache, dis tempel sol öch vier wend han. daz sint vier
tugend. du erst: witze; dü ander: sterki; dü dritte: künschi; dü vierde: reht.
in den vier wenden wil ünser lierre gerne in der sele sin. nu stünde aim ti
wirt harte übel, so er ainen lieben gast gela/W/det in sin hus, daz er denne
uss dem hus giengi und den gast ainig in dem hus liessi: also stat der sele
übel, so si iren lieben brütgom und iren süssen gast, ünsern herren, zü ir
geladet aintweder mit sim lieh amen oder mit siner gnade, daz si denne usser
dem hertzen gat und uss der hüte irs herren. in trüwen, er blibet öch da nit, jo
er schaidet von ir; won swenn der mentsch sich selben und Got lat, so lat och
in ünser lierre. den lüten geschiht als sant Johans schribet in sim ewangelio:
‘unser herre waz in der weite und dü weit bekant sin nit, und er kam in sin
stat und sü enphiengent sin nit’. also kumet er och noch zü rnängem hertzen
mit siner gnade, und man bekennet noch enphahet sin nit. des ensol ain J5
mentsch nit tun. so es Got enphahet, so sol es och bi im in dem hus sin [67"]
und Wirtschaft mit im han und sol daz hus niemer gelan. daz wäri ain wunder-
lich ding daz ain gast in aim hus würe, und so er denne uss dem hus giengi,
daz im dü herberg und daz hus nah giengi, swa er hin giengi, und sin niemer
wolt vertan, also sol dis hus dem gast nach gan, daz ist ünserm herren, dem 3»
almähtigen Got, und im an haften, von disem anhaften schribt sant Augu-
stinus aim sim gesellen ainen brief und schraib: 'daz ist ain völlü wisshait und
ist ietz ain säliges leben: der an dem obrosten Gotte und an dem ewigen
lebenne also haftet daz er niemer mag verlom werden, und sin sterki och an
im haftet daz in nieman überwinden mag, und sin künschi an im haftet daz si 35
niemer geunsubert mag werden von enkainer irdescheu minne, und si reht also
an im haf [67 *]iet daz es undertänig ist ünsers herren rehten;’ won daz tünd
och die engel und die hailgen daz sü undertänig sint ünsers herren rehten, vrö-
went sich in sim rehten (als der wissag sprichet : * et in iusticia tua exultabunt’),
19. licliam , am Ende der Zeile.
23. Joan. 1, 10. 39. P». 144, 7.
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S4. Von Gottes lychamen und von der fniht Gottes.
und haftent an im äne mitli. und swel mentsch an unsrem herren alsus haftet,
daz ist ietz ain brüder und ain fnint der hymelschen burger und bat sins
bertzen bus gemachet und gemainsamet mit dem hymelschen huse, da von won
es sich ietz in disem irdeschen leben glichet hat dem bimelschen lebenn. swenn
5 aber denn der mentsch sin hertz lat und mit weltlichen dingen umb gat, so
masget es den hymel und bütet sinen mägen und sinen fründen, den hailgen,
uner und laster und ze aller vordrost ünserm herren und unser vrowen. da
von sol sich der mentsche fliesen zuht und erberi daz er sinen brüdern und
sinen fründen laster und unere üt [67'] bieti.
io Ünser herre wil öch sin in aim tempel und in aim gotzhus daz gezieret und
gewihet sige. wi sont wir nu dis gotzhus zieren und hailig machen? sant
Peter zieret und machet hailig disen tempel da mit daz er schreib sinen
jungem ad Phylippenses und sprach: ‘ir sont nit gedenken won das war si und
daz raineklich si und hailig si und daz minneklich si und ordenlick si und daz
is ewig si und daz gütes Kunden si und daz lob der zuht si’. swenne du sei ir
tempel alsus zieret, so wil ünser herre gerne dar inne wonen mit der sele.
von dirre gezierde sprichet dü sele in canticis: 'uuderlege mich mit blümen und
umbsteke mich mit malagranatin güten, guten srnak’. hie bi sint bezaichent die
tugend. bi der blümen lindi ist bezaichent daz der mentsch lindü und fridsamü
20 wort gegen allen lüten han sol. bi der schöui ist bezaichent daz der mentsch
schöner und zühtiger gebärde sin sol und lob der zuht [67*] behalten sol.
bi dem güten gesmake ist bezaichent guter lümde, der von des mentschen
tilgenden körnen sol. sant Bernhart zieret öch dis tempel mit giiten gedänken.
er zieret es öch mit ünsers herren marter und sprach: 'ir sont gedenken
25 an die kröne dü ünsrem herren in sin hopt gedruket wart’, da von stat an
der minne büch: ‘gant uss, ir tohtren von Syon, und nement war des küniges
Salomones, und nement war der kröne da mit in sin nulter gekrönet hat!' (daz
waz dü jüdeschait, von der er geboren wart), wir sont och sehen und gedenken
daz er selb sin crütz trüg, und daz man in dar an hieng alz er ain diep wäre,
so und daz sü im under sin antlüt spüwent; und do er tod waz, daz er durch sin
hertze gestochen wart, und wie er üns erlöset hat von der vangnust des tüfels.
er ist der edel signunfter, won [68*] er hat gezemet und zerstöret des tüvels
gewalt an dem crütze. da von spricht ain hailge daz ünser herre si ain
orthaber des lebens und der vröden. daz oget er üns wol an dem crütze,
S5 won er erwarb üns daz ewig leben und die ewigen vröde und mähte üns
lebend und gesunt von allem siechtagen, der helfant hat ain nature daz er
lat uss der nasun ainen gesmak, der machet dü höbet gesunt; und als man
in bittet daz er den srnak lasse, so tüt er es. bi disem helfant ist bezaichent
12. Pot'] I. Pauluü. 18. malagrauatin blfiten güten smnkea? die] /. dri (Rorthe).
35. erw/warb.
IS. Phil. 4, 8. 17. Cant. 2, 5. 26. Cant. 3, 11.
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34. Von Gottes lycharaen und von der fruht Gottes.
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der edel helfaut, unser herre. der Hess ainen als güten smak von im an
dem crütze daz er von uns vertraib allen siehtagen und gesunt sint wor-
den. und swer den edlen gesmak siner marter noch enphahet und siner
tugend, der muss gesunt werden an der sele. da mit so machet der menteche
sinen tempel hailig; und aber sunderlich die gedanke von [68*] ünsers herren 5
marter die wihent daz tempel, also daz der tüvel niemer dar in körnen mag.
Und dar nach sont wir linsern herren suchen, won sant Paulus, so der
geleret dis tempel hailig machen und zieren, so spriht er denn erst hindnen
nach: ‘und denn sont ir suchen ünsern herren und sont sin baiten in dem
fride und in der senfti, der wil wil er zü üch komen und Wirtschaft mit üch 10
han.’ wie sont wir nu ünsern herren han und süchen? da von sprichet ain
hailge: ‘süchent ir, so süchent, und sid ir süchent, so süchent.’ wa sont wir
nu ünsern herren süchen? in trüwen, in dem hertzen, da vindent wir in.
etlich lüt süchent in unreht, si süchent in usserhalb ire hertzen, und da ist
er nit, und da von vindent si sin och nit. wir sont nit tün als der rappe 15
den Noe sante uss der arche. der sass affen ain äss and äss daz und kam
nit wider, do sant er do ain tuben us, do si do niena vant so vil [68']
daz si ir füsse gesetzen möhte, do flog si wider in die arche. bi dem rappen
ist bezaichent daz weltlich hertze: so daz usgeflüget in die weit mit sinen
gedenken, so sitzet es uff daz bös äss, der weit unrainkait und bosshait, und 20
haltet sin gedänke und sin girde dar üf und kunt nit wider in des herzen
hus. aber bi der tuben ist gelichet daz rainne hertze: so daz joch sin ge-
dänke uss der hüte fliegen lat, so fliegent si doch schiere wider in; won so
es in der weite kain stäte vröde noh rüwe vindet, daz es gerüwen muge,
so flüget es wider zehant in sich selben und in sin inren sinne, und da vindet 25
es fride und in dem frid ünsern herren. aber die lüte die ünsern herren
went süchen in der mengi und ander dem volke, die vindent in niemer; won
als schier ain klaines vögellin, ain schnelles, entwüschet, also entwüschet öch
unser herre nnder vil mengi üppiger gedenke, ünser [68*] herre tüt als
ain zunschlüphel. den kan nieman wol gevahen, und flüget den lüten doch so
näh: also ist öch ünser herre dem herzen vil nahe, und mag in doch der
mentsche niemer gevahen in den üppigen gedenken, her Jacob der patriarche
der was in der statt Mesopotamia und lie lant, wib und kint. und do er
sich also enzoh der haimüt, do kam der engel in der aini nahe zü im. also
wil och ünser herre funden werden in der aini des hertzen. so in denn der ss
mentsche ergrifet, so sol er tün als her Jacob tet der enwolte den engel
nit von im lan e im ain segen wart, und rang also sere mit im daz er
hinkent wart: also sont wir ünsern herren niemer von üns verlan e üns der
I. in. 5, gedänke fehlt. von] U an? 10. wil fehlt. 28. entwichet. SS. der
waz in fehlt. 34. aini vfi in d ' statt nahe.
9. Anklänge an Phil. 3, 20; 4, 9; Tit. 2, 13? Uif. Gen. 8, 6 ff. 33. Gen. 31, 18; 32, 22 ff.
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34. Von Gottes Ivchamen und von der fruht Gottes.
segen werde siner gnade, so wir ünsern herreu gesüchent, so kumet er, als
da stat geschoben daz wir den herscher süchint und daz der engel zu us
kumet. unser herre enwil aber f69‘] nit allaine die hüte an dem engel lan.
er wil selb unser hüter sin. unser herre wil aber sin ain rehter herscher.
5 won er herschat und richset in hymelrich und in ertriche und ist ain herr«*
über all herren. sant Paulus sprichet daz der ain rehter herre si der allen
frechen gewalt zemet und vertribet, und der alle wunne besessen hat,
und des gewalt niemer zergat. daz ist ünserm herren allaine, won er
hat all die schöni hymelrichs und ertrichs besessen; sinen gewalt mag 6ch
io nieman genaigen, won aller gewalt müss sich linder sinen gewalt naigen.
und sin gewalt wirt niemer genaiget. dirr herscher kunt mit in in ir
laut und in sin statt also tunt die herscher dirr weit nit: so die koment
in ir lant und in ir stette, so sorgent die lüte zü ir zükunft; won si ver-
tribent arm lüte und phendent die lüte: aim schlahent sü den [69b] füss ab,
15 den andren vahent si. des entüt ünser herre nit. er kunt nit also daz es uns
verlieri und daz wir sin gevangen sigint: er kumt also daz er üns wil ziehen
in sin vAtterliches haimüt zü den ewigen sAlden. dis ist ain wirdeklichü zuht
daz daz ewig leben den tod nah im zühet, und der ewig richtüm die armüt
und den bresten, und dü gesunthait den siehtagen und die krankhait, und
20 dü stAte vröde die trurkait, und dü ewig ruwe die arbait. dis Ziehens wAnne
ich wol daz och dü sele gere, da si da sprichet in canticis: ‘herre. züch
mich nach dir!’ er kunt och nit also daz es üns niderre und druke: er
kunt also daz er üns wil krönnen. wa mitte? entrüwen, mit siner erbArmde.
er kunt üns gnü wol mit siner erbArmde; won es ist ünser enkaines es habe
25 in etwenn verlorn mit sinen bösen werchen, so enphahet er üns wider mit
siner güti; und noch denn möh/65‘/tent wir niemer verdienen daz hymelriche
mit ünsren werchen, won daz er üns krönet mit siner erbArmde und git uns
den sygnuft siner marter. er kunt och den kindlin mit siner erbArmde die
von dirr weit varent so si den töf enphahent: die entatent im mit Worten,
90 mit werchen noch mit gedAnkeu nie dienst, und git inen doch daz hymelrich.
er kunt och nit daz er robe die lüte und si ze arbait bringe: er kunt also
daz er üns wil rieh machen und erfüllen mit allen tugenden und mit allem
güte, als der wissag sprichet, mit aller süsskait und mit aller überflüssekait
gütlicher gnaden.
35 Nu müsse er, lieber herre, schiere alsuss zu üns körnen und bi üns
wonen. amen.
2. Mal. 3, 1? 6. Anklänge an CoL 2, 9. 15. Rom. 13. 21. Cant. 1, 3.
33. Ps. 103, 28.
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35. Von Gottes fridc.
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135. ] Von Gottes fride.
Der wissag sprichet alsuss: ’hüt ist der frid her nider komen, und daz
honig daz in dem hymel gesanient wart, daz ist geflossen durch alle [69*]
die weit.’ der wissag spricht: ‘vellet der mentsclie der da reht ist, es en-
wirret im niht, won ünsers herren hant ist under sim hopte und hilfet im 5
uf.’ der wissag spriht aber: ’swer sin ogen behüt und alle sin sinne, daz si
nit sehent noch würkent daz Got hasset, der sol offenlich sehend werdent
den gütlichen spiegel.’ David sprichet: 'unser herre ist bi mir, da von vröwe
ich mich, daz hail ist beschehen von den sündem und hatt mit im nit ze
tünde. o herre, gib mir wider min vröde, und den fürstlichen gaist dines io
hailes den gib mir. o Got, min hertze ist dir berait; swenne du kumest, so
bin ich berait dich ze enphaben, und ich singe dir ain gütlichen sang, nement
war und versüchent wie gar süss unser herre ist. die brosmen güter gedänke
machent die grossen süsskait. din trost den [70"] du hast geben mim hertzen,
der vrüwet min sele. o herre, du hast din antlütz von mir bekeret, da von 15
bin ich betrübet, unser herre ist min helfer, wen fürlit ich denne? o herre
min sele ist dürre und verdorret, o herre, du bist min sterki und min vesti;
wen vorhti ich denn, sol er min helfer sin? swenn mich denn kain ar.
bait an gat, so wil ich fliehen in min vesti, daz ist min Got, der wil mir
helfen in allen minen nüten.’ Abacuc sprichet: ‘ich wil stan uff miner hüt 20
und wil loffen uff min vesti und wil mich umb sehen wer die sigint die
mich versüchent in minen tagen.' Jhesus sprichet durch des wissagen
munt: "owe all mentschait, sich waz ich erlitten han durch dich, und merk
1. Überschrift fehlt GZ. 2. Der wissage spriebit alsu» von vnsira herren gehörte: höto G.
3. gesainent wart] zesamme wart getragen G. 4. mentscho . . . ist] rehte mansche G.
6. aber fehlt G. »wer — 6 Spiegel] "alle die ir o’gcn bchötent. vndc alle ir sinne daz sö niiit
sehint noh werkint dö ding du got hazze. die sun offcnlichin »eh in den werdln gotlichin spiegel.
Iheremyas. Ir vranzm Atichait bet sö uirzwerzit. daz sö zwerzir sint denne daz kol. daz daz för
virbrennit hat G. S. sprichet fehlt G. 9. vor daz] Longe fa. G. beschehen] geschai-
den G. 10. vor o] Redde mihi G. 11. vor o] I’aratum cor G. berait. min hercc iat
abir beraitet swenne G. 12. gotlichcn G. vor nement] Guetatc G. 13. versüchent]
emekint G. 15. vor o] Avertisti faciem G. 17. herre got G. 18. sol . . . sin] so er min helfer
wil sin G. 19. arbait han od’ an gat A. 20. vor Abacuc] Numquid in fluminibus Va-
fina ivafena Z.) wil got ic mir znmen. er enhat inhaiue irbermide öbir sin volch. Turbatus
»um. Ich waz betröbit vnde retdo niht Numquid syon. Syon ist ain mensehe, vnde ain mensche
vngeborn. vnd der mensche ist d' lio'hste. vnd der mensche gesell üf syon. Sinö (miniv richtig Z.\
sail sint gevallin in daz rehte erbe, vnd min erbe ist gar lötir G.
1. Mit Sr. 35 beginnt der Text der Predigten in G u. Z, welche hier im wesentlichen Überei n-
stimmen, so da/l im Apparat nur die Lesearten von G wiedergegeben sind. — Dem Charakter nach
ist dieses Stück eine Zusammenstellung verschiedener Schrift- und Väterstellen, die teils wörtlich,
teils nur dem Sinne nach aus dem Gedächtnis niedergeschrieben wurden. Die Verifizierung ist darum
mit Schwierigkeiten verbunden. 1. Isai. 66,12; 48, IS? 5 . Ps.3,G; 138,5? 6. Ps. 118, 37t
9. Ps. 118, 155. 10. Ps. 50, 14. 11. Ps. 107, 2; 58, 8. 13. Ps. 33, 9. 15. Ps. 29, 8.
16, Ps. 117, 6. Ps. 142, 6. 17. Ps. 26, 1; 27, 7. 20. Hab. 2, 1.
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90
85. Von Gottes fride.
es reht; ob dich dunke daz ich dich gnu tnre gekoffet habe und mich sure
[70"] sigist an komen, so dien mir.’ David sprichet: ‘ich hab all min sinne
gesetzet in daz hymelrich.’ 'wie kumet daz das golt sin schöni hat verlorn?’
Jhesus sprichet durch des wissagen munt: 'unser herre wil daz ürlüg sparen
5 untz an daz ende des ertriches.’ David sprichet: ‘o herre, ich löf in dem
wege diner gebotte, so du enbreunest min hertze.’ unser herre der spricht:
‘hie sol min ruwe und min erb sin, und dis hab ich mir er weit ze ainer
ruwe und zü aim rehten erbe.' Moyses sprichet: 'o herre, beschirmet mich
din erbarmed nit, so mftsti ich iemer buwen daz abgründe der helle. Ysayas
io sprichet: 'herre, unser opher ist nit gantz, won du vellest nit unser vigint’
‘stand uf Jherusalem, din lieht daz kumet; und du günlichi ünsers lierren ist
komen über dich.’ David sprichet: 'herre, haftet min sele an dir, so
umbvahet mich din zeswe.’ Ysayas sprichet: 'nement fruht [70' J ab dem
aller höhstem bome der ie wart, und werdent gespiset.’ David sprichet: ‘Got
15 hat uns beschaffen, und wir hant uns selber nit geschaffen.’ ‘o herre, alle
min tage und alle min zit, Allü minü jar wil ich dir wider geben mit bitter-
kait.’ ‘ieglicher naht wil ich wüschen min bette mit minen trAhennen.’ ‘o herre.
entlühte mit diner gnade die vinstri dü in minem hertzen ist,’ ‘werbent man-
lich, so werdent ir gesterket und setzent all üwer zuversiht an Got, daz ir
20 rnugent gesigen.’ Jhesus spricht: 'ich bin dar umb komen das ich ain für uff
daz ertrich sende.’ Job sprichet: ‘o lieber herre min, waz han ich getan, daz
sag mir, daz du din antlüt von mir hast gekeret?’ ‘ich hab mir daz erwelt
zü aim tröste daz ich versmahet werde.’ ‘si müssent arnen alles daz si ie
getatent, und rnugent doch niemer zergan.’ ‘mine leftzen sont niemer geredeu
25 die valschhait und unwarhait, die lugine sont von mir schaiden.’ ‘wil (70‘j
ich min arbait geliehen diner arbait, so mag min arbait tusent nit geliehen
1 f. ob — mir] vmi dunk üch . daz ich iv gnfi ture habe geko’fet . vnd daz ir mich sur «int
anekomin so dienrnt mir O. 2. sinne] trehinne G. 3. vor wie] Quomodo obscuratum G.
4. des am Rande nachgetragen A. des — munt] den w. G. 5. vor David] Jhesus spthit
zedemc rtiwigen . wir sun disime entliben . er wil o'ch entliben G (er — entliben fehlt Z).
6. der fehlt G. 7. vor hie] Hec requies mea G. 8. sprichet) din volc hat gesfindet 6.
beschirmet] cnschimdc G. 10. da envellist du niht vnsir viende G. 11. cor stand] Isay sp'-
Surge illuminare G. 11 f. ist komen übir] kumit uffen G 14. cor Got) ipse fecit nos et
non ipsi nos G. 15. vor o] recogitnbo tibi G. 16. und fehlt G. zit vH ellti G.
17. David sp1. legelichir ß. minen] nüwen ß. herre sp\ Moyses ß. 18. cor werbent
Illumina viriliter agite ß. 19 f. ir in mugint gesegin. Isay. Wir varen mit vro'de unde werde«
mit vridc gefiret zehimilriche. da von vro'wint sich die berge, vn die blihilo vn lobint got dar
umbo ß. 20 f. in daz ertrichi gebe ß. 25. dfi lögi sol von mir geschaiden sin ß. 26. mag —
91,1 aine] mach tdsint arbait niht gelichin diner grozin angist ß.
1. 1. Cor. 7, 23; I. Petr. 1, 18? 3. Thrcn. 4, 1. 5. Ps. 118, 32. 7. Ps. 131, 14 ?
11. /«». 60,1. 12. Pa. 62,9. 14 . Pa. 99, 3. 15. Isni. 3H, 15. 17. Pa. 6, 7. 17 f. ft
12, 4; 17, 29. 18 f. Ps. 30, 25: Deut. 31, 6. 20. Luc. 12, 49. 22 f. Ps. 83, U. 24 f. M
27, 4.
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35. Von Gottes fride.
91
diner arbait aiiie.' ‘ich waiss wol daz min erlöser lebet und daz am jüngsten
tag ich sol erstan von dem ertrich, und mit minen liplichen ogen sol ich
denne sehen minen behalter.' ‘owe heiTe, ich fürhte allü minü werk, won ich
trau wol daz du mir nit entlibest ob ich Sünden.’ ‘o lieber herre, alle die
wile daz min sele in mim lib ist, so wil ich mich niemer von dir geschaiden.’ 5
‘verfluchet si der tag daz ich geboren wart, herre, daz ist min besster trost
daz du mir nit entlibest.’ sant Johannes sprächet: ‘tiwrü weich volgent üch
nach.’ ’ünser herre wil aim ieglichen mentschen Ionen nach sinen wercken1.
Job sprichet: 'sälig ist der mentsche dem Got arbait git und kestegung.’ sant
Paulus sprichet: ‘o herre, löse mich von dirr weit und von der ungewisshait io
da ich inne [?1°] bin.’ sant Peter sprichet: 'Gottes wille ist daz ir über
windint alle die üch hinder redent.’ sant Bernhart sprichet: ‘gilt ist arbait
des libeR, besser andaht des hertzen, aller best ist Hiss der tugend.’ sant
Laurencius sprichet: ‘herre, ich han dir braht ain opber des lobes.’ sant Bern-
hart spricht: 'sid daz üns Got hat verlan sinen gesmak in daz ertrich, swer 15
dem nit nach volget, der ist aintweder tot oder vol.’ ‘waz tüst du, krümbü
sei, in aim ufrehten libeV Got hat den mentschen ufreht geschaffen dar
umb daz er ze allen ziten gedenke daz er zü dem hymelriche geschaffen ist’
Anshelmus sprichet: ‘daz hymelrich ist gesetzet uff guldin quaderstaine und
ist gezieret mit golde und mit edlen gimmen, und mag nieman mit klainen 20
noch mit grossen Sünden dar körnen; da enmag nieman sin mit dekainer
missewende.’ Augustinus sprichet: 'o her/7i*/re, wir werdent dich alle sehent
ze hymelriche in diner schonhait, und aber ain ieglich mentsche so vil luter-
licher so vil es üch rainklicher gelebt hat.’ Bernhart sprichet: ‘es ist ain
ding das vol ist senftekait und süsskait, daz man den sehen sol der den 25
mentschen geschaffen hat; und der da waz vatter und herre, der ist worden
kneht und geselle.’ ‘es ist billich daz wir ünsern herren minnegint, swenne
wir so gedenkent wie er üns geminnet hat.’ Oryenes der sprichet: ‘sehent
1. an A. 1 f. und — erstan’ vnd an dem iungistlichin tage wil irstan G. 4. waiz fehlt A.
sündeul gesündeti G 5. in mim) vfi min G. ich mich fehlt A. 6. daz] do G.
vor herrel ich izze min vlaiseh mit minen zen G. besser .4, beste G. 7. in volgent ist das 1
später eingeschoben A. 9. sälig) heilig G, seilig Z. 10. gewisshait A. lj. sant] Jhesus sp1.
leh bin dar umbc komm daz ich mines vatir willen vollcbringe G. 12 f. sant — tugend fehlt G.
13. sant fehlt G. 14. ich bringe dir G. 15. vor sid) min (din richtig Z\ gaist also süze
duz ich niht mach widirstan dem bitterin tode. Bemhardus sp1. Gottes segin ist übir dez rehtin
nienschin herein, vfl himilriche sol er enphan zaime erbe G. daz vor üns fehlt G. 16. deme
»mache G. ror waz] Sanctus Bemhart sp1. G. ermü v!) krumbü G. 17. libe) menschin G.
18. zü dem] ze G. 19. ist abir lüter vfl ist gesetzit G. 21. vfl enmach da nieman G.
22. Sanctus A. G. 23. schonhait) maginchraft G. 24. Och] hie G. so Bp'. sanctus Bern-
hart G. 25. den sol sehin mensehin der G. 27. ror es] Er spichit o’ch G. ünsem
herren] in G. 28. so fehlt G. hat vfl wen er geminnet hat. vfl wie vil er geminnet hat. So
1. Job 19, 25. 6. Job 3, 3. 7. dpoc. 14, 13; 2, 23. 8. I.Seg. 26, 23 t 6. Job
5. 1 7. 10. Bon I. 7, 24. 11. 7. Petr. 2, 15
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Sä. Von Gotte» fride.
des guten Gottes güti! er wil uns nit füren in ain hus daz wir selb buwent
und gartner sigint und buman: er wil Uns die hymelschen phallentz ber&iten,
swenne wir koment, daz wir si berait vindent.’ sant Peter sprichet: 'ir sont
stau in der rehtvertkait und sont stau vesteklich als die zesameu begurtet
5 sint. swer üt reden wil, der sol reden die warhait, als den mentscheu wol
gezimet daz Gottes [71‘] zaichen freit.’ Salomon sprichet: ‘mentsch, gedenk an
dinen schepher in diner jugend!’
[36.] Von der sterkl in Gottes dienst.
[Confortamini in Domino et in potentia virtutis eins]
io Sant Paulus sprichet: 'ir sont stark sin in Gottes dienst’.
An disen Worten manet uns sant Paulus vier dinge, daz erst ist daz
wir striten sont; daz ander daz wir Uns ze stritten waffennen sont; daz dritte
daz wir vigint hant; daz vierde war umb wir striten sont.
Daz erste ist daz wir striten sont. da von spricht her Job: 'des raentschen
15 leben ist nit won ainer strit und ain bekorung’. über das wort sprichet saut
Bernhart: 'sprichest du, güter Job, daz des mentschen leben si uüt won ainer
strit und bekorung, so sprich ich: ‘‘swer denne an strit und ane bekorung
ist, der lebet och nit.’” sid denne unser leben nit anders ist won ain strit.
als sant Paulus uns manet, so sont wir vaste striten und sont vestklich stan.
20 daz wir nit siglos werdent. sant Paulus sprichet: 'so der mentsch [71*] sprichet
daz er sicher si, so vallet er aller schierost in den kumber da er kum von
kunt’. Salomon sprichet: ‘mentsch, so du dich in gaischlich leben gezühest,
so stand in der rehtvertkait und in der vorhte Gottes, und hüte daz du iht
• vallest in die bekorung.’ über daz wort sprichet sant Johannes: 'mentsche.
sp1 sanctus Paulus, wir wizzon wol daz wir aine wonunge vindcn. die enhains menschin hant
gemachen mach, gottes sun der hat vns »i berait. da uon so varon wir vro’liche von diseme
eilende, sit wir doch hinnan müzen vam. were ez abir also daz wir ane schidunge soltin vara
so were du vro’de ganz. So sp1 Oriones G.
1. wir] wil A. 1 f. buwent — wil] büwen müzen. er wil selbe büwen vts der gartinu-re
sin. vn der buman. vtl wil G. S. so sp’ sanctus Petrus G. 5. vor swer] Er sp1. o’ch G.
S. Überschrift fehlt GZ -IV Arundel, De pugna in bcllo spirituali am Rand. W. 9 f. Con-
fortamini in dOo et in po[(en(iuj. Disü wort sp1 sanctus Paulus ( darauf er sprichet Z). Ir snnt
Stare sin in gottes tugcnt. ln (an Z) disen Worten manot er uns vier dinge G t Z W und die
übrigen HssX Der lat. Text fehlt A. 14. her fehlt G. lä. ainer strit] ain stritten G,
ebenso 17. 18. 17. ain bechorunge G. 18. anders fehlt G. 19. stan] striten G. 2o. also
sp1. s. Paulus G. so bis 22 kunt folgt nach 93, 2 (schierost). Darauf (93, 2): vil da non sun
wir allizan vaste stan. vH vlizich sin daz wir sichirlicbo striten G. 23. hüte dich G.
3. I. Petr. 1, 13; 5, 8; II. Petr. 3, 14. 5. I. Petr. 4, 11. 8. Rccl. 12, 1. 8. Die Predigt
ist enthalten in G Bl.2‘; Z Bl. 2e; Arundel Bl. 79‘ (t 'gl. Priebsch II S.43 Nr. 64) und II Nr. 46
Mit diesem Stück beginnt die Reihe der Predigten IF und X. — Gedruckt nach X i» den .421-
deutschen Blättern II S. 174- 178. 9. Ephes. 6. 10. 14. Job 7, 1. 20. I. Cor. 10, 12 I
22. Rccli. 2,1. 24. Johannes Clirysostomus ?
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86. Von der sterki in Gottes dienst. 93
hüte din flisseklich, won zu der zit so du wärmest daz du aller sichrest
ganzest, so vallest du aller schierost'.
Daz ander des uns sant Paulus manet, daz ist daz wir uns wafennen
süllent. unser herre leret uns wol wie wir uns wafenen süllent. man liset von
imme daz in der tüvel bekorte; waz tet er aber da wider? entrüwen, er 5
waffent sich mit der wishait und über want in. also haisset öch üns der
edel sant Paulus daz wir üns wäffen mit der wisshait, so werdent wir nit
siglos. also sprich et unser herre: 'mentsche, ich han dir so getan wafen geben
daz du niemer siglos wirst’, her David sprichet: 'mentsche, trnfene dich
mit der [72°] vohrte Gottes, won dü vorhte ist erber und sicher und behept io
dich daz du nit vellest in die bekorung; daz sag ich dir sicherlich daz dich
Gottes vohrte behütet vor den Sünden’, nu sprichet her Job: ’dü vohrte ist
dem Intern gold gelich, daz da gerainet ist in der esse.' er glichet die vorhte
dem golde von Arabia, daz ist edelre dann dekain golt; es ist luter und
blaich, dem ist dü vorhte glich, nu spricht aber her David: ‘entschlaffent ir 15
entzwüschent zwain gelüken, so sont ir haben tubenvedren übersilbert, und
uff dem ruggen sont ir sin übergoldet mit luterm golde’. nn merkent ir daz
er sprichet: ‘entschlaffent ir entzwüschent zwain gelüken.’ daz ist der weite
vrüde und ere und güt, daz ist daz aine; daz ander ist hymelschü vröde.
und dirr gelüke hant wir enweders, won swer der weite gelüke versmahet 20
und zii gaisch/?P*/lichem lebenn kunt, der schiäffet zwüschent zwain gelüken,
der weite und des hymelriches, won er hat noch enweders. nu sprichet der
wissag daz wir sont han tuben vedren über silbert. bi der tuben vedren
sint bezaichent tugende; won mit tagenden müss der mentsche ze hymel
fliegen, nu sprichet er: ‘sü sont sin über silbert.’ bi dem silber ist bezaich- 25
hent dü künschkait, und mit der so sont wir all ünser tugent über silbern,
nu sprichet er aber fürbas : * wir sont och sin über giildet uff dem ruggen
mit luterm golde.’ da bi ist bezaichent daz wir ällü tinsrü werch und all
ünser arbait über gülden sont mit der edlen minne, dü ällü ünsrü werch über
3. (ins zestrite G. 4. unser — süllent fehlt A. 5. aber fehlt G. 6. fleh fehlt G.
7. mit denic geweffine der G. 8. haeliger (seiliger Z) mansche G. so getan] solich G.
9. wirst, wilt du dich wislicho vH beschaidlnliche halten, so sp'chet der wisaage Dauid G.
wafene] vfenc A. 10. si behebit G. 12. her fehlt G. 13. glichet die vorhte] er eugelichit
□iht die vorhte allaine deine (alleme Z) golde. er sprichit si sie gelich G. 14. es A , vD ist G.
de ist edilre denne dehein golt vfi ist bleich Z 15. dem golde G. aber — ir] der
wisaage. Ob ir enslafent G. 17. ir vor daz fehlt G. 18. ob ir entslafent (entsiafen sint Z) G.
nach gelüken] dü zwai gelüche 6. entzwschent .4. ebenso 21. 19. daz aine — ist] der
weite gelüche. Daz andir gelüche daz ist G. 20. und fehlt G. 21 f. zwain — hymelriches] der
weite gelüche. vn deme himilschen gelüche G. 23. bi G, sit A. 26. so] rehtun küschic-
hait G. übersilbern, sprichit der wissage G. 27. aber fehlt G. 29. sont fehlt G.
der edlen] dem edilin golde daz ist dü edile G.
5. Matt. 4, lff. 8. Ps. 17, 40; Eph. 6, 11 ff. ? 9. Ps. 18, 10; 24, 14. 11. Job 28, IS ff.
14. Ps 67, 14.
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36. Von der sterki ln Gottes dienst.
güldet vor Gotte, dis gold ist geliche dem golde von Arabia, daz da luter
und schön ist und blaich. nu sprichet der wissag und hat daz gesprochen
daz wir uns waffennen sont gegen dem strite mit der vohrt Gottes [72‘], die
her Job da glichet dem gold von Arabia. nu spricht der edel Paulus daz
5 wir vast standent in der rehtvertekait und mit der vohrt Gottes tins waffen,
daz wir nit vellig werdent in dem strite. nu spricht ain wiser man: ‘so der
ritter in den strit vert, über ladet er sich mit ungeringen waffenn, er vrirt
siglos’. man liset von dem künig her David: do er solte striten mit Golyas
dem risen, do hiess im der künig Saul sin gewäffen an legen; und do er
10 daz an geleite, do moht er nit striten, won es waz im ungering und ze
swöre. ze glicher wis geschiht dem mentschen der sich über ladet mit un-
beschaidner arbait in aim jare oder in zwain, daz er dar nach nit me maz.
was tet aber her David? entrüwen, er zoch sich ns und nam sin scblingnn
und fünf stain, daz ist dü behügde der fünf wunden ünsers herren, da mit
18 überwindet der mentsche alle sin vigint. [7211] also sprichet sant Bernhart:
‘so der getrüw ritter siht sins herren wunden blüten, so wirt er so gehertz
daz er siner wunden gar vergisset’. ‘ze glicher wis', sprichet er, ‘so geschiht
och den mentschen der ünsers herren wunden an siht, der wirt so stark in
der bekorung daz in nieman überwinden mag.
20 Daz dritte daz üns sant Paulus seit, daz ist teer ünser vigint sint. drier
hant vigint habent wir. der ain vigint ist der tüvel; der ander dü weit:
der dritte ünser flaisch. man liset von her David daz er drier hant vigint
hatte: die ainen warent die haiden: mit denen strait er ze aller zit und ent-
lie si niemer gerüwen naht noch tag; der ander waz der künig Saul: den
25 floh er ze allen ziten; der dritte waz sin selbes sun Absolon: mit dem strait
2. nach blaich] Daz t richtig was Z) ist abir bi der blaichi dez goldes bczaichinot. daz ist der
minne übirvart vnde swa du minne ist da zaiget si sich mit ainem blaichin antlüte vn daz
zaiget die girde der minne. dfi indeme herein ist daz ist der minne übirvart. Also sp'oh ; Job.
Sin (richtig min) eclc hat irwelt daz sö rehte erhängen si. enschw'sehen dion dingen dii obe mir
sint Also gelichit den tüten die dü minne blaich hat gemachit die sint mit deme gaiste erbangen
enzw'Bchen dien obiren dingen, dü in himilriche sint vfi den vndim dü uffen ertriche sint. wat
ir gaist. ist da obinan, vfl in uz in o’cli vndirwilent hie nidinan sin. wan wir mizen ünsim pe-
sellin den lip thron von deme ertriche. vfi abir den gaist sun wir füron von der himiiwto
sAzichait G (Z TT/ 3 f. die selbun vorhte gclichct herre iob .... Arabia. als o'cli gesait ist G-
4 f. s. Paulus. Mensche stant vaste . . . G. bf. üns] vfl A , solt du dich G. 6. daz du
niht uellich werdest G. 7. der wirt G. 8. her fehlt G. er] der G. 10. won] vfl G.
12. daz sü . . . mugen G. 13. her] der künich G. 11. behügde] gebugidc G. wandet
rosebrannen G. 16. gehertzt] starch G. 17. gar] sreri G, schiere Z. so] also G.
18. och fehlt G. den] dem G. 20. der edile sanctus G. seit] leret G. ist wer G, wir 4.
21. dü weit] daz vlaisch G. 22. ünser flaisch] dü weit G, vnsir lip Z. her] deme
künige G. 23. die ainen] Aine waren phylistcr . daz G. ze aller] ellü G. 24. tag
noh naht G.
8. I. Reg. 17, 38 f.
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36. Von der sterki in Gottes dienst.
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er etswenn und underwilent entlaib er im. bi dem künig her David [ 73“ J ist
bezaickent ain ieglich mentsch und bi den drin vigenden unser vigint nu
sont wir lernen striten mit unsren vigenden als her David, bi den haiden
sint bezaichent die tüvel: mit den sont wir alles an striten naht und tag.
also sprichet ain hailig man: 'wir sont naht und tag beraitet sin ze strite, 5
won so wirs aller minst trüwent, so kunt der vigent und wundet uns die
sele’. der ander vigint waz der künig Saul: bi dem ist bezaichent du un-
getrüw weit, die sont wir allüsament fliehen und sont ir niemer genahen. der
dritte vigint waz sin sun Absolon: bi dem ist bezaichent unser lip, mit dem
sont wir etswenn striten und underwilen entliben. in trüwen, du solt vil io
besehaidenlichen mit im striten, du mäht anders liht verschulden Gottes zorn;
won swer mit den viginden [73*] stritet, wil er dem entliben dem er nit
entliben sol, und er dem hainlich ist den er fliehen sol, der stritet unwisk-
lich, er mag wol vellig werden in dem strite. und dar umb daz uns nit
misselinge, so sont wir striten als der künig David vor uns gestritten hat. 1J
uns leret och striten ain hailig man, sant Hylarius. er sprichet: ‘ich sag
dir sicherlichen daz du mit dekaim ding so sere über winden mäht dine
vigint, so mit aim, daz haisset gaischlich vröde’. 'stritent vrölich, Got wil
üwer helfer sin in dem strite,’ spricht der wlssag. ‘stritent vrölich mit ta-
genden und mit gütlicher vröde, ich wil in dem strit üwer schilt sin und 20
wil Allü üwrü schoss enphahen,’ spricht ünser kerre. daz dis war sigi, des
hant wir urkünde an dem güten sant Stephan, do der ietz im strit waz, do
sach er über sich in daz hymelrich und sach ünsern herren Jhesum Christum
stan zü der zeswen sins vatters, reht [73‘] als er sprächi: ‘gehabe dich wol,
ich stan als ich dir ze helfe komen wil in dem strit!’ ze glicher wis tut 25
ünser herre noch hüt dem mentschen der tugentlich stritet in sim namen,
dem kumt er ze trost und hilfet im striten. sant Paulus sprichet: ‘ünser
herre wil üwer helfer sin in allen üwren nöten.’
Daz vierde daz üns sant Paulus manet, daz ist war umb wir striten
sont. wir sont striten umb daz hymelriche, daz ist des strites Ion. nu spricht 30
ünser herre: ‘reht als mir min vatter daz hymelrich hat gegeben, also wil
öch ich üch es geben, ich kofte es vil sure und vil bitterlichen mit grosser
1. und fehlt G. ime o'ch G. her David) her G, David Z. 3. her) der kiinieh G.
6. aller minst trüwent) minest wizsen G. 7. daz waz G, ebenso 9. 8. die — allü-
sament] Wie hielt er si (si übergeschrieben, fehlt Z) widir deine viaendo . cntrfiwin er vloh in alliz an .
ze gelichir wiz sun wir die weit alliz an G. 12. den) deme G. Btritct — 13 entliben) alliz
nn striten wil dem er entlibin sol . mit deme er ellü zit striten G. 13. als üns d. k. D.
uor g. O. 18. haisset] ist G. vro’de . da mitte mäht du alle dine viende übir eigen 6.
19. spricht d. w.| daz sprichit er in dem wissagi G. 21. spricht u. h. fehlt G. 23. in daz]
z ■ O. 24. er fehlt A. wol liebir mensche G. 27. also spr. s. P. G. 29. dez üns G,
das üns Z. 30. wir striten G.
5. im Anschlu/I an I. Petr. 5, 8. 19. Ps. 9, 10; 45, 2. 20. im Anschluß an 11. Reg.
22, 3. 31; Ps- ‘M, 5 ? 22. Act. 7, 55. 27. II. Cor. 1, 4. 31. Luc. 22, 29.
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36. Von der sterki in Gottes dienst.
arbait; wend och ir es also koffen, so gib ich es lieh.’ nu sont ir merken
den Ion des hymelriches. der Ion des hymelriches ist unser herre Got, der
wil ain Ion sin und ain ende aller unser arbait. des hant wir [73“] urknnd
an hern Abraham, den hiess iinser lierr varen in die wÄsti. do sprach er:
5 ‘herre, waz wilt du mir dar umb geben ze lone?’ do sprach unser herre:
‘ich swerre dir bi minen götlichen trüwen daz ich selb wil din Ion sin', daz
ist ain urkunde uns daz unser herre wil ain lou sin aller unser arbait. als
man liset von sant Cecilien, du halt Got ir küschkait gelopt; do woltent si
ir frunde aim herren geben, daz widerret si tugentlich und strait da wider,
io und do si in dem strite waz, do kert si an ir gebet und bat ünsern herren
daz er ir hulfi striten. do erscltain ir der engel und zaigte ir zwai schappel
von rosen und von lylien und sprach: ‘gehab dich wol, Got hat din strit an
gesehen und wil dir Ionen! daz rosen schappel solt du enphahen von der
marter die du noch liden solt, und [ 74“ ] daz schappel von den lylien solt
15 du enphahen umb dine künschi.’ dis ist lins ain urkunde des lones der nach
dem strite gat.
Nu stritent tegenlichen, won Got wil selber unser Ion sin!
[31 J Von der sele beraitung.
[Et vos similes hominibus exspectantibue dominum suum, quando revertatur
20 a nuptiis.J
‘Ir sont glich sin dem mentschen’, sprichet iinser herre, ‘die da baitent
irs herren, der zü dem brutlof gevaren ist, daz si in geraite in lässent'.
Dirr brütgom ist unser herre Got. du brut ist du mentschait, die hat
er ze hymelrich gefüret und an dem jüngsten tag so wil er her wider komen.
25 nu spricht er an dem ende des ewangelien: ‘sehent daz ir berait sigint, won
ir wissent nit wenne und weles tages des mentschen kint kumet!’ war nmb
er sprichet: ‘des mentschen kint kumet’, daz ist da von daz wir alle zwaiger
2. dez h. Ion daz (daz fehlt Z ) ist G. 7. ist — sin] ist uns ain urkunde . daz got uraii
(ein Z) Ion wil sin G. S. liset man G. 9. h&n gegebin G. daz — wider] da wider
strait si tugintlichc G. 11. der] ain G. 17. deginlicbe got G. wil selbe der Io»
sin dez stritcndin men sehin G , wil selb sein dein lAn dcz streitunden m cn sehen W.
18. Überschrift fehlt G W N Arundel. Von vnsenne h'ren (rot) Z, Item van eyme confessoit
off vä scnt merty Phill. 19. lat. Text fehlt A. 21. vor Ir) Disfi wort sp'chit (sprach 7)
linsir herre ze sinen iungim . vfi zaime ielichin gaistlichin mfschin . vil sp'chit also G (Z und dir
übrigen Heg). dem A (Sandhiassimilation), dien G. sprichet u. h. fehlt G. 22. der d*
g. ist ze d. br. G. 23. Dlrr] der G. brat daz ist G. 25. er] tinsir herre G.
26. and] aide G.
5. Gen. 15, 1 ff. 18. Die Predigt findet sich in G BL 4“; Z Bl 5m; W Bl. 4“; H Bll':
Arundel BL 8ä’ ; Phill. Bl. 220m. Hiermit beginnt die Heike der Predigten H. — Gedruckt nach H
(der Haager Hs.) in Haupt, Zcitschr. für deutsches Altertum II 350. 19. Luc. 12, 36.
25. Luc. 12, 40.
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87. Von der sele beraitung.
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mentschen kint sint, und aber er ist nit won (74bJ ains mentschen kint und
Gottes, dar zü twang in du minne daz er mentschlich natur an sich nam und
sich du gothait maiielt zü ünserr kranken mentschhait, dar zü twang in du
minne. da von spricht sant Bernhart: ‘es ist nit daz so gewaltig mug gesin
so du minne, won si twang Got daz er mentsch wart', sant Dyonisius 5
sprichet: ‘es enist nit daz so wirdig si so dti minne, won si mähte Got ze
mentschen und den mentschen ze Gotte’, als spricht ünser herre: 'ich sprich
daz ir Göt sint’. daz ist also ze verstände daz wir alles daz hant daz wir
wend. wir sint also volkomen an vröden, an schönhait, an wishait und an
allen dingen, und wölte uns unser herre me geben, wir enwöltentz nit. und io
da von daz wir ällü ding nach wünsche habent und nach willen in ünser
masse, da von so sint wir Götte, und daz er sprichet daz nüt so wirdig si
so du minne, daz ist da von daz si Got ze mentschen machte und den
mentschen ze Got. [74‘] du minne ist so edel und so wirdig daz si den
mentschen an allen dingen Got gelichet in der masse als wir im glich 15
mugent sin.
Nu sprichet er daz wir gelich sont sin den mentschen die da baitent irs
herren, der zü dem brutlöf ist gevaren, so er kom, daz si in wirdeklich in
lassent und balde, die alsus irs herren baitent, die sont drü ding han, went
sü wol irs herren baiten. 20
Daz erst ist daz si sont wachen; und sont wachen durch drü ding, zü
dem ersten male daz in nit verstolen werde; zü dem andren male daz in
daz für nit erlösche, daz si im lieht engegen enzündent; zü dem dritten male
daz si berait sigint in ze emphahenn. ir sont zem ersten dar umb wachen
daz üch der schätz nit verstolen werde, daz ist dü sele; won der varet der 25
tüvel ze allen ziten daz er si verstele, und dar umb sont wir flisseklich
wachen daz wir si behütent. wir sont darumbe wachen daz daz für nit er-
lösche. [74d] daz für ist nit anders won dü gnad ünsers herren; der gnaden
sol der mentsch tugentlich hüten und pflegen und sol ze allen ziten zü legen
mit güten werchen. man liset in der alten e daz ünser herre gebot daz all 30
zit ain für in dem altar brunne, und der ewart solt es machen und allwe-
1. abir wan er G. 2. vfl da zft G. 3. daz sich G. 6. sp'chit o'ch G. so dfi
minne fehlt 4. 7. also G. vor ich] Ego dixi dii estiB G. 10. ewftltentz A. 12. maze
also vil als tinsir hre got in siner maze G. nach sprichet] in dien ernten xvorten G. 14. dü
minne] Alse dauor stat . daz ünsir h’re sp'ch; . daz wir go'tte werden daz machot dü minne dü G.
15. gelichet] gelich machot G. 18. widir kome G. wirdeklich] boraitidiche G.
19. und balde fehlt G. 20. baitet A. 21 f. zü — male] daz erste dar umbo sü wacken sun.
daz ist Cr. 22. vor nit ist von zweiter Hand in IV der schätz eingeschoben, das AGZH fehlt.
zü — malcl daz andir G, ebenso 23 d. dritte. in fehlt G. 24. in] sin G. 24 f. sü sun . . . daz
inen G. 25. daz — won] Dauon sprichit s. Paulus . Waz mach lins virstoln werdin wan dü
Stele G. 26. er üns si G. 27. si] ünsir sele G. sun o'ch dar umbe G. 29. ziten
der gnade zü legin G. 80 f all zit] alliz an Q. 31. cs] daz für G.
7. Ps. 81, 6. 17 f. vgl. oben S. 73 Z. 15 ff. 26. I. Petr. 5, 8. SO. Lev. 6, 12 f.
Deutsche Texte de« Mittelalters. X 7
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37. Von der sele beraitung.
geilt zü legen, daz es nit erlüsche. ze glicher wis ist dem mentschen gebotten
daz ünsers herren gnade in dem alter sins herzen brinne; und der ewart,
daz ist beschaidenhait, die sol daz für der gnaden schalten mit guten werctien,
und sol die tugent üben flisseklich die im Got hat gegeben, mit singenn und
5 mit lesenn und mit dienend und mit ainer ieglicher arbait, als vil es getan
mag; und als vil im unser herre gnaden hat gegeben, die sol ez ime ander
geben; won wil es die gnade nit üben, so minret si im Got. sant ( 75' }
Paulus sprichet: ‘gebent wider die gnade Gotte, ir verlierent si anders’, unser
herre spricht och in dem ewangelio: 'swer die gnade verbirget und si nit
io übet, die er von mir hat, dem nitn ich si und gib si ainem andern, an dem
si nütz ist’, der wissag spricht: ‘ich wil niemer geruwen e daz ich kum
in die hailkait Gottes’, dü hailkait Gottes daz ist daz hymelrich. unser
herre sprichet in Apocalipsi: ‘ich bin ain angenge und ain ende’, und als
sprichet der wissag daz er niemer wril erwinden e er kome zü dem angenge
15 und zü dem ende, daz ist Got er sprichet öch me: ‘ich gedaht an Got, und
da von widerfürent mir drü ding: do ich gedaht an Got, do gelüst mich
sin, und da von übte ich gütü werch, und zerfloss min gaist von der süs-
kait die /75*/ ich in minen gedäuken an Got vand’. man liset von der
küngennen Hester: ‘do si für den künig Aswerum solt gan, do erschrak si
20 gar sere; won der künig hatte den sitten, wer für in gie den er es nit
hatte gehaissen körnen, der müste den tod liden. und ze ainem male do müste
dü küngin für in komen ungeladet do zierte si sich mit edlen klaidern; und
do si für solte gan, do fürt si ain jungfrowe, die ander hüb ir dü kiaider
uf. und do si den künig an sach, do duhte si daz si der künig enweng
25 zornlich an sähe, und erschrak daz si gar blaich wart, und naigte sich uff
die jungfrowen.’ bi dem künige ist bezaichent ünser herre Jhesus Cliristus,
und bi der küniginne ist bezaichent dü sele. so dü beginnet gedenken an
Got und an die sehonliait des himelriches, so erwindet si niemer e daz si
kumet mit iren gedänken für Gottes stül und I76c] steket ir ogen in den
so gütlichen Spiegel, won man liset von der küngin Hester daz si erschrak,
do si dünkte daz er si enwenig zornlich au sach: ze glicher wis ge-
2. alt' A. 3. ist dez mcnBchin beschaidinbait 0. 6. herro fehlt A. 6 f. die — geben
fehlt A. 7. &bin mit gätin w'ckin G. 7 f. also spr. s. P. G. 10. mir] gotte 0.
nimct er si vn git 0. . 11. besser nutzir 0. 12. vor dü) vn an ir daz iungistc 0.
himelriche . ir daz iongisto daz ist vnsir h re got . der ist ir ancuanch . vnde ir endo . also spr.
u. h. i. A. Ego sum alfa ctc. 0. 13. als] daz 0. 15 me] Mernor fni dci 0. an
fehlt 0. 17. sin] dez 0. 20. aincn Bitte 0. 20/-. gie. der mfizo den tot liden . den er
niht für sich hicz komin 0. 22. vn do z. 0. claidirn 0, stainen A. 23. ander fehlt A.
25. ersclirach si also sere . daz G. 26. künige Assvero 0. 27. küniginne hester 0. so
dü] vn so dü sele 0. 2S. so] son 0. si] dü selo 0. 30. won] besser vn also G.
31. er si] si der künicb 0.
8. Bebr. 12, 28; II. Cor. 4, 15; 6, 1; 11. Petr. 3, 18 1 9. Matt. 25, Uff. 1 1. ft. 72.
16. 17. 13. -l/i oc. 1 , 8; 21, 6. 15. Ps. 76, 4. 19. Est. 4, 16; 15, 5 ff.; vgl. oben S. 44 Z. Uff.
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37. Von der sele beraitung.
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schiht der sele so si für Got mit iren gedänken kumet und er sich ir
etlicher mäz git ze erkennend, also daz si sin antlütz luterlich erkennet, und
von dem antlütz erschriket die sele. und bi dem zorn des künges ist be-
zaichent ain Wandlung des antlütz. dü Wandlung geschiht so dü sele ir ogen
gesteket an Got und er sich ir git ze erkennend; von der erkennung so er- 5
schriket dü sele, und der lip verlüret all sin kraft, und zühet sich das blüt alles
enweg, und wirt der mentsche demie blaich, und naiget sich denne der gaist
uff den lip, und kumet denne der mentsche von im selben, dis lian ich alles
gesprochen von dem füre, daz ist dü gnade die unser herre dem (70“] ment-
schen git, daz es die flisseklich sol üben, daz si nit erlösche in dem herzen, io
daz dritte dar umb si wachen sont, daz ist daz si in gedrate in lässent,
swenn er kumet. also spricht unser herre: 'ich stan und klophen z& des
mentschen hertzen; sälig sint die die mich in lant, won mit den wil ich
ain hohzit han’. er sprichet in der minne büch: 'tü mir uf, min liebü
swöster und min turteltube, und la mich hohzit mit diner sele han’. 15
Daz ander ist: si sont wol gezieret sin die irs herren baitent. si sont
gezieret sin als daz antlüt des tempels. man liset in der alten e von dem
tempel, daz waz gezieret mit ainer guldinen kröne und mit guldinen schilten,
und waz in ieglichem orte des tempels ain umb hang uf geschlagen mit gul-
dinen vingerlin. ze glicher wis sol der mentsch gezieret sin, der Gottes tem- 20
pel ist, daz wir Gottes tempel sint, daz seit üns sanctus Paulus; er sprichet:
‘üwer lip ist ain tempel Gottes’, went wir nu Gottes tempel sin, so sont
wir gezieret sin mit ainer guldinen kröne, sant Johanues sacli aine vrowen,
dü hatte die sunnen zu aim klaide und den manen zü aim füss schämel und
waz gekrönet mit zwelf liehten Sternen, also schribet er an sinem büche: 25
'ich sach ain zaichen an dem hymel, daz waz wunder gross, daz waz ain vrowe
und ain wip’. dis mugent wir bezaichennen an unser vrowen. dü hatte wol die
sunnen zü aim klaide, do si den ewigen sunnen enphie und si und Got ainen
sun gemain hattent. si hatte öch den manen zü aim schämel, daz waz dü bös
weit, die hatt si gar versmahet. si waz öch gekrö/76*/net in hymelriche mit so
zwelf krönen, und daz er sprichet: ‘ain vrowe, ain wip’, daz ist dar an ge-
mainnet daz si ist müter und magt vor ir gebürt und dar nach, wir mngent
1. er — ir] »ich got der sele in G. 3. und — künges] vn bi deme daz si duhte daz si
der ktinich ain wcnich zornlictie ane siehe . bi deme zorne G. 5. an] in G. er — erkennend]
sich ir got z. e. git G. 7. enweg] inwert zfl deme li'cin wan daz h‘ee so grozo bewegügo hat
enphangen G. 8. von im) widir zime G. 11. gedrate] gcraitc G, zehant W. 13. won
fehlt G. 11. sp'ch; o’eh in G. 16. ist daz sü w. gezieret süln sin G. 17. nach tem-
pels] Omaverant faciem tcmpli coronis aureis G. 18. In kröne int r später eingeschoben A.
19. humb bang .1. 22. tempii dez iebindigen g. 6. 23. d' sah G. 25. Undc also G.
an] in G. 27. and fehlt G. 28. zfi aim klaide] zccleidirn G. 31. krönen] sundirlichen
eren G.
12. Apoc. 3, 20. 11. Cant. 4, 2. 16. vgl. oben S. 86 Z. 9 ff. IS. I. Mach. 4, 57.
21. I. Cor. 3, 16; II. Cor. 6, 16. 23. Apoc. 12, 1; vgl. oben S. 77 Z. 18 ff.
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37. Von der sclo beraitung.
öch dis bezaichnnng keren an ain ieglich sülig sei du Gottes tempel ist. dd
sunne da mit si ist beklaidet, daz ist du gnade die unser herre in dem
gebette ir in gösset, der man daz ist du bös weit, die sol der mentscli gar
versmahen, als sant Paulus sprichet: ‘mir ist öl lü du weit ze ainem mist
5 worden vor minen ögen'; relit als er spräch: ‘ich han die weit so gar ver-
worfen und versmahet daz ich nüt me uff si ahte denne uff ain mist.’ dar
nach so wirt du sele gekrönnet mit ainer kröne, du hat zwelf steruen, daz
sint zwelf fröden des hymelriches, die ain ieglich mentsch hat; der joch
nümme hat, der gewinnet sechs sunderlich vröde an dem libe und [76'] sechs
io an der sele. alsuss sol dü sele gekrönnet sin du Gottes tempel ist. wir
sont öch geziert sin mit guldinen schilten, alz daz tempel waz. da von sprichet
her David: ’o herre, du hast mich gekrönet mit dem schilte dines güten
willen’, an dem schilte sint drü ort, die sint uns bezaichenlich. daz ain ort
sint ünsers herren gebot und sin lere: die sol der mentsch flisseklich be-
15 halten und sim rät nach volgen. daz ander ort ist dü regel. daz dritte ort
ist dü Satzung: waz man uns haisset und setzet, daz sol der mentsch güt-
lich und vrölich behalten und sol sin liertze dar zü ordnen daz er willeklich
gehorsam si siner maisterschaft und sim orden. so der mentsch disü drü ort
hat, so ist er wol gezieret vor Gotte und ist ain tempel Gottes, daz tempel
jo waz öch gezieret mit vier umbhangen, daz sint vier tugend, die der mentsch
sol han der Gottes [76d ] tempel ist der erst urabhang ist güti erbärmde,
die du solt han über ain ieglichen mentschen, also vil so du mäht ; und solt
mit aim ieglichen mentschen tragen swaz im wirret an libe und an hertzen
oder an der sele. der ander umbhang ist gehorsami: die solt du willeklich
25 laisten mit herzen und mit libe. der dritte umbhang ist gedultekait
der vierde umbhang ist demüti: in der solt du ällü dinü werch Volbringen
und solt din erbärmde, din gehorsami, din gedultekait zieren mit demüt-
kait. mit disen vier umbhangen solt du daz tempel dins herzen, daz ist
Gottes, zieren, dis umbhang sont uf geschlagen sin mit guldinen vingerlin.
so daz ist dü guldin minne. ze glieher wis als man ain jungfrowen zü
1. öch fehlt 6. keren fehlt G. 2. si] dü sclo G. 2 f. dcme hainlichin gebet« G.
3. ir fehlt G. 4. AJso spr, «. P. G. 6. ich nüt me] ümme [aus i nüine?] G. 8. zweit ge-
mainc vro’de G. joch) o'ch G. 9. vro’dc . vfi gezicrdc an G. 11. waz da von!
Also G. 12. her fehlt G. eoro] Domine nt scnto bone G. gekrönetl gezieret G. 13. da
sint drü G. die sint] daz ist G. daz — ort] Ain ort daz G. 15. dritte ort] drite daz G
16. dü fehlt G. waz] daz ist daz G. 19. tempil dez lebinden G. 21. der erat) Sin G,
richtig ain. daz ist G, ebenso 24. 25. güti fehlt Z. 22. so fehlt G. 24. sele . vfl solt
für sii bitten G. williclicho vl) vro'licho G. 25. gedultikait bis umbhang iat fehlt A GZ TT.
dagegen liest H nach gedultekait: der mensco sal geduldeglike sine ordeno dragen ont in den dort.
26. in — du) du solt in demütichait G. 27. erbenuido . dine demflti dine gehorsami G (dine
demüti fehlt Z). '28 f. solt — zieren] sol daz tempil dez herin gottos gezieret sin . vn G.
30. nach minne] zegelicliir wiz alse die umbehnngo waren vf geheftet in deme tempil mit guldinen
4. Phil. 3, 8. 12. Ps. 5, 13. 25. in der Aufzählung der vier Punkte fehlt als dritter
Punkt gedultekait; der vierte Punkt ist Demut
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57. Von der sclo beraitung.
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der weite mähelt mit aim vingerlin, also solt du di/7?*/ne seie zü Gotte
mölteln in der minne; und als daz vingerlin sinwel ist und nit endes hat,
also ist du minue an ende: won so alle tugent zergaut, so belibet si
state , won si ist ewig, man liset von her Moyses, der in ain wasser wart
geworfen, und wart funden uff dem wasser, und brüht man daz kint der 5
küngennen und gehielt in dri tag. Moyses daz spriht ‘ain mentsch daz
uss dem wasser ist gezogen', daz sint wol gaischlich lüte, die sint ge-
zogen uss dem wasser der unstüti: wem alse daz wasser unstüti ist alle
zit und hin flösset, also ist du weit alle zit ungerüwet, also sprächet
ainer wiser man: ‘wir verfliessent als daz wasser’. also spricht och du schrift: 10
‘ain ieglich ding illet da zu daz sin nüme si'. also ist du weit ungeruwet
alz daz wasser. usser dem wasser sint gaisch/??yiieh lut gezogen in gaisch-
lich leben, darinne sont si dri tagwaid gan gegen dem hymelriche. der erst
tag ist gantz und luterü bilit. der ander tag ist rehtü rüwe umb all sin
sünde. der dritte tag ist stütü büsse untz an sin ende, man liset in der 15
alten e daz unser herr gebot daz man ain tempel mähte und daz zierti
mit drin varwen: wisser und roter und mit hymel varwe. ze glichet' wis
sol daz tempel Gottes gezieret sin. zem ersten mit wisser varwe: da bi
ist bezaichent rehtü künschkait und dü gaischlichü schäm, da von sprichet
sant Bernhart: ‘ich waiss ain harte schone tugend, si ist gehauen gaisch- 20
lichü schäm; si ist ain hainlicher fründ Gottes, si ist ain behüterin der
künschi und ain still der tugend und ain anvang und ain beraiten des
hertzen und ain übergülden aller tugend und alles gutes’, bi der roten
[77] varwe ist bezaichent dü gehügde ünsers lierren matter, da sol der
mentsch behügen alles daz er durch üns erlitten hat, und wie gross minne 25
er uns da mit erzöget hat. und da sol sich dü sele mit dem blute ver-
wett daz von sim hertzen floss. als sprichet sant Agnes: ‘ünsers lierren
blüt hat gevürwet ntinü waugen'. hübsch vrowe spulgent sich ze vürwenn
vingirlin . also sol der mcnsche alle sine tuende vf heftin mit d' minne . vß solt du dine sele vn
gut zesuemino mebiln in d' minne G Z, wahrend W hkr A folgt.
1. aim] den G. 4 f. der wart geworfen in ain wazir u. w. f. G. 6. tage . daz ist ain
iegelich gaistlich menschc G. 7. dem] ainem G. 7 f. dio — der unstSti) die sint wol uzsir deme
wazsir gegozin Igczogin Z) dierro vliczindun weite G. 8. wan — wasser fehlt A. 8 f. alle zit]
alliz an G. 9. alle zit] zallon ziten G. 10. ain G. wiser man AZ, wisfi vrowe G IV.
II. da zfl) daz cz werde . vn G. sin o'ch G. 12. gegozin G. 14. tacli daz gamztl u. 1. G.
daz ist r. G. 15. ist fehlt G. 17. mit wizir vn mit rotir G. 19. dez hailigen gottes G.
zem ersten fehlt G. da bi] Bi der wiznn varwe G. 19. rchtii] dü G. 20. harte fehlt G.
gehauen fehlt A. 21. scliamo . si ist harte wol gewrzet (gewizzin Z) . si G. dez scho’nen
gottes G. 22. anevaneh d tuginde vn G. beraiterin G. 25. irhugen G. alliz dez
daz G. 26. erzöget bat] zaigite G. dem bl fite fehlt .1. 27. also G. lierren aus herzen
korr. .1. 28. hat — minü] ist mir ain varwe au minen G. vrowen G.
4. Ex. 2, lff: vgl. oben S. 35 Z. 23 ff. 11. Eccle. 1, 4. 7. 16. im Anschluß an Exod. 377
27. im Anschluß an die Antiphon des Breviers (II. Nokturn): ‘mel et lac ex eius ore suscepi,
et sanguis eius ornavit genas meas’.
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37. Von der sele beraitung.
mit wisser varwe und mit roter, also sol öch dü sele sich värwen mit rehter
künschi und mit der gehügde unsere herren marter. bi der hymelschen
varwe ist bezaichent dü girde und dü minne die wir haben sont zu dem
hymelschen lande: dü sol üns ziehen und binden ze Gotte, sanctus Paulus
5 sprichet: 'dü minne ist ain band da mit ünser herre zü der sele wil gebun-
den werden’, sant Augustinus sprichet: ‘dü minne ist ain süsses band; si
bindet [77d] Got und die sele süsseklich ze samen’. er spricht och: 'o minne,
du bist ain edlü tilgend, dü da nit geret ze belmbenn, du taillest dich allen
den die in der minne sint’. so spricht sant Paulus: ‘dü minne ist edel, rieh
io und gewaltig: si machet den unedeln edel, den armen rieh, den ungewaltigen
• gewaltig’, dis sint die dri varwen mit den die sele, Gottes tempel, sol ge-
zieret sin.
Daz dritte daz si tun sont die irs herren baitent, der m dein brutlof ist
gevarn, daz ist daz si gedultekliehen sont baiten, daz si nit verdriessi ob er
15 ze lang ist. si sont gedultekliehen baiten durch drü ding, daz erste ist:
gedultkait meret den Ion; so der mentsch ie gedultiger ist, so sin Ion
ie grösser wirt vor Gotte, daz ander ist: si höhet die wirdekait; so der
mentsch ie grösser unwirdekait hat, so sin wirdekait ie höher wirt vor
Gotte und allem [78* / hymelschen her. daz dritte ist: si beraitet die vröde
zn des hymelriches; so der mentsch ie gedultiger ist, so sin vröd ie merer ist
und wirt. also liset man von sant ölartin, der waz alz gedultig daz er
sprach: ‘herre, wilt du ich lebe, wilt du ich stirbe; stvaz du teilt, daz teil
Ach ich, din wille werde an mir.' man liset von ainer vrowen, dü hiess Re-
becca, dü wart swanger zwaiger kind, und dü kind kriegtent in der müter
23 lip mit enander. bi der vrowen ist bezaichent der gut sant Martin, der
trüg öch zwen willen, die kriegtent wider enander, daz waz der töd und
der lebtag: swaz Gottes wille wAre, daz öch daz sin wille wäre; won wölti
Got daz er sturbi, so wolt er sterben; war es sin wille daz er lebti, so
wolt er leben.
1. rotir varw e G. öch fehlt G. 2. der gehügde fehlt A. 2 f. bi — varwe] Daz tanpü
waz o’ch gezieret mit himilvarwe . da mitte G. 3. dfi tugintlicho girdc G. 4. dü) in da
minne G. 4 f. also spr. 8. P. G. 5. vnsor nceimal A. 6. spriebit o'cb G. 8. dv A. tugint.
vn du bist dü G. 9. sprich; abir 8. P. G. 10. Bi — 12 ein] vfi ist also vmbc die tugint.
si macliot den richin am . vn den armen rieh . vU ewer anc si ist . der ist am . were o'ch dlü dü
weit imo dienisthaft . swer abir die minne hat der ist rieh . alsus sol dü sele gezicret sin mit drin
varwen also daz tctnpil GZ(W). 13 f. derzfi — baiten fehlt A. 15. daz erste ist] dü G.
16. gcdultigir ist in sime lebinne so G. 17. si — die] dü G. IS. unwirdekait] wirdichait G.
höher] gro’zir G. 19, Gotte und fehlt G. ist daz si G. 20 gedultiger ist] gro'zir ge-
dultichait het G. 20 f. merer — wirt] lutirre ist an gotto vfi an imc selbin . vn an allimc himil-
schin ingesinde G. 22. öch aus ich korr. A. herre wildu daz ich lebe oder daz ich sterbe "
22 f. stirbe — ich fehlt A. 25. lip fehlt G. 27. won — 29 leben] wsere daz gölte« wille
4. Col. 3, li. 9. I. Cor. 13, 4 f. 22. im Anschluß an das Repsonsorium des Bretwn
(I. Xokturn): 'o beatum virum Martinum antistitem, qui nee mori timuit, nec vivere recusavit! Do-
minc, si adhuc populo tuo sum neccssarius, non rccuso laborem: fiat voluntaa tua.’ 23 Gen 25.22-
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38. Von finser vrowen und ünserm hem.
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[38.] Von unser vrowen und rinserm her/*.
[Erunt siffna in sole et luna et stellis.]
Do unser herre uff ertrich wandlet in ment/TS'/schlicher natüre, do
sprach er zu sinen jungem alsuss und wissaget inen ain künftig ding, er
sprach: ‘es sont zaichen beschehen an der snnnen und an dem müne und an 5
den Sternen’.
Sant Johans schribt in Appocalypsi daz er sacli vier engel fliegen uss
aim altar und flugent durch daz hymelriche; und der erst engel blies ain
horn, und zehant verlos du sunne und der mäne und die Sternen den dritten
tail ir liehtes. dis mugent wir merken bezaichenlich. won bi der sunnen ist io
bezaichent unser herre, der du gewäre und du ewig sunne ist also ist von
im geschriben daz er ist ain sunne der rehtkait. nu sont wir merken drü
ding an der sunnen, dar an unser herre der sunnen glich ist. daz erste ist
daz du sunne schön ist und du schönst creature die Got dem ertrich ie ge-
schfif. daz ander [78c] ist daz enkain fruht des ertriches fruhtber mag sin 15
än der sunnen hitze. daz dritte ist daz der sunnen lieht gemain ist aller
der weite, dem armen alz dem riehen, dem Übeln als dem güten.
Also ist unser herre och schöne als du sunne. von siner schöni spricht
sant Augustinus: 'und solt ain mentsch tusent jar leban in allen den vröden
so sin herze erdenken künde, die solt es all versmalien dar umb daz er Got 20
nit won ze ainem male sähe in siner götlichen schönhait, und ensolte er in
joch dar nach niemer me gesehen’, er spricht och me: ‘und wäri es mug-
lich daz ain mentsch als lang leben solte und möhte daz ain tube des
daz er lebid . so wolt er gerne leben . imo zedienstc . wolti abir got daz si {richtig er Z\ sturbi . so
wolt er gerne sterbin . daz er zft der himilsehun vro’de kxme GZ, W mit Amen am Schlosse.
1. Überschrift fehlt G H'N, Von vnsertoc h'ron (rot) Z, Dominica in adventu domini Arundel,
Des iid'en südages 1 d' aducte Phill. h’ am Ende der Zeile A. 2. Der lat Text fehlt A.
4. er dis» wort zfi G. alsuss fehlt G. 4 f. er sprach fehlt G. 7. daz er] Der G. 8. und
vor der fehlt G. 9 f. dü — tail] der mane vn dü sunne daz dritail G. 10. iiehtis . vn daz ge-
stime virloz o’ch daz dritail sins Iiehtis G. 10 f. bezaichenlich — herrel an vnsim h’ren G.
12. ist] si G. 13. wol gelich G. 14. vn ist dü G. 17. Übeln als dem] alten also deine iungen.
den sündern also den G. gfiten lauten IV. 18. also — seliAni] hie an ist iinsir herre der sunnen
gelich . Daz ünsir h're scho’no ist daz sprich; . s. Petrus . In quein desiderant angeli prospieerc .
Er ist also scho’ne daz in die engil luzllche vn vnuirdrozinliche zullen ziten an sehint . Also G ZI V.
19. tnsint tnsint tnsint G, tusint tusint Z. 20. so] die G. es] der mensche G. 21. ze ainem]
zaime ainigosten G. gütlichen schAnhait| gotlichi G. ensolte fehlt A. 22. er — Och] vfl
sp'ehit ioh noh G. es] daz G. 23. solle und fehlt G. mchti vnz daz G.
1. Das Stück findet sich in G Bl. 7‘ ; Z Bl. 8“; W Bl. 9; Ar Bl. 9r; Arundcl Bl. 80r; Phill.
Bl 87 * ( damit beginnt diese Sammlung die hier in Betracht kommende Predigtreihe) ; 11 Nr. 2. —
Gedruckt nach A bei Waekemagcl S. 92 mit den Lesearten aus Z; die Lesearten aus G ebenda
S. 518. — Vgl. dazxt das Stück der Hs. St. Georg. 37 BI. 68 (Liingin S. 7) der Karlsruher Ilof-
vnd Landesbibliothek. 2. Luc. 21, 25. 7. Apoc. 8, 7. 12 ff. 12. Ps. 88, 38? 13. vgl. oben
S. 77 Z. 28 ff.
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3B. Von finscr vrowon und iinserm hern.
meres griess us gefürti und ie ze tusent jaren nuwent ain griesselin, du jar
solle der mentsch wellen in arbaiten leben dar umbe daz er Got gesahe in
einer schönhai t. ain mentsch waz besessen mit dem tüvel, und ain gilt man
kam zu ime und [78*] begunde mit im reden und vragte in von dem hvmel-
5 riclie und von den engein, und vragte in wie schön Got wäre, do sprach
der tüvel: 'owe, du hast mich ze vil gevraget; wie schöne Got si in siner
götlichen herschaft, daz enmöktint alle zungen nit voll raichen; aber dar umb
daz ich in ze ainem male möhti gesehen alz ich in etswenn sach, dar umb
wölt ich all die arbait liden die all die erlitten hant die ie geboren wurdent
10 und iemer geboren werdent untz an den jüngsten tag.’ und da von so
dunket mich enkaiu tier so tumb als der mentsche, daz er mit kurtzer vröde
verlöret die götlichen an gesiht. da von sprichet sant Augustinus daz er
gerner wolte in der helle sin und Got sehen, denn in dem liymel und sin
nit sehen.
15 Daz ander ist daz enkain fruht berhaft mag sin an der sunnen hitz.
ze [79°] glicher wis ist es umb den ewigen sunnen, Got von hj'melriche, än
des gnade mag nieman enkain güt getün. wir mugent in die sünde wol
vallen an ünsers berren hilf, wir mugent aber niemer ze gnaden wider komeu
än sin helfe, nu möhtint ir sprechen: ‘so endarf unser herre uns nit wissen
2« daz wir nit voll tugent sint, sid wir nit gutes gettin mugent än sin gnade?’
nit, lieben! wir mugent üns des nit entschuldigen, unser herre ist ällü zit
berait den sünder ze enphahenn und sin gnade im ze gebenn. also spricht
sant Gregorius: *dü hand ünsers herren ist alle vart berait ze gebenn dem
mentschen der guten willen hat’, es spricht och der wissag: 'herre, du vür-
25 fürest mit diuer gnade den üblen willen an dem mentschen’. über daz wort
spricht sant Augustinus: ‘o süsser Got, du vwrfürest [79*] mit diner gnade
den Übeln willen und bringest in ze guten willen und denn ze güten weichen.’
Daz dritte ist daz dü sunne gemain ist: also ist och ünsei-s herren gnade
gemaine aller der weit, den Sündern und den güten, als sprichet sant Au-
30 gustinus: ‘ünser herre ist gemaine mit siner gnade und ist so erbarmhertzig
daz er baitet mit grosser gedultekait des sünders bekerde’. ‘o lierre’, sprichet
I. und — griesselin fehlt G. 2. wellen fehlt G. 2 f. in — sebünhait] undir sinen o'gen G.
3. tüvel] bo'sin gaisto G. 4. zeredinnc G. in fehlt G, ebenso 5. 5. Got] uusir lierre G.
7. voll] wol Z. raichcn] reckin G, gesagin Z. 8. inihti] solti G. etswenn] aincst G.
II. gedubte mich nie enhain G. er] sü G. 12. virlicrent G. da von — 14 sehen] Sanctus
Augustinus sp'chj . gemer wolte ich in der helle sin daz ich gottes antlüte an sselie . denne ich
indeine hhnilricbc WEro vtl ich sin niht cnsshe G. 18. widir zegnadon körnen G. 19. sin
helfe] ünsirs h ren gu*ri G. endarf o’ch G. 20. voll — sint] wollen II", wol tu'gen Z.
21. nit lieben] nain W, niht lebin kint GZ. des fehlt G. 22. im fehlt G. 23. ist — vart]
gnadon allizan ist G. 24. vfi spr. der w. Domine provenisti G. 24/". verfuhrest .4, furnierst
GZ, ververst IV, ebenso 26. 27. bringest — und fehlt A. den .1 , denne G. 28. och
fehlt G. 29. güten liitcn G. SO. ist so gemaine G. erbarmhertzig] gar irbErmicb G.
31. sünders] menschin G.
24. Po. 20, 4.
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38. Von Unser vrowcn und ünscnn hem.
105
er, ‘du baitest im mit allaine, Sünder du rüffest im täglich und manest in
täglich daz er wider kome. du bütest im alle zit huldi und erbärmde, daz
eht er wider kere’. nu möhtint ir sprechen: 'wie rüffet um unser herre?'
in trüwen, daz tüt er mit aller creature. daz sol und mag üus wol ain
niffen sin das enkain creatur ist si tügi ir reht, won allaine der mentsch, 5
der ist Got ungehorsam; und ist im doch als liep daz er in ze allen ziten
manet daz er noch widerkere, und spricht: ‘sünder, ker wider und gedenk [79’ ]
daz ich din schepher bin und din erlöser! ker her wider, lieber mentsch,
und sich ze ainem male mich an; ich lass dich noch ze huldi körnen!’ also
spricht sant Bernhart: 'so der mentsch ie boschlicher sündet, so im Got ie io
gütlicher nach gat’. er spricht öch: ‘o herre, du mäht wol sin ain guter
Got, daz du den sünder enphahest swenn er kumet, und vergibest im alle
sin sünde, also gar daz du in niemer verdampnest und im es niemer uf ge-
hebest, und wirst als luterlich sin fründ als ob er nie sünd getan hetti’.
Nu merkent wie der lebend sunne daz dritte tail sins liehtes verlor! do 15
ünser herre Jhesus Christus, Gottes sun, uff ertrich kam durch den sünder,
do wart er ungetrülich an den tod geben und wart an ain sul gebunden
und wart geschlagen, daz sin hailger lip von blüte über vlöss. do gabent
sü im ain crütz uff sinen ruggen, und trüg es an die statt da er gemartrot
wart, do nament sü in do und hiengent (79‘] in dar an, und do verloz dü 20
sunne den dritten tail ir liehtes, do er jämerlich dar an erstarb, nu merkent
wie der dritte tail erlasch! dü gothait und der hailig gaist die wurdent
nie verwert, dü mentschait erstarb, daz waz der dritte tail des ewigen
sunnen. da von spricht sant Bernhart: '0, dw lebendü sunne hatte wol daz
dritte tail verlorn siner kraft, do sin künigkliches höbet verwundet waz 25
zwaiger und sibenzig wunden, und sinü wunneklichen ögen, die luter waren t
als dü sunne, ersturbent an dem crütze, und sin durchlühtig antlütz erblaichet,
daz also schön waz, wenne es die junger sahent an, daz sü enzündet wurdent
in herzen und an libe, also schönnü clarhait gie von im’, die hailgen
1. Blinder fehlt G. 2. 0 herre du G. dinc hulde G. 3. eht — kere] du in ze hulden
lazest körnen G. möhtint ir spr.) merkint . ir sprechint, so auch später G. uns fehlt A. 4. sol
und fehlt G. 6. im fehlt G. doh gotte also Cr. 7. noch fehlt G. 6. irlo'ser bin G.
10. abir s. B. G. Got] iinsir herre G. 11. er — Och] vn sp'cb; abir 8. ß'nhart G. 13. »finde .
vn virgist imez (ime si 7.) also G. vfi du irae G. 14. geta'te G. 16. dcrgottcs G. 17. wart
gebundin an die etil G. 18. von — vlöss] mit blfite gar begozscn waz G. 19. ain] sin G.
cs AZ, erz G. 20. dar an] vf an daz crüco G. und do verloz] da v. do G. 20 f, der sunne
d. dr. tail siner kraft do G. 21. dar an] an dem erfice G. 22. der fehlt A. 22/1 und — ver-
wert] wart nie virwert . der hailigc gaist irstarp nie G. 23. crstarbl Jhesus Christus d' starp an
deine crüco G. 24. dv A. 25. siner] ir G. 27. ersturbentl dü sturbin G. und — 1 spre-
chend vD also littet man von finsirme herren Jhesu Christo . daz ime sind o’gen also scbo'ne vfi also
minniclich waren . daz sine iungim rchtc enzfindet wrden an libe vndc an herein . so er sfi ane sah .
vfi daz rehtc ain zain von sinen o’gen gie . vfi sprechint die hailigen GZ (in W fehlt vfi daz — gie).
21. vgl. Matt. 27, 45.
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106
38. Von Unser vrowen und l'inscrm horn.
sprechent daz sin junger im nahvolgetant me durch sin schöni denn durch
die gnade dez hailgen gaistes, [80°) e daz sü enzündet wurdent. ‘owi’,
spricht sant Bernliart, ‘der süss mund der allü zit die warhait sprach
und lerte, der wart mit gallen getrenket, und die hende die hymelrich
5 und ertrich gesell iiffent, die wurdent durch schlagen mit scharphen nageln’,
nu möhtint ir sprechen: 'wie moht daz sin? Got waz do nit mentsch wor-
den, do er hymelrich und ertrich geschüf?’ daz wil ich üch beschaiden:
unser herr Got, der ewig vatter, hatt sinen sun .Thesum Christum gebildet
in im selben vor angenge der weite, des ich urkünd nch wil geben, do
io unser lierre die engel geschüf, do geschüf er och Lucifern, und gab dem me
schönhait und wirdekait denn kaim andern engele. won also spreebent sinn-
lich hailgen daz im die andern engel alle ze gezierde warent geben, und
da von won er schöner waz und wirdiger denn die andern engel, do sass er
[80 7 och Got näher und sach ain mentschlich bilde in dem götlichen spie-
15 gel, daz waz du mentschhait ünsers herren Jhesu Christi, do ged&lit Lu-
cifer: 'dis bilde bin ich, won nieman so schön und och so wirdig ist so
ich; da von hat er mich in im selben gebildet nu wil ich minen stül
nebent in setzen, so bin ich im gelich’. und do er daz gedahte, do viel
er. daz ist ain urkunde daz die mentschhait gebildet waz von angeng in
20 der gothait und also so wir denu die hende sehent die hymelrich und
ertrich geschiiffent, durch schlagen an dem erüze, spricht sant Bernhart, er
spriht och me und klaget: 'owi, das süsse herze daz da vol waz aller wiss-
hait, daz wart durch stochen mit dem sper, und aller sin lip und sinü lider
wurdent zertent und jümerlich gemartret, und verlos dü sunne daz dritte
25 tail ir schöni’.
An dem manen beschahent och zaichen, daz waz an ünser vrowen, dü
sich dem man [ 80' ] glichet an drin dingen, daz erst ist: waz er liehtes
hat, daz hat er von der sunnen. daz ander ist daz er lühtet in der naht,
das dritte daz er gemain ist.
1. sprächet A. sin junger] sö G. im fehlt A. nahvolgetant] uolgeton G. 3. nach
Bemhart] Dü minniclichen o'gen dü stürben an deine erüeo . vfi G. 4. mit g. getrenket] ge-
spiset mit d’ gallun . vfi getrenchit mit dem czzichc G. die selbin hende G. 5. scharphen!
den G. 6. do] donnoli G. 8. Got fehlt G. der hato G. sun ünsim h'ren J. Ch. G.
(I. dez wil ich iv urkdndc gebin G. 10. me fehlt G. 11. andern fehlt G, ebenso 13.
13. egel A, fehlt GZW, das iceiterfährt mit do sah er ain. sass] waz G. 14. sah in lutir-
lichir denne die andim engile . do sah er ain G. 16. bilde daz bin G. so fehlt A, also G.
och so] also G. 20. also so sehent wir denn d. h. ? Roethe möchte lieber sol statt so lesen und
schont als Inf. fassen. und also — 22 klaget] 0 we sprich? s. Bemhart vil claget in . Die hende die
himilriche vnde ertriehe geschaffen hain . die wrdin dur slagin G. 22 f. nach wisshait] vfi von
domo cllü wizhait vloz G. 24. jömerlich fehlt G. und v. dü s.] vnwirdiclichc . da sprichit er
dnz der sunne viriöz G. 25. ir schöni] siner scho'ni . vti sincr kraft . da er irstarp GZ (da
irstarp fehlt lf). 20. beschahent — zaichen] sun o. z. geschehin G. waz anl ist G.
‘10 f. dü — dingen] An drin dingen ist si dem manen gelich G. 28. hat fehlt A. daz er lühtet] er
ist ain lieht G, er ist lieht Z. 29. dritte ist er ist gemaine G. d'az A.
3. vgl. oben S. 35 Z. 24 ff.
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39. Von flnser vrowon und »nserm hem.
107
Ze glicher wis ist unser vrow ain man; won waz si gnaden und fugen-
den und s&lden Mt, daz hat si von der snnnen. und da von sprichet si:
‘unser herre hat mich, sin dirnen, besehen’, und dar über sprechent die
maister: ‘swen unser herre besiht, den besiht er also: swaz an im gebresten
ist, daz erfüllet er mit sinen gnaden und bestätet in denne an tilgenden’. 5
also tet er öch ir.
Daz ander ist daz si üns ist gegeben ze tröste und ze aim lieht daz
üns sünder entlühten sol, daz si üns laiti mit ir liebte uss disem eilende,
won si ist ain lieht der gnaden, also spricht sant Bernhart: ‘vrowe, du bist
der gewär mäne, der da lühtet in der naht; vrowe, du gist den engein und io
den hailgen vröde, den rehten mentschen merest du ir gnade, den Sündern
erwirbest du ap/SO^/plaz aller ir Sünden’, er spriht och me: 'o sünder, gang
vrölich. zü, du mäht wol sicherlich ze huldi komen; won du hast ain harte
sicherlichen Zugang zü Gotte: du hast die müter vor dem sune, den sun vor
dem vatter. dü müter zaiget dem sun ir brüst die er sög, und die schoss 15
da er inne sass. der sun zaiget sin situn und sin wunden sim vatter und
bittet für dich, owe sünder, nu rüf an die güten, won si ist der mane der
den sünder laitet; nu rüf si an, won es ist unmuglich daz der sun der müter
iht verzihel’
Daz dritte ist daz ir gnade ist gemain allen den die si an rüffent. also 20
spriht sant Johannes: ’o vrowe, du bist der mane der da gemainlich lühtet;
du verseist nieman din lieht*, wa ist der mentsch der dich ie an gerüfte, du
tailtist din gnade mit im ? sant Bernhart spricht och: ‘vrowe, du bist gesetzet
in des künges hus zu aim fürsprechen ’. [81“] nu rüff, vrowe, an sinen namen,
daz er üns gnädig si! si tüt es und tüt es gern; won daz si üns wol tüt, 25
daz ist ir güt und nütze und och üns: won so si ie me git, so si ie me
bat, und wirt ir vröde mit gehöhert und gebraitet ir ere in hymelriche und
in ertrich. entrüwen, si tüt es von rehte; und täti si es nit, si täti unreht
nu merkent: es ist geschriben reht: ‘waz der mentsch verlüset, swer daz
1. won fehlt G. 2. der — von] deine lebindin surnien . also G. 3 und dar über] Vbir
daz wort G. die haiiigen vn die G. 4. »wen korr. aus swen A. vnaer h're zweimal A.
6. also — ir] vn si wart relitc erfüllit mit deine oberosten gfitc G. 7. fins ist A Z, (ins wart G.
ze tr.) zaime tr. G. 9. ain — der] de lieht daz (ins (üns fehlt Z) sönderc entlfihtcn sol . mit
Ir G. 10. ain gewaere G. 12. nach sönden] vfi mit diner gnade geuestinost du s(i an gütimc
lebinne G (an rechtem glau'ben 11’). mo fehlt G. 13. vrtlich] vtivorhtlicbe G. 14. siehcr-
lirhen — Gotte] züvirsihticlichin fürganch G. 16. inne] vffe G. sim vatter fehlt G. 17. nu
fehlt G. 18. laitet . vn si ist vns Sündern zaime tro’ste gegebin G. der send' A, daz
kint der G. 19. verzihe A Z, virsagc G. 20. si fehlt G. 23. nach im] wa ist der menscho
der dich ie bezügen mohtc daz du ime niht geibist dine gnade . so er dich an rüfto G. öch]
O wo G. 26. güt und fehlt G. 27. vB ir ere gebraiterot G. 28. vn entrüwen G. ez
o'eh zerehto G. so titc si unrehtc G. 29. merkint wie daz ist geseriben r. G.
3. Luc. 1, 48.
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SS. Von iin»er vrowen und rtnserm hem.
rindet, der sol es dem wider geben dez es ist’, ze glicher wis ist es mnb
us und unser vrowen. si hat f'unden daz wir verlorn liant. waz ist das?
entrüwen, daz ist dii guade; won do unser müter Eva ungehorsam wart, do
verlor si allem mentschlichem könne die gnade, und die hat si funden. und
s merkent wie: do der eugel zit ir kam und si graste und sprach: ‘Got griitze
dich vol der gnaden’, [SV] do vant si die gnade, do an der selben stunt
enphieng si Got und mentschen von dem hailgen gaist«. do vant si wirlich
die gnade die Eva verlorn hatte, man liset von ir daz si erschrac do der
engel zu ir kam. do sprach er zü ir: ‘mit enfürhte dir! du hast die gnade
10 funden die Eva verlor’, sit wir si nu bezöget hant daz si funden hat daz
ünser ist, so ist daz sicherlich reht daz si es uns wider geb. alz spriht ain
hailge: ‘vrowe, du hast die gnade funden die wir da verlorn hant; vrowe
nu ist es reht daz du si lins wider gebest’, der man ist daz aller nähste
gestirne dem ertrich: also ist öeh unser vrowe du gnädigost und du nähste
15 mit ir gnaden den sondern, ich sprich es mit der hailgen urlob daz si alle
sint gnädig und gut, doch ist si gnädiger und göter.
Dirre man verlor den dritten tail siner kraft an der stunde do ir liebes
kint an dem crütze hieng; won do waz ir also we als ir [SV] ain swert
durch ir herze gieng. won si minnete ir kint von menschlicher nnture me
20 denne ie dehain müter ir kint, so minnote in öch ir sele me von gütlicher
minne denn ie kain sele. und da von moht ir wol we sin, do si in so
jämerlich sach hangen vor iren ögen. es sprechent die hailgen und die
maister daz ir reht wäri als aim mentschen dem ain swert durch sin herze
gesteket wäre und daz weder sterben noch leban mühte, also sprechent si
25 daz ir wäri do si sah ir herzblüt vor ir also jämerlichen hangen, owe, vil
süssii vrowe, sag uns wie diner sele wäre! ‘owe, mir waz von inueklichem laide
so we daz mir so gar waz gebrosten daz ich nüt kan gesagen wie herzek-
lichen we mir waz! ich mohte weder sterben noch leben, und waz min quäle
also gross daz ällü herzen nit erdenken kunnent wie we mir waz’. an der
ao stunt verlor der mäne daz dritte tail siner kraft, do si ir herzblüt verlor.
\ f. ze — vrowen folgt nach 2 hant A. 2. verlorn hant) vcrlum G. ist abir dai G.
3. daz] ez G. won fehlt G. mütir vro eua G. 4. und dio] I)io gnade G. 5. and
si] do er si G. cor Got] Aue maria gratis plena G, Ave gratis plcna W. 8. verlorn hatte)
virlor G. man lisot] da wart virwandilot eua In aue . vfl liset man G. 9. cor nüt] Ne tionsß
maria G. 11. cs üns] üns daz G. 12. hailge] hailieb mä G. da fehlt G. 13. si uns]
vns die gnade G. aller fehlt G. 14. ist — vrowe] sprich ich . vnsir vro’ wo ist G. 15. den
Blindem] deine siinder G. daz si] die hailigen G. IG. sint vor 15 alle G. und gMer)
denne dehain hnilige G. 17. daz dritail G. 18. als ain s. G. 19 /'. von — kint fehlt .4.
20. so] do G. me steht nach 21 minne G. 21. so fehlt G. 22. es] Vnde G. 24. leban)
geuesen Z. mähte] mach . vnde also kiele (quelo Z) G. 25. do — hangen] An der zit do si ir
hercehldt vor ir sah hangen . also iamirlichc G. 20. wie dirne hcrcen vil diner G. waz
fehlt A. 27. waz gebroston] nahe waz G. 29. daz ez G. wie — waz fehlt G IV.
30. hcree blot virlor vH si von deme laide ir kraft virloz G.
5. Luc. 1, 28. 9. Luc. 1, 30.
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38. Von unser vrowen und unscrm hem.
109
Nu bittent die gnädigen und die güten vrowen [8V] daz si uns gehelfi
dar da tusent jar sint alz ain tag, alz der wissag sprichet, daz ist in dem
hymelrich. amen.
[39.] Von maliger hand regele.
I Stephanus autem plenus gratia et fortitudine faciebat signa magna et pro- 5
digia in populo.j
‘Stephanus waz vol gnaden und sterki’, spricht sant Lucas in Actibus,
‘und tet grössü zaichen an dem volke’.
Hie an sont wir merken vier ding.
Stephanus daz sprichet ain regel. ain ding da bi man ain ander ding io
schephet und nach machet, daz haisset ain regula. nu ist zwaiger hand regel :
aine die liant gaislich lüte, die andern hant weltlich lüte.
Drü ding sint an der regel da mit ällü dii weit begriffen ist, daz ist
unkünschkait des libes und wolnust der ogen und hofifart. dis ist bezaichent
ain regel; von der liset man in der alten e: do her Moyses starb, do wart 15
daz volk bevolhen hem Josue, daz si der volle fiirti in daz hailig laut daz
in Gof [82“] verhaissen hatte, und do si uf der vart warent, do gebot in
unser herre daz si ain statt verdarbtint und do si dristunt dar umb gien-
gent, do Hess unser herre die mur nider vallen än strit und giengent si in.
nu hatte unser herre gebotten daz si nit uff sich näment daz si fundent, 2»
und swer iht robes näme, daz man den verstaiueti. do nam aiu schalk ain
guldin regele, und dar nach kament si zu ainer andren statt, die soltent si
öch verderben, und da wurdent si flühtig. do gie der wissag zü unsrem
herren und sprach wie er in so getan hetti. do sprach unser herre: ’üwer
ainer hat üch verwürket’. und wurfent si daz löss und fundent den schul- 25
digen hern Achor. do sprach der wissag: ‘sag an, unsälig man, waz hast
du getan?' er saite er hetti aine guldine regele verstoln. do sprach er: ‘uma-
t. bittent] nun wir bitten G. 2. dar] zö der vro'de 0. tacii der zirgangen ist G,
alz der — 3 amen] Also spr. d. w. in deme himilscbin lande ist dii vro'de also groz . daz da tüsint
iar sint also der tach der zirgangen ist (als ein tag der gestern vergangen ist IV) GZ.
4. Überschrift fehlt G, Von sce Stephano (rot) Z, Do s. Stephano Arundel, Va sent stephäe Philipp.
5. Der lat. Text fehlt A. 7. vor St] Disfi wort spriehit s. I.ncas in der epistel (disü wort
scribit man in de epistoia Z) . im dü wort sprechint alsuz G. spricht — Aetibns fehlt GZ.
1 1. haisset] ist G. 13. da mitte ist 5. d. w. b. d. i. G. 14. und hoffart — ist] vii disü regilo G.
16. daz israhelschi volch G. 17. gottc A. uerte do w. G. 19. nider fehlt G. 20. daz
nach nÄment] dez G. 21. do — schalk) nu waz ain schalch ull ain bo’so wiht vnd' in . der
viretal G. 23. do] nu G. 24. wie — hetti] herre wie hast du Uns so getan G. 25. und
w.] Do w. <i. fänden sä den G. 26. waz — 1 man fehlt durch Bomöoteleuton A.
2. Ps. 89, 40; II. Petr. 3, 8. 4. Die Predigt findet sich in G Bl. 10*; Z Bl. 12 * (fehlt
WN); H Nr. 3; Arundel Bl. 93‘; Philipp. Bl. 117*. — Gedruckt bei Wackemagel S. 322 nach G.
— Vgl. dazu oben S. 10 Predigt Nr. 4. 5. Act. 8, 8. 14. I.Joan. 2, 16. 15. Jos. 1.
17. Jos. 6, 20. 25. Jos. 7, 20 ff.
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39. Von m&ngor hand regele.
lieh man, du hast uns betrübet, nu betrübe dich Got’, und nament und stain-
tent in. bi der regel ist bezaichent welt/5 .2 */lich leben; iron alz daz gold
den schin von im lat, also tut du weit, si zaiget schönes leben, also sprichet
sant Johannes: ‘alles daz in der weit ist, daz ist begriffen mit flaisclilicher
s girde und wolnust der ögen und mit hohfart’. alle die in der regel lebent,
die wirt unser herre verstainent an dem jüngsten tage, disü regel hat ain
jämerlich ende, also spricht sant Johans: ‘4116 dü weit und ir girlichü woln-
nust zergat j:\merlich mit bitterkalt’.
Dü ander regel ist ain regel gaischlicher lüte. dar an sint zwai ding,
io ains daz sint dü gebot ünsers herren, alz dü zehen gebot, der ist ain iek-
lich mentsch schuldig ze behaltenn, es si gaischlich oder weltlich; und swer
si nüt behaltet, des wirt niemer rat. daz ander ist der rat ünsers herren,
und des underwindent sich gaischlich lüte, die in volkomen leben körnen went.
nu ist mänger hande regel in gaischlichem lebenn, der ieklichs sin Satzung
15 [SP] und sin regel hat, aber die usgenomen ding in ieglichem gaischlichem
lebenne daz ist armüt, künschkait und gehorsami. daz ist ain regel des
rates; und an die möhtint wir wol behalten werden, dis ist aber sicherre.
Man liset in dem ewangelio von aim, der gie zü ünsrem herren und
sprach: ‘maister, wie sol ich tün daz ich daz ewig leben gewinne?’ do
20 sprach unser herre: ‘du solt dü zehen gebot behalten dü in der alten e ge-
botten sint’. do sprach er: ‘die han ich von minen kintlichen tagen behalten
untz her’, do sprach ünser herre: ‘wilt du durnühtig sin, so la alle din habe
und volge mir nach’, daz waz ain regel des rates. die hant 6ch gaischlich
lüte an sich genomen, die sich alles zergangkliches gutes enzihent und ünserm
25 herren nach volgent. daz ist ain leben durnühtiges, sprichet ünser herre.
nu tunt wir daz vil kume, won wir sint so gar sere an der nature ge[82>J
swechet von der ersten sünde ünser müter Even daz wir da von so gerne
an üns zielient; und womit wir bliben alz wir in dem paradyse wurden!
geschaffen, so wärint üllü ding gemaine. nu ist der lüte vil die arm sint
so aber also daz si gern gfit hettint; die sint niht reht arm. ünser herr sprichet
in dem ewangelio: ‘sälig sint die die willeklichen arm sint durch Got, also
daz si nihtes nit gerent won ir notdurft’.
1. betru'be] betriebet G. namin ln vnde G. 2. voon A. 3. also t.] xe geliebir
wiz t. G. Icbin . in dez libes Wollust G. 5. w. der ögen] mit der o’gen wollust G.
7. woln, ‘nust A. 9. daz ist G. g. löte) gaistiiebis lebinnes G. 11 f. und — si] swer dez G.
12/. daz — des] Dfi anilir regile ist ain regilc dez ratea . d' G. 14. in] vndir G. t5. die!
daz fälschlich G. dinch sint in G. 17. und fehlt G. sicherre] sichirlich G. 19. tan — ge-
winne] den ewigen lip gewinnen G. 20. alten fehlt G. 21. minen — tagen] miner kint-
hait G. 22. du denne G. habe] gehxbido G. 24. an s. genomen fehlt G. 25.
durnehticb I. O. 26. gar fehlt G. 27. so fehlt G. 28. went .4, wreri G. wir vor blibeo
fehlt G. 29. harte vil G. 30. aber also] sä Bint abir also arn G. niht fehlt A. 32. ir
notdurft] der no'tdrfiftc G.
4. I. Joan. 2, 16. 7. I. Joan. 2, 17. 16. Matt. 19, 16. 31. Matt. 5, 3.
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39. Von m&nger band regele. lll
Dü ander regel gaischlicher lüte daz ist künschi. daz ist vil swArer
denn daz ich an aigenschaft bin. nu merkent wie: daz gut ist uswendig
mines libes; swaz uswendig raines libes ist, daz ist mir lihter ze lassenn
denn daz in mir ist. daz ich künsek leben ban, daz ist wider der nature.
und da von sprichet ain hailge: 'künschlich leben in dem übe daz ist nit 5
mentschlich, es ist kymelschlich’. da von sprich ich [83’]-. daz ich Got dü
ding gebe dü in mir sint und daz wider der natur ist, daz ist vil grösser
denn ich daz güt lan, won daz ist usserhalb. daz aber ich und swer es
tüt, minen lib allweg kestigen mit arbaiten, dar umb daz min nature ver-
drukert werde und min künschi Got behalti, daz ist vil löblicher denn daz io
ich vil gutes lasse; won der mentsch künde noch enmohte Gotte kain ding
geben daz im so lieb wäre und sigi alz die künschi. uud mugent daz dar
an merken: es enist enkain ding daz der mentsch gelobet und enthaisset,
man nem es ime wol ab und setze im ain anders dar für, won allaine die
künschi. swer die gelobt, dem mag es weder byschof noch bapst ab genemen; 15
behaltet er es nit, sin wirt niemer rät. und da von ist dü künschi löblicher
denne kain ander ding; und won si löblicher ist denn kain ander ding [83 */,
da von ist si öch Got lieber denn ander opher. und dar umb sol der
mentsche sinen lib arbaiten und kestigen, daz er küusch belibe.
Dü drit regel ist gehorsami. dü ist swär und noch swärer vil denn dü 2»
künschi. enkain ding mag sich der gehorsami geliehen, won der wille ist
der obrost und der edlest der in der sele ist, und enmag der mentsche mit
nüti daz hymelrich verlieren noch gewinnen won mit dem willen: und da
von ist es dü groste tugent, der sinen aignen willen uf git. swenn ich Got
minen willen uf gib, so han ich daz edlost im geben daz an mir ist, und 25
da von ist es aller gröstes lones wert; won dem mentschen wider stat nüt
I. g. lüte] die gaisüiche lüte hant G. 2. bin] leben G. uswendig] uzsiront G. 4. ich
denno G. 5. da von fehlt G. 6. m. lebin . ez ist liimils lebin . Daz spr. ich denne G. 7. mir]
mime libe G. vil fehlt G. 8. denne daz ich gottc d. G. 9 f. daz ich m. n. uirdruckc G. 10. min
künschi] daz ich mich küscblichc G. ist ain v. iobilichir dinch G. 11 f. «an dü küschait ist so
wirdich . daz der mensche enhain dinch gotte mohti gegebin daz etc. G. 12. und sigi fehlt G.
nmgent ir G. 13. ding — enthaisset] mensche daz ez debain dinch gelobet G. und ent-
haisset fehlt Z. 14 f. allaine — künschi] der küschichait G. 15. die] diz G. habest uoh
bischof G. 16. behaltet — und fehlt G. Iobilichir ze merckinne G. 17. won si] dar umbe
daz dü küschichait G. denn — ding fehlt G. 18. lieber] amphanclichir G. denne ain
andir G. 19. nach belibo] vndc swer daz tüt daz ist gro'zir tugint . wan cs ist ain vil sw;rrc dinch
zetfinne . Also sprich^ ain wise man . Ez ist vil millich' daz der mensche sincr nature widir-
stamlc . vnde sine nature fibirwindet dar ulfe lit groz Ion . sp'chit er G. 20. regile die gaistliche
lüte hain daz ist g. G. 20 f. sw5r — gehorsami] vil wndir sw:cro . ez ist ain groz dinch daz der
mensche ane aiginschaft lebet . ez ist abir nob gro'zir . daz der mensche küsehc si . ez ist abir
allir gro'st . daz der menschi gehorsam si . deine enmach sich enhain dinch G. 21. daz ist G.
22. daz edilosto vH daz oberosto daz Cf. 23. daz fehlt G. gewinnen noh virlicren G.
24. ea o'ch G. sinen] den G. 25. uf fehlt G. 26. nüt] enhain dinch G.
20. vgl. oben S. SO Z. 33 ff.
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112
39. Von mlngcr hand regelo.
so sere so daz es sinen willen gebe in aines andern willen und sin selbes
verlogenn und nüt tilge won als jenes welle, der mentsch sol sich also gar
ergeben daz er sinen willen an allen dingen lasse und sines obren willen
tüge. er sol nit allaine den willen lassen, er sol och den sin des [83‘] willen
5 lassen, also daz siner maisterschaft sin in alle zit besser dunki denn der sine,
und so er ainen willen hat etwaz gutes ze tiinne und spreche sin prior oder
sin bihter: ‘du solt dins lan und solt enanders tün, daz dunket mich besser’:
du solt daz geloben daz dir daz besser si denne du ain besser werch tätist
nach dim sinne, und daz grösser Ion druff lit. entrüwen, es ist aber vil
io mülicher ze tünne. man liset daz die wunden aller wirst tünt an dem dritten
tag. da bi ist bezaichent gehorsami, won si ist daz dritte tail an gaisch-
lichem lebenne. und reht als die wunden aller wirst tunt an dem dritten
tag, also smirzet och du gehorsami aller serost, und machet der tüvel dem
mentschen nit so swäre , und ist och von nature enkain ding so swäre so
15 du gehorsami. von der gehorsami sprichet sant Augustinus: 'daz ist rehtü ge-
horsami du nit ir willen hat; du aber üt ir willen hat, da lit lützel lones
bi’, won swaz der [83*] mentsch gern töt, des ist er liht gehorsam; daz
aber der mentsch der dinge gehorsam ist die er ungerne tüt, und er doch
sinen willen dar zu füget daz er es tüt durch Got und durch gehorsami, da
20 lit grosser Ion uffe. du gehorsami ist ainig Got liep. man liset in der altan
e daz unser herre gebot dem künig Säulen daz er ain lant verdarbt!, und
swaz er da fundi, daz des nieman üt näme. do für daz vo Ik zü und nam
schönes vihe und gehielt daz. und wart des Samuel gewrar und gie zu dem
künig und sprach: ‘hast du getan daz dir Got gebot?’ ‘ja’, sprach er. 'waz
25 sol denne dis vihe?’ sprach Samuel, do sprach Saul: ‘wir went es ze aim
opher bringen ünserm herren’. do sprach Samuel: 'Saul, waist du daz ünserm
lierren gehorsami lieber ist denn daz opher?’ daz ist üns ain nrkünde daz
dü gehorsami Got aller liebst ist. [84a] sant Paulus sprichet: ‘unser herre
waz gehorsam untz an den tot’, und wolte gerner sterben denn er ungehor-
30 sam wäre, und noch hüt dis tages minnet er gehorsami also sere daz er
sich niemann git won der gehorsam ist; also sprichet sant Bernhart.
‘Stephanus waz vol der gnade’, daz ist also vil gesprochen alz unser
1. gebe — willen fehlt A, in aines andirn willen gebe G. 2. verlogenn = virlo'ginne G.
als jenes] daz ain amlire G. der gaistliche mensche G. 4. er sol) Ich (in Z) ensol o’ch , da-
gegen da» zweitemal er sol o. G. 5. also daz dich allizau diner m. sin bczsir d. denne din sin G.
6. unde so dn ainen sin aide ainen willen best G. sin prior] din priorin G, din prior Z.
7. ain] din G. ding] diz G. S. daz solt du Ifitirlichc gclo’bin G. denne ob du G.
10. mfilich G. 11. dü gehorsami G. si] dü G. 12. reht] zcgclichir wiz G. wirst tnnt)
serost swcm G, serest swirt Z. 13. smirzet fleh] swirt den menschin G. 15. von d. gehor-
sami fehlt AZ. 16. dü aber — hat fehlt Z. 17. bi] an G. 21. daz vor ünscr fehlt G.
er fehlt A. 22. er] man G. vok A. 23. giencb er zü G. 26. du niht G. 27. du
gehorsami G. 28. Palus A. der spriebit G. 2». der waz G. 32. Daz andir wort sprichj .
plenus iplena Z) gratis . Stephanus der waz vol gnadon G. vil gesprochen] zenirstainnc G.
23. I. Reg. 14, 31; 15, Uff. 28. Phil. 2, 3.
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39. Von m&nger hand regele.
113
herre sprichet in dem ewangelio: 'swer alle die weit dnr mich lat, dem
wil ich an dirre weit geben hundertvaltigen Ion und an jenr weit daz
hymelriche’. nu möhtint ir sprechen wie dem wäri; won die lüte die Got
dienent, den git er weder ere noch gut an dirre weit, er git in nit won
nnsitlde. nu muss der aintweders war sin oder nit. hier umb disputierent 5
die hailgen und die maister und sprechent daz Got war habe, won sind
wort gevelschet er nie. nu merkent wie daz ist. si sprechent: unser
herre git dem ment/847schen tugent, die sint besser denn gold und edler
denne ällü du weit und merkent daz dar an: und wäri ain mentsch alz ge-
waltig daz ällü du weit under im wäre, mit dem allem möhti es hymelrich io
nit geköfen; und du tugent die Got dem mentschen git, da mit koffet es
hymelrich. und also ist der mentsche richer der tugend hat, denne ob er
aller weit gewaltig wäre, und also hat unser herre war gesprochen, won er
git daz hymelrich umb enkain ding won allain umb tugend. swer denn tu-
gent hat, der ist volle gnaden. 15
‘Stephanus waz vol sterki“. daz ist also vil gesprochen: swer die drie
reglen behaltet, dem git unser herre tugend, und da nach sterket er in dar
an. swer nu die künschi behaltet, der wärt Got aller nahest, dis stat ge-
schriben in dem büch der wisshait, daz der mentsch reht hymelsch leben
und engelsch hat daz hie uff ertrich künsch ist, und da von won es ge- 20
maines leben [84'] dem himelschen leben hat, da von wirt es Gotte aller nähst
sinde. der mentsch wirt öch gesterket an willeklicher armüt, daz er die vrö-
lich treit. man sprichet ain sprich wort: ‘der ital über daz velt gat, der gat
singend', also tüt öch der willig armer mentsch: der gat vrölich und un-
vorteklich, won er hat niht ze verlierenn. im enmag der tüvel enkain wis so 25
nach körnen alz dem riehen, won unser herre wil der armen helfer sin. also
sprichet der wissag und leret: 'herre, du bist ain vater und ain helfer der
1. die] dise G, die Z. 2. an — weit fehlt A. an jenr] zenre G, ze cinre Z. daz
fehlt G. 3. m Mitint] merokint G. sprechen) spreehint G. 4. an] in G. 5. ain daz finair
herre hat gesprochin odir G. hier nmb| Her vf G. 6. habe] haigo gesprochin G. 6 f. ain
wort G. 7. ai] die hailigen vndc die maistir G. daz önair G. 8. besser — edler] tfirre
vnde ho'liir denne ailiz daz golt daz ie wart . da uon sint aö ho'hir . vndc (ho'hir vndc fehlt Z)
gTO’zir G. 9. und vor wirf fehlt G. 10. AIIO — im] ez allir dir weite gcwaltieh G.
12. also — richer) da mitte bewarent aö (die meistere Z) . daz d. in r. ist G. 13. allir der welto G.
also — herre] da mitte beziigon die hailigen daz 0. h. halt G. er) unBir h're G. 15. volle
gnaden] plcnus gratis G. 16. Daz drito wort daz ist fortitndine . daz sprichit atercki . alsc s.
lucaa scribct . ateplianua der waz vol atercki vndc gnadon . rehtc als ob er sprechi . swer G.
17 f. sterket — dar an] wirt er mit dien tuginden gestcrckit . an dien drin rcgilcn . daz ist kü-
schichait . da non liset man in libro aapientic . da Btat also G. 18. nu fehlt G. mehiat
sinde G. dis — 20 ist] vndc rehtc daz himilsche lebin . vnde daz englische lobin . het der
mensche uffen crtriche . der k0ac.be ist G. 23. Sprichwort in der acrift G. der gat fehlt A.
24. öch fehlt G. 25. im] vnde der willicliche am ist deme G. wial weck G. 27. und
leret fehlt GZ. herre — 114, 1 annAt fehlt A.
I. Matt. 19, 29. 19. Sap. 4, 1 ff. 27. Pa. 9, 10.
Deutsche Texte dm Mittelalters. X.
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39. Von msnger band regele.
tvilleklichen artnut', der mentsch der wirt öch gesterket an der gehorsam!
wie möhti der mentsch iemer grässlicher gesterket werden denne der also
demütig wirt daz er sinen willen verwirfet und er ains andren willen tüt?
dem mentschen git unser herre ie me und ie me tilgend uud gnade, also
5 spriht sant Jacob: 'unser herre wil dem demütigen mentschen sin gnade
geben und wil sich krefteklichen setzen [84*] wider die hohvertigen lüte’.
es sprichet öch sant Paulus daz ünser herre mit siner gnade sterket du de-
mütigen hertzen und verwirfet dü hohvertigen.
‘Stephanus tet och grüssü zaichen an dem volke’. nu merkent wie dü
io zaichen sont sin. man liset in dem ewangelio daz ünser herre sprach zfi
sinen jungem: 'in mim namen sont ir die tüvel vertriben, ir sont nüwe
zunge reden, die schlangen sont ir uf haben und trinkent ir g-i ft, daz sol üch
nit schaden, und üwer hende sont ir uff die siechen legen und sont gesunt
werden’, disü zaichen sol man gaischlich verstan und sol sü öch gaischlich
15 tün, won sü sint vil nützer denne dü liplichen zaichen. ain hailig sprichet:
'so dü zaichen ie gaischlicher sint, so sü ie besser sint’. man liset von
mängem der grössü zai/85"/chen tet und doch verlorn wart und da von sint
dik dü ofnen zaichen schädlich, daz ünser herre hie vor in der junger ziten
grbsü laichen tet, daz tet er dar umbe daz dü cristenhait genieret wurde
20 da mitte; und do warent zaichen nütze, nu enist der zaichen nit not: da
von ist vil nützer daz si der mentsche gaischlichen an im selben tü.
Daz erste zaichen ist daz wir den tüvel uss uns sont triben. nu merkent
wie. ir wissent wol, waz die ogen gesehent, daz bringent si zehant der sele
uud zaigent es ir, daz öch si es an seh; und swaz die oren gehörent und
25 kurtzlich die sinne alle us wendig enphahent, daz bietent si zehant hin der
sele, daz öch si es versüche. und so dü sele denn enphindet der enphindun?
der sinne und die bewegung des libes, so wirt öcli zehant dü sele beweget,
dü sele und der lib sint also wol sament daz sü zehant gevolgent. [85*]
und so dü ainhellung geschiht, so ist der tüvel in dem mentschen, und füget
so denn mit sinen rüten daz der mentsch bekort wirt. so sol der mentsch
tugentlich striten und sol Got an rüffen. sant Gregori sprichet daz ünser
1. annöt Z. arrnüu (i. mensche wirt G. an der drittun rcgilo . daz ist g. G. 2. icracr
fehlt G. der a.] daz er a. G. 3. tat . vn sich also undir den naiget . vil dematet . daz er
rehte tat . als er nie willen gewnne (?. 4. herre me un roc G. 7. es — Och) also sprichit G.
daz fehlt G. Vnsir h. sterckit m. a. g. daz demätigo herce G. 8. hohuertigen lüte C?.
9. Daz vierdo wort scribet er . daz er gr. z. tet a. d. v. G. dü] disü G. 11. vor io] ln no-
mine meo demonia G. sont ir ziceimal A. den tieuil vz triben G. 12. un die G.
virgift G. 14. sol man) sunt ir G. sol sü] sunt sü G. 15. hai/hailig A. 17 f. sint —
schädlich! geschiht . daz dü o. z. vil sch. sint G. 19. grAsfi z. fehlt A. 20. und fehlt G.
not fehlt 4. 20 f. da von] vfi G. 22. daz ist daz G. uns fehlt G. 24. es — cs) irz . daz
si daz G. 25. alle swaz die u. G. hin in der G. 26. cs] daz G. 27. die] der G.
bowegit . nah dez libes bewegunne . wan G. 28. sament] mit ain andir G. 29. gehcllunge G.
fügent 4. 30. bo'sen netin G.
5. Jac. 4, 6. 7. im Anschluß an 1. Cor. 1, 27; Luc 1, 52; I. Petr. 5, 5. 11. Marc. 16, 17.
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39. Von minger band regele. 115
herre etswenne verhenget daz der mentsch in kumber und in not kumet, dar
urabe daz er sich selbe werde erkennend, wie reht krank er ist an Gottes
helf, und daz er denne Got an rufe daz er in erhöre und im ze helfe kome,
und git im denne ze jungst daz hymelrich und sich selben, in miinger wis
versftchet der tüvel den mentschen. etwenn vert er in den lip zwüschant 5
hut und flaisch und machet daz blüt haiss und tribet es im denne umb daz
hertze, und wirt der mentsch denne zornig, so der mentsch beginnet zür-
nen, so tribet er daz blüt umb die ögen, daz er rot wirt. etsweun vert er
in den lip und machet sich also swüre daz der mentsch dü gelider küm
uf gehebet, und truket in alles nider und wirt denn urdrutz/SCyzig zü Gottes io
dienste und zü gebette und zü allen güten werchen, und also raitzet er tra-
kait. und so der mentsch mit dem tüvel wirt besessen alsuss, so werdent
denn all tugent und all die krefte der sele ital stonde, und aller güter werche
werdent si müssig. also sprichet Jeremyas: ‘wie kunt daz so daz dü statt
vol lüt ist und doch ital stot?’ nu möhtint ir sprechen: wie mag daz sin ts
daz ain statt vol lüt si und doch ital stot?’ daz beschaid ich üch. swenne
der mentsch alsuss besessen ist mit dem tüvel, so werdent alle die tugent
und die krefte der sele müssig stünde, daz si nit werchent, und sint doch in
der sele. daz ist daz volk in der stat: die tugend in der sele. die sint da
und sint ital güter werche, und stät dü beschaidenhait allaine, und ist ir 20
gesinde gar entwichen, daz sint die tugend, die sint ir entwichen, also das
si nit werchent, und erlöschent also in der sele. denn so sont wir daz 185“]
zaichen began alz ünser herre sin junger hiess, und sont den tüvel us triben
der uns besessen hat, und alle sin bekorung mit güten werchen, und sont die
tugend alle üben mit gaischlicher arbait, und sont wainen und betten und 25
disciplin nemen und ündrü gütü werch tün, so flühet der tüvel von üns. als
sprichet sant Jacob: ‘wirf us den tüvel, so flühet er von dir!’
Daz ander zaichen ist daz sü nüw zungen sont reden, daz geschiht in
der regel des rates: so redet der mentsche künschü wort und senftü und
demütigü und kert Allü sinü wort ze bessrung im selbun und andren lüten 30
und ünserm herren ze lob: daz sint nüw zungen. man liset von den botten
1. knmber — not] not vnde in arbaito G. 2. umbe sprichit er G. 3. rAfe . vfi G.
in denno G. 4. daz fehlt G. 4 f. in — montschcn] wan liset indor schritt . dar (da & Z) d'
tievil d. m. in magewiz uireöckit G. 6. daz blüt] den lip G. es fehlt G. 7. so der mentsch]
so er denne G. 8. umb] undlr G. wirt . also raizit der ( richtig er Z) zorn G. vert er o’ch G.
10 f. zft — allen] gölte ze dienenne . vnde gebettis . vfi allir tugindc ufi allir G, in Z fehlt
vfi a. tugindc. 12. wirt] ist G. 13. alle die t G. sele werdint ital G. stonde A , das n rot
durchstriehen. 14. werdent] Bint G. der wissagc .1 Quornodo sedet . wie G. 15. stot] ist G,
möhtint] merckint G. sprechen] sprechint G. 16. vfi si doch G. daz b.] da b. G. 18. sele
die werdint G. 19. sele . vfi wrklt doh niht gutes . vfi (vfi fehlt Z 1 daz ist d. v. G. 21. daz]
da G. die sint fehlt G. 22. werchent] für raickint G. so fehlt G. 25. Abcn] uf-
weckin G. 26. Ündrü — tün] sun die tugindc Abin G. uns] dir G.
14. Thren. 1, 1. 27. Jac. 4, 7.
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39. Von niinger liand regele.
daz sü müuger hande zungen wurdent reden do der hailig gaist uff sü kam.
do sprachent die juden si wärmt all trunken, do sprach sant Peter: 'es
enist nit also, wir wissent (86"] wol waz wir sagent, es ist noch terci zit’.
alsuss, sprich ich, geschiht daz zaichen an uns, so wir alsuss alle unser red
5 ernüwren, daz wir denne Gottes lob sprechint und die lüt bessregint.
Daz dritte zaichen ist daz wir die schlangen uf habint. wie daz si, daz
beschaidet uns sant Augustinus und glosiert die rede, in dem paradyse da
du erst sünd beschach, da warent drü ding die och gaischlich an dem ment-
schen sint. der schlang waz ir ains. und wie der an uns si, daz merkent.
io uns ist ain natür an erborn, daz haisset fomes peccati, und enist des niemau
änig won der von dem hailgen gaist ist gerainnet, alz unser vrowe. disü
natürlichü bösshait ist uns so vast an geboren daz si nieman verdruken mag:
won der mentsch hat sich mit den Sünden so gar verswechet und verböset
daz si gert böser ding und des libes wolnust, und gert des dik von natür-
15 licher krankait an [86* ] des tüvels rät. swenn es aber si von des tüvels
räten, daz sag ich dir: der tüvel mag enkain mentsch bös machen, er for-
mieri e ain bilde in der sele, swie er die sele besiichen wil. und daz bilde
setzet er der sele für, daz si es an sehe; so siht si es an und aber an und
gedenket dar an denne. in trüwen, si mag also lange mit umb gän nntz
20 daz si kumet in bös girde. und der bösen girde mag si also lang nach
hengen daz es zu dem willen kumet, vil schiere mag es denne zü den wer-
chen komen. aber du biderb sele, zehant so dü siht daz der tüvel formieret,
so wider stät si im und gedenket an Got und vertribet den tüvel. nu ge-
schiht es öch daz dü sele mänig form enphahet die ir der tüvel für setzet,
25 und hat doch kainen willen daz si durch alle die weit iemer kain sünde
welle tun, und gat doch mit den gedänken umbe untz es ze böser girde
kunt. so der tüvel der sele die form für gesetzet da mit er si versuchen wil,
weder si daz (86'] enphahet oder nit, daz waiss er nit; er waiss öch der
gedenk nit swenn aber dü sele also gevolget daz si an daz ding also lange
30 gedenket, daz ir der tüvel vor entwirfet in der beschaideuhait, daz si daz
also lang an siht daz si da von bekort wirt und der lip die bewegung
enphindet, so waiss es der tüvel denne. und so er denne der bewegung wirt
gewar, so raitzet er si denne ie me und ie me. in ain ander wis wirt der
1. mingcr hande] manigc G. 2. all fehlt G. 3. also geuam G. 6. z. daz ist daz G.
vf aun hebin G. 8. de A, derae G. 9. der s. — und] Daz waz der »lange G. 11. der
rehte von G. gaistc dir von ist G. 12. uasto von natu re G. nieman alzogis G. 13. won|
vn G. sich] si also gar G. so — verswechet] uirschclkit G, viralenkit Z. 16. rate G.
enkain — machen] enhainem m. bo’se geduncho gegebin G. 17. c fehlt G. in der gehugide
der selo G. besuchen] nirsückin G, vereüchin Z. 18. vfi siht cz abir an G. 19. an]
nah G. 20. unii fehlt G. 22. so] also G. tienil daz bildo f. G. 26. gedlnken] gnade
rot durchttriehen, am Bande gcd5nken mit I enceufu ngszeichcn .1. 27. kunt in wirt so .1.
28. si] dü sele G. 32. enphindet] enphat G. 33. ie me vn me G. wirt o’ch der G.
1. Act. 3, 1 ff.
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39. Von minger hard regele.
117
mentsch bekort von sin selbes boshait. daz geschiht von der nature du da
haisset foraes peccati. die nature gelichet sant Augustinus dem schlangen der
daz wip verriet in dem paradyse. nu sint zwo girde in der sele: der ist
ainü nider keret zü dem ertrich, und du gert irdescher ding; du ander ist
uf gekeret, daz si Got schowe. nu raitzet der schlänge die under girde daz 5
si die sünde tügi; und so dü girde den rät enphahet von dem schlangen, so
ist Eva da von worden, und wirt denne du girde du [86* J da Even be-
zaichent, von dem rate, und so si also beweget wirt, so bätet si denne die
girde die si hat, der obren girde, daz ist Adam, und sündet er denne mit
ir. und so denne die zwo girda also enander gehellent, so geschiht du io
sünde. alsuss glöset sant Augustinus dise rede und glichet die natureklich
krankait dem schlangen, und die undren girde glichet er vrön Eveu und die
obren hern Adam, nu sont ir wissen, daz dü under girde stille stät, also
daz si nit beweget wirt von dem schlangen, so enwirt üns der rat nit
der angeborneu Sünden; swenn aber si wirt beweget, so mag es niemer 15
gesin, die ober naige sich her nider und gehellent enander. nu merkent wie:
so dü sunne schinnet in daz wasser, alle die wile so daz wasser stille stät,
so stät öch der sunnen schin stille der uff daz wasser schinnet. als schier
so der undertail beweget wirt, daz ist daz wasser, so beweget ze/#?“/hant
daz wasser den schin der sunnen. reht ze glicher wis geschiht den zwain 20
girden: alle die wile daz der under stille stät, so stät öch der ober stille;
und so dü under begirde beweget wirt, so wirt. öch dü ober beweget, dü
natürlich krankait, dü disen rät git und alle zit den mentschen raitzet uff
die sünde, daz ist der schlänge den wir uf sont heben, als ünser herre spri-
chet. dis zaichen sont wir began an üns selben: so wir gewar werdent daz 23
üns dü nature zu Sünden raitzet und üns unser girde bewegen wil, so sont
wir vast stän wider der girde und sont daz herze und die girde uf heben
ze Got und sont üns bekümberren mit güten werchen und mit guter andaht.
also sont wir die schlangen uf haben.
Daz vierde zaichen ist: 'trinkent ir vergiftes, daz sol üch nit schaden’, so
ünser herre sprichet in dem ewangelio: 'daz hymelriche ist [ 87 ~] glich aine
1. sin fehlt A. 4. gekerit G. und fehlt G. 7. worden] bewegt worden? (Panzer). wor-
den . dil o’ch in dorne paradvso den rat enphie von deme »langen vfi G. 8. denne] zehant G.
10. denne fehlt G. 13. obirun girde h. G. nach Adam] Nu hat er gesait wie cua den
rat enpbat . von deme »langen . vn bätet denne den rat adame . daz ist du obir girde unde
sändont denne G. daz] alle die wile daz G. 15. si) dä nndir girde G. 16. gesin] wer-
din G. 19. bo abir der G. 21. der undcrl dü undir girde G. der ober] dü obir giido G.
22. und — ober beweget] wan die undirun girde gclichit er deme wazsire , vnde die obirun
girde der sunncnschinc . Unde also der sunnun schin bewegunge enphat von deme wazsir . also
wirt dü obiro girde gcraizit vti bewegit von der undrun G. 24 f. sprichit . daz wir zachin Bun
tun . daz wir in simc namin die slangin sun vf hebin G. 25. dia) daz G. 26. ünser fehlt A.
29 vf hebin G. 30. z. daz ist G. 31. ewangelio . Simile e»t regnum eclorum sagene G.
31. Matt. 13, *7.
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39. Von minger hand regele.
segi, die man in daz mer senket’, ir wissent wol: so ain vischer sin netz
in daz mer wirfet, so zühet er bös und güt und alles daz im kumet, so er
es denne nsgezühet an daz stade, so liset er die bösen von den güten und
gehaltet die güten, also sol daz mentsche tün: so es sin hertz gewirfet in
5 die weit, da valiet es übel und güt und gedenket an die upkait der weite
und bevahet mit sinen gedänken mänig unsälikait, die in der weit ist; so sol
der mentsch ziehen denn an daz stad, daz ist an sin haimlich gebet, nnd
sol da scbaiden daz güt von dem Übeln und sol die weit und alle uppekait
us werfen und sol gedenken daz es alles ist ain tot der sele. und alz ünser
io herre sprichet: ‘trinkent ir vergift, daz sol üch nüt schaden’, der sei vergift
ist nit anders won dü weit und alles daz dü weite begrifen mag, daz trinket
dü sele. und ist dü vergift also daz si dran gedenket, daz ensol ir nit
werren, [87'] won si sol us zeliant schaiden daz böse von dem güten und
sol ir nit lan werren, so wirt öch daz zaichen volbraht.
15 Daz fünfte zaichen ist daz si ir hende uf die siechen sont legen, daz
si gesunt sont werden, so der mentsch beginnet tragen an Gottes dienste, so
ist er siech: so sol dis zaichen an im sin und geschehen; so sont wir die
hende uff si legen, daz ist also daz wir gütü werch sont üben, und sont da
mitte die bösen trakait weken. sant Bernhart sprichet: 'ir wissent wol daz
so der gebure hert Adren hat von der gewonhait daz er mit arbeiten ist ge-
zogen, da von mag er vil arbeiten, länt ir in aber gerüwen, daz er sin selbes
empfindet, so wirt er also träge als ain ander mentsch. ze glicher wis ist
es umb den mentschen. der sich selber güter arbait und gutes lebens went,
der mag wunder gearbaiten; aber den zarten lüten, die sich verzertent, den
25 geschiht alz dem geburen: so der beginnet rüwen, [87*] so wirt er ie träger
und ie träger’, so sont wir denn dis zaichen an lins began und sont lins
twingen zü güten werchen; dar nach gat dü Übung, daz der mentsch gütü
werch üben sol; und nach der Übung güt der wille, daz der mentsch mit
willen gütü werch tün sol. so ist denne daz zaichen vollebraht und ist der
so siech gesunt worden, daz ist der wille.
2. ime (Ino k. vH so Q. so « es t er A. 8. denne fehlt G. daz bo’sc von deme
g. G. 4. daz göte G. also] zo gelichir wiz G. 6. »ime gedancho G. 7. Az ziehin G.
haimlich] hailich G. 8. alle ir n. G. 11. mag] het G. 13. ItAsc] iibile G.
16. sont fehlt G. 17. sin und fehlt G. 20. Adren] andir art G. vil von G. 20 f. ge-
zogen] irzogin G. 21. vil arbaiten] wndir arbait irliden G. ir fehlt G. 24. die zartin
lüto G. sich] irlip G. 25. der] er G. 26. an (ins selbin b. G. 27. m vlizicliche giltü G.
29. tAn sol] tAt G. denne fehlt G. 30. wille . den willen het denne der mensche ir-
weckit mit fibunge gütir werche . so ist daz zachin gcschehin G.
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40. Von der erwellung dez mentschen.
119
[40. ] Yon der erwellung dez mentschen.
[Elegit eam cleus et preelegit eam et in tabemaculo suo habitare eam facit.]
‘Got hat si erwellet und für weit und hat si gemachet wandlend in
sim gezelt’.
Disü wort sint gesprochen zfi aim ieglichen sä 1 gen mentschen, und sint 5
drü ding dar an ze inerkenne, daz erst ist du erwellung; daz ander ist du
für erwellung; daz dritte dü Wandlung in dem gezelt.
Nu möhtest du sprechen: ‘war an sol ich daz merken daz ich erwelt
bin?’ des wil ich dir urkünd geben an drin dingen, daz erst ist daz du
lassest allen zart und kintlich [88°] sitten und alles gemach des libes und io
der weite vröde; won dü weit Ist glich ainer vrowen. von der liset man in
der altun e, dü hiess Jesabel, und enhatt nit natürlicher schöni. si zierte
sich aber mit varwe und zoh die lüte an sich, nu füget es sich also daz
der wissag Helyas ir liulde verlos, do wolt si im den lip haissen nemen,
do floh er gar sere, daz er vil müde wart, und entran in ain statt, hiess 15
Bersabee, und lie sinen kneht da, und floh er in die wüsti und behielt sich
ainen tag da. hie bi ist dü weit bezaichent. ze glicher wis alz dü küngin
Jesabel die lüt an sich zoh mit gemähter schöni, also tüt öch dü weit, dü
hat nüt natürlicher schöni, si strichet aber vAlsch schöni an, daz ist zergank-
lich schöni und vröde und hohfart, des libes gemach, güt und ere. und alle 20
die uppekait dü in der weit ist, daz ist nit anders won ain värwlin daz
hüt ist [88’’] und morn nit. mit den dingen zühet si die lüt an sich, und
swer ir nit volget, der verlüret ir huldi; wider den setzet si sich, und flühet
er nit, si nimet im daz ewig leben, so sol der mentsch tün als Helyas tet,
und fliehen zü Bersabee. Helyas daz spricht 'Gottes helfer’. und sweles 25
mentsch der weit entrinnet, daz ist Gottes helfer. also sprichet sant Paulus:
'wir sont ällü ünsers herren helfer sin und sont im mit ünsrem leben alle
helfen vollebringen daz tugentlich leben daz er lins vor getragen hüt'. waz
1. Die Überschrift fehlt GWNArundel, Dise wort hArent einO iegeliehO güt« rasche an
(rot) Z, Ite van den iuffrawen Phill. 2. Der lat. Text fehlt A. Zf. Got — gezelt fehlt G.
5 f. und — ding) drü dinch sint G. 6. ist d. erwellung] du bist irwelt G. dü fehlt A.
6 f. ist d. für erwellung] du bist für irwelt G. 7. dü — gezelt] du solt sin in deine got-
licliin gezelte (!. 8. Nu licbü iuncvro'we nu m. GZ. 10. alliz daz gemach G. 12. der
altun e] libro regum G. 12 f. vü zierte si sich mit v. G. 14. der fehlt G. do] vndo G;
ebenso 15. 15. in] an G. dü hiez G. 16. floh) lüf G. 16. Och fehlt G. 19. an) <f G.
22. vü mit G. die lüt] alle die weit G. 23. na nolget G. deme G. 24. er si
niht G. 25. vü sol si vliehin G. H. daz spr. mines gottes hclfterc G.
1. Die Predigt findet sich in G Bl. IS1'; Z Bl. I8a; TV Bl. 30"; X Bl. 32 a; Arundel Bl. 97m ;
Phill. Bl. 224h; H Xr.4. — Gedruckt nach G bei Wackemagel S. 531. 2. ist einem Versikel und
Responsorium aus dem Commune Virginum des Breviers entnommen. 12 f. III. Reg. 19, 3 ff.
27. II. Cor. 4, 10 ff.; Phil. 1, 20.
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40. Von der crwellung dez men wehen.
tet Helyas aber? er floh ze Bersabe, daz sprichet ‘der brunne sagten’ und
bezaichent ain ieklichs gaischliches leben, dar sol der mentsch fliehen und sol
sich da satten mit tugenden und mit guten werchen. man liset von ainer
hande bern, die hant die nature, so man sü zem ersten druket, so gebent sü
5 sures trank und dar nach süsses und dar nach getempertz. mit den beren
sol sich der mentsche trenken, so er zü gaisch/SSylichem lebenn kunt. er
sol zem ersten gedenken an die bitren sünde, wie dik er Got sere erzürnet
lmt, und sol im daz inneklich laid sin, und sol ain bitterkait dar umb hau
in sim herzen, sant Paulus spricht: ‘so ich gedenk an min altes leben, so
io ist es mir so bitter daz ich es ze ruggeu wirf und ker mich zü dem gegen-
wärtigen lebenne’. also sol der mentsch trinken daz bitter trank, zü dem
andren male soll du gedenken an ünsers Herren güte und an sine tugende
und an sine suzekait und solt mit Gotte suzeklich getrenket werden, zu dem
driten male solt du dich vesteklich und tugentlich haben zü der regel und
15 zü der Satzung und solt den orden vesteklich und flisseklich behalten mit
beschaidenhait; daz ist daz getempert trank, daz der mentsch weder ze lützel
noch ze vil tü. waz tet Helyas me? in trüwen er lie sinen kneht da ze
Bersabee und für in die wüsti und enthielt sich da ainen tag. bi der wüsti
ist bezaichent daz hymelrich, dar sol der mensche varen von dem gaischlichen
20 lebenn und sinen lip, daz ist der kneht, da lassen, bi dem aingen tage [88"/
ist bezaichent der ewig tag, der da niemer verendet, also sol der mentsche
zem erst lassen all kintlich sitten; dar nach sol er zü gaischlichem lebenn
varen: daz sint zwai urkunde daz du erwelt bist, daz drit ist daz du ünsers
herren gebot flisseklich behaltist, won daz ist ain ieglich mentsch schuldig.
25 man liset von aim jungling, der kam zü ünsrem herren und fraget in wie
er daz hymelrich möht gewinnen, do sach unser herre daz im ernst waz,
und minnet in und sprach: ‘du solt dü gebot behalten dü in der e gebotten
sint’. da bi merkent wir daz ain ieglich mentsch der gebot schuldig ist ze
behaltenne. und der gaischlich sol nit allaiue dü gebot behalten, er sol öch
so sin regel und sin Satzung behalten und üllü ding die im sin orden gehütet
I. Bersabee bersabee daz spr. G. Saiten 4, setti GWZ. 1 f und bezaichent] Ain brunne
der setti daz ist G. 3. saiten 4 , satten G WZ. 4. hant die] sint d' G. &. and dar nach
getempertz] ze deine driten male getempirt trancli G. 7. sere] gro’zliche G. 9. in sim] imme G.
spr. also so G. tO. kerc icb mich G. 12. solt — 14 male fehlt A durch Homöoteleuton.
13. sol G. 14. sol ez Bich G. 15. den] sinen G. vesteklich u. flisseklich] vlizicliche vfi
stseticliche G. 18. für er in G. enthielt] behielt G. 19. mensche fehlt 4. 20. sinen —
kneht] sol sinen kneht den lip G. 21. da — verendet] genimet niemir ende G. 22. ze
rnerst 4. dar nach] zo deine andim male G. 23. vnsern 4. 24. gebot fehlt 4. 26. er
hiuiilricb solti G. 26 f. unser — sprach] in unsir herre an . vn sah daz imc bo ernist waz daz
alle sine adiran brunnen . vn do minnote in vnsir herre vfi spr. zimo G. 29. guiBtJiche mensche G.
30. ellü du dinch G. ordin vn sin maistirechnft G.
1. Bersabee wird gewöhnlich erklärt als ' Brunnen der sieben, nämlich der sieben Isimmer' ;
'Brunnen des Bundesopfers, des Eidschwures' , während G hier der Übersetzung der Vulgata folgt
(Gen. 26, 33). 9. Phil. 3, 13. 25. Matt. 19, 16 f; vgl. oben S. 110 Z. 18 f.
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40. Von der erwellung de« mentschen.
121
und sin gehorsami. und sol joch nüt allaine der ding gehorsam sin du man
in haisset, [89‘] er sol joch sich och flissen aller der ding die siner maister-
schaft liep sint sant Paulus spricht daz unser herre gehorsam waz nntz an
den tot des crützes; er wolte gerner den tot liden denn er ungehorsam
wurdi. dar über spricht sant Bernhart: 'sit daz ünser herre gehorsam waz 5
untz an den töt, swer im denn nit nach volget mit rehter gehorsami, der
enwirt öch niemer tailhaft siner gehorsami’. alsuss sol unsrem herren der
raentsch nach volgen und sol frü und spät berait sin zü der gehorsami. der
wissag sprichet: 'ich wil frü und spät stän und warten waz dinü gebot
sigint, daz ich dim willen näch volge und in behalte’, also sol der mentsche io
sprechen: ‘ich wil stan frü und spate, und wil warten waz miner maister-
scheft wille si, daz ich daz behalte dur die minne die ich ze Got han’. ünser
herre sprichet in der minne büch: ‘ich süch die die mich minnent frü, ob
ich si vinde [89*] an güten weichen, an dem gebette oder an gehorsami;
und die ich denne vinde, die wil ich trösten und wil bi in sin’, sweler 15
meutsch nu disü drü ding au im vindet, daz sol im ain urkünd sin daz er
erwelt si.
Daz ander ist ain für erwellung; daz ist also vil als ain bestätnunge
der erwellung. daz du aber entstandist ob du für erwelt sigist, des gib ich
dir ain urkünde an drin dingen, daz erst ist ain unbeschowung: daz du 20
dich umbsehist wie du din hertz und ällü dinü werch vindist; und nim war
waz Gottes gaiste in dir rede, der wissag sprichet: ‘ich wil mich umbsehen
und wil hören wTaz Got rede zü miner sele, und warten wenne mir Gottes
gaist kome’. sant Paulus sprichet: ‘alle die Gottes gaist nit hant, die sint
von im geschaiden\ also sol der mentsch war nemen wa der güt Got her 25
komi. nu sprichet der wissag: ‘ünser herre kumet nit von Ursprung der
sunnen’. bi dem [89’] Ursprung der sunnen ist bezaichent franstmütkait. dem
alles sin ding nach sinem willen gat und nach wünsch, den enkunt ünser
herre nit; es wäre ain tugenthaft hertze, daz Got dar inne erkanti so im
1 . und »in gehorsami fehlt G. allaine fehlt G. 2. du solt dich o’eh G. diner G. 3. vor
samt] Sancte Bemhart sprichit ain wort fibir . ». Paulus wort G. daz — waz) vnsir h. waz g. G.
4. er wolte] vn wolte G. 5. wurdi] wtere G. über] umbe G. sit — wazi Vnsir h. waz g. G.
B. vn swer G. denn fehlt G. 7. enwirt — tailhaft] sol niemir t werdin G. 8. zA der]
ze G. 9. ich — warten] Mane astabo . Ich wil stan vrüge Vn wil warten G. 18. dim — in] dinen
willen G. 11. wil fr. u. sp. stan G. 13. der — frt] deine ewangelio . Alle die mich min-
nont die wil ich vrügo sAchin (vrAge sehin vn sichln Z) G. 14. an der gehorsami Vn an andiren
guten werckin G. IS. die wil — sin] mit dien wil ich sin . vn wil sü tro'sten G. 16. nu
disü] dii G. 18. ewellung A. 19 sigistl bist G. 22. vor ich] Audiam quid loquatur G.
23. vfl wil warten G. 24. alle dio die G. 26. vor ünser] nüt ab Oriente neque ab 00
cidente neque a desertis montihus G, nüt ab Oriente noch von ab occidente neque a. d. m. Z.
uon deme G. 27. der sunnen] dez brunnen falsch G, der Sünden beidemal Z. 28. deme G.
29. ain vil tugintbaft G.
3. Phil. 2, 8. 9. Pl. 5, 5. 13. Cant. 3, 1. 4 in Verbindung mit Marc. 13, 35 ff.
22. Pi. 84, 9. 24. Pom. 8, 9. 26. Pt. 74, 7.
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40. Von dor envcllung des mcntschcn.
alles sin ding nach sinem willen giengL bi der sunnen under^aryre ist be-
zaichent betrübsalli und widermüt. da enkumet öch unser herre nit, won das
betrübte liertze ist glich dem trüben wasser, daz ergossen ist. dar in wirfet
der vischer sin netze und vahet vil grosser vische; und so daz wetter ie
5 sterker ist, so es im ie baz gät. zü glicher wis tüt der tüvel: als er siht
daz der raentsch ist betrübet, so wirfet er sin netz in, daz ist sin rät und
sin raitzen, und vahet vil mängen grossen visch, daz ist daz er dem ment-
schen benimet mängen andaht und mänig pater noster und imlnig tugentlich
werch, dü der mentsch tAti ob es an trübnust wäri. und so dü betrübsalli
io ie grösser ist, so [89“ ] der tüvel ie me gevischet. unser herre kumet öch
nit von den wüsten bergen, daz ist von den wüsten hertzen und uuberaiteu.
es sint etlich lüte, die hant so wüstü hertzen und so krümbü daz sü sich
nit kunnent gefügen zü der gnäde. den kunt unser herre nit, sprichet der
wissag. wannan kumet denne unser herre? er kunt von den warmen landen.
15 da liset man in Deutronomio: 'er kumet von dem hailgen berg‘, der da ge-
tailt ist, daz ist von dem hymelriche, zü dem rainnen hertzen, daz si« kürtz-
wile sücht uff dem hymelschen berge und daz sich hat getaillet von den
irdenschen dingen, dem kunt och unser herre. daz ander ist ain Wartung, in
Thobya liset man von ainer vrowen, hiess Anna, dü sass uff ainem hohen
20 berge und lüget wenne ir sun käme, bi vro Annun ist bezaichent ain ieg-
licher sälger mentsche der ünsern herren gebirt. der mentsch sol sitzen uff
[90“) aim hohen berg, daz ist daz raine hertze, daz sich erhöhet hat von aller
der weit, daz mentsch sol sitzen uff sim hertzen mit gedänken und sol sehen
wa Jhesus Christus her kome. daz sprichet ain wiser man an ünsers herren
25 statt: ‘sälger mentsche, ich bin din kiut, wan du gebirst mich gaischlich in
dim hertzen und in diner sele’. daz dritt ist ain vorgesraakung. da von
1. sinem fehlt G. vnd' am Ende der Zeile A. 2. öch fehlt G. in das ist das s
später eingeschoben A. 3. bctrvbtcs A, trübe G. T. raizunge G. 8. andaht u. mänig) an-
daht güte vli G. 9. trübnust] betnipsali G. 10. (inser horrcl Der wissage sprichit . daz
unsir herre o'ch niht kumit deine betrübiten mcnschin . Er G. 11. daz — unberaiten) da bi
sint bezaichinot dü w'sten herein G. 12. hant also w. G. krumbü hercen G. 13. kumit
o'ch G. 14. denne fehlt G. deine w. lande G. 15. da liset] Deus ab austro ueniet . Da*
liset G. DcuCmio A er] Ez kumit von pho'nnvn (fenon Z) vnde G. 18. daz ist — hertzen]
Bi der pho'nntin (fonin IV) ist bezaichint daz herce daz der minnc vil het . Dü fo'nne (fena Z i ist
warn vfi bringit den regin . ze gelichir wiz ist o’ch daz herce warn . daz der minnc vol ist . vü
dü minne bringet gerno den sfizin regiu . daz ist der süzc andaht uil die vruhtbieren trehine (ge-
dancho IV) . zc deine kumit unsir li're daz von der minne warn ist . daz ist daz warme laut Er
kumit o’ch ze deme hailigen berge . der getailit ist . da bi ist bezaichinot daz raine herce G WZ
si A. 17. sich fehlt A. den] allen G. 18. dem] dien G. 19. dü hicz G. 21. der
nicntBch] daz G. 22. von G, fehlt A. 23. daz m. sol] da sol der mcnsche G. sin
herce G. 24 wa ir kint her kome J. Chr. G, wa sein chindc, vnscr herre J. Chr. her k. IV.
26. dim — in fehlt G.
14. Hab. 3, 3: Deus ab austro veniet. 15. Deut. 33, 2f. 19. Tob. 11, 5.
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40. Von der erwellung des mentschen.
123
sprichet der wissag: 'smekent und enphindent wie süsse unser lierre ist!’ es
spricht öch sant Augustinus: 'ich bin gewar worden ainer wunderlichen süss-
kait; und würi ich üt lenger dar inne beliben. es wäri mir gewesen ain
hymelriche’. also sol der mentsch gedenken an ünsers herren süsskait, daz
er inwendig süsskait von Gotte enphahe. man liset in der rihter büch von 5
hern Sampson daz er gie zü ainem male an aine statt do bekam im ainer
löw, do brach er im den mund uf und vand honig in dem munde, bi hern
Sampson ist bezaichent unser herre Jhesus Christus, bi dem löwen ist be-
zaichent der sälig mentsch der also stark ist daz in kain ding geschahen
mag von Gotte, und der ab kainer bekorung erschriket. zü dem kumet ünser io
herre und brichet im daz hertze uf und uimet daz honig, daz ist des hertzen
süssekait, und wirt denn da von gespiset. also sprichet ünser herre: ‘daz
rainne hertze und daz süsse her/ze ist mir ain spise’. ünser herre wil von
des mentschen süssekait gespiset werden, swer disü diu ding an im vindet,
das ist ain urkünd daz er ist für erwellet. 15
Daz dritte ist ain wonung in der hymelschen pfallentz und in dem güt-
lichen gezelt ‘unsere herren gezelte’, sprichet ain wiser man, ‘ist sin zeswe
und die winster’. so er die sele genimet in sin arme und si umbvahet, so
ist [90] si in daz gütlich gezelt gemähelt. man liset von dem künig Aswero,
do er nam sin vrowen Hester, daz sin gezelt alles was von golde, und 20
warent du sail sidin da mit man es uf spien, und die nagel warent guldin
und die ringa helfenbainin ; und alle die zü dein hof warent, die trunkent
und assent usser silbrinen küphen. bi der hohzit inugent wir wol merken
daz daz hohzit vil rilicher und vil herlicher ist da Got ünser herre sin ge-
mahelen ze hove füret, sit daz ällü dü schünhait und dü herschaft dü uff 25
ertrich ist, ain unsuberkait ist wider der schonhait dez hymelriches. bi dem
künig Aswero ist bezaichent ünser herre Got. der nam hat dri betütung,
dar an man ünsern herren bezaichennen mag. daz erst ist ‘ostium’, daz
haisset ain tür. dar an merkent wir daz ünser herre selber ain torwarter
1. wissagc . Gustafe et uidete . virstant vn smekint u. c. dennc wie G. 1 f. es spr. öch
fehlt G. 3. es] daz G. gewesen fehlt G. 5. der r. büch) libro iudicum G. 6. daz cr|
der C. 7. do) vnde G. vant imc h. G. 9. ist Un also ucste G. 10. ab am Hände mit
Yenceisungszeichen A. 10 f. zil — heiTp) wan daz sfi rehte ucste unde statieliehe gölte dienont .
die sint gelich dem lewin . Waz Ut dennc unsir herre . L'ntrüwon er kumit dar linde geschowet
die sele vnde daz herce G. 11. im fehlt G. denne vf G. 12. und| da mitte G. da von]
unsir herre G. Unser herre) ein wise man G. 13. rainne vn dz rainne b'tze A. hertze)
h're A. ist — hcrrel daz ist ain spise vnsirs herren . Er G. 14. disü] dü G. 15. ist f. er-
wcllct] für irwclt si G. 17. ünsers — man) waz ist unsir* herren gezelt . daz sprich; ain wise
man . daz G. 18. die w.) sin winstirü G. 20. er nam sin] der sine vro'wn nam G. daz]
do A. 23. deine hohgezitc G. 24. vrilich' A, rilieh G. heriich G. 27. Got] Jhesus
Christus G. der name assverus het G. 28. dar an | die <1. man fehlt A. an unsirmo h. G.
29. vor haissetl ist unsir herre G. wir fehlt G. selber fehlt G.
1. Fe. 33,9. 5. Jud. 14,5ff. 12. Nach G stammt die Stelle t on einem irrixen Manne; in der
hl. Schrift findet sie sich nicht. 19. Est. 1, 6 ff. vgl. oben S. 33 Z. 37; S. 44 Z. 13 fi; S. 98 Z. 19 f.
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40. Von der crwellung des mcntscbcn.
si, da sin gemahel ze liove vert. also spricht unser herre: 'o liebü jung-
vrowe und min schön ü gemahel, ich wil [!>()*] selber torwarter sin und wil
die hymelschen porten uf tön und wil dich vrölich und minneklich enphahen
mit der engel gesange, und alles hymelsches her sol dich hüt enphahen mit
5 vröden’. da wirt du sei enplmngen in daz götlich gezelt. so wirt unser herre
sprechent: 'o du vil minneklichü sei, hüt solt du dich vröwen mit mir, und
alle vröde des bymelriches wil ich dir also gen daz du von mir und ich
von dir niemer me geschaident’. da niinet aiu ende ällü trurkait, ällü be-
swärde, ällü arbait libes und herzen gerüret dich niemer me. da enphahest
io du me vröden denn din girde begrifen muge, und me danne din sei umb-
vahen muge. da swebt und swimet dü sele in dem götlichen brunnen und in
dem honge. daz ist dü hailig drivaltkait. daz ander ist 'atria’, daz ist ain
frithof. [91°) dar an merkent daz ünser herre die hailgen sei wirt vrigent
von aller maisterschefte, von allen banden, daz si iemer me sol vriges ge-
15 rnütes sin und vriges willen; und alles daz du wilt und dich gelüstet, daz
solt du vrilieh tun an alle vohrte. da wirt ünser herre zu dir sprechent:
’süssü und schönü gemahel, ich wil dich hüt enpinden von gehorsami und
von betwungnust; wärt du dur mich beschlossen und gevangen, dar umb sol
dir alles hymelriche offen sin, daz du vrilieh gangist und sigist wa du wilt'.
20 so spricht denne dü sele: ‘o vil minneklicher Got, hast du mir nu gewalt
geben über alles hymelrich, so wil ich nihtes nit haben an dich und wil
dich haben, lieber min Got, für alles daz ie wart, nu lege mir din «düstren
hant nff minen nak und druke mich an dich mit diner zeswen’. da umb-
vahet ünser [91*J herre die sele mit siner gothait und mit siner mentschait
25 und setzet si an sine schoss und zartet ir. da genietet si sich sin nach irem
willen iemer me eweklrch, und me denn ir begirde begrifen muge, noch me
flüsset er in si mit siner götlichen süssekait. daz dritte ist ’beatitudo',
daz ist ain günzü sälikait. da hat dü sele denne daz obrost gut begriffen
und die ganzen sälikait; so spricht si: 'dis ist min rüwe, min vröde und min
so erbe’, denne setzet ünser herre si nider und wirt selb ir schenke und ir
I. Bi] wil sin G. 3. dir die 6. 4. alles — sol] mit alleine himilschin her so wil ich G.
5. so — herre] vn u. h. wirt G. 7. also gen] ewicliche gebin . vfi mich selbin gip ich dir also G.
II. du) din G. 11 f. gütlichen — honge] honich brunnen G, honige Z. 13. hailgen] sse-
ligun G. 14. si] du G. solt G. 15. sin und fehlt fälschlich GZ. wilt vH alliz dez dich
lüstet G. 16. dir] der sele G. 17. hüt] hüte vri macht) uon allir uorhte . uon allir maislir-
schafto . uon allen banden . ich wil dich hüte G. und am Ende der Zeile fehlt G. 20. o] A
min G. minneklicher] wnneclichcr G. 21. und] ich G. 22. haben und alle himilschc vrftude .
mit dir liebir m. g. G. für — wart fehlt G. 22 f. vinstren hant A, winstrun G. 25. zartet ir]
hat churtzweil vnd vraid mit ir TI'. 20. me denn] alse uil G. noch] vH me denne sic gottis
müge begeron . aide ir girde müge begrifin . noh G. 27 f. beatitudo — ist fehlt A. 2S. ist)
sprichit G. 29. si] dü sele . Hec requies mea G. 30. erbe . de ich bin komin (nu pin ich k. PF)
zft dem oberostc gut . ufi ich bin geügit zo der ganzun sclkait . denne G vnscr zweimal .4.
si] die sele G. ir fehlt beidemal G.
22. Canf. 2, 6; 8, 3. 29. Pt. 131, 14. 30. Luc. 12, 37.
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40. Von der erwellung des mentschen.
126
truchsAsse, sprichet saut Lucas. die trahte die er ir für treit, ist sin güt-
liches antlüt; da mit wirt si gespiset. so sprichet unser herre: 'essent und
trinkent und werdent trunken von mim gütlichen Spiegel, und sehent üwer sei
in mir, und ich wil in üch fliessen’. owe, sAlgü sele, wie grosse denne din
wunne, din vrüde, din süssekait ist, so dich Got umbvahet und dich be- 5
schlüsset in sin gütlichen arm, untz du ge/ftfysattet wirst mit siner obresten
güti, und er dich durch flüsset mit der ganzen sAlikait: die vrüde enmag
weder hertz gedenken noch munt gesprechen. owi, mühti denn dü sele her
wider komen oder gedenken oder dehain wnvrüd han, so wAri ir denne der
minst gedank, daz minst wort, da mit si Got ie erzürnde, daz wAr ir ain io
jamer, daz si klain oder groz wider den getet in des arm si sich hat ge-
wunden. owi, waz si denn begriffen hat an dem Allü vrüde, Allü sAlde, Alliu
süssekait und Allü wunne ist! owe, sele, daz du ie iht gedahtest won an die
gantzen sAlikait; daz du ie iht gemintest won daz obrost gilt; daz du ie iht
gesprAche won sin lop; daz du ie kain werch getüte won in siner minne: 15
mühte dir denn daz lait sin, daz wAre dir ain bitterkait. o sAlger mentsche,
wilt du nu sicherlich komen zü der vrüde, so solt du dich flissen drier ding,
daz [91 7 erste ist daz du gantz minne zü Gotte habest von allem dim hertzen,
von aller diner kraft, und daz du alle dine girde an Got setzest und daz
du reht ain senung nach im habest, daz dich alles daz uff ertrich si, nit 20
getrosten muge, und daz dir also we nahe im si daz dich allü dü vrüde,
Allü dü wuune, Allü dü süssekait die uff ertrich si, an in ain bitterkait
dunke, und Got dir allaine vrölich und süsse si. denn spriht dü sele: ‘0
süsser Got, owi, vrülicher Got, ich bin nach dir siech und han nach dir so
grossen jamer daz mich alles daz nit getrüstem mag daz uff ertrich ist’, so 25
sprichet dü sele in der minne büch: ‘owi, tohtran von Jherusalem und ir
jungvrüwen von der hymelschen Jherusalem, kundent minem liebe daz ich
siech von minnen bin und mich Allü Artzenie nit gehailen mag won sin
1. sprichet — 2 so] Also sprichit önsir herre indem ewanglo . Denne wil ich minfi kint nidir
Bewein . un wil selbe die trab tan vr tragin . da wirt dö sele gespielt mit dem gotlichin autlüte .
vndc G. 2. vor essent] Comedito et bibitc amici mei etc.' G. 4. ich fehlt G. 5. umb-
vahet] allumbe nahlt G. 6. gütliche arme G. untz A, und G. 7. gfiti] gnade G.
8. Owe uB mehti G. 9. komen — unvrAd] gedenkin . aide mehti si dehain vnurAudo G.
vrAd A. denne fehlt G. 11. sie io clain G. arme G. 16. denn fehlt G. daz w.) ez
were G. o) de du alle dine girde . alle dine urAudo . alle dine sflzekait . an dem niht sühtost .
un das du in niht minnotost . uon allir dinir kraft . der dir nu so gar lusteliche . un sfizeeliche
ist . Uwe scligii sele nu solt du dich sin nieto'n nach diuem willin . un nach dmir bege-runge swie
du wilt G. 17.- sicherlicho und schiere G. dich fehlt A. 19. und uon G. 20 f. alliz de
niht getroistin muge . de uffin ertriehe ist G. 21. dir] du G. we — si] grozin iamir nach
got habest G. 22. sftssekait] kurzewil G. 22 f. si — dunke] ist . de dir daz ain bitterkait sie
an dem herzin G. 23. o] owe G. 24. vor owi] owe (owe immer (f) minneclichir got G. owi
vrAlicher got fehlt Z. 26. owi| filio ierl'm . Owe ir G. 27. ich fehlt J.
2. Cant. 5, 1; vgl. S. 41 Z.lf. 26. Cant. 5, 8.
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40. Von der erwellung des mentschen.
min [92aJnek\\ches umbvahen’. owi, spricliet si denne, als sant Paulus sprach:
'owe, minneklicher Got, löse mich von dirre weite, daz ich gesehe dich in
dinen eren’. ‘owe, liebes liep, du bist aller min tröst, allü min vröde, Allü
min sAlikait. owe, nu tröste mich, herre, es ist an der zit, won mich mag
5 Ane dich Allü du weit nit getrösten’. man liset von sant Agtun, du hatte
ainen minnenten siechtagen, du sprach alsuz: ‘Allü liplich Arzenie han ich
versmahet, sunder allaine mines lieben herren wort mugent mich gesunt
machen’, owi, geminneter Got, ich bin ane masse wunt von diner minne, nu
haile mich, geblümeter Got, won ane dich mag ich niemer gesunt werden!
to also spricht her David: 'mir ist gebrosten daz ich verderben muss, du tröstest
mich denne, o süsser Got’! also sprichet dü sele: ‘mir ist daz hertze [92h]
min verseret nach Jhesu mim liebe, daz es niemer wirt gesunt'. also solt du
haben ain minnent senung. daz ander ist daz du gantzen und stAten frid
habest mit Got, mit dir selben und mit allen dingen; und solt sprechen also
15 her David: ‘ich wil schlafen mit fride und wil eweklich rüwen in ünsrem
herren und wil fride und rftvve mit allen dingen haben’. ' daz dritte ist daz
du solt zieren din sele mit tugentlichem flisse. man liset von der küngin
Hester: do si zü dem künig Aswero solte gau, do klaite si sich mit edlem
gewande und gebäret do so zärtlich und so herlich daz es ane masse waz;
20 und fürte mit ir ain jungvrowen: uff die lainte si sich, und dü ander hüb
ir uf irü klaider. bi der küngin Hester ist bezaichent ain ieglichü sAlgü sei.
Hester daz sprichet ‘ain verborgnü v rotte, dü wol gezieret ist’, daz ist dü
sele; dü ist nu verborgen, [92'] dü sol wol gezieret sin und geklaidet mit
edlen tugenden, so der hymelsch künig nach ir sendet, daz si mit eren ze
25 hof kome für den grossen Got von hymelrich und für alles sin ingesinde;
won da ze dem hymelschen hof enzieret die sele nüt won tugend. so si ie
me tugentlicher werch ze hof bringet, so ir gezierde und ir ere ie grösser
ist. entrüwen, dü sele müss ain junkvrowen han uff die si sich lainne, daz
1. als der güt sant G. 3. liebes fehlt G. nach vr6dc] ellv min züvcrsiht . nn G.
4. won fehlt G. 5. Uno dich fehlt G. 8. ane] gar uz der G. 9. won fehlt G. 10. her
D.J d wissage dauid . A süzir got G. 11. denne — Got fehlt G. 12. nach — gesunt] de cz
niemir wirt gesunt . nach ih'u mime liebe . der machot mine sele wunt GZ(W). 15. her D.j
der wissage dauid . In pace in idipsum G. mit] indö G. in] mit G. 16. herrin . uti
mime herren . vu mime got G. 17. mit fehlt G. 18. edlem] dem odelostim G. 19. gwande .
uon aliir weite G. gebäret sich G. 20. mit — jungvrowen] sie denne ain junefrowe G.
und dö] dü G. 21. irü] dü G. 22. verborgnü vrfide .4 , vberigü vrouwc G, virborgene
vrowe Z. 24. so] swenne G. 25. kome] uar G. sin fehlt G. 26. won — nüt] Owe
scügü sele . nu solt du wizzin . de dich da zchoue (ze dem himclschcn lioue Z) niht zierit G.
si] dü sele G. 27. ie fehlt G. 28. müz ouch G.
2. ßom. 7,24. 6. ist einer Antiphon aus dem Brevier (5. Februar) entnommen: „Medi-
cinam camalem corpori meo uunquam exhibui, sed habeo dominum Jesum Christum, qui solo Ser-
mone rcstaurat universa“. 10. P». 118, 50. 82t 15. Pe. 4, 9. 18. Elt. 15, 4; vgl. oben
5. 44 Z. 14; S. 98 Z. 22 f. 22. Die Erklärung ron .1 ist abgeleitet von dem hehr. Verbum
sathar, bei G dagegen von scha'ar.
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40. Von der erwellung des mentschen.
127
ist du minne: uff die leg alle dine arbait und dinen kumber, so hilfet si dir
es alles lihtklich tragen, si mftss öch ain jungvrowen lian dü ir du klaider
uf habe, daz ist vrow Stütekait: daz ist daz du din gutes leben an din ende
bringest so denne der tot kumet, so spricht der mentsch: 'ich lob dich, Mö-
gender Got, des tages daz ich erlöset sol werden von disem kärker. gesach 5
mich Got, daz ich dise [92‘] zit und disen tag ie gelebte, daz ich den Mö-
genden Got gesehen sol in siner herschaft dis ist der tag des ich ie
wunste, des ich ie gerte, des mich ie gelüste; uff disen tag frowte ich mich
ie, won es ist hüte ain tag aller rainer vröde, und ich sol vergessen aller
miner arbait und sol mit sim gütlichen antlöt getröstet werden alles mines io
laides. o du minneklicher Got, lebender Got, schönner Got, Mögender Got,
du enphach hüt min sele in din gütliches gezelt und mach mich fry aller
arbait nnd umbvah mich mit diner götlichen süssekaitf da enphaht er si
mit allem hymelschen here und spricht: ‘Got halt dich, aller liebstö! du en-
pfach höt den lebenden grüss von minem munde, ich wil hüt dir uf tün 15
alle hymelsch vröde; ich wil mich selben dir geben'. [93’] man liset von
hern Benjamin: der waz Got gar lieb, und wart im der göt segen geben,
den segen git öch unser lierre der sele ze hymelriche und sprichet: ‘o liebü
jungvrowe, ich wil dir hüt den lebenden und den güten segen geben daz du
mir gar lieb bist, und dü liebi sol niemer kain ende nemen, won ich wil 20
eweklich mit dir sin und mit dir wandien, swie du gerest’. denn umbvahet
er si und spricht: ‘ich gib mich dir und füge mich in dinen willen, swie du
wilt. nu habe mich nach dem du dich ie sentest und des du ie gertest
nach allem dinem willen; won swaz du wilt, daz wil öch ich’, so sprichet
denn du sele: ‘nu han ich gesehen mit minen ogen daz ich globte in mim 25
herzen; nu han ich den umbvangen mit minen armen den ich minneklich
grützte mit dem munde, und bin [93”] gar durch flössen und besofet in der
götlichen süssekait'.
2. jungvrowen fehlt G. 3. vrow] dü G. ist daz fehlt G. 4. so d.] Vntniwan so d. G.
5. des] dissis G. 7. in allir sinir G. ich fehlt A. 9. sol fehlt G. 12. du fehlt G.
13. und fehlt G. 14. vor Got] aucte G , nvo if. halt] grözze TK. dich] dir da G.
16. ich — geben] an mich sclbin ane schaidin G. 17. der waz — im] dein wart G. 19. vor
den] Benjamin . Benjamin der ist got gar liep . un got wandelot mit im G. öch fehlt G.
20. niemir me G. nemen won] gewinnen G. 21. du gerest] diu girdo gerte G. 22. eprichit
zu der sele G. swie — 24 ich] sfiziu irweltiu gcnmhil min . du habe mich nach dinem willin .
swie du wilt . der blögendir got . des du ie gerotost . nah dem du dich senetost . nu hast du mich
begriffin ane schaiden . nu habe mich nah wnsebo . un nah dine willen »wie du will . uß swaz
din girdo gert . de habe an mir . swe du wilt . dz wil oueb ich . du bist min gemlnctiv . uß ich
din geminneter G 1 V(Z). 26. minneklich] uerro G. 27 und ich bin gar G.
17. Deut 33, 12.
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41. Von der gaischlicheu verzuknng des mentschen.
[41.] Yon der gaischlichen rerzakung des mentschen.
[Scio hominem in Christo ante annos etc.]
'Ich waiss ainen mentschen', spricht sant Paulus, ‘der wart verzukt in
den dritten hymel, ob daz geschähe im übe oder usserhalb des libes, daz
5 waiss Got wol\
An disen Worten kündet er uns ain tail der gnaden so im unser herre
erzogt«, do er bekert wart, und er uff dem weg nider viel, do waz er dri
tag und dri näht än essen und an trinken und ensach noch ensprach, und
wart gezuket in den dritten hymel, da er Got sach, reht alz in die sela
io sehent die da ze hymel sint. und da gelernet er alles daz daz er dar nach
die cristenhait lerte. hie an sont wir merken daz wir och verzukt sont
werden alz er. wir sont in zwo wis verzuket werden: under uns und
über üns.
Under üns sont wir verzukt werden in dri wis. daz erst ist daz der
15 mentsch sol gedenken [93'] an sin sünde, wie dik er Got erzürnet hat; und
sol och im daz lait sin, und sol daz inneküchen klagen mit rüwigem herzen
und mit bitterkait der trähenne, als der wissag sprichet: ‘o herre, alle min
tage, ällü minü jar und Allü zit wil ich dir wider gen mit bitterkait mins
hertzen’. daz ander ist daz der mentsch sol gedenken an die weit, und sol
20 ir Untugend und ir böshait merken, und sol si dar umb versmahen und flie-
hen, won si ist glich aim ramigen kessel. won alz daz unmugüch ist daz
ain mentsch umb den kessel dik gange und doch nit werde entrannet, also
Ist es unmugüch daz der nit von der weite entrainnet werde der ir hainüch
ist her David sprichet: 'mit dem hailgen wirst du hailig, mit dem verkerten
25 wirst du verkert’. daz ist also vil gesprochen: swer der weit und dem
bösen mentschen hainüch ist, der wirt öch böse; der aber dem hailgen und
dem güten hainüch ist, der wrirt [93] och haiüg und güt. daz dritte ist daz
1. Überschrift fehlt G, Dis sp'chit . S. Paulus (rot) Z, Up sent pauwels dach do hey bekeirt
wart 1‘hill. 2. Der lat. Text fehlt A. 3—5 fehlt GZ. 6. An — er] Disiu wort sprach
sant paulua . unde kündit GZ. tail hie der G. so] die G. 9. reht fehlt G. die hailigin
sela G. 10. da ze h.) zehimilriche Q. 11. hie an] uli de er also gezukkit wart . da spri-
chit er . oh de inme libo geschehe . aide uzeront dem libo . des cnwais er nivt . de wc got wol .
sprichit er . Daran G. 12. er] der sant paulus G. 14. In drin wise sulnc wir gezukkit werdin
undir üns G. 1H. och fehlt G. de got inncclichcn G. 17. als der] also G. vor oj Reco-
gitabo tibi G. alle fehlt G. 18. j. u. ellft miniv zit G. gen] geltin G. 21. si] div weit G.
22. umb — kessel fehlt G. und] unde sich ribo an ainen ramigin keszil . und er G.
23. es fehlt G. 23 f. der nit — ist] icmnn der weit hainliehe sie . de er non ir niht entrainit
werde G. 24. her D.] Der wissago G. sprichit . Cum saucto sanctus eris . daz sprichit alsuz
zetüto G. wirst du] wirt der man G, ebenso 25. 25. swer] Der G. 26. aber] oueh G.
26 f. dem gütin un dem hailigin mentsebin G. 27. hailig — güt] güt und solic G.
1. Die Predigt findet sich in G BI. 19c; Z Bl. 23*; II A ’r. 5; Phill. Bl. 127m; fehlt W .V
Arundel. — Vgl. auch Hs. St. Georg 37 Bl. 59—73 (Längin S. 7) der Karlsruher Hof- n. Landes-
bibliothek. 2. II. Corr. 12, 2. 17. lsai. 38, 15; vgl. oben S. 90 Z. 15. 24. Ps. 17, 26.
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41. Von der gaischlichen vcrzuknng des mcntschen.
129
der mentsch sol gedenken an die helle, daz er si fürhte und dester flisklicher
sich hüti vor allen dingen die den mentschen dar rnugent gelaiten. Job
sprichet: 'swenn ich gedenke an die helle, so erbibnet mir &llü min kraft,
und min lib erzittret von der bitterkait der helle’.
Wir sont öch über üns gezuket werden in dri hymel, als sant Paulus 5
gezuket wart der erst hymel ist du sele. daz bewärre ich mit der schrift;
won unser herre sprichet in dem wissagen Ysaya: ’der hymel ist min stül
und daz ertrich min füssschümel’. dem wort antwürt der künig Salomon und
sprichet: ‘du reht sele ist ain gestüle der wishait’. da mit ist bewäret daz
du sälig sele ain hymel ist in disen hymel sol der sälig mentsch gezuket io
werden, also daz der mentsch im selben sich sol zuken. daz ist also daz
[94‘ ] er alle sin ussren sinne in sich ziehen sol und sol sich inwendig besehen,
also sprichet sant Augustinus: ’swer im selben sich selben nit nimet und die
ussern sinne nit enzuket, der enmag in im selben nit gezuket werden; won also
gross ist du minne die du sele hat zu den liplichen dingen, daz si reht dar 15
zü gelimet wirf, alz man mit lim zwai ding ze samen limet, also limet du
minne die sele zü den liplichen dingen; won swaz zu den oren und zü den
ogen und zü allen den ussren sinnen in flüsset in die enpfindung der sele,
daz nimet si. und dar umb bedürfen! wir wol daz wir die sinne in zukent,
won si bringent die sele in iertüm, so si wannet daz si daz ding si dar 20
zü si gelimet ist daz geschiht denne so zü den ussren sinnen gefliessent in
die sele uppigü ding, du gesihte sint lustlich und [94b] girlich und vrölich.
dar zü wirt du sele so sere gelimet mit der minne daz si wännet daz si die
creature si die si da minnet von dem influsse der sinne, also sprichet sant
Augustinus: 'daz ist der sele iertüm, so si sich gelimet also zü der uppekait 25
daz si es für sich selber minnet, und da mit swechet si sich sere, so si un-
stäte und zerganklichü ding me minnet denn sich selb1, sant Bernhart
sprichet: ‘owe, guter mentsch, du solt flisseklichen war nemen diner gentzi,
wie luter, wie gantz din conscienci si, nnd solt dik in dir selb speAen wie
nach du Got sigist und wie verre, und wie glich du im sigist an tugenden so
und unglich du im sigist an tugenden, und wie du vwrnemest an durnühtkait
1. Bll deste nie G. 1 f. nfi de er sieh dest vl. hftte G. 2. allen den dingin G. 3. swenn] Alse
dike so <?. 4. uon bitterkait G. 6. ist du] de Ist din G. 7. won] de din sele . un ielicli selic
sele ain himil ist G. 9. reht reht A. sele din ist G. ist iv bowierte G. 10. der sälig]
der G. 11. im selbin sich sclbin sol G. Vgl. S. 157 Z. 12 und in im selben Z. 14. 12. er] der
mentsche G. ziehen sol] zieho G. 14. im] sich G. 17. zft fehlt A. IS. allen fehlt G.
sinnen] dingin der sinne G. 19. nimet A, besser minnet G. 20. sele fehlt G. vor so] Also
sp'chit sant Angustinus . Ilie uon kumit du sele in icrretnm G. 22. gcsihtic sint . ufi I. G.
uroilichc sint G. 27. selbin . wan ir natnr ist ewic G 29. lutir . uü wie G. spehen]
sprechen A. 30. nerro du got sicst . wie gliche G. im] got G. 31. und wie nngliche G.
Untugenden fälschlich G. v nemest A, viir nemeste G. 31 — 130,1 an damehtigim lebinnc G.
2. Job 31, 34; 17, 13. 16; 4, 14 ? 7. hoi. 66, 1.
Deutsche* Texte de* Mittelelters. X. 9
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41. Von der gaisch liehen verzukung des metrischen.
dines lebens und wie du swachest an durnähtikait. ain wiser man, hiess
Seneka, sprichet daz der mentsch sol alles sin leben in dru taillen. zem ersten
sol er gedenken an daz für [94 ’j varend lebenn; dar nach an daz gegen-
wärtig leben; zü dem dritten male an daz künftig leben, an daz fürfarend
5 leben solt du gedenken dar umbe daz du solt Got klagen mit rüwigem
hertzen daz du in ie erzürnet hast mit dekainen dingen, an daz gegen-
wärtig zit solt du gedenken daz du es nutzeklich an legest in Gottes dienst
und in sim lebenn. an daz künftig leben und zit solt du gedenken durch
daz daz du dich warnest und also setzest: swaz dich an gange, daz du daz
io tugentlich wellest überwinden; und solt din hertze also vestnan und Sterken
daz dich enhain ding von Gotte mug geschaideu. 'mentsch’, sprichet her Sa-
lomon, ‘du solt hüten dins hertzen in allem dim lebenn flisseklich, won dar
an lit alles din gaischlich leben', so sprichet sant Bernhart: ‘alles din gaisch-
lich leben Ist nit anders won daz du zü allen ziten flisseklichen hütest dins
15 hertzen’. sant Augustinus sprichet: ‘nih/94ytes nit ist daz dem mentschen
so wol füge zü den liymelschen dingen so daz der mentsch den ussren dingen
unhainlich si und sine sinne da vor beschliessi und sich ir entzihe’; won
die ussren ding mag nieman han mit den inren, noch die inren mit den
ussren. und dar umb spricht er daz: ‘ich rate daz wir dü ussren ding läs-
20 sint und ünser sinne beschliessint und üns inwendig ziehint, daz wir dü
gaischlichen ding inwendig ergriffent’. sant Bernhart sprichet: ‘o sele, hüte
dich und flüch alles an an die aini, daz dich der aine vinde den du ze ainem
liebe hast erwelt vor aller der weit; und och dar umbe daz zü den ussren
sinnen nüt infliessi daz Got von dir vertribe, won din gemahel ist so scha-
25 mig daz er niht won togenlich und hainlich wil minnen'. daz ist der hyinel
dar in wir verzuket [95a] sont werden, nu sprichet sant Bernhart daz der
gaischlich mentsche sol zem minsten täglich ainest gezuket werden in disen
hymel, daz ist in sin sele.
1. vor ain] also ratit dir der gilt man . de du din selbis war nemest an den bcIis dingin . din
ich dir gezelt (genemit Z) han 0. liairit G. 2. sprichet — sin) der spr. Mentsche dn solt allis
din G. 2 f. dn solt zemerstin gedenkin G. 3. dar nach] und G. 4. leben 7.0 — 0 hertzen) zit
de iezee ist . ufl an de . de ktinftic ist zekominne . de sint driv tail . Mn sprichit er de dn dar
umbe solt gedenkin . an de niruarnc lebin . de dn got mit riiwigim herzin innerliche clagist G.
5. rfiwige A. 6. irzumdoste mit dchainem dinge G. an — 10 tugentlich] So sprichit er .de da
dnrumbe solt gedenkin . andas zit . daz iczce ist . das da dich allesnn nlizcst . das dn ingotis minne .
und ingotis dieniste . und insime lobe zcallcn ziten ordenliche . and tngentliclic lebest . Du solt an de
ktinftic lebin gedenkin . und solt dich vornehin . und uvrwarnen . swe dich anegange . de da daz mit
gotte tngintliclie G. 8. lebenn] l. lobenn oder lobe? (R.) 11. noch geschaidcn] swe dich ouch ane-
gAt . aide swe got übir dich uirhengit . Der wise salonn» ratit onch de . de der mentsche sinis herzin
hfito . und sprichit G. 11 f. sprichet — Salomon fehlt G. 17. sine fehlt A. 18. nieman han]
man niht gehaben . sprichit er G. 19. sprichit er rat ich de . daz wir G, spr. er . rat ich de das
ieze ist . das wir Z. 21. wan ih'c din G. 25. won fehlt G. und hainlich] inder hainlichi
die sele G. 26. daz fehlt, direkte Konstruktion G. 27. disen] den G. 28. daz. — sele] de ist
2. vgl. oben S. 62 Z. 32. 12. Prov. 4, 23.
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41. Von der gaischlichen verzukung des mentschen.
131
Der ander ist der gesihtig hjTnel, den wir erkennent an siner herschefte:
an der sunnen, bi dem mäne und an den Sternen, in disen hjTnel sont wir
öch geznket werden, also daz wir gedenkent an ünsern lierren, der da gegen-
wärtig ist in siner majestät, und an sin wunnekliches ingesinde, daz ietz da
vrüde an im und in im hat. in den hymel sont wir unser gedänke dike 5
senden, dar umbe daz unser girde dester me geratet werde und daz wir
dester flisseklicher dar nach werbent daz wir zü der geselleschaft koment
von der sant Augustinus sprichet: 'o daz vil hailig, daz vil sälig und daz
untütlich volk lobent dich, süsser Got, die da niht bedurfent daz si die
schrift / 95 *] lesent daz si dich werdent erkennent, also wir armen lute io
müssent, durch daz wir dich enwenig werdent erkennend, owi, sprichet er,
‘des bedurfent sü nit; won du bist in ze allen ziten offen, und erkennent
dich luterlich und lesent an dir lebenden büche’, und sprichet: ‘dis ist daz
lebend gütlich büch, daz wirt in niemer vor beschlossen, owi, wie sälig, wie
vrölich din lob ist in irem munde, daz si nit ierrent libes noch mütes noch 15
hertzen swäri, noe/t dehain sorge betrübet sü niemer me. dich loben ist ain
wunne und ain vrüde an ende, owi’, sprichet er, ‘wir eilenden mentschen, die
noch in dem trüben tal dirre eilenden weit besofet sint, wie verre wir noch
von dir gesundert sint, wir enmugent dich nit loben an swäri und mugent
dir nit dienen an urdrutz, uns ierret müt und hertzen swäri. owi’, spricht 20
er, ‘lieber Got, wenne sont wir dar komen zü des wunneklichen Gottes inge-
sinde, [95‘J daz wir dich, herre, mugent loben än swäri und an arbait, also
tunt die die dich ietz sehent von ogen ze ügen?’ in disen hymel sont wir
gezuket werden, also daz wir gedenkent an daz hymelsche gesinde; aber ze
vordrost an den minneklichen Got, der da gesihtig ist, von dem ällü vrüde, 25
ällü wunne, ällü süssekait flüsset. an den sol dü sele gedenken, wie schüne,
wie wunneklich und wie güt er ist von dem ällü güti flüsset. so denne dü
sele an Got also vil schonhait vindet und güti, so wirt si in minnend; won
dü sele hat daz von nature daz si güt ding minnen müz. so ist Got daz
beste güt und ist daz obrost güt und ist sin selbes güti und ist an im nit so
<ler himil . de der mentsche sine sele . und sin inren sinne sol besohin . wie er mit tugindCf sie
berwart G.
1. andir himil . de ist G. 2. bi] an G. den Sternen] dem gestime G. 8. an got
v'nsimc G. 6. geraizet] gezieret A. 8. Von der gescllcschefte sp'chit s. A. G. hailic . o
daz G. 11. mflssent durch] sprichit er . nutzen uu suchen (stieben vn lesin Z) in der hailigun
sebrifte G. 13. dir dem lebindo G. und spr. dis] Owe sprichit er de G. 14. I. das güt-
liche G. niemer vor) nie G. 16. noc A. lobin . de ist G. ain] ir, ebenso 17 G.
18. tal in dirre G. Owe wie G. 18 f. wir uon dir G. 20. Owe öns G. mftt] oueh
gemätis G. 21. dar fehlt G. des aus den korr. A. zudem w. ingesinde G. 22. herre
mugent fehlt G. 23. tünt fehlt G. in — 25 minneklichen] als (Ins sant Augustinus het non
inen geschribin . Wir gulne ab' allir maist gedenkin . an den wnneclichcn G. 25. dem Ällü] des
angesihte elliu div G. 28. an Got fehlt G. schonhait . sftzekait . uli güti uindit . so G.
29. dü] din G. 30. an im fehlt G.
9*
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41. Von der gaischlichen verzukung des mentseben.
won güti, und da von müss in die sele minnen; sit si von natnr gütü ding
rainnet, und under raängem gute minnet si ie daz beste, sit denne Got daz
beste ist, so müss si in öch minnen für üllü ding, nu sprichet sant Bern-
hart daz du volkomen sele drivaltig minne zu [95*] Gotte haben sol. du
5 erste haisset ‘amor’. du ist also daz ich gantzen willen sol han Got ze min-
nen, und daz der wille reht ginge von minnen: also minne Got! dü ander
haisset 'dileccio’, daz spricht ain anhaftung. dü minne ist grösser denne
dü erste; won ich han zem erst ainen brinnenden willen und ainen gantzen
willen Got ze minnende, dar nach hefte ich min sele an Got und minen
io willen, also daz zwüschent mir und im ain vestü anhaftung ist, daz mich
von im nüt geschaiden mag. dü dritte minne haisset 'caritas’. dü ist
dü obrost, und ist also daz ich allen gelüst au Got habe, daz mir süsse
ist an in gedenken, von im reden und von im hören reden, und ich an
kain ding anders gelüst habe won an im allaine, und ich denn kain ding
15 minue won durch Got. und also [96'] vil ich Got dar an vinden und er-
kennen mag, also vil sol ich ain ieglich ding minnen. und daz minnen
haisset caritas: daz ist volkomene minne, und minne Got denne allen-
sament, so ich ällü ding durch Got minne. minne ich aber kain ding
durch sich selben oder durch die güti die ich dar an erkenne oder ver-
jo stan, und daz ich nit urh&p an Got süch, von dem alles gut geflossen ist,
so minne ich Got nit allen, ich sol Got ungetailten minnen, also daz ich Allti
ding dur Got minne und ich an kaim ding wolnust habe won allain an
Gotte, nu sprichet sant Bernhart: 'so dü sele Got allen minnet, so wirt Got
und dü sele ain gabst’ ; daz ist also daz min wille also in Got gefüget si
25 daz ich nit wil won daz Got wil, und in dem lutem willen füget sich Got
also süsseklichen und also gantz in min sele daz ir girde mit im erfüllet
wirt. daz mag [96*] nit alsuss in disem libe sin. in der sele ist ain tugent, dü
haisset girde, dü enmag niemer erfüllet werden won allaine mit Got ze hymel-
t f. Bit — ding minnet) uon ir naturc . de sie gütin die minnen müz G. 2. niSngemj ainen:
ieiiebim G. ie fehlt G. 3. beste gftt ist G. (ich fehlt G. 5. erste minne h. G.
dü) de G. gantzen] ainen grozen G. sol fehlt G. 6. von] nah G. minne Got) sere
minnon ich got . uon ainem grozen willin G. 7. diloctio ndhcaitatis G, d. adhesites falsch Z.
8. gantzcnl grozin O. 10. statt im stand zuerst dir, was rot durchstrichen wurde A.
1 1 . nach mag] und han den grozen will! . den ich zemerste hatte . zeder mine . den han ich an got
geheftit . deich iemir an im haften wil G. 12. und] dü minne G. allen fehlt G. 13. büren
reden] hftrin G. 14. anders gelüst] wollust G. an i. allaine] ninegun an got G. nach
allaine i»( won rot durchstrichm A. denn fehlt G. 15 f. vil — mag] uil alsc ich got ge-
minnen mac . uß alse uil alse ich got dran v. mac . uil irkennin G. 16 f. und — haisset] so ich
got also minnon . so haizit dü minne G. 17. daz ist] so han ich G. denne fehlt G.
18. Mlfi fehlt fälschlich G. minnon alse div minne an got ancuahit . uil ouch an im ende hat .
Minnon abir ich G. 19. erkenne oder fehlt G. 20. alles gnt| dü güti . ellfi G. 22. Got] in G.
an vor kaim fehlt G. 23. vor nu] so minnon ich got allen . unde ungetailten G. allen]
also G. 24. si] wirt G. 25. das ouch got G. luteren herzin . uß indem luteren willin G.
26. ir] minir sele G. 29. dü] div girde G. got . div gernnge sol irfüllit werdin .
mit got G.
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41. Von der gaisehlichen verzukung des mcntschen.
133
lieh, da git Got unser herre sich gantz und ungetaillet in die sele, won si
ist alz edel daz si kain ding erfüllen mag won daz edeler ist denn si. also
sprichet sant Gregorius: ‘du sele ist von der gothait durchflossen, und swaz
minr ist denn Got, daz mag ir nit genügen’, und da von git sich ünser
herre ze hymelrich ainer ieglichen sele gantz und ungetailten, und hat sin 5
ain ieglichü sei also vil alz in enkainü me habe won si aine, und git sich
doch allensament; won er ist also gantz und als ainvaltig daz er nit ge-
taillet mag werden. ain hailig sprichet daz sich ünser herre ze hymelriche
zn ainer ieglicher sele sunderlich alz hainlich und alz gütlich füget alz er
mit kainer me nit habe ze tünne, und alz er nit me liebes [96c] habe won io
ir, und füget sich öch, sprichet er, in die gemainde reht alz ob er sunderbar
nieman bekenne, dar an sont ir verstau daz sich Got gantz und ungetaillet
git aim ieglichen mentsehen ze hymelriche, und also wirt Got und dü sei
ain gaist.
Der dritt hymel da wir in gezuket sont werden, der haizet intellectus, 15
daz spricht ain verstantnust. daz merkent also daz der mentsch sin sinne
und sin beschaidenhait sol zuken an Got, und sol da verstan was Got si.
nu fraget sant Bernhart waz Got si, und sprichet also: ‘owi, wer saget
mir waz Got si? er ist dü lengi, dü braiti, dü höhi und dü tiefi'. dü
vier ding sint an ünsrem herren. er ist dü lengi an der ewikait, wan 20
an siner ewkait ist weder anvang noch ende, und dar umb nemet er in die
lengi. er ist öch dü braiti an der minne, won er hat sich gebraitet in
hymelrich und in ertlich, er ist öch dü höhi /.96‘7 an der magenkraft, won
die mag nieman begrifen. er ist och dü tiefi an der wishait, won sin wis-
hait ist ane grünt, und kan ir nieman zü aim ende komen. cowi’, spricht 25
er, ‘wie sont wir den begrifen den alle die weit nit begrifen mag! owi’,
1. sich selbin g. G. si] ilii sele G. 3. durch flössen) geulozzin . uD dauou enrnac sü
nivt eruvllit werdin . wan mit gotlichir naturo G. 4 f. ir — sele] die sele niht eruüllin . uO
dar umbo sol got der sele girdo erfüllin . mit im selbin zehimilriche . Da wil sie (sich Z) iinsir
herre ainem ielichim gen G. 6. in — aine] ob in niht wan ainü hetti G. 7. won er] ainir
ielichir sele . wan got G. 8. sich fehlt A. ünser herre) got G. 10. kainer me) dehainir G.
10/". won — ob) Uii sprichit . de er sich indio gemainde also gcmainlichc fügit alse G.
12. irkenne besser G. 13. uSlleclicben git G. und also) Also G. 13 f. got flnsir herre ain
gaist u. d. sele; darauf: Minnen wir nu got also . de lins nüt uroiliche noch lusteliche ist . wan
ainigü iinsir herre got . uii daz (wir Z 1 cllü dinc minne durh got, so wirt denne dü sele uii got
ain gaist . nach disim übe als ich gesait han . Uii abir indisim libe . alse uii also ez mugelich ist
got ünsirmc herren zinphahinne . in disim libe . nüt allaine got mit sinir hailigun gnade . wände
ouch mit sinim hailigin vronlicbamen G. 15. der haizet fehlt A. intellectualis G. 16. da
merkint G. 17. wc got finsir herre G, ebenso 18. 19. nach si] üent wrto er (Nu autwurto Z) ich
abir sprichit er G. uii div braiti und dü G. 20. dinc . diu eint an got u. h. G. es A.
21. nemmit G. 22. öch fehlt G. sich mit der minne g. G. 24. die — begrifen] sin
maginkraftli diu ist umbegriffinlichc G. 25. und k. ir) wan ir kan G. zfi aim] ze G.
25 f. owi — er] Dv vier dinc . sprichit er de got sie . unde sp'chit denne vürbaz . Owe G.
26. begrifin . der allo die weit vüllit . und den G. nach mag) Owo wir armin mentsebin . wir
ellendm mcntschin . wie sulne wir den iemir begrifin G.
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41. Von der gaischliehcn verzukung des mentschen.
sprichet er, 'ich hatte des mich gar vertröstet daz ich in iemer möht be-
grifen, won daz mich ain wort tröstet, daz sprichet sant Paulus, anders
so getorste ich es niemer gedenken daz ich in iemer möhte begrifen. “ir
sont", spricht er, “Got ünsern herren vahen mit der hailikait’’; daz ist
5 also gesprochen: ir sont Got vahen mit der hailgen minne und mit der
hailgen vohrte, daz sint der selan arme, da mit si Got sol umbvahen,
und denne sol si in vast haben, daz er ir nit entwischi’. wa von sol aber
du vohrte meren tAglich? *owi’, sprichet er, [97‘] ‘waz ist me ze fürhtenu
denne ainen gewalt dem Allü ding offen sint?’ wir mugent nit so hainlich
io getün noch gedenken, es si im alles kunt, spricht sant Paulus, und dar umb
ist er wol ze fürhtenn. und also mag sin gewalt die vohrte an uns wol
meren, daz si tAglich an uns wachse, nu hant wir ainen arm da mit wir
Got ünsern herren umbvahen sont. der ander arm daz ist dü hailig minne.
waz sol aber dü an (ins meren, daz öch si tAglich an üns wahsen sülle?
tö daz sol Got. waz ist besser ze minnen denne der da geminnet hat und der da
minnet. und von dem du geminnet bist? daz ist der güt Got, der gross Got,
der dich gar sere geminnet hat und der da minnet: den sont wir vesteklich
und stüteklich minnen. so hant wir zwen arm da mit wir sont umb/977
vahen Got. und swenn wir in alsus krefteklich begrifent, so sont wir in
20 vast haben, daz er üns nit enphliehi; won swie tvir die zwene arm ver-
lierent, so enmugent wir Got nit gevahen. da von flissent üns daz wir die
vohrte und die minne habent! won hetti ain mentsch alle tugend An die
minne, dar umb wurde im niemer Ion, sprichet sant Paulus.
2. daz fehlt A. sant P.J der groze . fln der cdile bredier s. P. de git mir ainen trost G.
3. ich niemir des gedenkin G. mfthte begrifen] geuan mehti . Wc ist abir de . daz der groz
sant Paulus sprichit . Er sprichit G. 4. spricht er fehlt G. 5. geuahin G, fehlt A. 5 f. mit
hailigun G. 7. entwiche G. b. dü hailige uorbt an vns meren G. er . mentsch e wc G.
9. dem nieman mac widir »tan . ün dem G. vor wir] Sprichist du denne herre saut Bern-
hart (Paulus Z) . de got ellü dinc offin sint . und de wir niht so clainis mugin getün . mit ge-
dnnkin . mit wortin . mit werkin . cz cnsie im alliz gar offin . Da (/. Ja) ez ist im alliz offin .
sprichit der edil sant Paulus . Alliz de wir ic getatin . de ist im allis offin . un endekkit uor gotis
ougon G. so fehlt G. 10 f. spricht — üns wol] Ist de war grozir herre sant Paulus? Da (I. Ja)
gcwerliehe ez (ist Z) war . intrüwan mcntschc so ist er wol zovürhtinne . ain gewalt . dem ellü
dinc offin sint . der gwalt mac wol die uohrt an üns G. 14. daz Och] sprichit sant Bernbart .
de lere üns abir . wie G. 15. daz s. Got] Ich spriche abir zedir G. denne d' . der g. G.
16. der groze got . d' güte got G. 17. und — minnet fehlt G. vesteklich] süzecliche G.
19. got ünsimc herein G. in] got G. 20. won] und suln vns ulizon der hailigun vorhte . uü
der hailigun minne . wie G. wir fehlt 4. zwene fehlt G. 21. wir ünsir got G. 21. da von —
23 Paulus] Flize dich liebir mentsche . de du got uor allen dingin liep habest . so lebest du allezan
intugindfc . Swa ouch dü gotis liebi . die tuginde niht zühit . die uirderbint schiere . der Ion wir
ouch gemezzen . nah der mlno . Wan hetti ain mentsche alle tuginde anc die minne . aide alle
minne . anc die tuginde . des enpfienge er niem' Ion . Un darnmbe suln wir (uns Z) crefteliche
kenn . an die mlne . so Wirt ellü ünsir nrbait . ain Ion uon der minne . ane die enmac niht
gütis gesiu G.
4. Eph. 4, 24 f 10. Hehr. 4, 13. 22. I. Cor. 13, lff.
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42. Dis sprichit s. Aosliclo. — 43. Wie and war umb der inentgeh bihten sol.
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[42. ] Dis sprichit s. Anshein.
Sant Anshelm spriht: 'o herre, habe ich mir min künschi it benomen, da
mitte enhab ich dir nit erschlagen din miltekait. herre, habe ich gesundet
me denne mir güt si, so enist aber din erbärmed niht minder denne dir wol
stände, o herre, han ich daz getan dar umb du mich mäht vertaillen, dar 5
umb hast du nüt verlorn da mit du mich mäht behalten, o süsser Got, ich
fürht dich nit als ainen rihter, won ich waiss wol daz du erbarmhertzig
bist; ich [97‘] wil entwichen zü dem stüle diner erbürmde. mir seit min
hertze ich si verlorn umbe min sünde; aber din erbärmde, o herre, über
triffet aller weit sünde’. also vil sprichet sant Anshelm, so der mentsch io
minr ist denne Got, also vil ist sin güti merer denn des mentschen sünde.
[43.] Wie und war umb der mentsch bihten sol.
Rehtü biht sol han fünfzehen ding, spricht ain wiser man. si sol sin
demütig, daz du enhain ding sagest durch gastung. si sol sin rüwig von
hertzen, daz dir laid si swaz du wider Got ie getüt si sol sin beschaiden, 15
daz dich der bihter wol merke, si sol sin willig von frigem willen an be-
twungeschaft. si sol sin gantz, daz du nüt verewigest wissentlich, si sol sin
schämig, daz du dich nüt verdekest. si sol sin emtzig, daz du dik bildest,
si sol sin gewäre, daz du weder ze vil noch ze lüzel sagest und luterlichen
durh [!)?*] Got. si sol sin rügig, daz du dich allaine und nieman andere 20
Rehtiu bihte du sol vünfzehin dinc han, sprichit ain wise man . si sol sin demü-
tecliche, de du enhain dinc sagest durh gastunge; rüwecliche von herzin; beschniden-
liche, de dich der bihter wol virstande; touginliche, de nieman din herze wizze wan
der bihter; willecliche von vrigem willin ane betwunginschafte ; ganzeliche, de du niht
virswigest wizzentliche ; mit schäme, ane virdeekungo, und dike, unde die warhait, de du 25
wedir ze vil noch ze lüzil sagest, und luterlich durh Got . in laide nieman wan dich
1. Überschrift fehlt GA W, sie ist Z entnommen. GZW beginnen hier einen neuen Abschnitt ;
nicht dagegen A. 2. Sanctus Anshelmus spichit (sprichit Z) G. it fehlt G. 4. din' G. if. wol
Stande] zimiliche sie 6. 5. o fehlt G. daz fehlt G. 6. mit du fehlt G. 7 f. erbarmhertzig
bist] bist ain irbarmere G. 9. sünde . und de mir min biize niht mflge gehelfin . übir windin
mine sünde . (o Z) herre abir G. o herre fehlt G. 10. allir der weit G. also — so] Ain
hailige sprichit . 0 herre de ist ain groz irbermde . so der mentsche erste gedenkit . de er bihton
(behalten Z\ welle . so uirgist du im alle sine sündo . So sprichit denne sant Anshelmus . Alse
uil G. 11. sünde fehlt A. 12. Überschrift fehlt G, Von der bihte (rot) Z. 17. daz fehlt A.
23. bihte G. Zouginliche G, falsches Initial.
1. Das Stüde Nr. 42 ist eine Zusammenstellung von Sprüchen ähnlich icie Sr. 35, und bildet
die Einleitung tum folgenden Beichtunterricht. Es findet sich in G Bl. 23* ; Z Bl. 27’ ; W Bl. 30’ ;
fehlt Arundel und PhiU. 12. Das Stück findet sich in G Bl. 23‘, dessen Text in der tu-eiten
Spalte wiedergegeben ist; damit stimmt Z im allgemeinen überein (Z Bl. 27’); fehlt in den anderen
Handschriften. — Vgl. dazu Schänbach, Über eine Grazer Hs. lat. deutscher Predigten S. 99 Nr. 102.
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L 36
43. Wie und war umb der mentsch bihten sol.
rügest, si sol sin erlich, daz du nit unerlich noch schamlich üt sagest, si
sol sin gäbe, daz du zehant die sünde sagest so du si getüst. si sol sin
kurze, daz du nit mär dar inne sagest, si sol sin bloss, daz du sagest wie
und wa und wenne und wie dik und war umbe. si sol sin rehtvertig, daz
5 du dich fürbas vor Sünden wellest hüten, si sol sin gehorsam, daz du gern
laisten wollest swaz dir din bihtiger für din sünde setze.
Bihte sol nieman fristen noch uf schlahen von fünf Sachen, dü erst: won
der tot nahet, und enwaiss nieman wa, wie und wenne er kumet und da
von sol der mentsch sich vor mit der biht beraiten: so der tot kome, daz
io er berait si; und an sweler stette er kome, daz er in berait vinde. dü
ander [98“ J sach ist: won üns dü schritt ällü dar zü manet daz wir bihtent
und ünser sünd lüwent. unser lierre sprichet in dem ewangelio: ‘gand hin,
ögent üch den priestern !’ daz ist also vil gesprochen: gant hin und ogent
mit der bihte üwer leben, wie ir gelept habent, den priestern. sant Jacob
15 sprichet: 'bihtent üwer sünde, durch daz daz ir behalten werdent!’ her Salo-
mon spricht: 'nit sume dich an diner bekerde zü Gotte!’ der wissag Ysayas
spricht: ’enbinde diner sele bande, gevangner mentsch!’ dü dritt sach ist:
nlluin . bedecke die Bünde niht unde wis gehorsam dem bihter unde habe güte züvir-
siht . abir solt du deime haben güte züvirsiht, so du last die sünde, und dir laide ist
20 bwc du widir Got hast getan, und willon best niemirme ze tu'nne und ze laistenne, swe
dich der bihter haizit.
Bihte solt du niht vristen, wan diu gwonhait der lange übil ist, de limet zü dem
übilne, und ain sünde zühit die anderun an sich, und ist der tot ungewiz, unde des
siechtagin angist lat den mentsebin niut rüwe han, unde ierrit ouch diu schäme de der
25 mcntsche kume bihton mac . unde so der mentschc viraltet in den sündon, so kumit er
kurne da von; unde so der sünde ie me ist, so o’ch der note ie me wirt hie aide nah
disim libe.
Sanctus Augustinus sprichet: ‘owe, seligiu sele minü, du solt alse groz minne han
zü den dingin da zü du geschaffin bist, und also groze vohrte de du ez virliezest, und
30 also grozin jamir de du ieze da niht bist, de du dich niemer gevrOwest enhainis
irtschin dingis’ . er sprichit ouch: ‘o vil hailigü angesiht, du bist ain vollü vflrc, du
bist ain obrestü wolluste unde ain vollekominü vroide, ain girlichiz antlüte und vroi-
lichiu girde* . er sprichit ouch: ‘iüwir seien hat getürstit nah Got dem lebindin brun-
nen, nu hant ir begriffin, nu trinkint als vil ir wellent, als dike ir went, iüch ensol
35 sin niemir me gebrestin unde sol iüch doch iemir nah dem vollin brunnin dürstin; ir
sulnt in iemir ewecliche mit tu'zir girde niezin und iüch sin allezan minnecliche lustin,
und sulnt sin alle zit sat sin, und sol iüch iemir hungerne nah Got, der der engilon
trank ist und ir ewigü spise’.
12. ew A. 21. der fehlt G. 22. Bihte) Sihte G, falsches Initial. lange Z, fehlt G.
26. kume Z, fehlt G. 2h. Anshelmus Z.
12. Luc. 17, 14. 15. Jac. 5, 16. 16. Eccli. 5, 8. 17. Isai. 52, 2.
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43. Wie and war umb der mentsch bihtcn sol.
137
won wir in schaden ligent, daz ist in der sele tot won so wir ie lenger
ligent in den Sünden, so es umb lins ie wirs stat; won ain sünde zühet die
andern an sich, und so der mentsch veraltet in den Sünden, so kumet er
kume der von, und geliebet im, daz er si kume oder niemer gelassen mag.
dü vierde sach ist [98*]: won unser pin alle die wile in der helle wachset, 5
die wil wir in den Sünden sint und schaident wir also hinnan von dirr
weit ungebihtet, und wir wol möhtint bihten, so sint wir eweklich verlorn.
und so der Sünden ie me ist, so öch der nöte ie me wirt hie oder nach
disem libe. dü fünfte sach ist daz üns ünser herre so gar vergit, so wir
luterlich gebihtent, als wir nie sünde getan hettint. ich sprich joch me daz io
er üns vergit die sünde gar, so wir joch nument gedenkent ze bihtenn, und
wir des willen haben! daz wir bihten went. also spricht der wissag: ‘ich
sprach daz ich bihten wolte, und du, herre, vergibt mir min sünde'.
Dis sint die Sachen die üns dar zü raitzent daz wir gern bihtent und
die biht nit fristent 15
Ain hailic man eprichit von der gedultkait: ‘gedultkait diu mazait den zorn, ei be-
rihtit de herze, ei machot den nientechin demiitich und 8terkit in in der not; und eo
eie an de ende kumit, eo enphnhit si den ewigin Ion
So sprichit sant Augustinus: ‘vride ist ain lutirkait der sinnen, ain senftkait des
mfitis, ain ainvaltkait der minne, ain bant der minne, ain geselleechaft der liebi . si be- 20
nimit kriec und Bchaidit urlüge und etillit zorn . ei trittit die hohevart undir eich und
hobit demütekait . si geeellit mizzebelle und fiigit die vinde ze liebe und ist allen den
lüten gevellic . si engert niht vrümedis und enbebebt nibt ainigis . si enkan nibt bobe-
vertic sin . swer eie habe, der gebalte sie; ewer in virlorn habe, der suoebe in, wan
ew er ane vride fundin wirt an einem ende, der wirt virtailt von dem vatir und von dem 25
sun und gesebaiden von dem hailigin gaiet'.
Bo sprichit sant Bernhart: ‘wilt du die maze behaltin, eo stände in der mitli, wan
dü mitli ist ain stfll der tugindon . gast du uzir der mitli undir dich, eo vallist du;
gast du übir dich, eo virierroet du; Stande allewege in der mitli, de ist ain tuginde der
maze . ewenne du Uzir der maze kumist, eo muz ain ielich wiee man spreebin de du 30
eiest kommen in eilende . darurobe etand allewege in der mitli, so belibist du in der
maze’.
20. ainv. der minne] a. des herzen Z. 23. ainigis] eigenis Z. 25. swe G. 27. milti
mit nachträglich übergetehriebmem t i'or 1 G. 29. in der Z, fehlt G. 31. kofii am Ende
der Zeile G.
12. Ft. 31, 5.
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138
44. Von der Bele beraitunge.
[44.] Ton der sele beraitunge.
(Dielte filie Syon, ecce rex tuus veniet tibi.]
Der wissag Ysayas sprichefc: ‘lieben tohtra von Syon, enpfach dinen
herren [98*] und dinen künig; er kumet dir ze tröste, din behalter und
5 din Got’.
An disen Worten sont wir drü ding merken.
Daz erst: wer der si, der da kumet. daz ist der minneklich Gottes
sun von hymelriche, der ain küng ist über alle künig und ain fürste
aller fürsten.
io Daz ander ist wie er kumet er kunt senfteklich und süsseklich und
tugentlich alz daz tow des maigen. also minneklich alz daz edel tow uff
dem böm vallet in dem blügenden maigen, also vallet ünser herre mit siner
gnade in die sälgen sele und machet si an allen tugenden blügend und
fruhtend, reht alz der edel böm blüget und fruhtet von dem towe des
15 maigen. owi, rainnü sele, enpfach wirdeklich und löblich daz edel götlich
towe! berait dich mit tugenden, daz du mit minneklicher andaht Got en-
pfahest in dim hainlichen gebett mit siner gnade, und fliss [98*] dich daz
du an allen dingen die gnade mit tugenden übest!
Daz dritte ist daz du merken solt wie du den hymelschen künig enphahen
20 solt. du solt in enphahen als er ze Jerusalem enphangen wart an dem
palm tage, im wurdent dri eren erbotten: sümlich lute zugent dü klaider ab
und wurfent si an den weg, da ünser herr hin riten solt, daz er dar uf
ritti; sümlich Iüt nament blümen und gras, lob und este und wurfent es öch
in den weg; sümlich lüte sungent im nüwü lob engegen, ze glicher wis sol
25 ain ieglich mentsch und ain ieglichü sälgü sei Got enphahen.
1. Überschrift fehlt G, vns' h're (rot) Z, am Rande von zicciter Hand Sermo XIII H’. 2. Der
lat. Text fehlt A. 3. Der — tohtra] Vnsir herro sprichit darb des wissagin munt esaiam . Di-
cito filie svou . ecce rex tuus ueniet tibi . Daz sprichit . Li ehrt tohtir GZ Hr. 6. Nu sunt ir
drü dinc merkin an den wortin G. 7. Daz erste . de du inerkist . wer G. si] ist G. 8. der
ist ain k. allir k. G. 9. vüreten . 0 we der kunccliche got der kuinit dir G. 10. ist de du
nierkist . wie G. 11. touginliclio G. edel) minnecliche vfl kindische G. 12. dem 4, den
ediloe G. 12 f. sinir gotlichun g. G. 13 f. machet — reht] wirt alle dine tuginde fruhtbaer-
lichcn Mögende . uon dem goUickun to'we G. 14. und fruhtet fehlt G. 15. edel fehlt G.
16. tugenden] rugintiiehim vliz G. 18. dingen] dinen werkin G. 'best . die du in gnade
enpfahist tverdienBt IV) G. 19. dritte G, and' A. 20. in fehlt G. 21. dü klaider) ir gwant G.
24. in] an G. sümlich] Etteliche G. im — engegen! engegin im ain nüwiz gesanc G.
25. mcntsch — s&lgü fehlt G.
1. Die Predigt findet sich in 6 Bl. 24h; Z Bl. 28*; W Bl. 74'; N Bl. 77*; fehlt in H.
Arundel, Phill. — Vgl. die lateinische Predigt Bertholds in Cod. lat. 12520 Bl. 10* der Münchener
Hof- u. Staatsbibliothek ; ein ähnliches deutsches Stück in der Hs. St. Georgen 38 Bl. 108 (Längin
S. 9) der Karlsruher Hof- u. Landesbibliothek. — Gedruckt aus .4 mit den Lesearten von Z bei
Wackemagel S. 98. 2. Isai. 62, 11. 11. vgl. oben S. 71 Z. 33/f.; S. 48 Z. 5ff. 21. Matt.
21, 8 ff.; Joan. 12, 13 ff.
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44. Von der sele beraitungc.
139
Zem ersten male solt du dinü ältü klaider ab ziehen, daz sint din alten
Sünde und untugende; und swaz böser und süntlicher sitten an dir ist, die
solt du abe lassen, und solt dich klaiden [99*] mit nüwen klaidem. drier
hand klaid solt du an legen engegen disem künig. du solt dich klaiden mit
rotem sämit, daz ist dü götlich minne, an die niemer kain mentsche üt gütes 5
oder löbliches getün mag; und dar umb ist es wol notdürftig, sit wir nit
gütes ane götlich minne getün mugent. du solt dich och klaiden mit wissem
sämit, daz ist rehtü künschkait an lib und an hertzen: daz ist ain klaid
daz Got sere minnet. daz dritte klaid daz ist ain violvar säniit, daz ist
rehtü demütkait an allen werchen: won daz ist ain tugent die Got von io
hymelrich uff ertrich zöch, uff der er rüwen wil; und da von sol sich
dü sele mit demütkait klaiden dü da wil daz Got uff ir rüwen sülle.
Zu dem andern male solt du blümen und gras und ölebomes zwiger en-
gegen dem hymelschen küng sprai/3.9*/ten. die blümen daz sint tugetlich
gedäuk und tugentlichü werch. daz gras ist stäte und süssü girde nach 15
der hymelschen süssekait. des ölbomes zwiger ist miltekait und senfte-
kait, die du dinen brüdern solt ögen, so si betrübet sint, daz solt du in mit
milten, mit senften und mit süssen Worten minneklichen benemen. so gist Au
ünsrem herren des ölbomes zwiger, swenn du im sin gemaheln gütlichen
tröstest 20
Zu dem dritten male solt du diseu küng enpfahen mit aim nüwen lob,
daz ist daz du in solt loben mit singenn und mit lesenn. und solt daz alz
frölich tun alle tag daz Got da von gelobet werde; und sin lob sol dir also
süsse sin daz es dim hertzen und diner sele ain vröde und ain wunne si,
und sol dir ze allen ziten nüw sin. owe, sälgü sei, lob dinen minneklichen 25
schepher, gedenk an die mänigvalten gnade die er dir hat getan und noch
[99’] wil tün, und loben iemer mere! Got loben und Got dienen, daz ist
1. Da solt zemerst dinü a. cl. nemiu . uü solt sü ab ziehin G. din alten] alt G.
3. du alle abe G. 5. »Arnitj sannidc . ufl mit wizem . un mit uioluarwem . Der rot stemide G.
üt] niht G. 6. oder] noch G. und fehlt G. es) üns d clait G. 6 f. nit — wissem]
got niemir gesebin tnugin • wir eusien denne beclaidit mit der gotlichun minne . Daz andir clait
de ist der wize G. 8. rehtü] ganzü G. 9. got wol geuallit . ufi de got G. klaid fehlt G.
10. allen dinen w. G. won — tugent] vH gedenke daran . de demütckait ain tuginde ist G.
11. zoch . Demütckait ist ain tuginde . uf der ünsir herre r. G. und da von] Also G.
12. mit demütkait] gerne G. da wil] welle G. uff — sülle] bio ir rüwo G. 13. Zü — solt]
Daz andir de du solt tün engegin des grozin künegis zükunftc . de G. 14. dem h. küng] im
solt G. die — sint] de sint die blümen die du im solt spraitin . Daz sint dise G. 15. graz
de ist G. 16 f. ist — brüdem] de ist de du dinen swesteron (deinem prüder W) aliezan milt-
kait . ufi senftekait GZ. 17. solt du] solt G. 17 f. mit milten fehlt G. 18. senftem A.
benem . uii solt ir din herze uf tün . mit miltekait . so GZ IV. du] dv A. 19. herren] herzin
fälschlich G. 21. Zü — disen] Du solt ouch den himilscbin G. lobo . als er zehierl’m en-
pfangin wart . an dem balmctagc . De nüwe lop G. 22 f alse hizceclichen . un also uroi-
licbin G. 23. alle tag fehlt G. 27. loben] lobe in G.
1. vgl. oben S. 45 Z. lf.
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140
44. Von der scle beraitunge.
daz wunneklichost leben daz ie wart, nu, tugenthaftü sei, lob den wunnek-
liclien Got mit hertzen und mit munde! lob in von aller diner kraft! da
dir an lob gebreste, daz du sin lob nach sinem werde nit volle gerechnen
mugest und nach diner sei girde, da bevilch sin lob für dich den brinnen-
5 den seraphin, und bitte si und alles hymelsch her mit hertzlicher girde daz
sü den gegenwärtigen Got, der ir herre und ir künig ist, für dich lobent,
und daz si in für dich bittent daz du zü der geselleschaft körnest, daz du
in denne iin ende werdest lobend, amen.
145.] Von der waren minne.
io Dü minne ist, sprichet Prosper, alz mich dunket, guter wille, der gesckai-
den ist von allen irdenschen dingen und zü Got gefüget ist ane schidung
und gezimbert mit dem füre [99d] des hailgen gaistes. gut wille ist also daz
din wille gefüget si von allen den dingen dü dich Got unhainlick machent,
daz ist dü weit und Allti ir gezierde und ir gespenste: daz flühet alles dü
u wäre minne des güten willen, Allü unsuberkait ist von ir geschaiden. schi-
dung zwüschent Got und dem mentschen enwil si nit wissen, enhain unstäte-
Prosper sprichit: dü minne ist alse mich dunkit gfitir wille, der geschaidin ist von
allen irtschen dingin diu gegimvertlc sint, und ze gote gefügit ane schidunge, und ge-
zimbirt mit dem vüre des hniligin gaistis, von dem sie ist und an den sie eich dennit
30 virbrfigittü . güte wille der ist also de din wille gefügit sie von allen den dingin diu
dich und got hainlicho machont . der scbOue glanz dirre weit, der ist im niht; der süzi
dirre weit cnpfindit er niht; der untrüwon dirre weit enpfligit er niht; jamir zirgandichir
dinge des enhat er niht . gar und gerne tünde des hniligin gaistis rat, de ist gar der
minne wille, von dem si kumit, in dem si rüwet, ane den onmac enhain dinc gflt sin .
25 ellü unsubirkait ist von ir geschaiden ; schidunge entzwüschon Got und ir wil sie
wizzen niht . sie enwil niht sin in den dingin diu da haizint unsuverkait der weit . si
enwil ouch niht de siu ir also nahe sie de sie müge gedenkin wie dü schidunge sül
sin; ellü wandilungo und unstetekait der icelt wil sie niht wizzin . allü diu ding dü
1. nu] 0 wo G. 2. dinir girde crafth G. 3. gerechnen] rockin G. 6. der ir künlc . ufi
ir horro ist G. dich fehlt A. 7. du schier zu G. 7 f. körnest — aincn] komest . da du in
iem werfest lobende . mit allen himilschcn tuginden . ufi da du dich wirst urAwende mit siuir
gotlichnn angesiht G; Z fügt noch bei: Des helfe vns got . am , IV dagegen nach angeaiht: vnd
mit allen den dev er zft der ymmerwerender vraflde geladen hat . daz ist dev hündische vraflde .
wann daz mag wol der himcUsche vraüdc sein wa tusont iar sint alz ein tage . der gester ver-
gangen ist. 9. Überschrift fehlt GZ, IV «m Rande eo« zweiter Hand De caritatc. 10. Prosper
sprichit . Dv minne ist so beginnt GZW. 13, gefüget] geschaiden oder gefrigetf (Rocthc).
18. irtschen fehlt W. diu g. sint) deu irdische sint IV. 18 f. gezimbert — des) zfi dem IV.
20. «ier der G. zu gefügit vgl. Z. 13. 21. I. dich got unbainlichc mit A. 22. zirgandichir]
zfl ergänchleicher TV. 23. ist fehlt TV. 25. unsubirkait ist] vnser werebe sind IV. 27 f. sül
sin] mflg gesein TV. 2S. weit w. sie fehlt G.
9. Das StiicJc findet sich in G Bl. 25k, dessen Text in der zweiten Spalte mitgeteilt ist; damit
stimmt überein: Z Bl. 29", TV Bl. IS; fehlt Arundel, Phill.
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45. Von der waren minne. 141
kait wil si öch nüt wissen, über alle flaischlich minne ist si boh uf er-
haben, der weite minne ist ir widerzäme. du minne in der daz flaisch ist
erzogen, dü gebürt alles an, und ist ir gebürte unnütz, won si ist zü flaisch-
lichen dingen genaiget. dü minne ist st At und hat witen begriffen und ist
kreftig und hat fünf küngrich under sich gedruket: daz ist der mund, dü 5
ogen, dü oren, die hende, die fiisse; die nüwren ällü zit Gottes [100a] zorn.
dü minne ist ain hail des frides, die kraft des tüvels hat si überwunden,
si betwinget den der hymel und ertrich geschaffen hat und des alles gewaltig
ist und hymelrich und ertrich begrifen hat, den betwinget si daz er sich
müss erbarmen über des mentschen missetat. dn mäht och minne han die io
Got nit vertribet, und die ratet und haisset und spricht: wilt du nieman wol
tön, so tü doch dem wol der dir wol tüt, und minne den der Got aller
stäteklichost liep hat du minne och den der dich und die drivaltekait ver-
sünnen sol, der dich von den Sünden wisen sol, der dich den rehten weg
laiten sol, der dich zu Gotte füren sol, der dem tüvel sine kraft an dir be- 15
nemen sol. dü minne ist ällü zit girig gütliches contemplierens, daz si die
man hnrin aide sehin mac, gesmekin aide gerürne, diu eint vor ir ougin als ainir zir-
ganginre tac; übir alle minne diu vlaischliche ist, so ist sie hohe uf irhebit . der weit
minne ist ir gar ungebüre . dü minne in der daz vlaische wirt mögen , diu gebirt allo-
zan, und ir gebürt ist unnücze; wan sie ist genaigit zü den dingin dü da haizint vlaisch- 20
lihiu minne . dü minne ist starke und het wit bevangin, und ir craft hat fünf kunic-
richo undir sich gedruckit ze tonne des libis gelüste: daz ist der munt, dü orin, dü
ougin, die hende und die vüze; die nüwint allezan Göttis zorn . wir enmugin Gotis
minne niht gewinnen mit des libis wollust . dü minne ist ain hail des vrides; die craft
des libis und der weit und des tievils hat sie überwndin . sie ist ain ende des himil- 25
schin gebottis . si betwingit den der allez himilriche und ertriche gescbaffin hat; und
der alliz dez gewaltic ist, de himilriche und ertriche begriffin hat, den betwingit sie de
er sich mflz irbarmen übir sich und übir des mentschin missetat . si ist dü oberostiu
Gotis minne . du mäht ouch minne han die Got niht virbütit und die er ratit und
haizit und sprichit: wilt du niemanne wol tfin , so tfi den wol der ouch dir wol tüie, 30
und minne den der güte bilde trage: dü minne ist bezzir . minne die die Got allir
liepste die steti hant: dü minne ist noch bezzir . minne den den dir Got gegebin hat
zeminnone und zeainem suenere, der dich und die drivaltekait virsünen sol, der dich
von allen sündon wisin sol, der dich den rehtin wec lerne sol, der din stap wesin sol,
der dine craft irkichen sol, der dich zeGot fügin sol, der dem tievil sine crafth an dir 35
benemin sol: dü minne ist vil bezzir . allir nücziste, allir sichirlichist ist dü oberost
gotlichü minne und ist allezan gerik gotlichiz contemplierinis , de sie die süzun süzekait
3. gebürt — gebirt. 19. uf irhebit] erhaben TV. 19. inso am Ende der Zeile G.
19/'. allezan] allez ab TV. 23. allo sampto TV. 24. hail] tayl H". 28. allez fehlt TV.
31. nach der] dich lieb hat vnd der di'r auch TV.
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142
45. Von der waren minne.
süssen sftssekait werde erkennend: des hymelsclien [100*] vatters gewalt, sins
lieben suns wissliait und des hailgen gaistes senftmütkait, wie Got da ze
hymelriche ir aller minner si, wie er in allen da gemain sL si ist ob allen
dingen, si ist Got selbe, und der in der minne wonet, der wonet in Gotte
5 und Got in im, sprächet sant Johans. swaz du minne tüt, daz tüt Got;
und daz Got tfit, daz tüt du minne. si ist ain tot der Sünden: kain sünt-
lich ding an Worten, werchen oder an gedenken mag bi ir lebend sin. si
ist ain leben der tugend: alle tugend werdent von ir gespiset, alle tugend
wachsen t von ir und werdent von ir gesterket und erhöhet, alle tugend sint
io von ir gezieret. si ist ain ge w Affen der hailgen hertzen: dem si striten
hälfet, der gesiget und mag im nüt geschaden. si ist ain sache aller wirde-
kait. si ist fruhtbär an den rüwenden, won si git trost in der rüwe, nnd
nach dem tröste git si gelüst ze güten werchen. [100*] si ist frö an den
werde irkennende, de eie irkennende werde des himilechiu vattirs gwalt, sinis licbin
15 euns wishait und des hailigin gaistis miltekait, des hailigin gaistis senftekait, des hailigin
gaistis süzekait; wie die drie persone mit ain anderen werkent, wie dü wandilunge in
himilriche sie, wie erberliche diu geselleschafte ze himilriche sie, wie umbetrübesalliche ir
lebin sie, wie er ir allir minner sie, wie er in allen gemaine sie . sie ist ob allen
dingin und ir werke ob allen werkin, sie ist got selbe; und der in der minne wonet,
20 der wonet in Got, und wonet Got in im . swe diu minne tüt, de tfit Got; de Got tfit,
de tfit du minne . sie ist ain tot der sündon , wan dekain süntliche dink an wortin, an
werkin, nn gedenkin mac niht bie ir lebinde sin . sie ist ain lebin der tuginde: alle
tuginde werdint von ir gespisit, alle tuginde wahsint von ir, alle tuginde werdint von
ir gesterkit und werdint von ir irhöhit, alle tuginde werdint von ir geziert, und sie ist
25 allen tuginden saelic/ic . sie ist ain tuginde den vehtendin : wan swor wol vehlin wil,
der sol die minne kan, so vihtit er tugintliche . sie ist ain crone in den signüftrerin:
nieman wol gesigin mac, wan den du minne bilfit striten . sie ist ain gewefin der
bailigen herzin : diu hailigin herzin dfi mit der minne gewefint sint, den enmac nüt zü
komin, enhnin übil de sü virwndon müge . sie ist ain sache allir wirdekait: ad hi dü
30 wirdekait dü nn allen dingin ist, da dü minne niht enist, de ist reht als ein brunne
der ainen bösin grünt het, und alse ain burc ane turn und alse ain künic der nihtia
gwalt hat . sie ist fruhtbsere an der rüwe: wan so dü rüwe kumit, so ist sie bereit
mit dem tröste; nah dem tröste git sie gelüste gfitir werke . sie ist vro in den zfi
leginden : sie git vroide den die gfltü werk tönt, unde machot siu willecliche zfi leginde .
35 sie ist ain signenüftferin an den martererne: alle die martir dü dich ane gnt von der
1. su'ssckait l. drivaltekait ? 3. if A. 5. Johäs A. 10. si fehlt A. 14. tujcA
vattirs) tugend vnd 4V. Minis, falsches Initial G. 20. de (iot) waz got TV. 22. ir le-
binde] brom lewen TV. 23 f. von ir gest. — tug. werdint fehlt TV. 25. saelichic mit spater
eingefugtem I über c G, sa'liehait TV. 27. den G, der dem TV. 32. an gewalt TV. 33 f. zfi
leginden) den si sol zfi legen TV. 35. si'ghaberinnc /V.
5. I. Joan. 4, 16.
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45. Von der waren minne.
143
zu legenden, si ist ain signuft in den martren. si ist och ain Ion in den
volkomnen, an die nie mentsche Got wol geviel. mit ir nieman gesunden
mag; si git genüg mit ir ze tünne. si git stAtekait der tugend, ewiges lebe«,
ewig sülikait, ewig vröde, rihtüm äne gebresten, minneklich gesell eschaft. si
ist ain wercherin in den globegen. si git in ze lobenn da von Got gerümet 5
und geeret wirt in ertrich und in hymelrich. si git dar nah ze tünne da
von si Gotte aller liebest sint.
Nu mentsch, tü daz dir du minne rate, tfi daz dich du minne lere;
won alles daz gut ist an aim ieglichen, d.az lebet von der minne. Got ist
selber du minne; waz möhti denn besser sin? liabent die rehten minne, so io
mngent ir Gottes gewaltig sin!
[46.] Von des mentscben gllchung.
Unser herre geschüf den mentschen dar zü daz daz hymel/20Od/rich mit
im erfüllet werde, da der engel gebrosten wäre, und enw&rent och die engel
kestegunge des tüvils, von der kranchait des vlaischis und von allen den dingin dü 15
dinem herze widir wertic sint, die wil sie mit gewalt virtribin . sie ist ouch ain Ion der
vollekomeni: ane die minne nie nieman Got wol geviel ; mit ir nieman gesündon mac .
sie git inen sich mit ir ze tünne swc sie wen . dar nahe git sie stetikait der tuginde,
ewigiz lebin, ewige selkait, ewige vröde, rihtüme ane brestin, minnecliche geselleschaft,
da niht criegis wesin mac . truren ist ir gar virsagit, stetecliche minne si habint, von 20
der minne nieman andirs sagit wan selde, ere unde allis gilt . arh mich, minneclichir
herre Got, wie gar du ir allir willin tust! du hast ir bant zirbrochin, sü lebent in
wannen swie sü lustit; wan sü habeten 6, da von sint siu geziert vil und me mit
mtcnegirhande wirdekait . der lebinde sunne het sü beclaidit, von dem daz ewige liehte
gat, von dem sü alle wisbait bant . ir lebin ist in der ewigun gothait; vlize dich von 25
allim dinim herzin de du gedenkest so du beste mäht, und de du tflest swc dü gfttis
mäht . mit den dingin mac nieman gesünden . sie ist ouch ain werkerin in den
gloubigen: sie git inen ze gloubinne da von Got gerümit und geeret wirt in ertriche
und in himilriche . dar nahe git sie ze tünne da von sie Got allir liebeste sint . gloube
de dich dü minne lere, tü de dir dü minne rate; wan allis de Gotis ist an dem SO
mentechin, de lebet von der minne . Got ist selbe diu minne, waz mehte bezzirs sin?
habent rehtun minne, so mugint ir Gotis gewaltic wesin !
3. leben» A. 12. Überschrift fehlt G W, Dis sp'chit vns' h're (rot) Z, Des »undagee als
mit alia »echt in septuage (rot) Phill. 14. im] den mentsebon G. nach wäre] da ez niht
gar irfüllit wc . daz solt mit den mentschon iruollot werdin G. IS. sie wen] man wil W.
23. wnnen G. 27. ouch fehlt 11’. 30. Dä, falsches Initial G.
12. Das Stück findet sich in G Bl. 26c; Z Bl. 31h; (V Bl. 16r; Phill. Bl. 132’: darnach ge-
druckt bei Priebsch, Deutsche Handschriften in England I S. 227. — Der Traktat zerfallt in zwei
Teile, dessen zweiter Teil eine ähnliche Spruchsammlung bildet wie oben Nr. 35. 42 und der zweite
Teil von Nr. 43 (8. 136 Z. 28 f.) in der Fassung t on G. 20—25. Man beachte die Reime!
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141
46. Von des mentschen glichung.
nit gevallen, so hatt unser herre also gedaht daz er mit den mentschen
wolte den hymel erfüllet han. nu gefür es also daz die engel ge violent, und
geriet och do den mentschen daz öch der geviel und Got ungehorsam
wart und verlor die tugent da mit er sich Gotte und den engein glichen
5 solte, und verböset sin rain nature, daz si unrain wart, swer nu wider wil
komen zü der ere uud zil der wirdekait die unser müter verlorn hat, der
müss mit sehs dingen wider komen. der mentscli viel mit zwain dingen in
dem paradyse; nu muzen wir ouch wider komen mit zwain dingen, daz du
nature ir kraft wider gewunne. der mentsche viel an dem gelüste und an
io höft'art. nu sont wir da wider allen bösen gelüsten wider stan tugentlich.
wir sont üns och verdruken mit der [ 101° ] demütkait. der mentsch muss
öch sich den engein glichen an zwain dingen, wil er wider komen. daz erst
ist daz du allen den vergebist die dir ie laid getatent, und luterlich ir
frönt sigist, daz ander ist daz du in öch dienest, als och dir der engel ze
u allen ziten tfit. der mentsch müss sich och glichen dem güten Got an zwain
dingen, e er wider komen muge zü siner wirdekait. daz erst ist rehtü ge-
horsami: dar an sol sich der mentsch bilden nach Unsrem herren; won er
waz untz an den tot sinem vatter gehorsam, daz ander ist der gehorsami
stätekait, daz üns nüt der von geschaiden muge. dis sint dü sechs ding da
20 mit wir wider komen sont zü der ere die wir da mit der ersten sünde
verlurent.
Sant Augustinus sprichet: 'o süssü sele min, sag mir: waz ist daz süsse
daz mich da under wilent fl 01b] so vast rnret daz ich gar von mir selben
kum? schier wird ich verwandelt, und beginnet mir wol ze sinne, daz ich
25 nieman da von gesagen kan wraz oder wie mir ist. o s&lgti sele, sag mir:
ist es der den ich da minne? ach, vil salgü sei min, sag mir: ist es min
liep? so er aber denn verholn kunt, daz ich in denn vahe und ich in nit
also lasse varen, er müssi mir ain phant lassen siner guti, daz er schiere
her wider kome und daz er denne alle zit bi mir blibe’. er sprichet och:
so ro herre, min Got, min züversiht und ain vröde mins hertzen, sag mir ob
1. hat 02 finsir ß. 3. gerietj verriet Z, uirrietin ß. 4. dem engil G. 5. solte
fehlt fälschlich G. 7. viel mit] uicl an G. 7 f. in — dingen fehlt A. 10. da wider] der
nature ir kraft widir gewinnen . ufl suln G. tugintliche und rainciichc G. 11. wir — och]
Daz andir ist . de wir (ins sulne G. dcmu'tekait . alse er sich irhabin hat . mit hoheuart . mit
den zwain dingin . sol der mentsche der nature ir craft widir gewinne G. 12. de engil G.
komin zü der ere . die er mit der ersten sünde uirlore G. 13. ist] daran du dich dem engil
glichin solt . de ist G. ie dehain lait G. 13 f. un solt I. ir fr. sin G. 14. dienen solt G.
15. tüt] dienot G. 16. ist dü rehtü G. 18. untz — 20 sont] sinim uatt' gehorsame . und
kam uon dem himilriche uf de ertliche . und wc gehorsam unz an den tot . An den (dison Z\
sehs dingin sol der mentsche widir komen ß. 20. da fehlt G. 21. hain uirlome G.
23. mich daj an sinir gchtigido mich G. 23 f. so — kum] wonot ze rminne . alse nastc . und
also süzecliche . de ich beginno gar werdin uon mir selbun G. 24. vor und] schier kume ich
abir widir G. also wol ß. 25. o sa'lgü) 0 we ß. 26. ist es min] ob ez sie min ß.
27. aber denn! abir ß. 28. lazo uon mir v. ß. 30. ain fehlt G. mir liebir herre ob ß.
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46. Von der mentschen güchung.
145
daz du vröd si von der du sprichst : “bittent, ir sont gewert werden, daz
üwer vröde werdi vol”, nu riht uf, sei min, all din kunst, und gedenk, also
du malit, wie gut, wie süsse daz güt si von dem üllü snssi flösset, daz ist
daz obrost güt und daz geblümte güt, daz ist der minneklich Got. an dem
vindest du alles güt, all vröd, [101'] alle süssekait, wron er ist dii gantze 5
sillikait. da vindest du alles daz du ie gertest, daz du ie minnetest, dar
umb vahest du in mit BÜsser minne und mit gantzer girde und hebest dich
an in also süsseklich daz er niemer von dir gewenket, nnd la dir wol mit
im sin’, von der hymelschen vröde spricht er öch: ‘o herre, ällü hymelschü
vröde, üllü hymelschü wunne lit an dir, du bist es alles’, ‘o ’, spricht sant io
Anshelm, 'du sülgü sei hat ünsern lierren in hymelrich nach irem willen in
aller wolnust und nutzet in vrölich, wie ir girde gert. und alz si ain leben
hat da ze lebenn eweklich, also erkennet si Got senfteklich’. er sprichet öch:
‘o vil minueklicher anblik, Got sehen in im selben und in Got sehen den
mentschen, sin nature, und Got sehen in siner sele mit sülger vröde und 15
mit vrölicher sälikkait! alles hymelsch gesind I101d] hat vröde an ünsers
herren angesiht. sin antlüt ist schöne, sin red ist süsse; er ist glustig ze
habenne und süss ze minnende und gevallet wol von im selben, nihtes nit
süchent usser halb im, won man vindet an im alles des man gert!’ sant
Beinhart spricht: ‘mentsche, wilt du Got hainlich sin, so solt du gern mit 20
dem herzen aine sin und üllü ding von dim hertzen schaiden, won Got
allaine. wie reht nütz daz ist’, sprichet er, 'daz hat min hertz dik w'ol
befunden’, so sprichet sant Augustinus: ‘mentsch, wilt du wissen war umb
du Got nit krefteklich minnest, daz ist da von daz du nit erkennest wie
vil er dir ze güt hat getan; won erkandist du daz rekte, du minnetist in 25
t. sprichist nfi bivtest bie (lern hailigun gaist . Hin . de (da Z) er sprichit bittint und ir G.
2. riht dich nf 8. min . riht uf a. G. also] also uil G. 8. w. gut] w. gross G. 4. oberosto
gut . und de beste gilt . un de gcbl. g. G. wnnecliche G. 5. ist fehlt G. 6. alles daz]
a. des G. 7. hebest] hast G. 8. und] nu G. 9. von — 11 Anshelm] Sanctus Augo
redet non der himilscliun uroide . und spriehit . 0 herre min got . ganziv . himilschiv selkait . du
ratist uil haizstc lins ( darauf Z: das wir o'cb dich bitten . vnd geheizest vnB) . de du <ns wel-
lest gebin . de ünsir uroide uol werde . Owe herre nu bitte ich dich de du mir gebest . die wil
de ich die uroide niht hon gesmekit . da zehimilriche . und ich niht bin algar durh ulozzin . uon
dinir s&zekait . und ich niht gar wnnecliche zA dir bin gefögit . so mAz min gemflte daran hfi-
gin . min zunga mflz da uon reden . min herze mAz de minnen . mine sele mAz danach hun-
girne . minen lip mflz danach diirstin . alliz de an mir ist . de mAz girde dar nahe han . un
alle lallo mine aderen Z) mfizen brinnen nach (von Z) minnen . sllö minii begerunge mflz se-
nungc da nach han . unzee de ich besophit w-irdc inder sfizekait . Sant Ansheimo sprichit G WZ.
11 f. in aller] mit ganzir G. 18. hat — lebenn] da het z. blibenne G. senfteclichc .
un niwet an im uroiliche G. 14. wnnecliehir G. 14 f. den m. sin] din G. 15. dincr G.
16. ingesinde G. 18. minnende — wol] niczinne er geuallit G. selben . un geuallit durh
sich sclbun G. 19. an] in G. 19/', So spr. s. B. G. 20. mit got h. sin indinim gebette
ao G. 21. dem] dinim G. 22. wol fehlt G. 25. gar uil G. in] got G.
1. Joan. 16, 23 f. 20. vgl. oben 8. 33 Z. 8.
Deutsche Texte des Mittelalters. X. 10
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146
46. Von der mentschen glichnng.
von allem dim herzen’, so sprichet s&nt Paulus: ‘owi, liebü kint, lobend
und minnent Got und dienent [102‘] im andähtklich mit grossem flisse, und
merkent waz schaden üch da von kurnet ob ir es niht tönt, in trüwen, er
nimet üch die gnade und wisseget üch dar umbe’. so sprichet öch sant
5 Bernhart: ‘owi, minneklicher Got, du hast mir vil gütes getan, dar umbe ich
dich minnen sol; doch wirt mir min hertze von dekaim dinge so sere en-
zündet zü diner minne so da von daz du den jamerlichen tot und die bitter-
lichen marter dur mich litte, daz du mir wider gewunest min erbe’.
[41 J Von unser vrowen und von hallgem leben.
10 [Et in habitatione sancta coram ipso ministravi.]
‘Ich diente vor Gotte in der hailgen wonung hailiges lebens’, sprichet
ünser vrowe in der wisshait büch.
Und sint an disen Worten drü ding ze merkenn. daz erst: daz si diente
vor Got. daz ander: daz si daz tet in der hailgen wonung. daz dritte:
15 daz si waz in hailgem lebenn.
Daz si [102b] sprichet: ‘ich diente vor Gotte’, dar an sont ir merken daz
si ze allen ziten vor Gotte diente; won daz si sprach: ‘vor Gotte’, daz ist also
vil gesprochen das si ällü irü werch tet in der mainung reht alz ob si vor
Et in habitatione sancta coram ipso ministravi . disiu wort sprichit der hailic gaist
20 von ünsirre vrown sant Marien, reht« als sie spreche: 'ich diende vor Got in der hai-
ligun wonunge hailiginz lebinz ’.
Nu merkint an den Worten drü dinc: de sie diende vor Got in der hailigun wo-
nunge . de sie sprichit: 'ich diende vor Got’, daran sulnt ir virstan de sie ze allen
zitin vor Got diende; wan de sie sprach ‘vor Got’, de ist also vil gesprochin de (ie
25 sellü irü werke mit der wirdekait tet und in der mainunge also si vor Göttis antlüte
1. lobent got G. 4. nimit am Rand G. wissaget A, wizenot G. nach umbe]
Er spri[cA>/] ouch . Ir sulnt ivwcm lip bindin . unde sulnt in reht uahin . de ir in got zedieniste
bringest . Unsir herrc sprichit . Do ich gebomc wart do viel ich in arbait . ufl inder arbait . blaibe
ich unz an mim- tot . de ich an dem erüze mine ende nam . So sprichit ain hailic man . ez en-
wart nie debain arbait . noch bittirkait . noch dehainir slahte pin . des der gotis sun an im niht
hetti . uB entet de niht darumbu . de era bedorfti . er tet cz allis durhe ünsirnc willin . de er
üns losti . uon der ewigun not . und ouch darumbc . de er die bittirkait der arbait uirsuhti (ver-
smcbti Z) . de er üns deste baz mebti gloubin in Unseren arbaitin . und so wir in an rüftin . de
er sich deste u'-lleclicliir übir v'ns irbarmeti . wa er ouch die arbait betundin hat G WZ. öch
fehlt G. 5. getan . und liest mir uil gütir gäbe gegebin G. 6. dekaim] dehainir schlabte G.
8. gewunest min] kouftist min rehtiz GWZ. 9. Überschrift fehlt GZ. 11. diene A.
19. Et] Ut, falsches Initial G.
1. Anklänge an Eph. 5, 2; Rom. 8, 28? 9. Das Stück findet sich in G Bl. 28m, dessen
Text oben in der zweiten Spalte mitgeteilt ist, damit stimmt im großen und ganzen überein Z BL 33?;
H Sr. 6, es fehlt in den anderen Hss. 10. Eccli. 24, 14.
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47. Von unser vro wen und vun hailgem leben.
147
Gottes antlüt stünde; won si waz ze allen ziten an allen tilgenden reht als
si vor Gottes antlüt wäre, won si waz in der hüte des hailigen gaistes. si
mohte wol sprechen: ‘ich diente’, won alles ir leben waz ain dienst vor
Got. na sont wir uns bilden nach ir. sit daz alles ir leben ain bilde ist
und ain lieht aller tugend und sülikait, so sont wir 6ch bilde nach ir nemen 5
und sont dienen vor Gotte, als och si tet; und sont üllü ünsrü werch tün
in der mainung reht alz wir vor Gottes ogen standent, won alles des ment-
schen leben ist ain dienst vor Got, an des allain der in der hopt Sünden ist
sit wir äne höbet Sünde sint, so sint wir in Got[102‘]tes hulden. so ist och
alles unser leben ain dienst vor Gottes antlüt, es si daz wir joch dienen vor io
Gottes ogen mit am&aht oder an awiftaht, mit usserem geschäfte oder mit
inrem gaiste, oder swie dü arbait und der am&aht si: daz wir in gehorsami
tünt, daz ist alles ain dienst vor Gotte, nu si joch daz ain mentsche umb
sin gutüt gere von den lüten geerot werden, so ist doch sin dienst ain Ion
vor Got. aber swaz im eren erbotten werde, die sol er enphahen also daz 15
man in ere an Gottes statt; und sol sich eren nit werren, er sol ir vro sin
dar umb daz Got an im geeret werde und daz man Got an im erkenne.
stände; wan sie wc ze allen ziten in der pflegunge ir herzin und ir libiz an zühtin und
an allen tuginden alse sie Gotis antlüte sehoweti, wan sie wag in der hüte des hailigin
gaistig unde in der gehügede Göttis. 20
Da nah merkint de eie gprichit: 'ich diende’ . sie mäht wol sprechin de sie diendi,
wan allis ir lebin ain dienist wc vor Got . nu sulne wir üns bilden nah ir . sit sie ist
ain liebte und ain bilde allir tuginde unde selkait, so suln wir nemin ab ir bilde und
sulne ouch wir dienen vor Got, als ouch sie tet; und suln mlliu (insiriu werke tün
in der ewirdekait und in der mainunge alse wir vor Göttis ougen standen, wan alliz 25
lebin ist ain lieht vor Got, wan der ain der ane houptsündon ist, des lebin ist
allis ain dienist vor Göttis antlüte . sit wir denne ane houpt sünde sin , so sin wir
in Gotis hulden ; so ist ouch alliz ünsir lebin ain dieniste vor Göttis antlüte, wir dienen
mit ambaht odir ane ambaht, mit uzzirme geschmphide odir mit inrem gaiBt, odir swie
diu arbait und de ambaht sie: de wir in gehorsami tügen, de ist alliz ain dienist und ain 30
Ion vor Got . dü priorin mit ir dienist, der prioi mit sinim dienist unde dü undir priorin
und bischofe ambaht, ebte ambahte und kurzeliche alle die die mit dehainem ambaht
odir an ambaht arbait odir kumbir hain in Gotis nammin , de ist allis ain dienist vor
Got . nu sie joch de ain prior aide ain priorin odir ain bischophe oder swer ambaht
het, de er geert werde von den lütin durh des ambahtis willin, so ist doch sin dienist 35
ain Ion vor Got . nbir swaz im eren irbottin wirt, die sol er enpfan also de man in
ere an Gotis stat; und ensol sich eron niht werin, er sol ez vro sin darumbe de Got
an im geert werde und de man Got an im irkenne . nu ist sumelichen lüten ambaht
11. and ah t A, ebenso im folgenden. 19. was) wa'ijd G. 25. wirdekeit Z. 25 f. alliz
unsir lebin Z. 26. ain vor liebt zweimal, einmal getilgt G. lieht] dienest Z. 34. od' vor
swer am Hände beigefugt G. 36. Cbir, falsches Initial G.
10»
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148
47. Von unser vrowen und von hailgcm leben.
nu ist sinnlichen luten amiaht und ere swüre, und ziehent sich gern da von;
und sol daz von demütkait sin daz si ungern ere habent. nu sprichet ain
hailig daz es in me dunket ain trakait denn ain demütkait der amiaht un-
gern hat, won der siht gerner [102*] daz man im diene, denn daz er aim
5 andren diene; und si lebent gerner mit gemach an amiaht denn si mit am-
iaht ungemach habent. und ist daz harte tumplich, sit ällü unser arbait ain
Ion ist vor Gotte.
Nu merkent fürbas daz si diente in ainer wonung hailges lebens. daz
waz wol war, won si wart gehailget in ir miiter übe. und alles ir leben
io waz gar hailig, won si waz uswendig an irem leben, inwendig an ir sei ain
Spiegel vor gotte und vor den luten an aller sälikait, won si waz gar ain
lutrü sÄlikait und hailikait aller unvermasgeter tugend. und da von moht si
wol sprechen daz si wonet in der hailikait des hailigen lebens.
Sit wir nu an ir vindent alle hailikait hailges lebens, so sont wir ir
15 nach volgen an hailgem und an lutrem lebenne.
Daz erst ist rainkait des hertzen und [103* ] des libes. du solt dich
flissen daz din liertze und din conscienci gar rain und luter si, nit liht
argwänig, nüt üppig gedilnke; hüt allü zit der luterkait diner conscienci.
und ere swtere, und ziehint sich gern der von, und sol de von demütekait geschehin de
20 Bie ungerne ere haben . nu sprichit ain hnilic man: 'ez dunkit mich me ain trachai:
denne ain demütekait der ungerne ambaht het, wan der siht gernir de man im diene,
denne er den anderen diene; und sö lebint gerner mit gemache ane ambaht denne siu
mit ungemach ambaht haben’ . unde ist daz harte tumplich, sit alle (insir arbait und
önsir dienist ain dienist und ain Ion ist vor Got.
25 Nu merkint vrtrbaz de sie sprichit: 'ich diende vor Got in der wonunge des hai-
ligin lebins’ . sie mäht wol sprechin de sie Got diendi in hailkait des lebinnis, wan sie
wart gehniligot in ir mütir libe . und allis ir lebin wc gar lutir und hainlich , wan sie
wc uzwendic an ir lebinne, inwendic nn ir sele nin spiegil vor Got unde vor den löten
an allir selkait, wan sie wc gar ain lutir hailkait allir unvirmasegotir tuginde . da von
30 mäht sie wol sprechin de sie lebeti in der hailkait des hailigin lebins . sit wir nu an ir
vinden hailkait allis hailigin lebinnis, so sulne wir ir nach volgen mit hailigim lebinne .
sit sie ist der liuhtende tac, swer denne nah ir gat, der wirdit entliuhtit.
Wellen wir nu hailic werdin, so mftzin wir drü dinc han an unsirme lebinne: daz
ist lutirkait des herzin, rebtekait der werke, miltikait der sinnon . mit disen drin dingin
85 wirt der mentsche gnr lutir.
De erst ist rainekait an libe und an herzin . du solt dich vlizen de din herze
und din conscicntia gar rain und lutir sie, niht liht arcwtenic, niht betrahton andir
löte: de trübit dine conscientiam ; niht uppeclich gedenkin; hüte allü zit der lutirkait
16. erst fehlt A. 22. gerne G, gerner Z. 23. mit ambahtc vngemach Z. 25. vor
fehlt G, aus Z. 26. Die, falsches Initial G. 27. luterlich . vnde heilielich besser Z.
30. ir] im mit übergeschriebenem r G. 36. erst fehlt GZ.
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47. Von unser vrowon und von kailgem leben.
140
daz si nit betrübet werde mit dekainen Sünden, so dü sunne ie schöner
lulltet, so man ie baz gesibt daz klain stüppelin. also ist es umb daz hertze
und umb die conscienci: so dü ie lutrer ist, so der mentsch ie bas erken-
net klain täglich sünde.
Daz ander tail hailges lebens ist rehtekait der werche. wellent wir nu 5
volkomen werden an rehtekait, so sont wir zem erst han reht mainung, also
daz wir üllü ünsrü wereb sont tün in der gehügde Gottes eren, nit dur lob,
nit dur rüm, won luterlich in der ere Gottes und dur sin lob. an aim ieg-
lichen güten werch sint zwai ding: nutz und ere; der nutz ist ünser, dü ere
ünsers herren. [103b] nement wir nu linsrem herren die ere, so nimet er io
dinir conscientie, de sie niht betrübit werde mit clainen noh mit grozen sündon: wan
so de herze ie rainir ist und sin conscientie ie lutirre, so ez ie baz siht unde irkennit
in im selbin clain sünde . so dü sunne ie schönir lühtit, so man ie baz siht de clain
stüppelin . also ist ez umbe de herze unde umbe die conscientie: so diu conscientie ie
lutirlichir und ie schonlichir entlühtit ist von gnade des bailigin gaistis, so der mentschc 15
ie baz irkennit clain tegeliche sunde . und darumbe sulnt ir iuch vlizen ze allen ziten
de iuwir herze und iuwir conscientie rain und lutir sie.
Daz andir ist minne zedim ebiu mentschin, de du miunezam eiest widir ielichin
mentschin . du solt telliu mentschin minnen zedem dinge da zü du ouch dich selbin
minnest, de ist de himilriche . de solt ainem ielichin mentschin wol günnen und solt 20
im mit dinen tuginden unde mit dim gilt im lebinno de himilriche helfin gewinnen . also
solt du minnen elliu mentschin . abir die in dem himilriche sint, die solt du minnen
indem zü dem wir komin eun und indem siu sint, de ist Got . unde minnent sü
aber üns indem zü dem wir komin sulne, de ist abir Got, zü denie minnent sü üns,
wände ouch wir zü inen sulne gefügit werdin in Got in der selbun vroide da sü iezee 25
inne sint.
Daz dritte da mit wir gar lutir werden , de ist demütekait; wan wir suln üns de-
mütegon an allen ünseren werkin . wan also vil sich der mentsche gedemiigite und
genidirt uf ertriche, alse vil wil in ünsir herro irhühin in himilriche . also sprichit er
indem ewangelio: ‘swer sich gedemütit uffin ertriche, den wil ich irhühin indem himil- 30
schin lande und wil in eren vor allen den die ich an mich gezogin han ’ . darumbe
raugin wir üns gerne demütin, de wir zo himilriche werdin irhühte.
Daz andir tail hailigis lebinnis de ist rehtekait der werke . wen wir nu vollo-
komin werdin an rehtekuit, so suln wir han zemerste reht mainunge, also de wir
aelliu ünsirü werk suln tün in der gehügede Gotis eron, niht durh lop, niht durh 35
rflmo, lutirl ich in der ere Gotis und dürh sin lop . in aim jelichin gÖtin werke sint
zwai dinc: nüzee und ere; der nuzee ist ünsir, dü ere ist ünsirs herrin . nemen wir
nu ünsirm herrin die ere, so nimit er üns deu nuzee; wan dü ere ist sin und das
7. v narrt ncrimal A. 14. diu oder diu? G 23. kom G. 25. daj daz G. 34. han
zemerste han reht G. 36. und sin dürh lop G, mit einem b über sin, i cctches die Umstellung
andeuten sollte.
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47. Von t'inser vrowen und von Imilgem leben.
uns den nutz der uns da von werden solte; und dar umb sont wir ünserm
herren sin ere und sin reht lan, und sont wir den nutz ban. wir bedurfent
eren nit, lassent ünserm herren die ere und tügint Allü ünsrü werch in der
mainung daz Got der von gelopt werde!
5 la im die ere, hab du den nutz!
gib im daz lob, hab du daz hail!
Daz dritte ta.il hailges lebens ist daz ünsrü werch also mAssig sigint daz
wir weder ze vil noch ze lützel tügin , alles mit beschaidenhait. sant Bern-
hart sprichet: ‘mentsch, du solt in der mitli stan, so behabest du die mässe:
io won du mitli ist ain stul der tilgend. gast du uss der mitli under dich, so
vallest du; gast du über dich, so verierrest du; und da von stand in der
mitli, so gast du in der masse’. swer unbeschaidenlich arbaitet, der kunt in
grosse widerwArtkait, alz der eilend man der mAnlich unwerd und [103']
unmAr ist, und tüt im nieman kain lieb und ist gar veriert. also beschiht
is öch dem mentschen der unbeschaidenlich sich arbait. da von sont wir
lop . wen wir denne gelobt werdin von ünseren werkin, so nemen wir de ain ist, und
nimit er fina den nuzee der (ins da von werdin aolti . und darumbe auln wir ünsirme
herrin ain ere und sin reht lazin, und euln wir den nuzee ban . wir bedurfin eron
niht, Iazen wir ünsirme herren die ere und tfton ttllü ünsiriu werk in der ewirdekait
20 und in der mainunge de Got da von gelobte werde.
laz im die ere, habe du den nuzee!
gibe im de lop , habe du die selde !
gibe im den pris , habe du de hail !
Daz andir ist beschaidinhait, de wir ünsir werk also mazzon sulne de wir wedir
25 ze vil noch ze lüzil tuen . wan swer reht in der temperunge stat, der behaltit die
tuginde der beschaidinhait, de ist ain berihterin der tuginde . davon spriebit sant Bern-
hart : 'menteche du solt in der mitteli stan, so bebaltist du die maze; wan dü mitli
ist ain stiil der tuginde . gast du uzir der mitli undir dich, so vallist du; gast du über
dich , so virierrost du : stände alle zit in der mitli , de ist ain tuginde der maze ; wan
30 swenne du uzir der maze kumist, so mflz ain ielich wise man sprechin de du bist
komin in de eilende . und de er sprichit er sie komin in eilende, de ist also vil ge-
sprochin : swer umbeschnidenliche arbaitit, der kumit in also groz widirwertikait alse
der eilende man der msenlichim ummüre ist, unde entfit im nieman dehain liep . und
alse er ist virierrit und betrübit, also vir ierrot der mentsche der sich ungemainliche
35 ane beschaidinhait übir mrbaitit . unde darumbe sulnt ir iuch hüten de ir an allen
iuweren werkin in der maze unde samenunge belibent mit gemainem lebinne, so
ist iuwir dienist Got genseme . abir sundirlichü dinc und umbeschaiden arbait de ist
5 f. 21 ff. in A und G sind die Zeilen nicht abgesetzt. 24. Daz ander ist bexekhent das ist
rehte bcschcidcnhcit Z. 36. u. in der s. Z. 37. dienist fehlt G, ans Z.
S f. vgl. oben S. 137 Z. 27 f.
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47. Von finscr vrowon und von hailgcm leben. 151
stan in der masse nnd bliben in dem gemainen leben, so ist unser dienst
Got genüme.
Daz vierde tail hailges lebens ist gilt bilde, das wir geben sont allen
luten, und sont an allem unsrem lebenn also wol geordnet sin und in allen
zühten wol gezieret sin und ain Spiegel und ain lieht sin allen den die uns 5
sehent, daz si gut bilde von uns nement und Got an uns lobent, nit allaine
reht und gilt vor Gotte, sunder och vor den luten, da von sprichet sant
Paulus: ‘ir sont üch flissen daz ir reht schinnent vor Got und vor den lu-
ten, nit allain vor Gotte, sunder öch vor den luten’, unser herre sprichet
in dem ewangelio: 'sehent daz üwrü werch schinnent vor den luten, daz io
si dar an üwren vatter von hymelrich lobegint’. an [103aJ disen Worten
merkent wir daz ain ieglich werch ist ain lieht der sele. ain ieglich Pater
noster daz du sprichest, ain ieglich Ave Maria, ain ieglich gilt gedank, ain
rain gedank, ain süss gedank, süsser wille, ain ieglich venie die du nimest,
ain ieglich demütig werch, ain ieglichü gehorsami und kurtzlich ain ieglich 15
güt werch oder wort oder gedank ist ain lieht der sele.
Got niht ain dienist, wan et mac dem mentschin kume wol irgan der sich gerne
sunderot.
Daz dritte ist de wir güte bilde sulne gebin allen den löten . und sulnt an
allim iuwerm lebinne also geordenot sin und an allen zühtin also wol gezierte de ir 20
ain spiegil und ain lieht sient allen den die iuch sehint, de sie gilt bilde von iu
nemen und Got an iu loben, niht allain rehte und gilt vor Got, me ouch vor den
löten . alse sprichit sant Paulus : 'ir sulnt iuch vlizen de ir reht schinent vor Got und
ouch vor den luten: niht allain vor den lötin, me ouch vor Got; niht allain vor Got,
gundir ouch vor den löten’ . önsir herre sprichit indem ewangelio: 'sic luceant opera 25
vestra, sehint de iuwirü werk schinen vor allen den löten, de siu iuwerue vattir von
himilriche loben* . nu hat gesprochin der raine munt Jhesus Christus: 'sehint de
iuwirü werke löhten*, daran sulnt ir merkin de ain ielich güt werke ist ain liehte der
sele . ain ielich Pater noster de du sprichist, ain ielich Ave Maria, ain ielich güt ge-
danc, raine gedanc, süze gedanc, süze wille, raine wille, der ist ielichis ain lieht der 30
sele; ain ieliche venie die du nimist, ielich demütik werc, ain ielich gehorsami, und
kurzeliche ain ielich güt werk aide wort aide gedanc: der ielichz sundiriiehe ist ain
liehte de din sele entlöbtit . nu merkint, vörbaz er sprichit: 'siu suln ouch vor den
löten schinen , niht allain vor Got, me ouch vor den löten . de ist alse vil gesprochin : ’
iuwirü werk suln offin sin vor den löten, niht bergin vor den löten . de hainliche 35
gut luhtit Got allain, de offin güt luhtet vor Got und vor den löten . nu sprichit ain
hailic man: 'bezzir ist offinz güt denne virborginlich güt, dar umbe de önsir herre von
himilriche gelobte werde und den löten güt bilde gebe*.
6. Behent — üns fehlt A. 23. sprich; G.
32. werkin G.
8. Rom. 12, 17. 10. Matt. S, 16.
25. Hic, fälschet Initial G.
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152
47. Von unser vrowen and von kailgem leben.
Daz fünfte tail liailges lebens ist miltkait der sinne, daz wir lindes
hertze und senftes habent gegen Gotte, nu merkent drü dinge an Gotte,
daz erst ist gewalt und kraft: nieroan mag sim kreftigen gewalt wider stan;
AIlü geschöfte mil.ss sich naigen under sin gewalt. daz ander ist sin wissbait:
5 du ist unzallich; er hat ällü ding mit siner wisshait ze samen gefüget. daz
dritte ist sin güti, und ist daz obrost und daz [104"] beste gilt, daz im
kain güt geliehen mag. wir sont öcli an uns selben drü ding erkennen, daz
erst ist krankhait, daz wir so gar krank sint an allen güten werchen; da
sont wir in bitten dur sin gütlichen kraft daz er unser krankait sterki. daz
lu ander ist unwitze und tumphait wider sin wisshait, won ällü du wissbait
und alle die maister die schrift ie gelasent, die sint reht goche und toren
wider siner wisshait; und sont in denn durch sine wisshait bitten daz er er-
lühti unser unwisshait, daz wir werdent erkennent sinen willen und sin gnade,
daz dritte ist vmnasgeter wille, der an uns nnd in uns mit mänger übli ge-
15 fleket ist; und sont in denne bitten daz er durch sine güti verwandel ünsern
vermasgeten willen ze siner güti, daz wir von im in dirre weite niemer fl 04']
gewenken mugent und nach disem libe von dir niemer geschaiden werdent.
Daz dritte daran wir hailic sulne werdin an ünsitme lebinne, de ist miltekait der
sinnon . die miltekait sulnt ir virstan an ain lindiz und an ain senftiz berze ingegin
Got, daz in miltecliche irkennit unde süzecliche an in gedenkin kan . nu merkint drü
dinc an Got.
De erste ist gwalt und craftbe : nieman mac sim crefligin gewalt widirstan ;
ellii crcnture miiz sich naigin undir einen gwolt . duz andir ist gin wizbait: diu ist
unzalliche ; er het elliu dinc ordenlicbe mit sinir wishait zegamin gefügit . daz dritte
25 ist sin güti : dü ist ouch unzalliche ; er ist sin selbis güti unde ist das oberoste und
das beste gut und ist ain alse ainvallic gut de im dehain güt glichin mac . wir sulne
oueb au üns selben driu dinc irkeuuin . daz erste ciankbait, de wir so gar crank sien
an allen güten werkin ane sin gotlichun ciafth : unde sulne in denne bittin durh sine
craftb de er ünsir erankhnit slerke . daz andir ist unwizee und tumphait widir siuir
5*1 wishait ; wan alle die maistir die schrift ie gelasin , die sint rebt gouch und toriu widir
sinir wishait : und sulne in denne bitlin durb sine wishait de er entlübte ünsir unwis-
bait, de wir werdin irkennende sine gnade und sinen willin . daz dritte ist de wir an
üns irkennen virmasegeten willin, der mit manegir übili gevleckit ist: unde sun in
denne bittin durh sin ainvaltigun güti und durh die güti dü er selbe ist, de er virwan-
35 dile ünsirne virmasegotin unde ünsirn übilne willin ze sinir güti und üns gebe lutirne
und gütin willin, und de ünsir virboistir wille werde geraint mit sinir güti, und wir
also gefügit werden zu sinir güti mit güiim willin de wir niemir von im gewenken in
dirre weit, und de wir denne nah disim libe ewecliche gebunden unde besophte werden
in der tiefi sinir güti.
4. gehüfto A, geschephedo Z. 6. dz dz beste A. 14. vmnasgeter A. 27. Das erste
ist Z. 39. güti . des hclfo vus got am« Z.
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48. Von ünser vrowcn.
15»
[48.] Von unser vrowen.
[ Transite ad nie omnes qui ctmcupiscitis me, et a generationibus meis im-
plemini.J
‘Alle die die miu gerent sint, die sont zu mir körnen’, sprichet unser
vrowe, ‘ich wil sü erfüllen von miner gebürt’. 5
Mit disen Worten ladet si uns. nu sont wir merken wer der si den si
ladet: nüt alle lüte, nument allaine die gerenden; und daz ist üns ain trosch-
lich wort, allen den die ir gerent. nu sont ir wissen daz wir si mfis-
sent minnen e daz wir ir mugent geren: won swaz der mentsch nit liep
hat, des geret er öch nüt. nu spricht ain hailig man daz wir den sont to
minnen der dü minne ist, daz ist Got. alz sant Bernhart sprichet: 'Got ist
dü minne’. sit denn dü minne Got ist und Got dü minne ist, so sont wir die
minne nützlichen minnen; won daz vindet man in mänger wis in der schrift
daz sich ünser herre dü minne nemet. went wir nu die [104‘] minne braiten,
so sont wir minnen die lieben müter, dü der minne müter ist, als si selb 15
sprichet: ‘ich bin ain müter der rainnen minne’. nu sont wir sehen waz
wir an ir vindent ze minnend. vil vindent wir an ir: si ist dü tugentriche,
si über siget mit ir tugend daz obrost güt und die obrosten tugend , Got
von hymelriche, daz er von ir mentsche wart, und gebar üns ainen loser,
also sprichet si: ‘von mir ist geflossen ain sälikait allen den die min gerent 20
sint’. den si gebar, der ist dü rieh sälikait und dü gantz gnti; dar umb
sont wir si von relit minnen, sit si üns gebar alle sälikait, der öch alle
sälikait behalten wil. daz ist daz erste urkünde daz wir ir gerent, ob wir
si süsseklich minnent. swenn wir si liep hänt, so sint wir ir gerend.
1. Überschrift fehlt GH', Maria sp'chit dia (rot) Z, Item von vnser Heuer vrauwen Phill.
2. Der lat. Text fehlt A. 4. Alle die] Disfi woit sprichit dß eremühc maria (Diseu wort spricht
vnser vrawo W ) Alle G1V. 4 f. sprichet u. vr. fehlt G. 5. von] mit G. 6. si üns] uns
dü werdü frowc maria goüs mütir G. 6 f. sont — ladet] aulnt ir merkin wen sie ladit . Sic en-
ladit G. 7. lüte — daz] die lüte . Sie ladit nicman wan die die ir gerne sint . Diz G. 8. wort
und allen G. gerent . de sie die wil iiuüllin mit ir gehurt G. sie 5 müziu G. 9. daz
fehlt G. 10. n ach nüt] Zeglichir wise ist ez muhe die tugindc rieh U mariam . die müzin wir
zemerstin minne . 8 de wir ir mugin gegeron . wan de enkan niemir werdin . de wir ir mugin ge-
geron . wir enhaben si 8 liep G. il. Bnh’ A, richtig iohans G. vor (Jot 1.] Deus Cari-
tas est G. 12. denne got din minne ist . und dü minne got ist . so G. 13. in. minnen . so
legen wir ünsir (ü. minne Z) . nüzccelichc (n. an Z) . wan G. 16. vor ich] Ego sum mater pulero
dilectionis G. 17. wan sie ist G. 18. ir tuginden G. 19. irl&ser G. 20. also sie spr.
liealam me dicent omnes generationes G. 21. vor den] Ja de ist war G. ui) dämmte G.
22 f. gebar — wil] gebar ainen bchalter allir selkait G. 24. swenn] sweune sie de an üns
v aiz . de G.
1. Die Predigt findet sich in GB1.301, Z Bl. 36", W Bl. 13, N Bl, 11, Phill. Bl. 190‘;
fehlt U und Arundel. — Vgl. eine ähnliche lateinische Predigt über dieses Thema: Cod. lat. 13320
Dl. 107* der Münchener Hof- und Staatsbibliothek. 2. Eccli. 24,26. 11. I.Joan. 4,8.
16. JEccli. 24,24. 20. Luc. 1,48.
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154
48. Von Unser vrowen.
Daz ander urkunde ist ob si uns wol gevallet war an sol si uns wol
gevallen? an allem irem lebenne; won si waz [104*] gar wol behüt an
zühten, an sälden und an allen tugenden, daz si niemann übel mag gevallen,
won alles ir leben waz entlühtet mit der ewigen sunnen. si waz och behüt
s mit schäm, du ain schloss ist aller tugend und aller zulit, als von ir ist ge-
schriben daz si ist ain zuht aller güter dinge und ain senftmütkait aller
guter zuht. si ist gar geblümet an lebendem lebenn, an senftmütkait aller
zuht, an sitten und an gebärden und an aller tugend sälikait. und da von
sol si uns billich wol gevallen, also daz wir üns nach ir zühten und nach
io ir tugenden bilden, so wir maist mugent. so erzaigent wir ir mit warhait
daz si üns wol gevallet. won ir wissent wol: swaz den lüten missvallet, daz
mident si an in selben, sit denn dü sälden riche Maria ist der blügend
maige aller tugend. so sont [105‘] wir bilde ab ir nemen: rainnekait libes
und hertzen, demütkait, gedultekait, senftmütkait und miltekait und kurtzlich
15 alle tugend, won si ist der lühtent tag und der luter Spiegel aller hailikait.
sant Augustinus sprichet: 'sich si reht an, die tugentrichen vrowen, und merk
rehte ir tugend; won sihest du si reht an, so ist nihtz an ir gebresten:
gütes noch sälges noch tugentliches, si hab es alles’.
Daz dritte urkünde ob wir si gerent sint, ist daz wir si dik lobent und
20 si gütlich grützint mit dem Ave Maria, daz ist der grüz von hymelriche,
der da wart gesant bi dem engel Gabriele, also sont wir si dik grüssen
mit hertzen und mit munde, und sont ünser venye vor ir nemen und ir zai-
gen girliches hertze, süss minne und lop in dem munde, und sont si inanen
ir früden und ir eren, ir sälikait, ir rainkait und [105h] aller ir tugend, und
25 sont si bitten dur ir sälikait daz si üns erfülle mit ir gebürt, sit si üns
dar zü geladen het, ob wir ir gerend sint, so sont wir ir öch erogen daz
wir ir gerend, daz wir si minnend und daz si üns alz wol gevalle daz wir
irem lntrem lebenn nach volgent und zü ir koment mit lob und mit grosse.
Nu merkent fürbaz: sint wir ir gerend, so sont wir die sin die si hat
so geladen, so sont wir och zü ir komen. wellas ist aber der weg den wir zu
1. urkunde de ist O. 2. garj so G. 4. lebin . was rehte ain lebindes lebin . and
wc erlühtit G. 5. also ist uon ir geschribin G. 7. güter zuht] zuhton G. »1 — ge-
blömet] Sit sie na gar gebt ist G. 8. sitten . an g. G. und da von] so G. 9. ufi also G.
(ins fehlt A. 11. löten] lüten wol geuellit . dar nah ziehint sie Bich . vn de inen an anderen
löten G. 13. nemin . Wir suln nemin G. 14. miltekait widir aine ielichin mentschin . ufi G.
15. tugend] zuhto . und alle güte sitte G. 17. won] uü G. 17 f. ist — alles] enist nihtis
niht gütig . noch scligis . noch tugintlichis des an ir breste G. 19. ist fehlt A. si gerent
— lobent] ir geren . de ist daz . ob wir dicke zir komen mit lobe G. 20. dem fehlt G.
20 f. von — gesant] der ir uon himilriche gesant wart G. 21. si dik] dike sftzeclicle so G.
22. venye — und] s&zin v. nemin nur ir mit aue maria . vn suln G. 23. manon allir tngind'
un G. 24. tugend) zuhte G. 26. so — erogen] de wir zir komen . so sulne wir oueh mit
gerendim herzin zir komen . und suln ir zalgen G. 28. lutrem] hüllendem G. zü ir] de
wir dikke G. mit grüsse] sie güteliche Aue grfizen mit aue maria G. 30. so sont wir]
unde suln G.
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48. Von ünser vrowen.
155
ir sont komen? ist es der gemaine weg di ne weite? entrüwen nit! es ist
ain hoher weg und ain sunderlicher weg. der weit weg ist gemaine und ist
vol schand und sünde und seres; den sont wir nit gan. wir sont tretten an
den weg der rainkait libes und hertzen, und sont künsch sin nit allain an
dem lib, sunder an dem hertzen und an willen, daz nüt an uns si won daz 5
erlühtet si mit rainkait.
Der ander [105’ ] weg daz ist dü minne. uff den wiset uns sant Paulus:
‘der uff dem weg stät der rainnen minne’, sprichet er, ‘den wiset si uff daz
reht erbe, der wirt denn erfüllet mit der lebenden fruht’.
Der dritt weg ist rehtekait, daz wir in allem unsrem lebenne rehtekait io
behaltent an Worten und an werchen, und sont uns also hüten vor sünden
daz ünser lip und ünser sele reht si vor Gotte und vor den lüten. swenn
wir uff disen weg getrettent, so begegent üns dü eren riche und enphahet
üns gütlichen, won si üns minneklich hät geladet daz wir zü ir koment;
und erfüllet üns mit ir gebürt, won si ist der kaner durch den der lebend 15
brunne flöz. und alle die die rainnü hertzen hant und uff dem weg der
minne gant mit rehtekait stüteklich untz uff den tot, in die wil si denne
den lebenden brunnen laiten; won dü stütekait enphahet allain den Ion in
die [105d] hant. enkainer tugend wirt der Ion gegeben won der stütekait.
also sprichet sant Bernhart: ‘stütekait dü treit die kröne über alle tugend, 20
won si ist ain vehterin und ain signufterin und ain wighus aller hailikait’.
so wir denne mit stütekait ünser leben verendent, so kumet dü süldenriche
und erfüllet üns mit ir fruht, won er ist der lebend brunne, der alle die
trenket die durstig sint nach im. denn wil er üs durch fliessen mit siner
gothait und mit siner mentschait, daz wir reht überflüssig werdent der 25
obrosten sülikait
I. dirre) der G. 3. schand] schäme G. den wcc G. vbir tretin G. 4. libes —
sont] de wir mit ganzir rainckait . an libo und an herein G. 5. Bonder] onch G. an dem
willin G. 5 f. nfit — si] nihts niht sic an lins wedir an gedenkin noh an willin . wan de allis
gar sie irlühtit G. 7. panins . vH sprichit also G. 8. spr. er fehlt G. 10. in fehlt A.
II. also fehlt Q. 12. nach lüten] niht allain uor vns selben . und uor got rehte . wir
müzin onch rehte schinen uor den lüten G. 13. disen] den G. 15. üns denne mit G.
kenel G. 17. denne fehlt G. 18. dü stetekait div enpfahlt G. 19. stitekait] stfete be-
libit . vnz an de ende . wan G. 23. ir lebindin fruht G- lebend] ewige G.
7. im Anschlüsse an I. Tim. 1, 5.
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15(i
49. Von önser vrowen.
[49.] Von unser vrowen.
fPlantaverat autem dem paradysum voluptatis a principio.]
‘Got hat gepflanzet ain paradys der woluust von angeng der weite; und
dar in hat er geleit ainen mentschen, den er geschüf’.
5 Disü wort stant geschriben in dem ersten büch her Moysi und sint ze
merkend von unser vrowen sant Mariun, du daz gewär paradys [106'] waz
des obrosten Gottes, nu merkent drü ding an dem ersten worte daz er
sprichet: ‘Got’. wir hörent Got dike nemen und hörent vil von im sagen;
waz aber Got si, daz enwissen wir nit. Got, daz wort hat dri betütunge-,
io daz ist der brinnent Got und der erlühtend Got und der kreftig Got.
Der brinnent Got ist er so er in des mentschen hertze kumet und der
meutsch sich selben erkennet und der gaist rüwet inwendig, swaz an dem
mentschen ist ze berihteune, daz berefzet der inder gaist der beschaidenhait.
in triiwen, so ist der brinnent Got in dem herzen so er den mentschen
t3 also berihtet an aller siner undurnähtkait daz er im die git ze erkennend,
der wissag her David bat üusern herren daz er in berihti und im wir ain
brinnender Got. 'herre', spricht er, ‘beriht mich von den [106i] unhailgen
lüten’; daz ist von den sünden, sprichet dü glose. daz ist also vil ge-
sprochen: herre bis in mir ain brinnender Got und beriht mich, daz ich nit
20 sünde, und gib mir ze erkennend den weg der hailgen lute, alsuss sol der
meutsch im selben sich selben für legeu und sol sich beschowen mit den
inren ögen. also sprichet sant Augustinns: ‘der mentsch der den gaist der
berihtung wil erkennen, der mftss sich in sich selben zuken und muss sich
sundren von allen ussren dingen, won die inren ding mag man nit behalten
23 mit den ussren1; nnd da von sol sich der mentsche den ussren dingen en-
ziehen und sol in unhainlich sin und sol die ögen des gaistes uf tun, so
wirt im Got der brinnent Got, und zaiget im den weg der hailgen lute.
1. Überschrift fehlt G, von dem paradyso (rot) Z. 2. Der lat. Text fehlt A. 3. vor
Got] Disiv wort lisit man in dem erstin buche der hadigun schritte . vfi sprichit herre movses GZ.
der wnlnust fehlt GZ. 4. dar in] indem paradise GZ. geleit] gebetet GZ. den er ge-
schöfj ufi den mentschin hat er sundirlichc geschaffin GZ. 5. stant — sint] eint wol GZ
6. von — sant] an die uroidc richnn GZ. 7. daz] das Z, da G. S. sprach G. 9. des en-
wizzin G. Got d. wort] Daz w. got.de G. 10. daz ist fehlt G. Der br. got . Der creftige
got . und der lühtende g. G. 11. Der — Got] Wenno ist er der brinneude got . de G. 12. er-
kennet] beginnit irkennen G. rftwet] beginnit rfigen G. 15. zirkenninne . und zebereffenno G.
16. her fehlt G. bat] sprichit . Iudica me dous et discome causam meam . Der bat G.
undc er im G. ain] der G. 17. herre spr. er) Er sprach herre G. 17 f. den — sünden!
dem lüto daz niht hailic ist . Daz lütc de niht hailic ist . de sint sünde G. IS f. daz i. a. —
gesprochen] Xu bittet der wissage ünsirnc herrin . de er in berihte uon sundon . Hebt als« er
sprecho G. 19. ain] der G. 20. mir zirkennenne immir selbin G. 25. da von] darumbe G-
26. des berihtenden gaistis G. 27. des h. lütis G.
1. Das Stück findet sich in G Bl. 31‘, Z Bl. 37', H Nr. 7; fehlt W, N, Arundel, Phill.
2. Gen. 2, 8. 17. Ps. 139, 3.
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49. Von finser vrowen.
157
daz ist der weg der tagend, der ist hailig. so wirt der nientsch sich denne
schaidend von den lüten die nit hailig sint. also sprichst der hailig [106 ‘J
ga'ist in dem lob büche: ‘o schönstii aller wibe, erkenne dine wirdekait und
kere von dem weg des vihes!’ hie manet er die sele zwaier ding und
sprichet: ‘o sele, erkenne din schonhait und din wirdekait und gang nit an 5
den weg des vihes!’ der weg des vihes ist dii bosshait der bösen weite;
und swer mit der weite umb gat, der gat in dem weg des vihes, won der
weit leben ist nit mentschlich, es ist vihlich. nu manet der hailig gaist die
sele daz si sich in sich selben zuke und sich kere von dem wege der sünder:
'o sehönstü aller wibe, kere von dem vihliclien wege uff den tugentrichen weg io
und züch dich in dich selben, so mäht du erkennen wie süsse si daz obrost
güt!’ also sprichet ain hailig man: 'es en si denne daz ain mentsche im
selben sich zuki und sich dik im selben für legi, so enkan er nit verstan
die süssekait der obrosten [106d] tugent’ ; und da von sol sich der mentsche
im selben dik für legen in der beschowung des gaistes, so wirt er erkennent 15
waz an im ze berihtenn si. so ist der brinnend Got in dem gaiste und
brinnet dü sele, daz si nach der erkennung sich berespet und nach der be-
rihtung sich übet an güten werchen.
Der kreftig Got ist ünser herre denne so er den mentschen sterket an
güten werchen. der wissag sprichet: 'o herre du bist min Got, der kreftig’. 20
waz kraft möhtint wir gehaben, waz tugende möhtint wir gewerben än
Gottes kraft? nihtes nit. alles daz wir gütes tünt, daz knmet von siner
kraft, won er ist ällü ünsrü kraft, so dem mentschen ietzent gebresten wil
in der bekorung oder von anderr arbait, so kumet der kreftig Got und
sterket in mit siner gnade, daz er über/7 07“] windet alle arbait. 25
Ünser herre haisset öch der entlühtent Got; und ist daz denne so er dem
mentschen git ze erkennend inwendig die gütlichen warhait. der wissag
sprichet: 'o herre, sende mir din lieht und erlühte mich, daz ich erkenne
1. wirt) mte G. 2. dem lute de n. h. ist G. sprichit denne der G. 3. gaist fehlt A.
vor n] 0 pnlcerrima moliemm G. 4. hie mit G. 4/. dinge . de sio schfinir ist denne
allfi crcature . vfl ir wirdekait . de si gar geert ist . ubir alle die weit . wan sie ist gesebaffin
von hokin dinge . Uß sprichit alsus G. 6. de ist G. 7. gat fehlt A. 9. sie sich sclbun
in s. s. G. zuke] ziehe . und sich sclbun ii kenne G. 10. o] A sprichit er G. In tugent*
riehen ist das c epäter übergeachrieben A. 11. erkennen] v'stan G. 12. denne fehlt G.
ain m.] der tn. G. 13. s. sich selbin z. G. seben A. 14. da von] darumbc G. 15. er-
kennent] merkinde an dos gaistis bereffungo G. 17. bekennunge G. bereffit G. 17/. nah
berihtnnge vbet sie sich an G. 19. Der — denne] Daz andir ist de önsir herre ist der creftige
got . wenne ist er der creftige got . Daz ist er denne G. 20. güten] tugintlichen G. 21. ge-
worben] gewrldn G. 22. tllen . odir gedenken . de kumit allis uon G. 23. won — kraft
fehlt G. 24. and'r A. 25. alle sine arbait G. 2fi. Ünser — denne] Daz dritte ist de
dnsir herre haizit der entlöhtendo got . Denne ist (i. er Z) der entlühtende got G. 28. o herre]
Emitte lueom tuam . vnd bittet . ünsim herrin . de er im sio der entlöhtende got . A herre spri-
chit er G.
3. Cmt 1, 7. 20. Pa. 42 , 2. 2S. Pa. 42, 3.
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158
49. Von unser vrowen.
dine warhait!’ also sont wir och ünsern herren bitten daz er uns si der er-
lühtend Got, daz unser hertze erlühtet werde, daz wir erkennen die gütlichen
warhait sit er denne du warhait ist, so sont wir des kainen zwivel han er
gebe uns sin liymelriche und sich selben ze lone; won daz hat er uns ge-
5 lobt, ob wir im dienent unz an daz ende, in trüwen, swenn uns denne ver-
drösset der arbait und des lebens, so sont wir gedenken an den Ion, so wirt
si uns lihte; und swenn wir suss gedenkent und die gütlichen warhait er-
kennend, so ist unser herre der erlüh/J07*7tend Got, so er mit siner gnade
erlühtet den mentschen und in mit sim tröste machet fruhtb&r in allen
io tugenden.
Nu merkent furbaz daz ander wort daz er sprichet: ‘Got hat gepflanzet
ain paradys’, daz spricht ain garte der wollust. daz wort sont ir ver-
stau an die sAlden riehen Marien, die unser herre gepflanzet hat vor der
weite angenge. dü ist genant ain schöner garte der wolnust. daz sont
15 ir alsus verstau daz ir der vatter von himelriche gerte und dar zu sin
sun und der hailig gaist, ir gertent öch die engel und der mentsch und
alles daz ie beschaidenhait gewan, daz gerte ir. der tüvel gerte ir nit, won
er ist so übel daz er nit gütes gert. disen garten der wolnust geschüf ünser
herre vor angenge der weite; won e er ie mentschen geschüf, do hatt er ir
2« leben geordnet und hatte si erwelt ze ainer müter. da von hatte [ 107‘ ] der
wissag Ysayas vor lange gewissaget und sprach: ‘es sol ns gan ain rate von
Yesse’. und daz er spricht: ‘es sol us gan', dar an sont ir merken daz si-
us waz gangen von dem weg den alle ir Vordren giengent nnd den ällü
irdeschü diet gie : von dem weg gie si us sunderlichen weg, der vor ir nie
25 gangen wart, daz waz der weg der rainkait, der künschlichen mägetkait,
1. fleh fehlt 0. 3. vor sit] an sinir gelfibdc . Sin gelübschafte ist . de er allen den himil-
riebe . unde sich selbin hat gelobet . die im dienent unz an de ende . die warhait gulne wir lernen
irkennen . daran das er sin wort nie geualschte G. denne] nu G. des — han] nieinir ge-
zwiuelon G. 4. sin fehlt G. 4 f. won — endo fehlt G. 5 f. denne — lebens] diu arbait
swere ist . vnd (ins dos lebinnis uirdrüzit G. 6 f. so wirt — erkennend] vfi sulne irkennin die
gotlichn warhait . an sinir geldbede . so wirt denne der mentsehe nach der irkennungo 'binde
gütiv werc G. S. got . uil trostindc got G. 9. n. in] und G. machet er G. 9f. in allen t]
alle die tugindc der sele G. 12. daz spr.] Paradisc sp'chit reht G. 18. vor] von 6.
14. vor daz] Wie ist (L si Z) ain gart der wolluste? G. 15 f. and — sun und] Ir geret sin liebir
sun The xpe . Ir gert G. 16. öch fehlt G. und d. m. und) Der mentsehe gert ir G.
17. d. gerte ir] de gert allis der tuginderichun G. 18. so fehlt G. 18 f. disen — e er) der
engert ouch dor uzirwelton niht . üli dauon de ir allis de gert . de ie gilt wart . dauon haizit sie
ain gart allir wolluste . Nu sprichit er de sie got het gcschaffin uon anegenge dirre weit . ÜB
sftlite sie doch uon dem erstin mentschin hern adani . unz an an hem ioachim ir uattir . da uand
er die tunginderichun mariam . die er mcnic tnsint iar sühto . « an e got G. 19. ir] ünsirre
urowun G. 20. mflter] rtwe G. da von fehlt G. 20 f. Der w. J. het lange uor g. G.
21. und sprach] Egredietur uirga do radico iessc G. 23. us — weg] uzir dem wege ist gegangin G.
24. irdcschfi] jötsehii G. dem — us] dem ist sic uzgegangin . ainen <?. 24 f. der — waz fehlt G.
21. Isai 11, 1.
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49. Von unser vrowen.
169
die vor ir nie behalten wart» es waz och der weg der demfitkait, der gedult-
kait, der miltkait, der senftekait, der gütlichen minne, und si waz aller zuht
nnd sAlden erfüllet mit dem hailgen gaiste. es wäre ain harte wunderlich
ding daz man uf ainen dorn zwigeti edel und güt fruht: noch wunderlicher
wart si gezwiget von dornen, si waz der lyly der under den dornen ge- 5
zwiget waz. dü fruht dis zwiges waz unser herre Jhesus Christus: der waz
du lebend fruht, [107*] der wunden hail. es enward nie mentsch geborn, es
hetti wunden: die Patriarchen, die propheten und alle die vor in waren t, die
hattent alle wunden, und der wissag David sprichet zft ünserm herren und
batt in daz er sine wunden hailtl ‘herre’, sprach er, ‘erbarm dich über io
mich, won ich bin gar sere wnnt, min Got!' also sont wir ünsern herren
bitten daz er ünser wunden haili. wa ist der mentsche der daz sprechen
nmge daz er nie wurde wunt mit den Sünden? sit wir denn alle wunt
sint worden, so sont wir bitten den lieben Got daz er üns haile. dar zu
sont wir bitten die sälden riehen Marien daz si ünser wunden haili, sit si is
der wunden hail treit und trüg, ünsern herren Jhesum Christum, dis waz
der edel zwi der under den dornen und von den dornen gezwiget wart, da
von sprichet [108°] der wissag: ‘si ist us gangen von der würzen Yesse’, da
von si der lieb Got zwiget von kaines mentschen hand, es zwiget dü gütlich
band, es brühte och gütlich fruhte, won si waz der lyl^e der under den 20
dornen gezwiet wart, da von sprichet der wissag wol: ‘si ist us gangen
von allem irem geschlühte’: den tugentrichen weg gie si, dü userweltü, dü
vor angenge erwelt waz zü aim paradyse.
In dem paradyse warent drü ding, dü hart wol bezaichent sint bi der
tugentrichen Marien, dü Gottes paradys waz. daz paradys waz ze allen ziten 25
blügend und waz begriffen mit lieht und waz alles an mit fride. dü selben
drü warent öch an ir.
1. es w. Och] diz wc G. 2. gütlichen] grozun G. si fehlt G. 3. gaist . Disen wec
gicuc dü seiden richc niaria G. 4. güt] sitze G. 5. wart si] wart dü eren riebe maria G.
vor A. wan sie wc G. 6. dü — herre] Welz (wellcz was Z) abir dü ediie nruhtc . dü uf disim
edilme zwi w'hsc . Entrüwon cz wc der liebe snn G. 7. vrulit . dü uffen maria dem rainen
zwi w°hse . Diz zwi ist de . de undir den dornen gezwiet wart . und de zwi gebar üns der w. h. G.
8. hetti w.] entrüge wnda . uß erzenie der wndon G. pat'archin . uß die G. in] ir zit G.
9. hattent] trügin G. sprichet] rüfte G. 11. won fehlt G. gar fehlt G. wunt . nu
hail mich m. g. G. 13. w. wunt] virwndot w. G. alle] also G. 14 f. dar — wir] wir sulne
ouch G. 16. der — Christum] de hail der wndon trüc . undc niht allain das hail gebar . Ih. Chr.
sie ist ouch selbe de zwi des hailis . de ünsir wnda hailnc sol . wan aio ist ain sundirlichir trost
vns armen sündeme (Z fügt bei: wa der liebe got zwigctc si sonderlich zetroste allen svndcren) G.
17. edel zwi fehlt uon dornen G. 18. wissage wol G. gegangin wol . non G.
19. zwiget] zwigette . Diz zwi wart niht gezwigettc G. 20. es] uß G. o’ch es gotliche G.
22. von] uzzir G. userweltü] irwelte G. 23. vor] von G. erwelt waz] dirro (well ?)
wc gezelte (1. erweltc) G. paradise . wan sie wc de gewacre paradiso . uon dem herre mojacs
gesprochin hat . Got het gcpflanzet ain paradjse der wolluate G. 26. alles an] alle zit G. selben
fehlt G. 27. drü dinc G. öch an ir] an gotis paradise . marien der sclderichun 6.
10. im Anschlufl an Ps. 87,16; 50,1; 6,3; 10,5,
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49. Von ün60r vrowcn.
Si waz ze allen ziten blügend an fügenden, an sAlden und an allen
zühten. und reht als daz paradys gezieret [108*/ waz mit blümen und mit
graz und mit edlem gestaine, also waz ir liertze, ir sei, ir lip gezieret und
geblümet mit tugentlichen weichen, mit rainnen gedAnken und mit süsser
5 girde. uswendig waz si öch geblümet mit schünnen zühten, mit güten sitten,
mit lühtenden werchen. alsus waz si och daz lebend paradys, geblümet ze
allen ziten. die blümen gevalwetent nie an ir, won si waz Allü dur flössen
von dem hailgen gaiste, als man liset in dem lebenden buche des lobes daz
du fründin wünscht und spricht: 'stand uf, nortwint, und kunt, osterwind, und
io durch wAgent rninen garten, so werdent fliessen min pigmenten!’ wa ist der
mentsche der gesprochen muge daz in nortwint nie dur wAge, won allaine
Maria, dü ain lebendes paradys waz? won der hailig gaist hatt si durch
wAget, und da von wurdent fliessende ir [108‘] pigmenten; daz warent alle ir
tagend, die warent ze allen stunden fliessend und blügent. nu ist bezaichent
15 bi dem nortwint die sünde. uu wünschet dü sele und spricht: 'stand ul
nortwind, und flülie!' als vil ist daz gesprochen daz der hailig gaist die sele
manet daz si den nortwind, die sünde, vertribe und sich rainne. so der mentsch
daz hertz denn gerainnet und die sünde vertribet, so kumet der oster w ind
und dur wAget si. der oster wind daz ist der hailig gaist: der kunt mit
20 siner kraft und mit siner gnade und durch wAget si, so werdent fliessend
alle der sele fügend, und wirt der mentsch denn übend gütü werch: so wirf
der mentsche glich dem blügenden paradys und wirt blügend an allen tugen-
den. inwendig ist dü sei gezieret mit süssen gedAnken, mit rainnem willen;
uswendig mit tugentlichen werchen, an senften wor fl08dJten, an schünnen
25 zühten und an allen güten Sitten.
Daz ander daz in dem paradys waz, daz waz daz es alles entlühtet
waz. ze glicher wis waz dü rain Maria entlühtet mit den tilgenden, mit der
gütlichen warhait; won daz lebend lieht waz beschlossen in ir mAgtlichem
libe. der lieb sun Jhesus Christus, der ain lieht ist hymelriehes und ert-
1 f. an a. zühten] allir znht G. 2 f. wc mit blfite . mit bl. mit grase G. 3. gegtaine!
smak G. aclo ur> ir G. 4. und fehlt G. 5. girde . mit tugintlichim willin G. ge-
blrmg am Ende der Zeile A. Sitten . mit senften - wortin G. 6. si och daz] diz G.
7. und die bl. G. ir] der tuginderichun marivn G. 8. von] mit G. also liset man G.
lebenden fehlt G, ist in A tcohl zu tilgen. buche des lobes] lobe büche O. 9 f. daz —
wünscht] da wnschit d. fr. G. 9. vor stand! Vcni aust' G. kunt] entwiche . und kume du>
((. du Z | G. 10. durh wege G. pimenta G, piment Z. 11. der de gesprechin G.
nie fehlt A. gewati G. 12. leben des paradyses A. 14. z. a. stunden] alle G. 15. wünsch;
am Ende der Zeile A. 16. vlüzo G. de ist also uil gespr. G. 17. die] der G. raine .
unde so G. 19. kumit dennc G. 20. siner kr. u. mit fehlt G. 21. alle die tuginde 4k
(am Rande den sele G. denn fehlt G. werch fehlt fälschlich G. 22. allen fehlt G.
24. mit] blftgit diz paradyse an G. 25. und fehlt G. 26. alles] alle zit 6. 27. den tilgen-
den] dem gewjerin liehto . und G. der fehlt G. 29 f. der lieb — örtliches] ouch wc sie
uon tugintlichen werkin vzwendic irlübtit . wan der liebe sun . der de ewige lieht ist . und der
himilricbe vnd crtriche entlühtit bet G.
9. Cant. 4 , 16. 26f. vgl oben S. 79 Z. 19 ff.
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49. Von unser vrowen.
161
riches, der hatt si gar entlühtet uswendig und inwendig mit allen sAlden.
in ir waz Got, ob ir waz Got, ander ir waz Got, allumb si waz Got, und
da von waz si wol entlühtet mit dem gewAren lieht si waz öch entlühtet
mit tugentlichem lebenn. also sont öch wir ir iins glichen mit tagenden und
mit rainkait, baidii inwendig und uswendig, an dem hertzen und an der sele, 5
also daz ain ieglich brüder den andern erlühti mit sinen [109’] tugenden.
und swenn wir also lebend, so ist unser herre mit uns und rüwet in uns
und erlühtet Allu ünsrü werch: so sint wir glich dem paradys. si waz alle
zit begriffen mit lieht alz daz paradys.
Daz dritte daz in dem paradys waz, daz waz fride. ze glicher wis waz io
du paradisine Maria, dü wol haisset und ist ain lebendes paradys. si waz
alle zit mit fride, won Got, der ain iürst ist des frides, den hatt si all umb-
vangen in ir libe und gebar uns ain frid. won der unfrid der uns von
hem Adams ziten waz untz an daz zit daz Got mentsch wart, do moht
nieman ze sfine körnen, e daz si iins gebar ainen fridmacher. Ysayas der ts
schre lang nach dem fride. ‘owi’, sprach er, 'won käme der fride!’ der
frid nach dem er schrai, daz waz der lieb sune Jhesus Christus, der ain
frid waz zwü/203*7schent Got und dem mentschen. dirr frid rüwet in
der rainnen Mariun, won si hatte kainen unfrid weder mit hertzen noch
mit libe noch mit kainem ding, alsus sont wir öch frid han mit allen 20
dingen: zem ersten mit Got. der frid lit dar an daz wir lernen erkennen
allen sinen willen; und so wir in wol gemerkent, daz wir in öch denn er-
füllent mit den werchen. dar nach frid mit uns selben, der lit dar an daz
wir Untugend und sünd hassen, nit allain dar umbe daz es uns schad ist
und daz hymelrich da mit verlierent, sunder wir sont es dar umb hassen, 25
won es bös ist und untugenthaft, daz ander ist daz wir gntü werch tügint
4. tugintrichim G. Ach fehlt G. ir (ins] (ins A , uns ir G. 5. rainekait . ufi mit senft-
m&tekait b. G. und uswendig fehlt G. sele . vnd uzwendic an götiin lebinne G. 6. brfi-
«1er den] mentsche . un swestir die G, swester vli ein icgclich broder den Z. sinen] ir G.
7. wir] ir GZ. öns] iveh beidemal GZ. 8. vor und] und ist allumbe iveh GZ. ivwcriu GZ.
wir] ir GZ. S f. si — paradys] de allizan begriffin wc mit liehte GZ. Mit si ist in A Maria
gemeint. 11. dfi fehlt A. si] diu raine maria G. 12. fürst] frid .1 ; doch vgl. Isai. 9,6.
ist] wc G. 13. (ins von] uon G. 14 f. do m. nieman] der unuridc mäht nie G. 16. der
uride . un rüweti insine bcttclin G. IS f. dirr — Mariun] Daz bcttelin da er innc rflwet . de
wc maria . sin liebiu mtltir . dfi wc ain bcttelin der rflwo . unde des uridis G. 19. mit ir
h. G. 20. mit ir I. G. noch — ding] wan sic hat vride mit allen dingin . wan sie wc gar
uollekomin . an allen tuginden . de sie uon dchainem dinge dekainen rnuride hat G. wir fehlt G.
21. Got] gftte G. 21 f. wir sine willin 1. irkennin G. 22. so — gemerkent] suln w. in wol
nierkin G. 24. Blinde uü vntuginde G. 25. und] vn wir 6. da fehlt G. sunder — es]
wir sulne sie rehte G ; Stellung in A: svnd' sont wir es. 26. won] de G. untuginthafth . en-
wiere ez dehain schade . so soltist dn doch die ertnde midin . un harzen darumbe . de sie bo'Be und
vntuginthaft ist G. wir] du Singular der 2. l'ers. auch im folgenden bis S. 162 Z. 4 G.
16. Isai. 57, 2.
Deutsche Texte des Mittelalter*. X. 11
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162
49. Von ünser vrowen.
und tugend minnegint nit allaine dar umb daz wir hymelrich da mit ge-
winnend me dar nmbe daz es güt und tugentlich ist. behaltent wir ein
zwai ding, so hant wir alle weg fride mit uns selben. [109 c] wir sont och
frid han mit ünserm ebencristan. der lit dar an daz wir gedulteklich zorn
a vertragent und widermüt, und nit allain vertragen, wir sont Och daz übel
gelten mit gütem und sont hass und nid mit minnen gelten, so wir alsus
frid haben, so sint wir glich dem paradys, so ist unser sei ain garte der
wolnust; won der lieb Got wil da wollust besüchen bi siner fründin.
Nu merkent fürbas, er hat gesprochen: ‘Got hat geflanzet ain paradys
io der wollust vor dem angenge der weite, und in dem paradys hat er geleit
ainen mentschen, den er sunderlich hat geschaffen', der mentsch waz sin
sun Jhesus Christus, der sun wart mentsch von vier sunderlichen Sachen,
daz erst: daz er ünser gelid wurdi, und wir siner gothait mit im tailhaft
wurdent. daz wirt üns dü gröste vröde die wir iemer gewinnen mugent in
15 hymel/fOS'Vriche, daz wir glich Got wurdent an götlicher nature und er üns
an mentsch lieber nature. da von spricht sant Bernhart: ‘es ist ain ding daz
vol senftekait und süssekait ist und wunneklichü vröde, daz man den sol
sehen mentschen der den mentschen geschaffen hat; und der da waz mit
enander vatter und herre, der ist worden kneht und geselle’, das ander:
20 daz er gemainschaft mit üns wolt began. und sprechent die maister und die
hailgen daz die mentschen da von wol sint zü berefzenne die sich gern sun-
drent in gaischlichem leben mit ir Sitten und mit sundren dingen, sit Got
dar umb mentsch wart daz er gemainschaft mit üns hetti, so sol der mentsche
sich gerne flissen gemaines lebens und der gemainen gesetzde, won ünserm
25 herren ist enkain ding so empfellig so der ge[110“]m&in dienst, daz dritt
ist dar umbe Got mentsch wart, daz er ünser wunden hailti; won wir warent
alle sere wund, daz nie mentsch so wol moht getiin daz es ie ze hyme/riche
möhti komen vor sim tode. und mit sinen wunden hailte er ünser wanden,
also sprichet sant Augustinus: ‘o herre, daz obrost urkünde daz du ie er-
1. da fehlt G. 2. vor behaltent] unde soltist du gtitir werc niemir Ion enphan . so soltist
dn doch tuginde minnen durh ir gfiti G. dü fehlt AGZ. S. alle weg] allezan G. och
fehlt G. 4. dinem ebin mentschin G. daz wir fehlt G. 5. vertragent] virtragin G.
6. güte G. und nid fehlt G. 7. halten G. ist fehlt A. 10. geleit] gebeittit G.
11 f. den — Sachen] vfi den mentschin hat er snndirlicho geschaffin . Nu merkint wer der mentsche
ist . den er snndirlicho hat geschaffin . ez ist sin licbir sun ihc xpe . den hat er wol sundiriieher
geschaffin . denne er ie mentschin geschflphe . wie ist er abir sundiriiehe geschaffin . de ist er
daran . de er got und mentsche ist . Nu merkint vier sundirlichiu dinc . darumbc got mentsche
wart G. 13. Dfi erst G. 14. cor daz] de wir gotte mit gotte . vnsirme glit wrde . wan an
sinir mentschait wart er dnsir tailhaftc . nfi wir Bin . vnd G. gewinnet A. 15. wurdent]
sin G. Ibf er Ans gelichc an G. 16 f. de ist uol s. n. s. un G. 17. den fehlt G; vgl. oben S. 91
Z. 25. 18. den m. sehin der den G. 19. andir ist G. 21. wol] sundiriiehe G. 22. I. mit —
dingen] I. de siu etwe gerne sundir sitton . aide sundir dinc hain . die sol man uaste bereffin GZ.
23. betti] behiclti G. 23 f. der — gerne] sich wol gerne ain ielich mentsche G. 25. ding]
dienist G. empfellig] lobcliche G. 26. cs A. 27. alle] also G. hymeriche A. 27 f. cs —
tode] uor sinem tode ie mentsche zehimilrichc komc G.
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49. Von unser vrowen.
163
zaigtest an der minne, daz vaz din ain erborner sun Jhesus Christus, daz du
den an den tot gäbe durch daz daz du mit sinen wunden unser wunden
hailtist’. du vierde Sache ist war umb Got mentsch wart, daz er sinen vatter
zü der erbärmde twungi über die mentschait; won er manet und bittet sin
vatter alle tag daz er den sünder begnade, und spricht sant Augustinus 5
daz er sim vatter sin wunde zaiget, daz er da mitte in erwaichi zü der
erbärmde.
[50.] Von der gotllclien minne.
[Hoc est preceptum meum, tit diligatis invicem, sicut dilexi vos.J
‘Das ist min gebot’, spricht unser [110*] herre, ‘daz ir enander alle io
minnent
Disü wort sprach er zem ersten zü sinen jungem und zü den zwelf
botten, von den man och dis selbe liset in dem ewangelio sant Johansen.
und ällü du ewangelia du man liset von in, dü sprechend ällü von der
minne. und ist da bi bezaichent daz si vol minne warent, won daz zaige- 15
tent si an Worten und an werchen, do si giengent alz wit so dü weite waz,
und predigetent dü Gottes wort und lertent die minne, der si do überflussend.
ir wissent wol: die blümen die zem ersten in dem summer koment und
wachsent, die bant me saffes und grüni in sich gesogen von der kraft des
summers denne die dar nach koment. also warent die junger die blümen 20
Hoc est preceptum meum, ut diligatis invicem, sicut dilexi vos.
'Diz gebtite ich iu de ir ain andir minnent* . alsus spräche ünsir herre zeden
botton und ze sinen jungeron . unde diz euuangclium lisit man von den botton . unde
oll ü diu ewangelia diu man von in lisit, dü sprechint elliu von der minne . und ist da
bie bezainchint de sü vol minne warin . de zaigoton sü an wortin und an werkin, do 23
eiu giengin alse wit so dü weit wc, unde bredioton Gotis wort und lerton die minne,
wan siu der minne rehte übir vlüzzic warin . ir wissint wol: die bliimin die zem erste
in dem sumir wahsint, die hant me saffis und grüni in sich gesogin von der crafte des
sumirs denne die blumin die darnahe komint . also, spriche ich, warin die jungirne die
1. din — 3 hailtist] daz du dinen dinen (10) ainebome sun vnsirne herrin ihm xpm . an den
tot gebe . darumbe de du (du vnser Z) wnda hailtist . mit sinen wndan O. 8. ist fehlt G.
daz] de ist de G. 5. alle tag fehlt G. 6 f. da — crb&nudc] in da mit twingit . de er sich
irbarme . übir den mötschin G. 8. Überschrift fehlt G HW, Dis sprach vns' h'ro ze sinen zwef
bottc (rot) Z, Van den apostclcn yntgemcvne Phill. 9. Der lat. Text fehlt A. 15. ist
fehlt d.
5. Die Predigt findet sich in G Bl. 35‘, dessen Text in der eireiten Spalte mitgeteilt ist;
Z Bl. 42 •; IV Bl. 21' (stimmt im grollen und ganzen mit G überein ); X Bl. 23; H AV. 8; Phill.
Bl. 190 •; vgl. einen ähnlichen Text in Cod. Pal. germ. 24 Bl. 250 ‘ (Bartsch AV. 18) der Heidel-
berger Universitätsbibliothek und Cod. lat. 12520 Bl. 31 * der Münchener Hof- u. Staatsbibi.
9. Joan. 15, 12.
lt*
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50. Von der gütlichen minne.
die brinnenden rosen , die zem erst in dem sommer wüchsent. do hüb sich
der summer do unser herre Jhesus Christus uff ertrich kam und mit in
wandtet in mentschlicher nature: daz waz du niiwi / 110' ] des summers und
ain anvang aller unser hailikait. daz sprich ich daz si die ersten blümen
s warent die in dem summer wüchsent da von hattent si me saffes und grüni
in sich gesogen von sinen Worten, von siner lere, daz si kreftiger minne me
hattent denn die blümen die sider wüchsent; won si warent so vol der
minne und warent also stark daz si den bittern tod littent durch Got. sant
Paulus sprichet: ‘wer mag uns geschaiden von der minne ünsers herren Jhesu
io Christi? daz enmag enhain angest noch dekain not’, seht! also warent si
überflüssig und überfüllet mit der minne. und do ünser herre mit in wan-
delt, do rette er dik mit in von der minne.
Also liset man in ainem andern ewangelio daz ünser herre zü in sprach:
'ich gib üch ain nüw gebot, daz ir enander minnent’. war umb ünser herre
15 die minne me gehütet denne anders iht, daz ist dar umb won [ 110 *] an die
minne im enhain ding ist genäme. und alles daz an die minne ist, daz ist
unfruhtbär; und aber alles daz mit ir ist, daz ist nütze, sprichet sant
Paulus: 'alles daz dem mentschen geschiht, daz die minne hat, daz kunt im
alles ze güte, won dü minne v erböset enkain ding; alles daz dü minne tüt,
20 blümin, die brinnenden rosin, die zem erste indem sumir wahsint . do hup sich der
Bumir do unsir herre Jhesus Christus uf ertriche kam und mit inen wandelot in ment-
schelichir natür: de wc dü niuwe des sumirs und ain anevanc allir ünsir selkait . de
spriche ich de sü die erstin blümin warm die in dem sumir whain . da von hatton siu
me saphiz und grüni in sich gesogin von sinen wortin, von sinir lere, daz siu kreftigir
25 minne me hatton denne die blümin die sit whsin . die warm reht vol minnen und warm
also starke de siu den bitterne tot littin durh Got . sant Paulus sprichit: ‘quis nos
separabit a caritate Christi? wer mac uns geschaidin von der minne ünsirs herrin
Jhesu Christi? enhain angist noch enhain not mac uns übir windin * . also wann
siu übir vlüzzic und übir vüllit mit der minne . und do ünsir herre mit inen wan-
so delot, do rette er mit inen harte dike von der minne . also lisit man in ainem
andirn ewangelio ('hoc est preceptum meum') de ünsir herre zü inen spreche und reu«:
‘de ist min gebotte de ir ain andir minnent, als ich iu geminnet han ' . so sprichit
er abir andirswa: ’mandatum novum do vobis ut diligatis . ich gibe iu ain nüwe
gebotte, de ir ain andir minnent’ . u-arumbe ünsir herre die minne me gebütit denne
85 anderiu gebotte, de ist darumbe, sprichit sant Johans, wan ane die minne ist Got
enhain dinc gemeine, und dem mentsebin ist enhain dinc vruhtbierre; und abir alliz de
mit der minne ist, de ist nüzee . also sprichit sant Paulus : ‘alliz de dem mentschln
geschihit, de die minne het, de kumit im alliz ze güte wan diu minne virboisit enhain
26. sprich; (}. 34. Darumbe faltcha Initial G.
9. Rom. 8, 35. 14. Joan. 13, 34. 18. Rom. 9, 28.
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50. Von der gütlichen minne.
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daz ist alles behalten’, nu sprichet aber sant Johans daz du minne nutzer
si denne ander ding; won swer die minne hat, der hät alle tugend und be-
haltet Allö du gebot, und dar umb gebötet unser herre die minne me denn
ander ding, nu spricht sant Gregori in ainer omely alsus von der minne:
‘es enist enkain ding daz aigenlich des mentschen si, won wille und minne; 5
won von dem willen gät du minne. wille und minne sint Alle zit sament,
und ist enhain ding, etswer habe [111°] bresten dar an, won allaine hie an;
won der wille ist alz aigenlich des mentschen daz in im nieman genemen
mag. Got mag in im genemen nit, won er gab dem mentschen frigen willen
reht von siner frihait . nämi er in im denne, so tAti er unreht; er tüt es io
aber nit. unser herre twinget nieman enhains dinges, er lat den mentschen
von frigem willen tön swaz er wil. und dar umbe won der wille aigenlich
des mentschen ist und sich enkainer mentsch entschuldgen mag es enhabe
willen, dar umbe gebötet unser herre die minne; won der mentsch keret wol
sinen willen swar er wil, daz im es nieman erwerren mag . und dar umbe 15
gebötet unser herre die minne, won ain ieglich mentsch sines willen gewalt hat
und in wol keret zü der minne’. nu spricht er öch daz er umb [IIP] ain
ander sache minne geböt. hetti er gebotten almäsen ze gebenne, so ist
mänig mentsche alz arm daz es nit ze gebenn hät. hetti er denne öch ge-
dinc . alliz de du minne tüt, de ist alliz behaltin . nu sprichit abir sant Johannes de 20
dü minne nüzzir sie denne andir dinc; wan swer die minne het, der het alle die
tuginde, wan ander minne hangent ellü du gebotte . und swer die minne behaltit, der
behaltit elliu gebotte . unde darurabe gebütit ünsir herre die minne me denne anderiu
gebot . nu sprichit sant Gregorius ander omelia übir de ewangelium, warumbe Got die
minne me gebütit denne andirü dinc : 'ez ist enhain dinc de aigenliche des mentsehin 25
sie, won wille unde minne; wan von dem willen gat diu minne . wille und minne sint
allezan samint; und enist dehain dinc, etwer habe brestin dran, wan hie an; wan der
wille ist als aiginliche des mentsehin de imen nieman genemin mac . Got mac im in
genaemin niht, wan er gap dem mentsehin vrigin willin reht von sinir vrihait . meine
er imen denne, so tet er unrehte; er entüt ez abir niht . ünsir herre twingit nieman 30
dehainis dingiz . er lat den mentsehin von vriem willin tim swe er wil . und darumbe
wände der wille aiginliche des mentsehin ist und sich enhain mentsche entschuldigon
mac ez enhaige willin, darumbe gebütit ünsir herre die minna; wan der mentsche sinen
willin kerit swar er wil, de im ez nieman irwerne mac . und darumbe gebütit unsir
herre die minne, wan ain ieliche mentsche willin gwalt hat und den willin wol ze 35
minnen kerit’. nu sprichit er de er ouch umbe ain andir sache minne gebütit . hetti er '
gebottin almüsin zegebinne, so ist mienic mentsche also arne de ez niht zegebinne
9. de J. 12. wille fehlt .4. 17. vb] umb oder unb I* A. 22 f. der behaltit eicei-
mal G. 25. enhail G.
1 . II. Joan. 5, 6.
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50. Von der gütlichen minne.
botten etswar ze varenn oder ze gAnde, so wAri etliches villiht lam, daz es
nit gän möhti; aber die minne mag ain ieglich mentsch wol gelaisten.
Nu ist ain ander frage war umbe Got gebiete daz wir ain ander min-
nent, und er nit sprichet daz wir in minnen. dar umb sprichet sant Paulus:
5 ‘swer sinen eben cristen minnet, der rainnet Got; und swer sinen eben cristen
nit minnet, der minnet och Got nit’. sprichet sant Johannes: 'sprich ich
daz ich Got minne, und hassen minen brüder, so müz ich jehen daz ich liegi;
won minnen ich Got, so hassen ich nieman’. aber untz ich minen brüder
hassen, so mag ich Gottes nit minnen; won du zwai löffent mit enander all-
10 weg, und enmag enweders An daz ander sin. [111’] swer Got minnet, der
minnet öch sinen brüder in Got; swer och sinen brüder hasset, der hasset
och Got
Man liset von aim, der kam zü ünserm herren und fragte in weles der
obrost gebott wAre in der e. do sprach er: 'du solt Got minnen von allem
15 dim hertzen, von aller diner sele und von aller diner krefte’. über daz
wort sprichet sant Augustinus und leret uns wie wir Got minnen sont.
‘ir sont’, spricht er, 'Got minnen von allem hertzen, also daz üch kain
hetti . hetti er gebottin ouch etswa bin ze v&rne aide ze genne, so wer etliche mentache
lam de er nibt gan mehti . unde kurzeliche, spriebit er, hie an merkint elliu dinc de
20 enhain dinge ist, etlich mentsche enhabe dran breetin, wan an willin . unde darumke
wan sich des nieman entachuldigon mac de er nibt willen haige, darumbe gebütit er
die minne . wan de enmac nieman gesprechin : Got bat mir gebottin des ich nibt ge-
laistin mac, wan ain ielich •mentsche hat vrigen willin, de er wol minnen mac
swe er wiL
25 Diz ist ain andir vrage: warumbe er gebiete de wir ain andir minnen, und er niht
spriebit de wir in minnen . nu sprichit sant Paulus : 'swer sinen ebinmentechin minnet,
der minnit ouch Got; swer abir sinen ebinmentechin nibt minnet, der enminnet ouch
Got niht’ . nu spriebit sant Johannes: ‘spriche ich de ich Got minne, unde harze
minen brüdir, so müz ich jebin de ich liege; wan minnon ich Got, son bazzen ich
SO nieman’; abir unz ich minen brüdir aide mine swestir bazzen, son mac ich Gotüs minne
niht han : wan diu zwai Iofint alliz samint, und enwedirs mac ane de andir gesin . swer
Got minnet, der minnet ouch sine swestir in Got; swer ouch eine swestir hazzet, der
hazzet ouch Got.
Wan lisit von ainem, der kam ze ünsitme berrin und vragot ine welez das oberoste
35 gebot wtere in der 6. do sprach unsir herre: 'diliges dominum deum tuum etc. du solt
Got minnen von allim dinem herzin, von allir dinir sele und von allen dinen ereften’.
übir dü wort spriebit sant Augustinus und lerte uns wie wir Got minnen suln : ‘ir sunt
Got süzecliche minnen von allim herzin, also de enbain andir süzekait iuch von im
3. war fehlt A. gebieten A. 4. Paulus] l. Johans. 25. er fehlt O. 30. got 6.
5. i. Joan. 4, 21. 6. I. Joan. 4, 20. 13. Matt. 22, 36 f.
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50. Von der gütlichen minne.
167
ändrii süskait von im loke. du solt Got minneu von aller sele, daz er dir
liep si über ällü ding: daz ist wislich geminnet. du solt in öch minnen
von allen dinen kreften, also daz du sin niemer vergessist und din hertze
niemer von im gewenke, daz du ällü zit an in gedenkest’, nu spricht
er denne daz disü minne uff ertrich haben mag enhain mentsch, daz ie so 5
volko/iild/men wart, an ünsern herren Jhesum Christum und sin trut müter
Marien: die lassent vor! du solt Got minnen wislichen alz die bihter. die
minnent Got alz wislich daz sü lertent mit Worten und mit werchen uud
mit g&tem bilde wie wir Got sont minnen. du solt och Got minnen starklich
alz die martrer. die hattent so starke minne daz si littent den bitern tod io
e daz si wöltent schaiden sich von der minne Gottes, du solt öch Got min-
nen süsseklich alz die mägde. die minnetent Got also süsklich daz si aller
der weit süskait und vröde versmahetent durch Gottes süssekait.
Sant Bernhart spricht daz wir Got minnen süllent von allem unsrem
hertzen sfisseklich, von aller sele wislich, von allen kreften starklich. daz 15
wir in süsseklich minnent, dar zü sont üns drü ding luken. [11‘2°J
Daz eist ist daz wir gedenkent wie gross minne er üns eroget hat und
lukke . du solt Got minnen wisliche von allir sele, de er dir liep sie vür elld dinc . du
solt Got minnen atieteklicho von allen dinen creftin, also de du sin niemir virgezzest
und de din herze niemer dehain zit von Got gewenke und de du allizan an in ge- 20
denkest’, nu sprichit er denne: ‘dise minne mac nieman uffen ertriche han, enhain
mentsche, de ie so vollekomin wart, es enwtere do ünsir vrowe : die lazen vor und
Jhesus Christus, ir sun, ane du zwai enwart nie mentsehe so hailic de die drittun minne
hetti . ir sulnt wissin’, sprichit er, ich ‘redonz darumbe de ir dran merkent die volle-
komenun minne, zeder wir körnen nah dirre weite. 25
Jin andir lerer betütit üns ouch dü wort dü ünsir berre sprach in dem ewangelio :
‘diliges dominum deum tuum ’. ‘du solt Got minnen süzecliche von allim herzin alse
die megide : die minnoton Got also süzecliche de siu alle die süzekait und die vroide
dirre weit virsmaheton durh Gotis süzekait . du solt Got minnen wisliche von allir
dinir sele wisliche alse die bihttere : die minnoton Got also wisliche de siu lernoton und 30
lerton beidiu mit wortin und mit werkiu und mit giitim bilde wie wir Got sulne
minnon . du solt ouch Got minnon starkeliche von allen dinen creftin alse die mar-
terer : die hatton also stark minne de sie die bittirne martyr ö littin e siu von Göttis
minne woltin schaiden’.
Nu betütit uns sant Bernhart abir diu wort, wie wir Got minnen sulne . wir sun 35
Got minnen von allim herzin süzecliche, von allir sele wisliche, von allir gebügede
starkelichin . daz wir Got suzeliche minnen, darzü suln üns drü dinc ziehin und lukin.
Daz erst ist daz de wir gedenken wie groze minne üns ünsir herre geogit hat und
1. mlncn von allem h'tzen von A. 4. in spricht ist das t später hinzugeschrieben A.
10. bit'nl bitern oder bitren? A. 18. wisliche non allim herzin von G. 23. drittun oder
drintui V G. 26. .-lin] Sin G, Min IV, durch falsches Initial hercorgentfen. 29. wisliche zu
streichen t 30. dinir zweimal G. 34. minne fehlt G.
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50. Von der gfttliclien minne.
wie gross gnade er uns hat getan; won es enwart nie mentsche dem Got
so lützel gnade hab getan, und erkande es si rehte, es müsti in von allem
sim hertzen minnen. als spricht sant Augustinus und redet mit siner sele:
*o sele min, du bist grosses gelt schuldig, du hast gross gäbe vergeben en-
5 phangen': und spricht denn: ‘gedenk, sei min, daz dich Got geschaffen hat
durch reht frihait, won er bedorfte ze nüti din'. e Got ie mentsch oder
engel geschüf oder kain creature, do waz sin herschaft und sin vröde alz
gross als liüt dis tages, won anders wäri nit iUlü an im volkomen. und da
von sprichet er: ‘sele min, er bedorfte din ze nüti, won daz er dich geschüf
io von rehter frihait siner güti; und do er dich geschüf, do ge/i/2*/schüf er
dich nit also als ander creature. er geschüf dich schone und wirdeklich nach
im selben, und kofte dich do mit sim tode wider, do du in mit den Sünden
verlor« hattest» nu sich, sei min, hie von bist du grosses geltes schuldig,
dir ist gross ding geben von minne, und daz enkanst du niemer wirdeklicher
15 noch sälklicher vergelten denn och mit minne: won swaz dir von minnen ist
gegeben, daz solt du öch mit minne gelten’, nu spricht er aber: 'sele min,
du solt nit tün alz daz bös wip dü da hatte ainen frünt der ir gäbe git:
den minnet si me durch der gäbe willen denn durch die früntschaft du solt
wie groze gnade er (ins hat getan . swenne ain sailic mentsche gedenkit de im Got so
20 grozeliche sine güti und sine milti irzaiget het, so mac de kume sin ez enmüze da zü
bewegit werdin de ez Got süzeliche minne; wan ez enwart nie enhain mentsche dem
Got so lüzil gnadon habe getan, und irkandi ez sie rehte, ez müze Got minnen von
allim sinem herzin , also sprichit sant Augustinus und redot mit der sele . ‘O’, sprichit
er, ‘sele miniu, du bist grozis geltis schuldic, du hast groziu dinc und groze gäbe vir-
25 gebin enpfangin’ . und sprichit denne: ‘gedenke, sele minü, de dich Got geschaffin hat
durh rehte vrihait ; wan er enbedorfte din ze nüte’ . e Got ie mentsche aide engil ge-
schüpfe aide dehain creature, do wc sin vroide und sin herschafte also groze also hüte
diz tagis; wan er ist also volkomin an allir vroide, an allir vrihait und an allir her-
schaft de sie niemir gemeret noch geminrit mac werdin . wan michti si geminrit aide ge-
90 merit werdin, so enwsere ouch niht ellü gütiu an im vollekomin . und davon sprichit er;
‘sele minü, er enbedorfte din ze nüte, wan de er dich geschflpfe von der vrihait sinir
güti; und do er dich geschüphe, do enschüphe er din nüt alse andir creature, er schüfe
dich schone unde wirdecliche nah im selbin und koufte dich do mit sinem tode widir .
do du dich von im kertost ze den sündon , do enpfienc er dich widir und gap dir sine
95 gnade’ . und alsus zeit er vil gnadon die im Got tet, und sprichit denne: ‘nu sich, sele
minü, hie von bistu grozis geltis schuldic . dir ist groz dinc gegebin von minne, und de
enkanst du niemir zierlichir noch wirdeclichir noch lobelichir virgeltin denne ouch mit
minne: wan swe dir von minne ist gegebin, de solt du oTch mit minne geltin’ . nu
sprichit er abir: ‘sele minü, du solt niht tön alse de boise wip . so de boise wip ainen
40 vrünt het der ir gäbe git, den vrünt den minnot sü me durh die gäbe denne durh ir
82. er fehlt O. 89. sprich; 0.
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50. Von der gütlichen minne.
169
in me minnen durch die liebi die er dir mit der gäbe eröget hat, denn
durch die gäbe; es wärt nit ain groz ding du gäbe won den willen den er
da mit erögte. der güt wille ist höher ze minnen denn du gäbe, won in
twinget sin rehtü güti dar zu und du [112 c] minne die er zü der sele hat’-
also sol der mentsche gedenken an die güti sins willen die in dar zfl twinget 5
daz er dem mentschen sin gnade git. so twinget in denn du selb güti die
er an Got veretat, daz er in süsklich minnen müss.
Daz ander daz uns dar zu loket daz wir Got süsklich minnent, daz ist
daz er dem mentschen sin sünde vergit; won unsere herren erbürmde und
sin güti ist also gross daz nie mentsch so übel getet, Got vergilbe im alle io
sin sünde, wil er widerkeren. also sprichet der wissag: ‘unsere herren er-
bürmde sint über ällü sinü werch’. so sprichet er öch: ‘Got der minnet alles
daz er ie geschiif'. daz Got etswenn arbait und kumber verhenget über den
mentschen, daz tut er durch siner sünd willen und durch kainen hass, won
er enhasset nihtes nit alles des so er ie geschiif; und dar unbe verhenget 15
er hie übel über den mentschen durch daz daz im dört übel nit beschehe,
won aintwe/ff^Vder hie oder dört müss der sünder umb sin sünde gekestget
vrüntschafth . du solt in wirdeclichir minnen . du solt Got minnen durh die gäbe unde
durh die vrüntschaft, und solt in wirdeclichir minnen durh die liebi die er dir mit der
gäbe ögit, denne durh die gäbe; ez enwere niht ain groz dinc du gäbe ane den gütin '10
willin , den er an der gäbe irzaiget . der güte wille sinir güti und du liebi dü in twingit
de er die gäbe git, diu güti ist hohir ze minnenne denne diu gäbe; wan in twingit sin
rehtü giiti darzft und dü groze minne die er ze der sele het . und darumbe’, sprichit er,
‘sele minü, du solt Got wirdeclichir und grozelichir minnon durh die vriun güti diu in
so minneclichen twingit de er sine giiti mit dir tailte’ . also sol ain selic mentsche ge- 25
denkin an die grozun gnade die im Got het getan, und sol gedenkin an dien willin
sinir güti der in dar zü twingit de er dem mentschin sine gnade git: so twingit in
denne diu güti die er an Got virstat, dar er Got süzecliche minnen müze.
Daz andir de üns dar zü lukit de wir Got süzecliche minnen, de ist de er dem
mentschin sine sünde virgit . wan ünsirs herrin güti und sine irbsermde ist also groz de 30
nie enhain sünder so übil wart, Got envirgebe im alle sine sünde, wil er widir komin ;
wan also sprichit der wissage: ‘ miserationes eius super omnia opera . unsirs herrin er-
b «»miede ist übir ellü sinü werc’ . so sprichit er abir andirswa: ‘Got minnet alliz daz
er ie geschüphe’ . nu merkint hie: Got haizit enhain dinc, er ist so güt de enhain
haz an in gevallin mac; er minnet allis de er ie geschüfe . und de Got arbait et- 35
wenne virhengit und kumbir übir de mentsche, de tüt er durh siner sündon willin
de er in kestige, und de tut er durch sine rehtekait de erz tfin sol . wan sin rehte-
kait ist so groz de er niht mac enberne, er enkestigete den sünder umbe sine sünde
aintwedir hie alder ze enre weit . und doch so enhaizit er den mentschin niht;
5. gedenken fehlt A. 28. daz) die G, das Z. 33. Got] So G. 37. de — rehte-
kait Z, fehlt 6.
11. Pt. 144, 9. 12. Sap. 11, 2S.
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I7JW =.
170 5U. Von der gütlichen minne.
werden, daz sin erbArmde si über Allü sinü werch, daz mugent wir merken
an Marien Magdalenun, du ain grössü Sünderin waz. die Hess er alz rebt
hainlich and alz gütUch mit ime wandten und Hess im sin füsse und sin
höbet salben und sin füsse wüschen mit ir trühennen und drükennen mit ir
5 bare, und Hess si in also an rüren und mit im umb gan alz ob si nie
sünde getan hettL und won er ir so gross erbArmde erzogte und güti, da
von so minnet si in also vaste daz man daz von ir liset daz si nach siner
uffart kum ie kain mentsch an gesach mit den ogen da mit si in dik güt-
lich hatte an gesehen, und also sprich ich: daz mäz wol dem mentschen
10 loken, so es gedenket das es Got so groslich erzürnet hat, und er im so
gnädklick baitet siner bekerde und im [113°] die gnade git daz er sich be-
kere, und im sin sünde gar vergit, so er sich bekeret.
Daz dritt daz üns loken sol dar zu daz wir Got süsklich miunent, daz
ist ain vorbesmakunge. daz ist: so daz sAlig mentsch an ünsers herren güti
11 gedenket im sim haimlichen gebet und an sin süskait, so git im ünser herre
also grosse süssekait daz er alles des vergisset daz im ie ze laide und ze
wan sin güti ist so lutir und so vollekomin de in enhain haz gerürne mac: ‘sine
irbarmdo ist übir elliu sinü werc’ . unde de mugin wir wol merkin an Mariun Magda-
lenun, dü ain groz sünderin wc: die Iiez er also reht hainliche und also güteliche
20 mit im wandelon, unde sie im sin ho’bit und sine vüze salbon, und liez sie sine
väze weschin mit ir trmhinnen und trükenen mit ir bar . da mit irzaigit er üns groze
irbarmde und güti, de er sich ain also sündic wip liez berürin und also güteliche
mit im umbe gan ain also sündic wip also sie wc . und davon wände er ir also groze
güti irzaigit, da von minnot sie in also sere de man von ir lisit de sie nah siner uffart
25 kume ie dehain mentsche ane sache mit den oTgen da mit sie in dike güteliche an hat
gesehin. und lisit man von ir: ‘dimissa sunt ei peccata multa, quoniam dilexit multum’.
wan ir ünsir herre vil sündon virgap und er ir groze güti irzaiget, davon minnot sie in
gar sere . und also spriche ich muoz wol ain giltiz mentsche gelukit und geraizit werdin
de ez Got süzecliche minne, swenne ez gedenkit de ez Got so grozeliche irzürnet bet
50 und er im so gnedecliche baitot sinir bekerde und er im do sine gnade gap, de er
widir kam und sine sunde bßzte und nu in zflvirsiht ist de im Got sine sünde habe
\vdazen . swenne ain mentsche an Got also groz güti irkennit, so mfiz er Got süxec-
liche minnen.
Daz dritte da mit wir gemrit suln werdin de wir Got süzecliche minnen, de ist ain
95 vor besmakunge . de ist so de mentsche de selic ist, an sinem hainlichin gebette ge-
denkit an ünsirs herrin güti und an eine süzekait, und git im denne ünsir herre also
groz süzekait de ez allis des virgizzit des im ie ze laide ald ze liebe geschache, also wol
trenkit ünsir herre etswenne mit der gotlichun süzekait die seligun sele. und diu süze-
9. müz fehlt A. 20. unde — salbon fehlt Z. 29. ez vor Got so aus er korr. O.
32. verlazcn Z, uir am Ende der Zeile 6. 34. gercizct Z, gezicrit G.
tf. Luc. 7, 36 ff.
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50. Von der gütlichen minne.
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lieb ie geschacb. und du süskait ist nit won ain vorbesmakung der ewigen
sülikait, da mit er der sele loket an sich, da von redet sant Augustinus zü
siner sele: ‘o sele min, waz ist daz ding daz underwilent mich rüret also
süsseklich daz ich beginne gar komen in ain frömdi von mir selben also
verre daz ich enwaiss wa ich bin? und wirt verwandelt in ain andern ment- 5
sehen, daz ich reht wirde ernüwet, und ain süskait zerflösset [113‘ ] in
miner sele, du ist so hoch über mich daz ich da von nit kan gedenken noch
gereden, und ringet Allü min girde dar nach daz ich es behabe, won es
füllet mich vröden und gelustes. o sele’, sprichet er, 'sol ich dir sagen
waz daz süss ding si daz dich da rüret? es ist der vil liebi den du spul- io
gest ze minnend. er kumet nit daz du in mugest begrifen, er kunt tögen-
lich; er kunt nit daz du in mugest gesehen, er kunt verborgenlick ; er kunt
nit daz er din girde erfülle, er kunt daz er si raitze und daz er dir gebe
ze versuchen ainen tropfen siner süssekait, daz du da bi merkest die über-
flüssigen güti die dich durch fliessent wirt nach disem libe’. und da von 15
sprichet der wissage: ‘versüchent und merkent wie süss Got ist, so werdent
ir in minnende’.
kalt ist niht wan ain vor betmakunge der ewigun selkait, da mit er die gela an sich
lukit . hie von redet sant Augustinus und eprichit: 'a sele minü, wc ist de dinc daz
an sinir gebügede mich undir wilont wonet ze rörinne also siizecliche de ich beginne 30
gar komm in aine vrümdi von mir selbin also verre de ich enwaiz wer ich bin ? und
wirde virwandelot in ain andir mentsche, de ich rehte wirde irmiet, und ain süzekait
zirvlüzit in minir sele . diu süzekait ist so hohe übir mich de ich dran nüt kan ge-
denkin und kan der von nüt geredon ; wan mir ist reht wie ich neiz waz umbevangin
habe, und mit dem umbevahin irvüllit sich elliu min girde und ist vrolich min gelüst, 35
und aine clarhait het min gemiite umbeschlozzin , und min girlichiz herze ist irlühtit
und ist selliu min girde vrüliche und ringit selliu min girde und selliu min gehügede
darnahe de ich de behabe, de ez niemir von mir entwiche, de ich han umbe vangin
unde damit sellü min girde irvüllit ist’ . und so er alsus geredet, so antwrte er der sele
unde sprichit . 'n sele, vragest du wc vrolichir süzekait de sie diu dich rürit und dine 50
girde irvüllit und den du umbevangin hest? a sele, ez ist der vil liebe den du spulgist
ze min nenne . er enkumit niht de du in mugist begrifin, er kumit tougenliche; er en-
kumit niht de du in gesehin mugist, er kumit virborginliche ; er kumit niht de er dine
girde irvülle, er kumit de er dich geraize und de er dir gebe ze virsflehinne ainen
trophin sinir süzekait, de du daran merkest die übirvluzzi sinir güti, die dich gar durh 35
fiiezzinde wirt nah disim libe’ . alsus geschiht einem seligin mentschin, de virsüchit
etswenne ünsirs herrin gnade alse vil de sin girde geraizit wirt nah der ewigun süze-
kait, alse der wissage sprichit: ‘gustate et videte . virsflehint und merkint wie süze Got
ist, so werdint ir in minnende’ ; wan so diu sele enpfindit die güti und süzekait an
15. dich zweimal A. 20. minir? (B.) 24. ist Z, fehlt O. niez G.
S f. vgl. oben S. 14* Z. 22 ff . 16. Fs. 33, 9.
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50. Von dor gütlichen minne.
Daz ander ist daz wir sont minnen Got wislich. daz ist also daz wir
nit ierregind an der minne. über daz wort spricht sant Augustinus: ‘der
ierret an der minne [113‘ ] der daz me minnet daz er minr minnen sol, und
daz minr minnet daz er me minnen sol’. wir sont Got me minnen denn de-
5 hain ding, und swenn ich denn dehain ding roe minnen denn Got, so ierren
ich an der minne; won ich minne daz me daz ich minr solt minnen, und
Got, den ich über ällü ding solt minnen, den minne ich minre. nu sont wir
zü üns selb sehen ob dehain ding si daz wir me minnen denn Got, daz wir
daz von üns werfent; und sont Got minnen me denn ällü ding und me denn
10 Got, so wirt sie gelukit ze der güti, de si Got süzecliche minnen mÖz . also sulne wir
Got süzecliche minnen, de üns dehain süzekait von im luke.
Daz andir ist de wir Got sulne minnen wislich, also wisliche de ir niht ierrent
an der wishait und an der minne . übir de wort sprichit sant Augustinus : ‘der ierrot
an der minne der de me minnot de er minre minnen sol, und de minre minnot de er
15 me minnen sol ’ . wo suln wir me minnon aide wo sulne wir minre minnon 7 wir sulne
Got me minnon denne dehain dinc, und denne eil ü dinc durh Got und in Got . swenne
ich denne dehain dinc me minnon denne Got, so ierron ich an der minne; wan ich
minnon de me de ich minre solti minnen, und Got, den ich übir sellü dinc solte min-
nen, den minnon ich minre . nu sulne wir alle ze üns selben sehin übe dehain dinc sie
20 de wir me minnen denne Got, de wir de uzwerfen und wir alse wisliche minnen de wir
niht ierren . ünsir berre sprichit in dem ewangelio: 'ist dir din rehtiz ouge schade, so
solt du ez uz brechin’ . dz ensprichit er niht von des libis ougin, wan de wsere sünde
der de taste . er sprichit ez von dem ougin des herzin . übir diz selbe wort sprichit ain
heilige, sant Johans Cbrisostomus : ‘ich Sache ain gaiscbliche wip, diu geviel mir harte
25 wol und minnot sie, und gedahte: du solt sie dike sehin und solt ir hainlich sin, de du
sie stärkest an tuginden und an Gotis dieniste; unde do ich ir begunde hainliche sin
und ich sie dike sache, do begonde ich ir ze gerönne, und zehant do ich des enpfant,
do warf ich sie Üz’ . hie bie sin wir gelert de wir die minne sulne merkin; und swa
wir dehain turnp minne han, die sun wir uz werfin . wan geschiht daz de ain mentsche
90 den andirne minnet durh Got und in gaistlichir liebi, und dunkit in de im der
mentsche an sinir sele nüzcir sie denne ain andir mentsche, und virmischit doch ets-
wenne diu liebi de ain boisiu minne darundir kumit, so sol ez zehant die minne ui
werfin, swie liebe im joch der mentsche ist . also sprichit sant Paulus: ‘ir sulnt ouch
den gaist virsüchin ob ez Göttis gaist sie aide des tievils’ . ist ez Göttis gaist, so
95 volgint im nahe ; sie ez des tievils gaist, so widir stände im . wie sulne wir den gaist#
virsüchin welez Göttis gaiste ist? de merke an den wortin: ist ez also gilt de enhain
übil daran ist, so ist ez Gotis gaist . nu lisit man von dem tievil daz er etswenne ratit
1. In Got ist das t später eingefiigt .4. 4. dz me minet dz er minr A. 9. nie
fehlt A. 23. herzin] rehtiz GZ. 25. si Z, fehlt G. 33. I. Johans. 36. den wortin G,
dem güte ZW.
21. Matt. 18, 9. 33. Z. Joan. 4, 1.
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50. Von der gütlichen minne.
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dehain ding und me denne uns selben, und ünsern eben men tschen als uns
selben, ich sol mir selben bas gütes und sälden gunnen denn mim eben cristan;
wem daz mag nit sin daz ich ain ieglich mentsch alwegent mugi minnen
alz mich selben, es gehütet och Got nit und ist öch nit sünde. ich sol ain
ieglichen raentschen minnen als mich selben, also daz ich im hymelriches 5
gunne alz mir selb. [113*] du minne sol alsuz geordenieret sin: zem ersten
sol ich minnen Got über üllü ding, dar nach mich selben durch Got, dar
nach min eben mentschen alz mich selben zü dem hymelriche, zu dem dinge
da zü öch ich mich selben minnen; und daz ist wislich geminnet.
Dü dritt minne ist daz wir Got krefteklich sont minnen, daz üns enkain io
ding, arbait noch vorhte, noch hunger noch durst noch töt von siner minne
gfttiu dinc darumbe de er denne den mentschin an sich ziehe und er im da nah des
tibilne volge; und etawenne ratit er etschlichü dinc du gilt schinent und doch übil sint
und also virsflehit er allir maist gaistliche lute, wan er wol waiz : rieti er im ain offenz
übil, de er wol wissi dz er übil wsere, des entaste er niht . unde darumbe lait er et- 15
liehe varwe druf, de der mensche womit de ez güte sie, und tflt ez, und gat denne de
übil zehant danahe . und davon ratit üns der groze lerer sant Paulus daz wir den
gaist virsücben ob er güte sie aide übil . unde davon bedurfin wir vil wol der wiaun
minne de wir den gaist kunnin virsüchin . nu sulne wir Got also wisliche minnen de
wir ln minnen übir ellü dinc und me denne dehain dinc, und denne mich selbun, und 20
minen ebinmentschin als mich selbun . ich sol mir selbun baz gfttis und seldon
gun neu denne ieman ; wan de mac niht sin de ich ain ielich menteche alzogis muge
minnen alse mich selbin . de gebütit ouch Got niht, und ist ouch niht sünde . ich sol
ain ielich menteche minnen alse mich selbia, also de ich im des himilriches gönne, des
ich ouch mir selbin gan ; darzu sol ich tun ielich mentsche rainnon . so minnon ich 25
wislich, so ich die minne also ordiniere de ich niht ierron an der minne: ich sol Got
minnon übir rellü dinc, darnah mich selbun durh Got, denne minen ebin cristem alse
mich selbun ze dem himilriche, ze den dingin da zü o'ch ich mich selbin minnon . wir
sulne ouch Got alse wisliche minnon de wir an ainem ielichin dinge sulne merkin wc
sin Wille sie, de wir de tfiien ; wan swer den andirne minnet, der tut gerne einen 90
willin . nu sulne wir Got also wislich minnon von allim ünsirme willen de wir reht
von liebi und von minne ünsirne willen fügen in sinen willin also luterliche de üns
enbain ding betrübe de Got t&t . so lühtit er ünsirre sele beschaidinlich mit sinir
wiahait also lutirliche de sie kan irkennin de git von dem übilne, und undir zwain
güten kan sie do bezzir irweln , also sulne wir Got wisliche minnen. 35
Diu dritte minne ist de wir Got crefteliche suln minnen von allir ünsir gehügede,
also crefteliche de üns enhain arbait übir winde de wir üns von ainir minne schaiden .
4. es] l. elaz? 16. monschc Z, fehlt G. 20. me Z, fehlt G. 22. gun; ne ieman G.
24. minnen Z, fehlt G.
10 f. vgl. oben S. 32 Z. 5 ff. 11. Rom. 8, 35.
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50. Von der gütlichen minne.
geschaiden muge, also sant Paulus sprichet. nu liset man daz enliain minne
so stark noch so groz si uff ertrich alz dü minne die sei und lip zü enan-
der hat. daz siht man wol an ir baider schidunge, da groz ser ist von
dem tode; und da von stirbet ain ieglich mentsch ungern, und ist daz von
5 nature. doch beschiht es etswenne von ünsers herren gnaden daz etschlich
mentsch stirbet äne [114°] ser, alz man liset von aim, dem wart ertzaiget
aines meutschen tod, daz An sere verschiedi, alz es Got verhängte, der sach
ainen mentschen ligen an ainem wege, und stündent zwen engel bi im und
woltent die sei enphahen. nu hört er ain stimme von hymelriche rüfen
io her ab zü den engein und sprach: 'wes baitend ir daz ir nit koment mit
der sele?’ da antwurtent si und sprachent: ‘wir mugent nit körnen, won
lins ist gebotten daz wir die sei von libe nement ane ser, dez enmugent
wir noch nit getün’. und zehant sach er von hymel komen hem David und
ander sin genössen mit harphen und mit saiten spil alz süsse daz du sei
15 verflöz und schied von dem libe An sere. dis han ich da von gesprochen
daz nieman den tod mag überwinden Ane ser: so grössü minne ist ent-
zwüschent sei und libe. und [114bJ die sela die ze hymelrich sint, die niu-
gent gantz vröd niemer gewinnen: so grossen jamer hat dü sei nach dem
tag so si zü dem libe ze samen gefüget sont werden, so wirt ir vröde erst
20 gantz. dis han ich da von gesprochen daz alles also grossü trüw und minne
ca nt Paulus sprichit: 'wedir tot noch lebin moc mich von Got geschaidin* . alse veste
sulne wir sin an Gotis minne de wir de in ünsir herze sezeen de wir f den tot woltin
lidin, tßt ez not, 6 de wir wir (ins iemir von Göttis minne wellen geschaidin . nu lisit
man de enhain minno uf ertriche so stark noch so groz sie so dü minne die sele und
25 lip ze ain andir han . de sehint ir wol an ainem ielichin mentschin . wan ez enist en-
hain mentsche es envürhte den tot und stirbit ungerne, de ist von nature; und enhain
mentsche mac ouch den tot übir windin ane sCre, ez engeschehe denne sundirliehe von
ünsirg herrin gnadon, alse man von ainem lisit, dem wart irzaigot ainis mentschin tot,
de ane süre virschiet, alse ez Got virbancte . der sach ainen mentschin ligin an dem
SO wege, und stSndin zwen engil bie im und wolton die sele enpfahin . nu hört der gdt
man aine stimme röphin von dem himil her abe zeden engilne, und sprach diu stimme:
'wez baitont ir de ir niht kommt mit der sele?’ do antwrton sie und sprachin : ‘wir
enmugin niht komin; üns ist gebottin de wir die sele von dem libe nemen ane sCre,
des enmugin wir niht getün* . und zehant do Sache er von dem bimil her abe komin
S5 bern Davidin und nndir sine genoze mit barpfin und mit saitspil, und strichin dar also
s&ze de diu sele rebte zirvloze und schiet von dem libe ane sere . diz ban ich davon
gesprochin de nieman den tot mac übir windin ane sere: also groze minne ist ent-
wütschon libe und sele . und die sela die ze himilriche sint, die enmugin niemir ganze
vroide gewinnen: also grozin jamir het dü sele nah dem libe . und nah dem jungestin
40 tage, so siu zesamin gef Agit werdint, so wirt ir vroide ganz . diz han ich alliz da von
39. grozin Z, grozir G.
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50. Von der gütlichen minne.
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ist zwüschent lib und sei. und doch swie groz minne si zü enander hant,
so sont wir doch Oot so starklich minnen daz wir e den tod wellent li-
den, daz lib und sei von enander schaident, e daz wir uns von Got wellent
schaiden.
Ünsern eben mentschen sont wir och minnen. nu merke ich an vier 5
dingen ob mich ain mentsch minnet.
Daz erst ist: tüt im min schad we, und treit arbait mit mir.
Daz ander ist: vröwet er sich mins hailes. nu selient hie: swer denn liep
und laid mit dem andern nit treit, daz enminnet sin och nit. sant Paulus
sprichet: ‘wer ist der mentsch der dehain widermüt het, mit dem ich sin io
widermüt nit trage? ich [114‘] bin siech mit dem siechen, ich bin trurig
mit dem trurigen und han vröde mit den vrölichen’. also sont och wir
enander minnen, daz wir lieb und laid mit enander tragent, won des manet
uns der selb herre sant Paulus und spricht: ‘ir sont vro sin mit den vrö-
lichen und trurig mit den trurigen, alz ir sehent: ist mir an miner hand we, 15
den ser tragent allü minü lider, won du hand ist des selben libes’. also sprich
ich: swel mentsch der cristenhait gelid ist, dem tut we und wol daz och sin
ebenmentschen we tot und wol , des lid es ist von der cristenhait unser
herre ist der cristenhait hopt, und ist du cristenhait der lib, und ain ieglich
gesprochen de also groze trüwe und minne ist entwischen Übe und sele; und doch swie 20
groz minne sie zeain andir han, so sulne wir Got also starkeüche minnen de wir ß
wellen den tot lidin, de üp und sele von ain andir gesclmiden, ß wir (ins von Got
echaiden wellen.
Wir sulne ouch linsirn ebin cristain minnon . nu merke ich von ainem ielichim
mentschin an vier dingin ob mich de andir minnet. 25
Daz erste ist: tüt im min schade wß, und trait min arbait mit mir.
Daz andir ist: vrowit ez sich minis hailiz . nu sebint hie: swer denne liep und
lait mit den andirn nith trait, der enminnot ouch sin niht . sant Paulus sprichit: ‘wer
ist der mentsche der dekain widirmßte het, mit dem ich betrAbede nit trage? ich bin
siech mit dem der siech ist; ich bin truric mit dem der lait het, und hain vroide mit 30
dem der vro ist’ . also sulne ouch wir ain andirn minnen de wir liep und lait mit ain
andir tragen, alse er abir andirswa sprichit: ‘ir sulnt vro sin mit den vrölichin und
truric mit den trurigen, alse ir sehint: ist mir an miner hant we, de sere tragint aslliu
minü lit mit der hant, wan du hant ist des selbin libis' . also spriche ich: swel
mentsche der cristinhait gebt ist, dem tAt we und wol de ouch sin ebinmentschin we 35
tflt, der sin gebt ist von der cristenhait . finsir herre ist der cristenhait houpt, und ist
diu cristenhait der lip, und ain ielich selic mentsche ist ain gebt der cristenhait . nu
2. Got fehlt A. 12. den so A, 17 f. daz — wol fehlt A. 24. ich am Bande an-
gefügt O.
10 ff. im AnschluP an II. Cor. II. 29. 14. Rom. 12, 15; I. Cor. 12, 26.
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50. Von der gütlichen minne.
mentsche ist der cristenhait gelid. nu sprichet sant Paulus: 'swem nit we
tfit sines gelides ser und sich nit vröwet sins eben mentschen hailes, der ist
och nit ain gelid der cristenhait'. swel mentsche denn nidig ist, daz enist
öch nit ain gelid ünsers herren. nu merki ain ieglich ment[114d]$ehe an im
5 selben: wie vil es sich vröwe ains andern hailes und gelükes, und trurige
ains andern unhailes und ungelükes, als vil ist es ain gelid ünsers herren.
swenne nu unser herre an dem jüngsten tage sind gelider samnent wirt und
allen sinen lip, so wirt der nidig mentsche von im geschaiden, won er sin
gelid nit enist an der minne.
to Daz dritte dar an man die minne sol zeigen dem eben mentschen, daz
ist daz ain iegliches mit dem andern sol sin güt taillen, swa es sin bedarf,
also vil so es denn mag; daz höret weltlich lut an. aber wir gaischlichen
lüte sont och gaischlich almfisen geben, daz wir üns sont erbarmen über arm
lüte, und sont in unsren willen gen, daz wir in gern ir notdurft butztint,
15 möhtint wir, und sont och Got für sü bitten daz er si ergetzi irs gebresten
mit [I15a] im selben, ain hailig spricht: ‘swer für den andern bittet, der
bittet für sich selben', und dar umb sont ir für all die bitten die in ar-
baiten sint.
sprichit sant Paulus: 'swem niht we tfit sinis gelidis sere und der sich nüt vrAwit sinis
20 ebin mentsebin hailiz , der enist niht ain gelit der cristenhait’ . swel mentsche denne
nidic ist, de enist ain gelit linsirs herrin . nu merke sin ielich mentsche an im seibin:
wie vil ez sich vrüwe ainis andirne hailis und gelükiz, alse vil ist er ain gelit (insirs
herrin . nit de ist diu böiste und dü unseligost untuginde du sin darfe; »an mit nide
enhet der mentsche enhain wolluste, wan im swinit lip und herze so er sihit de aira
25 andirne sin dinc wol gat . und swie widerwerdecliche aim sin dinc giengi, so enbet
doch ain mentsche desto me niht der es da nidot, und enhet ouch deste mmre nit so ex
aim wol gat, und enmac doch von rehtir untuginde ane nit nith gelan de aim andirne
wol gat sin dinc . nu sprichit sant Paulus daz de ain zaichin ist de er niht ist ain
gelit Göttis an der cristenhait . und so Got sinen lip samenonde wirt und sind lider
SO an dem jungestin tage und einen lip denne behaltit, so mfiz der nidige mentsche von
im geschaidin werdin, wan er sin gelit niht ist an der minne.
Daz dritte dar an ir die minne sunt zaigen dem ebin mentechin : de ir iuwir gut
mit im sulnt tailne, swa erz bedurfte, alse vil so ir mugint: de hürit welteliche lüte
an . abir wir gaistlichin lüte sulne ouch gaisteliche ulmiisin gebin, de wir uns sulne
35 irbarmeu übir arme lüte, und sun inen ünsirne willen gen de wir inen gerne ir not-
dürfti bflztin, und mehtin wir, und sulne Got vür siu bitten de er sü irgezee ir
brestin mit im seibin . ain hailic man sprichit: 'wer vür den andirne bittit, der bittit
vür sich seibin ’ . und darumbe sun wir vür alle die bittin die in arbaitin sint . swenne
5. trurigen A. 0. in ains ist das s später hinzugefügt A. 10. de] dem oder den t
14. blitz, tint am Ende untl Anfang einer Zeile A. 23. nit) Sit mit falschem Initial G. da'fe G,
mac Z. 27. nit Z, fehlt G. 31. niht ist Z, fehlt G. der au* den korr. G. 32. e. m. de
ist das ir Z. 33. de am Hände G. 34. wir weltelichin lu gaistlichin G. vns Z, fehlt G.
37. bittit der an dirne bittit der G. SS. wir] vnr G.
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50. Von der gütlichen minne.
177
Daz vierde ist daz ain iegliches dem andern luterlich vergebe, daz im
ie lait getet. und als ain ieglich mentsch welle daz im Got sin schulde ver-
gebe, also sol öch es sim eben mentschen vergeben; won vergit es nit, so
vergit im och Got niemer.
Swel mentsch disü zaichen nu an im nit enhat, der hat och der rehten 5
minne nit
[51.1 Von der liymelsclieu Wirtschaft.
[Vidi angelum stantem in sole et clamavit voce magna etc.]
‘Ich sach ainen engel', sprichet sant Johans in Apocalypsi, ‘in der sun-
nen stan und sebre mit ainer grosser stimme: “koment alles daz gefügel io
daz in dem hymel flöget, und samnent üch zü ainem grossen essenne Gottes”.
ain swestir sihit de ir swestir ist betriibit, so sol sie ir helfin ir bes werde tragin, und
sol sie gfltelich mit milten wortin tröstin, und sol i'msirne herrin viir sie bitten de er
ir herze tröste mit sinir gnade . und also sol ain ielich swestir mit der anderun in ir
arbaiten sin . nu merkent hie: sit sich Got bet uzgenomin, und de er de sprichit de 15
er mit dem mentschin wil sin der in betrübde und in arbaiten ist sichirliche, so sol
sich gerne ain ielich mentsch vlizen, de mit Got wil sin, de ez mit dem mentschin
sie der in arhaitin ist an libe unde an herzin, sit Got selbe mit dem arbaitendim
mentschin ist . swer denne mit dem mentschin ist, der ist mit Got ; und gwer mit Got
welle sin, der sie mit dem betrfibtim mentschin und tröste in und gibe im din herze, 20
de er sine arbait uf im rfiwe, bo rflwet Got uffin im an dem mentschin . du solt ouch
viir ain ieliche swestir finsime herrin bittin , die du in arbaiten waist an libe und an
herzin . und swenne du merkist de din swestir cranc sie an libe aide an dem gaiste,
der solt du ir arbait lihteron alse vil so du mäht, und solt Got bittin de er ir helfe ir
arbait tragin, und de er sie tröste mit siner gnade . so du alsus din herze tailist mit 25
dinir swestir, so gist du ir din gaischlichin almflsin, de ist ain zaichin der minne.
Daz vierde ist de du lutirliche allen den vergebest die dir ie dehain lait getatin .
und alse du wellest de dir die virgeben den du schuldic bist, also solt du oTch allen
den virgebin die widir dich schuldic sint . und swel mentsche lange in sinem herzin
trait de man im tfit, unde ez niht virgit, de ist ain zaichin daz er der minne niht en- so
hat widir sinen ebin mentschin.
7. Überschrift: fehlt IVA', von allen hailigan von zweiter Hand zugefügt G, sce Joh’s (rot) Z,
Vp alre heiligen dach Phili, .Senno VIII ron zweiter Hand am Bande TV. S. Der lat. Text
fehlt 4, Vivi (so) angl'm Staate sol’ et c\ v. m. et ccta', der Baum für das Initial V ist freige-
lasten G. 9 f. Ich — stan) Disiu wort schribit sant iohannes in apocabpsi . Er sähe ainö engil
stan . inder sunnun G. 12. Bwestir] prüder, so durchweg TV. ir swest' od' ir broder betr. ist Z,
dann fährt Z teils mit masc. teils mit fern, pronotn. weiter. 14. broder mit dem anderen in ir Z.
18. sie] wi| sin G. 21. er r« streichen ’t (P.) 22. swestir] brider Z, ebenso 23. 26.
81. Z fügt nach ebin mentschin noch bei: Das wir rehte minnen des helfo vns got amen.
7. Das Stück findet sich in G Bl. 41*; Z Bl. 48*: darnach gedruckt bei Wackemagel S. 111;
TV Bl. 37'; X Bl. 39'; Phill. Bl. 192*; H Kr. 9.. S. Apoc. 19, 17.
Deutsche Texte des Mittelalters. X. 12
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178
St. Von der himelschen Wirtschaft.
Daz wort ist ze verstände von allen engein und bailgen. bi dem
enffil ist uns bezaichent ain ieglich predier; bi der sunnen du hailig Schrift,
da er inne sol stan; [115h] du groz stimme bezaichent die grossen girde die
der predier han sol zu Gottes Worten; und als der engel sü ladet, also sol
5 och der predier die lüte laden zü dem hymelriche. won der engel da
sprach: ‘koment alles daz gefügel daz in dem hymel flöget’, da bi sint uns
bezaichent alle die sälgen seien die da sint, und alle die engele, und öch
die mentschen die noch uff ertricb sint und aber mit iren gedänken und mit
ir girde ze hymelriche koment, alz uns sant Paulus leret: 'nostra conver-
10 sacio in celis est etc.’
Nu sint zwaiger hand essen: ains git der mentsch, daz ander git unser
herre Got. und zü sim essenn, daz er da git, ladat er den mentschen; und
kumet aber er allweg zü des mentschen essenn ungelatt. und da von liset
man in Apoealypsi daz unser herre alleweg stat und boset zü des mentschen
tä hertzen; und verzihet im doch münig mentsch sines hertzen und wil in nit in
lassen, dar an merkent wir unsere herren güti und sin erbärmde , daz er
alle/üö7wegent der besser ist und uns nach gat und den mentschen alle-
weg ladet
Nu sont ir merken vier ding an den ersten Worten.
20 Daz erste ist daz der engel sprach: ‘koment her!’ mit dem wort« sint
wir geladet dar umbe daz wir ane schäme dar koment; won swer zü ainer
hohzit käme ungeladet, der müsti wol schamrot stan. und da von daz wir
ane schäm dar koment, so sint wir geladet. da von liset man von ainem
fürsten, der hatte hohzit, und ladet er ain vrowen, du hiess Judiht, und sante
2* zü ir ainen erberen botten und hiess in disü wort sprechen: 'ain gütü jung-
frowe sol körnen zü mim herren ane schäm und sol mit im assen und win
trinken mit fröden’. daz gloset ain hailig man und spriht: 'es enist enhain
ding güt won daz alle Inte gerent, und daz sich selben offent und meret’.
und also sol ain jungfrow güt sin, daz ir alle lüte gerent. intrüwen, swelü
1. verstinde — hailgen] vimcininne non dem grozin tage . so man aliir bailigon tac begat G.
if. bi — predier] fehlt A, Nv ist öns bie d. e. bez. a. ieiieh pr. G. 2. svnnnn ist bezaichint
d. b. G. 3. dfi) vii de er schrai aine G. st de bezaichint G. 4. wort G. latte G.
5. die] alle G. Wan de der G. da fehlt G. 0. himilriche G. 7. «Algen] hailigin G.
da] zehimilriche G. und — engele fehlt G. 8 f mit ir girde . unde mit ir gedanc G.
9. koment] wonent G. 10. etc. fehlt G. lt. sint — hand] üsit man uon G. 12. Got —
mentschen] vii vnsir herre ladot allewege den mentsch in . zedem ezzine . de er da git G.
15. doch nil mrenic G. w. in] w. sin G. 16. h. irbermde . und sine gfiti G. 17 f. gat . Cfi de
er abir allewege d. m. ladet . daran merken wir abir eine gfiti . oR des mentschin crancbait . de
wir niht ghüs mngin getfin . ane sine gfiti G. 20. her fehlt G. wort so sin G. 21. dar
fehlt G. 22. stan] werdin G. da von] dar umbe G. 23. da] Und dannan (dannan Aier
meutens) G. 24. hat ain hohegezit G. er] der vfirsto G. 26. mit — und] ezzin mit in in cm
herrin . und sol mit im G. 27. vnd de gl. G. 28. daz alle] des alle G. o. ufi sich seiban
merit G. 29. ain gfit j. gfit G. alle die 1. G.
9. Phili. 3, 20. 14. Apoc. 3, 20. 25. Judith 12, 12.
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51. Von der himelschen Wirtschaft. 179
juugfrowe sich flisset guter zühten, güter Sitten und schöner gebärden, [115*]
der gerent alle lüte. wilt dn allen luten wol gevallen, so flisse dich daz du
in allen dinen werchen sist rehter und güter gebärden, und da von sprichet
sant Peter: 'liebü kint! ir sont üch flissen daz ir so güt sitten und gebärde
habent. swer üch sehe, daz der Got an üch lobe, und daz si üwer zuht, 5
üwer sälden gerent’. ain gütü jungfrowe sol öch sich selben ofnen in der
bihte, daz si enhain ding lasse ungeöffnet durch schäm noch durch vorhte.
ain gütü jungfrowe sol öch sich selben meren mit der minue; won dü minne
ist bezaichent bi aim staine der die natur hatte, swaz der mentsch berürte,
daz daz sin waz. also ist öch dü minne: dü zühet alles daz an sich daz si io
berüret, und swaz si berüret, daz ist ir; won swaz der mentsche güter ding
an ainandern minnet, daz ist alles sin. swer denn vil gütes welle gewin-
nen, der minne alles daz er an aim ieglichen gütes sehe oder höre, so ist
es alles sin. und da von [116‘ ] ist dü minne glich dem füre. von des füres
nature merkent: daz für ist haiss; und swaz dar in kumet, daz zühet es 15
alles an sin nature, daz es im glich wirt. ze glicher wis ist dü minne ain
für, won si ist haiss; und alles daz si minnet, daz zühet si in ir nature,
daz es ir gelichet. und da von sont wir minnen ällü gütü ding, so ziehent
wir es mit der minne in üns, daz es üns glich wirt. aber der nidig
mentsch, swaz der güter dinge siht an andren lüten, da von wirt zehant ain 20
sturmwetter in sim hertzen. intrüwen, die verlierent baidü: daz si gütes
tünt und daz ander lüt tunt, daz in der weders ze haile kumet und da
von sol ain gütü jungfrow minnen alles daz si an ieman gütes vindet oder
höret sagen, in trüwen, swelü jungfrow alz güt ist daz ir alle lüte gerent,
und sich selben öffnet in der bihte und sich meret in der minne, dü mag 25
wol än schäm ze hof körnen. [116*] und daz er si nemmet ain jungfrowen,
daz bezaichent daz si noch wachsen sol. man liset in dem wissagen Zacha-
rya, der waz vil wunder alt, und solte ze aim male ain engel mit im reden,
der engel waz so wise daz er sin nit verstünd, und sprach der engel zu
1. zuht . . . gitto . . . geba-rde G. 2. wilt du denne G. 3. in] an G. »ist fehlt A.
4. aitte G. 5. nach lobe] de iveh ivwir zuht unde ivwir Bitte geeren . und die iveh schei-
tint . und ivwir spottent . bindir iveh . de iveh die werden lobende . so »fl iveh geaohint G.
6. un ivwirre ». G. 9. hetti G. mentsch] mit G. 10. wäre G. also] Zeglichir wise G.
öch fehlt G. zflbit an sieh allis de sie G. 11. sie oueb b. G. 12. aim andirne G.
daz ist a.) diu sint G. gütes] gfttir dinge G. 13. de er gdtiz n. aim ielichin mentschin
eibt aide hflrit G. 15. dar in] indc vflre G. 17. nature G, mlne A. 18. gelichet] gliche
wirt G. 19 f. nidig m.] mentsch der nidic ist G. 20. der g. d.] er gflti» G. wirt im G.
21. im sim A, ime G. die lfite v. G. 21 f. daz — kumet] ir gfltin werke . uon dem
nide . un de o'ch andir lfite gfitiz getunt . Wan uon dem nide . den siu anderen Iflten ir hailiz
erbunnen . da mit uirlierint »fl beidenthalp G. 23. vindet] sibit G. 24. nach sagen] so merot
ei eich G. 25. vn siu »ich s. o. G. meret in] selbin m. mit G. diu aele Q. 27. in]
uon G. 29. hat ui nt tändln G.
4. I. Petr. 2, 12. 14 f. vgl. oben S. 58 Z. 1 ff. 27. Zach. 2, 4.
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aim andern fingel : 'rede mit dem kinde!’ über daz wort sprichet sant
.Teronimus, daz in der engel nemet ain kint, und er so gar alt waz, dar
über spricht er daz wir ällü kint sint, won wir wachsen sont nu sprichet
sant Paulus: ‘wir sont alle wachsen in ainen volkomnen man', daz ist Jhesus
5 Christus, der waz der erste der ie von dem ertrich gewüchs in daz hymel-
rich; und alle die die im nach went volgen, die sont wachsen von dem ert-
rich in daz hymelrich, in den volkomnen Jhesum Christum, also sol dü sei
sin ain gütü jungfrowe und sol och wachsen von dem ertrich in daz hymel-
rich. entrüwen, so kumet si an schäm zü dem herren der si da hat
io geladet, und sol essen und trinken mit im in f roden. [116‘] waz sol dü
sei essen won daz waissin körn und win trinken mit fröden? und da von
sprichet der wissag Ysayas: ‘bi dem erwelten körne merkent wir sin güti.
waz ist sin güti, waz ist sin schöni won daz er weit körn und win der
mägde bltlt?’ bi dem erwelten körn vernemen wir sin güti, und bi dem
15 wine sin schöni. den win sol dü sele trinken mit fröden, daz ist daz
si sin schönnes antlüt iemer sol ane sehen mit fröden: daz ist der win der
mägde blüt.
Daz ander wort sont wir merken, daz er sprichet: 'samnent lieh!’ hie
an merkent wir daz wir mit samenunge ze hymelriche sont komen; won
20 swer besament vert, der vert mit fröden und sicherlich; der aber aine vert,
der vert unsicherlich. und da von sprichet der wissag Ysayas: ’ir sont us
varen mit fröden und sont hin komen mit fride und sont enphangen werden
mit lobe und mit sänge!’ und daz er sprichet: ‘ir sont us varen mit fröden'.’
dar an merkent wir daz wir [ 116" ] mit samnung sont varen; won swa vil
is liit mit enander vert, die hant fröde mit enander. daz er aber denne sprichet:
‘wir sont hin komen mit fride’, daz merkent wir also: swer besament vert,
der enfürhtet im nit. swenne wir denne also hin koment, so werdent wir
enphangen mit lobe und mit sänge; und da von sont wir gern in der inengi
varen, so gelinget üns wol. also liset man von aim herren, der liiess Baracb,
30 der wolte in ain lirlüg varen und sprach zü siner vrowen, dü hiess Delbora:
‘ich wil nit varen, du varest denn mit mir’, do für dü vrowe mit im und
6. alle die im G. 7. volkomnen] uollo wahsinnem G. sol am Hände mit Yertceisungs-
Zeichen nachgetragen A. 8. dom fehlt G. dar fehlt G. 9. dem] minem G. 9 f. der —
geladet fehlt 6. 10. essen — in] mit minem herrin . und trinkin win mit G. 11. waissin'
wize G. 12. Ysa;as] l. Zacharias. merkent] uimemen G. 13. won] wc ist G. 15. dai
ist fehlt G. 17. blfito . also schier so wir des winis getrinken . so werden wir alle blfiginde ze-
megdin . und dantian non sun wir ilen . de wir des winis getrinkS . Wan swer de* winis ge-
trinkit . ez sien wittewan . aide 8 löte . aide swic wir sin . so werden wir alle zemegedin blä-
ginde G. 18. sont w. merken] de wir nirnemin sulno . de ist G. hie] dar G. 19. merkent
wir] sulnt ir uimemin , ebenso 24 G. 20. und fehlt G. 23. mit frÄdon fehlt A.
24. won fehlt G. 25. aber fehlt G. 25 f. sprichit . de wir hin sun kom G. 26. merkent
w. also] uirnemen w. ab' an die msenegi G. 30. varen] ritin G. 81. denn fehlt G.
do] vfi G.
4. Eph. 4, 13. 12. Zach. 9, 17. 21. Isai SS. 12. 91. Judic. 4, 8.
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gesigtent an ir viginden. entrüwen, dar an raerkent wir: swer in der sam-
uung vert, der überwindet alle sin viginde. und do der herre sin viginde
hatt überwuuden, do sprach dü vrowe: 'ich bin du Gotte wol singet’, über
daz wort sprichet Beda: 'der mentsch singt Got [117m] wol, der nit haisri
hat von Sünden und der ain gerihtig zungun hat und der enhain temphi in 5
der brüste hat. nu vernement die sünd an der haisri; won alz dü haisri
ierret daz der mentsch nit wol singen mag, also ierret dü sünde den ment-
schen daz er Got nit wol singet daz och ain ungerihtige zungen hat, dü
gern hinder redet und verkeret sines ebeucristens werch und trüg ist Got
ze lobenn, der mentsch singt öch übel vor Gotte, der Och denne dehain io
temphi hat in der brüste, der singet och Got übel, bi der temphi merkent
wir: sweler mentsch nidet sin eben cristen sins hailes und sins gelükes, der
hat temphi in der brust; daz ierret öch daz er nit wol singet vor Gotte,
und da von sprichet er daz der mentsch wol singt und süsseklich, daz in
Got gern höret und naiget sin oren zü sinem sänge, der ain luter gemüte 15
hat und enkain haisri von den Sünden, und der ain rihtig zungen hat, dü
nieman hin[117b]der redet und berait ist Got ze lobenn, der ain Intern gaist
hat und enkain temphi von nide, daz er alles daz minnet daz er an ieman
gutes siht. und alz dü gut vro Delbora sprach: 'ich bin dü Got wol singet’,
also sont wir uns Hissen daz wir Got wol singent, daz wir enkain haisri 20
habent von Sünden, und daz wir ain gerihtig zungen habent, dü nieman
hinder rede und alweg berait si Got ze lobenn, und daz wir dehain temphi
habent von nide, und daz wir alles daz wir an iemann gutes und hailes
sehent, daz wir daz minnent: so singent wir wol vor Gotte, wir sont üns
flissen och daz wir in der mengi varent, alz dü gut vrowe besament 25
für, und daz si alle ir vigint überwand: also überwindet der mentsche sin
sünde, der besament vert; aber die sich sundrent, den misselinget dik. und
da von liset man von hem Jacobs tohter daz si sich sundret von dem ge-
sinde, do gesach si ain herre und verzukte si und nam ir ir künschi. en-
trü/7/?7well> als« geschiht noch allen den die sich gern sundrent von der so
samnung. die siht der tüfel an und nimet war irs sundrens und irs sundren
sinnes, und gevallent im alle sament wol, daz er si minnet; und dar nach
4. sprichet] schribit G. nit] enhain G. 5 f. und — hat fehlt A, u. d. e. t. het i. d. br. G.
6. an der] an G. T. singen mag] singit G. den] dem fr. 9. cristens] mentschin,
ebenso 12 G. und abir trege G. 11. merkent] vlmemen G. 12. sweler] den nit . Vnd
swelcb G. 13. daz ierret Och] der singit ouch got vbil . vn ierrit in G. 15. sin ore G.
16. baisiri hette uon suudon G. gerillte G. IT. un dfi b. G. 19. git sprach
vro Delbora A. 20. wil A. 22. wir ouch G. 23. und daz] de G. alles] allin
de minnen G. iemann] allir menlichim G. 24. daz — minnent fehlt G. 24 f. sulne ouch
ulizen vns . de G. 26 f. sin sünde] alle sine uiende G. 27. Abir den . die sieb gerne s. G.
Vs. daz auf Rasur A , wan G. 29. ain herre) der kdnic G. verzukte] ininnot fr.
nain ir] benam G. 30. g. ouch noch G. 81. ira s. und fehlt G. 32. alle sament] also G.
3. Judic. 5, 3. 29. Gen. 34, 1. 2.
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51. Von der hymelschen Wirtschaft.
beginnet er es in ze liebenn und raitzet sü uff daz sunder ding, daz si
alles von der samnung ziehent; und so er si also vaste drin bringet daz sü
nieman went volgen, si went alles iren sin für sich haben, so betrüget er si
denne mit sinen bösen listen, daz si im volgent, und wirfet si denne in et-
5 lieh sünde, und sint denne da mit verlorn. entrüwen, da von sont wir üs
sundren nit und sont üns hüten vor allen sundren dingen, won es ist gar
ungwärlich. der tüfel ist gar listig, daz er dik mit güten bilden den ment-
schen verlaitet dar dannan in nieman bringen mag noch enkan. und da von
sont wir alles an in der samnung varn, so varent wir sicherlich, wir süllent
io weder [117*] vor varen noch hindnen nah körnen; won etlich went für
varen und went fliegen e daz si geviderent. daz sint die die sich sundrent
und sundrer ding an nement von der samnunge: die wellent lützel essen und
noch minr schlaffen und niemer an dem bette erwärmen, und genement also
venien und disciplin daz si also töp werdent daz si enwissent waz si
15 schaffent. intrüwen, so die wännent fliegen, so vallent si; und werdent dik
die hindrosten die die vordrosten wännent sin. und da von sprichet der
wissag daz die aller sicherlichost varent die in der mengi varent. ünser
lierre wolt nit allaine ze hymel varen, er für mit ainer grossen mengi,
baidü engel und mentschen. in trüwen, da bi gab er üns ze mer-
20 kenn daz och wir mit samnung dar sont varn, so varent wir vrölich. also
spricht sant Johannes in Apocalypsi daz im wart erzaiget zwelf [U8‘]
scharen von der zwelfbotten gesell) übte, und ieglicher waz zwelf tusent;
und sach ain schar, dü waz so gross daz si nieman geahten künde, und daz
bezaichent alles daz och wir mit mengi varent ze hymelriche, so werdent
25 wir mit eren enphangen. Orienes schribet von zwain und zwainzig Stetten
da der sele sunderlich ere erbotten wirt, und wie die hymelschen engel und
martrer und alles hymelsches her die sele grützent und enphahent mit
grosser fföde. und koment die hailgen zwelf botten und enphahent die sele
1. Bi sich G. 4. sine A. 6. vor) non G. 7. gütim bilde G. S. in] im G.
bringen] gehelfin G. noch enkan fehlt G. 10. vor] uornan vfir G. won — went] wir
sulne allewege varn inder menegi . Nu wen etliche lute G. 11. e siu g. G. dz si sint
die A. 1 1 f. sundrent und fehlt G. 12. an] uz G. 18. und wen niemir G. also ui! G.
15. wAnnent] went G, ebenso 16. 18. allaine] aine G. himilriche G. 20 f. also spr.]
und also Bchribit G. 22. und d. zwelfbotten A , uor (f. uon) den zwelf G. ielicbir schar
warin G. 23. sähe do aine G. und daz] de G. 24. alles fehlt G. 24 f. varent —
von] und inder schar zehimilriche sulne uarne . so naren wir uroiliche . ufl werden enpfangin mit
lobe ufi mit sang« . also sprichit der wizzage abacuc . sup excel’ . der üb'winder so! mich vflrin
uf mine hßhi diof W ) . mit sänge. Der libirwindcr de ist ünsir herre Jhcsus Christus der het alle
sine vinde vberwundin . der wil üns vüren . uf ünsir h6hi (hoff IV) mit sänge . vnsir h6hi (höre ff)
de ist himilriche . dar wil er vürin vns . mit lobe und mit sänge . ufl dannan uon sprichit orige-
nes . wie dü sele zehimilriche enpfangin wirt . und scribit G. 26 f. ufl die hailigin matterer G.
27. enpfant sie mit G.
21. Apoc. 7, 4 ff.
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und grützent si und gent ir alle ir fröde und iren Ion. dar nach grützent
si die hailgen martrer und tünt ir alsam. dar nach grüzent si die
hailgen bihter und die hailgen predier und die hailgen mägde und tänt
ir alsam. dar zd grützet si öch frölich und süsseklich du werde müter
Gottes und git ir sunderlich [118*] ere, der si me hat denn all hailgen. die 5
engel grützent si ieglicher besonder, und ieglich hailig und ieglichü sei
sunderlich und tailt mit ir ir ere, ir fröde und iren Ion und sü mit in da
wider, und also dik ain sei ze hymel kumet, so wirt öch ain nüwü fröde
da. und da von spricht her Job: 'min glorie, min fröde, min ere wirt täg-
lich ernüwet'; won alz mänig sele täglich ze hymelriche kumet, also mänig to
nüw fröde wirt da allem hymelscklichem her, also spricht sant Augustinus,
und da von sont wir uns flissen daz wir üs gemainlich in der samnung
haltint, daz wir mit mengi ze hymelriche koment, so werdent wir mit lobe
und mit eren enphangen und mit fröden.
Daz dritte wort daz waz daz daz essen gross waz. und da von be- 15
durfent wir wol daz wir hungrig dar koment, daz wir vil mugint essen,
und da von sprichet unser lierre in dem ewangelio: ‘sAlig sint die da hun-
gert, won si sont gesattet werden’. [118’ ] er spricht och durch des wissagen
1. ir a.] der sele a. Ion . de sd sich vr6we . als ouch siv G. 2. tont ir alsam] gent
der scle . allin den Ion . den siv mit ir martir uirdienont hain G. S f. predier — dar zd] bre-
dier . vn gent der scle allin den Ion . den siv mit bihte . nfl mit prodie . uii mit ierunge . uii mit
uastende . un mit wachenne . un mit geborsami . und mit maeneger arbait haut uirdienot . de sich
du sele an dem Ion urowe rcht als ouch siv . Darnahe grAzint sie die hailigin nnegede . vn gent
ir allin den Ion . den siv verdienot bant mit ir kfischehait . unde de siv ir rainiz blot uz guzzin .
durh vnsirs herrin willin . un durb sine minnc . So G. 4. frfilich — sfisseklich] minnecliche .
vn urfilicbe G. 5. ir] der sele die G. der — S wider] vn die wirdekait . die siv het vfir
selliv mentsebio . de si daran sonderliche uroide habe . vfi kurzeliche . also wirt ain ielicb selic
sele zebimilriche enpfangin . uon allim himilschin her . vnd grAzint sic die engii . ieliebe besun-
dir . un hainlicbe . vn ieliebe sele sundirliche . un git ir ir ere . vn ir uroide vn ir Ion . vnd git
ouch dü sele ielichim engii . ielichim hailigin . vnd ieüchir sele sundirliche ir Ion vnd ir uroide .
die sie het virdienet G. 7. ir fehlt A. 8. ain sei] so diu sele G. himilriche G. öch]
da G. 9. da und] vn G. her fehlt G. vroide . und min G. 10. Uglich fehlt G. 11. allem
— Augustinus] und uon ieüchir sele sundirliche . wirt alliz himilsche her iruriwit . un dannan
uon sprichit sant augo . Allir den (der Z) mentschon Ion . die zehimilriche komint . der ist alliz
ainis ielichin mentschin sundirliche . ufl ist allir mentschon gemainüche . Entrüwon dannan von
wirt wol ir gl’a irnvwit tegeliche . wan als menic sele . un alse dike so dehain sele . zehimilriche
kumit . so wirt ir gla vn ir uroide imvwit vn gement . wan den Ion den sd div scle denne vir-
dienet hat . den bringit sd mit ir dar . un des lonis ist denne da me denne 0 . vn dannan uon
nvwit sich tegelich ir gl’a . Wan siv eint eliiv so minnecüche zesamin gef Agit und in ainS willen
so lutirliche geainberit . de sich ain ielicb sele an der andirun uroide . vnd an ir wirdekait urAwe .
rebt als an ir uroide . Vnd div nideroste sele, dd inhimilnche ist . du het alse ganze uroide . an
des oberostin mentschin Ion . als ob sie den Ion an ir selbun hetti G. 14. eren] sänge G.
15. daz waz] daran virnemen wir G. gr. waz] gr. ist 6. 17 f. da h. won si] hungeric sint
die G. 19. durch — 184, 1 in] in dem wiesagin . Dilata os tuum . Mache dinen munt wtt . den
wil ich G.
9. Job 29, 20. 17. Matt. 5, 6.
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51. Von der h< meisdien Wirtschaft.
munt: 'tü uf wit din munt, won ich wil dir in füllen!’ dis sprichet er nit
von dem munde mit dem ich rede, er sprichet es von der sele munde, den
sont wir wit machen, won er dunket ünsern herren ze enge, und ist er
doch von natur alz wit daz er verschlundi liymelrich und ertrich, helle und
5 tüfel und engel und alles daz ie wart ; w&rint joch fünfzig tusent weit, die
verschlund er wol an arbait. der munt daz ist der sele girde. wie sont
wir disen munt gewitren? intrüwen, daz sont wir rainer girde, daz wir
üllü zerganklichü ding lassent varn und nit des gerent won Gottes und
einer gnaden, also sprichet der wissag: 'herre, min sele ist verdorret und
io zerschrunden, alz daz ertrich daz lang ane wasser ist’, intrüwen, er machet
sinen munt wit daz er der hymelschen spise vil mug gessen, und dar umb
sont wir im nach volgen und sont alle ünser girde an Got keren, daz wir
och /i/S‘7 der hymelschen spise vil mugent essen, intrüwen, ünser herre
bedarf wol daz daz essen groz si, da so münig engel, so münig hailig und
15 so münig tusent hailgü sei von gespiset wirt, und der ieglichs ain so witen
mund hat von nature; und den noch ÜDser herre wil vil witer machen, also
sant Job sprichet. nu merkent wie gross dis essen si, da so manig tusent
engel so münig tusent jar gessen hant. ünser vrow hat da münig hundert
jar gessen, und münig tusent seien, die dis spis gessen hant münig jar und ie
20 enmitten an essent, und ist des essens noch als vil alz do si von erst be-
gundent essen, und da von spricht der wissag: ‘wie groz , wie münigvalt
ist dü vil here diner süssekait, die du hast verborgen den dich furhtent!’
intrüwen, er hat daz höbet gebotten hin in und versüchet enwenig der
hymelschen spise. sit nn dis essen so groz [119°] ist, so endurfent wir nit
25 zwiveln, wir vindent och ze essenn so wir ze hymelrich koment; won unser
herre erfüllet ainer ieglicher sei girde, also daz si mag sprechen: ‘ich enmag
nit me’, und dis spise niessent si girlichen und süsklich mit ewiger rüwe.
S. won] Yntrüwon G. 1. verechlundi] wol, Verbum fehlt G. holle) vü belloriche G.
5. wirint] und wenn G. die] de G. 6. er wol] ailiz dirre munt G. der m.] dirre in. G.
7. mit r. g. G. 8. zerg. ding] dinc div zirgancliche »int 6. nit des] nütis G.
9. also — wissag] vnd sulnc alle vnsir girde . an got allain kerin also der wiasagc dauid sprichit .
Sicut terra sine aqua G. 11. mohti G. dar umb) dannan uon G. 12. vnsir sinne vfl
girde genzelichc an G. 13. Och fehlt G. 14. und fehlt G. 15. hailgü] tusint G.
so w.] also w. G. 16. vil dennoch vil witer wil in vnsir herre machon G. 17. sant fehlt G.
sprichit . Er wil dich ledigon von de engin munde . indic braitstun witi . vfi denne so wil
er dich irvüllin . Nv G. si] ist G. 18. so münig fehlt G. hundert] tusint G. 19. tnsint
tusint s. G. 20. von fehlt G. 21. vor wie] Quam magna multitudo G. 22. ist — here!
dü vili ist G, ist dü vilheit f (Roethe). den die dich G. 24. sit nu] Entrüwon sit G.
25 f. won — mag] die iemir dar sulnt komin . vü vnsir herre iolich' sele girde irvullit . de siv
mchtin G. 27. nach me] so ist noch denne der spise alse uil . so ir moist ie wart . uft ezzint
siv sie iemir an ende . vü ist doch also groz . unde alse übir vlüzzic . als do sü erste begondon
min G. siv iemir girliche G.
1. Ps. 80, 11. 9. Ps. 112, 6. 17. Job 36, 16. 21. Ps. 30, 20.
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51. Von der himelsctien Wirtschaft 185
und da von so sprichet her Job: 'du völli dines tisches sol sin ain statu
rüwe’.
Da z vierde wort ist daz dis essen Gottes ist dar an merkent wir daz
er sich selben ze lone wil geben der sälgen sele, und wil si reht mit sin
selbes güti durch fliessen. und da von sprichet sant Job: 'si sont sich uff 5
den obrosten naigen, und sont denne zerfliessen von wunnen, von fröden und
von süssekait'. dar an merken wir daz si all ir fröde an Got sückent, und
naigent sich zu siner güti und vindent an im alle über flüssig süssekait, daz
si reht zerfliessent von wunnen und von fröden, daz si reht in Got [119*]
swebent, und sint sin also vol daz nüt me in si mag. da von spricht der io
wissag: 'si sehent und minnent in und zerfliessent denne von süskait und
werdent sich denne wundrent und wirt gebraitet ir hertz’. nu merkent dis
wort: zem ersten sehent si Got, dar nach minnent sü in; won des enmugent
si nit überwerden, so si an Gotte so vil süskait und schonhait sehent, si
müsseut in minnen. dar nach zerfliessent si von der überflüssigen güti dü 15
von Gotte flüsset in die sele, und werdent sich denn wundrent der wunder-
lichen güti dü an Got ist, und von der güti so wirt gebraitet ir hertze, daz
sü alle creature minnent in Gotte und Got in aller creature.
1. so fehlt G. her fehlt G. villi] rfiwe G. 1 f. ain s. rüwe] inuoUir vaizti . daran
uirnemen wir de wir dise spisc ruwecliehe niezen . Vndc de er eprichit si sol sin in vollir vaizti .
daran uimemen wir de die trahta zehimilriche als menicuait ist . sint . vnde ist ir alse uil . de siv
nicma gar gcbrdchin mac . wan swie vil siv iemir mit ir girde begrifen niugin . vroide . wnnc .
afizekoit . daz s hant siv alliz tusint ualt G. 3. wort ist] wort G. merkent] virnemen G, ähn-
lich T. 5. sant fehlt G. 6. alle ü.] als iibir mezige G. 9. und fehlt G. nach frfiden]
vt) unsir herrc der vliizit indie selan G. reht fehlt G. 10. und — mag] vfl dannan uon
sprichit sant Bernli’ . Der ain broseiuun lait inwin . aide inhonic . so durh ultizit daz honic die
broaemun . de sie rehte uol wirt . vnd sweifit (sweibit Z) doch de honic vbir die broseiuun allent-
balbin . Rehte ze glichir wisc sprichit er durh vliizit iinsir herre die sele . de sie reht uol ist .
der gotlichun sAzekait . vli swiefit (swemit Z) doch in ailentbaibin dbir . de sie rehte ingot swebit .
also gent ouch die maistir ainc gliclicsauii . alse sie wol mugiu . da ain brunne inainem veise
entsprunge . der cnmac sich niht cnthaltin er inswaime alfibir . also swaimit ouch ünsir herrc
alöbir die sele . in altenthalbin . und ist sin doch aise gar uol . de minime in sich mac . Undc G.
11. wissage esayas . Vidimus . amabimus . affluimus in . Siv G. 13. zemerste so sehint G.
damalie so m. G. 17. so fehlt G. 18. nach aller creature] vnd wirt div sele also go-
braitit . de siv minnet a-lliv dinc . inallen dingin . vnd vnsir(v. herre Z) zirulüzit aJlumbe sie . de
sie rehte mit got allumbeuangin ist G Z IV.
1. Job 36, 16. 5. Job 22, 26.
11. Isai. 60, 5.
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52. Von dom unrehten und von dem rohten weg.
152.) Von dem unrehten und von dem rehten weg.
[Just um deduocit dominus per vias rectas et ostendit illi regnwm dei etc.)
‘Unser herre laitet den reliten mentschen durch den rehten weg und
zaiget im Gottes riche'.
5 Disü wort liset man in dem büche der wishait. und sint dar an vier
ding ze merkenn.
Daz erst ist wer der laiter si. es [119'] ist unser herre, der ist diu
laiter und din behüter; won swie vil der mentsch tugend und sAlden hetti,
so möht er doch nit stAt bliben, und entvAre unser herre mit siner gnade und
io mit siner hüte bi im nit. man liset in der alten e: do unser herre die juden
durch die wüsti fürte, do gab er in ain fürin sul, daz sü ze naht da von
lieht hettint, und den tag gab er inen ainen wölken, der si beschattet vor
der hitze. hie bi ist bezaichent daz unser herre ains ieglichen rehten ment-
schen laiter ist und behüter ist in der wüsti dirre eilenden weit, won swie
15 wol ain mentsch behüt wAri, und fürti in ünser herre nit mit siner gnade,
so verierreti er in der wüsti. man liset in dem ersten büche daz ünser herre
bern Moysen sante, daz er daz israhelsch volk fUrti von Egypto. do sprach
er: 'varent enweg! ich wil minen engel mit üch senden, der üch laiti. ich
fürht daz mich daz volk sere erzürne, füre ich [Uff1] selb mit üch’. do
20 sprach der wissag: 'herre, daz went wir nit tün, du müst selb varen mit
üns‘. do sprach ünser herre: ‘varent enweg! ich gib dir minen engel’. do
sprach aber Moyses: ‘herre, wellest du nit mit üns, so lass üns reht an dirre
selben statt bliben; won wir went nit varen, du varist denn mit üus’. dis
bezaichent aber daz ünser herre ain laiter ist und ain behüter ains ieglichen
25 mentschen. und sw'ie er aim ieglichen mentschen hat bevolhen ainen engel,
so ist er doch der got der üns ze allen ziten behüten müss. also sprichet
der wissag: ‘o herre, swenne du den mentschen usser diner hüte last, so ist
er tot an allen sAlden’. dar an sont ir merken daz ünser herr ain laiter
ist des rehten mentschen.
1. Überschrift fehlt G, Dis sp'cliit d' heilige geist (rot) Z, Va eyme confcsaoir serrnoy Phiä.
2. Der lat. Text fehlt A. 3. Unser — 6 merkenn] Disiv wort 1. m. in den bnchin d. wis-
hait . de (da Z) sprichit der hailic gaist . Unair bene 1. d. r. m. d. d, r. w. a. Agit im g. riche . In
(an Z\ den wortiu sunt ir merkin vier ding GZ. T. si] ist G. din] ain Cr. 8. din b.)
ain b. ainis iclichin mentschin G. 9. nit lange stete G. 13. der fehlt G. rehten fehlt G.
14. ist fehlt beidemal G. 16. vrierreti A. herre fehlt A. 17. egypto lant G. IS. er]
vnsir herre zeinen G. 19. zesere G. 20. wir n. t.] wise nüt G, wir in bein wis niht Z.
21. var G. 22. nfit selbe uam mit G. 23. selben fehlt G. denn fehlt G. 24. bet.
aber] ist abir bczaichint dabie G. 25. und] wan G. aim] ainen G. ainen] ainem G.
26. doch fehlt G. 28. ir denne m. G.
1. Die Predigt findet sieh in G Bl. 45', Z Bl. 53', U Nr. 10, Phill. Bl. 309 *; fehlt 1U, .V,
Arundel. 2. Sap. 10,10. 10. Sap. 10, 17; Exod. 14, 19 f. 17 f. Exod. 33,1 ff.
25. Ps. 90, 11. 27. im Anschluß an Ps. 83, 6f
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52. Von dem unrehten und von dem rehten weg.
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Daz ander ist daz er den rehten mentschen laitet. ain rehter ruentsch
ist der aim ieglichen ding sin reht git 1120“} und ällü ding mit reht voll-
endet, spricht sant Paulus.
Daz dritte ist daz er laitet an den rehten weg. nu sint vier ding du
zu aim guten weg hörent. daz erst ist daz er si haiter und gesihtig; daz 5
ander daz er ane bühel und ane staine si, daz sich der mentsche nit enstoz;
daz dritte daz er schön si an lachun, daz sich der mentsch nit entrainni;
daz vierde daz er eben si ane krümbi.
Nu hörent ir dik von der weit weg sagen, der ist zem ersten wit
und enget aber alweg; won von aim tag zu dem andern altet der mentsche, io
und twinget in mänig arbait und kumber, daz er niemer gantz fröd gewinnet,
und nach der arbait gat du ewig not. der weg ist jämerlich und arbait-
sam. aber der weg des hymelriches der ist zem ersten enge und vil herte
und witet aber täglich; won so der mentsche zem ersten in gaischlich leben
kunt, so dunket er in vil wun/12Ö7der hert und vil mülich, won er müss 15
übel gessen und getrinken und übel geligen, und müss mänig ungemach han.
daz im we tüt. aber dar nach von tag ze tag so wirt es im ie lihter
und ie lihter, so tinser herre sin hertz gebraitet mit der minne, alz der wis-
sag spricht: ‘herre’, spricht er, 'ich lüf indem weg dinr gebot, do gebraitest
du min hertz’. also sprich ich von dem gaischlichen mentschen: so der be- 20
ginnet die tugend üben, daz er von ainer tugend in die andren gat, so wirt
sin hertz also gebraitet mit der minne daz er denn reht lihteklich löfet in
dem wege. also witret der weg täglich der zü dem hymel gat; won waz
dem mentschen zem ersten in gaistlichem lebenn vil wunder swär ist, daz
wirt dar nach im vil wunder süss und liht, so im ünser herre daz hertze 25
also gebraitot mit der minne.
Nu müssint wir vier ding hau, alz ich e sprach, dü zü aim güten weg
hörent: daz ist lieht, ebni, schöni und [120CJ schlihti. nu sint vier sunder-
lich tugend die dar zü hörent daz wir den rehten weg gangent, den ünser
herre laitet den rehten mentschen. *»
Dü erste tugent ist wisshait. dü ist daz lieht daz den weg entlühten
sol, daz der mentsch wisse wa er hin gan sölle, da er reht gange, nu ist
\f. ain — ist] Der mentsche ist ain r. m. 6. 3. spricht s. P.] Also spr. s. P. Der mentsche
ist ainegun ain rehte mentsche . der allen dingin rehte tüt . und ielichl dinge sin reht« git ß.
4. ist] de ir au disen wortin merkint (merken Z) snlnt . de ist ß. an fehlt ß. 5. si] ist ß.
6. er — daz] er slehtc sie . de nfit brthele noch stain dran sie . da ß. nit enstoz] anc
etoze ß. 7. dritte ist de ß. 8. vierde ist de (das er Z) ebin sie viire sich ane erümbi ß.
9. ui] wit ß. IS. vil fehlt ß. 18. getrinken u. übel fehlt ß. IS. herre dem mentsehin
s. ß. 19. vor herre] Viam mandatorum tuorum cucurri ß. 19 f. do du gebr. ß. 23. himil-
riche ß. waz] de ß. 25. iihte . unde uroilichc ß. 26. also fehlt ß. 28. und fehlt ß.
31. tuginde de ist ß. 32. waiz ß. s. da] boI de ß.
3. im Anschluß an I. Cor. 10, 24; Phil. 2, 4; 3, IS; Col. 4, 12 f 9. vgl. oben S. 12 Z.H ff.
19. Pt. 118, 32.
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52. Von dom unrohten und von dem rehteo weg.
der lüte harte vil die disen weg nit gand; won ir ist vil die wise sint von
der schrift und von nature, und ist an in doch nit tugend. man liset von
mängem haiden der groz wishait hatte, und waz doch an im nit tugend.
du wisshait ist allain ain tugend du daz best er weit und daz minnet über
5 üllü ding, nu hat du tugend weich under ir die si würket, und etlichü
werch geschehent vor der tugend und etlichü dar nach, dü werch dü si
vor hin tftt, e daz si ain tugend werde, daz ist daz si erkennet übel und
gut, und erkennet wa von daz übel übel ist und daz güt gilt, und kan dü
zwai [120d] von enander geschaiden. wisshait erkennet och zwüschent zwain
io güten daz best, und under allen güten erkennet si daz best güt, daz ist Got,
daz ist daz obrost gut nu ist der lüt vil die wol erkennent übel und gilt
uud och wol erkennent daz Got daz obrost güt ist und daz üllü güti von
im flüsset (alz sant Augustinus sprichet: 'alles daz güt ist, daz ist von
Got güt, und enkain ding ist güt von im selben aigenlichen, won Got ist
15 aller ding güti’), und swie doch daz etlich lüt wol erkennent und wissent
von wishait, so ist doch dü wisshait nit ain tugent; won swie wol si es
wissent, so erwellent si doch Got nit über üllü ding und über alle güti, und
da von ist ir wisshait nit ain tugend. aber der mentsch der von siner
wisshait daz best erwelt ze minnende über üllü ding, des wisshait ist allain
20 ain tugent. und so denn wisshait ain tugent [121“] wirt, alz ich üch geseit
han, so hat si denne etlich tugent under ir, mit der si sich übet, dü erst
ist gehügde vervarner ding; dü ander ist verstantnust gegenwärtiger dinge;
dü dritte ist fürsehung künftiger dinge, an disen drin dingen übet wiss-
hait ir werch. hie von sprichet Seneca: 'der mentsch sol sin leben in
25 drü taillen’. daz erst ist, alz ich vor sprach, daz du haben solt gehügde
vervarner ding, daz du Got dik grozlich erzürnet hast, der mentsche sol
allwege gedenken an sin sünde dar umb daz es im lait si, und daz er sich
dester me demütige, daz ander ist beschaidenhait gegenwärtiger ding, also
daz du üllü ding in der beschaidenhait tügist, daz Got der von gelopt werde,
so ünserni herren ist kain dienest genüme der an beschaidenhait ist, und da von
bedurfent wir wol beschaidenhait in [121‘] allen ünsren werchen. daz dritte
1 f. disen — nature] wise sint baidil von der s. ufi non ir wisin sinne G. 2. n. ain tnginde G,
ebenso 3. S. g. güt iat vnd G. kan fehlt A. 9. wol geschaidin G. w. div irkennit G.
zwüschent] undir G. 10. bezziro G. 11. dz ist dz ist dz A. harte vil G. übel
u. g.] vil uon wishait wol wizzin . wc vbil u. g. ist G. 12. och fehlt G. güt fehlt G.
14. won Gotl wan ainegun got der G. 15. und swie — und] sprichit er . uh doch swie wol
etliche lüte G. 17. doch Got] sin G. ding — güti] güt G. 19. von ist] enist ouch G.
20. und fehlt G. dü wishait G. 21. der si sich] den sich div wishait G. 23. ist fehlt O.
23 f. ü. sich wisshait A, 6. div wishait G. 25. erst fehlt G. haben s. g.] gehügin (corr. am
gegugin) solt G. 2K. nach hast] wan swrr des wolti uirgezzin . sprichit er . de er widir got het
grozlichc gelebit . der lebeti vnaicherliche G. 29. cllü dinü dinc i. d. b. und inder tuginde G.
24. vgl. oben S. 130 Z. 2.
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52. Von dem unrehten und Ton dem rehten weg.
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ist fürsehung künftiger dinge, daz du dich also wislich und als tngentlich
haltist engegen den dingen die dich mugent an gan, daz du von Got nit
geschaiden werdest, du mäht dik lernen an vervarnen dingen dü ding dü
dir künftig sint. nn höre! gang hin an ain statt, da widervert dir liht
etlich schad an diner sele. so du denn wilt an ander oder an die selben 5
statt gan, da dir ain sAmlichs beschehen mag, so solt du gedenken an den
schaden der dir da widervaren ist, und solt gedenken: gäst du aber dar, es
widervert dir liht aber, und also mäht du an aim ieglichen ding merken
wie du dich vor künftigen dingen hüten süllest. intrüwen, der aber nit für-
sehen wil ain ieglich ding, der mag dike vellig werden, spricht ain wiser io
man. also, sprich ich, ist dü wizhait ain lieht daz den rehten weg ent-
lühtet; daz ist dü wisshait, [12V] sprich ich, dü daz best erwelt.
Dü andir tugend daz ist sterki. dü machet den weg eben, daz sich der
mentsch nit stosse. da von sprichet der wissag Ysayas: 'die ruhen weg
sont senfte sin, und die bühelten weg sont eben w’erden’. nu sont ir wissen 15
daz nit Allü sterki ain tugend ist, won allain dü so der mentsche dem
vesteklich an haftet daz dü wisshait hat envellet über Allü ding, nu sehent
wie wol sich dis füget! zem ersten erwelt dü reht wisshait daz beste güt,
dar nach gat dü sterki, daz der mentsch mit allen sinen sinnen dem kreftek-
lich an hafte daz er da hat erwelt. nu hat aber dü tugend etlichü werch 20
die da vor geschahent und dar nach, zem ersten gat daz werch vor der
tugend daz der mentsch sin hertze vesteklich gehefte, wie er dem an ge-
hafte mit rehter kraft daz er hat erwelt. dar nach wirt es ain tugend,
so er den willen hat [12V] daz er dem obrosten gilt krefteklich an haften
wil. nu hat aber dü tugend werch an den si sich übet, daz ist daz der 25
mentsche gedultig si engegen allen dingen die in an gänt, und enkain vigint-
schafte noch rache zft iemann hat der im übel tüt. da von sprichet ain
wiser man: 'daz ist dü best rache die du gettin mäht, daz du wol mäht
vergeben von rehtem hertzen den die dir liden tunt’, und also sont ir stark
1. fürsehung k. d.] de du solt vftrsehin k. d. ß. 3. dü ding] wie du dich solt lialtin gegin
den dingin ß. 4. gang hin] wie . Gan ich ieze ß. mir ß, erste P., ebenso im folgenden Ins S.
5. dennc hcmabc ß. 7. gäst du] Vntröwon gienge ich ß. 8. an fehlt A. merken] lernen ß.
9. h. süllest] bchötiste ß. 10 f. spricht — man] Also spr. a. w. m. Swer sich niht vtirsiht . der
dinge . da er ine geuallin mae . der uallit iueliiv dinge vngcwerliche ß. 11. ich denne de d.
w. ist de I. div d. r. ir wek ß. 12. daz ist — ich] div wishait ist so ß. 13. vierde A.
14. vor die] Erunt prava in dirccta ß. rehton Aß, ruhen Z. 15. sin] werdin ß. nu — wissen]
Xu ist der tuginde sterki . da zfl geordinot . de sic den wec ebin mache . Xu sprichc ich abir ß.
lfi. won — so] Div Btcrki ist allain ain tuginde de ß. 18. wie rchte wol ß. dis fehlt fälsch-
lich G. 19. mit — sinnen fehlt G. 20. da fehlt G. 21. da — und] uor gcschchint .
unde etlichir ß. 22. vest. gehefte] ucste undc denke ß. 23. cs] sin wishait ß. 24. so er]
so der mentsche ß. 25 f. de ist der m. der g. ist ingegen a. den dingin ß. 27. iemann]
dem ß. 28. getan m.] iemir mäht gchan ß. 29. den fehlt ß. besser lait ß.
14. Isai. 40,4.
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52. Von dem unrehten und von dem rehten weg.
sin daz ir luterlich vergebent allen den die üch ie lait getatent. es enist
nit genüg da mitte daz du inen enhaines Übels ganst, du solt in öch gerne
wol tün. und alle die wile daz du des nit tust, so solt du daz fürhten
daz och dir Got dine sünde nit vergebe, won er sprichet also: ‘reht alz ir
5 den vergent die üch lait tünt, Alz vergib öch ich üch üwer schulde’, man
liset von sant Stephan [122a] daz er nider viel uff sinü knü und bat für die
die in staintent. und daz hatt er gelernet von sinem maister Jhesu Christo,
do er ietz an dem erütz stünt, do batt er für die die in martrotent. dem
selben Gotte sont öch wir nach volgen, und sont luterlichen vergeben allen
io den die üns ie dehain lait getatent oder noch tünt, und sont vesten müt
han daz üns enkain ding so grosses an gan muge daz üns von Gotte iemer
geschaide. ain wis man sprichet: ‘du solt nit sprechen, so dir din vigint
übel tügi: "er hat mir übel getan”; du solt sprechen: "er wolt mir übel
tün”, won du alz vest und alz stark solt sin daz dir nieman übel mag
u getün , und solt din reht un erschroklichen behalten, und solt alz starklich
an im haften den du hast erwelt, daz du ab dehaim ding ersebrikest. und
swaz dich an gat, so [122‘] solt du gedenken: ich mag dis wol über-
winden’.
Dü dritte tugend ist rainkait dü haltet den weg schöne und suber.
20 und da von stat geschriben: 'sin weg sint schöne’, daz ist an zwivel war:
sin weg sint schön weg, ünsers herren, sprich ich. nu sint zwai ding die
den mentschen ziehent uss der mitli des weges, daz er entraint wirt: der
ist ains dü schonhait der creature; daz ander ist ain angebornü untugent.
nu möhti üch wunder nemen wie sich daz gefügti daz dü creatur ain schon-
25 hait ist, und si doch den mentschen entrainnet. daz merkent kurtzlich: dü
sei ist also gescaffen daz si über all creatur ist, und ist ir statt entzwüschent
Got und der creature. daz mittel tail sol dü sei alwegent halten, daz si
sich under Got naigi und sich über all creatur habi. swenn sich denn dü
sele under daz naiget daz under ir ist, so ist si uss der mitli körnen und
so wirt denne entrainnet und [122*] wirt dem undertAnig daz ir undertAnig solt
sin, daz ist dü creature; daz si die an etlichen dingen me minnet denn Got.
swaz daz ist, daz entrainnet die sele. nu spricht sant Augustinus: ‘swie
schön und wie luter Silber und gold ist, so fleket es doch den gitigen ment-
1. ie dehain lait 0. 2. niht allain G. im beidemal G. Ach] alse G. S. tön . al*
ouch e’ G. 7. in da st G. und — er] Entrdwan er hat ez G. 10. ie — noch) lait G.
10 f. sulnt also ucstia gemite ban G. 11. üns] iv beidemal G. 11 f. iemer g.] möge g. ir en-
wellcnt im atetecliche vfi kreftclichc an haften G. 12. nit] niemir G. 14. wau du aolt ueste u.
also at ain G. 15 f. starklich — haften] stark sin an im zebaftenne G. 16. dv A. 19. tu-
ginde de ist G. 20. und — geachribenl da uon sprichit der hailige galst . Vie eins vie pulcre G
schine wege G. 21. sin — ich] de finsirs herrin wege schJne woge sint G. 24. dv A.
27. creature . also de niht ob ir ist . wan ainegun got . und undir (u. ir Z) ist elliv creature G.
29. der mitli] dem mitil tail G. 80. de ir uon nature u. G. 82. ist inder witun weite G.
4. Matt. 6, 14. 6. Act. 7, 60 ff. 8. Luc. 23, 34. 20. Prov. 3, 17.
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52. Von dem unrehten und von dem rehten weg.
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sehen’, ze glicher wis merkent: ain ieglich ding waz schön und lustig ist,
daz zühet den mentschen uss der mitli, da dü sei inne solt stan, da si statt
hat entzwüschent Got und der creatur. daz ander ding daz och den ment-
schen zühet uss der mitli, daz haisset libido, daz ist ain angebornü nature.
dü zühet den mentschen zü den sünden, es si im liep oder lait. und der na- 5
tur ist nieman änig won ünsrü vrow sant Maria und ir sun Jhesus Christus,
dis natur mag gantzlich nieman verdruken an im selben, ain mentsche mag
ir aber also widerstan daz es ir mit dem willen nüt gevolge; won swenn
der mentsch [122*/ bös gedünk oder bös girde hat, all die wil untz im daz
lait ist und im vast wider stät, so ist es im nit sünde. swenne er aber mit io
dem willen gevolget, so ist dü sünde volbraht in dem hertzen. daz ist hobt
sünde, ob daz werch och hobt sünde ist daz der mentsch gern täti. nu höre
wie! han ich den willen daz ich ainen man gern schlügi durch vigintschaft,
der Wille ist mir ain höbet sünde, won das werch ist och holet sünde. und
kurzeliche also ist ez umbe ain ieglich ding daz holet sünde ist: der wille 15
den ich da zü han, der ist och holet süiule ; und dar umbe sol der mentsche
alwegent wider den willen striten, daz er niemer gevolge; won swenn der
wille gevolget, so ist dü sei tot. sant Paulus sprichet: ‘der gaist ist alweg
stritent wider daz flaisch und daz flaisch wider dem gaist’. und die wil untz
der gaist über windet den lip, so ist der mentsch in der mitli; so sich aber 20
der gaist naiget under den lip, so ist dü sei von Got geschaiden. her
Salonion sprichet: ‘stver sinen kneht zärtlichen zühet, der [123’] machet in
ungehörig’, und dar umb sont wir ünsren lip kestigen. der lip ist der sele
kneht, und dar umb gezimt wol daz er undertänig si der sei. swenne nu
der mentsch ge war wirt daz in sin nature ze sünden gerne zuge, so sol er 25
sim lip arbait uf legen, daz er dem gaiste gehorsam werde und dü nature
an im me werde verdruket. und alle die wile der mentsche sich also haltet,
so blibet dü sele an ir statt in der mitli.
2. da si] de sie G. S. hetti G. daz ander] So sic denne die achonhait der creature
me mionet . denn« er zerehte sül . so naigit sie sich uon der stat . dü ir ist . wan der mentsche
ensolti onhain dinc minnen durh sich selbin . wan got ainegun . swenne ich denne dehain dinc
minnC durh sich selbis . so bin ich uzzir der mitli geualiin . un wirde entrainit . Nv sulno wir
üns vlizin . de wir reht inder mitli standen . de wir enhain dinc minnS . durh sich selbiz . wan
ainegun durh got . Nv ist ain andir G. 4. haisset] ist G. an in angebornü späterer Zu-
satz A. 5. zti den] ze G. 6. sant — sun] und G. 7. gantzlich — ain] aizogis nieman
a. i. virdrukin . der G. 8. also wol G. 9. daz] ez G. 12. och fehlt G. 12 f. h. wie]
hoiriot hie G. 14. ain fehlt G. won — 16 hobetsünde fehlt A. 16. mentsche fehlt A.
17. allewege uaste striten w. d. w. G. er im niemir G. 19. u. alle die wil G. 21. her
fehlt O. 22 f. machet i. u.] wirt im widir h&iricb G. 24. und — nu] swelch mentsche
denne sinen Up het inzartelichim lebinne . der wirt dem gaiste widir hoirich . vnd darumbe suln
wir vnsirne lip k es tigern . mit arbaitin . de wir (er Z) dem gaist undirtaenic werden (werde Z) . und
swenne O. 26. lip] lebin G. arbait gerne u. G. 27. me fehlt G.
4 f. vgl. oben S. 116 Z. 10 ff. 18. Gal. 5, 17. 22. Prot. 29, 21.
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52. Von dem nnrehten und von dem echten weg.
Dü vierde tilgend ist rehtkait. dü rihtet den weg, daz ist daz si ieg-
lichem ding sin reht git: zem ersten unsrem herren, dar nach dem ment-
schen selben, dar nach dim ebencristan.
Nu sint drier hand sünde die den mentschen ierrent uff dem wege.
5 Dü erst ist der an Got sündet, daz ist: swer nit gelobet daz Got ie waz
an angenge und iemer ist an ende, der sündet an Gotte, swer och Got sin
ding verkeret, [123*J also daz er sin getat berefzet und gedenket oder
sprichet: wie tüt ünser herre suss, daz er dis und dis tut, und daz und daz
nit tüt, er sölti dis und ens tün! swer in also maistret, der sündet och
io an Gotte. swer och in versuchet, der sündet och an Gotte, alz ob ich
giengi uff ain münster und sprungi her ab und t Ati daz in der fräfli daz
ich gedähti: wil mich Got behüten, er behütet mich wol! daz ist war: swaz
Got wil, daz geschiht, doch hat er dem mentschen wissen und beschaidenbait
gegeben dar umbe daz er sich selben behüti, alz vil alz er mag. und swer
15 dis tüt, der tüt gross sünde. nieman sol sich also Mvenlich an Oot lassen
daz er dekain ding tügi da mit er sich selben verliere, man liset daz der
tüfel ünsern herren versüchte, do er in mentschlicher nature uff ertrich waz.
er sprach zü im, do er uff des tempels zinnen stünt: ‘Ja dich hie nider,
won es ist geschriben daz Got sinen [123‘] engein gebotten hat daz si dich
20 behütint und dir nit lassint werden', do sprach ünser herre: ‘var fürder,
Sathanas! dn solt nit versuchen dinen herren und dinen Got’. und also
sprich ich daz der mentsch sündet der Got versüchet.
1. dritte AG Z. tuginde diu ist G. daz ist) Der tuginde werk ist G. 2 f. git . ünsirme
herrin zemerste . Danah mir selbun . vnd rniuem obin eristsenin G. 5. daz ist] Nu mehtint ir
sprechin wie ir an got sündetint . De besebaide ich iv G. 6. swer] wan de bewa-rit Vnsir her re
selbe . de er wc an anegengo . vnd iemir ti. ist Z) an ende . Wan Iisit de finsir herre mo;ses Bant .
de er sin volk losti von egjpton lant . Do sprach mojscs . sv engloubint mir nit . de dn mich
habest gesant . Do sprach vnsir herre . var cht du cnwek vti sage inen de ich dich han gesant . Do
sprach vnsir herre motses . Herre uon wem sol ich inen sagen . der mich habe gesant . Do sprach
ünsir herre: moises sprich ze inen . Der da ist der hat mich zü iv gesant . ln dem wort gap er
v'ns urkunde . de er ic wc ufi iemir ist . de wc de aiginlichste wort . de ic uon der ewikait ge-
sprochin wart . de er sprach . der da ist . da mit gap er vns vrkfinde . de wir de vestecliche ge-
loubin sulne . de er io wc vn iemir ist . vti swer daran zwinclot . der sfindot an got . Der G.
Got] finsirmc h'rin G. 7. also — und] und in bereffit . also de er G. 8 f. daz
er — tün] er solt suz uti so tün . er solt disin lazin sterbin . vti disin iazin lebin G. 9. in}
vnsimc herrin G, ebenso 10. maisterot vnd im sind werk uirkerit G. och fehlt G.
10. an fehlt A. 10 f. alz — giengi] Nu merkint wie . Gienge ich G. 13. er d. m.] ünsir
herre G. 14. alz er] er G. 15. an Got fehlt A, 16. vor man] der mentache ist im selbin
schuldic . de er bchütin mac vor schadin libiz vnd sele G. 18. er spr.) vnd spr. G. hie]
her G. 19. won] Vnsir h're bchütit dich G. Got s. e.] finsir herre einem engil G. 19 f. si —
werden] er behüte alle dino wege G. 20. vor var] Vade sathanas G. 21. dn s. nit] Ez ist
gcschribin de dn niht solt G. 21 f. und also — versüchet] Also spr. i. dennc de der m. an got
sündet . der finsirnc (fi. h'ren Z) uirsuchit als ich gesait han G.
16 ff. Matt 4, 6 ff.
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52. Von dem unreinen und von dem rehten weg.
193
Dü ander Sünde dü den weg krümbet und den mentschen ierret uff dem .
weg, daz ist der an sich selben sündet. nu sont ir merken ain beschaiden-
hait dar an daz man sprichet daz etlich sünde an Got si gesündet, etlich an
sich (.selben und etlich an den ebencristan. swie der mentsch sündet, so tüt
er wider Got. man sprichet aber aigenlich daz der mentsch an Got sündet 5
der die sünde tüt die ich da vor geseit han. swaz der mentsch gesündet,
daz tüt er wider sich selben, won es ist im schade, daz ist aber aigenlich
wider sich selben gesündet der sim lip zevil überflüssiges git oder im sin
notdurft nimt, und swa [123*] mit er in krenket, daz er Got dester minder
dienen mag, und och etlich ander sünde tüt. io
Dü dritte sünde dü den mentschen ierret uff dem weg, daz ist daz der
mentsch sündet wider sin eben cristan. swenne ich im sin notdurft nit
gib, so er es bedarf, so Sünden ich wider in; won swaz ich über min not-
durft ban, daz enist nit min, es ist ains ieglichen mentschen daz sin baz
bedarf denn ich. ünser herre hat aim ieglichen mentschen sin notdurft ge- 15
schaffen und hat ir nieman lan gebresten. swenn ich denne dekainen ment-
schen siner notdurft lan gebresten, so ich sih oder waiss daz er es bedarf,
so hab ich im sin güt vor. sant Paulus sprichet: ‘swer sim eben mentschen
nit git des er über sin notdurft hat, stirbet der von hungers not, so ist er
an im schuldig alz ob er in hetti erschlagen’. [124°] swer och sin eben 20
mentschen geergrat mit bösem bilde, der sündet öch an sim eben mentschen.
da von sprichet ünser herre in dem ewangelio: 'swenn ir den minsten gebösrent
der an mich gelobet, so wäre üch besser daz ain mülstain üch wär gehenket
an den hals uud in daz mer wurden! besenket’. und da von bedurfent wir
wol daz wir üns mit allem Hiss hütint daz nieman von üns gebösret werdi. 25
nu geschiht es dike daz ain mentsch ain ding tüt in aim güten sinne, und
wirt doch etwer da von gebösret. nu si daz ich joch ain ding tüge in aim
güten sinne, kumet mir denn für daz min ebencristan da von geergrat wirt,
so sol ich es miden; und dar an tün ich bas daz ich min ebencristan hüti
daz er nit geergrat werdi, denn daz ich es täti, swie güt es joch würi. so
wäre aber es also daz es mir höbet [124t] sünde würe, ob ich es lessi, so
solte ich es durch aller der weit willen nit lassen, nu hant etlich lüt also
3. geaündot vfi e. G. 4. den] minem G. 5. mentsch fehlt G. 6. der m. ges.) sünde ouch
d. m. tüt G. 7. er ouch widir G. S f. im — in) der sitne libe der notdürfte gebristit . aide
swa mit der mentsche sine lip G. 10. tüt fehlt G. 11 f. dü — sündet] ist die der mentsche
tüt G. 13. so Bünden — in fehlt G. 14. sin] et G. 16. ir] der G. 17. lan gebr.]
briste G. 16. da uon sprich; s. P. G. 20. habe G. 22. spr. abir vnsir G. 23 f. da z —
besenket] de iv ain müÜBtain . an den rik wsre gekenkit . ufi inden rin wie re gesenkit GZ. 24. da
von] darumbe G. 25. wir üns] wir G. ieman G. 27. ich fehlt A. joch fehlt G.
26. mir] mich doch 6. 29. ebin mentschln G. 30. denn daz] denne ob G. nach wirij de
dink . da mit ich in geboiseron . de sol ich lazin . ez cnwnre denne ain dink . de ich houbit sünde
dar an trete . ob ich ez lieze G. 32. es abir d. 6. nach lässen] Ist ez abir also . de ich niht
18. wo f 22. Matt. 18, 6.
Deutschs Texte de« ttitteUlters. X.
13
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194
52. Von dem unrehten und von dem rehten weg.
bösü hertzen daz sü gedenken! und sprechent: ' we, waz wirret mir swer von
mir gebösert wirt, ob ich etliches in gutem sinne tün!’ die lüt han bösü
hertzen, won ain ieglich mentsch ist dem andern schuldig daz es AUü du ding
mide da mit es in gebösren muge; und reht alz ich aim ieglichen schuldig
5 bin, also ist es Och mir schuldig daz es min ding nit verkere, daz nit ze
verkerend ist nu sehent wie! han ich ze ainer statt ain gut swester oder
ain guten brüder und bin dem haimlich und tün daz in aim güten sinne
und daz er mir nütz ist an miner sele, nu wirt mir geseit daz etswer
der von geergret wirt, so sol ich es miden. aber alle die wile so ich es
io für war nüt waiss daz ieman der von gebösert wirt, so ensol ich es sü
niemer geargwanen, won ich sol alle / 124 '] min brüder für also tugenthaft
han daz si mir niemer enhain ding verkerint ze übele, da si enhainen güten
sin an vinden mugent. ich sol es da für han daz ain ieglich mentsche siner
sele also gern hüti an mir alz ich an im. intrüwen, geschieh aber daz
15 daz mir ieman üt verkerti daz nit ze verkerenn wäri, und daz er also wol
ze gütem keren möhti alz ze übel, und ich es och in aim güten sinne tün:
swer mir daz verkeret, der gebösert mich me denn ich in, daz er mir ver-
keret daz nit ze verkerenn ist. und also, sprich ich, sol ain ieglich mentsch
des andern hüten daz es im nüt verkere won daz och ze verkerenn ist,
20 und sol im also wol ain ieglich ding dar an er nit arges vindet, ze güt keren
alz ze übel, nu sint etlichü ding alz offenlich übel daz sü niemer wol
mugent beschehen, alz ungeliorsami und unkünschkait und ander münig [124*]
ding, daz als unverdaht übel ist daz es niemer in dehaim güten sinne
houbit sfinde tun daran . de ich ez laze . so sol ich cz lazin durh des willin . de ich niemannc
gcboiscrctc . vfi kurzeliehe swe ich waiz . da mit ich ieman geboiseron . de sol ich und iotieh
mentsche lazin . swe de inder weit ist . wie re ez ioch ain dinc . daran ich grozin nuzee hetti . den
nnzee sol ich gemir lazin . denne ich ieman mit geergeroti . t'nde de ist mir bezzir . de ich der
luten herzin hüte . denne ob ich andirz uil gfltis me trete G.
2. etliches] eht ez G. 3. schuldic des de ez G. 4. in g. muge] ieman gcboiscrot G.
ich des a. ielichin mutsche G. 5. es Och m.] ouch mir ain ielich mentsche G. min d. nit] mir
enhain d. G. daz ouch nivt G. 8. wie) hie G. 6 f. han — brüder] Gan ich an aine stat
zeainir giitir swestir aide zeainim brfidir G(Z). 8. er] ez G. 9. nach miden] daran tün ich rebte .
wan mir de gesait ist . daz ethswer da non geergorot wirt G. so i. es] unz ich G. 11. won
fehlt G. brüder] Bwestiran GZ. 12. nach han) de ich mich der untugindc . an siv niemir
sol nirsehen G. niemer fehlt G. 13. sol es) es A , sol G. 15. wtri] ist G. 16. ah)
so G. vH onch ich in G. 18. und — 21 ding] denne ich ln da mit geergerotc de ich
cz tsetc . wan de tet ich in ainem g.ttim sinne . vfi kan ouch mir zcgiite . vfi wc ouch güt . swenne
mich denne vürkumit . de mir ez ain andirs zcfibil het uirkerit . de geergerot mich an mint' her-
zin . vnd Icschit mir die minc . die ich zu im hirttc . vfi entwirfit mir min herze . vfi benimit
mir min andabt . vnd geergerot mich da mit nil me . denne cz gütis tüie . Uh rehte alse gnotc
ich des hütin sol . de ieman von mir gcbüisorot werde . also gnote sol sich ain ielich mentsche
hütin . de cz mir enhain dinc virkerc . wan daz ouch zeuirkerine Bie . vH sol ain ielich mentsche
dem andime sin dinc also wol zegüte kerin (k. so Z) ze dbile . de eht alse fibil nvt ist . de ez
nieman gegütin mac . Nu h&rint hie . Etlichiv dinc sint G. 22. ander] ane de G. 23. alles .4.
alse G. sinne G, ding A.
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52. Von dem unrehten und von dem rehten weg.
195
geschehen mag: daz ist nit Sünde, swen daz übel danket» so sint öch etlichü
ding als gut daz sü niemer in kaim üblen sinne mngent geschehen, daz ist:
Got minnen über üllü ding und demütig sin und gelassen an Got, und andni
sämlichü ding, daz kan niemer übel werden, etlichü mugent öch geschehen in
gutem und in üblem sinne, alz betten und vasten und mäng ander ding: tüt 5
er es durch Got, so ist es gut; tüt er es aber durch rüm und durch lob, so
ist es übel, also ist mäng ding daz wol in übel und in güti geschehen
mag. won aber daz t%en ist und nieman in des andern hertzen waiss won
allain Got, dar umb sol ain ieglich mentsch daz besser nemen an aim ieg-
lichen ding: swaz es sehe oder höre an de/72fi“/kainem mentschen, daz es daz io
zu dem besten kere in sim hertzen, und sol öch daz vor den lüten reden;
daz ist ain tugent in der Got rüwen wil. ich sol alle min brüder für also
sälig han daz ich mich nihtes nit an in sol versehen won tugent und sälden,
untz ich für wärs an in nit Übels waiss, wisse Got waiz ich joch für war
üt bosshait an in, so sol ich gedenken daz es si von krankait, und sol mich 15
dar über erbarmen und sol Got da über bitten, nu si joch daz daz ain
mentsche etwas tilge in aim üblen sinne, waz schadet mir daz ob eht ich es
in ain tugent kere? so wirt mir doch ain tugent dar an, in swelem sinne
daz beschiht joch, nu merkent hie: gan ich an ain stat und bin da hain-
lich ainem mentschen, daz mag wol in übel oder in gütem geschehen; won 2«
tün ich es durch Got (125* ] oder dar umb daz ich da von gebessret werdi
oder daz ich ander lüt mit lere oder gebessre, so ist es güt; tün ich es
aber durch dehain bosshait, so ist es übel, nu sige daz ich es in übel
tüge, so sol doch der mentsch der es siht, gedenken daz ich es durch gilt
tüge, und sol es allwegent bessren. won tun ich es durch bosshait, daz ist im 25
tögen und waiss es nit won von argwan; waiss er es aber für war, dennoht
solt du es von mir nit braitren won in dem sinne daz ez entweder mir oder
im selben oder dem ich es sage, zu bessrung kome. und kurtzlich: swer
von dem andern dehain ding seit in dehaim andern sinne, der tüt übel und
3. demütig Bin] demfitekait G. gelassen] gclonbin G. 3 /'. andni s. ding] züvirsiht han
an sine gfiti G. 4. Ethlichiu dinc G. 4 f. in ii. sinne n. i. g. sinne G. 5 f. tdt er cs] de wol
iniibil vnd ingrit mac beschchin . Tdt ez der mentsche G. 6. r. aide d. lop . aide de man wsene
de er güt sie . so 6. 7 f. milng — aber] uil wndir m. d. de iibil vfi wol mac beschchin . Wände
nu G. 8. tnn A. 11. bezziren G. öch daz] cz ouch G. mich reden] vfl swe vbil vtl wol
mac gcschehin . da sol sich der mentsche allcwego dez bczzimo virschin G. 12. Got fehlt fälsch-
lich G. nach wil] Nu sic ouch de ain swestir aide ain brndir ain dinc täic in aine vbilnc sinne .
so sol ich (ich es Z ) doch inainen giitin sin kerin . alle die wil vnz ich ez niht vür war waiz . de
er ez intibil habe getan GZ. alle m. br.] allewege minc swestir aide minen brüdir G.
14. wäre] war G. an — Got] non im niht waiz G. joch fehlt G. 15. an in] uon ir G.
cs si von] ist uon ir G. 16. joch daz fehlt G. 18 f. in swelem — joch] swie ere ioch
tut G. 20. mentschen] brßdir aide ainir swestir G. oder] vtl G. won] Nu merkint
wie G. 21. da von — werdi] mich da gebczzere G. 22. gebessre] mit ethlichim dinge
bezzir G. 23. vor nu] diu zwai dinc mugin andern geschehin . ubil ufi gfit G. 24. mentsche
denkin . der ez an mir sihit . de G. 25. ez ioch durh G. 27. sol ere uon im G. er A.
29. seit] braitorot G.
13*
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52. Von dem unrehten und von dem rehten weg.
sünde. ist es aber also daz der mentsch argwan het zü etlichem ding daz
er siht oder hört an aim andern, daz in dunket von sim sinne daz es übel
si, und im es andere nieman hat geseit, daz ensol er nit sagen, er sol es
allain [125‘] in sim hertzen han und ensol nieman me da mit gebösren; won
5 swaz da von bösrung kumet, des ist er schuldig der es da redet, nu
merkent. dis: tüt ain brüder ain ding daz übel ist und wider Got ist oder
da von dü samnung betrübet wirt, des sol ich in laiden ze capittel, und sol
daz in dem sinne tan daz er sich dar an bessre und der convent mit fnde
blibe, so tun ich rehte. nu wirt liht der brüder ungedultig und betrübet
io der von. daz enist mir nit sünde, han ich es in gütem sinne getan; tet ich
es aber im ze laide oder ze rache oder von etlicher unminne, daz ist mir
grössü sünde, swie tugentlich er es joch enphahet oder swie vil gutes da von
kumet. nu geschiht es 6ch daz ain brüder den andern siht etwaz tün daz
übel ist, so denket er: nu wäre dirr brüder wol wirdig daz du in hie umb
15 rügtist, daz er sich hie [125“] an besserti. so denket er aber wider: des
entü nit, er wurdi da von betrübet, nu wil ich lieh dar zü ainen güten
rat geben, waz ir an sünde mugent tün: swaz ir hörent oder sehent daz
wandelbar si, so sont ir merken in vestra consciencia von wederm me bessrung
kome, und sont daz tün. versehest du dich daz es besser si daz du es tilgest.
20 so rüg es; si och daz besser daz du swigest, so swig. und daz halt an aim
ieklichen ding, so hübest du an sünde. nu sprichest du vil lihte: so ver-
sieh ich mich daz es ze besserung kome, und kumet es liht zü grossem übel,
ist mir daz sünde? so sprich ich: ja. es ist dir sünde, ob du es mit enhaim
ding möhtist han versehen, ob es von dinr unbeschaidenhait ist beschehen liht
25 ain tail, daz du liht unbescbaidenlich oder mit herten Worten oder mit zorn-
lichem [126‘] antlütz rügetist oder du dich an dehaim ding missehutist, da
von er liht merken müz daz du es im durch übel hast getan, daz ist dir
denne sünde. hast du aber ällü ding vorhin versehen die du versehen solt, alz
verre du von diner beschaidenhait kanst, kumet joch denne üt Übels da von.
so des bist du lidig und enhast sin nit sünde. dis han ich alles dar uf geret
daz ir merkent wie der mentsch wider sinen eben cristan sündat. daz ist der
sündan ainü die den mentschen ierret uff dem weg den ünser herre laitet
den rehten mentschen engegen dem hymelriche.
2. andirne mentschin G. S. daz] des G. sagen] redon G. 4. da mit] mit bekümbirnc
noch G. 5. er] der G. 6. brüder] swestir ebenso iw folgenden G, dagegen Z brüder. 7. wirt]
mac werdin G. in] sie G, ähnlich im folgenden Fron, femininum bis 27, dagegen Z bald fern, bald
masc. 9. unde wirt betr. G. 10. mir fehlt A. han cht ich G. 11. durh rache G. ist]
wäre G. 12. enpfiengc G. gütis ioch da uon G. 13. kumet] kerne so wier mir (eorr. aus
mich) doch der sin Bünde . den ich dar zü hetti G. es Och] de doch G. 15. her widir G.
18. in ivwirre conscientic G. mc fehlt A. 19. daz cs] de daz G. 20. cs] sie G. und
fehlt G. 21. du dran ane s. G. vil fehlt G. 23. ist fehlt A, in G nachträglich eingeschaltet»
26. oder| aide ob G. an d. d.] mit d. dinge dran G. 27. durh dehain übil G. 27 f. ist —
sünde] mag dir wol ain lihtü sünde sin G. 28 f. alz verre] und also G. 30. enhast — sünde]
enhabe enbalnen kummir dar nmbc G. g'Tet .4. 31. obin mentschin G. 32. ierrint G.
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52. Von dem nnrehtcn und von dem rehtcn weg. 197
Swer nu ain langen weg sol gan, der bedarf wol vier ding uff dem weg,
daz er sicherlichen gange.
Daz erst ist ain stab, da er sich uf sture, so er vallen wil. dirr stab
ist daz hailig erütze, da unser herre den tot an lait [126*] durch den ment-
schen. die marter sol der mentsch behügen: swenne in arbait an gat von 5
bekoruug oder von betrübde oder swa von in dekain kumber an gat, so sol
er zehant an disen stab gedenken und sol Got an rüffen und sol in bitten
durch die not die er an dem erütze lait, daz er im helft sin arbait tragen,
du solt öch gedenken wie groz und wie bitter du marter waz die Gottes
sun wolte liden, und solt da mitte dir selben ain kraft geben; won swenne io
du gedenken wilt an den jämerlichen tot den Jliesus Christus durch dich er-
litten hat, so müss dir wol dester lihter sin ze lidenn alles daz dich an gat,
won alles daz wir erliden mugent durch Got mit anvehtung, mit ungemach
baidü hertzen und libes, daz ist alles en klain ding da wider daz Got
durch uns erlitten hat. alz sprichet her Job: 'herre, wil ich min arbaite 15
glichen diner arbait, so enhab [126'] ich gegen tusenden ain nit ze bietenn'.
daz sont ir gedenken so lieh dekain arbait an gat, so wirt es lieh allez lilit
ze lidenn. wir sont öch ain andern stab han uff dem weg, daz ist Maria,
Gottes müter. der wissag sprichet: ‘berr, din stab und din ritte hant mich
getröstet und hant mich vest gemaehet’. der stab ist daz hailge erütze, du 20
tute ist unser vrowe, von der Ysayas sprichet: ‘es ist us gangen ain rüte
von Yesse mit Mögender fruht,’. du blügend rüt ist Maria, Gottes müter,
du ist daz blügend zwi von Yesse. dis ritten sont wir zu ainem stab nemen
uff dem wege, daz wir uns uf si stürent so uns not an gat, daz wir nit
vellig werdent in der arbait. und swenn uns kumber an gat von dekaim 25
ding an dem libe oder an der sele, so sont wir si an rüffen, daz si ünser
helferin si, und sont ir mit inneklichem hertzen klagen ünser [126d] not.
und so ist si also milte und alz gnädig daz si nieman ane helfe lat und
an trost, der si inneklich an rüffet in siner not und si manet irs lieben
kindes, der vröden und der üebi die si mit im hatte uf ertlich und hüt so
mit im hat in hymelriche. nu spricht ain hailig man: ‘vrowe, du bist ge-
sessen in des künges hus uns ze aim fürsprechen. nu rüffe an sinen namen,
4. de ist de G. An Stelle ron criitze hat A ein +, ebenso im folgenden. finscr h.) got G.
10. lidin . da mit soll dn dir G. 11. dich fehlt A. 12. hettc G. 13. wir iemir erl. G. vlt
mit un. G. 14. ain claine d. G. 15. her fehlt G. 16. diner] der G. gegen — nit] niht
widir tnsint ainc G. 17. daz] Dar an G. allez iiht] allir lihtistc G. 19. vor herr] Virga tua
et bacnlus tuns G. 20. stap der Ans troistin boI . vfl mit dem wir gesterkit sun werdin . de ist
d. h. er. da gotis buh den tot an lait G. 21. rote daz ist ö. vr. G. von — sprichet] diu ist
bezaichint bie der rfite . Also spr. der wissage esayas . Egrcdietnr virga G. 22. röte de ist G.
24. dem] disem G. 25. kumbir und not G. 26. dem fehlt G. 25. und so] so G.
SO. uroide G. 31. himilriehe . vrige uroidc . Nu G. 31 f. gesezzit G. 32. nu] 0 frowe G.
15. Job 9, 3; vgl. oben S. 90 Z. 26. 19. Pt. 22, 4. 21. Itai. 11, 1; vgl. oben S. 159
Z. 18 f. 31. rgl. oben S. 107 Z. 23 f.
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52. Von dem unrehton und von dem rehten weg.
daz er uns gnädig si!’ hie von sont wir si an rüffen, swenn uns not ane
gat, sit si so gnädig ist daz si niemann an helfe lat. da von sprichet ain
hailg man: ‘o vrowe, du bist so gnädig und so gut und bist so über vol
aller gnaden daz dich nienian mag grützen mit aim Ave Maria oder mit
6 ainer süssen andaht, du vergiessist din gnade in sin hertze, daz er trost en-
pliahet’. und dar umb sont wir si an rüf//£7*/fend sin, so wir in arbaiten
sint, won si ist so vol gnaden daz si zehant vergiessen müz trost in üwrü
hertzen.
Daz ander des wir bedurfent uff dem wege, daz ist spise. dis enmain
io ich nit ain liplich spise, es ist gaischlichü spis. daz ist ünsers herren vron
licham, den hat er üns verlassen zu ainer spise uff dem weg. do er von
sinen jungem schaiden wolte, alz man begat an dem grossen donstage, do
nam er brot und bracli es u«t tet sinen hailgen segen da über und gab es
sinen jungem und sprach: ‘nement dis und essent und trinkent, won es Ist
15 min flaisch und min blät. ir sont es enphahen ze ainer gehügde miner
marter, die ich liden wil; und swer minen lichamen wirdeklich enphahet, der
sol ewklich leben’, und daz sont ir vesteklich globen daz dü selben wort
noch hüte die sel/7£?*/ben kraft hant von ains ieglichen priesters mund, daz
da Got verwandelt wirt. der selbe lip den er nam von ünser vrowen sant
20 Mariun und der an dem crütz hieng, der ist ze ainer ieglichen messe uns
zu ainer spise uff dem wege , und nit allain sin lip, wir enphahent von des
priesters hand sin lip und sin sele und sin hailgen gothait alz kreftigen, alz
gewaltigen, alz volleklichen, als ungeteilten alz er in hymelriche gegewürtig
ist. und sol ain ieglich mentsch geloben daz da in aim schine ains brötlins
25 verborgen ist dü bailig mentschhait und dü hailig sele. und swer dis spise
wirdeklich nimt, der wirt gespiset und getrenket und gesterket an allen
fügenden, daz er bösen dingen dester baz mag widerstan, und wirt gesterket
in allen güten werchen, und werdent im sin täglich sünde vergeben, und wirt
au der minne enzündet, und wirt [127‘ ] sin züversiht gemeret. und mänig
so tugent und mänig sälde enphahet der mentsche der ünsers herren vron
lichamen wirdeklich enphahet, und wirt mit im gespiset uff dem wege. und
1. hie von] Nn G. 2. sit — nicmann] sie ist so gn. de sic nieman an rtphit . den 6ie G
da von] Also G. 4. gertrin G. 5. engiezest G. 6. und fehlt G. wir si — sin] ir sie
gerne anräphin G. wir) ir G. 7 f. ivwir herze G. 9 f. enmain — ain] ist niht gemainit
an G. 10. ain] an ? 10/'. herrinlichame G. 11. do er] do iinsir herre G. 12. ror do] do er
an den tot wart gegebin . von sinir jungiron aineni G. IS. vt A. gab cs] wart nirwandelot .
uli gap de G. 14. und essent — es fehlt G. 15. min blüt u. m. vlaische G. IS. kraft
fehlt fälschlich G. 19 f. s. Mariun fehlt G. 20. hieng] gemarterot wart G. Uns fehlt A.
22. sin sele] hailigun sele 6. 23. uolleclichin uii also G. 24. und] de G. metscb
am Rande A, eriston mentsche G. sins A. 24 f. in — sele] ist uirborgin vndir aim sch. ain Ls
br. diu h. sele . u. d. h. mentschait G. 26. getrenket und fehlt G. 27. er allen boisen G.
28. in] ze G. SO f. herein lichamen G. 31. im fehlt G.
14 f. Matt. 26, 26 f.
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52. Von dem unrehton und von dem rehtcn weg.
199
swer reht erkandi die grossen gnade die uns üser herre dar an hat getan
daz er uns sinen hailgen lichamen hat gegeben zu ainer spise uff dem wege,
der müsti in billich dur die minne eren die er uns eröget hat. er hat uns
gelan daz beste klainet das ie wart oder iemer werden mag, daz ist sin got-
hait und sin mentschhait und sinen hailgen gaist. der liebi und der gäbe 5
sont ir Got alle tag loben.
Daz dritte daz wir uff dem weg bedurfent, daz ist vröde. won swer
ainen langen weg sol gan, der bedarf wol vröden und kurtzwile, daz in des
weges nit verdrösse; won wil er verdrossenlich gan, so wirt er träge uff dem
wege [ 127 *]. dar an sont ir merken daz ir unsrem herren vrölich sont io
dienen mit singenne und mit lesenn, alz der wissag sprichet: ‘der uff dem
wege gat ünsers herren, der sol vrölich sin’; won nach disem kurtzen dienst,
so git er grossen Ion in hymelriche. es wart nie dienst so wunneklick uff
ertrich alz Gotte dienen vrölichen mit vrölickem hertzen und mit frigem willen
un betwungenlichen; da mit wachsent dem mentschen all weg tugent und zü- 15
versiht der hymelschen vröden. swer aber mit swärem hertzen tragklich Gotte
dienet ane vrölich züversiht, der mag niemer alz lihteklich und alz gelustklich
Gotte dienen alz der frilich im dienet: dem ist alles daz vrölich und girlich
daz er in sim dienst tün sol. und da von bedarf der mentsch w'ol der den
langen weg sol gan engegen dem hymelricb, daz er vrölich [128*] gange und 20
frilich Gotte dienegi, daz in des weges nit verdriessi.
Daz vierde ist schätz in dem sekel, daz er zerung habe, so er ze herberg
kome. der sekel dar inne wir zerung sont han, daz ist erbärmde über ain
ieglichen mentschen der in arbaiten ist. den solt du trösten und solt im
helfen sin arbait tragen alz vil und du mäht, und solt Got für in bitten. 25
erbärmde ist ain schrin aller tugend und aller guter werch dü der mentsch
tüt, daz sol er alles tün und gehalten in der erbärmde. won alz man gold
und silber und edel gestain gehaltet in dem schrine, also solt du mit der
erbärmde gehalten alle din tugend. ünser herre sprach zü sinen jungem:
‘ir sont erbarmhertzig sin alz üwer vatter von hymelrich erbarmhertzig ist’, so
wellent wir denne ünsers herren kint sin, so sont wir erbärmde han über
alle die die in kumber [128*] oder in arbaiten sint an dem übe oder an dem
I. uns u. h.] er (ins G. 3. minne Pren) grozun m. minnon G. 6. alle tag] allir tiegc-
lichiz sundiriiehe G. 7. dritte de* wir G. 8. uroide G. 11. nach spriehet] üt rantent
in vii* domini G. 12. «in] eingin uf dem wege G. 13. es — dienst] Unde darum be mugint
ir gerne singin . und singin . got zelobe un zedieniste . Ir vahint nu de anbaht un die kurzewil
an . da mit ir iveh ewccliche iemir urSwen sulnt . inbimilrichc . wan da enist mit andirs . wan
got singen . got dienon . got lobon . de ist des hiniilrichis reht . swer denne nn uroiliche got
lobot nf ertliche . der nahit ieze an . de er inhimilriche uolle bringin sol . Ez cnwart nie enbain
dinc G. 14. als] so G. vrtllchen fehlt G. und mit] und rebte uon G. 17. und]
noch <?. 18. im] got G. 19. sim) gotis G. 20. dem fehlt G. 25. und vor du fehlt G.
27. tftn und fehlt G. SO. vor ir) Estote misericordes G. erb. ist fehlt G.
II. Pt. 137, 5. 30. Luc. 6, 36.
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200
52. Von dem unrebten und von dem rehten weg.
gaiste, von siehtagen oder von bekorung oder von betrübde. und sont üch
über die erbarmen die in höbet Sünden sint; die enmugent in selben nit nütze
sin, und da von bednrfent si wol daz sich güt lüt über sü erbarment und
Got für sü bittent. swel güt mentsch sus nn erbarmhertzig ist, so es kumet
5 denne an daz ende eins lebens, so koment im üllü dü werch der erbärmde ze
trost siner sele und gend ir zerung zü hymelriche.
[53.J Von des mentschen hailikalt.
[Hec est voluntas Dei, sanctificatio vestra.J
‘Gottes wille ist üwer hailikait’, spricht saut Paulus,
io Daz ünser hailkait Gottes wille si, daz merkent au drin dingen.
Daz erst ist daz er lins gehütet daz wir hailig sigint. daz daz war si,
daz liset man in der altun e. do er die e gab, do gab er in 6ch dü zehen
gebot, und gebot in daz si sü behieltint; und swer dü behaltet, daz ist ain
anvang der haifi/2£8‘/kait. und dar an so sont ir merken daz es Gottes
15 wille ist daz wir hailig sigint; won swaz ain man gehütet, daz ist ain
zaichen sins willen.
Daz ander ist daz ünser lierre ratet daz wir hailig sigint intrüwen,
des habent wir urkünde an mänger lere die er sine junger lerte; won aller
sin rat und sin lere gie dar uf daz si hailig wurdent mit rainnem lebenn.
20 Daz dritte ist daz uns ünser herre hilfet daz wir hailig werdent und
da von liset man in dem ewangelio daz ünser herre sprach zü sinen jungem:
‘ane mich mugent ir niht gutes getiin’. in trüwen, sit den nieman niht
gütes mag getün ane sine helfe, so ist daz ain gew&res zaichen sins willen
daz wir hailig sigint, daz er üns selb hilfet daz wir hailig werdent. in-
25 trüwen, sit es denne Gottes wille ist daz wir nit hailige mugent werden än
sin gnade, so sont wir ünser hertze beraiten daz wir die gnade wir [128*]-
1 f. ivch ouch erb. ü. die die G. 3. siu vil wol G. 4. swel — 6 hxmelriche] Ain
ieliche güte mentsche sol irbermde hau . übir alle die . die indehainir not sint an libe aldir an
sele . vnd swa ir ieman zestaton mugint körnen . de auint ir tön . Swenne der mentsche denne
andc ende kumit . sinis lebinz . so komint aelliu diu werc der irbermde . der sele zetroste . und
gend ir zemnge zedem himilriche . Vnde alle die . übir die du irbermde best gebebit . die irbar-
ment sich denne übir dich . und bittent got . de er sich übir dich irbarmc . de ist diu zerunge . die
der mentsche denne sol saminon . indisim* libe . de er zerungo habe zehiinilriche G, Z mit dem
Zusatz : des helfe vns got amen. 7. Überschrift fehlt G, Dise wort spricliit sant Paulus (rot) Z.
S. Der lat. Text fehlt A. 9. vor Gottes] Disiv wort sprichit sant paulus GZ. spr. s. P.
fehlt G Z. 10. ünser — si] gotis wille sie . de wir hailic men G. 12. do er] Do ünsir herre G.
öch fehlt G. 13. de siv sich hieltin G. 14. hai/kait A. so fehlt G. es fehlt G.
15. ist] sie G. der man G. IS. die — lerte fehlt A. 21. dem baiiigin ew. G. sprichit G.
25. denne fehlt G. nit] hailic werden sin . unde onch wir niemir G. 26 f. die — en-
pfahent] der g. wirdik sien zeenpfahinne 6.
7. Die Predigt findet sich in G Bl. 53h; Z Bl. 62ä H Nr. 11; fehlt in den übrigen lies —
Gedruckt nach Z bei Wackemagcl S. 119 ff. 8. I. Thess. 4, 3. 22. Joan. 15, 5.
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53. Von des mentschen hailikait. 20 t
deklich enphahent. so git er uns die gnade und hilfet uns daz wir hailig
werdent.
Sit wir nu urkünd hant daz Gottes wille ist unser hailkait, so sont wir
sehen wa mit wir hailig werdent. daz ist mit zwain dingen: daz wir daz
übel lassint und daz güt tügint. und da von sprichet der wissage: 'ir sont 5
üch naigen von dem Übeln und daz güt tun, so werdent ir hailig'.
Nu merkent zem ersten waz daz übel si, da von sich dü sei sol naigen,
e si hailig mug werden, da von schribet sant Augustinus in dem buche da
er schribet von der sei micbli, da schribet er fünf übel von den sich dü sele
naigen sol und von den si müss gerainnet werden, e daz si hailig mug sin. io
Daz erst übel ist dü sünde. da von spricht sant Peter: ‘ir sont üwer
hende rainnen von dem Übeln*, bi den henden sint üwrü werch bezaichent,
reht alz er Sprüche: 'ir sont üwrü werch rain/723“/nen von dem Übeln*, nu
wissent ir wol daz üllü rainkait von Gotte kumet, und enmag nieman nit
gutes gedenken noch gesprechen noch getün an sin gnade, intrüwen, es ist 15
war daz Got die gnade und die rainkait müss geben, er engit si aber niena
won in daz raine berait hertze. swenn der mentsch tüt daz er tan sol, so
tat Och ünser herre daz er tun sol. her Salomon sprichet: ‘es ist des ment-
schen reht daz es sin hertz beraiti*. intrüwen, swenn daz gescbiht, so git
ünser herre die gnade, sant Jacob spricht daz Got si ain geber aller gnade. 20
und da von sprichet ünser herre: ‘ich wil ain wasser uff üch giessen, daz
sol üch rainnen von üwren Sünden*, so denn dü sele gerainnet wirt, so hat
si ain übel vertriben, daz si ierret irre hailkait.
Daz ander übel ist ain vinstri des ( 129 l] ierrans. entrüwen, du solt
entlühtet werden mit guter lere und mit gutem rate, daz ist also: swa 25
der mentsch dekainen zwivel oder dekainen ierrat hat, dar us er sich niht
wol kan gerihten, dez sol er wise lnt fragen und sol och denn ir lere und
irem rate nach volgen; won swer güter lere und rehtem rat nit nach volget
und alles nach sins hertzen ainrihti wil varen, der mag wol verierran. nu
sint etlich lüte alz ainrihtig daz si alles nach iren sinnen wellent leben, und so
dunket sü alles ir ding und ir sin besser denn anderr lüte. intrüwen, die
mugent wol vallen in die vinstri des ierrens. swer aber gerainnet wil werden
von der vinstri (alz sant Augustinus spricht daz wir da von gerainnet müs-
1. er (ine] vns (insir herre ß. 4. werdent d. ist] suin werdin . Entrüwan de sun wir ß.
5. ror ir] Declina a malo etc. ß. 6. daz g. tun] sant tun de gilt ß. bf. in dem —
schribet fehlt A. 10. daz fehlt Cr. 11. I. s. Jacob. 12. tlwrö] dü ß. 13. v. d. Übeln]
vor boisen werkin . un sont ivwerü herzin raine uon übelen gedenkin ß. 15. es] de ß.
17. raine fehlt ß. herze . swa er eiliit de daz herze ist berait . da güzzit er sine (s. genade Z)
in O. IS. her fehlt ß. 20. si] ist ß. 21. ünser h.] der hailic gaist ß. 22. uon allen
ivwern ß. 24. übel fehlt ß. du s.] diu vinstri sol ß. 27. dz A. 2S. won] de er in der
uinstri des irrodis nüt uirierrete . Unde ß. gütim rat un rehtir lere ß. 29. nach] in ß.
5 f. Pt. 36, 27. 11. Jac. 4, 8. 18. Prov. 16, 1. 20. Jac. 4,6. 21. Et. 36, 25.
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202
53. Von des mentschen hailikait
sint werden e daz wir hailig mugent werden), der sol sich demütigen, daz er
aim andern gelobe, dem er geloben sol, me denn im selben, und swer daz
tftt, der wirt erlühtet [129'] an rehtem glöben. sit uns nn sant Augustinus
seit daz wir e niht hailig mugent werden e wir uns geschaident von der
5 vinstri des ierrens, so sont wir ünsern globen erlühten, und sont den baz
geloben den wir geloben sont und die wiser sint und witziger baidü von na-
ture und von künsten, denn uns selben.
Daz dritte übel ist des tüvels välsckü bildung; won dar an mag sich
der reht mentsche liht missehüten. der tüvel ist wunder kündig, er nimet
io etwenn ains engels bilde an sich und erschinnet dem mentschen, daz er
wännet er si Gottes engel. und disü erschinunge beschiht baidü uswendig
und inwendig, man liset von aim, dem erschain er also wunnecliehe in-
wendig alz ain engel, und wände er daz in Got zü im hetti gesent, daz
er enwiste wie er leben solt nach Gottes willen; und lerte den selben man
15 daz er vil gewacheti und vasteti und daz er niemer [ 129“ ] gerüweti untz
er sich selben verdarbti; und ze jungst do verierret er in, daz er im
ze tail wart in trüwen, daz geschiht noch dike daz der tüvel mängen
mentschen ratet gütü ding, daz er wännet daz es gar güt si; und so er
im gevolget untz an daz ende des dinges, so bestriket er in denne mit
20 dem Übeln, er ist so kündig daz er es im alz güt machet daz der
mentscli enhain ding daz schädlich si, dar an kan versehen; und alz er es
an daz ende bringet, so wirt er denne erst gewar daz er verraten ist. und
also erschinnet er och der sele inwendig mit valscher güti, und ratet dem
mentschen daz er vil bettegi und venie und disciplin neme und lützel
25 schlaffe und vil gewache und sich gantzlich arbaite in Gottes dienste. und
gedenket der mentsche denne: wie? wännest du alsus gemächlich ze hymel-
rich körnen? nit! [130’] du solt anders dar zü sehen; du solt dim übe
dekaines gemaches gestatten: ünser herre lait doch den tot durch dich; und
soltest du denne gemach kan, daz wäre dir grössü sünde. dis wännet der
so mentsche daz es von dem hailgen gaist kome, und volget alz hin nach in
ainvaltkait untz daz er ze jungst betrogen wirt. in trüwen, mit susgetaner
güti verlaitet er mängen mentschen daz er daz gütlich lieht niemer be-
schowet, und da von bedurfent wir vil wunder wol daz wir üns von dem
Übeln naigent.
1. e daz] & G. der mentsche sol G. 2. andirae baz geloube . denne er ouch g. g. denne
Lg . G. 7. un ouch uon knnst G. S. iibil ist da non wir mAzin gerainit wcrdin . £ wir
hailic mngin wcrdin . de ist G. won] Entrfiwan G. 9. reht fehlt G. vil lihte m. Wan
der t. G. 10 f. mentschin ethwenne . de er w. de er g. e. sio G. 12 f. wunn. nsw.] inwen-
dig A, wnnecliclie G. 13. santi G. 15. er r or niemer nachträglich eingefügt A. 15 f. uni
de er s. s. gar uirdarpti G. 16. nirrict G. 19. in denne] dem mentschin G. 20. im
fehlt G. 21. enhain — si] enhaine schadin G. 25. wache . ufi vil geuaste u. e. grozliche
arbait G. 26. denne wie] we G. 2$. niemir enhainis G. 29. denne debain gemach G
30. cz reht uü G. alz hin] alliz G. inainir G. 33 f. fing — naigent] non d. fi. gerainit
werden G.
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53. Von de« ineutachen hailikait
203
Daz Zierde übel ist ain trugenlich eben masse der creature ze Gotte,
also liset man von den wisen haiden, die sahent nit won an sinen gewalt,
und wollen daz bewären mit sinem gewalt daz Got nit mentsch möht werden,
ai ahtetent daz er gewalteklichen hymelrich und ertrich hetti geschaffen und
alle creaturen, und sprechent also: als un/i-90ymuglich daz ist daz ain zim- 5
berman werde sin selbes werch, als unmuglich ist öch daz Got du creatur
werde die er selb geschaffen hat. und da mit gabent si ain trugenlich eben
masse der creatur ze Gotte, und woltent da mit bewärren daz Got nit mentsch
möht werden; won si sahent nit won an sin gewalt und erkandent siner
güti nit, du in twang daz er mentsch wart durch lins, sit wir nu gesehen io
hant daz die haiden mit trugenlicher masse verierret sint, so sont wir uns
da vor behüten, wir sont nit allain sin gewalt an sehen, wir sont och er-
kennen sin wishait und sin güti, dü in des betwang daz er mentschlich natur
an sich nam durch üns. daz ist vil war, mentschlich nature ist harte un-
edel und widerzäme götlicher nature, aber sin güti waz alz gröz daz si 15
ungelichü ding zesamen fügte.
Daz fünfte übel ist girde weltlicher richait. und da von sprichet [130 ‘J
der wissag: ‘dü weit ist glich ainem valle’. ir wissent wol, so man ain büm
wil veilen, so schrient die lüte: fliehent! fliehent! daz üch der val iht be-
grife. ze glicher wis ist dü weit ain val, und schriet Got und dü schrift ao
&llü: fliehent! fliehent ällü bald von der weit, ald si erschleht üch zü dem
ewigen tode! alle die in disem valle verendent, die müssent iemer buwen
daz hellesche rieh mit grosser arbait. und da von sont wir üns ziehen
von weltlicher girde, alz üns sant Augustinus leret.
Und sit wir niemer hailig mugent werden e daz wir gerainnet werdent 25
von disen fünf Übeln, so sont wir allen ünsern fliss dar zü keren daz wir
gerainnet werdent zem ersten von den sünden; won alz dü mur schaidet daz
dishalb und enhafb ist, also schaidet dü sünde Got und die sele. dar nach
sont wir üns och rainnen von der vinstri des ierrens, dü ist bezaichent bi
dem wölken (130iJ; won alz der bedeket der sunnen schin und ir lieht, so
also bedeket dü sünde die gnade des hjTnelriches, daz der mentsch ir nit
gesehen noch enphahen mag. wir sont üns rainnen von der glichi der bildnng
des tüvels. wir sont üns öch rainnen von der trugenlichen eben müsse der
3. u. w. d. m. s. gew. bcw. G, fehlt A. 7. selb fehlt G. 8. die AGZ, 9. wan
«inen g. an G. 10. üns] den mentschin . Intrüwon G. 14. üns] ünsir irloisunge G. vil
fehlt G. 15. nit harte w. G. 17. ist . de wir lazin sulne . 0 wir hailic werdin . die girde G.
19. nidir ucllin G. 21. ald fehlt G. 23 f. wir— girde] ir iveh z. On raine uO der welte-
lichir richait G. 25. daz fehlt G. 27. wan ze glichir wise als G. 28. der balp nfi
disehaip ist G. enhab A. dar nach fehlt G. 29. wir s. ü. o. rainen G. 30. der] de
wolke G. 31. sünde — hymelriches] vinstri des ierrodis die himilschun gnade G. 32. üns]
oucli G. 33. des tüvels] alse der tieuil dem mcntschin uir laitit . de er de gotliche licht niemir
beechowet G. üns fehlt G.
18. tcot
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204
53. Von de» mcntschen haiiikait.
geschäfte zü aim schepher. wir sont uns rainnen von der girde weltlicher
riehait. so wir von disen fünf Übeln geraint werdent, so sint wir hailig,
und sont dennoht hailger werden.
Saut Johansen dem erschain ain engel, do er waz in der tögni, und
5 sprach: 'schrib, Johannes: die da hailig sint, die sont noch hailger werden.’
nu sont ir merken: drier hant gedank die machent die sele hailig.
Der erst ist ain gedank den üns betütet ain hailger lerer, und spricht
daz ain ieglich gedank von Gotte machet die sele hailig. m[131 ‘/trüwen
dar an sont ir merken: alz vil der gedank an Got ist, alz vil wirt dü sei
io hailig. laider nu ist daz hertze so wilde und der gedank so witswaifig daz
ünser hertze selten mit Got ist. und so der mentsch ietz wünt daz er sin
hertz bi im habe, so hat es die weit umb swaifet, nu hin über mer, nu her
wider, und ist so wilde daz es niemer kan gerüwen. so man die metti an
vahet und der mentsch sin hertz uf hebet zü Gotte, e er iemer ainen vers
15 gesprechi, so ist es enweg und swaifet denn allumb die weit, und ist gerait
unz an die laus metti e es iemer wider an Got gedenki. und so der mentsch
an sin gebet kunt und er sin hertz an Got gesetzet, e er denne iemer
gespreche Pater noster, dü zwai wort, so ist aber daz hertz entrunnen in die
witswaifi. daz gebet machet nüt die sei hailig won alz vil der gedank
20 an Gotte ist. [131 7 die lüte die mit ir hertzen Got unhainlich sint, die
mugent des wol fürhten daz si der hymelschen hainlichi mit Gotte werdent
verschalten; und sol dar umbe doch nieman verzagen, sant Paulus sprichet
ain troschlich wort daz dü schoss der wilden gedenke der sele nit vil scha-
den tönt alle die wile untz es dem mentschen laid ist und in widerstat.
25 in trüwen, wie kurtz der gedank an Got ist, so ist er doch ain anvang der
süssekait. da von sprichet her Salomon von den bynlin, daz hat ainen
kurtzen flug und ist doch ain anvang der süssekait. ze glicher wis ist och
der gedank: swie er zem erst unstät witswaifet und wild ist, so ist er doch
ain anvang der süssekait.
30 Der ander gedank der die sele hailig machet, daz ist der fliss, daz der
mentsch allweg in dem fliss si. alz dik so im sin hertze entrinnet in die
witswaifi dirre weit, so sol er mit Hissendem gedank [131‘] daz hertze
wider bringen ze Gotte, und an Got betrahten sinen gewalt, daz er hymel-
1. aim] dem G. vns ouch r. G. 2. wil .4. 9. wirt ouch G. 11. so fehlt A.
13. wilde] wildir wit swaifi G. 15. ist denno gerait G. 16. mentsch fehlt G. 16. da
zwai] de aine G. 19. Intrüwo de gebet G. hailic] sielic G. 20. ir — sint] iinainne
herrin alsc unhainlich eint mit ir herein G. 24. widirstat . ufi de heree uon wit swefi an got
wirfit G. 25. doch fehlt G. 26. her fehlt Q. den bynlin] ainö uogil der haizil d«
bin G. 27. ain fehlt G. 28. witsw. u. w.] ufi wit swaife G. er doch] doch .4, er G.
32. so — gedank] mit nliezzinden gedanke . de es denne GZ. flissen dem, abgesetit
wegen eines Loches im Pergament A. 38. vfi sol a. g. b. G.
5. Apoc. 311, 11. 13 u. 16. metti ist das kirchliche Breviergebet derhtatutin, lau» metti das
der Landes. 23. cgi. oben S. 27 Z. 29 f. 26. Beeil. 11, 3.
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53. Von dos mcntschon liailikait
205
rieh und ertrich und alle creature hat geschaffen von nüti, und daz er mit
sim gewalt Allü ding hat geordnet ieglichs nach einer rehten Ordnung, und
sol denne betrübten sin güti, du in betwang daz er in dis weit kam uns ze
ainem löser. intrüwen, swenne der mentsche in sülicher betrahtung flissek-
lich bestät, daz muss mit grosser arbait beschehen und muss vil sere über 5
den lip gän; swer in disem flisse ze allen ziten sin betrahtung flisseklichen
bestät, daz muss mit grosser arbait beschehen, und nach dem flisse enphahet
du sele gütlich süskait da von sprichet der wissag: 'ich gedaht an Got und
kam des Überain daz ich niemer wil erwinden e ich kum in sine jüngsten
hainlichi’. intrüwen, im waz da naiswaz widervaren dar nach im also not io
wart, er sprichet aber daz er sich [131* ] vil wunder sere dar nach müste
arbaiten mit dem flisse, denn wirt dü sele süsseklichen getrüstet. nnd der
fliss machet die sele hailig.
Der drit gedank ist ain frigü durch gesiht, dü mit wundrung wirt ge-
henket in den Spiegel der wishait. daz er sprichet ‘ fri % dar an sont ir mer- 15
ken daz der gaist reht fri müss sin von allem kumber, und sol also fri sin
daz er nit betrübet werde von des libes nature, won da müss aintweders
sin: daz des libes nature reht tot si, daz der gaist von im niemer werde be-
trübet, oder daz aber der gaist alz stark si daz er niht alite uff des libes
krankait. swenn daz geschiht, so ist der gaist fri. dar nach gat dü durch 20
gesiht, daz ist also daz denn der gaist in der girde beschowet den Spiegel
der wisshait; daz ist ain friü durgesiht: so der lip den gaist nit betrüben
mag, so hebet er sich denne über Allü ding dü [ 132 */ under Got sint, und
beschowet denne an im sin gewalt, sin wisshait, sin güti, sin schöni, vröd
und ewekait, und wirt mit wundrung gehenket in den Spiegel der wisshait, 25
und wundret sich sins grossen gewaltes, sin tüffen wisshait und siner un-
zallicher güti, daz si der so vil an im vindet und des noch tusentstund me
ist, des si vor vili nüt begrifen mag und ir der gebrest nit we tut. mit
der wundrung wirt der gaist erhängen in den gütlichen Spiegel.
1 f. daz — gewalt) sol denne betrahton den gewalt (/. diu wishait) . de er mit siner wis-
hait G. 2. Statt sim gewalt i rürde man aus theolog. Gründen siner wishait erwarten. geord.
nnde ielichiz in sinir G. 4. iriAeere . Indise (An d. Z) betrahtunge sol der mentsche allin einen
vliz kerin . de sin herze allewege an got betrahte G. 4 f. etlicher — bestütl disim vliz vl. stat G.
6 f. flisseklichen — beschehen] an got iait G. 8. s. die gotlicliun G. vor ich] Donec in-
tretn etc. G. 11. nach wart] de er 8 niemir wolti irwindin . 8 er k5me indie jungestun hailkait
gotis G. 11 f. dar — denn] mftz arbaitin . £ er zeder hailkait käme . Dn darumbe so) sol sich
der mentsche arbaitin . mit dem ulize der betrahtunge . wan nah der arbait G. 14. gedanc de
ist G. 15. daz er spr.) Nu merkint diu wort . ain vriv durhgesiht G. 17. da] der G.
18. si od' dz AG. 20. gaist] mcntsch G. 23. er s. d.] sich der gaist G. 24. im — sch&ni]
got den g. uli die w. uli g. uli schonhait G. 26. sin) sinir G. 27. daz — vindet] und wnderot
sich de si so uil güti uli wishait . an im het begriffin G. 29. g. Spiegel] spiegil der wishait G.
8. Ps. 72, 17.
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206
&3. Von des mcntsclien hailikait.
Nu spricht sant Bernhart von vier beschöwden die du sei an Got be-
schowen sol.
Du erst beschöwde ist sin gerillte, daz sol man an den dingen beschowen
daz er aim kindlin liymelrich git, so es erst geboren und getöffet wirt, ane
5 dienst und ane aller schlähte arbait; und ain andern, der liht vierzig jare
Got hat gedienet mit ar/i<?2‘/baiten, die vallent an iren jüngsten stunden nnd
werdent verlorn. öch geschiht daz vil daz mänger sin tage ain grosser
sünder ist gewesen, und an sim ende git im Got also grosse rüwe daz er
behalten wirt. dis ist alles ünsers herren tögenlich geriht. disü beschöwde
in wirt an gevangen in vorhte und wirt geübet mit lobe und wirt vollebraht
mit wishait und wirt behalten in der demütkait.
Dü ander beschöwde ist an Gottes güti, daz der mentsch sol beschowen
alles daz im Got ze gilt hat getan, und dü beschöwde raitzet in zü Gotte;
won enkain mentsch ist dem Got so lützel gütes hab getan, und erkanti
l» daz rehte, es müsti in minnen von allem hertzen. da von sprichet der
wissag: ‘herre, wie sol ich dir gedanken der gnaden iemer die du mir hast
getan?’ her Job sprichet; 'herre, ich enmag dir niemer vergelten daz dn
mir gegeben hast, [132c] engegen tusenden so enhab ich dir nit ains ze
geltenn’. nu sehent, der wraz ain rieh man und hatte groz gilt und hatte
2« doch wider tusenden ains nit ze gebenn!
Dü dritte beschöwde ist züversiht des lones, dü bringet stäte Übung der
tugend. da von sprichet sant Jeronimus: ‘dü züversiht dez lones machet die
bittrun arbait süsse und die swüren burdi liht’. intrüwen, swer denn kum
arbaitet, der gange in dis beschöwde, da wirt er getröstet von dem süssen
24 lone der nach der arbait gat.
Dü vierde beschöwde ist dü hoch magenkraft. da sol dü sei betrahten
wie alle engel, Patriarchen, propheten. zwelfbotten, martrer, biliter, mügde
und alles hymelschez her ieglichs sinen sundrigen Ion und vröde hat an der
magenkraft. in dirre beschöwde sol dü sele gan von aim zü dem andern
au und sol beschowen wie der engel ist geschaiden von [132d] dem mentscheu,
der mentsch von dem engel, dü magt von der witwen, der martrer von dem
bihter, die byschof von den martrern, und ist iegliches sunderlich gesundret
mit sim sunderlichen lone nach sinen werchen, und hant doch alle ain ge-
mainen Ion. denn sol dü sele betrahten wie ünser herre aim ieglichen engel.
1. spricht] schribit G. 3. sol man] sunt ir G. dem dinge G. 4. de himilriche G
fl f. der nallit a. sinir j. Stande n. wirt v. G. 7. alle sine tage G. 8. gewesen fehlt G.
13. und fehlt G. 14. gfttes] gnadon G. 15. daz] oz si G. in] got G. alll
sinim b. G. 17. Also sp ehit h. J. G. 18. tusinden die du mir hest getan . so G.
18 f. ze g.] geltenn A, ze gebinne G. 21. b. de ist G, ebenso 26. 27. engil . die p. die pr.
die zw. nnd alle m. ull die raine ma-gede G. 28. sind Ion . vfl sine sundiriiehe vt. bet . a. d.
grozun G. 32. die] der G. dem mnrtirer G.
16. Ps. 115, IS. 17. Job 9, 3; vgL oben S. 197 Z. 15. 26 f. vgl. unten S. 218 Z. 15 ff.
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53. Von des men tischen hailikait.
207
ieglicher sele gemasset und beschaiden hat sanderlichen Ion in gemainem Ion
an der hohen magenkraft. und daz sont ir wissen daz da enkain sundrung
noch enkain schidang ist, won an dem lone daz da ain ieglich mentsch Ion
enphahet nach sinen werchen. da ist der engel bi dem mentschen, da gat
du witwe zü der mägde, die martrer zü den bihtern, und alles hymelsclies 5
her gand alle zü enander und under enauder, swie si went oder swie sü
lüstet; da ist enkain sundrung, [133 “] won swer Got aller seiest hat ge-
minnet, der siht in dört aller luterlichost. dis beschöw’de bringt der sele
girde nach der hymelschen vröde. da von spricht sant Anshelm: ‘o vil
hailgü angesiht, du bist ain völlu für und ain obrostu wolnust und ain io
vollkomnü girde’. intrüwen, nu mag du sele nit allweg in der beschöwde
sin. si müss och her nider varen in die helle und da beschowen unsere
herren rehtekait an der quäle und an der not der armen sele, und sol er-
bärmde der über han. denn sol si beschowen alle creature und sol erkennen
daz üllü ding von Got sint und wie Got an allen dingen ist, und in dirr 15
beschöwde sol si Got loben und erkennen an aller creature.
[54.] Von gatschlichem leben.
[lila autem que sursum est Jherusalem, libera est, que est mater nostra.J
‘Jherusalem, du da obnan lit, du da fry ist, du ist unser müter’, spricht
sant Paulus. 20
Dis ist gespro/i33*/chen von der himelschcn Jherusalem; und sint vier
ding dar an. daz erst ist daz si hoch lit, und da von ist si sicher; daz
ander ist daz si fridbar ist; daz dritte daz si fry ist; daz vierde daz si
unser müter ist da bi merkent minne, won daz ist von nature daz du
müter minnen müz, si welle oder enwelle. und an den Worten merkent wir 25
daz och minne da ist zü der hymelschen Jherusalem. wir mugent es dar
1. uz geschaidin G. gemainC A. 3. enkain fehlt G. 6. zii c. u. fehlt G. 7. serost]
kreftelicbist G. 8. ln dfirt) got G. 9. sant fehlt G. 10. w. un bist ain G. 11. girde .
0 girlichiz antlüte . uü vrolichiu girde G. der] dirro G. 12. hello un müz da G. 13. sol
der mentsebe erb. G. 14. sol si] soltn G, ebenso 16. solt erk. G. 15. an] in G. ist . vfi
wie ieliii dinc von got geulozzin sint . und ouch widir zn im vliezint un G. 16. und — crea-
ture] an allir creature . und solt got irkcnnl an allen dingin G, darauf Z: de wir de Bchowen
werden dez helfe vns got amen. 17. Überschrift fehlt G WH, Dis sprichit Santo paulus (rot) Z,
Des sundages tzo halff vasten Phil!. 18. Der lat. Text fehlt A. In illa GZ. 19. Alsus
sprichit sanctus paulus . Jh. GZ. 1 9f. spr. s. P. fehlt GZ. 21. Diz wort ist GZ. von
d. h. fehlt A. 21 f. und — daran) Nu merkint Wer dinc GZ. 23. dritte ist de G. vierde
ist de G. 25. mfitir ir kint m. G. dem worto G.
17. Das Stück findet sich in G Bl. SP’, Z Bl. 67“, H Xr. 12, W Bl. 101, N Bl. 105-, Phill.
Bl. 134h ; fehlt Arundel. — Vgl. dazu Schönbach , Über eine Grazer Hs. lat. deutscher Predigten.
S. 101 Xr. 105. 18. Galat. 4, 26.
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208
54. Von gaisehlichem leben.
an och wol merken, won da so ganzü vrüd ist, da müz och minne sin; won
enwäre da minne nit, so müht och gantzer vrüden da nit sin.
Nu liset man och daz bi Jherusalem bezaichent ist du cristenhait. und
da von sprichet sant Johans in Apocalypsi daz er sach ain nüw statt, du
5 hailig waz und gezieret waz alz ain brut engegen aim brütgom. dis be-
zaichent du hailig cristenhait; du sol gezieret sin alz ain brut engegen dm
brütgom; wan dü cristenhait ist du brut, und unser herre ist der brütgom.
nn wie sol disn statt gezieret sin? [133’J reht alz dü hymelsch Jherusalem.
und des hant wir urkünde in hem Mooses büchen; da liset man daz ünser
io herre zü im sprach, do er in daz tempel hiez machen und er im seit wie
er es solte machen und zieren mit schilten und mit umb hangen , do sprach
er ze jungst: ‘mache alles daz du an mir sehist, uffe dem berge', dis be-
tütent die lerer und die maister also daz dü cristenhait ist bezaichent bi
der hymelschen statt.
15 Aber sunderlich und usgenomenlich ist gaischlich leben bezaichent bi der
hymelschen Jherusalem. Jherusalem sprichet reht ‘ain gesiht des frides’, daz
ist gaischlich leben; won da enist niht won fride. und sol da nit sin un-
fride; won swa nit fride ist, da enist öch Got nit sit nu Got niena wil
sin won in dem fride, spricht sant Augustinus, swer denne fride hat, der
2o haisset und ist ain sAlig mentsch, won er hat Got; der aber [133*1 an frid
lebet, der ist ain verfluchter mentsch, und ist Got von im geschaiden.
An vier dingen ist gaischlich leben glich der hymelschen Jherusalem.
Daz erst daz ez hob ist, und ist da von sicher, gaischlich leben ist wol
gelich der höhi, won ez ist erhaben über ällü irdeschü ding, sant Bernbart
25 spricht: ‘gaischlich leben ist reht ain mfissekait und ain rüwe nach Gotte ze
gedenkenne, won gaischlich leben ist reht ain leben des contemplierens’. daz
wort betütet üns ain hailig man und ain lerer und spricht: ‘swer contem-
plieren wil, dez reht ist daz er mit stdter Übung in frier durch gesiht si
Got schowe in dem gaist, und daz er mit wundrung werde geheftet an die
so gütlichen süskait'. nu sprichet sant Augustinus von der sele daz si statt hat
zwischent Got der ob ir ist, und der creatur dü under ir ist. si ist alz edel
[134’ J daz nilites niht ob ir ist won einig Got. nu sprichet er: ‘swenn si
sich bekeret über sich uf engegen Gotte, so wirt si entlühtet und wirt gf-
2. och — sin] niomir ganzfi uroudc da werdin G. 3. dv A. 4. spr.) scbribit 0.
daz er] Vidi ciritatem sanctam etc. Ich G. 4 f. dfi wc h. nnd wc g. alse G. B f. eugegrt
— brut fehlt A. 8. nu fehlt G. 9. büche G. 11. machen und fehlt G. 15. be-
zaichent bi] gelich G. 16. reht fehlt G. 17. enist] inne ist G. 17 f. unfride] wan vride G
18. vor sit] Swi denne vride ist . da ist o'ch got G. 19. denne fehlt G. 21. der i*j
d. haizit G. geschaidin . vndo wirt ewichliche von ime geschaidin G. 23. erste ist daz G.
o'ch da von G. 26. g. leben fehlt A. 27. man u. ain fehlt G. 29. daz fehlt G.
SI. der o. i. ist fehlt G. dfi u. i. ist fehlt G. si] wan dfi sele G. 32. si] dfi sele G.
33. gotte der ob ir ist so G. 33 f vnde gebraitet G.
4 Apoc. 21, 2. 12. ExOd. 25, 40. SO f. vgl. oben S. 190 Z. 25 ff.
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54. Von gaischlichem leben.
209
braitet und wirt volbraht; swenn si sich aber her nider keret engegen der
creatur, so wirt si erblendet und wirt gebösret und wirt zerstöret’, und alle
die sünde die wir tünt, die geschehent dar an daz sich der mentsche von
Gotte keret an die creatur; won stündi du sei alweg in ir statt entzwü-
schent Got und der creature, so gesündetint wir niemer, won sich denn du 5
sele her nider keret und sich naiget an die geschephte, dar ane geschehent
all sünde. da von sprichet aber sant Augustinus: ‘went ir wissen waz sünd
ist, daz ist daz sich der mentsche keret an zerganklich güt der creature
denn an daz obrost güt, daz von im selben güt ist, won ünser herre Got ist
aller ding /134‘ ] güti’. und spricht aber sant Augustinus: 'ich erkenn wol io
daz ich gesündet han da mitte daz ich an der geschepfte süchte daz ich an
dem schepher solt gesüchet han. ich süchte vröde, wolnust und güti an der
creature, daz solt ich han gesüchet an dem Ursprung alles gutes, daz ist
Got’, sprichet er, ‘der ist vrölich und gelustig*. als sprich ich: swenne sich
dü sele genaiget under sich an die creature, so wirt si erblendet, daz si 15
die creatur minnet durch ir güti, und vergisset da bi dez besten gütes, von
dem aller ding güti geflossen ist. si wirt gebösert och also daz si sunder-
lich wollust süchet dar an daz selb nit vröde hat noch wolnust si wirt
öch zerstöret, won alle die tugend die si von dem obrosteu güt enphangen
hat, die werdent zerstöret, also sprichet sant Augustinus: ‘ich vand mich 20
selben daz ich verre von Got gevallen waz’. nu sprichet ain hailger man
über daz wort daz Got enhain ding [134'] von der sei schaidet won
höbet sünde: ‘so wirf die höbet sünde von dir, so ist Got aber bi dir’, reht
alz er spreche: swer än höbet sünde ist, der hat Got won Got hat die
sele also liep daz er sich niemer von ir gänzlich geschaidet won von 25
höbet Sünden; swenn dü geschiht, so mag er da nit me beliben. so sich
denne dü sei genaiget an die creature und Got versmahet und ir selbes
wirdekait, so sol si widerkeren und sol sich vinden in der beschöwde und
sol sich erkennen daz si gesündet hat, alz er da vor sprach: 'ich erkenne
daz ich gesündet han, daz ich mich von Gotte kerte an die creatur’. und so
so sich denne dü creatur vindet daz si von Got gevallen ist, so sol si
wider keren und sol sich an daz obrost güt heften, von dem si gevallen
waz, und sol denne vast stan in der statt entzwüschent Got und der
creature, und sol denne uf heben ir liertze und ir creatürlich giide und irs
hertzen ögen in dem cxmtemf 134 */plierenn , und sol Got an sehen, der ain S5
güti aller güti ist und von dem &llü güti flüsset. so si in denn an gesilit
S. gescbchint alle dar an Cr. 6. keret u. eich fehlt G. b. m. tue kerit G. güti G.
9. got der ist G. 12 f. vro'dc vndo wollust a. d. er. vnde güti . daz solte i. süchiii G. 13. gv-
chet A. 14. ich denne . swenne G. 16. da bi] andirre güti G. IS. noh wollust . wan nine
entlehinde wollust O. 20. sprichet A. 23. so — sünde fehlt A , Abir (i. Übir) daz wort spri-
chit s. Augustinus so w. d. ho’b. s. G. von] abi G. 25. ir] der sele G. 26. so sieb]
Swenne sich G. 31. creatur] sele besser G. waz G. 33. der st.] ir st. G. 34. creatür-
lich fehlt G.
Ovotache Text« 4m Nittel eitern X. 14
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210
54. Von gaischlichem leben.
und sich an in geheftet mit dem willen daz si ierner an im haften wil, dar
nach heftet si sich an Got mit wTindrung siner gilt! und siner wishait und
sins gewaltes, und wirt denne erlühtet von der vinstri der Sünden, da von
si waz erblendet, du vinstri wirt erlühtet mit dem liehte siner schönnen
5 gothait und wirt gebessrot mit siner gnade und wirt voll braht mit siner
friun güti. nu sprichet sant Bernhart: 'mentsch, wilt du mit Got haimlich
sin in der contemplacion, so solt du mit dim hertzen gerne aine sin und
solt Ällü ding von dim hertzen schaiden won Got allaine. wie reht nütz daz
si, daz waiss ich wol’, sprichet er, 'won ich han es dik befunden’, dar umb
io sont ir üch flissen daz üwrü hertzen lidig sigint, [13 5‘] swenn ir Got
schowen wellent in der contemplacion. won ze glicher wis alz die ogen ge-
ierret werdent von den wölken, daz si nit gesehen mugent der sunnen lieht,
also ierret kumber und zerganklich ding die sele, daz si Got nit beschowen
mag in der tögenlichen beschöwde. dü sei sol allein mit Got bekümbert sin
15 und mit tugenden und sol betrahten wie si in allem irern lebenn Aliü ir
werch mit tugenden volbringe, und sol Got erkennen und loben an aller siner
geschepfde. liie von ist gaischlich leben gelich der hohen statt Jherusalem.
won alz dü bymelsch Jherusalem erhaben ist und geschaiden von dem ert-
rich, also sol der gaischlich mentsch erhaben sin und geschaiden von allen
2» irdeschen dingen, und da von won disü statt hoch ist, da von ist si och
sicher, swer uff dem ertrich belibet, der wirt entrainnet; swer sich denn
hin uf hebet, der blibet [135h] raine; swer och denn rain ist, der biibet in
sicherhait gaischlich leben und hymelsch leben sind reht niftlen. si hant
vil nach glich namen: celum et celia, und sint och glich an den dingen die
25 dinne sint, der hymel haisset dar umb ain hymel won er ist gesundert von
dem ertrich. also sundret gaischlich leben den mentschen von der weite und
von allen bösen dingen die in der weit sint die engel sint loonende in
dem closter alz in dem hymel, und wil daz sprechen daz daz unmuglich ist
9. vnde dar umbe G. 10. üwir beree I. Bi 6. 11. die fehlt A. 16. mit tug.
fehlt Q. volbringCt A, volle bringe G. boI — und] »wie si got irkennet inallen dingen,
dü man geho'rin aide geaehin mack . dar an sol ain gaistlich nienschc . vnde ain sxlich mensche
allin »inen kumb' legen . vnde sol got G. 19. allen fehlt G. 22. hin fehlt G. 23. vor
gaischlich] Nu sprichit . s. B n. daz gaistlich lcbin ist gelich der himilschun stat . vnde spricbit G.
vnde daz h. G. 24. celü AG, cclTv Z, celia H". 25. wände er virbirget . vnde ist G.
26. sundret g. 1.) ist g. 1. sprichit er . daz virbirget vnde sundirot G. 27. vö ende A.
27 f. die engel — sprechen] Wan gaistlich lebin sprichit er ist rebte ain müzichait . nah gotte ze-
gedenkinne daz ist ain reht werck übir ellfi werck daz man gotte ane hafte mit gelüste . vnde
mit begerunge . also daz der mensche enbain dinch minne noh Wollust sücke . noh haige . wan
ainigun an gotte . vnde ellü dinck in gotte . vnde dur got . vnde swenne daz geschiht sprichit er .
so wil ich dar baltliche sprechin . daz die engil wonende sint in der cclle . vnde in deine do’stir
alse indeme himile . Div (sv Z) vamt von deme gebete mit deme gaistc in den himil . vnde abir
widir . vnde wil daz sprecht sprichit er G(ZW). 28. ist sprichit er G.
6 f. vgl, oben S. 33 Z. 8 f.
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54. Von gaischiichem leben.
211
daz dehain mentsch uss dem closter ze helle vare; und wil üch sagen war
umbe: ist joch dehain bös wiht drinne, der dem tüvel ze taile werden sol, der
mag da niht bliben untz an daz ende, won Got wirfet in us. und blibet
nieman drinne untz an sin ende, won der er weit ist von Got. won alz der
kirker ist dem gevangnen, also ist daz closter dem der ungern drinne ist, 5
und ist im du [13 5’] zelle alz dem lebenden mentschen daz grab, der aber
gerne drinne ist, dem ist es ain blügendes paradys. und da von ist dii
hymelsch .Therusalem glich dem closter.
Daz ander dar an daz closter glich ist der hymelschen statt, daz ist
fride. nu sint drü ding, du hant frid zerstöret, daz aine ist ungelichi dez io
gutes, daz ainer me hett denne der ander, und ainer ze vil, der ander ze
lützel. daz ander ist missehellung des willen, daz dritte ist ungelichi der
Sitten, disü drü ding sint von gaischiichem lebenn geschaiden; won waz
dehainen unfrid gemachen mag, daz ist alles für sehen, daz güt ist gemaine,
und git man ieglichem nach siner notdurft, won ungemaini dez gütes machet 15
unfrid. also sprichet ain wiser man, Seneca: ‘der üns nit won zwai wort be-
näme, so wärent wir alle mit fride, daz nieman spräche: “dis ist min und
dis ist din”!’ won [135*] nu der frid da von zerstöret wirt, so sol in
gaischiichem leben allez daz gemain sin daz si hant: swaz aines ist, daz daz
si ir aller; und swaz ir aller ist, daz daz si ains ieklichen. man liset in 20
der zwelf botten büch: ‘do sich dü cristenhait zem ersten hüb, do kament si
alle die sich bekertent zü den jungem, und brahtent allez ir güt und laitent
ez zü der junger füssen, und tailtent si es ieglichem nach siner notdurft’.
und also sol ez noch sin in gaischiichem leben: da ensol nieman haben de-
kain aigenschaft und sol allez gemain sin. nu welli Got daz ez also si! daz 25
ander ist missehellung dez willen, daz ainer nit wil daz der ander wil. dez
enist och in gaischiichem leben nit und sol och nit sin, won si hant iren
willen gegeben in ains andern willen und dem gehorsam ze sin an Gottes
statt, da von sprichet sant Augustinus: 'dis ist a]lai/f36"/ne rehtü gehorsami,
dü weder willen noch Unwillen hat’, der mentsch der ainvaltklich gehorsam so
ist, der wirt engegen Got andähtig und wirt an sinen werchen demütig und
wirt an allem sim leben ain minnsam geselle allen den die mit im wandient.
1. wil ü. s.) sagen iv G. 3. won G.) got der G. 3 f. und — sin] wan ez ist vn-
mugelich . daz dehaine belibe in deme clo’Btir unz an daz G. 4. wart G. 5. kArkcr ist
ist A. gcvagnen A. S. aime elo’stir . vfi bain rehte aine nüftilnchaft vndc hainlichi zain andir
dur die gelicbi dez lebinnes G. 10. a. ist] aine A, ist G. 11. nil vnde der a. G. 15. siuen
no'tdürften G. 16. won zwai zweimal A. 18. sol] ist G, darum fehlt 19 Bin, 1 9f. daz
daz si] daz ist beidemal G. 21. der — bäch] aetibns apostolorum G. 22. alle zä den j. die
sich zer cristenhait becherton . vnde G. allez] alle G. 23. sinen no'tdöiften G. 24. sol)
ist, darum fehlt sin G. ensol n. h.) enbet nieman G. 25. und — si fehlt G. 21. und —
sin fehlt G. 28. andern fehlt fälschlich G. 31. demöticliehe undirta-nich G.
21. Act. 4, 32 ff. 29. vgl. oben S. 112 Z. IS ff.
14 ‘
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212
54. Von gaischlichem leben.
daz dritte ist ungelichi der sitten. und daz ist in gaischlichem leben nit.
won si habent und sont lian glich sitten: sament uf stan, sament nider
gan, vasten glich, essen glich, man list in der zwelfbotten büch daz si
hattent alle ain sele. daz ist alz vil gesprochen alz ain gemüt«, daz si
5 alle ainen willen und ain gemüt hattent in Got. also sont och all gaisch-
lich lüte ainen willen und ain gemüt han in Gotte, und sol sich ain ieglich
brüder flissen den frid ze behaltenn mit den andren brüdern. swenn si
denn in dem frid sint, so sint si in Gotte, nu spricht sant [136"] Augu-
stinus: 'ich wil üch sagen waz frid ist frid ist ain luterkait der sinne, ain
io senftekait dez gemütes, ain ainvaltkait dez hertzen, ain bant der minne,
ain gesellschaft der liebi. frid benimet krieg und schaidet ürlüg und stillet
zorn und drittet die hohfart under sich und hübet den demütigen, si ge-
stillet misshelli und sünnet vigintschaft ze früntlicher liebi, und allen luten
ist ez gevellig. frid engert, nit frömdes und behaltet nit aigens. frid wil
15 nit hohfertig sin. swer frid habe, der gehalte in’, sprichet er, ‘swer sin
nit habe, der süche in; won swer an sim ende fanden wirt üne frid, der
wirt vertailt von dem vatter und wirt enteret von dem sune und wirt
geschaiden von dem hailgen gaiste’. nu sont ir (ich flissen daz ir rehten
frid behaltent; won hettint gaischlich lüt unfrid, daz wäre in ze wissenn
20 me denn andren lüten, w'on si der ding nit hant du den un [136 ‘] frid
machent, nu mag das kum sin daz der mentsch frid muge haben und be-
halten mit andren lüten, man behalte in och an im. und dar umb sol sich
ain ieglich brüder sunderlich dez flissen daz er den frid behalte zem ersten
mit siner maisterschefte und dar nach mit ieglichem brüder sunderlich: won
25 alle die wile so frid under in ist, so ist och Got under in; und so denne si
den frid verlierent, so hant si och Got verlorn. sant Augustinus sprichet:
'frid ist daz beste klainot daz Got uff ertrich ie gegab.’ und da von sont ir
üch ze allen ziten flissen daz ir den frid behaltent, den Got ainen jungem
gap. do er in erschain nach siner urstendi.
t. dritte daz ist G. ungelichi — 3 essen glich] gelichi d. ». daz ist o'ch in g. 1. daz sü
gemaine vnde geliche Bitte hant . sii stant samit vf . vnde gant »amint nider . »iv vaatent geiieh .
v-nde ezsint gelich . vnde aliiz daz siv tünt . da* tftnt alv in gemainime aitte GZ. 3. der —
daz] actibus apoatolorum von den iungiron G. 4. alz vil] also G. alz ain g.] ain gemfite . daz
ist also G. 5. och all fehlt G. B. Kitc fehlt A. 7. sweatir «. femininum durchweg auch
im folgenden 28. 24 G, broder Z TV ebenso 28. 24. 7 f den fr. — aint si] daz ai den vride be-
halte (behalten Z) mit dien aweatiron (andern Z\ vnde mit iegelichir aweatir (iegelichim broder Z\
enndirlich . so ir denne in d. fr. a. so aint ir G. 8. denn in fehlt A. 9. Fride daz ist G.
12. die demfttigen G. si] vride G. 13. afinnet] fftpit G. 18 f. v-nde ist a. dien
I. g. G. 21. haben und fehlt G. 28. de ai den vr. behalten Z. 24. einer] ir Z.
25 f. wile vnz (vnze ir Z) vride vnde liebi mit trfiwon vndir iv hant . ao i. g. vndir iv . vnde
alae ir den vr. virlierent . a. h. ir o’ch Q. 27. vf daz ertr. G. da von] dar vmbe G.
29. inen vor inachain G.
3. Act. 4, 32. 9 f. vgl. oben 8. 137 Z. 19 ff.
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54. Von gaischlichem leben.
213
Daz dritte dar an sich gaischlich leben gelichet der hymelschen Jhe-
rusalem, daz ist fribait. nu möhtint ir sprechen: 'wie möhtint wir ir geli-
ehen an frihait, wir sint doch me betwungen denn ander lute?’ nu merkent
drü ding dar an [136 a] wir sont sin fry.
Daz erste: wir sont fry sin an dem willen, daz ist also daz wir Got 5
sont dienen reht frölich mit rehtem fryem willen nnbetwungenlich. also spri-
chst sant Augustinus daz wir nit sont dienen alz knehte die von vorhte
dienent, wir süllent reht dienen von fryer minne, alz du kint du Got ge-
sundert und erwelt het von der weit blinthait. ir sont Got so frilich
dienen daz üch nnt so vast twinge zü sim dienst so sin wirdekait, sin io
schönhait, sin ewekait und sin fry güti. sit sin güti, sin wirdekait so groz
und so fry ist, so sont och wir im reht frilich dienen durch sich selben,
soltent wir da von niemer Ion enphahen. und wissent: swer Gotte dienet
also, der enphahet grossen Ion von sinen werchen und vil grösser denne der
von vorhten dienet, sant Paulus predigot ainest sinen jungern [137 °] und 15
sprach: 'liebü kint! lobent Got und dienent im flisseklich und andähtklich
mit grossem Hisse, und merkent waz schaden lieh da von widervert ob ir
ez nit tflnt in trüwen, er nimet üch die gnade und wisget üch dar umbe“.
Dü ander fryhait die wir gaischlichen lüte sont hau, daz ist daz wir
fry sont sin von jamerkait. nu merkent daz: waz jamerkait ist, daz kumet 20
von minnen. und sag üch wie: swaz der mentsch minnet in der witen
weit, dar nach hat ez och jamer, es si fründ . güt oder weltlichü vröde.
und kurtzlich gesprochen: swaz ez minnet, dar nach hat ez och jamer; won
wär es imme unmäre, so hetti ez kainen jamer dar nach, nu sont wir fry
sin von der jamerkait dirre uns täten weite, daz wir enkain ding sont minnen 25
so vil daz wir iht vil jamers dar nach habe, stirbet ünser [ 137 *] frünt,
wirt er gevangen oder erschlagen oder swie ez im ergät, daz sont wir allez
an Got lassen und sont Got über sü bitten; won swaz wir dar zü tätint, so
wir ez doch geschehen, und sol sich der mentsch denn demütigen under Got
und sol sinen willen in Gottes willen geben und sol gedenken: sit Got dis so
hat verhenget, so ist ez öch sin wille; swaz denn sin wille ist, daz sol och
min wille sin, won wie sere ez wider minen willen wär, so wAr ez doch
1 . dar an g. 1. gelich ist der G. 2 f. wie in 11 gen w. inen gelich ein G. 5. erste
ist G. 5 f. daz wir rehte von vrigen willen vriliche gölte sun dienon vnbetw. G. 7. vor
vorbten G. 8. ir sunt G. 1 1 f. sin güti vnde sin w. also groz ist . vnde G. 12. reht fehlt G.
12 f. gelbin . vnde s. w. o'ch niemir 1. dar umbe enpbSn von vnsim arbailen . vnde von vn-
sinne dienste . so soltin wir doch got iemir minnon . iemir lobin . gölte dienon dur sine vrivn
güti . Vnde G. IS. lan .1. 14. und v. gr. fehlt G. 16. spr. alsus G. 18. dar umbe .
vnde dar vmbe sun wir gotte gerne vriliche dienon G. 19. daz fehlt A. 22. ea si fr.] Minnet
der mensche vriundc aide G. 2S. gespr. sw. ez) swaz der mensche G. och fehlt G.
24. wir fry] ir daz merckin . daz wir vri sun G. 26. wir fehlt fälschlich G. 27. allez
fehlt G. 26. sü] ir selc G. 30. sol sinen] sinen G. 31. denn sin] denne gottes G.
82. sere] verre G. willen doch waere G.
16 f. vgl. oben S. U6 Z. 1 f.
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54. Von gaischlichem leben.
geschehen, und so ez der mentsch doch mit nüt erwenden mag, so sol ez
vil gerner durch Got ez lassen denn dar umb daz ez sin niht erwenden
mag. von dirre jamerkait sont wir gaisr/i liehen lute fry sin, also swaz uns
geschehe oder swie ez uns ergange, daz wir dar umbe nit jamerkait habent.
5 won alz vil so wir von der weite erhaben und geschaiden sint mit [137‘]
dem libe, also vil sont wir an tugenden und an hertzen gegen Got erhaben
sin. wir sint der weit tot und sint verworfen und versmähet von allen
den die die weit minnent. nu sont wir aber allen ünsern fliz dar zfi keren
daz wir in Got leben, also spricht sant Paulus: 'ir sont Got leben in dem
io gaiste und sont die weit versmahen, alz si ücä versmahet hät‘. swenn wir
die weit reht versmahent, so sint wir fri von jamerkait, so mugent wir
sprechen mit sant Paul: ‘uns ist du weit erhängen, und sint och wir ir er-
hängen’, rehte alz ob wir sprächent: uns ist die weit also bitter widerzäme
und alz unmäre an si ze gedenkenne und mit ir ze lebenne, alz mit dem der
15 erhängen ist, und sint och wir ir alz widerzäme und alz unmäre alz wir
erhängen wärent. sit si nu uns versmahet, so sont och wir uns ir beheren.
daz w'ir si iht minnent. [137*] daz ist hailgii hohfart, so sint wir fry von
jamerkait.
Dü dritte frihait die wir haben sont: daz wir fry sont sin von welt-
20 licher vröde, daz wir och ir iht gerent, und von wolnust dez libes und
von allen den dingen die uns ze schulden naigent. swaz wir och Sünden
habent getan, der sont wir öch fry sin. won swenne der mentsch die rüwe
hat daz im lait ist daz er Got ie erzurnde, und denne den willen
hat daz er sin sünde bihten welle, so enphahet Got sin rüwe und vergit im
25 zehant alle sine sünde. hant wir denn gebihtet und ist üns lait daz wir
Got ie erzurntent, und hant och dez güten willen daz wir ez niemer me
wellent getan, so sint wir fry von schulden.
So git üns Got och täglich krafte und sterki daz wir mit siner gnade
bestandent an rehtem lebenne und an tugenden werdent. gesterket, won dü
so werch [138*] dü von tugenden gant, da mit werdent die tugend all gefüret
2. lazin . vndc dur sine tvginde rehte vriliche . denne G. ez sin] erz G. S. dirrel
der G. gaistlicliin litte G, gantzlichen lut’ A. 5. von fehlt G. 6. an den t. u. an
deme h. G. 7. sin . Vndc alse wir in lio’hirme lebinne vor dien luten schine . also sun wir vor
gotte inhohin tuginden sehinen . Wir G. 10. v’smahc so sint wir fry alz si A. uns A,
iveh G. 12. üns] Dir (/. Mir| G, ebenso 13. sint — ir] ich bin der weite rehte G. 13. ob
fehlt G. bitter] gar G. 15 f. sint — wirent] bin och ich der weite alse umnacre vnde also
vngebüre alse och der irhangen ist G. 16. nu fehlt G. ir fehlt G. 17. iht fehlt G.
von fehlt G. 19. daz — vonl daz ist vri von schulden . daz ist wir sun vri sin vor girde GZ.
20. daz — gerent fehlt G. 21. sundon widir gotte G. 24. n och hat) de er ez niemir welle
getfin . so enphut in got . vnde virgit inte alle sine sünde . Ain hailigir man sprichit . Swenne
der mensche willin het G. 26. güten] statin G. nie fehlt G. 27. wir fehlt A. 2S. vns
och g. allir txgilich G.
9. im Anschtufi an I. Cor. 2, 12; 4, 13; l.Joan. 2, 18? 12. Gal. 6, 14.
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54. Von gaiachlichem leben.
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und wachsend, und sprechent die maister und die lerer: 'swer ain tugend
hat, der hab die tugent alle' . unser herre güzet die tugefit sament in die sele.
nu ist ain schidung entzwiischent den fügenden und iren werchen. du tugend
daz ist minne, so ist minne ain werch der tugend. also ist ez umb all
tugend; won ain ieglichü tugend hat du werch da mit si sich übet, und 5
von aim ieglichen werch da zü enkain tugend wirt fürbraht, da von wer-
dent die tugend alle gesterket und gefüret. rehte alz ir selient daz der
lip gesterket wirt von der liplichen spise die der mund enphahet, also wer-
dent die tugend all gefüret und gegossen von den fugenden iegliches werches.
die tugend sint alle gelich groz, si sint aber an aim schinbürr denn an io
dem andern, alz ir dik wol sehent [138*] daz ain mentsch besser Ist und
kreftklicher werchet mit sinen tugenden denn daz ander, dez tugend sint
6ch grösser, also won es si me übet, da von wachsent si. der och sin
tugend nit übet, an dem wachsent si och nit sit nu tugend alle glich groz
sint, so enphahent si och alle glichen Ion. und da von sont wir alle tugend 15
gern üben, won unser herre lonet üns gehorsami alz wol alz contemplierens.
er lonet demütkait alz miltkait und gedultkait alz w'ol alz gebettes, alz
andahtes, so wachsent si öch alle von ainer alz von der andren, und da
von mugent wir si öch alle gelich üben gerne. nu wünnent etlich lüte
daz Got enhain ding so liep si noch enhainer tugend so grossen Ion gebe 20
so contemplierenn und gebette und andaht dez enist nit er git ieg-
licher tugend glichen Ion, und da von sont wir gerne ieglich tugend üben,
und der die tugend [ 138' ] alle übet, der ist aller loblichest vor Gotte,
nu merkent zwai ding an der tugend und öch zwai an dem werch der
tugend. dü tugend tüt zwai ding in der sele. alz schiere so ünser 25
herre die tugend in die sei güsset, so ist daz ir erst werch daz si alle
höbet Sünde us wirfet; won höbet sünde und tugend mugent niemer enkain
stund bi enander bliben. swa och ist höbet sünde, da müssent die tugend
I. wahainde . vnde ainir iogclichir tuginde werch f ft rot die tuginde alle G. die 1. swer]
grozin I. daz die tuginde alle gelich sint an aime icgclichin mcnachin . Vnde swer och G.
2. alle — tugent fehlt A. 9. iren w.] den w. der tuginde G. 4. so i. m. fehlt A. 8. ge-
sterket] gef&rot G. 9. nach werches] vnde div tugint wirt niht allaine gemxret . vnde ge-
sterckit . div ir werck vbit . siv werdint alle mit ir gespiBct . also elliv div lit (gelit Z) von der
spise gef&rot werdint . die der munt deine libe git G. 10. groz an aime iegclichin menschin G.
II. ist denn« der andir . vfi G. 19. vor der) doch sint die tuginde alle geliche groz an
ime . vnde wahsint alle mit ain and' . vnde swer aine tugint übet . so wahsint siv alle mit der .
Der raenschc G. 14. alt nu] ist ain tugint groz an mir . so sint siv alle groz an mir . awie
ainiv an dem menschin ist . also sint siv alle . Sit dennc die G. 15. so — tugend] vnde siv
alle gelicliche Ion enphant . so sunt wir siv alle gelicüchc G. 15 f. alle gern tugend tben A.
17 f. miltkait u. alz ged. alz wol geb. a. and. A, gedulticbait . odir irbermichait . also wo)
so geb. aide a. G. 18 f. und da von] so G. 19. öch fehlt G. 21. vnde von gebette G.
er g. 1.] vnsir herre git vmbo iegeliche G. 22. da von] dar umbe G. ir G. 29. alle
gelidiehe ftbet G. 24. den werck in G. 25. tönt G. in fehlt A. 26. si zchant alle G.
27. wirfet] tribet G. tuginde die enmugen G. 29. stund] wile G. swa o. h. sint da G.
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54. Von gaischlichem leben.
entwichen, daz ist daz erste daz du tugend Bünde vertribet von der sele.
daz ander ist daz der Ion aller gemessen wirt nach der wizze der tugend: ist
du wizze so groz, so wirt och der Ion groz, won nach der grössi der tugend
wirt öch groslich gelonet. der tugend werch tünt öch zwai ding in der
5 sele. ains ist daz von ieglicher tugend werch die tugend alle werdent ge-
füret und gesterket und gemeret. und so der mentsch ie me die tugend übet
mit den werchen, so im Got ie me tugend und gnade git. daz / 138‘ j
ander ist daz dü selben werch die sünde tilgant, und minrent die wisse die
der mentsche solte liden umb die sünde; won daz müz sin daz ain ieglich
io mentsche allez dez gewisget werden müz daz es ie getet, aintweder hie an
dirre weit oder aber in dem vegfüre. swer denn dez vegfüres welle über
werden, der sol die tugend dik und vil üben mit den werchen, so wirt er
fri beidü von schulden und von wissen.
Daz vierde dar an wir glich sont sin ünser müter, der hymelschen
15 Jerusalem, daz ist minne, das wir alle enander müterlich sont minnen. ünser
hürr sprach zü sinen jungem: ‘minnent ir mich, so minnent ir alle enander;
minnent ir aber mich nit, so hassent ir enander’. nu wil ich üch drü urkünd
geben an der minne die ir zü enander ha//55"/bent. daz erst ist ob dir we
tüt dins eben mentschen kumber libes und g&tes und hertzen, und swaz im
20 wirret, daz solt du mit im tragen, also spricht sant Paulus: 'wir sint alle
der cristenhait gelider; und swaz mim eben cristen wirret, daz sol och mir
werren, sit er min gelid ist und ich daz sin bin’, also, sprich ich denne, sol
ain ieglich brüder mit dem andern liep und lait han, sit wir alle ains libes
sint. daz ist ain zaichen der minne. daz ander ist ob ich sin arbait trage
25 und im hilfe. also sprichet sanctus Paulus: 'ir sont enandren alle burdi tragen’,
über daz wort sprichet dü glose: * swenne dir din brüder sprichet oder tüt
daz dich betrübe, so solt du dergegen gedultig sin und solt gedenken er hat
ez von krankait getan; so er sich nu ietzent bedenket [13 9 ‘J daz er übel
hat getan, so wirt ez im lait.’ und also sol sich ain ieklicher erbarmen über
t. virtribent Cr. 2 f. nach — groz fehlt A. Statt wizze 2. S sollte man eher maze oder
grAzzc enrarten. 3 f. won — groslich] awio div wizze der ttiginde ist . also wirt dir G. 5. von
ainre iegeüchir ß. 11. weite mit güten werchin . aide G. 12. werdin zenrc weite . der so)
sine t. G. wirt er] werden wir ß. 19. dins e. m.] diner awestir «. im folgenden Femini-
num bis 217, 19 ß, dines prüder VT, diner swestir oder dines brod' Z. und gutes fehlt ß.
19. 20 im) ir ß, in Z. 21. eben er.) brädir aide miner swestir G WZ. 22. er] si Z. mir .4.
daz sin) ir gelid GZ. 22 f. denne daz ain iegclich swestir (brodir Z) m. der andirnn 1. u. L
sol han ß. 24 f. sin — hilfe] ir helfe ir arbeite tragin ß, ebenso Z, das demnach iiw Fcmintnuts
zurück fällt. 25. P. Alter alterius . Ir s. alle ainre andirre burdi tr. GZ. 26. brüder] swestir 0.
prüder TT, ebenso Z jedoch teiliceise mit folgendem Femininum. 27. dergegen g. s.) ir (sin Z)
kranchait mit ir Iso auch Z) tragin . daz dn da engegin gedniticb aiest ß. 29. ez ir vil lait ß.
iegelicb swestir ß, i. prüder W, ebenso Z. jedoch mit nachfolgendem Femininum,
16. Joan. 14, 21 ff.; 1 Joan. 2, 21. IS f. vgl oben S. 175 Z. 26 ff. 20 f. I. Car. 12, 26.
25. Gal. 6, 2.
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54. Von gaiscbiichem leben.
217
dez andern krankait und sol sin hüten mit Worten und mit weichen, won
er liht aines kranken hertzen ist von nature denn ain andre, da von sol
er sinen brüder sin krankait helfen tragen, daz ist ain zaichen gaischlicher
minne, die wir zü enander sont han. daz drit ist daz ich mins brüders
wunden hailen sol. daz ist also: swaz er tüt daz er nit tftn sol, dez sol ich &
in sträffen dar umb daz er gehailet werde in siner sele, und sol in alz
gaischlich minnen daz ich me minne sin sele denne sinen lip. und swraz in
an siner sele verwunden mag, daz sol ich im offnen, und sol ez dar umb nit
lassen ob ich mich versih daz er betrübet werde, won ich sol im me ahten
und an sehen siner sei schaden denn sines libes betrübde. also leret üns io
sant Augustinus, won ist [139‘J ez im joch zem ersten lait und betrübet in,
so er sich denne bedenket daz ez im nütz ist an der sele und daz ez durch
gfit ist beschehen, so ist ez im liep denne; won den mentschen betrübet
von mentschlicher krankait mänig ding daz im dar nach vil liep wirt daz
ez im geschehen ist. won daz du krankait der natur alz groz ist an den t&
mentschen daz ez ungedultig wirt, und verstat sich doch wol daz ez im
durch güt ist geschehen: die krankait sont wir alle an enander verstan
und erkennen, und sol dar umb enhainer den andern hassen, won er sin sele
lieber hat denn siuen lip, won dü minne ist reht gaischlich.
Xu merkent fürbaz: ' Jherusalem dü da obnen lit, dü da fry ist, dü ist 20
ünser müter’. dis wort merkent an die hv meistat zü der wir naiswenn sont
komen mit fröden. in der statt sint dü selben drü ding dü da vor bezai-
chent sint an gaischlichem lebenn.
Daz erst ist daz si hoch ist, und da von ist [ 139 *] si sicher, dü
Sicherheit dü in hymelrich ist, dü ist dar an daz dü sele von Gotte niemer 25
geschaiden mag werden, sümlich lüte sprechent, swa sich der gaist ze ainem
male hin Jcere, daz er da stäte belibe, daz er sich nit me muge gewandein,
und bewarent daz da mitte: do sich daz erst ürlüg hüp in hymelriche, do
kertent sich etlich engel an Got und etlich von Gotte, und also sü sich da
kertent, dar an sint sü stüte und gewandlent sich niemer me. nu ist der so
tüvel und die engel und dü sei glich an der natur; untz aber dü sei bi
dem lip ist, so kert si sich wol swar si wil; swenn si aber von dem libe
1. werchin . daz si ir vergebe . wan G. 2. aines fehlt G. kranckirs G. 3. er — tragen] ai ir
(si ir] ir swester Z) ir kr. h. tr. daz man si sol fibir sehin GZ. if. daz dr. — sol h.) Div dritte
minne ist daz du diner swester w. h. solt GZ. 5. swaz er] Swaz din swestir GZ. 5 f. sol ich i.
str.] solt du si rfigen GZ, 2. Person Singular bis 9. 6. an ir sele G. 8. solt du an ir offinon .
daz si gehailit werde . vndo G. 9. daz si da von betr. G. im fehlt G. 11. won] Div (I. Dv
mit Z) solt sprichst er diner swestir wndan offinon . dar umbe daz ir sele niht uirderbe in den sün-
don . vnde solt si also gaistliehe ininnon . daz (de du Z) me an solt sehin ir sele hail denne ir
libes betrflbide GZ. 15. den A, dem G. 20. Jherusalem fehlt A. 21. himilschun stat G.
26. lüte] roaietir G. 26. bewa»rint G. 30. stxte beliben vnde G. 31. der engil G.
3. vgl S. 175 Z. 7. 4 f. v gl. oben 8. 195 Z. 9 ff. 26 f. vgl. oben S. 54 Z. 31 ff.
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54. Von gaischlichem leben.
schaidet, so enmag si sich nit me gewandein denn der engel oder der
tüvel, also sümlich maister lesent und jehent. und swar du sei denn keret.
so si von dem libe geschaidet, da ist si stüte, won [140“] si mag sich
niemer me gewandein. swenn sich du sele an Got keret, so blibet si och
5 iemer an im stAt, won si nit ierriges hat noch widerheiliges von dem libe.
daz aber si alz unstAte minne hat untz si in dem libe ist, daz ist von
der krankait dez libes und von der liebi du zwüschent dem lib und der
sele ist. von der minne minnet dü sele allez daz dem libe sanfte tüt, und
da von mag si niht stAter minne han zü kaim dinge, won daz si allez
io dem libe nach hillet allez dez in gelüstet, swenne aber dü güt sei von
ir lib geschaidet, so keret si alle ir kraft und ir minne an Got, daz si
niht minnet won allaine Got und in Got Allü ding würket; denn ist si
sicher daz si und Got niemer geschaiden werdent, und von der sicherhait
so wirt si Got ie me und ie me minnend.
15 Daz ander daz [140*] da ist, daz ist gantzer und stAter frid; won da
ist dekain ding daz unfrid mache, dü hymelsche fröde ist gemain allen den
die da sint, daz ist dü gütlich angesiht. da von spricht sant Ansheini: ‘alle
hymelsch burger hant fröde an Gottes angesiht; sin antlüt ist schöne und
gelustig an ze sehenne'. daz antlüt und dü fröde ist gemain allen engein.
20 allen hailgen, allen sAlgen seien und allem hymelschen her, und ist
ieglichem sin Ion sunderlich geordnet nach sinen werchen. also sprichet ain
hailig man: ‘Got taillet sich ze hymelrich aim ieglichen nach sinem willen
und nach den werchen’. daz sont ir nüt also verstan daz da von ieman
unfrid habe, won er taillet sich nit also daz da ieman si der sin nit
25 habe, er git sich ungetailten ainer ieglichen sei sunderlich, und swie vil sin
ain ieglichn sei hat, so hant die andern sin doch [140'] dester minder nit;
won hette ainü Got allen und dü ander nit, so möhti da niemer frid wer-
den. Got git sich ungetailten und gantzen ieglicher sei und alz volleklich
daz ir girde wirt erfüllet; won dü sele hat daz von nature daz si enkain
I. gcw. vmrac mime Z) denne G. 2. lesent und fehlt G. 3. da i. si) dar an biiibet
»i iemer me G. 4. got denne k. G. 5 f. won — aber si] ane ende . vnde wan a. n. irrodii
noh widir heiliges ket v. d. I. vnde si »ich rchtc samintheftieh mit allen ir kreftin an got keret .
so minnot si in also krcfticliche . daz ei niemir von ime gcechaidin wirt . Daz div sele G.
<>. in) bi G. 8. aJliz daz daz G. 12. wfirket fehlt G. ist si] wirt si rehte G.
13. gesch. w.) me gesch. sol werden G. 14. minnente . Vnde daz er sprichit daz div stat boh
ist . daz sunt ir merckin an der minne . Wan div minne die div sele zegottc denne hat . div ist
verre übir menschliche kraft vnde von der minne Bichirhait ist ei iemir sichir . bi gotte ze be-
libinnc . div stat ist wol hoh . vnde ganzir Bichirhait G. 18. Gottes] vnsirs herrc G.
19. gelustig an] ist lustlich an ze scho’wenne . vnde G. 22. iegelichim menschin G. 23. den!
dez menschin G. 24. dehainen vnvride G. won er] Got G. sin] gotte* G. 25. er]
got G. ainer fehlt G. iegelichir G. 26. so het sin div andir deste m. n. G. 27. ain
sele got G. 28. und alz] sundirlichc also G. 29. girde mit ime wirt G.
15 f. vgl. oben 8. 65 Z. 10 ff. 25 f. vgl. oben 8. 16 Z. 27 ff.
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54. Von gaischlichetn leben.
219
ding erfüllen mag won allaine Got. und da von spricht sant Anshelm:
'üwer seien hat gedürstet nach Got dem lebenden brunnen. nu haut ir in
begriffen, nu trinkent also vil alz ir went und also dik ir went, üch sol sin
niemer me gebresten, und sol üch doch iemer dürsten nach im. ir sont in
iemer eweklich mit süsser girde niessen, und sol üch sin doch minneklich ge- 5
lüsten, ir sont sin ze allen ziten satt sin , und sol üch iemer nach im
hungren’. da bi merkent daz da gantzer frid ist. und ieglicher engel, ieg-
lichü sele hat Got alz volleklich alz ob in nit won ainü hetti. und da von
[140*/ sprichst sant Anshelm: ‘ain ieglichü sei hat Got alz volleklich in
hymelriche nach irm willen mit gantzer wollust und nutzet in frölich, swie ir io
girde geret’. und daz ist ain zaichen dez frides. won da ist dü fröde ge-
maine. si hant och alle ainen willen in Got: da enist nieman der dehainen
sundern Sitten habe, si hant glich Sitten alle, daz ist daz si Got alle
gemainlich lobent, Got minnen, Got erkennen, Got an sehen, daz si sin iemer
ewklich gerent, und wundrent sich an siner grossen wirdekait und naigent 15
sich denn under in und lobent in iemer eweklich mit wundrung siner güti,
sins gewaltes, siner wisshait, siner ewikait und siner grossen schonhait.
Daz dritte daz in hymelrich ist, daz ist frihait. wie sint si fry ? si sint
fry an alle betwungenschaft und [ 141" ] sint fries willen, si sint fry von jamer-
kait libes und mütes. si sint fry von allen sorgen und von allem laide. si 20
minnent nit won Gotte; da von hant si nit jamers won nach Gotte, der ist
ir minnendes liep, an den harrt si alle ir minne, alle ir girde, alle ir krefte
und alle ir sinne gar geleit, si gerent nit won dez si hant; si hant och nit
won dez si gerent. allez daz da ist, daz ist da liep; swaz da nit enist, dez
engert och nieman nit. also sprichet sant Augustinus: ‘ze hymelrich ist enhain 25
ding dez ieman verdriessi; da gebristet öch enhains dinges daz ieman ge-
lüste’. hymelrich ist ain lant der fryhait: si sint fry vor aller arbait, von
allem kumber und kurtzlich von allem übel die iemer mentschen berüren mu-
gent in disem tätlichen übe, der sint si gar [14V] fry. si sint och fry von
schulden, baidü von vervarner und von gegenwürtiger und von künftiger, swaz 30
si aber wider Got ie getatent, dez sint si gar luterlich fry, daz si reht mit
fryer durch gesiht mit wundrung sint gesterket und gesenket in den göt-
3. alz fehlt G. 4. im] gotte . deine lebinden brunnen G. 5. doch fehlt G. 6 f sol —
da bi] doch hungirc sin nah gotte . der der engil spiegil ist . Da bi so G. 7. und] wan besser G.
8. also gänzliche vndc also v. G. 9 f. got nah ir w, in h. mit g. G. 11. und] vnde
als si ain lebin da bet zebeiibinne cwicliche . also irkennet si in senfticliche .vnde rflwet an ime
vro’liehe . Dar an mugint ir abir vride merckin . wan swa vnfride ist . da enmach wedir rftwe
noh vride sin . daz siv denne vro'de vnde rflwe hat in gotte G. 12. enist o'ch n. G.
13. hant alle g. s. daz G. 14. minnft G. irkennent . vndc g. an sehint . vndc daz G. 15. einer
ivbirm«ezsigun schonhait . vnde an siner gr. G. 16. under] widir G. 18 f. si s. fr)' fehlt ,1.
19 f. von allir i. G. 20. vor a. s. vor a. I. vnde von allir iamirchait G. 21. minet A.
gotte» G. nit j.] o'ch enhain iamir G. 22. hat A. 23. geleit] bekert G. 25. nit]
da G. 26. daz] dez G. 27. b. daz ist G. vor] von G. 28 f. allem ü. — mugent] allir
der iamirchait . d. i. dehainin m. betrfibin mach G. SO. virvamen . vnde o’ch v. gcginwrtigen
vnde v. kivnftigcn G. 31. aber fehlt G. 32. u. gesenket fehlt G. deme G.
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220
54. Von gaischlichem leben.
liehen Spiegel und erkennent in Got all creatur. dü minst sei du in hymel-
rich ist, dü ist wiser denn all die maister die ie ze Parys gelasent; won
ain ieglichü sei erkennet Got in im selben und ir selbes nature in Got, daz
ist wol ain fryü durch gesiht, dü in Got zaiget allü ding, sant Anshelm
5 sprichet: ‘daz ist ain frilichü angesiht Got frilich sehen in im selber und
in Got sehen mentschlich nature und Got sehen in der sele mit sAlger
vröde und mit frölicher süsskait’. da blibent si in frilicher sicherhait, daz
si niemer enhain sünde noch dehain schulde von Got geschaiden 1141’] mag
Daz vierde ist minue. hymelrich ist daz minnent laut; swer minnen
io wil, der kome dar! da minnet man in im selben und durch sich selben
ünsern herren, da minnet ünser herre die sele herwider und denn die sele
sich selben durch in und in im, da minnest du Allü ding durch in und in im:
daz ist ain lant der minne. da ist so minnent richait daz da nieman arm
ist an fröden und an minnen; won dü minne ist da alz überflüssig daz si
15 sich taillet ainer ieglichen sei sunderlich, ain ieglichü sei zerspraiget ir Ion.
ir fröde, ir minne über allez hymelrich, daz sich ain ieglichü sei mit ir
fröwet an irem sunderlichen lone. also sprichet sant Augustinus, da er da
schribet von der hymelschen statt: ‘iu der hymelschen statt', sprichet er, ‘ist
dü rieh minne: da enmag enhain sele mit aiynes behalten; ain ieglichü git
20 ir Ion allem hymelschen her, [141*] ieglicher sunderlich, und dü selb minne
bringet hin wider der sele ze fröde und ze wunne aller engel fröde und aller
mentschen Ion’, sit daz also ist, so merkent daz aller mentschen Ion ist aines
ieglichen sunderlich, und ains ieglichen sunderlicher Ion ist ir aller gemaine.
da ist lutrü minne An nid, won ain ieglichü sei vröwet sich der andren
25 vröde und ir wirdekait relit alz der iren. und Allü dü minne dü da ist
dü ist Allü in Got und mit Got. nu merkent wie daz si: allez daz si sehent,
und allez daz si erkennent, daz zaiget in allez der hymelsche glantz, und
sehent ez in siner luterkait und minnent in denne durch sich selben, durch
sinen wunderlichen gewalt und durch sin groz wisshait und durch sin groz
30 frihait / 142 "] und durch sin fri güti, durch sin schonhait, durch sine süsse-
kait, durch sin ewekait und durch sin wunderlichen herschaft, und lobent
denn sin groz wirdekait und wundrent sich des grossen Wunders dez si an
Got sehent und an im erkennent.
5. fr. angesiht] vrilichir vnde ain wnniclichir aneblicli G. 6. mentschlich) die G. der)
diner G. 7. BÜsskait] sselichait G. fr. sicherhait] vrihait G. 8. niemer me dehaine sch. noh
deh&inp stinde G. geschaiden] gesundiron G. nacA magl Da enpbahint siv sichirliche vrihait
vor ailir iamirchait G. 9. Daz — htmelrich) Himilriehe daz G. 10. welle G. in einge-
fügt A. 11. (insern h. fehlt G. unser h.| got G. sele fehlt A. 12. durch i. u. fehlt A.
14. da fehlt G. 15. zirspereugit G. 15 f. Ion . vnde ir minne . vnde ir vro'dc übir G. IS. spr.
er nach 19 minne G. 19. enhain sele) nieman G. ainges A, aigines G. behabin G.
ieglichü] iegelich sele G. 20. iegelichir sele s. G. 23. icgelichin menschin beidemal O. ir a. g.)
gemainliche ailir menschin Ion . ist gcmainlichc ailir menschon so G. 25. der iren) ir selbir
wirdichait G. 29 f. wisshait — frihait) wishait G. 32. denn sin g.J in denne siner groz un G.
33, nacA erkennent) Sanctus Augustin? sprich it . Mirantur : Siv wndiron sich an gotte . vnde
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55. Von finser vroweu.
221
[55. ] Ton unser vrowen.
[M'issus est angelus Gabriel ad Mariam virginem desponsatam Joseph .]
Sant Lucas lobet unser vrowen an siben sunderlichen tagenden und
sprichet: 'es wart gesant ain engel von Gotte, der waz gehaissen Gabryel, zü
ainer rnägde, du waz gemähelt ainem man der hiess Joseph, in ainer statt, 5
hiez Nazareth, und hiess du magt Maria’.
Nu merkent disü wort! zem ersten male ist si gelobet an rehter
küschi. daz merkent wir an dem worte daz er si nemet ‘ain magt’. dar
über sprichet du glose daz si waz du erst magt du Got ie iren [142'] mag-
tüm gelobet und ir küschkait behielt; da von waz si dez wirdig daz der io
engel zü ir redte. über daz selb wort spricht saut Jeronimus: 'es fügt sich
harte wol daz der engel zü ir kam, won si hatte gemaines leben mit dem
engel; won m>lich leben ist über mentschlich leben und über mentschlich
nature’, sprichet er, ‘und ist reht engelsclilich’. nu sprichet sant Augustinus
waz raagtüm si: ‘daz ist rehter magtürn’, sprichet er, ‘der verselwet nie wart 15
mit dekainer unkünschi an girde, an willen noch an werchen, und och dar an
stüten willen han ze blibenn untz an den tot. es ist vil mägde die von der
weit mägde sint, und enphahent doch der mägde Ion niemer, daz ist allain
rehter magtüm der an lib und an willen künsch ist und dar an stät blibet
unz an den tot. und da von won ünser vrowe künsch waz an übe und an 20
in der wriderunge wirt gebreitet ir hercc . iibir alliz himilriche . Also spriebit der wissage . Niv
(I. Siv) sehint got in imc sclbin . vndc minnont in durh sich selbin . vnde lobont in an ime selbin .
vnde wnderon sich denne an der wndirlichnn herschaft . die siv an ime irkcnnent . vndc denne
wirt gebreitet ir hcrce . vndc von der vnmtezsigun güti gottes minnent siv got . vnde ingotte
elliv dineh . wan siv irkcnnent daz elliv göti in gotte vnde uon gottc vlnzzet . vH also wirt ge-
breitet ir herce in der ewigun minne G Z.
1. l’brrschrift fehlt G, Pise wort sp'chit s. lucas von vnser vrowen (rot) Z, Van vns hcren
boitschaff ind vnser vrouwen Phill. 2. Der lat. Text fehlt A. 3. Sant L.) Alsns scribit Lucas
an deme ewangelio . vnde GZ. 3 f. und — engel] Kr sprach ain engil w. g G. 4. zfl — 6 Na-
zareth] zeainir stat div h. n. vnde kan zainir megide div w. g. a. m. d. h. ioseph G. 1. zem —
aij Vnsir liebiv vrowe div ist zemerst G. ain .1. 8. wir fehlt G. si fehlt G. 9. daz
fehlt G. 10. vnde div ir G. dez fehlt G. 11. zü] zir wart gesant . vnde mit G.
12 f. mit dien engiln G. 14. eng. lebin . vnde swer rehte küscbiclicbc lebet vffen deme ertricbe
in magctJichimc lebinnc . der ist sippe spriebit er den engiln in himilriche . vfl hain rehte aine
nivftilachaft zain andir . dur die gelicbi dez lebinnes an deme magitAme G. 15. spr. er . In aime
zirganclichime übe der nie virwertzalot w. G. 17. het G. tot . daz ist rehte magitün spri-
chit er . Ez G. von] vor G. 18. ist allain] aingun G. 19. an deme I. n. an deme w. <5.
blibet] wil beliben G. 20. tot . daz erz niemir wil virwandilon . sprichit er . Vndc G.
vt. künsch] liebiv vr. ain kivschiv vnde ain rainiv inaget G.
1. Das Stück findet »ich in G B l . 64 d, Z Bl. 76‘, Phill. Bl. 145», H Sr. 13; fehlt in IV, S,
Arundel. — Vgl. dazu Cod. Pal. germ. 24 ( Predigten Bertholds c. Regentburg) Bl. 230h der Heidel-
berger l'nirersitätsbibliothek (Bartsch Sr. 18) und die betreffenden Predigten in Ht. Sr. 955 der
Stiftsbibi, zu St. Gallen. 2. Luc. 1, 27. 13 f. vgl. oben S. 111 Z. 5f.
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55. Von (unter vrowen.
hertzen und och dar [142'] an stAt wolt bliben untz an den tot, da von
waz si wirdig daz der engel zü ir wurd gesant. nn sprichet Beda: ‘es füget
sich wol und waz och billich, won ain engel zem ersten den val geriet’ —
da nemmet er den tüvel ain engel da von won er ain engel waz und engel
5 nature hatte, won der engel und der tüvel hant glich nature, — und da von
so sprichet er: ‘won ain engel den ersten val geriet der mägde in dem para-
dyse, vron Even, du noch do magt waz, dar umb füget ez sich wol daz och
ain engel zü der mAgde wurdi gesant von der Got wolt geboren werden,
sit sich ünser unhail an hup von dem bösen engel’, sprichet er, ‘der ünsern
io val geriet, so waz och billich daz ünser erlösung gekündet wurde von aim
engel’.
Zü dem andern male ist si gelopt dar an daz si wol behüt waz. daz
merkent wir dar an daz er [142* ] sprichet daz der engel in gie. daz ist
ain zaichen daz er si inne vant, und nit au der strasse noch an dem velde.
15 her über spricht dü gloze: 'er vant si aine, und swer sich wol behüten
welle, der sol an der aini sin und sol gerne inne sin und sol nit uzfündig
sin*, nu spricht ain ander lerer über daz wort: ‘won si Got ir magtnm
hatte gelobt und ir künschi, da von fügt ez sich wol daz si sich in hüt
hetti. und swer künsch wil bliben’, sprichet er, ‘an libe und an hertzen,
20 der müz sich ze allen ziten in hüte han, sin gesiht, sin gehörde und alle sin
sinne; won swenne der mentsch uz der hüte kumet, so mag er vil lihte sine
künschi verlieren’, und da bi sol ain ieglich mentsch geleret sin daz künsch
wil sin, daz ez sich ze allen ziten in hüte habe und gern inne an der aini
si; won swer vil [143°] uz wil gelöfen mit dem libe und mit den
25 sinnen, der mag wol sin rainkait verlieren, man liset in Genesi von hern
Jacobs tohter, dü waz usfündig, und gesach si ze ainem mal ain herre und
kripfte si und benam ir ir künschi. intrüwen, daz geschiht noch vil dike den
lüten die gern usfündig sint und ir selbes nit went hüten, die verlierent ir
künschkait, und nit allaine ir künschi, si verlierent och alle ir tugent und
so dar umb sont ir lüte ze allen ziten üch in hüte haben, die künsche went
beliben! also sprichet sant Bernhart von ünser lieben vrowen: ‘won si künsche
1. hertzen] willen G. 2. spr. sanctus B. G. fügeti G. 3. och fehlt G. 4. n. er] nem-
mint ir G. Af. engil» nature G. 6. so fehlt G. 7. vron — waz] wan eua waz noh do
maget do si vzsir dem paradyse uirstozin wart . vnde da uon sprichit er . wände ain engil zemerst
den ersten nal geriet G. ez fehlt G. 8. wolt geboren wolt w'den A. tO. ist G. 12. Zu-
dar an] Div andir tugint dar an si g. ist . daz ist G. 13. wir — spr.) an deme worte . daz Incaa
scribot in deme owangelio G. 17. ander fehlt G. daz selbe w. G. 18. fflgete sich harte
wol dar zü daz G. 19. und swer] Wan swer G. 21. sino] die G. 22. virliesin . spehi;
er . vnde G. sol zweimal A. 23. sin] beliben G. 24 f. deme sinne G. 26. waz gerne
vzf. G. 26 f. ze — kripfte] der kdnich . vnde zuhte G. 28. gern fehlt G. 29. si — und
swer ane hüte lebit . der virlöret alle gnade . Wan G. 30 ir — beliben] die livte die gerne
k. w. b. die sun sich zallir zite in häte ban vliziciiche han . an allirne ir lebinne G.
25 f. Gm. 34, 1. 3, vgl. oben S. 181 Z. 28 f.
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55. Von unser vrowen.
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waz und dar an och willen hatte stäte ze blibenne, da von waz si och
gerne inne daz si sich wol und rainklich behüten möhti’. und da mit hat
si alle die geleret und inen ain form vor getragen der künschi die och ir
künsch/i43*/kait went behalten unverwierret
Daz dritte dar an unser vrowe gelobet ist, daz ist daz si erfüllet ist 5
mit der gütlichen gnade, daz merkent wir an dem worte daz der engel
sprach: ‘Got halt dich vol der gnaden, Got ist mit dir, du bist gesegnot
über all vrowen’. über daz wort sprichet sant Jeronimus: ‘der engel sprach
harte wol daz si vol gnaden wäre, won si wart erfüllet mit aller der gnade
die Got hatte, won dü flöz sament in si daz si gar überfüllet wart, daz si io
reht über flöz, won si moht ir nit enthalten’, man liset von sant Stephan und
von andren sümlichen hailgen daz si vol gnaden warent, aber ünser vrowe
dü wart volklicher erfüllet mit der gnade Gottes denn ie kain mentsch an
Jhesum Christum ir sun. also sprichet ünser herre durch dez wissagen munt
Ysaye: 'ich wil den grossen bach der gnaden in si giessen und wil [143‘] 15
si überfüllen alz grosslich daz si reht allenthalben über swaifet’. so spricht
sant Bernhart: ‘si ist ain käner und ain runs aller gnaden’, si laitet dez
hymelschen vatters gnade zü üns; won e si mit der gnade erfüllet wart, e
enmoht enkain mentsche zü der gnade körnen, nu ist dü gnade her zü üns
durch den kAnel gelaitet, nu sprichet sant Bernhart: ‘swie Maria e schön und 20
rain waz e si die gnade reht enphieng, doch wart si dar nach schöner und
rainner, reht’, spricht er, ‘alz die wisse w'olle da man scharlat und pheller us
machet, dü wirt von der edli der varwe alz edel daz si iren namen und
ir nature verlöret, daz si nieman me nemt wolle won pheller. also wart och
Maria’, sprichet er, ‘von der edli der gnaden und der überflüssi dü in si 25
gossen wart, über mentschlich natur erhaben, swie si doch e künsch und rain
waz, won si wart gehailget in ir [ 143 *] müter übe. do si aber mit der güt-
lichen gnade wart durch gegossen, do verloz si mentschlich nature.’
I. dar an fehlt G. stite) küsche G. da von] dar umbc G. 3. alle die livtc g. vnde
het in G. 3 f. die och — unverwierret] allen dien . die ir raagetün wen behalten vnvirwert-
salot . die sun gerne inne ain . daz aiv ir aelbin mügin gephlegin . an allen ir Bitten G. 6. wir
fehlt G. den Worten daz G. 7. vor Got] Aue gratia plena G. 9. vol der gnaden G.
10. won d. flfizl div gnade sprichit er vloz rchto ß. ai so gar ü. G. 10 f. si reht] div gnade G.
11. won — ir] ai enmahte si G. 11 f. vnde och von s. h. andiren G. 13. vollicliche G.
Gottes fehlt G. 15. u. wil] vnde enwil si niht allaine erfüllin mit der gnade . ich wil G.
16. reht] in G. 17. kenel G. 17 f. si laitet — won] vnde ist ain kenel der dez himilschin
vatirs gnade zü üns laiten so! . wan vor deine zite G. IS. wrde G. 19. enkain] nie G.
ze den gnaden G. 19 f. gnade dar den k. g. her zü vns . wan si ist der übir vliezinde kenel
der her züns vliezin sol G. 20 f. vnde wiz vnde raine G. 21 f. doch — reht fehlt G.
22. phellol G, ebenso 24. 24. me n. w. won] nemmlt w. niht wan G. volle A. och
fehlt G. 25. spr. er fehlt G. übirvluzsi der gnadon . div G. 26. wart . von der wart si rehte
übir G. doch fehlt G. 27 f. do — nature] vnde doch sprichit er . swie reine si e waz . so
wart ai doch do also übir gozsin . mit der gotlichun gnade daz si menschliche nature virlor . alsc
gr oz übirkraft wart in si gegozsin . von der gotlichun gnade G.
I I. Act. 6, 8. 15. im Anschluß an Isai. 66, 12.
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55. Von ünser vrowen.
Daz vierde dar an si gelobt ist, daz ist frowlichü und kintlichü
schäm, her über spricht sant Jeronimus daz si nie füstrit gegie an mägtlich
schäm, da mit hat si alle mägde geleret daz si habent schäme, won ez ge-
zimet harte wol vrowen und aber sunderlich mägden daz si habent kint-
5 lieh schäme, ez ist ainer vrowen höhstes lob daz si vrowlich gebärde hab
und mägtlich zuht. ain wiser haiden, Seneca, der sprichet: 'verlassenhait
und lob mugent nit sament sin', swer denn gern sehi daz man in lobe, der
flisse sich vrowlicher schäm, da mit zieret er sich vor Got und vor den
luten, alz unser vrowe ist irre magtlicher schäm gelopt vor den luten in
io ert/ 144“ /riche und geeret vor Got in hjunelriche und ist ain bilder und ain
Spiegel aller mägde.
Daz fünfte dar an si gelobt ist, daz Ist daz si flisseklich gedaht waz
grüsses daz wäre den ir der engel brahte. der engel erschain ir in aines
mannes bilde und erschrak si. dar über spricht sant Bemhart: 'si waz also
15 güter und also rainer ainvaltkait daz si sich nit wirdig dünkte daz ain engel
mit ir redte, und doch waz si also wise daz si daz fürdahte ob si der
bös engel trüge’, und da mit leret si üns daz wir war sont nemen wer
üns grütze und waz grüsses es si, ob er engelschlich si oder tüvellich, oder
ob er ze gute oder ze übel kome; und sol der mentsche dis witzeklich
20 merken, daz er nit betrogen werde, er spricht Geh daz ünser vrowe alz güter
ainvaltkait wäre daz si sich [144*] nit wirdig dünkte daz ain engel mit ir
redti. nu sint sümlich lüte die dunkent sich wol wirdig daz si joch reden
soltent mit Gotte, daz ist ain tumplich sin; won also getanü hailikait ist
vil trugenlich, der mentsch mag vil lihte dar an betrogen werden, intrüwen.
25 die sölicher gnaden gerent, die sont gedenken an ünser lieben vrowen, die
sich dez nit wirdig dünkte daz ain engel mit ir redti. und daz sont ir
wissen daz vil mänig mentsch vil liailig ist vor Gotte dem doch so getaner
gnaden nie nüt widerfür, alz dem dem vil dinges widervert. söliche gnade
git Got nit durch sunderlich hailikait; ez geschiht da von daz ünser herr
3n wol waiz waz sich aim ieglichen mentschen füget: aim füget bitterkait, dem
andern süssekait. swaz denn Got waiss daz aim ieglichen aller best füget und
im aller nützest ist an siner [144c] sele, daz git er im. und gert joch der
mentsch von siner un witze ains andren, so git im doch Got nit won daz
1. frülichü A, vro’wiclichiv G. 2. si fehlt fälscltlich G. 4 f. kiotlicb] kusche G. 6. hai-
din haizit b. G. 9. vrowe . div ist G. 9 f. in ertr. fehlt G. 10 f. gerat in himilriche . vnde
in eitricbo . rndc ist rehte ain sp. u. ain bilder a. m. G. 12. dar — flisseklich) ist . dax si so
wizlichc G. 14. erschr. si] daz liset man von ir daz si irschrach . von dez mannes bilde G.
IS. und) aide G. oder t] aide ob er t. si G. 19. wizlicbe G. 20. er spr.] So spr. er G.
21. waz G. 22/'. joch — Gotte) mit dien engiln rcttln . vnde mit unsirre vrown . vnde
mit vnsirme herren G. 23. h. div ist G. 24. tr. wan der m. G. 26. dez fehlt G.
27. vil minig) manich G. hailigir G. doch fehlt G. 28. gnaden] bailichait G. alz dein)
denne der G. SO. a. füget wol bittirehait G. 30 f. dem a. s. fehlt A. 31. aim iegi.) das
inenschin iegelichime G. 31 f. vnde daz ime allir best vnde a. n. G. 33. git — 225, 1 n. ist)
kert doh sin girdc vnde sin bette an daz dincb . daz ime nivtze ist ingegin himilriche G.
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55. Von unser vrowen.
225
aller nützost ist. also spricht sant Bernhart: ‘Got ist ain fürsprech in dem
gebette, und swaz der mentsch nit gebittet noch gegeren kan, daz versiht
unser herre und git im daz im aller beste kumet’. also spricht ain hailge:
‘der mentsch bittet, unser herre gedenket,’ rebt alz er spräche: der mentsch
bittet und waiss doch nit waz im nütz ist, so gedenket ünser herre waz im 5
aller nützest und best ist, und keret sin bette dar an und git im daz. dis
han ich alles dar umb gesprochen daz der mentsch dar umb nit verzagen sol
ob im Got enhain süskait git oder im nit tögenlieher ding oget: dü hailkait
enlit dar an nit. sant Gregorius sprichet daz daz allain ist ain zaichen
rehter hailkait vor Gotte der rehte tugentlich und rainklich lebet und sich, tu
flisset tugent ze übenne [144*] in allen sinen werchen. und dez sol och
der mentsch geren und Got bitten tugend und giites lebens und daz er
in behüti vor Sünden.
Daz sehste dar au ünser liebü vrowe gelopt ist, daz ist demütkait. daz
merkent wir an dem wort daz si sprach wider den engel: ‘ich bin ünsers 15
herren dirne’. an dem wort merkent groz demütkait, daz si sich nante ain
dirnen und nit ain mftter noch ain gemahel Gottes, si möliti wol han ge-
sprochen: ‘ich w'il gern ain müter Gottes werden’, so hetti si doch nit miss-
redet; da sprach si nit won ‘ich bin ünsers herren dirne'. hie mit hat si üns
geleret daz Och wir sont demütig sin; won alz vil der mentsch sich uff 20
ertrich nidert durch Got, alz vil erhöhet in ünser herre in hymelrich. er
sol sich nit allaine demütigen so man in versmahct, er sol sich och de-
mütigen so man in eret. sant Bernhart sprichet: [145‘] ‘ez ist nit ain groz
ding daz sich der mentsch demütet so man in versmahet, daz ist rehtü de-
mütkait daz sich der mentsch demütget so man in eret und höhet’, swer 25
die gnade welle erwerben und behalten, der Hisse sich nit won demütkait;
won swa Got ain demütig hertze siht, da güsset er die gnade in. also
spricht sant Bernhart: ‘demütkait und gnade hant reht ain gumpanye und ain
hainlichü zü enander, si enmugent niena an enander sin: swa rehtü demüt-
kait ist, da ist och dü gnade’, sit wir nu mit demütkait die gnade mugent so
erw’erben, swer denn die gnade welle enphahen, der flissi sich demütkait, won
enhain ding minnet Got so sere so rehtü demütkait. dez hant wir urkünde an
ünser vrowen; dü twang mit ir demütkait Got [145"] daz er mentsch wart,
sit wir nu dis bilde und die lere der demütkait han an ünser vrowen und
an unsrem herren, so sont wir üns flissen demütkait. ünser herre spricht in »5
1. fursprech] vrsprunch G. 2. gcbitten G. 4. als ob er G. 5. ime allir nutz G.
6. nützest und fehlt G. 7. mensche niht virzagen G. 10. rehte fehlt G. 11. tugent
ze 6.] daz er t. vbit G. und) daz ist sprichit er rehtü haliiehait vor gotte G. 15. wir
fehlt G. daz — engel] ais si deine engil antwrte G. 16 f nante — Gottes) seibin niht wolte
netnmin ainc mörir gottis aide a. gcmahilun gottes . niht wan deine niderosten dem si vant . deine
geliebte si sich G. IS. ain m. G.) vnsirs herren mütir G. 19 f. hat — sin] sin wir abir g.
daz war och d. sun sin G. 21. er] Der mensche G. 22. nit — sol sich fehlt A. 32. minnet)
twingot G. 34. der] vndc die G. bain . beidiv an G.
Deutsche Texte des Mittelalters- X. 15
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55. Von unser vrowen.
dem ewangelio: ‘lernent bi mir demütkait und daz ich senftes und miltes hertzen
bin.’ wir mugent gerne bilde und lere nemen ab ünserm herren, won er ist
ain bilder und ain spiegel aller tugent und aller s&likait. swenne denn ain
mentsch gedenket an sin demütkait, daz er sinen knehten ir fasse wolte
5 wischen, so mag sich ain kranker mentsch wol genaigen daz er aim
andern undertänig si durch den der sich durch ünsern willen naigte under
sin knehte.
Daz sibende dar an unser vrowe gelobt ist, daz ist an durnähtiger
gehorsam! daz merkent wir dar an daz si sprach zü dem engel: ‘nach
l« dinem willen geschehe mir!’ an dem worte so naigte si irn willen. [145‘]
nu sprichet sant Bernhart: ‘durnähtigü gehorsami sol umbeschaiden sin, daz
der mentsch nit gedenke: war zü ist dis güt oder wäre dis besser oder
ain anders, oder war zü haisset man dich dis, ain anders wäri besser.’
dez ensol der mentsch nit betraliten, er sol ainvaltklick und demütklich ge-
15 horsam sin und lihteklich tün daz man in haisset. daz hat uns geleret unser
vrowe; du waz ainvaltklich gehorsam, und durch die grossen demütkait wolt
si niht die gehorsami lassen, und da mit leret si uns reht gehorsam sin. nu
sint etlich lüt alz demütig daz si von demütkait ungehorsam werdent: ob
man ainen brüder zü ainem amptman erwelt, so wil er alz demütig
20 sin daz er sich der eren alz vast wert daz er ungehorsam wirt dü
demütkait ist böse dü den mentschen von Got schaidet, ez ist niht
rehtü demüt. der mentsch [Mo*] sol alz demütig sin daz er der gehorsami
nit lasse, also sprichet Beda: ‘daz ist ain gewArü demütkait dü die gehor-
sami nit lat’, also waz unser liebü vrow reht und wislich demütig, won si
52 lie der gehorsami nit. si nampte sich ain dirne Gottes, dar an ogte si ir
demütkait, won si molite sich wol han genemet ain müter Gottes; und doch
swie demütig si waz, do lie si doh der gehorsami nit. si gab irn willen in
Gottes willen und naigte sich zü der gehorsami, daz si Gottes müter wolte
sin. und da von sprach si wider den engel: ‘nach dinen Worten besehe mir.
so ich wil gerne Gotte gehorsam sin, sin Wille werd an mir erfüllet’ nu spricht
sant Bernhart und redet mit ir: ‘owe vrowe’, sprichet er, ‘antwfirte dem
1. miltes) rainis G. 5. wischen) twahin G. genaiget A. 0 f. wir — mir) an deme
worte daz s. spr. Fiat michi goenndum uerbum tuum . Nah dinen Worten mfizse mir gesellen G.
10. so fehlt G. willin in gottes willen G. 12 f. dis besser o. a. a ] ain andirs bezair G.
17. die fehlt G. gehorsam »in ) gehorsami G. 19. ainen — amptman] aine swest zainir
priolinvn aide zainer suppriolinvn G, dann fortfahrend mit Fern., ebenso Z. 21 f. ez — demötj
si enist niht reht div dcmütichait G. 23. die fehlt G. 24 f. won 8. L] vnde lie dar ombe G.
25. sich eeibun G. 27. doh fehlt G. 29. und — mir) vnde waere si do demütieh gesin
ane gehorsami . so hetti si von demfiti wol gesprochin . ich enbin nibt wirdich daz ich gottes
imltir werde . do haette si rehte demfttichait . vnde behielt doch gehorsami . Do sprach si vil zuhtic-
liche G. 31. mit ir] hin zir G. spr. er fehlt G.
1. Matt. 11, 29. IS f. vgl. S. 147 Z. 16 ff. 31 f. vgl. S. 76 Z. 13 ff.
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55. Von Cinser vrowen.
227
engel und naige dinen willen, Got von [146 “] hymel baitet dir, die hailgen
engel losent diner antwürte ! vrowe, nu naige dinen willen in Gottes
willen und antwürte dem engel gütlich , won alles mentschlich könne ist
an din gnade komen! nu antwürte und löse allez mentschlich könne! gip
dinen willen in Gottes willen und enphach Got ze mentschen'. nu spricht 5
ain ander lerer Johannes Damascenus: ‘und enhetti ünser vrowe irn willen
in Gottes willen nit genaiget, so enwAre och Got nit mentsch worden; aber
zü der selben stunde do si daz wort gesprach: “nach dinen Worten geschehe
mir”, do kam der liailig gaist uff si und erfülte si mit der gnade und be-
schetwat si mit der obrosten tugent und rainte allez ir blüt von allen ir io
sünden und von aller ir krankait und schuf da ain kint von [146*]
dem rainsten blute daz in irem lip waz, und fügte sich zehant zu dem
kinde dü hailig gothait und dü liailig sele. und an der selben stunde’, spri-
chet er, ‘da waz do gewArer Got und gewAr mentsch und dü hailig
sele, alz gewaltig, alz wise, alz volkomen an allen tugenden, an aller 15
krafte, alz er hüt in hymelrich ist. intrüwen’, sprichet er, ‘si enphie Got
nit e si gehorsam wart und iren willen genaigte, do fügte sich do erst Got
zü ir in mentschlich nature; und enhette si irn willen nit so uf geben, so
wAr och Got nie mentsch worden', nu spricht sant Bernhart und redet mit
ir; ‘owe, vrowe’, sprichet er, ‘bring für din wort!’ reht alz er sprAche: ‘vrowe, 20
enphahest du dez Wortes nit, so sint wir all verlorn’. bi dem worte merkent
den sun; den nemet dü schrift daz wort, also sprichet sant Johannes: [146 c]
‘daz wort waz in dem angenge’. daz angeng ist dü groz gothait, die waz
ie An angenge; aber daz wort waz der sun, der waz in dem vatter An
angenge. also sprichet der wissag von dem selben worte daz den sun bezai- 25
chent: er sprach: ‘daz wort ist ze flaisch worden’, da wissaget er diz groz
hohzit, daz der sun ze mentschen wart, dis wort wonet von angenge in des
vatters schösse, nit alz daz kint in der m&ter schösse, won daz wonet mit
swAri; aber der sun wonet an alle swAri in dez ewigen vatters schöz,
reht alz ain güt wort in dez mentschen hertze. also redet aber sant Beni- so
hart zü ir und spricht: '0 vrowe, enphach dez vatters wort!’ reht alz er
sprAchi: 'vrowe, enphach daz edel wort daz vor angeng wonet in dez hymel-
1. willen in gottcs willen . 0 wo vrowe aprichit er got von himilriche G. S. dem
engel fehlt G. won fehlt G. 7. Vnde abir G. S. n. d. Worten] fiat michi sccun-
dum verbum tuum . Ich wil gehorsam sin . n. di nein worte G. 10 f. non allen slindon G.
14. und nach Got fehlt G. 17. willen ingottes willen genaigite G. IS. ao nach nit
fehlt G. 19. nie] niht G. 20. ir] dir G. reht — vrowe] vnde enpha dez vatirs wort .
r. als ob er spr. G. 22. nemmit man d. w. in der sehr. G. nach Joh.] In principio erat
uerbum G. 23. ror ist] daz G. 24. wort daz waz G. v. än] v. vor G. 26. vor er spr.]
Verbum caro factil e*t GZ. 27. von] vor G. 30. ain] daz G. 31. o fehlt G. als
ob er G.
23. Joan. 1, 1. 26. Joan. 1, 14.
15*
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228
55. Von unser vrowen.
sehen vatters schöz!’ daz wort waz per hailig snn, den si mit Got hatte ge-
maine. ‘owe’, sprichet er, ‘vrowe, / 146 dJ gib ain zergangklich wort umb daz
ewig wort, fürbring din wort und enphach dez hymelschen vatters wort! nu
antwürte, vrowe, dem engel gütlich und lös üns; won swie du nit antwürtest,
s so sint wir verlorn! nu fürbring din wort und enphach Gottes sun zu
ainem kinde!’ dis wort und dis kint enphie si rehte mit dem worte und
mit der antwürte daz si sprach: ‘nah dirn worte geschehe mir!’ da wart
daz hymelsch wort ze flaische, daz vor angeng wonet in dez vatters schöz.
daz waz der tag allez ünsers hailes und ain angeng aller ünser sälikait. da
io wart erfüllet daz der wissag Ysayas hat gewissaget: ‘ain magt wirt swanger
ains kindes und gebirt ain sun, dez nam ist gröz, er wirt gehaissen Emanuel.’
diz waz der groz tag daz Got wart mentsche [147a] durch den mentschen.
da wart och erfüllet daz der wissag Jeremyas gesprochen hatte von dem
grossen wunder daz ain un bewollenü magt gebar ainen man , maget wesent
15 vor und nach unverwert. daz warent nüwü ding, daz wart sit noch e nie
gesehen noch vernomen, alz Jeremyas hat gesprochen von dem grossen
wunder: 'Got wil nüwü ding uff erde machen, ain maget sol umbvahen
ainen man und sol in beschliesen in ir üb', hie von hat gesprochen ain
ander wissag: ‘hüt ist der frid her nider komen und daz honig daz in dem
20 liymel ze samen waz getragen, daz ist durch flössen durch all die weit’, dis
wart allez erfüllet an dem worte: ‘flat michi, nach dinen Worten geschehe
mir’, do si dem engel antworte, do wart Got mentsch durch {14V' j üns, und
also wart erfüllet dez wissagen wort.
1. wort daz waz G. hat G. 2. Owe vrowe spr. er g. G. 4. dem engel fehlt G.
lo'ae alliz menscblic könne . vrowe wir ain alle virtailit ze domo ewigen tode . Owe vrowe no
lo’se vna G. 5. verlorn] iemir virdampnot G. 7. do si spr. Fiat miclii seenndum uerbu tun .
Nah d. w. irnize mir g. G. 9. ünser fehlt G. 10. vor ain] Ecce uirgo concipiet et pariet
filium G. 15. vnvirwertsalot G. 17. vf der erde G. 19. hsete och gcapr. G.
19. komen] gestigen G. 20. durch fl.) gevlozsin G. 21. an] mit G. 21 f. nach — mir;
seenndum u’bum tuum G. 22. entwrte . Mir geschehe nah dinen Worten . Do G. 22 f. ond
also] do G. 23. dez] allir einer GZ.
10 f. Isai. 7, 14. 13. 17. Jer. 31, 23. 19. vgl. oben S. 8 9 Z. 2f im Ansehlup an eia
Responsorium in der 1. Xoktvm des Weihnachtsfestes : „Hodie nobis de coelo pax vera deeccndit,
hodie per totum mundum melliflui facti sunt coeli“.
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56. Von finsers herrcn Bffart.
229
[56. J Ton unsere herren üffart.
[Videntibus Ulis elevatus est et nubes suscepit eum ab oeulis eorum.J
Sant Lucas sprächet in der zwelfbotten büch von unsere herren uffart
und sprächet: 'do unser herre ze hymel wolte varen, do gieng er mit sinen
jungem uff ainen hohen berg, hiesse mons oliveti , und für ze hymel ze 5
ir angesiht, und kam ain w iss er wolke und enphie in, und sahent mit
fiaischliehen ogen daz er gewalteklich und herlich ze hymel für, und wartent
si im nach’.
Nu merkent daz er verre von uns ist gevaren, und da von müssent wir
ain lutere und ain vest oge han, wen wir im nach sehen; wan swer verre io
ain ding wil sehen, der nutz vil luteru ogen han: ze glicher wis müssent
wir vil luterlich gesehen, wellent wir Got schowen, der alz verre von uns
ist gevaren in verrü lant. dis luter oge da mit wir Got sont schowen, daz
ist cristener gelob, den ain cristen mentsch haben sol. wir sont alle geloben
an ainen Got, der ällü ding [147‘] geschaffen hat. wir sont Allü geloben 15
ain künftige leben, daz da gat nach disem lebenn aintweder mit ewiger not
oder mit ewiger vröde, ieglich mentsch nach sinen werchen. dirre gelob
rainnet daz hertze und lutert im alles daz dar us daz bös ist und daz sünde
ist, und machet daz sich der mentsche alweg Hisset guter werche und gutes
lebens und die sünde ze midenne, da von daz er gelobet daz er lone 20
enphahen sol nach sinen werchen. und da von spricht sant Paulus: 'cristen
gelob ist ain bevahung der dinge die wir dingent’, daz ist unser herre, won
er wil selbe ünser Ion sin. und da von sprichet er daz wir ez mit geloben
bevahent, won ez ist üns künftig, und mugent ez noch nit gesehen, sant
Paulus sprichet daz wir nu ünsern herren nit mugent gesehen won alz der 25
durch ain glas oder durch ain nebel siht, und [14?*] da von bedurfent wir
wol daz wir ain starkes oge habent und ain lutere: won swaz der mentsch
durch ain glas oder durch ain nebel sehen sol und schowen wil, der müz
stArkü und schönnü ogen han. zu glicher wis müssent wir vil starken und
stäten globen han, wellent wir Got nach sehen in daz verre lant da er hin w
1. Lherschrift fehlt G Z WN, Vp viib hercn hemelvartz dach 1‘hill. 2. Der lat. Text
fehlt A. 3 f. Alsus scribit lucas in actibus apostolorum v. u. h. v. vndc spr. also G Z.
5. hiesse m.] Montis G. fvr A. zedeme hohin h. G. 6. sahin siv mit ir G. 9. er harte
verre G. 10 f. wen — han fehlt A. 16. daz d. g. fehlt G. lebenn] libc G. 17 f. Disiv
gclo’be div r. G. 18. im fehlt G. bfis ist] drinne ist bo'scz G. 20. gelobet] die gelo’bc
immc herren hat G. 21 f. Div cristenlicbe gelo’bo G. 22. die] der G. vor daz] div dinch
der wir gingen (/. dingen) G. 23. da von] dar nmbc G. ez] daz G. 24. vns noh ktinf-
tich G. vor santl vnde dannan von mAzin wirz bevahin mit deine gclo’bin . Wan G. 25. der
fehlt G. 26. siht fehlt G. 28. sehen s. und fehlt G. 29 f. wir vil stretin vndo vil starchin
gel. G.
1. Die Predigt findet sieh in G Bl. 69 *, Z Bl. 8V, W Bl. 47, A Bl. 49°, II .Vr. 14, Phill.
Bl. 175- ; fehlt Arundel. 2 . Act 1, 9. 21 f. Hehr. 11,1. 2b. 1. Cor. 13, IS.
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56. Von unser» herren öffart.
gevaren ist, da er nu uns ist verborgen die wil wir in disem libe sint. aber
swenn wir von disem eilend geschaident, so ist der nebel zergangen.
Daz ander oge da mit wir Got nach sont sehen, daz ist ain nf gerihtes
oge, won er ist ob uns hohe; und da von müssent wir ain uf gerihtes öge
5 han, wellent wir in sehen, bi dem ogen verstandent wir daz hertze, wan in
disem libe mag nieman Got sehen won mit dem hertzen, und da von sont
wir ain uf gerihtes herze han, won Got ob uns ist [148*]. der wissag
sprichet: 'der mentsch sol daz hertze erhöhen, so wirt Got erhöhet“, nu ist
Got also erhöhet, swie hoh der mentsch sin hertze erhöhet, so ist Got den-
li) noht höher, und so der mentsch ie höher stiget mit sim hertzen, so Got ie
höher ist. und da von spricht er anders wa: 'herre, naige dinen hymel und
kum herab!“ do er so hohe uf gestaig und er sin hertze erhöhet, so wart
er erkennent daz Got so hoh ist daz in nieman begrifen mag. und da von
sprach er: ‘herre, naige dich her abe daz wir dich begrifen nmgent“; alz
15 er spräche: herre, du bist so hohe daz nieman zü dir komen mag, weder
engel noch hailig noh nieman mag diner höhi ende ergrifen. so der mentsch
ie höher stiget, so Got ob im ie höher ist und da von sprichet er: 'herre.
naige dinen hohen gewalt her nider, daz wir dich bevahen rnugent’. [148*]
diz ist ain wunderliche red, daz er ünserm herren mutet daz er sinen ge-
» walt und sin höhi naige dar umbe daz wir in bevahen mugent dar an
sont ir merken daz der wissage aintweder wunderlich oder unbeschaidenlich
hat gegert: umbeschaidenlich, daz er an Got mütet daz er sich niderti;
wunderlich, daz er sinen gewalt und sin wunder an im erkande. er gerte
nit daz sich Got niderti an siner wirdekait, och tut ez Got nit; er enwirt
25 niemer genidert noh gehöhert an sim gewalt, won so wäre er wandelbäre.
dez enist er nit, er ist an allen wandel. wie naiget er sich denne? daz
merkent! unser herre ist alz gewaltig daz er sich groz und klain machet
swie er wil. und also naiget er sich zü airo ieglichen ding und erfüllet
ällü ding mit im selben, nit also daz sin gewalt genidert oder gehöhert
so oder geminret werde, er naiget sich also [148'J daz er sinen gewalt
oget dar an daz er sich klaine und groz machet aim ieglichen ding dar
nach alz vil ez sin enphahen mag. und da von sprichet sant Paulus:
1. da ist er vns nu virb. G. 2. geschatden werdin G. 5. in s.) got schowin G. 6. da
von) dar umbo G. 7. vor der) vnde müzin vnsiriv hercen ho’hin vnde vf rihten . wellen wir
got schowin G. 8. nach spr.] Accedet homo ad cor aitum et exaltabitur deus G. 11. ror
herre] Dominc inclina celos tuos et descende G. dinc h. A , dine himilc G. 12. irbo'hitc .
daz got irho'hit wrde . do wart G. 14. er do herre G. abe] nidere G. Rehto als G.
19. h'tzen A. 21. wndiriich waz odir G. 22. also unb. G. an fehlt G. m ft tote G.
23. abir wndirliche also d. e. sincs wndirs u. sines g. vil an ime irk. daz er da non wndir-
lichir dinge gerte . Der wissage cngerte G. 26. er ist) got ist G. 29. nach genidert t*f wirt
rof ilurcJwtrichen A. gen. o. geh.) vnde sin hohi genidiret G.
S . Pt. 63,7. 11. Pt. 143, 5.
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56. Von finäcra herren üffart.
231
'Got ist ällü ding an allen dingen’; relit als er spräche: Got hat sich
mit sim gewalt gefüget zü allen dingen, won er ist ällü ding; so ist er och
in allen dingm, won er hat sich genaiget in ällü ding und hat si daz si
ir wesen an im hant. und da mit minret sin gewalt nit, er oget in so
er sich zü aim ieglichen ding füget alz vil alz ez sin enphahen mag. der 5
mentsch der ain wites hertze hat, zü dem füget er sich also daz er sin
hertze erfüllet; der och ain enges hertze hat, zü dem füget er sich also daz
er es in siner masse erfüllet, und dar umb enzühet er sich sines gewaltes
nit, er oget in da mit.
Und da von won unser herre alz hohe ist daz in nieman gevahen mag, io
so hat er uns der sele dri laitren gemachet, die der mentsche [148 "J uf
klimmen sol, daz er den begrife der da wonet in der höhi.
Dü erst laiter ist dü creature. an der solt du dri sprossen merken die
du uf stigen solt zü Gotte, der erst sprosse ist dü sterki der creature, alz
der hymel und dü sunne und der mäne und ander creature, die alz stark 15
sint daz si nieman zerbrechen mag. dar an sont ir sinen gewalt erkennen,
alz man liset von den wisen haiden, die erkantent an der creature daz ain
Got ist der aller ding ain schepher ist, und ain gewalt dem nieman mag
widerstan. und gabent uns dez ain regel da bi daz den hymel und ander
creature nieman gebrechen mag, und sprachent daz der mentsch wäre dü 20
edlest creature dü under dem hymel ist, und ist doch enhain mentsch so
gewaltig noch so groz der den sunnen gebrechen muge oder ges we/7-/ #“/chen.
und da mit so gabent si ain urkünde daz ain Got wäri der ällü ding ge-
schaffen hat, und sprachent also: ‘swaz der man nit mag gemachen, daz en-
mag er och nit zerbrechen; swaz es aber mag gemachen, daz zerbrichet er 25
och wol’. und da von sprechent si: ‘sit nieman so gewaltig ist der den
hymel mug gebrechen, so ist och so gewaltig nieman der in mug gemachen,
so ist ain gewaltiger Got der über ällü ding ist und dem nieman widerstan
mag.’ und erkandent si also ünsers herren gewalt an der creature. und also
sont och wir Got erkennen an der creature und sont denn den nutz dar an so
nemen daz wir uns under in sont naigen. sit Got ain gewaltiger Got ist,
dem nieman mag widerstan, so ist daz billich daz wir uns under in naigent.
und da von spricht sant Peter: 'ir sont üch naigen under dez [149b] grossen
1. als ob er G. 2 f. won — dingen fehlt A. 4. minrot er sine G. 5. ding) men-
schin G. vil cz G. 7. engiz bet G. also] ablr in der maze G. 8. in s. m. fehlt G.
10. won fehlt A. 11. so — üns] wan swie hohe der mensche sin herce irbo'hit . so ist got
dennoch vil ho'hir . vndo dar umbe het vnsir herre G. der m.] si G. 12. er] si G.
13. di A. 14. ist] daz G, ergänze ist. 17. Also liset man G. 18. ain sch.] schepher G.
20 f m. div alre e. er. Ist div G. 23. so fehlt G. 28. dinch gewaltich ist G. nieman
fehlt A. 31. gew. Got) gewalt G. 33. Petrus . Liebin kint ir G.
1. 1. Cor. 15, 28. 13 ff. vgl. ähnliche Gedanken oben S. 26 Z. 26 ff., S. 152 Z. 2 ff.
17. vgl. unten S. 255 Z. 18 ff. 33. 1. Petr. 5, 6.
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232
56. Von finsOTB horren öffart.
Gottes gewalt, der üch behaltet an dem tage so er ällü üwrü werch scho-
went wirt’. der ander sprosse ist du schöni der creature. dar an sont ir
merken sine wizkait, daz er ällü ding alz ordenlich hat geschaffen and
hat ieglichem sin maz gegeben, und dar an sont wir aber den nutz nemen
5 daz wir uns tump dunkent; won swie wise der mentsch wäre, so wäre er
ze tump doch wider der wishait du an Got ist. und da von sol der mentsch
erkennen, swaz er wishait oder besehaidenhait hat, daz er die von gütlicher
wishait habe und nit von im selben, man liset von wisen haiden daz die ir
wishait von in selben woltent han; und sprechent die lerer daz in Got daz
io offeuberesl vor beschlöz daz an der creatur ist, daz ist sin güti, du ist aller
offenbärost an aller siner geschepkte, die beschloss in unser herre vor dar
umb won si ir wishait von in selben wandent han, und erkandent [149'] nit
an der creature won gewalt und wishait und dar umb sont wir alles an die
wishait wider gen dem von dem ällü wishait geflossen ist und flösset. der
15 dritte sprosse ist dü nutzbäri der creature. dar an merkent wir sin güti.
und da von spricht ain hailger man daz er sin güti hat getaillet mit allen
dingen, und sprechent die hailgen und die maister und die lerer daz ünsers
herren güti also groz und also übermässig ist daz er sich niht möhti ent-
halten, er tailte si mit allen dingen und mähte ällü ding nütz und güt. man
2o liset in dem ersten büch: ‘do ünser herre hymel und erde und ällü ding
geschüf, da sach er alles an und geviel im wol\ nn sprichet sant Augustinus:
‘sit üns ain so guter Got geschaffen hat, so ist och billich daz wir güt
sigint’; reht alz er spräche: Got hat alz übermässig güti an im daz er sich
niht moht enziehen, er maliti alles [149*] daz güt daz er ie geschüf; und
25 alz er gab dem dinge daz ez wäri, also gab er im och daz ez güt wäre,
und da von ist ez billich, sit üns ain so guter Got geschaffen hat und er
üns sin güti gab, daz wir och güt sigint. hie ab solt du, mentsch, aber
nemen ainen nutz, daz er alle creatur für güt habe, und sol merken daz
ällü ding von Gotte sink da von sol er ez allez für güt han und sol enhain
30 ding versmahen.
Dü ander laiter ist dü sele. dü laiter ist vil hüher denne dü erste, und
da von sprichet sant Gregorius wie dü sele ain laiter machen sol dar uffe
si zü Got klimmen sol; er sprichet daz sich dü sele sol enzühen in sich selben.
1. der] daz er G. 2. sprosse] siegil daz G. 6. ze t. d.) doch tump G. der fehlt .4.
7. beschenhait /i. 8. von dien w. h. G. 9. die hailigen 1. G. Got] vnsir herre G.
10. offenber A. 14. geil. ist u. fehlt G. 15. spr. da mitte wir zü gotte cliromen sun .
daz ist G. ist fehlt 4. sine hailigun g. G. 17. die grozin lerere G. 18. er fehlt G.
mach G. 19. entailo sich mit G. 20. den o. büchin G. 23. als ob er G.
hette G. 26. ez] harte G. 27. nach gab] so ist harte billich G. och fehlt G. s. du]
sol der G. 29. sint. vnde och da non nutze vnde gut sint. vnde dannan von G. 31. a. 1.
da mitte wir vf ze gotte climmen son . daz ist G. 33. sol enzühen] in ziehi G.
20. Gen. 1, 31.
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5G. Von fingere herron öffart.
233
daz si vergesse aller uswendiger ding, und sol uf stigen an die gräte, der
erst sprosse ist gehügde ; du ist bildung aller ding und ist glich aim schrin
oder ainer arche. in dem schrine [150'] behaltet man kram der edel ist.
also behaltet gehügde bildung aller dinge die der mentsch ie gesah. an
disem sprossen sol denne du sele uf klimmen und sol erkennen daz si Gotte 5
glich ist dar an ; won alz si bildung hat in ir aller dinge und joch der dinge
der si nit ist, also ist Got ain bildung aller dinge, und ist ain lebender
Spiegel in dem ällü ding bild enphahent. er ist in hymelrich ain Spiegel
der engel und aller seien, da siht man den engel in Gotte und Got in
dem engel; da siht man Got in der sele und die sele in Gotte, und dez io
hant wir ain glichi von Got uff ertrich, jelient die maister: der zwene
Spiegel näme und die gegen enander hetti, so bildete sich ietweder Spiegel
in dem andern, ze glicher wis ist es ze hvmelriche : unser herre ist ain
lebender und ain ewiger Spiegel, [150 *] von dem ällü schonhait und üllü
vröd flösset; so ist och ain ieglich engel und ain ieglichü sei ain Spiegel. 15
die Spiegel glentzent alle engegen enander, won die engelschen und der seien
Spiegel sehent alle in den gütlichen Spiegel und ersehent sich selben dar
inne und er da wider in inen, und also ist Got ain Spiegel und ain bilder
aller der die in hymelrich sint, und aller creature, won er hat alle crea-
tur geschaffen also und gebildet in im selben daz man in dar an mag er- 20
kennen, und also ist och du sele Got glich an der bildung daz si in ir
gehügde hat bildung aller dinge der si doch nit ist. der ander sprosse ist
der sele vernunst; dü ist ain lieht der gehügde in der sele und entlühtet
die bildung. mit dem liehte der vernunst wird dü sele erkennent daz si an
der edelkait der nature Got gelich ist. der dritt sprosse ist dü minne; dü 25
gat ze/ZoO'/hant, nach der vernunst; won so dü gehügde der bildunge en-
phahet und dar nach dü vernunst erkennet die edelkait der bildung, so min-
net si es, und hat denne so groz vröde an den edlen und an den hohen
bildungen die si in der gehügde erkennet, daz si enkaines uswendigen dinges
bedarf, und zühet so gar sich in sich selben daz si enhainer vröden bedarf so
noch gert won die si an ir selben hat. und dar an ist si och Got glich so
vil, und si in irmassen mag. ünser herre hat alz gröz vröde und wollust an
im selben daz er zü siner vröde und wollust niemans bedarf won sin selbes.
1 f. die — sprosse] den ersten grat . daz G. 2. ain bildunge G. 4. also zegclichir wis G.
5. dfi] disiv G. Gotte fehlt A. 6. in ir allir dinge G, in allen dingen A. 7. der] div G.
9. vnde ain spiegil allir s. G. 10. siht man] sehen wir G. 11. von Got fehlt G. 13. es
fehlt A. 14. 1. spiegil . v. der ow. sp. G. 16. won — 18 Got] Vnde sehint indcn gotlichen
spiegil alle engilsliche spiegile . vnde in den engilschen epiegiln sehen wir den gotlichin spiegil . So
sehin wir och indeme gotlichin spiegile ainer iegclichir sele spiegil . vnde abir got Inder sele .
also ist vnsir herre G. 19. und] So ist er och ain bilder G. 19 f. creatur] dinch G. 20. also
fehlt G. in] got G. 21. und — Och] Zcgelichir wis ist G. 22. spr. der ltetire daz ist G.
24. bildunge . vnde git der sele irkennnnge . mit G. 25 f. der dritt — won] Zehant gat
n. d. v. der dritte grat . daz ist minne G. 26. der b.] die b. t 28. an noch und fehlt G.
SO. vnde het sich so g. in gezogin in s. s. G. 31 f. alse vil si G. 32. ermasse A, ir maze GZ.
33. und w. fehlt G. selbiz zosiner vro’dc G.
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234
56. Von unser» herren Offart.
er bedorft weder engel noch mentschen noch kymelrichs noch ertriches noch
kaines dez dinges dez er ie geschüf. won e er ie kain ding geschiif, do waz
sin vröde also groz so hüt dis tages. sin vröde ist alz volkomen an im
selben daz er niemans ze siner [150"] vröde bedarf denn sin selbes, also
5 ist öch du sele uf gestigen zü Gotte daz si alz groz vröde hat mit ir
selben daz si zü ir vröde niemans bedarf won Gottes allaine. nu merkent'.
dis ist vil wunderlich: dis dri gräte sint dri krefte in der sele, dar an si
glich ist der hailgen drivaltkait. und an den drin kreften sont ir lernen und
merken wie der sun von dem vatter ist geborn nach der gothait, und wie
io der hailig gaist von den baiden ist geflossen, dü erst kraft ist du gehügde.
dar an merkent wir den vatter, und in der hailgen schrift git man dem vat-
ter den gewalt und dem sun die wisshait und dem hailgen gaist die gtiti. nu
merkent reht! ir sont daz wissen daz man dem vatter dar umb nit den ge-
walt git daz der sun und der hailig gaist dester ungewaltiger sigint; man git
15 och dem sun nit dar umb [161*] die wishait daz der vatter und der hailig
gaist dester unwiser iht sigint; man git och dem hailgen gaist dar umbe nit
die güti daz der vatter und der sun iht dester ungüter sigint: si sint dri
benempt und ain gewär Got, eben gewaltig, eben wise und eben güt, doch
git mau dem vatter an dem namen den gewalt. nu ist bi der gehügde der
20 vatter bezaichent an der schrift und der sun bi der vernunst und der hailig
gaist bi der minne. und alz dü vernunst kumet von der gehügde, also ist
der sun geborn und geflossen von dem vatter nach der gothait; und alz die
drie krefte an enander nit mugent sin, also enmugent och die dri benempten
nit an enander sin, won nach der bildung gat vernunst und vallet denne
25 dar zü dü minne; und alz von den baiden dü minne flösset, alz flösset och
der hailig gaist [151"] von dem vatter und von dem sune. man git alles
dem hailgen gaiste die süskait und die güti, und da von bezaichnent wir in
bi der minne.
1. er] Got G. vor hymelr.] nivtis . wed' G. 2. ding] creatore G. 7. wunderlich] vir-
nunsticlichc G. grate . daz sint die krefte G. 10. den] in G. kr. daz ist G. 11. and;
wan G. 12. die hailigun wishait G. 14. sigint] sin . denne der uatir G. 15. deine ewigen
sune G. 16. gaist iht vnwiser sin denne er G. 17. iht — si] desto minre gdt sin . denne der
hailige gaist . Ez G. IS. eben gow. — güt] mit aime gewalte . mit ainir wishait . mit ainir
güti . mit ainir gothait G. 19. gow. inder hailigun schrift G. 20. an d. sehr, fehlt G.
21. alse ir daz merchint . daz div v. 6. 22. ewigen vatir G. 22 f. Vndo zegelichir wi»
alse dise drie G. 23 f. also — sin fehlt G. 24. und — 26 gaist) wan virnust mach nihi
von ir seibun sin . si infiz iemir etwaz han da an si si . vndo da uon si si . Vndo alse div zwai
btediv w erdint in der sele . beidiv bildunge undc virnust . So vallet zehant daz dritte dar za . daz
ist div minne . daz ez div sele denne minnen müz . vnde zegelichir wis alse div minne kämet
vndo fibir vlözet von der gehugidc . vnde von der virnust . also ist och der hailige gaist . ge-
vlozin G. 28. minne . Vnde da bi sunt ir uirstan daz der hailige gaist . in in baiden swebit .
vnde wie er von in baiden vluzet . Vnde als ir schint denne daz die drie krefte anainandir haf-
ten! . vnde doch drie namen hain . vnde enist doch enhainiv an dir andirun . Also ist der uatir
vnde der sun . vndo der hailige gaist . daz sint drie benemide . vnde enist doch niht wan ain
got . div driualtichait G.
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56. Von ünsers hcrren öffart
235
So nu disü sele dis laitren uf klimmet, so sol si denne an die dritten
laitren klimmen, du ist noch höher, daz sint die gütlichen tugenden. an der
laitren mag du sele ze Got reht komen. du laiter hat 6ch dri sprossen,
der erst ist der globe. der süchet die ersten warhait, daz ist Got, als sant
Johans sprichet: 'Got ist du lieht warhait du alle die erlühtet die von im 5
lernen went.’ und so du sele an Gotte gesüchet und erkennet daz er ist du
lieht warhait, so glichet si sich im dar an daz si sich flisset daz si och
den lip erlühtet und daz si och ain lieht si an allen iren werchen allen den
die si sehent, daz die von in werdent erlühtet. der ander sprosse ist du
minne. du süchet an Gotte minne und güti, daz er allen [151(] mentschen io
hj'melriches wol gan und daz er nie dekaim hymelrich vor beschlöz; ez be-
schlüsset aber laider mänig mentsch im selber vor mit münger höbet sünde.
Got geschüf nie mentschen zü der helle, im war vil liep daz alle mentschen
ze hymelrich käment. so du sele die minne an Got vindet, so geliehet si
sich aber im an der minne, die si hat ze fründe und ze vigind, ze güten 15
und ze üblen mentschen. an den güten minnet si Got und ir gütes leben;
an den üblen minnet si die edelkait der nature alz si Got geschaffen hat,
und hasset doch die sünde und daz übel an in. und da von spricht sant
Augustinus: 'ir sont die sünde hassen an dem sünder, und der nature edel-
kait sont ir an in minnen’. der dritte sprosse ist züversiht; dü süchet an 20
Got höhi und gewalt und ewekait und geliehet sich im aber dar an. an der
höhi [151 7 glichet si sich Gotte also daz si sich flisset daz si ain hohes
leben an tugenden habe, und versmahet ällü nidrü ding und zühet alles ir
leben und ir wonung an die höhi. an dem gewalt glichet si sich öch Gotte,
also daz si irs libes und irs flaisches alz gewaltig über al wirt daz ez niht 25
dez mag getün won daz der gaist wil, und müz im als gehorsam sin: swie
krank er ist oder mit so grosser arbait er im gevolget, so müz er doch
allez an im gehorsam sin. und swa dü sei hin wil, da müz ir der lip allez
nach volgen. an der ewikait geliehet si sich och Gotte, daz ist mit stüte-
kait, daz si ir gütes leben und ir tugende in stätekait bringet untz an den so
1. disüj div ß. geclimmet . vnde die drie sprozsin übir stiftet . also iv och ftesait ist .
Uehugide . virnust . vnde minne . So <7. 3. Div laitire der tuginde h. o. dr. spr. die div sele
vf climmen müz . wil si ze gotte komcu ß. 4. daz L G. fehlt ß. 5. sprichet] scribct in
einem büche ß. lieht] liehte vH div Inhtindc ß. 7. im] got ß. 8. ain fehlt A.
9. ir ß, in A. sprosse] grat daz ß. 11. er fehlt A. 14. ze deme h. ß. 15. im] denne
gotte ß. 15 f. die — güten] vri vnde . viende . güte . vnde ubili v menschin an deme güten men-
schin ß. 17. ubilen menschen minnent ß. alz si] als in ß. 18. 20. ime ß. 20. sprosse]
grat daz ß. 21. gewalt vß edelkait vfl ewekait .4. sich abir dar an gotte ß. 24. an
dem — Gotte] So gclichit s. s. o. g. an deme gew. ß. 25. alz fehlt ß. über al fehlt ß.
2b f. niht dez] nihtcsnilit ß. 27. so gr.] swie gr. ß. doch fehlt ß. 28. an im] der
sele ß. 29. Si gelichit s. 0. g. a. d. ew. ß. SO. an an 4.
5. Joan. 1, 9.
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236
56. Von unsere herren (Iffart.
tot. der hirtze ist der nature daz er allez an nah im lat ainen smak von
den fiissen, und dem smak lofet der hunt mit also grosser girde [152’J
nach daz er niemer geriiwet; und so er vor müdi den lip nit me verdennen
mag, so züliet in doch du girde dez smakes daz er allez nach dem hyrzen
5 loffet. ze glicher wis geschiht der sele so si unsere herren gesmeket, alz
da stat geschähen in canticis; so löffent si flisseklich dem gesmake nach
daz si niemer den lip lant gernwen, e sü in an daz ende bringent. daz
ist der sei ewikait, so si in der stAtekait loffent untz an daz ende ire
lebens. und in der bitung hat si so groz züvereiht daz si allweg frölieh
io und unbetwungenlich Oot dienet in gantzen tugenden. und da von spricht
ain hailig man: ‘züvereiht daz ist ain gewisse bitunge der dinge die von tu-
genden und von gnaden koment’. in der gewissen bitung loffet der gaist
und hat so brinnend girde daz er daz begrife dez er da gert: daz dez du
sele wünschet daz si erlöset werde [152*] von dem übe, daz si Got denn
15 reht mug umbvahen und sich an in heften und sich mit im nieten aller
vröden. und dar nach hat si groz girde daz si vri werde von dem libe:
daz ist von dem libe und von dem gaiste ze allen ziten ain strit und ain
krieg, also sprichet sant Paulus und och dü sele: 'owe herre, wer löset
mich von disem sake da ich inne bevangen bin, daz ich min liep gesehen
20 muge’. und in der girde lofet der mentsche dem götlichen smake nach und
verdent sich reht druf mit stAtekait untz an den tot, denne wirt der sele
gegeben ain oge da mit si Got durch schowet luterlich und unverdaht.
und dar uf disputieren! sümlich maister, und duht sü daz unmuglich daz wir
Got soltint sehen an bedekung, und erkantent sin schonhait alz hoh uud alz
25 groz daz sü dez jahent daz weder engel noch sei in gesehen möhti an ver-
deken, er müsti etwaz verdekung an sich nemen, daz wir in gesehen mugent
1 . nach tot] also belibet si in stietichait hohis lebinnes . dar an si sich gcliehit der ewichait .
die div sele an gotte gfllite . Si belibet och 8ta>te an demo gewalto so der gaist het übir den lip .
vnde in der sttetichait lo'fet div sele gotte nah also der edile iagchnnt deme hitzo G. von]
an 6. S. vor m&di] also m&dc ist daz er G. für gedennen G. 6. da st geschr.] div sele
sprichit G. so — gesmakej Min gemahile het sinen smach vz virlazsen . denie smache lo'fet si
so hizecliche G. 7. lat G. cor cj mit so grozir girde lo'fet si deme gotlichin smake nah .
vnde so der lip iezo niimme mach . vnde so si sich so sere nah deme smacke het virdent . daz ime
rehtc gebresdn wil der kraft . so ztihit in abir der gaist fflrbaz . wan div sele het so groze girde .
daz si got begriffe . daz si den lip niemir lat gerflwcn G. bringet G. 8. ewichait . da mitte
si sich gelichit gottes ewichait G. lo’fet G. 9. groz] ganze G. 10. Got fehlt A. IS. eri
si beidemal G. da] zallcn ziten G. 18 f. dez d. sele] si von rehtir girde G. 15. mag
nmbv.) umbc valic G. hefte G. niete G. 16. und fehlt G. si so gr. G. daz — libe
fehlt A, daz si von deme I. vri werde G. 17 f. daz ensnischon deme übe vnde deme gaiste
z. a. z. a. kriech ist . vnde also apr. G. 18. und och] Also sprichit o’ch G. 20. 1. div sHe
vnde der m. nah gotlichimc smacke . vnde G. und fehlt A. 22. ain — unverdaht] daz
nrehe o’ge daz g. dur scho’wit . da mitte wirt si got lutirliche v. v. schowinde G. Gotte .1
25. seien G. mohtin G. 25 f. uirdcckunge G. 26. mebtin G.
6. im Amchlufl an Cant. 1, 3. 18. Rom. 7, 24.
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56. Von finsors horron flffart
237
[152‘J. spricht Beda: ‘si sont trübes wölken hin tun, da mit si uns die
vröde und daz lieht ünsers herren woltent verdeken und da mit git er
uns urkunde daz wir Got luterlich an alle verdekunge werdent schowend
und sehend reht mit offnen ögen. des git uns sant Paulus och ürkünd.
er spricht daz wir Got luterlich und an verdekung werdent sehend ze hy- 5
melrich offenbar und än allen gebresten von antlütz ze antlütz.
Waz wir aber an Got werdent schowent, dez vindent wir bezaichnung
in her Movses büchen, daz da haisset aiu usvart. und dar an sont wir
merken daz us müz sin gevam der mentsch der Got schowen wil; ez mag
nit in disem libe gesehen, ez müz us sin geraten und müz erlidget und io
erlöset sin von disem libe und von der weite und von zergangklichen dingen
und müz reht fri sin von allem kumber. in dem [152*] büche vindet man
daz unser herre kern Moysen hiez machen ain gezelt und ain gotzhus und
hiez in daz taillen mit aim umbehange. und in den ussreu tail da brahtent
die juden ir opher und begiengent die ewarten ir andaht da, und in dem ts
inren taile da engie nieman in won der byschof ainest in dem jare, und begie
denne den andaht dar inne. in dem gotzhus sach man drü ding: daz ain
waz ain tisch und dar uff brot, und ain kertzstal und dar uff ain lieht, und
ain arche und dar inne drü ding, an den vindet man bezaichnunge driger
dinge die wir werdent schowent an Gotte in hymelriche. 20
Bi dem brote ist bezaichent unser herre. der ist daz lebent brot mit
dem allü ding gespiset werdent die in hymelriche sint. und daz [153*] er si
ain lebendes brot, dez git er uns ain urkunde in dem ewangelio. da sprichet
er: ‘ich bin daz lebend brot, und swer von mir gespiset wirt, der sol iemer
eweklich leben.’ und du spise wirt nit in uns verwandelt alz du spise dez 25
libes, wir werdent verwandlet in si, daz wir eweklich lebent in Gotte, sant
Augustinus horte ain stimme, du sprach: 'du wirst verwandelt in mich und
und ich in dich, so du enphahest mich.’ also sont ir wissen daz wir in Got
verwandelt werdent, won er ist du hymelsche spise mit der wir alle also ge-
spiset werdent daz wir eweklich lebent. nu sint drü ding in hymelriche die so
üns ain ewiges leben machent. daz erst ist daz lebend brot von dem ich
gesait han , daz ist ünser herre. dez andern vindent wir urkünde in Apo-
1. Daz widir wirfct sanctus Beda . vndc sprichit . siv sun ir tr. G. S. üne] ain G.
an alle] vnde ane G. 3 f. schow. und fehlt G. 4. ain urkunde G. 5. Got fehlt A.
5 f. ze deine b. G. 0. (dienliche vndc ane allir slahte hresteu G. S. büche . daz büch hai-
zit G. wir] ir G. 10. gcschehin besser G. 11. disem) denie G. von allen zerg. G.
12. dom] disim G. 15. amballt G. 17. daz ambaht G. Vnde in G. 19. dien drin
dinget uindet G. 22. ding] die G. er] unsir herre G. 23. üns ain fehlt G. 23/'. da
spr. er] Er spr. Ego sum panis vivus G. 24. daz] ain G. 25. dez] unsirs G. 27 f. du —
mich] vnde sprach div . Edo me . Iz du mich also daz ich nibt werde uirwandetot in dich . du
solt in mich virwandelot werdin G. 29. ist fehlt A. also fehlt G. 31. ain fehlt G.
32. dez] der G.
5. 1. Cor. 13, 12. 13 f. Exod. 25 ff. 37. 24. Joan. 41, 51.
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56. Von fingere herron ftffart.
calypsi. da [153*] liset man daz sant Johannes in der togni waz, da sach
er ain lämli, daz traip alle hymelsch scharen zu enander zü aim lebenden
brunnen, von dem flussent lebendü wasser. hie bi sont ir merken daz da
frid ist ftn alle vohrte. der brunne Lst unser herre, von dem wir werdent
5 getrenket, daz wir eweklich lebent. daz dritte ist och bezaichent in Apo-
calypsi. da sprichet sant Johannes daz im wart gezaiget vil schöner bome,
und hattent die vil grüner löber und warent ze artzenie gilt die bome sint
die seien die in hymelriche sint. du löber sint alle die tagend da mit der
mentsclie daz hymelrich müz verdienen und gewinnen, die tagend sint ain
io ärzenie der sele da von si gesunt wirt und gewinnet daz ewig leben in
hymelriche. dis sint dü drü ding von den wir ewiges leben in hymelriche
hant. von dem lebenden brote werdent [153*] wir gespiset und gewinnent
ain kreftiges leben, daz uns enkain krankait noch dekainer siech tag iemer
betrübet, von dem lebenden brunnen werdent wir getrenket und gewinnent
15 ain rainnes leben, daz wasser ist von nature daz ez rainnet: und also
werdent öch wir gerainet von Gotte, der der lebendig brunne ist der da
flösset über allez hymelriche. daz leben ist also raine daz enkain mentsche
dar körnen mag daz dekainen fleken hat. wir gewinnent och da ain
vröliches leben, daz merkent wir an den löbern. und alsuz hant wir mit
M ganzer vröde ain iemer werendes leben.
Daz ander daz wir an Gotte schowent, daz ist schonhait daz vernement
wir an dem liehte daz in dem gotzhus waz. und also merkent wir daz Got
daz lebend lieht ist in hymelriche, da von allez hymelriche erlühtet wirt.
und daz daz war si, dez hant wir ur//53Ykünde in dem ewangelio. da
25 sprichet er: 'ich bin ain lieht daz alle die weit erlühtet’. sant Johans
sprichet: ‘ze hymelrich ist weder sunne noch man, noch kain irdesches liehtes
bedarf man da; ünser herre ist daz lieht daz da lühtet und alles daz er-
1. daz) do ff. 1 f. sach — enander] wart iine irzaiget a. I. d. tr. alle die himilachtm mc-
nigi . Vndc die h. schar G. 4. brunne von deine div lebinden wazsir vliezent . daz i. u. h.
got der ist der lebinde brunne von ff. 5. ist o. b.) von demo wir och ewiclichez lebin hain
in himilriche . dez vindet man och bezaicliinunge ff. 6. spr.) sc’bet ff. 7. die b. s.) Bi
dien schonen bo'men sint bezaiebinot alle ff. 8. dfi I. s.] Vnde bi den grfinen io’ bim div zar-
zenige gilt waren . da bi sint bezaichint ff. 9. daz fehlt G. verdienen u. fehlt ff.
11 f. dis — hant] Von dien drin d. hain wir ew. lebin i. h. ff. 12. brote unsirme herren w.
w. ewiclicho gesp. ff. IS. iemer] niemir me ff. 14 f. von — leben] Wir gewinnen och ain
raines lebin . daz mcrckint an dien lebinden wazsirn . div er da sah vliezin von deine lebindin
brunnen ff. 15. von] der ff. 15 f. und — ist) also snnt ir wissen daz wir ain lutirikhis
lebin hain in himilriche . Wan wir werden alle gerainet von gotte deme lebindin brunnen ff.
19 f. und — vräde] daz ist ain urkunde daz w. m. g. vr. hain ff. 22. und — wir) Dabi mer-
chint ff. 23. lieht fehlt A. 24. und — wir] Daz unsir herre ain licht si . dez git er ff.
24 f. da er spr. Ego sum lux mundi . Ich G. 25. entluhtet het G. 25 f. sant J. spr.] vnde
daz ist ain urkunde daz er och in himilriche ain ewiges lieht ist . daz alliz himilriche entluhtet .
vnde da uon scribet s. ioh. ff. 27. bedarf m. d.] bedürfen wir da niht ff. 27. lieht — 239, 1 ist]
ewige lieht . unde der lebinde sunne der uns da lühtet . Abir ff.
2 f. Apoc. 7, 17. 6. im Anschlu/I an Apoc. 8, 7. 25. Joan. 8, 12. 26. Apoc. 21,23.
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56. Von unser« herron tlffart.
239
lühtet daz da ist.’ sin mentschait ist uns ain schönnü lucerne. also sprichet
sant Peter: 'die engel sehent in ze allen ziten gelustklich und girlichen an.’
dar an mugent wir wol merken daz daz ain wunnekliches lieht müz sin daz
man ze allen ziten girlich ane siht mit vröden an urdrutz, und hant ez ietzont
doch me denn drüzehen hundert jar und drü jar sin schönnen mentschhait 5
an gesehen, und sehent si noch alz girlich an alz dez ersten tages. und
wäre nit me liehtes in hymelriche denn daz lieht, da wäre doch [154“]
iemer liehtes genüg und schönhait und über daz allez hat er uns geben
daz ain ieglich engel und ain ieglichü sei ist ain lieht in hymelrich. daz
liset man och in der Schrift daz ains ieglichen mentschen lip siben stunt io
schöner wirt denn du sunne. und ist noch denne du sele alz schöne und
alz luter daz ällü du schönhait du an aller hailgen lip ist die in hymelrich
sint, du enmag sich nit geliehen ainer aingosten sei in hymelriche. nu mer-
kent wie mänig tusent lieht in hymelriche ist, baidü an engein und an
seien, und dar z& ains ieglichen mentschen lip! und über ällü dü liehter 15
lühtet daz ewig lieht, ünser herre Jhesus Christus, an baider naturen, siner
gothait und siner mentschait. von dem liebte werdent ällü hymelschü lieht
erlüh/i54*/tet und enzündet und vollebraht. da von sprichet sant Jacob:
'ünser herre ist ain vatter der liehter', reht alz ob er spräche: ez ist daz
ewig und daz lebend lieht, und ällü hymelschü liehter sint von im geborn 20
und geflossen, und daz er sprichet 'ain vatter’, dar an merkent wir daz er
ainer ieglichen sele vröde ist und ir sälden geret, alz ain vatter sins lieben
kindes gefüres. und alz der vatter ze allen ziten daz kind ist höhrende an
eren und an allen sälden, also ist ünser herre ze allen stunden die sele
Aöhrend und merent an allen hymelsehen vröden und sälden; und dar umb 25
haisset er wol ain vatter der liehter.
Das dritte daz man in dem gotzhus sach, daz waz ain arche. dü waz
innan und ussnan guldin und waz von alz edlem holtze daz ez weder fulan
noch brinnen mohte. und in der arche warent drü ding: da waz inne
hymel/fö-f '/brot und ünsers herren e und ain rüte. bi der arche ist be- so
zaichent ünser vrowe. dü waz ussnan und innan also rain und also künsche
daz si nie bewollen wart mit dekainer unkünschi weder an hertzen noch an
4 f. ez — drü jar] siv doch wol drivzehin hundirt iar G Z TV. 6. si] in G. dez e. t.]
der erstun Stande . do er ain gast da was G. 7. da wtrc] wir hettin G. 8. allez] lieht G.
er üns] uns got G. 9. ieglich fehlt G. 9 f. vnde liset m. daz och G. 12. allir der h. G.
13 f. merkint denne wie G. 14. tivsint tusint G. 15. nbir div lieht elliv G. 16. Jh.
Chr. fehlt G. 17. mcnschaite lieht . Von G. 18. Vnde dannan uon G. 19. als er G.
ez A, er G. 21. merkent — er) vimemen w. d. unair herre got G. 22. ist — geret] vnde
sieldon also girich (i. geret) G. liebin G, liebes A. 23. ho'hirendo G. 24. an sa-ldon G.
stunden] ziten 6. 25. ze hihrend A. and vor dar umb fehlt G.
2. Petr. 1, 12; Matt. 18, 10. 5. darauf geht hervor, daß A eine im Jahre 1303 angefer-
tigte Handschrift zur Vorlage hat, während die Lesart von OZW (1300) unbestimmter ist.
10. Matt. 13, 43. 19. Jac. 1, 17.
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56. Von unsere herren üffart.
libe. und e si noch ünsern herren enphiengi, do waz si alz rain daz si nie
höbet sünde getet noch mohte getün, alz edelr nature waz si. und aber do
si ünsern herren enphie, do wart si so gar raine daz _si weder tätlich noch
täglich sünd moht getün für daz me. in der arche waz by'melbrot. daz
5 hymelbrot waz ünser lierre ; den hat si nach mentschlicher natur beschlossen
in ir libe. daz ist daz ewig brot von dem wir alle gefäret werdent in
hymelrich.
[57. J Von dem wort Gottes.
(Verbum Christi habitet in vobis habundanter ; doceatis et conmoneatis vos -
io metipsos etc.]
'Unsers herren wort sol in ürem hertzen wonen', spricht sant Paulus.
Zwaiger hand Gottes wort sont ir merken: ains ist Gottes wort, und ist
Got selbe; daz ander ist aines (154 “] ieglichen Predigers wort, daz ist von
Gotte und ist doch nit Got. daz wort sont ir also enphahen daz ez wone
15 in üwrem hertzen: swa der prediger hin lofe, daz ir mit Gottes worte üch
selber lerint und manent. daz dir der prediger in geschnide und gemale. daz
solt du bachen. wilt du iemer us löffen bitten brot? nit! bachen selbe din
brot! daz dir der prediger sage, daz gehalt in dim hertzen und lere dich
selber wie du tugent übest und gütü werch. Sterke dich selber, so dich
20 dekain kumber an valle, mit Gottes worte! nim Gottes worte ze aim schilte
in dim strite und büt in für ze allen orten: swa dich die vigint wellent
verwunden, da wer dich stäteklich mit Gottes worte. vehte dich an un-
künschi, daz vertrib mit arbait dins libes; vebti dich an zorn, daz vertrib
2. getet] begie G. S. do wart si do so G. tätlich] ho’bit sunde G. 4. t. sunde nie für daz
me me mailte getan (?. 6. der ist G. 7. nach hymelrich] Vnde an deine wir ewige setti hain .
niht alse wir hie sat werden mit swteri . abir in bimitriche werden wir sat ane swteri . unde goren
ein zallen ziten . vti von der begerunge hain wir in hain scr . Vnde dannan vo sprich» sanctu«
gregoriua . Zchimilriche ein wir gottis allewege sat . unde geron sin doch zollen ziten . Vnde div
setti ist ane swa're . vnde ist div girdc mit vro'de ane ser . vnde daz ist uns ain urkunde daz
wir setti hain ane swteri . vnde girde ane ser . Daz himilbrot hatte och die kraft . daz ca sfize
was iudeme munde . vnde swez siv gednhtou . da nah smaht ez inen . vnde swcz siv gertun . da i
b;etton siv alliz dran . Zegelichir wiz ist daz sfize brot vnsir berre von himilriche . an deine wir
alliz daz hain . dez wir gedenchen . vnde dez wir goren . Vnde alle unsir sinne sint mit gotte gar
vnde gänzliche erfüllet G. Z nach erfflllet] werden . des helfe vns got amen. 8. Überschrift
fehlt G W iV, Santo Paulus sp'chit (rot) Z, De nativitate Arundel. 9. Der lat. Text fehlt
11. vor Unsere] Disiv wort sprichit sanctus Paulus GZ. spr. s. P.) riliche . daz ir ivch
selbin gerne manent G. 17. solt du selbe bacbin G. lo'fen zandiren luten bitten G.
22. starchlichc G.
8. Die Predigt steht in G Bl. 75d, Z Bl. 88 ", W Bl. 56’ als 11. Predigt, .V Bl. 59m, Arnndel
BL 85 •; fehlt Phitl. — Gedruckt nach A bei Wackcmagel S, 100 mit den Lesarten aus Z.
9. CoJ. 3, 16. Text oben nach G, in der Vulgata lautet derselbe: Verbum Christi habitet in vobis
abundanter, in omni sapientia, doccntcs et commonentes vosmetipsos.
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57. Von dem wort Gotte».
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mit güti; vehti [155’] dich an ungedultekait, daz vertrip mit gedultekait;
vehti dich an hoffart, daz vertrip mit demüt; vehti dich an trakait, daz
vertrip mit dankbAri; vehti dich an gitkait, daz vertrip mit williger armüt;
kurtzlich swaz dich an vehti von Untugenden, daz vertrip mit lügenden !
also leret uns sant Paulus in der selben epistel wie wir uns beklaident mit 5
fügenden: 'ir sont an legen’, sprichet er, 'daz klait der fugend, lieben kint!
flissent üch miltekait, erbarmhertzkait, künschkait, demfitkait, gedultekait,
senftekait', won dise tugent sint alle der seien klait. und über diz tugent
alle sont ir üch Hissen der minne, dti ist ain brutmantel der seien, da mit
si wirt Got gefüget ze ainer brut; won an die tugent der minne ist kain io
tugent hvmelriehes wert, und aber von der tugent der minne fl 55"] so
werdent alle tugent hymelriches wert, 'an die minne’, sprichet er, ‘ge-
vallet Got enkain tugent.’ der tugent nit minnet durch iren nutz, der möhti
si minnen durch ir edelkait. man liset von aim baiden: der hatte alz edel
gehügde daz er nit gutes mohte vergessen; swaz im aber laides geschach, 15
dez vergass er zehant, also solt du, sAlger mentsch, haben ain güt ge-
hügde: swaz du gutes hörest von Gotte sagen und von fügenden, daz solt
du gehalten untz es dir ze statten kome. und alz dich denne dehain arbait
an gat, so nim für dich die güten wort die du gehöret hast, und tröste
dich da mitte und hilf dir selben din arbait tragen mit Gottes worte. 20
du solt dich selben leren und predigen: tugent und güt leben, nach der
liymelschen vröde dik gedenken, trost an Got suchen, der prediger wAre
dir dik ze verre rat und tröste /155' ] an im ze süchenne, such du an Got
trost und rat und allez daz du bedarft ze libe und ze sele. er ist vol
süsses trostes, volkomenes rates, vol miltekait, erbarmehertzkait und aller 25
tugent hundert tusentvaltig. da such allez daz du wilt, er git dir süssek-
lichen trost.
1. gflti undc mit miltichait G. dich an fehlt A. Bei Blatt 155 springt A in der Blatttiihlung
von 154 auf 156 über. 4. Vnde kurzliche G. an — tagenden] untnginde an vehte . die solt du
v. m. ainir t. G. 6. vor ir] Er sprichit och G. Bpr. er fehlt G. 8. alle d. s. kl.] ain clait der
s. G. 9. alle sprichit er . sunt i. iveh sere vl. G. 10. won] vnde G. 11. aber fehlt G.
tug. d. m. sol minne wirdichait G. 12. än — er] Also leret sanctus Paulus der groze predisere . •
daz (d. wir Z) uns selbin leren . vn inanen vf tuginde . vnde alre maist uf die minne . wan ane
die m. G. 14. ir fehlt A. 15. Got/tes A. 16. t-or dez] aide swaz ime ieman übils getet G.
19. w‘ch A. 20. tragen] übir winden G. nach Worte] also solt du selbe bachin din
brot . du solt nilit alliz an vz lo'fen bitten |b. brot Z) . daz ist also gcsprochiu . du cnsolt niht zan-
diren livtS lo’ffen . bitten brot . daz ist also . du cnsolt niht alliz an andirri livte tro'stes be-
dürfen . vnde ir ratis . du solt dich selbin tro'stcn mit gottes worte . daz du gcho'rit Inest . von
dien hailigon . von dien livten . von den botton . von dien brfidim (den broderin Z) . von dien
prediern . von dem ewangelio . daz lege indin herce . ob du ioeli niemir predier gessehist . in aime
iare . odir in zwain . noh engehortiat . daz du dich selbin lerest . undc manest , du cnsolt dar umbc
niht zirgan an tnginden . ob du prediere niht enhast . alse dicke so du wilt GZ. 21 f. nach —
dik] vfi hailiges . mach dor mesche gnadicliche G. 23 f. »Och — allez fehlt A. 25. allir G,
alle A. 26. daz d. w.] dez d. bedarft G.
6. Col. 3, 13 f. 12. ebenda.
Deutsch« Tsxta des Mittelalters X. 16
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57. Von dem wort Gottes.
Nu spricht saut Paulus: 'Gottes wort sol wonen in üwrem hertzen', daz
ist daz lebend wort, Christus unser herre, von dem sant Johans schribet:
‘daz wort in dem angenge daz waz daz angenge'. daz waz du hailig got-
hait, du ist ain angenge und an angenge und ain ende und an ende, dis
5 wort daz wart gesant her in ertrich und waz doch wonent in hymelriche.
er waz in sins vatter hertze wonent und in siner miiter schöz sagend, dis
wort wart ze flaLsche an der stunde do er enphangen wart in der rainnen
mägde lip siner müter; von der nam er daz flaisch und daz vil rainne blüt
daz an irem vil rainnen lip waz, und wart mentsche [155*] in ertrich und
io waz hie mit uns blibent , und waz doch in sins vatters schöz wonend.
man sprichet: ‘Got geschuf mit aim Worte hymel und erde’, daz wort waz
sin lieber sun. unser herre waz daz lebend wort daz hie waz uff ertrich.
und doch dester minder nit in hymelriche, alz ir hörent daz ains mentschen
wort die kraft hat daz ez üllü mentschen enphahent die es hörent, und
15 doch daz wort ungetaillet ist. nu merkent daz hie bi: so ain prediger
Gottes wort sprechen wil, so gedenket er waz er sprechen wil, so wirt daz
wort geboren in dem hertzen und kumet in den munt von dem hertzen;
so git er ez denne allen den die in hörent, in ir oren; so flüsset ez
denne von den oren in daz hertze. gantz und ungetaillet wirt ez ieg-
Ji liehen geben, und blibet ez doch dem priester. sit nu dis mentschen wort
[156‘] die kraft hat, so ist Gottes wort, daz Got selb ist, tusentstunt
kreftiger, daz ez sich wol mag taillen ungetailten also daz er sich her in
ertrich gap ze sehenn und ze hörenn, und doch in sins vatters schöz waz
wonent; und alz ir och sehent daz wir unsere herren lichamen enphahent
25 alz daz süsse wort: ieglich mentsch enphahet Got volkomenlich nud gantzlich,
und ist er doch in siner kraft nit minder denn er e waz. des merkent ain
glichi an der creature: du sunne stat in der höhi dez hymels und git ir
1. hercen riliche G. 2 /. scr. insinem buche . Inpriucipio erat uerbum . Diz wort G.
4. vnde ist ane aiieg. v. ain ende ane ende G. 6 /. dis wort] vnde waz in einer mntir schote
suginde . vnde in eines vatir hcrccn wonende . diz waz daz wort da uon der wiasage sprach .
Verbum caro factum ost . daz wort ist zcvlaische worden . ez G. 7. rainnen] kivachun 6.
11. d. wort daz waz G. 12. herre Jheeus Christus daz waz G. 12 /. hie — nit] wort waz
indeme anegenge . vnde waz in gotte ane anegenge . vnde got waz daz wort . daz selbe wort daz
got was . vnde ist . daz kam her inertriche . doh belibindc G. 13. ainis zirganclichin m. G.
14. elliv div m. G. 15. daz fehlt A. 17. insimc h. vnde uon deine hercen k. ez in
d. m. G. 18. er fehlt A. ez denne] denne daz wort von sinem munde daz intime hercen
ist gebom . daz git er G. in h.] sin wort ho'rint . daz vlfizet uon sinem munde G. 18/. so
fl. e. d.] vnde G. 19 f. gantz — priester] vnde wirt also gegebin . allen dien die ez enphahin
wen g. u. ung. w. e. icgclicbem menschin g. vnde doch swie wite der predier sin wort tailet . so
bclibet ime daz selbe wort . Nu ho'rt G. 19/. iegliche A. 20. dis] dez G. 21. wort daz
wort daz G. 28 /. schöz w. w.] hercen w. er wonende . vnde swie er in menschlichir nature
was wonendc . do waz er doch insines himilschl vatir hercen bclibinde G. 27. vor dü] Ir
sehint wol G.
3. Joan. 1, 1. 11. Gen. 1, 1; 2, 4. 13/. vgl, oben S. 6 Z.3ff.
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57. Von dem wort Gottes.
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schonhait und ir lieht aller geschepfte har in ertrich , und wirt doch der
schin und du klarhait der sunnen nit gesondert von ir. also schain daz lieht
ünsers herren Jhesu Christi har in ertrich, und wart doch nie geschaiden
von sins vatter hertzen. dü hymelsch sunne du schain herab durch daz
venster [156 '’j und erlühtet daz tempel. daz venster waz sin süssü müter: a
durch die schain er in dis armen weit und erluhte daz tempel, daz waz du
cristenhait, du wart erlühtet von siner mentschait. also sprichet sant Johannes
daz er ist ain lieht daz alle die weit erlühtet, und von dem ällü dü weit ir
leben und ir wesen hat. nu prüvent wol disü wort! so dü sunne nimt von
dem glas dez glases varw, so vervArwet sich der schin dar nach: wiss, rot, io
gel, blaw, grüne, und swaz varwe daz glaz hat, die nimet dü sunne an sich,
also tet ünser herre Jhesus Christus, er schain in daz luter glas, in der
süssen mAgde lip, und nam die rainnen mentschait von ir, daz ir rainer mag-
tüm nie wart vervArwet waz nimet aber daz glas von der sunnen? daz
tut es: klarhait und luterkait. und also nam öch ünser herre von ünser 15
vrowen die mentschhait und aber si von im luterkait [15(>‘J und klarhait. ez
Ist war daz si luter und klar und rain waz und unvervArwet von allen
sünden; doch waz si doch also daz si wol möhti han gesundet, aber do si
der hymelsch sunne durch schain, do wart si so klar und so luter daz si
für daz nie rnohte gesünden; hetti si joch gern gesundet, si enmohte. was 20
aber dü sunne von dem glas neme, daz merkeni ir sehent wol die sannen
schinnen durch daz glas und nimet ir schin dez glases varwe an sich (daz
waz siner müter glicht), und blibet doch daz glas gantz und unverwerret
und verlüret och dü sunne ir kraft und ir schöni niht. also nam och
ünser herre siner müter glichi an sich: munt, ogen, nasen, brauwen, hende 25
und Allü sinü gelid waren t reht gedrAget nach ir libe und nach ir ge-
schephde. er waz ir gelicher denn ain ander kint siner müter; won ain
ieglich mentsch ist zwaier ment/766' "/sehen kint, und ist an dem munde
siner müter glich und an den ogen dem vatter, und ist also getaillet.
und also ist ez och getaillet an der liebi. aber dü rain Maria hat ainen so
2. ir] der sunnvn G. Also zegelichir wiz sehinet d. himilsche 1. G. S. vneir herre ihc
xpe G. 4. svr.ne A. dü nach sunne fehlt G. 4 f. daz scho’nc u. G. 5. daz u. daz waz G.
6. er her in G. 7. Joh. uon ime G. S. ain — die weit] daz geluhte . daz elliv licht G.
dü weit] dinch G. 9. bain G. 10. so verv.] vnde verwert G. 12. also) Zegelichir
wiz G. het . . . getan G. IS. lip sancte tnxriun G. 14. virwert G. nach sunnen) cn-
trü wen G. 15. tüt fehlt .4. 15 f. und also — klarhait] Zegelichir wie nam unsir vrowe clar-
hait undc 1. von deine lebinden sunnen G. 17. und klar fehlt G. vn virwert G. 18. doch
vor also fehlt G. 21 f wol so d. s. schinet d. d. gl. so nimet der sunnvn schin G. 23. glich A.
24. och] doch G. 24 f. also — sich] Zegelichir wiz nam div lebinde sunne dez glases
uarwe ansich . daz waz s. m. gcllchi . sin G. 25. siniv o'gen . sin n. sin bra sine h. G.
2fc. mentsch] kint G. 29. an — vatter] ist deme vatir andien o’gen gelich G. SO. vnd ist
also getaillet A.
7. Joan. 1, 9.
lfi'
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57. Von dem wort Gottes.
ungeteilten sun an lieb» und an gelidern. dis waz daz wort daz von hymel-
riche in ertrich kam, und dis wort sol uns leren und manen alle wishait,
alle tugend, alle sälikait; won ez ist volkomen an wishait, an güti, an
süssekait.
5 Sant Paulus sprichet: 'ir sint ain tempel Gottes und ain hus\ nu
wissent ir wol: swa ainer edelr fürste wonen wil in aim hus, an dem
huse müssent vier ding sin. es müss schön sin und wit und stark und wol
beraten, won wär ez unflätig, so gezäm aim grossen fürsten drinn übel ze
wonenn, wäri ez och enge, so gezäme aim grossen fürsten aber drinne [167 ’]
io nit ze wonende, won er möhti mit sim lieben gesinde nit drinne bliben. wär
ez nit stark und wäri vellig, daz die wend sigint, so blibe er och ungerne
drinne. wär ez och ungeraten und wär öde, so gezäm im aber übel drinne
ze sinne, disti selben vier ding müssent wir an lins selben vertriben. wellent
wir Gottes tempel sin.
15 Zem ersten müssent wir han rainkait. nu sprichet ain hailge: ‘swer rain wil
sin, der müz striten wider in selben’, nach der rede mag nieman ane striten
sin. swer nu sin hus, sin hertze, wil raine halten, der müz striten wider die
flaischlingen bekorung und wider den gaischlichen Sünden, flaischlich mttde daz
ist frasshait und unkünschi. wider der frasshait sol man striten mit vastenn
20 und swach spis essen; wider die unkünschi sol man striten mit veniande, bet-
Wir nutzen zem erst han rainichait . nu eprichit ain hailige : 'swer raine wil ein, der
müz striten widir ime selbin ’ , nah der rede enmach nieman ane strit sin : der junge
müz striten mit einer jugent, der alte mit einen Bitten; wan mit langir gewonliait müz
der menscbe striten also mit der nnture . unde swer sin hus, sin herce, rehte rainen
25 wil, der müz striten widir dien vlaischlichen bechorungen unde widir dien geistlichen.
Flaischlich sunde daz ist vrazhait unde unküschichait . widir der vrazhail sol der
mensche striten mit vastenne unde swacke spise ezsin ; abir widir unkuschicbait solt du
1. ungeteilten — 5 sprichet] ganzin sun . baidiv (b. an vollecomener geliclic vnd an Z) an nolle-
kumink liebi . daz waz div nature (d. varwe Z) die der himilsche sunne cnphie von demc glase
daz er ir gar gelich waz an o'gen vnde an munde . vndc an siner rainvn menschait . Diz. waz daz
lebinde wort daz von himilriche wart gcsant . her in ertriche vnde waz hie wandilonte . in meusrh-
lichir nature . vnde waz hie in ertriche insiner mütir schoze suginde . vnde waz in himilriche
in sines vatir hercen wonende . diz wort daz (/. was Z) xpc unsir herre . der ist daz lebinde
wort vnde daz wort ist got selbe . Nu pr&vint me . daz wort sol wonen riliche in iwiren bervcn
daz ir ivcb selbin lercnt vnde mancnt . diz ist daz wise wort . daz süze wort . daz da selbe leret
alle wishait . alle tuginde . unde alle sadichait . wan ez ist vollekomin an wishait . an göti an-
s&zichait vnde an allir süziclicbir lerc . vnde ist selbe div ho’hste wishait . der obirostun grtti . diz
sol wonen in iwiren hercen . Wan sanctus Paulus sprichit der hailige apostolus G. 1. lib .4.
5. tempil vnde a. h. gottes G. 6. ain A. 8. drinn fibel] niht drinne G. 9. zenge G. 9 ge-
zäm e — mähti] enmehte er G. 10. bliben] gewonen G. 1 1. nit — wäri] och G. so bl.) vnde
bibinotti . so wirre G. 12. vngerate A. vndc o’de G. aber] och G. 15. wir och an G.
14. sin . daz er in vns wone G. 15 f. der Text von G ut in der nceiten Spalte mitgrtrüt.
18. fl. s. fehlt A.
5. I. Cor. 3, 16; 6, 19; II. Cor. 6, 16. 5 ff. vgl. oben S. 84 Z. 10 ff.
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57. Von dem wort Gottes.
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tend, [157*] disciplin nemend und mit arbaitend an güten werchen: hie mit
überwindet man die flaischlich bekorung. nit allain vervahet rainkait dez libes,
man müz «ich rainnes hertzen und rainnes willen sin. alle die wile so daz
hertze und der wille raine sint, so schadet nit du krankait dez libes von
der nature. noch dan müz man striten mit den gaischlichen Sünden, daz ist 5
hohfart, zorn, nid, hass, gitkait. dis Untugend und ain ieglichü Untugend sol
man überwinden mit tugenden. wider die hohfart sol man sich demütgen
under din obren, under din glichen und under din swechern, so überwindest
du die hohfart; wider den zorn sol man han senfti und lindü wort, daz
stillet zorn; wider den nid gunste und dienst; wider den hasse minne und io
liebi; wider gitekait willeklich armüt und gern gebresten han und lassen
daz man wol möhti han. so man [157’] denn die Untugend alle über wunden
hat, so sol man denn in Gotte rüwen, ez ist och denne rüwens zit. nu,
venion, betton, discipline nemen und solt dich arbeiten mit allen güten dingen unde mit
allen güten werckin : da mitte ubirwindest du die vlaischlichun bekorunge . unde solt 15
dich vlizen daz du allewege rainiz herce habest, daz du niht unkiischicliche gedenkest
willicliche, unde daz din wille niemir werde übirwndin und niemir genaiget werde ze de-
hainir boshait . alle die wile daz din herce unde din wille also gestillet ist, so enwirret %
dir niht diu kranch&it die der lip het von der nature: also ubirwindest du alle vlaiscli-
liche bekorunge. 20
Noh denne solt du mit deme fürsten striten, daz sint gaistliche sünde . wan liset
daz hie vor in alten ziten sitte waz ze Rome : so die burgtere widir ir herren waren
unde mit inen stritten, ubirwant denne der berre die bürg® re , so wart er mit harte
grozir vro’de enphangen ze Rome, unde ertön in harte sere unde sazton ime ein schap-
pel uf von bliimen . do abir die fürsten von deme lande widir deme riche waren unde 25
mit deme kunige stritten, ubirsigite er denne die fürsten, so wart er noh lobilichir unde
vro'licher enphangen, unde sazte man ime aine guldine crone uf sin ho'bet unde ertön
in vor allime deme liute . hie bi ist bezaichint der strit den ain iegeiich mensche striten
müz mit ime selbin . bi den gebüron sint bezaichint die vlaischlichen sunde, die wir an
uns selben übir eigen müzen . so wir die ubir winden, so wirt uns zegezierde unde 30
zeron gegebin ain schappel von blümen.
Noh denne hain wir die fürBten niht ubirwnden, daz sint gaistliche sünde, daz ist
ho'hvart, zorn, nit, baz, giticbait . widir dien solt du zallen ziten striten unde solt aine
iegeliche untugint ubir sigen mit ainir lugende . wider hohvart solt du dich demüten
undir dinen obiren , undir dinen gelichin unde undir dinen swechirn : so ubir windist 35
du hohvart; wider zorne senften mfit unde lindiu wort: daz stillet zorn; widir nide
gunst unde dienest; widir hazse minne und liebi; widir gitichait alliwege willicliche
armüt unde brestin gerne han unde lazen daz du wol mtehtist han : daz virtribet gitic-
hait . so du denne die untuginde alle ubirwindest, so solt du rüwen mit gölte, ez ist
oTch denne rüwe zit . so du baidiu fürsten unde gebaren ubirwndin hast, so wirt an 40
14. venion) weinen Z. 22. barg.] gebaren Z, ebenso 23.
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24 6 57. Von dem wort Gottes.
lieber mentsch, behalt dinen lip rain durch dez Schatzes willen der drinne
verborgen ist, daz ist du edel sele. die solt du behüten vor allen Un-
tugenden durch dez grossen Gottes willen der drinne rüwen sol; und solt
Got eren durch dich selben, der mentsch der alsuz überwindet an im
5 selben baidü flaischlich und gaischlieh sünde, so der von dirre weite schai-
det, so wirt sin sei enphangen an der hymelporten mit grosser vröde, mit
lob, mit sänge und wirt gekrönet mit ainer guldinen kröne und wirt ge-
zieret mit ainem schappel von bliimen. denne wirt dü sei sich vröwend in
Gotte und mit Gotte und mit allem bymelschen here iemer eweklich.
nt Daz ander ist daz daz gotzhuse wit si. daz ist aber ünser hertz [157*].
daz sont wir witen mit der minne alz sere daz w'ir all mentschen drinne
bevahent. wir sont den fründ minnen in Gotte, daz wir allez daz au
Got kerent daz wir an im minnent wir sont och die vigint durch Got
minnen.
15 Zü dem dritten male sont wir och stark sin. daz ist also ze merkenu
daz wir Got sont starklich getrüwen. und sw'az üns arbait an gat, so sont
wir im dez getrüwen daz er ez durch ünser sei hail habe über üns ver-
beuget, und sont ez nit anders versehen won daz er ez allez durch gut
dir geistlich, daz an dir waz vlaischlich ; unde daz e waz irdisch, daz wirt denne hi-
2t» milsch; unde daz e waz menschlich, daz wirt denne gotlich . owe liebir mansche, be-
halt dinen lip raine dur dez schazes willen der drinne virborgen ist, daz ist din ediliu
sele ! du solt dine sele eren unde behüten vor allen untuginden dur dez grozin Gottes
willen der drinne rüwen sol, unde solt Got eren durch sich selben.
Der mansche der alsus ubirwindet an ime sei bin baidiu vlaischliche sunde unde
25 gaistliche sunde, so der von dirre weite schaidet, so wirt sin sele enphangen ander
himilporte mit grozir vro'de unde mit lobe unde mit sänge unde wirt gecro’net mit ainer
guldinun crone unde w'irt gezieret mit aime schappel von blümen . denne vro'wet sich
diu sele mit Gotte unde mit allime himilschin her ierair ewicliche.
Daz andir ist daz ez wit si daz hus da Got mit sime liebin ingeainde wil rüwen .
So daz hus daz ist unsir herce, daz sun wir witen mit der minne . wir sun aine also wit,*
minne han daz wir elliu menschin bevahen in unsiriu hercen . wir sun den vriunt
minnon in Gotte, daz wir alliz daz an Got keren daz wir an ime minnen, unde sun alle-
wege Got undir mischen . alse diche so du an in gedenkest, alse diche so dich debain
dinch raizet den menschin ze minnenne, so solt du allewege gedenchin : ich wil dich dur
S5 Got minnon ; unde alle die wile so du dich schirmest mit deme gedanche, so minnost
du allewege in Gotte . du solt och dine viende dur Got minnon.
Daz dritte daz ist daz daz wir mit Gotte rehte veste unde starck sin . daz ist also
ze merchinne daz wir Gotte rehte vollicliche sun getrüwen . unde swaz uns anegsnge,
so sun wir Gotte getrüwen daz er ez dur unsirri sele hail ubir uns habe virhenget .
40 unde swaz arbaide dich iemir an gevalle, so ensolt du dich niht andirs virsehin wan
3. grosse» A. 16. wirt 4. 19. an dir] e Z.
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57. Von dem wort Gottes.
247
über uns verhenget und uns den Ion da mit meret. swel mentsch alsuz
AM ding du ez an gant, enphabet. daz hat wol ain starkes hertze, da
inne Got, dem grossen fürsten, gezimet wol ze sinne.
Zü dem vierden male sont wir sin beraten mit [158° ] edelm gesinde,
die guter zuht sigint und die ünserm herren wol gezAment. daz gesind sint 5
die hailgen engel, Patriarchen, propheten, zwelfbotten, martrer, bihter und die
rainnen mAgde. die solt du, mentsche, allweg tragen in diner gehügde. in
disem huse gezimet wol ain erberü wirtinne mit wolgezognen jungfrowen,
die wol zuht und ere kunnent daz sol sin dü hvmelsche und die aller
erberost wirtinn, ünser vrowe sant Maria, mit den rainen mAgden und den i«
künschen; die sont daz hus zieren, und die süllent wir ze allen ziten in
üserm hertzen tragen und sont gedenken wie si daz hymelrich erstritten
und gewunnen hant, und sont och wir nach den selben eren striten und
sont üns flissen rainkait an üb und an hertzen. und swaz tugend an
irem lebenn wir erkennent und güter werche, dez sont wir [158°] üns 15
allez flissen.
Daz och wir daz behaltent an ünserm lebenn, so hant wir ain berraten
hus in dem Got daz lebend wort wonen sol.
daz dirz Got gefiiget habe dur din hail und dur dine sselicbait, unde daz er dine
tuginde unde dinen Ion wil meron . unde swel mensche also en phienge elliu dinch, daz 20
hetti wol ain vestez herce unde ain starkis hus; wan swaz ime laidis geschehe, daz
wsere ime niht aine lait, ez wa>re im ain vroTde, swa mitte ime Got sine tuginde unde
einen Ion meretti . swer also enphahit swaz in ane gat, der enwirt niht bewegit von de-
bainen dingen, wan er getrilwet Gotte also vollicliche daz er alliz daz enphahit zainir
sundirlichun liebi von Gotte . daz ist ain starckis und ain vestes hus, da inne gezimet 25
wol ze sinne deme grozen fürsten , Gotte von himilriche.
Daz vierde daz ist: daz hus sol sin wol beraten mit edilme gesinde, die gfltir zuht
sin und die deme edilen Gotte wol gezemen . daz gesinde daz ist daz himilsche gesinde,
die hailigen engil unde patriarchin unde die prophetin, die apostilen unde die hailigen
martyrere unde die hailigen bihter: diz schone unde diz edile ingesinde solt du zallen 30
ziten in diner gehugide tragen . in diseme hus gezimet wol ain erbseriu wirtin mit wol*
gezoginen juncvrowen, die wol adilliche unde erberliche zuhte unde ere kunnen . daz
sol sin diu himilsche unde diu erbiere wirtin, unsir vrowe . o diu liebe Maria, Gottes
mütir, diu alliz himilriche gezieret unde geret hat, diu sol wirtinne sin in dimme hus
mit dien rainen nwegiden unde dien kuschen unde dien edilen juncvrowen : die sun S5
zieren din hus , die solt du zallir zit in dinir gehugide tragen unde solt du gedenchin
wie siu daz himilriche erstritten hain und gewnnen ; unde solt du zallen ziten striten
unde vehtin nah din selben eron unde deme erbe, unde solt dich vlizen rainichait an
libe unde an herein . vlize dich demßtichait, gedultichait, miltichait, und swaz du an ir
lebinne irkennest unde vindest, dez solt du dich vlizen daz du daz behaltest an dime 40
lebinne . und solt din lebin ordinon nah der haiiigon lebinne unde abir allir maist nah
deme lebinden Gotte, alse Christus unsir herre lebite hie in ertriche: swenne du diz
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248
5S. Von m&nger hande Schrift der mentsehait.
[58.] Y011 manger hande schrift der mentsehait.
[Dominus narrdbit in scripturis populorum.J
‘Got sol künden an der schrift den lüten’, sprichet der wissag her
David.
5 In zwo wis wil uns Got künden an der hailgen schrift: an den rehten
weg ze hymelriche und an rehtes leben, won alz dü sunne erlühtet den
nebel, also erlühtet dü hailig schrift die cristenhait und dü hailig lere die
üns Gottes sun lerte mit sin selbes munde, und die hailgen propheten und
die hailgen zwelfbotten und ander hailgen, den der hailig gaist kunte und
io lerte wie si die hailig cristenhait leren soltent.
Ain ander schrift hat üns öch ünser herre gegeben, daz ist der laygen
schrift; won der lüte ist vil die der schrift nit kunnent die an den büchen ist
geschriben, [16&] und dar umb hat in Got ain ander schrift geben, da si an
lernent wie si nach dem hymelriche sollt werben, dü schrift ist daz gem&lde
15 in der kirchen von den hailgen, wie sü lebtent und waz si durch Got tatent
und waz si durch in arbait littent. daz tiit man durch etwie mänig sache.
ain sach ist daz si sont lernen an der hailgen leben wie si nach dem
hymelriche sont striten und werben, alz och die hailgen gestritten hant. dü
ander sache ist daz si an rehtem globen gesterket werdent, so si sehent waz
2o die hailgen hant erlitten dur den rehten globen. dü drit sach ist, wan ünser
herze ze unstüt ist und laider bi im selben selten ist, daz der mentsch sin
hertze denne an dem gemälde vindet, so er siht dü ding an dü vor im ge-
in diner gehugide traist unde dich dar nach bildost an deme lebinne, so hest du ain
wol beratin hus mit edilime ingesindc . so gezimet deme lebinden Gotte wol drinne
25 ze wonenne . und daz lebinde wort, daz Got selbe ist, unsir lieber herre Jhesus Christus,
der wonet denne in tfime hercen riliche.
1. Überschrift fehlt G, Diso wort sprichit ein wissage (rot) Z, W am Bande Sermo XXV,
De sancto Paulo N, In passione Arundcl, ItP van deme lyden vns heren Phill. 2. Der lat.
Text fehlt A. 3—5 künden] I)isiv wort sprichit der wissage danid . Got s. k. an dien scriften
d. I. Diz wort mugen wir enzwaige wiz vimemen . daz uiib got künden wil GZ. 6. an r.] daz
rehte G. alz] rchtc zegelichir wiz alsc G. 7. die hailigun er. G. b. lerte selbe mit sinem
m. G. und nach propli. fehlt G. 14. lernent] sun lernen G. dem fehlt G. 15. kilchun .
daz man da malot von G. 15 f. tatent — man) arbaite litten . vnde wie siv manigir martyr
gemartirot wrden . vnde tüt man daz G. 19. sun gest. werdin G. 21. herze atu h're korr. A.
ze fehlt G. vor daz] darumbe ist och daz gemadde gcmachot 6. 22 f. denne — gedenket]
vindo . so er mit dien nzziren o'gen anc siht daz getmeide . daz er denne div inren dich vinde
dez hercen . vnde er gedcnchc an div dineh div vor ime sint gcmalet . vnde also vindet der mensche
sin hcrce G. 2li. So schließt auch Z.
1. Die Predigt findet sich in G Bl. 79”, Z Bl. 93\ W Bl. 113, X Bl 116‘. HXr.16, Arundcl
Bl. 86', Phill. Bl. 165h. — Gedruckt nach Z bei Wackcmagcl S. 127. 2. Ps. 86, 6.
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5$. Von mSnger hande schrift der nientschait.
249
malet sint, und denne inwendig dar nach gedenket, also sprichet der wissag:
'herre, ich han min hertze funden’. nu [158“] merkent: swaz der mentsch
sins dinges vindet, daz müz er e verlorn han. also geschiht ez laider dik
daz der mentsche sin hertze verlöret mit üppigen gedänken, so sol er es
vinden an dem gemülde. du vierde sach ist daz man an der hailgen leben 5
lerne tagend und rainkait.
Aber über allez gemälde und über Allü bilde sont wir an sehen ünsers
lieben berren marter bilde und sont dar an lernen aht leccen, die er uns vor
hat geschriben an sim hailgen übe.
Dü erst lecce ist willeklichü armüt. daz merkent da bi daz er so gar in
nakent stat. und dar an sont öch wir lernen daz wir arm kunnent sin
durch sinen willen, der durch lins och arm ist gewesen, daz er aller siner
herschefte und allez sines rihtümes so vil nit hatte daz er sinen lip be-
dakti, won [159“] daz er gar nakent stftnd an dem crütze. ‘ sAlig sint die
willeklich arm sint’, spricht unser herre in dem ewangelio, ‘won daz hymel- 15
rieh ist iro’. und dar umb sont wir gerne arm sin, won er ist wol sälig
und me denn sälig dez daz hymelrich ist, won er hat me denn er gert;
und alles daz er hat, dez genüget in, und ist im alz wol mit armüt daz
in nit dunket daz er arm si. won ze glicher wis alz der gitig man alle-
wegent me gert uud fürhtet daz im gebreste, also dunket allwegent den 20
willigen armen daz er ze vil habe, da von haisset er si sülig, die wil-
ligen armen, won si hant dez si gerent: wou si gerent nit won armüt und
gebresten. da von sint si sälig daz si daz willeklichen hant durch Got.
intrüwen si hant wol gelernet bi irem schöpher arm sin und hant sin
1 159 *] marter bilde wol für ir ogen gemalet und sin armüt, die er hatte in 25
allen sinen tagen, si sint öch da von sülig daz si nieman beröben mag;
won swen man röbet, der wirt ungedultig und flwcüet. si hant nit und da
von nimet man in niht, si sint och sAlige, won si hant ietz ain tail
hymelscher frihait die si in hymelriche sont gar enphahen, daz ist daz si
me hant denn si gerent, und hant so gnüg daz si nit me woltent han. so
1. wissagc dauid G. S. »ins dinges fehlt G. 5. man] wir snn lernen G. 6. lerne
fehlt G. 10. lecce fehlt G. so fehlt G. 11. und fehlt G. 11 f. arm — willen] willic-
liche a. sin durh got G. 12. och — gewesen] als a. wolte sin G. 13. sinen Up] sine schäme G.
14 f. sAUg — 17 ist] wir Bun gerne arn sin . wan unsir herre sprichit i. d. ew. Bcati pauperes
spiritu . Ssel ich s. die armen . bimilriche ist ir . der mensche der williche arn ist . der ist sselich .
sit got selbe sprichit . daz er smlich si . So ist er och stelich . wan himilricho ist sin . bimilriche
ist ain so groz sebaz . daz er wol »«-lieh . vnde uil stelich ist . dez daz himilricho ist . Er ist och
darumbc stelich G. 18. und alles] wan a. G. 20. dilchit abir alliwegc G. 21. armin
menschin G. 23. stelich och . daz s. G. 24 f. sin marterbilde] daz bilde siner martyr . vnde
siner haiiigun menschait G. 26. tagen . do er mensche waz uffen ertriche G. 27. flöhet .4.
fluchet — und] vlöchint siv och . die stelde hain siv och daz siv nieman robit . wände siv niht hain G.
28. man och inen G. Si sont 4, So sint siv G. och iczo G. 29. der himilschun fr. G.
daz ist div vrihait . daz G. SO. hant so gnög] gnöget siv ir armfit G. nach han] div vrihait ge-
2. im Anschluß an P«. 43, 19; Eccli. 51,27 f 10 ff. rgl. oben S. 35 Z. 6 ff. 14 f. Matt. 5, 3.
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5S. Von in Anger hande schrift der mentachait.
Dü ander letzge ist volkomnü minne. daz raerkent da bi daz er ge-
henket wart entzwüschent zwen schachman, rehte alz er ir schulde wolt
tragen, und allez daz er lait, daz lait er durch die vigint. nu waz möhti
grösser minne sin? alsuz hat er öch geleret uns daz wir unser vigint min-
5 nent, und sont in ze statten komen und ze dienste so si ez bedurfent; won
unser herre [159c] wolt nit gemartret werden durch die güten, nument
durch die sünder. sant Paulus sprichet: ‘gedenkent und ahtent wie groz
not unser herre erlitten hat umb sin vigind’. und sit er nu so groz not
lait und er so groz minne da mit üns erzaigte, waz wännent ir waz er
to denne grosser und unmAssiger minne nu zaige sinen fründen? won daz
ist ane zwivel war daz er sinen fründen groz minne wil zaigen. won daz
müz sin; won swer sin vigint alz volleklich minnet, der minnet sin fründ
vil volleklicber. sant Johans sprichet von der minne die Got dem ment-
schen ögte : ‘do wir sin vigint warent, der groz Got der minnet üns also
15 sere daz er sinen lieben aingebornen sun in de« tot gab für üns, und tet
daz dar umb daz wir sin fründ wurdent.' nu merkent wie groz miltkait er
üns hat erzaiget: do wir verlurent sin huldi und [159a] wir in erzumtent
von ünsren Untugenden, do waz daz ain grössü miltekait daz er üs ze
fründe wolt gewinnen mit sins lieben kindes tot.
20 Dü dritte letzge ist sin groz und sin überflüssendü erbärmde. und mer-
kent daz da bi daz er sim vigint, der bi im hieng von schulden und der
sin hatte gespottet und in hatte gescholten, do der selbe an in gnade gerte.
do erhörte er in zehant und gab im me gnaden denn er gerti. er sprach:
‘herre, gedenk min, so du körnest in din riche’. do erhört in ünser herre
25 zehant und sprach: ‘ würliche sag ich dir daz du Mt mit mir solt sin in
dem paradyse'. do gab er im me gnaden denn er in batt, won er batt in
lichit sich ain tall . der himilschnn vrihait . da uon sint (s. siv Z) saelich hie in crtriche . Vnde
sun hernah zehimilrichc cnphan die ewigun sa-ücliait . wan daz sprichit unsir herre selbe daz daz
himilrichc ist der die willicliche arn sint . dur got G.
1 f. gell, wart] wolle gehenchit werden G. 2. sebahehere G. Sf. and — sin] Wie nnchti
er iemir gro’zir vfl vollckomine minne baz irzaigin denne daz er siner viende schulde wolte tragen
vf sime nigge . vnde an allen sinen lidirn sunderlich wolte er gemartyrot werdin . vnde hette erz
ioh gelitten dur sine vriunt . ez wä re doch ain zaichin grazil minne . daz er ez abir wolte tan
dur sine uigindc . daz waz noh volle kominriv minne G. 4 f. minnen sun G. 6 f. nument —
sünder] er wolte not undc tot . undo alle bitirchait liden dur sine viiende G. 7. ged. merchint
vnde a. G. S. ünser h.) got G. umb] dur G. nu] dur sine viende G. 9. er
so — erzaigte] vns so grozir minne zaichin gap G. warnen wir nu waz G. 10. ubir-
m.Tzigir G. 11. won d.] Vnde merchint daz sprichit er . daz ez G. 13. ioh. der minner
spr. G. 14. got . der hailige uater vnde div hailige gothait . der 6. 15. liebin sun . sinen
edilcn Bun . vnde sinen ain bomen sun G. det A. uns . do wir sine viende waren . undc G.
16. wie rehte gr. G. 19. kindes] sunes G. 20. ist fehlt A. 21. hanget« G.
23. sprach . Memento mci domine dum veneris in regnum tnum G. 24. in ü. h.] er in G.
25. wariiehe du solt hivte sin m. mir in G. 26. ime zehant me G.
7. Rom. 5, 10. 13 f. Joan. 3, 16. 24. Luc. 33, 43. 25. Luc. 33, 43.
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58. Von minder h&nde Schrift der mentschait.
251
nit won daz er sin gedAhti, so er in sin rieh kirne; do gab er im daz
ewig riche ze beschowenn. er gedahte sin nit allaine, er gab im / 160‘J daz
paradyse ze besehowend. dis paradys waz du götlich an gesiht. daz sont ir
wissen daz er in dehain ander paradis für won hin zü der helle da aller
hailgen seien warent, die siner zü kunfte baitetent und zü allen stunden 5
gertent iro schephers, daz er si losti: zü den für och er. und an der selben
stunde do unser herre an dem erütz verschiet, do für sin hailgü sei hin zü
der helle und loste alle die sins vatters willen hattent getan; und an der
selben stunde starb öch der Schacher und für och dar und sach do Got an
siner gothait. da von spricht er: ‘er für in daz paradys aller wollust'. und to
daz ist ain urkunde siner überfliessend erbArmde daz er so groze erb Arm de
tet sinen viginden. da bi mugent ir merken daz er sinen fründen vil grosser
[160‘] erbArmde tüt. hie bi sont wir aber lernen daz wir erbArmde sont
han nit allaine über unser fründe, wir sont uns och erbarmen über ünser
vigint. 15
Dü vierde letzge ist andähtigü gehorsami. daz merkent da bi daz er
sin sele Hess schaiden von sim libe mit genaigtem hobte. dar an merkent
zwui ding: andaht und gehorsami. daz er sin sele liess von sim libe
schaiden, daz waz ain zaichen gantzer gehorsami; daz er aber sin höbet
naiget, daz waz ain zaichen gantzer andaht, dü in sim rainnen hertzen waz; 2«
won er sprach: ‘herre vatter, ich bevilhe dir minen gaist’, reht alz er
sprAche : herre vatter min, ich bin dir gehorsam gewesen untz an den tot
und han allen dinen willen volbraht, nu enphah minen gaist, ich han ez
alles vollendet, do naiget er sin höbet und verschied, hie an sont och
wir lernen andaht und gehorsami. wir sont niht [160'J allain gehorsam sin, 25
wir sont och andAhtig sin, alz ünser herre waz. swaz man den güten ment-
sehen haisset, daz sol er enphahen mit genaigtem hopte, daz man da bi
merki daz er mit andaht gehorsam si. nu merke wie din andaht sol sin
engegen der gehorsami. du solt gedenken durch wen du gehorsam bist und
durch wen du dich hast begeben libes und gutes und dines aignen willen : so
daz hast du getan durch Gottes willen und sin liebi. swaz man dich denne
haisset, so solt du gedenken: herre vatter, min schepher und min erlöser
1. ime warlichc daz G. 2. riche] paradys G. 2 f. daz — besehowend] sol bin ze scho’winne
daz lebinde p. G. 3. Diz p. daz waz G. vndc daz G. 4. alle G. 7. sele vnde sin gothait
bin G. 8. die die G. 10. spr. er] spr. man G. paradys . wan sin gotlich angcscho'wide ist
ain paradys G. 12. tet] gap G. groze G. IS. tftt] git G. 16. lezze die wir an dome ertiee
sun lernen . daz ist G. 18. er abir sin ho'bit naigite . vndc daz er G. Bim libe] ime G.
20. gantzer] grozir G. 21. wan er naigite sin ho'bit vnde spr. Pater in manus tus» conmendo
spiritnm meum . herre G. 22. an] vf G. 23. gaist . Consnmatum cst . Ich G. 24 f. sont — •»
und] mögen w. wol I. andehtige G. 26. och fehlt G. sin mit der gehorsami . alse G. .
28. si] waz . vnde daz sin herce senfte ist mit gehorsami . Wan andaht div rnaehit allewege lindez
vndc senftes gembte G. 29. der fehlt G. 80. dinö A. 31. willen u. s. fehlt G.
21. Luc. 23, 46.
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58. Von minger hande Schrift der mentschait.
und min behalter und min Ion, dis tun icli alles durch dich, nu enphach
minen willen und min gehorsami zü aim opher. und daz gebot solt du
ordenlich Volbringen und andähtklich untz an den tot, won unser herre waz
och durch dich gehorsam untz an den tot. alz sprichet sant Paulus: ‘unser
s [160*] herre waz gehorsam untz an den tot dez crüzes’. nu sprichet
sant Bernhart: ‘gedenkent daz Gottes sun sin lieben sei lie von sim übe
schaiden durch gehorsami, und sehent’, sprichet er, ‘daz ir der gehorsami
niemer vergessint’.
Dü fünfte letzge ist gütü zuht. daz merkent da bi daz er in allen
io sinen nöten nit wolte lassen, do sin müter bi im stünt under dem crütze. er
mainde si, daz si wol wiste daz er ir nit vergessen hatte, swie groz sin not
und sin bitterkait waz: nit vil moht er mit ir gereden, so groz waz sin
marter und sin angst; doch gab er ir mit kurtzen Worten ze merkenne
mänigvaltigen sin der grossen liebi und der zuht die er ir bot. er sprach
1J süsseklich zü ir, alz er do mohte (won sin kraft waz gar bewichen. er waz
vil bi aller tot, do er zühteklichen sprach): ‘sich, liebü müter, wie din [161 ']
ainger sun stat!’ reht alz er spräche: ‘ach min süssü müter, wie tüt
dir min ser so we daz du mich din ainges kint vor dinen ogen sihest
hangen mit blüte gar berunnen!' und in aller siner angst moht er nit ver-
so lassen er befulhe si sinem lieben junger sant Johausen. hie bi sint aber
wir geleret daz wir vatter und müter eren sont; und nit allain ünsern
flaischlichen vatter und müter, wir sont och ünsern gaischlichen vatter und
müter eren. man liset von Thobya daz er sinen sun lerte vatter nnd müter
eren, so volgeti im gelüke. und also sont wir och ere und zuht bieten
25 ünserm gaischlichen vatter und müter, so volget och üns gelüke.
Dü sehste letzge ist durnähti gedultsami. daz merkent da bi daz er ge-
negelt wart an daz crütze; reht alz er spräche: nu tünt [16V] mir swaz ir
wend, daz wil ich allez gedulteklich liden. wie er wiste daz er in allem
1. alles fehlt G. 4. och fehlt G. Paulas . Christus faetus est pro nobis obediens u«jne
a(l mortem . Vnsir G. 5. w. willieliche gell. G. 6. Gedenchint liebin brfldir unde swestiran .
vnde prelatin daz GZ, in H' fehlt vnde prclntin. lieben fehlt G. sim libe) ime G.
8. nach vergessint] swenne ir daran gedenebent . so sunt ir geraizet wordin daz ir gehorsami uolle-
bringent unz an den tot . Wau swer in vngehorsami wirt funden sprichit er . der ensol niemir
tailhaft werdin sinir gehorsami G. 9. Iczzc ist ain lezze gntir zuht G. 9 f. er — crütze) sin
liebiv mütir b. i. st. v. d. er. Nu merkint wie groze zuht er ir bot . in allen sinen angisten wolte
er niht lazin G. IS. merkenne) uirneminne G. 14. vnde zuht G. 15. do beste m. G.
16. wie] min . wa G. 17. a. sun] ainiges kint G. 18. ainiges . vnde din sfizes kint G.
20. enbeva ] G. 20 f. sint — geleret] sun wir abir lernen G. 21. unsir uatir unde unsir tu. G.
22. flaischl.] liebin vatir . vnde vnsir vlaischlichin G. 22 f. vatter u. m. eren] imitir vnde unsira
gaistlichin vatir eren . der unsir uatir ist an gottes stfetto G. 23 f. lerte . daz er v. u. m. erti G.
24. und also] Also G. öch fehlt G, ebenso 25. 25. unsiren g. uettim . v. mOteron an
gottes sta'tto . so G. 26. gedult*.] gehorsami falsch G. 28. er wol wisse G.
4 f. Philli. 2, 8. 16. Joan. 18, 26. 23. Tob. 3, 3 f.
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58. Von m&nger hande schrift der mentschait.
253
sim lebenn dehain ding getet dar umb er wirdig wäre den tod ze lidenn,
do waz er doch also gedultig daz er nie kain ungedultig wort gesprach.
und in siner grossen not sprach er: 'herre vatter min, vergib es inen die
mir dis marter an tönt, won si wissent nit waz si tünt’. hie bi sont och
wir lernen unschulde gedulteklich liden und och schulde und allez daz lins 5
an gat.
Dü sibend letzge ist endhaftü stätekait. daz merkent da bi daz er
durch sin hailgen füsse genegelt wart; reht alz er spräche: ich wil stäte sin
an miner gehorsami und wil niemer von dem erütze körnen e daz ich dar
an erstirbe. da mit hat er uns geleret stätekait gütes lebens, daz der to
mentsch daz erütze siner büsse stäteklich trage untz an sin ende, und sol
rehte an [161‘] daz erütze gaischliches lebens genegelt sin mit henden und
mit fftssen, alz ünser herre an sin erütze genegelt waz, daz er niemer
gewenke, daz er reht stäte si mit gutem willen untz an den tot; won wirt
der mentsch in gutem lebenne an dem tot funden, so vergit im ünser herre 15
durch daz gut leben da er denne inne ist, swaz er ie Übels getet. wäre
och der mentsche hundert oder tusent jar ain guter mentsche in gutem
lebenn, und keret er ain tages da von vor sim töde, so enhilfet in nit swaz
er ie gütes getet, er müsse iemer verlorn sin, wirt er also funden. da von
ist üns not daz wir mit endhafter stätekait genegelt sigint an daz erütze 20
mit ünserre büsse in gaischlichem lebenn; won swie der mentsch funden wirt
an sim ende, also wirt im gelonet.
Dü ahtend letzge ist lang gebet, daz merkent da bi daz er in aller
siner not an dem erütz bettot fünfzig [16 1*] und hundert vers, reht alz
mänig salm in dem salter stat; und vieng an dem salmen an: ‘deus, deus 25
meus respice in me’, und las fürsich die salmen alle untz an den vers: 'in
manus tuas domine’, und do er den gelas, do verschiet er. er vieng sin .
gebet an: 'deus, deus meus’, daz sprichet: ‘herre, herre Got, vatter min, hast
du mich verlassen?’ swer daz wort reht merket, der mag wol erscliriken
und vohrte han zü sim ende, sit Gottes sun, der nie sünd getet, so groz so
angst hatte und er sinen vatter so inneklich an lüfte daz er sin nit liessi,
owe. waz mugent wir denne sprechen! dis sol üns ain lere und ain raitzung
1. nie enhain d. G. 3. not] bittirchait G. min fehlt G. 5 f. und och — gat] Der
mensebe sol gedenehin andiso lezzun . wie gedulticlichc sich unsir lierrc licz nagclon an daz crüce .
unde sol och der mensche sich twingen daz er gedulticliche lidc baidiv schulde undc unschulde
undc ailiz daz in ano gat G. 10. Da mitte lertc er uns G. 14. daz] wan daz G. stäte
si] mit stsetiehait geheftet si . vndc genagilot G. 16. getet] gelcbite G. 17. vor in] ge-
wesin G. 18. swaz] ailiz daz G. 19. er fehlt A. io getet zegflte G. 24. bettotto . da
von scribit sanctus Jeronimo daz er andeme crüce bettetti G. nach alz ist in A er rot durch-
strichen. 25. in] an G. und — s. an] alse maniger uers laz er an deme crüce an sime tode .
Dasprichit er . daz er anevie an deme salmen G. an nach salmen nachträglich eingefügt A.
27. domine] cumendo spiritum raeum G. 28. meus respice . daz G. 30. d5 eingefügt A.
32. wir armin sünder G.
3. Luc. 23, 34. 25. Ps. 21, 2. 26/'. P>. 30, 6.
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254
58. Von m&nger hande Schrift der mcntschait.
sin daz och wir gerne und flisseklich sont betten an dem tode alz unser
herre. der bettet in allen sinen ängsten alz emzklich alz ob er alle sin tag
wAr ain sünder gewesen, nu sont och wir an dem tode Got an [162‘]
rftfen, won dez bedurfent wir armen sünder wol und vil baz denn unser
herre, der nie sünde getet. daz gebett an dem tode ist vil nütze durch
münig Sache, aber ze vordrost durch zwo sache. ainü ist daz ez die sele ze
hymelrich verrihtet mit znversiht, daz der mentsch Got getrüwe daz er sin nit
lasse, dü ander ist daz ez die bösen gaiste vertribet, die den mentschen in
mänig wise denne versüchent, daz si in verlaitent: und da von bedarf der
10 mentsch wol daz er denne flisseklich bette, swie gilt joch der mentsch ist,
so mügent in doch die bösen gaist an sim ende; won ünsern herren Jhesum
Christum, der Got und mentsch waz, den liessent si nit lidig, si wArent zü
sim ende, und ainer sass uff dem erütze bi ime, swie er im doch nit ge-
schaden mohte. owe, wes mugent [162*] wir armen sünder denn ^ewis sin!
15 da von ist üns not daz wir inneklich bettegint an ünserm ende.
[59.] Von der erkennung unser» berren.
[Petre, amas me?]
'Peter, minnest du mich’, sprach ünser herre zü sant Peter, do antwurt
im sant Peter und sprach: ‘herre, du waist wol daz ich dich minnen von
20 allem mim hertzen’.
Disü frage ist nit allain sant Peters, ez ist gesprochen zü aim ieglichen
mentschen der mit rehtem hertzen gesprochen mag: ‘herre, du waist wol daz
ich dich minne von allem mim hertzen’. ‘Peter' daz ist also vil gesprochen
alz ain erkenner. swer nu Got minnen wil, der müss in öch erkennen, nu
25 ist drierhant erkennung, dü gat in der minne.
2. in — ob] als einzige vndc als innecliche in a. b. angisten an deine crücc als G. S. nn —
6 vordrost] owe wir annen menschin vil armir sündir waa mäht du denne aprvchin . Vna ist not
daz wir vliziclicbe vnde emzige got an rftfen an deme tode . dur etwie manigo sache . Abir sun-
dirliche G. 6 f. ainö — Got] Ain sache ist daz der mensche sine sele vndo sin gemftte rihte
engegin himilriche mit deme gebette . daz er mit rehtir zftvirsiht sin herce beraite . vil gotte gar
durnehticlichc G. 8. andir sache ist . daz er mit deme gebette die b. G. 9. und fehlt G.
10. denne fehlt G. 11. die uil bo'sen G. 13. vnde sazen G. er] siv G. doch fehlt G.
14. moliton G. wissen A, gewis sin G. 15. daz wir] gowcrliche d. w. gar G. an 6. e.] dar
umbe daz wir unsir sele undc unsir gemftte rillten gegin deme himilriche . vnde daz wir o'ch die
bo'sin gaiste von uns uirtriben . die uns gerne wolton virlaiten GZ. 16. Überschrift fehlt G.
Dis sprichit vnser herre selbe (rot) Z, W am Rande Sermo XV, De S. Petro Arundel , Vp sent
peters dach cj' sermoy Phill. 1*. Der lat. Text fehlt A. 18. Disiv wort Bprach nnsir herre
ze sancto petro . Petir minnost du mich . Do GZ. 21. allain fehlt G. ez] si G. 22. men-
schin . Vnde gesah got den menschin G. 25. dü — minne] wie wir got irkennen sun . vti nah
iegelichir irkennunge gat ir minne G.
16. Die Predigt steht in G Bl. 83* Z Bl. 97», IV Bl. 77 % X Bl. 80% H Xr. 17, Antndel
Bl. 88r; Phill. Bl. 184K — Das in G auf der Innenseite des Yorderdeckels sieh befindliche Bruch-
stück dieser Predigt ist gedruckt bei Mone, Anzeiger 8, 183. 17. Joan. 21, 17.
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59. Von der erkennung unsere herren.
256
Dü erst erkennung ist an der creatnre. da sont wir an erkennen daz
411 ü creatnre von Got komen ist und öch wider zu Gotte flüsset. wir müs-
sent och erkennen an der creature [16 2‘] waz si von ir selben ist: si ist
ain uppekait. dar nach sont wir erkennen waz si von Gottes tugend ist:
daz ist sin glichsami. dar nach sont wir erkennen wie si in sim dienste ist. 5
dar nach wie si an ünserra hertzen nütze si. an der ersten erkennung lit
versmahung der weite; won swenne der mentsche erkennet daz ez allez ain
upkait ist, so sol er es versmahen. also sprichet sant Augustinus: ‘denne
versmahent wir lihtsam die weit, so ünser girde ist gesterket dar da enhain
wandelbäri ist, da wir nit vörschent der dinge die vervaren sint, und da io
wir nit wartent künftiger ding, da wir och nit fürhtent dehain widerwärtig
ding’, an der andren erkennunge lit Gottes lop; won so wir erkennent wie
si Gottes gelichsami ist und wie si von Gottes tugenden ist, so müssent wir
in loben, an der dritten erkennung lit Gottes vorlit [162 *] und minne; won
swenne wir erkennent wie gar flisseklich dü creature irm schöplier dienet, so 15
müssent wir traegen lute erweket werden mit der vorhte. an der vierden er-
kenuung lit an erlöschung böser girde und gelüste, über dis erkennung sont
wir uf stigen und sont Got erkennen an der creature, alz in die haiden er-
kandent. die ahtetant wie groz dü creature ist an der kreftikait und an
der grössi dez hymels und andrer creatur, und gaben! des ain regel daz ain 20
Got wäre der aller ding schepher ist, und sprachent: rwa ain zimberman
wäre der ain hus wol gezimbren oder gemuren künde, der möhti es wol
zerbrechen’; und sprachent: 'sit denn dekain mentsch so gewaltig wäre oder
so kreftig der den hymel oder die sunnen oder den man geswechren [163“J
oder zerbrechen möhte, so enmöhte si öch nieman gemachen’; und gabent da 25
bi ain urkünde daz ain Got wäre der 411ü ding geschaffen hetti, und der
aller creature Got wäre und mit sim gewalte und mit siner kraft ällü ding
geschaffen hatte, und erkandent Got also, in trüweu, also sont öch wir Got
erkennen an der creature, also daz üns ain ieglichü creature wise wider
von dem si komen ist. swer nu üt sehe an der creature schöner oder ge- so
lustiger dinge, so sol sin erster gedank sin daz ällü ding von Gotte komen
sint und wider zü Gotte lliessent, und sol gedenken daz dü schonhait und
dü güti die dar an ist, nit von im selben ist, won von Got allaine. also
1. irkennunge also wir got irkennen sun . daz ist O. 2. GotJ ime G. 2 f. müssent |
mugen G. 5. dar — ist] Daz dritte ist wie si L s. d. ist div creature Gf. 6. dar — n. si] Div
vierde wie si in ansinne nutze ist G. 8. denne so G. 9. die weit] »waz der weite saido widir
uns gedenchit G. 9 f. gesterket — ist] gestechit (gestcckit Z) dar . da wir enhainir wandilbteri
vndirtienlch sin G. 10. der] debainir G. und fehlt G. 11. wartent] baiten dekainir G.
och fehlt G. 14. in] got G. 16. lvt1 A, trag in livte irchenncn . vnde G. mit
vorhtin G- 11. lit e. girde u. bo'sir gelüste 6. 19. ahtetetät A. 22. ez och wol G.
29. widir zdgotto G. SO. swer — sehe] swaz wir sehen G. oder] undo G. 31. sin] unsir G.
32 f. und sol — allaine] sihst du ainen scho'nen mcnschin . aide swaz da sihst daz scho’no vnde
19 ff. tgl. oben S. 231 Z. 17 ff.
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256
59. Von der erkennung linsen herren.
spricht sant Augustinus: ‘Allü du creature die Got ie geschüf, daz ist nit
[163b] anders won ain winken da mit er üus zü im loken wil, daz wir dar
an erkennent in und wider zü im kerent’. nu sprichet sant Augustinus daz
daz ain böser mentscb ist der daz winken nimet für den winker; der ist
5 nit wirdig daz er Got enphahe. wäre ietzent hie ain armer mentsch, der
nit won armü klaider und hüdellü hetti, und wAri denne ain künig hie, der
herlichen beklaidet w’Are mit sAmit und mit pheller, und winkti denne der
künig dem armen mentschen daz er zu im käme, und wAr er denne alz alwer
daz im mit dem winkenn alz wol wäre daz er nit zü dem herren wolte,
io der minneti daz winken me denne sin umb valien, und der wäri wol ain
böser mentsche. entrinven, also ist ez och umb den mentschen der die crea-
ture, da mit im Got gewinket hat, me minnet denn den (163‘J winker, den
grossen Got, der im mit gewinket hat, und der me wollust unde vr'ode an
der creature hat denne an dem umbvahenn Gottes: daz ist wol ain böser
u mentsch und ist unwürdig des umbe vahens ünsers herren. also sprichet sant
Augustinus: 'minnest du Aaz ding nit daz so sere ze minnent ist, so bist
du ietzent tot in dir selbe; won der enlebet in dir nit an den du leben
nit enmaht, daz ist Got*. nu minnet etswenn ains ain andren durch Got
oder durch etlich gäbe die Got an in hat geleit, oder durch sin schöni oder
20 durch sin wol sprechen oder durch sin tugent oder daz ez von im gebessert
werde, und tüt daz durch Got und in Got, won ez von im gebessert wirt:
dü minne ist güt. so kan der tüfel ain andren weg vinden und verkert
die minne und machet daz der mentsch die gaischlichen minne keret ze
flaischlicher minne, daz er ez denne minnet durch sich selben und [163*]
25 durch die wollust die er dran hat: dü minne ist nit güt und sol si der
mentsch versmahen und sol die minne wider keren und sol gedenken: swaz
dirre mentsche gütes an im hat, dar umb ich in geminnen mag, daz hat er
allez von Gotte, und sol mich daz wider laiten zü Gotte alz daz ich durch
in daz minnen sol. so der mentsche die minne also widerkeret an Got, so
so ist si aber wider körnen an ir gtiti. intrüwen, swrer aber Gottes alsuss nit
lustlich ist zesebinne . so solt du gedcnchin . Diso scho'ni vnde diso gflti die hast du niht uun
dir selbuu . du hast ez uon gotte . unde sol mich widir laiten zegotte G.
2. er fing] uns got G. 3. vnde wir widir G. 4. luinnot G. 6. hudilan G.
7. phcllole G, phellen Z. denne fehlt G. 8. künig] groze herrc G. 10. da*] sin G. und
fehlt G. 12. gew. h.] winchit G. 13 f. und — hat fehlt A. 15. herren gottes G.
16. dv A. 17. tot — selbe] also lebinde indir selbuu tot G. 18. ains ain] ain mensche den G.
20. sprechen] gesprseehi . daz er wol redin kan G. tugint die an imc sint . aide G.
20 f. imc mach gebezsirot werdin G. 21. daz niht wan dur G. 22. d. m. div ist g. G.
23. gaischl. m. k.] ndnne widir chcret . vnde daz er dur got an domo menschin minnote . vnde
dar umbe daz er got dran irckandi . vnde daz er uon ime gebezsirot wrde . daz wirt denne uir-
cheret G. 25. ist — si) sol G. 26. sol dez tieuils rat uirsmahin . der sine minne uirkeret
het . vnde solt die m. abir k. widir . vnde solt G. 28. t'or und] ist er seho’ne . ist er wol ge-
sprtccho . aide swaz daz ist daz ich an ime geminnon mach . daz ist alliz uon gottis güti komen G.
daz nach mich fehlt G. 28 f. alz — sol] dur den sol ich dich minnon G.
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59. Von der erkennnng finsors lierren.
257
erkennet, und minnet <11 lu ding durch sich selben und nit durch Got, der
enist niht würdig Got ze enphahenn.
Dü ander beschöwde ist an siner marter. da sont wir erkennen waz
uns Got liebes hat getan und waz er uns hat unmüssiger liebi erzaiget.
also machet sant Bernhart ainen brief ainern [164‘] kardinal und sante im 5
den und schraib im dar an wie er Got solte erkennen und schowen an dem
erütze, an sim jümerlichen tode, und wie er da merken und erkennen solte
und schowen die grossen minne die Got uns allen erzaiget hat. ‘sehent’,
sprichet er, ‘wie er sin erütz trüg da er den bittren tot an liden wolte.
sin minnekliches antlüt ’, sprichet er, ‘daz die engel än urdrutz stäteklich mit w
grossem gelüst an sahent, daz wart an gespuwen von den unraiunen juden.
sehent’, sprichet er, 'wie er an dem erütz stüut mit dornen gekrönnet, daz
sin hailges höbet zwaiger und sibentzg wunden verwundet ist und sin raines
antlüt durch runnen ist mit blute, o’, sprichet er, 'herre, ich trage din kröne
uff mim hopte reht [164*] alz du si trügt*, intrüwen, er trüg wol sin kröne, 15
won er trüg sinen tot und sin marter üllü zit in sim hertzen und enphieng
die wunden siner kröne und alle sin marter in sin liertze. 'sehent', sprichet
er aber, 'wie er an daz erütz genagelt ist und wie er mit aim scharphen
sper durch sin hertz gestochen ist und wie er getrenket wart mit gallen.
nement war’, sprichet er, ‘wie sin minneklicher lip ist berunnen mit sim ros- 20
varwen blute’, intrüwen, in dirre beschöicde sol des sülgen mentschen hertze
sin und sol ain ser und ain jamer in sim hertzen tragen von der marter
und dem tode Gottes und sol daz merken: sit daz Got durch üns also vil
hat erlitten do wir sin vigint warent, waz er dem denne gütez wil tün der
sin frönt ist. also sprichet ain hailig man: ‘sit Got [164‘] durch sine vigint 25
also vil gegeben hat, waz wil er denne sinen fründen geben?’ daz sol dü
1. Sl!ü d. d.) an allen dingen G. 3. beseho'wide also wir got snn schowon . daz ist G.
4. waz — liebi) unui. güti het G. 6. im fthlt G. 7 f. merken — schowen) solti mer-
chin G. 8. allen fehlt G. hat . Vnde sprichit also G. 9. crficc selbe tr. G. 10. sin —
14 er] sehint sprichit er »wie sin minniclichis antlivte daz scho'ne antiivte daz die engil alliz an
gcroton an zcschinnc . vnde daz siv clliv zit unvirdrozinliche an sehint . daz raine antlute daz
wart an gespAwin mit deine unrainen vnde mit deine smckindin spaiehil der iudon . Sehint wie
er an deme crticc stat . vnde wie sin crone uf sime ho’bite stat . div gemachot ist von herten
dornen . vnde wie si imc insin küniclich ho’bit gedruebit ist . daz ez wnt wart zwaigir vnde si-
binzich wndon . vnde sin bailiges blot fibir sin scho’nis antlute genuinen waz . Also sprichit sanctus
Bemhardus . A G. 13. wunden fehlt A. 15. alz o'ch du 6. wol fehlt G. 16. in] an G.
17. alle sin) siner G. sehent) Also sprichit sanctus paulua . Ich wil vnsirs herren Jhesu
Christi lip meron . mit minen arbaiten . daz ist rehte als er spräche . ich wil die arbaitc unsirs
herren Jhesu Christi mit imc tragen die er an sine isime Z) libe lait vnde wil mit ime sin meiner
arbait . Nusprichit er abir sancto Bernehart: Sehint mo G. 19. aber fehlt G. IS f. er mit —
ist] ime ain sch. sp. zc der winstemn situn in gestokin ist . vnde gat dur die rehtun situn in sin
rainiz hercc G. 19. mit deme czsiche unde mit der gallun G. 20 f. minn. vnde sin wnniclicbir
lip b. ist m. s. blftte rosenar G. 21. bcscliAv/dc A. 22. soll sin sele elliv zit G. 22 f. von —
dem) vnde sol allewege wonen bi deme erdee indeme G. 23. sit got G. 24. dem denne]
dien G. der] die G. 25. sine vr. sint G.
Deutsche Texte des Mittelalters. X. 17
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59. Von der erkcnnung finsers herren.
sei erkennen und sol durch sine minne versmahen Allü ding die si von im
gefrömden mugent. intrüwen, swel mentsche in dirre beschöwde stäteklich
lebet, der verlöret sin varwe und sin schöni und wirt blaiche, und stirbet
du nature dez flaisches an im, und überwindet der gaist den lip daz der
5 mentsche weder vröde noch wollust hat an dehaime zerganklichen dinge und
allü sin girde nit won allaine an Gotte ist. also sprichst sant Augustinus:
‘denne wirt daz gemüte lustklich gefüret inwendig, so es uswendig nit ge-
lustes hat’, und du sele wirt wol lustlich gefüret und reht enzündet in der
minne Gottes, alz der wissag Ysayas sprichet: 'ain hitzend für [164a] ist in
io mir enbrunnen und ist beschlossen in mim gebaine, und möhti daz nit er-
liden*. entrüwen, swel mentsch in dirre beschöwde lofet und den tot und
die marter Gottes in sim hertzen treit allwegent, in dem ist wol enbrunnen
ain hitzend für, won so der lip ietz nit mag, so hebet in der gaist uf und
löffet denne aber fürbas und arbaitet sich in Gottes dienste. da von spricht
15 sant Bernhart: 'andaht ist ain hitze gutes willen, den daz gemüte nit ver-
bergen mag, und ofnet in mit güten zaichenen’. also geschiht der sele dü
in dirre hitze und in dirre beschöwde loffet: dü enphahet reht ainen gesmak
von dem tode Gottes und von sim grabe, und in dem smake loffet si untz
daz si nimme fürbaz [165°] körnen mag; und denne gebristet dem gaiste daz
er den lip nit me getragen mag, won dez libes sterki und sin krafte ist
überwunden und ist dem gaiste von jamer und von minnen gebrosten und
enmag den lip nit me getragen, und sprichet denne alz in der minne buche
geschriben stat: ‘under setz mich mit blümen und bestek mich mit mala-
granaten, won mir ist gebrosten von minnen’. die blümen sint die blütes
25 tropben ünsers herren. die sint der seien rüwe under dem crütze, und bi
sim hertzen suchet si rüwe und trost. der malagranat hat grosse kraft und
smeket wol. der bezaichent die gehügde ünsere herren tödes. dü bat also
grosse kraft daz sü den gaist sterket dem da gebrosten ist, daz er den
[165*] lip nit fürbaz bringen mag: so hat dü gehügde ünsere herren tödes
so so grosse kraft daz si in sterket, daz er aber fürbas löffet.
Und stiget in dirr beschöwde höher in die dritten beschöwde. da wirt
dü sele Oot schotvende alz ez muglich ist, nit als in die engel sehent und
3. lebet] wonot G. wirt sin antlivte bl. G. 5. dchainen z. dingen G. 7 f. gelostes
h. u.) haftet lustedicho G. 8. und reht) div indirre bescho’widc wonct vndc wirt rehte G.
9 f. Jcremyas. 11. lofet) alliwege wonct G. 11 f. tot gottes unde sine martir an sime b. G.
12. allwegent fehlt G. 13. nit] nomine G. 15. hitze aincs goten G. 18. stnacke
so I. G. 19 f. gebristet — mng] so geawichit d. g. vfi enmach den I. minime getr. G.
20. sterki — krafte) kraft div G. 22 f. in — stat] div sele sprichit i. d. m. b. 0 sprich« si .
setze mich G. 24. gebrosten] geswichin G. 24 f. blümen da si nndirsetzit mitte wil wer-
din . daz sint die hailigen blümen . die tr. dez bl. u. h. G. 25. der seien] ir G. 26. herccn
da süchit G. mal. der het G. 28. da gebr. ist) geswichin ist an kraft G. SO. in) den
gaist G. 31. stiget i. d. b.] uzsir dirre bescho'wide stiget er G. 31 f besch. — sebow. fehlt A.
9. Jerem. 20, 9. 23. Cant. 2, 5.
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59. Von der erkennung finsers herron.
259
schöwent in hymelrich ; si schöwent in also vil alz ez muglich ist in
disem tätlichen übe. intrüwen, in dis beschöwde mag nieman komen er
enhabe e die ersten zwo, won die rainnent daz hertze und verdrukent
alle flaischlich girde und gelüst und minne an üns. also sprichet unser
herre in dem ewangelio: ‘die sint sillig die rainnes bertzen sint, won si 5
sint Got sehent werdent'. sit nu Got daz selb gesprochen hat, intrüwen,
so süllent wir unser hertze gern rainnen, und sol uns nit verdriessen de-
hainer arbait da mit wir unser hertze rain mugent gemachen, ‘nu m/165cJsol
nieman verdriessen’, sprichet ein hailig, ‘der arbait dez weges, der gelus
hat dez lones der da den arbaiten gehaissen ist’; daz ist Got selbe von l»
hjTnelriche, der sich selben ze lone gehaissen hat und och geben wil den
die rainnes hertzen sint, si sint wol sälig. also spricht ain wiser man daz
wir zu dirr weit niemer sälig mugent werden, die wil wir in disem eilend
sint und wir Gottes nit sehent, so wrerdent wir niemer sälig; won ällü
ünsrü sälde lit an der angesiht Gottes, da von spricht sant Paulus: ‘owe, 15
wer löset mich von disem übe da ich inne gevangen bin, daz ich kome zii
Christo?’ der erkande wol daz er denne allerst sälig wurde so er zü Gotte
käme, nu sprichet sant Bernhart von drier hand sälde die du sele uff ert-
ricli habe, ‘du sele’, sprichet er, ‘ist [165ä] sälig du da gemenget ist mit
dem güten gesmake der tugende in dem ser kline dez libes alle tag zü 20
legende dem ewigen lebend, der wirt behalten, du sei ist och sälig du ietz
enhain mftgi hat von dez libes laster. du sei ist och sälig du cristen ge-
loben enphangen hat und den alwegent behalten hat und behaltet’.
Alle die alsuss hie sälig sint, die werdent och hie nach noch sälger, so
si Got schowend werdent in siner ewigen schonhait. 25
2. besch4v/de A. 3. e — won die] die andiren zwo bescho’wide uon dien ich uor gesait
han . w. d. zwo bescho’wide ß. v'druket A. 4. girde n. gelast n. fehlt ß. 6. sint —
werdent] besser sun g. sehin ß. nu — selb] denne daz g. selbe ß. het . daz dio salich
sint die rainiz herccn sint . vnde daz siv got sun schin vndc Bcho’win ß. 7. rainnen] rainc ban 0.
8. mit — nu] uon u. h. rainc werde . wan also sprichit ain hailige . Ez ß. 9. verdriessen —
der arb.] irschrechin div a. ß. 10 f. dez — lone] nah deme lone . dez gchaizes . daz ist got uon
himilriche . daz ist der Ion den got dien ß. 1 1. den fehlt ß. 12. si sint] da uon sint siv ß.
18. werdin . wan die wiic unz wir ß. 15. dauon mugin wir niemir sxlich werdin e wir in
gesehin . Also sprich; ß. 16. mich unseligen menschin uon ß. 17. denne fehlt ß. wrde A.
18. nu spr.] Vntruwon doh scribet ß. 19, dfi s. spr. er] Er spr. div sele ß. da fehlt ß.
20. tugindc unde der lebin in ß. ser klaine A, ser chilin Z, serchilinc ß. 21. der fehlt ß.
dü s. i. o.] zedenie andim male sprichit er ist d. s. ß. 22. dfi sei — 25 Schönheit] zc deme dritten
male sprichit er . Daz ist salich . daz div siele div xpm cnphangin het . daz si in allewege
bchaitc . vnde in allewege habe . Also sprichit sancte Beinhart : zware die sint sselich . der kunich
unsir herre xpe ist . wan dio gedienon wollust . an einer ewigun angesiht . unde gedienont
dio gfttlichi (gtmlichi Z) die unsir herre xpe het mit sinem ewigen uatir . vnde mit deme hai-
ligen gaiste . wan siv vro’went sich daz siv funden hain die wishait . die er niemanne o'get . wan
dien allaine . die rainiv hereen hain . VntnSwon swelch sele in dise boscho'wide denne kumit . daz
5. Matt. 5, 8. 15 f. Rom. 7, 24.
17*
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260
60. Vou de» balm bouies bezaiehnung.
[60. ] Von des balm bomes bezaichimng.
[Dix't : aacendam in pahnam.J
Der balm böm hat siben este, und ieglich ast hat ainen blümen und aiu
vögellin, und singet aiu ieglich vögelliu ainen sunderlichen sang, und ain
5 ieglicher blume hat sin sunderlichen gesiuak und sin varwe und sin schün-
hait. dirr [166°] balm böm ist ain ieglich mentsek daz Billig ist, daz ünsers
herren Gottes balme bom ist und im süssen sang singet und im schön
blümen bringet, wou sw er im mit stäten tugenden dis bezaichenung bringet
und an im hat, der mag wol sprechen: ‘ich bin uf gestigen an den balme
io böm, da wil ich rüweu’; won swenue der mentsch den sibenden ast über
stiget, so gat ez an die süsseu rüwe, daz du sele bi Gotte süsseklich rüwen
»i got wirt Rcboweiulc . also nil al» ez müglich ist . Dennoh gert si me . wan si waiz wol . vnde
wirt dez gewar . daz ir denuoh bristet aa gotte . daz si in disime libo nivt als offiulichc vnde
also uolüehe mach ban als si in habinde wirt . vnde so si gottes nah ir willen vnde nab ir be-
gerunge niht mach begriffen . noh nesticlichc behan . so wirt si ainen iamir nab gotte gewinninde .
vnde wirt si dennc durstindc nab gotte dorne lebindin brunnen . Alse der wissage dauid spriebit .
Sitivit anima mea ad deum vivum . Mine »alle durstet nah gotte demo lebinden brunnen . wenne
sol ich irschinindc werden vor demo antlivte gotte» . Vntrüwoo er sprach dar umbe wenne er ir-
schinen solti uor gotte . wan er dennc erst rehte sadicli waz . also wirt dir siele denne sprechinde .
vnde dez gerende ■ daz si got sehinde werde . vou antlivte zantlivte . vnde wirt si da nah iatnirende .
vnde wirt dez gerende daz si irledigct w'de von disime eilende . daz si ir vro'dc vnde ir trost
sehinde weide . vnde habinde nah ir willen . vnde wirt rehte ain »er gewinninde nah gotte . vnde
wirt dennc wainende nah gotte . Alse der wisaagc dauid sprichit . Mine trehine »int mir wordin
zainir spise . Nu sprichit sancto Bernhart . Iienne wirt div sele gefurot tnit deute iamire . vnde wirt
gespiset mit demo scro . vnde wirt gefOrot mit den trehinen . Dennc wirt div sele sprechinde alse
div gemahile sprichit inder mimte büche . 0 herre du bist mir nnde bin ich dir . du bist min daz
beste . unde bin ich diu daz beste . Vutrüwon swolclt mensche dise drie bcschownge het . der
mach baltlicbe antwrtcu mit sancto petro . herre du waist wol daz icii dich minuon uon allime
hcrecn ( darauf Z: vnd von aller miaer seiet G.
t. Überschrift fehlt G, Von dem balme bo’mc wie mengen ast der habe vll bezeichn eine
iegeliche gilt« mesehen (rot) Z, TV am Harnt: Serrno XII, Ite v]t den palm dach Philt. 2. Der
lat. Text fehlt überall. 4. ain fehlt beidemal G. 6. ist — ist] daz ist a. L sielich m. G.
7. Gotte» fehlt G. im vor schön fehlt G. b. im fehlt A. 9. und — hat] an sinen werehin .
vnde au sirne lvbinne G. sprechen . Dm asccndam in palmam . Ich b. g. vf den balme G.
10. der m.] er G. 11. süsseklich fehlt G.
1. Dieser asketische Traktat findet sich in G Hl. 86*, Z Bl. 101 A, 11’ Bl. 62' als 12. Stück.
X Bl. 64', H Xr. 30, Phill. Bl. 1501’; fehlt Arundel. — Gedruckt nach Z bei Wackeniagel S. 134 ff.
Damit stimmt G bis auf einige kleinere Abiceichungeii überein, teelche bei Wackeniagel S. 521 an-
gegeben sind. Das Marburger Bruchstück ist gedruckt in Haupts Zeitschrift 2, 227—231. ein andere*
aus Basel bei Wackernagel: über die mittelalterliche Sammlung zu Basel (Basel 1857) S. 15 ff. —
Handschriftlich findet sich das Stück aufierdem cu Wolfenbiittcl Cod. 1207 Heimst fol. 75 — 133: Van
dein paJmboeme des Christenminschen . Ek vil stighen uppen den pnltncnboetn unde wil grypen svne
vrucht — Vgl. ähnliche Abhandlungen bei Preger, Geschichte der deutschen Mystik II S. 48 — 53 und
die handschriftlichen Stücke in Cod. Pal. germ. 567 fol. 38 * der Heidelberger Vniversitätsbibliotkei
(Bartsch Xr.278) und Cod. 937 der St.Galler Stiftsbibliothek, das Stück bei Schmeller, Deutsche
Hs. Xr. 400 der Münchner Hof- und Staatsbibliothek und Altdeutsche Blätter II S. 163.
2. 9. Cant. 7, 8.
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60. Von des balm bomes bezaichnung.
261
sol und rüwent wirt in überfliessender süssekait. und nach der rüwe so
knmet denne vil schiere du ewig rüwe, die da niemer ende genimet, von
der da geschriben ist in dem salter: 'dis ist min rüwe, hie sol ich ewek-
lich rüwen, und ist min erbe an ende mit dem lieben Gotte’.
Dü wurtze du von dem balm böme wachset, ist rehte [166*] vester cris- 5
taner globe; won von der wurtzen wachset vorhte der helle und züversiht
der ewigen vröden und der ewigen sülikait und fruht aller guter werche
und reht gantzü minne zü Gotte und zü den eben mentschen. daz kumet
allez da von daz der mensehe gelobet daz dem mentschen gelonet werde
nach sinen werchen, baidü üblen und güten, da von so wirt er midend die io
sünde und gütü werch tünde. da von sprichet sant Augustinus: 'dis ist ain
lop das globen daz wir gelobent daz wir nit gesehen mugent’; won daz der
mentsche daz gelobet daz er siht, daz enist nit vil löblich; daz er aber ge-
lobet daz man im von Gotte sait, daz er nie gesacli, daz ist gar löblich
und güt. und daz ist ains ieglichen mentschen reht, daz iemer behalten sol i">
werden, daz ez vesteklich gelobe allü cristenlichü ding und allez daz man
im [166'] von Gottes wisshait, gewalt und von siner güti seit, und sol den
globen zaigen an sinen werchen; won swer höbet sünde tüt und unreht lebet
wider Gottes gebotte und wider sim rät, der hat nit rehtes geloben, swer
denne rehtes geloben hat, der hat öch gut leben, won dü wurtze aller guter 20
werche hat in dem hertzen ain grünt vesti, und da von wachset denne der
balm böm.
Des bomes stam ist willeklichü armüt, daz der mentsch niht gert won
siner notdurft. hab er joch etwenn bresten, den sol er gerne han durch Got,
der öch durch üns waz alz arm daz er nit so vil hatte daz in sin rainnü 25
müter bewunde, do er geborn wart, sin hainmüt waz ain geraa inü Strasse,
da wart er geboren, sin bettlin waz ain kriplin. ach lieber mentsch, ge-
denk wie gar arm din herre, din schepher und din behalter waz [166*]
t. und r. w. fehlt G. so fehlt O. 2. denne fehlt 6. die — genimet fehlt O.
3. geschr. — salter] gcsprochin ist . Hec requics mea G. rüwe . diz ist min erbe . hie G.
4. und — ende fehlt (r. 5. wrzc von der dirrc boin besser Z. dem balm] disem G. 5 f. daz
ist rehte undo neste gelo'bc G. 8. und r. — mentschen fehlt O. 9. daz — gelobet fehlt A.
dem m.) ime G. 10. so — midend] midct der mcnschc G. 11. und — Aug.] vb tfit
g. w. wände er die gelo'be hct . daz er mit gottc ewige vro’de sol enplian . vnde er aine künftige
weit gelo'bct nah dirre weite . Sanctus Augustinus spr. G. 12. gei. daz] daz gelo’ben dcz G.
won fehlt G. 18. er aber] ab der menscho G. 15. und g. u.] wan G. i. cristsnen
menschin G. 16. ez v. gei.] mftz rehte ucsticliche gclo’bin G. allez daz] daz a. daz G.
17. gottes gewalto . vnde von siner wishait . uon siner gflti . vnde uon siner cwichait . vnde von
siner rehtichait sait G. 17 f. und sol — zaigen] daz sol der mensche gelo’bin . also nesticliche
immc hercen . daz erz zaige G. 21. hat — von] div het . rehte gewrzet unde het aine gruntuesti
in d. h. gcsetzit . vnde uon der edilun wrze G. 22. bo'n . vil adillichc G. 28. st daz ist G.
24. ioh der ctw. G. 25. Ans] unsirn willen G. so vil fehlt G. 26. h. daz waz G.
27. b. daz waz G. krippe G.
3 f. Ps. 131, 14.
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262
60. Von des balm bomes bezaichnung.
durch dinen willen, und hab och du gerne gebresten und armüt durch iu,
wan er sprichet also: ’do ich erste geboren wart, do viel ich in armüt, und
in der armüt waz ich untz an den tot und spricht er da von so dike :
'sAlig sint die armen, ich wil si selb trösten süsseklichen’. der balmböme
5 hat alle sin schonhait üf gegen hymelriche bekeret. und also sol der sAlig
mentsch allen sinen richtüm den ez hie uff ertriche möhti han, willeklichen
lassen durch den ewigen richtüm in hymelriche, und sol gerne arm sin. der
balm böm ist och undenan vil klaine. also solt och du gerne klain sin uff
ertriche, so wirst in hymmelriche gehuhert. also sprichet unser herre: ‘s;Uig
io sint die armen, hymelrich ist ir’.
Der erst ast [10?°] ist daz sich der mentsche erkenne, wannan er
körnen si und war zü er werden sol vil schiere, ez enlebet nu nieman
lange tage, alz uns der priester manet: so er uns die Aschen uff daz höbet
git, so sprichet er: 'mentsch, gedenke daz du Asche bist und wider ze Aschen
15 werden solt’. swenne der mentsche sich erkennet daz sin nature so reht
krank ist, so muss er sich verstan daz er all die tugende die an im sint,
daz er die alle von Gotte hat. also sprichet der wissag: ‘allez unser hail
und Allü linsrü tugend und swaz gutes an uns ist, daz ist allez von Gottes
gnaden und ist in sim gewalt beschlossen’.
2» Der vogel der uff dem ast sitzet, der ist ain pfawe. der hat die na-
ture, so er ze mitter naht aller vastost schlafet, so schriet er vil egeberlich
und weket sich selben und [167*1 bescliowet sich denne ob er den Spiegel
uff dem höbet habe; vindet er in denne, so schlafet er ane sorge, hie bi
ist bezaichent daz sAlig mentsche daz dez pfawen nature haben sol. so du,
25 sAIiger mentsch, in der mitten naht aller best schlafest, so du denne er-
wachest, so solt du din tugend beschowen, ob din girde brinne engegen
Gotte, oder ob du erkaltet sist au der brinnenden minne Gottes, oder ob du
gar erlöschen sigist. vindest du aber den schönnen Spiegel uff der sele höbet,
entrüwen, so mäht du wol senfteklich schlafen in Got ane sorge, der Spiegel
so den du vinden solt uff der künginn höbet diner sele, daz ist din brinnendü
girde, du in gantzer tugent sol sin zu Gotte, o süsser mentsche, swenne
du den schönnen Spiegel vindest in diner gelnigde uff diner sele höbet, so
mäht du wol süsseklich schlafen in Gotte, also [167*] spricht ain hailig
1. gerne fehlt 6. 3. denl minen G. 5. gegin deine h. G. und also) Zegclichir
wis G. 6. hie uff ertr.] uffen dirrc zirganclichun weite G. han den »ol er w. G.
7. »ol er g. G. 8. bo'n der ist G. 9. wirst du zedeme h. G. 10. armen wan Iu G.
11. ast der ist G. irkennen »ol G. 12. ist G. 14. nach er] Memento quod cinis es et in
cinerem reverteris G. ische] erde G. 11 f. wider — solt] daz du w. ze esebun w. mast G.
17. daz — alle) vnde swaz rehtir giiti an imc ist . daz er daz alliz G. Alse der w. spr. G.
18. MIO fehlt G. 20. der ist] daz i»t G. 23. habe . vnde uindet G. 24. daz sol d.
ph. n. b. G. 25. inmitter naht G. 26. girde unde dine tuginde enbrinnen G. 28. vnde
vindist G. 31. div sol sin i. g. t. z. gotte G. 33. in] mit G.
4, 9. Matt. S, 3; 11, 28. 14. vgl. oben S. 63 Z. 10 f.
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60. Von des balm bomes bezaichnung. 263
man: ‘herre, si joch daz ich schlafe, so gib mir die gnade daz min sele
wache mit dir, daz ich si wol behüte an tilgenden’, der mentsch rniiss ze
allen ziten tages und nahtes siner tugend hüten; won alz man dez phawen
ze allen ziten varet umb sin schön gevider, also varet der tüfel ze allen
ziten dez st'tlgen mentschen sele, wie er ir tugend beneme. und dar umb 5
muss sich der mentsche Üisseklich hüten, und alz dik so er erwachet, so sol
er besehen ob sin girde brinne gegen Gotte, alz sprichet sant Augustinus:
’alz schiere so der schlaf von minen ogen kumet, so sol min hertze und
min sin wachen engegen Gotte und sol beschowen ob min tugend in Gotte
brinnent’. io
Der blüme der uff dem aste blüget, daz ist ain viole: der ist klaine
und ist hymelvar. da bi ist bezaichent dü girde die der ment//67'7sche
ze allen ziten haben sol hin uf gegen dem hymelrich ze Gotte, und sol
ällü sinü werch keren in dez namen und in dez ere mit dem wir geeret
und gefröwet sont werden in hymelricke, daz ist unser herre Jhesus Christus, 15
der sälgen sele brütgom. bi dez blilmen klaini ist bezaichent dez säligen
mentschen demütekait, won dez demütigen mentschen reht ist daz ez sich
alwegent verwerfe und sich unmasse klaine mache vor allen den luten, so
ist ez gross vor Gotte, also liset man in libro regum von aim künig, zu
dem sprach unser herre: ‘won du klain wärt vor dinen ögen, dar umb wil 20
ich dich ze ainem künig machen über alles israhelisch volk'. ‘demütkait’,
spricht her David, ‘du brichet durch den hymel und höhet den mentschen
[168’J ze hymelrich’.
Der ander ast ist daz du erbärmd solt han über ain ieglichen ment-
schen. swaz im wirret an übe oder an sele, daz solt du mit im tragen. 25
und enmaht du im anders niht getun noch gegeben, so solt du im doch
dinen willen geben und solt dich über in erbarmen, und enmaht sin nit
geti ästen mit milten Worten, so solt du doch daz inwendig werch üben der
erbärmde mit dim güten willen, und tüt joch ain mentsch etswaz daz übel
ist oder daz wider Got ist, daz ensolt du doch im nit ze vil verkeren und so
solt in nit ze vil bestrafen alz zehant, du solt e gedenken waz dir liep
wäre, waz man dir täti, ob du in der selben schulde wärist, und daz selbe
tft och im; und solt Got och für in bitten daz er sich über in erbarme,
der aber maisterschaft und gewalt hat daz er daz un/fC87reht rihten sol,
». alz] zcgelichir «in alsc G. 5. Ir Ir t G. «/.ob — brinnent] wie m. t. brinnen in
stiPtichait G. 12. da bi] Uie bi ist bczaichint dez seligen mcnschin demntiebait . bi dez blamen
varwe G. IS. sol han u. g. himilrichc hin ze g. G. 20. dv A. 21. machen] setzin G.
21 f. demütk. — l)avid] Also spr. der wissage d. Demütichait G. 23. ze deine h. G. 24. ist
d. d. erb.) daz ist div irbennide . die du G. 26. doch fehlt G. 27. d. w. geben] d. güten
w. tragen G. enmaht da sin G. 31. in — zehant] niht zehant din herce uffin den rchtin
(i. rihter) stöl setzin . ubir dez menschin vnreht G. 32. waz] daz G. 33. im] airne iege-
lichin menschin G.
20 f. I. Beg. 15, 17. 22 f. Eccli. 35, SI ?
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60. Von des balm bomes bezaichnung.
der sol wol hertteklich bestrafen allez daz daz ze bestrafenn ist, und doch
also daz er die erbärmde al wegen t da bi halte also daz erz tu mit
senftem hertzen und mit milten Worten, und si joch daz unreht alz gross,
daz er da rihten sol, daz er ez strenklich und herteklich muz berefzen, so
5 sol er doch dar nach gütlich und milteklich gebaren, daz der mentsch wol
merke daz er ez von reht tet daz er in so herteklich berefzet hat umb sin
unreht, und nit von übel, und daz solt du alwegent in din hertze setzen,
ob daz enhain rat si du müssest dar umb aintweders gewisget werden, umb
hertekait oder umb miltekait , daz du umb ze vil lindi oder güti gewisgof
io werdest denn umb ze vil strengi und hertekait ; won du solt wissen daz
die wizzen senfter sint umb die miltekait denn umb die hertekait. ünser
herre sprichet selbe: 'sehent an mich [168‘] und lernet senftekait und milte-
kait\
Daz vögellin daz uff dem ast singet, daz ist ain widhoph. der hat die
15 nature daz er über dü greber flüget und die toten klaget, also sol der
sälig mentsch tun. ez sol klagen den jämerlichen tot den dü edel sei enphie
von den tütlichen sünden, und sol gedenken wie ain ieglichü höbet sünde die
sele tötet, hobt sünde ist geschaiden von Gotte und von allen hymelschen
gnaden, und der mentsch verschuldet mit ainer hohet sünde daz ez nach
20 relite iemer ewig not solte han in der helle, und enhetti im Got mit
siner gnade nit wider geholfen, dis sol der mentsch gedenken das es war
si, und sol den milten Got bitten daz er den tot erkike mit rehter rüwe
und in denne generri mit siner gütlichen arzenie von allem dem siechtagen
der sünden. daz si niemer me mit willen noch [168*] mit werchen noch mit
25 dekainer schlahte böser gewonhait gehorsam werde dekainer sünden.
Daz blümeli dez astes daz ist ain wasser blüme: der ist vil schöne und
ervalwet zehant. da bi ist bezaichent dü unstätkait dirr weit, ir vröde
und ir gezierde ist harte schöne und zergat harte schiere, dez solt du,
sälger mentsch, gedenken daz alles daz zerganklich ist daz uff ertrich ist
1. beroffra . swaz zcbcreffinne ist G. 2. also d. — halte] sol er alliwege irbermide dirbi
haltin G. erz G, ez A. 6. in h. bercffte umbo G. 7. vnde setze daz a. i. d. h. G. S. dazl
ez G. si] muge sin G. dar fehlt G. 8. 9 gcwizinot G. 9. I. aide umbo zevil gfiti G. 9. ge-
wisgost A. 10. solt daz w. daz G. 11. umb d. m. fehlt G. dio h.] zeuil h. G. 12. spr.
doch selbe G. 12 f. milt. biinir G. 14. wittchophe G. 16. ez s.] div solt G. 17. sol —
22 sol] solt (ibir die totin vliegen . daz sint die manicualtigen ho'bitsünde . die dinc sele hain ir-
slagen . vnde solt sehin wie din sele in dien sundon lit irslagen . vnde solt gedenchin . daz da
mit ainir iegelickun ho'bitaiindc bist gcschairiin non gotte vnde non allen himilschen gnadon vnde
du mit ainir iegelichir ho'bit sunde nah rehtc uirschuldit best . daz du iemir ewige not inder helle
soltost han . vnde enhetti dir got mit siner gnade undo mit siner irbermide niht widir geholfen .
Vnde solt denno gedenchin daz du den werdin got . den güten got enteret best mit dinen sundon .
Vnde solt daz uon innicliehime hercen clagen . vnde solt G. 18. allem A. 20. soltcnt A.
22. den totin G. 25. gew. niemir geh. G. sünde G. 28. harte schiere] gar sch. G.
12. Matt. II, 29. 24. si — die reuige Seele.
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60. Von des baln» bomos bezaichnung.
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und nimet jAmerliches ende: der hüt lebet, der ist morn jamerlich tot; der
hüt ist gesunt, der ist morn siech; der hüt ist riche, der ist morn arm;
der hüt mit fröden lebet, der ist morn allez laidez vol, und also zergat ez
alles mit laide, und der aller maist fröde und minne hat und richtümes in
dirr weit, der hat och aller gröste not in der helle, und da [169“] von 5
sprichet sant Bernhart: ‘alle dine Sünde werdent ze würmen in der helle
und grabent allez an durch daz hertze, und wirt doch niemer verswendet’.
dar über sprichet ünser herre: 'we, we den riehen lüten, die sont niemer von
Gotte trost enpfahen. si hant me geminnet gut und ere und zergangklieh
vrüde denne mich, dar umb sont si iemer eweklich trurekait han\ dis solt io
du. sAlger mentsch, erkennen daz dü weit zerganklich ist, und solt din hertze
und alle din girde engegen dem keren der unzerganklich ist.
Der dritte ast ist dez libes kestgung. der sAlig mentsch sol sinen lip
kestigen mit allen den arbaiten so im sin orden und sin regel gehütet, und
sol doch im selben die notdurft geben und sol sich allez an hissen daz sin t&
arbait und sinü [169“] werch mit beschaidenhait beschehen, weder ze vil
noch ze lützel , und sol sinen lip alwegent in der temperung halten
daz er im niemer so vil sines willen verlasse daz er Got ungehor-
sam werde.
Der vogel der uff dem ast sitzet, daz ist ain elbs. daz waiss von 2»
nature sin tot vor; und so er hüt sterben sol oder morn, so singet er aines
tages der vor ains frölichen sanges. bi dem vogel ist bezaichent daz sAlig
mentsche; daz sol gedenken daz ez sim tot alle tag nahet ain tagwaide, und
sol Got ie vrölicher dienen mit singenn und mit lesenn.
Der blüme uff dem aste ist ain lylie: der wachset alle wegent uf gegen »
dem hymel und ist slllü zit grüne, also sol och dez mentschen hertze und
sin girde alwegent uf sin gerihtet ze Gotte, bi dem lylien ist bezaichent
stAtü küschi, die der mentsch haben sol an willen und an werchen. und
alz der lylie allez an grüne ist [169] an sim stamme und an sinen blettern,
also sol öch der sAlig mentsch sin an dem globen und an sinen tugenden 30
I. ain iamirlichis ende G. jamerlich fehlt G. 4. vro'den v. wnne h. G. 5. och fehlt G.
7. virswainet G. 8. dar über] Vnde dar üf G. 10. ewige G. t2. ist . daz ist got G.
14. gebivtet . vnde setzit . vnde G. IS. sin) ez alle sine G. 16. beschchen) tage G.
17. solt dinen G. 18. er im] da ime G. so vil fehlt G. virlazest G. 20. elbiz G.
21. bfit — morn] mome st. sol G. 21 f. aines — sangesj hivte ainen vro'l. sanch G.
23. allirtagelich G. 23 f. ain — sol] vnde daz ez txgilicb aine t. ze deme tode gat . vnde
swenne er dez gedenchit . so sol er G. 24. lesinnc . vnde sol gottc also girliche nndc also vro’-
liehe dienon . daz man wo) an ime merchin mach . daz er gerne bi gotte unsirmc honen wa-re G.
25. aste daz ist G. 26. himilrichc G. 26 f. alBO — girde] vnde also der lylie vf wabsit
ingegin deme himilriche also sol din hcrcc vnde din g. G. 27. ze] ingegin G. 28. div stade G.
der — sol) du solt han G. 30. sol — sin] solt du ssellgcr mcnsche grünen G. sinen]
allen G.
8. Luc. 6, 24.
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60. Von des balm bomes bezaichnung.
und sol alle tage zü legen an gutem lebenn, alz der bliim täglich wachset,
so unser herre denne siht daz er zitig ist, so brichet er in abe und
gehaltet in in der hymelschen bürg iemer eweklich mit vrüden und mit
wannen.
5 Der vierd ast ist süsser andaht. so der mentsch süss wainet nach
linsrem herren, also daz er imsers herren marter von hertzen klaget oder
daz er erkennet waz im Got gnade hat getan, und er in des mit süssen
trähennen lobet, daz ist ain vil süsser andaht.
Der vogel der uff dem ast sitzet, daz ist der vogel mit dez mentschen
io autlütz. der hat die nature, so er zem ersten uz sira nest flüget, der erst
mentsch der im denn bekumet, den tüdet er und flüget denn über ain wasser
und erspielet sin antlütz dar inne; und so er denne gefl69d]siht daz er
und der meutsche ain antlütz hant und si glich enander sint und er sinen
brüder ertödet hat, so enwirt er niemer me vro untz an sinen tot. bi dem
15 vogel ist bezaichent ain ieglich mentsch; won wir hant ertödet ünsern
herren, der von gütlicher nature und von mentschlicher ünser brüder ist wie
der von den Sünden tod ist an dem crütze, und wie er gebunden wart an
dem crütze, daz er weder hende noch füsse noch dehains sines lides gewaltig
waz, und swenn du daz für dinü ogen setzest, so ensolt du dich niemer
20 me gevröwen enhains dinges daz üppig ist.
Der blüme der uff dem ast blüget, ist ain rose: der ist schüne und
wunneklich an zesehenne. da bi ist bezaichent dü brinnend minne die der
sälig mentsch zü Gotte haben sol. du solt gedenken an die grossen minne
die er zü üns [170‘ ] hatte, do er den jümerlichen tot für uns laid. und
25 von der minne sol din hertze enzündet werden und din sele, daz du Got
also krefteklich und also sere da wider minnest daz du dich e wültist lassen
tüten e du in iemer wöltest erzürnen mit dekainer hobt sünde.
Der fünfte ast ist begerung, daz der mentsche ünsers herren begere
mit allen sinen sinnen und von allem sim hertzen so krefteklich daz er
so aller dinge enhain aht habe [won sin. so mag dü sele wol sprechen, alz da
1. sol — logen] solt allirtcegilich für ncmin G. rchte also d. bl. allir tegilich w. vnz er
vollcchoniin wirt . also solt du allir tegilich wahsin . vnde für nemin unz du rehte vollekominde
wirst an tuginden 6. 2. daz er] daz du stcligir mansche G. bist G. in] dich G, ebenso S.
5. ast . daz ist G. 7. daz er] daz dor mcnsche G. waz] daz G. gnade] so groze gn. G.
8. andaht . daz lop . undo div andaht meront alliz an des menschin tuginde . vnde twingit got
daz er alliz an sine gnade in die sele gnzit . vnde giczin mfiz G. 12. crepfilet A, irspiegiit
denue G. 14. me fehlt G. 15 f. ertAdet ü. h.] alle vnsirn brfldir irto'dit Jhesnm Christum G.
16. menschlichir nature G. 17. den] dinen G. 17 f und — crütze fehlt A, 20. ist . vnde
ensolt mit der weite noh mit enchainim dinge daz ze der weite triffet niemir enhainc vro’de me
gewinnen G. 21. ist ain] daz ist der G. 22. minniclich G. 24. für) dur G. 24 f. und
von der] gcdenchc rehte in wie rainir minne er den tot dur uns lait . vnde uon der rainnn G.
26. da wider fehlt G. 27. iemir wizsinde woltist G. 28. ist du beg. G. gort G.
30. aller — 267, 1 geschriben| alle sine girde gedenit het an den girtichin got . Div sele mach
wol spreebin alse div sele in der minne büche : Filie ierusalem G.
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60. Von des balm bomes bezaichnung.
267
stät in der minne büch geschriben: ‘ir tohtren von Jerusalem, kündent mim
liebe daz ich siech von minnen bin’.
Der vogel der uff dem ast sitzet, daz ist ain nahtegal, du singet all-
weg gerne, und so si gewar wirt daz sich dü naht verwandten wil zü dem
tage, so höhert si iren sang, hie bi ist be//?07zaichent daz sälig mentsche: 5
so dü naht der Sünden und dez üppigen lebens an im verwandelt wirt in
hoh tugend und ez sich beginnet bessren an sim lebenn und ez Got an
allen dingen baz erkennet denn e, so sol ez sinen sang höhren, so ist dü
naht verwandelt zü dem tage; so sol ez denne Got mit allen arbaiten frö-
lich loben und sol im dester gerner und gewilleklicher dienen und sol sich io
uff daz erb fröwen, daz im Got wil geben nach disem kurtzen zite iemer
ewklich leben, dar zü solt du din hertz und din sele ze allen ziten be-
reiten daz du mit eren dar körnest. unser herre sprichet in dem
ewangelio: ‘sehent daz ir ze allen ziten berait sigint, won ir enwissent
wenne ich kum’. 15
Der blüme der uff dem aste wahset, daz ist der side bliime, der enhat
nit völliger varwe und bezaichent daz rainne mentsche, daz sich so sere nach
Got [170c] verjamert hat daz ez blaich wirt und sin schön varw verlüret, und
allen sinen flisse und sin sinne an Got hat gekeret, daz sin sele vor im
schön si und sin hertze luter und reine, daz Got gerne dar inne wone. und 20
denn versmahet si gar die uswendigen schöni so si der inren so grossen
fliss hat, und denn mag si wol sprechen, alz in der minne büch geschriben
stät: daz ich uswendig blaich bin, dez wundre üch nit, dü hymelsch gnade
hat mich verselwet; und swie blaich ich uswendig bin, so bin ich doch in-
wendig harte schöne, ich gevalle Got wol an mim antlütz*. 25
Der sehste ast ist dü ladung, daz dü sele mit rehter girde Got zü ir
ladet: 'kum her, lieber herre, kum her, süsser gemahel, Jhesus lieber herre
min!’ so si denne in also gütlich ladet mit aller irre girde, so kumet er
denne und berihtet allez daz im an ir missevallet, und schephet den ment-
schen in allen dingen [170*] nach sinem willen. so
Daz vögellin daz uff dem aste sitzet, daz ist ain swalwe. dü nimet de-
hain spise won in dem fluge. also tüt och der sälig mentsche; daz nimt
2. von minnen fehlt A. 5. sag .1. 6. vO div naht dez O. 9. sol ez denne] solt du G,
ebenso «reife Pers. sing, im folgenden bis 12. 10. ime denne dester g. vndc deste williclichir G.
11. daz himilsche erbe G. Got] unsir herre G. 12. ew. leben] ewicliche . Vndo G.
16. wahset] blöget G. 17. uolliclichir G. 18. hat — wirt fehlt A- 19. an — gekeret] het
inwendich bekcret G. im] gotte G. 20 f. und denn — 23 stät] an die inrun scho’ni het si so
gar ir vliz gelait . vndo becheret . daz si die nzwcndigun gar uirsmahit het . Der mcnsche mach wol
sprechin . Nigra sum G. 26. ast daz ist G, ebenso 268, 12. 27 f. Jhesus — si] nu kun her
nzirwelte herre zü mir . du bist ihc der liebe gemahile min . So div sele G. 29. allez — ir]
er denne swaz ime in der sele G. 30. in] an G. willen . als er Ime wol geuallit G.
31. demc sAzin aste G. 32. fluge also] wolckin . Zegelichir wiz G. och fehlt G.
1. Cant. 5, 8. 3 f. vgl. oben S. 24 Z. lf. 14. Matt. 24, 44. 23. Cant. 1, 4f.
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268
60. Von des balra bomes bezaichnung.
enhain spise won in dem fluge dez gedankes, mit dem ez flüget in daz
hymel lant; won ez hat uff ertlich an dehaim dinge trost won allain an
hymelsehen dingen, da suchet ez trost und daz ist sin spise und sin fure.
also sprichet sant Augustinus: ‘ir sont allen zergangklichen trost versmaheu
5 und sont all üwer girde uf rihten in den hymelsehen trost’.
Der blftme der uff dem aste blüget, daz ist ain wegbliime. der hat die
nature daz er sich allewegent nach der sunnen keret. also keret der sAlig
mentsche sin hertze und sin sinne und alle sin begerung nach dem lebenden
und nach dem ewigen sunnen, der mit [171°] siner schonhait hymelrich und
io ertrich erfülltet hat und der da ist ain vrüde nnd ain lieht und ain wunne
der ewigen sülikait.
Der sibend ast ist gantzü süssekait. so der mentsche des bomes este
alle überstiget mit s tüten tugenden und ez an den obrosten ast kumet, so
giisset unser herre also groz süskait in sin sele daz si dem libe unver-
15 tragenlich ist, und mag sich kum in im enthalten; und ist so groz daz im
denne kraft gebristet, und muss der gaist in denn tragen, so krank ist er
von der gütlichen süskait worden; und ist aber der gaist also gesterket daz
er den lip treit, reht alz ir selient daz der gesund mentsch den siechen treit.
Daz vögellin daz uff dem aste sitzet, daz ist ain fenix: der wonet allez
20 an uff dem berg Oliveti. der berg ist als edel daz all edel wurtzen [171°]
dar uff wachsent; und ist der vogel allez an ainer und enwirt sin niemer
me. und so er sich ernüwren wil, so nimt er der edlesten wurtzen und
machet im selb ain hus und fliiget denn uff die hohen büliel und in die
hohen lüft uud flüget der sunnen alz nach daz er relit erhitzet, und flüget
25 Uf deme aste sitzit ain vogil, der baizit fenix . der wonit allis an uf deme berge
monlis Oliveti . unde der berch ist also edile daz nlle die edilen wrzan druffe wnhsiut .
unde ist der vogil alliz an aine unde enwirt sin niemir niht wnn aine . unde so er sich
irniuwen wil, so nimit er der edilsten wrzen unde machet ime selbin ain hfis unde
vluget denne uf die hohin buhile unde in die ho’hin Hüfte unde vluget der sunnen also
SO nahe daz er rehte irhitzet; unde vluget denne her nidir in sin hfis unde sieht die veli-
1. enhain spise] sine spise siner sele niene G. dez ged.] der vlnck daz ist der gedanch G.
ez] div sele G. 2. himilsehc lant G. 2 f. won ez — füre) indemo vluge wirt div güte
sele . vndo div sa'lige sele gespiset . div spise daz ist daz si an dekainiiue dinge vf ertriche en-
hainen trost . noh enhaine vro'de bet . niht wan an kindischen dingen . dar an suchit si trost .
vnde wirt och da uon gespiset unde gef Orot G. 5. all fi. g.l iwir herce G. 7 f. also —
mentsche] Zegelicliir wie tüt d. s. m. der keret G. 8. nach] gegin G. leben A. 9. nach
fehlt G. 10. wnnen spil G. 11. nach g&likait] engegin deme lebindin sunnen kert der güte
mensche sin herce . vnde sinen willen . Also livtirliehc daz alliz daz sin Wille ist daz got tut . vnde
kert sinen willen also gänzliche in den sannen . daz ez enhain dinch betrübit daz got tüt . daz ist
ime alliz liep . dem menschin daz sinen willen an allen dingen füget in gottes wiilen G. 14. sin]
die rninun G. 15. enthabin G. 16. denne] der G. müss — so] entnach die sAzichait uon
liplicber kraft niht enthabin . Wan daz der gaist denne den lip mnz tragin . also G. er] der
Hp G, 18. nach treit] also trait der gaist von gotlicbir kraft dez libes irschreknnge G.
25 ff. Parallelteat aus G.
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60. Von des balrn bomcs bezaichnung.
269
denn hin wider nider in sin hus und schiebt die vettachen zesamen daz er
entrinnet, und brinnent die wurtzen alle mit im; und also verbrinnet er,
und von dem pulver wirt denue ain nüwe fenix. hie bi ist bezaichent daz
sälig mentsche daz alweg gern wonet uff dem hohen berge gaischliches lebens,
daz da wol erhaben ist von der weit alz der berg von dem taL und bi 5
den edlen wurtzen ist bezaichent die edlen tugend die in gaischlichem
lebenn wachsent; won der alle die weit durch füre und tugend sühti , er
fundi niena so lioh und so edele und so [171'] vil tugend so in gaischlichem
lebenne, won gaischlich leben ist relit ain garte der wollust und ain berg
der tugend. da von gelichet er sich wol dem berg Oliveti. der sälig io
mentsch sol sich öck an sim leben ernüwren: zehant so er beginnet alten
und trägen an Gottes dienst, so sol ez allum gan in dem closter von airn
brUder zü dem andern und sol ab ieglichem tugend lernen und sol die ze
samen tragen in sim hertzen und sol denne uf fliegen in den götliehen
Spiegel und sol sine gedenke alz krefteklich an in keren daz er relite von 15
dem hymelscheu glantze erhitze, und sol im alz nahe fliegen daz sin sele
chin also vaste zesamine daz er enbrinnet . unde brinnen die wrzan alle mit ime unde
virbrennent in . unde von deme pulvere wirt denne ain nüwe fenix, unde also irnüwit
er sich . hie bi ist bezaichint daz stetige mansche daz alliwege gerne wonet uf deme
hohin berge, daz ist gaistlich lebin . daz ist wol deme hohin berge gelich : wan alse der 20
berch irho'hit unde irbabint ist von deme tal, also ist gaistlich lebin irhabin von der
weite . unde bi dien edilen wrzen die uf deme berge montis Oliveti wahsint, da bi sint
bezaichint die edilen tuginde die in gaistlichime lebinne wahsint . wan der alle die weit
durh füre unde tuginde sühti, der enfünde niene in allir der weite so edile noh so hohe
tuginde so in gaistlichime lebinne ; wan gaistlich lebin ist rehte ain garte der wollust 25
unde ain berch der tuginde . da von ist gaistlich lebin wol gelich deme berge monte
Oliveti, da der vogil ufi'e wonit der da hnizit fenix . unde so er beginnet alten unde
swaren , so ernüwit er sich , als ich da vor han gesait . Ze gelichir wiz sol der stetige
mensche tün . so er beginnet abe nemin unde tragen an Gottes dienste, unde sine
tuginde beginnen slewen an der übunge tuginde unde allir güten werche, untrüwon, so 30
solt du dich irnüwin unde solt allumbe gan in deme closter zü iegelichir swestir, unde
solt ab iegelichir swestir sundirlicbe tuginde lernen, unde solt merchin wie vlizicliche
siu ir tuginde übent mit güten werchin, mit gehorsami, mit demiitichait, mit miltichait,
mit irbarmiherzichait, mit mazich&it, mit allen güten zühten, und mit allen tuginden
übint siu elliu gütiu werch . daz sint die edilen wrzan die du zesamine solt tragen in 35
dime bercen, unde solt denne sebin wie dine tuginde sint irlo’schin und irslsewet ane
übunge unde an der brinnindun girde die du ze Gotte getost han . unde so du dinen
brestin irchennist, so solt du uf vliegin in den gotlichin sunnen unde solt dine gedenche
also krefticliche an den keren daz du rehte von deme himilschin glanze erhitzest, unde
solt ime also nahe vliegen daz din sele rehte gnoisten enphahe von deme lebindin sun- 40
9. g. leben fehlt A. 31. swestir) brüder Z, ebenso im folgenden.
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60. Von des bahn bomes bezaichnung.
gnaist enphalie von dem lebenden sonnen, und mit der hitze sol ez denne
her nider fliegen in sin hertze und sol der sei tugend zesamen schlahen,
daz si enbrinne mit Übung guter werche; und in sölicher hitze so wirt
er denne ernüwert und verbrent an der krankhait und an aller schlewkait,
5 daz er denne wirt [171d] ain nüwer mentsche.
Der blüm uff dem aste ist ain veltblüme: daz ist tinser herre Jhesus
Christus, won alz der veltblüm gemain ist allen den die in wellent brechen,
alz ist och unser herre gemain allen die sin gerent. der velt blüme stät
nff dem plan, da brechent in arm und riche. also stät unser herre oflen-
to lieh an dem erüze ze enpfahenn alle die die zu im koment und sin von
inneklichem hertzen gerent. nu, lieber mentsch, ker hin uff den plan zu
dim schepher und klag im mit demütigem hertzen allen dinen kumber und
din betrübde, so tröstet er dich mit siner miltekait. gedenk daz er selber
sprach: ‘ich bin ain veltblüme, ich bin beklait mit roten klaidern, daz ist
15 min rosvarwes blüt, daz ich, mensche, durch dich goz. nu verzage, lieber
nen . unde mit der hitze soll du her nidir vliegin in din hfis, daz ist din herce, unde
eolt die vetichin zesamine slan, daz siu rehte enbrinnen . bi den vetichin sint bezaichint
der sele tuginde : die solt du denne zesamine slan mit übunge giitir werche unde solt
die also vlizicliche unde also girliche Oben mit allen tuginden daz die wrzan enbrinnen,
20 daz sint die tuginde die du in deme clostir zesamine hast gelesin ab iegelichir swestir
daz die alle an dir enbrinnen . also girliche solt du dine tuginde Abin mit gAten
werchin. unde Inder hitze der tuginde wirst du irnuwit unde virbrennet ander trachait
unde an allir slewichait, daz du denne wirst ain nüwir mensche : also sol daz gute
mensche sich emtiwin als« fenix.
25 Der hlAme der uf deme aste stat, daz ist ain veltblüme . bi deme ist bezaichint
unsir herre Jhesus Christus, der ist ain veltblüme . wan ze gelichir wiz also der velt-
blAme gemaine ist armen unde riehen, allen dien die in went brechin, also ist unsir
herre Jhesus Christus : der ist gemaine armen unde riehen , allen dien die sin geront .
der veltblüme stat uf deme plane, da brechint in arme unde riche . ze gelichir wiz ist
30 unsir herre Jhesus Christus ain miltir veltblüme, der sich niemanne virsagit noch der
sich vor niemanne virbirget: er stat offinberliche uf deme plane dez halligen unde dez
si'tzin crüces . da wil er alle die enphahin unde tro’stin die zü ime kommt und sin von
inniclichime hercen geront unde mit demAtigeme hercen süchint . ah, liebir mensche, ker
bin uf den plan zü dime schepbere unde clage ime mit demAtigeme hercen allen dinen
35 kumbir und dine betrübide, er tro’stet dich mit siner miltiebait . gedenche daz er selbe
sprach : ‘ich bin ain veltblümili an minen claidim unde an der gemainde . ich bin be-
claidet mit roten claidirn, daz ist min rosevarwez blüt, daz ich dur dich üz goz . liebir
mensche, nu virzage niht ! ich bin der dinen lip unde dine sele geschaffen bet . ich bin
5. nüwer fehlt A. 23. slcwirchait G.
14. Cant. 2, 1.
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60. Von des baimbomes bczaichnung.
271
mentsch, nit! ich bin der dinen lip und din [172‘] sele geschaffen hat. ich
für von hymelriche her uff ertrich uss mines vatters schoss dar umb daz
ich dich süchti und wider br&hti ze diner edelkait. ach, süsser mentsche’,
sprichet er, ‘ich bin din vatter; da von minnen ich dich also sere daz ich
alles min blüt us goz durch dich, daz ich dich wider gewunne. nu merke 5
wie, lieber mentsche, din minne mich beklaidet hat. da von bin ich wol an
dem klaide gelich dem veltblümen. ich bin im och gelich an der gemaini,
won ich bin gemaine allen die min gerent oder gernchent: min tot ist ge-
maine, min gnade ist gemaine, min erbirmed, min trost, min hymelrich ist
gemaine, ich und min vatter und der hailig gaist siut gemaine. allen den io
die gnade und trost gerent von relitem hertzen, den wil ich mich [172b]
selb geben ze vollem tröste, und nach disem eilende wil ich ir voller Ion
sin und ir vröde. mir enist nieman ze arm noch ze sündig, ich bin reht ain
ihrer: won allez daz dem t iifel enfellet, daz lis ich uf. mentsche', sprichet
er, ‘gedenk wie ich dich gesüchet han. ich lie min rehtes erbe, daz hymel- 15
rieh, und für uff ertrich und gab minen lip und min sele durch dich, dar
der der die edilchait diner sele unde diner nature irkennit . davon irbarmist du sere
mich, und für von himilrich er uf ertriche uzsir mines vatir seboze dar umbe daz ich
dich sühti' . also sprichit sanctus Augustinus: ‘er für von himilriche uzsir eines vatir
büsime und für her in ertriche in einer mütir büsin dar umbe daz er den menschin sühti 20
unde in widir braihti ze siner edilchait' . ‘ah süzir mensche’, sprichit er, ‘ich bin din
vatir, da von minne ich dich also sere daz ich alliz min blut tiz goz dur dich, daz ich
dich widir gewnne . nu merche, liebir mensche, wie mich din minne beclaidit het . da
von bin ich wol beclaidit gelich deine veltblümen unde bin ime gelich an minen clai-
dirn . ich bin och gemaine allen dien die min geront aide gerüchint: min tot ist ge- 25
maine, min gnade ist gemaine, min irbermide ist gemaine, min trost ist gemaine, min
himilriche ist gemaine, ich unde min vatir unde der hailige gaist sin gemaine . allen dien
die gnaden unde trostes geront von rehtime hercen, dien wil ich mich selbin gebin mit
voilime tröste, unde nah disime eilende wil ich selbe ir Ion sin und ir vro’de . mir enist
nieman zarn noh ze sundich . ich bin ain ehinaere unde alliz daz deme tievil enphallet, so
daz lise ich tif unde ehironz' . nu ho’rint dez gütin Göttis güti, er gelichit sich aime
ehiriere! als ir wol sehint, da die richin lüte sn ident, da gant die armin liute nah unde
ehiront . ze gelichir wiz tüt unsir herre . der tievil ist der riche man, der snidet übir alle
die weit manige edilo sele, laidir! die gut kofte mit sinem blüte . so ist unsir herre der
arme man unde gat alliz hin nah ehirenti; und swa ime iene dehain sele mach werdin, 35
die zuchit er an sich . und dez manit er den menschin: ‘owe’, sprichit er, ‘gedenclie
daz ich ain ehirer bin wordin dur din hail ’ . er sprichit och : liebir mensche, gedeuche
wie ich dich gesüchit han: ich liez himilriche, min rehtis erbe’, sprichit er, ‘unde für uf
ertriche unde wart mensche unde gap min herce von mime libe, und mine sele gap ich
14. tül feilet A. 18. himilricher O (= himilrich her).
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272
60. Von de« balm bomca bezaichnung.
an gedenke und ker her wider zu mir dem edlen veltblümen. ich bin so vol
miltekait und erbärmde daz ich dich gütlich enpfahe. ker wider mit rehter
rüwe und such trost an mir mit rehter demütkait, so vindest du mich’.
Nu sont ir wissen daz unser herre nit allaine ist ain veltblume, er ist
5 öch sinen hainlichen luten ain lyli in dem beschlossnen garten, daz ist in
dem fridsamen hertzen, won dar inne wil unser herre rüwen süsseklich. in
swez mentschen hertze er also rüwet, dez sele hat vröden und wunnen viL
[l?2cj und si mag wol sprechen, alz da stat geschriben in der rninne büch:
‘kum her, min geminter, in minen garten, kum her, süsser gemahel, min
io garte ist wol geblumet mit aller hande tagend münigvaltig und ist under-
mischet mit dem gras inneklicher girde nach dir’, ‘nu kum her, minner der
rninne, du da über kripphet all siune; kum in dinen garten der allum ge-
von mir ze schaidinne dar umbe daz ich din herce sühti unde dine sele . liebir mensche,
dar an gedenche und irbarnie dich ubir mich ellendin, wan ich hau dur dine liebi mich
15 virellendot . nu gip mir din herce daz ich uf ertriche han gesftchit, gedenche noh
an mich unde kere dich her ze mir unde gip mir din herce zainir rüwe unde dine sele
zainir minn:erin , wan dez hab ich gegerot’ . nu kere widir, liebir mensche, ze deme
süzin veltblnmin, er ist so vol miltichait unde irbermide daz er dich gütliche enphahil .
owe, elliu diu inenschin diu sich ie von disime liebin blümin kerton, diu keren hiute
20 widire mit rehtir rüwe ze siner gnade unde suche trost an sine irbermide mit rehtir de-
mütichait, wan er spricbit: ‘alle die mich söchint mit rehtir demüticbait, die sun gnade
und trost an mir vindin
Nu sunt ir wizsin daz unsir herre niht allaine ist ain veltblume, als er sich selbin
nemit, er ist och sinen hainlichen vriundin ain lvüe in deme beslozsinen garten . wan
25 zegelichir wiz alse man den lylien zallen ziten sihit in deme beslozsinen garten, also ist
Got zallen ziten in deme vridisamin herein ; wan der mensche der sich vlizit daz er
vride behalte mit aime iegelichin menschin, beidiu uzwendich und inwendich, an Worten
und an werebin, unde der och inwendig bet ain lütir gemüte ane nit und ane ubilen
willen, der ist wol ain beslozsin garte der sin herce also beslflzset daz alle arewan
So unde alle nit da vor milz beliben, unde och sinen munt also beslüzset daz er niemanne
niht arges spricbit hinder ime noh vor ime unde alliz daz ze güte unde ze tugindin
keret daz er Biht unde ho'rit : der mensche ist wol ain beslozine garte . in deme garten
wil Got rüwen süzicliche unde vriuntliche mit der liebun sele . zeder spricbit unsir
herre: ‘sele, mich bet sere gelüstet daz ich din antliute ane stelle ’ . so mach diu sele
35 wol spreebin: ‘descendat amicus meus in hortum’ . also spricbit si in der rninne bücke:
‘kum her nidir, min geminnitir, in minen garten . nu kum her, süzir gemabile, min
garte ist wol geblümet mit aliir hande luginde manicvalt unde ist undir mischet mit
deme grase inniclichir girde nah dinem bi wesinne, daz die sade sattot mit bungir . nu
kum her, minner der rninne, diu da übir triffet alle sinne, kum in dinen garten, der
35. dcsccndit G.
5. im Anschluß an Cant 2, 1; 4, 12; 5, 1. 9. Cant. S, I; 6, I.
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60. Von des balmbomes bezaichnung.
273
muret ist mit vohrte dine liebi ze verliesend, und dar zü mit hüte ze allen
ziten din hainlich und din früntschaft ze behaltenne. nu koment her, Zuht
und Schäme, stand an der porten und hütent daz der minner und du min-
nerin mit dehainer unzuht iht werdent erweket’. so sprichet denne unser
lieber herre: ‘ich wil nider keren in minen garten und wil besehen die 5
bl Urnen in dem tal und daz gras und wil schowen ob die rebe blügent’.
die blümen in dem tal daz sint (172*1 die rainnen tugend in der sele, und
du reb daz ist frölichait in Gotte. nu sont ir wissen daz ain ieglich gut
wercli Unsrem herren vröde und ere git, und wirt er und du sele ze samen
gemähelt in disem garten, eya, wel ain wunneklicher bomgart daz denn io
ist, ez ist ain hymelsches paradys der Wollust! von dirre rainner gemahel-
schaft sprichet unser herre: ‘dis fründin han ich gar sere geminnet und bin
mentsche durch ir liebi worden und han arbait durch si erlitten all da her
von minen kintlichen tagen, ich bin ain minner worden irr wolget&ni und
irs minneklicben geschepfdes. dar umb starbe ich an dem crütze daz mir 15
allumbe muret ist mit vorhte dine liebun liebi ze virliesinne, unde dar zü mit hüte
zalten ziten dine hainlichi unde dine vriuntschaft ze behabinne . nu kum her, Zuht
unde Schäme, staut an der porte unde hütent daz du unde diu minnerin mit dehainre
unzuht iht werden irweckit . nu kum her, min umbevaher unde min minnscre, din garte
ist harte wol beslozin mit deme sloze der minne unde der demfitichait’ . so eprichit 20
denne unsir liebir herre : ‘ich wil nidir stigen in minen garten unde wil sehin die blümen
in deme tal unde wil sehin die blümen und daz gras unde wil schowin ob die rebin
blügen ’ . nu virnemint : die blümen in deme tal daz sint die rainen tuginde in der sele .
und die scho'nen rebin daz ist vro’lichait in Gotte : swaz dich an gange, daz dir daz si
ain vro’de in Gotte . unde in allen dinen arbaitin solt du rehte aine süze vro’de mit 25
girde han, daz du allewege vro’liche gerest arbaitin unde kumbirs unde not in der
minne dines minners . daz sint die reben in der sele, die blügent scho’ne unde minnic-
liche, gwenne der mensche vro ist in widirwertichait unde allewege gerot daz er arbaite
dur Got trage . undir dien blümen unde bi dien rebon rüwet unsir herre, als er selbe
sprach: ‘ich han gerfiwet undir miner gemahilun schalen, unde diu fruht ir tuginde 30
het mich gesputet, unde diu s ipise ist mir gar süze in minim munde unde in minir kelun’.
nu sunt ir wizsen daz ain iegelich güt werch unsirme herren vro’de unde ere git . in
disime beslozinen garten dez rainen hercen wirt Got unde diu sele rehte zestemine ge-
msehilt, daz ist ain wnniclichir bo’ngarte unde ist ain paradys himilschir wollust da diu
sele ze Gotte wirt gefiiget . von dirre rainun gemahilschefte spricbit unsir herre: ‘dise 35
vriundinne han ich gar sere geminnet unde bin mensche dur ir liebi wordin unde han
arbaite dur si gelitten aldaher von minen kintlichen tagen . ich bin ain minner worden
ir antliutes ; ir scho’ni und ir wolgetami unde ir minniclichun geschephide het mich ge-
machit zaime minn.ere . dar umbe starp ich an deme crüce daz mir disiu vriundinne
1. din' A. 31. sde G, spise Z.
3 f. vgl Cant. 3, 5. bf. Cant. 7, 11 f.
D*at#che Texte des Mittelalters X. 16
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60. Von des baJm bomes bezaichnnng.
disü fründin wurde ze ainer minnerin. nu ist daz geschehen: ich und si
sint ains worden, ich niet mich ir und si sich min', nu merkent weder
Got her nider [173°) kome zil der sele oder aber du sele hin uf zü Gotte,
und hörent waz Got si. Got ist der gewalt, du wisshait und daz obrost
5 güt. wie sol nu der brut gezartet von im werden? daz geschiht in dem
gaischlichen gebet, da aller flaischlicher ding vergessen ist, da enphahet er
si mit süsser minne und git der gehügde gewalt den gemaheln ze vindenn in
dem hymel mit den gedenken, und git der vemuust die wishait Got wider
in sich ze ziehenn mit der haitren widerbildunge, alz sich Got in der sele
io bildet, daz si in denne mit ir hertzen erkennend und sehend wirt an der
bildung die si von im enphangen hat. so git ir denne du obrost güti ain
wrde zainir minmerin, unde daz ich unde si liepliche zesamine wrde gefnget nu ist daz
geschehin in deine beslozinen gartin, da rüwet Got unde diu stetige sele mit ain andiren,
da nietet sich diu sele siner süzichait, als si sprichit in der minne büche: 'ich saz undir
15 sime schatten, dez ich ie gerte unde eines sfizin wckira nietotte ich mich’ . daz wort ist
also ze virnteminne also si spreche: 'ich han mich rebte gemüziget unde gesetzit ze rü-
winne, ich müte mich ze laininne an den wisin stun siner menschait und lief uf ze war-
tenne hungerigiu an den ediln wckir siner gothait unde ich ellendiu ze kfllenne undir
deme schattin dez hailigen gaisles . o we süziu sele, wie rebte minniclich disiu rüwe ist,
20 da Got rüwet in dime parndyse, diz ist din blügindis herce in allen tuginden, unde din
sele rüwet undir sime gotlichin schattin . gesah Got die sele diu mit rehtir girde rüwet
unde irkdlet wirt undir deme hailigen schatten dez hailigen gaistes, diu sele mach wol
genesin vor allir vraise! zü der sele sprichit unsir herre in der minne büche: 'owe wie
scho'ne du bist in dime zarte, winie du min liebistiu*. nu merckint wedir der zart Gottes
25 si ze der sele aide von der sele ze Gotte, und welch sele dez zartes wirdich si . un-
trüwen daz sint die die durnehtiges und demütiges hercen sint . ez ensint niut die
valschin gaistliche noh sint die gelichsendin ; ez sint och niht die hindir rede spulgint
unde virkerer, ez sint die demütiges hercen sint unde die sich selbin virwerfent unde
andir liute irho’hint: daz sint die dien Got zarton wil mit siner gnade . nu merchint
30 waz dise zart si, wedir Got her nider kome zü der sele aide diu sele hin uf ze Gotte . nu
bo'rint waz Got si . dez antwrte ich: er ist der gewalt, diu wisbait unde daz oberoste
güt . wie sol nu der briute von ime gezartot werdin ? daz geschiht in deme gaistlicbin
gebettc, da allir vlaischlichir dinge virgezsin ist, da enphahit er dich mit süzir minne
unde git diner gebugide gewalt daz du dinen gemahiln vindest in dien ho'hsten himiln
35 mit dinen gedanchin . in der bescbo'wide so git er diner virnust die wishait daz si Got
widir in sich züchit mit der haitrun widir bildunge, alse sich Got in der sele bildot .
unde also luter so din virnunst denne ist, also raine ist och din herce unde also wol
mäht du Got gesehin unde irkennen an der lutirun widirbildunge die si von ime bet
enphangen . so bringet dir denne diu oberoste güti aine hitze in dine sele, unde diu
21. dime O. 25. uon G. 37. also fehlt G.
1 f. vgl. Cant. 6, 2. 14 f. Cant 2, 3. 23 f. Cant. 4, 1.
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60. Von des balmbomes bezaichuung.
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liitze, dü den zart füget daz du sele irn gemaheln trätet und urabvaht mit
hitze in süsser minne und nietet sich sin in volleklicher vröde und hat an
[173'] im vollen trost, gantz girde an gebresten aller ding, doch enmag der
schlaf nit lang sin, aber die wile daz es ist, so müz si geswigen allez dez
Sterbens daz an der mentschait ist der munt enredet nit, noch dekain 5
gelid rüret sich, disü süssekait ist über mentschlich kraft, und bi der gnade
ist enkain flaischlich akust; allü Untugend und üllü valschhait ist der von
geschaiden, da wonet nit won dü hymelsch tugend.
Swer nu Got zü aim gemaheln welli han, der hüti sich vor allen Un-
tugenden und entlidge sich vor allem üppigen zart dirre sterbenden frünt- io
hitze füget den zart daz diu sele ir gemahilen triutet unde umbevabit in mit
grozir hitze in süzir minne unde nietet sich sin mit volliclichir vroTde unde het an
ime vollen trost, ganze girde ane brestin allir dinge unz an in ainen . doh enmak
der slaf nilit lenge sin, abir die wile unz daz ist, so müz sin geswigin alliz daz
sterbindes an der menschait ist: der munt der enredit niht nob diu tolliche zunge, 15
sunder in der stunde bittent alle die krefte dez inren menschin ane ser unde ane kre-
dime . unde du solt niht warnen daz du dich die wile sumest mit deme swigenne an
deme gebette; für dich bettot der wise wistün, din liebir brüder Jhesus Christus, ze
deme vatir in die hohun maginkraft, unde din und sin vatir der git dime gemahiln dem
hailigen gaiste ze wizsinne alle dine notdurfte unde iroffinot ime alliz dez du bedarft . 20
dez du joch niht gebitten kanst noh gegeron, daz ordinot dir alliz din liebir vatir dur
den hailigen gaist . do enmach diu stunde niht lenge sin, wan diu vro’de unde diu
süzichait ist tibir menschliche kraft, und bi der gnade ist enbain velsch noh akust; alle
untugint unde alle valschait ist davon geschaidin, sundir da wonet diu himilschc tugint:
dez menschin wort unde werck und alliz sin lebin ist rehte undir andiren menschon als 25
ain blügindes paradis . nu sunt ir, liebin juncvrowan, die Gottes brüte wellen sin, die
sun sich wol bewarn unde behüten daz der riffe unde daz miltor in daz blöginde
paradys iwirs hercen niht kome, wan daz mackit dürre unde top dez rosin wckir unde
den süzin wcbir iwirre tuginde, under dene Got mit der sele rüwen wil unde von dien
er gespiait wil werdin . wan diz ist der beslozine garte da Got unde diu sele zainandir 30
gefüget sun werden unde gemsehilt . nu virnim, Iiebiu juncvro'we, diu da wilt sin ain
vriundin unde ain gemahile dez to’ginen minners, ich rate dir daz daz du dich ent-
ladest und irledigest von allime üppigen zarte dirre sterbintun vriunschefte, diu hiute
ist unde morne niht . wilt du körnen zü deme obirosten zarte dines minners, so vlüh
allin den zart der unstcetichait unde ker allin dinen vliz wie du dinen minner, dinen 35
gemahiln von allime dime hercen, von allen dinen sinnen, von allen dinen kreftin liep
gehabest; da nah ker dinen vliz an din in res paradys, wie du daz gezierest unde ge-
blümest mit allir hande tuginde.
80 wahsit in dir ain bon, der haizit Got der wishait, daz ist diu wishait diu in
der hailigon hercen als in aime ungesihtigen paradyse wirt geboro : mit der vorhte wirt 40
19. den G, dem ZW. 27. miltü G, miltt Z, milta'we IV.
34. vlüh G. 40. hercen ist als G.
29. vnde dcnne G.
18*
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61. Von des bahn bomes bczaichnung.
schaft, du hüte ist und morn nit, und legent üwer minne und üwren zart
an den allaine dez minne und dez zart niemer zergat, daz ist der rain
süss Got.
[61. J Von sant Paulus bekerde.
5 [Beniamin: amantissimus domini habitabit confidenter in eo, quasi in
thalamo tota die morabitur et inter humeros etc.J
'Benjamin ist Got aller liebst’, suss list man in aim büche, haisset
Numeri, da liset man, do her [173‘] Moyses sterben wolte, do gab er den
zwelf sünen hern Jacobes sinen segen. und waz ainer under in der jüngste,
l« dem wart dirr segen gegeben: 'Benyamin ist aller liebste Got und getar sin
leben getürsteklich verwandlen, und Got wandelt in im alz an aim bette
und rüwet uff sinen achslen’.
Hie bi ist bezaichent der gilt sant Paulus, der och von Benyamins ge-
schlähte geboren ist.
15 Gotte Ist er aller liebest, daz merkent wir dar an an siner herlichen
bekerde. an der ogte im unser herre vier sunderlich ere vor andren hailgen.
du erste ist: do er uff dem weg waz alz er Christus namen wolte durch
übten und er reht mit hertzen und mit übe wider Gotte waz, da ogte im
unser herre sin erbärmde und schlüg in nider uff dem weg und sprach zu
20 im: 'Säule, Säule war urab durch ähtest du mich?' do sprach er zehant:
[173*] ‘o herre, waz wilt du daz ich tügi?’ und waz zehant gehorsam, und
er gesegit, mit der gnade wirt er gefühtet, mit deme smerzin atirbit er, mit der gelo’be
wrzat er, mit der and&ht entrinnet er, mit deme trurenne höbet er, mit der girde
wahsit er, mit der minne aol er starchin, mit der gedingo grünet er, mit der be-
25 schaidinhait lobet er unde spraitet sine este, mit der zrtht blögit er, mit der tugint
bringet er fruht, mit der gedult riffet er, mit deme tode brichit man in, mit der be-
scho'wide spiset er.
4. Überschrift fehlt G, Von hem Moyses (rot) Z, Semio de sancto Paulo und am Rand XXVI ir,
Do conversione s. Pauli Arundel. 5. 6 fehlt A. 7. Ben. — buche! Disiv wort liset man i.
a. bliche daz G. 8. Numeri) 1. Deuteronomium. do h. M.) uon hern M. do der G. 9. waz —
jüngste] benyamin der waz der iungisto . vndir jenen G. 10. Ben. — Got) Beniamin amantissi-
mus . daz sprichit alse vil b. der ist gottc allir liobist G. II. in) an G. 12. vnde got r.
an sinen ahsilon . vndir einen ahsilon G. 13. Hie bi] Bi beniamin G. 13 f. der och —
15 dar an) vfl ist o. geb. v. b. g. vnde ist och gelich beniamin an den Worten . Da2 erste wort
daz er sprach Beniamin ist gottc der liebistc . dar an ist der goto sanctus paulus wol gelich ben-
iamin . wan er ist gottc allir liebist . daz mugent ir wol merkin 6. 17. Daz erste daz ist do
der groze sanctus Paulus vf G. 19. da A, deine G. 20. zehant . vH antwrte ime G.
21. ich nu t. G. waz rchtc zehant g. der gnade vnde G. 27. nach er) alzo gesche'ch vns
auch amen TP.
4. Die Predigt steht in G Bl. 94', Z Bl. HO1, TP Bl. 118’, B Nr. 18, Arundel Bl. 90’:
fehlt Phill. 5. Deut. 33, 12. 17 f. Act. 9.
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61. Von saut Paulus bekerde.
277
do im du gnade erst wart gegeben, do ftbt er si. daz ander daz waz daz sin
bekerde der cristenhait nütz waz und vil nützer denne ie dehains hailgen;
won er waz der gröste und der beste prediger der ane Gottes sun ie wart,
und wart von nie dekaime so vil geleret so von im. daz dritte waz daz
ain vil wunderliches lieht von hymel kam an die statt da sin bekerde waz, 5
und wart ain schönnü klarhait da. daz vierde waz daz Got selbe an siner
bekerde waz; daz ist vil wol ain sunderlichü ere und ain grössü liebi daz
Got von hymel her ab kam zü siner bekerde, und kam mit also grosser
schonhait daz ez mentschen oge nit moht gesehen, von disen vier dingen
begat man diz bekerde für ander hailgen. io
Öch mugent ir au drin dingen merken [174° ] daz er Gotte liep waz. swer
zü Gotte aller gröst liebi hat, den minnet och ünser herre hin wider aller
maist. nu sont ir wissen daz sant Paulus die aller gröste minne hatte die
kain irdescher mentsche gehaben ie mohte. so stark waz er an der minne
daz er sprach: ‘ich bin dez sicher daz mich weder swert noch der tot noch 15
dehain ding von Gotte geschaiden mag’, nu sont ir merken driger hande
lüte die minnent die ersten die minnent sZeüteklich ; daz sint weltlich lüte,
die minnent irdeschü ding alz vil daz nit gantzer minne da mag gesin. daz
mugent ir merken an aim ieglichen dinge, swaz wite zertaillet ist, daz ist
minder denu ob ez bi enander wilre. also ist ez umb der weltlichen lüt 20
minne. si minnent kint und fründ unde güt und ere und weltlich vröde,
und ist also ir minne getaillet daz si Got vil klai/774*/ne minnent da von
sprichet ain wis man: ‘sehent daz ir nit minnent den tot in dem ierrod
üwers lebens’. er spricht och me: ‘ir die da minnent die weit, die sont
geschent werden an dem jüngsten tag“, die ander lüte minnent grozlicher 25
und höher, daz sint die güten vrowen die durch Gottes minne witwa bli-
bent. die gelichent sich der turteltuben: so dü ir gemächde verlöret, so ist
si iemer me aine und sitzet uff daz dürre zwi und lat daz grüne stan da
bi. also tunt och die künschen vrowen; die lassent allez irdesch liep durch
die minne Gottes, die dritten lüte die minnent ain volkomen minne, daz 30
sint gaischlich lüte. die minnent also sere daz si von minnen sterbent. nu
1. Daz a. daz an sinre bekerde waz . daz waz G. 2. halligen wrde G. 4. von nie —
Im] div cristenhait uon nie enhaime halligen s. v. g. so von deme grozin vnde uon deine ediln
a. paoio G. waz] daz an einer bekerde waz . daz ist daz G. &. vil wund.] wnniclichis G.
6. elariv schonhait G. waz] daz ist G. 7. und ain] vnde G. 8. von fehlt A.
9. menschlichiv o'gcn n. g. mohton . Hie an zaigito unair herre s. panlo sundirliehi liebi . vnde
uon G. 10. diz] sine G. II. waz . daz merckint dar an . swer G. 13. aller gr.] gro’stun
vnde die ho’hfttnn G. 14. ie fehlt G. 14 f. so — sprach] er w. also st. a. d. m. do er spr. G.
16. vor nn] wan er do got also starcliche minnote . da uon minnote o’ch in unsir herre G.
17. siehticliche G, stAteklich A. 19. ir wol m. G. 20. enander] aimo andirn G.
21. kint . vriunde G. 22. iBt— minne] ir herein m. ist G. 24. mc fehlt G. 25. gcschendit G.
livte die m. G. 27. ir gcsellin vnde ir gemtechit G.
15. Rom. 8, 33. 27. vgl 8. 61 Z. 1 ff.
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61. Von Bant Paulus bekerde.
sont ir merken wie si sterbent. si sterbent der weite und überwindent
daz flaisch und die weit und den tüvel und lebent engelschlichen in fleisch-
licher nature. die mugent wol [174c] mit Paulo sprechen, alz man von im
liset, do er nider geviel uff dem weg, do er bekeret wart, do sprach er:
5 'ich wider sag aller der krankait mines libes und aller der girde dirr weite
und aller der bekorung des tüvels’. und daz mugent wol gaischlich lüt och
sprechen, won si widersagent und stritent wider irem flaische und wider
der weite und wider dem tüvel. dez hilfet in alles du minne, won si min-
nent Got alz starklich daz si sich enzihent aller irdescher ding und aller
io weltlicher wunne, und sprechent also: ‘daz rieh dirre weite und aller zer-
ganglicher vröde habe ich versmahet durch die minne Gottes, mines lieben
herren Jhesu Christi, und an in allaine han ich alle mine minne geleit und
mine züversiht'. von der minne sprichet du sele in Canticis: 'dü minne ist
sterker denn der tot', daz mag si wol sprechen, won si überwindet den
15 tot an ir, daz si sich e tusent stunt liessi töten e si sich von [174d] Gotte
iemer geschiede. da von spricht ain hailig man: ‘dü minne ist ain anvang
und ain mittel helferin und ain volfürerin’. also spricht sant Augustinus:
‘dü tügnen und dü verborgnen ding in den Rötlichen Worten die werdent uf
getan dem mentschen der die minne hat’.
») Nu merkent daz ander wort daz er spricht: ‘Benyamin getar wol sin
leben gewandeln’. daz ist och bezaicfcenlich an Paulo daz er getürstig waz
und stark do man in schlüg und stiess, und swaz man im Ungnaden tet,
daz er dar umb siner rehtekait nit liess. und do man in joch töten wolte,
do waz er doch stark und getürstig au sim rehten. also sont och gaisch-
25 lieh lüte starke sin, daz si ir reht iht lassent, swaz arbait si ane gat; und
sont krefteklich striten wider den tüvel und wider aller flaischlicher girde.
da von spricht her Salomon: ‘ich rate dir, gaisch/7 775 "/lieber mentsch, daz
du stark und vest sigist an Gotte’, la dich nit überwinden; die bösen
gaister die dich versüchent und dich went betriegen, stant vast wider dem
so ungetrüwen rat; sin rat ist also valsch daz im nieman volgen sol.
2. daz] ir G. 3. die livte m. G. s. paulo G. 5. sage minom blote . vü minem
vlaische . daz waz also uil gesprochin . ich widir sage ailir miner kr. m. libce G. dirr] der G.
6. und daz] Daz wort G. och fehlt G. 7. Bpr. mit . 8. paulo . wan G. 7 f. vnde widir
Btritent ir vl. v. widir d. w. G. 8. t vnde dez G. alles fehlt G. 9. stark!.] sichirlicbe G.
10. ich A. dirre] der G. 10 f. beeser alle zirgancliche G. 11. v'smabe A. Gottes
fehlt G. 17. sprichit o’ch G. 18. und — ding] dinch . vnde div dinch div da uirborgm
sint G. tätlichen A. 19. hat an einen Bitten G. 20. wol fehlt G. 21. lebin gcturstic-
liche gew. Q. beechaidenlich A. 21/5 an sancto p. d. er starck vnde get. waz ansime
lebinne . er waz also stark G. 22. man im — liess] vngn. ime ieman t dar umbe liez er nibt
sine rehtiebait . vnde enwolte sin reht dur nieman lozen G. 23. joch] rchte G. 25. daz —
gat] ewaz arbait s. a. g. dar umbe sun s. i. r. niht lazin . siv sun starch sin in der not G.
27. her fehlt G. 30. valsch . vnde also gar vntugintlich G.
5. tco ? 13 f. Cant. 8, 6. 27 f. Eccli. 5, 12.
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61. Von sant Paulus bekerde.
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Nu merkent daz dritte wort daz da sprichet: rGot wandelt an Benya-
min alz an aim bette’, daz ist och bezaichent bi sant Paulen, daz er frid-
sam waz; won daz Got an im und in im waz, daz ist ain zaichen und ain
urkunde daz er fridsam waz. won unser herre sprichet: ‘ich wil in nieman
rfiwen won da ich frid vinde’. nu merkent vier ding du den frid ierrent 5
daz ain ist der tüvel, der ist dez mentschen widersach. er setzet sich mit
allen den listen die er vinden kan, wider den mentschen. da von sprichet
sant Peter: 'min lieben brüder, sint waker und umbsehent üch, won der
tüvel üwer [175*] w'idersache gat umb lügende und ginet alz ain lügender
löw, ahtend wen er verschlinde’. hütend üch flisseklich, won der tüvel ist io
der diep, der ze allen ziten gat värende wie er die sei verstele! also liset
man von sant Bernhart: der waz ze ainem male in aines mannes hus, und
do er dez nahtes nider kam, do kam der tüvel in ainer vrowen glichnust
und wolt in versüchen. do schre er vil lüte: 'hie diep, hie diep’. do für
der wirt uf und kam dar und sprach: ‘wa diep, wa diep?' do sprach er: 15
‘der tüvel waz hie und wolt mir min sei verstelen’. also solt du wissen
daz der tüvel ain diep ist, der din alle zit varet. da wider solt du stark
sin und solt im starklich widerstan und solt sinen rat fliehen reht als
ain schoss daz du fürhtest daz er dir durch din hertze gange, noch me
flüh die sünde, dü schiebt die sei ze tode! da von spricht her Salomon: 20
‘reht alz du schlahest ainen schlangen, [175'] so er gegen loffet, und flühest,
also solt du fliehen die sünde.’ daz ander ist der lip. dirr vigint ist vil
nach räte. er gat mit dir ze bette, ze chore und swa du hin kerest, da
gat er allez mit dir. wie wir den vigint überwindent, daz leret üns ain
wiser man. ‘es ist', sprichet er, ‘enliain ding so w&ge so daz du in dike 23
zer tröschest, und zuke im daz füter so er widerhörig si, untz daz er vil
gevellig werde’, daz spricht sant Bernhart: ‘kestig dinen lip so er ze
gail welle sin. und truk in mit arbait und schlahe in vast untz er erken-
nend werde daz er der sele kneht si und dü sele von rehter edli ain küni-
. ginne ist’, daz dritte ist der ebenmentsch, von dem müst du dike münig 30
schoss enpfahen; daz mäht du mit dekainem ding so wol verkomen so daz
du allez an miltekait für bietest, sprichet dir ieman herteklich zü, dez autwürt
1. dal er G. 2. bij an deine güten G. 3. im wazj imc wandilote G. 4 f. in —
rüwen] uiene ain G. ich rdwc vndc vride immc herein vinde G. S. waker] atarch nnde
atant uaste G. 9. öwer w. fehlt G. 10. ahtend — veracht] vndo wil iveh uirslinden G.
11. vor ze] da G. er iv die G. 16. der t. der waz G. 17. ain d. ist] ist der d. G.
IS. starklich] krefticliche G. 20. dine sele G. her fehlt G. 21. er — flühest] du in sihst
gegin dir lo'fen G. loffcst A. 22. dv A. andir daz den vride irret . daz ist G.
dirr] der G. 23. zetn bette . vndc gat mit dir zekore G. 24. allez fehlt G. Wie du d.
v. ü. solt . daz G. 25. es — er] Er spr. ez enist G. 27. spr. o'ch s. G. 29. si] ist G.
30. ist der] daz den vride irret daz ist din G. dike fehlt G. 31. verk] tibir kon G.
32. ain A. ieman] din swestir G, din pmder WZ. dez antw.] daz widir sprich G.
4. im Anechlu/1 an Joan. 14, 277 8. I. l'etr. 5, 8. 21. Eccli. 21, 2.
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61. Von ßant Paulus bckordo.
du lindeklich zü; ge/iZö'Tbare ieraan wider dich unwirdeklich , dem wider
gebäre aber du gütlich, und kürzlich, swaz dir ieman Übels tilge, so tü du
da wider güt! daz leret üns ain wiser man und sprächet : 'du mäht mit
dehaim ding so wol übel überwinden so da mitte daz du gut wider übel
s gebest’, da von spricht Ysidorus: ‘ez ist ain grössü tugend und ain
grössü kraft daz du dem wol tüst der dir übel tüt’. 'ez ist’, spricht sAnt
Augustinus, ‘daz obrost urkünd der minne daz du den minnest der din
widersach ist’, daz vierde ist dü weit, dü vihtet dich ze allen ziten an
und leit dem mentschen mänig uppekait für. da von sprichet her Salomon:
io ‘ez ist ain uppigü vröde und ain unstütü gezierde, dü wunne dirr weit’,
‘dü weit’, sprichet dü schrift, ‘ist vol strike und vol der Sünden’, also liset
man von aim hailgen, dem wart erzaiget daz dü weit vol [176‘J strike
waz, do sprach er: ‘owe, herre, wer mag us disen striken komen daz er nit
valle?’ do antwurt im der engel und sprach: ‘daz sont die demütigen lute’,
15 die entrinnent disen striken und och nieman anders, man liset von dem
beren: so man den vahen wil, so lait man im ainen strik; und so er
kumet dar, so truket er sich so er iemer tieffost mag, und nimet die strike
und wirfet si über daz höbet und gat dar under hin. also sol der mentsche
tün; er sol sich truken mit der demüt und sol die strike alle über
20 daz höbet werfen.
Nu sont ir merken daz vierde wort daz er da sprichet: ‘Benyamin, Got
rüwet under diner achslen’. daz ist also vil gesprochen: Got rüwet nff
diner gedultekait. da sont wir aber merken an sant Paulen, wan er waz
gedultig. bi den ahslen ist bezaichent die arbait, und also die ahslen
25 die &T[176b]b&it tragent, also treit daz liertze gedultekait, und in der rüwet
ünser herre. man liset von sant Paule daz er alz gedultig waz daz er
sich reht sere vrowte so in arbait an gieng. also sol och daz mentsche
alle die arbait die uff ez mugent gevallen, gedulteklich tragen, anders Got
gerüwet nit in sinem hertzen. wilt du denne daz Got in dim hertzen rüwe,
so so solt du gedultig sin in der arbait. gedenke an der hailgen gedultekait!
man liset von sant Laufenden daz er uff dem röste la<? also süsseklich alz
1. z h fehlt G. ieman — dich] Bi G. vnwcrtliche G. dem] da G. 2. aber fehlt G.
so] da G. S. da w g.] güt widir G. (ins fehlt G. 4. wol übel] uil G. 5. spr. s. Ts. G.
Sf. ez — Aug.] Also spr. s. Aug. Diz ist G. 8. daz vierde] alse den du beclaidit hcst mit
güte . Daz v. daz den vnvride machit daz ist G. ziten] stundin G. 9. her fehlt G.
10. vride] gezierde G. gezierde] vro’de G. 11. dü w. — Bünden] daz wip div got ffirbtet dir
sol gelobit wcrdin . da uon so hazsent die weit . wan si ist bo’sc vndo vnstjete . Dauon sprichit
div schrift . I.iebin kint . vliehint die weit . wan si ist nol stricke . unde läge der sündc G.
12. dü] elliv div G. 14. und spr. fehlt G. 16. imo stricke G. 17. dunckot G. 18. gat er
drondir hin G. 21. da fehlt G. 22. dinen a. G. 23. aber fehlt A. wa am Ende der
Zeile A. 24. vor bi] da uon rüwet got undir sinen ahsilon G. aint G. die — ahslen fehlt .1.
25. die ged. vnde in der gedultichait r. G. 26. uon deine grozin s. G. 27. sere fehlt G.
och d. in.) daz mcnschc tün . ez sol G. 28. also A. ged. ufi gütliche tr. G. 31. las .4.
10. im Anschluß an Eccle. 1, 14; 2, 11? 11. im Anschluß nn Et. 123, 7; Eccli. 9, 20.
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61. Von sant Paulus bekerdo.
281
er in rosen läge, man liset von sant Andresen daz er rehte spilende zü
dem crütze gie, und sant Paulus und mänig ander hailge, von den man liset
daz si arbait und not littent also vrölich alz ez in ain gemach wäre und
ain vröde. dis sol dir allez ain Spiegel sin und ain bilde daz och du ge-
dultig sigist in der not. man liset och harte vil von her Jobes gedulte- 5
kait [176*]. do unser herre dem tüvel gab gewalt daz er im kind und gut
nider schlüge, do sprach er: ‘Got gab ez mir, der hat mirs och genomen,
gesegent si ünsers herren name’. do kam der tüvel zü unserem herren, do
sprach unser herre: ‘wie nu, her tüvel, wie gevallet üch nu min kneht
Job?’ do sprach der tüvel: 'wie, herre, war umb solt er ungedultig sin, io
er hat doch noch ain schönnen lip’. do sprach unser herre: 'nu wil ich
dir gewalt geben über sinen lip, und rür mir aber der sele nit, die wil ich
allaine in miner hant haben’, do für der tüvel enweg und verunrainte in,
daz von der schaiteln untz an die zehen dehain gelid waz an im gesunt.
do waz er doch noch alz gedultig daz er nie ungedultig wort gesprach. do 15
kam aber der tüvel für ünsern herren. do sprach ünser herre: 'wie nu, her
tüvel, wie gevallet üch nu min kneht Job?’ [176*] do sprach der tüvel: ‘wie,
herre, hut umb hut und allez daz der man hat oder swaz er gelaisten mag,
daz ist alles klain ding umb dich und umb hymelriche’. säliger mentsche,
sid den tüvel dunket daz ez allez ain klain ding si daz man geliden mag 20
durch Got und durch daz hymelriche, so vertrag och du gedulteklich swaz
dich an gange, und gedenk war umb du ez lidest, so wirt ez dir liht man
liset daz an mänger stette in der schrift daz Got den mentschen minnet
dem er arbait git. als man list von Thobya daz ünser herre über in ver-
hängte daz er vil gähes erblindet, do wainte er vil sere und gehüb sich 25
übel, do kam der engel und sprach: ‘gehab dich wol, ez mfiss sin und sol
sin daz du arbait habest, won Got minnet dich’, owi, sälger mentsche, diz
sol dir ain trost sin in der not daz du gedenkest [177*] daz dich Got
minnet, so er dir arbait git. trag gedulteklich din arbait und gedenk an
ain wort, sprichet ain hailig man: ‘ich gelobe', sprichet er, 'daz dem gaiseh- so
liehen mentschen ain tag nützer si in dirr betrübte, ob ez die betrübte ge-
dulteklich hat, denn fünf jar in der franschmütkait'.
1. in rosen] u( ainim bette G. liset och von G. 2. I. liset man f S. littent] trügen
rebte G. 3 f. in — vröde] ime ain vro'de wäre G. 7. slflch G. got der gap G. 9. berro
zime G. nu vor min fehlt G. 14. schtetelun G. 15. doch noch) noh do G. nie enhain vng. G.
17. dch] dir G. 19. ailiz ain clain G. bimilriebe zo gebinnc G. 20. sit daz den G.
21. darth daz] nmbe G. 22. dir ailiz 1. G. 23 f. an — verhängte] in manege wie i. d. sehr, den
men sch in den got minnot . daz er deine a. g. also liset man u. tob. übir den uirhancte unsir herre G.
25. vil vor gib. fehlt G. 26. engel undc tröste in . vndo spr. G. wol tobias . Ez G. 27. got
der m. G. 29. und fehlt G. 30. w. daz spr. G. man . Er spr. ich g. daz G. 31. dirr
fehlt G. 31 f. ob — hat folgt nach fransch. darauf vndo si ime selbin zetugindin unde zo nutze
7. Job. 1, 21. 24 f. Tob. 2, 10 ff.
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282
62. Von drier hand cloater lüt.
[62.] Von drier hand closterlüt.
Man vint in allen landen under vrowen dehain schöni, so hern Jobs
tohtren warent, du erst hiez Dies, du ander hiez Cassia, du dritte hiez
Cornus tibi, dis ist allez bezaichenlich.
5 Bi hern Job ist bezaichent unser herre Jhesus Christus. 'Job' daz spricht
‘ain rüwig man’; daz mugent wir wol verstan an unserm herren. do er an
dem crütze stünt, do waz er wol ain rüwig man, won er hatt alz groz
rüwe umb ünser sünde daz im sin hertze brach von rüwe, und du selb
rüwe [177b] schied sin sele von sim libe, alz er selb sprach: 'alle die den
io weg hin gant, die wartent ob dehain arbait si so groz so du mine’. sin
arbait waz wol groz, won im floz von sim libe wasser und blüt dur ünser
sünde. da von sprichet sant Anshelm: 'o cristenü sele, die da ist gezieret
mit dem rosvarwem blüte dines behalters, gemühelt mit dem hohen geloben,
gewidmet mit dem hailgen gaiste, erkiket von dem sw&ren tode, weke dine
u sinne und gedenk an din erlösung und an din behaltung, und vröwe dich
und la dir wol sin, ker dinen sin gar an Got und din hertze, won er ist
din erlöser und din behalter. der güt samaritanus hat dich gehailet, der
getrüw frünt, Jhesus Christus, hat mit siner sele die dinen sele behalten.’
Bi den drin tohtren hern Jobs sint bezaichent drier hand kint die ünser
2<i herre in clöstern hat. bi der [177‘] ersten dü da haisset ‘Dies’, sint be-
zaichent die novicien, die in den ersten tagen sint den ist uf gangen der
tag dez hailigen gaistes und ain anevang dez ewigen tages, won si sint
komen uss der vinstri da si inne warent verierret. da von sprichet sant
Peter: 'wir ierretent etwenne alz dü schäflü dü den hirten verliesent'. nu
kennt . Diz sol dir alliz ain trost uudo ain bilde ain . daz du gedenchest . daz got rfl w i t undir dinen
ahsilon . daz ist in dinir gedultichait . vfi daz dir oeli andir nutz kämet von diner gedultichait G(ZVC).
1. Überschrift fehlt G WH, Von vnBCr vrowen aant Marien (rot) Z, am Rande Sermo XVI IV,
Van dem lyden vna heren Pliill. 2. vant GZ. vrowen dehain] wiben dekaine vro’wn so GZ
8. waren drie . Div G. 4. Corn9 tibi A, Cornus tibi GZ, ebenso 283, 19; W hatte zuerst
Comustibi;, das nachträglich in Coruustibii korr. wurde. allez] uns G. 9. 0 we alle G.
10. hin] vf G. 10 f. wartent — libe] sehen unde merchen . ob ie dehain mcnsche so groze not
vnde so groze bittirchait irlitte als ich lidc . Er waz ain harte rüwigir man . wan von ime vloz G.
12 f. die — behalters] du da bist gcz. m. d. tode dins bch. du da bist geweechin mit deme
roscuarweu blfito . du da bist G. 15. sinne nnd] kreftc . nnde dine mäht . gehuge an dine
irckichungc G. und a. d. bch.] betrahto an d. behaltunge . weliv vnde wa div kraft Ri dinir
irlo'sunge . Du solt elliv zit wonen in dirrc betrahtungc G. 16 f. ker — behalter] in dirre be-
sclio'wnge . wirf uon dir dinen urdruz . übir wint din bcrco . ker d. a. g. a. got . gedcnche an
die güti dins irio’sere . wirt enzündit uon der minne dines behalters . Wan der gesalbote Christas
het dich irlo'sit G. 18. die dinen] dine G. 20. imme clo'stir G. dies . Bider sint G.
22. won] Vnde G. 23. ubs der v.] von dien vinstiren wegin G. sant fehlt G.
1. Der Traktat findet sich in G Bl. 97‘, Z Bl. 114 *, IV BI. 81, X Bl. 85% U Ar. 19, PKW.
Bl. 160*; fehlt Arundel. 3. vgl. Job 42, 14. 4. Die Hatulschriften lasen für das nunmehrige
Coruustibii der Vulgata wahrscheinlich Cornus tibia, wie es Gregor der Gtrofie auch erklärt als lae-
tantium cantos. 9 f. Thre. 1, 12. 24. /. Petr. 2, 23.
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62. Von drier band dosterlüt.
283
ist unser herre komen und hat uns wider gelaitet in den rehten weg
der hymelschen Jherusalem. nu stänt vaste wider der bekorung und länt
üch nit überwinden, sint vest und starkes gemütes und gänd für (ich, dü
porte ist uf getan dez hymelriches. sehent für üch waz üch ist künftig,
und sehent nit hinder üch an dü ding dü zerganklich sint; ‘won swer 5
hinder sich siht', sprichet ünser herre in dem ewangelio, ‘der ist nit wirdig
dez hymelriches’. daz ist also vil gesprochen: swer zu gaischlichem lebenne
kumet [177d] und denne hinder sich gedenket in die weit, der ist unwirdig
dez hymelriches.
Bi der andren tohter dü da haisset ‘Cassia’, sint bezaichent die da io
hoher in daz leben sint getretten und gehorsami hant gelobet und och
willen hant ze laistenn untz an iren tot. man liset von ainem krütelin daz
haisset och Cassia und ist vil klaine und naiget sich uff die erde und
smeket wol. dem krütlin sont sich die gaischlichen lüt geliehen und sont
sich demütigen und naigen. da von sprichet sant Peter: ‘ir sont üch de- 15
muten under dez gewaltigen rihters hant, daz er üch behalte an dem tage
der betrübde’. und nit allain sont ir üch demüten under üwem obren, ir
sont üch och demüten under üwern undern; daz ist relitü demüt.
Bi der dritten tohter dü da haisset [178‘] ‘Cornus tibi', sint bezaichent
die volkommen kint. ‘Cornus tibi’ daz sprichet ain volkomen wip, an der 20
nüt gebristet’.
Nu merkent: an dem worte ‘mulieres’ sint aht büchstaben, die bezai-
chent aht tugend die daz volkomen mentsch haben sol.
Der erste haisset ‘munda’, daz sprichet ‘rain\ du solt raine sin an lip,
an hertzen und an sinnen, und dü gütlich miuu sol da in geflossen sin. nu
nim ain bischaft bi dem ay, wie daz geordnet ist: ez hat zem ersten ain
wisse schalen, da under ist ain wisses vel, dar nach ain wisses klar, dar inne
ain rotes tutter und in dem roten tutter lit daz lmnlin. alsuss solt du
1. woch zü G. S. mütisG. 4. ist k.) kiinftich si G. 5 f. won — ewang.] Da uon
spr. u. h. i. d. cw. Swor sine bnnt an den pblüch lait . vnde denne hindir siht sich G. 9. hym.
Dar an gedenchint vnde vlizsent iveh . iegclichiv widir die andiran gehorsami . demüti . undc
andirre tuginde G. 10 f. Casia . bi der sint b. die ho'bir G. 12. iren tot) den t. die haizint
Casia Cf. 13. och fehlt G. 14. gaischl. 1.) swestiran G. und) siv G. 16. fich] dich G.
17. und — demüten) Ir sunt iveh niht allaine demütin G. 18. ü. undern) iwir geiiehin . vnde
vndir iwir undiren G. nach demüt) so mugint ir deme krütelin gelich sin daz da haizet Casia .
so smechint och iwirü gebet . unde iwir tuginde krefücliche uor gölte . Da uon BCTibet . s. Jacob .
Dez demütigen menschin gebet ist also kreftich . daz ez dur die himile vf stiget für got G.
19. Cornus tibi bi der sint G. 20. kint imme clo'stir G. 21 nüt — 23 sol] nivtis dez ie
wart brietet . an der sol sin Uuiieres . an deme worte s. a. b. dar an solt du merkin a. t d. d.
u. m. sol ban . 6 ez muge haizin Cornus tibi G. 22. de Worten A. 24. erste bfichstabe G.
rainl rainichait G. 24 f. raine — sinnen) ban rainichait libes vnde hercen . vH der sinne G.
26. bi] an G* 27. ist fehlt G. nach) inne G. 28. roten t] roten A, tutirn G.
5 f. Luc. 9, 62. 15 f. I. Petr. 5, 6.
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62. Von drier hand doster lüL
haben ainen künschen lip, ain künsches herze und ainen künschen sin. und
reht alz daz ay deheinen bresten hat an den drigen dingen, also solt och du
an disen drigen enhain gebre/278‘/sten han; won ains vervahet nit än die
andern zwai, noch du zwai än daz aine. hast du denne disü drü ding mit
5 enander, so wonet du minne in dim hertzen, und in der rehten minne wirt
unser herre denne inwendig gaischlich geboren, und da von spricliet sant
Johannes: ‘Got ist du minne, und der die minne hat, der wonet in Gotte und
Got in im’, über daz wort spricliet sant Bernhart: 'Got ist du minne, waz
möhti bessers werden? der die minne hat, der wonet in Gotte, waz möht
io sicherlicher sin? und Got wonet in im, waz möht frölicher sin?’
Der ander buchstab haisset ‘ verecundia daz spricliet ‘schäm’, du solt
schämig sin an allen dingen uswendig und inwendig; won du schäm ist reht
ain sloss der künschi. da von spricht her Salomou: ‘swa ir ain schämigen
mentsclien sehent, daz sol üch ain zaichen sin daz er behalten sol werden an
15 dem jüngsten tag’, o schäm, waz du tüst, [178*] waz du tugend übest in
der sele! swa du verlorn wirst, da wirt vil ain groz schätz verlorn, spri-
chet ain haiden.
Der dritte büchstabe ist ‘leta’, daz ist ‘frölich’. du solt frölich sin in
nöten mit götlicher frölichait, also daz dir allez daz ain vröde si in Got daz
20 dich an gange, unser herre sprach zu sinen jungem: 'daz ist ain zaichen
daz ir mich minnent, ob ir fro sint in der arbait ’. er sprichet in dem
ewangelio: ’kint mins, du solt fro sin, und swer daz an dir siht, der sol
erkennen daz du min kint bist'.
Der vierde büchstab haisset: 'justa’, daz ist 'reht’. du solt reht sin an
25 allen dinen werchen, also daz du aim ieglichen dinge sin reht gebest; ünserm
herren sin reht, daz ist minne, vorht, ere, dankbäri. du solt in minnen,
won er din schepfer ist; du solt in eren, won er din herre ist; du solt in
1 f. haben — reht| han wiziv vnde kivschiv wcrch dines libes . dar nah solt du han kivschiz
unde raines herce . vnde och kivschicbait der sinne . Vnde zegelichir wiz G. 2. solt — 5 enander j
enbilfet niht zo rehtir kivschicbait . der dinge deebainis ane div driv . liest du denne die rehtun
kivschicbait G. 6. denne fehlt G. und da von] alse daz hün in deme tutim . Daz vnsir
herre inder minne wone daz G. 9. mohti iemir b. w. vit der G. 10. m. iemir fr. O.
11. schändlich Bi sol G. 12. dingen] ir d. vnde an allen ir werchin G. 13. her fehlt G.
13 f. swa — daz sol] Der mensebe der schändlich ist . swa ir den vindent . der sol G.
15. o — 17 haiden] 0 we sch. w. d. tuginde behütest . inder s. won swa div schäme u. wirt . da
ist a. gr. sch. v. Also spr. a. h. Swer imc selbin den schaz der schäme uirlivret der enhet ime
Beibin niht gutis virlan G. 18. Der d. b.] Div d. tugent die der uollekominc mensehe sol han
daz G. daz ist fehlt G. Er sol G. 19. nftten] der no’te G. 19 f. also — sprach] alliz
daz si ane gat . daz sol ir ain vro’de sin ingotte . Also spr. u. b. G. 21. daz| ob G. ob]
daz G. dien arbaiten G. spr.] sprach o'ch G. 24. Der — solt] Div v. tugent daz ist
iusta . Rehtichait . Si sol G. 23. dinen] ir G. du] si G. gebe G. 26. ere] ui) G.
27. din sch. — 285, 2 hat] ist d. sch. din irlo'ser . vO din behaltcr . Nv tnerche wie wol er dir het
7. I. Joan. 4, 16. 13 f. Eccli. 32, 14 f 22. im Anschluß an Matt. 5, 12 f
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62. Von drier hand clo&ter lüt.
285
fürhten, won er din Got ist; du solt im dank sagen, [178“] won er dir vil
gütes getan hat. du solt och dem tüfel geben sin reht, daz du im kreftek-
lich wider standest; und wider st&st du der ersten bekorung, so mag er dich
nit me versüchen an der sünde. also sprichet ain hailge: ‘alz schier und dich
der tüfel beginnet versüchen, so solt du berrait sin daz du im vast wider- 5
standist’, du solt der weit och ir reht geben, daz du si fliehest alz ain
schlangen, da von spricht ain wis man: 'fliehent die weit, won si ist böz
und wttgetrüwe, si verratet üch und git üch in den ewigen tot’, du solt
och der sünde ir reht geben, daz du si hassest, won si ist wol ze hassenn.
si ist der gröste und der aller wirst vigint der ie wart; und swer sinen to
tätlichen vigint welli hassen, der hasse die bösen sünde, won si tötet die sele
dez ewigen tödes. da von sprichet ain [179“] wis man: ‘ich rat üch daz ir die
sünde hassent und merkent der Sünden untugent und versmahent si.’ du solt
och dim übe sin reht geben, daz du in kestigest mit arbaiten und im nit
ze vil überflüssiges gebest, gedenk an die arbait die Jhesus Christus durch 15
dinen willen hatte, und arbait och du dinen lip durh in. da von sprichet
sant Bernhart: ‘ich wil üch zaigen ain arbait da mit ir mugent gedanken
Got siner arbait, daz ist daz ir üwem Up tötent in Gottes dienst’; daz ist
also daz ir die sünde an üch tötent, alz sprichet sant Paulus: ‘ir sont üwren
lip töten, daz er nit sünde, und son Gotte leben in dem gaiste’. du solt och 20
dim eben mentschen sin reht geben , daz du in minnegist und im güt bilde
vor tragest; won daz du in minnest, daz gehütet Got. du solt im öch
getan . geschaffen nah aimo gotlichin bilde . Vndc het dir lip vfl sele gegebin . Yndo also wizüche
zesamine gefüget . 0 we hüte vil sicligir menschc dez gotlichin bildes . daz du daz niht uirsmahest
noh uirmasigest mit dien siindon . gcdcnchc wie tivre cz geko'fet ist . Also sp'chit sauet1) grego-
rius . Ah ich Dusseliger mcnsche war Bol ich keren . ich trage ainen schaz . der ist tivrre denne
gottes blüt . daz blüt dez gottes sunes wart dar umbo uirgozsin . Du solt o'ch got fürhten . wan
er ist din rihta*re . gottes uohrtc daz ist ain nütze schaz . Dauon sp'chit salomon . Gottes vohrto
div ist ain anegenge allir wishait . Vnsir herre sprichit o'ch . Swer minen namen rehte fürhtet .
demo sol vf gan ain sunne dir rchtichait . Du solt imc o’ch danchin der gnadin dio er dir tüt . vfl
het getan . vfl noh wil tön . Also sprichit der wissage dauid . A sele miniv lobe got vfl uirgiz
niemir der gnadon der er dir het getan vndc o’ch noh wil titn . wan swenno du widir wilt keren .
so uirgit er dir alliz din vnreht . vfl hailet dich von allimc dimo siechtagiu vfl irfüllct dine girdc
mit süzichait vfl wil dir nüwcn dine iugint (fügende Z) also deme adila-ro G.
3. vor und] vfl steticliche mit’allir kraft widir ime stritest G. so] so liest du in übir-
wndin so G. 4. und| so G. 6. daz — fliehest] du solt si vliehin G. 7. Dauon so spr.
a. w. m. Licbin kint vlichint d. w. vndc sehühint si . w. s. i. gar b. G. 8. gctrüwc A.
9. daz — hassest) Du Bolt si hazson G. 10. si] ez G. 11. tStlichen] to'gincn G. 12. rorich]
Licbin kint G. 13. der sünde G. 14. daz — kestigest] vfl solt in kestigon G. undo solt
ime G. 15. gebin G. 19. daz 1. daz) vndc siner martyr . daz ist div arbait . daz G.
19. 20. snnt ff. 21 f. daz — Got) du solt in minnon . vfl solt imc g. b. uor tragin . Vnsir herre
gehütet . daz du dinen cbl cristamen minnest also dich selbin ff.
19 f äomi. 8,10; 11. Cor. 1, 10.
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62. Von dricr hand closterlöt.
gilt bild vor tragen ze allem, reht alz ain spie//?9‘7gel mit Worten und
mit werclien. reht alz daz lieht zaiget den weg den luten, daz si sich nit
stossent, also solt och du ain lieht Gottes tragen an dem weg der tugend;
swer nach dir gange, daz er sich nit stösse. du solt tragen daz lieht der
5 demütkait, der gehorsami, der minne, der gednlt, der znht, der ktfnschi und
aller tugend, und allez din leben sol ain Stern in dem closter sin. du solt
och dem engel sin reht geben, daz du in erest, won er ist din pfleger und
ist dir zü allen ziten bi. du solt öch der creature ir reht geben, daz dn
erkennest wie Got in allen dingen ist und wie er ällü ding wislich von siner
to güti geschaffen hat. tüst du dis, so gist du irem ieglichen sin reht.
Der fünfte büchstabe haisset ‘erecta’, daz ist 'uf gerihtet'. dines hertzen
minne und diner sele girde sol sin uf gerihtet gegen dem hymelriche. dine
wonung solt du süchen an Gotte, da von sprichet sant [179] Paulus: ‘unser
wonung sol sin in dem hymelriche’. da ist unser schätz und unser erbe, und
15 da sont wir och wonen mit ünsern gedenken.
Der sehste büchstab haisset ‘robusta’, daz ist ‘stark’, du solt stark sin
an gedult: swaz dich arbait oder betrübde ane gange, die solt du gedultek-
lichen liden und solt gedenken: o süsser Got, herre min, wie du mich minnest
mit dim klainot! disü arbait ist mir ain band daz mich zü dir binden sol,
20 daz du mich so reht liep hast daz du mir daz selbe trank und daz selb
klaid gist daz du trüge und da mit dich din lieber vatter klaidet do du uff
ertrich wärt daz ich din wafen tragen sol aines so riehen künges, daz ist
mir ain ere, ob ich ez erkenne, swenne ich gedenke an dinen tot, herre, so
mag ich dez wol spotten dez ich durch dich lide. da von spricht sant
25 Bernhart: ‘so der ritter sins herren wunden siht blüten, so wirt er also stark
1. bilde gebin . daz solt du ime zallen ziten vor tragen . Also sprichit div scrift elliv div e
vß elliv div gebot . div unsir herre ie gegap . div sint elliv da mitte irfüllet . daz dn din? ebin-
crisUenen minnest alse dich selbin . Du solt im o'ch gUt bilde G. zo allem] zallen ziten G.
2. reht alz) allen dien die dich eehint . Vnde rehtc zegelichir wiz alse G. 2 f. den luten — weg)
daz der mensche nibt irrot . vß sich niht stn'zit . der da nah gat . also sol din lebin ain lieht sin
daz den weeh zaige G. 4. swer dir nah g. G. 5. der geh. — künschi] daz lieht der rehtun geh.
vn d. m. unde d. g. vß der vro’lichait G. Bf. du — erestl ollen dien swestiron (bro'deren ZW)-
So gist dn den menschin ain urkünde . daz du unschuldich bist . Du s. den engil eren . daz ist
o'ch din reht G. S f. Der er. solt du o'ch ir reht g. du sol irkennen wie G. 9 f. illü —
ieglichen] mit einer kraft wislichc vn uon simc gftten willen elliv dinch g. h. t. d. diz alliz daz ich
dir hun gesait . so tust du unde gist iegelichime dinge G. 11. Der f. b.| Div fivnfto tugint
div G, ähnlich Z. 16. 287,4. 12. ist| Bi sol sin G. dines] ir G. 12. diner) ir G. uf
fehlt G. ingegin d. s&zin h. G. dine] Ir G. IS. sol si G. 14. himelr da] scho'nen h.
daz G. 14 y. und da] da G. 16. daz i. st] starchait G. 17 f. die — solt] so solt du G.
18. Got fehlt G. mainest G. 19. mich rehte zü G. 21. daz — und fehlt G. klaidet]
claito G. 22. wR're G. din] l. diu ? 23. irkennen wil G. herre fehlt G. 24. mach
ich wol sp. dez ich G.
13 f. Phili. 3, SO.
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62. Von drier hand closter 16t.
287
nnd also [179*] veste daz er sin selbez wanden nit enphindet’. also ahtet
och der mentach siner arbait nit so er gedenket an ünsers herren arbait, die
er durch in erlitten hat, und an sinen tot.
Der sibend büchstab haisset 'electa', daz ist ‘erwelt’. gedenke daz du
bist erwelt uss aller der weite, da von sprichet du sele: 'o lieber herre, 5
Jhesu Christe, du bist min und ich bin din; und da von ist mir ällü du
weit ze nüti worden, won du hast mich drus erwelt und ich han dich erwelt
zü aim obrosten lieb und han veremahet alle die wunne dirre weit durch
dich’, 'o herre’, sprichet sant Augustinus, ‘do ich veremahet alle die weite,
do genaigtest du dich in min sele und wärt mir ain fröde ob aller fröde io
und ain süzkait ob aller süskait und ain ere ob aller ere’.
Der ahtent büchstab haisset ‘sociata’, daz ist 'zü gefüget’. / 180 ’] war zü
bist du gefüget? ze Gotte und in Got, daz du sist sin pfallentz, da er sin
rüwe und sin wonung inne wil haben, der mentsch wirt zwar sülig geboren
der sülich gest enphahen sol. 'ich und du sele’, sprichet unser herre, ‘sont 15
ain wonung mit enander han.’ so daz geschiht, so sprichet du sele: ‘ich han
min liep begriffen und trage ez bi mir under minen brüsten alz ain mirien
gebündelin'. und alz ist gefüget daz pinlin zü dem honge, der ysop zü dem
balsam, du nahtegal zü der harpfen, der hirtz zü dem ewigen bruunen, der
Sterne zü dem ewigen liebten sunnen. 20
[63.] Von drier hande uffart.
Viri Oalylei.
Do unser herre ze hymel wolte varen, do stünd unser vrowe und sin
junger und ander lüte, die im nach hattent gevolget, die stündent uff dem
berge und wartetent im nach, do kament [180*] zwen engel in dem wölken 25
1. also ahtot — 3 tot] daz lat also dll gesproclil . daz der metischc sol gedcnchl . an vnsirs herren
tot . nnde an ain blAt . vfl an sine manichualtigun not . ufl aol daz ahton zü siner not G.
4. daz i. crw. fehlt G. 5. üz irwelt uzsir G. 6. Jh. Chr. fehlt G. 7. droz irwelt von allir dir
weite . Vnde i. h. d. uz irwelt G. ewelt A. 8. liebe . vfl zainir wnne miner sele . vfl han G.
8 f. durch — Aug.] vfl ich han die wnno vn die vro'de uirsraahit . die ich mm der weite mohte
han . Dauon spr. s. A. O herre G. 11. allen eren G. 12. daz ist] Du bist G. 13. daz —
pf.) du bist gefüget d. d. s. ain pb. dez stizin gottcs G. 1*4. nach haben] mit dinre sele . 0 wo
sscligir mcnschc G. wirt zwar] wart G. 15. ich — herre] Got indiner sele . unde din sele in
gotte . Also spr. u. b. Ich vn d. sitze sele G. 16/'. so d. — mir] Denno eprichit div sele . Nu hab
ich in irgriffcn . ich enwil in niemir me virlazin . so het si in irgriffcn . Als si sp'chit in ainem
büche . Ich han min liep ihm xpm geuangin . vnde han in gelait in mine sele . vfl ich trage min
uzirweltiz liep daz obiroste gilt G. 17 f. mvrrc bindilli (bürdcli Z) . da ist gefüget daz bigi G.
20. ewigen fehlt O. 21. Überschrift fehlt GWX, Von vnserme herren Jhesu cristo vio er
selbe ze himel für (rot)Z, Cp vns heren hemelvartz dach Phill., De ascensione Arundel, IV am
Rande: Sermo XVTI. 22. Der lat Text fehlt A. 23. wolle v.] für GZ.
15 f. Joan. 6, S7; 15, 5. 16 f. Cant. 1,12. 18 ff. vgl. Waekemagel S. 170 Z. 72 ff.
21. DU Predigt findet tich in G Bl. 100‘, Z Bl 117*, IV Bl. 85', IV Bl. 90«, H Xr. 27, Phill. 170*,
Arundel Bl. 92 «. 22. Act. 1, 11.
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288
63. Von drier liaude uffart.
und sprachent: ‘ir herren von Galylea, wez staut ir hie und wartent in den
hymel? ir sont wissen daz ez ist Jliesus der hie von üch vert ze hymele
zü sim vatter’.
Nu merkent von drier hand uffart. du aine ist ünsers herren; du ander
5 unser vrowen; du dritte ist ains ieglichen sälgen mentschen. nu sont ir
ünsers herren uffart merken, daz er uf für an aller mentschen helf von
sin selbes kraft, da von so ist ez ain uffart du ander haisset ain ufne-
mung; du ist siner trut müter sant Marien, du wart uf genomen von irem
sune, der kam selb von hymelriche nach ir mit der engel schar und nam si
io mit übe und mit sele und fürt si ze hymelriche. du dritte haisset ain uf flieg-
ung; du ist ains ieglichen sälgen mentschen, won daz miiz ze hymelrich
fliegen mit den vetchen der tugend. der ain vetch ist götlichü [180‘] minne;
der ander ist girde näh der gütlichen süzkait. mit disen zwain vetchen müz
du sei zü Got fliegen zü dem hymelriche, und mit andren tagenden, daz
15 ist globe, züversiht, demütkait, künschi, gehorsami, gedult, masse. zuht,
beschaidenhait, schäm, vorhte und vröde in Gotte: dis tugende sint der sele
vedran, die in den vetchen süllent wachsen.
Nu merkent der engel frage, daz sü sprachent: ‘ir herren von Galylea.
wes stant ir und wartent?' diz waz ain wunderlichü frage, war umb sü
») dem wartetent nach der ir tröster und ir behalter waz. ez waz wol billich
daz sü im nach lügetind, won si wistent groz wunder und groz tugend und
groz süzkait an im.
Gottes wunder und sin tugend merkent wir an zwelf fügenden.
Daz erst ist sin grozser gewalt, daz er so reht kerlich und so gewaltklich
25 ällü ding geschaffen hat hymel und erde und die schönnen Sternen und (ISO*]
die sunnen und den man und die schönnen blümen und mänig wunderlich
creature. dis sol üns wol sin ain wunder, und sont sinen gewalt da bi
erkennen.
1. spr. disiv wort . Viri galylei . ir G. 2. daz ez] diz G. himilricho G. 4. du (ror
aine) fehlt O. 5. sSIgcn m.] menschin . daz sa?lich ist G, ebenso 11. 6. Unsere — helf] merkin
uon u. h. vfvart . daz er niht vf für von ieinannca helfe . niht wan von sin sclbiz helfe . nibt
wan G. er fehlt A. 7. da — uffart fehlt G. 8. trat fehlt G. 8 f. irem s.l vnairme
herren gotto G. 9. dien c. seharon G. 12. uctickc daz ist G. 13. andir uctickc daz ist G.
14. sei hin z. g. vl. vH z. d. G. mit dien andiren G. 15. masse] miezichait G.
16. beseh. — vrüde] vfi b. maze vH uorhte vfi vro’lichait G. 17. wahsin . mit dien sol div sele
ze himilriche vliegin G. 18. der — spr.] daz erste wort . daz dio engil spr. viri galyici G.
19. und wartent] hie . vndc w. in den himil . ir sunt wizsen diz ist ibc xpe der hie uon iv geuam
ist zo himilriche G. 20. wartetent n.] nah lügetin G. 20 f. ez — 10g.| siv mahton ime wol nati
warten G. 21. wisson G. und gr. L] groze tuginde G. 23. Gottes — fügenden] Sn sant ir
racrchin daz groze wndir . vnde die grozin tuginde die an gotte sint . an zwelf dingin G.
24. erste daz ist G. 24 f. daz er — ding] vnde sun uns wnderon sins wndir grozin gcwaltcs . den
sun wir irkennen an der creature . Da morchint wio relito herlickc wie gewalticliche er alle crea-
turc G. 26. wunderlich] wnniclicho G. 27 f. wol — erkennen] alliz ain zaichin »in sine» grozin
gewaltes . vn sol üns rehto zü nnsirme herren zichin . vfl sol üns zü ime fügen . Dauon »prirhit .
24 f. vgl. oben S. 331 Z. 13 ff.
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63. Von drior hande uffart.
289
Daz ander ist sin grössü wizhait. der sol uns öck wundren daz er so
gar wislich hat geschaffen Allü ding und alz ordenlich hat geordnet, ‘sin
wizhait kan noch enmag nieman durch gründen’, sprichet der wissag. V,
sprächet sant Paulus, ' vil tiefü wishait der gütlichen kunst, din geschepfde kan
nieman begrifen und din weg kan nieman bekennen’. 3
Daz dritte ist sin grössü güti. der son— wir och wundren, won er alz
reht güt ist daz illlü creature sin güti lobt, swaz wir gütez ie emphiengent
und iemer enphahen sont, daz ist allez von siner güti; und dar umb sont wir
in miunen, sprichet ain hailig. ‘o herre’, sprichet er, ‘du [181’] bist allaine
minneklich; wer möhti wirdeklich gereden von der minneklicken güti die an io
dir ist?’
Daz vierde ist sin rehtekait, die wir wol fürhten mugent, won du schrift
spricht daz er enkain ding ungeriktet lat, ez si wort oder wercli oder gedenk,
und unser rehtekait du ist vor ime unreht, won die Sternen sint joch nit
luter vor im, sprichet Job. 15
8. Aug'j . Alliv div creature dir ie geschaffen wart . daz enist niht andirs wan ain winebin . da
mitte (ins unsir herre ziinc luckin wil . vH sun vnsirn herren irkennen an der creature . Dauon
spriehit . 8. paulus . wir sehen nu vnsirn herren also in aime spiegii . abir her na werden wir unsim
herren sehinte von o'gen zo o'gon . offinlicho . Neinint war daz er die creature gelichit aime spiogil .
vfi in deine spiegii sehen wir nu vf örtliche den ewigen Bpicgil . vfi den gotlichin spiegii . vn abir
herna so wir ze himilricho komen . so werden wir sehinte in deme gotlichin spiegile disen zir-
ganciichin spiegii . der hie nidinan vf ertriebe ist <7.
1. andir daz an gottc ist . daz ist G, ebenso 12. 2. geordnet — 4 Paulus] gesetzit ain iege-
lich dinch . in sine ordinunge . vn siner wishait kan nieman an ain ende komen . nieman enkan
noh enmacli sine wishait dur gnindin . Dauon sp'ch; ain haiiieh man . Vnsir herre der ist ain weger
der gaiste . vn div dinch div unliplich sint div kan er gezcln . vn ime sint offen elliv bcrcen . vn
von siner wishait sprichit der wissagc . Sine wishait enkan nieman gezein . Vndc nieman kan
ioch wislicbe geredin von siner wishait . vn sin wishait ist also tief . daz si nieman kan dur gnm-
din mit rede . Vnde uon der un endihafti . siner wishait so sprichit . s. Paulus . 0 altitudo divicia-
rum sapientie . 0 G. S. dine wege G. 6. ist — 9 er] daz an gotte unsirme herren ist . daz
ist s. gftti . dur sine rehtun güti sun wir in minnen . siner güti ist also vil daz wir in von allimc
relite sun minnon . wand er also gar anc rnaze güt ist . vn were ioch daz also . daz wir niemir
Ion da uon soltin cnphan . von vnsirro iniune . so ist doch sin güti also groz . daz wir in gerne
sun minnen . Wan siner güti ist also vil . daz alle creature sine güti lobint . Dauon sprichit ain
bailich man . Ez enist nivtisniht gfttes wan gottes allaine . dez güti ist so groz daz wir in iemir
gerne minnen sun . Vnde sprichit o‘ch alsus . herre G. 10 f. güti — dir) ufl uon der unendi-
iichun güti div au gotte unsirme herren G. 12. die— mugentj die sun wir fürhtin . wir mugen
si wol fürhtin G. 13. ez — 13 Job] Er rilltet unsiriv wort . vn elliv vnsiriv wereh . sin rehtichait
ist also groz . daz der wissage sprichit . Vnsir reht ist rehte als ain bo'se dinch vor gottCB rehtichait .
Job sprichit o’cli . Die Sternen sint niht lutir uor gottc . daz ist also uil gesprochin . die heiligen
livte sint ioh nilit reht vor gottc . Vnde sprichit der wissage . iustus cs domine : 0 herre du bist
reht . un ist din gerihte reht . vn rilltest ain iegelich mensche nah sinen werchin . 0 herre sprichit
er abir . du bist reht . vn minnost o'cli rehte livte . vn diniv lutiriv o'gen div schint gerne rchtiv
dinch G.
2 f. Eccli. 1, 3. 6 f. 4 f. Hom. 11, 33. 14 f. Job 13, 15.
Deateclia Texte des Mittelalters. X. 19
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290
63. Von drier bando uffart-
Daz fünfte ist sin erbärmde. zü der sont wir züversiht han, won siner
erbärmde ist allez ertrich vol, sprichet der wissag. und nit allain daz ertriche,
er möhti wol gesprochen han daz hymelrich und ertrich und helle wol wäre
vol siner erbärmde. daz hymelrich ist ir vol, won er git in me fröde und
5 wunne denn ieman mug erdenken; du helle ist och vol siner erbärmde, won
die dinn sint, die wizgat er minder [181*] denn si verschult habent; daz
ertrich ist och vol siner erbärmde, won er git im alle die genaht der wir
und ällü creature leben sont. er git uns noch me, daz ist daz wir mit
kurzem lebenn hie verdienen mugent daz ewig leben,
to Daz sehste ist sin grössi; die sont wir an betten, er ist also groz
daz in weder hymelrich noch ertrich mag bevahen, und also sprichet er selbe:
‘ich fülle hymelrich und ertrich mit miner grössi“. sant Augustinus sprichei:
‘Got ist in allen dingen und euist doch drinne uit bevangen, und ist usser
allen dingen und enist doch dervor nit beschlossen, und ist ob allen dingen
15 und enist doch drüber nit erhaben, und ist under allen dingen und ist doch
drunder nit verdrukt“.
Daz sibend ist sin ewekait. an der sont wir üns frowen daz wir daz
sicherlich wissent daz üns wunne und fröde an im niemer gebristet, won
er [181‘] ist ain angenge und ain ende, alz er selber sprichet.
20 Daz ahtend ist schonhait; dü sol üns lühten und erlühten. owi, der reht
erkandi wie gar schöne der minneklich Got ist, dem wäre unmäre ällü zer-
ganklichü schonhait. her David sprichet daz er schöner si denn aller mentschen
1. fivnfte daz an vnsirmo herren ist . daz ist G. won — 4 erbtrmdej Wan der wissage
sprichit . Misericordia domini plrna . 0 hcrrc daz ertricbo ist irfüllit mit dinir grozun irbermide .
Er endorftc niht spreebin daz daz ertriche aJlaine irfüllit wiero . mit siner irbennide . er mohte
han gcsprochin daz daz himilriche ufi ertriche vfi hellerieh daz daz alliz irfüllit wirre mit siner ir-
bermide G. 4. ir voll uol siner irbermide G. 5. erdenken) uirdienen G. 5 f. helle —
dinn) Inder helle G. 6. haben . vfi merrhe aine sundirliche irbermide dar an . daz in der helle
aime baz ist denne deine andirn . iegolichime nah einen schuldin G. 7. won fehlt G. im]
deine ertriche G. S. nach sont] Also sprichit der ringe re herro Jacob . 0 herrc du hast mich
gefärit uon miner kinthait unz her G. me irbennide uf deme ertriche . daz wir G. 9. hie
v. m l mugen virdienon G. lebin . vll daz wir in deine tal der betrübide mugen virdienon den
berch ze svon (syon Z) der wnniclicbun vro'de G. 10. sehste daz an gotte unsirme hcrrcn ist .
daz ist G, ebenso 20. 291, 10. vor er] Wie groz ist unsir h're G. 11. und — selbe] Also spr.
unsir h're G. 14. doch d. n.] imo doh niht uor G. 16. gedmehit . daz sunt ir mcrchin an
unsirs herren grozi G. 17. sibldo daz an unsirme herren ist . daz ist G, ebenso 291, 23.
18 f. won e. i.) vfi daz div vro'de iemir cwich ist . Also sprichit unsir herre . Ego sum alpha . et
tu. leb bin G. 19. alz — spr.] Derne Worte entwrtet ain haile {heilige Z) vH sprichit . 0 h're du
sprichist du sist ain anegenge undc ain ende . so spriche ich . du bist ain anegenge . uü one ano-
genge . vfi bist ain endo ane ende . Sit denne vnsir h're ane ende ist . so ist och div vro'de
ewich . die wir an imo hain G. 20. ist sin sch. G. lüsten korr. Bl und erlühten fehlt G R’.
vor owi) von einer Bcho'nbait sprichit s. B uh’ . Alliz daz an gotte ist . daz ist gar giriieh
unde lustlich G. 22. her — si] Der wissage sprichit uon unsirme herren . Speciosus forma . Vnsir
herre ist scho’nir G.
2. Pt. 32, 5. 12. Jer. 23, 24. 19. Apoc. 1, 8; 21, 6; 22, 13. 22. Pt. 44, 3.
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63. Von drier bände uffart.
291
kint. sant Agnes sprach: ‘du sunne und der mane wundrent sich ab siner
schonhait’, reht alz ob si sprächi: sin schonhait ist so groz daz du sunne
und der mane gegen im ain vinstri sint, und dar zü die Sternen, alle creaturen,
alle engel und all hailgen wundrent ab siner schonhait und naigent sich
under in und lobend in. ain hailig fraget ünsern herren ob wir in ze 5
hymelrich sehend wurdent ane mitli, oder ob ain tüch enzwüschent müsti
hangen, do antwurte er und sprach daz wir in sehend wurdent an alle mitli
reht mit offnen ogen; und daz wir [181*] daz erliden mugent, die krafte git
uns Got, anders wir zerfürint gar von der unmässigen schonhait so an im ist
Daz nünde ist sin süzkait; der ensol uns niemer verdriessen. wie süz to
unser herre si, daz kan nieman dem andern gesagen, won er sprichet selbe:
‘min gaist ist süsser denn honig’. und daz er ünz ain glichi git bi dez
honges süssekait, daz ist da von won uns enkain ding ist erkant daz so
süsse si so daz hong. und da von git er uns da bi ain glichi daz wir
merkent und wissent daz enhain ding so süz ist so Got unser herre. und 15
won er so süsse ist, da von unverdrossenlich ist er allem hymelschen ingesinde:
so si in ie me niessent, so sü sin ie me lüstet; so sü sin ie me lüstet, so si
sin ie me habent und hant in unverdrossenlich iemer nach ir willen, da
von sprichet sant Augustinus: 'ze hymelrich ist genuht und och [182’} ge-
breste: genuht ist da, won si Got ze allen ziten an sehent und habent und 20
niessent nach ir girde; da ist gebreste, won swie vil si sin getrinkent, so
dürstet si doch allez an nach im und werdent sin doch niemer satt’.
Das zehend ist sin gedult; die sont wir iemer gern eren. sin gedult
sollent wir au zwain dingen merken: daz erst ist daz er uns so gedulteklich
vertreit unser unreht; daz ander daz er dem sünder so gedulteklich baitet 25
1. Also »prichlt . s. Agnes . Cuius pulcritudinO sol et luna mirantur . Div G. mane div
w. G. 2. ob fehlt G. daz — 4 ab] daz d. m. un d. s. rehte ain v. sint wordin . vli der
mane . ufi die Sternen wndiront sich niht allaine von einer scho'nhait . elliv creature wndirot sich
dar abc vH die engil vH die hailigen irschirchint (crscreckint Z) von G. 5. vragete G.
6. werden G. 6 f. ob er a. t e. mflzc henebin G. 7. do] vli so er alsus geuruget so G.
sprichit alsus . Daz wir got werden sehinte ane allir slahtc mitteli G. Hf. und — ist] daz wir die
vnmiezigun scho'nhait iemir mugen iiliden . daz wir niht zirbrcchen . die kraf (kraft Z I git uns
got nnsir h'Te . vtl starcti uns nnsir h‘re niht . wir zirbrtechin alle . Also sp'ch; unsir herre in
Apocalypsi . Qui uicerit . Swcr alle sine vigende (ibirwindet . den wil ich rehte machon zainir sivle
in himilriche . Na merchint waz bi der sivle ist bezaichint . ir wizscDt wol daz div sfil daz hus
nf ir trait . Dauon gelicbit uns unsir herre ainir sivle . wan er wil uns mit siner kraft also starch
machon . daz wir rehte sivle werden in himilriche . daz wir wol alle die schonhait mugen irliden .
die wir angottc sehintc werden G. 11. er] unsir herre G. selbe fehlt G. 13. da von
won] dar umbe . daz G. so fehlt A. 14. und fehlt G. da bi a. gl.] a. gcl. bi demo ho-
nige G. 15. merkent u. w.] da bi wol mugen merebin G. 15 f. und w. 0. s.] Wan c. s. gar G.
16. da uon ist er so unv. allime G. 17. so — lüstet fehlt A. 18. iemer me G.
20. genuht i. dal Daz ist also zeuirstaenne . da i. g. Q. si fehlt A. got unsira hemm G.
21. niezint in nah G. ist och breste G. 22. doch (vor niemer) fehlt G. 24. erst] aine G.
üns fehlt G. 25. nach unreht] wan swie unrehte wir tän . daz uirtrait er uns mit grozir
gedultichait G. andir ist daz G.
1. vgl. oben S. 47 Z. 19 f. 5 f vgl. oben S. 236 Z. 23 ff. 12. Eccli. 24, 27.
19*
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292
öS. Von drier handc uffart
und so gütlich siner bekerde; won welti unser berre nach rehter urteil rihten,
so wäre daz reht, zehant swenne der mentsch in die sünde geviele, daz in
der tüfel ietz solt ffiren in die helle mit libe und mit sele. die gedulte sont
wir an ünserm herren minnen, daz er uns so mängen tag baitet und so
5 mänig jar in so mänger höbet sünde; reht alz er spreche: [182*] ‘owe
mentsch, ich wil dir baiten drissig jar, vierzig jar, hundert jar, und wilt eht
du ze jungst wider komen, so wil ich dich gern empfahen und wil dir alle
dine sünde vergeben', o lieber herre Got, umb die gedult so müz dich wol
ällü creature loben und eren. dich benüget joch nit daz du dem sünder
io baitest mänig jar in mängen tätlichen Sünden, du ladest in öch daz er an
dem tot widerkere, alz man liset in der minne büch: ‘ker wider, ker wider,
sünder! gedenk daz ich den bittern tot durch dich erlaid, und höre min
stimme, gedenk daz ich dich in miner erbärmde hatte do du ir unwürdig
wäre und dich des tages lieht und der sunnen schin nit solt lühten und dich
15 daz ertrich nit solt han getragen von rehter unwirdekait: do hatte ich gedult
über dich und han dir allez an gebiten uff den trost daz du dich noch
bekertist.’ [182‘]
Daz ainlfte ist sin demüt; die sont wir ieraer loben, nu merkent dez
guten Gottes deront, daz der gewaltig Got, der groz Got, der hoh Got, der
20 unmässig Got sich genaigte zü aim kranken mentschen, uud zü aim sündigen
mentschen gerächte ze kommen mit siner gnade, und noch hüt dis tages nai-
get zü aim ieglichen mentschen, swie arm und swie sündig ez si, daz eht
von rehtem hertzen siner gnade gert.
Das zwelfte ist volkomenhait; der sont och wir nach volgen an allen
25 tagenden und an allen güten dingen. er ist volkomen an wizhait, an
schöni, an güti, an miltekait, an erbärmde und kurtzlich gerrett an allem
güte, und also sont och wir der selben volkomenhait üns flissen so verre «ir
2. ho’ bits finde G. 3. ietz] icsa G, zehät Z. 5. so fehlt G. 7. ze jungst] an der iungistun
stunde . dinis lebinnis G. dich fehlt G. 8. o] 0 herre uil G. mftzen G. 10. manigir totlicbun
sünde G. 11. nach büch] Rcuertcre . rcuertere G. 12. orho'rc G. 13. stimme . vB ker widir .
Gcdenchc sundir daz G. ir) ez G. 14. dich des) l. dir des? solt I.] solto han an gcschincn G.
15. han getr.) uirdolen G. 16. übir dich . dur die spisc die du izscst darumbe irbarmist du
mich . vD G. 17. bckercst . dur minc gcdultichait . so tet ich daz dur die grozun gedult sun
wir unsim herren wol eron G. 18. ainlivfte daz an gottc unsirmc herren ist daz ist G, eben*') 24.
20. got . daz sich der genaigitc G. 21 f. noch — naiget] sich also genaigit G. 22. und] ez
ist . aide G. si] ist . aldo da uor ie wart G. 23. gert . so naigit er sich mit siner gnade
zime G. 24. och — volgen) wir o'ch gerne nah noigcn . Dar an (war an ist er vollecome Z 11 1
an ainir tugint . odir an zwain . nivt . imc enist niht also er ist gar uolle komin G. 23/'. m
wizh. — 293, 4 libe] an schonhait vnde an wishait a. g. vn a. m. a. irb. uil an süzichait . Vnde
kurzliche alliz daz an unsirmc herren gottc ist . daz ist alliz anc maze . vB ane zal uoilekomin .
Vnde do gottes sun vf ortricho waz . do waz er gar uoilekomin an allen tugindin . vü swaz ie gütir
dinge wart . daz waz alliz gar an izno vollekomin . Also sprichit . s. Johannes . In (An Z) gottes
sune waz div gnade ane maze uoilekomin . vH och die tuginde . Sit dcnno div gnade ufl ocb dir
11. Cant 6, 12.
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63. Von drier hande uffart
293
mugent, und sont unser leben nach sim bilden, wie volkomen er aber si in
siner hohen gothait und in siner [182*] werdekait und in siner unmAssigen
süzkait, daz mugent wir niemer bevinden e daz wir in begriffent und in
sihteklich gesehent, daz beschiht nach disem übe.
164.] Von unser vrowen. 5
[Ego quasi vitis fructificavi].
Unser vrowe gelichet sich ainer rebun und sprichet: ‘ich bin alz ain
rebe frühtig’.
Durch dri sache gelichet si sich ainer rebun. du erst ist daz du rebe
blfiget, und swenne daz ist, so flühet daz ungewürme der von: ze glicher ■<>
wis unser vrowe blüte an allen tugenden alz volleklich daz ir dehain bozhait
mohte nahen, daz ander ist daz dü rebe knie t mit ir schatten der sunneu
schin: also tut och linserr vrowen gebet: daz kület ünsers herren zorn
wider dem sünder. daz dritte ist daz dü rebe untAre ist ussnan an der
rinden und bringet doch vil edel fruht: also waz dü hymelsche win [183"] 15
rebe, ünser liebü vrowe, demütig und verworfen uswendig und brahte den
hymelschen win.
Uff dirre reben wart drier hand win gepflanzet: wis win, rot win und
gewürzter win.
Der wiz win waz ir mägtlichü künschi; da von si ünser herre lobet 20
daz si sigi ain zwirent beschlossen garte, won si rain waz an lib und
tugint an ime so gar uollckomin waz . so sun o’ch wir gerne simc tugintlichimc lebinne nah uolgeu .
Wan dur »ine vollckominhait . so sun wir ime nali uolgen so uil wir iemir mugin . vnde setze für
dich sin lebindiz lebin . vfi bilde dich dar nali . Wan »wer sin lebin für sich setzit . vtl sich dar
nah zivhit . der mach wol groze tuginde uß uollekomincs lebin von ime nemin . Nu merche «eligir
menscho wie uoliekomin unsir herre ist . an allin dingen insinir grozun gothait . aß in siner hohnn
wirdichait vß in siner übinna'zigun süzichait . da er sime sune nab der meschait so unmsezige
scho'ni vfi uollekominhait gap . wie vollekomin er si in ime selbin . da er insinir gothait uß in
sinir mcnschait ist . vfi an allir einer wnno . daz enkan nieman irdcnchin . noh da uon gesagin .
e daz wir in begriffen . uß gesihticlichc gesehen . mit sichirlichir ewichait . uß in siner menschait .
Ir sunt abir daz wissen . daz wir dazu niht mugen komin . wir enuolgen o'eh nu vf ertliche
sinerne nienselichime lebinne nali mit allir tuginde GZW.
5. Überschrift fehlt G, Von vnserre vrowen (rot) Z, Von saut Peter IV, jedoch später von
derselben Hand korr. in De beata Maria. 6. Der lat. Text fehlt A. 7. sich an disen Worten
ainir GZ. sprichet — 9 erst) gcschiht daz dur drie saclio . Div erste sache GZ. 10. und
fehlt G. vngewrmc alliz da uon G. 1 1. ünser vr.J waz u. liebiv vr. wol ain win rebe . Wan
si G. 12. daz dü] div win G. blfiget AZ, kület G. 13. och fehlt G. 14. die Mindere
D. dr. ist . div winrebe ist nntsere uzsinan G. 15. fruht] webir G. 16. vrowe . si was dem. G.
brahte doch G. 18. vor rot] Vnde G. 20. waz] daz ist 0.
5. Die Predigt findet sich in G Bl. 103c, Z Bl. 121*, W Bl. 90', X Bl. 95*, H Xr. 20;
fehlt Phill. und Arundel. — Gedruckt nach A bei Wackcmagrl S. 106. 6. Eccli. 24, 23.
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64. Von unser vrowen.
an hertzen. ‘ir küschi übertriffet’, spricht ain hallig, 'aller mentschen
küschhait’.
Der rot win daz waz und ist ir minneklichü minne. die merkent in dri
wis: du mäht Got minnen dur din selbes willen, daz ist also daz du in
5 minnest durch alles daz daz er durch dinen willen ie getet; der solt du im
Ionen, der minne Ion den er dir dar umb git, daz ist dü götlich angesiht
und dü hymelsch vröde. won daz ist der pfenning den unser herre allen den
git die in sim wingarten ar/2&!f/l>aitent. du mäht och Got minnen durch
sich selben, daz ist also daz du in durch sin tugend minnest: durch sin
io schonhait, durch sin süzkait, dur sin miltekait, und aller maist durch sin vol-
komnen güti. der minne Ion ist aber daz din sele sol sin da Got ist nu
sprichest du vil übte: ‘owi, wa ist er denne, sit daz in hvmelriche noch
ertrich begrifen mag?' dez antwürt ich dir: 'er ist in im selben’, so fragest
du fürbaz und sprichest: ‘owe, sol ich denn mit dem Ion genüg han?' so
15 sprich ich: 'ja zwar, so uns Got gesach’; won da wirt gefüget daz binlin
zü dem honig, dü nahtegal zü der harpfen, der ysop zu dem balsam, der
hyrtz zü dem ewigen brunnen, der stern zü dem liehlen sunnen. da von
vröwe dich, sälgü sei, iemer und iemer an ende, won du sin solt da Got ist,
und also in in solt gefüget werden, du mäht öch dich selben minnen durch
20 Got, won er dich ge/2&?r/schaffen hat und dich also sere geminnet hat, und
also daz er mentsch dur dich wart, dich selben solt du also minnen daz
du dir selben kain ding ze güte tügist durch dez libes gemach won allaine
durch Got, daz du im dester lenger gedieneu mugest. der minne Ion ist daz
du solt singen und wüffen, schrien und rfiffen: ‘o herre, du bist min und ich
25 din; ich bin din kint, du bist min vatter; ich bin din geschepfde, du bist
min schepfer; ich bin din junger, du bist min maister; ich bin din sele, du
bist min sülde, du bist min vröde, du bist min ere, du bist mir alles daz
ie sälges wart, du bist min tail daz beste.’ diz dri minne hat ünser vrowe,
1. rer ir] Also sprichit ain hailich man . von vnsirrc licbnn vro’wn G. spr. a. h. fehlt G.
2. kivschichait . Ain hailigo sprichit o’ch daz si gottc wol gcuicl zainir mutir dur ir kivschichait G
S. waz und fehlt G. ir min.) div wnniciiclio G. Hio A. niorche G. 5. alle* daz d.l elliv
div dinch . div G. der minne Z. 6. Ion ist . den GZ. daz ist GZ, fehlt A. 7. den
got unsir G. 8. du — minnen] Div andir minne ist . daz du got minnest G. 9. also] div
minne G. sine tugindc G. 11. daz daz din steligiv sele G. 12. vil fehlt G. 0 we uil
liebir got . owe ewigir got wa bist du denne . Sit dich bimilr. G. 13. begrifen] niht beuabin G.
14. u. spr. fehlt G. owe uil liebir herre got . sol ich mit G. 17. von fehlt A.
18. sele . vH vro'wo dich iemir vn iemir G. 18 f. won — solt] Nu vriwe dich iemir ssiigiv
sele . wan du solt sin da g. i. vnsir horrc . vfi solt ingot G. 19. du — minnen] Div dritte minne
ist daz du d. s. minnest G, 20 f. und also fehlt G. 21. dich selben s. d.] du solt dich dar
got G. 22. won allaine] niht wan G. 23. langir vro'lichc ged. G. 24 f. ich bin
din . daz sol mir iemir state sin . Ich GZ. 25. nach vatter] Ich bin din dirne . du bist min
herre GZ. 28. sadiges uQ güte« ie wart G. Disc G. bette G.
I f. im Anschluß an Cant. 4,12. 15 f. vgl. oben S. 287 Z. 18 ff. «. Wackemagel S. 170
Z. 72 ff. und S. 278 Anm. 24 f. vgl. Wackemagel S. 170 Z. 61 ff.
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64, Von ünser vrowen.
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dar umb hat si och dri löne enpfangen und dar zu noch me denn alle zungen
mugent Volbringen.
Der gewürzde win der us dirre reben wichs, daz waz ir vil liebes
kint, Jhesus Christus [183*], an dem vil mänig tusent edler wurtzen sint,
daz sint sin edlen tugent. aber zwo aller edlesten wurtzen sint an im, daz 5
ist du gothait und du mentschait. waz würzen hat er me? entrüwen, do
ist er der schön Got, der riche Got, der stark Got, der wis Got, Got der
ewig, nu füge daz zesamen, so ist er du schöne richait, du riche schonhait,
du starke ewikait, dü sälig wisshait, du ewig sAlikait.
Den ersten win schenket man in silbrinen köppfen, daz sint dü schönnen io
und dü süssen wort von Gotte, den andren win schenket man in guldinen
köppfen, daz ist dü gotlich warhait an siner minneklicher gelübde, also daz
uns mit gegenwärtiger warhait Got wirt gebend allez daz er üns hat ver-
haissen, und noch denn tusentstund me; daz enzündet die minne in dem
hert/7&#"/zen und raitzet uff den dienst den dritten win schenket man uss 15
saveriuen köppfen, daz ist ain rainnes hertze, daz Got in im hat und mit
im frölich umb gat und mit im uf und nider gat und in durch enhain
ding lat und dem laid ist allü missetat und nit entüt an Gottes rät
Zü andren tugenden die der mentsch hat, so sol er sich flissen sunder-
bar fünf tagend, dü erst ist: swenn du an din gebet gast, daz du dinü ogen 20
und din ussren sinne besliessist, und ker denne alle din gedenke und din
girde krefteklich an Gotte, dü ander ist: swaz unser herre tüge, daz dich
daz allez gut dunk und daz ez din wille si, won dez sint wir schuldig, dü
dritte ist daz du dich flissist daz du allü dinü ding tügist in rehter demüt.
dü vierde ist daz du dich flissist daz du gedul/i4M*/tig sigist in diner arbait. 25
dü fünfte ist daz du allez daz du tügest, daz du daz anvahest und vollen-
dest in ünsers herren namen.
Dar nach solt du dich flissen drier tugend in allen dinen werchen. dü
erst ist Gottez vohrte: daz du gedenkest daz ünser herre mit sinen güt-
lichen ogen din lip und din sele luterlich schowet dü ander ist demüt: so
1. dar zu n. me] noh me loncs G. 2. mehtin für bringen G. 3 f. Der — Christas] Der dritte
win der uf der wnniclichun insegidc wahsit . daz waz der gewrzte win [nach win hat Z: was ist
abir der gewürzete win) . daz ist der küniginnc kint . s. imeriun . div raine menschait ihu xpi G.
4 f. sint — edlesten] ist . die wrza merchint ansiner manicualtigun tuginde . Zwo edile G.
bf. daz ist] Von bimilriche G. 6. und] Von ertricbe G. do] so G. 7 f. Got d. ew.) der
ewige got G. 9. dv A. ewikait] wisliait G. wisshait] ewichait . vO G. 10. win den sch. G,
ebenso 15. 11. dv A. nach Gotte] div kivschichait lerent (lebent Z t vn liebint . vfl da von
der m fesche kivschc wirt G. 13. üns] dir beidemal G. 15. raizät dich G. (liest A.
tiss] in G. 16. saphiren G. rainis ufl ain stelich herce 6. 18. ding] sache G. 19. der
szelige m. G. er s.) sich der mensclie G. 20. dü erst] daz G. 22. andir tugint ist G,
ähnlich 23 f. tfit G. 23. scliuldich . swaz unsir herre tü daz unz daz alliz güt dunche G.
25. vierde tugint daz ist G. 26. dü] Daz G. daz du nach ist fehlt G. 29. uorhte . vfl
daz G. 30. andir tugint daz ist G.
16—18. Jkfan beachte die Schlufireimc.
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64. Von unser vrowen.
won alz vil wil dich unser herre erhöhen, alz verre du dich demütigest,
du dritte ist daz du an allen dinen werchen so du tügist, alwegent ge-
denkest waz Got dar an aller liebst und aller loblichest si, daz du daz
fügest.
5 [65. ) Von der bezaiclwung Gottez nanien.
Unser herre hat müngen namen die bezaichenlich sint.
Der erst haisset ‘Emanuel’, daz sprichet: ‘Got ist mit uns’, und höret
reht zü der kündung unsere herren, do er die mentschait an sich nam von
der user weiter magt, [ 184CJ der hochgelobten künginnen sant Marien; won do
io begunde er mit uns ze sinde in der mentschhait, alz er och selb sprach daz
er mit uns sin welle unz an daz ende der weite.
Der ander nam haisset ‘admirabilis daz sprichet ‘der wunderlich Got',
und höret zü der gebürt unsere herren; won du waz wol wunderlich, daz
ain tohter gebar ir vatter und ain umbewolnü magt ainen man, und erschrak
15 ir selbes nature ab dez hohen Gottes gebürt, den si an dise weit gebar.
Der dritt nam haisset ‘consiliarius’, daz sprichet ‘ain rätgeb', und höret
zü unsere herren predie, won er lerte und riet daz man im nach volgetL
Der vierde haisset ‘deus’, daz sprichet ‘Got’, und höret zü den zaichen
unsere herren du er tet uff ertriche, die nieman getün mohte won er allaine.
20 Der fünfte haisset ‘fortis’, daz sprichet ‘stark’, und höret rehte zü der
marter ünsere [184d] herren, an der er wol zaiget sin sterki; won er über-
wand an dem erütze den tüvel und enband uns von der Sünden banden, mit
den wir me denn fünf tusent jar gebunden warent.
1. wil — demütigest] du dich nidiirt . also uil wil er dich ho’hin . Swcnnc wir gedenchen
daz unsir herre so groz ufi so gewaltich ist . vn er sich so gar genidirte dur uusim willen . so
mugen wir arniin mcnschin wol gerne uns dein (Hin . dur sinen willen . wan wir doch von so
kranchir nature gcschaffin sint ß. 2. ist — 4 lögest; tugint ist . daz du an airoe iegclichin
werche daz du tist . daz du wamaemest . waz mäht du nn an disimc werche getün daz gottc allir
liebist si . vH da uon unsir her an dir gelobit werde G WZ. 5. Überschrift fehlt G, IV am
Rande: Scrino XVIUI und weiter unten: Nomina Christi, Von vnsers herren ihn cristi name (rot) Z,
Up den hailgc jairsdach . vä tzeyn name Phill. 6 fehlt GZW. 7. Der erste name unsire
herren der haizit so beginnt GZW. 10. er fehlt A. 16. ain) der G. bo’rit rehte ß,
ebenso 18. 17. won — volgeti] in dien er daz lerte . daz man clliv dineh laze (sol lazen Z) vn
ime uti sinen gebottin nah sol uolgen allaine G. 18. vierde name h. ß, ähnlich 20. 19. ünsers —
tet) div vnsir herre tet ß. 21. er wol — 23 warent] zaigitc o. w. s. st do er sprach . min
sele ist bctrflbit unz an den tot . vn sprach o’ch . uatir muge ez sin so irla mich dirre rnartyr .
Herre uatir min wille werde niht . niuwan der dinc werde . da mitte lacrtc er uns . daz wir unsir
gemfltc sun Cbirwindin . vn daz widir unsirme hercen ist . da zü sun wir unsir hcrce bereiten .
daz ez unsir wille si . vH do er gebundin wart an daz niiee . do enbant er uns uon dez tienils
bandin . mit dien wir gebundin waren me dennc fivnftusint inr do er ungchundin waz ß.
5. Das Stück findet in G Bl. WSa, Z Bl. 123‘, TV Bl. 92’, X Bl. 97-, II Ar. 29, Phill.
Bl. 113h ; fehlt Artendel. 7. im Ansehlufi an die Isai. 9, 6 angeführten Xamen. 11. Matt. 28, 20.
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65. Von der bezaichnung Gottes namen.
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Der sehste nam ist ‘festina spolia predare’, daz sprichet 'ille balde,
balde roben die röbe!’ und höret relit zü der verte die dti hailig sei ünsers
herren zü der belle tet, do der lip in dem grabe lag vol der höhen got-
hait, die sich nie von der mentschait geschiede; und nam aber du hailig sei
den rob den der tüvel da vor mängen jaren genomen hatte, daz warent die 5
hailgen seien.
Der sibend nam haisset 'pater futuri seculi’, daz sprichet ’ain vatter der
künftigen tcelt’, und höret reht zü der urstendi ünserz herren, mit der er
uns kunt tet daz ewig leben libes und seien uns künftig ist. es warent
vor im uf gestanden vil [185’ ] toten; die stündent aber uf also daz si aber io
müstent sterben, er stünt aber also uf daz er nit me sterben sol, er sol
iemer me leben: da von ist er wol ain vatter der künftigen weit.
Der ahtend haisset ‘princeps pacis’, daz sprichet 'ain fürste dez frides’,
und höret wol zü der ufverte ünsers herren; won er waz do wol ain fürste
dez frides, do er sin vigiud ze hymel mit im furte und da ain stAten sün 15
machte enzwüschent dem vatter und dem mentschen, dü iemer stAt sol sin
An ende.
Der nünde haisset 'Christus’, daz sprichet 'der gesalbet’, und höret wol
zü dem phingsttage, do ünser herre sin hailgen gaist sante den jungem und
sinen erwelten, der da ist ain ewig salb aller hertzen. 20
Der zehend name haisset 'Jhesus', daz sprichet 'ain behalter’, und höret
wol zü dem jüngsten tage, so er behaltent wirt die sin erwelten sint. [185’]
1. ist) haizit G. 1 f. illc b. b.) rehte vle G. balde baido fehlt Z. 2 f tinsers h. fehlt G.
3. tet) fftr G. der hailige lip G. 5 f. da — seien) gcnomin hate da uor uor m. i. an
manigir scho’nir sele . die edilin stainc die nam er alle . vn alliz daz er gfites vant G. 8. velt A.
9. (ins k. ist fehlt G. 10. abir alle vf G. 11. nach aber) niht also vf . er stfint G.
nit] niemir G. 12. me cwiclieho leben G. 13. ahtode name h. G. ain fehlt G. 14. wol
fehlt G, ebenso 18. 22. 15. himilrichc G. 16. und d. m.] der ho'hun gothait . vn der
menschait G. 18. nivnde name der b. G. spr. rehte G. 19 f. dem — hertzen] der
hobgezit do unsir herre den hailigen gaist sante sinen iungircn . vndo sinen erwelten . der da ist
ain ewjgiv salbe . mit der salbun salbotc er sine iungiro an dem phinkistago . vn o'ch noch
hivtc t6t . so salbote er siniv liebin kint . mit sime hailigen gaistc . vH enzündit ir (er ir Z)
herce . vnde entlivhtct ir tnginde vfi sterckte siv an allen gfltcn werchin mit der sfizun salbe sincs
hailigen gaistes G. 21. ain fehlt G. 22. er fehlt A. alle die sine GZ.
1. im Anschluß an Isai. 8, 1.3. 18. 21. r gl. Matt. 1,16.
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68. Von dricr Lande ficken der sele.
[66.] Fon drier hande fleken der sele.
[Domine quis habitabit in tabemaculo tuo etc.]
'Herre, wer sol wonen in diner pfallentz und wer sol rüwen uff dim
hailgen berge?’ suss fraget der wissag ünsern herren. dez antwürt im unser
5 herre und sprach: ‘daz sont alle die sin die an fleken sint\
Drier hand fleken sint: der erste ist der den wir geerbet hant von
ünserm ersten vatter Adam, und den nimet der töf ab. der ander ist höbet
sünde, der die hat. der dritte ist tägliche Sünde, alle die die dirre drier
fleken änig sint, die werdent wonent und rüwent ufl’ minem berge,
io Do der wissag die antwürt ünsers herren vernomen hatte, do sprach er
hin wider: ‘sit dem also ist, so wil ich mich gern hüten vor disen fleken
baidü der höbet Sünden und och der täglichen’, swer sich da vor behütet,
der tüt grösser zaichen denn ob er ain toten uf macheti stände, sprichet
sant JeronimU8, und gewinnet och drie nütze da von. der erst [185] nutz
15 ist daz in Got selbe mit sinem munde lobet, und alle die in hymelriche sint,
und die lüte alle dar zü die uff ertrich sint, die ez an dir wissen t oder
die ez vernement, die lobent dich dar umbe und sint dir dester hölder. daz
ander ist daz ällü dinü wort und dinü werch Got löblich sint und anpfellig,
und hant so grosse kraft vor sim antlütz und in sinen oren daz er allez
20 daz müz tun dez du in bittest rehter dinge, der dritte ist daz din sele
alz zehant so si von dem libe gescbaidet, varend wirt für daz wunnenklich
antlütz ünsers herren und ersiht sich denne in dem gütlichen Spiegel iemer
me an ende.
1. Überschrift fehlt G, der wissago (rot) Z, 1F am Bande: Sermo XX. 2. Der lat Text
fehlt A, Der wiasage Bp'chj Domino — etc. Er uragete vnBim herren . vndc sprach GZ. 3. Herre
sp‘ch er wer G. diner] dirre G. sol bi dir rüwen G. 4. suss — herren fehlt G.
5. sin fehlt G. 6. Drier — ist der] die ane den viechin sint GZ. 7. die A. 7 f. und — t.
sünde] daz ist der vlcche den vns der to’f abe nimet . d. a. vleehe . daz ist der vlcche der ho’bit
sündon . daz dritte vlcche . daz ist der vlccke tegeiiebir Sünden G. 9. werdent — 1 1 ist] snn
bi mir wonen in minir phallinzc vfi suu bi mir rüwen vffen m. hailigen b. do antwrte ime der
wissage unde sprach . Herre G. 11. disen — 15 lobet] ho'bitsündon . vn uor tegiiiehen sün-
don . so waiz ich wol herre daz dir min dienist anphanclich ist . vH miuiv werch . vfi daz du mich
erest . dez (alles des Z) ich dich bitte . Dauon sprichit . s. Jeronimus . Mensche hüte dich uor ho'bit
sündon . vfl nor tegiiiehen sündon (svndcn vndc vor allen svnden Z) . vfi swie du dich da uon (vor Z\
hütest . so hast du uil gro'zir zaichin getan . denne du ainen totin machetist lebinde . vfl ge-
wnnist du o’ch drie lo’ne dran . die uil nutzbare sint . der erste Ion ist . dich lobit got selbe m.
s. m. G. 16. Vnde da zü alle die livte die vf G. 17 f. vemement — sint) uon dir uirne-
mint . die müzen dich lo'bon . vnde dar umbe desto ho'ldir sin . Der andir nutz ist . elliv diniv
gütin werch . vfl diniv wort div sint g. I. G. 20. der — 22 Spiegel] Der dr. nutz ist . alse
schiere so d. s. uon dinem munde (libe Z) schaidet . so vert si zehant f. d. vro'liche a. v. h. in
dem wuniclichin spiegile irsihst du dich denne GZ. 23. me fehlt G.
1. Die Predigt findet sich in G Bl. 105", Z Bl. 124‘, dessen Text G folgt, W Bl. 94 , i? Bl. 9 fr.
H Br. 28 und Cod. Pal. germ. 24 Bl. 257b der Heidelberger Vniversitätsbibliotheh ; fehlt Phili.
A rundet 2. Ps. 14, 1.
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67. Von den schaden täglicher sünde.
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[67.] Ton den schaden täglicher Bünde.
Nun sunderlich schaden emphahet du sele von täglichen Sünden, der erst
ist daz si Got gaischlich nit gesehen mag in disem libe; won reht alz der
nebel ierret die ussren ogen, daz si nit gesehen mugent die sunnen, also
ierrend öch [185*] täglich sünde dez hertzen ögen, daz si Got, die waren 5
sunnen, nit gesehen mugent. der ander ist daz si Gottes nit erkennent noch
enminnent noch er sü, alz er täti ob der mentsch sich vor täglichen Sünden
hüti. der drit ist daz Got dez mentschen gebett nit erhöret swez ez in
bittet, alz er täti ob ez sich vor täglichen Sünden hüti. der vierde ist
daz dü sei masig und entrainnet wirt der fünfte ist daz der tüfel er- io
fröwet wirt der sehste ist daz Got da von betrübet wirt. der sibend ist
daz Got ir unhainlich wirt. der ahtend ist daz dü sele varen müz in daz
fegfür, dez si nit tätint ob si sich vor täglichen Sünden hutint. der nünd
schad ist daz du dester lenger müst gesehaiden sin von Gotte, in ainer
kurtzen zit so hat der mentsche schier verschuldet daz er mängen tag in 15
dem vegfür müz sin, da ain tag [186'] tusent jar lang ist. ez sint nüt nün
schaden allaine, ez ist mänig groz schade den dü arm sele da von enphahet
daz si sich nit hütet vor täglichen Sünden.
[68.1 Wie Got ln den mentschen slge.
[ Manet e in me et ego in vobis.J 20
‘ßelibent in mir, so blib ich in üch’, sprach ünser herre zu sinen jungem.
Nu sont ir merken daz wir in Got nit mugent hüben alz er in üns,
1. Überschrift fehlt Z. 2. Nün — sclej Ejrotjz »int nün svnderlicho Sache . die die armen
seien enpbahcnt Z. 1 1. Der sehte schade ist . Swerme sich der mcnsche virluzenliche haltet
mit Worten aide mit werken . swa mitte der mensche den lvten böse bilde git . da von si ge-
büsert werdont Z. 12. nach wirt) swcnne er siht das sin geniahelc des tüvils spot wirt Z.
16. Sünden] hüte sich der vor vppikeit raundes vH herccn vnd libis . so wirt ime got heinliche
vfi sin sele tugenden ricbo Z. 19. Überschrift fehlt G, von vns'mo herrcn (rot) Z, 11’ am Rande:
Scrmo X1I1I. df: A. 20. Der lat. Text fehlt A, Vnsir herre spricliit indeme ewangelio zo
einen inngiron . Mancte i. m. e e. i. v. GZ. 21. sprach — jungem fehlt GZ.
1. Das Stück findet sich nur in Z Bl. 146“ hinter den andern Predigten; fehlt jetzt in G, t co
es ursprünglich wohl an derselben Stelle stund wie Z; vgl. auch das Stück in St. Georg. 37 Bl. 36
(Langin S. 6) der Karlsruher Hof- u. Landesbibi, und Cod. Pal. genn. 28 fol. Sfi1* der Heidelberger
Universitätsbibi.; sodann das 4. Stück der in Zeitschrift für deutsches Altertum Bd. 40 S. 221 f. er-
wähnten Hs der Straflburgcr Stadtbibi. (Hs. 835 Bl. 53") «. Pfeiffer- Strobl, Berthold v. Regensburg
II, 258 Z. 27 ff. u. 693 Z. 18 ff- — Nach Mitteilung von Ihr. Adolf Spanier, Gieflen, finden sich ferner
ähnliche Stücke in St. Georg. 78 fol. 145' der Hof- u. Landesbibi, ru Karlsruhe; königl. Bibi. Stuttgart
cod. theol.18 fol.235' ; Stadtbibi. Kolmar 268 fol.177'; Basel, Universitätsbibi. B IX 15 fol. 237'
O. I. 19 fol. 31 ’. — Der Text von Z weicht in einigen Punkten von A ab, so im 6. 7. Punkt. Der
8. Punkt in A ist gleich dem 7. in Z; der 9. mm 8-, der 6. — 9. 19. Die Predigt steht in G
Bl. 106“, Z Bl. 125“, W Bl 76, N Bl. 78’, H Nr. 26; fehlt Phill. Arundel. Vgl. auch Cod. Pal.
germ. 24 fol. 257 ‘ der Heidelberger üniversitätsbibl. — Nach G (das iric Z im Wortlaut, nicht der
Sache nach stark von A abweicht) gedruckt bei Wackernagel S. 539. 20, Joan. 15,4.
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300
6S. Wie Got in den mentschen sige.
wir enmugent nit gesclilieffen in sin nature. aller creatur ist also geordenet
daz euliaiüü in die andren gescliliefen mag, won daz aine vil höher und edler
ist denn du ander; und aller der creature so ie geschaffen wart, so ist dehain
creature so hoch und so edel alz du sele, und dar umbe enmag si in nit
5 gelliessen und enmag mit nüti won mit gütlicher nature werden erfüllet, nu
möhtint ir sprechen : wie mag daz sin daz dü höbet sünde der [I86h] sele so
grossen schaden tut und si also swär machet daz si vallet in die tüfen
helle, und dü sünde doch nit flüsset in sü? daz sont ir wissen daz sich dü
sünde klaibet an die sele, daz si von der sünde ir schöni verlüret. dü
io sünde henket sich allumbe an die sele, das si, swie liht si ist, so swür wirt
daz si in der helle abgrund vellet.
Ir sont och merken daz wir in Gotte anders nit bliben mugent won in
sinen gebotten und in sinen hulden. er sprichet also in dem ewangelio: ‘daz
ist min gebott daz ir enander minnent, alz ich üch geminnet han'. daz und
15 ander sin gebott sont wir flisseklich behalten, so blibent wir in sinen hulden
und in siner minne. blibent wir also in im, so belibet er öch in üns.
Ünser herre blibet in üns alz dü sunne in dem lüfte, dü sunne blibet
in dem lüfte untz daz si dü naht vertribet. bi der naht ist bezaichent dü
sünde, dü och ünsern lierren vertribet ez geschiht öch /186’J dike also daz
20 dü sunne in dem lüfte ist, und git doch nit liehtes uff daz ertrich; daz ist
so ain wolk drüber gat, und hat si doch nüt in ir selbe dester minder
kraft, also geschiht dem mentschen dike daz ain anvehtung über sin hertze
gat oder ain betrübde oder von täglichen Sünden ain wolkelin, daz dü sunne
der gnaden nit schinnen lat, und ist doch ünser herre nit dannen gevarn;
25 er ist allez an in der sele untz daz in die höbet süude dannan tribet ez
geschiht aber dike daz ain wölken über dez mentschen hertze gat der alz
vinster ist und alz dik daz er die sunnen gar vertemret, daz man si all
dur den tag reht als nahtes niemer gesiht: und alz vertemeret och etwenne
1. geflicsin G, ebenso 2. ist da z reht vfi ist G. 2. cnbain creature G. 2 f. b6her —
ander] ho’hire edili mflz han . Vndo div andir gwecbire . also gint alle creature gefüget G.
3. so io) div ie G. 4. hoch — alz] hohir edili so G. dar umbe] da uon G. si| div
sele G. 5. und enm.] Wan si ist ob allir creature geschaffen . vfi e. dir sele 6. 6. daz sin]
sich daz gefagin G. 7. schaden fehlt A. sich A. S. sä) die gcio G. 10. benehmt G.
allumbe] in allcnthalbin G. 10 f. das si — vellet] daz div Übte sele also swerr wirt . daz si
uon der swseri uellit indaz tieffe apgrunde G. 12. Ir — mugent] Nu sunt ir nierchin an dien
ersten »orten . daz unsir herre spriebit . Belibint in mir so belibe ich in iv . nu merehint wie
wir ingottc mögen bcliben . wir mugin andirs nivt in ime beliben G. 17. Ünser b. bl.] Wie
b. u. b. G. 17 f. dü — lüfte fehlt A. IV daz fehlt G, ebenso 25. IS/', bi — herren) also
belibet unsir herre in der sele . unz in div naht der ho’bitsündcn G. 21. drüber] drnndir G.
2t f. und — kraft] so enhat div sunne niht desto minre kraft . in ir kraft . vti engit doch niht
iiehtis G. 22. kreftig A. 22 f. ain träbis wolchin übir sin herce gat . ain anurhtung . odir G.
23. tsegilichir sünde ain wolchin übir gat . daz G. 24. lat] mach G. 26. der —
301, 3 hcrrel daz div sunno der gnade niht krefticlicbc geschinen mach . Kr G.
13 f. Joan. IS, 12. 17 ff. tum Aufbau des Stückes vgl eine ähnliche Behandlung oben S. SSf.
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63. Wie Got in den mentschen sigc 301
die gnade unsere herren ain unrain gedank, also ain gedank da der wille
bi ist.
Ünser herre blibet öch bi uns alz du sunne in dem glas, du sunne
schinnet in daz glas und wirt fl86d] ez von ir schine schone und vol dez
glantzes, und siht man die sunnen durch daz glas. und also schinnet öch 5
ünser herre in die sele und zertüt sin gnade in ir, also daz man uswendig
an dez mentschen werchen wol siht daz unsere herren gnade inwendig ist
Er blibet och in uns alz daz für in dem isen. so das für zerflüsset in
dem isen, so wirt daz isen schöne und wirt gold gelich. ez wirt also linde
daz man dar us machen mag swaz man wil. alz lind wirt ez daz man io
wol ain insigel drin druket. ez wirt och alz zähe daz man ez vil kume
zerbrechen mag. ez wirt och also vorhtlich daz man ez nit getar an gerüren
mit blosser hande. ze glicher wis wirt och dü sele ane müsse schöne, so
ünser herre mit siner gnade in si geflüsset, und wirt gerainnet von den
sünden. si wirt och also linde und alz [187a] senfte daz man uss dem 15
mentschen machet swas man wil, alz gehorsam wirt er. und druket ünser
herre zwai insigel, das ist zwai zaichen, in si: daz ain daz er ir schepher
ist; daz ander daz er ir löser ist, und git ir daz ze erkennend, si wirt
och also stark daz si der tüvel nit mag überwinden an dekainer bekorunge.
si wirt och alz edel und als vorhtsam und alz dur lühtig daz si der tüvel 20
niemer getar an grifen mit blosser hand, daz ist flaischlichü girde und
flaischlichü anvehttung. er bewindet aber die hand mit gaischlicher bekorung
und grifet si da mit an, daz ist an dem globen und an der züversiht
und mit andren gaischlichen dingen.
3. bi] in G. 4. ez von ir] daz glaz uon der gunnvn G. schine fehlt A. 4 f. vH
wirt och d. gl. uol G. 5. man dennc die G. und alsol also G. öch fehlt G.
6 f. und — ist] vnde alse div sunne zirvlivzet indemc glase . vfi ir glanz da ine zirtät . also zir-
vlivzit unsir herre got in der sele . Vnde alse man der sunnvn glanz siht dur daz glas . also siht
man uzwendich au des mcnschin wcrchin . daz unsirs herren gnade in der sele inwcndich ist zir-
vlozin G. 8. Er] Unsir herre G. 9. scho'nc uon demo ffire . u. w. rohte goldc g. also
wirt ez dur livhtet uon demo füre . ez wirt o’ch alse G. 10. alz — ez] Ez w. o’ch a. 1. G.
12. getar — 14 wirt] an gegriffen mach m. blozcn handin . Div sclbin fivnf dinch div
sint bezaichinlich an der sele . so unsir herre insi viivzit . So wirt si scho’nc a m. von deme
minniclichcn invluze . wirt si G. 15. si wirt] div sele w. G. uss] uon G. 16. macbot
wol swaz G. alz — 19 stark] Daz mcnschc wirt alse gclnifinich . unde alse gehorsam daz
man mit imo tflt swaz div gchorsami wil . Div sele wirt o'ch also linde . von deme gotlichin
invluze . daz unsir herre zwai insigil drin drucliit . er druebit ein insigil indie sele daz c. i.
sch. i. daz er si echftf nah simc gotlichin bilde . vnde git der sele zirkenninne ir grozun wir-
dichait . Er druchit o’ch sin ingesigil in si daz er ir irlo’ser ist . vnde git ir dar an zirkenninne .
daz si imc also liep waz . daz er si mit nivto woltc lo’sin . wan mit simc tode . er wolle sterbin
dur daz Bi lebindich wrde . Div sele w. o\ a. st. so unsir herr ln si geulivzet G. 20. u. alz
durl ] daz si also durlivhtet G. 22. anvehtungc da mitte getar er si niernir an gegriffen G.
mit — 23 daz] vH griffet si vil wol an . daz ist also er griffet si an mit g. b. vH mit gaistlichen
dingen daz G. 23. der fehlt G. 24. dingen . daz ist also da mitte bewindit der tieuil dio
hant . vfi griffet si an mit gaistlichir anvehtunge GZ.
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302
69. Von unser vrowcn.
169.1 Von ünser vrowen.
[Ego quasi vitis fructificavi.]
Unser vrowe gelichet sich ainer frnhtbaren rebun, und du reb bat siben
bletter, und du siben bletter bezaichent [187*] siben wort die si sprach.
5 Daz erst sprach si do der engel Gabriel zü ir kam und ir kunte du
hohen und • du werden mAre daz si müter solte sin dez hohen Gottes. do
sprach si daz wort und antwurt im: ‘nu sage mir: wie mag daz sin? ich
erkenne doch mannes nit\ do sprach der engel: ‘du solt erfüllet werden mit
dem obrosten güte und solt besehätwet werden mit dem hailgen gaiste*.
io Do antwurt si dem engel und sprach daz ander wort: ‘ich bin ünsers
herren dirne, nach dim worte geschehe mir', da ögte si ir grosse demüt
und wart zwüschent zwain hohen bergen ain tüfez tal, daz waz entzwüschent
der gothait und ir künschkait.
Daz dritte wort daz waz der minneklich grüz den si tet ir niftlen sant
15 Elzbethen, won si grüste si mit hertzen und mit munde und gie zu ir uff
den berg, da si swanger wart sant Johansen dez töfere, und diente ir zü
ir kinde.
Daz vierde / 187' ] wort daz sprach si do si ir ainges kint verlorn hatt
dry tag. do sücht si in mit grossem jamer, und do si in vand in dem
20 tempel, do sprach si: ‘owe, trntes min kint, wie hast du uns suss getan? ich
und din vatter Joseph hant dich gesüchet mit grossem laide’. do antwurt
ir ünser herre und sprach: 'wip, ich bin dar umb nit uff ertrich komen daz
ich iemans willen tüge won mins vattere allaine’.
Daz fünfte wort sprach si zü sant Johansen brutlöf; do gebrast da wines,
25 do vordert si win für die lüte, die da trinken soltent, und hatte erbürmd
1. Überschrift fehlt G, Von vnserrc vrowcn sante Marien goltia mit' (rot) Z, In vnser vranwen
anent aaaQptio Phill, IV am Rand: XXI. Verba mario. 2—4. Vnair vro'we sprichit alsus non
ir aelbun . Ego q. u. fr. Ich bin ain fruhtba:riv rebe . Disiv sOziv vndc disiv edil rebe div het aibin
blctir . vli bl dien aibin blcttirn eint bezaichint aibin wort . div sprach div geertriche maria GZ.
4. wort fehlt A. 5. erste wort G. hohe engil G. 6. gottes . der da ist herre nii got der
tuginde G. 7. nn] Quomo (/ Quomodo) fiet istud . Dv (Nv Z) G. sin] geschehin G. 8. mannes
nit] enhainen man G. mit] uon G, ebenso 9. 9. gOte] gotte G. 11. dinen werten mnze
mir gesehen G. 13. gothait — künsch.) hohun g. undc ir übirmtezigun k. wan si waz kivsche
(ibir menschliche naturc G. 14. wort daz si sprach daz G. tet ir] sprach zir G. 16 dez
tflfcrs) Baptisten G. 17. kinde . da diente der herre simo'knchtc G. 18. spr. si) div hoh
gelopte künigin spr. daz waz G. uirloz . vll uirlorn hiete G. 21. laide] hercen scre G.
23. iemans — allaine] dinen willen tflge . Ich bin dar umbc komm . daz ich mins natir willen Holle
bringe G. 24. wort daz Bi spr. daz waz do si zesancte J. ewangelisten br. w az . do G.
si fehlt A.
1. Das Stüch findet sich in G Bl. 107 «, Z Bl. 126‘, W Bl 94', X Bl. 99‘, rhill. Bl. 188*;
fehlt H, Arundel. 2. l'ccli. 34,23. 7 f. Luc. 1,34. 10. Luc. 1,38. 14. r gl Luc.
1, 40 f. 20 f. Luc. 2, 48 f. 24 ff. vgl Joan. 2, 3 ff.
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ß9. Von (inner vrowen.
303
über die die si ez nit b&tent, alz si och noch hütint diz tages hat; won si
bittet für die ir liebez kint die si ez nit bittent.
Daz sechste wort sprach si zü dem selben male; wen do si den win
gevorderte, do antwurt ir ünser herre und sprach: ‘wip, waz han ich von
dir? daz zit ist noch nit komen [187‘] daz ich den win schenken sülle den 5
ich von dir habe’; dar umb lie si nit, si lerti die amptlüte waz si tün söltint,
und sprach: ‘tragent uf die aimer, und tunt swraz üch min sun haisset!’
Das sibende wort sprach si do ünser herre ze liymel für. do waz si
demütig und trurig. do sprachent ir fründe und ander lüt war umb si sich
selben so gar verwürfe, si wäre so ain edlü vrowe von gebürt, si sölti tün 10
alz ander ir fründ. do antwurt si und sprach: 'ich sol wol demütig sin, won
min demüt zoch Got von hymel her ab und twang in daz er die kranken
mentschhait von mir nam. ich sol och trurig sin, won min hertze liebez kint
von mir geschaiden ist, mit dem ich vröde und wunne hatte und haben solte’.
Sit nu ünsrü liebü vrowe, alz ir hie liant gehöret, nie nüt won die 15
rehten notdurft rette, so [188' ] sont och wir üns Hissen daz wir nument die
notdurft redegint, won aim ieglichen nmssigen worte müssent wir red ergeben
an dem jüngsten tage.
1. si ez] si» G, si* Z. I f. alz — kint] Zcgelichir wiz tüt si alle tage . wan si hat irber-
mide öbir nns . vfl bittet noch hivto ffir die livto G. 3. spr. — won] daz spr. si o'ch z. d. s.
brütlo'fto G. 5. schenken sj giezin sol G. 6. wraz] wie G. 7. und spr.] si spr. G.
8. Das — spr. si] Da na G. 8 f. do w. — trurig] zi 1 simo hailigen vatir . do w. si gar tr.
unde dcmatich G. 10. wa>re ain so edil G. 11. antwurt — 18 tage] sprach si daz »binde
wort . vn antwrte inen vn sprach . 0 we sol ich nivt dcmatich sin . min demütichait staick
doch vf dur die himile . für gottes stfll . uD zoh den grozin Got uon dien scho'uen engiln . vfl
uon der hohun wirdichait . vfl kan vffen ertriche . vn nam die kranchun menschait uon mir .
Vnde twanch in dez min demüt . Ich sol ioch wol iemir trurich sin . sit div sunne ir schin hat
nirlom . von dez ewigen sunnen scho'ni . vfl doch der sunne der gottes sun . den tot niht lait
dur den sunnen . vfl sich ez doch der sunne also harte irkomiu hat . so sol ich mich wol billich
sincs todes irkomiu . Wan ich waiz daz wol . daz er den tot dur mich hat irlittcn . vfl waiz
daz . daz er die menschait uon mir nam . da uon müz ich wol trurich sin uon simc tode . Diz
sint div sibin blettir an der win rebun . der trübe der an der sclbun rebun whs . daz waz div
rainc menschait unsirs herren . ihu xpi . Also sprichit uusir herre uon imc selbnn . Ich bin der
trübe der da allaine in der trottun lach . an deme bittim martyr crüce . der win der an disime
trüben waz . daz waz div hohe gothait unsirs herren gottes . daz waz der süze kippirwin
ikupphcr win Z ) . den man ze himilriche gar vollidiche schenchit GZ. 16. tettc A.
17. won] l. won von ? (Hoethr). iegliche A.
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304
70. Von der gothait und der mentschait unser» her reu.
[70.1 Von der gothait und der mentschait unser» herren.
[Refloruil caro tnea.]
'Min lip ist wider geblüget’, sprichet unser herre durch dez wis-
sagen munt.
5 Ünser herre ist glich aim blumen, und hat der bldme sechs bletter, der
sint drü au siner mentschait und drü an siner gothait
An siner mentschait was demüt, künschi und gehorsami. er waz der
demütigest meutsch der ie wart oder iemer werden mag. er lebt under sinen
jungern alz ain kneht; er diente inen, und si nüt im, alz er selb sprichet
io in dem ewangelio: 'ich bin under üch alz ain diener’. sit nu der hoh Got
so demütig waz, so mugent si sich wol schämen die hohfertigen die da von
bozhait körnen sint und [ 188lJ ze bozlmit werden sont. er waz och der
rai nste und der aller künschost mentsch der ie geboren wart oder iemer me
geboren wirt sinu wort, sinü werch und ällü sin gebärde und allez sin
15 leben waz alz reht raine alz ez solte, won er waz ain Ursprung aller rain-
kait. er waz och gehorsam sinem vatter untz an den tot dü gehorsami
band in an daz erüze und schied sin sele von sinem libe.
An siner gothait waz gewalt, schonhait und ewikait und ist ietze und
Unsir herre sprichit alsus dur dez wigsagin munt David: ‘refloruit caro mea' . Er
20 sprichet: 'min lip ist widir gebliiget’.
Nu sunt ir merchin daz unsir herre gelich ist ainem blilmin, und hat der bldme
gehs blettir . nu sunt ir merchin an disem blfimen driu blettir an sinre g&zun menschait
und oTch driu an einer hohun gothait.
An siner menschait solt du merckin demfttichait, kiuschichait und gehorsami . er
25 waz der demütigoste mensche der ie geborn wart . der höbe Got der waz also virsmabit
daz nie enhain mensche so armis wart, cz enhetti von etweme irbermide, wan dez men-
schin kint der waz virsmahit und virworfen . er waz o’ch der kiuschste mensche der ie
geborn wart odir iemir werdin mach . siniu wort unde siniu werch und sine gebserde
und alliz sin lebin daz waz also raine und also kiusche als ez ze rehte solte; wan er
3<) ist ain Ursprung allir rainichait . er waz oeb gehorsam sime vatir unz an den tot . diu
gehorsami bant in an daz crüce und schiet ime sine sele von sime libe unde st&nt also
jamirliche daz siner rainun mütir ir herce mschti brechin in ir libe . und do si also
jamirliche stünt bi demo crüce und also herzicliche sere wainde ir lierceliebin kindes ser
unde sine bittirlicbun not, do sprach unsir herre: ‘sihe, liebiu mütir, wa din kint stat’.
1. Überschrift fehlt G, Von vnsenne h rc Z, IV am Hände XXII'A Item van deme lyden
vns heren Phi II. 2. Der lat. Text fehlt A. SO. sinen G, sime Z.
1. Die Abhandlung steht in G Bl. 108’, dessen Text in der zweiten Spalte mitgeteilt ist,
Z Bl. 127‘, MV Bl. 96, A Bl. 100", U Sr. 21 (darnach gedruckt in Haupt s Zeitschrift für deutsches
Altertum II, 356), Phill. Bl. 164h und Cod. Pal. germ. 24 fol. 2581, der Heidelberger Universitäts-
bibliothek; fehlt Arundel. 2. Ps. 27, 7. 10. Luc. 22, 27.
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TO. Von der gothait und der mentachait unsere herreu.
305
weret iemer an im an ende, sinen gewalt den mugent wir merken an der
creature, won er gewaltig ist hymelz und erde und dez tiefen abgrundez und
allez dez so ie wart und daz iemer werden mag. nieman mag sins gewaltez
zfi aim ende körnen, und sim gewalt mag nieman widerstan. sin schonhait ist
so groz und so unmessig und so unzallich daz da von ist niht ze sprechenn; 5
won ällü du schonhait dirr weit ist wider im [188’ ) ain vinstri. ain wis
man machet im ain glichi und sprichet: 'der alle die creature mime dü ie
wart oder iemer wirt: lüt, holtz, gras, blümen, gewant, stain, bain und allez
daz brünstig sin mag, der daz allez nämi und ain für dar u< macheti, daz
wurde ain unmässig lieht; und der denne aiu kertzen enzunti, reht’, sprichet io
er, 'alz daz kertzen lieht wäre wider der brunst aller, also ist ällü dü schon-
Mulier ecce filius tuus’ . daz waz also vil gesprochin als er gpneche: ’sihj, min liebiu
mfitir, wie ich stan ; mir sint mine füze an daz crüce geheftet mit dien Bcharphen nagiln,
daz ich dich niht mach gefüren ze herberge . mir sint mine hende an daz crüce ge-
nagilot, daz ich dir dine trehine enphahin niht enmach . mir ist min blfit gevlozin von 15
mime hercen, daz min munt niut mach gesprechiu, daz ich dich, liebiu mfitir, muge ge-
tro'sten’ . und sprach er doch ze sancte Johannes: 'ecce mater tua’, daz waz alse vil
gesprochin: 'sihe, Johannes, wa diu mfitir’; rehte als er spräche: 'si het ir trost und
ir liebiz kint virlom, nu solt du ir sun sin und soll si mfitirliche tro’ston . liebir Jo-
hannes, ich bevil dir mine liebun mfitir zainir mfitir . o we liebiu mfitir, ich bevil hie 2o
dir minen liebin jungirn Johaunezin zaime sune ’ . o we, nu merkint mütirlichiu hercen
wie herziclicbun we Mariun waz, do si ir kint so angistliche sah stau an deme crüce
und si den kneht nam für den herren und den jungirn für den maistir . nu merchint
wie den hohin werdin Got diu gehorsami traip an den tot dez crüces.
Nu hant ir gemerchit drie blümen an einer süzun menschait, nu merchint o'ch drie 25
blümen nu einer hohun gotbait, daz ist gewalt, schonhait und ewichnit.
, Sinen grozen gewalt den mäht du merchin an mnnigir creature: merche daz er ge-
waltich ist himils unde erde unde des tiefin apgriundes und alliz des dez ie wart und 1
joch dez niht enwart unde daz iemir werdin mach . sinen gewalt enmach nieman volle-
rechin , widir ime enmach nieman gesin , mit ainte worte machot er wol himil unde erde 30
und alle creature ze niute ; mit ainem Worte odir mit ainem willen machot erz wol
widire : der himil unde diu erde und elliu dinch sint beslozin in siner hant
Nu merche den blümen siner scho’nhait . sin scho'ni diu ist unmiezsich zespre-
chinne und untaillich ze rechinenne : alre creature schonhait ist rehte als ain vinstiri
widir sinir schonhait . nu merche aine gelichi, die git uns ain wise man . er sprichit : 35
der alle die creature meme diu ie geschaffin wart odir iemir wirt unz an daz urtailde,
beidiu holz unde liute, gras unde blfimin unde gewant unde stain und bain und alliz
daz brünslich sin mach, der daz alliz meine und ain für druz macheti, daz wurde ain
unmiezich lieht, und der denne nicme aine kerzun unde die enzunti: rehte’, sprichit er,
‘alse der kerzun lieht wtere widir der brünste allir, also ist elliu diu scho’nhait diu in 40
12. mulier— tuus fehlt IV, Ecce mutier filius tuus richtig Z. 27. Miucn, falsches Initial G.
Deutsche Texte de« Mittelalten. X- 20
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306
70. Von der gothait und der mentschait ünaore herren.
hait du in hymelrich und in ertrich ist und nah dem jüngsten tage wirt,
wider der götlichen schönhait.’ sin ewekait ist iemer ewig, won er ist ie
gewesen än angeng und ist och immer an ende; er wandelt sich nit und
nimet och nit abe.
5 [ 71. J Von vier haud vroden.
[Letare Jherusalem et conventum faeite ete.J
'Jerusalem’, sprichet Ysayas der wissage, ‘vröwe dich, du solt gemachet
werden zu ainem eben hellenden convent und sont zesamen gefüget werden
mit gütlicher minne! vrüwent üch, won ir sont vergessen alles ü/i88'/wers
io laides und sont gesettet werden von den brüsten hwers trostes!’ dar nach
sprichet der wissag David: 'ich bin harte vro, won ich hab giitü mär ver-
nomen, wir sont komen in iinsers herren hus*.
An disen Worten merkent wir vier vrüde, der sich der wissag vröwet,
der och wir uns vröweu sont.
15 himilriche unde in ertriche ist unde wirt nah der jungistun urtailde aide u ratende, widir
der gotlichun scho'nhnit’.
Nu hant ir genierchit den blumen gotlichia gewaltes unde gotlichir echo’nhait . nu
merchin den dritten gotlichir ewichait, daz er ewich ist, dar an ist enhain ende . also
sunt ir wissen daz unsir herre Got ist ane auegenge unde nne ende : er ist iemir ewic-
20 liehe noh engenimet niemir enhain ende.
Der wissage Ysaias sprichit : ‘letare Jerusalem et conventum faeite etc. vro’we dich
Jerusalem, du solt gemachit werden ze einte ebin hellinden convent und sunt zesamene
gevogit werden mit gotlicher minne! vro’went üch, wan ir sunt vergezzen allis üwers
leidig und allir betrübede und sunt gesattet werden von den brüsten üwers trostes!’ da
25 nach sprichit der wissage David: ‘ich bin harte vro, ich habe gfltü mere vernonten . wir
gun komen in unsirs herren hus’.
An disen Worten sunt ir merkent vier vroiden, der sich der wissage vrowe, der
5. Überschrift fehlt G. Ysaias sp'chit (rot) Z, TV am Rande: Sermo XX. 6. Der lat. Tejrt
fehlt A. 6 f. Letare — dich] Der wissage ysaias sprichit . Letare L c. c. f. etc. Fro'wo dich
ierliii GZ. 10. laidis . vB allir betrabide G. gesattot wer/ letztes Wort in G. totles .1-
20. So enden auch ZW; ein schönerer Schluß in 11 (Zeitschrift f. d. Altertum II, 357 ). 21 ff. Paral-
leltext aus Z. 23. allis allis Z. 25. sprichit sprichit Z. vernemen Z.
5. Die Predigt steht in Z Bl. 128'1, W BL 41', A' Bl. 47", ist wohl identisch mit H Xr. 22
(Wackemagel S. 541) mit dem Textspruch: Incbriabuntur: der Anfang auch in G Bl. 108* ; fehlt
Phill., Arundel; t gl. auch das Stück in Hs. St. Georg. 37 Bl. 73' (Ixingin S. 7) der Karlsruher Hof-
und I.andcsbibl. — Von hier an stimmt A wohl der Sache, aber nicht mehr dem Wortlaute nach
mit Z und XI’ überein. A gibt in kur; er und guter Weise das Thema wieder, während Z 11 das
Thema breiter nus fuhren . oft so, daß der Fortgang desselben darunter leidet. 6. inj Anschluß
an Isai. 56,10 f. 11. Ps. 121,1.
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71. Von vier hand vr6don.
3Ü7
I)ü erste ist da z wir varent von dem eilende dirre weite in die vatter-
lichen hainmnt dez hyraelriches; won daz ist ünsrü rehtü liainmüt, und dar
zu sint wir geschaffen daz wir ez besitzen sont mit ünserm brüder Jhesu
Christo als unser reht erbe, nu sont ir wissen daz daz reht erbe uieman
besitzet won die an hopt sünde sint von dirr weit geschaiden ; die aber mit 5
höbet sünden von hinnan schaident, die sint nit wirdig daz si an dem erbe
iemer tail gewinnent.
o'ch wir uns vrowen sun . wir sun uns vrowen der gesellischefte du ist wunneclich,
lobelich und erberlich ; wir sun uns vrowen der einmütikeit und der vridebere ; wir
sun uns vrowen allis, wan wir vergezzen allis des leidis ; wir sun o'ch uns vrowen io
das wir gesattit werden von den brüsten unsirs trostes.
So sprichit abir ein wisse man : ‘ir sunt uz varn ze der himelschen Jerusalem alse
ein eilende man zü der heimüte’ . wir mügen uns wol vrowen uf die hein vart, wan wir
varen uzzir dem eilende dirre zerganclichen weite in die vattirlichen heinmüte . er
sprichit o'ch: ‘ir sunt uz varen alse ein sun uf sin rebtis erbe’ . nu sunt ir merken 15
wer die sint die de rehte erbe sun besizzen : das sint alle die die aue houbit sünde
von dirre weite scheident . die sun die himelschen Jerusalem besizzen, das ist das rehte
erbe ; die abir mit houbit sünde von dirre weite scheident, die insint niht wirdik das si
ietnir teil an dem erbe gewinnen . er sprichit o'ch: ‘ir sunt uz varen alse ein brut zir
hein leite* . so man eine liebe brut hein leitit, so sieht man den sumber vor ir und gigit 20
unde ewegilet und videllet ingegen ir, und mit meniger hande seiten spil inphahit man
si : also sun o'ch wir inphangen werden ze der himelschen Jerusalem , sprichit der wis-
sage : ‘die bühele und die berge sulen sich vrowen ingegen uns ’ . das ist also vil ge-
sprochen : die hohen engille und die hohen heiligen und die nideren seien vrowent sich
so wir ze himilrichc körnen , da von sprichit der künig David: ‘Jerusalem, du solt be- 25
zimbert werden alse ein stat’. das er sprichit: ‘si sol bezimbert werden alse ein stat , da
bi git er ze merkenne ‘obin helli’; das er sprichit 'ein Btat*, de hillit alse vil alse ‘eben
belli der bürgere ’ . da bi sunt ir merken das alle die bürgere ze Jerusalem habent einen
müt und eine vroide in Gotte, da von sprichit der wissage Abacuc: ‘min gebeine müzze
vAlift und versweinen und ein brutme von wärmen müzze under mir entspringen, das 30
ich rüwe an deme tage der betrübede und ich uf fare mit unserme herren ze sime Volke,
semene begurle liute’ , er irkande wol das diu geselleschaft wunneclich ist; da von
wunschil er de ime also geschehe de er zü gesellischefte kerne . er wiste o'ch das vil
wol das ze der geselleschaft niemun in mak körnen aue grozze arbeit; da von wunschit
S. SUD — vrowen W, fehlt Z. 10. I. vr. allis an? 15. sun W, fehlt Z. 20. d. sumber]
pauken W. 29. de Z. 30. vülin u. verew.l w°li versweinen Z, vaulcn vil verewinden W.
31. herren fehlt Z. volke fehlt Z. 31 /'. der — liute] in d. betr. vnd ich auf var zü vuserm
begerten volkchc W. 32. begur Z.
29 f. Hnbae. 3, 16. Die Stelle in Z verderbt, ist die Übersetzung von: ut ascendam ad po-
pulum accinctum nostrum.
20»
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308
71. Von vier hand vrAden.
Dü ander vröde ist daz wir werdent varend mit geselscheften, daz [189‘ ]
sint die wunueklicheu engel, die uns von liinnan laitent werdent an dem
ende, so sei und lip von enander schaident werdent.
er im selben der arbeit das er zü der geselloschefte mellte comen, wan er o’ch das wol
5 sviste das er vergezzo allir einer arbeit so er ze der geselleschefta kerne, alse der wis-
sage sprickit in dem ersten Worte: ‘vrowe dich, himelsche Jerusalem, du soll gemachit
werden ze einte eben hellinden convent und sunt ze samene gevügit werden, ir sunt
rekte zesamene begiirtit werden’: swas ze samene begürtit ist, das fügit sich ze semene
und heftit sich an ein andirs : also sint o'ch alle die himelschin bürgere zesemene be-
10 gürtit und geheftit mit einir vroide, und mit einir minne sint siu gevAgit in Got und
Got in si . vrowent ücb, himelschen bürgere! ir sunt tich vrowen, wan ir virgessent
allis des leidis und sunt gesattet werden von den brüsten tiwers trostis . da von
sprickit der wissage : ‘so du selige sele kumit ze der himelschen Jerusalem, so nimit si
Got und Göttis sun und sezzit si an sinen schoz und zartit ir und truckit si an sine
15 brüste und kert si von einer brust zü der anderen’ . unser herre hat zwo’ brüste : sine
menscheit und sine gotheit . da kert er die sele von einer brust ze der anderen : wil si
milch, so kert er si zü der brust siner menscheit ; wil si honic und kippber win, so kert
er si ze der brust siner süzzen gotheit . da von so sprichit der heilige geist durch des
wissagen munt: ‘dilata os luum et itnplebo illud . mache dinen munt wit, so mahlu vil
20 gesugen ’ . wie sun wir den munt wit gemachen ? das sun wir mit guten werken . du
solt dinen lip denuen und arbeiten in Göttis dieneste, so wirt dir der munt wit, das du
vil mäht gesugen von der gotlichen brust.
Nu sprichit abir der wissage: ‘ir sunt den bach trinken der von der gotheit und
von der menscheit vliuzit und er sol mit ganzem vluzze in üch vliezzen’ . er sprichit
25 niut: ir sunt von dem bache trinken, er sprichit: ir sunt den bach sament trinken, und
da von sprichit der wissage David : ‘de torrente in via bibit propterea etc. die aber
noch uf dem wege sint ze der himelschen Jerusalem, die sun trinken von dem bacbe
und sun denne ir houbit uf rihten ’ . da mitte git er ze merkenne de die noch in der
arbeite sint uf dem wege des himelrichis, den wil unsir herre etswenne sehen und ime
30 schenken von dem bache siner süzen gnade, das si vro werden unde das si getröstn
werden in der betrübede ; und wil sü da mitte Sterken und furen in der arbeit . also
sprichit unsir herre in dem wissagen : ‘cum ipso sum in tribulatione, ich wil mit üch sin
in der arbeit’ . so sprichit abir der wissage : ‘die abir dar sint körnen ze der himelschen
Jerusalem, zü den sprichit unsir herre: "ir sunt den bach sament trinken, unsir herre
33 wil üch niht schenken mit becheren noch mit kophen, er wil in rollte mit ganzen fiuzze
in unsir seien lazzen vliezen’” . da von sprichit der wissage: ‘inebriabuntur ab ubertau.-
domus tue . ir sunt trinken und sun trunken werden in unsirs herren hus* . das er
sprichit: ir sunt trinken und sunt rehte trunken werden, da bi git er uns ze merkenne
11. liilmelschen Z. 31. fo'rcn Z. 34. Jerusalem fehlt Z.
13 ff. vgl. Wackernagel S. 171 Z. 78 ff. 23. Pa. 35, 9. 20. Pa. 109, 7. 32. Pt. 90. 15
36 f. Pa. 35, 9.
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"1. Von vier linml vröden.
309
Dü drit vröde ist daz wir werdent ze samen gefüget zü allen hailgen,
Patriarchen, propheten, apostolen, martyrern, bihtern, allen niägden und kurtze-
lich gesprochen zu allem hymelschen gesinde. zu den werdent wir also gefüget
daz si allen irn Ion und ir vröde mit lins taillent und wir mit in. si
vröwent sich mit uns und wir mit in, und beschiht daz allez in Gotte. 5
vier vro’ide die du sele enphahit, so si trunken wirt von der hohen gotheit und von
der a Uzen menscheit.
Diu erste vro’de das ist de si hohes m fites und vrigis mütis wirt . und wirt also
hohis mütis de die mineste sele dunkit, dii in himelriche ist, das unsir herre Got einer
werden nuitir und der hohen engil und allis himelschis herz habe virgezzen unze an si 10
alleine . des dunkit eine iegeliche sele in himelrich: nlse hohes mütes sint si, wan si
sint trunken worden von dem gewürzeten wine.
Diu ander vroide ist de si schone werdent . da von lisit man in der scrift das
einis iegelichen menschen lip, das behalten wirt, des lip wirt nach der jungisten urstendi
schöne, und sprechent die meister de si siben stunt scho’nir si denne du sunne ge- 15
schaffen wurde, und sprechent die wisen meister und die heiligen das des libes schAni
wider der sele schAni, de si rehte si alse ein kleiuis bunctili wider aller der weite: also
si nohtenne des libis schAni wider der sele und wirt doch der lip siben valt schonir
denne dü sunne werde nach der jungisten ursteude . und sprichit saute Augustinus da
von ein wort: ‘die schoni die der lip inphat nach der jungisten ursteude, das inist 20
anders wan ein ubir vltizzi der sele’ . der sele Schönheit ist so tibir mezzik das si rehte
über vlüzzit und inmak nümme in si; wan si ist des kippher wiues und des gewürzeten
wines und des roten wines des ist si alse vol das si rebte übir vliuzzit . und den ubir
vluz inphat der lip . unde hat doch so unmezzige Schönheit de man dar an wol mak
merken das der sele Schönheit und ir wünne vil ubir mezig ist, da des libis Schönheit 25
so ubirmezzig ist wider alre creature, und doch dü Schönheit so unehtig ist bi der
sele; wan dü sele wirt schinende durch den schönen lip rehte alse ein schone lieht in
einre luccrne.
Diu dritte vro'ide die dü sele inphat so si trunken wirt des bachis, das ist ein
ewige vro’de, und ist dü vro'ide alse luter das si niemir me betrübit wirt . und vrowit 30
sich ein iegeliche sele der anderen vroide rehte alse ir selbis vro’ide . der werden küni-
ginne, sant Marien, der wirdekeit und ir günlichi vrowet sich diu nidereste sele dü in
himelrich ist . und dunkit ein iegeliche sele das ir selbis vroide alse groz si de si niht
wolte sin an der hohen küniginne wirdekeit . wa von ist das? von niute andirm wan
de si trunken sint. 55
Diu vierdo vroide ist de si miltes mütis wirt . da von sprichit der wissage David :
‘adimpletus est venter eorum . so si iren buch gefüllent, so teilent si umbe sich’ . und
7. menschit Z. IS. in der Z. 14. noch Z. 15. schöne fehlt Z, sibenvöltig schöner
denn dev liecht svnne W. 17. bunetili Z, bunctili Panzer, pönchlein IV, dein fünclin U'aeltemagel
$. 171 Z. 106. 17 f. also — sele fehlt W. 19. werden mach \V. 22. kippher Panzer, kuppher Z
26 f. doch — der sele] dez leibes schön so ebiein ist wider der sele schön W. 34. miite Z.
57. P». 16, 14.
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310
71. Von vier lisuid vriden.
Dü vierde vröde ist daz wir gesattent sont werden der hymelschen wunne
und süzkait, also daz wir vergessend werdent allez dez laides nnd dez un-
gemaches so wir ie uff ertrich gewunnent. nnd habent so vil der hymelschen
süzkait daz uns mites des jamert so uff ertrich ist; won ällü du süzkait dirr
5 weite [189*] dü wäri da ain bitterkait, ällü disü vröde dü wäri da ain
trurkait, ällü disü wunne wäri da ain unwunne, aller dirr rihtüm wäri da
ain armüt, allez dis gemach wäri da ain ungemache, allez daz nff ertrich ist,
daz wäri da ain nihtes nit: won ünser herre der da ist huswirt, der ist daz
beste güt, daz obrost güt, dem nie mit glich wart noch niemer wirt. der
in taillet sich so volleklich den seien daz ir dehainü mit anders gert won daz
si da hat, daz ist Got, daz überflüssig gilt, nu sont ir wissen daz ünser
herre zwo brüste hat, dar ns die seien die in hymelrich sint, baidü wunne
und vröde sugent: daz ist sin rainnü mentschait und sin schönnü gothait.
da keret er die seien von ainer brust zü der andren: wil si milch, so kert
15 er si von erst zu der brust siner mentschait; wil si honig und kipperwin.
so kert er si zü der brust siner süssen gothait. [189'] da von spricht der
wissag: 'mache dinen mnnd wit, so mäht du vil gesugen’.
112.1 Wie man unsern herren suchen sol.
(Querite Dominum et viret anima vestra]
20 ‘ Suchent ünser herren sprichet der wissage, 'so wirt üwrü sei lebend.’
Nu sont ir merken wie wir ünsem herren süchen sont und war umb
und wa.
wer da ieman der es bedorfti, dem teiltin si ir vroide . nu ist da nieman der es be-
dürfe, und zftckit. doch ein iegeliche sele der anderen ir vroide und inhat si doch deste
25 minre niht . wie znchent si ein ander ir vroide ? das tflnt si also : alle die vroide die
ein iegeliche sele an der anderen sihit, die züchit si ir, so si übir den brunnen gesizzent
und si ir kurzewil wellent haben : der lebinde Got das ist der lebende brunne . in dem
gütlichen spiegil und in dem lebinden brunnen zuckit ein iegelich sele der anderen ir
vroide also : ein iegeliche sele dü sibit in dem lebenden brunnen einir iegelichir sele
90 vro’ide und tugende unde dar zü ir reinis leben und ellü dü güten werk da mitte si
himelriche verdienit het . de züchint siu allo ein andir also de sich ein iegeliche sele
der anderen vroide vroiwit rehte alse ir selbirB vro'ide.
Des helfe uns got . Amen.
19. Überschrift fehlt W, Der wissage (rot) Z. 19. Der lat. Text fehlt A. Der wissage
spriebit . Querite etc. ZW. 20. spr. d. w. fehlt Z. 21. wir] ir Z, ebenso 311, 1. 21 f. war — w »;
itar vmbc warvmbc ir in »liehen svnt Z. 23. des Z. 28. an — ir] hat dev bat si an vnserm b nn
dem lebentige prvnne vnd W. 27 f. der I. G. — anderen] so zuehent si au eiu ander IV. 29. se Z.
93 fehlt W.
11 ff. vgl. Wackernagel S. 171 Z. 81 ff. 17. J's. 80, 11. 19. Die Predigt findet sich in Z
111. 131*, W Bl. 19, X Bl 21, irohl auch in H als Xr. 23. — Der Wortlaut stimmt nicht mehr mit .4.
dagegen stimmen Z und IV mit einander, ebenso beim folgenden Stück. 19. P$. 68, 33.
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72. Wie man ünsem herreu aächen sol.
311
Wir sont in suchen alz in du geert Maria sühte. si suchte in dry tage
mit laide und mit sere: also sont och wir dry tag in suchen, der erste
tag ist rehtü ruwe von rehtem liertzen, also daz uns alles daz lait si da
mit wir Got ie erzürntent. der ander tag ist lutrü biht, daz wir uns dez
schuldig gebint daz wir wider Got ie getatent. der dritte tag ist gantzü 5
büz, daz wir nach ünsers bihters rat bützint und bessregint alle unser
misse tat.
Wir sont ünsern hem suchen dar umbe daz er gut, milt und süz ist.
wie milt er si, daz merken wir ze vordrost an sinen mänigvaltigen gaben,
die er ünz [189dJ geben hat und alle tag git, joch nit allain sinen fründen, io
er git joch sinen viginden, den üblen alz den güten; won ez ist nieman
der daz gesprechen muge daz er von Gotte nie lön enphienge: der daz
sprichet, der lüget; won swaz wir hant, daz hant wir alles von Gotte, wie
gut unser herre si, daz merkent wir dar an daz er so vil übelz üns ver-
treit und in dem übel üns so lange baitet so gedulteklich ; und daz er üns, 15
Nu merkent warumbe ir Got suchen sunt . ir sunt unseren herren darumbe suchen
das er Got ist und güt ist . das sprichit sante Anshelmus: ‘o liebir herre Got, wie gar
güt du bist unde wie gar wunneclich du bist ! und bist alse rehte lusteclich .
Wie gar unsir herre Got güt ist, de sunt ir merken dar an das er uns schuf nach
sime gotlichen bilde . nu hörent weles de gotliche bilde ist : de ist diner sele beschei- 20
denheit unde ewikeit . an den zwein dingen bildet uns unsir herre nach einer ewigen
gotheit . da von mag er wol sin der gar güte Got.
Wie gar milte unsir herre ist, das sunt ir merken an sime tode . do wir ubir sahen
sine güte das wir an uns selben intereten sin gotlicbis bilde, do was sin milti alse gros
das er mensch wolte werden, und gab sinen minneclichen lip in siner viende gewalt, 25
und wolte der versmeheste mansche sin der ie geborn wart . also sprichit sante Bern-
hart: ‘der ewige Got der wart, zirgenclich durch uns; der unto/licbe Got, der wart tot-
liche durch uns; der obroste Got der wart der nidereste; der selbe Got der himels unde
erde gewaltig was und allis des ie wart, der wolte sin selbis lip ungewaltik werden und
gab sinen siizen lip und sine werden menscheit gap er angistliche ze martyrene und ze 90
töten an den karanvritage’ . das tot er allis darumbe das er uns wider gebe sin got-
lichis bilde, und de an uns geerti das wir an uns selben interet hatten mit unseren
ständen . dar an mugent ir wol merken de unsir herre Got gar milte ist, wan er strahte
sin arme an dem cruce dar umbe das er den sünder umbe vahen mehti swenne er widir
wolte keren von sinen sünden zü siner hulde . da von sprichit sancte Bernbart: sit 35
mich Göttis sun und Got umbe vangen hot in so grosir angist, do waszir und blflt von
1. in) vnscrcn herren Z. 1 f. si — Büchen] in drie tage mit arbeiten vnd mit serigem
bercen a. s. ir vnscreren (herren fehlt) s. drie t mit arbeiten Z. 3. üns — sij dir ellv ding
vnmere sin Z. 4. wirl dv Z. irzvmdeat Z. t. de ist Z. 4 f. daz — getatent fehlt Z.
5. tag de ist stete vnd ganze /. 6 f. daz — misse tat fehlt Z. 8. hern fehlt A.
18 — 313,36 Paralleltext aus Z zu Z 9 — 313,8. 17. Got ist u. t eohl mit IV zu streichen.
24. inteireten Z. 25. mensch fehlt Z. 27. vntoliche Z. 34. armen Z.
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312
72. Wie man ünsem horrcn soeben sol.
so wir widerkerent und gnade suchent, so lieplich und so gütlich enphaliet,
rehtc alz ob wir in nie erzürnet hettint. und dar umbe stat er an dem
erütze mit zertanen armen, swenne wir koment, daz er berait si lins ze
enpfahenn und lieplich ze umbvahenne. wie süz unser lierre si, daz mer-
s kent wir an sim süssen tröste, won er süsseklich tröstet und trösten kan.
drier hand lüte tröstet unser herre: er tröstet [190 “J die in arbaiten sint
in sim namen; er tröstet och die arm sint an libe und an gaiste durch
sin minne ; er tröstet och die die da minne trähenn wainent nach im.
wie süz sin trost. si, daz waiss nieman won der allaine der ez befunden
io hat. ‘din trost’, sprichet der wissag, ‘hat, herre, min sele erfröwet’.
sime reinen hercen vlos unde sine sele von sime libe schiet, sone wil ich niemir gezwi-
velen, er in vmbe vahe mich in siner gotlichen wunne’ . dar an mugent ir wol merken
sine groze miltekeit.
Wie süze unsir herre si, de sunt ir merken an dem tröste . nu sunt ir merken das
15 unsir herre drier hande lüte trostit . er trostit die die in arbeiten sint in sime namen ;
er trostit oTch die armen, die arn sint an deme libe und an dem geiste durch sine
minne ; er trostit o’ch die die mine trehene weinent nach siner vrolichen angesiht . wie
süzzen trost unsir herre git den betri'ibiten hercen und dem mensclien das in arbeiten
ist, das weiz das mensche wol de von Gotte ie deheinen trost inphie . wan er spriebit
20 also in dem wissagen : ‘cum ipso sum in tribulatione . ich bin mit üch in üwer betr'i-
bede und wil üch selbe trösten in üweren arbeiten’ . da von sprichit sante Bernhart:
‘Owe süzir herre Got, sit das also si, so verlas mich niemir an arbeit und ane be-
tribede ’.
Wie senfte unsir herre Got si, de soltu merken an siner zfikunft, so er geneigit
25 sich ze komene zil der sele, also de er einen heiligen und sinen beren vionlichamen ge-
neigit zü der sele . wie senfte unsir herre denne si in der zlkunft, das weis dü sele wol
dü unsirn herren ie wirdecliche inphie : diu weis vil wol de ellü sturmwetir und ellü
unsenftikeit geligent unde zerstoirit werdent in siner zvkunft . wie senfte unsir herre
si, das weiz si denne wol.
30 Wie minneclich unsir herre si, das sunt ir merken an der creaturen, wie rehte min-
necliche er der tüt, wie er de himelriche und das vil dürre ertricbe hat gezierit . und
mak man joeb wol merken sine minneclichi an dem unertigen vögele, eime rappin . so
der sine jungint gewinnit, so sint si wiz . so er das gesihit, so vert er von inen und
lat si ligen und intfit inen inheinen rat ; wan er wenit das si sin niht sin, wan si ime
35 niht gelich sint . so das reppeli denne lit ane rat, so spisit es unsir herre in zwei wie :
sumeliche meister sprechent, er spisit es mit dem himel to’we ; sünteliche sprechint o'ch,
so es also heiz ist, so vallent dü müggeli ze santene und werdent ze wellelin, unde ginit
das reppelin denne und inpbahit das welleli und wirt o’ch da mitte gespisit . und da
bi mügent ir wol merken de er deme menachen wil minneclicben tftn und alle tage tfit,
15. er trostit fehlt Z. 22. si . so . so Z. 28. in sein' zä chftnft W, fehlt Z.
39. denne Z, dem W.
10. Pb. 93, 19. 20. Fs. 90, 15; rgl. oben S. 308 Z. 32.
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72. Wie man finsern herren »Achen sol.
313
Wir sont och uusern heilen suchen an dem erütze, da vindeu wir in
und anders niena. da sont wir merken und schowen wie minneklich er da
stüt und wie er entschaffen ist von dez todes not. ‘owe’, spricht sant Ans-
helm, die wunneklichen ogen, die da warent luter alz du sunne, du wur-
dent vinster; sinü rosvarwen wangen erblaichetent; sin kiingklicher munt 5
ervalwete; sin minneklicher lip waz zertent an dem erüze alz du senwe
an dem armbrost; sin minneklichez hertze [190b] waz gar zerflossen von der
minnenden minne’.
Nu hant wir unser« herren runden, nu höre wa wir in gehalten sont.
daz sont wir in aim geblümeten hertzen, won dar inne wil er sin wunne io
han mit der sele. dem geblümeten Gotte gezimet wol ze sinne in ainem
geblümten hertzen, dem senften Gotte in aim senften hertzen, dem süssen
Gotte in ainem süssen hertzen, dem girlichen Gotte in aim gerenden hertzen,
dem guten Gotte in aim güten hertzen, dem rainnen Gotte in aim rainnen
hertzen. 15
Nu hant ir gehöret wie und war umbe und wa ir Got schowen sont
sit er eime so unertigen vogil so minneclichen tflt . wan ime ist joch der mensche also
liep das er alle creature dem menechen ze liebe geschaffen het.
Wie gar girlich unsir herre si, das wirt man da sehende da er gesihtik ist in siner
heiligen drivaltikeit, das ist in himelriche ob dem sinewellen tische . da wirt man in 20
sehende von o’gen ze o'gen, und da wirt er unsir trfihseze und dienit er uns da und
ouch sin werde mütir, dü hoch gelopte kiinigin , und wirt uns da schenkende sine hei-
ligen gotheit und sine menscheit, und sprichit denne unsir herre: ‘comedite et bibite et
inebriamini, karissimi . ezzen und trinkent, mine alre liebes ten kint, ez sol (ich wol be-
komen und ir sunt vergezzen allir (iwir arbeit und üwers leidis1. 25
Nu hant ir gehfirit wie ir unseren herren sAchin sunt und warumbe ir in söchen
sunt . nu sunt ir merken und hArin wn ir in sAchin sunt unde ira ir in rebte gewer-
liche vindent . ir sunt in söchen und o'ch vinden an der arbeit an dem crüce . da
soltu merken wie minnecliche er da stat, und solt dar an sehen was er durch dich leit
und wie er intschaffen ist von des todis not . da von sprichit sante Anshein : ‘owe, dü 30
minnenclichen o’gen dü waren lutir alse ein sunne, dü sint swarz worden; sine rose-
rarwen wangen dü sint irbleichit ; sin küniclicher munt der ist ervalwit ; sine süzzen
brüste, die alse lutir waren alse ain cristalle, die sint swarz worden; allir sin küniklicher
lip der ist gedenit an das crüce alse dü senwe an dem arnbruste’ . da soltu o'ch ane
sehen sin minneclichis berce, wie gar daz wsb zervlozzen von der minnenden minne . dar 35
solt du din herce bieten und solt da inzündit werden an gotlicher minne.
9. hastu Z. finserz A. wunden A. wir] du Z. sv A. solt Z. 10. daz g. wir fehlt Z.
won dar iune] da Z. 11. gebltimeten] edeln Z. 13. vor dem] de minneclichen gotte in eime
minneclichen hercen Z. 14 f. dem rainnen — hertzen fehlt Z. 16. Nu — 314,1 vinden sont) Nu
merkeut wie ir got sunt »Achen und warumbe ir in süchen sunt und wa ir in vindent unde wie ir
in gehalten sunt Z. 19. ist fehlt Z. 20. sine wellen Z. 27. da Z. 31 f. rosewarwen Z.
23 f. Cant. 5, 1.
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72. Wie man ünsem herren suchen sol.
und wa ir in gehalten und wa ir in vinden sont. nu sont ir hören waz
nutzes ir da von enpfahent: drü leben werdent üch dar umb gebeu. daz
erste ist ain leben von nature, daz ist daz dem nientschen sin leben wirt
gelengert und sei und lip dester lenger bi enander sint durch dez güten
5 le/JSOybens willen, daz ander leben ist ain gnade volles lebe«, daz Ist
nüt anders won ain tugentliches leben, dis leben hie uff ertlich haisset
wol ain gnaden vollez leben, won man vindet da gnade der si suchet;
und der ez och verlit, dem wirt si niemer me wider geben; und der och nu
gnade suchet, der vindet si. da von spricht sant Augustinus: 'reht alz ain
io gnaist ist wider dem mer und wider allen wassern, alz ist ünserz herren
erbärmde wider aller der weit süiide’; und alz lihte dem mer und allen
wassern ist die gnaiste ze erlöschenn, alz liht ist linserm herren aller der
weit ir sünde ze vergebenn. und da von sprichet sant Bernhart: 'o lieber
herre, swie vil und swie grozlich ich gesundet hau, so wil ich doch niemer
15 gezwiflen, dw wellest und mögest mir min sünde wol vergeben; won ich
waiss daz wol daz diner gnade und diner erbännde me ist denne aller der
weit sünde’. daz dritt leben [lRO"] ist ain vollrichez leben, daz wirt
nach disem übe geben und daz beschiht ze hymelriche; da werdent wir Got
sehend in siner wunne und ünz selbe in ime.
173.] Von zwaiger liand lute ln den clostern.
[Quam pulchra labertiaeula tua .Jacob!]
Do die juden hie vor zogetent engegen dem lande daz inen geheissen
waz, do besaute der künig Balac den wissagen Balaam und furte in uf ain
3. erste lebin das ist ein lebin der nature Z. 4. sin selc v. sin lip Z. 5. willen . was ir svnt
das rehte wizzen . das selo un lip also gerne mit ein andir sint das si wolten de si niemir von ein
anderen soltin geschciden werden . vnd durch des güten willen . so wirt inen gegebin . das si deste
langir bi ein andir belibent Z. I. de ist Z. leben» A. 6. hie fehlt Z. haisset) das ist Z.
7. man — si] ez ist de lebin das tn. die g. vindit swer s. rehte Z. 8. ez och] o'eii dis leben Z.
si] ez Z. 9. si] genade vnd erbennedo Z. 9 f. eine gneistvn Z. 10 f. I. alz ist a. d. w
sünde wider üns. h. erb. (Roethe). 13. o] Herre got min Z. 14. swie — wil ich] Ich habe
gewundert vnd habe gar getobit and habe grozze sünde getan vnd inwil Z. 15. dv A.
du — vergeben] an diner grozzen genade . vnd an diner erbermde Z. 16 f. wol sprichit er .
das diner irberme tvsint tvsint stvnt me ist denne miner sünden aide allir der weite iemir möge
werden . das ist dis leben . de man die genade vindit nv vnze wir in disem libe sin . vnde der
sich nv virsmnit der müz iemir ane genade vnde anc erbermde sin . da von ist dis leben wol ein
gnadin vollis lebin . Das dritte Z. 17. wnnercichs W. 18. u. d. beschiht] das wirt Z.
19. wunne — inte] gotlichc . vnd in alb siner wunne . vnd vns selben in gotte ZW. 20. Vber-
Schrift fehlt H’, Von liern Movses (rot) Z, Scttno ad claustrales X, W’nrn Rinde: XXIII. 21. Der
lat. Text fehlt. Z (W) beginnen: Man lisit in oimo wissagen . do herre Movses das volk ffirte . der
künik balach den wissagen balam . vffin einem berc, das ir eitere siehe bei Wackernagel S. 150 f.
22. zogetent (oder zouwctent ?) Roethe, zaigetent A. 23. uf fehlt A.
20. Die Abhandlung findet sich in Z Bl. 133d, 11 Bl. 0 7. das mit Z im großen und gansen
übereinstimmt, X Bl. 101'; steht i rohl auch in lt als Xr. 24. — Gedruckt nach Z, das gegenüber .1
das Thema voller und lebendiger aus führt, bei Wackemagel S. 150. 21. hum. 24, 5.
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73. Von zwaiger hand liitu in den clistem.
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berg und liez in daz volk selien und du gezelt und ir hätten, do sprach
der wissage: 'o Jacob, wie schöne sint dinü gezelt und din hätten, o Israhel!
si sint relit alz ain gezelt daz Got selb uf geschlagen hat’.
Nu sont ir merken zwaiger hand lät in dem closter, die bi Jacob und
bi Israhel bezaichent sint. die ersten sint die amptläte, die mit arbaiten 5
umb gant; und sint fänf ding die si dar zu raitzent. daz ain ist dä nature,
dä dem [191°] mentschen daz seit daz arbait si an höre, relit sit dem male
daz änser herre si verstiess von dem paradvse. daz ander ist daz zit; daz
seit in: ietz sint die tag daz man arbaiten sol. daz dritte ist dä statt,
daz ist disä weit, in der nieman, enhain creatur weder mentsche noch tier io
noch visch noch vogel rüwen sol noch enmag, ez sälle und müsse arbaiten.
daz vierd ist der Ion der dem arbetenden geben wirt nach disem übe, daz
ist daz bymelriche und Got selbe, der ir Ion wesen wil. daz fünfte ist der
itwiss den dä beschaidenhait tüt so der mentsch sin zit unnntzlich vertribet.
Die andern lüte in den clöstern sint die contemplierend, der liertze all- 15
wegen ist in dem hymelrich bi Got dise lüte die hörent an drü ding
aigenlich. daz erst ist betrahtung waz Gottez wille si und sin gebott, und
sich dez flissen ze tünne. [19V] daz ander ist luters und rainez gebett; won
nach der betrahtunge waz Gottez wille si, so gat denn daz kosen mit Gotte,
daz geschiht in dem gebette. daz ist daz drit: lesung. daz geschiht an 20
drier hand buchen, daz aine ist daz hertze, da liset man an wizhait und
süskait, und daz schepfet daz hertze von der schrift und behaltet ez in ime
selben, so daz büch und dä schrift niena ist zegegen, daz ez doch in ime
Selben liset und erkennet waz Übels und giitez an im ist, daz ander ist dü
creature, an der man erkennet und merket wie güt, wie gewaltig und wie 25
wise änser herre ist, daz dritte ist daz lebend büch, änser herre Jhesus
Christus, daz büch siner hailgen mentscbait, daz an dem karfritag geschriben
wart, an dem büch liset man gedult, demüt, senfti, minne, rainkait und
mänig ander tugend. die da geschriben sint mit den rosvarwen büchstaben
sinez rainnen blütez. so
114.] Von fälschlichen Inten.
[191‘] Die gaischlichen lät sont glich sin ainem bliimen an vier dingen.
Daz erst ist: der blüme wachset tügenlich, also sol daz mentsch tögenlich
9. in ez A. 20. lerung A Z. SI. Überschrift fehlt IC, Von eime bliimen (rat) Z. 32. IV be-
ginnt: Vier tagent sind an den plfimcn vnd pov den edcln p] ö men ist bezaichent ein yeglcich’ sAlig'
mensche . wan ein y'gleich geistlich mensche an vier dingen sieh dem plftmen geleichcn sol. —
Z: Bi dem edelen bl firnen ist bezeichcnt ein iegelicli selik mensche . Vier tagende sint an dem
blfimen . dar an sol der geistliche mensche dem blfimen gelich sin. 83. der blfimoj er Z.
da z m.] der selige mcschc Z.
25 f. vgl. oben S. 249 Z. 7 ff. 31. Dn» Stück steht Z Bl. 136°, TV Bl. 100, welches im ganzen
mit Z iibereinstimmt ; sieht wohl in H als Nr. 25.
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74. Von gaischlichcn täten.
wachsen an tilgenden und an sälden. alz togenfich, sprich ich, daz im lieber
si daz ez nieman wisse, denn daz ez ieman wisse.
Daz ander ist daz der bliime wol smeket. und also sol och dez gaisch-
lichen mentschen leben also raine sin daz ez vor Gotte und vor den engein
5 wol smeki, und dar zu vor allen luten, daz die da von gebessert werdent.
Daz drit ist daz der blüm gelustlich ist an zesehenne. also sol daz
gaischlich mentsch gelustlich sin an sinen Worten, an sinen werchen, an sinen
gebärden, daz man in gerne höre und sehe.
Daz vierde ist daz der blüme lind ist au zegriffenn. also sol der gaisch-
10 lieh mentsch lind sin, so man in an griffet in dem capitel mit rügenne und
mit refzent. swie unwirdeklich man ez an grife, so sol ez lind sin alz
[191*] der bliime, nüt alz der dorn, dez natur ist also herte, swie lindeklich
man in an grifet, so stichet er doch da wider. also sol der gaischlich
mentsclie nit tun. ez sol demiitklich und senfteklich enpfahen, swie hertek-
15 lieh man ez an kumet, und sol ez vertragen und sol gedenken an den hohen
werden blümen der von dem hymelrich kam uff ertriche, Gottez sun, Jhesus
Christus, wie linde und wie senfte der waz gegen dem töde. an den gedenk
und lerne da von demütkait, gedult und senftmütkait also: swer daz von im
sehi und höre, daz er da von gebessert werde und Got dar umb lobe, der
20 gaischlichen liit leben sol rehte alz ain lucerne und ain lieht sin daz den
weg zeigi gegen dem hymelriche. ez sol sin ain Spiegel, in dem sich aller
mänlich ersehen sol.
Sich an den blümen und nim dar abe senftikeit und diemütikeit . ein iegelich bro-
der sol sich vlizzen wider den anderen tugende und senftikeit, zühte und reinekeit, de
25 ander löte von üch gebezzert werden . und vlizzent (ich de ir solicho lere und soliche
bilde gebent de unsir herre Got an allem (iwerem lebenne geert und gelobit werde und
(iwer eben cristen an gutem bilde gebezzert werde . da sol öwer leben ein lucerne sin
1. tugetlich .4. spr. ich fehlt Z. ich fehlt A. 2. Bi (1. c.] sol sin . de sine tugendc vnd sine
säzzekeit Z. 8 f. Das andir de ist dar an (an daz W) o'ch der geistliche mensche wol sraeckit .
daz ist also das des seligen nienseben tagende und sin leben also reine sol sin de si vor Z.
5. wol — werdent) süzzccliche smeeken vH niht alleine vor gottc . ez sol o'ch smeeken von eime
bro’der zü dem anderen brodir . de ein iegelicVbrod' gebezzert werde von dem and'n ZW. 6. gel.
fehlt Z. 7. sin an fehlt A. 7 f. werchen — sehe] werken vfl an allen sinen g. sol es alsc schone
sin . das es allen löten lästerlich si ze sehenne . alse schone sölen sine geberdc sin . vfi sine wort
alse sfize vH alle sine sitten alsc senfte . de alle die löte von ime gebezzert werden Z. 9 f. die
Endsilbe lieh in gaischlich ist am Bande nachgetragen A. 9 f. 18. gaischl.) selige Z. 10. lind
fehlt Z. Capitel so man in an grifet mit A. 11. refsinne . so sol ez linde sin. swie Z.
man ez) ez ieman Z. so) da widir Z. 11 f. sin — dorn) vnd senfte sin . wan dv scligir mensche
soll des bl&men natura haben . vnd niht domes Z. 12. lintliche Z. 13. in) den dom Z.
also) dos Z. 1 \f. ez sol — sol ez) er sol der nature ein widir werti haben . also swie h. od‘ wie
vnwirdecliche es ieman an griffe . de sol es diemötcdiche vnd senftecliche widir gebe gfitc wort
vnd Z. 15 f. hohen werden fehlt Z. 16 f. hymclr. — Christus] dem hohen h. wart gegeben vf
das ertr. de was der edil blüme gottis svn von himelriche . des soltu gedenken Z. 17. gegen’
wider Z. an — 817, 8 siehe den Text in der zi reiten Spalte. 21. heigi A.
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74. Von gaischlichen löten.
317
Dü samnung sol ain schönü wise sin uft- der mänger hande blümen
wachsent und schinnen. [192°) da sol sin ain lyli gantzer künschkait, da
sol sin ain rös brinnender minne und vester gedultkait, da sol sin ain viol
rehter demütkait, da sol sin ain zitlos zühtiger Wandlung und erberkait, da
sol sin kle blümen guter besekaidenhait. aller dirr blümen schin daz sint 5
alle tugend, won in gaischlicliem lebenn ensol enkainer tilgend gebresten. die
tugend sont alle drinne sin. und swa daz ist, da ist öcli rebt gaischlich
leben; und swa daz nit enist, da enist reht gaischlichez lebens nit.
Po.) Von drier liand minne.
[Nos ergo diligamus Deum, quia prior dilexit nos.J 10
'Lieben’, sprichet sant Johannes, 'minnent Got, won er hat och üch
geminnet’.
Ez ist uff ertrich drier haud minne, die die grösten sint. du erste ist
zwüschent ,der muter und irem kinde; du ander ist zwüscheut der vrowen und
irem manne; du dritte ist zwüschent der sele und dem libe. dirr drier minne 15
Überkraft hat ünser herre zu ünz geliebt. [192 “J
du den wec zeigit gegen dem himelriche, do üwer orden sol sin ein spiogil da sieh alle
die lüte inne irsehen lüterliche, do üwer samenungo sol ein schöne wise sin dar uf
manger hande blümen schiuen wunderliche und wunnecliche: da sol uffe sin der lylie
ganzer küschikeit . ir sunt o'ch haben den rose varwen blümen der minne und der ge- 20
dultikeit . behaltet o’ch den viol der diemötikeit . allir andirre blümen schin de sun
alle tugende sin, die sulint ir habin alle gemeinliche und iegeliche sonderliche.
Der schöne Got von himelriche der wil haben unseren dienist tugentlich . wie
schöne, wie riche, wie edil der mensche si, ist da niht an dirre tugende bi, so ist er
dem herren gar unmere . doch der da heizit herre und o’ch ist herre und Got der tu- 25
genden, der selbe Got und unsir vattir von himelriche der rilehe üch ze verliehen und
gotlichc tugende geben an allen dingen und her nach das ewige leben . amen.
2. sehinnen sol A. ain fehlt A. 3. vestv i. 9. Überschrift fehlt Z, 11’ am Rande:
Dilectio triplex, Von rechter minne zft gotte .S. 10. Der lat. Text fehlt ASZW. 11—15 libe]
Ir svnt wizzen drier hande minne ist vf ertrichc . die sint die groisten . vnd div erste ist die dv
uritir zir kinde het . div andir die ein vrowo zir ielicben manne het . div dritte de ist dv liebi .
dv die sele vnd der lip ze samenc haut Z(W). 11. minne S. dich S. 25. doch] dem W.
27. So endet auch W.
9. Das Stück steht Z Bl. 137°, IV Bl. 133; in S (Hs. 8101’ der Strafilmrger Stadtbibi.) ist es das
erste Stück und folgt im Text A; vgl. Cod. Pal. germ. 31 Bl. 3öS'1 der Heidelberger Universitätsbibi.
Die Predigt findet sich dem Inhalt, nicht dem Wortlaute nach, auch unter der ‘ Scnnones ad rcligiosos’
benannten Sammlung der lateinischen Predigten Bertholds von Rcgensbnrg, Erlangen Unirersitätsbibl.
Cod. 107 Bl. 171' (vgl. Jacob, die lateinischen Beden Berth. v. Heg. S. 93 Kr. 63) und :irar als 3. Punkt
mit seinen drei Unterabteilungen. Die. Punkte lauten (Bl. 175“): Tria sunt genera dilcetionis: pri-
main habet mater ad filium et cconverso, et hoc carum ; sccundam habet sponsus ad sponsam et
econverso, et hoc carius; tertiam habet auima ad corpus et cconverso, et hoc carissimum: hos
amores Christi amor exccdit. 10. 1. Jonn. 1,19. 21—27 ilan beachte die Heime.
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'5. Von drier Imid minne.
Er hat uns me geminnet denne ie muter ir kind. daz merkent wir an
siner mentschait, daz er durch ünz meutsch wolt werden, und dar zü der
versra&htest mentsche der ie wart oder ienier wirt. ain müter treit ir kint
nument vierzig wochen. unser herre trüg aber ünz me denne drissig jar an
5 allen sinen liden, und ze jungst wolt er den grimmen tot durch uns liden.
und da von sint och wir im grösser minne schuldig, won er ünz so grozlich
geminnet hat.
Er hat üns och geminnet me denn ain vrowe oder ain man ir elich
gemüchde ie geminnet. daz mugent wir merken dar an daz nie enhain man
io so gut wider sin vrowen wart, und nAnie si ain andern oder zweite zü im,
daz er ir niemer alz hold wurde alz er da vor waz. dez tüt ünser herre
nit: swie dik wir in über sehent, so enphahet er ünz doch wider zü siner
liebi, und sint im dester unlieber nit. won ir sont daz wissen: alz dik wir
höbet sünde tünt, alz dik überselient [ 192 '] wir in. alz balde aber und alz
is dike so eilt wir widerkerent zü sinen hulden und ünz lait ist dü missetat,
so enpfahet er üns und vergit üns die schulde also gar daz er si «üns niemer
uf gehebet, swie dik wir och wider in schuldig werdent, blibent eilt wir ze
jungst stät an im.
Er hat och üns me geminnet denne sei und lip ie enander geminnetenL
20 daz merkent wir dar au daz er ir zwaier liebi an im selben brach, do er
sin sele von sim übe schaiden liez, und dar zü liez er im sin rainez hertze
uf tün mit aim scharpfen sper, daz hertze daz vol aller wizhait waz und
aller miltekait und aller künschkait. daz tet er dar umbe daz wir sAhint
daz er ünz minneti von gründe sins hertzen und von aller siner kraft.
1. Kr — wir] de er vns me g, liabe . denne ie m. i. k. geminnit . de svnt ir merken /.
2. durch finz fehlt Z. 2 f. und — wirt] vtl noch do . do er mensche wart . do in woltc er
niht ein mcnschc »in an wirdekeit al»e ein andir mi'sclie . er wolte der v. m. sin der ie geborn
wart Z. 2. und — 4 denne fehlt fälschlkh S. 4. vns drizik fair vH me Z. 6. sont .4.
groze S. Hf. Er — geminnet] Div and' minne de ist dv minne . die ein man het ze siner
ielichen vrowen . (Jrozzir minne het o’ch vnair herre zo vns gehebit Z. 9. daz nie] Es in-
wart n. Z. 10. wart fehlt Z. ain andern] einen man Z. 11. er ir vor S, da vor .4.
12. 14. vbir hügeu ZS. 13. und — nit] alse o'ch ie Z. 14. in — 21 liez erj vnseren herren .
vn d alse dicke so wir houbit s 'udo tön . vnd alse mangc so wir tigen . so entwirde wir vnsir
seien . vn stozzen vnseren honen von vnserre »eien vnwirdediche . nv merke ein iegelich tnensebe
wie dicke cz sinen lierren vnd sinen got vbir hvgit habe . vn hat doch vnsir herre so groze liebe
ze vns de er vns wid inphahit in sine genade . swenne wir widir keren wen . dar an svn ir
merken de vns vnsir herre vil liebir hat . denne ie dehein man sine vrowen . wan er virgit vn»
vnsir svnde . alse 1 Elterliche de er vns deheine vnsir bfaheit niemir me vf gehebit swie dicke wir
in ioch vbir hfigit han . bcliben wir noch denne stete an ime . I)iv dritte liebe de ist . die »eie
vnd lip ze ein anderen hant . div ist also groz . de »v iornir gerne sanrint werin . noch niem1
geschciden soltin werden . alse rchte wol sint sv ze semenc gevögit . vnd ist alse liopliche minne
inzwischen inen . de merkent o'ch die ganzen minne brach o’ch vnsir liebe herre an ime selben .
de er vns vollccliche zcigetc . de er vns liep het . vnd vil liebir denn sele vnd lip . ein ander
haben . wan er scltiet die minne dvreh vnseren willen . sinis kvniclichen libis vnd »inir edclen
seien . vn liez Z. 16. ft. vnscr sch. vnd vnser svnde S. 20. do] daz S. 24. von
grvnde vf Z.
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75. Von drier hand rninne. 319
er liez och dar umbe sin hertze uf tün daz wir ez offen fundint swenn wir
kämiut, und daz och wir im unser hertz uf tätint und im ofnetint unser
schulde in der bihte. dar umb goz er den brunnen [192*] uss sim hertzen
daz wir sAliint daz sin minne gantz und luter waz und an allen valsch.
und liset man doch daz unsrem herren der tot wirs tet denn ie dekaim 5
mentschen, und von der angst so er zii dem tod hatt, do switzt er blutigen
swaiz, und liez er doch dar umb nit, er wölti den tot willeklich liden; won
er hatte alz groz girde den tot ze lidenn durch den sünder, daz er sprach:
‘owe, wer hilfet mir daz ich den bittern tot durch den sünder erlide!’ und
in der selben minne schied sin hailgü sei von sim libe. io
Nu hant wir gehöret wie grozlich unser herre uns geminnet hat, nu
minnent och wir in wider me denn vatter und müter, me denn alle die
fründe die wir uff ertrich hant, me denn ünz selben, und ogent daz mit den
weichen die zü der minne hörent, da mit man die be wäret, alz och er sin
minne engegen uns bew&ret hat. 15
176.] Von dem ewangello.
fPharisei eonsilium inierunt, ut caperent eum in sermone.]
[193*] Die pharvsei fragetent ünsern herren hie vor aiuer frage und
woltent in vahen an den Worten, won hie vor in der alten e do waz daz
römsch rieh haidensch und waz alz gewaltig daz ain ieglicher meutsch zem 20
jare ain pfenning ze zinse dar müste geben, nu waz ain krieg under den
juden, daz sü sprachent ob nnsers herren kiud zinsen soltint dez tüfels kint,
1. vnd o'ch dar umbe liez er s. h. Z. 3. iu] mit Z. vz von sirne Z. 5. und fehlt S.
man liset doch S. 6. so) die ZS. dom] siino Z. 9. Owe seligir mensche Z. 10. in
fehlt A. hailgü fehlt S. bei libe endigt Z mit den hierher gehörenden Predigten und geht zu
anderen Stücken über, W dagegen hat ah Schl ult nach libe: Nu pitten wir deu hochen got von
himelreich daz er vns rüch ze geben daz wir von dirre weit nimm' gcschaiden werden . wir haben
V dient die himelmchen gnade vnd sein gfttlcieh angesicht . des helf vns dor vat' vnd der sun vnd
der heylig geist . amen. 12. und mäter — 15 hat] oder mvoter . wir svnt in oveh me minnen
danne alles daz gvot daz vifen ertricho Ist . wir svnt in oveh mo minnen denne die frvnt die wir
vf ertriche hant . wir svn in oveh me minnen denne vns selben vnn svnt im daz ovgen mit den
werken die zvo der minne hoorent da mitte man die minne bewerot alz oveh er sine minne en-
gegen vns beweret hat . wir svn vnserme herren glich Bin an einvaltekcit . alles daz vnser herre
ie gcschvof oder ie getet, daz tet er alles in zwei wis . im selben ze crcu vnn den menschen ze
nvtze . alz svn oveh wir alle vnser werc tvon vnserme herren ze lobe vnn vns selben vnn andern
Ivten ze nvtze . sin wir nv vnserme herren alsus gelich so werden wir im oveh glich in bimcirich
van rchte alz vil wir hie gut minnent vnde erkennent alz vil werden wir in dort in himelricke
minnende vnn erkennende mensche . got hat daz sine getvn nv tvo dv daz dine so wirst dv
eweclie behalten in der vroiden zvo himelricho S. 17. Der lat. Text fehlt A; vielleicht trug die
Predigt auch den Text: Cttius est imago hoc et supcrecriptio ? oder: Die nobis, licet ccnsum dare
Caesari ?
16. Da» Stück samt dm folgenden findet sich allein in A. 17. Matt. 22, 15.
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76. Von dem cwangclio.
und fragtent in dez. do antwurt er in und sprach: 'lät mich den phenniug
sehen!’ do si in im gebrahtent., do sprach er: ‘wez ist diz bilde und disü
sclirift?’ do sprachent si: ‘ez ist dez kaisers von Rome’, do sprach unser
herre: ‘ist daz bilde sin, so ist och der pfenning sin. da von gent dem
5 kayser daz ir im sont, und gebent Gotte daz ir och im sont’.
Xu sont ir wissen daz dis allez beznic/ienlich ist. ‘pharysei’ daz
spri/19-?ychet ‘die getailten’. daz sint die die der wort und der werche
getaillent sint, die ains sprechent mit dem munde und ain anders in dem
hertzen hant. nu koment diz etwenne zu gaischlichem lebenn und went die
io guten vahen au iren Worten, so sont si tim alz unser herre tet, und sont
sich hüten an iren Worten und an allen iren sitten, daz iemau von inen iht
gebösret werde, won dez sint si ünserm herren schuldig, wir sint im allü
baidü gaisclilich und weltlich schuldig daz wir in miunent, fürhtint und
ereilt; daz sont wir im gelten, wir sont och der weit geben daz wir ir
15 schuldig sint, daz ist daz wir si fliehint, won si böz und unraine ist. doch
mag ain ieglich mentsche sich dem andern geliehen so verre als ez an sünde
mag, und anders nit. also liset man von sant Dominico: der gelichet sich
guten luten: so er bi in waz, so gieng er barfüz als och sü; so er bi
andren luten [193‘J waz, so hielt er sich aber dar nach; so er bi kätzern
20 waz, so hielt er sich aber dar nach alz er si aller maist moht gebessren.
dis tet och sant Paulus. der glichet sich och aim ieglichen raentschen an
sim lebenn, alz er selb schribet.
Nu sont ir merken daz wort daz unser herre sprach: 'wez ist diz bilde
und disü Schrift?’ hie bi ist bezaichent ains ieglichen mentschen sele. dü
25 hat drü bilde, dü eilt ze hymelrich komen sol. und alz balde so si von dem
übe schaidet und für Got wirt braht, so sprächet er: ‘wez ist diz bilde und
disü schrift? dez ez si, dem gent och die sele!’ hat si denne Gottez bilde,
so wirt si im och geantwürtet; hett si aber dez tüvelz bilde, so wirt si och
dem tüfel geantwürtet.
so Daz erst bilde der sele ist jümerlich. bi dem ist gesehriben: 'filius ire\
daz sprichet: ‘dis ist dez tüvelz kint’. daz ist ain jümerlich bilde. daz
habent wir [193‘J alle e daz wir getöffet werdent. won daz sont ir wissen
für war daz wir ällü des tüvelz kint sint e daz wir getöffet werdent; und
sturbent wir ungetoffet, daz wir Got niemer gesähent, won wir warent alle
35 dez tüvelz kint von dem ersten valle Adams untz an daz zit daz ünser herre
erstarb an dem erütze: do kofte er ünz wider mit sim tode. doch sont ir
daz geloben: swer an tüf stirbet, daz der Got niemer gesiht.
Daz ander bild ist günlich und da bi stat gesehriben: ‘frater domini',
daz sprichet: ‘ünsers herren bruder’. daz wir nu linsere herren brüder sint
6. beschaidenlicli A. 16. ez) I. erz? IS. gftten] l. gaisehlichen ? 20. sieh A.
Uf. vgl. oben S. 285 Z. 6 ff. 21 f. I. Cor. 9, 22.
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76. Von dem ewangelio.
321
und. er unser bruder, daz bewert er selbe, do er von dem tod erstünt und
er den vrowen erschaine, do sprach er zu inen: 'gant und sagent minen
brüdern daz ich erstanden si\ mit den Worten mainte er die junger und
gab uns ain urkunde daz er unser bruder ist [194‘] nach siner rainnun
mentschhait. diz bilde enpfahent wir in dem töfe. und daz sont ir geloben: 5
alle die kraft die der töf hat, die hät er von dem blüt ünsers herren; won
enwäri daz blüt ünsers herren Jhesu Christi, so wäre daz wasser alz ander
wasser. da von hät der töf so grosse kraft daz er die sele rainet und
wüschet von dem bilde dez tüvelz.
Daz dritte bild ist gütlich, und daz wirt ünz geben so wir ze hymel- io
riche koment, daz ist daz wir Got gelich werdent an mentschlicher und an
gütlicher nature. hie von sprichet sant Johannes in Apocalypsi daz er sach
uf dem berge Syon ain michel her die alle dem lamb nach giengent (daz
waz unser herre), und waz den allen sin name und sins vatters name ge-
schriben an ir stirnen. dis enmag man nit anders betüten won daz wir gütte 15
werdent mit Gotte und wer/i#jydent im glich an der gothait und also
wirt uns sins vatter nam geschriben an unser Stirnen, daz uns aber sin
nam an geschriben wirt, daz ist daz wir im glich werdent an der mentsch-
hait; und die vrüde und wunne die Got hat in siner masse, die werdent och
wir habend in unser masse. 20
Swer nu Got geliche wil werden in hjinelrich, der müz im och hie glich
sin uff ertriche, won ain ieglich ding zühet sich zu sim geliehen, daz merkent
an vögeln, an tieren und an aller creature; won ez sint drü ding du an
sich ziehent.
Daz erst ist gliclii, alz ich da vor gesprochen han daz ain ieglich ding 25
sin gelichez zü im zühet. also vil wir uff ertrich Got gelich sint, also
werdent wir im och gelich in hymelriche. nu merkent wie wir im glich
sont sin. ‘daz sont wir’, sprichet Ysidorus, ‘an rainkait und an ainvaltkait.’
wir mugent nit alz rain gesin alz ünser herre, aber in ünser masse mugent
[194CJ wir wol rain sin alz er in siner masse. wir sont ime och glich sin »»
an ainvaltekait. allez daz ünser herre ie geschüf oder ie getet, daz tet er
allez in zwo wis: im selben ze eren und dem mentschen ze nutze, also sont
och wir üllü ünsrü werch tün: ünserm herren ze lobe und ünz selben und
andren luten ze nutze, sint wir nu ünserm herren alsuz gelich, so werdent
wir im och gelich in hymelriche. 85
Daz ander daz an sich zühet, daz ist hüli. daz merk also: in dem
summer so ez haiss ist und man vor ainem münster stat, so kumet ain küli
dannen us engegen dem mentschen, reht alz ain wint: also vil zühet dü hüli
dez luftes in sich, also tüt daz hol hertze, daz hol und itel ist aller sünt-
licher dinge und daz denne ünsern herren an rüfet reht von gründe uz der 40
17. sin A.
2 f. Matt. 28, 10. 12 f. Apoc. 1*. 1.
Douucbe Text« des Mittelalter*. X. 21
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322 "6. Von dem ewangelio.
demütkait. daz hertze zühet denne iinserz lierren gnade in [194"] sich alz
vil daz ez reht über flüsset
Daz dritte daz an sich zühet, daz ist minne. dü ist der nature daz si
allez daz an sich zühet daz si berüret; und allez daz si an sich zühet, daz
5 ist och ir. sit daz denne dü minne sich nit erwerren mag, si berüri ez und
ziehi ez an sich, intrüwen, so sol si ünsern herreu berüren nnd sol in an
sich ziehen, so wirt er ir, sit allez daz ir ist daz si berüret.
Nu o edlü minne, leg allen dinen fliz dar an daz Got din werde, und
so du in denne gevahest, so binde in zü der sele und hab in denne iemer
io me an ende!
HU Fon saut Stephan.
[Testls fidelis non mentitur.J
‘Der getrüw gezüg er lüget nit', sprichet her Salomon.
Dirre gezüg ist gilt sant Stephan, swer nu ain reht gezüg sol sin,
15 der müz haben drü ding an im, dü sant Stephan hatte, dar umb er wol ain
gezüg moht sin.
Daz erste ist daz man der dinge nit an im vinde dez er [195’] gezüg
wil sin; won swez ain man gezüg wil sin und ist daz selb an im, so ver-
wirfet man in. dez moht man nit getün dem guten sant Stephan; won er
2o hatte sich dez behütet daz enhain ding an im waz daz er bezüget an die
juden; won er waz alz künsch uud alz raine daz man in zü aim probst
salzte über die vrowen. man liset von im daz er bi in waz und
gab in ze essenne und bettote in und tet in vil gütez, und waz doch also
raine daz er nie bewollen wart, da vou mohte er wol der künschkait gezüg
25 sin. hie von spricht sant Paulus: ‘ich wil mich Hissen daz dü ding nieman
an mir vinde daz ich bezügen wil. tun ich daz, so mag ich wol reht
gezüg sin’.
Daz ander ist daz der gezüg stark sol sin, und sol weder dur liep noch
durch laid sprechen won die rehten warhait; won lat er sich mit dehaim
so diug überwinden, so ist er nüt rehter [195’] gezüg. hie an waz Och der
glte sant Stephan wol behüt, daz merkent wir dar an daz in weder liep
noch lait noch der bitter tot mohte dez überwinden er enseiti die warhait.
und do in die juden ietz staintent, do enwolt er doch die warhait nit ver-
swigen, und da von waz er wol ain rehter gezüg.
35 Daz dritte ist daz er sol han gesehen und gehöret daz dez er da gezüg
wil sin. und daz waz och an sant Stephan; won daz er bezüget, daz hatt
er gesehen und gehöret und wiste wol daz ez war was.
5. dz A. 6. zehi A. 12. Der lat. Text fehlt A. 14. ist ist A.
12. Pro v. 14, 5. 25 f im Antchlu/1 an 11. Cor. 12, 20 t
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77. Von sant Stephan.
323
Xu sont ir merken waz er bezöget, daz tet er drü ding.
Daz erste waz daz er die juden berrefzet und zü in sprach: ‘ir herten
adren und ir unbeschnitnü hertzen! ir sint die dem hailigen gaiste allez an
wider stant’. do er diz sprach, do waz er von den gnaden dez hailgen
gaistes also sere enzündet'und erlühtet daz er under in stiind und luhte alz 5
ain engel. nu sont ir merken von drier hand luten, die ersten wider stant
dem hailgen gaiste: [195c] daz sint die da herten hertzen sint, die nieman
mag bewegen. die andern die löschent den hailgen gaist : daz sint die
lawen lüt, die dem hailgen gaist nit helfent ze volfürenn mit gebette und mit
gutem lebenne. und so der hailig gaist daz hertze enzündet mit siner gnade, io
so laut si si an in erlöschen, die dritten die schaident den hailgen gaist von
in selben: daz sint die in enpfangen hant und an den er lang bestAtet waz,
und in von inen werfent und in uz stossent und in unwirdeklich vertribent
von siner herberg, da er rüwe und vröde solte han mit der sele, und denne
sinen Widersachen in setze« t, daz ist der tüfel. da von spricht ain hailge: 15
‘daz ist daz ding daz daz ertrich nit mag verdoln, daz daz mögeti die
vrowen ab dem stille zuket und si den stül besitzet’, noh unvertrAgenlicher
ist der den hailgen gaist usser siner herberg wirfet und den ttivel in sin
hertze setzet, diz waz daz erste daz der gut sant Stephan gezüget an den
juden, und bereftzet sü umb ir hertekait. fl9S*J 20
Daz ander daz er bezöget, daz waz önsers herren marter. dar an be-
zöget er drö ding, daz erste daz er den tot unverschult lait; won ir sont
daz wissen daz unser herre nie sönd getet, und lait doch den tot, man liset
daz: do er für gerillt gefüret wart, do sprach er zü den juden: 'vil gutez
han ich uch getan; vindent ir dehain ding an mir da mit ich diz verschnlt 25
habe?’ do stünt ain jud uf und schlug im zü dem wangen und sprach:
‘wie getorstest ünserm herren dem könig so ungezogenlich antwörten?’ do
sprach unser herre: ‘hab ich unreht gerett, daz bezöge; hab ich aber relit
geredet, war umb schiehest du mich denne?’ do sprach Pylatus: ‘ich kan
nit vinden an im dar umb ich in siille vertaillen’. do schrüwent sü alle: so
‘man sol in crötzgen!’ und alsuz laid er die marter ane schulde, daz ander
waz daz er den tot gedulteklichen lait. man liset daz von ime daz er zü
dem tode gie [196*] alz ain schAfli, daz er sinen munt in zornes wise nie
uf getet. und dar zü bat er sinen vatter für die die in da martretent.
daz dritte waz daz er den tot nutzklichen lait; won er lozte mit sim tode 35
allez mentschlich könne von dem ewigen tode. in dis dri wise bezöget sant
Stephan önsers herren tode mit sim tode. daz erst waz daz er och sinen
tot lait unverschult; won do er den juden saite daz si wider Got lebtint, do
stainetent sü in. daz ander waz daz er och sinen tot gedulteklich lait; won
15. setzet A. 19. Stephan fehlt A. 37. h. tode) I. h. tot? 38. den fehlt A.
39. er fehlt A.
2 f. Act 7, 51. 24. Joan. 18, 21. 26 f. Joan. 18, 22 f. 29 f. Joan. 18, 38 f
21 *
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324
Ti. Von sant Stephan.
do man in ietzent stainte, do viel er uff sind knü und bat für die die in
da staintent, und sprach: 'herre, vergib ez in, won sü enwissent nit waz si
tunt!’ daz drit waz daz er den tot nützlich lait. er waz im wol nütze,
won sü wurfent im sin sele in daz schöne hymelriche.
5 Daz dritte daz sant Stephan bezügte, daz waz daz er sach vier [196*]
ding, er sach den hymel offen und sach tinsern herren Jhesum Christum
st&n zü der zeswen eines vatters. dis wolte er nit verewigen, er wolte ez
offnen und sprach: ‘ich sich den hymel offen’, und mit dem worte ‘ecce’,
do mainte er drü ding. daz erste Ist alz vil gesprochen : ich sihe groz
io wunder, ich sich den hymel offen, der mänig tusent jar beschlossen waz. owe,
nu ilent balde untz daz dü porte offen si! won wirt si nu beschlossen, so
wirt si niemer me entschlossen, da von sprichet ain hailge: ‘o herre, dem
du entschlüssest, der ist iemer sülig; dem och du vor bescklüssest, der ist
iemer unsälig’. daz ander ist uud waz also vil gesprochen: sehent den
is hymel, der ist offen, und ist ir doch laider vil lützel die drin koment, und
daz ist erbürmklich. da von sprichet sant Bernhart: ‘owe, unrainü weit, du
betrügest müngen mentschen und nirnest im daz schöne hymelriche’. daz
dritte waz also gesprochen: sehent [196'] und volgent mir nach und lernent
wie ir zü dem hymelrich körnen sont. er sach och ünsern herren und üsern
»1 brüder Jhesum Christum, nu vröwe sich allez mentschliche künne und habe
züversiht, sit daz ünser brüder in dem hymelrich ist, won da sach in sant
Stephan! er sach in och stän ; und da bi merkent wir daz er üns helfen
wil von allen ünsren nöten. do diz sant Stephan gesach daz sin brüder also
stünt ime ze helfe, do wart er also vro daz er nit enahtet waz im die juden
25 tatent. er sach in och zü der zeswen sinez vatters. da bi sont ir merken
daz allem mentschlichen künne ain groz wirdekait erbotten ist, daz dü ment-
schait bi der gothait ist und sol sin eben ewig und gewaltig, und da von
sont wir güt gedinge hau, sit daz ünser brüder Jbesus Christus so gewaltig
da ze hymel ist daz er ünz och da lieplich enpliahent werde erlich zütz
30 ime und zü sim vatter in die vröde, daz er ünz dez geholfen müssi. amen.
[78.] Von (1er [196“ j sele liaftunge an Gotte.
[Innocentes et recti adheserunt mihi.]
'Die unschuldigen’, spricht der wissage, ‘und die rehten haftent an
ünsrem herren'.
35 Xu sont ir merken wer dise unschuldigen sigint. daz sint dü kint dü
ane sünde von dirre weite gescbaiden sint, und schaident alz dü die zehant
nach dem tofe sterbent. die* rehten sint aber die die da nach dem tofe in
18. 16. dv A. 26. allez A. 32. Der lat. Text fehlt A. 35. merken fehlt .4
2. Act. 7, 60. S. Act. 7, 56. S2. Ps. 24, 21.
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78. Von der sele haftunge an Gotte.
325
höbet sünde vallent und dar nach ze rüwe koment und sich mit Got ver-
sünnent. die lute haftent an ünserm herren in sechs wise.
Si haftent alz daz binlin an dem blumen. vier natur sint an dem
binlin. du erste ist: wenne ez us wil fliegen von sim haiumüt, so ladet ez
sich mit sande oder mit erde, daz ez dem winde mug widerstan; won sin 5
nature ist alz krank und alz lihte daz ez im nit mag widerstan, und hat
im unser herre die wizhait geben daz ez sich ladet mit dem sande und
also von der swäri dem winde widerstandi. also sol och [197“] der
mentsche sich laden mit der gehügde siner krankait, daz erde waz und
wider zü erde werden sol, und sol also dem winde der hohfart wider stan, w
swenne er lins an wäge, du ander natur dez binlins ist daz ez uz weit
daz beste und daz edleste und daz gröste zu aim kiitiig, und waget sineu
lip e daz ez sinen künge dehain lait laz beschehen. also sol och daz
gaischlich mentsch tun: ez sol Got zu aim künig nemen, won er ist der
hohste und der edlest der ie wart; und sol den alz krefteklich minnen i.r>
und alz liep hau daz ez den tot e liden welli e daz ez sich iemer
von im geschaide. du dritte nature dez binlins ist daz ez stiebet mit dem
angen den mentschen und geswellet in und tötet sich selben, also geschiht
och dem mentschen daz aim andern mentschen fluchat oder dehain lait
tut. da mit geswellet ez im sin herze und tötet sich selben an der sele. 20
/ 197 y won der fluch glichet sich aim schosse daz von aim armbrost gat
und für sich solte gan, und ez denne her wider keret und dem fluchen-
den durch sin sele gat. dü vierde nature dez binlins ist: swenne ez
sterben wil, der ez denn in essich würfe, so käme ez wider und gnäsi.
also sol der mentsche der ietz verzagen wil, sin hertz werfen in die 25
marter ünserz herren, so kumet ez wider, ir sont och daz wissen daz daz
binlin also genatüret ist, und fundi ez an aim blümen süssekait, den ver-
wandelte ez niemer, also wil ich dir, lieber mentsche, ainen blumen zaigen
an dem du allez an nüwe und stäte süssekait vindest, daz ist Jhesus Chris-
tus, dez lieben Gottes kint von hymelriche, als er selbe sprichet in der »>
minne büch: ‘ich bin’, sprichet er, ‘ain blume dez veldes’. durch drie sache
gelichet sich ünser herre aim velt blümen. dü erst ist, won er wachset
uff aim klainnen stämlin. und also wuchs ünser herre uff ainer kranker
materien, daz waz Ma/iS/'yria, sin rainnü müter: von der enphieng er die
kranken mentschait. dü ander ist daz dez blumen klait gar unähtig ist. 35
und also waz ünser herre gar unähtig und verworfen, als er selb sprichet:
‘ich waz ain hinwurf der lüte’. dü dritte sache ist daz der blüm schön
ist. also waz och ünser herre von mentschlicher nature der aller schönst
mentsch der ie wart, won also liset man von im: swenn sin junger müd
9. I. daz er f 27. an fehlt A.
31. Cant 2, 1; vgl. oben S. 270 Z. 25 ff. 37. Pa. 21, 7. 39 f. vgl. S. 105 Z. 28 f.
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326
7S. Von der sele haftungo an Gotto.
wurdent daz sü nit me mohtent, so er sich denne engegen in kerte nnd
in an sahent, so wurdent sü reht erkiket an Mb und an hertzen. du vierde
sache ist daz der blüme gemain ist den luten, also ist och unser herre mit
siner gnade gemain allen luten, den üblen alz den güten, den Sündern alz
5 den rehten.
Wir sont och an unsrem herren haften alz der her an dem lionge. dez
bereu nature ist gar unfüge und gebüresch und erkennet nit honges süssi.
man inüz in binden und (I!)?'1] mit listen von dem lionge ziehen; swenne er
dez hongez versüchet, so lat er sich ze tode e schlahen e daz er da von
io schaide. bi dem beren ist bezaichent der sünder, der ungefüg nnd gebürsch
ist an Untugenden: de« nutz man dike mit arbaiten und mit listen von den
sünden ziehen über sinen willen zu ünserz herren gnade, dü ane masse süz
ist. und swenne er ir denne versuchet wie süsse und wie minneklich si ist,
so bindet in dü minne dar zü daz er sich e tusent stunt liessi tüten e daz
15 er sich da von schiede.
Wir sont och an ünsrem herren haften alz dü fruht an dem bome. dü
fruht wachset allez an uff dem bome: und also sont och wir wachsen allez
an an tagenden untz an daz zit daz üns Got selbe ab breclii, daz ist untz
an den tot. nu ist sümlicliü fruht wurm ässig, dü vallet, abe e zit und
20 verdirbet gar. daz sint die lüte die [l!)8a] kranker nature sint und sich
den helle wurm, den tüvel, mit münger bekorung lässent nagen und im nit
widerstant: die vallent, alle in die sünde und verderben! gar an übe nnd an
sele. ir sont wissen daz ünser herre sich ainem bome glichet durch dri
Sache, dü erst ist daz er schatten git den hitzigen mentschen. daz ander
25 ist daz die vogel nahtez druf fliegent, daz si die füchse nit fressint. daz
dritte ist daz die vogel tages dar uff sitzint und singint aisuz waz und ist
ünser herre ain böme. er git schatten den mentschen in der anvehtunge und
in der hitze dirre bösen weite, da von sol der mentsch illen zü dem bome.
daz er in beschätwe, und klage im sinen kumber und sin not, so hilfet er
ao ime mit siner gnade und behütet in vor den sünden. die säligen mentschen
sont och uff disen böm fliegen mit hertzen und mit gemüte, daz sü der
t\i[198l'/\e\, der akustig fuchs, nit fresse mit sinen bösen raten : won swen
er begrifet, sprichet sant Peter, den frisset er und verderbet in an lib und
an sele. uff disem böm singent och die vögele, aber ze vordrost zwaiger
35 band vogel. daz erste ist ain lerch, dü hat die nature: swenne si singen
wil, so flöget si uf engegen der sunnen, und so si der sunnen ie näher ist.
so ir stimme ie süsser ist. also geschiht der rainnen sele. so si mit
hertzeklicher girde uf flöget engegen dem lebenden sunnen der hohen gntbait.
1. im .4. 7. gebv reell A. 8. von] 7. ze (Iioethe). 11. de A.
3 /'. vgl. oben S. 104 Z. 28 ff. und S. 270 Z. 7 ff. G f. vgl. Bihlmeytr, Heinrich Sense S. 427 Z.1S.
33. 1. Petr. 5, 8. 35 f. vgl. oben S. 24 Z. 25 ff.
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7S. Von der selo liaftungc au Gotte.
327
so singet si zwen sänge, der erst ist also: ‘o minneklicher Got, wenne sol
daz zit komen daz ich dich geselle?' der ander sang ist also: ‘o herre, mich
dürstet nach dir alz den hirtzen nach dem külen brunnen’. da von spricht
sant Augustinus: ‘o herre min Got und miner sele leben, miner sei süssekait,
o herre schöner und süsser, wenne wilt du zü mir komen, daz dich min sele 5
umbvahe und ich dich min süssen [198c] Got in min sele druke, owe,
minneklichez liep, und ich niemer von dir geschaiden werde?’ der ander
vogel ist ain nahtgal. bi der ist bezaichent dü groz minne die dü rainnü
sele zü Gotte hat der vogel singet och zwen sänge, der erste sang ist
also: 'o herre, bezette mich mit blümen und bestek mich mit öpfeln, won io
ich serwe nach diner minne'. der ander sang sprichet: 'o userweltü schon-
hait, wie lian ich dich so spate geminnet!’ und da von sprichet sant Ans-
helm: 'o ewigü minne, dü alles an brinnet und niemer erlöschet ich erkande
dich ze spate, ich nutz erkennen dich und gedenken an dich und müz
minnen dich, won du gehaissest vil gutes den die dich minnent. und gib 15
mir nüt wan dich allaine, dez benüget mich’.
Wir sont och an ünsrem herren haften alz daz klait an dem mcntschen
daz klait füget sich zü dem libe und umbvahet den lip. [198*] also sont
och wir ünz zü Gotte fügen und sont in umbvahen mit kreftiger tilgend, also
daz er niemer mug entwichen. 20
Wir sont och an ünserm herren haften alz die Sternen an dem liymel.
die Sternen stant an dem hymel und verwandlent ir stat niemer durch deliaiu
gwitter. also sont och wir an Got haften tag und naht, daz ist in franst-
mütkait und in widerwärtkait: swie ünz ünser ding joch gange, so sont wir
üns niemer von im geschaiden. 25
Wir sont och an ünserm herren haften alz der adamas an dem isen.
daz isen ist starker nature, und swaz man stark und vest wil machen, daz
machet man von isen. da bi ist bezaichent ünser herre, der under allen
dingen der sterkest ist. und an dem sont wir haften reht alz ain ademas
mit starker und vester girde, won wir mugent nit gütez än in getün; und so
waz [199 ”/ gütez bescheken sol, daz müz allaine an im und in im und von
im geschehen in dem alles güt beschlossen ist, won er ist allaine daz obrost
gut. und da von sprichet sant Jacob: 'allez daz wir gütez hant, daz kumet
allez von Gotte’, sit nu daz war ist daz allez güt aiue von Gotte kunt, so
liaftent an im durch ünsern nutz, won ez ist ünz gut! 85
6. druken A. 17. de A.
1 f. Pa. 41, 3. 2 f. Pa. 41. 2. 7 f. vgl. oben S. 24 Z. lf. und S. 267 Z. 3 f.
10. Cant. 2,5. 11 f. im Anschluß an einen Attsspruch des hl. Augustin. 33 f. Jac. 1, 17.
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"9. Von unser vrowen.
[19.] Yon unser vrowen.
[Judaeis nova lux oriri visa est, gaudium, honor et tripudiumj
Man liset in ainem büche, haisset Hester, von aim herren, hiez Mardocheus,
der waz vil wol in Gottez willen und liez in unser herre sehen künftigü
5 ding, do sprach er disü wort: ‘mich duhte daz ich sä hi uf gan ain nüwez
lieht und ain vröde und ain ere’.
Disü wort mugent wir verstau von dem geburtlichen tag unser vrowen,
won si waz daz nüw lieht, durch dri Sachen haisset si wol ain nüwez lieht.
Dü erst ist daz si dü erst maget waz dü iren künsclilichen blümen Gotte
io opfert und daz [199*] sont ir wissen daz ez in den ziten ain hart uner-
kant ding waz ain maget. won in der alten e waz gebotten, swa man
dehain vrowen fundi die nit gebüre, daz man die verstaineti. und swie wol
si daz wiste, do waz ir doch der mägtlich blüme alz liep daz si Got geliiez
ir künschi ze behaltenne untz an ir ende, da von schribet sant Lucas: ‘do
15 der engel zü ir kam und si grützte und ir die botschaft brahte daz si ain
kint solt geberen, do erschrak si und sprach: ‘quomodo fiet istud?’” reht alz
ob si Sprüche: ‘nu sag mir, lieber jungling, wie sol daz geschehen? du
hast mir geseit daz ich ain kint sülle geberen, nu wiste ich gerne wie daz
geschehen solti, won ich erkenne nit mannez. so hau ich gelopt minen mügt-
2« liehen blümen Gotte ze behaltenne. sol ich nu ain kint geberen, also daz
mir der magtüm nit werde verwert, so bin ich berait und naige mich
zü der gehorsami, so geschehe mir nah dinen Worten’, hie so gie uf daz
[199‘] nüw lieht dez magtnmez, won si waz ain anvang der künschi und
ain bilder und ain Spiegel dez magtumes.
25 Dü ander Sache ist daz si ain nüw lieht haisset dur ir wunderlichen
berhafti; won ir geschach daz vor noch sit nie geschach noch niemer geschiht,
daz ain maget ain kint gebar, da von so sprach der wissag Jeremyas wol
vor tusent jaren: ‘es sol ain nüw ding geschehen, ain maget sol umbvahen
ainen man’.
so Daz dritte ist daz si wol ain nüwez lieht haisset von dem mAnig-
valtigen lone und der grossen schonhait so si hat enpfangen; won ir mohte
nie hailig gelich werden an schöni noch an wirdekait. da von hatte her
Salomon lange da vor gesprochen: ‘wer ist dü wunderlich schönü vrowe der
an schöni nieman gelich ist? si ist reht alz der volle mäne und userwelt
35 alz dü sunne’. nu möhtint ir sprechen: ‘ist si nit schöner denne der man
und [199*] dü sunne ? so ist si bor schön : moht er si nit höher geloben ?
joch ist ain sele sibenvalt schöner denne dü sunne: sol si denne nit schöner
2. Der lat. Text fehlt A.
2. Eit. 8, 16.
28 f. Jer. 31, 22.
9 f. vgl. S. 82 Z. 3 ff. 14 f. Luc. 1, 34. 25 f. vgl. S. 82 Z. 9f.
33 f Cant 6, 9. 37. vgl. oben S. 309 Z. 16.
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79. Von ünser vrowen.
329
sin?’ nu merkent ain beschaidenhait: swenne die wissagen und die grozsen
herren, alz her Salomon, die so groz wishait hattent, so die zu ünz ain-
valtigen luten retdent, do flissent sü sich der beschaidenhait daz si ir rede
also mässent daz wir si verstündint; won hettint si von hohen dingen nach
ir wizhait tüf gerett, so hetti si nieman verstanden. und dar umb gelichet 5
er unser vrowen der sunnen, won uns enkain creatur ist erkant so schön so
du sunne. dar an gab er ünz ze verstünne: reht alz dü sunne schöner ist
denne Al lü creatur, alz ist unser vrowe schöner denne allez daz in hymelrich
ist, an Got allaine. si ist ain Spiegel und ain gezierde allez hymelschen in-
gesindes und ist erhöhet und [200‘] erhaben über alle die chöre der engel. io
man liset von ir daz sich die engel ze hymelriche wundertent ob ir wunder-
lichen schöni und von irem sunderlichen gewalt und sprachent: 'wer ist disü
wunderlichü schonü vrowe, die so gewalteklich hie uf vert?’
Nu sont ir fürbaz merken daz er sach ain vröde uf gan allen mentschen.
durch dri sache ist si ünz ain vröde. 15
Dü erste ist daz si ain end ist der Sünden und dez ewigen todez. nu
merkent wie: do ünser herre den ersten mentschen geschüf, do satzte er in
in daz paradys. dez benügt in nit und wart Gotte ungehorsam und wolte
im gelich werden, und alz zehant waz allez mentschlich künne versetzet
dem tüvel. und schraib ünser herre ain urtaile und sprach daz er niemer 20
wolte mit dem mentschen sich versünnen e daz er funde ain alz demütigen
und alz gehorsa/i?Oöymen mentschen, alz hohfertig und ungehorsam daz erst
waz. und nach der urtaile so moht nie mentsch so wol getiin noh so wol
geleben daz ez ze hymelriche komen mökte, untz an die stunde daz Got .
mentsch wart, do hatte daz urtail ain ende. 25
Dü ander sache dar umb si ain vröde ist allem mentschlichen künne, daz
ist daz si ain sünerin und ain mitlerin ist entzwüschent Gotte und dem
mentschen. und daz ist üns armen sündern ain trost daz si ünsrü sünerin
ist und wil sin. als dü rüte entzwüschent der wurtzen und der fruht stat,
alz stät si alweg entzwüschent Gotte und üns und bittet für ünz. 30
Dü dritte sache ist war umbe si ain vröde ist, daz ist daz si sölicken
gewalt ze hymelriche hat: für swen si bittet, daz daz unmuglich ist, si werde
erhöret, und liant wir des urkünde an mAngem grossen sünder der von ir
schulden behalten wart, und dar umb sont si all [200 ‘J sünder eren gerne.
Nu merkent fürbaz daz er spricht: ‘er sAhe uf gan ain nüwe ere*. nu 35
sint drie sunderlich ere die si hat vor allen mentschen.
Daz erst ist daz si ünsers herren also gewaltig ist daz si wil swaz Got
wil, und Got wil swaz si wil. swaz si wil, daz müz Got tün; won er en-
t. groz, aen .4. 21. dS .1. 24. ze fehlt 4.
10. vgl. oben S. 78 Z. 6. 12 f. aut dem Brevier an Maria Himmelfahrt : Quac cst ista, quae
ascendit sicut aurora consurgens . . . terribilis ut castrorum acics ordinata ?
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330
SO. Von dra mentschen wol gerallung.
mag ir enhain ding verzihen swenne er ir brust an siht, die er da sög. nu
merkent wie gar zimlich daz wäre daz ir kint ir ihtez iht verzige, daz si
so dike lieplich gedruket hat an ir hertze und daz si tusent stunt geküsset
hat: daz wäri hart unherlich daz si daz kint enterti.
5 Dü ander ere ist daz si und Got ain kint gemain hant. daz geschach
noch geschiht niemer me. daz waz wol du obrost ere du ie wart, daz sich
Got zü ir also hainlichet.
Dü dritte ere ist daz ir stül erhöhet ist und erhaben über alle ment-
sclien und über alle engel und ist gesetzet nebent Got. und alsuz ist si
10 gezieret.
Nu [200*] sont och wir si eren und loben und bitten daz si ünsern
herren für linz bitte.
[80.1 Von dez mentschen wol gevalluug.
Drü ding machent den mentschen Got wol gevallende und och den lüten.
15 Daz erst, ist gilt werch. da von sprichet ünser herre in dem ewangelio:
‘üwrü werch sont allen lüten offen sin, dar umbe daz si üwern vatter von
hymelrich lobent und och si da von gebessert werdent'.
Daz ander ist trüwe. daz ist also daz wir getrülichen behaltint swaz
er linz hat bevolhen. daz ist der edel schätz den er mit sines hertzen blüt
20 gekoffet hat den schätz sont wir alz getrülich behalten daz wir in wider
antwürtent schöne und ane fleken dem der in so türe gekoffet hat. ‘o sälger
meutsch', sprichet ünser herre durch dez wissagen munt, ‘dunke dich daz ich
dich gnü türe habe koflet und daz du mich gnü bitterlich sigist [201*] an
körnen, so minne mich! dunke dich dez nit, so scbaide von mir!’ nu
25 sprichet sant Augustinus: ‘sit ich ainest so tür koffet bin mit so edlem
schätze, so enwil min sele ich niemer me verkoffen’.
Daz dritte ist beschaidenhait der weiche, nu merke wie ünser herre
sprichet: ‘ir sont wise sin alz der schlänge’. sinnlich schlangen sint der
nature, so si wellent trinken, so laut si e die unrainkait von in und trinkent
90 denne dez brunnen. also sol der mentseh tun der die gnade ünsers lierren
wil enpfahen: der sol zem ersten die sünde us dem hertzen werfen und sol
denne zü dem lebenden brunnen gan und sol da gnade, vröde und sülde
enphahen. da von sprichet sant Ambrosius: ‘o herre, min Got, min süssekait.
züch mich zü dir dem lebenden brunnen, daz min sele von dim süssen hertzen
35 getrinke, won dez gelüst mich!’
2 f. unzimlich ?
8 f. vgl. S. 80 Z. 36 f. 13. Die Predigt hatte vielleieht zum Vorsprueh Eph. 5, 8f.: l"t filii
lucis ambulate, probantea quid sit beneplacitum Deo. 16 f. Matt. 5, 16. 28. Matt. 10, 16.
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SI. Von dem weg 2Ü der waren rninne.
331
[81. j Von dem weg zu der waren mlnne.
[20V] Dü wäre minne und dü liebe die ich zu Gotte habe, twinget
mich ze schriben welez si der beste und der gewissest weg zü der wunnek-
lichen erkantnust dez schönen Gottez; won da kumet. sölich nutz von daz ain
rainnü sei uflf ertrich gewinnet die hymcluche v rode du aller weit vröde über 5
wiget alz daz mer ainen tropfen Wassers, swer nu welle in disem libe
bekoren der vröde die da ist in hymelriche, der kere siDen sin und gemüte
nff den wege frumeklich und enwenke dur sur noch dur süsse dar ab niemer,
so wirt er von laide erlöset und von trurkait getröstet, ez dunket mich
aber nit ain klainnü tumpliait daz sich der nit verzihet weltlicher vröden der tu
weder ensol noch getar noch enmag han, und doch an vröde ist, so daz ain
mentsche von nature ane vröde und ane liebi nit mag sin. ez enist och
nit ain klainü tumpliait daz ain mentsche grosse [20V] arbait. unvervank-
liclien lidet so ez mit minre arbait sich baz gefürdren möhti, und ez lengern
weg suchet so er dur kranken lip und durch kurtze zit kürzeren weg er- 15
wellen sölti. ez ist och dü obrost tumpliait die ich waiz, daz der mentsch
sich so unberait waiz engegen der stunde dez todes und doch dar zü so
unernschlich gebäret, disü unwizhait kunt sillü von der unerkantnüst sin
selbez. da von kumet sumkait, trakait, urdrutze und verlassenhait und aller
maist dü verfluchet hohfart. da von rat ich, swer sich hie mit wissent 20
bekümbert, daz er dirre lere, der ich nu beginnen wil, war neme; won da
von kumet dü sele zü der erkantnust dez süssen Gottes, so vil si in disem
libe wesend erkennen mag. swer nu rehte erkantnust gewinnen welli, da
von ime wunne und vröde waelisi, der tüge alz hie nach geschähen stände.
Zem eilten bedenke und betrahte sin vervar [20V]nea leben, wie uppek- 25
liehe und wie unnutzkliche und wie süntlich er daz vertan habe, dar nach
5. die hymclschc vrfide fehlt A , ergänzt ron lioethe, 10. aber — kt.] ein groze S. daz!
der S. der n. v.) verzigen hat S. 10 f. der weder] der er w. ? der weder — han) noch on-
wil noeli ensol si han noeli enraae si han noch engetar si han S. 11. bo d. ain) wan der S.
11 f. mir nicht ganz verständlich. 12. niht lange m. S. 12 f. enist — kl.] ist ouch ein minre S.
13. ain m.] der m. S. 15/'. so — waiz] durh disen krancheit lip von durh dis kranko
kurze zit so er im k. w. orwelen sol . dv dritc tvmplicit vnn die meiste denket mich S. 1". so
( vor unb.) fehlt S. der — 20 hohfart] der vngewissen stvndcn todes vnn fßr eines dvrftic weis
vnn scliuldic vor goto weis vnn vor sime angesiht ran cs doch darzvo so vnemestlich gebäret
etswenne went er sich niht ergemn gebezzort er sich niht daz ist niht wan ze glicher wis alz daz
schif in deme fliezenden wazzere ze tal gat der es niht vf cntschaltct alz geboesirt sich in geis-
lichcm lebenne swer sich niht enbezzert dise vnwisheit kennet alle von versumekait von vnruochc
von trachcit von vrdrvz von verlazenbeit vnn aller meist von der vortampten hochvart von der
der geweren minnen für verloeschet gar davon mac man ervorliten daz vnser horTe spr. in S. Jo-
hannes tongeni dv bist weder kalt noch warm vnn wan dv lewi bist da von spige ich dich vzer
minen mvndc S. 20. I. wisse ? (Boethe).
1. Heben dem Teert des Traktates bemerkt eine neuere Hand: a]us] dem latein ? 9. ez —
20 hohfart steht auch iit S Bl. 94 mit der Überschrift Vppig vroede als letztes Stuck der Hand-
schrift. Die Lesarten sind hier angegeben; der Text ist teilweise fehlerhaft überliefert. 25. vgl.
S. 130 Z. 4f.; S. 188 Z. 35 f.
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332
81. Von dem weg zft der waren minue.
betrahte Gottes rehtekait, dü nit allaine ain übel wercli oder ain übel rede,
sunder och üppig gedenke endlich und strenklich rillten wil. dar nach be-
trahte waz ungemachez und laidez uud wisse er umb sine sünde liden muz,
wie unverträglich die sint, wie grülich und wie lang die weren sont. diz
5 birt an im demütekait, dü ain muter ist aller tugend; da von wachset denne
Gottez vorhte, dü ist ain angenge aller sälikait. dar nach betrahte wie sin
sele mit Sünden über laden ist und mit dem tätlichen übe beswüret ist und
daz si mit irdescheu dingen bekümbert ist uud wie si mitte flaischlicher
girde verunraint ist, wie blint, wie krumbe und wie krank si ist, wie si
nt mit mängem iertiim verierret ist, wie si mit tusent nöten [202m] angeschäftig
ist, wie si mit tusent schulden verschult ist, wie berrait si zü Untugenden ist.
dar nach gedenk wie gar kurtz daz leben ist und wie häl der weg ist und
wie ungewiss dü stunde dez todes si. dar nach gedenk wie er w'ainend zu
disem leben ist körnen und mit laide und mit sere daz leben verlieren müz.
is dar nach gedenk wie mit mänger sorkait gemischlet si ob iht süssez und
vrölichez in disem leben ünz an lachet, gedenk und betrahte wie argwänig,
wie unstät und wie zerganklieh allez daz ist daz dirre weit vröde und liebi
birt. dar nach gedenk waz er übelz von angeng sines lebens hab getau
und waz er übelz hab erlitten, und setze für sinü ogen alle die tage die er
20 gelebt habe und ietz hab, und merke wie mänig unnütz arbait er erlitten
habe, won also wirt er erkennent sins lebens jamerkait. dar / 202 *] nach
gedenk denne an die hjmelschen süzkait uud wunne und ahte und betrahte
waz er dar au verlorn habe und waz er hie funden habe. dar nach
gedenke an Gottez erbärmde, wie dik er im von mängen nöten geholfen
25 habe: so er sin vergaz, so mante er in daz er an in gedähti; so er sich
von im kerte, so winket er im wider; so er kam, so enpfieng er in und
vergab im sin sünde; so er viel, so rihte er in wider uf; so er stiind, so
hüb er in; so er stäte blaib, so hüt er sin. böse gelüst erfurbt er im, nach
dem laide trost er in.
so Diz sol es allez bedenken und betrahten in sim hertzen, daz im daz
Got allez getan hat und tut, won da von wirt er in denne minnende.
Dar nach sol er gedenken und betrahten in sim hertzen waz billich ald
unbillich si, waz zimlich ald uuzimlich si an allen sinen werchen, in allen
Stetten, ze allen ziten und wider ieglich mentsche. an allen werchen [202‘J
35 sprich ich, daz ist ze verstänne also daz er sich an Gottes dienste arbaite
vorhtsam, andähtig und gaischlich. dar nach arbaite sich sim eben mentschen
gewilligen, vrölichen und beraiten. da nach arbait sich im selben kranken
und mässigen und niemann ungestüme.
Der diz allez tüt, der hat die rehten erkantnust Gottez und sin selbez
40 und aller dinge.
3. er fehlt A. 15. gedek .4. 19. er fehlt A.
6. Ecdi. 1, 16; P>. 110, 10. 33 f. vgl S. 333 Z. 6f.
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82. Von dcz gaisclilichcn mentschcn ordnnngo.
333
[82.] Von (lez galsch/ichen mentschcn ordnunge.
Der gaischlich mentsche der sol an allem sim leben wol geordnet sin.
Er sol zem ersten sin aigen willen lassen und ainz andern willen under-
tänig sin. er sol och ahten wie er Sülle sin gnade üben und wie er sülle sin
an siner gnade: stAnde, sitzent, ligend, redend, swigend, essend, vastend, 5
trinkend, arbaitend und müssig sinde. er sol och war nemen wie er wider
ieglich mentsche, an ieglicher statt, ze ieglicher zit gebaren sülli. er sol och
sehen daz er [202d] unbüzwirdig si an gewande, an sitten, an rede und an
gebArden. er sol och minnen die besser sint denne er, und eren die höher
sint denn er. er sol och weltlich lüt und der leben büzwirdig ist, schuhen io
und sin wonung han mit sinen geliehen andAhtigen und duruAhtigen und die
gütez lebens sint. er sol och frid und ebewhellung halten mit allen den bi den
er wonet, also daz du wäre rainne niemer von sinen wegen betrübet werde,
er sol och sin lait und sin beswärde mit senftem gemüte tragen, nit gerne
kriegen und vertraglich sin, sunder er sol alwegent dem krieg entwichen. 15
er sol och den arbaitenden ze helf komen und selb gern arbaiten oder iemer
etwaz gütez tfin, daz in der tüvel iht müssig vinde. er sol die trurigen
allez an trösten, dem ratlosen raten und die unwisen leren. er sol sich
arbaiten allen luten ze dienste gewilligen, &mkhk[203“]rz\\, senften, demütigen,
erbarmhertzigen und güten, nüt allaine die im wol tunt, sunder och sinen 20
viginden, die im übel tunt, er sol vergeben lihte, kum zürnen und nüt
rilicli sin; aim ieglichen tü alz im selben; die frünt minnen in Gotte, die
vigint durch Got, Got dur sich selben, er sol och sinen lip mit discipline,
mit vastenn, mit wachenne, mit venienn, mit bettenne und mit andren güten
dingen kestigen und nit ze zart haben, daz er nit werde ze gaile. er sol 25
gerne inne sin, nit uz wendig, nit vil geklaffen, nit märe sagen, gerne in
kilchen sin, gern betten, gerne bihten und dike sin sünde flisseklich wainen.
er sol sich usserz geschAftes enziehen und nach eren und nach gewalt nit
stan; sich selben nit überhaben und für den bösten und den swechsten sich
ahten. er sol sich och an allen dingen zühteklichen (203''] halten, ze »>
vordrost an vier dingen: an gewande, an gebärden, an red und an werchen.
an gewande daz ez nit züre si und nit ze schinber noch ze seltzens snittez
si, und daz ez zimlich und gaischlich si geschaffen, und daz ez nit ze wit
noch zenge noch anders weltlich si. an den gebArden daz ez nit si ze wAh
noch ze verlassen, noch ze träge noch ze gäbe, noch ze frävel noch ze swär- S5
mütig. an der rede daz er nüt ze vil noch ze lützel gerede. an den
1. gaischiehen A. 12. ebhellvg A. 15. de A. 19. danbS/ren A. 22. I. richlicb
' rachsüchtig’ ? (Roethe). 30. nach sol i»t ein ziceites sol rot durchstrichen A. 32. I. ze tfire?
iRoethe).
1. Der Traktat De religiosae vitne institntionc erinnert in vielem an David v. Augsburgs
Traktat: De compositionc hominis exterioris et interioris (ed. Quarrachi 1899).
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334
S2. Von des gaischfiehen mentschen ordnunge.
werchen daz er nit dar an ze sumig noch ze urdrutzig si und mit ze vil
noh ze lützel gewerche.
An allen disen dingen sol sich der gaischlich mentsche flisseklich hüten:
zem ersten an sinen gebärden, also daz ain ieglich gelid mit der wise und
5 mit der mässe tftge daz ez tün sol, weder minder noch me noch auders
denne ez sol sin, und also daz ez niemer an dehaim taile die mäz Über-
gänge. daz main ich alsuz: lachen ane zen embleken; sehen än ogen [203‘J
steken; reden än hende streken und än vinger zaigen und ane höbet
wegen; gan ane swänkelieren und arm swenken; sitzen än knü Überwerfen
10 und än siten lainnen. in allen dingen sollt dez mentschen gebärde sin ge-
vellig: daz ist stilli än fulkait, vrölich än verlassenhait, swäre ane trakait,
ernsthaft ane ungemach, strenge än fravelli. an der rede sol man behalten
fünf ding, daz ist: waz man reden sülli und mit wem und wenne und wa
und wie. waz man reden sülli: nit won daz nutzbar und erber si. mit
15 wem man reden sülli: daz sol man mit den von den nutz komen mugi.
wenne man reden sülli: daz sol man denne so ez notdürftig ist. wa man
reden sülli: daz sol man tün nuruent an den Stetten da ez erlobet ist, und
swigen da ez verbotten ist. gaischlicher mentsche, du solt swigen da ain
andre redet, daz ez von diner underrede nit geierret oder beswäret werde.
20 [203 7 du solt och etwenn swigen daz du ze vil rede mugest miden. du
solt och etwenn swigen dar umbe won du dich nit vor bedaht hast waz
du reden wellist. wie man reden sülli: daz ist mit weler gebärde, mit weler
stimme, mit weler betwunge. so man redet, so sont die gebärde mässig sin,
daz man nit unordenlich noch unkünschlich noch ungezogenlich noch zornlich
25 gebäre, man sol och senfte stimme han so man redet: daz ist schöne ane
rüffenn und än brähtenn, wär reden än liegen.
Man sol beschaidenhait walten an allen dingen; won beschaidenhait
ist ain tugend dü den inren mentschen rihtet. beschaidenhait pfliget rehter
müsse, si tut weder ze vil noch ze lützel. beschaidenhait ist ain vestn
so maistrin allez willen, aller girde, aller tugend. swelü tugend ir ratez
nit envolget, dü verlöret [204“ ] schier ir namen. da si ze gegen ist,
da getar enhain tugend über ir kraft nüt getüu oder von sumkait üt ver-
swigen. beschaidenhait sol ieklich untugent werren und vertriben. der be-
schaidenhait amaht ist rüge, und hütet aller girde zuht und geschäfde allez
35 willen, beschaidenhait sol wissen und war nemen wie vil täglich daz inner
mentsche sich bessre oder ergre, wele gedenke ez me an kere und von welen
girden ez diker bekümbert werde, und sol sehen wie ez si an den Sitten und
an dem willen, wie ungelich und wie gelich ez Gotte si, wie verre und wie
nahe ez im si. beschaidenhait sol wol erkennen nit allain die Untugend dez
to hertzen, sunder och die unkraft dez libez; und alz ir ieglichs bedarf trost,
5. dz .4 , I. alz ? (BnetheJ. 13. und wa fehlt A. 15. mau mit fehlt A. 23. bet »nee .4.
33. BeechaiodShait A. 34. amaht — « ambaht.
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S2. Von (los guiscbfiehen mentschen ordnnngc.
335
rat und helfe, daz sol si im zu fügen, beschaidenhait sol och wissen und
betrahten die gnade und die gäbe Gottez und der [204*1 tilgend wirdekait,
und schaiden ivelü tilgend si von nature oder von gnade, beschaidenhait sol
wissen mit weler bekorunge der böz gaist daz inner mentsche an vehti und
wie münger gaischlicher vröde der bailig gaist ez da wider tröstet, und daz 5
icli ez allez ze samen vahe, so sol disü tugend daz inner und daz usser
mentsche alle haben und wissen, so vil es muglich ist, volleklich erkennen,
hie mit wirt daz mentsche sich selben erkennend und kumet da von zii
Gottez erkantnust.
Won nu der beschaidenhait werch ist betrahtung, da von nim war waz in
du betrahten süllest.
Din Sitten solt du aller maist betrahten, und drü ding solt du dar an
merken: daz ist girde, gedenke und dü werch. an der girde merke daz
si reht si und mAssig. daz ist also daz du begerest des du solt geren ;
hast du liep daz du liep solt haben, daz ist reht; hastu ez anderz Iiep 15
denne du solt, daz ist unkünschkait und unreht. an den gedenken betrahte
daz si [204‘] rain sigint und ordenlich: rain sprich ich, daz si von bösen
girden iht koment noch böz begerung von im iht kome; ordenlich, daz si
nument von Gotte sigint und von dem daz Got an höret, an den werchen
betrahte daz sü in gutem sinne werdent fürbraht. guter sin ist der ain- 20
valtig ist. ain ander wis solt du din Sitten betrahten, daz ist an dem inren
mentschen und an dem usseren mentschen. du solt ahten an dem ussern
mentschen waz wol gezämi und gut bilde gebe dim eben mentschen; und
sich och waz dir dar zü wol kome, da von du Ion von Gotte wellest
enpfahen. merke och an dem inren mentschen ob du ain raines hertze 25
habest; daz ist also daz du dich nit schuldig wissest dehaines üblen dinges.
ain ander wis mäht du betrahten din sitten, daz du allez die bewegung dü
din hertze an kumet, merkest, wannan die koment und war si wellent. die
du denne gut vindest, die sint von Gotte; dar umbe [204d] lob in! die du
übel vindest , die sint von dem vigint oder von dem flaische; den baiden so
wider sta! ain ander wis solt du betrahten din sitten, daz du zem ersten
schaidest daz gut von dem übelen, dar nach daz besser von dem güten, dar
nach so verriht ieglich gut daz ez nach sim rehten vollebraht werde, ain
ander wis solt du aber betrahten din sitten dar an daz du allez daz zem
ersten volle bringest daz du ane schulde sumen nit enmaht aine ander wis 35
mäht du aber betrahten dinen sitten, daz du ahttegist ob du dich an
tagenden und an verstandenhait und an senften sitten iht gebessert oder ge-
ergret habest; ob du gedultiger oder ungedultiger, senfter oder ungestümer,
demütiger oder hohfertiger, gewilliger oder ungewilliger, ernschthafter oder
verlasser, vortsamer oder getürstiger sigist. betrahte och, swenn du iht tun 40
wellest dar zu dich dü gehorsa/’505“7mi nit zwinget, ob ez übel oder gilt
7. ergänze und vor so? 10. der fehlt A. U. solt du A. 17. rain fehlt A.
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82. Von des gaiscb/iclien mentschen ordnungc.
si. vindest du ez gilt, so sich ob ez an der zit und an der statt und an
dem sinne gut ist; ist ez aber zwivellicb, so laz ez sin oder warte im e
dez endez. betrahte och vor ieglichem dinge daz du tün wilt, ob ez si
nütze oder unnütze, notdürftig oder unnotdürftig, zimlich oder unzimlich.
5 Disü lere machet den gaischlichen mentschen ordenlich leben, und swer
sich dar nach haltet, dez leben ist ain luter und ain rehtes leben, und
wirt besitzend nach disem leben daz ewig leben, und daz verlihe ünz der
vatter und der sun und der hailig gaist.
183] Von der volkomenhalt dez leben».
to [Estote perfecti nicut et pater vester coelestis perfectus est.]
'Ir sont vollekomen sin an üwerm lebenn1, spricht ünser herre in dem
ewangelio.
Nu lit. ällü volkomenhait an drin dingen: an gedenken, an Worten und
an werchen.
15 Zwelf ding sont wir gedenken an underlaz. zü dem ersten male sont
wir gedenken nach der [205*] drivaltkait ünsers herren, wie gewaltig, wie
wise und wie gilt er ist: gewaltig ist der vatter, wise ist der sun, güt
ist der hailig gaist; und von sümlicher gehügde gewinnent wir ain wunder
in ünsrem hertzen und ain wollust und ain minne an Gotte, dar nach sont
2fl wir gedenken an ünser sünde, wie ünz die von Gotte schaident; und da von
gewinnent wir rüwe und bitterkait dez hertzen. dar nach sont wir ge-
denken an den tot, wie gewiss der ist und wie ungewiss dez todez stund
ist; und da von gewinnent wir sorgsami, wie wir ünz dar zu beraitint.
dar nach sont wir gedenken an die güttäte die ünz Got getan hat und
25 allez an tüt ; und da von gewinnent wir dankberi, daz wir dank im dar
umb sagent; won dez sint wir im och schuldig daz wir niemer tag gelassent
so wir uf stand und nider gant, wir sagent im dank umb die mänigvaltigen
gütäte so er ünz hat getan [205c] und allez an tüt; und dü dankberi
raitzet in denne och dar zü daz er ünz der gütät wol gan und fürbaz dester
so gerner wol tüt dar nach sont wir gedenken an die trugenhait und an die
unstätekait dirre weite, wie gar valsch und unstüte alz dü wunne und dü
vröde ist dü in dirre weit ist; da von gewinnent wir unähtigi, daz wir nit
ahtent und versmahent werdent Allü zerganklichü ding, dar nach sont wir
gedenken an daz strenge geriht ünsers herren, wie strenklich er rillten wil
so an dem jüngsten tage allez daz wir ie getatent mit gedenken, mit Worten
4. notdürftig fehlt A. 5. de A. 10. Der lat. Text fehlt A.
9. vgl. zu diesem Stück oben Traktat Xr. 18 S. 52 ff. 10. Matt. 5, iS. 20. SO. SST. 19
vgl. oben S. 128 Z. l t ff.
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83. Von der volkomenhait dez tebens.
337
und mit werchen; won daz machet an ünz vorhte, daz wir ünz entlidigent
von unsren Sünden und ünz fürbaz von Sünden hiitent. dar nach sont wir
gedenken an die strenkait der hailigen, wie strengez leben si hie uff ertrich
hattent umb daz ewig leben, daz si in hymelriche nu besessen haut, wie
strengez leben [ 205‘ ] noch die güten lüte hant die ietz lebent; won daz 5
raitzet och ünz arbait ze lidenne umb daz selb leben dar umb och sü ez
littent dar nach sont wir gedenken wie wir allez daz daz wir tünt, Gotte ze
lobe und ze eren tügint: ez si essen, trinken, schlaffent oder bettend, und
swaz wir anders tünt, daz wir zem ersten sprechent: ‘lieber herre von
hymelrich, wir went dir diz ze lobe und ze eren tün, und la ez dir lobsam io
sin und üns nütze an ünser sele durch dine giiti!’ dar nach sont wir ge-
denken an den güten willen den wir hattent do wir zü gaischlichem leben
kament, durch daz daz wir alwegent belibent in dem selben willen und in der
selben hitze. dar nach sont wir gedenken wie wir ünserm ebencristan ze
helfe koment in sinen notdürften, uud daz wir ünz über in erbarment und 15
ünz vröwent swenne im iht ze güt geschehe, dar nach [206"] sont wir
gedenken an die not dü in der helle ist, wie groz, wie mänigvaltig und wie
lang dü ist; won da von erschriken wir und w'erdent üns hütent der vor.
dar nach sont wir gedenken an die vröde und an die wunne die ze hymel-
rich ist, wie groz, wie münigvaltig und wie ewig dü ist; da von gewinnent 20
wir girde und gelüst, daz ünz dar nach jamrent wirt und dar nach stellent
werdent. dis ist dü vollekomenhait der gedenke.
Nu sont wir merken wie daz wir volkomenhait gewinnent an den Worten,
vollekomenhait der worte lit an fünf dingen, daz erste ist daz man nüt
rede won die notdurft, mit vorhten; und so man ünz iht fraget, dez ant- 25
würtent. daz ander haisset ain wort der bihte; daz ist daz ain mentsch sin
sünde sage, daz drit haisset ain wort dez gebettez; daz [206*] ist daz ain
mentsche Got lobe und in bitte siuer gnaden, daz vierde haisset ain wort der
minne; daz ist daz ain ieglich mentsche sin eben mentschen lere und tröste,
daz fünfte wort haisset ain wort der sinnen; daz ist so ain mentsch iht 30
redet in gütem sinne, diz sint dü worte dü wir redent mit Gotte, und swaz
wir da über redent, daz sont wir bihteu; won von aim ieglichen müssigen
worte so wir ie gerrettent und iemer gereden mugent, müssent wir rede er-
geben an dem jüngsten tage, sprichet ünser herre in dem ewangelio, ist daz
wir hinnen schaident ungebihtet. nu hant wir gehöret die vollekomenhait 35
der Worten.
Nu sont wir och merken die vollekomenhait .der werche. dü volkomen-
hait der werche lit an drin dingen. daz ain ist daz wir manlich und
krefteklich den sünden sont wider stau, und daz mag bezaichent sin bi sant
5. güten 1. — gastlichen 1. vgl. S. 320 Z. 18 . 9. wirt A. 10. ttnt A. 17. nach
ist hat A rot durchstrichen: vfi an die vrftdc vfi an die wQne dio ze hymelrich ist.
32 f. Matt. 12, 36.
Deutsche Texte des Mittelalters. X. 22
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338
63. Von der volkomentiait der lebens.
Jacob, daz sprächet alz vil alz 'ain veliter’, won an dem anevang der an-
vehtung sont wir ir [206'] wider stan, so tiberwindent wir si dester baz.
daz ander: waz wir tügint gfiter werch, daz wir du tüegint in rehter demüt-
kait, und nit rümez da von geregint, won allaine Gottez lob, ünsem nutz
5 und ünsers eben cristens besserung. daz dritte ist daz wir ällii ünsrü werch
in Gottez namen tügint, an vahent und vollendend
Swer dise forme haltet an sinen ged Anken, an sinen Worten und an sinen
werchen, der haisset und ist ein vollekomen mentsch, dez ünz Got gehelfen
müsse daz och wir also werdent.
io [84.] Von dem nutze unser» herren behügde.
Do sant Beinhart an sim ende lag, do liez er sinen jungem diz sel-
gerAte und sprach:
'Lieben minen junger! sit daz ich ain gaischlich mentsch wart, so
haisse ich mich daz ich mich rainte von allen weltlichen dingen, und
15 man minen schepfer in min hertze mit allen sinen nöten, und gedahte au
din kinthait wie er gewunden wart in dü tüchlü und wie er geleit wart
in / 206 *] die krippe, wie er sin blüt goz in der bescbnidunge, wie er mit
grosser arbait erzogen wart ich gedahte och an sin vasten und an sin
wachen und wie er versüchet wart, wie dik er müde von bredienn wart und
20 von mAnger anderre arbait müde wart; wie dike er hungrig und durstig waz,
wie er über die Sünder waiute; wie vil er itwizze vertrüg von den bösen
juden lasterz und schänden, und nam in min hertze sin crone, sin crütze,
die nagel und daz sper, und von sölichen gedAnken kament mir siben nütze.
Der erste daz waz: swenne ich an in gedahte, so wart ich alz durnAhtig
25 und raine rehte alz ich nie sünde hetti getan, der ander waz, swenne ich
dar an gedahte, daz ich also grossen schätz gewan von tagenden, und wart
alz rieh alz ob ich tusend jar nach tagenden hetti geworben, der drit nutz
waz, do ich dar an gedahte, daz [207°] mir der hymel offen wart und ich
dez gewisse waz, wAre ich innen dez tot, daz ich An underlaz ze hymel
»o komen wAre. dü vierde waz, swenne ich dar an gedahte, daz ich denne
nf gerihtet wart in widerwArtekait und in arbait. der fünfte waz, so ich
dar an gedahte, daz si mich denne demütegetent in franschmütkait und so
mir min ding wol gie. der sehste waz, so ich dar an gedahte, daz si mir
denne frid mahtent entzwüschent mir und minem schepfer. der sibend nutz
1. vgl. oben S. 87 Z. 36 ff. 3 f. vgl. oben S. 149 Z. 6 ff. 10. Da» Stiict ul gedruckt
nach A bei Wackemagel S. 108 und findet t ich handschriftlich außerdem in St Georg. 38 Bl. 2-1
fLängin S. 8) der Karlsruher Hof ■ u Landesbibliothek und Cod. Pal. gern i. 567 foL 123 * (Bartsch
Kr. 278) der Heidelberger Universitätsbibliothek. Ist der Sache nach dem 43. Sermo in Vantica des
hl. Bernhard entnommen (AJigne, Patrol. Lat. 183 p. 994) und fälschlich auf sein Lebensende über-
tragen (vgl. Ries, Das geistliche Leben in «rinm Entwicklungsstufen narA der Lehre des hl. Bern-
hard guellenmäßig dargestellt Freiburg 1907. S.188f.).
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54. Von dem nutze änsen herren behiigde.
339
waz, swenne ich dar an gedahte, daz si mich denne wis machetent unsere
herren willen ze erkennende, den er hat gegen mir. und diz gedenke wärmt
also stAte in mim hertzen daz nie dehain gedank da herberg gewan der
nnreht wäre und widerzäme. dez ist Got selber min gezüg und min brüder,
daz ich all min zit von suz getaner materie rette.’ 5
Diz sei geräte lie der güte sant Bernhart sinen jun/207*/gern , daz och
sü mit sölicher materie umb giengent und daz bi im lernetind. und also
sont och wir bi disen selben Worten gemanet sin daz och wir mit süm-
lichen dingen ünsrü hertzen bekümberent dur der nütz willen die sant Bern-
hart der von enphie, alz wir gehöret hant. io
Daz och wir die enpfahen müssint, dez helfe ünz der vatter und der
sun und der hailig gaist. amen.
[85. J Ton der sele closter.
In der sele closter sol Got ünser herre prior sin, bescbaidenhait subprior,
armüt Schaffner, vorhte portner, demütkait gewant maister, minne du regel, ts
warhait der lesmaister, der hymel du schüle, togeni dez hertzen du zelle,
bischaft der hailgen sont dü büch sin, gnade der sigrist, behaltnust dez zites
die gloggan, andaht der kor, Gottez lob der sänger. dankberi sol daz ampt
der zit sin, rüwe dü kuchi, götlicher trost der koch, gehügde güter dinge der
keller. die engel sont die pfleger sin, bihte das wAschhus, gehügde dez tödes 20
der Michof, masse der reventer, [207‘] künschi der dormenter, ain rüwigez
hertze daz bette, götlichü erkantnust daz lieht, erbarmhertzkait daz siech huz,
der gedenke ervislung der gast maister, mit Got und von Grotte reden daz
redehus, rehtekait daz capitel, gehügde ewiger dinge der bongarte, Übung der
tugend der crützgang, dez libez gelider sont die undertan sin. 25
Diz ist ain ordenung der sele kloster nach der Allü klöster geordnet sont
sin; won swelez suz nit ist geordnet, daz sont ir wissen, daz daz ain kloster
dez libez ist, da der tüvel prior ist, vor dem ünz behüte der vatter und der
sun und der hailig gaiste. amen.
2. warent fehlt A. 8. siglt A. 21. bischof A.
13. Gedruckt nach A bei Wackemagel S. 109. — Da» Stück findet sich handschriftlich außer-
dem in Cod. Pal. germ. 472 (Bartsch Sr. 253) fol. 126ä und wird dort dem hl. Bernhard zuge-
schrieben; — vgl. auch die entsprechenden Traktate in Cod. 966 fol. 103, 967 und 1014 der Stifts-
bibliothek ru St Gallen; das Stück aus einer Straßburger Hs. gedruckt bei Wackemagel 8. 609
und Schonbach, Studien zur Geschichte der altdeutschen Predigt TI. Stück S. 125. — Beim ht Bern-
hard findet sich der Wortlaut nicht. Der Sache nach könnte es den Sentenzen des Heiligen ent-
nommen sein und zwar Migne, Patrol. Lat. 183 p. 751 nr. 18 und 753 nr. 26 (Mitteilung von
Dr. Ries, St. Peter).
22*
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86. War umb Got mentseh wart.
[86.] War umb Got mentseh wart.
Ir sont daz wissen daz nah der hailgen lere verdirbet künschi in jugend,
demüt in richtfim, miltekait in geschäfte, warhait in vil rede, du hailig minne
in dirre unstäten weite, daz disü weit unstät si, daz sehent wir wol alle
5 tage, wie unminneklich si iren minnern urlop git; und swer daz reht bedähti,
dem solte ir minne wol unmär sin [207d] durch die minne dez minneklichen
Gottez, der so gar minneklich ünz geminnet hat.
Siner minne zaichen tet er ainz malez do kun/ aim güten manne, do er
lag an siner andaht und also gedahte: 'ja herre, waz maindest du da mit
io daz du ainen so grimmen tot dur ünz litte, daz du den mentschen etswie
anders nit lostest?’ do antwurt im unser herre und sprach: ‘daz tet ich
durch fünf Sachen, dü erst ist, do geschüf ich den mentschen ze lob mir
selben: da von so engunde ich niemanne der in losti, won mir selben, dü
ander ist daz ich in geschüf nach miner gütlichen wizhait mit nsinen han-
15 den; daz getet ich nie dehainer slaht creature me: da von minnete ich in
so sere daz ich in selbe lozte. dü dritte sache ist daz ich in geschüf
nach mir selben in miner gelichnust; daz getet ich och nie dekainer schlaht
creatur me: da von twang mich dü minne daz ich [ 208" ] selbe min selbez
glichnust wolte lösen, dü vierde sache ist daz ich in geschüf über ällü
20 ding und erhöhte in über alle creature, und waz nüt höhere denn der
mentsche, won ich allaine: und da von wolte ich nit daz in üt lozte daz
niderre wäre denn er, und dar umb lozte ich in selbe, dü fünfte sacli
ist daz ich dez mentschen minne so sere begerte daz ich nüt wolte daz
er dehain ding für mich minneti; won ich wiste daz wol, swer in erlöst
25 hetti, daz er och den für mich geminnet hetti: und da von loste ich in
selbe, und han durch sine minne alle minne übertroffen mit mim minnenden
8. kvnte er aim A. IS. nach selben ist ze lobe rot durchstrichen A. 25. er fehlt A.
1. Gedruckt nach A bei Wackemagel S. 110. — Nach einer Mitteilung eon Spanier, Gleiten,
ist das Stück ein Konglomerat. Der Beginn ist identisch mit dem Beginn eines Bernhard traktates
tri Berlin Kgl. Bibi. cod. germ. 8°. 65 fol. 1 6. Das gleiche Zitat, dem Salomon zugeschrieben, bildet
den Anfang eines kleinen Stückes von 9’/i Zeilen in Berlin Kgl. Bibi. cod. germ. 4 °. 191 fol. 169’,
das im übrigen wieder anders verläuft wie das Stück in 8°. 65. Der einleitende Spruch ist außerdem
gedruckt t on Bartsch, Germania 18 S. 199 Z. 27 ff., aus einer in seinem Besitze befindlichen Berga-
menthandschrift. — Ferner bildet das Zitat die Einleitung tu einem kleinen von zerganglicher
liebi überschriebenen Stück in St. Gallen 965 fol. 481. — Das lettle Stück, der Dialog twischen
Christus und dem guten Menschen, ist enthalten in Berlin Kgl. Bibi. cod. germ. 4°. 191 fol. 168' — 169 «
Berlin Kgl. Bibi. cod. germ. 8°. 65 fol. 47 — = Koblent Gymnasialbibl. des Victoria Augustagymna-
riums 43 fol. 139 — 141 und Basel, Universitätsbibi. A IV 44 fol. 180. — Vgl. auch das Stück in 11
Nr. 31 (Wackemagel 8. 541). — Der Anfang Z. 2 — i weite ist die (Versetzung eines Satzes des
hl. Bernhard: Quidni periclitetur castitas in deliciis, bumilitas in divitiis, pietas in negotiig, veri
tas in multiloquio, charitai» in hoc Baceulo nequam? (Migne, Patrol. Lat. 182 p. 855 nr. 37; Mit-
teilung von Dr. Ries, St. Beter).
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86. War umb Got mentsch wart.
341
tode. durch daz mich niemer mentsche volle geminnen noch volle loben
kiinne, dar umbe han ich sin minne so türe koffet’.
Daz wir in also geminnent alz er uns geminnet hat, dez helfe ünz
der vatter und der sun und der hailig gaist. amen. [208‘ ]
Finito libro sit laus et gloria Christo. 5
* *
*
Es sont wissen alle die dis sehent oder lesent, daz ich phaff Albreht
genant der Kolbe, kirchherre ze Sygävis, han diz büch geschriben mit
grossen unstAten und durch ain Spiegel, do ich sechs und sechszig jar alt
waz. und han ez vollebraht an sant Jacobs abent anno domini MCCCLXXXVII
der ersamen vrowen Johansen Stüklins, des Stattammans ze Yelkirchen elichen io
vrowen, du ez Gotte ze lob und siner lieben müter Marien und allem hymel-
schen her ze eren und ir sei und allen globiyen seien ze trost und ze hilf
gefrümet hat von mir obgenanten priester. da von bitte ich alle die die
in Gottez namen iemer me lesent diz büch, daz si Got für mich armen
sündigen priester bittent, daz er sich über mich erbarme; won ich fürht daz 15
ich iemer me büch geschribe.
Hie mit hat diz büch ain ende, in Gottez namen. amen.
6 — 17 in der Handschrift rot geschrieben. 12. globen A.
7. Sygtvis ist ton Wartmann , Urkundenbuch St. Galten Bd. III Register erklärt als Glvia
(Gövis) bei Feldkirch, Tirol. 8. Spiegel, d.h. mit Hilfe einer Brüte. 9. 1387 Juli 24.
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Lesarten aus Ms. 810h /■= S] der Stadtbibliothek Strafsburg:
Von den gebotten vnd von gütlicher lere,
aus der früheren Johanniter - Bibliothek A 100 fol. 159 — 188.
1) zu A Kr. 75 Iberschrift: Von rechter mino zA gotte. Leiarten angegeben S. 317 Z. lOff.
2) zu A Kr. 1. 1 1. Dis ist von den gebotten ein iore. 20. Bin] ist. 2 6. rowe]
rftwo tac de* herze. 7. rrt we — dem] vroido gert wan. 26. lip. 2S. so getane vnkvscho.
31. d. e. i.] der erste. 38. merken wir. 3 2. spreche wider den gclovbcn. 10. das dv den ivten
deste. 13. nit fehlt. 31. hat — 33 brunnen] swer eine grovbe grebet vnn lat si vnbedabt vellet
sins nochgebum esel oder sin riut oder Bin vihe darin er sol es gelten wan er sine grvobe.
30. gerade so wie A. 4 1. nit fehlt. 5. die helblinge die. 18. und — lip fehlt.
3) zu A Kr. 2. 4 22 f. Dis von den stuken cristaus gelovben. Sanctus Lucas echribet
also alle die etc. 5 16. daz eine daz. 21. stetecliche an. 6 8. vor so] der bat in gensit
mens der hat in dise halp niere. 7 11. denne. 26. bitten messe singen oder sprechen.
30. ist fehlt. si alz einen stein. 36. vnn wissent swer. 37. daz s. i. w. fehlt.
4) zu A Kr. 3. 8 1 f. Vier ding sol man cren. 7. ist] sint die. 17. ist] stat oder
ist. 21 f. begir — wirt] vegefür deste minre wirt 29. in — bez.] dez ist alles bezcichenlich
swaz er in der messe tut. 30. rainen] kranke. 9 7. daz rfiffen] daz si riiftent zA vnsenue
herren. 8. ob] engegen, mittel gegen dem alter. 14. die drie k. 16 f. s. J. b. d.] die s. J.
b. tet da. 26. dazm. — singet fehlt. 41. alle s. m.] alles die marter vnsers herren. 10 2. üf
— geschl. wart] wart vf gehaben vnn wart gebenket lesterlieh an das crncc. 3 f. so — so fehlt.
4. gcz. u. fehlt. 9. sed] daz. 12. daz er] vnn. 14. ivngem nach sinre vrstende. 13. singet
m. d.| gat daz. 16. collecte.
5) zu A Kr. 4. 10 22. Von St. Stephan ein bredie. 11 5 f. gedSnken — g&ten fehlt.
16. esel oder der ochse. 19. got in dem ewangelio. 21. versenket were. 12 1. alten ze
den ivngen. 2. üch] in. 3. da mit] daz. 8. si in] si. 13. geben] geveben. 21. vn-
wertlich. 23. oveh daz si sich n. 13 1. ist in a. g.] si gnveget. 2. vil lichter. 4. in
deme. 8. Winkel. 12. sieh. 19. ken — liplicli fehlt. 14 10. alz dem spilman der . ist.
12. lassen. 19. zwei dinc. 15 4. ziehen] dv cs. 8. dem b. 13. sich] si. 22. esel alse
da vor. 23. wan so si. 26 f. aber — by’m. fehlt.
6) *ii A Kr. 5. 16 1 f. Von den himmilschcn f r Aden. 3. vber vroide vroide. 8. da]
dort. 12. sprichet alz verrc von oster ist vnz westert cs ist! 21. Ir aller] der anderen aller.
22. und d. s. Bich] daz Bich die sele. 20. daz drite st 27. daz vierde st «. io fortgezählt.
31. gemain m.) daz sol alles gemeine sin. 17 2. vindent. kerent 3 f. wissent oder wan-
den. 4. und] wir. 6. dfi — git fehlt. 22. sele. 29. bilde] willen. 31. ir laider wenig]
wenic leider wie es gat 33. der b. u. fehlt. 18 4. bi Gotte u. fehlt. 10. nit — in G.] niht
wan alles gfit vindent an g. 11. gern h.] gcren. 22. an eime andern gotlicher. 27 f. erbanne-
herzekeit rebtekeit warheit er ist g\t wise milte erbarmeberzic, in A Sprung von erb. zu erb.
7 ) zu A Kr. 6. 18 29 Von ersani wandet ein lere. 19 1 f. als — ist fehlt. 4. ruinfl)
wäre. 18. laiter] liehte. 19. got vnn dich bittet. 34. wol daz ich dich minne vnn die
minnc bin. 20 2. spisen sol. 8. die si] dise. 24. entstrapfet 28. bisset] straft 31. übrr-
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Lesarten der Hs. S.
343
wnndenj wider. 21 4. sint ovch. 5 /. rägent — rägcnt] rvegcnt sich die vntvgende hant ca-
pittel si rvegent sich tvgcnde vnn vntvgende vnn rvegent 8. besser ist denne iens. 10. te-
mvetekeit vnn spricht vrow temvetekeit. 15. ein reinekeit vnn. 18. sin fehlt. vrow inaze
dv priolin. 17 — 20. Sprung in S von Rcht zu Reht. 27. wainent) venient.
8) ru A A V. 7. 22 1. Daz wir got silen bitten. 15. gut vnser herre. S2 f. von dom
svnder pnbiieano vnn von dem pfariseo . die 37. svndcn von schviden alz vil, 23 3. tvgen-
den. 4. fride — seien] weide an der weidet sich drier hande sele. 7 f. güten gedenken] werken.
9. trabten] spise. 12 f. blftmen — wachs.] bovmen. 22. wart] gewuoz in crtriche.
25 f. ab — herre fehlt. 27. an ü. h.] abe disen bovme. 31. tvonde. 35. vnn ist vber.
39. fride] vroide. 24 4. in geirren mvge. 8. den. 9. ie] dnrh. enkan es ioch. 10. cs
im vnn im gft. won — gevaret] so gevaret doch vnser h. 14. erkennest vnn niht weist
waz. 18 f. zo vns. h. in] vnsem h. 19. wan daz dv gebende verbrvnnen damitte si ge-
bunden waren.
9| ru .4 AV. 8. 25 l f. Von geislichem lebent. 9. schön] hohe ist vnn schone.
12. blftmen — bong.) bovme dinne. 14. swister] geislich monsche. 15. scbappellin mit blvomen
vnn mit. 30. crenden] genden. 34 f. mcnsch sol s. machen. 37. hymj heimlich. 26 23/1 so
si sich selben cleident.
10) zu A Nr. 9. 26 29/. Daz wir vns ernüwen svln. 38. dis wize cleit vnn.
27 7. vmbedehteciich. 14. dem gedanke. 18. von nature. 20. erkennet 21. daz] waz.
34. verliere] verkett. 36. er s.] s. der twel. 28 5. ia herre er ist ein cleit daz alro scho-
nesto der scie. 9/. der alle — 12 Got fehlt.
11) zu A Nr. 10. 28 14 f. Von dem lebenden brot vsers herren. 20. marien der
reinen megde. 23. keime. 32 /. tvgende kvsche. 29 8. ersten male. 11. läsen] lazen.
19. die — wurd. fehlt. 22. gew. waz. 30/. etawa wart — ctswa] etwa. 35. sin. 37. und
a. i. br. fehlt. 39. ez] dis. 30 22. an dem] vf einte. 26. gednlteclich. sin kvnclich hovbet.
29. bin. 31 2. iamer vnn mit der not 7. minnet] minnctc. 12. mines herzens vnn mines
litte». 26. gesterket svn werden. 28. dar umb] dvrh vns erlittet bat vnn vmbe vns.
12) statt A Nr. 11. Sante Anshelmus frage von unser herren martir. Sancte Ans-
helm der bat vnser vrowe von bimelrich lange zit mit grozer begirde mit vostenne vnn mit wacbenne
vnn mit andehtegem gebette vnn mit hcrzeclichen tseheu . . .
13) zu A Nr. 12. 34 32/. Daz wir vns vriwen sin in gotte ihesu cristo.
37. herschaft lieze. arm wolte w. 35 7. were daz libes vnn gvotes vnfri vnn arm were.
9. frvnde an dem cruzc. 23. won er — lid] wan er waz onch gar arm an allen sine liden er
waz ir. 25. der svnnen vnn manen van alle dinc gesell. 30. vinstem. 33. vnwcrtliche.
35. niht wolte entwürfen. 36 7. won — 9 wolte fehlt. 12. sine hant 17. seblangetj
slizzete. 22. iamer litte! 24. not vffen ertriche oder.
14) zu A Nr. 13. 36 28/. Es sprichst ein heilige. Min sele ist gestnolzen sit daz der
liebe mit mir rette . dis ist gesprochen von einer ieglicher — 34 miter gottea, bricht damit ab.
15) Predigt A Nr. 17 tteht unter den Predigten Eckhardt Bl. 83' Überschrift: 50 1 /. Von
nuzer bette. 5. gnaden. er im] ime S. Paulus. 8. groz] tvgentlicb. 14. aller der hei-
ligen schrift. 20. von dio in. 20 /. da si arbeit soltent d. g. liden. 25. grozer vriide.
33/ mir danken der dinge daz. 34. der d. d.] die. 37. da von. 51 4. den. 7. vater
vnn sprach hoiTe vater. 10. gelobe gote geh. 18/ swie — weite fehlt. 30. haben fehlt.
31. waz] alles daz. 33. alle — kam.] die andern allesant. 52 1. vnser herre sprach. 4. won
da) von den. 13/ doch — alten löten fehlt. 15/ es — dornen fehlt.
16) ein Stück aus .4 Nr. 81; vgl. S. 331 Anmerkung.
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Namenverzeichnis
Abaeuc (Habakuk) 89. ao, 307,
2SlZ).
Abraham 68, 39. 96,4.
Abeolon 94. 25. 95,».
Achor 109,26,
Achymas 14. L
Adam 117. 2. 13, 158, 18 (G).
161,14. 29S, 7. 32H, as.
S. Agnes 41, 17 f. 47,19, 49, 24.
50,22. 101,27, 291, u
Agnua Del 10, 12.
S. Agata (von s. Agtun) 126, 5,
8. Ambrosius 330, 33,
8. Andres (Andreas) 50, 24.
281,1.
Anna, Frau des Tobias 122,
S. Anshelm 29, 26, 30, aL a,
69, 24. 70. 81. 91,1». 135,1.
145,11, 207,9, 218, 17, 219,
L. g, 220, i 282, Ü 311,
U(Z\. 313, 3 f. 327, 12 f.
Apocalypsis 42, aa. 61, IS,
77,15. 98, 13, 103, 7, 177, »■
178, 14. 162,21. 208, 4. 237,
■Slf. 236, 5 f. 821,12.
Apy's 1,12.
Arabia 93, 14. 94. L 4.
Aswerus (Assuerus) = der
sAlig 44, l*. 33, 25. 44, 1 hf.
98,1» f. 123, 19, 22. 1 26. l»,
S. Augustinus 3, lg. 16. 22. 29.
18, 13, 24. 12, 26. 31, u, 22,
39,21, 40,22, 65,14. 66,25.
74, 2. 81, 2. 83, 2. lL 85,
31 f. 91,22. 102,6. 103, 19.
104, 12. 26. 28, 112,15. 116,
2. 117.2. 11, 123, 2. 129, 13,
25, 130,13. 131, s 136, 28,
137, 12, 144, 22. 145, 23. 154.
16. 156, 22. 162, 22, 168. 5.
166. 16. 168,3. 171,2. 172,
2± 183, 1L 188, 13, 190, 32.
2111, 8. 33. 202, 3. 203, 24.
208, 12. M, 209, 2. lü. 2Ö.
211, 22. 212. sf.a;,, 218,1
217, LL 219, 25, 220, u, 33
<G). 22). 14. 232, 2L 235,
12, 237, 27. 255, s. 256, 1. ä,
16, 258, 6. 261, 1L 263, 1
268. 4. 271, 12 (G|. 278, 12,
280, 7. 267,2. 290. 12. 291,
12. 314,9. 327, 4. 830, 25.
Ave Maria 151, 13, 154, 20,
198,4.
Babylony (Babilonien) 1,12.
Balaan 314, 23; Balames esel
15, 21.
Balac 314,23.
Barach ISO. 29.
Beda 181, 4, 222, 2. 226, 23,
237, i.
S. Bencdiktus 84, 35,
S. Bernhart 15, 25, 23, 37,
25, 11. 26, 13. 31, 2, 33, 8,
36, 20. 37,21. 41, 12, 52, 33,
54, 12. 56,22. 68,5, 70,4,
2L 75. 22. 76,12, II, 24. 32,
78, 24. 2L 79, 10. 61, 13. 83,
22, 66,23. 91,12. 14. 24. 92,
1£, 94, 15, 97j 4. 101, 22,
105. 12. 24. 106, 3. 21. 107,
2.22. 112. 31. 118. 12. 121.
5. 129, 27. 130, 13, 21, 26.
132. 3. 23. 133, IS. 137, 22.
145 2B. 146,5. 150, s f. 153,
11 f. 155,29. 162, if, 167,14.206.
L 208, 24. 210, £. 222, 31.
223, 17. 20. 224, 14, 225, L.
a, 28. 226. LL 31, 227, 12.
an f. 252, ü, 257, 5, 256, LL.
j 259, iS. 265, 6, 279, 12, 22.
284, 8. 265,17. 286,2s. 311,
2 üftZ). 311,35 (Z). 312 21
(Z). 314, 13. 824, 1L 338, 11.
I Beny'amin 127, 12. 276, 7 f.
Bersabee 119, 15, 25. 120, L is.
C. s. K.
David 14,2. 16, 12. 17. 23. 25.
3. 26. 12, 42, 39. 43,26. 63.
6, 67,55. S4j 27, 89, 5, 90,
2.5.12.14, 93,9,15. 94. s.
13, 22, 95,1/i 100, 12, 126,
10.15. 128, 24, 156, 16, 159,4.
174, 13. 248. 4, 263, 22 284,
27 (G). 290,22, 306, 11. 308, »,
309, ML#).
Delbora 180, sl 181. ia.
Deuteronomium 122, iS.
Dies, Jobs Tochter 282, 3, 20.
S. Dominien» 320, 17,
S. Dy'onisius, Areopagita 78,
J if. 79, 22. 80 2L 97, 5.
Egyptenland 1 . 12. 76. 38 186,
, 17. 192, 6 (G).
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Namenverzeichnis.
345
Elias, der Prophet, e. Helyaa.
S. Elzbcth, Frau des Zacharias
802.15.
Emanuel 228, u. 296, L
Ester a. Hvster.
Eva 108,3, &, in, llO.zr. 117.7.
12. 222, 7,
Feldkirch i. „Tirol a. Velkirch.
Gabriel 47 £ 24, 48, 2S. 49, ä,
75, 2<. 154,31. 221,4. 302, 5.
Galylea 288. 1.
Genesis 222, 25.
Golyas, der Biese 94. a,
8. Grcgorius 14, 5. 42, 34, 50,
36. 79, 34. 104, 23. 1 14, 31.
133, 3. 165, 4* 225, a 232,32.
240, 7 1 G). 284, 27 (Gl.
liabaknk a. Abacuc.
Helyas (Elias) 119, u, 24, 25.
120,1. 17.
Herodes 30, i f.
Hestcr (Ester) 44, u f. 98,1 kf.
123, 20 f. 126,1s/'. 328,3 f.
Hieronymns a. Jcronimus.
Holofernes 41L M.
Horeb s. Orcb.
S. Hylarius 95, 16.
S.IcronimuslHieronvmns)180,
2. 206, 22- 221, 11. 223, 8.
224, 2. 2M.24IG). 298,14,
Isaias (Ysayas) 16, 3, 23, 20.
32, 5L 71. 37. 75, 8. 78,33.
81, 20. 90, HL 12. 129, 2. 136,
15. 138, 3. 158.21. 161, 15.
180,12. H, 189,1«. 197, 21.
223. 15. 228,1a. 25S, », 306. 7.
S. Isidoras (Ysidorasl 280, 5.
321, 2s.
Israbel 56,35. 51, 27 f. 315,2.
Jacob, Patriarch 56, r,/. «- ain
ringer 57,23, 290,8 (G). 87,
32.3«. 181,25. 222,26. 276, 9.
315, 2. 338, 1.
S. Jacob, der Apostel 114,5.
115,27. 136,14. 201,20. 239,
18. 327. 33.
gen S. Jacob varn 39.23.
Jthjcremyas 81,2!!. 89, 6 (Gi-
ll 5, 1«. 228, 13, 328,27.
J(h)erasalem 9. 37. 51,35. 58,
2a, 84,3. 90, 11. 125, 26/.
138, 2D. 207, UL 21 f 267,1.
283,2. 306, 7 f. 307, 12 f.
Jesabel (Jezabeli 119, 12. u.
Jesse lYesse) 159. is. 197,22 f.
J(b)esns Christus 57, 13 f. 52.
12.21. 80, c. 61,5, 69, aa,
70.21. 35. 76,22, 77,14. 89,
22. 90, «■ 6. 20. 105,16. 106,
8. 15. 122,24. 123. b, 126,
12. 159, 6, l£, 160, 22. 161,
12. 162,12. 168, L 164,2.
0 f. 167, S. 180,4 /’■ 190, 7,
191, 6. 197, 11. 223, 14. 239,
1£L 243, 3. 12. 254, II {, 259,
U, 263, 15. 267, 27. 270,1.
275, IS. 278,12. 282,5. 285.
15, 287, S, 288, 2. 295, 4,
297, 21. 307,3 f. 315,26. 316,
IS. 321, 2. 324, 6. äi. 28. 266,
15 (Q).
Joachim 158.1S(G).
Job 20, DL 73, a/i 90, 2L
91,9. 92, 14. 92,is. 93, 12.
94,4 129. 2. 183, 9. 184, 17.
185, 1, 5. 197. 15. 206, 12.
281.5, 2S2. 2 f. — ain röwig
mau 262. 5 f. 289, 15.
S. Johanns, Evangelist 17, 33,
19.35. 46, U 51,6.77, IS, 65,
22, 91, ’L 92,24. 99,23. 1 03, 7.
107.21. 110,4. 5. 142,5. 165,1.
166.6. 177. 9, 182, 21. 204,5/:
208. 4. 227.32. 235.5. 238,
1. 6. 25. 242, 2. 243,7. 230,
13. 252, 20. 2 84, 2, 302 , 24.
305, 17 f. 317,11. 821,12.
S. Johans, baptist 9,is, 302. 12,
Johannes Damasccnus 227, s.
Johannes ChrysostomuB (mit
dem guldin munde) 46, u,
172,24.
8. Joseph, der Mann Mariä
75.35. 76.1. 221,5. 302, 21,
Josue 109, io,
Judith 40, 30 f. 178, 21.
Cassia, Jobs Tochter 262, 3.
283, is.
Cay'pbas 9, 11.
S. Cecilia 96,8.
Christus 297, 16. e. Jesus.
Coraustibi (CornuBtibii), Jobs
Tochter 282,4. 283, la.
Kry echen L u.
Kuzi 14,1.
S. Laurencius 91j u, 280, 31,
Lazarus 9, 31.
S. Lucas 4 , 24. 109, 7. 125, 1.
221,3. 229. 3, 325, 14.
Lucifer 79, ü» in. 106, 10. 15 f.
Hartiocheus 328, 3.
S. Maria, unser vrowe 8, 1»
46,30. 56,33. 57. if. 62, 22.
64.25.75,5. 99,2 if. 146, a f.
153, 1 f. 156 I f 167, 7. 183,
4. 184, 18, 191. s. 197, 18 f.
198. 20. 221, 1 f, 223, 20.25.
239, 30 f. 243, 243, 30.
247, IQ. 288, a. 293, 5/1 296,
SL 302, 1 /'■ 309, 32 (Z). 311.1.
325. 34. 328, 1 f.
Maria Magdalena 170, 2.
8. Martin 46, 10. 102, 21. 25,
Mesopotamia 87.33,
Moyses (Moses) 17,0. 25, 17/.
25, 23/1 37, 6. 73,22. 76,38.
77, 1. 90, 8, 101, 4, •= uss
dem wasscr gezogen 25, 23 f.
101,6 f. 109, 15, 156, 5. 186,
17, 22. 192 , 6 (G). 208, |>. 237,
s, 276, 6,
Nazareth 221,6.
Noe 87, 16.
Numeri 276.6.
Olberg (mons Oliveti) 229, 5,
268,20,
Orcb, Berg 25, 22. 32/'.
Oriencs lOrigenesi 75, 31. 91,
j 28, 182,25,
* Osee 73, n>.
Pary's (Parisl 220, 2.
Pater n oster 10, 7. 151, 21) (G).
204,18.
S. Paulus 18, 31. 24. 7, 26, 31,
| 27, 10, 22= 28, 3. 4. 32, 17.
33,25, 34, 34. 37, 1«. 41,32.
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346
43,12. 44, 6. ÜL 50. 3. 13.
32. 59,8.13. 66,3,32. 87,
2.88,5.91^10. 92,12 f. 93,
3 f 94, 4. 26. 95, 27 f. 98, 8.
99,21. 100,4. 102.4.9. 112.2S.
114,7. 119, 26. 120.Ü. 121.
a.24. 126,1. 128,3.129, 5. 134,
2 f. 146,1. 151,6, 155, 7.164,9.
19. 166,4. 172,33. 174, L 175,
2. 14, 176,1, 17S, 2. 180, 4.
187, 3, 191,18. 193,18, 200,
2, 204, 22. 201, 20. 213, 12.
214, 9, 12, 216,20. 25. 229,
2L 230, 32, 237,4. 240, 11.
241,5. 244, 5, 250,7, 252,4.
259, 15, 276, 4 f. 285, 12.
286. 13. 289. 4. 320, 21. 322. 25.
8. Peter 7,21. ö. 8,3. 72, 28,
31. 86,12. 91, n. 92,3. 116,2.
179.4. 201,11. 231, 23, 239,2.
254, 16 f. 279, 8. 282, 24. 2S3,
15, 326, 33,
Namenverzeichnis.
Phylippensea 86,11.
Phylister 94, 23 1 6|.
Prosper 140, 1«.
PylatUB 30, 1 f. 323. 29,
Rebecca 102, 23 f.
Hin (Klieiu) 193. 23 l6l.
Rom 213, 22/'. 320, 3; dazrömsch
Hell 319, 20,
Salomon 18, 32. 32, 12. 33, 6 f.
46,33 — ain herro der gern
frid hotte in sim lande 46,34.
47,9. 48. 32. 86, 21, 92,5,22.
129, 8. 130, li. 136,15/: 191,
22, 201,19. 204, 26. 278, 27.
279,20, 280. 3. 284,13.27(6).
822, 13. 328, 33. 329, 2.
Sampson 123, 6. s.
Samuel 112,23, 2L,
Sathanas 192, 21.
| Saul, der König 94. 9. 24. 95.
■L. 112.21, 25 /.
Saulus (Paulus) 276. aa.
Scneca 49, li. 130, 2. 1 88. 24.
211,16. 224. 6.
Scraphyn 78,30/1 140. 5.
Sygaevis, Gävit 341. 7.
Syon 71, 10. 86, 26. 89, 20 (6).
138, 3. 290,916), 321,13.
S. Stephan(us) 10. 23 f. 15. 28.
50, 30. 95,22. 109, 7 f. 190.6.
223, u. 322, li f.
StAklin, Johann v. Feldkirch
341,11).
Thobyas 47, 12. 54, u. 122,
12, 252, 23. 251,24.
Velkirch, Feldkirch i. Tirol
341,1a,
Zachariaa 179,27/.
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Wortverzeichnis.
Vorbemerkung : Die Anordnung erfolgte nach der gewöhnlichen mhd. Orthographie,
wie sie Lexer bietet. In Klammer ist die Schreibweise der Hs. beigefügt; ebenso sind
in den Belegen seltene Formen in der Schreibweise der Hs. wiedergegeben. (Q) (Z) be-
deutet, daß das Wort in den Varianten der Hss. G und Z vorkommt.
abbet: pl. ebto 147, 32 (0).
abej-komen mit Gen., rem et-
was los werden 1— sich ab
tuon Var.) 13,16.34; -snt-
den, daz kleit bt dem gürtel
45,37; -wischen, die Bünde
5, 31 ; -ziehen, daz fleisch
50, 23.
abrläz (aplaa, applas, apblaa)
Nachlassung der Sünden 7,2.
13. 56,3. 77,35. 107,12.
abeliezig adj von der läßlichen
Sünde im Gegensatz zur
Todsünde 3, 1. 12.
abgründe (abgrund) stn. 69, 13.
305, 12; a. der helle 90, 9.
305,2.
adamas (ademas) Magnet
827, 26.
addar ladiiAr) 284, 27 <ß).
admirabilis — der wunderliche
Got 296, 12.
agelster swf.: der agelatrun
schrien 5, 1.
achsel: bi den ahslen ist be-
reichern diu arbeit 280, 24 f.
ackes (axa) Beispiel von einem
Mann, der mit einer Axt
an einen von der Sonne
beschienenen Baum schlägt
5, 19 f.
«ehrer s. ehersere.
abt hin, einet Dinges 12,17.
266, 30; a. h. umbe 14, s.
ahten mit Dat. der Per», u.
Akk. der Sache, bei einem
etwas ansehen 217, »; absolut
335,36.
ai- ». oi-
ikust: fleischlich a. sinnliche
Begirde 275,7.
äkustic adj. 326, 32.
Master Gebrechen, Fehler 84, 5.
albe weißes Linnengewand des
Priesters 8,31.
aleine (allen) adv. einzig und
allein 132, 21. 23. 218, 27.
algar 145,9 (ßl.
all d& her 273, 13
alleeliehe adv. SO, 23.
aller adv eherT, 32; a. minllch
3 1 6, 21 f.\ a. slahte 62.4. 206, 5.
allewccfallwcg, alwegent, allc-
wegent) 14, 21 f. 28,2». 55, 7 f.
59,17. 166,9/: 173,3. 178,13.
17. 187, 10. 188, 27. 191, 17. 18.
204,31. 247,7. 259,23. 203, 18.
265,25. 329,30.
almuosen 165, ls. 176, 13.
altirre (altir, älter) 40,6. 97, 31.
98,2. 103,8.
alten intr. 269, 11.
altvater pl. altväier 9, s; alt-
vitcr buoeh 45, 23. 47, 30.
alunibc (allum) 72, 12; sich a.
henken 300, 10; a. gän 269, 12.
alwtrrc (alwer) adj. albern
256, 8.
alzogis also, ebenso 1 16, 12 (ß).
173,22 (ßl.
aniaht — ambahte 334,34.
ambahtc (anbaht) 72, 34. 147,
11 f. 148,1 f 199, 13 (ß); amt,
ampt 7. 1 f; amptliute in claj-
stem 315, 5; ze einem ampt-
man erweln 226, 19.
amor 132,5.
amphanclich « enphenciich)
65, 24. 111, 18 (ß).
amsei (amselle) 22,28 f.
anbeten: die von Babylon/
bettaten die sunnen an, den
min und die Sternen 1, 10.
Andtiht personifiziert 20, 15;
andäht /. 251, 18 f\ m. 266, 5;
den a. hegen 237,15/.
ander: einer andorr sOl 16,24.
ane]-gin m eist in Verbindung
mit arbeit 24, 22. 32, 21 f.
37, 32. 41,31. 89,18/. 130,9.
189,2.26. 190,11.17. 197,5.12/.
241, 18/ 246, 1«. 273, 24 (ßl.
278, 25. 2 SO, 27. 284, 20. 286,
17; -haften, dem obrosten
guot 189, 25; -komen mit
Akk- d. Pers., begegnen, tref-
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348
Wortverzeichnis.
fen, tu Stehen kommen 38,
32. 90, 1 f. 189, ä. 816, li,
330, 23 f 335. 2S; - lachen
62, u. 332, t« ; - legen , daz
leben in (lote* dienst 130.
ü -riiefen (rfipliin O.l 198.
2j -sehen (angesehen) in Ver-
bindung mit Gott 57. 2S 61.
15. 62,15. 76, 23 f. etc.\ -spl-
wen (spuwen) 30, ul 257, li :
-stecken, ein vingcrlin 44,
22; -vallen, in Verbindung
mit kumber oder arbeit
240. ai. 246, «o (G); -vehten
32.30. 240, nf. 335, 4 etc. ;
-wa-jen iwirgen) 34,21. 325.
LL
aneblic: ein minnccllcber a.
148. li: ein vrtllclier a. 220,
5 (G).
n*nec lienig) adj. ledig, los 116.
li, 191,6. 298,9
ancganc stn : daz a. des Übeln
gedankes 49. i f.
anrgenge stn. Anfang, absolut
v oti Gott gesagt 98, 13 f. 227.
24 f. 242. a. 4. 290. 19, 306, Jj
Anfang der Welt 106,9. l».
156, 3. 158. 14.
ange «cm. Stachel der Biene
325. 11L
angeborn (anerbom) 48, 32.
116. jo, 12, U7, 15. 120,
a. natüre = libido 191. i.
angeschUftic adj. beschäftigt,
bekümmert 332, m.
angesehouwedc: sin gütlich a.
das Anschauen Gottes 251.
in (G).
angesiht fern. Angesicht Gottes
15. 16. 70. 23. 104, 12. 218,17,
220,5, 251.3. 259,15. 294. 6:
ze ir [der Jünger) a. zc himel
varu 229, 5 f.
angestlicho (angstieh) adv. 29,
31: a. stAn 305, 22 (G).
anhaften, daz sahst. Inf. 35.21.
anhaftunge, ein 132,2.19.
anlachcn, daz subst. Inf. 62,12.
anpfellig (< enphabelich) adj.
empfehlenswert , angenehm
298.15.
antcilic : der messe a. sin Anteil
haben 8,12,
antheiz: a. tuen das Ordens-
gelühde oblegen 51, 9 f.
antJützo lantlüt) Antlitz Christi
17, li f. 60, a. 17: Gottes An-
gesicht 64,21, 90,22. 125,2/'.
127. 10. 147. 1 f. 219, 16; daz
a. des insigels 17, 35; von
a. ze a. 237, c ; under sin a.
| sehen 55, 39-
| antworten entsprechen 23. 25/1
zurückgeben 27, L. 61. 25.
330.21.
anvehtnnge Versuchung vor
allem des Teufels 50.3. 76,
32. 197, 13. 300, Ulf. 301,22
333,1 f.
apfcl: pl. Apphel , i'ipfcl 34, 2.
| u, 327, l».
apostel : pl. apostile 247,29(G).
I 309. 2.
arbeit: fünf ding die ze a.
reizent 315, tf.
arbeiten, einen lip kasteien
111.19. 285. 16, 308,21: sich
a. sich anstrengen in Got-
tes Dienst 21, xz. 202. ■&.
205. II f. 258. U. 332. 35. 333.
vtf.; — sich überarbeiten
I Var.) sich überanstrengen
150, 15 (G); partic. dem ar-
betenden 315. 12.
arbeitsam adj. beschwerlich,
mühselig: diu gehurt ist a.
63, der wcc ist a. 187. 12 f,
arcwAn 195, 26; 196, 17 272.29
(G).
arcwamic adj ■ 148. ls ; 332, 16.
arke (arch) Arche Xoas 20, 36.
87, 15, 18; Schrank 233, a.
237. 19. 239, 27 f.
arm: der sflo arme 134, c.
arm (am) adj. 312, 7, 16. (Z).
armbrost (anibrnst) stn. 313, 2.
21 [Z). 325,21.
armuot: Armut unseres Herrn
-26. 24. 34, 32£ 59, nf. usw.;
geistliche Armut 51,53. 52,3.
110, ie£ HS, 241. 5.
245, 11, 249, to£ 261, 21 f.
amen ernten 90, 22.
arzAt 71, nf.
aizente (erzenle G) 125, 2*,
126, 6. 159.8 (Gl. 238. 8 f.
264, 23.
asebe 54, nf\ ze äschen wer-
den 63, 11 ; Aschen üf daz
houbet geben 63,9 f. 262, 11 f.
| Atem 29. 29.
j atria — frithof 124, 12 f.
j As stn. 87,15. 29,
bAbe, alte altes Weii 52. 12-
bAbes (bApstl 111, is.
bacb stm.. den bacb trinken
u. von dem bachc trinken
308, 23 f.
bachen Brot backen 29, 2. 240,
17 f.; Christus wurde gebacken
an dem Kreuz 30,35.
baldechcit (baltkaitl Kühnheit,
Mut 82,22.
balmbüm s. palmboum.
balsame 287. 12. 294. 14-
baltheit Kühnheit 12, 3.
baltllche ade. ; b. antwnrten
kühn, dreist 259.22 f. |G):
b. sprechen 210.27 lG).
ban stm.: in dem b. sin S.u
bant: pl. din bandle) 24, 19j b.
der minne 102.6/'. 137. 20.
212.li): b. der sele 136,17;
mit den b. binden 9, 15. 29.
15.
barmberzekeit 18,23. z.
barvuoz gän 320. ts.
batönje (battAoie) Betonie als
Zauberkraut 5,2.
bcatitudo — - salikeit 124 22 f.
bechel stn.. vier bAehliu 70, L
becher 308.35(4?).
bedecken: mit der menscheit
die gotheit b. S, 31 ; pari
mit bedahten Worten 53.2s.
bedcckungc: An b got sehen
236,24?.
bediutunge (betütnng) Bedeu-
tung 1 56, 9,
bedürnen mit Dornen un-
stecken : daz bctlin ist be-
dümet 20, 28.
| bcgAn: gemeinsebaft bfg. Ge-
meinschaft haben 162. a>.
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Wortverzeichnis.
349
beraten, sich 38.2a.
begeben, sich liebes u. guotes
251 , so.
begerungie) 11,5. 13, 4. 22. 14,
iS f. 18. 4. 266. 28: vier b.
sint in der sfle 56, 14 /’,
begniden, den sQndcr 163. 5.
begrif: diu minne hflt wlten
begriffen (*« bevangin G)
141. 4 21.
begrifen erfassen, erreichen, im
eigentlichen Sinn 44.2». 203.
vif. 326,33; einschließen, um-
schließen 109, 13. 110, 4. 118,
llj Got b. 133,28/: 219,2 f.
287, 17. 294, 13; begriffen sin
mit lieht ausgestattet sein
159. 28. 161, a.
begQrten: begürtet sin mit
zwein g&rtlen 46, C; zesameu
b. sin 92, 4j semeno begurte
liute 307.32.
behalten in Obhut haben 61,
22 f.\ diu gebot b. 100, 14 f.
110, U, 120. 15. 24. 29; ein
reht b. 190, 15 ; sich b. sich
aufhalten |— ■ sich enthalten
120, is) 1 19,16; behalten wer-
den gerettet werden 5, 4U. 6,
32» 62,33. 206, 8. 309. 14, 329,
34 : behalten sin 165, 1,
bchaltcr (behailteri Erliiser 75,
in. 76, 16. 91,3, 153, 22 (G).
261. 2S. 282.13. 288. zu. 297.
21.
behaltnisso (behaltnust) : des
zites b. Einhaltung der Ta-
geszeiten im Kloster 339.
12,
behaltunge Kettung 282, 15,
höheren refl. niif Gen., »ich
über etwas erheben 214, lfi,
behüoten: part. behuot sorg-
fältig, vorsichtig 154,2/: 186.
15. 222, nf.
behQgede Andenken, Erinne-
rung. b. der fünf wunden
unsere herren 94, 11; von
dem nutzen unsere herren
b. 338, u>f.
beliügen (— irhugen G) 101,25.
197.5,
beiten: des herren b. harren
72,23/’. 96,21 f.: der bekfrde
b. 170, 11; mi< Dat einem
Frist gew ähren 105,1, 311,15.
bekennen erkennen, begreifen
289,5; fleischlich erkennen : er
bekande nie wip 49. 21 f.
bekfren hinkehren 54, aa f. 60,
K; wegwenden 89, 15.
bekerdc Bekehrung zu Gott
136, lßj des sündere b. 104.
31. 292, 1 ; s. Pauli b. 276,
bekomen mit Dat d. Fers., be-
gegnen 12,22. 123, e,f. 266, 1L
bekorn versuchen 93,5. 114, au.
116. 31. 117. 1 f.\ mif Gen.
der vr finde b. kennen lernen,
kosten 331.7.
bekorunge Versuchung 32,
23.44,32. 92,15. 12. 24. 93.11.
94, 1». 115,24. 123, la. 157. 24,
197,8. 200, )■ 244, 18. 278, 6.
283, 2. 285, a. 301 , in. 22. 326.
21. 335, 1.
bekrenken krank machen 20,
24.
bekümbern: sich b. mit un-
nützen dingen 14, 8. 26, 7 f\
mit guoten dingen 117, 2S.;
bekumbert sin mit Got 210,
14.
belüzen nachlassen: din Sünde
sint dir b. 79. a f.
beliben: ez bellbet niemer an
uns. herren, won alweg an
uns es liegt nicht an unserm
Herrn 31, 37; b. in Got —
Got in uns 299, 21 f.
bencdicite hün den Segen nach
Abhaltung des Kapitels im
Kloster empfangen 64, 4.
benemen einem etwas weg-
nehmen 20, 5. 57, in die
kiusche b. 3, aü. 135, 2. 222,
27; fügend b. 263, 51 andäht
b. 122,8; kricc b. den Krieg
aufhören machen 137, 20 f.
212. u.
benemen nennen: sie sint drl
benempt (benemide G) u. i
ein gewsere Got 234, ts. 23. |
i benüegen (benuogen) 18, li,
| 50, 4. 70, 8. 327. 16. 329. ia.
ber Beispiel vom Bären 120.
4. 280,16. 326. ef.
beraten sin gut versorgt sein
244, 8 f.j b. stn mit edclm
gesinde 247. if.-, ein ber-
räten hüs 247, 17.
berc: b. der beilikeit 25, 3.7:
drl b. 25, a; wücste b. «=
wüeste herzen 122, lij —
geischlich leben 269. 4/'.; der
heilige b. 298. 4.
bereffen (berefzen) strafen,
tadeln 156, li is. 162, 2h 192,
2. 264.4/: 323.2.2U.
bereffunge, des geiBtes 157. 15
«?).
bereiten jemanden ausrüsten
44. 15. 37; stn herze b. 201,
ül bereit sin 285. 5. 332,
U.
bereiten subst. Inf. (bereiterin
G) 101.22.
bereitunge, der sele 72. 12. 96,
is f. 138,1 f.
berespen refl. sich tadeln 157,
U.
berhaft a<{j. fruchtbar 82, a.
104.15.
berbafte subst. 328,26.
beribten in Ordnung bringen
56, 24. 64, 35 f. 156, 13 f.
berihtierin : ein b. der tugend
(G) 150. 26.
beribtungc innere Ordnung
156. 22. 157, vf.
herinnen: mit bluote gar be-
runnen 252, 12. 257. 1 of,
berrnit Pergament: reht aJs
man ein berrnit an eine ram
spannet 36, 18.
besamen adv. : besament vorn
miteinander fahren 180, 2a,
181.25 f.
besebatewen (besebstwenj be-
schatten 326, 22; fig. 49, »■
81,37. 227, ia. 302, 2.
bescheiden adj. klug, verstän-
dig im Maß halten 13,22. 33.
21 wsw.
bescheiden einem einen Be-
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350
Wortverzeichnis.
scheu! geben 106, 7. 1 1 5, if>.
1ÜL i
bescheidcnhcit Verstand, Ver-
nunft 27, &f. 51, a. 56, HL 64,
55, 65, i f. 65, i. 96, 3. 115,
2L 116, all. 133, LL 1 56, 13.
188.25, 192, 13- 232. 7. 315,
14. 311, zu (Z): b. gewinnen
15S, 1~; das Malihalten in
allen Dingen 120, HL 150, i
s f. 185, ȣ 265,1k 329,3. j
330, 23. 334, 27 /■; ein b.
merken einen Unterschied I
merken 193, 2 f. 329. L
Bescheidenheit personifiziert
21, 24 f. 46. XL
bcscheidenllehen ade.: b. strl-
ten mit Maß streiten 95; u.
beschouwcde Anschauung 257,
3J. 259, 31 f. 276, 27 |G|;
tougenlich b. 210, m vier b.
die diu sf-l an Got boschowcn
boI 206, L
bcechouwen, unser herze 14,9;
daz antlüt Gotes 5, 25 /. ;
daz gütlich lieht 202. 32.
beschouwunge, des geistes
157, li.
besehen betrachten 58,31. u,
65, 29; ansehen 107, 3 f.
besenden holen lassen 314, a.
besenken, in daz mer 193; 21.
besezzen, mit dem tiuvel 104,3.
115. 12. 12
besliezcn verbergen, das Feuer
58, 11 /.; zusrhlie/len daz
herze 24,35. 222, 29 (G); den
garten 47, l f.\ part. besloz-
zen; in Got sint alliu ding
b.23,ai;b. sin in mägtlichcm
libc 160, 2s/.; daz himelrich
ist b. 68, ic. 324,10/'.; ein b.
garte 46, 32 .272, 5. 298, 22
besntden beschneiden, unsem
Herrn 29. a. 59, 35,
besnidnnge, unsere herren 338,
12
besofet *, bcsOfen.
besta-ten einen stiit machen
107. 8. 323, 12.
bestsetungc (bestirtnunge) 121,
15.
bestecken 258, 22 327. hl
bestricken fangen 202, 19,
bcsuochen: Wollust bes. auf-
suchen 162, ä,
besilfen: pari, besofet (beso-
phit G) sin in Gatt ganz
versenkt sein 127,27. 131. iS,
145,9(6). 152, 35 IG); be-
softiu srclikeit 70, li.
beswierde 24, ü. 12 26. 2. 14.
50, fi. UL 70, li 177.12.
bete (bette) stf. Bitte 39. UL
LL
beten (betten) beten 2 1 . 36. 31.
202, 24. 244, 20/; 254, isi er
bettat mit dem munde, mit
d. herzen 22,2 üf.
betelor (bettleri 11, ul
betrahtunge 315. 11. 335, 10 fi
botrüebede (betrfibide Gl 24.6.
32,29. 62,5 i 69. 19. 85.
II 175, 29, 197,6 200, L 217,
UL 210, 35 (G). 300,23, 306.21
bet röchen strafen, hrimsuelien :
nu betrüebo dich Got! 110, 1.
betrüebesale (betröbsallii f.
Trübsal, Kummer 73, 37. 122,
2. ft.
bettoafn. Bett 20, 23 ; gebluomet
b. 20, 26.
betten das Belt machen ; praet
er bettote 322. a
bcttclin (betlin) Bettlein 20, 25.
161.13(6). 261,a.
betwunge; reden mit b. mit
Bändigung d. Stimme reden
334.23.
betwunge(n)scbaft Zt rang 135,
1 6/. 219. ul
betwungnust 124,18.
bevähen 118,6. 229.24. 230,18.
246. 11 f. 290, 11 ; part. be-
vangen 236. ul 290. 13.
bcvfUuinge comprehensio 229,
zu
bewiereii (bewurrcnl 78, a f.
129, 6 usw.
bewam, sich Aommunizicren
10, 13 f.
bewegenlich adj. 56. in.
bewellen: part. bewolien be-
flecken, vor allem mi( der
Sünde der Unreinheit 239,
32. 322, 24.
bewinden umwinden, ein-
wickeln 261. 26. 301. 22.
bezcicbcnlich sinnbildlich 103,
ul 278, 2L 296. 6, 320, fi.
bezcichenunge 8, u 237. 2. lä.
bezetten, mit bluomen 327, ul
bezimbera 307. 25 f. iZ).
bczzern 60, 24. S4, 35. 116. 5.
311. 6.
bezzerunge: ze b. komen 195.
28; ez komet b. davon 196,
15,
bieten (brttenl : laster b. schmä-
hen, schänden 45, 36; Gegen-
satz bulde b. 105, 2.
bietunge (bitungi stf. Aner-
bieten, Verheißung 236, u
illz
bihte 5, 33. 13, UL 24. 35. 49. 12,
53, 33. 56,3. 58,37. 63,2« f.
101.14. 311,4.319,3. 337.».
339, 20: b. beeren 7, 2; rehtia
b. h&t li ding 135, u /.;
sich ofnen in der b. 179,6.
bihlcn 5.31, 7,10. 214,24. 333.27.
bihtigwre (blbter) Beichtvater
53, £L S4, 37, 112,2. 136.6.
311, 6; die hl. b. — con-
feesores 167, 2. 183,3, 206.
ZL 247, E, 309, 2,
bilde: ein büses oder gute*
Beispiel geben bene, nehmen
ll.ll/~. 87.36.60,35. 147, 4/.
151.3/. 154.13. 167, 9, 182.
i 193,21, 226,2. 335, 23; guot
b. vor tragen 285, 21/; b.
enph&hen in Gote 233. 6: b.
unsere herren 17, 36. 18. u 59,
23 f: Ebenbild 38, s. 311.»
( Z) ; b. Gotes u. des tiuvels
320. 21/: driu b. der sele
320,24/.; eins engels b. an
sich nemen 202,1«: in man-
nes b. 224, ll
bildemere (bilder) Vorbild,
Muster 59, 2«. 60, 5/. 224.1-.
J 226,3. 293,15. 328. 24.
bildnnge 274, 11 ; vilschiu b.
des tiuvels 202, 8 f ; gebügde
ist b. aller dinge 233, 2 /.
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Wortverzeichnis
361
bin matc. Biene 204, 23 IG) ; de-
min daz bv'nlin (pinlin) 204,
g, 287,13. 294, 15/ 325, 3 /;
daz bigi 287, 17 ((?).
binden, daz kom 29,5,
bischaft Beispiel 56, io f. 283,
26. 339, 12.
bischof (byschof) 5,36. 81, 1«.
111, 15. 147. 32 f |G). 206, 32.
237, 1£L
bitnnge s. bietungc.
bitterkeit 50, 22. 110, 8. 120, 5.
125, 16. 22, 224, 310,5; b.
des herzen 128. ia. f. 336,
31; b. der helle 129,4; b.
der trähenne 128, n.
blwesen; näch dtnem biwe-
senne 272.3*lG).
blzcn (bissen) bei/len 20, 2s.
bliejen (bla-gen) außlähen 53.2.
bll (blaw) adj. 243, u.
bleich adj. : b. gold 93, 15. 94,
2£ b. werden 12, 22. 258,
3, 267, is. a,
bleiche stf. Blässe 94, 2 (G).
blintheit, der weit 213, 2.
blöz nackt 69, 36; mit b. band
angrlfen SOI , 21/
blüejen (blfigen) : prät. blnote
293,10; Part. bIQegend 160,1.
blüemelin, daz 264, g.
blüemen u. bluomen mit Blu-
men zieren 74, isj part. adj.
geblnometu.geblücniet 145,
4. 154,7, 160, 4/~. 272,10; g.
herze 20, g, 48, 25. 313, in f.-.
g. seil 32, 3 f. 33, 4; g. Got
65. 7. 126, 9 313, 11.
bluome 163, 18; b. in dem tal
273,6/’.; bl. der schB bletter
hat — Christus 304. 5 / 325,
28 /; an den bl. sint zwei
ding 33,54; = tugctlich ge-
dänk 139,14; •=» geischlich
lint 315, 32/.; ieglich ast des
balmboumes hat einen bluo-
men 260,5 /
blnot unseres Herren 10. nf.
101,26/~. 105,18. 282,13; bluo-
tes trophen unsere herren
258,24/.; begozzen mit bl. 29,
22, 30, Z3. 36, !»/■; bl. switzen
9,3«; w!n', der mägde bl.
180,15/.
bluoten (blfiten): die wunden
b. sehen 94, m. 286. 25.
borschoene gar schön 328, M,
borto (portc) Band 44,21. 46,
»/■-
breslich (boschlich, bceschlicb)
27,7. 45, 6. 105, 12,
txpsem : gebresret werden 53,
11. 54, a. 194,1/ 209, 2.
U. 320, 12.
bcescrungc Ärgernis 196,5.
bresewiht 109. 21 (Gl. 211, 2.
bösheit (bosshaiti 60,24. 116.
12. 157,5. 195,16, 23,
bote: die hl. boten Apostel
64, 21 S, zwelfboten.
bonm(böm) 238, «/; sich wei-
den an den boumen 23, 5/ ;
allerhahstcboum ■=■ Christus
23, 21/ 90, u, 326,23/; in
einem Beispiel vencandt 15,5.
boumgarte (böngarte, bom-
gart] 23,3 / 25, 11/ 55, 25.
273, 10. 339, 24.
bözen (bossen) anklopfen 73,
26 /; ze des mensefaen her-
zen b. 178, 14i
bözen (bossen) subst. Inf. 73,
25,
brä Wimper: brä wen juken
5, K pi. brauwen (brä G)
243, 25.
brahten(br5htenn)ldutscAreien
834, 26; bräbtend stimme
85,12.
bredicr (prediger) 184, 2 (G).
178, 2/ 183,3. 240, 13/ 241,
12 (G). 22. 277, 3.
bredige (predi(e)) 9, sl 296, 12,
brcdigen ibredien) 9. 24, 78.
M. 163, 17, 338,12.
breite, an der minne 133, 22,
breiten u. breitem iceit
machen z. B. das Herz, die
Minne 107, 22, 133,22. 153,
lii 185, 12/ 208, 33/ 220,
33 (G); eticas von einem
iceitersagen 195,27.
breete siem. (= gebrest Var.)
Mangel : br. in vollnngu 50,
1L. 51, 2« f; bresten hän 165,
l 261. 24.
Brevierzitate 42. I «Z KL ll 47.
19. 49, 24/ 50, 25 f. 78,6. 101,
27 / 102, 22. 126, 6. 127, 25/
228, 11t. 329,12/
brinnen : der brinnendcGot 156,
11/; brinnendc röso 164, 1,
briutegome (brütgom) 96,23 /
208, 6/ 263, io.
brosem, brosme 185, in (Gl;
br. guoter gedänkc 89, 13.
bröt: b. bachen in zwivaldgem
viure 30,3«; daz lebend oder
ewig b. «■ Christus 28. iS Z
237, 21/ 240. 6.
broeteltn Brötlein 198, 21.
brunne 3, 33. 142, 30; zwene
brunnen; wazzern. bluot26,
11; derlebendc brunne Chris-
tus 40, 52. 66, 16. 70, 19. 124,
11. 136, 35 (G). 155, 15/.
219.2. 238, 12/ 259,22 /(G).
287, 19. 294, 17. 310,27 (Z).
830,32; — Maria 48, 29;
— hl. geist 58. 39/; b. von
wurmen 307, 30 ( Z); br.
vliuzet zc den ougen dz 20,20;
Ober den br. sitzen 58, 51/
310, g (Z).
brunst stf.: b. der Minne 66.31.
brünstic adj. 305, 2,
braoder (broder Z) Kloster-
bruder 71, 5. 139, 11. 161,6.
166, &. 194, 2. 11. 195, 12.
196,6, 212,7. 216,23. 226,15.
241, 20 (G). 252, 6 (G). 269,13.
316, 23 (Z); bruodern tuot
man 5 ding, so si von dem
wege koment 40, 5/
bruBt stf. 107, 15. 330, 1; under
einen brüsten tragen 287,17;
zwö brüste 308, 15/(/?). 310,
12; reif ze den brüsten 46, 4;
brust iuwers tröstes 306, io.
brüt 96, a. 208, 6/ 307,19 (Z)-.
ze einer b. gefüeget werden
241,ifl,
brfltlouf ibrntlöf) Vcrmählungs-
fest 72, a 96, 22, 97,18 /
102, 13. 302, 24.
brütmantel, der sflen 241, 2.
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352
Wortverzeichnis.
büch Bauch: den b. gefüllcn
30^ 31 1 ff).
büezen: ir nötdurft b. besei-
tigen 176, H.
böbel Hügel , Buckel 72, lü.
90, 1 9f. (G). IST,«. 208, 23,
307, 23 (ff).
bülielt adj.: bühelter wec 189,
13.
human Bauersmann 92, z.
bunctili Pünktlein 309, n (ff),
buoch : daz lebende b. Christus
131, 13 f. 315, 2s; b. der wis-
heit 1 13, ia, 186. 5: drier-
hande b. 315, 21 f.
buosem stm . Schoß 11, 33.221 ,20.
bnozo stf. 58, 3L 63, 2a. 101.
li 811, 5/.: daz criuze einer
b. 253, li.
bnozwertec (bhzwirdig) adj.
der Besserung bedürftig 333.
HL
bnrc, ftnc tum 142. 31; diu
himelachc b. 266, 3.
burde 206, 23. 216, 2a.
burgiere (bürgen 245,22/’. 307,
bQwcn: daz abgriindcderhelle
bewohnen 90, 9; 293, 22 f.
C 1. k.
du hcime adv. 14, 10
dancbtereldankbcri i Dankbar-
keit 66, 32. 33. 241. 3.
284,26. 336, 25.2S. 839.13.
dannen (dannan) vam weg fah-
ren 76, 31. 300, 23 f.
dannoht dann noch 6, cf.
dar unbe 169, li
degcnlichc adv. mannhaft,
tapfer 57, HL 96. u.
dempfe (temphi) stf. Engbrü-
stigkeit 181, 5 f.
dfmuot s. diemuot.
denen (dennen) 140, i9(0). 308.
21; pari, gedenct 313, 31 (ff),
derhalp adv. auf dieser Seite
203, 23 (G).
derren dörren 48, c.
deus 296, ls.
diemüete (demuot, demüeti)
Herablassung 100, 25/'. 304,
7 f. 292, ls f; d. in ricbtuom
340. 3; vrow Df muot 21, t3j
swcster Demuot 21. 12.
diemüetecheit (demütekait) 45,
13. 50, 11. 51_, 15 f. 54.
11 f. 66, 21 /’, 67, 7 f. 68, 11,
82,33/: 139.10. 144.11. 149,
27 f. 225. li 24L 7- 263, 17.
322,5; vrow Demüetkeit 21,
10; zur Demut gehören 12.
Dinge 84. 3 if.
diemüetecltche (demütklich)
adv. 19. 11. 54, 15 f.
dlemüeten (demütcn) 32, 3s.
225. 2i 288, 15 f.
diemiictigcn idemötgcn) 225.
25. 245,1. 283,15. 338, 32.
dienen: Goto d. 146, 11/; Got
vroelichen d. 199, ii 213, c,f.
236, 9 f. 265, 2i Got träcliche
d. 199. ic.
dienest idienst); von der sterkc
in Gotes d. 92, s/: Gote»
dienst hl. Messe 8, ia.
dicncathaft dienstbeßissen 102,
iü(G).
dieucstman (dienste uil 43, hl
diep: unser horre gelicliet sich
eim d. 72,1/'; aller (liebe ein
meistor 29, 2L 30,33.
dieme ancilla domini 28, 23. 82,
37. 197,3. 225, 16/: 226.25,
302. 11.
diet, irdeschiu weltliche Leute
158,21,
dileccio 132. 2.
dinn « dinne) adv. 290. c.
discipltne nemen sich Kastei-
ungen auf erlegen 115,26. 182.
li 202, 2i 245, i 333. 23.
dislclhalp adv. auf dieser Seite
203. 23.
disputieren 113, 5. 236, 2a.
donerstac: der grüzo cloustag
Gründonnerstag 198, 12.
dormenter (dormiter) Schlafge-
mach der Ordensleute 20, 2i
339.21
dom : 9/ einen d. guot fruht
zwigen 159, i 316, 12 mit d.
gekroenct 257. 12; die Dor-
nen bedeuten den Streit eines
jungen Menschen in dieser
Welt 52, 12,
deert « dort) adv. 207, s; hie
oder d. 169. 16 f.
dnejen : part. gedneget 243,26.
dreschen (drfschcn), daz kom
29,6/:
drinne, drinn, drin adv. 244.
s f. 324. 15.
dristunt 50, 3.
dritteil (dritail) »tn. ein Drittel
103, »(GL 108, 17 (G).
drlvaltecheit hl. Dreifaltigkeit
16, i 64, 24. 71,2. 78.22. 124,
12. 141,13, 234,»/: 313, 2 olff).
336,16.
dröuwen(tr5wen) drohen 56. n:.
driikennen s. trükennen.
durchiehten verfolgen 276.it/’.
durch gt‘n (durgfn) etwas in
betrachtender Weise durch-
gehen 31, 20.
durchgesiht stf. Durchblick
205. li 22. 208, 28. 219. 32.
durchgiezen, mit der gnüde
223. 26,
durchgründen vollständig er-
gründen 289, 3,
durchliuhten alles erleuchten
79, 20 /■
dur(ch)Uuhtic adj. 105, 27. 301,
20.
durchlüzen ganz u. gar bis in
die Gottheit hineinschauen
SO, 31
durch rinnen : durch rennen mit
bluote 257, ii
durcbschtncn 243. 12.
durchsiahen durehboren 106.
6.2L.
durehvarn, alle die weit 269.7.
durcbvliezen mit der Gottheit
133. 3. 155.21. 171, li 185,
57 t'om hl. Geiste 160. 8.
durchwiejen (wigeni durch
wehen 169, 12,
dürft adj. notdürftig 32, 25,
dumeble adj. vollkommen 252.
26.
dumehtic adj. vollkommen 13,
if. 28, »/: 61,30, 1)0.22. 2i
226.8/’. 274,26. 333,11. 33S,2i
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dumehtccheit 129.31. 131, i.
durnehtccltche (durnihtklich)
adv. 83, 12.
durnehtungo stf. 15,2.
dürre: daz vil dürre ertrtch
312,31 (Z).
durat : satt und d. 1_9, 17.
6, diu 6, as; unseres berrcn 0
239. saf. ; altiu 6 altes Testa-
ment 1 1 , itf. 29, 42, 45. 36.
59, 35. 97, 3J. 99, 12. 101, 15,
109,15. 110.20. 112.20/ 119.
11 186,12, 200. 11 319, 1»:
die v geben den alten Bund
einsctzen 200, 11
eben] -Cwic 324, 27: -gewaltic,
-wlse, -guot 234. iS.
ebencrist Mitchrist 2, ja/. 23,
14.54.11. 162,4, 166,5, 173,
2. 181,9. 193,4. 12/. 196.31.
216, 21. 316,27. 337,14. 338, 5,
ebenhclle subst. Übereinstim-
mung 307, 23 (Z).
ebenhcllen übereinstimmen
306. 8.
ebenkellunge 333, 12.
eben mäze Ebenbild ein trugen-
iich e. der crfatüre 203,1/".
ebenmensche Nächster 54, 14,
149,18/1 173, 1.J, 175, 5.
176.2. 10. 177. 3. 216.19.261.
a. 279, an. 285, 21, 335, 23.
337, 22,
ebne subst. Ebene, Gleich-
mäßigkeit 187,2a.
eccc 324,8/".
edel berre 26,23; edel liute
51, 16: edel steine, fünf 62,
2/; edel gestcine 199, 28,
edelechoit ledelkait) 61,28: ed.
der natüre 235, 13 ; der bil-
dünge 233, 2L
egeba-rliche adv. schrecklich
262. 21.
egeslich (egschlich) adj. furcht-
bar: e. geriht 3,23,
ebcrsere ( ihrer) Ährenleser
271, 14: ehinsre, ehirar (G)
271. 30.32,
ehcren Ähren lesen 271, 31.
ei (ay), daz 283, 26.
Deutsche Toxts See Mittelalter». X.
Wortverzeichnis.
oigenlich adj. 165, 5. 12. 188,14.
eigenschaft 111. 2. 211, 2a.
eimer: die e. üf tragen 303,7.
einbceren : geeinbseret sin 183,
11 (G).
eine (aini) stf. Einsamkeit be-
sonders des Herzens 61, 5,
Jif 73, 9 f. 87, 34, 35, 130,
22. 222, lfi.
eine adj.: e. sin 277, 28j mit
dem herzen e. sin 83, 9/.
145,21. 210,7; 0. vam 180,20;
e. vinden 222, 15.
eine adv. einzig 321, 34.
eincc (ainig) adj. 9, a. 85. n,
112, 20, 208, 32: eingez kint
252, 18, 302, 18: einger sun
252, 11; Dat einer eingosten
s&e 239. lsj nibt einigis
nichts eigenes 137. 23 (G).
einecheit (ainkait), der natüre
16,4,
einerborn : einerbomer sun
163. L
einest adv. 51, 34. 104, a (G).
130, 21. 218,15. 287, 16. 330,
25; einest — andrest 21,29.
eingeborn 250, 15.
cinhcllungo (gebcilunge G)
Zustimmung des Willens
zur sinnlichen Regung 114,29.
einmüetecbeit 307. 9 (Z).
einöugc (ainig) adj. einäugig
7, 16.
einrihte, des herzen Eigensinn,
Eigenwillen 201, 22.
einribtic adj. eigensinnig 201.
30.
einvaltcc adj. 69, 2a,
einvaltechoit (ain valtkait) Ein-
falt 137, 20 (G). 202, 31. 212.
lü, 224, 15, 21, 321, 28 f,
einvaltcclich gebörsam 65.ia.26.
eiter Gift der Schlange 3, a,
elbiz (elbs) Schwan 265, 20,
electa — orwelt 287, 4,
elcfant s. helfanb
fliuto 180, 11 (G).
eilende stn. die Verbannung in
dieser Welt 19. is. 39, 24. 40,
12, 68, 20. 72, 3. 230, 2. 259,
13, 307. 1 ; ftzzcr dom eilende
353
dirre weite vam 307.14 lZ):
in e. körnen 137,31.
eilende adj. fremd, verbannt
34,38. 150.13/".
emzcc adj- 135, is.
emzecllche (emzklich) adv.
254,2.
enanderz adj. « ein anders)
etwas anders 112,7; ebenso
en klein « ein klein) 197,
u; enwcng ein wenig 98, 24.
enbinden, von Sünden 7,2/".
8,24.
enbteen (enbissen, cnbizzen)
genießen 13, a, 25,
enblecken (embleken) sichtbar
machen : lacben än zen e.
334,1.
ende: iemer mö 3n endce zil
64, 7 f.; e. genemen 261. 2.
306, 2Q; an daz e. bringen
202,22. 236,7; zeeime. körnen
133, 25. 305. 4j ze slm e.
sin beim Tode eines Men-
schen sein 254. 12 f. ; an slm
c. ligon im Sterben liegen
338. LL
end(e)haft adj. völlig 253, 0.
endelicbe adv. eilig, schnell
332, 2.
engel 15, ai» 16, s. 35, 25, 47,
22/. 54, 32. 68. 30. 38. 85.
SS. 106, 10/. M3, 14JÜ 168,
1 174,10. 182, 19. 26, 183,
5 f. 192, 12, 206, 27 f. 210,27,
218,19/. 220,21. 222,5/. 227,
2. 233,9/. 239, 2. 239,9. 247,
6. 288.2. 308. 2. 320. 10 /;
Begriffsbestimmung 78, sf.;
dem e. sin rebt geben 286,
1; vier e. 103, 1; spräche
der c. 22,21. 179,29/,; — pre-
dier 178, 2; eim ieglicbcn
menseben einen c. bevelben
186,25; als ein e. crschinen
202,10/.; der boese e. 224,17.
cngelisch (engclscb) adj.: e.
leben 113,20; die engelscheu
Spiegel 233, 16/.
engclscblich adj. 221, H. 224, is,
engelscblichen adv.: c. leben in
fleischlicher natüre 278, 2 f.
23
Digitized by Google
354
Wortverzeichnis.
engen tnfr.: der wec enget
wird enger 187, 10.
enhalp « jenhalp) 203, ».
enmitten adv. 184, 20.
enphtehelich (empf eilig, an-
pfellig) adj. empfehlenswert,
angenehm 162, 25. 298, iS.
enph&hen : enphangen werden
mit Sünden 63, 6 f.
enphenclich (enpbanklich, am-
phanclich) 65 , 24. 111,18(0).
enphindungo, der sinne 114,
xf.
enphlichen 134,20.
enteren 311, 24. 330,4; part.
enteret 311, 32 (Z).
entheizen geloben 56, s. 111,19.
entledigen (cntlidgcn) 24, 28.
337, 1
entlPhen : eine entlehende Wol-
lust 209, ls ( G ).
entllben mit Dat. verschonen,
amweichen 90, 5 (G). 91, 4.
1. 95, 1. io. 12.
entliuhten erleuchten 58, 20 /'.
63,15. 160, 27/1 201,»; der
entliuhtendc Got 157, 2«.
eotreinen verunreinigen, be-
sudeln 34, 0. 12. 61, 28. 128,
nf. 187,1. 190, 22. 25 f. 210,
21. 299,10.
cntschaffen ganz ungestalt
machen: ontsch affen Bin von
des tüdes nGt 313, s.
entsläfcn (entschlaf fen) 93,15. iS.
entsliczcn aufschliepen 68, 17.
324, 12 f.
entspringen intr. : ein brunne
entspringet 20, 20; ein brunne
von wunnen e. under mir
307, 90.
ontst&n verstehen 121, i».
entwischen 134,7.
enwee adv. hinweg 99, 7. 186,
18. 21. 204, 15.
enzihen ref 1. sich losreiPen
von, entsagen 68, 27. 110, 24.
231,8. 232, 24. 278,0; sich
e. in sich selber in sich zu-
rückziehen 232, 33.
enzücken : part. enzueket (■»
verzucket) entzogen 34, 3.
enzwiseben (enschwischen) 92,
2 «?).
epistel Brief des hl. Paulm
241, t.
erbte re (erbare) stf. 21, 16. 86, s.
erbxrlich adj. 307, 9 (Z).
erbarmherzec adj. 18, 25. 61, n.
104, 30. 135,7. 199,90. 200,4.
erbarmherzocheit ( erbarm -
hertzkait) 241,7. 339,22; ire
barmiherzichait (G| 269,34.
erbe «fn. : e. wider gewinnen
146, 6; unser reht erbe 307,4.
erbermcclich (erbarmklich) adj.
erbarmenswert 324, lc.
erbermede (erbarmd, erbarm-
de) Barmherzigkeit Gottes
31,91. 68, 23 f. 88,23 f. 90,9.
135.4. 163,4. 169, sf. 178,16.
250,20. 290,1. 314, 11 332,24;
Barmherzigkeit der Mutier
Gottes 57,34/'; Barmherzig-
keit gegen den Xebenmen-
schen 19,5. 46,8 f. 100,21 f.
199,23/'. 263, 24; personifi-
ziert Erbiirmde 21,17 f.
erbibenen 129, 3.
erbleichen intr. bleich werden
105,27. 313,5.
erblenden: erblendet werden
209,2. 15; erbl. sin 210,4.
erbunnen beneiden 179, 21 (G).
crdriczen lästig werden 15, 22.
ere: drie sunderlich e. 329, 36 f.
crecta — ftf gerihtet 286, li.
6ren man sol 4 dinc crcn 8, 5.
erenden an das Ende bringen,
aushalten können 25, 30.
erenrlchc adj. 115, 13. 153,4
(G).
ergem; einen mit boesem bilde,
Ärgernis geben durch schlech-
tes Beispiel 1 93, 21 ; sich e.
11,17 f. 334,96. 335,38.
erhälicn; diu sele ist erbangen
94, 2 (Gl ; diu weit ist uns e.
214, 12; erhängen in den
gütlichen Spiegel 205, 29.
erhügen (— behügen) gedenken,
sich erinnern 101,25 (ß).
erkantnnsse icrkantnust) 4,12;
331.4. 333,4. 12. 339,22.
erkennen den Beischlaf pfle-
gen 49,25.
erkennerin, diu 23, 29.
erkennungc ( bekenn un ge G)
Selbsterkenntnis 157,n; e.
unsere herren 254,16 f. ; drier-
bant e. 254, 25 f.
erkichnnge « erqnickunge)
282, 15 (O).
erkiken, erkiehen (< erquicken)
neu beleben 141,35 (G); den
töt e. 284, 22; part. erkiket
252. 14. 326,2.
erklupfen erschrecken 56, 23.
erkomen intr. es kommt mich
an 303, 11 (G); refi. sich kosten
lassen 41,28.
erledigen: part. erlidget 4,7.
237. 10.
crleschunge (erlöschungi , ha-*
ser girdo Auslöschung 255, 17.
Mich adj. zur Ehre gereichend
12. 14.
erlceser 105, s s. Leser,
erlcesunge 222, 10. 282, 15.
ermassen ( statt ermezzen ?) oder
ist Korrektur ir mäze rich-
tig 1 233,32.
emstiiciic (ernachlichj adv. 24,
39.
erougen (erügen) zeigen 26, 19 f.
30,31. 154,26. 167, 17. 38 nsir.
erquicken s. erkiken.
üream adj. 18, 30.
Oreamkeit stf. 21,9; vrow Ere
samkeit personifiziert 21, u.
erechlnunge stf. Erscheinung
202. 11.
erschrlen : praet. erschre. auf-
schreien 10,8.
ersehen 58, 36; refi. sich in der
Anschauung Gottes verlieren
233,17. 298,22.
erelahen: diu miltekeit e. 135.2.
ereliewet part. lau geworden
269, 36.
erepehen 80, 30.
erspiegelen widerspiegeln 26t>.
12.
eistecken 69, 10.
eretriten (erstritten), daz himel-
rieh 247, 12.
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Wortverzeichnis.
ertrlch gleicht dem geistl. Men-
schen 37.22-
crvalwcn fahl werden 71, 24.
264, 27. 313, 5.
ervislunge stf: e. der gedenke
Aufdeckung 339, 23.
ervüllen : von | oder mit) mtner
gebürt 153, 6, 154, 25.
ervurben säubern, reinigen
832.25.
erwärmen, an dem bette warm
werden 182, n
erwelange (erwellung), des
mensehen Auserwählung 1 19,
i f-
erzenie s arzenle
erzneken (= verzucken 34, 2):
der gruoz ist erancket 33,
aa.
esel od ohse U, 16; e. Balsams
15,21*
esse stf. Esse, Feuerherd 93,
li
ctschlich « eteelich) irgend-
einer 174,6,
ewangeli, ewangelium 8. u.
22,3/1 28, la. 49, 7, 51, 34.
52, 26. 53, 22. 54, 13. 57, i sf
60,31. £2,32. 70, 3$. 12,22.
82, 5 f. 65,22, 96, 24. 98,8,
110, 19. 110,31, 113, 1. 117,
31, 136,12, 148, 29. 151, 19,
163,13/'. 164,13. 167,26. 172,
21. 183, 17. 193, 22- 200, 21.
237, 23. 238,24, 259,3. 267,
li, 283. 6. 284, 22. 300,12.
304, 10. 330, 16. 336, 12. 337,
34,
Owart sicm alttest. Hüter des
Gesetzes 97, 31, 98, 2. 237, 15,
ewecheit Ewigkeit Gottes 54,
22 f. 133. 20. 235,21. 290, 17.
304. 18 f.
öweclich (ewklich) 1,1. 57,
2S usw.
Swirdechoit (G) Ehrfurcht
147.25. 150, 1».
ezzen stn. 183, 15; ze einem
grOzcn e. Gotcs 177, 11;
zweiger hand o. 178, ll f.
ezzich Essig 35,20. 70, 2. 325,
24,
gäbe: g. Gotes 67.33 f.\ gröze
g. vergeben enpbähen 168.
gsehc adj. schnell, ohne Auf-
schub 136, 2; gtehea adv.
19, 31. 281, 25,
galle swf 88, 2a. 61, 2. 4j mit
g. trenken 35, 2a. 70, 2. 106,
4. 257, 12,
gän: ital über daz velt g.
113, 23j an den wec des
vihes g. 157, sf
ganc: vaisebe genge 3, 30.
ganeist, ganeiste Funken 270.
L 314, 12, 12.
gänzliche (gaintzlicb) adv. 17,
13. St
garte : ein bcslozzcner g. 46,
32. 47, 1 f. 272.5/'. 273.19 (G).
293, 21 ; g. der Wollust 158,
12. 269, 2.
garteniero 92. l f.
gast 19, if.
gasthOs 19, 3, 40. a.
gastmeiBter im Kloster 339, 2S,
gastunge in der Seichte sich
nicht anklagcn durch g., um
sieh damit zu rühmen 135,
li.
gcahten 182, 23.
gearcwäncn 194, il
gebterde äu/leres Benehmen
32, iaf 154, 6, 179.1/'. 316,
8. 334, 4.
gebären refl. sich gebärden
126, 19, 264,6. 260, 1, 830,
IS, 333, i 334 , 26,
gebeine stn. 258, la.
gebende stn. 29, 15.
geber: ein rlchliger g. 22,9 f;
ein g. aller gnfldc 201, 20,
gebet 121, 14; andsehtic g. 44,
29,31 ; heimlich g. US, 7. 138,
17, 170,15; geischiich g. 274,
ei Kiterz u. reine?, g. 315,
18 f; lang g. unsere herren
283, 2a f. ■ von des gebetes
nutz 21, if ; g. an dem töde
ist nütze durch zwO Sache
254,5; an daz g. gän 295,20.
gebeten (gebetten), mit dem
munde 22, il 12, 29.
355
gebiurisch (geb&rsch) adj.
bäuerlich 326, sf.
geboten (gebo-sren) böser
machen U, m, 193, 22.
gebot stn., diu zehen l^i 110,
uif 200,12 f; g. unsere herren
100. 14; diu g. behalten 120,
24, XL 165, J. 300. 15 ; loufen
in dem wec der geböte 187.
19; stm. der obrost g. 166, li.
gebrsscho Gepräge 1,9 f,
gebrechen zerbrechen 231, 20/.
gebreiten weiter machen : daz
herze mit der minnc g. 487,
18 f. s. breiten.
gebrcst(e) Gebrechen, Mangel
14,3. 22, 32, 48, 28. 51, XL 61.
10 f 62, 13. 66, lfi. 107, 4. 143,
4. 154, li 205, 2S, 245.11, 291,
vt f.
gebresten 10, s. 26, 15. 52, 20 f.
59, 29, 193, ü s. breston.
gebtlezen ersetzen 67, u.
gebündclin: daz mirieng. 287,
11
gebQre tirm. Bauersmann 118,
2a. 25. 245, 29, ia (G).
gebürt, unseres herren 67,38,
296,13; g. unsere herren vier-
valtic 71,12; von vier hande
g- «2. sstf.
gcburtlich adj.: der g. tac
unser vrowen 328, i
gcdanc: pl, gedenke 59, 20. 60.
21/. 89, 1 3. 148, 48j; reino
u. sfieze g. 59, 60, 21 f.
160,4.23; drler hande g. 27,4.
204,6 f.
gedenken: näeh Goto g. 208,
■&f.\ \1 ding sont wir ge-
denken 336, 15 f.
gedräte adv. schnell, eilig 99, li,
gedult, Gotcs 291, a f.
gedultecheit 69,39. 100,25. 102.
15.137, 16/'. (G). 280.23/: 241.
1 ; personifiziert vrowGeduit-
keit 70, iaf
gedultsame stf. Geduld 34, 24,
252, M,
gefrt adj.: diu g. Maria 311,1.
gefrtrichc adj.: diu g. Maria
302, 2 (G).
23*
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356
Wortverzeichnis.
gegenwart (gegen würti)Üf0en-
i eart 81. 26.
gogenwürtec (gcgewürtic) 17,
a, 198. 23.
gegenwurtecheit (gcgenwürt-
kait) 17, io.
gegeren — gercn 153, t« (G).
gegihtc stn. Gicht, allgemein:
Weh 31, 16« 14.
gehäbedc (— habe Var.) 110,
r- (G).
gchaben: gehabent iuch wol!
49,iej gchab dich wol! 281.
2T. ; sich übel g. 281, 25.
gehalten behalten, fcsthalten
23, 14/ 54,20. 101, 6, 112,23.
313,9 /
gehefien: sin herzeg. 189,22;
»ich g. an Got 210, l /
geheilen übereinstimmen, zu-
stimmen 2 1,22. 76. 5, 117,10-
12.
gchellunge stf. Zustimmung
de» Millens zur sinnlichen
Regung 114, 29 (G).
gehen « jehen) sagen 53, ze
gchcrzct (gehertzt) adj. mutig
94.12.
gehcerde Gehör 222. 26.
gehorsame (gehorsam i i stf. Tu-
gend des Gehorsams im Klo-
sterleben 45,27, 3.1, io. 33 f. 65,
22. 69,29. 100, 24, 110,16. 111,
20 f. 114.1/'. 121,1/. 144.10/.
211. za. 335.ii; Maria ein Vor-
bild des G. 226,8 Z; Chris-
tus ein Vorbild des G. 251,
16 f. 304, 7/; g. loben (ge-
loben) 51, il 283, LL
gehügde Gedächtnis der Sele
74. 12. 2L 80, 4. 171, a. 188,
22. 233, 2[. 2M, 10/ 241, 16/
262,22. 274,1. 336,13. 339,
ie/.; von aller g. von aller
Kraft der Sele lfil, 361 g-
unser« herren marter 101.
21. 102, 2[ g. n. h. tödeg 258,
27/; in der g. tragen 247,
3 ; ze einer g. enpbühen 198,
i»; sich laden mit der g. slner
krankeit 323, 9^ in der g.
Gotes sin 147,20 <G|. 149,3.
geil adj. 279, 2a. 333, 25.
geirren (geierron) 80,26.
geiscl stf. 29, 23 Z
geist, der hl. 12. 3. 38. 22. 65.
26. 28. 68, ls. 10. ai/. 75,1.3.
80, 15/ 81, K. 36. 105, 22.
106, 2- 108, 7, 116,1. 11. 137,
26. 140, 12. 142. z. 147, 2.
157,3. 8, 158, 16, 160,8/ 202,
36. 212, IS. 227, 9. 234, 16.
271,10, 275, 22. 282, u, 297,
16. 302,9 323,8/ 335,5. 336,
is; ist in dor sele in drl wlae
58, 1 fi g. Gotes — des
tiuvcls 172,3«/; ein vrier g.
205, 15/; die b insen geiste(r)
254,8/ 278. 29/ 335,«.
geistlich (geetlich, gaischlich,
gaislieh, gaischlig) 11,8. 14,
5. 23, 32,15/ 109, 12. 110, 9j
g. leben 12. 13.33. 18,29, 25,
8 / 207, n/; gelichet sich
dem berge 25,9/; daz g.
düster ist als ein boumgarte
25,11.
geistliclien adv. : g. leben mit
den liuten 54, 1 uf
geklaffen 333, 26.
(ge)koufen , himclricb 113, 11.
gel adj. gelb 22, äfl. 243, 11,
gclaif inich adj. schnell geläufig
301, 16 (G).
geläzen (gelassen) ir.frei lassen
30, 12 /■; g. an Got — ge-
loubcn an Got (G) 195, 3,
geleisten, die minne 166, 2. s.
leisten.
geliche Gleichnis 233, u, 242,
zu ein g. geben 291,14: sich
ein g. machen 305,7; Gleich-
heit 321, 25; diu gliche der
bildnug des tiuvels 203, 22.
g(eiliebsamc stf 255, 5j oino
g. geben Gleichnis 185, iß
(G).
gelichnns ig(e)lichnnst) stf
Vorbild 340, 17/; in einer
vrowen g. 279, 11
gelichnnge, desmenschcn Ähn-
lichkeit 143, 12/
geliehen intr. angenehm sein
137, L.
gellgen intr. aufhören, sich
legen 312. 2a (Z).
gelihsenen heucheln 274. u (G),
gclthscner Gki/Iner 22. 13/
gelimen, sich 129, 25.
geht: pl. gelid u. gelider 115.
9. 162, 11 243, 26. 339, 25; g.
der cristenheit 175,17,216,21.
gieiloube (glühe) Glauben 83.
5/ 202,3. 229. li. 235,4/ 248.
19/ 259, 22, 261.5/
geloubec adj. 9,25, 143, 5. 341,
12.
gelt Ersatz: grüzez g. schuldic
sin 168,4/
gelten vergelten, uäedergeben
11, 16. 60,25. 168, 16. 320,1«:
daz übel mit guotem g. 162.
6.; gegen tüsenden niht einz
ze g. hän 206, is / (vgl. 197, it).
gclütXclde 158,ti(G). 295, 13.
gelübschafte Gelöbnis 158, 3
(G).
gelücke: entslafenentz wischen
zwein gelücken 93, 1 */
gelüst stf: g. an Got Freude
an Gott 132,12/; mit g. an-
sehen 257, 11 ; — stm. böse
Begierde 144, 6 /
g(e)lustec adj. 145, 12. 209. li.
218. la.
geluBtelich adj. 316,6 /
gelnsteliche u. gelnstediche
(gelustlich) adv. 199.n. 239.2.
gemach stn. Wohlbehagen, Be-
quemlichkeit 13, 20. 202. is.
29; g. des libcs 119. ta. 3,.
294,22; mit g. leben 148.5.
gcmahel Bräutigam u. Braut
der Sele 45, j. 60, ta. 64, 7.
225,17. 267,21. 272. 9.
gemabelschaft 273. n/,
gcmwlde ; daz g. in der Idrrhen
243. uf
gemülen malen 240, 1*.
gemeebede (gemichdei Ehe-
gatte 277, 27. 318, 8 /
gemechltch adv. : g. ze bimel-
riche körnen 202. >.
gemeinde stf die Gesamtheit
133, li. 270, 36,
gemeine adj. gemeinsam 162,
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Wortverzeichnis.
367
2 tf. 270.7. 271. sf. 326, 3 f-
din sänne ist g. 77, äl f.
103, is. 104, 28 f.\ der m&n
ist g. 106, 29/. 107, Wf.
gemeine »tf. 271. i.
gemeinlich adj. 220, 2 1(0).
gemeinllche adv. 107, 21 ; sich
g. halten 183, 12.
gemeinsamen 66. 4. «8/1 86,2,
gemeinscbaft: g. begän 162.
20.22.
gfn (< gegen) 65, l«.
g{cln&de: von nnsers herren
gnidcn 66, l f. ; götllche g.
223, tf. u. öfter».
gemedecliche (gniedklich)a<fu. :
g. beiten 170. u u. öfter».
gen&hen 95, a.
geneigen 59, a: sich g. 76, in,
11, 209, 14. 27j mit geneigtem
houbete 251. u f.
genemen nennen 226, je.
genern 264, a,
genesen 6. 33 f. 51, 13. 325, 21.
genidem refl. »ich demütigen
149. 22.
genieten mit Gen. 124. 2s.
giejnöte: alse gnöte 193. 18 f.
(G).
gen ü egen »tn. 13, L
genuht »tf. Fülle, Genüge 41, 1.
59, si / 290, 7. 291. li tf.
gennoc, gnuo adv.: g. be-
scheiden 13, jj; g. guot 14,4;
g. tiure 90. L
gennogon 11, 22. 249, 30 (G).
gerne Igentzi) »tf Vollständig-
keit 82,3, 129. 28.
gerochenen « reckin G) dar-
legen,ganz aussprechen 140.3.
gereit adj. umher schweifend
204, li.
gereitc adv. alsbald, sofort
99, 22.
gerihte : g. Gotes 206, 3_/j g.
unsere herren 336, 11.
gerihten refl. sich zurecht
finden 201, 2t f.
gerihtic adj. recht, gewandt :
ein g. znngen hin 181, tf.
gerüemen 82. 1.
gerüeren 124, 2,
gerfinen (grünen) zuflüstem
80, li.
gemngte) »tf. 17, 28. a, 42, 2S.
24. 132, 28 (G|.
gcruochen 66, 11. 271, a.
geruowen 34. 13.
gesamnen: sin minne an Got
g. 15, 5.
geschadcn 58, aa.
geschal Lärm 73, 12.
gcscheffede Igeschift, gesch e-
pfede) Geschäft, Werk 54,
33. 38. 147,29, 273,15: Geschöpf
58,7. 204,1.209.6.11. 112,12.
232,11. 243, 1. 26 f. 289. 4. 294,
25, pl. geschAfte 152,4.
gescheiden 6,30. 70,4. «; part
adj. 121,25. 140, n, «/ 208,
2L
gesehen : gesach mich Got 127,
»/.: j& zwärc, sö uns Got
gesach 294. 14.
geselle 28, u. 61, 11. 63 ,zsf.
69, »2. 70, ». 211,», kneht
und geselle 91,22. 162. u.
gesellcschaft 131,7. 143,4; g.
der liebe 137, 24, 212, 112 sich
vröuwen der geselleschefte
307,8 (Z); ze geselleschefte
körnen 307, 33 (Z). 131.7;
mit gcselscheften vam
308.1.
gesetzen niedersetzen 87, is.
gesigen; an dem tiuvel g.
15. 1,
gesiht, des frides 208, is.
gesihtic adj. sichtbar 131,1.
25. 187.5, 313, 1» (Z).
gesinde 115.21. 244. ln. 247,4/;
himelschez g. 62, 21, 145, is.
309. 3.
gesitzen : über den brennen g.
sich niedersetze n 310. 2fi (Z).
gcslicfen (geschlieffen < ge-
fliesscn Var.) hineinflie/len
300.1 fl
gcsmac 91. li; g. der tugendo
259. 1 tf-, g. von dem töde
Gotes 258, 17 f.
gesmecken mit Gen. 13. 10. so;
unsere herren g. 236.4.
gesorgen 64,2.
gespenste, der weit Trugbild
der Welt 140, 14.
gesprmche adj '. wol gespree-
cho beredt 256,28 (G).
gestecken: diu ougen g. die
Augen fest auf etwas richten
99.4 f.
gesteine. edel 59.«.
gestillen 212, nf.
ge« time, daz 109, 14.
gcstüele: g. des obrosten Go-
tes 75, 28; ein g. der wls-
heit 129.8,
gesügen 310. 17.
goswechen u. geswcclircn
schwach machen 231, 22. 255.
24.
geswcllen trans. geschwollen
machen 325. isf.
gcswichen entweichen, schwin-
den 258, 12. 28 (G).
getän adj. : also getäniu heili-
keit 224, 23.
ge tat das Tun, Tat 192. 7.
getragen 258, 20 f.
getreten, üf den wec den Weg
betreten 155,12,
getürstec adj. kühn, mutig 278,
21. 335, 4«.
getüretecliche adv. 276, 11,
gevallen : an Got g. Gott gleich-
kommen 169.24.
gevalwen fahl werden 160, 1.
gevären; unser herre geväret
niemer des menschen übel
er will nicht des Menschen
Unglück 24, 10; ez govuor
es ereignete sich 144,2, öfters.
gevasten 64,5.
gevederen Federn bekommen
182.11.
gevelschen 113, 7.
gevider 263. 4.
gevliezen hineinflie/len 58.22.
gevremeden (gefrAmden) ab-
wendig machen 258,2.
gevüere stn Xutzcn: eins lie-
ben kindes gcvücros geren
239, 22 f.
gevügel stn.: g. daz in dem
himel vliuget 177, in, 178, 4.
gevuocliche adv.: g. vam 21,22.
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358
W ortverzeichnis.
govürder(re)n fördern 15, 4.
331, 14.
geviirhten 64, s.
gewtefen sin. Wa/fenriistung
142. in ; plur. gewcefen «.
gewseffcn 44.21. 94,2.
gcwwfent adj. bewaffnt! 142,2s,
gewalt 4, ll, 165, 16; Gotes
gewalt (wishcit, gfictc) 17,14.
34, 18, wf. 23, 22. 88, sf. 134,
9 f ; Gottes, des Vaters 142. L.
152, sf 203, zf. 204 , 33/'. 205,
24 f. 230, 19 f. 231,26 f. 235,
21.255.27. 274.4. 288, 2L 234,
12 f. 304, 18 f. 336,16 /■
gcwaltic 5. 13. 336,1c/'.; mit
Gen. 29,33. 35,15. 75. 23,
113, 13, 141,8. 266, 18.
ge wandeln ändern : ein leben g.
277,11. 278,21; sich g. 217,
22. 3«£
gewant des priesters 8,28 /■
gewantmeister im Kloster 339,
15,
gewtere adj. wahrhaft 6, 2.
135, 19.
gewaerllch(e) adv. in Wahrheit
62,32. 313,27 (Z).
gewenken intr. 145, 8. 152, 17.
167,4. 253, u.
gewerben erwerben: tngende
g. 157,21,
geworfen : Bin herze in die
weit g. 118, 4 f.
gcwlhen: bi einer gewillten
nunnen ligen 7,24.
gewinden: sich in eines arme
g. 125,11,
gewisbeit 62. an
gewitcr Igwittcn stn. 327, 23.
ge wi treu erweitern 184.x.
gewonheit: lange g 244,
23 (G).
gewürken mit Akk., üben 20,
13,
gewürzen : der gewürzde wln
295, 3. 309,12 (Z).
gczclt 56, 34. 57, 1 f. 237, 13,
31 5, 1 ; gütlich g. 123, 16 f;
wandlunge in dem g. 119,2/";
g. Of slahen von drin sei-
len 33,2»; in den gezelton
rnowent dricr hant liute
52,2/.
geziehen: sich ln geischlich
leben g. sich begeben 92.22.
gezierdc Schmuck der Seele,
der Tugend 28,2. 46.23. 48.
23 f ; g. der weit 49, 22- 140,
14, 280, in; ze g. geben 106,
12; ein bilde der g. Gottes
Sohn 71,10.
gezinc stm. 2, 35j der getrinwe
g. hät drin dinc 322, 13 /,
geziugnust stf. Zeugnis 3,2.
gezogen part. adj. : wol gezo-
gen (irzogin G) 17, 16. 118,
20£
gezneket sin verzückt «ein
128.9.
gigen geigen 307, 2ü ( Z ).
gimme stf. Edelstein 91, M.
ginen das Maul aufsperren
279, 2. 312, 32 ( Z ).
girde 22, 18, 41, 23. 42, 24. 55.
37/. 335, 13 f. ; g. weltlicher
richeit 203, 11 f: zwü g. in
der selc 117, 3 f -, fleischlich
g. 110, 4 f.\ base g. 116, at,
giric (gerik G) adj. 141, 37.
girlich ad), begehrenswert 70,
171, 26 (G). 199, 18.
gltec adj. geizig 190, 23. 249,19.
gltekeit 241, 3. 245, 6. 11,
glanz adj. : glanzer Spiegel 78,
»f-
glanz, himclscher visio beati-
fica 220, 2L 269, 15,
glas, Eigenschaften desselben
in Beispielen verwendet 229.
26/. 243,9 f SOI, »f.
glenzcn: engegen enander gl.
233, 14.
glich- s. gelich-,
glogge; pl. gloggan 339,18,
gloria in cxcclsis 9,2.
. glüse glossa 16,5, 156,18. 216,
20. 227,0, 222. 15,
glüsen deuten, auslegen 1 17, u,
178,27,
glüsieren, die rede 116, i,
glüejen (glüegen) 1 32, 6.
gnSdc s. genäde.
gueist s. ganeist.
gnöte ». genüte.
gnno 8. genuoc.
golt, von Arabia 93, 14. 94,
1 /. ; g. 13t den schln von im
»0 >'-f-
Got: der brinnendc, eriiuh-
tende, kreftige 156,9/~.; waz
G. st 274, 4; vremder G. L,
8; pl. die gJtte 49, is. 97,
8. 12. 321, 15.
goteshüs 237, »i in dem g.
sacb man driu dinc 237, 17 f.
gotheit 70, 30 f. 106, »1 din g.
Christi 105,22. 155 , 24. 198,
Bf 239, 12. 295. fi. 304, tf.
308, 10; brnat einer [Christi)
g. 310, 10.
gotllcbe stf Gottheit 1öS, 21
(G).
goueb (goch) lor 30. 6. 9. 152,
UL
grildal Graduate - Mefigesa ng
9.12.
grfit: (If sttgen an die gnete
233, 1 ; dri g. 234, 7,
griive im Sprichwort : des kei-
sers diensteman ist grauer
denne ein gräve 43. ul
grilz — stsste girde 139, 15j gr.
inncclicher girde 272, t_L
griez Sand des Meres 104, L
griezelln Sandkömchen 104, 1-
grisgen «. widergrisgen.
grisgramen mit den Zähnen
knirschen, von dm Verdamm-
ten gebraucht 72, 15.
groeze, Gotes 290, li f. u. öfters.
grözecllche adr. 63, 32
grüzllcbe ade. 18, i, 170, 10
«. öfters.
gröene 163, 12. 164, 5.
gröenen (grünem grünen 48,
U, 276,24 (G).
grüezen; Ave gr. mit Ave
Maria 154, 2s (G).
grünen *. gerünen.
gruntveste 261,21.
gniobe graben LL u.
gruoz: den lebenden g. en-
phln 127, li,
gäben = geneben 12.13, 21.
güenlieh adj. herrlich S2Q, s.
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Wortverzeichnis.
369
güenllcbe subst. Herrlichkeit
33, IS. 90, u, 309, 32 (Zl.
güete, Gote« 63,31= 66. s. uf.
67,10. 92, 1. 131, 27/ 152,
6/ 170, 11. 178, lfi, 185, s /.
203, lfi. 205. 3. uf. 206. 12/
232, 10 / 289. 6. 311,8: ein
güetc aller giiete 209. y,; g.
wird zugeschrieben dem hl.
Geiste 234, nf. 336,11.
guldln adj.: g. seil 32, 4/
gump&nye s. kumpünie.
gnot : daz obrost g. summum
bonum , Gott 23, 33, 124, 23.
125, 14. 131, so. 145, 4, 152,
fi. 153,18. 157, 11 / 189, 10 /
189, zl 209,», 274, tf. 302,
». 310, a. 327, 32 f.
gnot sbstadj.: ze gnote tuon
145, a. 206, 11; durch g. be-
schehen 217, 13. n; für g.
h4n 232, 38 /
guottüt : pl. güttetc u. gütet
147, 14, 336, ZLffl,
gQrtcl des Rockes 45, !</; mit
zwein gürtlcn begürtet sin
46,2/“.; cingulum d. Priesters
8,11
haften: an unserm herren h.
in sehs wise 325, 2 /
haftunge das Haften der Seele
an Gott 31, 32= 324, ai f.
hteio adj. schlüpfrig 332, 12,
halsnnge, der minne das Um-
fangen, Umhalsen 81, 5,
halten: Got halte iuch! 30, 20;
Got halt dich 1 127,14. 223,7,
handeln behandeln 29. 31
hant: die hende flf die siechen
Jegen 118, 15/.; die h. rei-
nen = iuweriu werch r.
201, Uf.
hantvane Manipel des Priesters
9,1
harpfe swf. Harfe 174, li, 287=
11 294, lfi.
hecken: gehecket werden von
einer Schlange gebissen wer-
den 76, 3a. 77, 1.2,
heeso (bces) Hexe 4, m.
beide stf. ebenes Land, Heide
69,1,
heiden stm. 63, u, 94, a, 255,
is ; die wlson h. 203, 2. 231,
12, 232, s; ein wiscr h. 224.
6] ein h sprichet 284, 17;
man liset von eim h. 241,11.
heidensch adj. heidnisch 3 1 9, 20.
heil: der wunden h. 159.7/'.:
ze h. körnen 179, 22,
heilige swm.: pl. dio heilgen
die Heiligen 16. in. 2a. 28,
22. 43, 33^ 85,35, 108. 15.
239. 12. 248,15/'. 32 8,32, 337.
3, 340, 2; aller heiligen tac
178. 1<G); Aussprüche non
Heiligen : ein heilig(e) spri-
chet 21, 1, 22, lfi. 29, 4. 33,
18/ 82, 11, 86, 33, 87, 11. 108,
12, 114,15 133,8 148.2/. 176,
lfi. 225, 3. 244. 13, 285, 4. 289,
». 291, 2. 323, 13. 324,12; man
list von eim heilgen 290, 12;
die heilgen sprechent 106,
uf. 113. 6. 108, 22. 162,21.
232,17.
heiligen : den tac der niowo h.
den Sonntag A. 2, 1 j gebeiiget
werden in ir muoter libe t'on
Maria 149, 9. 223, a.
heillilkeit (haikait) 8.1 17. 1.
17,3. 41,23. 225,8: h. Gotea
— himelrlch 98,12] von des
mcnschcn h. 200,8/; wonen
in der heilikeit heiligen
lebens 148, 13,
heime tragen nach Haus tragen
6,6.
heimleite stf. Heimführung der
Braut 307, 29 ( Z ).
heim leiten die Braut nach
Hause führen 83, 2a. 307, a.
heimlich, heinlich adj ■ verbor-
gen 17, 16] h. gebet 118, 7,
170. 15] h. sin c. Bat. 95, 13
vertraut »ein mit jemandem,
hingegeben sein : an Gott 26.
3, 33, S, 37, 5, 73, fi. 145,29.
210, 6 / ; an die Welt beete,
an einen Menschen 128, 23,
26/ 172, 25/ (G). 194, 7. 195.
19/
heimliche adv. 130, 25. 133, i.
134,9, 170.1.
heimliche (heinlich) stf. ver-
traulicher Umganglll.stG).
225, 29. 273,2; mi( Gott 15,
29. 16,23 / 33,8; diu himelscb
h. 204,21; in die jüngsten
h. körnen 205, 19.
heimltcheit(haimlichkait,haiu-
lichkait) 17.6. 18, 13.
heimlichen (hainlichcn) stev. 73,
11; sich Got h. 8, a; ze
einem h. 330.2.
heimnotc (hainmüt) Heimat
87,34. 88, 17. 261,26. S07, 1/
325.4.
heinvart, din 307, n(Zi.
heisere ihaisri) h&n an Heiser-
keit leiden 181, i f.
heiter adj. : der wec sol sin
h. 187,5.
heibling stm. Münzstück — V» i-
1^3 f. 51,87.
helfaut— unser herre 86.35/
hclfenbeintn adj. : elfenbeinern
123, 22.
helle Hölle 16, 35. 83, 1, 104,
13. 137, 8, 207, IX 235, 13.
290, 5. 292, 3. 300, 8 ; varn
in die h. 15, 33. 69, 8; ze h.
varn 211, 14 gedenken an
die h. 129, 1 /; vorbte der
h. 261, 6; nöt in der h. 264.
29. 265. 5/ 337, I7j bflwen
daz abgründe der b. 90, 3;
Vorhölle 249, 4. 297, 3=
hellen : hellendcz lob 59, 12,
hellericbe stn. 184, 4. 290, l
(G).
hcllesch adj. : die heischen
tiuvel 69, 37; hellescher grünt
69, 13; daz bcilesche rieh
bflwen 203, 22/
bcllcwurm Teufel 326, 21.
henken: mit wundrung in den
Spiegel der wlsbeit ge-
henket werden 205. ll 23.
hör adv.: b. wellen 45, 12.
her, himelschez 62. a. 64, lfi.
a. 102, 19, 140, 5, 182. 27.
183, 11= 206= 218, 29. 220,
29, 246, 9= 809, lfi (Z).
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360
Wortverzeichnis.
herbcrgi e) 19, 19. 85,29 ; h. versa-
gen 24, 37; ze h. komen 199,
22; zc h. gevüeren 305,1 <; von
der h. vcrtriben 323. 14; h.
gewinnen 339, 3,
hfro ruhst. Erhabenheit: diu
vil h. dinor sflezekcit 184,22.
hfrschaft stf. R. du Himmel»
131. l ; Ootta 168, 7.
hf racher, ein rehter 88, L 12=
hertecheit Hartherzigkeit 264,
tf 323, a,
hertecltcho (bertteklich) adv.
hart, streng 264, L l»
herze: daz reine bereite h,201,
17; hol h. 321, 39; ein Of ge-
rihtcz h. 230 ,7/; stn h. an
dem gern selde vinden 248,
22. 249,2.
herz(c)bluot 31, 9. 108, 26/
herzeliepn<ü. 303,12, 304, n(G).
hesee s. hecse.
bimel (by'mel): b. — gcistl.
Iiute 37, 9: zo h. vam 182,
12 ; in drt b.gezucket werden
129,5/~.
himelbröt 239, stf.
himellant 268, 2.
himelporte 246, 5,
hiroelrlche 95, so/.; von zwein
h. 64, l? ; ln h. slnt driu dinc :
Sicherheit, fride, frlheit 217,
24/; drin dinc die wir an
Gote Bchowent in h. 237.
*lf.
himelsch, himelschlich 16, mf.
64, 26, 211,6, 218, l& s. unter
her.
bimelstat, diu 217, 2L
himelstuol: fif den h. geectzet
werden 4,12,
himeltou 312, ä£ (Z).
himelvar adj. himmelblau 263,
12,
himclvart, unsere herrcn 10,15.
himelvarwe 101,12, 102, i(G).
hinderlist stm. 1, 11,
hinderrede stf. üble Nachrede
274, 27,
hinderreden 91, 12, 181, 9.
bindnen adv. : b. nach komen
182. 10,
hinnen (binnan) ron hinnen 56,
12. 91,2S(G). 3111,4. 337, 35.
hinwurf: ein b. der Iiute rin
Austcurf der Leute 325, 21,
hirte sinn 57,3, 16/.; die Hir-
ten von Betlehem 9, 12,
birzle) su m. (und stm.?) Hirsch
70, 12, 236, LJ. 287,19, 294,
12. 327, Z.
hitze: h. der minne 66, 30. 67,
14; b. der bcesen weit 48,
tf. 58, 34. 71, 35; h. der
sunnen 78,21/:
hitzedtche adv. 67,10, 189,22 /
hiu « hiute) adv. 20, u,
biute adv.: biut dis tages 292,
2L 234, ii hiutint 38,24. 50,
lü; hiutint diz tages 303, 1.
bOcbvartibohfart, höffart) 109,
14, 110, 5. 119, 24. 144, 10,
245, 6 f. 325, 10. 381, 24,
bSchvertec (hflffertig, hoh-
vertig) 22, 15, 45, a, 114, 8.
höchzit (hohzlt) hohes Fest 49,
0, 227, K; Hochzeit 99, 14 f.
178,21 f.
bof : ein hof sprechen eine
festl. Versammlung anbe-
raumen 45, 9; ze h. vOeren
123, 25; ze b. varn 124, l;
ze h. komen 126, 25, 179,2s.
hofroht 8. boverobt
ho he stf. : gelstl. leben ist
glich der b. 208,24/.; h.
Gottu 235, 21; b. an der
magenkraft Gotes 133, 23;
dlner b. ende ergrifen 230,1t.
hoehen erheben 263, a,
bechern 107, 27. 239, 23. 262, 9;
den sanc b. 267, tf.
hol masc. Höhle 38, lg. 59, a.
hOle Ausgehöltcs 321, M,
honec(bong) 37,20, 50,äo, 89,
t 123,1/. 228,14. 287, 1t.
291,12/, 294,16. 326, t/.; —
bl. drivaltkcit 124, 12,
born: ein h. blasen 103, s.
honbetsünde Ihöbtsünde) 12,
äL 23, 27, 10, 15, 54. 22 63,
17/. 73,7/ 147,6/ 191, 11/
193, 31. 200, 2, 209,23/ 215,
27/ 235, 12. 240,2. 261, 16,
264, 17/ 266, 27. 292.5. 298.
tf. 300. 6. 25. 307, 5/ 318, 14-
325, L
boverobt (hofroht) adj. bucklig
7, 17,
hübesch: hübsche junevrowen
46,6.
hudel: pl. budilan 256. t (G)
14. büdelliu schlechte Kleider,
Lumpen.
büeten mit Gen.: des herzen
h. 39, io, 48, 39/ 130, 12. ifc
193, 32 (G); einer süle h. 194,
14 ; ir selbes b. 222, 26; siner
tugende h. 263, 3.
hügen denken: daz gemuete
muoz daran h. 145, 9 (G).
bulde, Gotes 68.20/.; in Gotes
holden sin 147, 9. 300, u /.;
h. bieten 105,2; h. Verliesen
119, u. 23; ze b. komen 105,
ft. 107, 11,
bnndertvaltic 113, 2.
bnnger: sterben von bungers
n5t 193, io.
hungern, nScb Got 186,31(0).
hnonlln (hfinlin) stn. 283,
hnote; in der b. des bl. geistes
stn 147,2; sich in h. hän
222,is/; ftzer der h. län 186,
27; fix der h. komen 222, 21,
hnotcr, der 47,27,
büs: = unser heize 74, 19/
84, 19 /; ein b. Gotes 244,
5; an dem h. sin; 4 dinc
244. tf.
hüswirt 310, s.
hOt Haut 29, 36, 44,26, 115.S;
hftt umb büt 281, a.
htltte die Hütten. Zelte Is-
raels 315. 1.
ietwederbalp adv. 30, 11. 36, 12
iewederthalp adv. 8,33/
iht stn. -. ibtes ibt 330. 1.
llen (illen) eilen 13, 16.
In)-gesnlden 240,16; -ge win-
den 59, 30,
ingesinde 65, 7; des Himmels
126, 25, 131,4/ 291, 16. 329,
9 /:
inne adv.: i. sin 222,14/
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Wortverzeichnis.
361
innecheit 17, 24.
innen adv. : innen bringen 15,
19: innan — nssnan 239^28.
Jij präpot. innen des 358.
22.
insigel stn. 17, »5. 39. 11. 301.
li ; zwei insigel 301, 17.
inteUectns — verstau tnost 133,
1L
Invlnz: L der sinne 129. 24;
L Gotee 301, 12 (G).
irrät (ierrat, irröd) itm. Irrtum,
Zweifel 201,25; vinstridesir-
rodis 201. 2S (G); nit irrodis
218,5(0); der ierrod iuwers
lebens 277.23 f.
irrec: nibt irriges h&n 218. 5.
irren (ierren) 334. i9j mit Akk.
der Perton oder Sache 27,
34, 279, t ; mit Gen. d. Sache
14,3.22. 131. li. 20; mit Präp.
an 172, 2: tubtt. Inf.: diu
vinatre des ierrens 201,2 tf.
irretnom (iertäm) 129, 20: mit
L verinet sin 382, io.
tsen, daz 301, 8/ 327,27 f.
israhflisch adj. 186, u, 263, 2L
Ital : L über daz velt gän 113,
öj i. stän 115,13. ist*,
itwlz sfm. Strafrede, Fcrtm»
315, jij itwize vertragen
338, 21,
jagebunt Jagdhund 236, 1 (G).
jämer: j. hiln 213, 22; j. nftch
Gote 70,12. 125,24/; 219,
21.
jfimerkeit 213. 20/ 219, 2b 332,
2L
jämern: intr. 310, 4, 337,21; j.
nfich ( Sottet ) süezekcit 70,
uf.
jener pron.: hie alder ze enre
weit 169,39(0); ens (< jenes)
192,8.
jübilicren tubtt. Inf. 20,40.
jucken ttn.: die bräwen, Wan-
gen j. 5, L
jnden 1, 15. 17. 12. 80, 16. ja,
35, 20. 51, 34. 63, 15, 116,2,
186,14, 237,15, 257, 11. 3U,
22. 319,22. 322, 21, 13 f.
338, 22 ; her jnden künc 30,
20.
jüdescheit 86.2s.
jüdisch: jütschiu diet 158, 24
(G).
junger Jünger Jetu 51,35. 198,
12 f. 199, 29, 200,18. 21. 211,
•nf. 216, 16, 229. 5, 284. 20.
299. 21. 304, 8. 321,3. 325,38.
jnncvrowe: & Jung fr. warten
im Gatthaus auf 19, tf,
justa — rcht 284, 24.
kampb: der in einen k. wii
gün, der salbet sich u. stn
gewsefen mit die 44, 22.
kanel (kaener, krenel) Kanal,
von Maria gebraucht 155,
li, 223, 17. 20.
cantica Hohelied 20, 10. 86, u,
88. 21. 236,s. 278, 13,
canticp&alm Psalm der J Jüng-
linge im Feuerofen 24. iS.
capitel im Kloster 21. s, 64,
4, 196,2. 316,14, 389.21.
capittelhQs 21,3.
kardmäi 257, 5,
caritas 132, u.
kartiere (k&rker) 127, 5. 211,6,
karvrttag 315, 27; an dem
karenvritage 811,31 IZ).
keibe 52.11,
keiser: des k. diensteman ist
groezer denne ein grfivo 43,8.
kcibelln (kselblin) 69, 4.
kele twf. 11.20. 29.20.
celum 14. cella 210,24.
kemcn&te (kemmate) twf. Ge-
mach 84, 12.
ken : liplich ken unverständ-
lich, vgl. Anmerk. «4 18. 12.
kören 26, 1 f. 54, 5L 246. 13:
sich k. ze Gote 54,3a; di
von k. davon ablatten 253,
13.
kerze twf.: ein k. enzünden
305.10.
kerze(n)lieht stn. 305, 11.
kerzestal (kertzstal) Leuchter
237,14,
kestigen kasteien, dm Leib 111,
a. 19. 191,23. 279, 27. 285. 11.
833, 25; strafen 169, 11.
kestigungc Versuchung Gottes
91,9; des tiuvels 143, 15;
Kasteiung des Leibes 265. ia.
ketten, kettene 34.8. ul 55. nf.
ketzer (k&tzer) 1, 15. 2, 4. 320, 18,
kevje (kevi) Käfig 22, 27.
kezzel stm. 128. 2L
kindeltn 88, 2s. 206.4.
kint 26,36; pl. kint 324, 35;
zweier menschcn kint 243,
28; 3 Jünglinge im Feuer-
ofen 24, 16 /; ze ir kinde
dienen in dem Kindbett ab-
1 carten 802, 16/
kintheit 110, 21 (G),
kintlich adj. 29, 13. 224,1 f.
kipperwin (knppher win! Z),
cyprischer Wein 303. 11 (Q).
308, 17. 309, 22. 310, 15.
ky'ryeleyson, cristeley son 9, 6,
cysteme 3, 11,
kiusche (klinsch) adj. 111, 1. 14,
kiusche (künsebi) stf. Keusch-
heit 28,31/. 113. 17. 221,8/
265.21. 293,20/ 304,7/; k.
in jngent 50,12. 52,1 tf. 340,
2j k. nemen (benemen G)
135,2. 181, 29,
kinschecbeit (künschhait, kün-
schkait) 9^, 25,27. 46.1/ 60,
21/ 68.29. 69,1. 93,26. 96,8.
101,19, 110,16. 111,1/ 139.
8, 221,10. 223.4.241.7. 294,2,
322,24.
kiuschecitche (künsebklieb)
adv. 61_, 25.
kiu schlich (künscblich) adj. 32,
li. 111,5,
klaffen 8, 12.
klagellclte|kl9eglich)q(fo. 24,39.
klagen 39.23^28, 61. U; die töten
kl. 264, 15; unsere herren
marter k. 266, 6.
klager Ankläger 72. u.
klär stn. das Weiße im Ei 283.
22.
kl&rheit: kl. der sunnen 243,
2j der Seligen 17, 9; Christi
105, 20.
klöbluome 317, 5.
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362
kleiben: diu sünde kleibct sich
au die söle 300. ä.
kleiden, die seien 29. 22/.
kleine adv.: kl. minnen 55. 5.
kleinöt 199, 4, 212, a. 2S6, i»;
pl. klaineder 17. e. 18. u.
kleit: k. an dem menschen 327,
n; diu alten klcider ab-
ziehen 44,20. 45,1 f. 139,1 f.\
Taufkleid 20, 3s; k. der sßle
~ unser berre 28,5 f. 45,
32. 241, s; k. der tugent 27,
2. 241,6.
klimmen 232. 33.
klingelen 34. li. a.
klopfen anklopfen 22, 12, 24,
as; zo des mcnschcn herzen
ki. aa. lz.
clöstor 270, 2ü (G). 269, 12. 286,
6j muoz vier dinc hän 19,
if. ; — der himelschcn stat
211 . i. a f. j ■= boumgarte
25. li : — schif 72,3 a /.; der
sOle cl. 339. 13/1; zweiger
handc liute in cl. 314, aa/1;
drier bandeclösterliut2S2,i/l
klüse 79,6.
kneht 34,36/1 55, 27. 191. 22.
knetteu 29.fi. 30. 16.
kniuwen, vür einen 30, ls.
knöpf >lm. Knoten ; pl. knöphe
29,2 l
collilcio im Kloster 56, 2fi,
collecte, diu kirchl. Gebet 9,
LL
komen 55,27/1 118. 2: ze sta-
ten k. 67, 22; ze guote k.
24. s. 224, I9j ze gniden
k. 104, ls; vür den künie,
Got k. 45. 4 /'. 98, 22. 99,1; an
sin gebet k. 204, 17; von sich
selben k. verzückt werden
144,23 f. 171.1.
communio 10, li.
complende, diu Schluflgebct in
der hl. Messe 10, ul
conscicnci Geieissen 20. 21 /.
129, 29. 148,17/1 196,18.
consiliarius 296, ul
contemplacion 210. 2. u,
contempliercn 33, 5. 208, 21 f.
315. 13: subst. Inf. 141. 16.
Wortverzeichnis.
208,26. 209, aa. 215, lfi, 21;
personifiziert 20, a.
convent 196. a. 306, 8.
koph stm. Becher 11, »f. 123,
23, 295, io; mit k. scheuken
308, 35.
kör Chor der Kirche 40, fi.
339, is; ze k. gän 279, 23;
k. der engel 16. a. 78, i.
329. lfi.
kom — unser herrc 29, i f. 74,
22 f. ; daz erwelte k. 180,12/1
köse: üppig k. triben 15. 13,
kosen 19, 33 f. ; subst. Inf. daz
k. mit Gote 315, ul
kradein stm. Lärm 275, lfi/1
(G).
kraft: dii krefte in der süle
234. t/1
krilin , der edel ist edle Wa-
ren 233, 1
kranc in der Bedeutung sünd-
haft. von der Erbsünde be-
fleckt 63, 12. 226,5. 262. UL
303. 12 /'. 325, 33/1 331, 15J
k. von der gütlichen süeze-
koit 268, LL
krankeit 61, la. 143. 15. 152, 6/1
178. 17 (G). 205, ia/1 217,1/1
245, <■ 278, 5; von k. tuon
216,2a.
krapfe swm. Haken 69,11,
erfatüre 80, 37/I 81, 13. 105, 4 f.
168,1-13- 185, UL 190, 23/1
203, 1 (. 205, 1. 207,11/1 209,
if. 220, 1- 231, li 255, 1/1
286. ». 288,27. 300, 1/1 305,
7. 27/1 312, »of. (Z). 315. 25,
321,23.
credo in unuin Deum 9, uf.
kreftec adj. : der k. Got 157.
n/1
kreftedicbe adv.: Got k. min-
nen 173, io /I
kreftikeit, des himels 255. ia/1
krenken krank machen 84, 1;
den lip k. 193. 9.
kricc, zwischen Leib und Geist
236, 17/1
kriegen 102, 21. 2L 333. js; nilch
Gote kriegend gedenken
33,5/1
kripfen erfassen 222, 21.
krippe 9, 13. 338. 17,
krippelin (kriplin) 261.21.
cristalle 313, 33 (Z).
kristen adj.: cristener geloube
1, 15. 4.26, 229, 14. 21. 261.
5/1
kristengelonbc swm. christl.
Glaube 4,25. 7,33.
cristenheit 144, 12. 129, 11. 175.
17/1 208. 3. 211. 21. 216.21.
243.7. 248.7/.
cristcnlicli adj. 5,13. 25.
cristenmenscbe 229. LL
kriutelin 283, 12.
kriuzc 57, 13. 59, 31. 69, 33.
lfi. 86, 22 /I 105, 12. 27. 106.
21- 108, ls. 197, 4/. 249, 14-
251.7. 252. 3. 257,7/. 266,
LL 281,3. 296. 22. 304, 17; an,
bi , ander dem k. stin 19o. s.
257, 12. 270. ul 251. UL 282, 7.
304,33 (Gl. 312,2/; an dem
k. hangen 198,21; an daz
k. genegelt 252. 3 L 253. 13/;
an daz k. geheftet Silk. 13 ; an
dem k den herren suochen
313,i/.; ftf dem k. saz ein
bieser geist 254, 13/; von
dem k. komen 253, »■
krinzganc im Kloster 339. 25.
kriuzigen 323. 31.
kröne im ewigen Leben 27, Sl.
61, an: kr. mit 5. Edelsteinen
62. 1 /; k. mit zwelf Sternen
77,20, 81. 12/; eine k. üf-
setzen 44, 23. 46, 22/. 245, 27;
k. von dornen tragen 287.
14/.
kröuwel (kril) Gabel mit
Spitzen 50.23. 69. n.
krümbe Krümmung 1.87, ».
krümben 32, 3L 193. L.
kramp adj. 7, 17 /■ 91. u /.
krtit ; pl. kriuter 48,21.
kucho Küche 339. io.
küele elf. 70, ul 321.27.
kumpünie (gumpanyc) 225. a».
kündec adj. 202,35
kündccheit (kündkait) Klug-
heit, Verschlagenheit 53. ra/1
kilndunge Kunde, Weisheit
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Wortverzeichnis
363
17. 29/’; Verkündigung «.
Herrn 296, 9.
künic 49, iafi die küng — 3.
Könige 9,14.
künicbuoch liber regum 14, 1.
kQnicriche, vünf — ■ £ Sinne
141,5.
küniginne; Dat. k&ngenncn
45. >■ 101,6.
künnc, menschliches 57, 12,
108,4. 227,3 / 323, 36. 324,
2Ö, 26. 329, 19. 26.
kurzwtle 122,16/. 199, 8. 310,
n(Z).
küssen, an ir mant 40, e.
lA: die lüwen liute 323,».
lache Pfütze: in ein L vallen
7,6; An lach uli 187, 7.
lachen Bubst. Inf. : daz minnec-
liche L des minneclichcn Go-
tes 62, ll.
lAchenic (Uchnye) Zauber 4,
23,
laden einladen 153,6 f. 178,4 f;
sich L mit sando — gehügde
stner kränkelt sich beladen
325,6 f.
ladunge: diu L der sOlo 267,
26,
läge yachstellung 45,22. 59, L.
280. u (G).
lamp 321, 13; Demin. l&mli
238,2,
lanc: ze laue sin zu lang aus-
bldben 102, 16.
laut, daz heilige 109,16,
lästerlich adj. schimpflich 36, 4,
laus mette Landes , Teil des
kirchl. Breviergebetes 204, 16,
lAzen mit Akk. 226, 11 f. 252,
16, 253, äL 2M ,7/ 278,23;
sich vrevenliche an Got L
sich gegen Gott frevelhaft
benehmen 192, 15,
leben: daz L teilen in driu 52,
a if. 130, 2. 188,24/'; von des
l.ordnungc59,f,/'.; von geist-
lichem L 207, n/~. ; hcilgez L
146, »/.; ein künftiges L 229,
ic; driu Li von natürc, von
gnAde, ein vollrichez L 314,
2 f\ driu dinc machent ein
ewiges leben 237. 3fl/~. 290, a;
lebendes L 154. l
lebetac Leben 102, 21.
lecze (lecce, letzgci Lektion 9,
16, 47,11. 252, a, 26 ; aht L
249, »/
lefse : pl. lefzen 78,36/’. 90, 24.
leide stf. : da z wäre ime niht
eine leit 247, 22 (G).
leiden anklagen: einen L ze
capitel 196, 7.
leie: der laygen schritt 248,
uf.
leinen subst. Inf. : sitzen An
stten L 334. io.
leiter Leiter, Führer 19, 13.
68, 18, 186,7/.
leiter: dri L der sele 231, ttf.
16rch(e) Lerche 22. 2». 24, 25/.
326,»/.
lerer: ein (hl.) L sprichet 80, 6.
204, 7. 20S, 13. 27. 215.1. 222,
17, 232,9. 12.
lesemeister im Kloster 339, 16.
lesen subst. Inf.: Got loben
mit singen u. mit lesen
59,17. 60,32. 9S, 5, 139. 22.
199. 11. 265, 24.
lesunge lectio 315, an
leta — - vrodich 284, ü
lewe (I6w) Löwe Sampsorw
123,7/.
libido 191. 4.
llcbam Gotcs oder unsers her-
ren 6, 1. a. 8^8. 77, 12, 83, 28.
31, 198,16. 199, 2. 242,24; S.
vrünlicham.
liden « leit G) sin.: L tuon
189, 29. 190,1.5,
lieben beliebt machen 182,1.
lieht: daz lebende L 160, 2».
238, 23; daz gütlich L be-
schowen 202,32/.; ein niuwcz
L = Maria 32S,s /.; —Jesus
Christus 243, 2/.; ' hl. Geist
58, 17; dricr hande lieht 70,
2»/.; L der sunnen 79, isf.
105,15; l.inilem goteah As237,
1 (,/; himelschiu licht 239,17,
lichttragcr Lucifer 79. 7. io.
liep (llb) subst.: getristet wer-
den mit Got, dinem einem
liebe 61. ü. 64. 11,
ligen bei jemandem, den Bei-
schlaf pflegen 7,24 /.
lihte adv. leichtlieh, vielleicht
196,24/.
llhtecllche adv. gern 226, 15.
lihtern leichter machen 56, 24.
177,24 (G).
Ilhtsam adv. leicht 255, 9.
lilje (Ivliel masc. Lilie 43, L
52, 13. 71.34. 75, in 96,12.14,
159, 5, 2A. 265, 25. 272, if.
317.2.
Itmon zusammenleimen 129,
15 /; ze dem übilne L 136, 22
(G).
linde adj. 32. 6: lindiu wort
245,»
linde adv. sanft: daz herze
linde machen 44, ag; L an
ze grifeu 316,9/
lindecllclie adv.: 1. antw&rtcn
280, 1 ; L angrlfen 316, 12.
Itnln (ljnln) adj. von Leinen
8,32.
Hp Leib des Menschen 205, 12.
219, 22 f. 285, 14; Schönheit
desselben 239, 10/ 309, 14/;
Verhältnis von Leib und
Seele 174, 3/ 191,24. 268,
16/ 314, 5 (Z). 318,1»/
Itplich adj. camalis: L gebürt
63.2.
lit Glied: pl. iider 29, 23. 106,
23, 175, 16; L der cristenbcit
175,17/ 176,3/.; g, gebt,
liuhten mit Akk. (9) einem
leuchten 292, li,
liumdc stem. Leumund 86, 15.
22.
iobebuoch Cantica 157, 3.
lobclich adj. 59, 16/ 65,24.
loben geloben: gehorsame L
51, »■
lobesam adv. 337, lü.
locken ducken) 167, l. is. 169,
S. 170, 10/ 171,2. 256, 2.
lün der Lohn im Himmel 96, 5,
158.4. 183, 1 /■ 185,4. 206.
21 f. 259, LL 315, 12; sin sun-
drigen I. hSn 206,28/ 218,21.
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864
Wortverzeichnis.
220, n/~; dri L der minne
295.1.
lop: den kQnic mit ein) ninwen
I. enpf&hen 189, 21 f.
löse adj. leichtfertig: nieman
ininncn durch stniu lösen
wort 17,5.
losen horchen: diner antwürte
L 227.2.
loeser Erlöser 153, 1*. 205, 4,
301.18.
lösheit (losenbait) Ausgelassen-
heit 33, li.
lotter Gaukler 3,10.
lonbe (löbe) : pl. über 48, is,
238, if.
louben (löben | Laub bekommen
48. 18. 276, 25.
löz: daz L werfen 109, 25.
luceme 239, l. 309, 2E (Z). 316,
20.
lacken s. locken,
lüge: vünf hant lüge 2,3s f.
luppe Zauberei 4,21.
lustllche (luzlicho) adv. 103,
18(G).
lüter: ein L ouge 229, io f.
lüterkeit J-auterkeit 243, ttj
des Willens beste. Herzens
41, 21 f. 137, 12. 148, lü, uj\
(G). 212,9.
lütre (lutri) stf. Ixiuterkeit 56,
S, 62, 15. 80. L
mic stm. Verwandter 86,0.
machen verwandeln: ze fleisch
u. ze blnot m. 6,21.21.
magedtn imägeti) sin. 323,15.
magenkraft (maginchraft),
Macht, Majestät 91. a (Q).
133. 23. 206, 26 f 275, 12,
mag(c)t: ein rohtiu magt stn ron
der Mutter Gottes ( Dat.mkg -
de)3.3. 221,5/'. 242. s. 328, tf.t
ein unbewollcniu magt ge-
bar einen man maget wesent
228, 14. 296, 14: allgemein 28,
3i; pl. m&gdo von der weit
221, uf. 224, 3 f\ wln der
magde bluot 181, 14. lii die
hl. Mägdeim Himmcl()2,2if.
167.12. 183,1 206, 27. 247. 7,
309.2.
mag(e)tlich (m>lich) adj. 3,
2a. 36, as. 160, 28 /~. 221. 13.
14 (G) 293,2»; derm.bluome
328. u. 19 f.
magetheit im&getkait), kiusch-
lich Jungfräulichkeit 158, 2s.
magetuom afm. 3, iS. 82,3. 6 f.
82. 28. 221. sj. 22 2, 11. 243,
uf. 328, 21 f.
mahelen (m&hclnl vermalen,
vor allern die Seele mit Gott
v. 97, 3. 101, if.; gemähelt
123,19. 221,5. 273,9/*. 282,13,
majest&t 131, 4.
malagranät Malagrartatapfel
86, 18. 258, 23 f.
malen, das Korn 29.0.
man: ein hl. oder ein wlscr
man sprichct 74,22, aa. 94,0.
101,10.122,24,123,17. 153,10.
157.12. 178,27. 189. 10 f. 190,
12. 197,31. 198, 2 f. 208,27.
209.21. 218,22. 232,15. 236,
UL 257,25, 259, 12. 262, 33 f.
277,22/: 278,10.279,25. 280,
S. 281,30, 285,7. 12.289,0(0).
307, 12 iZ).
m&ne Mond 09, 21. 22; «— unser
vrowe 106, 27 f.; der volle
mine 328, 34.
man ec alaht (mkngorschlaht)
25,13 f.
manecvaltec adj. 311, o.
manecvaltecbeit 41, 23. 24.
manheit, der getät Tapferkeit
41. 21. 25.
manliche adv. 90, isf. 337, 38.
m&nöt: sehs mänöt 44,14,15,
manslege sic nt. Mörder 2, 24.
mäntac (mkntag) Montag 2, 4,
marc 7,16 f. 51, 36.
msere 15,12, 46, 8. 65,4, 75,25.
136.3, 302,5/: 306,11. 333,26.
marter: unsere herren m. 25,
9 f. 77, 10 f. 83, 16 f. 86,24.
87,5/: 101,24. 102, 2. 146,7/:
197,9. 198,16. 252,13. 257,3.
266, 0, 296, 2L 323, 21 /. 325,
20 ; die bittimc marty'r leiden
167,33 (G).
marterbilde, unsere herren 249,
8.25.
martern 105. io. 106. 24. 190, S;
ze martyrene 31 1, m(Z).
martrer die hl. Märtyrer 64,
26. 142, 35. 143, 1. 167,115
182, 27. 183,2. 206,27. 247,0.
309.2.
mäsec adj. fleckig 299, in.
mäsgen, den himcl beflecken
86,6.
materje, krankiu 325, 33 f\ aus
getiniu m. 339,5 f.
mäze stf. das richtige Maß
137,27. 150, 9 f. 334,6; von
m. u. von andren tagenden
44, 4 f\ ine m. 57,12. 63,37
«1. öfters ; etlicher m. 99, 3;
personifiziert vrö Mäze 2_1,
15, 22.
mäzen (müssen) abmessen, mä-
ßigen 207, 1. 329. 4.
m&zicheit 269, u (G); vrow
Mäzckeit 21. 4.
meige Mai 138, 12. 154, 12 f.
meineide adj. 1, 21,
meine) t, swerren 1,1*.
meinttetec: m. höhfart übel-
tätige Hoffart 12, 14.
meinunge gute Meinung 146,
18 f. 149, 6 fi
meisten die m. (von dersebrift)
sprechen 42, 25. 54. 20. 78. if.
107, 4. 108,22. 113,6. 152.
LL 162, 20. 185, in (G). 208
15. 215, 1. 218,2. 232,17. 233
LL 236. 23. 309, 16.812,30 (Z);
m. die ze Pary's läsen 220, 2.
meistern einen meistern 192,».
meisterechaft im Kloster 51,
11, 65,12. 15. 85, L. 100. iS.
112.5, 121,2. 124, U.1T (g).
212,24. 263, 34.
menclich adj. menschlich 12,27.
menige imengi) 87, 27 ; in der
in. varn 180, 28/. 181, 25 f.
mensche werden ron Christus
203.3. 227, 7, 19, 228, 22. 273,
U, 294,2h 318, 2. 329, a,
340, lf ; m. werden von vier
Sachen 162, 12; des m. kint
filius hominis 96. a ;f.
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menschen antiitzo stn. 266, 9/
menschheit (roentzhait, men-
t schait) Menschheit Jesu
Christi 5,18. 105, 23/ 106,15.
19. 239, L 17. 243, 7 /. 295, 6.
303.11. 304,1/'. 308,16: brust
stner m. 310, 15.
mer stn. 28, 24. 118, l /. 204, 12.
314,10. 331,4: — disiu weit
72,m; über mer vam 39,22;
des mer s grünt 11, 21.
merwunder 1, 12.
messachel afm. Meßgewand
9, 4.
messe hl. Messe 6, 2 8, 14. 17.
198,20; m. singen 7,1.26.
mettc Zeit der Slatutin, Teil
des kirchl. Breviergebetes
64, 3. 204, ll.
mezzen subst Inf. mensuratio,
Jas Messen bei tauberischem
Aberglauben 4, 28.
michel stf.: der bOIo michli
201.9.
miete stf. Lohn, Belohnung 2,
3*.
milt<e)keit 18, 23. 27. 48, 30 f.
57,32/. 66,8. 68,41. 135,1.
139,16. 241,7. 250.16/. 264,
9 /.;m. der sinnen 148,34/(6).
152, 1/.; m. in armuot 50,
12. 51,33/.; m. in geschälte
340,3 ; personifisiert vtö Mil-
tekeit 20, 3.
milton stn. Mehltau 275,27.
minnairo Liebhaber 273, 19 (G).
minmerin (minnerin) 23, 29.
272. 12.
minne: Liebe Gottes tu der
Seele u. umgekehrt, sodann
dicLiebczumXcben menschen
41.9. 46, 22. 49, 2/ 100, 30 f.
134,13 /. 139,5. 163,8/216,
15/. 220,9/. 233,25 /. 235,10.
250, 1. 266, 27/ 266, 22/ 294,
4/ 322,3/340,4; von minne
äne nutze wont 126,8; m.
bringt 8 sclUine Blumen her-
vor 41, 21/.; m. Gotes 97,
2/.; m. ze der hiniel. Jhern-
salem 102,3/ 207, 25 ; wäriu
m. 140, 9 /.; wec zo der
Wortverzeichnis.
wären m. 155,7/ 331, 1/.;
geischlich — fleischlich m.
256, 23 /.; m., ein brütmantel
der sOlen 241,9/.; m. ist
Got 153,ii/.; = hl. Geist
234,21; — dem viurel79,l4/.;
-= einer junevrowen 127,1;
m. ze dim ebenmcnschen
149,18/; erkennt man an
4 dingen 175,5/.; m. die
sele u. lip ‘ze enander hät
174,2/.; drivaltige m.: amor,
dileccio, caritas 132, 4/.;
drierhandem. 32,1/ 317,9;
personifiziert vtö Minne 21,
minnecllchi subst. fern. 56, 39.
minnen: drigerhande liute.die
minnent 277,16/.; Got min-
nen süezeclicho , wlsliche,
krcftccliche 166,15/.; m.von
allem herzen, von aller sele,
von aller dincr krefte 1 66,14 /.
minnenbant stn. 74,35.
minne: mbuoch Hohelied 18,
32. 19,15. 22,25. SS, 3. 41,10.
86,26. 99,14. 121, 13. 258,22.
267,1. 22. 272,8. 274, H (G).
325, 31.
minnesam adj. 149, 18.
minn(e)trähcn 20, 15. 312, 8.
mirre (myrre) 44,14. 24; daz
mirien gebündelin 287, 17/
mischen gemistergeloube5^/.
mischten: gemischlet sin 332,12.
miselsühtcc. adj. aussätzig 9,
29. 29,27.
missehelle (misshelli) stf. 137,
22 (G). 212,13.
miss<c)liellunge 79 23.29. 211,12.
missehüotcn refi. schlecht auf
sich achtgeben 196,26. 202,9.
misselingcn 95,15. 181,27.
missereden 225,18 /.
misBetät, des menschen 141,10.
mlssovallen S2, .12.
miss(e)varn 23, 16. is.
miss(e)wendo Schande, Makel
65,3. 29. 91,22.
miss(e)wcndcc adj. 65, s.
mist stm. 28,25; ze einem m.
worden 100, 4
365
mittel (mitli) 150, 10. 190, 22.
291,6; in der m. stin 137,
27 /. 150,9; üzderm. komen
190,29/.; üz der m. ziehen
191,2/
mittclserinne (mitlerinlä/itieim
329,27.
mittelhclferin Mithelferin 278,
17.
mßre, ein 7, s. 7.
raorne adv. : hiute u. m. 265, 1 /.
mückelin: pl. diu müggeli 312,
37 tZ).
müeje (mfigi) Mühe 259,22.
müejen (mögen) Mühe machen
24,4. 254,11.
müeliche adj. 112, 10. 187, 15.
müezec adj. : m wort unnützes
Wort 803, 17. 337, 32.
müezegen (mflzigen G) sich
Muße nehmen, sich Zeit neh-
men 274, 16.
müezekeit Untätigkeit 208, 25.
mulier: an dem Worte m. sint
8 buochstaben 283,22.
mülstein 11, 20. 80, t. 74,27.
193, 23.
mnnda — rein 283, 24.
münstcr 6, 17/ 321,37; üf ein
m. gen 192,11.
munt — der süle girde 184, 2. 6 ;
daz kint ist an dem m. der
rauoter glich 243,28/
muoten begehren absol. 274,
18 (G); rumuten mit Dat.
230,29; an eim m. 230,22.
muoter: diu m. muoz minnen
207, 24 /.; flcischlichiu —
gcischlichiu m. 252,22.
murmeln <fn. murmur 13,3.
25. 19,25.
Dac stm. Nacken 30, 24. 124, 28.
näch!-gän 105, 11 ; -hellen con-
sentire 218,10; -bongen nn-
hängen, nachjagen 116, 20/.;
-luogen 288,21; -machen 109,
11; -volgcn 106, 1; -waejen
29,28; -warten 287,25.
näcbgebüre sicm. Nachbar 3,
32.
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366
nllchnete bedächtig , klug 279,
23.
naekent adj.: n. stän 69,3«.
249, II. 14.
nagel: pl. Dagel 34,7 f. 69,37.
106, s.
nagelen: part. genegelt 252,
20 f. 253, s; genagilot 305,
uf.(G).
naht: — Bünde 300, is/-.; ze
mittern.262,21, in der mitten
n. 262, 25; do in der n. wart
80, io.
nahtegal 22, 29. 24, i f. 267,
3 f. 287,19. 294, 1«. 327,8 f.
nabtczzen 40,37.
nahtvrowe 4,28/.
name: von der bezcichcnunge
(iotes namen 236, sf.
nase f. 7, n.
natflre: geistlich -fleischlich n.
54,39. 55,2/'.:götlich-inensch-
lich n.66, 14. 162, 15; mensch-
lich n. 203,u/'.
natOrcclich adj. n. krankeit
117,11 f.
natüren: genaturet stn 325,27.
nebel Wolke Gotte s 17, io;
durch ein n. sehen 229, 20/'.;
n. irret diu Ozren ougen
299, 4.
ncbcn(t)crist Mitchrist 3,8 f.
33,22. 67,22.
ncizwaz irgend etu-as 52, 19.
205, 10.
ncizwcnnc irgend wann 217,21.
nemmcn nennen, praet. naintc,
part. gcnemet: 28,28 36,34.
36,38. 60,19. 156,8. 221,8.
2 22,4. 227,22.
ncst, der Taube 38, 29. 34.
nidcc adj. 176, 8. 8. 179, 19.
niden beneiden 176, 20 (G). 180,
12.
nider]-gän zu Bette gehen 212,
2; -kfren 117,4. 209, l. 273,
5 ; -körnen zu Bette gehen 279,
13; -setzen 19,3t). 20,3 öfters;
-slagen 281,7; -stigon (— =
nider kfren l’ar.) 273, 21
(G|; -vallen 109,1«; -vam
207,12; -vliegen 270,2.
Wortverzeichnis.
nidem re fl. sich demütigen
28, 30. 225, 21. 230, 22.
niemer (nimme und nfimmo)
adv. nicht mehr 258, 19. 101,
11. 236, 7 (G). 309, 22 (Z).
niender, meist niena adv. 55,
31. 81,32. 82,2. 201, 16. 2 08,
18. 225,29. 313, 2. 315,23.
nieton in Fidle genießen, sich
sättigen 236,15. 274,2. 275,
2; sich nietAn 125, 1« (G).
niezen, Got 18,3. 219,5.
niftel Geschwisterkinder 210,
23; Base 302,14.
niftelschaft s. miftilschaft.
nilit: nihtes nit (niutisniht G)
18,9. 289, 16 (G); ein nihtes
niht 310, s; ze niute (nüti)
168,0. 287,7. 305,31 (G); von
niute schaffen 205, 1; mit
niute ervüllet worden 300, 5.
ntt stm. Neid 176, 23. 220, 24.
245,10.
niuwan (nument) adv. nur,
allein 250,6. 318,4.
niuwe adj. : n. werden 26,31.
niuwe stf.: diu n. des summers
164, 3.
niuwen erneuern 183, 11 (G).
niuwern erneuern 141,6.
nochdan (nohtenne) adv. den-
noch 309, 19 I Z).
nortwint 160,«/'.
not dringendes Verlangen 72,
29; diu Pwige n. in der Hölle
187, 12.
uötdurft (nodurft) stf. 2,14.65,
iS. 110,32 193 , 13/-. 265,13;
die n. reden nur was not-
wendig ist, reden 303, isf.
nötdürftec adj. 67,9 f. 139,6.
novize: pl. novicien 262,21.
nfiftil Schaft Verwandtschaß
211,8 (G). 221,14 (G).
nunne, gewibte Nonne 7,24.
nutzebjere: diu n. der creatflro
Brauchbarkeit, Fruchtbar-
keit 232, 15.
nutzebatrliche adv. 65, 25.
nutzen: Got in bimelrtcbe n.
Gottes genießen 145, 12. 219,
10.
Obläte (oflate) Hostie 6, 20; die
oblAten segnen — rmcan-
deln 6, 14. 21.
obnin adv. oben 7, 3s. 207,
19.
offcnbierliehe {= offenltche
Var.) adv. 270, 31 (G).
offenen, offnen offenbaren , er-
öffnen 217,8. 324, «; sich
selben o. in der bihte 179,
6 f.; daz beize o. 319,2.
offenunge, offnung Erschei-
nung, Offenbarung 7S, «. 11.
Offertorium in der hl. Messe
9, 26.
91 44, isf. ; daz heilig 6. 6, 31.
öl(e)boum 139, nf.
ölen: geölt werden mit dem
Sakrament der hl. Ölung
versehen werden 6, 33.
omplic (omely) Homilie 165.4.
opher 90,19. 111,18; daz gröze
O. im Tempel 51,35 f.; o.
des iobes 91. 14; ze einem
o. bringen 112,26; ze eim
o. emphShen 252, 2.
orden: den orden rihten swi
der kumber ist Anord-
nungen treffen an gefähr-
lichen Stellen 53, 1 ; Kloster -
Satzung 120, 15. 30. 265, 14,
317, 17 (Zu
ordenen : geordnet sin ze dem
himelriche 7, 35; wol g. sin
an sim leben 151,3/'. 333,2 f.
ordenlicb adj : o. an im selben
53, 1 f.
ordcnuDge: von des lebens
O. 52,24 f. 59, c f. ; von des
geistlichen menschen o. 333,
>/••
ordinieren, ordenicren in Ord-
nung bringen 72 , 32; part.
geordiniert «. geordinieret
65, 34. 68, 6. 173, 6. 26.
ort Ende 9, 1 ; ze beiden orten
72, 12; in ieglicbem orte des
tcmpels was ein umbebanc
99, 19 ; an dem schilte sint
driu ort Spitzen 100, 1*.
orthaber Urheber, des Lebens
I 86, 34.
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Wortverzeichnis.
367
Osterwint Ostwind 160, 9 /
ostium — tür 123, 2S /
ougcldgc): o. des geistes 156,
y,; o. des libes, des herzen
172, 23/ (G). 209* 21. 299,
4/1; diu inren ongcn 156, 31
ein ftfgerihtez o. 230, 3 /;
lüteriu ougen 229, io/; daz
kint ist an den ougen dem
vater glich 243, 22.
oven Feuerofen der drei Jüng-
linge 24, ul
palmboum (balmböm) 260, i f.
palmtac 138, 2L
paradis 110, 25, 116, j. 117, 3.
114. 8 156. 3. 158. 12/1 211,
1* 222, 6/ 250, 26, 251, 3 f.
273,11.329,1$; •= Maria 156,
$/; in dem p. sint driu dinc
159,21/1
paradisin adj, : diu p. Maria
161, u.
pater futuri seculi 297,5,
patriarche 87, 12, 159, B, 206,
22, 247, s. 309, 2.
permit (bennlt) stn. 36,1$.
phäl 55, 11.
phalenze des Himmele 81, 2,
92, 2. 123, in. 287,12. 298, j.
phant: ein ph. läzcn 144,25,
pharvsel — die geteilten 319,
1$. 320,6/1
pfdwe 262, isif.
pheller (phellöl) ein feines kost-
bares Gewand SO, 17. 223,
22 24. 223, 22 (G). 256,1.
phenden, die Hute 88, 11.
phenninc 4, I» 53, 34. 294, 7.
319. 21 f.
phingsttac (phinkistag G) 297,
19.
phleger — engel 47. 21.
pflegungc elf. ■■ diu pfl. ir her-
zen 147,19(0).
phluoc (pblächt: die hant an
an den ph legen 283, 5 (G).
phoune 's. founc.
phunt 53, 22.
pigment (pimont) gewürzte
Düfte 160,io/.
plan: flf dem pl. stitn 270,9.
porte Pforte des Himmels 124,
а. 283, 4. 324, li ; Kloster-
pforte 273, 2,
portner Klosterpförtner 339,15,
prüdie u. predigen s. bredige.
präl&ten 252,6.
priester 2,13/ 6,3/ 8,6, 63,
IS, IMr **f- 198, 16, 22. 262,
13; der priester Orden ■=
ordo 6, 22.
princeps pacis 297,12,
priol (prior) 72,38. 112, 6, 147.
21. 34. 339, I4j obrost priol
in der sele 27. 28.
priolin (priorin) 21, «/ 112,
6 (G). liL 3L ai, 226. 1» (G).
probst 322, 2L.
Propheten 159, a» 206, 2Z. 247,
б. 248, 6. 809,2.
psalm : cantig ps. das Loblied
der drei Jünglinge im Feuer-
ofen 24, 1$.
pulvcr 269, 3.
Quaderstein 91, 12,
quäle Marter 108, 2$,
quPln 69, 12.
räche, diu beste 189, ffi»
ram stf. Rahme 36, 1$.
rämie adj. schmutzig, russig
128,21,
rappe Rabe 87, 15. 18. 312, 32,
rät Rat unseres Herrn, im
Gegensatz zu den Geboten
110. 12, 115, 29 Z; ze rite
geben sich beraten 9,29; rät
tuon helfen 312, 21 (Z); äne
rät ohne Fahrung 312, 35
(Z); din oderdcs wirt niemer
rät 53, 31. 110, 12.
rätgebe swm. 296, 16»
rebc = Maria 76, 17 / 293,
7/ 302,3/; diu r. daz ist
vrmlicheit in Gote 273, a.
rechenen 305, 34 (Zt.
rede: an der r. sol man be-
halten 5 dinc 334, 12/; r.
geben Rechenschaft oblegen
11, la.
redchfis stn., im Kloster 339,
24.
reden; mit der edle r. öfters
37,1 ; nument die nötdurft r.
303,16 /
refsen tadeln im Kapitel, subst,
Infin: mit refzcnt (refsinne
Z) angrifen 316, 11.
regel : Definition ein dinc da
bl man ein ander dinc
schephet u. näch machet
109,12/; Ordensregel 81, 2,
12, 32. S5, s- 100, 15. 120, 14.
120, 32» 264. 14. 339, 15; von
mänger hande regele 10,22/
109,4/; zweier hande r. 109,
10/; Stephanus daz sprichst
ein regel 10, 22/ 109, ioj ein
regel geben 54, 12. 231, 19.
255, 2»; ein stärkiu r. eine
grosse Anforderung 53, U4
ein guldin regele regula
aurea der Vulgata, Gold-
stange 109, 22.
regen — ■ unsere hcrren zuo-
kunft 75, vtf.
reht adj. rechtschaffen 187, 1/
Reht personifiziert 21, 17/
reht Gerechtigkeit Gottes, Ge-
gensatz erbermede 68, 23. 46;
ieglichem dinc sin reht geben
192,1 / 284,25.
rcht(c)keit Gerechtigkeit Gottes
207, 12, 289, 12. 332, l; ein
Bunne der r: 103, 12; Recht-
schaffenheit 148, 3» f. (G).
149,8/ 155, 10/ 192, 1. 278.
22.
rehtvertec adj. 136. 4.
rehtvertekeit: stän in der r.
Rechtschaffenheit 92,1/
reif: bcgürtet mit einem gul-
dln r. zo den brüsten 46, 1.
reinekeit (reinichait, reinkait):
r. der werke 41, 22; r. libes
und herzen so meistens,
Keuschheit 47, 22. 55, 21/
148, 16/ 154,13/ 155, 4. 190,
12. 201, 14 / 244, 15 /. 283,
24. 321, 2$/
rcinecliche adv. 52, is 61, 24/
223. 1.
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368
Wortverzeichnis.
reizen 56, 12. 66, 1L Hi, 13:
zo der minne r. 23, 3«; Üf
die Bünde (— zo sündo Yar.)
r. 117, 2a, »i zo Gote r.
206, la,
reizen subst. Inf. 122, 2.
reizunge Anreizung 253, 32,
reppclle n, Demin. zu rappe
312, 35 (Z).
reventer Speisesaal im Kloster
20, L 339. 2L
ric slm. Rücken {?): an den r.
henken 193, 2a (G).
rlche: r. gegen der weit wer-
den (?) nacA dem Gut der
Welt streben 65, 11.
rlcheit stf. Gut, Reichtum 203,
u. 220, li 295, sj r. der
Binne (— wisheit der sinne
Far.) 41. 22. 42. u.
richclich: ein richliger gober
22, »f.
richsen herrschen 81. 6. 88. j.
richtuom, Ane gebresten 143.4.
riet stn. 23. s f.
rllcn (riffen) reif werden 276,
26 (G).
rilich adj. — richlich rach-
süchtig ? 333, 22.
rinc: plur. ringa 123. 22.
ringer: Jacob, daz Bprichet
ein r. 57, 23. 37, 31. 290, ä (G).
ringcrin, ein 57, 23 f.
ritter 46, 11. 94, hl 2S6, 25.
riuwe Reue 44. 25. 45,1, 58,
32. 63,1a/". 142. 12. 32. 325,1;
rchtiu riuwe 101. li. 311, a.
riuwec adj. reuig 232. 6 f.
robusta — starc 288, 1 s,
roc, langer 44, 2L 45, 27 f.\
baser r. 51. 23.
rö»e swm. 43,2 sf. 164,1. 266,
21 f. 317, 3,- vünf lösen —> 5
Wunden 59, 12.
rosebrunnen = fünf Wunden
Mj u (G).
rösenbusch (rosbisch) stm. 25,
18 f-
rösfeivar: rösvarwez bluot 26,
23. SS, 12. 59, 12. 257, 2a f.
(G). 270,13. 292,13. 313, 3.
815, 29: von sim ( Christi)
libo ronnent vier rösvarwen
bächliu 70, 1,
röst stm. 280, 31.
rauben (röben) 3, 15. 4,3, 88,
31. 249,26; rauben die röobe
297, 2.
rauch (röch) stm. 37, 33.
roup (röb) stm. £, 32. 109, 21,
ruc: üf dem ruggen 29. 2a, 93.
12. 21. 105. 19; ze ruggen
werfen 120. 13.
rüefen (rüffen) subst. Inf. 9,
3 f. 105, S.
rüegec adj. sich selbst an-
klagend 135, 23,
r&egcn, in dein capitel 21. if.
56.7. 196,13; subst. Inf. 316.
in.
rüeren anrühren 33, 36, mit
eim Worte r. 33, 32; der s81e
niht r. 281 , 12; ez rüeret
mich 171. 3 f.
rünen heimlich etwas zuflüs-
tem 8, 12.
runs Quell : ein r. aller gnaden
223, 12.
ruom, nppiger 13, 11.
ruoto von Y esse — Maria 1 58,
21 f. 197, 18 f. 329. 29; in der
archo des tcinpels was ein
r. 239. 30 f.
ruowc Ruhe der Seele mit
Gott 19,23. 55, 24/1 57, tf.
61, li u. öfters ; i wie r. 261,
2j im Bimmel ist ewigin
ruowc An arbeit 63, 3 tf.
ruowen (rügen G) 156, 12.
8ac der Leib des J lenschen
236, in.
Sache: äu Sache tuon ohne
Grund 3, 2.
saf (saff(c)) stn. 15, rf. 163,
12 f. 164, ä.
saferin adj. : saverine (Saphire
G) köpfe 295,15,
Siegel m. « seigel) Sfirosse
232, 2 (Gl.
stejen: pari, gfteeget 5^4. 28,
12. 276, 22.
salbe: ein (wie s. aller herzen,
gebraucht rom hl. Geist
297, an.
salben 170, 1.
Beeide, iwigiu 88, 11 u, öfters-,
arm an s. 52, l.
sseldenrich adj. 154, 12, 155,
22. 158, 13. 159,13.
Steilheit 145, 16. 153, ai f. 155.
25. 268, LL
salm Psalm: mänic s. in dem
salter 253, a,
saltcr Psalter 16, c. 253, s,
261,1.
samaritanus Samariter 282. IT.
sament adv. beisammen 165,
5. 212. 2 f. 223. lfl.
samen theftich adv. 218, s (G).
sanue)nunge stf. Gesellschaft,
Allgemeinheit ISO. ia f. 181,
31 : klösterl. Sammlung 196,
Z. 317, L
samit (sAmit): röter, wher.
violvar s. 139. 3 f.;mit s. be-
kleidet 256, l
sämlich adj. cbensolch 34. ja.
195. 4j ein Bimlichez 3, 1.
189.5.
aant : sich mit sandc laden m
der Biene gebraucht 325, i.
satte tsetti G) 120, L 240,7 (G);
satt u. durst 18, 12.
satten, setten 120:3. 272. ss: ge-
settet werden von den brüs-
ten iuwere tröstea 306, 10;
die gesafteten 18, 17.
satzungo Klostersatzung 10O.
15. 110. 11, 120. li. so.
schücher Schächer 10. 5. 69. 37.
251, a.
sch&chman; pl. echächman 35,
32, 250, 2.
schade adj. zum Schaden ge-
reichend 172. 21 (G).
Schaf : sebäf hücten 57, 1» :
Demin. daz siha'fli 323, 31.
schaffen: part. geecaffcn sin
190. 26.
Schaffner des Klosters 339, ti
schal stm. Schall, Gerätuch
68, 19. 74, s.
schale (schalch G) Schalk,
böser Mensch 109, 21.
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Wortverzeichnis.
309
Schalken h 24.
schalten, daz vinr das Feuer
unterhalten 98, 3.
schamie) Schamhaftigkeit,
Keuschheit 49, 5 f. 63. mf.
101, 12 f. 154, 5, 224, t f. 284,
ti f.\ ze sch. körnen 49. 11 ;
sine sch. bedecken 249, lj
(G); personifiziert Schäme
273. a.
schamec atlj. 49, 5. 130, 21 f.
135, la. 284, 12.
sciiamcl (scbimcl) SO, ssj vuoz-
scbäincl 99, 22. 129. s.
stimmlich adj. 24, 31. 68, a.
136. L
schamrot stän 178, 22.
schappel Kranz von Blumen
als Kopfschmuck der Jung-
frauen 25, 15. 69, U f. 245,
21 /". (G). 243, 31,31. 246.3,
»charlAt 223, 22.
scharph : sebarphe nagel 69,
XE. 106. 5.
achatc (— mcnschcit unseres
Herren) 76, 11 > f. 326, 24 f,
schätz 59, 11; sch. in dem seckel
199, 22; den sch. getriuwe-
llche gehalten 74, 11 f 330,
'JA
scheiden : einen strit sch. bei-
legen 70. ja,
scheitel: von der scheiteln
(schstelun G) nnz an die
zfhen 281, li,
schellen ertönen lassen 22, 25.
36, 25.
schelten lästern 1, 21. 60, 2.
sehenden: part. gescheut u.
geschendet zu Schanden
machen 27, 32, 277, 25.
schenke, der 124, 30.
schöpfen bilden, nachmachen
22, 22, 109, U. 267,22.
schepher tschöphcri 11), ul 16,
13, 58,24, 63,23. 64,1a, 69,
35. 70,12, 105,8. 139,2)1. 204,
L 209, 12. 231,18. 249, 24,
251, 8. 255i 261j
270,12. 284, 22. 294,26, 301,
12. 338, 34.
schidunge Trennung, Schei-
Dcutsche Toxlo 4m Mittelalter». X.
düng, Tod 68. 37. 91. 28 (G).
140, UL. 15_£ 174, 3. 207,
3p cz ist ein sch. Unter-
schied 215,3.
schiere adv.: aller schierost
92,21. 93,2,
schifman Steuermann 46, is,
schillinc 53. 32.
schilt: guldino schilt« Wappen
99, is. 100, ii/'.; zieren mit
sch 208. 11; bildlich ze eim
Bch. nemen 240, KL
sohin : der sebin eins bra tlins
198.31.
schinbiere adj.: comp, schin-
bterr 215. lu, 333. 32,
scliinen(schinnen)22. 22 f. 63,3a.
schiure: diu guldln sch. Him-
mel 28, UL
schöne adv. 23, 3.
schiene stf. 63, 32. 106, L 25.
119. 12. 232, 2 f.
Schönheit u. schoenhcit: sch.
Ano unvltetikeit 63,35; güt-
liche sch. 103, 21 f. 238. 21 f.
290. 2a/".; sch. unsere herren
301, K f,
schoz stn. Geschoss 95, 2L 279,
12. 325.2t : sch. der gedenke
27,22,33, 204, 23.
schöz »1. u. f. : sch. der muoter
107, 15. 227. 28, 242, Cp des
vatere 227, 2 &/". 242, 10. 23,
271. 2p Abrahames sch. 68,
39p an die sch. setzen 124, 23.
308, u(Z).
schüzlinc s. schnzzclinc.
schrien : mit einer grüzer stim-
me sch. 177. io; schrigcnd
stimm« bän 85, 12p subst.
Inf. 5, 1.
Schrift hl. Schrift 28, UL 63, t,
178, 2. 248,5/.; von mänger
hande sehr, der menscheit
248. 1 f.
schrtn Schrein 233, 2 f. ; bildl.
sch. aller tugendo 66.2a. 199,
schult: sie sind es von den
schulden dln deinetwegen-,
2, 13p sin schulde vergeben
177.2 f.
scbultheizc in einer Stadt 64,
u. f.
schnoben (schQebon), die solo
45. is f.
schQzzelinc (Schössling) 15, 1,
seb (< selp) [7, 22t?). 52, s. 157,
12.
seckel: schätz in dem s. 199,
22,
sogen stm .: den s. geben den
Brüdern den Segen geben
40. 6; den s. dä über tuon
19S, 13.
segeuo tsegi) sagena, Zugnetz
118.1.
seigel (ssegel) bl Sprosse 232,
2(g).
seil: ein sidin, geblüemct, gul-
dln s. 32, 3 f. 123, 2L
scitenspil 174,11. 307, 21 (Z).
scle 232,51 f. 246,2; die sadgen
st'la 64, 30p der s. dosier
339, 13/".; drl kreftc in der
s. 233. if; s. hilt driu bildo
320, 25./.; steht zwischen
Got und der crcAtöro 190,
2C f. 2115, 30 f. ; mm himel 129,
cf.
selgermtc : s. Bernharts 33S.I2 f.
selten: bt im selten sin tu
der Einkehr mit sich 248.
2ij ze scltzcns snites 333,
32.
semcl (simcl) Weizenbrot 74,
25. 3Q.
senden: part. gesent « ge-
sendet) 7, 23,
senfte stf. ruhiges Leben, Buhe
) 3, 24.
senft(c)keit Sanftmut, Milde
137, 19 (G). 139, 16, 162, 17,
212,10. 241,7.
Benftmüctekeit Sanftmut 12,
UL 13, 15, 142, 2,
senken: sich in Got s. in Gott
versenken 16, 22. 36 öfters.
senunge stf. Verlangen, Sehn-
sucht 125, 21L 126, 13, 145, a
(G).
een wo Sehne, Bogense hne 3 1 3. 6.
sör 155, 3, 174, 3 f 175, 1«,
176, 2. 205,5/".; mit söro
24
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370
311, 2; fino sfr verscheidon
174,7,
scrklln (scrcbilin 6), des libcs
Dtmin. zu sarc 259. 2U.
Borwen krank werden au* Ver-
langen nach etwas 327, u,
sette i. satte
setzen festsetzen, befehlen 100,
ic; Ober den tiscli s. 40, 38j
für diu ougon 8. 266, 12,
Bibentägic 59, 35.
Sicherheit, in himelricho 62,20.
JL 217,25 f.
Bidcbluomo swm. Seidenblume
267, lä.
sidin (sydin) adj. von Seide
8, 32. 32. 3 f.
siech adj. 6.10 f. 19,6; die hendc
flf die siechen legen US,
15 /*.; s. sin mich Gote 125,
21 öfters-, s. von minnen
125, 2a. 267, 2 öfters-, s. mit
dem siechen sin 175, u.
sicchhfiB 19, fi. 339, 22.
siechtac 6, 32. 71, 14. 86, aä. 1_26,
fU 200, 1, 238, la, 264, 23 f.
öfters.
sigelös adj. 92, 21, 93, 8 f. 94,8,
Bi gen sich senken 244, 11.
sigenuft Sieg, Triumph 69, u,
70, 22, 8S, ffl. 143, 1,
sigenü(n)fter Sieger 86, 32, 142,
24(0).
sigenüfterin, ein 155, 21,
sigrist Sakristan 339, 12.
sihtecliche adv.: s. gesehen
293.1.
silb(e)rln adj.: (lz eilbrinen
köplion trinken 123, 23,
simlich (< sumelieh) adj. 50, t.
sin: die Ozrcn u. inreu sinno
24, 4, 65, 2 f. 114,2 if. 129.
12 f. 295, 21 öfters-, alle sine
sinno dar an legen alles
aufbielen 28, 2,
sinewel adj. kreisrund 101,
2, 313, 2 mZ'.
singen: Got loben mit singen
u. mit lesen 59, 12, 60, 32.
98.1. 139,22. 199, 11, 265,21;
einen sanc s. 89, 12. 260,1 f.-,
eins sanges s. 265, 21 /*.:
Wortverzeichnis.
zwtno säng(e) s. 68, 22 f.
327, 1.
sippc adj-: den engein s. mit
den Engeln verwandt 221.
u (G).
sito 212, l. 335, 12 /*.; guotcr
s. sich vlizen 179, 1 ; sundren
s. hin 219, u Öfters.
sitzen: Ober den brunnen s.
59, 33 f. 310, 20.
siufzen seufzen 24, 32.
slAf 1 schlau!) 20, sc f
slahen: ze todo s. 1, 23 f. 279,
20; intr. unz an den g-Qrtel
s der Rock geht bis an den
Gürtel, ist zurückgeschlagen
bis an den G. 45, m.
slange stem. 3, 25. 48, M. 76,
20 f. ( vgl. 293, 10). 114, 12,
1 16, 0 f. 295, 6 f. 330, 2S fr,
der s. im paradise 117, 2 f. j
{■rin s. 77. 2. i. o.
slchtcclichc (sclilehtklich) adv.
15, 2L 277. 11.
slehtes (■= slchtcclicho Var.)
adv. 15, 32,
slfwen (G) tau werden, er-
kalten 269, 3fl,
slewicheit (slewkcit) Lauheit,
Trägheit 270, 4.
slihtc stf. Ebenheit des Weges
187, 28.
slinge Davids 94,13,
Blingcn hin- u. herzerren 36, 17,
sloz: garte mit 4 sl. beslozzen
46,37!*,; s. aller tugendo 154,
5; ein s. derkiuBcbo 294, 12.
smac : s, der rebc 76, zsf. {vgl.
293, a /*.); des helfanten 96,
36 /*■; des liirzen 236, 1 f.
snuehwort Schmähu-ort 30, 25.
Bmelzen, von minnen 36, an. 38,
nf. öfters.
smerzen (smirzen) 112, 13.
smierco sin.: trügcnlichcz s.
das betrügerische Lächeln
3, 32.
snate: pl. stch)natte 29. 17.
snellekeit im geistl. Leben U,
1 f -
suhlen, daz kom 29, 5
sociata — zao gcvßcget 287,12.
BÖgetän: sogtäniu sach nn-
künsch 2, 23.
soreliehe adv. 2, 33,
sorgsami subst. Sorgsamkeit
336, a.
Borkeit (< soreheit ?) stf
Sorge, Bitterkeit 332, 13.
spehen 129, zu
speherin , der gütl. tügni
SO, 29,
speichet 257, lft(G); plur. mit
den speicheln 30, 16.
sper, mit welchem Jetu Seite
j geöffnet wurde 70,8. 237.
12. 318, iL
Spiegel im wörtl. Sinne 44, 22;
Brille 341,8; bildl. 60, S- 14S,
ll. 226.3. 316,21: götlichers.
71.3. 89. i. 98, 30. 106, uf.
125.3. 205,22, 219, 233,
if. 269, 15. 2S9.4itm. 299,22.
310. 2S; den sp. Of dem hon-
bete hän vom Pfau 262, a,
spiegellin Demin. zu spieget
6, 16 f.
spilman 3, nj spillinte 14.10.
spiln: spilcnde gän mit Ver-
gnügen 69, 4. 251 1 /*.; spilde
öligen blinkende Augen 3. a.
spiso; des libes-geischlichia
198, 9 f. 237, 25/*.; wol edel
spise! 41, 4.
spitzec; pl. spitzic nagcl guldin
34, if.
spiwen (spOwcn, sptiwen): an-
der slniu ougen s. 60. 2 f.:
under sin andütte s. 96.
spräche: zwo spräche in dem
gebet 22, 1 »/*.
sprechen: ein hof spr. einen
Iioftag, ein Hoffest anord-
nen 43. a.
spreiten: bluomen s. en gegen
dem bimclschen künic 139,
tsf.
Sprichwort 32.24, 43, 0 f. 1 13.
sprozzo Stufe: dri spr. 231. u.
spulgcn pflegen 26, a, 30, »s.
40, 5, 46, 5. 101,28, 171, nf.
214, 21 (G).
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W Ortverzeichnis.
371
stämlin Dem in. zu »tarn 325,33,
st&n : wol beete, übel 8t. 21. 2 4/.
65, t 135, 3 /.; flf einer huote
st. 89,24; sich, wie ich stän
305, 13 1 Gl ; dar näch st. =
dar näch striten 13. ta. 32;
näch eren st. 333, 28/.
stap — hi. criuze 197, 3 /
starc adj.: st. sin in Gotes
dienst« 92, 14, 246, 15,
stat stn. Gestade 46, is. 21L
118,3.7.
stat Stadt, Stätte, richtiger
Platz: st. in bimelrlche 64,
20J an ein st. gän 189, 4 f.\
st hin zwischen etwas 191,2.
208, 30 /,; in ir st stän auf
ihrem Platz 209, st des h.
Gotes — sälo 64, 37 f.; hiruel-
schiu st 64,2t 220, 17 f; ob
or sin st uiühti hin wenn es
möglich wäre 3,22. 2,14; ze
staten komen einem helfen
36, L 200, 4 (G). 241, ls.
250, 5,
stmteclicheadv. 16,6,167. 19(G).
stietekeit Ausdauer, Beharr-
lichkeit bis ans Ende 46,
15 f. 49, 30. 144, 19, 155,1s/'.
235. so /.; endebaftiu st 253,
c, personifiziert vrow Stiete-
keit 127, 2,
stecken die Augen fest auf et-
was heften , fi-cieren 98, 2a ;
subsl. Infin. sehen än ougen
stecken 334, 1 f.
stein Magnet 179, 1 /.; vünf
st. Davids — gebügdo der
5 wunden 94, ll
steinen steinigen 110, 1. 190, 7,
322, 23. 323, 39 /.
stellen : daz antlütte übelliche
st. 21, 12, 34. 20; dar näch st
nach etwas richten gl, &/.
337, 2t
sterben, der weit der Welt
absterben 278, 1,
Sterke Tugend des Starkmutes
113,1 4/. 189, 13/.; st. in
Gotes dienBte 92, s/.; st. der
creätüre 231, u,
Sterne 9, 12, 327, 21 ; 12 St. in
der Krone Mariens 81,
99, 25.
Stic steiler Pfad 12. u.
stille Ruhe: stilli än fülkeit
334. U.
stölo Stola des Priesters 9,5,
stoup (stob) 8, 21; ein bant
volle stoubcs nemen 66, 26 f.
sträfen 217, c.
stranc: daz sidlu seil (im Tem-
pel Salomons) ist von drin
strängen gemacbet 32, 13 f.
Bträze, ein gemcinlu 261. 26.
strecken: praet. strahle 311,
33 (Z)- subst. Inf: reden än
hende strecken 334. a.
strengcchcit (strcnkait) Strenge
337,2.
stric: dem tiuvel ze cim st 3,
26: diu weit ist vol stricke
2S0, 11 f. 45. 24.
stricken, ein seil umb die
kelcn schnüren 29, 19,
strit, zwischen Leib u. Seele
70, 11. 237, 11 öfters ; des
menschen leben ist niht won
cinier) strit 92, 15 f.
stritcr Streiter 57, a f.
stukd): von vierband stukin
cristans glouben 4, 22; ein
stuki brßtcs 39, ZL
stungc swf. ( oder stungen subst.
Inf.): st der dankberi An-
trieb zur Dankbarkeit 06, 32,
67, 24, 32.
stuol : ir ( der Mutter Gottes ) Bt
ist erboehet über alle men-
sehen 330,8; fig. st der or-
bärmede 135,8; st. d. tugende
101,22. 137, 28, 150. 10.
stüppelin stn. Stäublein 149, 2.
sturm weter 13,26. 312,21(2);
st. in slm herzen 179, 20 f
süener Versöhner 141, 22,
süenerln Söhnerin 329, 2L
8üezc(8flsei)/em. Süßigkeit 4,13.
süozecheit (sässekait) des Him-
mels, göttliche Süßigkeit 33,
2L 56, 23.3. 66, 18. 123, 2 f.
124, 21. 127, 12, 2k 139,16.
167, t 13, 184, 22. 204, 2« f.
205, 8. 208, 211. 234,27. 261,
1. 268, 12f. 288,13. 291,14,
310, 3/. 3U, S. 332, 22j süßer
Trost im Gebete 170, ic. 171,
ttf. 224, 3t 225, a. 275, 6j
s. der weit 167, u. 310, 4,
süczecliche adv.: Got s. min-
nen 166,34/". 167,1 4/.
sögen H, 2a. 50, a. 242, c,
310. 13,
söl isiul G) 291, a (G); i sinle
7 Sakramente 5, 'jufi; viurin
8. 166, 11 f.\ Geiselsäule 29,
15 f. 105, il
sumber m. Handtrommel,
Pauke: den s. slalien 307,
m (Z).
sumelich u. sümlich 13, t 106,
11 f. 217, 26; allgemein s.
sämlich u. simlich.
sümen 39, 12. 335, 35,
suuier 163. la f.
söuikeit Säumigkeit, Trägheit
331.14, 324,32,
süudc: waz sünde ist 201, 11 f
209, 1/".; gedenken an sin
s. 126, 15, 336, 24 öfters-,
grözo u. kleine s. Plural
16, 14; totliche s. 12. 13;
dricr baudo s. 192,4 f. (vgl.
196. 31): geischlich- fleisch-
lich s. 244, 18 f; der s. ir
reht geben 285, 9^ *. unter
tagclich.
sünder, der offen publicanus
22, 32/".
sundern refl. sich absondem
von den andern im geistl.
Leben 162, 21 f. 181, nf.-,
sich sunderliche sundren mit
sundrem lene 206, u; subst.
Inf. irs sundrens war nemen
181,31,
sunderunge Absonderung 207,
sunne swf. 14,5/". 71,4 f 242,27/
300,17/i 301,3/.; seltner swm.
99,28.243,14,268,9.270.1,326.
aa; — gnäde unsere herren od.
Christus selber, die ewige, le-
bendiges. 100,2.103,1ii/. 154,
4. 2 13, 19. 268.9. 270, l. 299,5/,
326, 38; = Maria 77, 28 /■
24»
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372
Wortverzeichnis.
82S, 35 f. ; = hl. Schrift 178,2,
248. ti A: s. der gnäden 300.
24 f. \ die sunnen zc eim
kleide hän 99, 24. 21 f ; der
sunnen ureprunc 121, 21:
sunnen glanz 47. 5 f.\ sun-
ne(n) schln 117, ls f. 22 (G);
293. 12 f.
sunne(n)tac 2, 4; sunnetac vor
wlnnäbtcn 44, 8.
süntlich adj. 60, 22, 142, t/'.;
s. gebürt 68, 1,
suochcn (sfickcn 210. 21 G):
unsem herren s. 310. 2 äf.
suon s/m. : ein sta-ten s. machen
297. 1 r> /’. ; ze s. komen 161,13.
Buppriolin 226,141 G).
eupprior 339, li.
bus adv. 192. s. 302. 20; sus-
getan 202. 31, 339, 5 f. ; unib-
sus 1, 14.
swachen schwach sein 130,1.
swalwe 267, 21,
swanger 102, 24. 228, in.
swänkclieren : gän in sw. Ain-
M. herwanken 334,2,
swoero stf. : sat mit s. 240, 7
tß|; mit s. wonen in der
inuotcr achöze 227,25 ; swwro
fui swiere 82,14 A; Kummer
dez Herzens 131, if,. 24.
Bwfiren trüg werden 269,28 (G).
Sweben: die Seele schwebt in
Gott 124, ti. 133, 2 Au. öfters;
der hl. geist swebet in in bei-
den ( Vater u. Sohn ) 234,
28 tG).
swegelen blasen, pfeifen 307,
21 (X).
sweifen: nlumbe die weit sw.
204, 13; daz honic sweifet
Bberdicbrosemun 185.101 G).
Bweimcn: alQbcr bw. nach allen
Seiten übcrfliellcn 185. in
iG).
swern wehe tun 112, 12 f. (G),
swerren schwören 9£, 6.
swert stn. 29, I9j durch Ma-
riens Herz ging ein Schwert
108. 16 A
swerzo stf. 22. M.
Bwcstcr (swSstcr) Ordens-
schwester 25, li. 60,16. 10 f.
99, ls, 177, 12/. (G) 194, 6.
219, 32 (G). 283, 11 (Gl.
swigen «fn. das Schweigen 9,
24. 10, 14.
swincii dahin schwinden 176, :i.
switzen, bluotigen sweiz 36,
£ £ 51,6. 319. 6 f.
tac: jüngster t. 4. 5. 10. is A
11, iS. 27,1. 68,14. 72, 10.
73, 4L 91, 1 f- 96, 24. 110, 6.
174, aaA 176,1. 277,24. 284,
li. 297. 22. 336. 44, 337, 34:
guoten t. gewinnen 31. 24 f.
38, 137 ze inittem t- 73. io;
al dur den t. 300, a~A: alle
Bin t- ein Sünder sin 254. 3:
den lierrcn dri t suochen
311, if.
tagclich: täglich Bünde liiß-
liche Sünde im Gegensatz
zur Todsünde 27, 6. 149, 4.
198,28. 240,4. 298,8, 300,23;
von den schaden täglicher
sünde 299. 1 A; — allirtägi-
lich 266, i (G).
tageweide Tagreise: dri t. 25,
26 f. 69, 21 Ai ein t 265. 23.
tcgcnliclien ». dcgenlichen
teil : zc teile werden 202, i;:niht
teilcB werden 8, li.
teilen etwas mit einem andern
52, 'if. 176. 11. 177, 23 (G);
sin leben t. in driu einteilen
52.32A 130,2, 188,24 A: refl.
2L8, 22 A 220, 15. 210, loj sich
t. von den irdcnschen dingen
122, nA: umbe sich t. 309,37.
tempel des Moses 208. io: Sa-
lomons 34,6/". 99. 17 A 192,
16. 302. an; - unser herze 84,
14 f. 100, lA 244, :>A; =cri-
stenheit 243, 5 A
temp(e)ren mäßigen 21, n f.
60.2. 74,2»; getempert träne
gemischter Trank 120, 5 f.
teinperungc stf. richtiges Maß:
ändert. stän 150,2i(G); den
lip in der t halten 265. u.
temphi *. dempfe.
terci zlt Zeit der Terz 116, a.
liefe (tfif) adv. 329, i.
tiefe Gottes an der wisheit
133,24.
tier, in der archo 20, 44.
tisch: t. in dem goteshüs 237.
is A; t. der gnäde 25. 44 A
tiuvel 15, L 27, 32- 30. ln. 32.
26. 34, 15. 38. 36. 44. atu 45.
21, 47, 45. 48, L. 59,1. 68,21.
69, 11. 14. 79, 27, 84, 11 f. 56,
31 f. 87.6. 93, 5. 94, 21 f. 97,
26. 104, 3/1 112. 14. 113. 24.
114, 11. 22 A 115, 12 A 116.
15 A 122,5, 10, 141,7. 138.17.
181.31. IS2, 7. 192. 17. 211,2.
217.31. 222, 4 A 256.44. 263.
4. 271, n. 278, 2. 26. 279. 6.
285,2. 292,4. 299,116 301,
12 f. 320, 25 A 323. 15. 326.21.
329,2a. 333,12. 339,2s; her
tiuvel 281, o; saz Bf dem
crinze 76,aiA; des t. geist
172, uf.(G); des t. välscliin
bildungc 202,8 A: des t. kint
320, aiA; t. ein äkustic fnlis
326. 32.
tiuvellich adj. 224, is.
Uedemic adj. totbringend , er-
lösend 83, J.
torwaiter ostiarius 123. 2».
124, 2.
töt : t. der sele 118. 2. 137.
t. des (saiigem menschen
63, 33 f. 174, 4 f. 336. 22 : Ewi-
ger t. 2 03.22: an den t. geben
105. 12.
töt adj.: vil bl aller t. sin
beinahe tot sein 252, 16; t
Bin der weit abgestorben sein
214.7.
tötbluotec adj. 29, 3o f. 69, i.
testen: mit sim lüde töt er
unsem töt 88, oj er töte an
uns den ewigen töt 57, n.
toter (tutter) stn Dotter 283, 28.
tötlieh adj. sterblich 311. 27 f.
{Zu
tou stn.: daz himclschc L li.
46 A 1 bezeicheut unsers hcr-
ren gnäde 48, sf. 75, sf. 138,
li f.
touf (töf) stm. die hl. Taufe
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Wortverzeichnis.
373
5, 27. 26, 37. 27 , 3. 63, 13 f.
SS,». 298,7. 320,37. 321, 5/".
324 , 37.
teufen: getßffet werden 320,32.
tougen (tögen) adj. geheimnis-
voll 278, is; t Spiegel 78,9 f.\
t. sin verborgen sein 195,
s. 26.
tougene (tögni) stf. Heimlich-
keit, Geheimnis Gottes 78,
19 f. SO, 28/;; t des herzen
339, 1«; in der t sin in der
Einsamkeit (von Johannes
auf Patmos) sein 204, 4.
238, 1.
tougenlich (togcnlichl adj. ver-
borgen, geheimnisvoll 72, 2;
t. gerihte 206,9; t. beschöudo
210,14; t dinc ougen 225, 9;
tugentlich — tongcntlich 138,
11. 130,25. 171, u f. 315,33/.
tnecliche (tragklicb) adv. 199,
is.
tra-go (träge) stf. Trägheit 13,
3. 25.
trägen träge werden 118, 16.
269, 12.
traben: pl. trähennc 128, 17.
266, S.
traht(e) stf. aufgetragene Spei-
se, Gericht 5, 3 f. 19, 22. 23,
9. 125, 1 ; trahta für setzen
20, s; die trahta ze himil-
riclie 185. 1 |G).
tiäkeit 21, 34. 115, 11 f. 118, 19.
148, 3. 241, 2. 331, 19.334, 11.
träne »fn. : sürez, süezez, ge-
tempertez 120, 5 f.\ tr. der
engilo 136, 37 f.
treten : an den wec der rein-
keit tr. 155,3/;
trinken, des brunnen 330, 3«.
triuten liebkosen, den gema-
hcln 275, 1.
tropbo 28, 24; tr. der süezo-
keit 171, 14; der tr. der
stimme die leiseste Stimme
73, 30.
tröst: ze t körnen 37, 37. 45,
30.
trßstlich drosch lieh) adj. : ein
tr. wort 153, 7 f. 204, 27.
trote ireinprrsse, Kelter 303,
11 (Gl.
trübe (trübe) swm. Traube
303, 11 (G).
triiekennen trocknen 170, 4.
trüebenisse (träbnust) Trübsal
122,9.
trugenhoit 336, 30.
trugenlich adj. 3, 30. 203, 1 f.
truhsffzeftrühseze) 125, 1. 313,
21 (Z).
trunken sin oder werden 40,
34. 41,2. 116,2. 125,3. 309,
6f. (Z\.
trunkenheit 12, is.
trürigen, eins andern Unheiles
h-aurig sein 176, 5 f
trür(c keit 32, 34. 64, 23. 265,
10. 310,6. 831,9.
tübo Taube 19, 17. 22, 29. 24,
31 f. 38,4. 60, 16. 61, 1. 87,
17. 22 f. 103, 23: tüben vodren
93, io. 23 f.
tüecbclin Dem. zu tuoch 338,
16.
tugent 113, sf. 115, v.f; t.
neuen ab 68, 7; an t. gc-
sterket werden 215, 1 f.;
vOnf t. 295, 20; dri t 295,
29 fl; siben sunderllche t
221, 3 f.\ die gütlichen t.
235, 2 f.\ sich bekleiden mit
t. 241, 5 f.; die untugent
sol man überwinden mit t
245, 6 f.
tugentliche (tugetlich) adv.
65, 37.
tugentriche adj. 154,16. 158,
17 f(G). 159,25.
tump 28,36. 172,31. 232, 5/1;
enkein tier so t als der
mcnschc 104, 11.
tumpbeit 152, to. 331, 10. 13.
tumplich adj. 148, 6. 224, 23.
tungen düngen 28, 2 9.
tuoch 30 23. 64, 3». 291,6.
tuon ein Sakrament spenden
5, 35; tubst. Inf. mit tänno
56, 7. 9 f.
turteltübc 38, 27 f. 61, 1, s. 99,
15. 277, 27.
tüsentstunt 41,5. 45, c usw.
tuttcr s toter.
twahen waschen 226, 5 (G);
zwah din hende! 25,33.
übe = obo 172, 19 (G).
übelliche adv. 21, 19. 27, 7.
über] -sweifen überlaufen 223,
lc ; -swe(i)men 185, 10 (G,;
-triben höher treiben im
Wachstum 15, 7; -vliezen,
von gnäden 66,17 f. 223, 11,
der minne 163, 17; -worden
mit Gen. enthoben werden
216, 11 f. 185, 14.
übergän tr. überschreiten 334,
cf.
übergülde stf. : aller vreede ein
ü. sin 4,21; ü. aller tugent
28, 23. 101, 23.
übergülden vergolden 93, 17 f.
überhaben refl. sich überheben
333, 29.
überhügen mit Akk. d. Pers.
untreu sein 318, 14 (Z).
überkomen intr. den Vorzug
haben 4, 4; tr. übencinden
279, 31 (G).
Überkraft Übermacht 223, 27
(G). 317, io.
überkripphen: alle sinne ü.tiiw-
füllen, übersteigen 272, 12.
überladen 94, 7 f. 332, 7
übcrmajzec adj. 232, 23. 309, 21
(Z).
übernahten 80, 24.
übersehen mit Akk. d. Sache
63, 31. 311,23; mif Akk. d.
Person SIS, 12 f.
ühersigen 95, 18 (G). 153, 19.
245, 26. 30 |G).
übers Ibcm 93, 16 f.
überstigen 260, 10 f. 268, 13.
übertrcffen 272, 39 1 Gl.
üborvart, der minne 94, 2 iG).
übcrvluz stm. 309, 23 f. (Z)
übervlüzze stf 171, 35. 223,25.
309, 21.
übcrvlüzzec adj. überfließend,
überströmend 5ß, 2S. 155, 25.
163, 27. 164, 11. 185, s. 15:
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374
Wortverzeichnis.
daz ü. guot 310, 11 ; nibt
Qbcrvlüzzigcs 285, 15.
übervollen, mit minnc, gnilde
164, ll. 223,10. 16.
überwigen 831,5 f.
überwinden 13, IS. 20, 30 f. 85,
35. 91, Uf. 93, 6. 94, 15. 174,
16; einen überwinden, be-
stechen 322,29/!
üf] -brechen intr. vom An-
bruch des Tages 58, 28, von
Blut 59, 12; -erheben, an
daz criuze 10,2; -gän vom
Anbruch des Tages 58, 26;
-geben, die weit 68, 2«,
den eigen willen 68, so; -ge-
heben, diu ougen 22, 37/'.;
•gestän 64,3; -hän, die hant
7,li; -heben 116, 6 f. 204,
l«, im Gedächtnis bewahren
105, 13 f. 318, n, sich üf
heben 24,26; -kören 117, s;
-klimmen 231, n f.\ -lesen
271, 14; -rihten 23, 37, al
sin kunst alle Kräfte an-
strengen 145, 2, ein üf ge-
rihtez ouge 230, sf.; -sla-
hen aufschieben 136,7; -span-
nen 123,21; -springen 9, 35;
-stigen 231, 14. 26u, if;
-trabten 16,7; -tuon, daz
herze 19,12. 70,8; -vliegen
269, 14; -wahsen 15, 6;
-werfen 15, 7.
Qfnemunge stf. 288, 7.
Ofvurt Himmelfahrt Christi 68,
14 170, 8. 229, 1 f. 297, 14;
von dricr hando u. 287,
31 f
ufvliegnnge stf. 288, 10 f.
umbc (unbe) 27, 34. 37, 23; -giln,
mit Untugenden, gedenken
26, 4. 27, 10. 53, 3, mit un-
sorm borren 28, 11 , mit der
weit 157, 7, einen Umweg
machen 13,5; -legen 44,21/".;
-luogcn 279,a; -sehen re fl.
121, 21. 279, s.
umbegiezen 79, 6.
umbehanc Vorhang des Tem-
pels 34, 6. 99, 1«. 208, 11.
237, 14; vier u. 100, 20.
umbesehowunge stf. Umschau
121, 20.
umbestecken 86, is.
umbesweifen 204, 12.
umbevähen, Got mit zwön
arm 134, cf.
umbevähen stv. das Umarmen
Gottes 126, 1. 171, 25. 256,
10. uf
umbevähor stm. 273, 19 ( G ).
umbräl (umblcrl stm. Schulter-
tuch, Gewand des Priesters
8, 30.
unartcc (unertigl adj. 312,32
tZ). SIS, 17 (Z).
unbodaht (unbedakt) 11,16. 33.
unberiiten nickt gehörig ein-
gerichtet 244,12.
unbereit unvorbereitet 122, 11.
331, 17.
unbescheiden: u. arbeit ohne
Maß 94,11 f; n. sin ohne
Überlegung 226, 11.
Unbescheidenheit 196, 24.
unbeschcidcnliche adv. 27, 7.
150, 12. 196,25. 230,22 f.
unbesniten: n. herzen 323, 3.
unbetrücbesallich 142, n (G).
UDbetrüebct 62, uf.
unbctwungenlicbe adv. 199,
15. 213, 6. 236, ln.
uubewollen adj. unbefleckt: u.
maget 228, 14. 296, 14.
unbuozwirdcc, an gewando
der Besserung nicht bedürf-
tig, nickt strafbar 333, 8.
undrere adj. gering 293, 14.
uuden lundenan) adv. 262, 8.
underl komen intr. untergehen
ron der Sonne 80, 24; -mi-
Bchen 246, 33;
nnderganc, der Minnen 122,1.
underläz: än u. 11, 5 25. 18, 3.
19. 338, 29.
underlegen 86, 17.
underligen 15,2.
undcmiischen : nnder mischet
sin 272, 11.
undenede stf Dazwischenrede
334, 19.
undersetzen 25S, 23
undertamec adj. 64, o. 65, 16.
underteil stm. 1 17, 19.
underwlleut adv. bistceilen 12,
22. 92, 2 (G). 95, 16. 144, 23.
171.3.
underwinden, sieb mit Gen.
auf sich nehmen, sich unter-
ziehen 110, 13.
undcrzichcn entziehen 72, 11.
undurnehtechcit (undumäht-
kait) stf Unvollkommenheit
158,-15
unö stf Konkubinat 2, 27.
unehtec adj. von geringem
Ansehen 309, 26 (Z) 325, s sf
unehtegi (un&htigi) Verachtung
336, 32.
unendehafti stf: u. stner
( Gottes ) wisbeit Endlosig-
keit 289, 2 (G).
unerbmredich (unerberklich)
adj. 45, 35. 37.
unfre 86, 7. 9.
unerkant adj. 828, 10 f.
unerkantnüsse (unerkantnüst :
stf. Unkenntnis 331, IS.
uncmcstliche lunernschlichi
adv. ohne Ernst 331, 18.
uncrschrockenlichen adv.: u.
sin rcht behalten 190, 15.
ungebihtet adj. ohne gebeich-
tet zu haben 137,7. 337, 35.
ungebunden: daz ampt ist a.
nickt verboten 7, 3.
nngebüwcn, crtrich 2S, 37.
ungedultekeit 241, t.
ungefirmet 5, 36.
ungchabcdc stf Leidwesen
85, 11.
ungehiure adj. unheimlich 141
| 19 (Gl.
ungelimrec adj. ungehorsam
191. 23.
ungcladet (nngelattipart. adj. :
u. zc einer höhzlt komen
178, 13. 22.
ungeltchi stf. : n des guotes
211,10/*; u. der siten 111,
uf.
ungeloube (ungclöb) 4, 26. 5,;.
ungeioubec (ungclibigl aflj.
5, 10. 7, 37.
ungcmach: u. hin 148,6. 187.
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16; herzen u., libes u. 197,
lif.
ungemeini elf.: n. des guotes
211. 13.
ungemischet 4, 23.
ungeoffent adj. verborgen
179, 7.
ungcrihtec adj. : u. zunge
181, 8.
ungerihtet: u. län 289, 13.
ongeringc adj. : n. wäfon
leichte Waffen 94, 7. io.
nngeruowet sin 101, 9. 11.
nngestalt 2,12.
lingcteilct 242, 1 if. 244, 1.
ungetoufet (nngetoffet) 320,
.14.
ungetriuliche adv 105, 17.
ungevuoc adj. unartig, un-
höflich 326, io.
ungcvuodichc adv. 21, 3«.
ungcwaltec 29, 23. 35,23/'. 68,
31. 74, 3. 102, 10. 234, lt. 311,
*>(Z).
ungewerlieh adj. 182,7.
ungewerllche adv. 189, lOlGl.
ungewßrme ltn. 293, 10.
nngezogcnlichc adv. : n. ant-
worten 323, 27.
ungDctltche adv. 30, 34.
unguot adj. 234, 17.
onheil »tn. 222, o.
onhcinlich adj : den flzeren
dingen u. 130,17. 156,26;
ßot u. 140, 13. 204, 20. 299,
12.
unhOrlich adj. 330, 4.
ankiusche adj. 2, 29; n. wort
60, 23.
iinkiuscbc »tf. Unkctuchhcit
221, 16. 239, 32. 24 0, 22 fl
244, io f.
unkioschekeit (unkfinschkait)
109. 14. 335, 16.
unkraft, des llbes 334, 40.
unlusticlichen (unlustig) adv.:
u. an ze sehenne 21, 11.
unniarc adj. 150, 14. 213,24.
214, Hf. 290, 21. 340,6.
unnuerttche adv. 35 , 33.
unmäze adv.: sich a. kleine
machen 263, 18.
Wortverzeichnis.
unmsezee adj. 18,24 62,0. 63,36.
70,15. 305, s ; der u. Got
292, 20.
unmiezekeit(unincssckait) i n-
ermesslichkeit Gotte» 18,27.
unmsezccliche (unmäsklich)
adv. 76, 3.
nnmilte adj. 28, 10. 29, 18. 3s.
unminnc: von u. tnon 196, n.
unmQezec adj. : sich u machen
»ich beschäftigen 44, 32.
nnmuozc »tf. 33, 17. 37, 13.
unnötdürftec adj. 336, 4.
unnützecllche adv.: n. nemen
den Kamen Gotte» unnütz
aussprechen I, 17; n. ver-
tuon 331, 26.
onnQtzellchc adv. : die zit u.
vertrlben 315, 14.
unordenlich adj. 53, 4.7.
unreinechcit: die u. an in
(den slangenl län 330, 20;
u. der weit 87, 20.
unreincclicho (unrainklich)
adv.: u gesünden wider-
natürlich sündigen 63, 14.
nnsägeltchen (unsäglich) adv.
81, so.
unsadde stf. 26, 5. 69, 3. 113, 5.
unsa lcc: u. man 109,26/'.; u.
untugent 176, 23.
unsielikeit 118,6.
nnschulde : u. gcdultccltche
liden 253, 6.
unsenftecheit »tf. Ungemach
312, 2» ( Z ).
unstatfj mit grözen unstaten
341, S.
unstietc adj. 25, 25. 55, 4. 66, 24 f.
unstete »tf. 101, 8.
unstetekeit 140, 16 f. 264, 27 f.
336, 31.
unsfiber 7, 3. 17. 21, 10. 14.
unsüborkeit(uosuvcrkait)25,39.
123.26. 140,15.26.
nnsfibem 85, 36.
unteillich 305,34 (G).
untötlieh (untoetlich) adj.. u.
volc 131, 0; der a. Got
311,27 (Zt.
untugeuthaft adj. 161,20.
anverborgen 58, 12.
376
un verboten: daz ampt ist im
u. 7,1.
un verdecket (unverdaht) 194,
23. 236, 22.
unvcrdrozzenlich adj. 291, 16.
unvcrdrozzenliche adv. 103,18
(Gl.
unvennäset (unvermasget) adj.
148, 12.
nnverschuit 323,22.
un verehrt 52, 16.
unvertragefnilich adj. 74, 4.
268,14/.
nnvervancllchcn adv. unnütz
331, 13 f.
unvervärwet adj. unverfärbt
243, 17.
unverwänt (unverwünt) un-
vermutet 33, 39.
unverweit (unverwiert, -wier-
ret) adj. unverdorben, un-
verletzt 61,28 223,4. 243,23;
ein u. mnget 228, 15.
unverwertsalot 223, 3 (G).
22S, 15 (Gl.
unvlatec 244,8.
unvla'tikeit 63,85.
unvrl, des llbes u. des guotes
35,7.
unvride 64, 22 ; u. machen
218, 16.
unvridesam adj. 21, 35.
□nrorhtecllche (unvorteklich)
adv. 113, 24 f.
unvuoc (unvüegc) adj.: un-
gebildet 328, 7.
unwerbaft adj. 33, 34.
unwert, als daz wazzer 26, 20.
39, 32.
unwertlich adj. verächtlich
12, 21.
unwcrtllche (unwirdcklich
Var.) adv 280, 1 (G).
Unwille ncm. : n. hin keinen
Willen haben 211,30.
unwirdecliehc adv. unwürdig,
mit Geringschätzung 8, 16.
280, 1.
unwirdekeit 102, is. 292, 15.
unwirdesch adj. unwillig 19,
23.
unwis 234, 16.
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376
nnwiscclichciunwiskliehloife.:
u. stritt n 95, 13.
unwitze stf. Unwissenheit,
Torheit 152, in. 224 , 33.
unwunno stf. 310, G.
unzallich adj. 70, 22. 152, 5.
305, 5.
umerganclieh adj. 205, 12.
unzuht Stf. 64, 21 f. 273, 4.
üppec adj.: Q. ruotn 13, 14 ;
Ö. kose 15, 13; ü. wtc 15,14;
Q. dinc 266, 20; ü. leben
267,6. Q. zart 275, 10; üppige
gedenke 87, 29 f. 148, 18.
249, 4. 332, 2.
üppccheit(upkaitlsf/. Eitelkeit
der Welt 118, s.S. 119, 21.
129, 25. 255, 4. 255, 8. 280. 9.
üppecüche ade. 148, 3* 1 G).
331, 23 f.
nrdrutzo Ueberdruss 331, 19 j
An u. 131,20. 239, 4.257,10.
urdrutzee adj. 334, t; u. ze
Gotes dienste 1 1 5, 10.
urdruz stm. 282, io (G).
urhap, an Got euoeben 132,20.
urkunde, geben beete, b&n
68, 12. 106,9. 121, 20. 201,3.
231,23. 273, 23. 238,24. 321.4;
ein u. sin 106, 19. 121, is.
123, ts.
nrlingo stn. Kampf, Streit
90. 4. 137, 21. 212, 11; in
ein u. varn 180, 30 ; dö sich
daz erst u. huop in himcl-
rlche 217, 29.
urloup lurlop): u. geben den
minnern 340, 5; mit der
beilgcn u. 108, 15.
ursprunc : n. der sannen 121, 26 f.
a. alles guotes 1 Gott ) 209,13.
urstende stf. Auferstehung
Christi 10, 12. 68,11. 212,29.
297, 8; jungcatc u. 306, 15.
309, 14/.
nrteil sin.: u. Gotes 3,27;
stf. mich rehter n. rillten
292, 1
urteilde sin. 305, 36; stf.
diu jnngestc u. 306, 15.
üz) brechen, daz ougo 172, 22
(Gi; -g&n inlr., ein rnoto
W Ortverzeichnis.
158,21/; -gevüercn 104,1;
-geziehen 118,3; -giezen 1 5,9.
67, 21. 271, 5; -loufen 222,24.
240, 17; -scheiden 25, 6;
-triben, den tiuvel 114, 22/;
-varn 180, 21/ 237, 9 /;
-verläzcn 236, c (G); -vlie-
gen 87, 19; -vürben 74, 13;
-werfen 172, 20. 28 (G).
üzenün (uzsinan) adv. 293, 14
(G).
üzer adj.: n. dinc 14, 9.
1 56, 21 f. öfters.
Ozcront (uzsirontl Präp. mit
Dat. ausserhalb, ausicendig
128,n (G). 111,2 (G).
Qzgenomcn pari, adj.: diu n.
dinc 110, 15.
Üzgeuomenliche adv. 208, 15.
üzvündec adj. 222, 16 f.
üzwcndoc adv. 65, 8 ; adj. : n
dinc 231, 1.
Tal stm. : den v. geriiten den
Fall der Stammeltem 222, 3 ;
diu weit ist glich einem v.
203, 18/.
valsch; enhein vclscli nichts
falsches 275, 23 (G).
vancnissc (vangnustl stf. Ge-
fangenschaft 86, 31.
vären nachstellen mit Gen. d.
Fers. u. d. Sache 38, 36. 279,
11. 17; der sfle v. 97, 25; des
pbftwen v. 263, 13 /.
vart: üf der v. sin 109, 17;
alle vart allzeit 104, 23.
varwe: sine v. Verliesen 258, 3.
varwelln (virwlin) Demin. zu
varwe 119,21.
vasten 2»2, 15. 244, 19. 333, 24.
Tater: fleischlich - geischlich
252, 22.
väterlich adj. 10. 20.
vecb adj- bunt 44, 22. 46, 8 /.
vedere : der sfle vedran 288, 17.
vegeviur stn. Feg f euer 6, 31.
216,11. 299,13. 16.
vehten: pari, praes. 20. 34;
142, 25; vehtendc liutc 57, s.
vchtcrin stf. 23, 29. 155, 21.
veige adj.: die veigen tiuvel
69. 11.
veizt tfaist): v. machen 23, 9/.
voizte: in voller v. 185. 1 (G);
gcistlichiu v. des b. geistes
23.11.
vcl, wizcz 283, 27.
vellec adj. : v. sin, werden 95,
14. 189,10. 197,2s. 244,11.
veilen, einen boum 203, 19.
veltbluome stem. 270, s. 325,
32 /.
ffnix 268,19.
venje Kniefall, Bu/Uibung in
Kloster: v. nemen 151, 14.
154,22. 1S2, 13 /. 202, 24.
venjen subst. Inf.: mit veni-
ande (venienn Var.) 244, 20.
333 24.
venstcr «= 5 Sinne 61,27; —
Maria 243, 5.
veralten, in den Sünden 136,
25. 137, 3.
verborgcnliche körnen 17,112.
verbissen tr. schlecht machen
144, 5. 164, 19; refl. 116,13;
virboister wille 152, 36 (Gl.
verboten sin 8, 13.
verbrüejen:parf.virbrägit 140,
20 (G).
verdamnissc (verdampnust),
ewigiu 4, 8.
verdamnnngc, ewigiu 45, 16.
6S, 10 /.
verdecken (bedecken Var.) 11,
14; refi. sich v. 135, is;
subst. Inf. An v. 236, 25 /.
vcrdeckungc 135, 25 (G). 236,3t.
verdeneu, den lip 236,3; sich
V. 236,21.
verderben infr. zu Grunde
gehn 70, 20; fr. sich selben
v. 202, 16.
verdoln zulassen 323, 16.
verdorren 48, 10. 13.
verdriczcn 102, 14 ; mit Gen. d.
Sache 158, s /. 199, 9. 21 258,
■tf-
verdrozzeniiehe aefr. 199, 9.
verdrucken vernichten 111,5/.
116, 11 191,7. 27. 259,3.280,
16; sich r. 144, 11.
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verccundia «= schäm 284, lt.
vereinen, sich mit Gote 17,
25. 31 und öfter s.
verelienden refl. 272, 15.
verenden fr. unser leben 155,
22; infr. 120, 21. 203, 22.
vergebene adv. umsonst 68, 6 f.
67, 3. 168,4/'.
vergiezen tr. ausgießen 198,5/".
vergift stf. 3, 29 1 17, so f. 118,
M.
verguot — vür guot 84, 13.
verhengen verhängen 169, 13 f.
174, 1.
verboln adv. heimlich 144, 27.
verbouwen, die Bunnen -=
die Menschheit Jesu 5, ao f.
verirren (verierren) fr. einen
in die Irre führen 202, 16;
infr. 186, 16. 201, 29; ver-
irret sin 282, 23. 322, 10.
verkfren etwas böse auslegen
194,5 f. 263,30.
verkCrer Betrüger 274, 28 (G).
verkomen sorgend verhindern
279, 31.
verläzen, vcrliln fr. fortlassen
87, 3«; zurücklassen, hinter-
lassen 91,15. 198,11; nach-
lassen 170, 32 | G); unter-
lassen 252, 19 f; mit Gen. d-
Sache, frei lassen 265, ts;
einen ohne Arbeit lassen 312,
22 (Z).
verfilzen part adj. ausgelassen
333, 35; Compar. Verfasser
<— verläzoner) 335, 40.
vcrläzcnheit Ausgelassenheit
224, c. 334, 11.
verläzenlichc adv. : sich v. hal-
ten 299, u (Z).
Verliesen : hier vielfach Neben-
form verlieren 27, 34. 57,
14. 63, 20 f. 88, 15/. 108, 4.
10. 192, 16.
verlongenentvcrlogennen, vir-
lo’ginncn G): sin selbes v.
112, 2.
vermäsegen 284, 27 (G); part.
verm feget 152, 14. 16.
vorm Iden subst. Inf. 56, 6 /.
vernüftekeit iS, 4.
Wortverzeichnis.
vorro adv.: v. nmb 12,9.
verre adj.: in verriu lant 229,
9. 12/.
verren entfernen 16, ll.
verrihten, die sele ze himel-
rlche 254, 7.
vers: einen v. gesprochen 204,
14 /; v. beten 253, 24.
versagen 48, 23. 2»; den munt
v. 12, 21.
verschalten fr. verstossen mit
Gen. d. Sache 204, 21 /.
verechclkcn betrügen 116, 13
(G).
verschulden : part. verschult
290, 6.
versehen fr. abwenden, ver-
hüten 58. 38. 225, 2; ansehen,
auffassen 202, 21. 246, IS;
refl. erwarten 195, 13. 196,
19/. 217, 9.
vcrselwen 221, 15. 267, 34.
versenken 11,21.37.
verseret sin 126, 12.
vorsetzen : dem tiuvcl versetzet
sin 329, 19.
vcrslindcn 1 84, 4 /.
versmaehede tversmaehte) stf.
59, 27.
versmichcn, vetsmähen 13, 14.
60, 4. 103, 20. 214, 10; ver-
smiehet sin 28, 26. 37, 24 /. 60, 1.
versrmrhest superl. adj. 311,
26 (Z\: versmiehtest 318, 3.
voramähunge 255, 7.
verstän: in guot v. 12, 2; an
Gote v. an Got merken 1 69, 7 ;
sich v. sich merken 262, 16.
verstandenheit 335, 37.
! verstantnisse (verstantnust)
133, 16. 188, 22.
versteinen 109, 21. 110, 6, 328,
12.
versteln 97, 22 /. 109, 27. 279,
lt.
versüenen 141, 13 /. 325, 1 /.
329, 2t.
versQinen, sich 11, 3.
versuochen 173, 14/; der tiuvcl
v. den menschen in mänger
wtse 115,4/.
verswechen refl. 116,13.
377
versweinen (verswenden Var.)
vernichten 265,7 (G). 307, 30
i^l.
verswenden vernichten 265, 7.
verswerzen 89,6 (G).
verteilen verurteilen 135, 5.
137, 25 (G). 212, 17. 228,4 (G).
323, 30.
vertemren, die sunnen 300, 27.
vertragen ertragen 65, 8. 73,
34. 162, 5 /. 281, 21. 291, 25.
311, 14/. 316, 15. 338, 21.
vertregclich (vertraglich) adj.
verträglich 333, 15.
vertriben, die z!t 44,34. 61, 30.
vertuon, daz leben 331, 26.
verunreinen 2S1, 13.
vervähen infr. nützen, helfen
245, 2. 284, 4.
vorvam part. adj. vergangen
188, 22. 219,30. 255, 10. 331,
25.
ververwen 243, 10. 14.
vcrvliczen intr. dahin f Hessen
1 0 1 ,to ; diu sele vervlöz 1 74,15.
vervluoeben: ein vcrvlSchtcr
mcnsche 208, 21.
verwandeln 221, 20 (G); bröt ze
vlcische, win ze bluotc v. 6
22; ir stat v. verlassen 55, 29.
327, 22; unsere herron V. 55,
33; einen bluomen v. daran
Vorbeigehen 325, 27 /; ver-
wandelt werden in Got 237,
28 ; refl. sich v. 5, 21.
verwerfen zurückweisen 322,
18 /; einen willen v. ver-
schmähen 114,3; refl. sich v.
sich verschmähen, verdemü-
tigen 51, 25. 263, iS. 274,
28 (G). 303, 10; part adj.
verworfen 28, 25. 37, 24. 33.
214, 7. 293, 16. 325, 26.
verwcrircln (vcrwicron) swv.
in Unordnung bringen, ver-
letzen 58, 36. 105, 23. 328, 21.
verwerzalot (verselwet Var.)
verletzt 221, 15 (G).
verwirken zu Grunde richten
109, 25.
verwunden, daz herze 60, 15 /;
verwundet sin 257, 13.
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378
Wortverzeichnis.
verzem, unser leben 61,23. 29;
sich v. 118,24.
vorzihen abschlagen , entziehen
47, 14. 107, 1». 178, 15. SSO,
1 f.\ refl. sich weltlicher
vröudo v. SSI, 10.
vcrzuckcn schnell hinwegneh-
men 181, 29; verzucket sin
verzückt sein 128, 3 f.
verzuckunge: v. dersflc 25, 1;
des menschen 128, 1 f.
vestenen 130, 10.
festina spolia predaro 297, 1.
vetacho 269, 1; vctche der
tugende 288, 12.
vetzeu: mit gevetzotem ge-
wandc mit zerfetztem Ge-
wand 45, s.
vezzelln (vetzli) — vässltn
74, is. 32.
vtant (vlent, vlgint) 58, 39.
59, 1 1 drierhando v. des
menschen 94, 21 f.
videlen S07, 21 (Zt.
vlentschaft(vlgcntschaft) 53,8.
189, 2f„ 191, 13. 212, 13.
vlhelich adj. 157, 8. 1#.
fiiius ire 320, 30.
vinden, sich »icA erfinden, be-
trußt werden 209, 31 f.
vingerlin 44, 22. 46, 15 f. 99,20.
100, 29 f
vinsteri stf. 58, 19.20. 305, 6;
v. des Irrens 201, 24 f\ v.
der sünden 210, 3 f.
viele stm. Veilchen 263, 11.
317, s.
vlolvar adj. 139,9.
virmunge 5, 35.
vlretac 2, 2.
visch, in dem wazzer 18,6.
vischer 118, 1 f. 122, 4.
viuhten: part. gevülitet feucht
machen, befeuchten 276, 22
IG).
viur: daz götlich v. 78, 35; ■=
gn.lde unsere herren 97,28/". ;
— hl. Geist 58, 2; — minnc
— 179, uf\ des v. natüre
179, 1 sf\ v. in dem Isen
301, s f; v. der Cwigen ver-
damnungc 45, 16 f.
viurin adj. : v. sfil 1S6, 11 f.
viurtrager Lucifer 79, 10.
vlec stm. 60,i:. 238,18; drler-
liande v. der sflcn 298,1 f.
vlcckcn beflecken 190, 33 ; gc-
vleeket sin 152, 14 f.
vlöhe : mit grüzer v. 38, 25.
vleisch (fIPsche Dal.) 15,1.34.
94, 22; zo v. werden Mensch
ir erden 242, 7.
vleischlich adj.: v. bekornngo
244, is.
vliege : pt. fliuga 5, 4.
vliegen; ze himel v. 93, 24;
über diu grober v. 264, 15.
vliezen, über allez himelrtche
238, «.
vluc; einen kurzen v. hän
204, 21; in dem v. splso
nemen 267, 31 f.
flühtec werden 109, 23.
vluoch: der v. gelichet sich
einem schoze 325, 21.
vogcl 18, 7; =* hl. engel
47, 22; v. mit des menschen
antlütze 266, 9 f: zweiger
hande v. 326, 34 f.
vogelltn (vögelli) 22, 27. 58, 26.
260, 4.
volbringen (vollebr.) 46, 21.
119,28. 335, 33 f.
volgeu mit Gen. d. Sache:
im des übelen v. 173, 12 f.
volgunge: diu v. nach Goto
Nachfolge Gottes 69, 17.
volkomen adj. : ein v. mensche
338, 8.
volkomenc (vollckomeni) stf.
Vollkommenheit 143, n.
volkomenheit (vollckomen-
heit): F. Gottes 292,24 f.\
6 Zeichen der V. 50, 8. 10 f. ;
v. des leben» an drin dingen
336, 9 f.
volle adv 109, 16.
volle ivSIlil Fülle, Vrberfiuß
(— vollungo Var.) 51,29.
185,1.
vollec afij. 26,19. 267,16/".
vollceltche adv. 66, 1 sf. 67,19 f.
vollunge(= volle Var.) 50,n/".
51, 29.
volrecken, volrechen vollstän-
dig sagen, erzählen 62, 8 1 Z).
63, 37. 72 , 8. 104, 7 «?).
305, 29 f.
volreden 62,8.
volrcichen völlig erreichen
104,7.
volricbcn « volreichen ?) =
vollbringen Var. 4, 1.
volrlche adj.: völlig reich
314, 17.
volvüererfn 278, 17.
fomes peecati 116, io/". 117, t
vor) - beeliczen 131,n. 232, 10.
235, 11 f. 324, 13; - haben
vorenthalten 193, 19; - lin
83,11. 167,7; - tragen, daz
tugentlich leben 119, is ;
-varn vorausfahren 152, ia.
vorbesmackunge stf. Vor-
geschmack 170, 14. 171, 1.
vordem : das vordret dir Got
zuo 60,34.
vnrgcsmackungo stf. Vor-
geschmack 122, 26.
vorhin adv. zuvor, zunächst
44, 35.
vorhte Furcht Gottes 48, 35.
92,23. 93, 10/. 94, if. 134,6.
295,29. 332,6.
vorhtsam (vorteam tadj. 335, 4».
formieren, ein bilde 116,17. 22.
vorechen (vörschen) 255, 1*.
fortis 296, 20.
foune (phonne) swf. Südwind,
Föhn 122, 15 f. ( G ).
vrtge guaestio dubia under den
meistern 54, 26; einer v.
v ragen 319, 18.
fransmUctekeit Freude, Glück
24, 23. 32, 37. 89, 6 <G). 121.
27. 281, 32. 327,23/". 338, 32.
frater domini 320, ss.
vrÄzheit 244, 19 f.
vreise Not, Drangsal 274,
23 1 G).
vremde: Comp, fromider 14, in.
27.
vremde: in ein fr>'mdi komen
von mir selben 171, 4.
vrevele: in der vrävli tnon
192,11; &n vravelli 334,12.
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vri: v. sin vor aller arbeite
219, 27.
vridc: waz v. ist 137, l 9/ 212,
9 /; v. haben mit Gote etc.
126, 13/ 16), 20 /; V. im
Himmel 64, 22 / 161, 10 /
218, 15. 238, 4; 3 Dinge,
welche den Frieden etören
211, io /; 4 Dinge, welche
den F. hindern 279, 5 / ; ein
gesiht des v. 2><8, 16.
vridebasre (fridbar) adj. 207,23.
vridebseri stf. 21, 37. 307, 9 [Z).
vridemacher Fricdensetifter
161, 15.
vridesain adj. 279, 2 f.
vrien, vrigen befreien 124, 13.
yrtiieitFreiheil im himmlischen
Jerusalem 213, 2 f. 219,
IS f. 249, 29.
vrisch: vrischcn llp liiln 13, 4.
vristen aufschieben 136, 7.
vritbof «= atrium 124, 13.
vroelkheit in Goto 273, 1.284,
19.
vrönlichain 6, 28. 28, 14. 198,
lll/. 312,25(2).
vrost 32, 19. 41, 33.
vröudo die himmlische, ewige
Freude 61, 16 f. 64, 7, 22 f.
68, 39. 100, 8 f. 102, 19/. 145,
9. 199, 16. 207,9.218, 16. 241,
22. 294, 7. 337, 19 /; geistliche
Fr. 95, iS; v. in beswierdo
6«, io/; v. ßf dem wege
199,:/; vier v. 306, 13/;
Maria ist uns durch drie
suche ein v. 329, 15 /; Fr.
der Weit 93, 18/ 119, 11.
214, 19/ 332, 17.
vrouwe, gekürzt vrö 117, 12.
vrouwclich adj. 224, 1. 5.
vriiuwcn: sieb v. gegen einem
8, 25; sich der vröudc v. 220,
24/ 306, 13 / ; sich eines
anderen heiles v. 176, 5.
vruht: wir sont drierhande v.
lesen 23, 26/; v. diu ßf den
bluomen walisct 43, 23/.;
diu lebende v. 159, 7; v. an
dem boume 326, 16 /
vrühtec sin 293, s.
Wortverzeichnis.
vrumecliche adv. 331,«.
vrumen nützen 3, 6. 14.
vrümen stiften, bestellen 34 1 , 13.
vßegen: die notdurft v. ver-
schaffen 68, 33; den willen
in eines anderen willen v.l 73,
32; zc den himelschen dingen
v. 130, 16; sich v. 21, 23. 33,
26, zu unreinen Dingen 79,
24. 24 /, zu der Seele 133,
9 /; in Got gevüeget sin 1 32,
25/ 308, 10; infr. 224,30/; ez
v. sich wol 189, 17/ 221,
11/ 222,2/
vuhs 35, 17. 3 26, 25. 32.
vßlcn (fulan u. vßlin) faulen
239, 28. 307, 30 (Z).
vfiikcit Faulheit, Trägheit :
stillo &n y. 334, 11.
vollen mit Gen. d. Sache:
vrönden u. gelustes v. 17 1 , 9.
fundament (fundmict) stn. 84,
33/
vuore stf. Speise 136, 31 (G).
207, 10. 268, 3.
vuoren 23, 0 / 38, 33. 53, 5. 7.
92, 2 (G). 214, 30. 240, 6. 308,
31 (Z).
vnozschcmcl 99, 21. 129, s.
vuoztrit 224, 2.
vür: vürwärs < vür würcz
195, 14; ver guot 84, 13;
vürdaz mo fürderhin 240, 4.
vürj-bietcn vor sich halten, den
Schild 240,21, miltekeit v.
27 9, 32; - bringen 228, 3/;
- denken 224, 16; - legen,
sich 156, 21. 157, 13/; -
nemen 129, 31 ; - reichen
115, 22 (G); - sehen 4,28,
daz ist vürsehen <fn/tir ist
gesorgt 211, 14; • setzen,
tralita 20, s; - vüeren 104,
24/; - wein 1 19, 3.
vfirbaz adv. 13, 2; v. körnen,
loufen, bringen 25S, 14. 19, 29.
vürder varn 92, 20.
vürcrwcllungc Vorerwählung,
Auserwählung 119, 7. 121,
18/
vürsehunge stf.: v. künftiger
dinge 168, 23.
379
vürspreehe Fürsprecher 107,
21. 197, 32. 225, 1.
vürste, ein edeler 244, 6.
vürvamdo: daz vßrvarende
leben (< vervarnc) vergan-
gen 130, 3/
W&c stm. Woge 59, 33.
wachen, daz 333, 24.
wäfen: din w. tragen 2S6, 22;
w&fcn (vafina, vafena Z)
Wehruf 89, 20 (G).
wüfenen (wieflen) 57,16.93, 3/
wiege adj. überlegen, vorteil-
haft 279, 25.
wägen, den llp 51, 13. 325, 12/
wagenwee 12, 10. 13, 5.
wsehe adj. zierlich, fein 333,34.
wahs 17, 36. 37, 3.
wahsen, in einen volkomnen
man 180, 4.
wiejen u. wiegen vom (find
34, 11. 23; ze Gote gewseget
64, 14; vom Blut, nachrinnen
29, 28.
wandcl: än allen w. ohne
jeden Wechsel 230, 26.
wandelbare (wandelbar) adj.
196, is. 230, 25.
wandelbaeri subst. 255, 10.
wandeln, sich eon Gott, sich
verändern 306, 3.
wandclunge stf. Wandel, Auf-
enthalt 37, 15. 119, 7. 317, 4;
w. des nntlütz Verwandlung,
Wechsel 99, 4 ; w. der weite
140, 28 (G).
wange: zedem wangen slahen
323,26; diu wangen värwen
101, 28; wangen jucken 5,1.
wannen, wannan 262, 11.
wär hän Recht haben 113,6.
wärheit: götlichin w. 157, 2:/;
diu Orste w. Gott 235, 4/;
mit wärhet 36, 32; w. ver-
dirbet in vil rede 340, 3.
warten: in den himel w.
nachschauen 288, 1 / ; einem
des endes w. 336, 2/
wartungo stf. Erwartung 122,
18.
waschen, wüschen: sich w. in
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380
dem brumien 5$, 32; mit
trähennen w. 170, 4.
wa*chhft8|wa>schlius)«(n. bild-
lich 339, 20.
wazzor 26, 18 /. 39, 32/.; diu
lebcDdon w. 23S, u (G).
wazzcrbluomc 264, an.
wö: w. sin 175,15; w. tuou
176, 1 /. 161, 17. 216, 18 /.
wec: enger w. 13, ll; steiniger
w. 45, 18; von dem unrehten
u von dem rehton w. 186,
1 /.; üf dem w. ein 308,27;
von dem w. körnen 40, 5;
lengern w. stiodien 331, 14;
w. des vihes 157, 4 /. ; w. der
reinkeit, dcmüctekcit 158, I
25 /. 159, 22; der weit w.
155, if. 187,8; enkein w.
— enkein wls Var. 113,25
(G); von einen wegen 333,
13.
wegtrro (wegerj : ein w. der
geistc 269, 2 (G).
wegebluomc ttem. Sonnen-
blume 268, c.
wegen, daz honbet 334, 8 f.
weide 53, 5 /.; 'drierhande w.
23, «.
weinen als geistl. Übung 21,
27; sin sündc w. 333, 27; ir
herzelieben kindes sfr w.
304, 33 (Gl.
weizenkorn 28,18. ISO, u.
wellelin Dentin, tu welle: zo
w. werden 312, 37 (Z).
weit 94, 21 f. 1 18, if. 128,18/;
157, a / 280, s /.; bOsheit
der w. 60, 24. 128, 20 /.
157, 6; der w. ir rcht ge-
ben 285, 6. 320, 14 f: die
W. ist unrein 324, ic; ist
unstät 101, 8. *2 13, 25. 264,
27. 336, 31. 340, 4; gleicht
dem Monde 99, 30. 100, 3;
dem Gold 110, 3 f. 140, 21 f.\
einer Frau 119,11; einem
vallo 203, l %f.
wenkeu 331,8.
werben, nach dem himelriche
248, i(.
wert: guotiu werc 5, s. 58,
Wortverzeichnis.
10. 59,21. 97,30 98,3. 115,
26. 117,28. IIS, 18. 27/. 120,
3. 121,14. 142,13. 151,10.
152,8. 157,18.20.160,21. 161,
26. 198,28. 201,12. 229,18.
261,10. is /. 273,8/. 308,20.
330, is/.; reinkeit der w.
42, io; vollekomcnheit der
w. 337,37/.; w. würken ISS,
5; w. neben 188, 23/.
werken (werehen) 2,4. 11,7.
21, 28 etc.
werkerinno twerchcrin) stf.
143,5.
wem leisten, bezahle» 1,4;
gewert werden erhalten 22,
3. II.
werren stören, hindern, auf-
halten 20, 5. 67, 13. 89, 4 /.
100,23. 118, 13/ 216,20. 22.
263, 25. 245, IS (G|. ; waz
wirret mir was liegt mir
daran 194, 1.
westerhuot Taufkleid 26, 37
wichus (wighus) festes Gebäu-
de: ein w. aller heilikeit
155, 21.
widerbildnngo stf. Schaffung
eine* Ebenbildes 274,8.
wider] -bredigen, den gionben
gegen den Glauben predigen
7,36 ; -bringen zurückbringen
271,3,die bluomen w. texeder-
herstellen 48,8; -geben 53,
33/. 54, if. ; -gelten 60,23;
-grisgen zurückprallen 30, 22 ;
-kören zurückkehren zu Gott
63, 22. 105, 3/. 169, 11. 209,
28 /. 256, 26/. 272, 1. 312,1.
318,15.325,22; -komenl05,2.
144,7/. 292,7/., Wiederauf-
leben 325, 24/.; -kouten, mit
sim töde 168, 12; -leben tr.
wieder erleben 58, 21 /.
widcrhellec atfj. teiderspre-
chend 218, 5.
widerboeree adj. « ungehie-
rec Var ) widerspenstig 191,
22 <G). 279, 26.
widermnot 122, 2. 162, s. 175,
10/.
widerräten 47, so.
Widerreden 96, 8.
widersacho swm. Widersacher
279, 6. 280, 8. 323, 15.
widersagen entsagen 278, 3/.
widerstän 27,31. 69, 23/. 172,
35. 2S5, 3 f.
widervam 12, 20 13, 15. 24, 8.
98, 16. 189, 5. 213, 17.224,28.
widerwerfen verwerfen 237,
1 1G1.
widerwerto stf ? 316, 14 i/T).
widenvertec adj. 143, 16 (G).
widcrwertechoit (widerwart-
haitl 150, 13. 273, 2S.
widerwertecliche adv. 176,25
(G).
widerzreme adj. unschicklich,
widerteärtig, absto/iend 14,
14. 20, 29. 141, 2. 203, 13. 214,
13. 339, 4.
wilde: daz herze ist so w.
204, 10.
wile: alle die w. 91,4/.
wille; later w. 41, ss; vennäa-
geter w. 152, 14. le; vrier
w. 165,s/.; des menschen
w. — priol in der s« le 27,
25; ist der obrost in der
söle 11 1, 21 f.; seinen eigenen
IV. aufgeben 69, 23. 68, so.
111, 24/ 211,28. 333, 3.
wln : wiz, r6t, gewürzter 293,
18 /. 309, 12. 22.
wtngarte Weinberg 294. 8.
winkcllcr 13, 8.
winken subst. Inf. 256, 2/
289 .4nm.
winker: daz winken nemen
für den w. 256, 4.
wlnnaht tac 37, 20; win nähten
44,s.
wtnrebc, diu himclschc 293,
15/.
winstcr ( vinstcri adj. link
35, 80. 123, 18. 124,23; w. alte
257, 18/ (G).
wint : in den w. werfen 66.
26/
wlp: daz boese w. 168,17;
ein geischliche w. 172, stf.
wirdecheit, werdekeit st/. 41.
24. 43, 7. 16. 47, 26. 63, 31.
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102,17 /. 106,11. 142, 11 /.
114, s/. 157, 3. 5. 209, 2S.
Wirt 19, 22. 27. 85, 16.
wirtinne 247, 8.
Wirtschaft Gattmal, Schmaus
9, 33. 20, il /. 4t, 6 /. 45, 9;
w. hän mit u. herron 85. 26.
87. io; himelschiu w. 177, 7 /.
wisc Hiesc S17,l.
wtsc nrlj.: w. von der schritt
u. von natürc 188, 2; der hl.
Reist machet wtse 12, 7.
wisheit des Menschen, Tugend
der IV. 12,7. 187,31; Gottes,
vor allem des Sohnes 142, 2.
152, 4 /. 205, 24 /. 232, 3 /.
234, 12 /. 274, 4. 289, 1. 336,
16 /; bauch der w. 146,12.
wisliche adv.: Got w. minnen
167, 2. 172, 1 /.
wtssage David beew. Solomon,
Aussprüche derselben 37,38.
70, 19. 73, 39 /. 80, 13. 88, 33.
69, 2 /. 90, 4. 93, 23. 95, 19.
98. il. 14. 104, 24. 109, 2 /.
113, 27. 121,9. 122, 14. 123,1.
128, 17. 137, 12. 156, 16. 157,
20 /. 159, 9. 21. 169, 11. 171,
16. 182, 17. 183, 18. 164, 9.
21. 185, 11. 187, 18 /. 197,
19. 199, il. 201, 5. 203, 1B.
205, 8. 206, 16. 228, 19. 249, 1.
262, 17. 299, 3. 290, 2. 298, 4.
304, 3 /. 308, 13 I Z). 19 | Z).
308,32 /. 310,20. 312,10. 330,
22; die Propheten 64, 25.
329, l.
wlssagen 103,4. 158, 21. 227,
26.
wtstuom stm.: der wise w.
275, 19.
wlt machen, den mnnt 308, 20
(Zf. 310, 17.
witehopfc (widhoph) 263, u f.
witen, daz herze 246, n ; infr.
der wec wltet 187, 14.
wltcm sicr. intr. 187, 23.
witewe, witwe 1S0,17 (G).206,
31. 277, 2«.
wits weife stf. Weife 204, 19. 32.
witsweifee adj. 204, io.
witsweifen 204, 29.
W ortverzeichnis.
witze WeisAeif 83. 5. 85, 14; w.
der tugent (— mfize der t?)
216,2.
witzec: w. von natürc u. von
kiinsten 202, 6 f.
witzecllcho adv. 224, 19.
wizo (wtsac ) Strafe, bes. Strafe
der Hölle, des Fegfeuers 13,
7. 27. 15, 29. 32. 56, 3 f. 66, 3.
60, 18. 216, 8. 13. 264, 11.
332, 3.
wizegen u. wizen strafen 104,
19. 146, 4. 212, 19. 213, 18.
216, 10. 264, 8. 290, 6.
wizzen s. bissen,
wolgetieno stf. schöne Gestalt,
Schönheit 273, 14.
wolgevallnnge, des menschen
830, 13 f.
woigezogen adj. 247,8.
wolke u. wölken sicm. u. stn.
in eigentlichen u. fig. Sinn
203 , 30 f. 220, 12 f. 237, 1.
300, 21. 26 f.
woikelln 300, 23.
wolle 2 23, 22. 24.
wolluat u. wolnust stf. Lust,
Wollust des Leibes 58,1. 110,
7 f. 116, 14 132, 22. 136, 32
(G). 141, 24. 145, 12. 207, io.
209, 12. 18. 214, 20. 233,32.
256, 13. 25. 258, s; w. der
ougen 109, 14. 110,5; garte
der w. 158, 12.
wort: Gotes w. 8,7 f. 14,20.
240,9/': zweiger hande Gotes
w. 240, 12/; daz lebende w.
242, 2/; daz fwige w. 228,
2 /: müezigez w. 303, 17 ;
vollekomenhcit an den Wor-
ten 337, 23 /.
wücfcn (wüffen) rufen, schreien
294, 24.
wüeste stf. im eigentl. .Sinne 2 5,
17. 98,4. 119, 16. 120, 19. 186,
u /; w. bildl. dirre weit 186,
14; — herze 83,32 /; — hitnel-
riche 120, 18 /.
wüctcn: ein wüetendez vinr
63, 13.
wunde: w. unsere herren 88,
35. 70, 1 /. 94, 14. 94, IS. 163,
381
6; W. der Erbsünde 159,
7 /. 162,26/; tut am dritten
Tag am wehsten 112,10/:
die w. bluoten sehen 286, 25.
wunden verwunden 95, 6.
wunderherte (hcrtl 187, 15.
wundcrkündec 202, 9.
wunderlich adj. wunderbar ,
seltsam 82, 4. 234, 7; w.
rede 230, 19; w. vrägo 288,
19; ir w. schcenc 329, n /. ;
w. gcwalt 14. herschaft Go-
tes 220, 29. 31 ; der w. Gut
296, 12.
wunderliche adv. 81, so. 230,
21.
wundern «. Bich w. 289, 6.
291. 1. 4. 314, 14 (Z). 329, 11;
sich des wundere w. 220, 32.
wundere (7 re 205, it.
wundereüeze 187, 25.
wunderewiere 187, 24.
wunderungc stf. Verminde-
rung 205, 14. 208, 29. 210, 2/.
219, 16/.
wunderwol 202, 23.
wunncclich adj.: w. leben äne
tot 62, 3. 5.
wünsch: mich w. hün 97, 11.
wuochcr (wuockir) Wucher 2,
32; Frucht 274, 15. 18 (G);
des rOsen w. 275, 28 /.
wurm: zo würmen worden
265, 6.
wurmaezoc adj.: wurmstichig
326, 19.
ysop 287, 18. 294, 16.
Zam < zo am 271, 30.
zart adj. .' den lip niht ze z. hän
333. 25.
zart stm. Zärtlichkeit, Lieb-
kosung, Wollust 119, io. 274,
24/.; den z. vüegen 275,1.
zarten mit Dat. d. Pers. 37, 29.
124.25. 274,5. 308,14 (Z).
zärtliche adv. 57,9.
Zeichen ( G zachin): z. tuon
Wunder wirken 30,5/. 114,
»/. 117,24 (G). 118,30 (G).
296, 18; Gotes z. tragen
92, 6; z. an rfen Werken
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382
Wortverzeichnis.
60, 34; gcisehlichiu, lipllchin
z. 1 14, 14 /.
zeichcnen : ein gezeichentcr
brunne 46, 32.
zein: ein z. gienc von einen
ougen 0z ein Strahlenschein
105 , 27 IG).
zelle Klosterzelle 2 1 1 , s. 339, 16.
zellen: Got zo keinen heilgen
z. 28,23.
zepter 30, is.
zorbtiuwen zerbläuen 29, 31.
zerbrechen intr. 291,8 (G);
tr. die sunnen z. 231, 16.
255, 24.
zerdenen (zertenen): part. zer-
tcut u. zertennet 10, 4. 36,
14. 18. 106, 24. 313, 6.
zerdreschen (zertröuehen) 279,
26.
zergän 90,24; part ein zir-
gnnginre tac 141, 17 /.
zcrganclich adj. 17, 7. 264, 2».
332, 17; z. dinc 15, 31. 65,
17. 129, 27. 184, 8. 237, 11.
258, 5. 283, 3. 333, 33; z. weit
307,14; z. guot 110,24 209,
8; z. vröude 265,9; z. licht
32, 37; z. wort 228,2; z.
schoene 119,20.
zerknisten: sin antliltte was
zerknistet 29, 34.
zerlin tr. auseinandergehen
lassen, sich verbreiten 56, 36.
57,32/.
zerschrinden Bisse bekommen,
au/springen 184,10.
zerspnejen (zerspraigem ver-
teilen den lön 220, 13.
zertuon, die gnade 301, c; mit
zcrtilncn armen 312,3.
zerungc Zehrgeld 199,22. z.
ze himclrtche 200,6.
zervliezen: von wunnen z.
185,6; von minnen derminne
z. 813, 7 /; ein BÜozekcit zer-
vliuzet in mlner sele 171,6/.
zerwerfen zerstreuen 66, 27.
zcsamenl -binden 45, 13. 55,
13. 19. 102,7; -slahen 269,
1. 270, 2; - vollen 312, 37
(Z); -viiegen 63, 16. 65, 21 /.
152,3. 174,19. 203,16 306,8.
318,14 (Z).
zese (zeswci adj. u. subst.
recht, die Rechte 25, 4. 31,34.
35, 31. 90, 13. 95, 24. 123, 17.
124,23. 324, 7. 25.
ziehen: an, in sich z. 12, 13.
1 63, 19. 1 64, 5 ; zo himclrtche
z. 33, 24; refl. 3,23 /; sich
entziehen 15, 15. 73, 17. 203,
23/; sich in sich selben z.
157, 11. 233, 30; part. ge-
zogen auf erzogen 118, 20 /.;
wol gezogen 247, 8.
zieren : daz hüa z. 247, 11 ;
sich z mit tugenden 25, 13.
42, 12; mit varwe 119, 12 f.;
gezieret sin als ein brQt
208, 6.
zimberman 203, 3/. 255, 21.
zimbera 140, 12.
zinnen, des tcmpels 192, 18.
zins: zo zinse geben 319.21.
zltec sin reif 266, 2.
zitlicke adv. frühzeitig 29,13.
59,36.
zitlfise 317,4.
zinre « zc tiuro oder ze
ziere?) 333,32.
zorn 245, 9.
zouber (zober) 4, 27.
zucken wegnehmen, entreißen
29,2«. 30,21. 69, 11 /. 279,
26. 310, 24; ab dem stuole
z. mit Gncalt icegriehen
323,17; einen z. — kripfen
222, 26 (Gi; sich z. in sich
selben 156,23. 157, 9. 13.
znbt stf. : guotiu z. 154. 7.
179, I. 247, 5. 252, 9 /.;
mägtlich z. 224, 6 ; zuht ine
unzuht 64,21/. : personifiziert
273, 2.
zühtecltchen adv. : sich z.
halten 333, 30.
zunge: niuwc z. reden 115,
28 /.
zünslüpfcl stm. Zaunkönig 87,
so.
zuoj-komen geschehen 142.2s/.;
- legen 84, 1. 97, 29. 98, 1.
143, 1.
zuoganc 107, 14.
zuokunft, unsere herren 44, 19.
46, 29. 71, 9. 75, 18. 83, Ja.
251,3. 312, 24.
zuovereibt 206, 21 /. 235, 2 0 /.
290, I. 324, 21.
zwahen s. twahen.
7. wäre adv. / üncahr 259, 22 (Gk
287, 14: ji z. 294, 15.
zwelfboten Apostel 50, 21. 72,
27 /. 163, 12/. 182, 22. M.
206, 27. 211, 21. 212, s. 229,
1. 247, 6. 248, 9.
zwi stn. Zweig 159.6 (G) (•«
zwlc A) 197 , 23. 277, 27.
zwlgen, fraht 159, 4.
zwivalt adj. doppelt S, 33.
zwivcllich afij. 336. 2.
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Ergänzungen und Berichtigungen.
1 : ru Predigt 1 ff. vgl. die Lesarten der Hg. S. Seite 342. 8: zu Predigt 3 vgl. Schön-
bach, Studien zur Geschichte der altdeutschen Predigt VI. Stück. S. 124. 10: zu Predigt 4
vgl. Pfeiffer-Strobl, Berthold von Regensburg II, 664 und Schönbarh a. a. 0. VI, I I I. 12 23: l.
h'itont sfl sich daz sü sich öch niemer. 17 2 2: statt sei ist wohl seb (< gelb) zu lesen.
18 11: ist die Interpunktion zu streichen. 23 4: st. fride l. waide mit A. 24 4: bessere
Lesart S. 35 7: siehe richtige Lesart in S. 67 Anmerk. 6: I. sprichst statt pricbet.
61 ig: vgl. Schönbach a. a. 0. VI. Stück, S.123. 67 32: L stungen der statt stungender.
69 17: vgl. Zeitschr.f. deutsche Philol. 14 (1882), 64 ff. 74 m: I. verminst statt Vernunft 78 An-
merk. 4: bc«t vor ross. 92: in den Lesarten zu Nr. 36 ergänze Z. 12 andir ist d. 20: l. also
sp\ s. Paulus so bis 22. 93 Lesart 26: l. fibersilbim statt tiberailbern. 94 Lesart 24: I. tach
statt tag. 96 Lesart 1: l. her David fehlt G, David Z. 96 Lesart 14: den fehlt G.
23: Dirr br.] der br. daz G. 141 11: richtige Lesart mit G verbötet statt vertribet, dann und
die er ratet 233 1: richtiger drie statt die. 32: wohl richtig ermazzen.
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Druck rou J. B. Hirschfdd in Leipzig.
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Deutsche Texte des Mittelalters. X. Ild. Tafel I.
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1
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Bl. 1 1 (Druck S. 1 ).
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H
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Bl. 35 v (Druck S. 163).
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Deutsche Texte des Mittelalters
herausgegeben
von der
Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften.
Band IX.
Tilos von Kulm
Gedicht
Von siben Ingesigeln
aus der Königsberger Handschrift
herausgegeben
von
Karl Kochendörffer.
Mit einer Tafel in Lichtdruck.
BERLIN
Weidmannsche Buchhandlung
1907.
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Verlag der Weidmannschen Buchhandlung in Berlin.
Deutsche Texte des Mittelalters
herausgegeben
von der
Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften.
I. Band: Friedrich von Schwaben. Aus der Stuttgarter Handschrift heraus-
gegeben von Max Hermann Jellinek. Mit einer Tafel in Licht-
druck. gr. Lex. 8. (XXII u. 127 S.) Geh. 4.40 M.
II. Band: Rudolfs von Ems Willehalm von Orlens. Herausg. vonVictorJunk.
Mit 3 Tafeln in Lichtdruck, gr. Lex. 8. (XL1II u. 277 S.) Geh. 10. — M.
III. Band: Johanns von Würzburg Wilhelm von Österreich. Herausgegeben
von Ernst Regel. Mit 2 Tafeln in Lichtdruck, gr. Lex. 8.
(XXII u. 334 S.) Geh. 10.— M.
IV. Band: Die Lehrgedichte der Melker Handschrift. Herausgegeben von
Albert Leitzmann. Mit einer Tafel in Lichtdruck, gr. Lex. 8.
(XIV u. 55 S.) Geh. 2.40 M.
V. Band: Volks- und Geseilschaftslieder des 15. und 16. Jahrhunderts.
1. Die Lieder der Heidelberger Handschrift Pal. 343, herausgegeben
von Arthur Kopp. Mit einer Tafel in Lichtdruck, gr. Lex. 8.
(XVIII u. 254 S.) Geh. 7.60 M.
VI. Band: Eisbet Stagel, Das Leben der Schwestern zu Töß, herausgegeben
von Ferdinand Vetter. Mit 2 Tafeln in Lichtdruck, gr. Lex. 8.
(XXVI u. 132 S.) Geh. 5.— M.
VII. Band: Die Werke Heinrichs von Neustadt, herausg. von Samuel Singer.
Mit 3 Tafeln in Lichtdruck, gr. Lex. 8. (XIII u. 534 S.) Geh. 15. — M.
VIII. Band: Heinrich von Hesler, Apokalypse. Herausgegeben von K. Helm.
(im Druck.)
IX. Baud: Tilos von Kulm Gedicht von siben Ingesigeln, aus der Königs-
berger Handschrift herausgegeben von Karl Kochendörffer. Mit
einer Tafel in Lichtdruck. (Im Druck.)
X. Band: Der Prediger von Sand Georgen, aus der Freiburger Handschrift
herausgegeben von Karl Rieder. (Im Druck.)
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Deutsche Texte des Mittelalters
herausgegeben
von der
Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften.
Band X.
Der sogenannte
St. Georgener Prediger
aus
der Freiburger und der Karlsruher Handschrift
herausgegebeii
Karl Rieder.
Mit zwei Tafeln in Lichtdruck.
BERLIN
Weidiuannsche Buchhandlung
1908.
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Verlag der Weidmannschen Buchhandlung in Berlin SW. 68.
Deutsche Texte des Mittelalters
herausgegeben
von der
Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften.
I. Band:
II. Band:
III. Band:
IV. Band:
V Band:
VI Band :
VII. Band:
VIII Band:
IX Band
X Band:
XI Hand:
XII Band:
XIII. Band:
XIV Band:
Friedrich von Schwaben. Aus der Stuttgarter Handschrift herausgegeben
von Max Hermann Jellinck. Mit einer Tafel in Lichtdruck, gr. Lex. 8
(XXII u 127 S i 1904 Geh 4.40 M.
Rudolfs von Ems Willehalm von Orlens. Herausg von Victor Jonk
Mit 3 Tafeln in Lichtdruck, gr. Lex. 8. (XLI1I u. 277 S i 1905. Och. 10 M.
Johanns von Wörzburg Wilhelm von Österreich. Herausg von Ernst
Regel. Mit 2Tafeln in Lichtdruck. gr Lex. 8. i XXII u. 334 S.) 1906. Geh. 10 M
Die Lehrgedichte der Melker Handschrift. Herausgegeben von Albert
Lcitzmann. Mit einer Tafel in Lichtdruck, gr. Lex. 8 (XIV u. 55 S ) 1904
Geh. 2.40 M.
Volks* und Gesellschaftslieder des 15. und 16. Jahrhunderts. I. Die Lieder
der Heidelberger Handschrift Pal. 34.3, herausgegeben von Arthur Kopp
Mit einer Tafel in Lichtdruck gr Lex. 8. (XVHl u 254 S t 1905. Geh. 7.60 M.
Elsbeth Stagcl, Das Leben der Schwestern zu T6ß. Herausgegeben von
Ferdinand Vetter Mit 2 Tafeln in Lichtdruck, gr. Lex. 8. (XXVI u. 132 S)
1906 Geh. 5 M.
Die Werke Heinrichs von Neustadt. Herausgegeben von Samuel Singer
Mit 3 Tafeln in Lichtdruck gr. Lex 8 (XIII u. 534 S.) 1906, Geh. 15 M
Heinrich von Hesler, Apokalypse. Aus der Danziger Handschrift heraus-
gegeben von Karl Helm Mit 2 Talein in Lichtdruck, gr l.ex.8. (XXu.414S )
1907 Geh. 12 M
Tilos von Kulm Gedicht von siben Ingesigeln. Aus der Königsberger Hand
sebrift herausgegeben von Karl Kochendörffcr. Mil einer Tafel in Licht-
druck gr. Lex. 8 (Xii ii 110 S.) 1907 Geh. 3.60 M.
Der sog. St. Georgener Prediger. Aus der Freiburger und der Karlsruher
Handschrift herausgegeben von Karl Rieder. Mit 2 Tafeln in Lichtdruck.
gr l.ex. 8 (XXIV u. 383 S.) 1908 Geh. 15 M
Die Predigten Taulers. Aus der Engelberger Handschrift und aus Schmidts
Abschriften der verlorenen Straßburger Handschriften herausgegeben von
Ferdinand Vetter. (Im Druck.)
Die Mcisterlieder des Hans Folz. Aus der Münchener Originalhandschnh
herausgegeben von August Mayer.
Der große Alexander. Aus der Wernigeroder Handschrift herausgegeben
von Gustav Guth Mit 2 Taleln in Lichtdruck gr. l.ex. 8. (XII u 102 St
1908 Geh 4 M
Die sog. Wolfenbüttler Prianiclhandschrlft. Herausgegeben von Karl Euling
Mit einer Tafel in Lichtdruck gr Lex 8. pA^Ill u 243 S.i 19118. Gell 9 M.
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